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Full text of "Der Erdwolf, Proteles cristatus (Sparrman, 1783)"

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H. F. Frhr. von Ketelhodt 


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Anschrifl des Verfassers: Prof. Dr. E. Thenius, Palaontologisches Institut der Universitat Wien, 
Wien I, UniversitatsstraBe 7/II, Osterreich 


Der Erdwolf, Proteles cristatus (Sparrman, 1783) 

Von Hans Fremer Frhr. von Ketelhodt 

Eingang des Ms. 10. 3. 1966 

Meine personlichen Beobachtungen am Erdwolf wahrend meiner Tatigkeit an den Zoos in 
Johannesburg und East-London konnte ich erweitern durch die Unterstiitzung, die ich vom 
Kaffrarian Museum in King William’s Town und vom Museum in East-London bekam. Beide 
Institute stellten mir bereitwillig ihr Aktenmaterial und sonstige Hilfe und Auskiinfte iiber 
den Erdwolf zur Verfiigung. Auch mochte ich Herrn T. G. Taylor danken fur die schonen 
Aufnahmen, die diesen Bericht begleiten. 

Der Erdwolf ist ein Raubtier, das als Unterfamilie Protelinae zur Familie der 
Hyaenidae gestellt wird. Es gibt nur die eine Art, von der bisher 7 Unterarten be- 
schrieben wurden. Die Gattung Proteles kommt nur in Afrika vor, und zwar von Siid- 
afrika bis zum Somaliland und Sudan nach Norden. Innerhalb dieses Gebietes ist er 
dort anzutreffen, wo er seine Haupt- oder Lieblingsnahrung, die grasfressende Termite 
Trinervitermes , auf englisch „Harvester Termite", vorfindet im afrikanischen Gras- 
oder Buschfeld. Deshalb kommt er in waldreichen Gebieten oder im Gebirge nicht vor. 
Er ist nirgends haufig, aber sicher noch haufiger, als im allgemeinen angenommen wird. 

Der Erdwolf ist ein Nachttier, das den groBten Teil des Tages unter der Erde, mei- 
stens in verlassenen Hohlen des Erdferkels verbringt, da er bei hartem Boden oder 
harter Oberflache nicht selbst imstande ist, seinen Unterschlupf zu graben. Nur dort, 
wo die Erde weich ist oder nach einem Regen ist er in der Lage, sich selbst einen Un¬ 
terschlupf zu schaflfen. Da der Erdwolf standig am Ausbau seiner Hohle arbeitet, ist 
frisch aufgehaufte Erde am oder in der Nahe vom Eingang ein sicheres Zeichen dafiir, 
daB der Bau bewohnt ist. Der Eingang selbst ist meistens ziemlich flach, etwa 30 bis 
45 cm hoch. 


Der Erdwolf y Proteles cristatus 


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Abb. 1 und 2. Beim Verlassen der Hohle am spaten Nachmittag 


Die grasfressenden Termiten, die Hauptnahrung des Erdwolfs, leben in selbstgebau- 
tenTermitennestern oderHugeln, die nach aufien hin durch eine harteKruste geschiitzt 
sind. Im Durchschnitt sind die Nester 30 bis 120 cm hoch und gehen bis 30 cm in den 
Boden. Der Umfang kann bis zu 8,4 m betragen. 

In Gebieten, in denen die Bodentemperatur im Sommer sehr hoch ist, sind die Ter¬ 
miten nur in den kiihleren Stunden, nachts oder am friihen Morgen, auBerhalb des 
Nestes zu sehen. Die Arbeitertermiten verlassen urn diese kuhle Zeit den Bau, um 
Gras zu ernten, das in kurze Stiicke geschnitten und dann einzeln in die Vorratskam- 
mern des Baues getragen wird. Auch werden zu dieser Zeit Erweiterungen am Bau 
vorgenommen, und es kann dann geschehen, daB groBe Teile der Hiigeloberflache mit 
unzahligen Termiten dicht iibersat sind und dort natiirlich eine leichte Beute des Erd¬ 
wolfs werden. Fur ihn ist es deshalb gar nicht notig, die harte Kruste des Termiten- 
hiigels zu zerbrechen, um an die Termiten heranzukommen; auch ware er gar nicht 
imstande, das zu tun. Dafiir ware er auf die Hilfe des Erdferkels angewiesen, das mit 
seinen scharfen Krallen der VorderfiiBe leicht jeden auch noch so harten Termitenhiigel 
aufbrechen kann. In solchem Fall miiBte der Erdwolf sich mit dem begniigen, was das 
Erdferkel iibrig laBt. Friiher meinte man oft, der Erdwolf sei zu einem gewissen Teil 
auf die Hilfe des Erdferkels angewiesen, um zu seiner taglichen Ration Termiten zu 
kommen; das ist aber nicht der Fall. 

Als Nahrung kommen auBer Termiten alle Insekten und deren Larven in Frage, die 
er zu fangen in der Lage ist. Auch werden Eier von Vogeln, die am Boden briiten, 
nicht verachtet. Es wird auch berichtet, daB er Honig schatzt. Wenn er sehr hungrig 
ist, interessiert er sich auch fur kleine Saugetiere wie Mause, kleine Ratten und Maul- 
wiirfe. DaB der Erdwolf haufiger bei verendeten Tieren, bei Aas, angetroifen wird, 
hat seinen Grund, denn er wird von den Maden, Wiirmern und Insekten angezogen, 
die sich dort in groBen Massen ansammeln. Obwohl der Erdwolf zu den Raubtieren 
gehort, ist das fur ihn eigentlich ein zu harter Ausdruck. Sein GebiB ist auch fur den 
Biologen von besonderem Interesse. Die Backenzahne fehlen oder sind stark riick- 
gebildet; er braucht sie auch ja eigentlich gar nicht mehr, da er sich als Hauptnahrung 
auf Termiten spezialisiert hat. 

G. G. Simpson (1945) stellt Proteles als Unterfamilie zu den Hyanen; doch diese 
Einstufung ist umstritten. Die Hyane hat von alien Raubtieren das relativ starkste, 
der Erdwolf das schwachste und am meisten riickgebildete GebiB. Wenn der Erdwolf 
auch etwas auBere Ahnlichkeit mit der nordafrikanischen Streifenhyane hat, so ist er 



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damit noch lange keine Hyane. Abgesehen vom Gebift ist der Erdwolf viel feiner ge- 
baut und nicht so klotzig grob. Er hat an den Vorderfiiften je fiinf, an den Hinter- 
fiiften je vier Zehen, wahrend die Hyanen nur vier an alien Fiiften haben. Auch in der 
Farbung zeigen sich Unterschiede. 

Die Meinungen dariiber, ob der Erdwolf Schafe oder Lammer angreift, gehen in 
Siidafrika sehr weit auseinander. Als nachweislicher Termiten- und Insektenfresser hat 
er Schwierigkeiten frisches Fleisch zu fressen. Aber trotzdem mag es hier und dort 
vorkommen, daft vereinzelte Erdwolfe sich an neugeborenen Schaflammern vergreifen 
und diese nach dem Toten teilweise verzehren. Es wird sich aber hier immer nur urn 
Einzelfalle handeln. 

Aus den Akten der Museen in East-London und King William’s Town geht hervor. 
daft die dort untersuchten und praparierten Erdwolfe — ungefahr 12 aus verschiedenen 
Teilen der Cape Provinz — nur Termiten und Insekten als einzigen Mageninhalt 
hatten. Ein grofter Schaffarmer in der Cape Provinz Eng und totete in den letzten 
Jahren auf seiner Farm 50 Erdwolfe, und bei alien fand er nur Termiten und Insekten 
als einzigen Mageninhalt vor. Bei Untersuchungen im King William’s Town Museum 
wurde festgestellt, daft Stinkdriisen vorhanden waren, aber keine faulen Geriiche ver- 
breiteten. 

Der Erdwolf ist stumm, aufter wenn er angegriffen oder ausgegraben wird. Bei die- 
ser Gelegenheit wurden an Knurren oder Grunzen erinnernde Laute gehort, aber me¬ 
nials sehr laut. 

Der Erdwolf wird nachts auf Futtersuche, meistens nur einzeln, angetroffen. In 
Gegenden, wo es viele Termiten gibt, wurden manchmal zwei, sicher ein Paar, gesehen. 
Zwei bis fiinf Junge, meistens drei, werden am Ende des Winters, im siidlichen Ver- 
breitungsgebiet von September bis Dezember, unter der Erde in Hohlen geboren. Beide 
Eltern kiimmern sich um die Aufzucht der Jungen solange, bis diese stark genug sind, 
fur sich selbst zu sorgen. Wenn von Hunden angegriffen, soli er sich meistens tapfer 
verteidigen. Die gestraubten langen Riickenhaare sollen dabei den Angreifer abschrek- 
ken und verwirren. 

Auf einer Schaffarm in der Nahe von East-London konnte offer beobachtet wer¬ 
den, daft Erdwolfe zum Koten und Urinieren immer die gleiche Stelle benutzten, ein 
sogen. Klosett, das meistens 25 bis 30 m vom Hohleneingang entfernt ist und von 
beiden Geschlechtern benutzt wird. Verscharren des Kotes wurde hier jedoch nicht 
beobachtet. 

Schwarze Herdenboys von der Farm „Lambrook“ bei Komga im Distrikt East- 
London, S. A., fanden an einem friihen Morgen im Marz 1962 (in Siidafrika geht um 
diese Zeit der Sommer zu Ende) zwei Schafe, die in der Nacht wahrscheinlich von 
Schakalen getotet worden waren. Der Farmer, Fierr Rensburg, wurde sofort ver- 
standigt, und er ordnete an, daft seine 8 speziell trainierten Schakalhunde gleich auf 
die frische Spur gesetzt wurden. Diese Hunde konnen nach abgeschlossenem Training 
von interessierten Kreisen auf den verschiedenen Regierungsversuchs- und Trainings- 
stationen gekauft werden. Bei den toten Schafen angekommen, fanden die Flunde auch 
bald eine frische Spur, die zu einer Hohle fiihrte, deren Eingang ungefahr 20 m von 
den toten Schafen entfernt war. Frisch aufgehaufte Erde vor dem Eingang zeigte, daft 
sie bewohnt war. Jetzt erst wurde ein Teil der Hunde losgelassen, die auch sofort im 
Eingang verschwanden. Nach dem Larm zu urteilen, muft im gleichen Augenblick ein 
Kampf auf Leben und Tod zwischen den Hunden und dem „Schakal“ ausgebrochen 
sein. Es wurden bei dieser Gelegenheit knurrende Laute, mal starker, mal schwacher 
vernommen. Es konnte aber nicht mit Sicherheit festgestellt werden, von wem diese 
Laute stammten. Dem Getose nach war der Kampf sehr hefbig; der „Schakal“ setzte 
sich mit alien Kraften zur Wehr, und die Hunde muftten ihr Aufterstes geben, um 
nicht wieder aus der Hohle getrieben zu werden. Nach einiger Zeit wurde es plotzlich 


Der Erdwolf , Proteles cristatus 


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stiller, und der Farmer liefi seine Hunde zuriickrufen und festmachen. Mit dem Spaten 
begannen Arbeiter den Eingang aufzugraben. Die Hohe war etwa 40 cm, und der 
Tunnel zur Hohle war 2,5 m lang. Im Innern des Baues fand Herr Rensburg aber kei- 
nen Schakal, sondern einen weiblichen Erdwolf mit drei Jungen. Die Hunde hatten die 
Mutter und zwei der Jungen bereits getotet, nur eines lebte noch und war gliicklicher- 
weise unverletzt. Dieser kleine Erdwolf war ein weibliches Tier von etwa 12 cm Hohe 
und sicher erst einige Wochen alt. Das tote Weibchen wurde sofort vom Farmer seziert, 
da er wissen wollte, ob es schuldig am Tode seiner Schafe war. Einziger Mageninhalt: 
Termiten! Damit war erwiesen, daft — obwohl die beiden Schafe in der Nahe der 
Hohle der Erdwolfe getotet wurden — diese damit nichts zu tun hatten. Leider wurden 
die Hunde durch die Nahe des Baues verwirrt und dadurch von den Schakalspuren ab- 
gelenkt. 

Herr Rensburg, selbst ein grofter Tierfreund und Heger, nahm den kleinen Erd¬ 
wolf in seine Obhut, und zu Hause angekommen, fand dieser in einem leeren Fliigel 
seiner groften Vogelvoliere ein vorlaufiges Zuhause. Er wurde Jaky getauft. Eine hol- 
zerne Kiste diente als Unterschlupf, in den der Erdwolf sich sofort zuriickzog. Am sel- 
ben Tag noch wurde ihm Hackfleisch in Kuhmilch gereicht. Er war sehr interessiert an 
der Milch; das Fleisch aber blieb unberiihrt. Von nun an schlief das Tier am Tage, und 
am spaten Nachmittag wartete es schon immer auf seine Milch. Die Futtermischung 
Hackfleisch in Milch wurde fortgesetzt angeboten, aber selbst nach vier Wochen wurde 
das Fleisch nicht angeriihrt. Trotzdem war Jaky munter und in bester Verfassung und 
bereits 7 cm gewachsen. 

Um diese Zeit muftte Herr Rensburg mit seiner Familie die Farm fur zwei Tage 
verlassen. Jaky wurde bestmoglichst versorgt, da sich in diesen beiden Tagen niemand 
um ihn kummern konnte. Doch welche Uberraschung erwartete Herrn Rensburg bei 
seiner Riickkehr! Jaky war nicht mehr in seinem Kafig; er hatte es fertiggebracht, in 
den benachbarten Vogelkafig zu gelangen, der mit verschiedenen Arten von wilden 
Tauben, Wachteln und Frankolinen besetzt war. Der Anblick war schrecklich: 26 tote 
Vogel wurden gezahlt. Der Kafigboden war bedeckt mit toten Vogeln und mit 
Federn. Sicher waren die Verluste durch Gegen-den-Draht-Fliegen entstanden. Von den 
26 toten Vogeln waren nur drei ein wenig an der Brust angefressen. Jaky war sicher 
sehr hungrig, aber nicht imstande, mehr von den toten Vogeln zu fressen. Nach diesem 
Ungliick entschloft sich Herr Rensburg, Jaky nach East-London zum Queens Park- 
Zoo zu bringen. 

Am selben Tag wurden wieder zwei tote Schafe gefunden, und alles war .sehr ahn- 
lich wie beim ersten Mai. Wieder wurde ganz in der Nahe der toten Schafe ein Erdwolf 
von Hunden gestellt und getotet; wieder bestand der Mageninhalt nur aus Termiten, 
und wieder war ein Erdwolf unschuldig am Tode der Schafe. Dieser Erdwolf war so 
fett, daft das Fleisch ganz gelb war. 

Im Mai 1962 kam Jaky im Queens Park-Zoo an; er war ca. 20 cm hoch und wurde 
in der Nahe unserer Lowenfreianlage in eine Gehege gesetzt, das gegen Regen und 
Wind geschiitzt war und einen harten Boden hatte, der zum groftten Teil mit grobem 
Seesand bedeckt war. Als Unterschlupf diente ihm eine Hundehiitte mit Stroh, in die er 
sich sofort nach seiner Ankunft zuriickzog. 

Wahrend meiner siebenjahrigen Tatigkeit am Zoo in Johannesburg konnte ich Er- 
fahrungen an vier Erdwolfen sammeln, die mir jetzt natiirlich sehr zugute kamen. Da 
es rund um East-London noch sehr viele bewohnte Termitenhiigel gibt, war es natiir- 
lich nicht schwierig, diese, die Lieblingsnahrung des Erdwolfs, zu bekommen, und so 
war das groftte Problem, das richtige Futter zu haben, bereits geregelt. Unser Zoo- 
Lastwagenfahrer brachte auch bald einige groftere Brocken eines Termitenhiigels zum 
Zoo. Wir gewinnen die Termitenfracht auf folgende Weise: Der Beifahrer unseres 
Lastwagens zerkleinert sehr vorsichtig mit einem Spaten den Hiigel, der meistens — 


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wenn es nicht gerade geregnet hat — sehr hart ist. So ein Stuck kann 25 bis 100 lbs. und 
mehr wiegen. Diese Brocken werden nun vorsichtig auf das Auto geladen, damit die 
Stiicke nicht weiterbrechen und so Termiten verloren gehen konnen. Je Woche werden 
ungefahr 2 bis 4 Termitenhiigel teilweise abgetragen. Die Gefahr, daB wir eines Tages 
keine lebenden Termiten mehr zur Verfiigung haben, ist sehr gering, da wir ja nur 
einen Teil des Termitenhaufens abbrechen, und die verbleibenden Termiten sofort 
wieder mit dem Ausbessern und dem Aufbau beginnen, so daB jeder teilweise zerstorte 
Termitenhiigel eines Tages ganz wieder hergestellt ist. Die ganze Termitenfracht wurde 
immer im Gehege des Erdwolfes deponiert. 

In den ersten Wochen nach seiner Ankunft haben wir dreimal taglich jeweils einen 
Brocken fur den Erdwolf zerkleinert, um die Termiten frei zu bekommen. Das ist 
notig, weil das Tier nicht imstande ist, dies selbst zu tun. Jedesmal nach dem Auf- 
brechen eines Brockens kam der Erdwolf sofort heran und begann mit seiner langen 
Zunge sehr schnell die freigewordenen Termiten aufzulecken. Dieser Vorgang kann 
verglichen werden und ist sehr ahnlich wie das Milchtrinken einer Katze, oder besser 
gesagt Milchlecken; nur ist die Zungenbewegung bei dem Erdwolf viel schneller. Mit 
den Vorderpfoten dreht er standig kleinere Stiicke, an denen er gerade Termiten auf- 
leckt, um, damit er auch die Termiten auf der Unterseite bekommt. Dieses Auflecken 
muB immer sehr schnell gehen, da die freigewordenen Termiten natiirlich einen neuen 
Schutz bzw. eine Deckung zu linden suchen. Es wurde beobachtet, daB der Erdwolf bei 
jeder Fiitterung nur eine gewisse Menge zu sich nahm, obwohl er fressen konnte, soviel 
er wollte. Nach jeder Fiitterung verlangte er zu trinken. Er zog unverdiinnte Kuhmilch 
dem Wasser vor; ich mochte fast sagen, daB, wenn Milch taglich angeboten wird, er 
weiter keine fliissige Nahrung beansprucht. Nach jeder Fiitterung zog er sich sofort 
wieder in seine Hiitte zuriick. Dort begann er zu scharren, als ob er ein Loch graben 
wollte, um sich vor den Blicken der Besucher zu verbergen. Da ihm das Eingraben 
nicht gelang, rollte er sich in die hinterste Ecke und schlief bis zur nachsten Fiitterung. 

Die ersten drei Wochen war er sehr scheu und war am Tage nur wahrend der Fiit¬ 
terung aktiv; aber dann wurde er auf einmal zutraulich, spielte mit sich selbst und 
liebte es, sehr schnell in seinem Gehege herumzulaufen, wobei er immer scharfe Wen- 
dungen oder Flaken machte wie ein von Hunden verfolgter Hase. Der buschige lange 
Schwanz diente ihm dabei als Steuer. Diese Bewegungen habe ich sehr ahnlich beim 
Loffelhund, Otocyon megalotis, beobachten konnen. 

Er liebte es auch, in der Sonne zu schlafen, meistens morgens, wenn es noch nicht so 
heiB ist. Von Zoobesuchern, wenn sie sich normal bewegten, lieB er sich beim Schlafen 
oder bei der Fiitterung nicht storen; sie wurden von ihm nicht beachtet. Er war nur 
sehr empfindlich bei fremden, ihm unbekannten Gerauschen und Bewegungen in- und 



Abb. 3 (links). Beim Trinken der Milch — Abb. 4 (rechts). Bei der taglichen Termiten-Mahlzeit 


Der Erdwolf , Proteles cristatus 


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Abb. 5 und 6. In Angriffsstellung; die Mahne ist langsgestreift 


aufterhalb seines Geheges. Er nahm dann meistens gleich eine Verteidigungs- bzw. 
Alarmstellung ein, d. h. seine langeren Riickenhaare begannen sich zu strauben. In die- 
sem Zustand verhielt er sich meistens breitbeinig stehend und auf einer Stelle verhar- 
rend, immer dem fremden Gerausch oder vermeintlichen Angreifer zugewandt. Diese 
Haltung soil sicher abschrecken oder Verwirrung stiffen, um etwas Zeit zur Flucht zu 
haben. Von Anfang an kniete er sich beim Trinken mit beiden Vorderfliften nieder und 
begann erst dann, die angebotene Milch aufzulecken. Schon nach einigen Wochen konn- 
ten wir feststellen, daft dem Erdwolf die von uns angebotene Nahrung sehr gut bekam 
und er sich in bestem Zustand befand. Um seine Ernahrung moglichst abwechslungs- 
reich zu gestalten, bot ich ihm frischgefangene Sperlinge an, die aber nicht beachtet 
wurden. Ebenfalls zeigte er kein Interesse an Mausen, verscbiedenen Insekten oder 
Hackfleisch. Das einzige, was er aufter Termiten und Milch zu sich nahm, waren frische 
Eier von unseren Zwerghiihnern, in der Milch gereicht. Ich mochte sogar behaupten, 
daft Eier wenn erreichbar, zu seiner natlirlichen Nahrung gehoren. 

Nach drei Monaten reduzierten wir seine Fiitterung auf zwei Mahlzeiten taglich. 
Etwa um 8 Uhr morgens und um 5 Uhr nachmittags wurde gefiittert. Die Milch, etwa 
1 Liter je Tag, wurde nur am Nachmittag gereicht. Wasser stand immer zur Verfiigung, 
wurde aber nicht beachtet. Wir beobachteten, daft der Erdwolf sich immer nur an einer 
bestimmten Stelle im Kafig „verewigte“. Vor dem Koten macht er immer erst mit den 
vorderen Pfoten ein Loch in den Sand, und sofort nach dem Koten, ohne sich umzu- 
drehen, beginnt er abwechselnd mit den Vorderpfoten den Kot mit Sand zu bedecken. 
Dieser Vorgang des Bedeckens dauert so lange, bis er den aufgehauften Sand an seinen 
Schenkeln fiihlt; erst dann dreht er sich um, um alles zu besehen und zu beriechen. Eine 
Katze verhalt sich bei solchem Vorgang sehr ahnlich. 

Nach sieben Monaten in unserer Pflege, Jaky war nun neun Monate alt und ca. 
38 cm hoch, war es notig, ihn in ein besser geeignetes Gehege zu bringen. Wir fanden 
dafiir eine groftere, offene Anlage, die mit einer Mauer (160 cm hoch) umgeben ist, und 
in deren Mitte sich eine grasbewachsene Erhohung befand, mit einheimischen Strau- 
chern und Aloen bepflanzt. Wir bauten sogar eine Hohle, damit er sich am Tage teil- 
weise zuriickziehen kann. Fiir den Besucher ist er deshalb nicht immer sichtbar. Um die 
Erhohung verlauft ein gepflasterter Weg, der ca. 15 cm hoch mit grobem Seesand be- 
deckt ist. Da der Erdwolf es liebt, schnell im Gehege herumzulaufen und mit dieser da- 
durch gewonnenen Geschwindigkeit versuchen konnte, die Mauer anzuspringen, haben 
wir an verschiedenen Stellen quer zur Mauer gefallte Baumstamme verteilt, so daft er 
dort seine Geschwindigkeit bremsen muft. In der neuen Anlage angekommen, zog er 
sich nach einer kurzen Inspektion in die von uns konstruierte Hohle zuriick. Aber schon 



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am zweiten Tage versuchte der Erdwolf an verschiedenen Stellen auf dem Hiigel zu 
graben, da, wo die Erde weich war. Am dritten Tage war er bereits verschwunden. 
Jaky hatte es geschafR, eine neue Hohle zu graben. Die Hohle war so tief, daft man ihn 
vom Eingang aus nicht mehr sehen konnte. Er arbeitete dann standig am Ausbau seiner 
Hohle. 

Seit er in der neuen Anlage war, reduzierten wir die taglichen Fiitterungen noch 
weiter. Da der Erdwolf zur Morgenfutterung nicht mehr erschien, wurde er nur noch 
nachmittags einmal gefiittert, und es zeigt sich auch, daft, wenn genug Termiten zur 
Verfugung stehen und er nach Belieben fressen kann, fiinf Fiitterungen in der Woche 
genug sind. Der Liter Milch muft aber taglich gereicht werden. Es wurden niemals, auch 
nachts nicht, irgendwelche Lautaufterungen vom Erdwolf gehort, und so darf man an- 
nehmen, daft er unter normalen Verhaltnissen als stumm angesehen werden kann. Der 
Erdwolf ist ganz harmlos und hat in all den Jahren noch niemals versucht — wenn auch 
noch so hungrig — seinen Pfleger anzugreifen. In der neuen Anlage muftten wir unsere 
Futterungsmethode etwas andern, da wir nun nicht mehr die ganze Termitenfracht in 
der Anlage deponieren konnen, die ja offen ist. So muftten wir einen speziellen Platz 
konstruieren, wo wir die Termitenhiigelbrocken aufbewahren konnen. Er muftte 
zementiert und mit einer Wasserrille umgeben sein. Diese Konstruktion war notig, da 
wir unsere Termiten vor den roten Ameisen schiitzen miissen, die hier in diesem Klima 
in groften Massen ankommen und in kurzer Zeit alle weiften Termiten weggetragen 
hatten. Auch hindert die Wasserrille die Termiten am Entweichen; sie beginnen ja gern 
in den kiihlen Stunden zu wandern. Es ist vielleicht von Interesse, daft Jaky, nun aus- 
gewachsen ca. 40 cm hoch, die Methode zu trinken in der Weise geandert hat, daft er 
sich nunmehr vollkommen flach vor dem Behalter zum Trinken hinlegt, um ohne jede 
Hast die dargebotene Milch aufzulecken. Wie wesentlich schneller geht doch seine 
Zunge beim Auflecken der Termiten! Auch dieser Vorgang kann verglichen werden mit 
dem entsprechenden bei einer Katze, die Milch trinkt. Auch in der neuen Anlage wurde 
nur an einer bestimmten Stelle gekotet und alles wieder sorgfaltig verscharrt. Ich habe 
beobachtet, daft der Erdwolf sich morgens manchmal fur einige Stunden vor seiner 
Hohle sonnt. Das ist aber nur der Fall, wenn er hungrig ist. Nach einer guten Mahlzeit 
kann es vorkommen, daft er bei Tageslicht bis zu 48 Stunden unsichtbar bleibt. Wenn 
er also bei Tage sichtbar wird, dann ist er hungrig. Es kommt auch manchmal vor, daft 
Jaky sich iiberfressen oder zu hastig gefressen hat. Er begann zu wiirgen und gab einen 
Teil der gerade gefressenen Termiten wieder von sich. Diese Auswiirfe werden vom 
Erdwolf nicht mehr beriihrt. Es war dabei sehr interessant, daft nur Termiten und 
Schleim hervorgebracht wurden. Obwohl ein zerkleinerter Termitenhiigel viel mehr 
Erde, Sand und Nestmaterial als Termiten enthalt, werden vom Erdwolf nur die Ter¬ 
miten aufgeleckt. Es ist wirklich ein Wunder, daft sowas moglich ist bei der Geschwin- 
digkeit, mit der die freigewordenen Termiten aufgeleckt werden mit einer scheinbar 
ganz normalen Zunge, wie sie jeder Hund haben konnte. Vielleicht werden auf diese 
Weise die Jungen gefiittert. Die halbverdaute Nahrung wird wieder heraufgewiirgt 
und vor den Jungen ausgespuckt, die wiederum dieses sofort zu sich nehmen. Nach 
meiner Schatzung friftt der Erdwolf bei einer Mahlzeit bis zu 1 Pfund reine Termiten. 

Schon immer machte ich mir Gedanken, wie es moglich ist, daft ein Tier von der 
Grofte des Erdwolfes ausschlieftlich von Termiten leben kann. Warum schatzen sogar 
Papageien, Turakos, Tauben unter anderem Termiten? Was ist es, und welchen Nahr- 
wert haben diese Tiere? Um eine genaue Analyse zu bekommen, habe ich einen Termi- 
tenhiigelbrocken gewogen, der gerade frisch abgetragen war; das Gewicht betrug 
25 Pfund. Alle Termiten wurden sorgfaltig auf einem groften Bogen Papier ausgeschiit- 
telt und wieder aufgesammelt und sofort zu unserem stadtischen Laboratorium ge- 
bracht, wo eine sehr genaue Untersuchung durchgefiihrt wurde. Reingewicht der Termi¬ 
ten ca. 1 Pfund. Siehe beigeschlossenen Untersuchungsbefund! 


Der Erdwolf, Proteles cristatus 


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Bio-Chemical Laboratory 
City Engineer’s Department - East London 
Laboratory Report 

Laboratory No. 64/6885. 

Report on the examination of termite nest submitted by Mr. H. F. von Ketelhodt on 8th 
October, 1964. 

Analytical Results 

1. Two random samples, each of approximately 250 gm. were taken from the nest. The ants 
were killed with ether vapour and hand sorted from the nest material. Ants and nest 
material were then weighed separately. 

“Ant content” of nest: 1. 5.2 gm./lOO gm 

2. 3.8 gm./lOO gm 
Mean 4.5 gm./lOO gm 

2. In an attempt to provide an estimate of the nutritional value of the ant material, the follo¬ 
wing analysis was carried out on the ants obtained in (1) above. 


Moisture 77.50% Consisting of: 

Fat (Ether extract) 1.73 % Acid insoluble matter (a) 1.83% 

Protein (NX6.25) 14.95% Calcium as Ca 0.17% 

Residue after ignition 2.72% Phosphorus as PO 4 0.20% 

Sodium as Na 0.05% 

Iron as Fe 0.04% 


(a) probably largely adherent and ingested sand. 

3. Number of insects/gm. 160 (mean of three determinations) 

Mean weight of individual insects 6.25 mg. 

(Sgd) G. Thornton 
Biochemist 

Das Ergebnis ist wirklich erstaunlich. Es besagt, daft Termiten so nahrhaft; sind, daft 
sogar wir Menschen von ihnen leben konnten. Es lage nur an unseren Frauen, diese 
Tierchen schmackhaft zuzubereiten. Ein Pfund Termiten hat denselben Nahrwert wie 
% Pfund bestes Fleisch ohne Fett. 

Weil Termiten (Harvester) Gras fressen, sind sie mehr oder weniger schadlich. In 
einem Jahr mit gutem Graswuchs ist der Schaden nur ca. 20%, aber dem steht ein 
Schaden von ca. 60% bei schlecbtem Wuchs gegeniiber. Bei jedem Nest wird das Gras 
im Umkreis bis zu 10 m geerntet. Deshalb werden von der siidafrikanischen Regie- 
rung an interessierte Kreise Aufklarungsschriften iiber die Termitengefahr verteilt, die 
angeben, wie man am besten die grasfressende Termite bekampfen und ihre Nester zer- 
storen kann. Durch diese Maftnahme wird der Erdwolf im Laufe der Zeit mehr und 
mehr seiner Hauptnahrung beraubt. Um die Schakalplage mehr unter Kontrolle zu 
bringen, die ja in manchen Teilen des Landes Schaden bei Schaffarmern anrichten, hat 
die Regierung in verschiedenen Gegenden Hundetrainingsstationen eingerichtet, wo 
Hunde speziell fur Schakalvernichtung ausgebildet werden. Da natiirlich die Hunde 
nicht zwischen einem Schabrakenschakal, Silberfuchs oder Erdwolf unterscheiden kon- 
nen und werden, bedeuten sie eine sehr grofte Gefahr fiir den Erdwolf, und unzahlige 
sind durch diese Hunde schon vernichtet worden. Und es wird immer schlimmer wer¬ 
den, da mehr und mehr Farmer diese Hunde fiir teures Geld erwerben. Diese Hunde 
sind sogar geschiitzt und diirfen nicht geschossen werden, selbst wenn sie eine frische 
Spur auf einer Nachbarfarm weiterverfolgen. 

Auch die Eingeborenen dieses Landes stellen unserem Erdwolf nach und fangen und 
toten ihn, wo es nur moglich ist. Das Fleisch dieses Tieres ist sehr geschiitzt bei ihnen, 
und sogar die Innereien werden fiir medizinische Zwecke beniitzt. Es wurden Eingebo- 
rene, die nachweislich Erdwolffleisch essen, von hiesigen Museumsbeamten gefragt, ob 
sie auch Schakale und Hundefleisch aften, was aber immer verneint wurde. 

Da der Erdwolf ein Nachttier ist, liebt er es, auf Futtersuche nachts herumzuwan- 


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B. Brentjes 


dern, und ungliicklicherweise benutzt er meistens bei seinen nachtlichen Streifziigen 
offentliche Verkehrswege. Bei diesen Wanderungen wird jahrlich von Autos eine grofie 
Anzahl durch die Scheinwerfer geblendet, iiberfahren. 

So sind heute der Mensch und die trainierten Hunde die grofiten Feinde des Erd- 
wolfes. Diese bewiesenen Tatsachen zeigen uns, daft die Zukunft unseres so harmlosen 
Erdwolfes gar nicht so rosig ist. Was kann und muft zur Erbaltung dieses so interes- 
santen Tieres getan werden? Aufklarung! Nur bei intensiven Aufklarungsmaftnahmen, 
die schon in der Schule beginnen miissen, hat der Erdwolf noch eine kleine Chance, 
wenigstens fur die nachste Zukunft bestehen zu konnen. Denn iiberall, wo der Mensch 
erscheint und lebt, wird er dieses Gebiet langsam andern, und es wird deshalb seinen 
natiirlichen Charakter verlieren. Wir konnen toten bis zur vollkommenen Vernichtung; 
aber mit diesem Wissen haben wir auch eine grofte Verantwortung. 


Literatur 

Roberts, Austin (1951): The Mammals of South Africa. 

Simpson, G. G. (1945): The Principles of Classification and a Classification of Mammals. Bull. 
Amer. Mus. Nat. Hist. New York. Vol. 85. 

Anschrift des Verfassers: Hans Fremer Frhr. von Ketelhodt, Superintendent, Queens Park- 
Zoo, East-London, Siid-Afrika 


Einige Bemerkungen zur Darstellung der Hyanen, Erdwolfe und 
Hyanenhunde in den Kulturen des Alten Orients 

Von B. Brentjes 


Eingang des Ms. 10. 12. 1965 

„An Maften gleiche ich dem Elefanten, in bezug auf das Gesicht dem bu§u, was den 
Wuchs betrifft, so bin ich gewachsen wie eine Schildkrote." Die ,Schone f , die sich hier in 
einem akkadischen Text recht eigenartiger Ideale riihmt, vergleicht im zweiten Vers ihr 
Gesicht dem bu$u, einem Tier, das in den assyrischen Tierlisten (Landsberger, 1934, 
p. 8-9) zwischen Hund und Fuchs eingeordnet wird. Landsberger (p. 79) hat hieraus, 
und aus der Angabe an einem anderen Ort, das bu$u hause in den Ruinen und sei zu 
erlegen, gefolgert, daft es sich um die Hyane handele. Er verweist auch auf eine akka- 
dische Redewendung, in der bu§u verwandt wird: „Meine Knie, die gefesselt waren 
gleich (denen) einer Hyane" 1 . Landsberger erklart dieses Bild mit dem hinkenden 
Gang der Hyane - es ware allerdings auch eine andere Erklarung moglich, die wir 
aus agyptischen Darstellungen erschliefien konnen. 

In Vorderasien sind Hyanenabbildungen aus dem Altertum ausgesprochen selten. 
Es war wohl ein gemiedenes Tier, ein unreines Tier der Wildnis. Nur auf einigen Ge- 
faftmalereien des 4. und 3. Jahrtausends v. u. Z. treten Tiere auf, die wahrscheinlich 
Hyanen wiedergeben sollen (Herzfeld, 1941). Nicht vom Menschen beabsichtigt sind 

1 Die Identifizierung von bu$u wird kompliziert durch den Nachweis, dafi es neben dem Sauge- 
tier bu$u auch einen gleichnamigen Vogel gab, einen „Hyanenvogel“. 

2 Auch eine Vasenmalerei aus Susa zeigt wohl eine Hyane.