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Full text of "Die Fortschritte der Physik"

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'  O/L 


HMI 


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Die 


Fortschritte  der  Physik 

im  Jahre  1852. 


Dargestellt 


von 


der  physikalischen  Gesellschaft  zu  Berlin. 


YIII.  Jahrgang. 

Redigirt   von   Dr.   A.  Krönig. 


--v^-*^>^'§$^s9^-?-t-- 


..Berlin. 
Druck  and  Verlag  von  Georg  Reimer. 
1855. 


^o^  1025^0 


Nachrichten  über  die  physikalische  Gesellschaft. 


Im  Laufe  des  Jahres  1852  wurden  folgende  neue  Mitglieder 
in  die  Gesellschaft  aufgenommen: 

Hr.  Lasch,  Hr.  Lomax,  Graf  v.  Fernemont,  Hr.  Ennbper, 
Dr.  Strahl,  Hr.  Paalzow,  Dr.  d'Hbureuse,  Prof.  Dr.  ßsTRicH. 

Ausgeschieden  sind: 

Dr.  Eisenstein  (f ),  Hr.  Müller,  Hr.  Ennbper,  Dr.  HANSTsm, 
Dr.  Löwenbbrg,  so  dafs  am  Ende  des  Jahres  1852  Mitglieder  der 
Gesellschaft  waren: 


Hr.  Dr.  Aronhold. 

—  Prof.  Dr.  d*Arrest  in  Leipzig. 

—  Prof.  Dr.  Beetz. 

—  BeRTRAM. 

—  Prof.  Dr.  Beyrich* 

—  Mechaniker  Bötticher. 

—  Prof.  Dr.  E.  du  Bois-Rey- 

MOND. 

—  Dr.  Brix. 

—  Lieut.  Dr.  v.  Bruchhausen 
in  Zürich. 

—  Prof.  Dr.  Brücke  in  Wien. 

—  Prof.  Dr.  Brunner  jun.  in 
Bern. 

—  Prof.  Dr.  Buys-Ballot  in 
Utrecht 

—  Prof.  Dr.  Clausius  in  Zürich. 

—  Dr.  CoHN. 


Hr.  Dr.  Ewald« 

—  Prof.  Dr.  V.  Fbilitzsch  in 
Greifswald. 

—  Graf  V.  Fernemont. 

—  Dr.  FiCK  in  Zürich. 

—  Dr.  Franz. 

—  Dr.  Friedländbr. 

—  Dr.  Goldmann. 

—  Dr.  Grossmann    in   Frank- 
furt a.  0. 

—  Dr.  Haqen. 

—  Mechaniker  Halskb. 

—  Prof.  Dr.  Heintz  in  Halle. 

—  Prof.    Dr.    Hblmholtz    in 
Bonn. 

—  Dr.  d*Heureuse. 

—  Dr.  Heusser  in  Zürich. 

—  Dn  Jungk. 


I? 


Nachrichten  über  die  physikalische  Gesellschaft. 


Hr.  Prof.  Dr.  G.  Karsten  in  Kiel. 

—  Prof.  Dr.  Kirchhoff  in  Hei- 
delberg. 

—  V.  KiREBWsKY  in  Rufsland. 

—  Prof.  Dr.  Knoblauch  in  Halle. 

—  Dr.  Körte. 

—  Dr.  Kremers  in  Bonn. 

—  Dr.  Krönio. 

—  Prof.  Dr.  Kuhn  in  München. 

—  Prof.  Dr.  Lamont  in  Mün- 
chen. 

—  Prof.  Dr.  Langberg  in  Chri- 
stiania. 

—  Lieut  Lange. 

—  Lasch. 

—  Dr.  LiBBBRKÜHN. 

—  LOMAX. 

—  Prof.  Dr.  Ludwig  in  Mar- 
burg. 

—  Lieut.  Mensing. 

—  Lieat  Meyer. 

—  Hauptmann  v.  Morozowicz. 

—  Paalzow. 

—  Dr.  Pringsheim. 

—  Director  Dr.  Quetelet   in 
Brüssel. 


Hr.  Medicinalrath  Dr.  Quincke. 

—  Prof.  Dr.  Radicke  in  Bonn. 

—  Lieut  Richter. 

—  Prof.  Dr.  RoEBBR. 

—  Rohrbeck. 

—  Dr.  Roth. 

—  Dr.  A.  Schlagintweit. 

—  Dr.  H.  Schlagintweit. 

—  Lieut.  Siemens. 

—  Dr.   SOLTMANN  L 

—  SoLTMANN  II. 

—  Dr.  Sonnenschein. 

—  Splitgerber. 

—  Dr.  Spörer  in  Anklam. 

—  Dr.  Strahl. 

—  Prof.  Dr.  Tynd ALL  in  London. 

—  Ventzke. 

—  Dr.  Vbttin. 

—  Dr.  VöGELi  in  Wien. 

—  Dr.  Weissbnborn. 

—  Prof.  Dr.  Wbrther  in  Kö- 
nigsberg. 

—  Prof.    Dr.    WiEDBMANN    in 
Basel. 

—  Dr.  Wilhelmy. 


Im  achtten  Jahre  des  Bestehens  der  physikalischen  Gesellsdiaft 

worden  folgende  Originaluntersuchungen  von  Mitgliedern  in 

den  Sitzungen  vorgetragen: 


1852. 
J6.  Januar. 


30.  Janoar. 


27.  Febr. 


26.  März. 


4.  Juni. 


18.  Juni. 
22.  Oct. 


H.  SCHUL0IKTWHT.  Ueber  einige  Beobachtungen  über 
WolkenbilduDg  und  über  die  Hohe  der  Wolken. 

Sylitgibbir.    Notiz  über  goldhaltiges  Glas. 

Sputgerbbr.  Ueber  im  Glase  befindliche  entglaiite  Kör- 
per 'und  die  durch  dieselben  hervorgerufenen  optischen 
ErscheinuDgeo. 

Heimtz.  Ueber  den  Zusammeohang  der  Negativität  des 
Glases  und  seioer  Passivität. 

H.  Sghlagintwbit.  Ueber  die  Yergleichang  zweier  Ane- 
roidbarometer  mit  dem  Quecksilberbarometer. 

A.  ScHLAGiBTWBiT.  Ueber  die  Neigungsverhältnisse  der 
Bergabhänge  und  der  Gipfel  in  den  Alpen  und  einige 
zu  diesen  Beobachtungen  benutzte  lostrumente. 

WiBDBUANN.  Ueber  die  Bewegung  von  Flüssigkeiten  vom 
positiven  zum  negativen  Pol  einer  galvanischen  Säule. 

Kremers.  Ueber  das  Krystallwasser,  sein  YerhältDifs  zur 
atomistischen  Constitution  der  Salze  und  sein  Yeriial- 
ten  bei  chemischen  Zersetzungen. 

Heibtz.    Ueber  die  Zusammensetzung  des  Wallraths. 

Clausius.  Ueber  die  Anordnung  der  Blektricitfit  auf  einer 
einzelnen  sehr  dünnen  Platte  und  auf  den  beiden  Be- 
legungen einer  FaANKLiN^schen  Tafel. 

—  —  Ueber  das  mechanische  Aequivalent  einer  elektri- 
schen Entladung  und  die  dabei  stattfindende  Erwärmung 
des  Leitungsdrahtes. 

Hbusbbr.  Untersuchungen  über  die  Brechung  des  farbi- 
gen Lichts  in  einigen  krjstalliuischen  Medien. 

—  —  Beschreibung  der  Krystallformen  einiger  citronen- 
sauren  Salze. 


VI  Nadirichten  über  die  physikalische  Gesellschaft. 

3.  Dec.        CLA.V8I178.    Ueber  die  bei  einem  stationären  elektrischen 
Strome   in   dem   Leiter   gethane   Arbeit   und   erzeugte 
Wärme. 
H.  ScHLAeiNTTV^siT.     Bemerkungen  über  die  mittlere  Jah- 
restemperatur am  Hohenpeifsenberge  und  über  die  Ter- 
hältnifsmäfsig  grofse  Wärme  derselben. 
Yettimt.    Ueber  einen  neuen  Anemographen. 
£.  DU  Bois-Rbtmond.    üeber  die  blaue  Grotte  auf  Capri. 
17.  Dec.         A.  ScHLAGiMTWEiT.     Ucber  die  Menge  der  Kohlensäure 
in  den  höheren  Schichten  der  Atmosphäre. 
Bbitz.   Ueber  Blendungsbilder  an  einer  rotirenden  Scheibe. 
1853. 
7.  Januar.    Claüsiub.    Ueber  die  Ton  Grotb  beobachtete  Abhängig- 
keit des  gaWanischen  Glühens  Ton  der  Natur  des  um- 
gebenden Gases. 


Erklärung    der  Citate. 


Yorbemericung  des  Redacteurs. 

Ueber  die  CitiniDgaweise  des  Torllegeoden  Bandet  im  Allgemeinen 
erlaube  ich  mir  Folgendes  zu  bemerken. 

Bei  allen  Abhandlungen,  die  mir  selbst  za  Gesicht  gekommen  sind, 
habe  ich  Anfang  und  Ende  dtirt,  damit  man  einigermafsen  beurtheilen 
kann,  wo  man  die  Abhandlung  unverkürzt,  wo  man  sie  mehr  oder  we- 
niger weitläufig  ausgezogen  findet.  Bei  diesen  Angaben  von  AnfAng 
und  Ende,  so  wie  auch  bei  allen  auf  den  folgenden  Seiten  Torkom- 
menden,  sind  Anfang  und  Ende  einschliefslich  zu  rechnen. 

Ein  Kreuz  (f)  bedeutet,  dafs  der  Berichterstatter  die  betreffende 
Abhandlung  nachgelesen,  ein  Sternchen  (*),  dafs  der  Berichterstatter 
sich  von  der  Richtigkeit  des  Citats  überzeugt  hat. 

Eine  eingeklammerte  (arabische)  Zahl  Tor  der  (romischen)  Band- 
zahl bezeichnet,  welcher  Reihe  (Folge,  Serie)  einer  Zeitschrift  der  be- 
treffende Band  angehört. 

Zeitschriften,  von  denen  für  jedes  Jahr  ein  Band  erscheint,  sind 
nach  der  Jahreszahl  citirt. 

Eine  Zahl,  welche  zwischen  der  (römischen)  Bandzahl  oder  der 
(arabischen)  Jahreszahl  und  den  (Anfangs-  und  find-)  Seitenzahlen  stshf, 
bedeutet  die  verschiedenen  Abtheilungen  (Hefte,  Nummern,  Lieferan- 
gen  u.  s.  w.)  des  betreffenden  Bandes  oder  Jahrganges.  Eine  zweite 
Abtheilung  ist  immer  von  der  zweiten  neuen  Paginirung  an  gerechnet. 
Wenn  sidi  also  die  Paginirung  einer  zweiten  Abtheilung  an  die  der 
ersten  anschliefst,  so  ist  die  Angabe  der  zweiten  Abtlieilung  fortgelassen. 

Der  in  der  nachfolgenden  Erklärung  der  Citate  mitgetheilte  Titel 
ist  der  des  ersten  im  Jahre  1852  erschienenen  Bandes,  oder,  wenn  in 
diesem  Jahre  kein  vollständiger  Bftod  der  Zeitschrift  erschienen  ist,  der 
des  ersten  nach  1852  erschienenen  Bandes,  oder  endlich,  wenn  auch 
diesen  mitzutheilen  nicht  möglich  war,  der  Titel  des  letzten  vor  1952 


yill  Erklärung  der  Citate. 

erschieDenen  Bandes  der  betreffenden  Zeitschrift.  Als  Jahr  des  Erschei- 
nens ist  das  auf  dem  Titelblatt  angegebene  betrachtet.  Die  Jahreszahl 
1852  ist  im  Titel  fortgelassen.  Als  Herausgeber  sind  nur  namentlich 
bezeichnete  Personen  genannt. 

Es  sind  nur  solche  Zeitschriften  aufgenommen ,  die  ich  selbst  ge- 
sehn habe  9  und  Ton  denen  in  dem  Zeiträume  von  1850  bis  1854  we- 
nigstens eine  Lieferung  erschienen  ist. 

Der  Erklärung  der  Citate  habe  ich,  wo  es  mir  möglich  war,  Anga- 
ben hinzugefügt,  welche  bezwecken ,  die  verschiedenen  Citirungsarten, 
namentlich  die  nach  Bänden  und  nach  Jahreszahlen,  auf  einander  zu- 
rückzuführen, la  den  dazu  dienenden  Formeln  bedeutet  B  die  Band- 
zahl,  J  die  Jahreszahl. 

Soll  z.  B.  berechnet  werden,  in  welchem  Jahre  der  Band  XX.  der 
Annales  de  cliimie,  3^  serie,  erschienen  ist,  so  setzt  man  in  der  Formel 

B«20,  addirt  zu  20  diejenige  der  Zahlen  0, 1,  2,  welche  den  Bruch  ta 

20+1 
einer  ganzen  Zahl  macht,  also  hier  1,  und  findet  — h  1840  ■«  1847. 

Will  man  finden,  welche  Bände  der  Annales  de  chimie  im  Jahre  1820  er- 
schienen sind,  so  setzt  man  in  der  Formel 

(J— 1816)3  +  1,2,3 
Js  1820,  und  findet  XllI,  XIY,  XV  der  ersten  Reihe. 

Von  der  Richtigkeit  sämmtlicher  gemachten  Angaben  habe  ich  mich 
durch  den  Augenschein  überzeugt. 


Abh.  d.  Berl.  Ak. 

Abhandlungen  der  Königlichen  Akademie  der  Wissenschaften  zu 
Berlin.  1850;  1851.    Berlin.   4. 

Für  jedes  Jahr  erscheint  ein  Band.  Jeder  Band  enthält,  besonders 
paginirt,  1)  physikalische,  2)  mathematische«  S)  philologische  und  histo- 
rische Abhandlungen. 

Der  erste  Band  für  1804  bis  1811  erschien  1815. 

Abb.  d.  böhm.  Ges. 

Abhandlungen  der  Königlichen  böhmischen  Gesellschaft  der  Wis- 
senschaften. (5)  Vir.  vom  Jahre  1851,  1852.    Prag.   4. 
(5)  I.  von  den  Jahren  1837  bis  1840  erschien  1841. 

Abb.  d.  Leipe.  Ges. 

Abhandlungen  der  mathematisch -physischen  Klasse  der  Köoiglicli 
sächsischen  Gesellschaft  der  WissenschaÄen  I.    Leipzig.   8. 


Erkläniiig  der  Citat«.  IX 

Abb.  d.  natorf.  Ges.  zu  Halle. 

Abhandlungen  der  natur forschenden  Gesellschaft  zu  Halle.  I.  Halle. 
1853.   4. 

Es  erscheint  vierteljährlich  ein  Heft,  jedes  besonders  paginirt. 

Abb.  d.  natarb.  Ges.  zn  Nürnberg. 

Abhandlungen  der  naturhistorischen  Gesellschaft  zu  Nürnberg.  No.  1. 
Nämbei^.   8. 

Acta  Soc.  scient.  Upsal. 

Acta  Regiae  Societatis  scienttaVum  Upsaliensis.  (3)  I.  No.  1.  Up* 
raliae.  1851.  4. 

Ann.  d.  cbim. 

Annales  de  chiuiie  et  de  physique,  par  AaA.60|  Chbtrsul,  Dvmäm, 
PH.0VZI,  BovBsiNGAULT,  Regnault.  (3)  XXXlV;  XXXY;  XXXYi. 
Paris.   8. 

Et  erscheiat  moctatHch  ein  Heft.    4  Hefte  bilden  einen  Band. 

1816-1840,(1)  I-LXXV:5i:|iil?+1815«J;  (J— 1816) 3 +  1,2,3« B. 

1841-1854,  (3)  I.XLU:5ij^+1840—J;(J— 1841)3  +  1,2,3— B. 

Ann.  d.  Tobserv.  d.  Brnx. 

Annales  de  Tobservatoire  Royal   de  Bruxelles,  par  A.  Qvetslit. 
IX.   Bnixelles.   4. 
I.  erschien  1834. 

Ann.  d.  Tobserv.  pbys.  centr.  d.  Russie. 

Annales  de  Tobservatoire  pliysique  central  de  Russie,  par  A.  T.  Kupf  • 
viK.  Annee  1849.  No.  1;  2;  3.  No.  3  hat  aufserdem  den  besonderen 
Titel  „Correspondance  meteoroiogique,  publication  triinestrlelle,  par 
A.T.KurFFEa.   Annee  1851."    St.-Peter8bourg.  4. 

Ann.  d.  mines. 

Annales  des  mines.    (5)  I;  IL   Paris.    8. 
Es  erscheinen  jährlich  6  Hefte.     3  Hefte  bilden  einen  Band. 
1816-1824,  (1)  I-1X:B  +  1815=J,  J— 1815«B 

1825-1826,  (l)X-XIll:^^^^  +  1819-J,  (J— 1820)2  +  0, 1 «  ß 
1827-1831,  (2)  I.X:5i^  +  l826«J,  (J-1827)2  +  1,2  =  B 
1832-1841,  (3)  l-XX:"t/'Vl831«^J,  (J- 1832) 2  +  1,  2- B 


X  Erklärung  der  Citate* 

1842-1851,  (4)  I-XX:^'^^^'^+1841«J,  (J— 1842)2  +  1,2  -  Ä 
1852-1854,  (5)  I-VI  :5i^Ll  + j851 «  J,  (J— 1852)2  +  1,2«  Ä. 

Ann.  d.  Mflncbn.  Sternw. 

Annalen  der  Königlichen  Sternwarte  bei  München^  von  J.  Lamomt. 
(2)V=:(1)XX.    München  1852.    8. 
(2)  I.a(l)XYl.  erschien  1848. 

Anna,  meteor. 

Annuaire  meteorologique  de  la  France  pour  1852,  par  J.  Habqhbms» 
C.  Martims«  A.  Bi^RioMT.    4«  Annee.    Paris.  1853.    8. 

Der  Band  enthält,  besonders  pagioirt,  1}  ephemerides  et  table» 
usuelles,  memoires  et  Instructions,  2)  observations  meteorologiques. 

Arcb.  d.  Pharm. 

Archiv  der  Pharmacie,  von  H.  Wackenrooek  und  L.  Blbt.  (2)  LXIX; 
LXXj  LXXI;  LXXII  =  (1)CXIX;  CXX;  CXXI;  CXXIl.    Hannover.   8. 
Es  erscheint  monatlich  ein  Heft.    3  Hefte  bilden  einen  Band. 

1835-1854,  (2)  I-LXXX:  ^  +  Q^^>^>?  +1834-J,  (J~1835)4+l,2,3,4— R 

Arch.  d.  sc.  phys. 

Archives  des  sciences  physiques  et  naturelles,  par  db  la  Ritb, 
Marignac,  f.  J.  Pictet,  A.  de  Candolle,  Gaütier,  £•  Plantamoüe 
et  Fatre.   XIX;  XX  j  XXI  =  No.  73-84.   Geneve.   8. 

Die  Arch.  d.  sc.  phys.  bilden  eine  Abtheilung  der  „  Bibliotheque 
universelle  de  Geneve,  quatrieme  serie**,  und  haben  mit  der  letzteren 
gieiehe  Bandzahl.  Es  erscheint  monatlicli  ein  Heft.  4  Hefte  bilden 
einen  Band. 

1846-J854,  I-XXVII:^±|i^  +  1845  =  J,  (J— 1846)3 +1,2,3 «Ä. 
Arch.  f.  Arlill.  Off. 

Archiv  für  die  Offiziere  der  Königlich  preufsischen  Artillerie-  und 
Ingenieur-Corps  von  From,  C.  Hoffmann,  Nbümann.  XXXI;  XXXil. 
Berlin  und  Posen.    8. 

Es  erscheint  vierteljährlich  ein  Heft.  2  Hefte  bilden  einen  Band. 
2  Bande  bilden  einen  Jahrgang. 

1837-1854,  I-XXXVI :  ^"^^' ^  + 1 836  -  J,  (J-1837)  2  +  1,2=8. 

Astr.  Nachr. 

Astronomische  Nachrichten,  begründet  von  H.  C.  Schumacbbb,  fort- 


EiUAruBg  der  Cilate.  Xi 

gesetzt  voo  P.  A.  Hambxst,  A.  G.  PsTsassir.   XXXUI;  XXXIV;  XXXV 

—  No.  769-840.    Altona.   4. 

Die  Astr.  Nachr.  erscheineii  in  zwanglosen  Nummern  von  16  (aus- 
nahmsweise 20)  Seiten.    24  Nummern  bilden  einen  Band. 

I.  erschien  1623. 

Athen. 

The  Athenaeum,  Journal  of  literature^  science,  and  the  fine  arts. 
No.  1262-1313.    London.   4. 

Es  erscheint  wöchentlich  eine  Nummer  yon  32  Seiten.  Die  Num- 
mern eines  Jahres  bilden  einen  Band. 

Atti  deir  Ist.  Veneto. 

Atti  delle  adunanze  deir  J.  R.  Istitbto  Veneto  di  scienze,  lettere 
ed  arti.   (2)  III.    Venezia.   8. 

Atti  de^  naovi  Lincei. 

Atti  deir  Accademia  Pontifica  de'  nuovi  Lincei.  V.    Roma.   4. 

Ber.  d.  natnrf.  Ges.  2a  Basel. 

Bericht  über  die  Verhandlungen  der  naturforschenden  Gesellschaft 
zu  Basel.   X.    Basel.   8. 
L  erschien  1835. 

Berl.  Ber. 

Die  Fortschritte  der  Physik,  von  G.  KAaaTBN.  iV  für  1848.  Ber-- 
lin.   8. 

1845-1852,  I-V]n:e  +  1844  — J,  J— 1844i-B. 

Berl.  Mooatsber. 

Bericht  über  die  zur  Bekanntmachung  geeigneten  Verhandlungen 
der  Königlich  preufsischen  Akademie  der  Wissenschaften  zu  Berlin.   8. 

Es  erscheint  monatlich  ein  Heft  betitelt  „Monatsbericht  der  König- 
lich preufsischen  Akademie  der  Wissenschaften  zu  Berlin*\  12  Hefte 
bilden  einen  Jahrgang. 

Der  erste  Jahrgang  erschien  1836. 

Brix  Z.  S. 

Zeitschrift  des  deutsch -österreichischen  Telegraphen  -  Vereins,  von 
P.  W.  Bbix.   I.   Berlin.  1854.   4. 

Es  erscheint  monatlich  ein  Heft.     12  Hefte  bilden  einen  Jahrgang. 

Ball.  d.  Brax. 

Bulletins  de  FAcademie  Royale  des  sciences,  des  lettres  et  des 
beaux-arU  de  Belgique.    XIX.  1;  XIX.  2;  XIX.  3.    Bruxelles.   8. 
Es  erscheint  monatlich  ein  Heft.    Die  12  Hefte  eines  Jahres  bilden 


XII  Erklärung  der  Citate. 

2  oder  3  besonders  paginirte  Abtheilangen.     Der  erste  Band  iimfabt 
die  Jahre  1832-1834. 

1835-1854,  II-XXI ;  B  + 1833  «  J,  J— 1833  «  B. 
Es  ersclieinen  aufserdeni  als  Separatabdruck  ,,Bulletias  des  seances 
de  la  Classe  des  sciences"  in  fortlaufend  paginirten  Jahrgängen. 

Bull.  d.  I.  Soc.  d'enc. 

Bulletin  de  la  Societe  d*encouragenient  pour  Tindustrie  nationale. 
LI.   Paris.  4. 

Es  erscheint  monatlich  ein  Heft.     12  Hei^e  bilden  einen  Jahrgang. 
1802-1853,  I-LU :  B+  1801 »«  J,  J— 1801 »  B. 

Bull.  d.  I.  Soc.  geol. 

BuUetin  de  la  Societe  geologique  de  France.  (2)  IX.     Paris.  8. 

BuIL  d.  Mflncbn.  Ak. 

Bulletin  der  Königlichen  Akademie  der  Wissenschaften.  München.  8. 

Das  Bull.  d.  Mönchn.  Ak.  ist  ein  Separatabdruck  einzelner  Num- 
mern der  Münchn.  gel.  Anz. .  (siehe  unten).  Die  Nummern  eines  Jahres 
bilden  einen  fortlaufend  paginirten  Band. 

Bull.  d.  St.  Pet. 

Bulletin  de  la  Classe  phjsico-mathematique  de  l'Academie  Impe- 
riale de  St-Petersbourg.  X  «  No.  217-240.  St.-Petersbourg  et  Leip- 
zig.  4. 

Das  Bull.  d.  St.  Pet.  erscheint  in  zwanglosen  Nummern  Ton  16  Sei- 
ten; 24  Nummern  bilden  einen  Band. 

V.  erschien  1847. 

Cambr.  Trans. 

Transactions  of  the  Cambridge  philosophicai  Society.  Ylll.  Cam- 
bridge. 1849.   4. 

I.  erschien  1822. 

Chem.  C.  BL 

Chemisch -pharmaceutisches  Centralblatt,  von  W.  Knop.  XXIII. 
Leipzig.   8. 

Es  erscheint  wöchentlich  eine  Nummer  (bisweilen  2)  von  16  Seiten. 
Die  Nummern  eines  Jahres  bilden  einen  Band. 

Bis  1849  erschien  das  Chem.  C.  Bl.  unter  dem  Titel  „Pharmaceu- 
tisches Centralblatt". 

Chem.  Gaz. 

The  chemical  Gazette,  by  W.  Francis.  X  =  No.  22 J -244.  Lon- 
don.   8. 

Es  erscheinen  monatlich  2  Nummern.  24  Nummern  bilden  einen 
Band. 


BrUdniBg  der  Citate.  ^^m 

Compfe-renda  ann.  d.  Tobserv.  phys.  centr. 

Compte-renda  aonuel,  par  le  directeur  de  Tobservatoire  phjsiqve 
central  A.  T.  Küfffkr.  Annee  1851.  Supplement  aux  Annales  de  Tob- 
serTatoire  pliysique  ceDtral  pour  TaDiiee  1849.    St.-Petersbourg.    4. 

Cosmos. 

Cosmos»  Revue  eocjclopedique  hebdomadaire  des  progres  des 
scieocesy  par  Moigno.  I  b  No.  1-30.  Paris.   8. 

Es  erscheint  wocbentlich  eine  Nummer  von  28  Seiten.  Von  IV.  ab 
bilden  die  Nummern  eines  halben  Jahres  einen  Band. 

1852-1854,  I-V:^^^^  +  1851«J,  (J— 1852)2  +  0,1 -B. 

C.  R. 

Comptes  rendus  hebdomadaires  des  seances  de  TAcademie  des 
Sciences.  XXXIV;  XXXV.    Paris.   4. 

Es  ersdieint  wöchentlich  eine  Nummer.  Die  Nummern  eines  hat« 
ben  Jahres  bilden  einen  Band. 

1835-1854,  I-XXXIX:-5-^^^ll2  +  tl834  =  J,  (J~-1835)2+ 0, 1  -  ß. 

Crellb  J. 

Journal  für  die  reine  und  angewandte  Mathematik,  von  A.  L.  Casi.i.x. 
XLIII;  XLIV.    Berlin.   4. 

Ceelle  J.  erscheint  in  zwanglosen  Heften.  4  Hefte  bilden  einen 
Band. 

I.  erschien  1826. 

DlNGLER  J. 

Polytechnisches  Journal,  von  J.  G.  Dinoleh  und  E.  M.  DiNOLBa« 
CXXni ;  CXXIV ;  CXXV;  CXXV! »  No.  697-720  »  Jahrgang  33.  Augs- 
burg.  8. 

Es  erscheinen  monatlich  2  Hefte  von  je  80  Seiten.  6  Hefte  bil- 
den einen  Band. 

1820-1825, 1-XVIII,  No.  1-72 :  ^ij^+1819«J,  (J— 1820)3+1,2,3— B. 

1826-1854,  XIX-CXXXIV,  No. 73-768 :  ^+^^^'^'^  -|- 1820 «  j, 

(J— 1822)4  +  3, 4,  5, 6  «  B. 
(2)  I-L«(l)Ll-C;  (3)  I-XXXIV«(1)CI-CXXXIV. 

Edinb.  J. 

The  Edinburgh  new  philosophical  Journal,  by  R.  Jambsom.  LH; 
Uli  «No.  103-106.     Edinburgh.    8. 


2IY  Erklärung  der  Citate. 

Es  ertcbeint  vierteljährlich  ein  Heft.    2  Hefte  bilden  einen  Band. 
1826-1854,  I-LVII:  ■5^5^+ 1825  «  J,  (J~  1826)2  +  0, 1  »  B. 

Edinb.  Trans. 

Transactions  of  the  Royal  Society  of  Edinburgh.  XX.  Edinburgh. 
1853.  4. 

L  erschien  1788. 

Erdmann  J. 

Journal  für  praktische  Chemie,  von  O.  L.  Erdmank.  LV;  LVI;  LVII. 
Leipzig.   8. 

Es  erscheinen  monatlich  2  Hefte.   8  Hefte  bilden  einen  Band« 

1834-1854,  I-LXIll :  ^  +  ^'^^^  + 1333  «  J,  (J— 1834) 3  + 1, 2, 3  »  B. 
o 

Erhan  Arch. 

Archiv  für  wissenschaftliche  Kunde  von  Rufsland,  von  A.  Ermak. 
X;  XL   BerKn.  8. 

Froriep  Tagsber.  fib.  Pbys.  u.  Cbem. 

Tagsberichte  über  die  Fortschritte  der  Natur-  und  Heilkunde  von 
R.  Frorief.   Abtheilung  für  Physik  und  Chemie.  L   Weimar.   8. 

Gölting.  Abb. 

Abhandlungen  der  Königlichen  Gesellschaft  der  Wissenschaften  zu 
Göttingen.  V.    Göttingen.  1853.  4. 

Jeder  Band  enthält,  besonders  paginirt,  1)  Abhandlungen  der  physi- 
kalischen, 2)  der  mathematischen,  3)  der  historisch-philologischen  Klasse. 

L  erschien  1843. 

Götting.  Nacbr. 

Naclirichten  von  der  Georg  ^Augusts -Universität  und  der  König- 
lichen Gesellschaft  der  Wissenschaften  zu  Göttingen.  Vom  Jahre  1852« 
Göttingen.   16. 

Die  Götting.  Nachr.  sind  eine  besonders  paginirte  Beilage  zu  den 
„Göttingischen  gelehrten  Anzeigen", 

Greenwicb  obs. 

Astrouomical  and  magnetical  and  meteorological  observations  made 
^t  the  Royal  observatory,  Greenwich,  in  the  year  1850,  by  G.  B.  Airt. 
London.   4. 

Von  1831  ab  erscheint  für  jedes  Jahr  ein  Band. 

Grunbrt  Arch. 

Archiv  der  Mathematik  nnd  Physik,  von  J.  A.  Gritivbrt.  XVÜf;  XIX. 

Gftifswald.  8. 


Erklärung  der  Citate.  XT 

Gavmcat  Arch.  ertclieint  ia  zwanglosen  Heften.  4  Hefte  bilden 
einen  Band. 

1.  erschien  1841. 

GUHPRECHT   Z.   S. 
Zeitschrift   für    allgemeine  Erdkunde,    von  T.  E.  Gümfrbcht.   L 
Berlin.  1853.    8. 

£s  erscheint  monatlich  ein  Heft.    6  Hefte  bilden  einen  Band. 

Haidingbr  Abb. 

Natarwissenschaftliche  Abhandlungen,  von  W.  Haidinokb.  IV. 
Wien.  1851.  4. 

I.  erschien  1847. 

Haidingsr  Ber. 

Berichte  über  die  Mittheilungen  von  Freunden  der  Naturwissen- 
schaften in  Wien,  von  W.  Haidinokb.  VII.     Wien.  1851.   8. 
I.  erschien  1847. 

Jabrb.  d.  g^ol.  Reicbsanst. 

Jabrboch  der  Kaiserlich  -  Königlichen  geologischen  Reichsanstalt. 
III.  Wien.   4. 

Es  erscheint  vierteljährlich  ein  Heft.  Die  4  Hefte  der  Jahrgänge 
1851  und  1852  sind  besonders  paginirt,  die  der  übrigen  Jahrgänge 
fortlaufend. 

1850-1854,  I-V:B  +  1849  =  J,  J--1849  «  ß. 

Jabrb.  d.  k.  k.  C.  Anst.  f.  Meteor. 

Jahrbucher  der  k.  k.  Central -Anstalt  fär  Meteorologie  und  Erd- 
magnetismus, von  K.  Kbkil.   I.  für  1848  und  1849.    Wien.  1854.  4. 

Jabrb.  d.  natnrb.  Landesmus.  v.  Kärnten. 

Jahrbuch  des  naturhistorischen  Landesmuseums  von  Kärnten,  von 
J.  L.  Canatal.    Klagenfurt.   8. 

Jabresber.  d.  Mflnchn.  Sternw. 

Jahresbericht  der  Königlichen  Sternwarte  bei  München  für  1852» 
von  J.  Lamoht.    München.   8. 

Der  auf  den  für  1852  folgende  Jahresber.  d.  Münchn,  Sternw.  ist 
für  1854. 

Jabresber.  d.  natarw.  Yer.  za  Halle. 

Jaliresbericht  des  natorwissenscbaftlichen  Vereins  zu  Halle.  V. 
Halle.  8. 

Von  1848  bis  1852  erschien  jährlich  ein  Band. 


XVI  Erklärang  der  Citate. 

Jahresber.  d.  schles.  Ges. 

Jahresbericht  der  schlesischen  Gesellschaft  für  Taterlündische  Cul- 
tur  für  1852.    XXX.    Breslau.   4. 

Jahresber.  d.  WeUerauer  Ges. 

Jahresbericht  der  Wetterauer  Gesellschaft  für  die  gesammte  Natur- 
kunde zu  Hanau  über  die  Gesellschaftsjahre  von  August  1851  bis  dahin 
1853.     Hanau.  1854.   8. 

Der  Jahresber.  d.  Wetterauer  Ges.  für  1850/51  erschien  1851. 

J.  d.  rfic.  polyt. 

Journal  de  FEcole  Imperiale  polytechnique.  Cahier  35,  Tome  XX. 
Paris.  1853.   4. 

Das  J.  d.  l'Ec.  polyt.  erscheint  in  zwanglosen  und  besonders  pa- 
gioirten  Cahiers.   2  Cahiers  bilden  einen  Band. 

Inst. 

L'Institut,  Journal  universel  des  sciences  et  des  Societes  savantes 
en  France  et  ä  Texterieur.  Premiere  section :  Sciences  mathematiques, 
physiques  et  naturelles.    1852  b  XX  »  No.  940-991.    Paris.   4. 

Es  erscheint  wöchentlich  eine  Nummer. 

Es  ist         Inst.  1845  s    XIII  ss  No.    575-  626 

1846  .    XIV  e  No.    627-  678 

1847  «      XV  «  No.    679-  730 

1848  «    XVI  «  No.   731-  782 

1849  «   XVU  »  No.    783-  834 

1850  »  XVni  -s  No.    835-  886 

1851  «    XIX  «  No.   887-  939 

1852  «      XX  »  No.   940-  991 

1853  «a    XXI  »  No.    992-1043 
1864  —  XXn  s  No.  1044-1095. 

J.  of  ehem.  Soc. 

The  quarterly  Journal  of  the  chemical  Society,  by  B.  C.  Brodib, 

A.  W.  HoFFMANNy  W.  A.  MiLLKa,   A.  W.  WlLLIAMSON.  IV  «s  No.  13-16, 

London,  8. 

Es  erscheint  vierteljährlich  ein  Heft.    4  Hefte  bilden  einen  Band. 

1852-1854,  No.  16-27 :  ^Q  +  ^^^>3>^  ^  ^347  ^  j^ 
(J~1848)4  +  0, 1,  2,  3  —  No. 

J.  of  geol.  Soc. 

The  quarterly  Journal  of  tlie  geological  Society  of  London.  VIIL 
London.'   8. 


Erkläirakig  deb  Citate.  XVII 

Jeder  Band  enthält,  beeonder»  rpi^uiirty  1)  Proceedings  of  the 
geobgical  Society,  2)  Misoellancous. 

Irish  Trans. 

The  transactioDS  of  the  Royal  Trish  Acaderoy.  XXIL    Dublin.   4. 
Jeder  Band  enthält,  besonders  paginirt,  1)  Science»  2)  Polite  lite- 
rature»  3)  Antiqaities. 
L  ecschien  1787. 

Königsb.  natarw.  Unterh. 

Konigsberger  naturwissenschaftliche  Unterhaltungen.  IL  No.  3.  Kö- 
nigsberg. 8. 

Es  erscheinen  zwanglose  Hefte.  Die  Hefte  ron  II.  haben  beson- 
dere Paginirung. 

Konst-  en  lelterbode. 

Allgemeene  konst-  en  letterbode  Yoor  het  jaar  1852«    Haariem.  8. 
Es  erscheint  wöchentlich  eine  Nummer.    Die  Nummern  eines  hal- 
ben Jahres  bilden  einen  Band. 

Ebönig  J. 

Journal  für  Physik  und  physikalische  Chemie  des  Auslandes,  Ton 
A.  KnÖNie.  I;  II;  HL    Berlin.  1851.    8. 

Leipz.  Ber. 

Berichte  über  die  Verhandlnngen   der  Königlich   sächsischen  Ge- 
,  Seilschaft    der   1/Visaenschaften    zu    Leipzig.      Matliematisch  -  physische 
Klasse.    Jahrgang  1852.    Leipzig.  1853.    8. 

L,  enthaltend  die  Verhandlungen  aus  den  Jahren  1846  and  1847, 
erschien  1848. 

y.  Leonhard  u.  Bronn. 

Neues  Jahrbuch  für  Mineralogie»  Geognosie,  Geologie  und  Petre- 
factenkunde,  von  K.  C.  y.  Lconhaiid  und  H.  C.  Bronn.  Jahrgang 
1852.    Stuttgart.    8. 

LiEBiG  Ann. 

Annalen  der  Chemie  und  Pharmacie,  von  F.  Wö'hlbr,  J.  Linie 
und  H.KoFF.  LXXXI;  LXXXÜ;  LXXxiU;  LXXXIV«:(2)  V;  VI;  VU; 
YHI.    Heidelberg.   8. 

Es  erscheint  monatlich  ein  Heft.     3  Hefte  bilden  einen  Band. 

1848-1854,  LXV-XCII :  ^+^^^^>^>^  +  ^831  »  J, 
(J— 4832)4+1,  2,  3,  4  — J. 

(2)  i-xvi    (1)  Lxxvn-xcn. 

PorUohr.  d.  Pliys.  YIU.  b 


XTiii  BEUärapg  der  Citat^. 

.  LlOüYILLB  J* 
Journal  de  mathematiques  pures  et  appliquees,  par  J.  Lioutilli. 
1852  «XYII.    Paris.  4. 

Es  erscheint  monatlich  ein  Heft.    12  Hefte  bilden  einen  Band. 

Mecb.  Mag. 

The  mechanics'  Magazine,  Museuro,  Register,  Journal  and  Gazette, 
bj  J.  C.  RoBcnTSOK.  LVI;  LVil  »  Part  348-359  ^  No.  1482-1533. 
London.   8. 

Es  erscheint  wöchentlich  eine  Nummer.  Die  Nummern  eines  Mo- 
nats bilden  ein  Heft.    6  Hefte  bilden  einen  Band. 

1847-1854,  XLVI.LXI:-^^^ii^+1823  -  J,  (J-1824)2+Q,l  -  B. 

Mem.  coar.  d.  TAc.  d.  Belg. 

Memoires  couronnäs  et  memoires  des  safants  ätrangers,  publies 
par  l'Acad^mie  Rojale  des  sciences,  des  lettres  et  des  beaux-arts  de 
Belgique.  XXIV.    Bruxelles.   4. 

Jede  Abhandlung  ist  besonders  paginirt. 

Mem.  de  Brax. 

Memoires  de  TAcad^mie  Rojale  des  sciences,   des  lettres  et  des 
beaux-aits  de  Belgique.  XXVII.    Bruxelles.  1853.    4. 
Jede  Abhandlung  ist  besonders  paginirt. 

Mem.  d.  FAc.  d.  sc. 
Memoires  de  l'Academie  des  sciences  de  Tlnstitat  de  France.  XXIII. 
Paris.  1853.  4. 

I.  erschien  1818. 

Mem.  d.  l.  Soc.  d.  Cberbonrg. 

Memoires  de  la  Societe  des  sciences  de  Cherbonrg.  1.  No.  1. 
Cherbourg.    8. 

M6m.  d*  1.  Soc.  d.  Geneve. 

Memoires  de  la  Societä  de  phjsique  et  d'histoire  naturelle  de 
Gen^fe.  XIII.    Genere  et  Paris.  1854.   4. 

M^m.  d.  1.  Soc.  göol. 

Memoires  de  la  Societe  geologique  de  France.  (2)  lY.  Paris. 
1851.   4. 

Mem.  d.  sav.  etr. 

Memoires  present^s  par  divers  sarants  a  l'Acad^mie  des  sciences 
de  rinstitnt  de  France.  XIII.    Paris.  1853.   4. 
I.  erschien  1827,  XII,  erschien  1854. 


BiUfärubg  der  CRate.  j^ 

Mem.  d.  sar.  itt.  d.  St.  Pöt. 

Memoires  def  MTants  etrangert.  M^moires  presentef  a  rAcad^mie 
Imperiale  des  seiences  de  St-Petenbourg  par  divers  farants  et  las  daiis 
les  assemblees.  VI.    Sc-Petersbourg.  1851.   4. 

I.  erschien  1831. 

Mem.  d.  SL  Pet. 
Memoires  de  TAcadämie  Imperiale  de  St.-Petersboarg.    Sciences 
matliematiqaes  et  pbjsiqaes.  (6)  V.    St.-P^tersbourg.  1853.  4. 

Mem.  of  astr.  Soa 

Memoirs  of  the  Royal  astronomical  Societj.   XXI.  for  the  Session 
1851-1852.    London.   4. 
I.  erschien  1824. 

Mem.  of  Manch.  Soc. 

Memoirs  of  the  literary  and  philosophical  Society  of  Manchester« 
(2)  X.    London.   8. 

(1)  I.  erschien  1789,  (1)  V.  erschien  1802,  (2)  I-i(l)  VL  er- 
schien 1805. 

Memor.  deir  Acc.  di  Bologna. 

Memorie   della  Accademia  delle  scienze  dell'  Istituto  di  Bologna. 
IV.   BoLoeiTA.  1853.   4. 
I.  erschien  1850. 

Memor.  deir  Acc  di  Torino. 

Memorie  della  Reale  Accademia  delle  scienze  di  Torioo.  (2)  XII. 
Torino.    4. 

(1)  I-XL.  erschienen  1804-1838.     (2)  I.  erschien  1839. 

Mitth.  d.  nalarf.  Ges.  in  Bern. 

Mittheilungen  der  naturforschenden  Gesellschaft  in  Bern  aus  dem 
Jahre  1852.    No.  224-264.    Bern.    8. 
Der  erste  Jahrgang  erschien  1843. 

Millh.  d.  natarf.  Ges.  in  Zdrich.    , 

MittheiluDgen  der  naturforschenden  Gesellschaft  in  Zürich.  II.  an  Heft 
4-6  — No.  40-78.    Zürich.  1850-1852.    8. 

Es  erscheint  jährlich  ein  Heft.    3  Hefte  bilden  einen  Band. 

'  MOuBB  Arch. 

Archiv  ffr  Anatomie  >  Physiologie  und  wissenachaftliche  Medicin. 
Jahigang  1852 1.  No.  1-6.    Berlin.   8. 
Es  erscheinen  jährlich  6  Hefte. 


XX  ErUärang  der  Citate, 

Manpbi|.  Abb. 

Abhandlungen  der  mathematisdi^pbysikalischen  Klasse  der  König- 
lich bayerischen  Akademie  der  Wissenschaften.  YIL  «■  Denkschriften 
XXYIII.    München.  1854.   4. 

Müncbn.  gel.  Anz. 

Gelehrte  Anzeigen.    XXXIV;  XXXV.    Manchen.    4. 
An  jedem  Wochentage  erscheint  eine  Nummer  von  8  Seiten.    Die 
Nummern  eines  halben  Jahres  bilden  einen  Band. 

1835-1854,  l-XXXIX:^"^^'^  +  1834»J,  (J-1835)2  +  0,l«  B. 

N.  Denkschr.  d.  scbweiz.  Ges. 

Neue  Denkschriften  der  allgemeinen  schweizerischen  Gesellschaft 
für  die  gesammten  Natorwissenachaften.  Nouveaux  memoires  de  la 
Societe  "helvetique  des  sciences  naturelles.    Xü  »  (2)  H.    Zürich*   4. 

N.  Jahrb.  f.  Pharm. 

Neues    Jahrbuch    für    Pharmacie    und    verwandte    Fächer,    too 
G.  F.  Walz  und  F.  S.  Wincki.br.   Jahrgang  1»1;  II.   Speyer.  1854.  8. 
Es  erscheint  monatlich  ein  Heft.     6  Hefte  bilden  einen  Band, 

Nyt  Magazin. 

Nyt  Magazin  for  Naturvidenskaberne,  Ted  C.  LANfiBiRe.  Yll. 
Christiania.  1853.    8. 

Es  erscheinen  zwanglose  Hefte.    4  Hefte  bilden  einen  Band. 
lY.  erschien  1845. 

Öfvers.  af  fdrbandL 

Öfversigt  of  Kongl.  Yetenskaps-Akademiens  foriiandlingar.  1852«IX. 

Stockholm.   8. 

Es  erscheint  monatlich  ebe  Nummer.    12  Nummern  bilden  einen 

Band. 

1844-1854,  [-XI:B  +  1843»J,  (J— 1843)-B. 

Overs.  over  Forhandl. 

Oversigt  o?er  det  Kgl.  danske  Yidenskabernes  Selskabs  Forhand- 
linger  og  dets  Medlemmers  Arbeider  i  Aaret  1852,  af  G.  Forchham- 
MBR.    Kjöbenha?n.   8. 

PhU.  Mag. 

The  London,  Edinburgh,  and  Dublin  philosophical  Magazine  and 
Journal  of  science,  by  D.  Brewstkr,  R.  Taylor,  R.  Kams,  W.  Frawcir. 
(4)  III;  IY»No.  15-28.    London,   8. 


Brkl&raDg  der  Citate.  XXI 

Es  erscheinen  gewdbaKch  itolbjäbrlich  7  Hefte.  Die  Hefte  eines 
kalben  Jahres  bilden  einen  Band. 

1798-1809,  (l)t-XXXII,No.l-127:-^i~^  +  1797«:J, 

(J— 1799)3+2,3,4  — B. 

1809-1826,  (l)XXXIM-XLVIII,  No.  129-343:  ^^i—-  +1792=*  J, 
(J— 1793)2  +  1,2— B.\ 

1827-1832,  (2)I-Xr,  No,  1-66:^^^^  +  IflpG« J, 

(J-^  1827)2  +  1, 2  «R 
.   1832-1850,  (3)  I-XXXVII,  No.  1-253 :  ^-^^^  + 1831  .  J, 

(J— 1832)2  +  0,1  — B,     ' 
1851-1854,  (4)I-VIII,  No.1-55:  ^"t^' ^  +1850- J, 

(J— 1851)2  +  1, 2»  B.     • 

Phil  Trans. 

Pbilosophical  transactions  of  the  Royal  Society  of  London  for 
the  year  1852.  CXLU.    London.   4. 

L  entliält  transactions  for  1665  and  1666. 

1763-1854;  Lni-CXLIV:B  +  I710  — J,  J— 1710  — B. 

POGG.  Ann. 

Annalen  der  Physik  und  Chemie  von  J.  C.  Po66Bndobff.  LXXXY ; 
LXXXVI;  LXXXVII=:(3)  XXV;  X^Yl;  XXYÜ.    Leipzig.  8. 
Es  erscheinen  jährlich  12  Hefte.    4  Hefte  bilden. einen  Band. 

1824-1854,  I-XCIII:^i^-^  +  1823-J,  (J— 1824)  3 +1,2,3 -B. 

(2)  I-XXX  — (l)XXXI-LX;  (3)  I-XXX-(1)LXI-XC;  (4)  MIl- 
(I)XCI-XCIIL 

Po66.  Ann.  I-XCIU  —  L.  W.  GiLBKRT*8  Annalen  der  Physik 
LXVII-CLXIX. 

Polyt.  C.  BL 

Polytechnisches    Centralblatt,    von    G.  H.  E.  ScmncDERMANir   und 
C.  R.  Brücemakk.   XIX  —  (2)  VII,  für  das  Jahr  1853.   Leipzig.  1853.  4. 
Es  erscheinen  monatlich  2  Hefte.    24  Hefte  bilden  einen  Band. 

Proc.  of  Edinb.  Soc. 

Proceedings  of  the  Royal  Society  of  Edinburgh.  UL  Edinburgh.  8, 


j^l  ErUärang  der  CiMe« 

Proc«  of  Roy.  Soo. 

Proceedings  of  the  Royal  Society.  Abstract  of  tbe  papers  com- 
municated  to  the  Royal  Society  of  London.  YI.  i»  No.  77-101.  Lon*- 
don.  1854. 

Rendic.  di  Napoli. 

Rendiconto  della  Societa  Reale  Borbooica.  Accademia  delle  scienze. 
NuoTa  Serie.  1852.    Napoli.   4. 

Report,  of  pat.  inv* 

The  Repertory  of  patent  inventions.  (2)  XIX;  XX.    London.  8. 
Es  erscheint  monatlich  ein  Heft.    6  Hefte  bilden  einen  Band. 

Rep.  of  Brit.  Assoc. 

Report  on  the  XXf.  meeting  of  the  british  Association  for  tlie 
advancement  of  science,  held  in  1851.    London.   8. 

1831-1853,  I-XXin:B+1830«J,  J— 1830  — Ä. 

Rigaer  Correspondenzbl. 

Correspondenzblatt  des  natarforschenden  Vereins  zu  Riga.  IV. 
Riga.   8. 

Schrift,  d.  naturf.  Ges.  in  Danzig. 

Neueste  Schriften  der  naturforsdienden  Gesellschaft  in  Danzig.  IV, 
Danzig.    4. 

SlLLIHAN    J. 

The  american  Journal  of  science  aod  arts,  by  B.  Silliman,  B.  Sil- 
LiMANJun.  and  J.D.Dana.  (2)  XIII;  XIV »  No.  37-42.  NewHaven.  8. 
Es  erscheinen  jahrlich  6  Hefte.    3  Hefte  bilden  einen  Band. 

1846-1854,  (2)  I-XVffl,  No.  1-54 : ^^^  + 1845 —  /, 

(J— 1846)2 +  J,  2- B. 

SuTHSON.  Contrib. 

SMiTHSONiAir  contributions  to  knowledge.  III;  IV.   Washiogton.  4. 
Jeder  Aufsatz  ist  besonders  paginirt. 

Thokson  J. 

The  Cambridge  and  Dublin  mathematical  Journal,  by  W.  Thomsoii. 
VII B  (2)  XI.    Cambridge.   8. 

Im  Februar 9  Mai  and  November  jeden  Jahres  erscheint  ein  Heft. 
3  Hefte  bilden  einen  Band. 


Brkttraog  der  Citate.  XXilI 

ToRTouNi  Aon. 

Annali  di  sciesze  matematiche  e  fisiche,  da  B.  Tortolini.  111. 
Roma.  6. 

Es  eneheiot  monatlich  ein  Heft.    12  Hefte  bUdeH  einen  Band. 

Verb.  d.  Leopoldin.  Carolin.  Ak.  d.  Natorf. 

Verliaodlongen  der  Kaiserlichen  Leopoldinifch- Carolinischen  Aka^ 
demie  der  Naturforscher.  XV.  ^  Novorura  actorum  Academiae  Caesareae 
Leopoldino  -  Carolinae  naturae  curiosorum  toI.  XX.  Breslau  und 
Bonn.   4. 

Verb.  d.  scbweiz.  nalarf.  Ges. 

Yerhandlangen  der  schweizerischen  naturforschenden  Gesellschaft. 
Actes  de  la  Societe  hehetique  des  sciences  naturelles ,  rennie  a  Sion. 
XXXVU*  Session.    Sion.   8. 

Verb.  d.  WOrzb.  Ges. 

Verhandlungen  der  physikalisdi  -  medicinischen  Gesellschaft  in 
Wnrzburg,  Ton  A.  Köllikse,  J.  SCHEniR^  R.  Vincnow  und  F.  Sgan- 
zoHi.  II;  III.    Erlangen.   8. 

I.  erschien  1850. 

Verb.  z.  Beförd.  d.  Gewerbfleifses. 

Verhandlungen  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gewerbfleifses  in 
Preofsen,  Ton  Schvearth.  XXXI.    Berlin.   4. 

Es  erscheinen  jährlich  6  Hefte.    6  Hefte  bilden  einen  Band. 

Yelensk. .  Ak.  bandlingar. 

Kongl.  Vetenskaps-Akademiens  handlingar  för  ar  1851.  Stock- 
holm« 1853.  8. 

Vidensk.  Selsk.  Skrift. 

Det  Kongelike  danske  Videnskabernes  Selskabs  Skrifter.  Natnr- 
▼idenskabelig  og  mathematisk  Afdeling.  (5)  II.    KjöbenhaTn.  1851.  4. 

Washington  Obs. 

Astronomical  observations  made  duriog  the  year  1847  at  the  na- 
tional observatorj  Washington»  by  M.  F.  Maort  and  L.  WAnameToir. 
III.   Washington.  1853.   4. 

Wien.  Ber. 

Sitzungsberichte  der  mathematisch  «naturwissenschaftlichen  Klasse 
der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften.  VIII;  IX.    Wien.  8. 


XXIY  Erklärung  der  Citate. 

Es  ersclieioen  jährlich  10  Hefte,    Bis  1853  bilden  5  Hefte  einen 
Band. 

1848-1853,  I-Xl:5^^^j^  +  1847«J,  (J— 1848)2  +  0,1  «R 

Für  1854  sind  No.  1-5^X11;  No.  6-7  «XIII;  No.  8-10 -XIV. 

Z.  S.  d.  geol.  Cres. 

Zeitschrift  der  deutschen  geologischen  Gesellschaft.  lY*  für  1852. 
Berlin.   8. 

Z.  S.  f.  Naturw- 

Zeitschrift  für  die  gesammten  Naturwissenschaften.  I;  II.    Halle. 
185S.   8. 

Es  erscheint  monatlich  ein  Heft.    6  Hefte  bilden  einen  Band. 


Inhalt. 

.  Erster  Abschnitt. 

Allgemeine  Physik. 

Seite 

1.  Molecularphysik. 

Siemv.    Betrachtungen  über  die  BestimiDuag  der  YerbäUoiMe; 
in  welchen  die  den  Erdkorper  biidenden  mnteriellen  Molecole 
sich  befinden  müssen,  damit  die  Cohäsionserschfeinungen  der 
an  seiner  Obesfläche  e^tirendea  kiystaliisirten  Körper  durch  •  . 
die  NswTON'schen  Attrnctionsgesetze  erklärbar  sind     •        .      3 

A.  Gaudiv,     Siebente  Abhandlung   über    die    Gruppirung   der    / 
Atome  in  den  Moleculen,.  und  .über  die  letzten  Ursachen,  d^r 
Kry$taUbjldung      .        • -5 

C.  S*  C.  DeyiliiX.  Untersuchungen  über  Dimorphie  und  über  die 
Umwßndlungen  des  Schwefels 7 

Beame.  .  Versuche  über  die  Bildung  von  Bläschen  und  Zellehen      9 

D'EsToeQUoia.    Notiz  über  die  Molecularanziehung    . .       •        . . .  /  9 

J.  N.  T.  Fuchs.  Theoretische  Bemerkungen  über  die  Gestaltungs- 
zu»tände  des  Eisens       •        • 10 

C.  BftAJUC.     Untersochungen  über  die  verschiedene  Dichtigkeit  : 
des  Schwefels .        .11 

A.  KxNNOoTT.  Ueber  ein  bestimmtes  Yerbältnirs  zwischen  dem 
Atomgewichte»  der  Härte  und  dem  specifischen  Grewichte  iso* 
morpher  Minerale  ....•.•..•    J2 

2,  Cphäsion  und  Adhäsion. 

E.  FiuH)!,.  Untersuchungen  über  da«  Enliatbungsyermögen.der 
Kohle  und.  einiger  andere  Körper         .        /       •        •        «14 


XXVI  Inhalt. 

Seite 
£.  Harms.    AnwenduDg  der  Kohle  als  EDtflrbungsmittel   .        •    24 

C«  GüTHX.    AnwenduDg  der  Kohle  als  Entfärbungsmittel  •        .    24 

3.  Capillarität. 

E.  BiDK.  Ueber  die  Ascension  des  Wassers  und  die  Depression 
des  Quecksilbers  in  Capillarrohren 25 

E.  DcsAiNS«    Ueber  die  Anwendung  der  Theorie  der  Capillar- 

erscheinungen. 28 

HoRSFORD.    Ueber  das  Eindringen  des  Quecksilbers  in  Metalle .    29 

4.  Diffusion. 

T.  Graham.    Ueber  die  Endosmose  von  Flüssigkeiten       •        .     31 

5.  Dichtigkeit  und  Ausdehnung. 

H.  Kopp.  Ueber  die  Ausdehnung  einiger  fester  Korper  durch 
die  Wärme     .        .        ^        •        • 31 

Plücker  u.  Geisslkr.  Studien  über  Thennometrie  und  verwandte 
Gegenstände 34 

M.  L«  Frankcnhkim.  Ueber  das  Volumen  des  Wassers  bei  ver- 
schiedenen Temperaturen  nach  J.  Pikrrk*8  Beobachtungen   .    38 

F.  BÄDKSRR.    Ueber  Verdünnung  und  Verdichtung  von  Flüssig- 

keiten zu  einem  bestimmten  specifischeo  Gewichte        .        .    41 

6.  Maafs  und  Messen. 

Delkuil.  Ueber  ein  Verfahren  zur  strengen  Regulirung  der 
Gewichte  für  ^ehr  genaue  Wägungen 41 

A.  T.  KüPFFER.  Bestimmung  des  Gewichts  von  einem  CubiczoU 
Wasser 41 

G.  SANDBER6ER.    Neues  Mefsinstrument  für  directe  Verticalmes- 

sangen  von  Vertiefungen  und  Erhöhungen  kleinerer,  besön^ 

ders  naturhistorischer  Gegenstände 42 

M.  G.  T.  Favcsu.    Das  astronomische  Längenmaafs  •        .        •    42 
W.  Lasch.    Bemerkungen  über  das  absolute  Gewicht  der  atm6* 
sphärischen  Luft  in  Berlin,  so  wie  über  die  Vergleichung  der 
preufsi sehen  Maaf^ie  mit  dea  franzosischen  und  englischen    .    43 
Balacboff,     U^ber  ein  Mittel  um  durch  Zahlen  richtige  Vorstel- 
lungen iih^r  die  Grof^e  der  verscbtedenen  Länder  zu  geben    44 
C.  BütmitEai     U^fber  die  Bestimmung  Ton  Gasmengen        .        •    44 
DixiBi«^    Notit  über  ein  Tacbometer  zur  fortdauernden  Bestim- 
pd  graphischen  Darstellung  der  Geschwindigkeit  der 

titen 45 

ebiff  die  Einrichtung  seiner  elektroballistischen  Vor- 
fiir  Messung  der  FLugteiten 46 


Inhalt  xxni 

Seite 
G.  Dbchxb.    Ueber  die  Bestimmuiig  der  Constanteo  eines  Hivf'- 

gchen  Chronoskops        •••.••        «^        .    48 

7.   Mechanik. 

A.L.  GaxLLB.    Ueber  die  Sätze  vom  Parallelogramme  der  Kräfte 
nnd  vom  Hebel,  so  wie  vom  Parallelepipedom  der  Kräfte    .    50 

W.  Matzka.    Wann  liegt  der  Schwerpunkt  eines  ebenen  Vierecks 
aufserhalb  desselben? 50 

T.  Tatb.    Ueber  die  Bewegang  eines  Korpers  a«f  einer  schie- 
fen Ebene  mit  Räcksicht  auf  die  Reibung     •        .        •        «51 

J.  A.  Grüitirt«    Aufgaben  aus  dem  Attractionscalcäl  .        .        .51 

J.D1BH6EA.    Ueber  die  Gleichungen  der  Bewegung,   Anwendon». 
gen  derselben        ••....••.    51 

J.BsaraAHii.    Ueber  ein  neues  Theorem  der  analytischen  Me- 
chanik   •        * 51 

Ueber  die  Integrale,   welche  mehreren  Problemen  der 

Mechanik  gemein  sind   •.••••••    54 

A.  TissoT.    Die  Bewegung   eines  schweren  Punktes  auf  einer 
Kugel.    Die  BewegMng  einer  schweren  Linie  um  einen  ihrer 

Punkte 55 

.   SrncHiir.   Ueber  die  Drehung  und  die  Anfangsbewegnngen  fes- 
ter Korper 56 

Yersehiedene  Bemerkungen  nnd  Reflexionen  über  die  Mo- 
mente und  andere  Ciegenstände  der  Statik    .  .        .56 

GüozMMAvv.    Ueber  die  drehende  Bewegung  der  festen  Kor- 
per um  ihre  Schwerpunkte 56 

F.  J.R1CBBI.0T.    Eine  neue  Lösung  des  Problems  der  Rotation 
eines  festen  Körpers  um  einen  Punkt   .      *  •        .  .57 

Y.  Puiscvx.    Lösung  einiger  Aufgaben  über  die  Bewegung  eines 
festen  Körpers  auf  einer  horizontalen  Ebene         •  .57 

Haobii*    Ueber   den  Druck  und   die  Bewegung   des  trocknen 
Sandes 59 

J.  U.  Rönas.    Ueber  die  Oscillation  Ton  Hängebrücken      .        .    61 

J.  E.  Gut.    Ueber  den  Bomerang 61 

Ueber  den  Bumerangh 62 

L.  T.  Baio.    Ueber  die  Anwendung  der  Centrifugalkraft  im  che- 
miüchen  Laboratorium    .        •        •        •        •        •        •        .62 

T.  ScHÖHKMAHir.    Von  der  Empfindlichkeit  der  Bruckenwagen 
und  der  einfachen  und  zusammengesetzten  Hebelkettenspteme    64 

E.  SsmiTs,    Ueber  Torsionswiderstand  ond  Torsionsfestigkeit  •    66 


tXVni  Inhalt. 

Seite 
G.  Dbcher.    Zar  Theorie  der  Zapfeoreifouiig     .        .        .        .68 

S.  HAU6HT0N.    Experimente  über  einen  neuen  Reibeschlitten  zum 

Anhalten  der  Eisenbahnzüge  •        .        ^        .        .        .        .68 

C.  Doppler.    Ein  Beitrag  zur  genaueren  Ermittelung  des  Rei- 

•  bongscoefficienten  zwischen  Eisen  und  Erde  unter  Terschie- 

denen  Umständen 69 

J.  Plaka.    Ueber  die  mittlere  Dichtigkeit  der  äufseren  Erdrinde    69 

E.  Roche.    Ueber  die  Theorie  der  Atmoipbären.    Zweiter  Theil    70 
WoLFF. .  Ueber  die  Ursache  der  Abweichung  rotirender  Gescirosse    70 

Der  Foucault' sehe  Versuch. 
T.  G.  Botit.    Pendelversuche       .  .        .        .        .        .71 

Sbccri.    Versuche   über   die  Ablenkung  der  Schwingnngsebene 
des  Pendels  in  Rom 71 

F.  Zantedbschi.  Physikalisch-mathematische  Untersuchungen  über 

die  Abweichung  des  Pendels  von  seiner  Bahn  .  .  .72 
W.  Glbums  jun.    Beobachtungen   über  die  verschiedene  Ablen- 

knngsgeschwindigkeit  der  Schwingungsebene  des  Pendels  in 

rersohiedenen  Richtungen 72 

L.  Jasse.    Resultat  der  Beobachtungen  während  einer  24stundi- 

gen  Pendelschwingung'  in  Middelburg  .  .  .  .  .  73 
V.  S.  M.  TAN  DER  .Willigen.    Pendelv^rsuche  in  Detenter        .    73 

F.  Stabhlk«.    Foucault*«  Pendelversuche  zur  Bestätigung  der 

täglichen  Umdrehung  der  Erde  um  ihre  Axe  •  .  .73 
J.  ChAtIlis.    Mathematische  Theorie  des  FoüCAUiiT^schen  Pen- 

deWersuchs 74 

CRAHA.T.    Eleibentare  HerleiCung  der  Ablenkungsgeschwindigkeit 

der    Schwingungsebene    des    Pendels    unter    yerschiedenen 

Breiten  . 74 

G.  Bkllayitu.    Notiz  über  das  FoucAULT'sehe  Pendel  •    77 
T.  h  EsGHWBiiiER.    Kurzer  Beweis  des  Gesetzes,  nach  welchem 

die  S.chwingungsebene  eines  Pendels  sich  bei  dem  Foucault*- 
scheo  Versuche  in  Folge  der  Erdrotation  um  die  Verticale 

des  Aufhängungspunktes  dreht       .        .  •       '.        •  78 

'  D.  P.  WoODBüRT.    Der  Pendelversuch .79 

Pagahi.    Ueber  den  EuLiR^scIien  Satz  ron  der  Zerlegung  einer  ' 

Drehung«.       . 80 

G.  JuA6BH8Xir.    Mechanische  Untersuchungen  über  die  Bewegung 

des  Pendels 81 

Du»i»    Ueber  die  Abweichaag  fidiender  Korper  nach  Süden  .  83 


Inlialt«  XXll 

Seite 
DiEU.    Uebeir  die  Bewegung  des  eiofachea  PendeU  und  eiaes 

freien  materiellen  Punktes  unter  Yernachlässigong  des  Luft- 
widerstands und  mit  Rücksicht  auf  die  Drehuqg  der  Erde»      85 
J.  PoAAo.     Beweis  für  die  Drehung^  der  Erde  durch  die  Unv^r- 
änderlichkeit  der  Pendelschwingungsebene.  .  Neuer  Apparat 
um  diese  zu  beobachten       ..•.,.•      86 

F.  ScHAUB.    Elementarer  Beweis  der  Wirkung  der  Umdrehung 

der  Erde  auf  die  Schwingungsebene  des  Pendek        ,        •      87 

B.  Gabtrk.  Fovcault's  Versuch  <ils  directer  Beweis  der  Axen- 
drehupg  der  Erde  angestellt  im  Dom  zu  Köln  und  erläutert 
durch  zwei  yorbereitende  Vorlesungen  nebst  Zusammenstel- 
lung  einiger  diesen  Gegenstand  betreffenden  Apparate ;  Mit- 
theilung  wissenschaftlicher  Versu<;bsreihen  und  Beschreibung 
eines  neuen  Apparats,  genannt  Geostrophometer,  mit  wel' 
chem  ohne  Pendel  die  Axendrehung  der  Erde  erkannt  wer- 
den kann 88 

U.  Clarke.    Ueber  den  wahrscheinlichen  Einflufs  der  Drehung 

der  Erde  bei  See-  und  Landreisen     .        •        •        •        .88 

Der  Einflufs  der  Drehung  der  Erde  auf  Eisenbahntrains  .        .      90 

Sadebsck.  Ueber  den  von  Rauch  aufgestellten  Beweis  für  die 
Axendrehung  der  Erde 91 

ScBAAA.  Bericht  aber  einen  Aufsatz  des  Hrn.  Monti^kt,  be- 
treffend die  Versuche  zur  Bestimmung  der  Dichtigkeit  der 
Erde     -        .        .        .        .        • 92 

L.  FoucAULT.  Ueber  einen  neuen  experimentellen  Beweis,  für 
die  Bewegung  der  Erde  aus  der  Festigkeit  der  Rotationsebene    .  93 

Ueber  die  Orientirungserscheinungen  von  Körpern  ^  die 

sich  um  eine  an  der  Oberfläche  der  Erde  feste  Axe  drehen. 
Neue  sichtbare  Beweise  für  die  tägliche  Bewegung      .  .    93, 95 

< Ueber  das  Bestreben  der  Drehungen  zum  Parallelismus    93,  97 

Experimenteller  Beweis  für  die  Bewegung  der  Erde; 

Zusatz  zu  den  früheren  Mittheilungen      •        .        .        •    93, 98 

Pebsok.  Beweis  für  die  Drehung  der  Erde  vennittelst  des  Boh- 
ifBNBBaeEA'schen  Apparats 98 

Aufstellung  des  BoHNEMBEROEB'schen  Apparates  für  die 

verschiedenen  Breiten •        .      98, 99 

Notiz  über  Rotationsbewegung.      .  .        .        .        .    9d|  100 

G.  SiBE.    Ueber  einen  Apparat  zum  Beweise  der  Drehung  der 

Erde •       «        •        .        •    101 


nt  Inliate. 

Seite 
QuvT.    Analytisdie  Losong  der  Aafgabe>  die  DrehungtbeweguDg 

eiDes  festen  Körpen  um  einen  seiner  Punicte  zu  bestimmen 

unter  der  Voraussetzung ,   dafs  dieser  Punkt  auf  der  Erde 

fest  ist,  und  an  ihrer  taglichen  Bewegung  theilnimmt  •        .     1Ö2 

Mathematische  Untersuchungen  über  Foücavlt'b  Expe- 
rimente, um  die  Drehungsbewegnng  der  Erde  sichtbar  zu 
machen •    102 

Anwendung  der  allgemeinen  Theorie  der  Drehung  auf 

den  speciellen  Fall  des  horizontalen  Gyroskops  von  Foir- 
CAVLT 102,  104 

Pbiisok.    Bemerkungen  über  die  Notiz  tou  Qitit    •        .    102,  104 

QüST.  Anwendung  einer  neuen  Methode  zur  Bestimmung  der 
Rotationsbewegung  eines  Korpers,  dessen  Schwerpunkt  auf 
der  Erde  fest  ist 102,  105 

SiAK«     Ueber  die  Festigkeit  der  Rotationsebene       •        •        •    105 

Hamann.     Ueber   einen   Rotationsapparat   zum   Beweise   der 

Axendrehung  der  Erde 105 

G.  M.  Paoani.  Ueber  die  Bewegung  eines  materiellen  Punktes, 
bezogen  auf  drei  feste  Axen  in  einem  um  einen  Punkt  be- 
weglichen Körper 106 

Lamable.    Ueber  den  neuen  Versuch  von  Foucault   .    .        ,106 

Berechnung  des  Einf  usses  der  Drehung  der  Erde  auf 

die  Bewegung  eines  an  der  täglichen  Drehung  theilnehmen- 

den  Körpers 110 

8.    Hydromechanik. 

G.  SiHE.  Notiz  über  einen  einfachen  Apparat  um  darzuthun, 
woTon  der  Druck  einer  Flüssigkeit  auf  den  Boden  des  Ge- 
föfses  abhängig  ist 110 

S.  Tkbat;  T.  Smith;  Mechanicus;  Woreman;  Indaoator. 
Aufgabe  über  den  Steuereinnehmerstab         .  •        .111 

J. Challis.    Ueber  die  Grundgleichungen  der  Hydromechanik.     112 

S.  BesWick.     Versuch  einer  neuen  Theorie  des  Drucks  der 

Flüssigkeiten  und  der  Dampf bildung 112 

Lbjeune-Dirichlet.  Ueber  einige  Fälle,  in  welchen  sich  die 
Bewegung  eines  festen  Körpers  in  einem  incompressibeln 
flüssigen  Medium  theoretisch  bestimmen  läfst       .        .        .113 

CoNSTANT  READER.  Ueber  den  Binflufs  einer  rotirenden  Bewe- 
gung auf  schwimmende  Körper f  15 

Lesbros.    Hydraulische  Untersuchungen  über  die  Gesetze  des 


Inbalt« 

Seile 
Aosflpsnes  des  Watsert  durcU  recliteckige  Tertieale  OeflPouo- 

gen  yon  groftei»  Dimensionen 115 

T.  d'Estoc^uois.  Ueber  die  Bewegung  einer  schweren  Flüs- 
sigkeit beim  Ausflasse  aus  einer  horizontalen  rechteckigen 

Oeffnpng       .        • 120 

nm  CaiiI0sx.  Yersache  über  ein  Mittel,  den  Widerstand  des 
Wassers  in  den  Krfimmungen  der  Leitungsrohren  xu  Ter-* 

nindem        •        .        •        • 120 

J.  PoAAo.    Allgemeine  Theorie  der  hydraulischen  Motoren       •    121 
h  Thomson.    Ueber  einige  Eigenschaften  der  Strudelbewegun* 
gen  in  Flüssigkeiten 122 

—  —  Apparat  zum  Heben  des  Wassers  mittelst  eines  Was^ 
serstrahles 123 

A.  DB  CaiiIOmt.    Abhandlung  über  Wasserwellen  «        .    123 

T.  Stktzmsok.  Ueber  die  Beziehung  zwischen  der  Höhe  der 
Meereswellen  und  ihrem  Abstand  von  der  windwärts  gele- 
genen Küste 123 

A.  DE  CALievT.    Ueber  verschiedene  Wasserhebemaschinen      .    124 

A.  SxiDBLL.  Ueber  die  Anwendung  der  rückwirkenden  hydrau- 
lischen Kraft  zur  Führung  und  Bewegung  von  Schiffen,  so 
wie  über  jüngst  gemachte  praktische  Erfahrungen  darin      .    126 

L«  D«  Guiüu».    Hydraulische  Eisenbahn  verbunden  mit  einem 

Wauerfertheilungs-  und  Bewässerungssysteme    .        •        •    127 
9.    Aöromechanik« 

Atooaubo.  Ueber  die  Folgerungen,  welche  sich  hinsichtlich 
des  Gesetzes  der  Zusammendrückung  der  Gase  aus  den 
Yersudien  von  RseMAaLT  ziehen  lassen  •        •        .128 

C«  SoNDHAiTss.  Ueber  die  Form  von  aus  runden  Oeffnnngen 
tretenden  Luftstromen 130 

A«  MoAiN.  Versuche  übeir  die  Ventilation  des  grofsen  Amphi- 
theaters im  Conserratoir^  des  arts  et  metiers      .        •        .    131 

C.  FiscHXA-OoBTKB.    Beschreibung  eines  neuen  Hypsometers  •    133 

—  —    Beschreibung  eines  neuen  einfachen  Bathometers         .    133 
E.  FuHTAMouB.     Hypsometrische  Tafeln  berechnet  nach  der 

Formel  Ton  Bessxl .  134 

T.  Abdbbwts.    Ueber  eine  Methode ,  ein  vollständiges  Vacuum 

unter  dem  Recipienten  einer  Luftpumpe  herzustellen  .  •  135 
C.  FoNTAiMB.    Note  über  einen  Apparat  zur  UerTorbringong 

eines  ToUständigen  Vacuums        .  ...        •        •    135 


mit  Inhatti 

Seite 
T.  AivDffE^^.    U^er  eioen  neaea  Aspiratar  .        •        .135 

•    A.  Pauli.     Ueber  eine  Gaspipette 136 

10.  Rlasticität  fester  Körper. 

J.  H«  Jellktt.    Ueber  das  Gleichgewicht  und  die  Bewegung  et* 

nes  elastischen  Körpers        .        .    -    .        .        .        •        .136 

W.  }.  M.  Rahkine.  Gesetze  der  Blasticität.  Sechste  ond  sie- 
bente Abtheiiung  .        .         .  • 137 

G.  Kirchhoff.  Ueber  die  Gleichungen  des  Gleichgewichtes  eines 
elastischen  Körpers  bei  nicht  unendlich  kleinen  Yerschie** 
bongen  seiner  Theile l'dS 

A,  T.  KuPFFEH.     Untersuchungen  über  Elasticität      .        ,        .     138 

A.  W.  Napierskt.  Beobachtungen  über  die  Elasticität  der  Me- 
talle.  140 

MoMTiGNT.    Verfahren  die  Schwingungen  eines  elastischen  Sta> 

bes  sichtbar  zu  machen  und  zu  zahlen         .        •        •        .140 

Phillips.    Ueber  die  Stahlfedern  der  Eisenbahnwagen     .        .    141 

YoLPiCELLi.    Bestimmung  von  Elasticitätscoefficienten      .        .142 

11.  Yeränderungen  des  Aggregatzustandes. 

A.  Gefrieren,  Erstarren. 

B.  Schmeisen. 

C.  Auflösen. 

P.  Kremers.  Ueber  den  Zusammenhang  des  specifischen  Ge- 
wichtes chemischer  Verbindungen  mit  ihrer  Auflöslichkeit, 
nebst  einer  daraus  abgeleiteten  Theorie  der  chemischen 
Wahlverwandtschaften 143 

—  «*-  Ueber  das  Krystallwasser,  sein  Verhältnifs  zurConsti« 
tution  und  Löslichkeit  der  Salze  und  sein  Verhalten  bei 
chemischen  Zersetzungen      .        ; 144 

H.  LoEWEL.  Beobachtungen  über  die  Uebersättigung  der  Salz- 
lösungen.   Dritte  Abhandlung 144 

G.  Brame.    Löslichkeit  der  verschiedenen  Modiflcationen  des 

Schwefels  in  Schwefelkohlenstoff 144 

—  —    Ueber  die  Spaltung  auf  nassem  Wege         .        .        .    145 

D.  Condensation. 

E.  Absorption. 

Venvbke.     Versuche  über  die  Absorptionsfähigkeit  der  Kno- 

:    chenkohle  für  Zacker  und  Wasser       •        .        .        *        .    145 
Chiozza.    Condensation  der  Gase  auf  4erOberflftcbe  der  festen 
Körper 146 


iBhalt.  XZUII 

Seite 
F.  HixKT.    Ueber  die  chemische  Subataaz,  welche  die  Absorp- 
tion des  in  dem  Blute  enthaltenen  Sauerstoffs  bedingt,  und 
über  die  Art,  wie  man  sich  die  Färbung  des  Blates  erklä- 
ren kann •        •        .        .    146 

F.  Sieden,  Verdampfen. 

J.  J.  Pohl«    Nachtrag  zur  thermoaräometrischen  Bierprobe      .    147 

G.  LsiDEMFRosT'scher  Versuch. 

F.  Stakhlke.    Zum  LsiDENrnosT'schen  Versucli  •        .    147 

PoLEGK.     Ueber  das  Verhalten  von  Flüssigkeiten  gegen  stark 

erhitzte  Körper 148 


Zweiter  Abschnitt. 

Akustik. 

12«     Theorie  der  Akustik,  Phänomene  und  Apparate. 
M.  W.  Drobisch.     Ueber    musikalische    Tonbestimmung    und 

Temperatur 151 

F.  W.  Opblt.    Allgemeine  Theorie  der  Musik,  auf  den  Rhyth- 
mus der  Elangwellenimpulse    gegründet,    und    durch   neue 

Versinnlichungsmittel  erläutert 154 

C.  SoNDHAvss.    Ueber  die  Refraction  des  Schalles          •        .    156 
E.  Seohitz.    Ueber  den  Einflufs  der  Bewegung  auf  die  Inten- 
sität des  Schalles 157 

A.  Bratais,    Ueber  die  Geschwindigkeit  des  Schalles     •        .159 
T.  Strantz.    Ueber   die  Wahrnehmung   und  Verbreitung   des 

Schalles  in  freier  Luft 159 

C.  KoHN.  Glühendes  Metall  als  schlechter  Schallleiter  .  .  160 
—  —  Schallleitung  durch  glühende  Röhren  .  •  .  •  160 
Petrina.  Neues  musikalisches  Instrument  ....  160 
13.  Physiologische  Akustik. 
Harless.  Erforschung  des  menschlichen  Stimmorgans  .  •  161 
C.  Mater.    Physiologische  Bemerkungen  über  die  Stimme  des 

Menschen  und  der  Thiere 162 


Fortocbr.  d.  Pbys.  TOI. 


xixnr  Jnfc^Jt- 

Dritter  Abicbnitt. 

Optik. 

Seite 
14.    Theoretische  Optik. 

J.  Pktztal.    Ueber  ein  allgemeioes  Princip  der  Undulations- 

lehre:  Gesetz  der  Erhaltung  der  Schwingnngsdauer     •        .     167 

—  —  Ueber  die  Unzukömmlichkeiten  gewisser  populärer  An- 
schauungsweisen in  der  Undulationstheorie  and  ihre  Unfä- 
higkeit das  Princip  der  Erhaltung  der  Schwingungsdauer  zu 
ersetzen         .        . 167 

C.  DoFPLXR.  Bemerkungen  zu  dem  Aufsatze  „Ueber  ein  all- 
gemeines Princip  der  Undulationstheorie  etc.'*    .        .1679  170 

A.  T.  Ettingshausen.    Bemerkung,  denselben  Gegenstand  be- 

treflFend 167,  170 

—  —  Weitere  Bemerkungen  zu  dem  Vortrage  des  Herrn 
Pktztal 167,  171 

C.  Doppler.  Bemerkungen  über  die  von  dem  Hrn.  Pitzyal 
gegen  die  Richtigkeit  meiner  Theorie  vorgebrachten  Ein- 
wendungen    167,  171 

RiBCKE.    Directer  Beweis  der  Undulationstheorie  des  Lichts  aus 

der  Aberration  der  Fixsterne 177 

W.  Walton.  Ueber  die  Wellenfläche  als  Glied  einer  beson- 
deren Flächenformation 178 

J.  A.  Grumert.     Ueber  den  Distanzmesser  von  Martins         •    179 

—  —  Ueber  das  katoptrische  und  dioptrische  Beleuchtangs- 
system  fiir  Leuchtthürme 181 

L.  Seidel.    Zur  Theorie  der  Fernrohrobjective        .        •        .190 

Billet.  Ueber  die  Constitution  des  polarisirten  Lichtes  und 
die  wahre  Ursache  der  Veränderungen,  welche  die  Phasen- 
unterschiede zweier  polarisirten  Strahlen  zeigen,  die  aus 
einem  unpolarisirten  Strahl  hervorgegangen  sind         •        .196 

Beer.     Ableitung  der  Intensitäts  -  und  Polarisationsverliältnisse 

des  Lichtringes  bei  der  inneren  conischen  Refraction  .        .199 

W.  Haidinoer.    Note  über  die  Richtung  der  Schwingungen  des 

Lichtäthers  in  geradlinig  polarisirtem  Lichte        .        •        .     205 

G.  G.  Stores.  Zusammensetzung  und  Zerlegung  polarisirter 
Lichtstrahlen,  die  von  verschiedenen  Quellen  kommen        .    206 

—  —    Ueber  die  Totalintensität  interferirten  Lichtes     •        •    207 
P.  Breton.    Ueber  die  Yertheilung  des  Lichts  auf  einer  Fläche, 


Inhalt.  XXXV 

Seite 
welche  durch  mehrere  Systeme  paralleler  Lichtstrahlen  er- 
leachtet wird t        .        .    210 

15.  Spiegelung  des  Lichtes. 

H.  Emsmann.  Ueber  die  Anamorphosen  in  geraden  und  schie- 
fen Kegelspiegeln,  wenn  das  Auge  seine  Stelle  in  der  ver- 
längerten Axe  des  Kegels  einnimmt     .....     214 

16.  Brechung  des  Lichtes. 

D.  Brewstbr.  Ueber  eine  merkwürdige  Eigenschaft  des  Dia- 
mants 214 

Stkihhxil.  Rectification  des  Gehaltmessers  der  optischen  Bier- 
probe  215 

17.  Interferenz  des  Lichtes. 

F.  A.NoBEAT.    Ein  Ocularmikrometer  mit  leuchtenden  farbigen 

Linien  im  dunkeln  Gesichtsfelde .216 

E.  BauCKB.  Ueber  die  Farben ,  welche  trübe  Medien  im  auf- 
fallenden und  durchfallenden  Lichte  zeigen         .        .        .     217 

W.  HAiDineER.     Farbenringe    durch   Anhauchen    auf  frischen 

Theilungsflächen  des  Glimmers 222 

J.  Jamik.    Ueber  die  Farbenringe 223 

D.  Brewstbr.     Ueber  Beugungserscheinungen  ....  229 
H.  C.  Geubbl.    Ein  Beitrag  zur  Beugung  und  Interferenz  des 

Lichtes. .        •        .230 

B.  PoiVBLL.     Bemerkungen  über  Lichtbeugung         .         .         .  230 

Brovgham.    Ueber  einige  Beugungserscheinungen    •        •        •  230 

18.  Spectrum.      Absorption    des    Lichtes.      Objective 

Farben. 

G.  G.  Stores.  Ueber  die  Aenderung  der  Brechbarkeit  des 
Lichtes 231 

—  —  Ueber  die  Anwendung  gewisser  optischer  Erscheinun- 
gen auf  die  Chemie .        •    245 

L.  Merz.      Bemerkungen    veranlafst   durch    den   Aufsatz   des 

Hrn.  Broch  über  die  FAAUNHOFER'schen  Linien  .        .        .  245 

Babinet.    Ueber  die  Longitudinallinien  im  Spectrum      •        .  246 

PoRRO.    Longitudinallinien  im  Spectrum 246 

H.  HBLMH0I.TZ.     Ueber   die  TJieoHe   der   zusammengesetzten 

Farben 247 

—  —    Ueber  die  Mischung  homogener  Farben        .        .    247»  248 

—  _  Ueber  Hrn.  Brb^ster'b  neue  Analyse  des  Sonnen- 
lichts   251 

c* 


XXXVI  Inhalt. 

Seite 

F.  Bkanard.    Ueber  die  Absorption  des  Lichts  durch  unkry- 

stallinische  Medien 252 

Beer.  Bestimmung  der  Absorption  des  rothen  Liclites  in  far- 
bigen Flüssigkeiten 257 

R.  W.  TowMSEND.  Instrument,  um  die  Farben  der  Flüssigkei- 
ten im  durchgelassenen  Lichte  zu  beobachten      •        .        .    257 

Brücke.  Vergleichende  Bemerkungen  über  Farben  und  Far- 
benwechsel bei  den  Cephalopoden  und  bei  den  Chamäleonen    258 

J.  CzERMAK.    Ueber  den  Bau  und  das  optische  Verhalten  der 

Haut  von  Ascaris  lumbricoi'des  .         .         •        •    258 

19.  Geschwindigkeit  des  Lichtes. 

G.  Doppler.  Weitere  Mittheilungen,  meine  Theorie  des  far- 
bigen Lichtes  der  Doppelsteme  betreffend  ....    258 

Challis.    Ueber  die  Ursache  der  Aberration  des  Lichtes        .    259 

S ELLMETER.  Vorschlag  zu  Versuchen,  um  die  absolute  Bewe- 
gung des  Beobachtungsortes  zu  bestimmen  ....    259 

MoiGNO.  Ein  Mittel,  die  Grölse  zu  messen,  um  welche  die 
Geschwindigkeit  des  Lichts  durch  die  Bewegung  der  Erde 
verzögert  oder  beschleunigt  wird 259 

H.  FizEAu.    Ein  Mittel,  die  Bewegung  der  Erde  um  die  Sonne 

zu  bestimmen 260 

20.  Photometrie. 

PouiLLET.  Eine  photometrische  Eigenschaft  DAGUBRRK'scher 
Bilder 261 

L,  Seidel.  Untersuchungen  über  die  gegenseitigen  Helligkei- 
ten der  Fixsterne  erster  Grofse  und  über  die  Extinction  des 
Lichts  in  der  Atmosphäre.  Nebst  einem  Anhange  über  die 
Helligkeit  der  Sonne  verglichen  mit  den  Sternen  und  über 
die  Licht  reflectirende  Kraft  der  Planeten  ....    262 

SxccHi.    Bestimmung  der  Helligkeit  einiger  Sterne  .        •        .    272 

C.  D.  Y.  Schumacher.  Instrument  zur  Bestimmung  der  relati- 
ven Lichtstärke  der  Sterne 272 

21.  Polarisation.     Optische   Eigenschaften  von   Kry- 

stallen. 
W.  HAiDncGSR.    Ueber  den  Zusammenhang  der  Körperfarben, 

oder  des  farbig  durchgelassenen,  und  der  Oberflächenfarben, 

oder  des  farbig  zurückgeworfenen  Liclites  gewisser  Korper    273 
E.  ScHOBL.    Vielfache  Brechung  eines  Lichtstrahls  in  Kalkspath- 

krjstallen 275 


Inhalt.  x„y|, 

Seite 
J.  Gbailich.    Bestimmang^es  Winkels  der  optischen  Axen  mit- 
telst der  Farbenringe,   angewendet  auf  den  diprismatischen 

Bleibaryt  (Weifsbleierz) 276 

FÜAST  zu  SaiiM-Hobstmar«  lieber  das  optische  Verhalten  ei- 
nes aus  Bergkrystall  geschnittenen  Prismas,  dessen  eine  Axe 
rechtwinklig  zur  Krystallaxe  ist 277 

—  —    Ueber  das  optische  Verhalten  von  Prismen  aus  Doppel- 
spath  und  aus  Beryll,  die  so  geschnitten  sind,  dafs  eine  Fläche 

rechtwinklig  zur  optischen  Axe  ist 278 

D.  C.  Splitgerbea.  Ueber  im  Glas  befindliche  entglaste  Kör- 
per, nnd  die  durch  dieselben  hervorgerufenen  optischen  Er- 
scheinungen  279 

G.  Wertheim.    Zweite  Notiz  über  die  in  Krystallen  des  regu- 
lären Systems  kiinstlicli  erzeugte  Doppelbrechung        .        •    280 
W.  B.  Herapath.     Ueber   die    optischen   Eigenschaften   eines 

neuerdings  entdeckten  Chininsalzes 281 

—  —  Ueber  die  chemische  Zusammensetzung  und  das  Atom- 
gewicht der  polarisirenden  Kry  stalle  von  schwefelsau  rem  Chinin    282 

Stores.    Ueber  die  optischen  Eigenschaften  eines  neuerdings 

entdeckten  Chininsalzes        .......    283 

J.  C.  Heusser.    Untersuchung  über  die  Brechung  des  farbigen 

Lichts  in  einigen  krystallinischen  Medien     •        .        .        .    284 

Andrews.    Ueber  die  Entdeckung  geringer  Mengen  von  Na- 
tron durch  die  Wirkung  des  polarisirten  Lichtes         •        .    285 
22.    Circularpolarisation. 

BioT.  Bemerkungen  über  die  Mittheilung  Piria's  :  Untersuchun- 
gen aber  das  Populin  ........    286 

J.  Pelouze.    Ueber  eine  neue  Zuckerart  aus  den  Vogelbeeren    287 

BiOT  u.  L.  Pabteur.  Optisjche  Bemerkungen  über  das  künst- 
lich dargestellte  Populin  und  Salicin 288 

L.  Pasteur.  Neue  Untersuchungen  über  die  Beziehungen, 
welche  existiren  können  zwischen  der  Krystallform,  der  che- 
mischen Zusammensetzung  und  dem  Drehungsvermögen      .    290 

BioT.  Versuche  zum  Beweise,  dafs  die  mit  dem  Drehungsvermögen 
begabten  Körper,  wenn  sie  in  unwirksamen  Medien,  welche 
sie  nicht  chemisch  angreifen,  aufgelöst  sind,  mit  diesen  vor- 
übei^ehende  Verbindungen  ohne  bestimmte  Verhältnisse 
bilden,  welche  so  lange  dauern,  als  diese  gemischten  Ver* 
bindnngen  den  flüssigen  Zustand  bewahren         .  •    292 


X2ÜLTUI  Inhalt. 

Seite 
BioT.    Anwendung   der  Theorie    des  Achromatismus   auf  die 

Compensation  der  Ablenkungen,   welche  das  Drehungsver- 
mögen  den  PolarisatioDsebenen  der  Strahlen  von  ungleicher 

Brechbarkeit  ertheilt 298 

23.     Physiologische  Optik. 
L.  L.  Valli^c.    Theorie  des  Auges.    Siebente  bis  dreizehnte  Ab- 
handlung        308 

H.  BoENS.    Ueber  das  Sehen  des  Menschen  und  der  Thiere    .    309 
Troüessart.    Bemerkung  zu  seinen  Untersuchungen  über  die 

Theorie  des  Sehens 310 

—  —    Ueber  die  Lichtstrahlen  um  Flammen  ....    310 
F1.IEDNER.    Beobachtungen  über  Zerstreuungsbilder  im   Auge, 

so  wie  über  die  Theorie  des  Sehens 311 

H.  Welker.  Ueber  Irradiation  und  eioige  andere  Erscheinun- 
gen des  Sehens 313 

Ueber  einige  Verschiedenheiten  des  Sehens  io  verticalem  und 
horizontalem  Sinne  nach  verschiedenen  Beobachtern   •        •    314 

A.MÜLLER.  Ueber  das  Beschauen  der  Landschaften  mit  nor- 
maler und  abgeänderter  Augenstellung         ....    317 

K.  Stell-wag  ton  Carion.  Ueber  doppelte  Brechung  und 
davon  abhängende  Polarisation  des  Lichtes  im  menschlichen 
Auge 318 

J.  DUBO809.    Neue  Stereoskope 319 

D.  Brewster.     Beschreibung  mehrerer  Stereoskope   zur  Dar- 

stellung von  Korpern  durch  eine  oder  mehrere  ebene  Zeich- 
nungen          .        .        •        •    320 

—  —  Beschreibung  einer  binocularen  Camera  zur  Aufnahme 
stereoskopischer  Daguerreotype 321 

—  —    Notiz  über  ein  chromatisches  Stereoskop       .        .        .     321 

—  —    Ueber  das  Sehen  mit  beiden  Augen  und  das  Stereoskop    322 

E.  Wilde.     Ueber  die  Anwendung  der  Camera  lucida  zu  einem 

Stereoskope  .        .        •        .        • 322 

C.  Wheatstone.  Beiträge  zur  Physiologie  des  Gesichtssinnes. 
Zweiter  Theii.  Ueber  einige  merkwürdige  und  bisher  nicht 
beobachtete  Erscheinungen  des  Sehens  mit  beiden  Augen  •  322 
H.  Meter.  Ueber  die  Schätzung  der  Gröfse  und  der  Entfer- 
nung der  Gesiohtsobjecte  aus  der  Convergenz  der  Augen- 
axen 324 

—  —    Zur  Lehre  von  der  Synergie  der  Augenmuskeln  .        .    325 


lahidt  XXXIX 

Seite 

E.  Du  Boi8-*Rbtmond.'   Ueber  eine  orthopädische  Heilmethode 

des  Schieleog 325 

H.  ScHRÖoiR.  Ueber  eine  optische  Inversion  mit  freiem  Auge  325 
Zantsdcschi.  Ueber  die  Physiologie  des  Sehens  •  .  •  327 
D.  Bbcwster.  Erklärong  einer  optischen  Täuschung  •  •  327 
A.  Beer.  Ueber  den  optischen  Versuch  des  Hrn.  Libri  •  •  328 
DoYB.  Ueber  den  Eiofluls  der  Helligkeit  einer  weifsen  Beleuch- 
tung auf  die  relative  Intensität  verschiedener  Farben  «  •  329 
D.Brewster.    Prüfung  der  Theorie  des  Glanzes  von  Dote  .  331 

J.  HippESLBT.    Lichterscheinungen 331 

R.  W.  H.  Hardt;  J.  HiFPESLET.  Lichterscheinungen,  •  •  332 
W.  HAn>iN6ER.    Die  Lö'wE'schen  Ringe,  eine  Beugungserschei- 

nu^g 332 

J.  M.  Sieviir.    Ueber  subjective   Farben.     Zweite    und   dritte 

Abhandlung 333 

W.  R«  Grots.    Eine  Art,  erloschene  Netzhauteindrucke  wieder 

zu  beleben 334 

A.  Beer.     Ueber   das   überzählige  Roth   im  Farbenbogen   der 

totalen  Reflexion 334 

9 

F.  W.  Unger.  Ueber  die  Theorie  der  Farbenharmonie  .  •  335 
D.  Brei/vster.     Entstehung   und   Verschwinden   der   doppelt^ 

brechenden  Structur  in  den  KrjstalUinsen  der  Thiere  nach 

dem  Tode 335 

—  —  Ueber  einen  Fall  von  Sehen  ohne  Retina  .  .  .  336 
J.  B.  ScHNETz];,BR.    Beobachtungen  über  Hangel  an  Farbensinn 

in  Folge  theilweiser  Lähmung  der  Retina  ....  336 
F.  BvRCKRARDT.  Beobachtungen  an  einem  Daltonisten  .  .  336 
J.  PuLTEAv.    Ueber   die  Stelle  bei  Lucrez,  in  welcher  das 

Phantaskop  beschrieben  sein  soll.  .  .  .  •  •  337 
S.  Stampfer.    Methode  den  Durchmesser  der  Pupille  sowohl 

bei  Tag  als  bei  Nacht  am  eignen  Auge  zu  messen  .  .  338 
A.  KÖI.UKER.  Zur  Anatomie  und  Physiologie  der  Retina  .  338 
H.  M^Li.KR.    Bemerkungen  über  den  Bau  und  die  Functionen 

der  Retina 338 

BirD0B  tt.  Valler.    Dritter  Theil  der  Untersachungen  über  die 

Pupille 340 

J.  BuD6B,     Ueber  den  directen  Einflufs  des  Lichtes  auf  die 

Irisbeweguagen 340 

B«  E.  Brodhurst.    Ueber  die  Irisbewegungen  •        .        .       •    340 


XL  Iidialt. 

Seite 

24.  Chemische  Wirkung  des  Lichtes. 

J.  W.  Slatkr.    Ergebnisse  von  Versuchen  über  die  chemische 

Wirkung  des  Lichtes 341 

R.  Hunt.    Ueber  die  chemische  Wirkung  der  Sonnenstrahlen  .    342 
A.  ScHAÖTTER.     Ueber   die  Ursache   des   Leuchtens   gewisser 

Körper  beim  Erwärmen 343 

J.  H.  Gladstone.  Ueber  den  Einflufs  der  Sonnenstrahlen  auf 
das  Wachsthum  der  Pflanzen  unter  verschiedenen  atmosphä- 
rischen Verhältnissen 344 

Anfertigung  der  Lichtbilder. 
D.  Brewstbr.    Ueber  die  Form  der  durch  Linsen  und  Spie- 
gel von  verschiedener  Grofse  erzeugten  Bilder    .        .        .     345 
PiiAUT.     Camera  obscura  für  die  Photographie        •        .        .    345 

F.  Talbot.     Camera  obscura  für  Reisende 345 

WiLLAT.     Zusammenlegbare  Camera  obscura   ....    345 
NiÄPCB  DE  Saint- Victor.    Zweite  und  dritte  Abhandlung  über 

Heliochromie 346 

Bbc^üerel.    Bemerkungen  über  die  Mittheilung  von  Hm.  NiipCE 

DE  Saint- Victor 346 

Campbell.     Notiz  über  die  Heliochromie         ....     346 
J.  Natterbr  jun.    Verfahren,  Lichtbilder  auf  jodirten  mit  Chlor- 
schwefel behandelten  Silberplatten  ohne  Quecksilber  darzu- 
stellen   348 

Fernere  Literatur  der  Photographie 349 

Binoham.    Darstellung  photographischer  Bilder        .                 .    351 
Martin.    Umwandlung  der  negativen  Bilder  auf  Glas  in  po- 
sitive     354 

Stewart.    Uebertragung  der  Bilder  auf  Papier       .        .        .    354 
Lemsrgier,   Lerebours    und   Barreswil.     Photographischer 

Steindruck 355 

25.  Optische  Apparate. 

D.  Brewster.  Ueber  eine  in  den  Trümmern  von  Niniveh  auf- 
gefundene Bergkrystalllinse  und  Proben  zersetzten  Glases  .    355 

J.PoRRo.    Ueber  das  Polyoptometer 356 

L.Fresnbl.  Ueber  die  Prioritätsfrage  in  Betreff  der  Anwen- 
dung der  totalen  Reflexion  bei  den  Bei  euch  tungsapparaten 
der  Leuchtthürme 356 

C.  A.  Spencer.  Ueber  Verbesserungen  der  Objective  an  Mi- 
kroskopen      357 


Inhalt  XU 

Seite 
A.  S.  JoHMSON.    Notiz  über  ein  neues  von  Sfimccr  verfertigtet 

QbjectiTglas 357 

J.  L.  Smith.  Das  umgekehrte  Mikroskop,  eine  neue  Form  des 
Mikroskops  mit  neuem  Ocularmikrometer  und  mikroskopi- 
schem Goniometer 357 

Sbcektah.     Eine    wesentliche   Verbesserung   des    Oculars   an 

achromatischen  Fernröhren 358 

DA.WK8.     Neue  Oculareinrichtung 358 

A.  CArwiLL.  Ueber  ein  katoptrisches  Teleskop  des  Hrn.  J.Ltman    359 

Ceaig.    Ein  neues  Riesenteleskop 359 

J.Ponao.    Anwendung  eines  reciproken  Femrohrs  mit  paralle- 
lem Mikrometer  und  des  Meroscope  pan-focal  ^        •    360 
C.  P.  Smtth.    Ueber  einige  Verbesserungen   an  katoptrischen 

Instrumenten 361 

SieuiN  u.  Maütais.  Ueber  die  Mittel  ^  die  Bewegungen  der 
Quecksilberoberfläche  aufzuheben  zur  Erleichterung  der  astro- 
nomischen Beobachtungen  y  bei  denen  der  Quecksilberspie- 
gel benutzt  wird •    362 

Mautais.  Ueber  die  zweckmäfsigsten  Vorrichtungen  um  die 
Vibrationen  des  Quecksiiberspiegels  zu  verringern,  und  über 
die  Anwendung  dieser  Vorrichtungen  bei  Passageinstrumenten  362 
Wxiss.  Mathematische  Erklärung  einiger  Erscheinungen  bei 
sphärischen  Linsen  ohne  Rücksicht  auf  Kugel-  und  Farben- 
abweichung   363 


Vierter  Abschnitt. 

Wärmelehre. 

26.     Theorie  der  Wärme. 

C.  AssMAMN.     Ueber  Erwärmung   und   Erkaltung   von    Gasen 

durch  plötzliche  Volumänderung 369 

'W.  J.  M.  Raxkime.    Ueber  die  Erklärung   der  Elasticität  aus 

Centrifugalkräften,  und  deren  Verbindung  mit  der  Theorie 

der  Wärme 371 

—   —    Zur  Berechnung  der  specifischen  Wärme  des  Wassers 

bei  verschiedenen  Temperaturen 371 

Vf.  Thomsoit.     Ueber  die   dynamische  Theorie  der  Wärme. 


Xtii  Inhalt 

Seite 
Fänfter  TheU«    üeber  die  Meoge  von  mechanischer  Energie 

io  einer  Flüssigkeit  unter  verschieden en  Temperatur-  und 

Dicbtigk^tsTerhältnissen 372 

A.  T.  KnpFFEA.    Bemerkungen  über  das  mechanische  Aequitra* 

lent  der  Wärme 373 

W.  Thomson.  Notiz  über  die  mechanische  Wirkung  der  Wärme 
und  die  specifische  Wärme  der  Luft.  Zusatz  zur  Beschrei- 
bung von  Joule's  Luftmaschine    .••..'•    577 

—  «^  Ueber  die  mechanische  Wirkung  von  strahlender  Wärme 
und  Licht;  über  die  Kraftäufserungen  der  lebenden  Wesen; 
über  die  Quellen  nutzbarer  Arbeit  für  den  Menschen.        .    378 

—  —  Ueber  eine  allgemeine  Tendenz  in  der  Natur,  Arbeits« 
kraft  zu  verlieren 3SO 

W.  J.  M.  Ramkine.  Ueber  die  Wiedervereinigung  der  Arbeits- 
kraft des  Universums    ,....••.    380 

J.  F.  JoüLE  and  W.  THomadN.  Ueber  die  Wärmewurkungen  der 
Lufty  welche  durch  enge  Oeffnungen  getrieben  wird    .        .    381 

J.  J.  Waterston.  Ueber  den  Gang  der  Dichtigkeit  bei  gesät- 
tigten Dämpfen  und  seine  (mathematisclie)  Entwicklung  als 
physische  Beziehung  zwischen  Körpern  von  bestimmter  che* 
miscber  Constitution     .        •        • 382 

Apjohn.  Kann  mechanische  Arbeit  erhalten  werden  durch  eine 
gegebene  Wärmemenge ,  die  zar  Erzeugung  von  Dampf  an- 
gewendet wird^  unabhängig  von  der  Natur  der  Flüssigkeit?    382 

J.  F.  Joule.  Ueber  Oekonomie  in  der  Hervorbringung  mecha- 
nischer Arbeit  aus  chemischen  Kräften        ....    383 

K.  FvscHi..     Ueber    das   Entstehen    progressiver  Bewegungen 

durch  Verbrauch  lebendiger  Kraft  oscillatorischer  Bewegungen    383 

Ericsom.     Calorische  Maschine .        .        •        .        •        .        .    384 

De  Vaüx.  Notiz  über  die  Anwendung  heifser  Luft  statt  des 
Wasserdampfes  zur  Bewegung  von  Maschinen     .        •        •    384 

GAULoaAE-BoiLLXAU.  Bericht  über  die  Maschine  mit  heifser 
Luft  von  Eaigson 384 

Galt-Cazalat.  Neue  oscillirende  Masciüne  ohne  Stempel 
und  ohne  Ventile,  in  Bewegung  gesetzt  durch  die  vereinten 
Kräfte  der  durch  Verbrennung  erzeugten  Gase,  oder  durch 
den  Dampf  und  die  bei  sehr  hoher  Temperatur  ausgedehnte 
Luft 387 

RiexAiar.    Tafel  über  die  Spannkraft  des  Wasserdampfet    .    387 


Inlildt  tu» 

Seite 
27«    WärmeericheiDangen  bei  chemischen  Processen. 

T.  W00D8.    Ueber  die  chemische  YerbiDdungswärme       .        .    389 

—  — ^  Ueber  chemische  Yerbindung  und  die  Wärmemenge^ 
welche  bei  der  Oxydation  einiger  Metalle  eneugt  wird       .    391 

Amdaews.    Bemerkung  über  chemische  Verbindungs Wärme       •    393 

J.  P.  JouLK.  Ueber  die  bei  chemischen  Verbindungen  eAtwik^ 
kelte  Wärme 594 

P.  A.  FATRt  und  J.  T.  SiIiBebmahh.  Untersuchungen  über  die 
Wärmemengen,  welche  bei  chemischen  und  molecnlaren 
Wirkungen  entwickelt  werden 398 

H.  S.  C.  Dbyille«  Notiz  über  die  bei  der  Verbrennung  der 
Kohle  in  Luft  erzeugte  Temperatur     .....    414 

MiTscHSBLiCH.  Ueber  die  Wärme,  welche  frei  wird^  wenn  die 
Krystalle  des  Schwefels,  die  durch  Schmelzen  erhalten  wer- 
den, in  die  andere  Form  übergehen 415 

B.  Bieio«    Experimentaluntersuehungen  über  die  Verdünnangs* 

wärme  ..•••• 416 

28.  Physiologische  Wärme. 

29.  Wärmeleitung. 

J.  Amslkiu  Ueber  die  Gesetze  der  Wärmeleitung  im  lonern 
fester  Korper,  unter  Berücksichtigung  der  durch  ungleich- 
formige  Erwärmung  erzeugten  Spannung      •        •        •        .417 

C.  Dkspbktz.    Neue  Zahlen  über  die  Wärmeleitung  der  festen 

Korper 417 

G.  T.  UKUdsaaEN.    Versuche,  die  relatife  Wärmeleitongsfflhig« 

keit  einiger  Felsarten  zn  ermitteln  .  .  •  .  •  420 
J.  D.  F011BE8.  Versuche  über  die  Gesetze  der  Wärmeleitung  .  421 
H.  h  GouuLAUD.  Ueber  die  Wärradeitangsfähigkeit  der  Metalle  421 
Ttiidai.1..    Ueber  ein  neues  Thermometer  und  die  durch  das* 

selbe  erzielten  Resultate       • 422 

30.  Specifische  und  gebundene  Wärme. 

GAairiEfi.    Untersuchungen  über  die  Verhältnisse  der  mittleren 

Atomgewichte  nnd  der  Wärmecapacitäten  der  Korper  •  423 
WxaTHUM.  Bemerkung  zu  diesem  Aufsatze  •  .  •  .  424 
J.  WiLJBoir.   Ueber  eine  neue  Art,  hohe  Temperaturen  zu  messen    425 

31.  Strahlende  Wärme. 

H.  Knoblauch.  Ueber  die  Abhängigkeit  des  Durchgangs  der 
strahlenden  Wärme  durch  Krystalle  von  ihrer  Richtung  in 
denselben     • 426 


XllY  Inhak. 

Seite 
L.  WiLHBLMT*    Ueber  die  Diathermasie  des  Glases  bei  Ter- 

schiedener  Temperatur 428 

F.  DK  LA  Paoyostatx  und  P*  DKSAiiia.  Ueber  die  Qualität  der 
bei  derselben  Temperatur  von  verschiedenen  Körpern  aus- 
gestrahlten Wärme 430 

Kmox.    Ueber  die  Wirkung  der  Strahlen  des  Mondes      *        .    431 
A.  Eaman.    Einige  Bemerkungen  über  das  HsasCHEL'sche  Akti- 
nometer  und  über  eine  Anwendung  desselben  bei  der  Mond- 

finsternifs  am  28.  Juli  1851 431 

Sjecchi.    Ueber  die  Yertheilung  der  Wärme  auf  der  Sonnen* 

Oberfläche 432 

—   —    Fortsetzung  der  Untersuchungen  über  die  Wärme  der 

verschiedenen  Theile  der  Sonne 434 

Mbllomi.  Ueber  einige  neuere  Entdeckungen  in  Betreff  der 
Sonnenwärme 435 

A.  Skcchi.  Neue  Untersuchungen  über  die  Yertheilung  der 
Wärme  auf  der  Sonnenoberfläche.    Zweiter  Aufsatz    .        ..    436 

P.  YoLPiCBLLi.    Ueber  die  Wärmestrahlung  der  Sonne    •        •    438 

B.  Powell.    Ueber  die  Analogieen  von  Licht  und  Wärme      •    441 


Fünfter  Abschnitt. 

Elektricitätslehre. 

32.  Allgemeine  Theorie  der  Elektricität. 

A.  DE  LA  Rite.  Theoretisch-praktisches  Handbuch  der  Elektri- 
citätslehre      445 

M.  DoNAYAir*  Ueber  die  vermeintliche  Identität  des  Ursprungs 
der  reibungselektrischen^y  galvanischen,  elektromagnetischen, 
magnetoelektrischen  und  thermoelektrischen  Erscheinungen.    445 

Reuben  Phillips.    Ueber  Reibungselektricität ....    446 

33.  Reibungselektricität.    A.  Elektrostatik. 

BiLLET.    Ueber  die  elektrisdien  Condensationen  der  zweiten 

und  dritten  Ordnung •    446 

F.  Dellmann.    Ueber  das  DsLLMAVii*sche  Elektrometer         .    447 

Zaktbdeschi.    Ueber  das  verschiedene  Zerstreuungsvermögen 

der  beiden  Elektricitäten 448 

W.  Heimtz.  Ueber  Erscheinungen  an  Glasstäben,  die  durch 
eine  Flamme  gezogen  worden  sind 448 


Inhalt.  U? 

Seite 
R.  Clausius.    Ueber  die  Anordnung  der  Elektricität  auf  einer 

einzelnen  sehr  dünnen  Platte  und  auf  den  beiden  Belegun- 
gen einer  FRANKLiN*8chen  Tafel 449 

33.     B.    Entladung  der  Batterie. 

R.  Clausius.  Ueber  das  mechanische  Aequi?alent  einer  elek- 
trischen Entladung  und  die  dabei  stattfindende  Erwärmung 
des  Leitungsdrahtes 452 

G.  Green.    Ein  Versuch  zur  Anwendung  der  mathematisdien 

Analysis  auf  die  Theorie  der  Elektricftät  und  des  Magnetismus    453 
33.    C.   Elektroinduction. 

K.  W.  Enochbithauer.    Versuche  über  die  elektrische  Induction    455 

33.  D.    Apparate  zur  Reibungselektricität. 

Ducis.    Ueber  verschiedene  Erscheinungen   an  einer  von  den 

Herren  Steiner  verbesserten  Elektrisirmaschine  .        .        .    455 

Protenzali.    Elektrisirmaschine 456 

Matheson.    Elektrometer 456 

34.  Thermoelektricität. 

J.  Ttndaix.    Erklärung  mehrerer  von  Regnault  beobachteten 

Erscheinungen  durch  die  Versuche  von  Magnus.        .        .    456 

—  —  Bemerkungen  betreffend  die  Untersuchungen  Good- 
man's  über  die  Identität  der  Kräfte  Licht,  Wärme,  Elektri- 
cität und  Magnetismus  ..••..•.    457 

R.  AoiE.    Thermoelektrische  Versuche 457 

R.  Franz.    Untersuchungen  über  ihermoelektrisclie  Ströme      .    458 

Vf.  Thomson.     Mechanische    Theorie    der    thermoelektrischen 

Strome.        •  * 460 

R.  AoiE.  Ueber  die  ungleiche  erwärmende  Wirkung  eines  gal- 
vanischen Stroms  beim  Eintreten  und  beim  Austreten  aus 
einem  Leiter 462 

—   —    Ueber  die  Temperatur  einer  Lothstelle  von  Wismuth 

und  Antimon  beim  Durchgang  des  galvanischen  Stromes     .    463 

J.  Ttndall*    Ueber  Abkählung  durch  den  galvanischen  Strom    463 

35.  Galvanismus.    A.   Theorie. 

H.  fiuFv.    Zur  Berührnngselektricität 465 

G.  OsannI  Beitrag  zur  mathematischen  Begründung  der  Er- 
scheinungen der  VoLTA'schen  Säule 465 

WisDBMANN.    Ueber  die  Bewegung  von  Flüssigkeiten  im  Kreise 

der  geschlossenen  galvanischen  Säule 466 

95*    B.   Geschwindigkeit  der  galvanischen  Blektricität. 


3a.vi  Inhalt. 

Seite 
35.    C.   GalTanitche  Leitung. 

£.  Wartmann.    Ueber  die  Leitungsf^higkeit  der  Mineralien  .    469 
£.  Lenz.    Ueber  die  Leitung  des  galvanisphen  Stromes  durch 
Flüssigkeiten,  wenn  der  Querschnitt  derselben  verschieden 
ist  von  der  Fläche  der  in  sie  getauchten  Elektroden.    Erste 
Abhandlung  •...••••••    470 

^5*    D.   Ladung  und  Passivität. 
YiABD.    Ueber  die  elektrochemische  Rolle  des  Sauerstoffs       .    472 
E.  Bi;C9iXKRJBL.    Beobachtungen  über  die  elektrochemischen  Ei- 
genschaften des  Wasserstoffs 474 

WöjaLBR.    Passiver  Zustand  des  Meteoreisens  ....    475 
35.    E.    Messung  der  Stromstärke  lind  ihrer  Factoren. 
H*  OsANN.    Das  Zinkagometer,   Mefsinstrument  für  elektrische 
Strome.        . 475 

—  —    Neue  Versuche,  angestellt  mit  dem  Zinkagometer        .    475 
C.  Dbspretz.    Neunte  Mittheilung  über  die  Säule.    Ueber  das 

Gesetz  der  galvanischen  Ströme 476 

Segchi«    Gesetz  der  Strome 477 

J.  Bashforth.    Bemerkungen  zu  Drk88cr*s  Versuchen  über  die 

Leitungsfähigkeit  von  Drähten  für  VoLTA'sche  Elektricität .     478 
35*    F.    Galvanische  Licht-  und  Wärmeerregung. 
R.  Clausius.     Ueber  die  von  Grots  beobachtete  Abhängigkeit 

des  galvanischen  Glühens  von  der  Natur  des  umgebenden 

Gases 479 

QiTST.    Ueber  die  Wirkung  der  Elektromagnete  auf  den  Volta'- 

sehen  Bogen 481 

W.  R.  Grotb.    Ueber  die  elektrochemische  Polarität  der  Gase    483 
Technische  Anwendung  des  galvanischen  Lichtes.    Literatur     •    486 
35.    G.   Elektrochemie. 
BEG9URRBI..    Ueber  die  Erzeugung  mehrerer  Mineral  Verbindungen    486 

—  —  Neue  Entwickelungen  in  Bezug  auf  die  chemischen  Wir- 
kungen >  welche  beim  Contact  fester  und  flüssiger  Korper 
erzeugt  werden     ....,.♦..    487 

R.  B0N8SN.  Darstellung  des  Magnesiums  auf  elektrolytischem 
Wege 487 

R.  BucKLKR.    Ueber  die  Zerstörung  von  Blei  durch  galvanische 

Wirkung .    488 

£.  Frrmt  und  E.  Bkc^üirjh,.  Eiektrochemische  Untersuchungen 
über  die  Vigßn^Oudißn  el^ktrisirter  Korper         ...    488 


Seite 
C,  F.  ScBDHBxtN.     lieber    die   Natur   und    den  ^Namen  des 

Ozons 488,  490 

MAiiTXifS.    Ueber  die  elektrocheniMhen  Zersetzungen  •    490 

F.  Stasilse.    Zerlegung  dnrcli  4en  gal? anischen  Strem  .  .    490 

Technische  Anwendung  der  Elektrochemie.    Literatur       •  .    491 

35.  H.   Galvanische  Apparate. 

Nicxi.ig*    Ueber  das  amalgamirte  Zink  der  Säulen  mit  constan- 

tem  Strom 492 

H.  RoBEnTS.    Neue  YoLTA'sche  Batterie 493 

SAunnoK.    Kleine  YoLTA'sclie  Kette 493 

F.  DB  LAGnAHSB.     Neue   Zusammenstellung   der  VoLTA'scban 

Säule 494 

C.  G.  Pa0s.    Die  ökonomische  constante  Batterie    .        .        •    494 

C.  V.  Walksb.     Ueber  Graphitbatterieen 496 

LiAiB  und  Fleujit.  Ueber  zwei  Abänderungen  der  Bunsxn'* 
sehen  Säule,  woron  die  eine  die  innere  Leitfähigkeit,  und 

die  andere  die  Spannung  Yergröliiert 495 

K.  KoHM.    Ueber  die  Dauer  einer  constanten  Brdbatterie        •    495 
C.  Dk8?rst3^.     Achtte  Mittheilung  über  die  Säule.    Beobach- 
tungen über  constante  Ketten     ••.••.    496 
N.  Tthtow.    Bemerkungen  über  die  Veränderungen,  welche 
in  der  DANiKLL*sdien  Batterie  vor  sich  gehen,  während  sie 
geschlossen  bleibt ,,        .    497 

36.  Elektrophysiologie. 

37.  Elektrodynamik. 

Hsi.HHOi.Tz.    Ein  Theorem  über  die  Yertlieilung  elektrischer 

Ströme  in  körperlichen  Leitern 498 

R.  Clausivs,    Ueber  die  bei  einem  stationären  Strome  in  dem 

Leiter  gethane  Arbeit  und  erzeugte  Wärme       '.         .        .    499 

W.  R.  Ghotx.    Ueber  die  ^ärmeerregenden  Eigenschaften  der 

Elektricität  und  des  Magnetismus .501 

W.  Webka.  Elektrodynamische  Maafsbestimmungeo,  insbeson- 
dere über  Diamagnetismus •    502 

M.  DoNAYAN.  Ueber  gewisse  Verbesserungen  in  der  Construc- 
tion  Ton  Galvanometern,  und  ein  neues  Instrument  um  das 
Yerhältnifs  der  magnetischen  Kraft  in  zusammengesetzten 
Nadeln  zu  bestimmen,  welche  nahehin  astatisdi  gemacht 
werden  sollen       •        •        •        * 512 

A.  Skcchi.    Untersuchungen  über  elektriscb«  Stronunettoag     •    513 


Seite 
DctFAETz.    Zehnte  Mittbeilung  über  die  Saale.    Die  Tangen- 

teobttsgole     .       > 516 

£.  RoMSRSiiAvstir.    Der  ▼erstarkte  Moltiplicator       .        .        .    517 
T.  DU  MoNCBL.    Statischer  aod  dynamischer  Magnetismus        .    517 
RoMERSHAussH.    Die  stagnirende  Elektricität  in  ihren  elektro- 
magnetischen Wirkungen 516 

38.  Galvanische  Induction  und  Magnetoelektricität. 
SiNSTKDCK.    Zur  Kenntnifs  der  Natur  der  Spannungselektricität 

an  ungeschlossenen  Inductionsspiralen,   und  Angabe   einer 
bequemen  Ladungstafel  für  dieselbe    .        .        •        .        .519 
RüBMKORFF.     Erzeugung   statischer  Elektricität   durch   Induc- 
tion        519,  523 

J.  H.  KoosxN«  Ueber  den  Inductionsstrom  der  elektromagne- 
tischen Maschine 524 

PiiifcKSR.    Ueber  die  Reciprocität  der  elektromagnetischen  und 

magneto elektrischen  Erscheinungen 526 

R.  Felici.  Ueber  die  elektrodynamische  Induction  .  •  •  532 
G.  Wertrxim.    Ueber  die  durch  Torsion  des  Eisens  erzeugten 

fnductionsströme 534 

J.  H.  KooBER.  Zur  Theorie  der  SAXT0N*schen  Maschine  .  534 
F.  OE  Faüconpret.  Ueber  einen  Commutator  von  neuer  Form  538 
J.  Lamont.    Magnetische  und  galvanische  Untersuchungen       .    538 

39.  Elektromagnetismus. 

J.  MijLLER.    Magnetisirung  des  Stahls  und  Eisens   durch  den 

galvanischen  Strom 540 

J.  H.  KoosER.    Methode,  die  Abweichung  der  Magnetisirung  des 
Eisens    von    der  Proportionalität   mit  der  Stromstärke  zu 
beobachten  •    541 

—  —  Ueber  die  elektromagnetische  Wirkung  galvanischer 
Strome  von  sehr  kurzer  Dauer 541 

J.  DuB.    Ueber  die  Tragkraft  der  Elektromagnete    .        .        .  545 

—  —  Gesetze  der  Anziehung  hufeisenförmiger  Elektromagnete  546 
NiCRLis.  Ueber  ein  neues  System  von  Elektromagneten  .  547 
J.  P.  Joule.  Versuche  mit  einem  starken  Elektromagneten  .  548 
J.  Bashforth.     Ueber  Joüle's  Versuche   mit  einem   starken 

Elektromagneten 548,  549 

Haedbmkamp.  Ueber  die  Wirkung  des  durch  eine  Drahtspirale 
gehenden  elektrischen  Stromes  auf  eine  in  der  Spirale  be« 
findliche  weiche  Eisenmasse 550 


Inhalt.  XUj 

8eite 
QüET.     Versuche  über  den  Magnetismus  des  weichen  Eisens  .     550 

P.  Mariamini  Sobn.     Anziehung  iron  Spiralen ,    die  mit  einem 

eisernen  Gehäuse  umgeben  sind 55] 

J.  Müller.  Ueher  die  Theorie  der  elektromagnetischen  Ma- 
schinen .        .  ' 551 

—    —    Berichtigung  zu  meiner  Notiz   über   die   Theorie    der 

elektromagnetischen  Maschinen ^551 

Elektromagnetische  Maschinen.     Literatur 552 

Elektrische  Telegraphie.     Literatur 552 

Anwendung  des  Elektromagnetismus  zu  astronomischen  Zwecken    554 
40.    Eisenmagnetismus. 

Elias.     Künstlicher  Magnet 554 

E.  F.  Hamann.     Eine  neue  Magnetisirungsmethode  .        .         •    554 
E.  J.  Johnson,    üeber  die  Anbringung  des  Compasses  auf  eiser- 
nen Schiffen 555 

K.  KoHN.     Magnetstrome  auf  Glas  oder  Papier  zu  fixiren        .    556 
P.  W.  HÄCKKR.    Ueber  das  Gesetz  des  Magnetismus,   wie  er 
sich  bei  der  Tragkraft  hufeisenförmiger  Magnete   und  bei 
der  Schwingungsdauer   geradliniger  Magnete    zu    erkennen 

giebt 557 

M.  Faradat.  Der  Experimentaluntersuchungen  über  Elektrici- 
tät  achtundzwanzigste  Reihe.  §  34.  Ueber  Magnetkraft- 
linien,  ihren  endlichen  Charakter  und  ihre  Yertheilung  in 
einem  Magneten  und  durch  den  Raum  ....     560 

—  —  Der  Experimentaluntersuchungen  über  Elektricität  neun- 
undzwanzigste Reilie.  §  35.  Ueber  die  Anwendung  der 
magnetoelektrischen  Inductionsströme  zur  Wahrnehmung  und 
Messung  der  magnetischen  Kräfte 560 

—  —  Ueber  den  physischen  Charakter  der  Magnetkraft- 
linien      561,  565 

W.  Thomson.  Ueber  gewisse  magnetische  Curven;  mit  Anwen- 
dungen auf  Probleme  aus  der  Theorie  der  Wärme,  der  Elek- 
tricität und  der  Bewegung  von  Flüssigkeiten         .         .     561,  566 

—  —  Ueber  das  Gleichgewicht  nach  der  Längenrichtung  vor- 
herrschend ausgedehnter  Massen  von  eisenmagnetischen 
Substanzen  in  gleichmäfsigen  und  veränderlichen  Kraft- 
feldern ...........     567 

G.  Zaodach.    Ueber  natürliche  Magnete 567 

Porucbr.  d.  Phys.  VUI.  d 


i  lahalt, 

Seite 
41.    Para-  und  Diamagnetismus. 

Plücker.  Ueber  die  Theorie  des  Diamagnetismus,  die  Erklä- 
rung des  Ueberganges  magnetischen  Verhaltens  in  diamag- 
netisches,  und  mathematische  Begründung  der  bei  Krjstallen 
beobachteten  Erscheinungen 570 

Mattkucci.  Ueber  die  Gesetze  des  Magnetismus  und  des  Dia- 
magnetismus  574 

Ttndall.     Ueber  PoigsoN's  theoretisdie  Voraussage  der  magne- 

krystaliischen  Wirkung 576 

T.  Feilitzsgh.     Erklärung  der  diamagnetischen  Wirkungsweise 

aus  der  AMPiaE*schen  Theorie.     Erste  Abhandlung    .  577 

R.  Adie.      Ueber    den   Zusammenhang   des   Magnetismus   und 

Diamagnetismus  mit  der  Farbe  der  Körper  ....    580 

Edluno.  Ueber  die  Einwirkung  des  Magnetismus  auf  einen 
geradlinig  polarisirten  Lichtstrahl  beim  Durchgang  durch 
comprimirtes  Glas 581 


Sechster  Abschnitt. 

Physik     der     Erde. 

42.    Meteorologische  Optik.     Theoretisches. 

R.  Clausius.    Ueber  die  Natur  derjenigen  Bestandtheile  der 
Erdatmosphäre,  durch  welche  die  Lichtreflexion  in  derselben 

bewirkt  wird 585 

F.  MoiGNO.    Meteorologische  Optik 585 

Raillard.     Dampf bläschen  und  Wolkenbildung  .  585 

—   —    Theorie  des  Regenbogens 585,  586 

MoiGMo.     Erklärung  des  Funkeins  der  Sterne  .         .        •    585,  587 

ScHOFKA.    Ueber  einige  Lichtmeteore 588 

Revben  Phillips.    Ueber  die  Farben  eines  Dampfstrahls       ..     590 
R.  Clausiub.    Ueber  die  Farben   eines  Dampfstrahls  und  der 

Atmosphäre 590 

E.  Verdet.    Ueber  die  Erscheinung  der  kleineren  Höfe.        .     591 
Beobachtungen  zur  meteorologischen  Optik.  Literatur. 

A.  Aligemeines. 

B.  Regenbogen,  Ringe,  Hofe 595 


labalt.  1^1 

Seite 

C.  Luftspiegelung 595 

D.  Vermischte  Beobachtungen 596 

£•    Sternschnuppen,  Feuermeteore»  Meteorsteine     .        .    596 

F.  Nordlicht,  Zodiakallicht 597 

G.  SoDoeBfinstemisse 598 

43.  Atmosphärische  Elektricität.    Literatur       •        .        .    600 

44.  Erdmagnetismus. 

A.  RuLinniER.  Ueber  die  von  Dr.  Lamomt  beobachtete  zehn- 
jährige Periode  in  der  Grofse  der  täglichen  Bewegung  der 
DecltnatioBsnadel 602 

Lamoitt.  Nachtrag  zur  Untersuchung  über  die  zehajährige 
Periode,  welche  sich  in  der  Grotse  der  täglichen  Bewegung 
der  Magnetnadel  darstellt 602 

R.  WouF.  Ueber  die  Periodicität  der  Sonnenflecken,  und  die 
Uebereinstimmung  derselben  mit  der  Periodicität  der  magne- 
tischen Abweichung       ..••••••    603 

E.  Sabine.     Ueber  die  Periodicität  der  Mitiel   der   grofseren 

magnetischen  Störungen \        •    604 

A.  QuBTXLET.     Veränderungen    der    magnetischen  Declinatioa 

und  Inclination  in  Brüssel  seit  einem  Vierteljahrhundert     ,    605 

K.  Krbiii«    Ueber  den  Einflufs  des  Mondes  auf  die  horizontale 

Componente  der  magnetischen  firdkraft      •        .        •        •    606 

Lioir,    Ueber  die  Aenderungen  der  magnetischen  Intensität  wäh- 
rend einer  Sonnenfinsternifs  ••....    607 

C.  BmooKE.  Ueber  photographische  Registrirung  bei  Magneto- 
metern und  meteorologischen  Instrumenten  •        .        •        •    607 

Dedination  und  Inclination  der  Magnetnadel  in  Paris        •        •    608 

KitiHKERFUEs  uud  WcsTFHAL.  Variationen  der  Declination  des 
Magneten  während  des  Nordlichts  1652  Februar  19  im 
magnetischen  Observatorium  zu  Gottingen    •        •        .        •    608 

C.  Dopri.xB.  Ein  weiterer  Beitrag  zur  Bestimmung  der  magne- 
tischen Dedination,  aus  einer  den  absichtlich  angestellten 
Beobachtungen  TorausgegaiigeneQ  Zeitperiode      •        •        •    609 

K.  Kbeil.  Resultate  aus  Bereisungen  des  österreichischen 
Kaiserstaats 609 

Allaik.    Neuer  Schiffscompafs 609 

Napieb  und  Dbleuii..     Registrirender  Schiffscompafs       •        •  -610 

Fernere  Literatur  des  Erdmagnetismus 610 

d* 


LH  Inhalt. 

Seite 
45.     Physikalische   Geographie. 

A.     Hydrographie. 

J.  MURRA.T.     lieber  die  Gezeiten,  das  Bett  und  die  Kästen  der 

Nordsee .         .     611 

Babxnet^  Ueber  die  ungewöhnlichen,  unter  dem  Namen  Mas- 
caret,  Bore,  Pororoca  u.  s.  w.  bekannten  Bewegungen  des 
Meeres 612. 

A.  Hopkins.  Ueber  die  Ursachen  der  groüsen  Meeresströ- 
mungen          612 

J.  Datman.     Meerestemperaturen 613 

C.  S.  0.  Detille.  Ueber  die  Temperatur  des  Meeres  in  den 
Antillen,  dem  Golf  von  Mexico  und  einem  Theile  des  atlan- 
tischen Oceans 613 

J.  Tburmann.     Vergieichung  der  Quellentemperaturen  im  Jura» 

in  den  Yogesen  und  am  Eaiserstuhi 615 

J.  J.  Pohl.    Bestimmung  von  Quellentemperaturen  im  nördlichen 

Steiermark  und  Oberosterreich 615 

BuRMiER. '  Temperatur  des  Genfer  Sees 616 

E.  Rbnou.    Ueber  die  Temperatur   der  Luft  und  des  Loir  in 

Vendome  während  des  Jahres  1851 616 

Babinet.    Ueber  die  höhere  Temperatur  des  Fiufswassers  im 

Vergleich  mit  der  Temperatur  der  umgebenden  Luft  .     616,  617 

E.  Renou.     Bemerkungen  über  die  vorhergehende   Mittheilung 

Babinbt's 616,  618 

W.  J.  M.  Raitkihb.  Erklärung  der  Beobachtung  Remou*s,  dafs 
die  Temperatur  der  Flüsse  im  Mittel  höher  ist  als  die  Tem- 
peratur der  atmosphärischen  Luft         ....     616,  618 

Araoo.     Versuche  an  einem  Bohrbrunnen  von  321  Meter  Tiefe 

in  Rouen 618 

C.  Reinwarth.  Beiträge  über  die  Verhaltnisse  der  Soolquel- 
len  und  Steinsalzablagerungen  im  Magdeburg -Halberstädti- 
schen Becken 619 

Margel  de  Serrbs.     Temperatur    der    heifsen    Cavemen    bei 

Montpellier 620 

J.  J.  BiGSBT.     Ueber  die  physikalische  Geographie  des  Oberen 

Sees  in  Nordamerica 621 

C.  Ellet.  Beiträge  zur  physikalischen  Geographie  der  Ver- 
einigten Staaten.  Erste  Abtheilung.  Ueber  die  physikalisdie 
Geographie  des  Mississippithaies 622 


Inhalt.  1^,,, 

Seite 
V.  Strbfflsuh.     Ueber   die    Natur    und    die    Wirkungen    der 

Wildbäclie 623 

C.  Baobib».    Ueber  äofsere  and  innere  Verhältnisse  der  gas- 
reichen Thermen  zu  Nauheim 625 

Ludwig.    Ueber  die  warmen  Soolqueilen  Nauheims.  625»  626 

ScHAFRÄUTL.     Jodquellen  von  Krankenheil,  Heilbronn,  Kressen- 
berg;  brennende  Gasquelle  bei  Heilbronn;  Erscheinungen  am 

Kochelsee  . 626 

Die  Mescu einquellen 627 

P.  Mkbiah.    Ueber  die  gegenseitigen  Beziehungen  der  warmen 

Quellen  zu  Baden  im  Kanton  Aargau 628 

£.  J.  Chapmait.    Ueber  artesische  Brunnen  bei  Silsoe  in  Bed- 

fordshire 628 

RozBT.  Fortschritte  des  Tiberdeltas  im  Canal  von  Fiumicino .  629 
Zur  Kenntnifs  der  nördlichen  Polargegenden  ....  630 
J.  RiCH.4BDgoir.    Ueber  die  Stractur  des  Eises  .        .     631 

Bauf.    Ueber  die  Ursache  des  Vorrückens  der  Gletsclier        .    632 

B.  Urographie. 

Hohenmessungen.    Literatur 633 

A.  und  H.  ScMLAGiMTWEiT.     Barometrische  Hohenbestimmnng 

der  Gipfel  des  Monte  Rosa 634 

R.  A.  Philippi.     Besteigung  des  Yulcans  Pi-se,  auch  Vulcan 

Yon  Osorno  und  Vulcan  von  LIanquihue  genannt         .         .     634 

C.  KoRiSTKA.  Bericht  v'iber  die  im  Jahre  1851  im  Auftrage  der 
k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  ausgeführten  Höhenmessun- 
gen.    Erste  Abtheilung 635 

V.  Strkffleur.     Orographisch-hydographische   Studien    über 

das  Gebiet  des  Österreichischen  Kaiserstaats         .         .         .     635 

C.  KoRiSTKA.    Ueber  hypsometrische  Messungen  insbesondere 

zu  geologisch -orographischen  Zwecken         ....     636 

A.  Boir^.     Ueber    die   Karten    der   Gebirge    und    Thälerrich- 

tungen 636 

C.  Vulcane  und  Erdbeben. 

F.  T.  Casinssb.     Ueber    den   Ausbruch   des   Aetna  im    Jahre 

1852 637 

T.  CoAN.     Atisbruch  des  Mauua  Loa  im  Jahre  1851  .         .     637 

T.  Coam;  J.  D.  Dana.     Ausbruch  des  Mauna  Loa  auf  Hawaii 

im  Jahre  1852 638,  639 

J.  DoMETKo.     Ueber  die  Solfatara,    welche  im  Jahr  1847  am 


1^1^  Inhalt. 

Seite 
Cerro  Azyl  m  der  Cordillera   von  Talca  (Chile)  ejit«tao- 

den  ist .         -         .     640 

R.  A.  Philiffi.     Zusätzliche  Bemerkungen       ....     640 

'   BuiST.     Die  Vulcane  im  bengalischen  Meerbusen      .         .         .     642 

Notizen  über  den  Vesuv  und  Beobachtungen  in  Egypten  •        .     642 

BuNSEM.    Ueber  vulcanische  Exhalationen 642 

P.  BoüTY.    Erdbeben  io  Majorka 643 

GUTON.     Erdbeben  in  Teniet-el-Haad  in  Algier        .         .     643,  644 

A.  DuPATT.     Erdbeben  in  Mascara 643»  644 

PA9USKiE.     Erdbeben  in  mehreren  Departements  des  südlichen 

Frankreichs 643,  644 

C.  OS  RiTAz.    Erdbeben 643,  644 

Ueber  das  Erdbeben  in  Maniila  .         .         .         .         .     643,  645 

H.  D.  Rogers.     Bemerkungen    zu    der    vorhergehenden   Mit- 

theilong 643,  645 

R.  CoRBETT.  Erdbeben  in  Adderley  ....  643,  645 
R.  Mai^let.    Dritter  Bericht  äl>er  die  Erscheinungen  der  Erd* 

beben 645 

Rati-Menton.     Ueber  ein  Zeichen  für  das  Herannahen  eine» 

Erdbebens 645 

A.  d*Abbadie.  Ueber  Erdbeben  und  Hebungen  des  Bodens  .  646 
MoNTiGMT.     Notiz  über  die  Bewegungen  der  Luftblase  in  den 

Wasserwagen 646 

A.  Perret.     Ueber  die  Erdbeben  im  Norden  von  Europa  und 

Asien 647 

—  -^    Die  Erdbeben  im  Jahre  1851 647 

—  —  Zusätze  zu  der  Notiz  über  die  Erdbeben  im  Jahre  1851  647 
A.  ScHMiDL.    Ueber  die  Abfassung  einer  Chronik  der  Erdbeben 

in  der  ostreichisdien  Monarchie 647 

D.     Verschiedene  Beobachtungen. 

A.  Brdmann.     Ueber  die  Hebung  des  Bodens  iii  Schweden    .  648 

—  —    Wasserstand  des  Mälarsees.        .....  649 

WiNosoR  Earl.     Die  asiatische  Bank        .         .        «        .         .  649 

—  —  Die  vuicanischen  Inseln  des  indischen  Archipels  .  .  650 
A.  o*Abbadie.     Apparat  um   die  Bewegungen   des   Bodens   zu 

beobachten 651 

G.  Belli.     Ueber  die  feste  Erdkruste  und  einige  damit  in  Ver- 
bindung stehende  Erscheinungen 651 

H.  HEimssT.    Ueber  die  Stabilität  der  Erdaxe       .  .651 


Inhalt.  i^y 

Seite 
H.  Unm BBST.    Ueber  den  Zusammenhang  zwischen  geologischen 

Theorieeo  und  der  Theorie  der  Gestalt  der  Erde  .  .  652 
H.  Kaiibtkn.     Geognostische  Bemerkungen  über  die  Nordkäste 

Neugranadas,    insbesondere  über  die  sogenannten  Ynlcane 

Ton  Torbaco  und  Zamba 652 

Mrm.  Eine  neue  Insel  in  Norddeutschland  ,  .  .  ,  653 
J.  F.  J«  Schmidt.    Ueber  die  Entstehung  einer  neuen  Torfinsei 

im  Cleveezer  See 653,  654 

J.  D.  Dana.  Ueber  Coralienriffe  und  Coralieninseln  .  .  654 
J.  AcoflTA.     Mittlere  Temperatur  in  geringer  Bodentiefe  in  der 

beiTsen  Zone  ..•...•..  655 
RozsT.    Unterschied  der  Boden-  und  Lufttemperatur      .  656 

B.  SiLLiMAM  jun.    Eine  Besteigung  des  Aetna«        .        .        •     656 
W.  HoPKiMS.    Ueber  die  Ursachen ,   welche  die   Oberflächen- 
temperatur der  Erde  geändert  haben  können       •        •        •     657 

46«     Meteorologie. 

Mechanische  Hülfsmittel  für  die  Meteorologie* 
£.  Bkc^üxrkl.     Beschreibung  eines  Uhrthermometers       .        •    658 

C.  F.  Hall.    Meteorologische  Uhr  ......     658 

K.  Kaul.  Bericht  über  die  k.  k.  Centralanstalt  für  Meteoro- 
logie und  Erdmagnetismus 660 

A.  Eamait.     Ueber   den  Gebrauch    des  sogenannten   Aneroid- 

barometers 661 

J.  Wklsh.  Bericht  über  die  Anfertigung  und  Yergleichung  der 
meteorologischen  Normalinstrumente  für  das  Observatorium 
in  Kew 664 

E.  A.  L.  Negrbtti  und  J.  W.  Zambaa.     Verbesserungen    an 

Thermometern,  Barometern  etc •    665 

R.  Adik.     Verbesserung    des    SiKBS^schen    selbstregistrirenden 

Thermometers 665^  666 

L.  G«  Tabtiba!<17S.    Ueber  eine  Vereinfachung  der  Construc- 

tion  und  des  Gebrauchs  der  stationären  Barometer     .    665^  666 

J.  Nbwman.  Beschreibung  eines  neuen  Verdampfungsmes- 
sers               .....    667 

LiAis.  Beschreibung  eines  leicht  anzufertigenden  Anemometers, 
um  für  jeden  Tag  die  mittlere  Windrichtung  und  Geschwin- 
digkeit zu  bestimmen 668 

T.  DU  MoNCBL.    Notiz  über  den  elektrischen  Anemographen    .     S69 

Meteorologische  Instrumente K70 


I^YI  Inhalt. 

Seite 
Voracbrifteo  und  Hülfsmittel  zu  meteoro logisch eo  Rechnungen. 

y.  Regnault.  Untersuchungen  über  Hygrometrie.  Zweite  Ab- 
handlung        671 

Strachbt.    Ueher  die  Psych rometerformel        ....     673 
J«  J.  Pohl  und  Schabus.     Tafeln  zur  Reduction   der  in  Milli- 
metern abgelesenen  Barometerstände  auf  die  Normaltempe- 
ratur  von  0"  C 674 

—  —  Tafeln  zur  Vergleichung  und  Reduction  der  in  verschie- 
denen Längenmaafsen  abgelesenen  Barometerstände     .    674,  678 

—  —  Tafeln  zur  Bestimmung  der  Capillardepression  in  Ba- 
rometern         674,  679 

S.  M.  DaACH.  Ableitung  von  Interpolationsformeln  i'ör  perio- 
dische Erscheinungen 681 

Anweisungen  der  Royal  Society  zu  meteorologischen  Beobachtungen     681 

S.  H.  CHaiSTiK.  Ueber  das  Zusammenwirken  verschiedener  Na- 
tionen bei  meteorologischen  Beobachtungen ....     681 

A.  QuETBLVT.  Merkwürdige  Eigensdiaften  der  Resultate  einer 
Reihe  von  Beobachtungen  zur  Bestimmnng  einer  Constanten 
für  den  Fall,  dafs  die  Wahrscheinlichkeiten  der  positiven 
und  der  negativen  Fehler  gleich  grofs  und  von  einander 
unabhängig  sind 682 

LiAGRB.  Ueber  das  Gesetz  der  Vertheilung  der  Barometer- 
höhen um  ihren  Mittelwertii 688 

Untersuchungen  über  die  Insolation  und  über  andre  kosmische 
Bedingungen  der  meteorologischen  Erscheinungen. 

J.  J.  Pohl.     Beobachtungen  während  der  Sonnenfinsternifs  am 

28.  Juli  1851 689 

LiTTRow*  Die  von  der  Wiener  Sternwarte  veranlafsten  Beob- 
achtungen der  totalen  Sonnenfinsternifs  von  1851  Juli  28     .     692 

Fernere    Beobachtungen    über   thermische    Einflüsse    derselben 

Sonnenfinsternifs 692 

Lamont.    MeteorologiscJie  Beobachtungen         ....     695 

A.  Ermam.     Anwendung  des  HERsCHBL'schen  Aktinometers  bei 

der  Sonnenfinsternifs  am  28.  Juli  J851         ....     695 

K.  FiiiTSGH.     Nach  Weisung  einer  säcularen  periodischen  Aende- 

rong  der  Lufttemperatur 696 

Glaisher.     Abwechselnd  kalte  und  warme  Jahre  .         .     696 

J.  Vembrio.    Meteorologische  Beobachtungen  in  Udine  in  Friaul 

während  der  vierzig  Jahre  von  1803  bis  1842  .        .696 


Inhalt.  i^vii 

Seite 
Lamoht.     Ueber  den  Einflufs  der  Rotation  der  Sonne  um  ihre 

Axe  auf  die  atmosphärische  Temperatur      ....    698 
BuTS  -  Ballot.    Bemerkungen  zu  dem  Ergebnisse  der  Hohen- 

peifsenberger  Beobachtungen 698 

J.  Lamoht*    Meteorologische  Beobachtungen,  angestellt  an  der 
konigl.. Sternwarte  bei  München,  während  der  Jahre  1848, 

1849  und  1850 699 

R.  Wolf.    Meteorologische  Beobachtungen  im  Jahre  1851         .    699 
E.  Sabiitv.    Ueber  die  Periodicttät  der  Mittel  aus  den  grofse- 

ren  magnetischen  Störungen         ......     699 

QoBTKLKT.  Einflufs  der  Mondphasen  auf  den  Regen  .  .  700 
C.  M.  Eluot«     Ueber   die   atmosphärische   Mond -Ebbe   und 

Fluth  zu  Singapore 700 

Sternschnuppenersclieinungen  am  11.  August  1851  in  Gent,  Brüs- 
sel, bei  Sardinien  etc 703 

Zur  chemischen  Beschaffenheit  der  Atmosphäre. 
A.  Chatin.    Ueber  den  Jodgehalt  der  Luft,  des  Wassers,  des 
Bodens  und  der  Nahrungsmittel  in  den  Alpen,  in  Frankreich 
und  in  Ftemont    .........    704 

S.  Magadam.    Ueber  die  allgemeine  Verbreitung  von  Jod        •    704 
Barrai..     Ueber  den  Gehalt  des  Regenwassers  in  verschiede- 
nen Gegenden  Ton  Frankreich  706 

£.  March.\iid.  Ueber  denselben  Gegenstand  ....  706 
R.  A.  Smxth.  Ueber  Regen  und  Luft  bei  Manchester  •  .  706 
Boun^  und  Cahourb.  Rother  Regen  in  Reims  •  .  .  707 
ScHWAHH.     Fall   Ton  Samenkornern    aus    der  Luft  in  Rhein- 

preufsen 707 

ScHÖNBViN.    Ueber  die  Anwesenheit  freier  Salpetersäure  und 

ober  das  Ozon  in  der  Atmosphäre       .....    708 
Temperaturvertheilung  und  deren  nähere  Folgen. 
A.  Erman.    Meteorologische  Beobachtungen  auf  dem   grofsen 

und  auf  dem  atlantischen  Ocean  ,..•..    709 

A.  Hopkins.     Ueber  die  Ursache  der  grofsen  Meeresströmungen    717 

B.  T.  LiHDENAU.     Beiträge  zur  Klimatologie     ....     718 
DoYK.    Ueber  die  mittlere  Abnahme  der  Wärme  mit  zunehmen- 
der Breite  und  über  die  Ursachen  der  Verschiedenheit  die- 
ser Abnahme  unter  verschiedenen  Meridianen .    .        .        .     721 

Lamont.     Meteorologische   Beobachtungen    auf    dem   Hohen- 

peifsenberg.    Jährlicher  Gang  der  Temperatur  daselbst      .    728 


tVlii  Inhalt. 

Seite 
Lloyd.    Bem«rlniDgeo  Ober  die  Meteorologie  von  Irland  nach 

den  Beobachtungen  der  Knstenwachtstationen      .        •        .    729 
S.  P.  HiLBRVTH.     Resultate    ron    meteorologischen   Beobach- 
tungen in  MariettSy  Ohio,  im  Jahre  1851     ....    730 
Z.  Thompsou.    Resultate  von  meteorologischen  Beobachtungen 

in  Burlington  im  Jahre  1851 730 

E.  Rbnou.    Beobachtungen  über  den  Unterschied  der  Tempe- 
ratur in  Städten  und  auf  dem  Lande  .....    731 
A.  WnrcHBLi..    Ueber  die  Kälte  in  Eutah^  Alabama,  im  Janaar 

1851 732 

Grofse  Kälte 732 

J.  H.  LvFROT.    Bemerkungen  über  den  Winter  Yon  1851  su  1852 

in  Canada 732 

Lathrop.    Resultate  von  meteorologischen  Beobachtungen  vom 

Jahre  1851  in  Beloit  College,  Wis 733 

H.  Rice.    Resultate  von  meteorologischen  Beobachtungen  vom 

Jahre  1851  in  Attleboro',  Mass 734 

A.  Ermam.  Ueber  Boden-  und  Quellentemperaturen  und  über 
die  Folgerungen,  zu  denen  Beobachtungen  derselben  berech- 
tigen      734 

Druck,  Dampfgehalt  und  Bewegungen  der  Atmosphäre, 
fi.  Plantamour.     Meteorologische  Uebersicht  des  Jahres  1851 

für  Genf  und  den  grofsen  St.  Bernhard  ....  744 
P.  MxRiAir.  Meteorologische  Uebersicht  der  Jahre  1 850  und  1851  748 
R.  Wolf.     Meteorologische  Beobachtungen  auf  der  Sternwarte 

in  Bern  im  Jahre  1851 •    748 

J.  Plvss.    Uebersicht  der  Beobachtungen  der  Lufttemperatur 

in  Riehen 749 

J.  Lamont.  Meteorologische  Beobachtungen  ....  749 
J.  Vbnbrio.  Meteorologische  Beobachtungen  in  Udine  in  Friaul  749 
E.  LiAis.     Resultate  der  meteorologischen  Beobachtungen   in 

Cherbourg  während  der  Jahre  1848  bis  1851  .  .  •  749 
W.  WiLLS.  Bemerkungen  über  die  Meteorologie  von  Birmingham  749 
R.  D.  Thomson.  Klima  und  Sterblichkeit  in  Glasgow  .  .  749 
P.  MvRiAN.     Geschwindigkeit   des  Windstofses   in    der  Nacht 

vom  16.  auf  den  17.  December  1850 754 

Krkil.  Dritter  Bericht  über  die  k.  k.  Centralanstalt  für  Me- 
teorologie and  Erdmagnetismus 754 

P.  Mkriah*    Ueber  die  Nebeldecke  in  der  mittleren  Schweiz  .    754 


lobalt.  1^1^ 

Seite 
J.  M.  BsRTRAND  DK  DouB.    Notiz  Über  da«  in  Puy  beobachtete 

Gesetz  der  ungleicben  Häufigkeit  der  oberen  and  unteren 

Winde .    755 

O.  EisvNLOHH.    Untersuchungen  über  den  Zusammenhang  des 

Barometerstandes  mit  der  Witterung  im  Winter  .        .        .    758 
—   —    Wetterscala  für  das  Barometer  in  Karlsruhe                .    758 
A.  ۥ  Pktsbsxk.    Beobachtung  eines  sehr  hohen  Barometer- 
standes auf  der  Altonaer  Sternwarte 759 

J.  Wblsh.    Allgemeine  Ergebnisse  Ton  Beobachtungen  auf  zwei 

Luftfahrten 759 

Launot.    Eine  Luftfahrt 759 

WiTB.    Eine  Luftfahrt 759 

FABaB-MAssiAS.     Zusammenhang  zwischen  den  grofsen  Luft- 
strömungen aus  Afrika  (Sirocco)   und  dem  Austreten  des 

Rheins,  der  Rhone  und  der  Loire 762 

MoioNO.    Beobachtung  einer  ungewöhnlich  hohen  Temperatur    762 

DoTB.     Ueber  die  Rückwirkung  der  im  Gebiete  der  Moussons 

und  ganz  Asien  stattfindenden  jährlichen  Veränderung  des 

Luftdruckes  auf  die  Passatzone  des  atlantischen  Oceans  und 

über  die  wahrscheinliche  Entstehungsweise  der  westindisdien 

Sturme.        • 765 

H.  Jambs.    Ueber  die  Nothwendigkeit  einer  von  der  Windstärke 

abhängigen  Correction  der  beobachteten  Barometerhöhe  .  769 
A.  Hopkins.    Ueber  den  Ursprung  und  die  Beschaffenheit  der 

Kräfte,  durch  welche  die  Sturme  hervorgebracht  werden  .  771 
J.  Taylor.  Ueber  die  Orkane  der  Tropen  ....  771 
C.  P.  Smtth.  Ueber  die  Lage  der  Pole  der  Atmosphäre  •  772 
Mavrt.    Ueber  die  Wolken  und  äquatorialen  Wolkenringe  der 

Erde 772 

Fernere  Literatur  der  Meteorologie 777 

Namen-  und  Capitelregister       .......    781 

Verzeichnifs  der  Herren,  welche  für  den  vorliegenden  Band  Be- 
richte geliefert  haben •    793 

Berichtigungen 794 


Verzeichnifs  der  von  1849  bis  1854   für  die  physikalische 
Gesellschaft  eingegaDgenen  Geschenke. 

AbhaDdluDgen  der  Königlichen  böhmischen  Gesellschaft  der  Wissen- 
schaften. (5)  V-VlI.    Prag.  1848-1852. 

Annaaire  de  TAcademie  Royale  des  sciences,  des  lettres  et  des  beaux- 
arts  de  Belgique.   XV -XX.     Bruxelles.  1849-1854. 

Atti  delle  adunanze  dell*  J.  R.  Istituto  Veneto.  (1)  I-VII;  (2)  I-UI. 
Venezia.  1841-1852. 

ۥ  Babbagb.    Of  the  constants  of  nature.    Class  Mammalia. 

Babth.  Physikalische  Geographie  von  Miss  Sommkrtille.  I,  II.  Leip- 
zig. 1851. 

A«  Bekb.     Grundrifs  des  photometrischen  Calcüles.   Braunschweig.  1854. 

Sechs  Abhandlungen  optischen  Inhalts.   (Poee.  Ann.) 

W.  Bbktz.    Repertorium  der  Physik.   YIII.     Berlin.  1849. 

üeber  Magnetismus.    Berlin.  1852. 

üeber  die  Wärme.     Berlin.  1854. 

On  the  power  of  conducting  electricity  assumed  by  insuiators 

at  high  temperatures.    (Phil.  Mag.) 

G.  C.  Bkrendt.  Die  im  Bernstein  befindlichen  organischen  Reste  der 
Vorwelt.    I.    No.  1,2.     Berlin.  1845,  1854. 

H.  Bemck  Jones.     On  animal  electricity.    London.  1852. 

Berichte  über  die  Verhandlungen  der  Königlich  sächsischen  Gesellschaft 
der  Wissenschaften  zu  Leipzig.  Mathematisch -physische  Classe. 
1846-1853.     Leipzig.  1848-1854. 

Bericht  über  die  Verhandlungen  der  naturforschenden  Gesellschaft  zu 
Basel.  X.    Basel.  1852. 

Bericht  über  die  zur  Bekanntmachung  geeigneten  Verhandlungen  der 
Königlich  preufsischen  Akademie  der  Wissenschaften  zu  Berlin. 
1848-1854.    Berlin.  1848-1854. 

B.  Bizio.     Giornale  fisico-chimico  italiauo.     Venezia.  1851. 


Biogegangene  Geschenke.  Ljl 

M.  N.  B&TTT.     Enomeratio  plantarum  yasculariuiDy   quae   circa  Chri- 

stianiam  sponte  nasciintur.     Christianiae.  1844. 
C.   BoECK.      BemaerkniDger    angaaende    Graptolitherne.      Christiania. 

1851. 
W.  BoKCK.    Klioik  over  Hudsygdommene  og  de  sypbilitiske  Sygdomme 

i  1852.     Cliristiania. 

Sjphilisationifforsög.     Cliristiania«  1853« 

—r  —    Syphilisationeo  studeret  ?ed  Sygesengen.     Cliristiania.  1854. 
E.  DU  Bois-Rktmond.    Untersuchungen  über  thierische  Elektricität.  II. 

No.l.     Berlin.  1849. 
Note  sur  la  loi  dii   courant  iniisculaire,    et  sur  la  modification 

qu*eprouve  cette  loi  par  Teffet  de  la  contraction.    (Ann.  d.  chim.) 

üeber  thierische  Bewegung.    Berlin.  1851. 

Zweite  Fortsetzung  seiner  Untersuchungen  über  thierische  Elek- 
tricität.    (Berl.  Monatsber.) 
Od    Signor    Carlo   Matteucci's    letter   to   H.  Bbncv  Jörns. 

London.  1853. 

Gediichtnifsrede  auf  Paul  Erman.     Berlin.  1853. 

On  the  intensity  and  quantity  of  electric  currents.     (Phil.  Mag.) 

P.  DU  Bois-Rbtmomd.     Uoterauchungen  über  die  Flüssigkeiten,    über 

deren   innere  Stromungserscheinungen,    über   die   Erscheinungen 

des  stillstehenden   Tropfens,    der  Ausbreitung  und   Vertreibung. 

Berlin.  1854. 
H.  Baavms.     Ueber    die    Existenz   des    Jodes    in    der   Heilquelle    von 

Saxoo.     Sitten.  1853. 
A.  Bratais.     Observations  sur  les  phenomenes  cr^pusculaires.    (Annu. 

meteor.) 
A.  Baix.     Ueber    die    Beziehungen,    welche    zwischen    den    Procent- 

gehalten  verschiedener  Zuckerlösungen,  den  zugehörigen  Dichtig- 
keiten und  den  BAUM^'schen  Aräometergraden  stattfinden.    Berlin. 

1854. 
P.  W.  Brix.      Untersuchungen    über    die    fleizkraft    der    wichtigeren 

Brennstoffe  des  preuPsischen  Staates.     Berlin.  1853. 
Zeitschrift  des  deutsch-österreichischen  Telegraphenvereins.  1854. 

Januar-October.     Berlin.  1854. 
W.  T.  Brttchhaitsen.    Die  Dreieinheit,  ein  leicht  begreifliches,  überall 

gültiges  Naturgesetz.     Zürich.  1854. 
E.  BRifcKK.     Untersuchungen  über  die  Lautbildung  und  das  natürliche 

System  der  Sprachtaute.    (Wien.  Ber.) 


U^ll  Eingegangene  Geschenke. 

B.  BüifcKs.     Bemerkungen  über  die  Mechanik  des  EntzundangBprocesses. 

(Wien.  Ber.) 

Ueber  den  Bau  und  die  physiologische  Bedeutung  der  Pejeri- 

sehen  Drüsen.     Wien.  1850.     (Wien.  Denkschr.) 

Ueber  ein  in  der  Dannschleimhaut  aufgefundenes  Muskebystein. 

(Wien.  Ber.) 

Das  Muskelsjstem  der  Schleimhaut  des  Magens  und  DarmcanaU. 

(Wien.  Ber.) 

Ueber  die  Mechanik  des  Kreislaufs  des  Blutes  bei  den  Fröschen. 

(Wien.  Ber.) 

Untersuchungen  über  subjective  Farben.     Wien.  1851.     (Wien. 

Denkschr.) 

Ueber  eine  von  ihm  erfundene  und  zusammengestellte  Arbeits- 
lupe.    (Wien.  Ber.) 

Ueber  die  Contractilität  der  Gallenblase*     (Wien.  Ber.) 

L.  A*  Büchner  jun.  Ueber  den  Antheii  der  Pharmacie  an  ^der  Entwick- 
lung der  Chemie.    München.  1849. 

Bulletin  de  la  Classe  phjsico  -  mathematique  de  TAcademie  Imperiale 
de  St.-Petersbonrg.  IX-XI.    St.-Petersbourg  et  Leipzig.  1851-1853. 

Bulletin  der  Königlichen  Akademie  der  Wissenschaften  1848-1852. 
München. 

Bulletins  des  seances  de  la  Classe  des  sciences  de  TAcademie  Rojale 
de  Belgique.   1848-1853.     Bruxelles.  1849-1854. 

C.  C.  T.  Burdach.    Der  wahre  Grund  der  weifsen  Farbe.     (Isis.) 

C.  H.  D.  Buts-Ballot.    Repertorium  corporum  organicorum.     Trajecti 

ad  Rhenum.   1846. 
Les  changements  periodiques  de  temperature,  dependanta  de  la 

nature  du  soleil  et  de  la  lune.    Utrecht.   1847. 
Schets  eener  phjsiologie  van  het  onbewerktuigde  rijk  der  na- 

tuur.     Utrecht.  1849. 

' Aan  de  beeren  scheepspreeders.    Utrecht.  1854. 

J.  L.  Canatal.     Jahrbuch   des  naturhistorischen  Landesmuseums  von 

Kärnten.   I>  II.    Klagenfurt.  1852,  1853. 
C.  P.  Casfari.    Ueber  den  syrisch-ephraimitisdien  Krieg  unter  Jothan 

und  Ahas.     Christiania.  1849. 
R.  CiiAüsiiTS.    Ueber  die  Veränderungen,   welche  in  den  bisher  ge* 

bräuchlichen  Formeln  für  das  Gleichgewicht  und   die  Bewegung 

elastischer  fester  Körper  durch  neuere  Beobaditungen  nothwendig 

geworden  sind.     (Pogg.  Ann.) 


BiAgegaDgene  Gesclieake.  LXIU 

E*  ChAvnun.  Ueber  die  Natur  derjenigen  Beitandtbeile  der  Brd* 
atmoiphäre,  durch  welche  die  Lichtreflexion  in  derselben  bewirkt 
Yird.    (Poes.  Ann.) 

Ueber  die  blaue  Farbe   des    Himmels   und   die  Morgen-   und 

Abendröthe.    (Poe».  Ann.) 

Ueber  eine  veränderte  Form  des  zweiten  Hauptsatzes  der  me- 
chanischen Wärmelehre.    (Pogg.  Ann.) 

Denkschriften  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften.  Mathe- 
matisch-naturwissenschaftliche Klasse.   I-YII.     Wien.  1850-1854. 

Det  Kongelike  danske  Yidenskabernes  Selskabs  Skrifter.  Naturviden- 
skabelig  afdeling.   (5)  I,  II.     Kjöbenhavn.  1849,  1851. 

Die  feierliche  Sitzung  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften 
am  29.  Mai  1852.     Wien.  1852. 

M.  W.  Drobisch.  Zusätze  zum  Florentiner  Problem,  Leipzig.  1852. 
(Abb.  d.  Leipz.  Ges.) 

Ueber  musikalische  Tonbestimmung  und  Temperatur.    Leipzig. 

1852.    (Abb.  d.  Leipz.  Ges.) 

E.  EoLViiD.  Berättelse  om  framstegen  i  fjsik  under  Ar  1849,  1850. 
Stockholm.    1851,  1852. 

O.  EiSEnoHB.  Untersuchungen  über  den  Zusammenhang  des  Baro- 
meterstandes mit  der  Witterung  im  Winter.    Karlsruhe.  1852. 

—  —    Wetterscala  für  das  Barometer. 

G.  EiflBMSTBiN.  Tabelle  der  reducirten  positiven  ternären  quadrati- 
schen Formen.     Berlin.  1851. 

FAAADA.T.     Observations  on  the  magnetic  force.     (Phil.  Mag.) 

J.  FbibdlÄndka.  General  inrestigation  of  the  convergence  of  trigo- 
nometric  series,  into  which  functions  are  ezpanded,  and  some 
new  applications  of  the  same.     Berlin.  1853. 

K.  Faitsch.     Kalender  der  Flora  des  Horizontes  von  Prag.    1852. 

H.  B.  GsiviTz.  Das  Quadergebirge  oder  die  Kreideformation  in  Sach- 
sen.^   Leipzig.  1850. 

Gbrumg.  Graphische  Darstellung  der  magnetischen  Declination  zu 
Marburg.    1847,  1848. 

W.  Haidingka.  Berichte  über  die  Mittheilungen  von  Freunden  der 
Naturwissenschaften  in  Wien.  V-VIL     Wien.  1844-1851. 

Naturwissenschaftliche  Abhandlungen.  II-IV.    Wien.  1848-1851. 

DK  Haldat.  Optique  oculaire,  suivie  d*un  essai  sur  Tachromatisme  de 
Foeil.    Paris  et  Nancy.  1849. 


l,Xiv  Eingegangene  Geschenke. 

DE  Haldat.  Essai  historique  sur  1e  magnetisme  et  Tuniversalite  de 
son  influence  dans  la  nature.     Nancy.  1850. 

P.  A.  Hansen.  Allgemeine  Auflosung  eines  beliebigen  Systems  Ton 
linearischen  Gleichungen.     Leipzig.  1849.     (Abh.  d.  Leipz.  Ges.) 

—  —  Ueber  die  Entwicklung  der  Grofse  (1 — 2«lf+a*)"^  nach  den 
Potenzen  von  a.     Leipzig.  1849.     (Abh.  d.  Leipz.  Ges.) 

Entwickelung    des   Products    einer  Potenz  des  Radius    vectors 

mit  dem  Sinus   oder  Cosinus  eines  Vielfachen  der  wahren  Ano- 
malie in  Reihen.     Leipzig.  1853.     (Abh.  d.  Leipz.  Ges.) 

Entwickelung  der  negativen  und  ungeraden  Potenzen  der  Quadrat- 
wurzel derFunction  r'+H'— 2rr'  (Cos  ITCos  U*+Sin  ITSin  IT' Cos  J). 
Leipzig.  1854.     (Abh.  d.  Leipz.  Ges.) 

W.  Hansen.  Beschreibung  eines  Apparates,  mit  Hülfe  dessen  man  be- 
liebige Gegenstände  perspectivisch  mit  der  gröfsten  Schärfe  auf- 
zunehmen im  Stande  ist.     (Dinglee  J.) 

C.  Hansteen.  Beschreibung  und  Lage  der  Universitätssternwarte  in 
Christiania.     Christiania.  1849. 

J.  Hanstein.  Plantarum  vascularium  folia,  caulis,  radix  utrum  Organa 
sint  origine  distincta,  an  ejusdem  organi  diversae  tantum  partes. 
Halae.  1848. 

J.  J.  Hanus.  Systematisch  und  chronologisch  geordnetes  Verzeichnifs 
sämmtlicher  Werke  und  Abhandlungen  der  Königlich  böhmischen 
Gesellschaft  der  Wissenschaften.     Prag.  1854. 

H.  W.  Heintz.     Lehrbuch  der  Zoochemie.    Berlin.  1853. 

H.  Helmholtz.  Ueber  die  Methoden ,  kleinste  Zeittheile  zu  messen, 
und  ihre  Anwendung  für  physiologische  Zwecke.  (Konigsb. 
naturw.  Unterh.) 

Messungen  über  den  zeitlichen  Verlauf  der  Zuckung  animali- 
scher Muskeln  und  die  Fortpflanzungsgeschwindigkeit  der  Reizung 
in  den  Nerven.     (Müller  Arch.) 

Messungen  über  Fortpflanzungsgeschwindigkeit  der  Reizung  in 

den  Nerven.     Zweite  Reihe.     (Müller  Arch.) 

Ueber  die  Theorie  der  zusammengesetzten  Farben.    Berlin.  1852. 

J.  C.  Heusser.  Ueber  die  Erystallformen  einiger  citronensauren  Satze. 
(Poee.  Ann.) 

Untersuchung  über  die  Brechung  des  farbigen  Lichts  in  einigen 

krystallinischen  Medien.     (Poee.  Ann.) 

W.  Hofmeister.  Beiträge  zur  Kenntnifs  der  Gefäfskryptogamen.  Leip- 
zig. 1852.     (Abh.  d.  Leipz.  Ges.) 


Eingegangene  Geadienke.  t.XV 

C.  A.  HoLMBOB.    Norsk  og  keltisk.     Cliristiania.  1854. 

C.  Holst.    Beskrivelse  over  de  nye  Untversitäts-Bygninger.    Chrisda- 
nia.  1852. 

Jahrbuch  der  Kaiserlich -Königlichen   geologischen  Reichsanstalt  I-Y. 
No.2.    Wien,  1850-1854. 

Jahresbericht  der  Wetteraaer  Geseilschaft  für  die  gesammte  Naturkunde 
zu  Hanau.    1850/51,  1851/53.     Hanau.  1851,  1854. 

Jahresbericht  des  physikalischen  Vereins  zu  Frankfurt  am  Main  für  das 
Rechnungsjahr  1847-1848. 

M.  H.  Janbbn.     Het  universeel  extract -Journal  met  ¥erklaring>  ten  ge- 
bruike  van  de  nederlandsche  zeelieden.    Utrecht.  1853. 

Jungk.     Ueber  die  Meeresströmungen.    Berlin.  1849. 

G.  Kahstek.    Von  der  Stellung  der  Naturwissenschaften,    besonders 
der  physikalischen,  an  unseren  Universitäten.    Kiel.  1849. 

—  —    Lehrgang  der  mechanischen  Naturlehre  für  höhere  Unterrichts- 
anstalten« I-IIL    Kiel.  1851-1853. 

Briefe  von  L.  Evler  und  von  J.  A.  Eulvr  an  W.  J.  G.  Karstbh. 

(Allg.  Monatsschr.  f.  Wiss.  und  Lit.) 

G.  Kirchhoff.    Bestimmung  der  Constanten,  von  welcher  die  Intensität 
inducirter  elektrischer  Strome  abhängt.    (Poee.  Ann.) 

KoDge-Speilet.    Christiania.  1848. 

KongL  Vetenskaps-Akademiens  handlingar  for  Sr  1847-1851.    Stock- 
hohn. 1848-1853. 

Krxckb.     Waarnemingen  te  Utrecht.     1852. 

P.  Krbmkrs.    De  relatione  inter  carbones  fuscos  atque  nigros.    Bero- 
lini.  1851. 

Ueber  das  Krystallwasser,  sein  Verhältnifs  zur  Constitution  und 

Loslichkeit  der  Salze  und  sein  Verhalten  bei  chemischen  Zer- 
setzungen.   (Poee.  Ann.) 

Ueber  das  Verhältnifs  zwischen  Wassergehalt  und  Constitution 

der  Salze.    (Poee.  Ann.) 

Versuch,  die  relative  Löslichkeit  der  Salze  aus  ihrer  Constitution 

abzuleiten.    (Poee.  Ann.) 

€.  Kumr.    Ueber   die   fixen  Linien   im  Spectrum   des  Sonnenlichtes. 
(Melanges  pbysiques  et  chimiques.) 

Witterungsverhältnisse  in  München  im  Jahre  1852. 

Ueber  das  Klima  von  München.    München.  1854. 

A.  T.  KupniR.    Annales  de  l'observatoire  physique  central  de  Russie. 
1849,  1850.    St.-Peter8bourg.  1852,  1853. 
Fortsebr.  d.  Pbys.  VIII.  e 


xxvt  Eingegangene  Geschenke. 

A.  T.  KüPFFKR.  Compte-rendu  annuel  sur  l'obsenratoire  pbjsique  central. 

1851,  1852.    St.-Petersbourg.  1852,  1853. 
J.  Lamont.    Annalen  der  Königlichen  Sternwarte  bei  Manchen.  (2)  I-YI. 

München.  1848-1853. 
Beobachtungen   des  meteorologischen  Obser?atorium8   auf  dem 

Hohenpeifsenberg.    Manchen.  1851. 
Beschreibung   der  an  der  Mönchener  Sternwarte  verwendeten 

neuen  Instrumente  und  Apparate.   München.  1851.    (Münchn.  Abb.) 
Jahresbericht  der  Königlichen  Sternwarte  bei  München  für  1852. 

München.  1852. 
Magnetische    Ortsbestimmungen    ausgeführt    an    yerschiedenen 

Punkten  des  Königreichs  Bayern  und  an  einigen  auswärtigen  StA-* 

tionen.  I.    München.  1854. 
C.  LAMtoCftG.    Nyt  Magazin  for  Naturvidenskaberne.  yi-YlIl.  No.2. 

Christiania.  1849-1853. 
W.  Lasch.    Bemerkungen  über  das  absolute  Gewicht  der  atmosphäri- 

bthen  Luft  in  Berlin,  so  irift  über  die  Yergleichung  der  preufsi* 

sehen  Maafse  und  Gewichte  tait  den  franzosischen  und  englischen. 

(Po6ö.  Ann.) 
LiAGAB.    Note  sur  l'erreur  probable  d*un  passage  observe  a  la  lunette 

meridienne  de  Tobservatoire  Royal  de  Bruxelles.     (Bull.  d.  Brax«) 
E.  LiAis.     Theorie  ttathematique   des   osctllations   du    barometre    et 

recherche  de  la  loi  de  la  Variation  moyenne  de  la  temperature 

avec  la  latitude.    Paris.  1851. 
6.  T.  LifeBte.    Ueber   die  Temperaturunterschiede   des    venösen   und 

arteriellen  Blutes.     Giefsen.  1853. 
C.  Lin>tiriG.    Neue   Versuche  über  die  Beihülfe  der  Nerven  zu  der 

Sp^ichelsecretiön.     (Mitth.  d.  naturf.  Ges.  in  Zürich.) 
Maritime  Conference  held  at  Brüssels  for  devising  a  uniform  System  of 

meteorological  observations  at  sea.    August  and  September  1853. 
C.  Mahtins.     Note  sur  Tintensite  du  son  dans  Tair  rarefie  des  hautes 

montagnes.    (Annu.  meteor.) 
Essai  sur  la  Vegetation  de  TArchipel  des  Feröe,   comparee  a 

Celle  des  Shetland   et   de  Tlslande  meridionale.     (Yoyages  en 

Scandinavie,    en    Laponie   et   au   Spitzberg   de   la   Corvette  la 

Recherche.) 
Memoire  sur  ies  temperatures  de  la  mer  glaciale,  a  la  surface^ 

k  de  grandes  profondeors,  et  dans  le  voisinage  des  glaciers  du 

Spitzberg.    Paris.  1848.    (Yoyages  en  Scandinavie  etc.) 


EiDgegaE^ene  Geschenke.  tj^vii 

C.  Mabtins.    £8$ai  tar  la  oature  et  Toriguie  des  difl^l^iviite^  espep^ 

de  brouillards  secs.     (Aduu.  meteor.) 
Memoires  de  TAcademie  Imperiale  des  sdences  de  Saint -P^terübourg» 

Sciences  matheinatiques  et  phjsiques.  (6)  lY.  No.  3,  4;  Y.  No.  3-ß, 

Saint-Petersbourg.  1849-1853. 
Memoires  de  la  Societe  des  sciences  de  Cherbourg,   I.   No«  1.     Cher* 

boorg.  1852. 
Memoires  de  la  Societe  Royaie  des  sciences,  lettres  et  arts  de  Nancy. 

1847-1849.     Nancy.  1848-1850. 
Memoirs  of  the  literary  and  pbilosophical  Society  of  Manchester.   (2) 

IX,  X.    London.  1851,  1852. 
Memoriale  delle  occupazioni  e  de*  lavori  de'  socü  della  Reale  Acca- 

demia    delle    scienze    di   Napoli    dal   luglio   1849   al   dicembre 

1850. 
Meteorologie,  magnetisme  terrestre,   et  phenomenes  periodiques  nata- 

rels,  ou  r^same  des  obserrations  recueillies  a  Tobservatoire  Royal 

de  Bruxelles.    (Almanach  seculaire.) 
MiLiTzsR.    Tafeln    zur  Reduction   gemessener  Gasvolamina   auf  die 

Temperatur  0*  und  den  Luftdruck  760™».    (Wien.  Der.) 
Mittheilungen  der  naturforscbenden  Gesellschaft  in  Bern.   1343-1854. 

No.313.    Bern.  1843-1854. 
A.  F«  MÖBiüS.    lieber  die  Grundformen  der  Linien  der  dritten  Ord- 
nung.   Leipzig.  1849.     (Abb.  d.  Leipz.  Ges.) 
A..  MoussoN.    Ueber  die  WHBWBL|.'schen  oder  QüBTiFLiT*schen  Strei- 
fen.    (N.  Denkschr.  d.  Schweiz.  Ges.) 
F.  A.  MvNCH.    Symbolae  ad  historiam  antiquiorem  rerum  Norregica- 

nim.     Christianiae.  1850. 

Aslak  Bolts  Jordebog«    Christiania.  1852. 

Olaf  TryggvesÖBs  Saga.     Christiania.  1853. 

P.  A.  Müh  GH  og  C.  R.  Unger.    Fagrskiona.     Christiania.  1847. 
Nachrichten  Yon  der  Georg- Augusts -Universität  und  der  Königlichen 

Gesellschaft  der  Wissenschaften  zu  Gottingen.    Vom  Jahre  1848. 

Gottingen. 
C.  F.  Naumann.    Ueber  die  cyclocentrische  Conchospirale  und  über 

das  Windungsgesetz  von  Planorbis  corneMS.    Leipzig.  1849.    (Abb. 

d.  Leipz.  Ges.) 
Neue    Denkschriften     der    allgemeinen    schweizerischen    Gesellschaft 

für    die    gesammteo    Naturwissenschaften.     XI-XIU.      Zürich. 

1850-1853. 

e* 


I^I^YIII  Eingegangene  Geichenke.' 

Marquit  of  Northamfton.     Address  read   at   the  general  meeting  of 

the  Royal  Society  on  June  9th,  1848.    London.  1848. 
Observations  des  phenomenes  periodiques.     (Mens.  d.  Brux.) 
Öfversigt  af  Kongl.  Vetenskaps-Akademiens  förhandlingar.  1847-1852. 

Stockholm.  1848-1853. 
Olaf  den  Helliges  Saga.     Christiania.  1853. 
Oversigt  over  det  Egl.   danske  Yidenskabernes  Selskabs  Forhandlinger 

og  dets  Medlemmers  Arbeider  i  Aaret  1847-1851.    KjöbenhaTn. 

1847-1851. 
R.  PAuaA.     Correnti  elettro-chimiche   inisurate  e  rinvenute  in  diyersi 

liquidi  e  solidi  organici  tolti  dagli  animali  viventi.     Napoli.  1849. 
A.  Pbrret.     Memoire  sur  les  tremblements  de  terre  ressentis  dans  la 

peninsule  turco-hellenique  et  en  Syrie.     (Mem.  cour.  de  l'Ac.  d. 

BelgO 
Philosophical  transactions  of  tbe  Royal  Society  of  London  for  the  year 

1848-1853.    London.  1848-1853. 
J.  Platbau.    Recherches  experimentales  et  theoriques   sur  les  figures 

d'equilibre  d*une  masse  liquide  sans  pesanteur.    Deuxi^me  serie. 

(Mem.  d.  Brux.) 
J.  J.  Pohl,    Ueber  die  Siedepunkte  mehrerer  alkoholhaltiger  Flössig- 

keiten  und  die  darauf  gegründeten  Verfaliren,  den  Alkoholgehalt 

derselben  zu  chemisch-technischen  Zwecken  zu  bestimmen.     Wien. 

1850.     (Wien.  Denkschr.) 
Beitrag  zur  Statistik  des  Studiums  der  Chemie  am  k.  k.  poly- 
technischen Institute  zu  Wien.     (Wien.  Ber.) 

Physikalisch- chemische  Notizen.    (Wien.  Ber.) 

Ermittelung  des  technischen  Wertlies  der  Kartoffeln.     (Wien. 

Ber.) 
Nachtrag  zur  thermo-aräometrischen  Bierprobe.    (Wien.  Ber. 

und  Wien.  Denkschr.) 
Beobachtungen  während  der  Sonnenfinstemifs  am  28.  Juli  1851. 

(Wien.  Ber.) 
Ueber  die  Anwendung  der  Pikrinsäure  zur  Unterscheidung  von 

Geweben  vegetabilischen  und  thierischen  Ursprunges.   (Wien,  Ber.) 
J.  J.  Pohl  und  J.  Schabus.    Tafeln  zur  Reduction  der  in  Millimetem 

abgelesenen  Barometerstände  auf  die  Normaltemperatur  von  0^  C« 

(Wien.  Ber.) 
—  —     Tafeln  zur  Vergleichung  und  Reduction   der  in   verschiedenen 

Längenmaafsen  abgelesenen  Barometerstände«    (Wien.  Ber.) 


Eingegangene  Geschenke.  LXix 

N.  pAiveaHsm.     Die   Entwicklungsgeschichte    der    Achija    prolifera. 

(Yerh.  d.  Leopoldin.  Carolin.  Ak.  d.  Natarf.) 

Algologische  Mittheilangen.     (Flora.) 

Proceediogs  of  the  Royal  Society  of  Edinbui^hJ   No.  31,  32;   Session 

1851-2. 
Proceedings  of  the  Royal  Society  of  London.  V.  No.  67-VIL  No.  6. 

London.  1846-1854. 
A.  QucTBLKT.     Sur    le    climat   de   la   Belgique.    Ifl-Y.     Bruxelles. 

1849-1852. 
Rapport  sur  Tetat  et  les  traraux  de  l'obserTatoire  Royal,  pen- 

dant  Tannee  1848,  1852,  1853.    Bruxelles.  1848-1853. 
—  —    De  Tinflaence  de  Telectricite  sor  les  hautears  barometriqoes« 

(Ball.  d.  Brux.) 

Sur  les  ondes  atmosphäriques.    (Bull.  d.  Brux.) 

Climat  de  la  Belgique.     (Rapport  decennal  sur  la  Situation  ad-^ 

ministrative.) 
Sur  les  moyens  de  faire  donner  aux  plantes  leurs  feuilles,  leurs 

fleurs  et  leurs  fruits  a  des  epoques  d^terminees  d'avance.    (Bull, 

d.  Brux.) 
Sur  Telectricite  de  Tair,  d'apres  les  observations  de  Hunich  et 

de  Bruxelles.    (Bull.  d.  Brux.) 
Instructions   poor  Tobservation   des   phenomenes  periodiques« 

Bruxelles.  1853. 

Memoire  sur  les  variations  periodiques  et  non  periodiques  de 

la  temperature.     (Mem.  d.  Brux.) 
Note   sur   la    difference    des   longitudes   de   Bruxelles   et   de 

Greenwich,  determinee  par  la  telegraphie  ^lectrique.    (Bull,  d, 

Brux.) 

Sur  Telectricite  des  nuages  orageux.    (Bull.  d.  Brux.) 

F.  Ruch.     Neue  Versuche  mit  der  Drehwage.    Leipzig.  1852.     (Abh. 

d.  Leipz.  Ges.) 
S.  Reissxk.    Die  Fasergewebe  des  Leines,  des  Hanfes,  der  Nessel  und 

Baumwolle.    Wien.  1852.     (Wien.  Denkschr.) 
Relazione  sulla  malattia  della  vite.    Napoli.  1852. 
Rendiconto  della  Societk  Reale  Borbonica.    Accademia  della  scienze. 

No.  38-51;    Nuova    serie    1852.    No.  3-1853.    No.  3.      Napoli. 

1848-1853. 
A.  Rbalhubu.    Die  Coostanten  von  Kremsmünster.    Linz.  1853. 
lieber  das  magnetische  Observatorium  in  Kremsmünster   und 


U^X  Eiflgegangene  Gef  chenke. 

die  Tom  Jahre.  1839*50  aus  deo  Beobachtungen  abgeleiteten  Re- 
sultate.   Wien.  1854. 

Earl  of  Rosse.  Address  read  at  the  universary  meeting  of  the  Royal 
Society  oa  November  ao,  1849,  1852,  1853.  London.  1850-1853. 

J.  Roth.  Die  Kugelformen  im  Mineralreiche  und  deren  Einflofs  auf 
die  Absonderungsgestalten  der  Gesteine.  Dresden  und  Leipzig. 
1844. 

Bemerkui^en  über  die  Verhältnisse  von  Predazzo.    (Z.  S»  d. 

geol.  Ges.) 

Bohrungen  bei  Wendisch- Wehningen.    (Z.  S.  d.  geol,  Ges.) 

A.  ScBLAGiNTWMT.  Uober  die  orograpbische  und  geologische  Struc- 
tur  der  Gruppe  des  Monte-Rosa.  Leipzig.  1853.  (Neue  Unter- 
suchungen über  die  physikalische  Geographie  und  die  Geologie 
der  Alpen.) 

A*  und  B*  SCKI.A6ISTWXXT.  Ueber  die  Hohe  der  Gipfel  des  Monte- 
Rosa.    (Poee.  Ann.) 

«^  -^  Observations  sur  la  bauteur  du  Mont-Rose  et  des  points  prin- 
cipaux  de  ses  environs,  Turin.  1853.  (Memor.  deli'  Acc  di 
Torino.) 

O.  SCHi.OMii.CH.  lieber  die  Bestimmung  der  Massen  und  der  Träg- 
heitsmomente symmetrischer  Rotationskörper  von  ungleichförmiger 
Dichtigkeit.    Leipzig.  1854.    (Abb,  d.  Leipz.  Ges.) 

Ueber  einige  allgemeine  Reihenentwicklungen  und  d^mn  An- 
wendung auf  die  elliptischen  Functionen.  Leipzig,  1854«  (Abh. 
<L  Leipz.  Ges.) 

J.  W,  ScHBUTz.    Der  kleine  Kosmos.    Köln.  1852. 

H.  F.  8.  ScHRiUDsa.   Grammatik  for  Zulu-Sproget.   Christiania.  1850. 

J.  S.  C.  ScHi?^ii66BR.  Ueber  die  Umdrehung  der  magnetischen  Erd- 
pole und  ein  davon  abgeleitetes  Gesetz  des  Trabanten-  und  Pla- 
netenumlaufs»    (Abh.  d.  naturf.  Ges,  zu  Halle.) 

A.  SiBBBCK.  Ueber  die  Querschwingungen  gespannter  und  nicht  ge- 
spannter elastischer  Stäbe,  Leipzig»  1849.  (Abh.  d.  Leipz. 
Ges.) 

A.  Senonbr.  Zusammenstellung  der  bisher  gemachten  HöbenmessuA- 
gen  in  den  Kronländern  Mähren  und  Schlesien.  (Jahrb.  d.  geol« 
Reichsanst.) 

Sitzungsberichte  der  mathematisch -naturwissenschaftlichen  Klasse  der 
Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften.  I-XII.  Wien.  1 848-1854. 

A»  Smcb.    Elements  of  electro-biology.    London.  1849. 


Eingegangene  Geschenke.  ixn 

D.  C.  SPLiTeBRBiR.    Ueber  das  Glas.    Berlin.  1852. 

A.  Streckbh.    Das  chemische  Laboratorium  der  ÜniTe)^ftität  Christiania 

und  die  darin  ausgeführten  chemischen  Untersuchungen.     Chri- 
stiania. 1854. 
A.  r.  TncHMANN.    Physik  der  Erde.    Berlin.  1854. 
The  Rojal  Society.     30th  November  1847-1850,  1862,  1855. 
F.  T.  Thiiesch.     üeber  die  wisyenschaflKche   Seite   der  praktischeD 

Thätigkeit,   nebst  biographischen  Notizen  über  die  Akademiker 

Y.  Rbichekbach,  y.  FKAüMHOvrft  und  y.Roith.     München.  1852* 
K.  TmKXs-CsBirNBKT.     Physikalischer  Beitrag   zvlt   Chemie»     Linz. 

1849. 
Transactions  of  the  Royal  Society  of  Edinburgh.  XYI.  No.  4,  XVW, 

XX.  No.3.    Edinburgh.  1847-1852. 
üitkomsten  Tan  wetenschap  en  ervaring  aangaaende   winden  en  zee- 

stromiogen  in  sommige  gedeelten  van  den  Oceaan.     Utrecht.  1853. 
Verhandlungen    der    schweizerischen    naturforschenden     Geseltschaft» 

1846-1853. 
Yerzeichnifs   der  im  Buchhandel  befindlichen  Druckschriften    der  Ka»* 

serlichen  Akademie  der  Wissenschaften  in  Wien.    Wien.  1852. 
R.  YiacHow.    Die  Einheitsbestrebungen  in  der  wissenschaftlichen  Me- 

dicin.    Berlin.  1849. 

F.  YoEGBLi.    Ueber  zwei  neue  Verbindungen  von  Phosphorsäure  und 

Aether.     (Pose.  Ann.) 

A.  Vogel  jun.    Ueber  den  Chemismus  der  Vegetation.    München.  1852» 

P.  VoLPiCKLLi.  Descrizione  della  lampada  elettro  -  dinamica  del  sig. 
DuB08C(^*SoLBiL  e  indicazioni  delle  principali  sperienze  ottiche  da 
eseguirsi  coUa  medesima.     (Atti  de*  nuovi  Lincei.) 

W.  Weber.  Elektrodynamische  Maafsbestimmungen,  insbesondere  Wi- 
derstandsmessungen.     Leipzig.  1850.     (Abb.  d.  Leipz.  Ges.) 

Elektrodynamische  Maafsbestimmungen,  insbesondere  über  Dia- 
magnetismus.   Leipzig.  1852.     (Abb.  d.  Leipz.  Ges.) 

G.  Wkrthbr.     Die  unorganische  Chemie.    I,  II.    Berlin.  1850,  1852, 
—  «~    Ueber  die  chemische  Untersuchung  des  Rohsalpeters.     (Ead* 

MANN  J.) 
Ueber  die  sogenannte  Cämentation   der  Kupferkiese.     (Ead« 

MANN  J.) 
Whbatstons.    Sur  les  recherches  de  M.  Qubtelbt,  relatives  a  Tölec- 

tricite  de  Tatmosphere,   entreprises  avec  Telectrometre  de  Pbl- 

TiBR.    Bruxelles.  1851. 


LXXII  EiogegangeDe  Geschenke* 

G.  WiKDKMAMN.  Ueber  das  elektrische  Verhalten  krjstallisirter  Kor- 
per.    (P0G6.  Ann.) 

Ueber  die  Bewegung  Yon  Flüssigkeiten  im  Kreise  der  geschlos- 
senen galvanischen  Säule.     (Poeo.  Ann.) 

L.  P.  WüppiRMANif.  Abhandlung  über  das  Wesen  der  Imponderabi- 
lien. I.  No.l.     Utrecht.  1849. 

F.  Zantkdibchi.  Raccolta  fisico  -  chimica  italiana.  11,  111.  Yenezia. 
1847,  1848. 

Annali  di  fisica.    Padova.  1849-1850. 

—  —  La  termocrosi  di  Melloni  dimostrata  insussistente ,  e  Tautore 
in  opposizione  con  se  stesso. 

J.  ZiCH.  Astronomische  Untersuchungen  über  die  Mondfinsternisse  des 
Almagest.    Leipzig.  1851. 


Erster  Abschnitt 


Allgemeine  Physik. 


Fort?5chr.  d  Phy«  VHI. 


1.    Moleeularphysik« 


SfeGLiN.  Consid^ratlons  sur  la  delerininatiou  des  condilioDs 
dans  lesquelles  devraient  se  troaver  les  mol^cules  mate- 
rielles qui  constilueot  le  globe  (errestre,  pour  que  les 
efiets  de  la  cohesion  des  corps  cristalUs^s  qui  existent 
ä  sa  surface  pussent  ^re  expliqa^s  par  les  lois  de 
rattraclion  newtonienne.  C.  R.  XXXIV.  85-9(H^;  Cosmos  I. 
692-70ai-;  Poee.  Ann.  LXXXVIll.  432-442t- 

Schon  im  Berl.  Btr.  1848.  p.  13  ist  der  Ansichten  von 
Hrn.  Seouin  über  die  Molecularconstitulion  der  festen  Körper 
Erwähnung  gethan^  mit  Hülfe  welcher  er  die  NcWTON^schen 
Gesetze  auch  auf  die  Erscheinungen  der  Cohasion  anzuwenden 
sucht.  Das  Wesen  dieser  Ansicht  besteht  darin,  dafs  in  jedem 
Holecül  die  Atome  nicht  gleichmafsig  vertheilt,  sondern  strahlig 
angeordnet  sind,  so  dafs  das  Verhältnifs  der  Menge  der  Atome 
in  einem  Molecül  (das  er  von  Kugelform  annimmt),  und  der 
Menge  derselben  in  einem  solchen  Strahl  (dem  Durchmesser  der 
Kugel)  ein  viel  geringeres  ist  als  das  Verhältnifs  zwischen  Cubic« 
Inhalt  und  Länge  des  Durchmessers  einer  Kugel. 

In  dem  neueren  Aufsatz  sucht  Hr.  Seouix  nach  diesen 
Grundsätzen  zu  erklären,  weshalb  zwei  Molecüle,  wovon  wir  das 
eine  aber  der  Oberfläche  der  Erde  so  befestigt,  dafs  es  sich  der 
Erde  nicht  nähern  kann,  das  andere  aber  an  jenes  Molecül  nur 
durch   <tie  Cohasion  gefesselt   denken   wollen,    sich   nicht   von 

1* 


^,  1 .     Molecularpliysik. 

einander  trennen,  warum  letzteres  nicht  durch  die  grofse  Masse 
der  Erde  so  stark  angCEOgen  wird,  dafs  es  dieser  sich  zu  bewegt. 
Um  dies  zu  erklären,  bedarf  Hr.  Seguin  der  Annahme,  dafs 
z.B.  eine  Kugel,  deren  Durchmesser  120  Molecüle  enthält,  nur 
aus  etwa  2160  Molecülen  besteht.  Denkt  man  sich  nun  zwei 
solcher  Kugeln  auf  einander  wirkend,  so  wird  ihre  Anziehung 
ausgedrückt  werden  können  durch  1,  wenn  man  die  Masse  der 
Kugeln  =  1  und  die  Entfernung  ihrer  Cenlra  =  1  setzt.  Nach 
dem  NEWTON*schen   Gesetz  wäre  dann   nämlich  die  Anziehung 

=  _^  =r  1;  die  Anziehung  der  einzelnen  Molecüle,  die  sich  zu- 
nächst  beGnden,    wird    aber    bei    den    obigen    Voraussetzungen 

^^i"  mö'imi^  w  =  ^>^^'  "''^  '^'''  s'^^'^'  '•'  ""'^  ^""^ 

Ziehung  zweier  Massen. 

Durch  diese  Betrachtung  will  Hr.  Seguin  die  Erscheinung 
erklären,  weshalb  die  Erde  die  auf  sie  fallenden  Körper  nicht 
so  stark  anzieht,  dafs  sie  nur  durch  eine  solche  Kraft  wieder 
von  ihr  entfernt  werden  können,  durch  welche  z.  B.  ein  Stück 
von  einem  anstehenden  Granitfelsen  losgetrennt  werden  kann. 
Er  sucht  den  Grund  für  diese  Erscheinung  darin,  dafs  die  Mo- 
lecüle nicht  gleichmäfsig  in  der  Masse  der  Körper  vertheiit  sind, 
und  daher  die  Anziehung  nicht  entsprechend  der  Zahl,  welche 
ausdrückt,  wie  oft  das  Volum  der  Molecüle  in  dem  Volum 
der  Masse  enthalten  ist,  sondern  der  Anzahl  der  in  der  letz- 
teren enthaltenen  Molecüle  gemäfs  wächst,  während  es  viel 
näher  gelegen  haben  würde  anzunehmen,  dafs  die  Vertheilung 
der  Molecüle  in  der  Masse  der  Körper  gleichmäfsig  sei  (zur 
Erklärung  der  ungleichmäfsigen  Anordnung  derselben  würde 
es  der  Annahme  einer  besonderen  Kraft  bedürfen),  dafs  aber 
der  Annäherung  der  Massen  bis  zu  der  Nähe,  in  welcher  sich 
die  Molecüle  befinden,  sieb  Hindernisse  entgegensetzeni  die  nur 
unter  besonderen  Umständen  überwunden  werden  können.  Da 
die  Anziehung  mit  den  Quadraten  der  Entfernung  abnimmt,  so 
mufs  dadurch,  dafs  die  Massen  dem  Molecül  aufser  ihnen  sich 
nicht  bis  zu  der  Nähe,  in  welcher  sich  die  Molecüle  in  einem 
Körper   befinden,    nähern    können,    die    Anziehung   der    Massen 


S^GiriN.     CiAiroix.  5 

gegen  die  Molecüle  geringer  werden  können  als  die  Anziehung 
der  Molecüle  unter  sich.  Jene  Hindernisse  sind  die  Uneben- 
heilen  der  Oberfläche  der  Körper,  namentlich  aber  die  auf  der 
Oberfläche  derselben  condensirten  Gase.  Denken  wir  uns,  es 
stlüide  irgendwo  metallisches  Blei  an,  so  würde  ein  anderes  darauf 
gelegtes  Stück  Blei  nicht  daran  haften,  selbst  dann  nicht,  wenn 
beide  Bleimassen  mit  genau  ebenen  Flächen  auf  einander  gelegt 
wären.  Die  dazwischen  beGndliche  Luft  hindert  die  Annäherung 
bis  zu  der  Nähe,  dafs  die  sich  zunächst  befindlichen  Atome  sich 
mit  der  Stärke  der  Cohäsionskraft  anziehen  könnten.  Schiebt 
man  aber  das  bewegliche  Stück  Blei  so  über  das  mit  der  Erde 
verbundene  stark  aufdrückend  hinweg,  dafs  die  auf  beiden  Ober- 
flächen befindlichen  condensirten  Luftschichten  entfernt  werden, 
so  ist  durch  diese  Operation  ersteres  mit  letzterem  zu  einer  Masse 
verbunden.  Man  hat  durch  die  Entfernung  der  Luftschichten  die 
Annäherung  der  Molecüle  bis  zu  dem  Grade  ermöglicht,  dafs 
die  Anziehung  derselben  die  Stärke  der  Cohäsionsanziehung  er- 
reicht. 

Hierdurch  scheint  mir  die  Grundannahme  von  Hrn.  Seguin 
so  vollständig  unnütz  um  die  Möglichkeit  der  Anwendung  des 
NewTON^schen  Gesetzes  auch  auf  die  Cohäsionserscheinungen 
anschaulich  zu  machen,  dafs  ich  auf  die  Einzelheiten  des  Auf- 
salzes weiter  einzugehen  für  zwecklos  halle.  Hn, 


A.  Gaudin.  Septieme  memoire  sur  le  groupement  des  atomes 
dans  les  molecules,  et  sur  les  causes  les  plus  intimes 
des  formes  cristallioes.     c.  R.   xxxiv.   168-170*;  Arch.  d. 

Pharm.  (2)  LXXI.  172-173;  Cliem.  C.  Bl.  1852.  p.  251 -252. 
Hr.  Gaudin  glaubt  nach  mehr  als  zwanzigjährigen  Bemühun- 
gen die  Principien  gefunden  zu  haben,    welche  die  Aneinander- 
lagerung  der  Atome  zur  Bildung  von  Molecülen  und  der  Molecüle 
zur  Bildung  von  Krystallen  regeln.     Diese  Principien  sind: 

1)  Mit  Ausnahme  der  vieratomigen  Molecüle  einiger  einfacher 
Körper  sind  alle  Molecüle  ohne  Ausnahme  aus  Reihen  von  Ato- 
men zusammengesetzt,  die  der  wirklichen  oder  angenommenen 
Axe  des  Molecüls  parallel  sind. 


ß  1.    Moleciilarpbysik. 

2)  Aufser  dem  cubischen  System  sind  alle  Krystalle  ohne 
Ausnahme  aus  Molecülen  zusammengesetzt^  deren  wirkliche  oder 
angenommene  Axen  unter  sich  parallel  sind»  d.  h.  den  Reihen 
von  Atomen  parallel,  welche  die  Molecüle  bilden. 

3)  Aufser  den  Molecülen  in  rhomboidalen  und  geraden  recht- 
winkligen Prismen  schneiden  sich  die  geraden  Linien,  welche  die 
wirklichen  oder  angenommenen  Mittelpunkte  der  Atomreihen  in 
den  Molecülen,  oder  der  Molecüle  in  den  Krystallen  verbinden, 
unter  Winkeln  von  90^  und  60^ 

4)  Mit  Ausnahme  der  ebenen,  tetrat^'drischen,  cubischen,  rhom- 
bisch- oder  rectangulär-prismalischen  Molecüle  sind  alle  Molecüle 
Doppelpyramiden  von  3,  4,  6  Seitenflächen,  bei  denen  die  ent- 
sprechenden Prismenflächen  vorkommen  können  oder  nicht.  Diese 
Doppelpyramiden  gruppiren  sieh  in  dem  hexagonalen  ^Systeme 
zu  dreien  und  sechsen  um  eine,  in  dem  quadratischen  ^u  vieren 
und  achten  um  eine,  mit  und  ohne  Umgebung  von  linearen  Mo- 
lecülen erster  Ordnung,  um  zusammengesetztere  Molecüle  zu 
erzeugen,  welche  ihrerseits  Tafeln  oder  drei-,  vier-,  sechsseitige 
Prismen  mit  abgestutzten  Doppelpyramiden  darstellen. 

Der  Hr.  Verfasser  m^ht  sodann  auf  die  wichtige  RoUe  auf- 
merksam, welche  die  linearen  Molecüle  erster  Ordnung  spielen, 
die  aus  einem  Atom  einer  Art  und  zweien  einer  anderen  beste- 
hen, welche  letztere  ersteres  so  einschliefsen ,  dafs  alle  drei  in 
einer  geraden  Linie  liegen.  Zu  den  linearen  Molecülen  erster 
Ordnung  rechnet  derselbe  die  Molecüle  des  Wassers,  der  Kiesel- 
säure {SiO*)y  der  Kohlensäure,  des  Kohlenwasserstoffs  etc.  Die* 
ses  lineare  Molecül  erster  Ordnung  soll  nach  ihm  der  Erzeuger 
aller  zusammengesetzten,  mit  einem  Centrum  versehenen  Mole- 
eüle  sein.  Es  kommt  wenigstens  einmal  in  den  einfachsten  Mo- 
lecülen vor,  deren  Axe  es  bildet,  und  eben  so  viel  Mal,  als  die 
Basis  Seiten  hat,  senkrecht  auf  die  Axe,  mit  Ausnahme  des 
gleichseitigen  Dreiecks^ 

Die  Beweise  für  seine  Theorie  findet  Hr.  Gaudin  in  einer 
Keihe  von  Erscheinungen  bei  den  krystallisirten  Mineralien,  na- 
mentlich bei  dem  Arragonii,  Kalkspath,  Gyps  und  dem  Feldspath, 
deren  Zusammenhang  aber  mit  jener  Theorie  durch  die  kurzen 
Andeutungen^  die   derselbe  giebt»   meist  nicht  verständlich  wird. 


Dkvillk.  *j 

Endlich  Wendel  er  dieselbe  auf  die  Reihe  der  vier  Atome  Sauer- 
stoff enthaltenden  organischen  Säuren  an,  von  denen  er  sagt,  dafs, 
wenn  man  die  Atome  derselben  ersetze  durch  Atome  Kalium 
oder  Natrium,  Aluminium,  Silicium  und  Sauerstoff,  man  in  diesen 
organischen  Verbindungen  die  Molecularformen  der  Feldspathe, 
der  Glimmer,  des  Pyromorphits,  des  Cordierits  und  der  Zeolithe 
des  Mineralreichs  wiederfinde,  eine  Behauptung,  die  bei  der  man- 
gelnden weiteren  Auseinandersetzung  vollständig  unverständlich 
ist,  und  daher  sich  jeder  Beurtheilung  entzieht  Hr.  Gaudin  ist 
der  Meinung,  daCs  diese  neue  Anwendung^  welche  er  von  seiner 
Theorie  macht,  zeige,  welch  mächtiges  Hülfsmittel  sie  sein  würde 
zur  Sicherstellutig  der  Analysen,  wenn  man  endlich  dahin  käme, 
ihre  Wahrheit  anzuerkennen.  ßn^ 


C.  S.  C  Dbville.  Recherches  sur  le  dimorphismc  et  sur  les 
transformalious  du  soufre.  CR. XXXIV.  56i -564t;  Inst.  1852. 
p.  113-114;  Erdmakn  J.  LVL  363 -366t;  Chem.  C.  BK  1852. 
p.  529-530*;  Arch.  d.  Pharm.  (2)  LXXII.  188-189. 

Hr.  Devillb  hat  gefunden,  dafs  beim  Erkalten  fast  gesät- 
tigter Lösungen  von  Schwefel  in  Benzol  anfänglich  (bei  80®  bis 
93"  C.)  nur  wenig  Schwefel  in  Oktaedern,  die  gröfste  Masse  da- 
gegen in  schiefen  rhombischen  Prismen  anschiefst.  Jene  Rrystalle 
bleiben  durchsichtig,  diese  werden  sogleich  undurchsichtig,  nament- 
lich schnell,  wenn  man  sie  berührt,  indem  sie  sich  im  Innern  in 
die  oktaedrische  Form  umwandeln.  Die  bei  dieser  Umwandlung 
entwickelte  Wärme  hat  Hr.  Deville  an  dem  aufsteigenden,  ver- 
schieden das  Licht  brechenden  Flüssigkeitsstrome  erkannt,  welcher 
sich  von  dem  in  Umwandlung  begrilTenen  Krystalt  erhebt. 

Abscheidung  von  Prismen  aus  solcher  Lösung  des  Schwe- 
fels findet  oft  noch  bei  26"  oder  27"  C.  reichlich  statt.  Unter 
^2"  C.  bilden  sich  jedoch  nur  Oktaeder. 

Hr.  Devillb  liefs  ferner  Schwefel,  der  längere  Zeit  in  einem 
Oelbade  über  300*  C.  erhitzt  worden  war,  nachdem  er  ein  Ther- 
mometer mit  sehr  kleiner  Kugel  in  die  flüssige  Masse  getaucht 
halle,     allmälig    erkalten.      Er    beobachtete    die    Secundenzahl, 


8  J.     Moleciilnrpliysik. 

welche  verflofs,  während  die  Masse  sich  um  5«  C.  abkähite. 
Die  Rcsultale  dieser  Versuche  sind  in  folgender  Tabelle  zusam- 
mengernfst: 

5"  C.  Temperalur-  5«  c.  Tcmpcmlur- 
Tcmperatiir.           crn.edr.gung    cnt-  Xcmncralur             crnicdrigung    ent- 
sprechende bcc.in-  icmpcraiur.            sprechende  Seciin- 
••cnzahl.  denzahl. 

39"  Von  J70»auf  165"  58" 

40  -  165  -  160  47 

45  -  160  -  155  78 

•'>2  -  155  -  150  104 

54  -  150  -  145  125 

56  -  145  -  140  77 

57  -  140  -  135  70 

58  -  135  -  130  75 
65  -  130  -  125  80 
72  -  125  -  120  84 
76  -  120  -  115  91 
74  -  115  -  110  111 
68 

Aus  dieser  Tabelle  folgt,  dafs  die  Abkühlungszeit  Anfangs 
sich  ziemlich  bedeutend  verlängert,  bei  etxva  165"  wieder  auf 
den  Normalwerlh  herabsinkt,  und  dann  plötzlich  bei  etwa  150" 
wiederum  sehr  stark  sich  ausdehnt. 

Hr.  Deville  meint,  diese  Erscheinung  könne  dadurch  ver- 
ständlich werden,  wenn  man  annimmt,  der  Schwefel  gehe  von 
den  höchsten  bis  zu  den  niedrigsten  Temperaturen  durch  ver- 
schiedene Gleichgewichtszustände,  in  denen  die  Molecüle  in  dem- 
selben sich  näher  kommen  oder  von  einander  entfernen. 

Da  von  der  Entfernung  der  Molecüle  von  einander  in  einem 
Korper  das  specifische  Gewicht  desselben  abhängig  ist,  so  hätte 


Von 

290» 

auf  280« 

- 

280 

-  270 

- 

270 

-  260 

- 

260 

-  250 

- 

250 

-  240 

- 

240 

-  230 

- 

230 

-  220 

- 

220 

-  210 

- 

210 

-  200 

- 

200 

-  190 

- 

190 

-  180 

- 

180 

-  175 

- 

175 

-  170 

BaAME.      O*EsT0G9U0I8.  9 

Braue.     Experieoces   sur  la  formaliou  des  vesicules  et  des 

Utricules.      inst.  1852.  p.  207-208+. 

Hr.  Brahb  macht  eine  grofse  Reihe  von  Versuchen  bekannt, 
welche  den  Zweck  haben  einige  Umstände  zu  erforschen,  die 
die  gegenseitige  Anordnung  der  beim  Verdunsten  der  Körper  sich 
absetzenden  Bläschen  (vesicules)  oder  Zeltchen  (utricules),  die 
Bildung  der  Dendriten  durch  Wärme,  die  der  einfachen  oder 
concentrischen  Cycliden,  die  der  Ringe  etc.  bestimmen. 

Die  Versuche  sind  zu  mannigfach,  als  dafs  sie  sich  im  Aus- 
zuge wiedergeben  liefsen.  Auch  hat  der  Hr.  Verfasser  keine 
allgemeine  Theorie  zur  Erklärung  von  allen  oder  von  Gruppen 
der  beobachteten  Erscheinungen  aufgestellt,  so  dafs  sie  noch  ganz 
zusammenhangslos  erscheinen.  Diejenigen,  welche  sich  für  den 
eigenthümlichen  Zustand  der  Materie,  den  Hr.  Brame  zum  Gegen- 
stande seiner  Forschungen  gemacht  hat,  interessiren,  müssen  daher 
auf  seine  eigenen  Angaben  verwiesen  werden.  Dieselben  finden 
übrigens  eine  gedrängte  Zusammenstellung  der  Resultate  auch  der 
früheren  Arbeiten  des  Hrn.  Bramb  in  dem  Commissionsbericht 
des  Hm.  Dufrenoy  (C.  R.  XXXVI.  p.463),  woselbst  auch  die 
Citate  der  Arbeiten,  auf  welche  derselbe  sich  bezieht,  angegeben 
sind.  Hn. 


d'Estocqüois.     Note  sur  rallraction  moleculaire.    C.  R.  XXXIV. 

475-475+;  Inst.  1852.  p. 99-99+;  Cosinos  !!.  315-316+. 

Nach  Hrn.  d'Estocquois  ist  die  Molecularanziehung  eine  Kraft 
von  unbekannter  Natur,  welche  die  Theile  der  Körper  einander 
zu  nähern  oder  von  einander  zu  entfernen  sucht,  und  die  in  den 
festen  Körpern  von  der  Form  der  Molecüle  und  der  Richtung 
ihrer  Axen  abhängig  ist.  Bei  den  zähen  Flüssigkeiten  haben  die 
Molecüle  noch  das  Bestreben^  sich  nicht  gegen  einander  zu  ver- 
schieben, wogegen  bei  den  eigentlich  flüssigen  Körpern  und  den 
Gasen  dies  Bestreben  unmerklich  wird.  Hr.  d'Estocquois  be- 
trachtet daher  einen  Körper  letzterer  Art  als  ein  System  mate- 
rieller Punkte;   welche  dem  Einflufs  der  Schwere  und  gegensei- 


10  i«     Molecttlarpliygik. 

iiger  Attractionen  und  Repulsionen  unterworfen  sind,  welche 
letztere  in  der  Richtung  der  Verbindungslinie  jener  Punkte  wir- 
ken. Von  der  Wirkung  zweier  Punkte  auf  einander  weifs  man 
nur,  dafs  sie  von  der  Entfernung  letzterer  abhängig  ist.  Herr 
d'Estocquois  versucht  einiges  Licht  auf  die  Form  der  Function 
zu  werfen,  welche  das  Gesetz  für  jene  Wirkung  ausdrückt. 

Er  findet  für  sie  eine  Bedingung,  welche  sie  erfüllen  mufs^ 
die  aber  nicht  weiter  genannt  wird,  und  durch  Prüfung  dieser 
Bedingung  wird  er  zu  folgendem  Lehrsatz  geführt: 

Wenn  alle  Molecüle  im  umgekehrten  Sinne  einer  und  der- 
selben Potenz  des  Abstandes  sich  anziehen  oder  abstofsen,  so 
kann  der  flüssige  Zustand  nur  existiren,  wenn  diese  Potenz  die 
zweite  ist.  Dieser  Satz,  so  wie  die  übrigen  Folgerungen,  schei- 
nen anzudeuten,  dafs  die  Molecularanziehung  dem  Gesetz  des 
umgekehrten  Verhältnisses  der  Quadrate  der  Entfernung  folgt. 
Dieser  letztere  Schlufs  würde  nur  Anwendung  finden  auf  die 
gegenseitigen  Wirkungen  wägbarer  Theile  und  auf  die  auf  diese 
von  den  sogenannten  imponderabelen  Theilen  ausgeübten  Wir- 
kungen* 

Es  ist  zu  bedauern,  dafs  die  Begründung  der  Aussprüche 
des  Hrn.  d'Estocquois  vollständig  fehlt,  so  dab  man  sich  jedes 
Urtheils  über  dieselben  enthalten  mufs,  Ihi. 


i.  N.  V.  Fuchs.  Theoretische  Bemerkungen  über  die  Gestal- 
tungszustände  des  Eisens.  Münclin.  Abh.  VH.  i.  p.  3-15; 
D1N6LBR  J.  CXXIV.  346-355+;  Cliem.  Gaz.  1853.  p.  94-96;  Schweiz. 
Gewerbebl.  1852.  Sept.;  Chein.  C.  Bl.  1852.  p.  497 -502+ ;  Pbil. 
Mag.  (4)  V.  389-391*;  Pogg.  Ann.  LXXXVI.  159-160+;  LiZBie 
Ann.  LXXXIV.  257-258*;  Mecli.  Mag.  LVII.  255-256;  Arcb.  d. 
Pharm.  (2)  LXXH.  190-195*;  Fichmir  C.  Bl.  1854.  p.  41-46; 
Repert.  of  pat.  inv.  (2)  XXII.  379-382. 

Obgleich  man  es  schon  seit  langer  Zeit  als  ausgemacht 
betrachtet y  dafs  der  KohlenstoiTgehalt  es  wesentlich  ist,  welcher 
das  Stabeisen,  den  Stahl  und  das  Roheisen  unterscheidet,  stellt 
doch  Hr.  v.  Fuchs  die  Ansicht  auf,  dafs  vielmehr  nur  die  Kry- 
stailform,   ii;i  der  das  Eisen  sich  abscheide,   die  verschiedenen 


T.  Fuchs.    Bhame.  4  \ 

physikalischen  Eigenscharten  jener  Eisensorten  bedinge.  Er  nimmt 
an,  das  Eisen  sei  dimorph.  Im  Stabeisen  sei  es  in  Formen  des 
regulären  Systemes  krystaliisirt ,  im  Roheisen  wahrscheinlich 
rhomboedrisch.  Der  Stahl  sei  eine  Legirung  der  tesseralen  und 
rhomboedrischen  Form.  Die  letztere  Form  kann  nicht  mit  Sicher- 
heit  festgestellt  werden,  da  die  Flächen,  die  beim  Zerschlagen 
des  Spiegeleisens  entstehen,  nicht  mehr  SpaltungsflSchen  sind. 
Denn  wie  Hr.  v.  Fuchs  angiebt,  sind  dieselben  nicht  unter  ein- 
ander parallel.  Ein  dritter  Zustand  des  Eisens  endlich  tritt  nach 
demselben  ein,  wenn  man  es  bis  zur  Schweifshilze  erwärmt.  Da- 
durch >vird  es  amorph. 

Den  Kohlenstoff  im  Roheisen,  selbst  im  Spiegeleisen  hält 
Hr.  T.  Fuchs  nicht  für  chemisch  gebunden.  Er  bewirke,  meint 
er,  nur  dadurch  die  Bildung  des  rhomboedrischen  Eisens,  weil 
er  selbst  rhomboedrisch  krystallisirt,  und  daher  die  im  Eisen  Iie-> 
gende  Disposition,  in  dieser  Form  zu  krystallisiren,  weckt.  Er 
übersieht  gänslich,  dafs  beim  Auflösen  des  Spiegeleisens  in  con- 
centrirter  Salzsäure  fast  der  ganze  Kohlengehalt  in  Form  eines 
Kohlenwasserstoffs  ausgetrieben  wird,  was  nicht  der  Fall  sein 
konnte,  und  in  der  That  nicht  der  Fall  ist,  wenn  die  Kohle  als 
Graphit  dem  Eisen  nur  beigemengt  ist.  Chemisch  gebunden 
mufs  also  Kohlenstoff  in  dem  Spiegeleisen  und  auch  im  Roheisen 
sein,  und  diese  Verbindung  kann  nicht  die  Eigenschaften  des  Ei- 
sens selbst  haben,  mufs  daher  einen  Einflufs  auf  die  Eigenschaf- 
ten solchen  Eisens  ausüben,  dem  sie  beigemengt  ist 

Damit  ist  die  Unmöglichkeit  des  Dimorphismus  des  Eisens 
nicht  erwiesen.  Indessen  hat  Hr.  v.  Fuchs  doch  nicht  genügende 
Beweise  dafür  beigebracht.  Hn. 


C  Brave.  Recherches  sur  les  dcnsilös  du  soufre.  Inst.  1852. 
p.192-J93t;  CR.  XXXV.  748-749t;  Cliem.  C.  131.  1853.  p.46-47*; 
Phil.  Mag*  (4)  V.  149-150*;  Arch.  d.  Pharm.  (2)  LXXIV.  42-43t. 

Hr.  Bramb  hat  Versuche  gemacht  über  die  Dichtigkeit  des 
Schwefels  in  seinen  verschiedenen  Zuständen,  die  aber  nichts 
wesentlich  Neues  enthalten.    Sie  sind  mit  dem  Zweck  angestellt, 


]  2,  1  •     Molecularphysik. 

die  Ansicht  des  Hrn.  Verfassers  über  die  eigenthiuniichen  Mole- 
cularzustünde  der  Körper,  die  er  Ulricular-  und  Vesicularzuslände 
nennt,  als  von  wesentlichem  Einflufs  auf  gewisse  physikalische 
Eigenschaften,  namentlich  auf  das  specifische  Gewicht,  darzustel- 
len. Er  meint,  dafs  nicht  der  Dimorphismus  des  Schwefels, 
sondern  sein  ütricularzustand  als  die  Ursache  der  Veränderungen 
der  physikalischen  und  chemischen  Eigenschaften  zu  betrachten 
ist,  welche  der  Schwefel  in  seinen  verschiedenen  Zuständen 
zeigt.  Hu. 


A.  Kbnngott.  lieber  ein  bestimmtes  Verhällnifs  zwischen 
dem  Atomgewichte,  der  Härte  und  dem  speciüscheo  Ge- 
wichte isomorpher  Minerale.  Jahrb.  d.  geol.  Reichsanst.  1852. 
4.  p.  104 -lief. 

In  dieser  Arbeit  vergleicht  Hr.  Kenngott  eine  Reihe  iso- 
morpher Mineralien,  so  wie  einige  Elemente,  in  Bezug  auf  ihr 
Atomgewicht,  ihre  specifischen  Gewichte  und  ihre  Härte.  Bei 
dieser  Vergleichung  hat  sich  ergeben,  dafs  bei  folgenden  iso- 
morphen Mineralien  das  Atomvolum,  d.  h.  das  Atomgewicht  divi- 
dirt  durch  das  specifische  Gewicht,  im  umgekehrten  Verhältmfs 
ihrer  Härte  steht: 

1)  Rotheisenstein  und  Korund. 

2)  Bleiglanz  und  Silberglanz. 

3)  Manganblende  und  Zinkblende. 

4)  Hauerit  und  Pyrit. 

5)  Pyrrhotin  und  Greenockit. 

6)  Steinsalz  und  Salmiak. 

7)  Hornsilber  und  Jodsilber. 

8)  Diaspor  und  Pyrrhosideril. 

9)  Spinell  und  Magneteisenerz. 

10)  WoUastonit  und  Rhodonil. 

11)  Scheelit  und  Scheelbleispath. 

12)  Arcanit  und  Karstenit. 

13)  Arcanit  und  Anglcsit. 

14)  Arcanit  und  Schwerspath. 


Kbnngott.  ^3 

15)  x\i*canit  und  Cölestin. 

16)  Kalkspaih  und  Talkspalh. 

17)  Kalkspath  uiid  Eisenspatli. 

18)  Kalkspaih  und  Manganspalh. 

19)  Kalkspaih  und  Zinkspalh. 

20)  Arragonit  und  Cerussit., 

21)  Wilherit  und  Arragonit. 

22)  Uranit  und  Chalkolilh. 

23)  Apalit  und  Pyromorphit 

24)  Pyromorphit  und  Mimetesit. 

25)  Apalit  und  Mimetesit. 

Auch  die  folgenden  Mineralien  sind  der  allgemeineren  An- 
nahme jenes  Gesetzes  für  alle  isomorphen  Mineralien  nicht  ent- 
gegen* Bei  ihnen  ist  das  Atomvolum  nahezu  gleich,  also  auch 
die  Härte. 

1)  Pyrrhotin  und  Millerit. 

2)  Karstcnit  und  Anglesit. 

3)  Cölestin  und  Anglesit. 

4)  Cölestin  und  Karslenit. 

5)  Schwerspalh  und  Karslenit. 

6)  Bittersalz  und  Zinkvitriol. 

7)  Talkspalh  und  Zinkspalh. 

8)  Strontianit  und  Cerussit. 

9)  Vivianit  und  Erylhrin. 

10)  Vivianit  und  Nickelblüthe. 

11)  Nickelblüthe  und  Erylhrin. 

Bei  Gold  und  Silber  ist  sowohl  die  Härte  als  das  Atomvolum 
nahezu  gleich.  Beim  Silber  und  Quecksilber,  Silber  und  Eisen, 
Iridium  und  Platin,  Eisen  und  Diamant  stehen  sie  aber  im  um- 
gekehrten Verhältnifs  zu  einander. 

Die  Ursache  dieser  Gesetzmäfsigkeit  streng  ableiten  zu  wol- 
len, wäre  ein  müfsiges  Unternehmen,  da  dazu  die  Kenntnifs  der 
molecularen  Constitution  der  Krystalle  nöthig  wäre,  welche  wir 
nicht  erlangt  haben,  und  schwerlich  kennen  lernen  werden. 

Hr.  Kennqott  giebt  aber  seine  Vorstellungsweise  von  dem 
Grunde  dieser  Gesetzmäfsigkeit.  Er  nimmt  nämlich  an,  dafe  die 
Atome  eine  gewisse  Compressibilität,   ähnlich   wie  die  Massen, 


f4  ^*     Coliättioa  und  Adhäsion. 

besitzen,  d.h.  dafs  ihr  Volum  sich  ändern  kann,  je  nach  der 
Wirkung,  welche  die  damit  verbundenen  Atome  darauf  ausüben. 
Je  gröfser  diese  Wirkung  ist,  desto  kleiner  wird  das  Volum 
werden,  aber  um  so  gröfsere  Kraft  mufs  erforderlich  sein,  um 
die  Theilchen  von  einander  zu  trennen,  d.  h.  desto  gröfser  ist 
die  Härte. 

Wenn  ich  auch  dieser  Erklärungsweise  mich  vollständig  an- 
schliefige,  so  kann  ich  doch  der  Ansicht  nicht  huldigen,  wonach 
die  Atome  in  Gestalt  und  Grofse  veränderlich  sein  sollen,  weil 
jene  Gesetzmäfsigkeit  sich  auch  deuten  läfst,  wenn  man  unver- 
änderliche aber  durch  die  geringere  oder  grölsere  Ansiehung  sich 
mehr  oder  weniger  entfernt  von  einander  haltende  Atome  an- 
nimmt. 

Hr.  Kbmnoott  widmet  der  Rechtfertigung  der  Ansicht  von 
dem  Leben  der  Krystallindividuen  einen  Theil  seines  Aufsatzes, 
bedenkt  aber  nicht,  dafs  alles  Leben  nicht  nur  die  Kraft  seiner 
Erhaltung,  sondern  auch  den  Keim  seines  Vergehens  nothwendig 
in  sich  trägt,  was  bei  den  Krystallindividuen  nicht  der  Fall  ist, 
die  nur  durch  äufsere,  zufällige  Einflüsse  als  solche  vernichtet 
werden.  Hn. 


2.    Cohäsion  and  Adhäsion. 


E.  FiLHOL.  Recherches  sur  le  pouvoir  d6coloranl  du  char- 
bon  et  de  plasiears  autres  corps.  Ann.  d.  diim.  (3)  XXXV. 
206-221+;  C.  R.  XXXIV.  247-248;  Inst.  1852.  p.51-51;  Pooe. 
Ann.  LXXXVI.  330-332;  Arcb.  d.  sc.  phys.  XIX.  315-317;  Erdmann 
4.  LV.  475-476;  Arch.  d.  Pharm.  (2)  LXXI.  178-179;  Chem.  C.BI. 
1852.  p.  211-212;  Chem.  Gaz.  1852.  p.  154-155;  DuoLiaJ.  CXXIV. 
450-452. 

Hr.  FiLHOL  erwähnt  die  früher  allgemein  herrschende  An- 
sicht,  dafs  die  Kohle  der  einzige  einfache  Körper  sei,    der  die 


FiLHOL.  { l\ 

Eigenschaft  habe  in  FiOssigkeiien  aurgelösle  Farbestofle  aurzu- 
nehmen,  und  dafs  nach  Versuchen  von  Bussy  und  Payen  der 
Grad  der  Verlheilung  einen  Einflufs  auf  das  Entffirbungsvermögen 
der  Kohle  ausübe;  dafs  die  Kohle  den  Flüssigkeiten  auch  einen 
Theil  der  darin  gelösten  nicht  färbenden  Substanzen  entziehe; 
dab  zusammengesetzte  Körper  ebenfalls  Flüssigkeiten  entfärben 
können  als  wie  Seide,  Leinwand  etc.,  eine  Eigenschaft,  welche 
diese  Körper  mit  einigen  zur  Darstellung  der  Lackfarben  benutz- 
ten Metalloxyden,  als  z.B.  Thonerde,  Zinnoxyd  etc.  theilen; 
dafs  nach  der  Ansicht  der  meisten  Chemiker  die  Wirkung  dieser 
Oxyde  auf  Farbstoffe  verschieden  von  der  der  Kohle  sei;  letz- 
tere sei  rein  physikalisch,  indefs  erstere  eine  chemische  Einwir- 
kung sei,  wie  denn  auch  einige  zum  Fixiren  der  Farben  benutz- 
ten Sabe  eine  chemische  Wirkung  haben.  Nachdem  er  noch 
eine  Stelle  citirt  hat,  aus  welcher  hervorgeht,  dafs  Bbrzblius 
eine  von  der  herrschenden  Ansicht  abweichende  Meinung  über 
die  Wirkung  der  Kohle  gehabt  habe,  stellt  er  folgende  Sätze 
auf,  die  zu  beweisen  Zweck  seiner  Abhandlung  ist: 

1)  Die  Kohle  ist  nicht  der  einzige  einfache  Körper,  der  im 
Stande  ist,  Flüssigkeiten  zu  entfärben. 

2)  Die  Zahl  der  mit  Entfärbungskraft  begabten  einfachen 
Körper  ist  grö&er  als  man  denkt,  und  diese  Kraft  hängt  von 
physikalischen  und  nicht  von  chemischen  Eigenschaften  dieser 
Körper  ab. 

3)  Der  Grad  der  Vertheilung  übt  einen  grofsen  Einflufs  auf 
das  Entfarbungsvermögen  einer  jeden  Substanz  aus. 

4)  Ein  Körper  kann  sehr  grofse  Neigung  haben,  sich  mit 
einem  Farbstoff  zu  verbinden,  indefs  er  wenig  Neigung  zu  einem 
andern  hat  Hat  man  nun  vergleichungsweise  die  Einwirkung 
verschiedener  Körper  auf  gefärbte  Flüssigkeiten  festgestellt,  so 
sind  die  beobachteten  Verhältnisse  nicht  mehr  dieselben,  wenn 
die  Natur  der  färbenden  Substanz  verändert  wird. 

5)  Die  Entfärbung  ist  in  den  meisten  Fällen  eine  physika- 
lische Erscheinung  und  nur  in  den  seltensten  Fällen  das  Resultat 
einer  chemischen  Einwirkung. 

6)  Diese  Eigenschaft  kann  in  der  analytischen  Chemie  und 
in  der  Industrie  eine  nützliche  Anwendung  finden;  ebenso  gestat- 


]Q  2.     Cohäsion  und  Adiiasion. 

tet  sie  mehrere  beobaclitetc  Thatsachen  zu  erklären,  von  denen 
man  sich  bis  dahin  keine  Rechenschaft  geben  konnte. 

Die  zu  den  Versuchen  verwandten  gefärbten  Flüssigkeiten 
sind  folgende: 

Lackmustinktur. 
Indigschwefelsaures  Natron. 
Brasilienholzdekoct. 
Rolhwein. 
Melasse. 
Die   Versuche   wurden  zuweilen   bei  gewöhnlicher  Temperatur, 
zuweilen   mit    Anwendung    von   Wärme   angestellt.      Bei    allen 
Versuchen  wurde  ein  bestimmtes  Volumen  der  Flüssigkeit  mit 
^  ihres  Gewichtes  der  entfärbenden  Substanz  gemengt,  und  das 
Gemenge   nach  einer  bestimmten,  bei   allen  Versuchen  gleichen 
Zeit  auf  ein   Filtrum  gebracht.     Die   filtrirte  Flüssigkeit  wurde 
nun  mit  einer  Normalflüssigkeit  vermittelst  des  Colorimeters  von 
CoLLARDBAü  verglichen.     Der   Hr.  Verfasser   nahm   hierbei   an, 
dafs,  wenn  die  Färbung  der  beiden  Flüssigkeiten  in  den  beiden 
Gläsern  dieselbe  sei,    die  Intensität  der  Färbung  sich  umgekehrt 
verhalte  wie  die  Dicke  der  Flüssigkeitsschicht,  durch  welche  die 
Beobachtung  angestellt  wurde. 

Die  nächstfolgende  Tabelle  zeigt  die  Resultate  der  Versuche, 
welche  mit  Lackmustinktur  in  der  Kälte  und  bei  erhöhler  Tem- 
peratur erhalten  wurden. 

Durch  100  wird  die  Entfärbungskraft  der  thierischen  Kohle 
repräsentirt,  die  kalt  mit  ChlorwasserstofTsäure  und  destiliirtem 
Wasser  ausgewaschen  worden  ist. 

Bei  den  mit  Anwendung  von  Wärme  «angestellten  Versuchen 
wurde  die  Substanz  genau  mit  der  Flüssigkeit  gemengt,  und  dann 
so  lange  mit  derselben  in  Berührung  gelassen,  als  nölhig  war, 
um  dieselbe  bis  zum  Kochen  zu  erhitzen,  unmittelbar  hiernach 
wurde  die  Flüssigkeit  fillrirt  und  dann  nach  dem  Erkalten  beob- 
achtet. Alle  Flüssigkeiten  wui'den  beim  Erwärmen  möglichst 
gleichen  Einflüssen  unterworfen. 


FiLHOL, 


17 


Name  der  Substanz. 


Zahld-Tbeilstriche 
am  Colorimeter. 
Nor- 

Entßrbte 
Flüssigkeit. 


mal- 

Oössig- 

keit. 


Färbungs- 
intensitat 

in  der 
entfärbten 
Flüssigkeit. 


Wirkliche 

Entfar- 

bungskraft. 


Lackmastinctar  (in 

Kohle 

R'*ine8  Kiaenoxydhydrat  .     • 

Goldscbwefel 

Thonerde    

Magnesia  

Phosphorsanre  Kalkerde  .     . 
Durch  Wasserfitoff  reducirtes 

Eisen 
Kunstlich  dargestelltes  Arse- 

niksulphiir  (?i 
Natürliches  Mangansuperoxyd 

Indigo 

Zinkoxyd     

Natürliches  Kisenoxydhydrat 

Zinnsaure    

Chromsaores  Bleioxyd      .     . 

Bleiglätte 

Mennige 

Jodblei 

Antimonsaure 

Nat&rlichos  Schwefelantimon 
Schwefelsaures  Bleioxyd  .     . 

Bisenoxyd 

Schwarzes  Risenoxyd  (Kisen- 

oxyduloxyd  ?) 

Kermes 

Kapferoxyd 

Qnecksiiberchlorür  .... 
Schwefelmilch 


der  Kälte  angestellte  Versuche). 


5 

20,00 

25,00 

75,00 

5 

150,00 

3,33 

96,67 

5 

150,00 

3,33 

96,67 

5 

40,00 

12,50 

87,50 

5 

30,00 

16,66 

83,34 

5 

28,00 

17,85 

82,15 

5 

17,50 

28,50 

71,50 

5 

15,00 

33,33 

66,67 

5 

15,00 

33,33 

66,67 

5 

12,50 

40,00 

60,00 

5 

12,50 

40,00 

60,00 

5 

12,50 

40,00 

60,00 

5 

10,50 

47,20 

52,80 

5 

10,50 

47,20 

52,80 

5 

10,00 

50,00 

50,00 

5 

10,00 

50,00 

50,00 

5 

10,00 

50,00 

50,00 

5 

10,00 

50,00 

50,00 

5 

9,00 

55,56 

44,44 

5 

8,00 

62,50 

37,50 

5 

7,50 

66,67 

33,33 

5 

7,50 

66,67 

33,33 

5 

7,50 

66,67 

33,33 

5 

6,25 

80,00 

20,00 

5 

6,00 

83,33 

16,67 

5 

6,25 

80,00 

20,00 

Lackmustinctur  (bei  erhöhter  Temperatur). 


Kohle 

Kisenox^fdhydrat ... 
Phosphorsaorer  Kalk    . 

Magnesia 

Goldschwefel  .... 
Mangansuperoxyd  .  . 
Chromsanres  Bleioxyd 
Zinkoxyd  ..... 
.Schwefelantimon .  .  . 
Knpferoxyd     .... 

Eisen  oxyd 

Antimonsäure .... 

Kermes 

Qnecksilberchlorur  .     . 

Bleiglätte 

Schwefelsaures  Bleioxyd 

Zinnsäare    

Jodblei 


112,00 

0,89 

99,11 

25,00 

4,00 

96,00 

9,50 

10,52 

89,48 

6,50 

15,00 

85,00 

5,00 

20,00 

80,00 

3,75 

26,67 

73,33 

2,50 

40,00 

60,00 

2,50 

40,00 

60,00 

2,00 

50,00 

50,00 

1,25 

80,00 

20,00 

1,50 

66,67 

33,33 

1,50 

66,67 

33,33 

1,30 

76,92 

23,08 

1,30 

76,92 

23,08 

1,25 

80,00 

20,00 

1,25 

80,00 

20,00 

1,25 

80,00 

20,00 

unbe-    . 

— 

100,00 

stimmt 

Entiar- 
bungskraft 
auf  dieje- 
nige der 
Kohle  be- 
zogen. 


100,00 
128,90 
128,90 
116,00 
111,00 
109,00 
95,33 

88,90 

88,90 
80,00 
80,00 
80,00 
70,40 
70,40 
66,66 
66,66 
66,66 
66,66 
59,25 
50,00 
44,45 
44,45 

44,45 
26,67 
22,22 
26,67 


100,00 
96,86 
90,28 
85,75 
80,17 
73,88 
60,54 
60,54 
50,44 
20,17 
33,62 
33,62 
23,28 
23,28 
20,17 
20,17 
20,17 

100,89 


Forlscbr.  d.  Pbys.  Vi». 


)|g  2.     Cohäsion  und  Adhäsion. 

Aus  den  in  den  beiden  Tabellen  aufgezeichneten  Thatsachen 
geht  hervor,  dafs  die  darin  aufgerührten  28  Körper  nicht  nur  alle 
eine  deutliche  entfärbende  Kraft  besitzen,  sondern  dafs  8  sogar 
in  dieser  Hinsicht  die  thierische  Kohle  übertreffen.  Aufserdem 
ist  zu  bemerken,  dafs  unter  den  den  Versuchen  unterworfenen 
Körpern  sich  Metalloide,  Metalle,  Säuren,  Basen  und  Salze  der 
verschiedensten  Art  befinden. 

Die  Entfärbung  der  Lackmustinctur  durch  Indigo  scheint 
besonders  die  von  Bussy  aufgestellte  Theorie  über  die  Entfär- 
bung  durch  Kohle  zu  unterstützen,  da  hier  keine  chemische  Ein« 
Wirkung  anzunehmen  ist.  Ebenso  geht  aus  den  aufgeführten 
Versuchen  hervor,  dafs  der  Zustand  der  Vertheilung,  in  welchem 
sich  die  Körper  befinden,  einen  bedeutenden  Einflufs  auf  ihre  Fä- 
higkeit, sich  mit  den  Farbestoffen  zu  verbinden,  ausübt;  so  z.  B. 
ist  die  entfärbende  Kraft  des  Eisenoxydhydrats  gleich  129,  die 
des  wasserfreien  Oxyds  44,45,  ein  Unterschied,  der  nur  der 
Verschiedenheit  der  Vertheilung  zuzuschreiben  ist. 

Es  könnte  auffallend  erscheinen,  dafs  der  phosphorsaure  Kalk 
als  eine  Substanz  aufgeführt  ist,  die  besser  als  thierische  Kohle 
die  Lackmustinctur  entfärbt,  da  Bussy  und  Payen  an  demselben 
keine  bemerkbare  Entfärbungskraft  gefunden  haben.  Dieses  er- 
klärt sich  aber  dadurch^  dafs  in  den  aufgezeichneten  Versuchen 
gefällter,  also  sehr  fein  vertheilter  phosphorsaurer  Kalk  ange- 
wandt worden,  indefs  Bussy  und  Payen  gebrannte  Knochen 
benutzt  haben.  Uebrigens  entfärbt  auch  der  fein  vertheilte  phos- 
phorsaure Kalk  schwefelsaure  Indiglösung  kaum,  während  Kohle 
dazu  das  Vermögen  in  hohem  Grade  besitzt. 

In  der  zweiten  Tabelle  findet  man,  dafs  die  Kohle  bei  erhöhter 
Temperatur  ein  gröfseres  Entfarbungsyermögen  besitzt,  indefs 
sich  das  Eisenoxydhydrat  umgekehrt  verhält.  Der  Hr.  Verfasser 
erklärt  dieses  dadurch,  dafs  dasselbe  beim  Kochen  einen  Theil 
des  Hydratwassers  verliert,  also  compacter  wird.  Das  wasser- 
freie Eisenoxyd  im  Gegensatz  nimmt  beim  Kochen  etwas  Was- 
ser auf,  und  so  wird  die  entfärbende  Kraft  vermehrt;  ähnlich  ver- 
halten sich  Braunstein,  phosphorsaurer  Kalk,  chromsaures  Bleioxyd, 
Magnesia,  Calomel  und  Jodblei.  Das  Cntfärbungs vermögen  des 
Jodbieies  ist  ein  solches,  dafs  die  kochende  Flüssigkeit  fast  £arbios 


FlUIOL.  f  9 

durchs  Fiiirum  läaft;  die  letzten  Spuren  der  Farbe  werden  beim 
Brkalien  durch  die  Krystallisation  des  Jodbieies  fortgenommen. 
Auch  hieraus  gehl  hervor,  dafs  der  Grad  der  Vertheilung  einen 
groüsen  Einflufs  auf  das  Entfärbungs vermögen  ausübt ,  indem  die 
aufgelöste  Verbindung  sich  im  möglichst  fein  vertheilten  Zustand 
befindet,  wahrend  sie  mit  der  färbenden  Substanz  in  Berührung 
ist,  und  diese  hierdurch  bindet. 

Hiernach  schien  es  interessant  fesliuslellen,  ob  diese  Ein- 
flüsse sich  nicht  nach  der  Natur  der  färbenden  Substanz  änder- 
ten: theilweise  aus  diesem  Grunde  wurden  später  anzuführende 
Versuche  mit  indigschwefelsaurem  Natron,  Rothwein,  Brasilien- 
holzdecoct  und  Melasse  angestellt. 

Die  Tabelkn  3  und  4  zeigen,  dafs  das  Entfärbungsvermögen 
der  angewandten  Substanzen  gegen  Lackmus  ein  anderes  als 
gegen  Rothwein  ist;  hier  ist  das  Eisenoxydhydrat,  die  Thonerde, 
die  Magnesia  und  der  phosphorsaure  Kalk  verhältnifsmäfsig  weni- 
ger entfärbend  als  die  Kohle.  Das  Kupferoxyd  und  der  Braun- 
stein haben  auch  an  Entfärbungskraft  verloren;  aber  sie  stehen 
noch  über  der  Thonerde,  dem  phosphorsauren  Kalk  und  dem 
Eisenoxydhydrat,  die  in  Bezug  auf  Lackmus  eine  höhere  Ekit- 
farbongskraft  besafsen. 

Auf  den  Rothwein  haben  einige  Substanzen  chemisch  ein- 
gewirkt, andere  hingegen  rein  physikalisch. 

In  den  Tabellen  5  und  6  sind  die  Versuche  mit  Brasilien- 
hohdecoct  aufgeführt  Hier  sind  die  Magnesia,  das  Kupferoxydul, 
das  Kupferoxyd  und  die  Antimonsäure  ohne  alle  Einwirkung. 
Manganoxyd,  kohlensaurer  Baryt  und  kohlensaure  Magnesia  zei- 
gen sieh  von  geringer  Wirkung,  indefs  alle  Bleipräparate  dieselbe 
im  Gegeniheil  in  hohem  Grade  besitzen,  und  das  Eisenoxydhydrat 
sich  mit  der  Kohle  gleich  verhält.  Durch  Kochen  haben  das 
Eisenoxydhydrat,  das  kohlensaure  Manganoxydui,  der  schwefel- 
saure Baryt  und  die  Bleiglätte  etwas  von  ihrer  Kraft  verloren, 
indefs  Schwefelblei  mit  der  Kohle  auf  einer  Stufe  steht.  Das 
Decoct  übt  eine  chemische  Wirkung  auf  Bleioxydhydrat  aus, 
von  welchem  eine  merkliche  Menge  gelöst  wird. 

Auf  Melasse  haben  mehrere  der  angewandten  Körper  eine 
geringe  Einwirkung.     Schwefelblei  äufsert  eine  rein  physikalische 

2* 


20 


2.     Cohäsion  nnd  Adhäsion. 


Einwirkung,  Bleioxydhydrai  hingegen  auch  eine  chemische,  da 
eine  merkliche  Menge  desselben  gelöst  wird. 

Die  Tabellen  9  und  10  enthalten  die  mit  indigschwefelsau. 
rem  Natron  angestellten  Versuche.  Die  Auflösung  dieses  Salzes 
wird  kaum  durch  diejenigen  Körper  entfärbt,  welche  sehr  ener- 
gisch auf  andere  färbende  Substanzen  einwirken;  hierin  steht  in 
Bezug  auf  Entfarbungsfähigkeit  die  Kohle  oben  an.  Aus  diesen 
Thatsachen  folgert  der  Hr.  Verfasser,  dafs  die  Entfärbung  einer 
Flüssigkeit  ein  rein  physikalischer  Vorgang  sei,  da  die  Farbstoffe 
von  verschiedenen  Körpern,  die  chemisch  nichts  mit  einander  ge- 
mein haben,  absorbirt  werden  können,  und  dafs  ein  und  derselbe 
Körper  je  nach  seiner  Vertheilung  ein  verschiedenes  Verhalten 
in  dieser  Beziehung  zeige,  wie  z.  B.  die  gut  ausgewaschenen 
Schwefelblumen  nicht  merklich  entfärben,  indefs  der  aus  einer 
höhern  Schwefelungsstufe  gefällte  Schwefel  gut  entfärbt ;  derselbe 
Unterschied  zeigt  sich  beim  geschmolzenen  und  beim  durch  Was- 
serstoff reducirten  Eisen. 

Die  Mangelhafligkeit  seines  Colorimeters  hinderte  Hm.  Filhol, 
seine  Versuche  weiter  auszudehnen,  welches  er  jedoch  mit  Hülfe 
eines  besser  construirten  Instrumentes  beabsichtigt,  wobei  er  auch 
den  Einflufs  der  entfärbenden  Substanzen  auf  andere  aufgelöste 
nicht  gefärbte  Körper  beobachten  will. 


Name  der  Substanz. 


Zahl  der  Theil- 
Btriche  am 
Colorimeter. 
Nor- 

EotfSrbte 
Flüssigkeit. 


mal- 

flussig- 

keit. 


FärbuDgs- 

intensität 

in  der 

entfärbten 

Flüssigkeit. 


Wirkliche 

Entfär- 

bungskraft. 


Entfarbongs- 
kraft  auf  die- 
jenige der 
Kohle  be- 
zogen. 


Roth 

Koble 

Goldscbwefel 

Kohlensaare  Magnesia 
Natürliches  Schwefelantimon 

Knpferoxyd 

Braunstein 

Kiaenoxydhydrat.    •    .    . 

Thonerde 

Antimonsäure 

Zinnsäure  

Jodblei 

Mennige 


rein  (in  der  Kälte). 


5 

60,00 

0,33 

91,67 

5 

30,00 

16,66 

»3,34 

5 

17,00 

29,41 

70,59 

5 

12,00 

41,66 

58,34 

5 

12,00 

41,66 

58,34 

5 

15,00 

33,33 

66,67 

5 

10,00 

50,00 

50,00 

5 

11,25 

44,44 

55,56 

5 

9,50 

52,63 

47,37 

5 

9,50 

52,63 

47,37 

0 

9,50 

52,63 

47,37 

5 

8,50 

58,82 

41,18 

100,00 
90,91 
77,00 
63,64 
63,64 
72,73 
54,54 
60,60 
51,78 
51,78 
51,78 
44,92 


FlLHOL. 


2i 


Name  der  Substaoz. 


Zahl  der  TheiU 

striche  am 
Colorimcter. 

Färbungs- 
intensitat 

Wirkliche 

Nor- 

in  der 

Entfär- 

mal- 

Entfärbte 

entfärbten 

bungskraft. 

Öüssig- 
keit. 

Fhlssigkeit. 

Fhlssigkeit. 

5 
5 
5 

12,00 
10,00 
25,00 

41,66 
50,00 
20,00 

58,34 
50,00 
80,00 

Entfärbuog»- 
kraftauf  die 
jenige  der 
Kohle  be- 
zogen. 


Schwefelmilch      .... 

Arsenik 

Künstliche»  Schweftlblei  • 


Roth  wein  (bei  erhöhter 


Kohle 

Goldschwefei 

Natorliches  Schwefelantinion 

Braunstein 

KiseiK>xy<lhydrat 

Thonerde . 

Antimonsäore 

Zinnsäore  

Schwefelmilch 

Durch  Wasserstoif  reducirtes 
Eisen 

Arsenik •     .     . 

Künstliches  Schwefelblei.  . 
Phosphorsaurer  Kalk  •  .  . 
Kohlensaurer  Kalk  •  .  .  . 
Oxalsaures  Bleioxyd  .  .  . 
Schwefelsanrer  Baryt  .  .  . 
Bleioxydbydrat 


45,00     I 

6,50     I 

15,00 
10,00 

8,00 

7,50 
10,00 


10,00 
20,00 
8,00 
5,00 
6,50 
6,50 
17,00 


Temperatur) 

I      ti.ll    I 
chemische  Einwirkung. 
76,92    I     23,08 
veränderte  Farbe« 


33,33 

66,67 

50,00 

50,00 

62,50 

37,50 

66,66 

33,34 

50,00 

50,00 

chemische 

Einwirkung. 

50,00 

50,00 

25.00 

75,00 

62,50 

37,50 

100,00 

— 

76,92 

23,08 

76,92 

23,08 

29,41 

70,59 

Brasilienholzdecoct  (in  der  Kälte). 


Kohle 


Kisenoxydhydrat . 
Bleioxydhydrat    . 


KanstUches  Schwefelblei .     . 

Jodblei 

Indigo 

Bleiglatte 

Schwefelsaures  Bleioxyd  .    . 

Goldschwefei 

Kunstlicher     schwefelsanrer 

Baryt 

Magnesia 

Durch  Wasserstoif  reducirtes 

Kisen 


unbe- 
stimmt 
unbe- 
stimmt 
unbe- 
stimmt 
14,75 
8,00 
5,00 
5,00 
3,50 
11,00 
2,00 

1,00 


fast  Null 

fast  Null 

fast  Null 

6,77 
12,50 
20,00 
20,00 
28,50 
9,09 
5,00 


63,64 
54,54 
87,25 


88,89    I     100,00 


;^5,96 

72,72 
56,24 
42,18 
37,50 
56,17 


56,17 
84,37 
42,18 

25,96 
25,96 
79,41 

100,00 

100,00 

100,00 

93,23 
87,50 
80,00 
80,00 
71,50 
90,91 
50,00 


fast  voll- 
ständig 
fast  voll- 
ständig 
fast  voll- 
ständig 
93,23 
87,50 
80,00 
80,00 
71,00 
90,91 
50,00 


100,00 
Es  flndet  eine  chemische  Einwirkung  statt.    Das 
Eisen  lost  sich. 


Brasilienholzdecoct  (bei  erhöhter  Temperatur). 


Kohle 


Kisenoxydhydrat . 
Bleioxydhydrat    . 


Künstliches  Schwefelblei . 


1 

unbe- 
stimmt 

— 

100,00 

1 

12,00 

8,33 

91,67 

1 

unbe- 
stimmt 

— 

100,00 

1 

unbe- 
stimmt 

~*~ 

100,00 

100,00 

91,67 
100,00 

100,00 


22 


2.     Cohasion  und  Adliäsiou. 


I^ame  der  Substanz. 


Zahl  der  Tlieil' 
striche  am 
Coiorimeter. 
Nor- 

Entfärbte 
Flüssigkeil. 


mat- 

fluBsig- 

keit. 


Wärbungs- 
ilitensität 

in  der 
entfärbten 
Flüssigkeit. 


Wirkliche 

Entfar- 

bungskrafL 


Entfarbangfr- 
kraft  auf  die- 
jenige dor 
Kohle  be- 
zogen. 


Braunstein 

Jodblei 

Schwefelsanrer  Baryt  .     . 

Kupferoxydul 

Kupferoxyd 

Durch  Wasserstoff  reducirtes 
Bisen 


3,00 
5,00 
1,00 
1,00 
1,00 


33,33 

20,00 
100,00 
100,00 
100,00 


66,67 
80,00 


66,67 
80,00 


Es  findet  eine  chemische  Einwirkung  statt.    Das 
Eisen  lost  sich. 


Kohle      .... 
Bleio-xydhydrat     .     .     .     . 
Chromsaures  Bleioxyd 
Kfinstliches  Schwefelblei . 

Zinkoxyd    

Schwefelsaures  Bleioxyd  . 
Oxalsaores  Bleioxyd     .     . 

Kupferoxyd 

Antiroonsäure 

Risenoxydhydrat.  .  .  , 
Bleisuperoxyd .  .  .  .  , 
Phosphorsaurer  Kalk  .  . 
Schwefelsaurer  Baryt  .  . 
Thonerde 


Melasse  (in  der  Kälte). 


3,6 

27,77 

72,23 

4,00 

25,00 

75,00 

2,40 

41,66 

58,34 

2,30 

43,47 

56,53 

2,20 

45,45 

54,55 

2.20 

45,45 

54,55 

*       4 

2,20 

45,45 

54,55 

2,00 

50,00 

50,00 

1,60 

62,50 

37,50 

1,60 

62,50 

37,50 

1,60 

62,50 

37,50 

1,55 

64,51 

35,49 

1,50 

66,67 

33,33 

1,20 

83,33 

16,67 

Melasse 

Kohle 

Kunstliches  Scbwefelblei .     . 

Bleioxydhydrat 

Eisenoxydhydrat 

Thonerde 

Phosphorsaurer  Kalk  .     .     . 

Zinnsäure  

Ufaturliches  Schwefelantimon 
Oxalsaores  Bleioxyd  .  .  . 
Schwefelsaurer  Baryt  .  .  . 
Kohlensaurer  Kalk  •     .     .    . 


(bei  erhöhter  Temperatur). 


9,00 

11,11 

88,89 

4,00 

25,00 

75,00 

3,4 

29,41 

70,59 

2,00 

50,00 

50,00 

1,60 

62,50 

37,50 

1,60 

62,50 

37,50 

1,50 

66,66 

37,34 

1,30 

76,92 

23,08 

1,30 

76,92 

23,08 

1,30 

76,92 

23,08 

1,00 

100,00 

~ 

Indigs^chwefelsaures  Natron  (in  der  Kälte). 


Kohle 


Indigo 

Thonerde 

Kisenoxydhydrat .     .     .     • 
Phosphorsaurer  Kalk   .     . 

Antimonsäore 

Zinkoxyd 

Jodblei 

Bleiglätte 

KÜBStlicheB  Scliwefelblei . 
Natürliches  Mangano^yd . 


1 

unbe- 
stimmt 

fast  Null 

100,00 

1,67 

87,50 

12,50 

1,11 

90,09 

9,91 

1,02 

98,03 

1,97 

1,02 

98,03 

1,97 

1,02 

98,03 

1,97 

1,07 

93,45 

6,55 

1,04 

96,15 

3,85 

1,04 

96,15 

3,86 

1,20  • 

83,33 

16,67 

1,16 

86,20 

13,80 

100,00 
103,83 
80,76 
78,26 
75,52 
75,52 
75,52 
69,22 
51,91 
51,91 
51,91 
49,13 
46,15 
23,07 

100,00 
84,37 
79,41 
56,24 
42,18 
42,18 
37,50 
25,96 
25,96 
25,96 


100,00 

12,50 
9,91 
1,97 
1,07 
1,97 
6,55 
3,85 
3,85 
16,67 
13,80 


PlLHOL. 


23 


Name  der  Substanz. 


mal 

Qussig- 

keit 


Zahl  der  Tbeil 
striche  am 
Colorimeter. 
Nor- 

Entfärbte 
Flüssigkeit. 


Färbungs- 

intensität 

in  der 

entfärbten 

Flüssigkeit. 


Wirkliche 

Entfär- 

bungskrafr. 


Entfärbungs- 
kraft auf  die- 
jenige der 
Kohle  be- 
zogen. 


Schwefelsaures  Bkioxyd .  . 
Schwefelsaarer  Baryt  .  .  . 
Natürliches  Schwefelantimon 
Cbromsaures  Bleioxyd  .  . 
Qaecksilberchlorur  .... 

ABtiraonsänre 

Kupferoxyd 

Berlinerblan 

Schwefelmilch 

Darch  Wasserstoff  redacirtes 

Risen 
Silber  in  Pulver 


Indigschwefelsaares 


Kolüe 

Indigo 

Magnesia 

Kapferoxyd     .... 

Zinkoxyd    

Koblensanrer  Kalk  . 

Braanstein 

Schwefelsaurer  Baryt  . 
GepnWerter  Bleiglanz  . 

Ztnnsaare 

Antimonsänre .... 

Thoiierde 

Schwefelantimon  .    .     . 

Karmin 

Bleiglätte 

Bisenoxydhydrat .  .  . 
Koblensaares  Bleioxyd 
Filtrirpapier  *)     .     .     . 


1,16 
1»00 
1,00 
1,03 
1.00 
1,0^ 
1,00 
1,16 
1,00 
unbe- 
stimmt 
1,00 


86,20         13,80  13,80 

100,00 
100,00 

97,08  2,92  2,92 

100,00 

98,03  1,97  1,97 

100,00 

86,20         13,80  13,80 

100.00  —     I 

chemische  Einwirkung  (?) 

100,00 


Natron  (bei  erhöhter  Temperatur). 


70,00 

fast  Null 

100,00 

100,00 

1,16 

86,20 

13,80 

13,80 

1,33 

75,18 

24,82 

24,82 

1,25 

80,00 

20,00 

20,00 

1,30 

76,92 

23,08 

23,08 

1,16 

86,20 
yerändet 

13,80 
te  Farbe. 

13,80 

1,00 

100,00 

— 

•      .^ 

1,16 

86,20 

13,80 

13,80 

1,00 

100,00 

— 

— 

1,00 

100,00 

— 

— 

1,00 

100,00 

— 

— 

1,00 

100,00 

— 

— 

1,08 

92,59 

7,41 

7,41 

1,12 

89,28 

10,72 

10,72 

1,13 

88,49 

11,51 

11,51 

1,08 

92,59 

7,41 

7,41 

1,16 

86,20 

13,80 

13,80 

So. 


*)  In  allen  Versuchen  wurde  der  Einwirkung  des  Fittrirpapiers  auf 
folgende  Weise  Rechnung  getragen;  es  wurden  zwei  gleiche  Fii- 
tra  genommen,  auf  eines  wurde  ein  Volumen  der  zur  normalen 
bestimmten  Flüssigkeit  gegossen,  gleich  demjenigen,  welches  mit  der 
entfärbenden  Substanz  in  Berührung  versetzt  wurde.  Die  Flüssig- 
keit, welche  der  Einwirkung  des  Papiers  ausgesetzt  war,  diente  als 
Normalflüssigkeit. 


24  ^*     Cohäsion  und  Adhäsion.  —     Haams.    Guthe. 

E.    Harms.      ADwendung    der    Koh]e    als    EDlfärbangsmittei. 
Arcli.  d.  Pharm.  (2)  LXIX.  121-J30t;  Erdmann  J.  LV.  475-475, 

Aufser  der  Bestätigung  des  über  diesen  Gegenstand  Bekann- 
ten iheilt  der  Hr.  Verfasser  noch  einige  neue  Beobachtungen  mit. 

Nach  denselben  werden  die  Salze  der  Alkalien  durch  Kohle 
nicht  verändert,  Thonerdesalze  wenig,  wohl  ^ber  Kalk-,  Baryt- 
und  Magnesiaverbindungen.  Die  meisten  Metallverbindungen  wer- 
den unter  theilweiser  Reduction  zersetzt,  wobei  jedoch  die  salpe- 
tersauren Salze  einzelner  Oxyde  ausgenommen  werden  müssen. 
Schwefelsäure,  Salpetersäure,  Phosphorsäure,  Borsäure,  Benzoe- 
säure, Oxalsäure,  Bernsteinsäure,  Weinsteinsäure,  Baldriansäure 
werden  ebenfalls  aufgenommen,  desgleichen  die  in  der  Pharmacie 
vorkommenden  Bitterstoffe,  wenn  sie  sich  in  der  wässerigen  Lö- 
sung befinden;  die  alkoholische  Lösung  derselben  wird  durch 
Kohle  nicht  verändert.  So. 


C.  GuTHB.  AnwenduDi^  der  Kohle  als  Enträrbungsmittel. 
Arch:  d.  Pharm.  (2)  LXIX.  131-136*;  Erdmann  J.  LV-.  474-475t; 
Chem.  C.  Bl.  1852.  p.  213 -216t;  Frorikp  Tagsber.  üb.  Phys.  u. 
Chem.  L  260-263*. 

Hr.  Guthe  verglich  verschiedene  Kohlenarten  mit  einander 
in  Bezug  auf  ihre  Flüssigkeit  rohe  Alkaloide  zu  entfärben.  Um 
einer  weingeistigen  Lösung  von  Morphium  1  Theil  des  Farbstoffs 
zu  entziehen  waren  nothwendig 

1^  Theile  reine  feuchte  Knochenkohle, 
6         -       Kohle  aus  frischem  Blute, 
8         -       Kohle  aus  trockenem  Blute, 
9^       -       reine  geglühte  Knochenkohle, 
14        -        rohe  Knochenkohle, 
22         -       VVeinsteinkohle, 
42         -       Linden-  und  Mahagonikohle, 
48         -       Erlenkohle, 
60         -       Eschenkohle, 

64  -       Tannenkohle, 

65  -       Kastanienkohle, 


3.     Capillaritat.  —     B^de.  25 

67  Theile  Flieder-  und  Apfelbaumkohie, 

80       -       Buchenkohle, 

84       -        Birnbaumkohle, 

90       -       Eschenkohle. 
Die  zuerst  angeführte  wirksamste  Knochenkohle  war  mit  Chlor- 
wasserstoffsäure gereinigt,   nicht  geglüht,   und    wurde   in  noch 
feuchtem  Zustande  angewandt.  Kr. 


S.     Capillaritat 


E.  Bbde.     Memoire  sur  Tascension  de  l'eau  et  la  döpression 
du  merenre  dans  les  tubes  capillaires.    BuII.  d.  Bmx.  XIX. 

2.  p.470-475t(CLd.  gc.  1852.  p.  614-619+);  Inst.  1852.  p.  379-380t; 
Cosmo«  II.  141 -144t;  Mein.  cour.  d.  Brux.  XXV.  3 -25t. 

Um  die  Capillardepression  des  Quecksilbers  zu  untersuchen 
wandte  Hr.  Bede  23  U  förmige  mit  einem  15""  bis  20""  weiten, 
und  einem  capillaren  Schenkel  an.  Die  Radien  der  engen 
Schenkel  variirten  zwischen  0,0366""  und  2,514"".  Fast  alle 
Röhren  waren  an  demselben  Tage  auf  derselben  Glashütte  an- 
gefertigt. Das  Quecksilber  war  nicht  chemisch  rein.  Zu  den 
Versuchen  wurden  die  Röhren  vertical  aufgestellt,  und  die  weiten 
Schenkel  bis  zu  einer  gewissen  Höhe  mit  Quecksilber  gefüllt. 
In  den  engen  Schenkeln  stieg  dann  das  Quecksilber  zuerst  rasch, 
dann  langsamer,  und  nach  12  Stunden  hatte  es  noch  nicht  immer 
seinen  höchsten  Stand  erreicht.  Deshalb  wurden  die  Beobach- 
tungen erst  24  Stunden  nach  dem  Füllen  der  weiten  Röhren 
angestellt.  Die  Höhe  des  Quecksilbers  in  dem  engen  und  in 
dem  weiten  Schenkel  bestimmte  Hr.  Bede  mit  einem  Katheto- 
meter.  Die  Niveaudifferenz  der  beiden  Flüssigkeitssäulen  ergab 
die  Capillardepression  des  Quecksilbers  in  dem  engen  Schenkel^ 
nachdem  sie  um  die  dem  weiten  Schenkel  entsprechende  De« 
pression  vermehrt  war,  und  wegen  der  Meniskenform  der  Kuppen 


2g  3.     Capillanlär. 

eine  kleine  Cönreetion  erlitten  hatte.  Aus  Versuchen  mit  12 
Röhren  (von  0,0366'«»"  bis  0,621«»«  Radius)  leitet  Hr.  Bede  das 
Resultat  ab,  dafs  die  Capillardepression  H  dem  Röhrenhalbmesser  R 
umgekehrt  proportional,  oder  dafs  das  Product  dieser  beiden 
Gröfsen  HR  eonstant  (im  Mittel  =  4,847)  ist,  wie  die  Theorie 
es  verlangt.  Die  7  weitesten  Röhren  (von  1,025«^  bis  2,514"»" 
Radius),  die  Hr.  Bede  wenig  berücksichtigt,  geben  für  das  Pro- 
duct der  Depression  und  des  Halbmessers  im  Mittel  ungefähr 
den  Werth  4. 

Die  Wanddicke  der  zuerst  erwähnten  12  Röhren  variirte  zwi- 
schen 3,226»*^  und  1,250««  Zwei  Röhren  von  0,120««  Radius  und 
4,632««  Wanddicke  zeigten  eonstant  eine  unverhältnifsmäfsig  grofse 
Depression  (H  =e  45,08««;  flJB  =  6,410).  Zwei  andere  Röhren, 
deren  Wanddicke  so  gering  war,  dafs  Hr.  Bede  sie  nicht  zu 
messen  versuchte,  gaben  eine  zu  kleine  Depression.  Für  die 
eine  war  R  =  0,154««,  H  =  26,15««,  HR  =  3,873,  für  die  ari- 
dere B  =  0,576««,  H  =  7,62««,  HR  =  4,389.  Hr.  Bede  meint 
hierin  einen  Einflufs  der  Wanddicke  auf  die  Capiliarerscheinungen 
zu  sehen.  Die  gröfsere  Glasmasse  soll  eine  gröfsere  Adhäsion 
der  Flüssigkeit  an  der  Röhre  hervorbringen  und  deshalb  die 
Flüssigkeit  am  Steigen  hindern. 

Es  lag  nahe,  die  Richtigkeit  dieser  Hypothese  experimentell  zu 
prüfen.  Denn  die  Adhäsion  mülste  das  Quecksilber  eben  so  wohl 
am  Fallen  hindern  wie  am  Steigen.  Hr.  Bbdb  stellte  deshalb 
Versuche  an,  wobei  er  zuerst  das  Quecksilber  in  dem  engeren 
Schenkel  der  U förmigen  Röhren  auf  ein  höheres  Niveau  als  in 
dem  weiteren  brachte.  Er  erwartete^  dafs  nun  die  dickwandigen 
Röhren  eine  zu  kleine  Depres^on  zeigen  würden,  und  die  dünn- 
wandigen eine  zu  grofse.  -Diese  Versuche  ergaben  jedoch  so 
inconstante  Resultate,  dafs  sich  nichts  daraus  schliefen  liefs.  Bei 
einer  Röhre  z.  B.  erhielt  sich  das  Quecksilber  in  dem  engen 
Schenkel  von  0,0472««  Radius  bleibend  auf  höherem  Niveau 
als  in  dem  weiten  Schenkel.  Die  früheren  Versuche  hatten  bei 
dieser  Röhre  eine  Depression  vo«i  108*"«  gegeben.  Jetzt  war 
nur  durch  die  stärksten  Stöfse  eine  Depression  zu  erreicliefl, 
die  48«'"  nicht  überstieg. 


Hr.  Beofi  sieltte  ferner  Veraiiche  über  die  Capillarascoision 
des  Wassers  an,  und  zwar  zuerst  mil  vorher  benetzten  Röhren. 
Diese  waren  vertical  über  gröfseren  mii  Wasser  gefüllten  Ge- 
(afsen  befestigt.  Am  oberen  Ende  der  Röhren  wurde  gesaugt 
Das  emporgehobene  Wasser  fiel  zuerst  rasch,  und  dann  langsam, 
erreichte  jedoch  früher  einen  festen  Stand  als  das  Quecksilber. 
Die  Messungen  mit  dem  Kathetometer  wurden  auch  hier  erst 
nach  Verlauf  von  24  Stunden  gemacht.  Die  angewandten  Röhren 
waren  meistentheils  die  bei  den  Versuchen  mit  Quecksilber  be- 
nutzten, jedoch  von  den  weilen  Schenkeln  abgeschnitten  und 
sorgfaltig  gereinigt  Die  Versuche  ergaben,  dafs  das  Product 
aus  der  Capiliaransteigung  H  und  dem  Röhreohalbmesser  R  nicht 
constant  war,  sondern  mit  der  Capiliaransteigung  stetig  abnahm. 
Für  U  =  0,0492«»»  war  H  =  322,75'»«  HR  =  15,199. 
Für  R  =  2,514»'"  war  H  ==  3,80'°»,  HR  =  9,553. 
Nach  der  Theorie  sollte  das  Product  HR  stets  denselben 
Werlh  haben.  Hr.  Beob  wurde  jedoch  von  Plateau  darauf  auf- 
merksam gemacht,  dafs  die  Wassersäule  durch  die  Glasröhre  nur 
mitielbar,  unmittelbar  dagegen  durch  die  benetzende  Wasserschicht 
getragen  wird.  Unter  der  Annahme  nun,  dals  die^e  tragende 
Wasserrohre  eine  constante  Wanddicke  von  0,001»»  habe,  wtir- 
den  für  14  Röhren  (von  0,0472»»'bis  0,621»»  Radius)  die  Pro- 
ducte  H  (R  — 0,001;?»)  berechnet,  und,  sie  ergaben  sämmtlich 
nahe  den  Werth  14,727.  Aufserdem  hat  Hr.  Bede  noch  mit  7 
weiteren  Röhren  (von  1,025'"»  bis  2,514»»  Radius)  Messungen 
angestellt;  diese  läfst  er  jedoch  bei  der  in  Rede  stehenden  Re^ 
duction  unberücksichtigt. 

Auch  beim  Wasser  schien  der  EinOufs  der  Stärke  des  Glases 
merkbar  zu  sein.  Eine  dickwandige  Röhre  gab  ein  zu  grofses 
Product  HRf  eine  dünnwandige  ein  zu  kleines.  Der  Sinn  der 
Abweichung  stimmte  mit  der  beim  Quecksilber  gegebenen  Er- 
klärung überein,  da  das  zuerst  emporgesaugte  Wasser  durch  die 
gröfsere  Adhäsion  mehr  am  Fallen  gehindert  wurde,  und  also 
hier  gröfsere  Wanddicke  stärkere  Capiliaransteigung  hervorbringen 
mufste. 

Scbliefslich  stellte  Hr.  Bbob  noch  Versuche  mit  9  trockenen 
Röhren  an.    Hier  zeigte  sich  die  Ascension  stets  bedeutend  ge- 


2g  3.    CapiUarität. 

ringer  als  bei  den  benetzten  Rohren.  Eine  Röhre  von  0,0492"''" 
Radius  gab  benetzt  309,90"'"  Capillarhöhe,  trocken  dagegen 
271,40«".  Das  Verhältnifs  der  beiden  Ascensionen  (309,90«» 
:217,40'~"  =1,14)  wird  bei  weiteren  Röhren  immer  gröfser. 
Bei  der  weitesten  Rohre  von  0,199""»  Halbmesser  war  dasselbe 
74,35"^:  39,35»»"»  =  1,88.  Hr.  Bedc  meint  auch  hier  bei  einer 
Röhre  einen  Einflufs  der  Wanddicke  auf  die  Ascension  zu  be- 
merken; er  ist  aber  sehr  gering.  In  Beziehung  auf  diese  Ver- 
suche mit  trockenen  Röhren  erinnerte  Plateau  Hrn.  Bbdb  an 
die  bekannte  Thatsache,  dafs  sich  ein  Wassertropfen  auf  der 
frischen  Bruchfläche  eines  Stückes  Glases  sehr  leicht  ausbreitet, 
auf  einer  weniger  frischen  Oberfläche  aber  auch  dann  nicht,  wenn 
dieselbe  möglichst  sorgfältig  gereinigt  ist 

Vergleicht  man  die  Versuche  des  Hrn.  Bede  über  benetzte 
Röhren  mit  denen  von  Simon  (Berl.  Ben  1850,  51.  p.  27f),  so 
ergiebt  sich  eine  vollkommene  Uebereinstimmung  rücksichtlich 
des  Resultats,  dafs  das  Product  HR  für  engere  Röhren  immer 
gröfser  wird.  Simon  findet  jedoch  durchweg,  und  zwar  auch  da, 
wo  er  sich  der  direclen  Messung  mit  dem  Kathetometer  bedient, 
gröfsere  Capillarhöhen  als  Hr.  Bede.  Die  von  Simon  für  das  Pro- 
duct Hit  gegebenen  Werthe  sind,  so  weit  eine  Vergleichung 
mögUch  ist,  um  etwa  1,2  gröfser  als  die  von  Hrn.  Bede. 

Kr. 


E.  Desains.  Memoire  sur  rapplication  de  la  th^orie  des 
phÖDoraöües  capillaires.  c.  R.  XXXIV.  765-767t;  Poes.  Ann, 
LXXXVI.  491 -494t;   Cosinos  I.  207-208. 

Von  dieser  Abhandlung  ist  nur  ein  kurzer  Auszug  bekannt 
geworden.  Hr.  Desains  bezweckt  besonders  die  Bestimmung 
der  beim  Messen  von  Gasen,  die  in  cylindrischen  Glasgefafsen 
durch  Wasser  abgesperrt  sind,  wegen  der  nicht  ebenen  Gränz- 
fläche  des  Wassers  anzubringenden  Correction.  Durch  Anwen- 
dung der  LAPLACE'schen  Theorie  und  durch  einige  Versuche  hat 
er  folgende  Tabelle  construirt,  in  welcher  a  den  Halbmesser 
der  Röhre,  und  m  die  Höhe  eines  Cylinders  bedeutet,  welcher 


E.  Dksains.     Horsford. 


29 


denselben  Radius  wie  die  Röhre  und  denselben  Inhalt  wie  der 
den  Wassercylinder  begränzende  Meniscus  hat  a  und  m  sind 
in  Millimetern  ausgedrückt 


a 

m 

a 

m 

a 

m 

0,317 

7 

1,365 

13 

1,041 

0,607 

8 

1,299 

14 

0,992 

0,839 

9 

1,244 

15 

0,945 

0,998 

10 

1,193 

20 

0,744 

1,140 

11 

1,142 

25 

0,603 

1,^52 

12 

1,091 

30 

0,504 

Wenn  also  das  Gasvolum  in  einer  Röhre  vom  Radius  a 
bis  zum  Scheitel  des  Meniscus  gemessen  ist,  so  mufs  von  der 
gefundenen  Höhe  das  entsprechende  m  abgezogen  werden. 

Durch  Rechnung  hat  Hr.  Desains  gefunden,  dafs  bei  Röhren 
von  weniger  als  10*"*"  Radius  m  nicht  um  O,!*"^  von  einem 
Drittel  der  Pfeilhöhe  des  Meniscus  verschieden  ist  Bei  solchen 
Röhren  kann  man  also  diese  Pfeilhöhe  messen,  und  ein  Drittel 
derselben  von  dem  bis  zum  tiefsten  Punkte  des  Wassers  gerech- 
neten Volumen  des  Gases  abziehen,  um  das  richtige  Volumen 
zu  erhalten.  Kr. 


Horsford.  The  permeabilily  of  melals  to  mercury.  Silliman 
J.  (2)  Xllf.  305-318t;  Ehdmahk  J.  LVI.  374- 377t rPolyt.  C.  Bl. 
1853,  p.  189-J89*;  Co«mo»  1.  239-240*;  Chein.  C.  Bl.  1852.  p  759-760*; 
Areh.  d.  Pharm.  (2)  LXXfll.  3IJ-3J2. 

Henry  fand,  dafs  ein  heberformiger  Bleistab  auf  Quecksilber 
wie  eine  heberförmige  Capillarröhre  wirkt.  Wenn  der  kürzere 
Schenkel  in  Quecksilber  taucht,  so  fliefst  dieses  nach  einiger  Zeit 
aus  dem  längeren  Schenkel  tropfenweise  ab.  Hr.  Horsford  hat 
diese  Erscheinung  einer  genaueren  Untersuchung  unterworfen. 
Er  wandte  meistens  gegossene  Bleistangen  von  6*°™  Durchmesser 
an,  bisweilen  auch  Röhren  und  gezogene  Stangen.  Er  gelangte 
zu  folgenden  Resultaten: 

In  verticalen  Bleistäben  steigt  das  Quecksilber  zuerst  rasch 
(etwa  SO»*"  in  24  Stunden)  und  dann  immer  langsamer,  bis  es 
nach  mehr  als  einem*  halben  Jahre    ein   Maximum  erreicht  hat, 


30  3.     Capillarität. 

weiches  bei  g^ossenen  Stäben  höher  liegt  (I43*"'')  als  bei  ge- 
sogenen (213*""").  In  der  Richtung  der  Schwere  dringt  das 
Quecksilber  viel  rascher  durch  das  Blei  (360'°"*  in  2  Stunden). 
Eine  heberförmige  Stange,  deren  langer  Schenkel  in  Quecksilber 
tauchte,  nahm  das  Quecksilber  in  sich  auf,  iiefs  es  aber  nicht 
abfliefsen.  Das  Quecksilber  löst  auf  seinem  Wege  durch  das 
Blei  dieses  auf;  das  mit  Blei  gesättigte  Quecksilber  durchdringt 
jedoch  das  Blei  eben  so  gut  wie  reines  Quecksilber.  Die  Menge 
des  aufgenommenen  Quecksilbers  hangt  auch  von  der  Gröfse  der 
Berührungsfläche  des  festen  und  des  flüssigen  Metalls  ab. 

Hr.  HoRSFORD  untersuchte  in  derselben  Beziehung  auch  das 
Zinn,  von  welchem  er  ebenfalls  gegossene  Stangen  von  6'"*" 
Dicke  anwandte.  In  einer  verticalen  Zinnstange  steigt  das  Queck- 
silber mit  gleichmäfsiger  Geschwindigkeit  empor  (1  P"'"  in  24 
Stunden).  Zinnstangen  zeigen  auch  die  Heberwirkung.  Das  Zinn 
bildet  in  Berührung  mit  dem  Quecksilber  nach  kurzer  Zeit  ein 
krystallinisches  Amalgam  von  nufserordentlich  brüchiger  Be- 
schaffenheit. Mit  Blei  gesättigtes  Quecksilber  wird  von  dem 
kurzen  Schenkel  eines  Zinnhebers  aufgenommen;  von  dem  län- 
geren Schenkel  tropft  aber  nur  zinnhaltiges  Quecksilber  ab. 

Auch  Gold  und  Silber  werden  vom  Quecksilber  durchdrungen^ 
jedoch  sehr  langsam. 

Zink  und  Cadmium  lösen  sich  im  Quecksilber  auf.  Eisen, 
Fiatin,  Palladium ,  Kupfer  und  Messing  werden  bei  gewöhnlicher 
Temperatur  vom  Quecksilber  nicht  durchdrungen. 

Kr. 


4.     DifTusioD.  —    5.    Dichtigkeit  und  AusdehDung.  3f 

4.     D  i  f  f  o  s  i  o  n. 


T.  Graham.  On  Ihe  principle  of  the  endosmose  of  liqaids. 
Rep.  of  Brit.  Assoc.  1852.  2.  p.36+  (nur  Titel);  Cosmos  f. 
590- 590t;  Ia«t.  1852,  p.  392 -392t;  Zeitschr.  f.  Naturw.  I,  62 -62t. 

Unter  allen  Salzen  zeigen  nach  Hm.  Graham  die  stärkste 
Diffusion  die  Verbindungen  der  Alkalien  mit  vegetabilischen  Säu- 
ren, also  namentlich  die  Körper,  die  in  den  Pflanzensäften  ent- 
halten sind.  Kr. 


5.    Dichtigkeit  und  Aüisdehonng. 


H.  Kopp,  üeber  die  Ausdehnung  einiger  festen  Körper  durch 
die  Wärme.  Liebis  Ann.  LXXXI.  l-67t;  Phil.  Mag.  (4)  111. 
268-270;  Poog.  Ann.  LXXXVI.  156-158;  Ann.d.chim.  (3)  XXXIV. 
338-340;  Arch.  d.  sc.  phys.  XX.  51-53;  Chem.  C.  Bl.  1852.  p.  230-232; 
Cosmos  I.  312-312. 

Hr.  Kopp  legt  in  diesem  Aufsatze  die  vollständigen  Details 
zahlreicher  Versuche  nieder,  die  er  zur  Ermittelung  der  cubischen 
Ausdehnung  einer  gro£sen  Anzahl  fester  Körper  angestellt  hat. 

Er  ermittelt  die  Ausdehnung  dadurch,  dafs  er  das  specifiscbe 
Gewicht  eines  jeden  der  untersuchten  Körper  bei  mehreren  mög«* 
liehst  weit  auseinander  liegenden  Temperaturen  bestimmt.  Bei 
dieser  Methode  ist  das  Resultat  abhängig  von  der  Ausdehnung 
anderer  flussiger  und  fester  Körper;  sie  hat  aber  gewählt  werden 
müsaen»  weil  die  directe  Messung  der  linearen  Ausdehnung  unter 
allen  Umständen  sehr  schwierig,  und  bei  vielen  Körpern,  .  die 
nach  verschiedenen  Richtungen  sich  verschieden  ausdehnen,  ganz 
unausführbar  ist. 

Zur  Bestimmung  des  specifischen  Gewichtes  diente  ein 
cylindrisches  Glasfläschchen  von  140'""'  Läpge  und  17*""'  Durch- 


32  ^-    Dichtigkeit  und  AusdeliDnog. 

messer  mit  eingeschliffenem  Glasstöpsel,  über  welchen  noch  eine 
auf  den  Hals  des  Fläschchens  aufgescMiffene  Glaskappe  ge- 
setzt wurde,  um  die  Flüssigkeit  aufzufangen,  welche  aus  dem 
Gefäfse  hervorquoll,  falls  die  Wägung  bei  einer  höheren  Tempe- 
ratur geschah,  als  die  war,  bei  der  die  Schliefsung  des  Fläsch- 
chens erfolgte.  In  diesem  Fläschchen  wurden  die  untersuchten 
Körper  unter  Wasser  abgewogen,  nachdem  durch  anhaltendes 
Kochen  alle  Luft  sorgfaltig  ausgetrieben  worden;  in  einigen 
durch  besondere  Umstände  gebotenen  Fällen  wurde  nach  Dulong's 
Vorgang  das  Wasser  durch  Quecksilber  ersetzt.  Das  Fläschchen 
wurde  mit  seiner  Füllung  in  ein  grofses  Wasserbad  gesetzt,  wel- 
ches genau  auf  der  gewünschten  Temperatur  erhalten  wurde, 
bis  es  diese  Temperatur  angenommen  halte ;  dann  wurde  —  noch 
im  Bade  —  der  Stöpsel  eingesetzt,  dieser  und  der  Hals  des 
Fläschchens  mit  Fliefspapier  abgetrocknet,  die  Kappe  aufgesetzt, 
und  endlich  das  Fläschchen  herausgehoben,  abgetrocknet  und  auf 
die  Wage  gebracht,  wo  es  blieb,  bis  es  die  Temperatur  der 
umgebenden  Luft  angenommen  hatte  und  gewogen  werden 
konnte. 

Die  Bestimmung  des  specifischen  Gewichtes  geschah  einer- 
seits bei  der  gerade  vorhandenen  Lufttemperatur,  andererseits  bei 
einer  Temperatur  von  40®  bis  50^  oder  bei  der  Temperatur  des 
siedenden  Wassers;  im  letzteren  Falle  wurde  das  Wasserbad 
durch  ein  Dampfbad  ersetzt. 

Nachdem  durch  umfassende  Versuchsreihen  das  Gewicht  des 
Wassers,  welches  das  Fläschchen  bei  verschiedenen  Temperaturen 
fafst,  ermittelt,  und  Interpolationsformeln  daiur  aufgestellt  worden, 
vergleicht  der  Hr.  Verfasser  diese  Resultate  mit  den  früheren 
Arbeiten  über  die  Ausdehnung  des  Wassers,  namentlich  mit  seinen 
eigenen. ')  Er  findet  bei  niederen  Temperaturen,  bis  50^  eine 
sehr  befriedigende  Uebereinstimmung;  in  der  Nähe  des  Siede- 
punktes ergeben  die  vorliegenden  eine  etwas  gröfsere  Ausdehnung 
als  die  früheren  Versuche,  welche  in  thermometerartigen  Instru- 
menten angestellt  worden,  aber  immer  noch  eine  kleinere  Aus- 
dehnung als  die  Versuche  von  Pibrrb.  Er  milst  dies  dem  Um- 
stände bei,  dafs  in  dem  offenen  Gefafse  die  Wiederaufnahme  von 
0  PoGO.  Ann.  LXXIh  43. 


KOVF. 


33 


Luft  nicht  so  vollständig  verhütet  virerden  kann  wie  in  einem 
thermometerartigen  Apparate. 

Die    in    dieser    Untersuchung  gefundenen    Ausdehnungs- 

coefficienten  sind  in  folgender  Tafel  zusammengestelit: 


Kupfer  .  • 

.  .     Cu 

0,000051 

Blei 

.  .    H 

0,000089 

Zinn  .  .  . 

.  .    Äi 

0^000069 

Eisen  .  .  . 

.  .     Fe 

0,000037' 

Zinic  .  .  . 

.  .    Zn 

0,000089 

Cadmium 

.  .    Cd 

0,000094 

Wismulh. 

.  .    Bi 

0,000040 

Antimon  . 

.    Sb 

0,000033 

Schwefel . 

.  .    S 

0,000183 

Bleiglanx. 

.  .    PbS 

0,000068 

Zinkblende 

.  .    ZmS 

0,000036 

Eisenkies . 

.  .    FeS, 

0,000034 

RuUl  .  .  . 

.  .     TtO, 

0,000032 

Zinnslein . 

.  .    S/iO, 

0,000016 

Eisenglanz . 

.    Fe,0, 

0,000040 

Magneteisei 

I.    Fe,0, 

0,000029 

Flufsspalh  . 

.    CaFl 

0,000062 

Arragonil 

.  .    CoO,  CO^ 

0,000065 

KalkspaÜi 

.  .    CaO,  CO, 

0,000018 

Bitlerspath 

.    CaO,CO,  +  MgO,CO, 

0,000035 

Eisenspath 

.  .    FeiMn,  Mg)0,  CO, 

0,000035 

Schwerspat 

h.    BaOySO, 

0,000058 

Cölestin  . 

.  .    5,0, SO, 

0,000061 

Qoarx   .  . 

.  .    SiO, 

0,000042 
0,000039* 

Orthoklas 

. .  jiro,ÄO,-|-j/,o„3&o, 

(0,000026 
\0,000017* 

Weiches  N 

atronelas 

0,000026 

Weiches  Natronglas,  englische  Sorte    .    0,000024* 
Schwer  schmelzbares  Kaliglas ....    0,000021* 
.    Die  mit  *  bezeichneten  Zahlen   wurden   durch  Wagung  in 
Quecksilber  erhalten. 

Forlschr.  d.  Pbys.  VIII.  3 


34  5.    Dichtigkeit  und  Ausdehnung. 

Es  giebt  also  viele  Körper»  die  sich  hinriditlich  ihres  Aus^ 
dehnungsvermögens  den  Metalleiii  welche  man  bisher  als  die  im 
Allgemeinen  sich  am  stärksten  ausdehnenden  Körper  betrachtet 
hat,  anreihen;  besonders  auffallend  ist  die  starke  Ausdehnung 
des  Quarzes. 

Hr.  Kopp  fügt  schliefslich  noch  die  Bemerkung  hinzu,  dafs 
nach  diesen  Zahlen  ein  einfaches  Verhältnifs  zwischen  der  Aus- 
dehnung und  der  chemischen  Zusammensetzung  nicht  zu  bestec- 
hen scheine.  Bx. 


Plückbr  und  Gbisslbr.  Studien  über  Thermometrie  und  ver- 
wandle Gegenstände.  Poeo.  Ann.  LXXXVI.  238- 279t;  Cos- 
roos  I.  426-430. 

Die  Herren  Verfasser  beschreiben  in  diesem  Aufsätze  zunächst 
eine  von  ihnen  ausgeführte  Art  von  Thermometern,  bei  welchen 
sie  sich  von  der  Ausdehnung  der  Glaswände  des  Thermometer- 
gefäfses  dadurch  unabhängig  gemacht  haben,  dafs  in  das  Ther- 
mometergeräfs,  in  welchem  sich  irgend  eine  beliebige  andere 
Flüssigkeit  befindet,  etwas  QuecksUber  gebracht  worden,  dessen 
Menge  so  gewählt  ist,  dafs  seine  (gröfsere)  Ausdehnung  die 
Ausdehnung  der  GePäfswände  compensirt,  und  der  übrige  innere 
Raum  also  bei  allen  Temperaturen  nahe  constant  bleibt.  Dieses 
Quecksilber  befindet  sich  in  einer  innerhalb  des  Thermometer- 
getäfses  angebrachten  Hülle,  die  mit  jener  nur  durch  eine  feine 
OeflFnung  communicirt,  und  von  welcher  das  Thermometerrohr 
—  wozu  Hr.  Geissler  selbstgezogene  feine  dünnwandige  Haar- 
röhrchen verwendet  —  dergestalt  ausgeht,  dafs  nur  das  Queck- 
silber, nicht  aber  die  eigentliche  Füllungsflüssigkeit  des  Thermo- 
meters in  dasselbe  eindringen  kann.  Die  Menge  des  zur 
Compensation  dienenden  Quecksilbers  ermitteln  die  Verfasser  nicht 
durch  Rechnung,  sondern  sie  bestimmen  dieselbe  für  ein  jedes 
Instrument  durch  einen  eigenen  Versuch. 

Es  ist  klar,  dafs  solche  Instrumente  zu  Temperaturbeslim- 
mungen  nur  dann  dienen  können,  wenn  entweder  zu  ihrer  Füllung 
eine  Flüssigkeit  gewählt  wird,  welche  innerhalb  der  Temperatur- 


Plügker  h.  Gbibslkr.  35 

gräiizen,  für  welche  das  Instrument  dienen  soU^  sich  gleichförmig 
und  regelmäfsig  ausdehnt,  oder  wenn  die  Scale  der  ungleich- 
förmigen Ausdehnung  der  benutslen  Flüssigkeit  entsprechend 
graduirt  ist.  Dagegen  können  dieselben,  wenn  ihre  Scale  nach 
gleichen  Volumentheilen  der  Röhre  graduirt  worden,  sehr  wohl 
sur  Bestimmung  der  Ausdehnung  der  im  Instrumente  enthaltenen 
Flüssigkeit  selbst  dienen. 

Dies  ist  in  der  That  der  Gebrauch,  welchen  Hr.  Plücker 
zunächst  von  solchen  Instrumenten  gemacht  hat.  Er  hat  zur 
Füllung  seither  nur  Wasser  angewendet,  und  untersucht  auf 
diesem  Wege  die  Volumänderung  desselben  in  der  Nähe  des 
Punktes  der  gröfsten  Dichte,  ferner  die  Ausdehnung,  welche  das 
Wasser  beim  Gefrieren  erleidet,  und  die  Ausdehnung  des  festen 
Eises. 

Zum  erst  gedachten  Zwecke  erhielt  das  Instrument  eine 
etwas  abweichende  Gestalt;  es  wurde  in  das  äufsere  Gefafs  des- 
selben zur  sicherem  Bestimmung  der  Temperatur  noch  ein  sehr 
genaues  Quecksilberthermometer  von  gewöhnlicher  Einrichtung 
eingeschlossen,  dessen  feines  cylindrisches  Gefafs  in  die  innere  Kap- 
sel mit  dem  Compensationsquecksilber  tauchte;  das  durch  Kochen 
gut  luftleer  gemachte  Wasser  befand  sich  zwischen  dieser  Kapsei 
und  den  Wänden  des  äufseren  Glasgefäfses,  umgab  also  das 
Quecksilber  überall  in  einer  Schicht  von  geringer  Dicke;  endlich 
war  das  Thermometerrohr  horizontal  umgebogen,  um  die  bei  ver* 
iicaler  Stellung  der  Röhre  stattfindenden  Aenderungen  des  hydro- 
statischen Druckes  der  Quecksilbersäule  zu  umgehen,  und  an 
seinem  Ende  mit  einer  geschlossenen  und  mit  etwas  verdünnter 
Lufl  gefüllten  gröfseren  Erweiterung  versehen.  Die  Scale  des 
Instrumentes  war  so  gelheilt,  dafs  jeder  Theilstrich  ,^^^0000  vom 
Volumen  der  eingeschlossenen  Wassermenge  betrug. 

Es  wurden  mit  zwei  solchen  Instrumenten  mehrere  Ver* 
Suchsreihen  zwischen  — 4®  und  + 1^^  angestellt,  indem  sie  in 
ein  grofses  Gefafs  mit  Wasser  (bei  Temperaturen  unter  0  mit 
Alkohol)  gebracht  wurden,  dessen  Temperatur  nach  Erfordern  in 
verschiedener  Höhe  conslant  erhalten  oder  langsam  geändert 
werden  konnte.  Sie  gaben  sehr  übereinstimmende  Resultate. 
Die  beobachteten  Volumina,   die  man  in  der  Originalabhandlung 

3* 


3G  &•     Dichtigkeit  und  Ausdehnung. 

mitgelheilt  findet,  waren  zwischen  0®  und  -}"5®  etwas  kleiner» 
über  5^  hinaus  aber  etwas  gröfser  als  die  Angaben  von  Hall- 
ström, und  bei  allen  Temperaturen  etwas  gröfser  als  die  von 
Desprbtz.  Der  Punkt  der  gröfslen  Dichte  fand  sich  nahezu  bei 
3^80;  die  Temperatur,  bei  der  das  Volumen  des  Wassers  wieder 
eben  so  grofs  ist,  wie  bei  0^,  wurde  zu  7°,69  bestimmt;  übrigens 
glaubt  Hr.  Plücker  dafs  zwischen  diesen  Punkten  und  0^  die  Curve 
der  Volumenänderung  als  eine  Parabel  betrachtet  werden  kann, 
deren  Scheitel  der  Temperatur  der  gröfsteu  Dichte  entspricht. 

Die  Herren  Verfasser  machen  bei  dieser  Gelegenheit  noch 
darauf  aufmerksam,  wie  sehr  der  Ausdehnungscoefficient  des  Gla- 
ses nicht  nur  bei  den  verschiedenen  Glassorten,  sondern  auch 
bei  verschiedenen  Schmelzungen  aus  derselben  Hütte,  ja  biswei- 
len bei  verschiedenen  Stücken  derselben  Röhre  wechselt;  sie  sind 
geneigt  hauptsächlich  diesem  Umstände  die  Abweichungen  zwi- 
schen den  früheren  Versuchen  über  die  Ausdehnung  beizumesseni 
eine  Ansicht,  die  der  Berichterstatter  indefs  in  diesem  Umfange 
nicht  zu  theilen  vermag,  wiewohl  er  die  aus  dem  gedachten  Um- 
stände entspringende  Unsicherheit  nicht  in  Abrede  stellen  will. 

Um  die  Ausdelmung  des  Wassers  im  Augenblicke  des  Ge-. 
frierens  und  die  Volumenänderung  des  festen  Eises  zu  unter- 
suchen, wenden  die  Herren  Verfasser  ähnlich  construirte  thermo- 
metrische  Apparate  an,  bei  welchen  eine  mit  Wasser  gefällte 
Kapsel  sich  innerhalb  des  mit  Quecksilber  gefüllten  GePafses 
des  Thermometers  befindet,  und  mit  demselben  nur  durch  eine 
feine  Oefihung  communicirt.  Dieselben  wurden  Behufs  der  an- 
geregten Versuche  in  ein  grofses  Gefäfs  mit  Alkohol  gesenkt, 
welches  in  einer  Kältemischung  stand,  so  dafs  die,  übrigens  genau 
beobachtete,  Temperatur  des  Alkohols  sehr  allmälig  sank.  Zu 
Anfang  eines  jeden  Versuches,  bis  einige  Grade  unter  0,  gab  der 
Stand  der  Quecksilbersäule  in  der  Röhre  des  thermometrischen 
Instrumentes  die  Volumenänderungen  des  flüssigen  Wassers  an; 
dann  erfolgte  ein  plötzliches  starkes  Steigen  in  Folge  der  beim 
Gefrieren  des  Wassers  stattfindenden  Ausdehnung,  und  bei  noch 
weiter  fortgesetzter  Erniedrigung  der  Temperatur  sank  die  Queck- 
silbersäule wieder,  die  dann  stattfindende  Zusammenziehung  des 
festen  Eises  bekundend. 


Plückbh  II.  GsissLEa.  37 

Beim  Gefrieren  des  Wassers  wird  die  innere  Glashüile  zer- 
sprengt; dies  unterbricht  aber  den  Versuch  keineswegs,  und  hin- 
dert nicht,  die  weitere  Voluinenänderung  des  jetzt  in  Form  eines 
festen  Eisstückcs  in  der  Mitte  des  Quecksilbers  befindlichen  Was- 
sers und  endlich  auch  die  beim  Wiederaufthauen  staltfindende 
Volumenverminderung  zu  beobachten;  nur  kann  der  ganze  Ver- 
such dann  mit  demselben  Instrumente  nicht  nochmals  wiederholt 
werden. 

Die  Herren  Verfasser  haben  mit  vier  solchen  Instrumenten 
operirt,  von  denen  drei  sehr  übereinstimmende ,  das  vierte  aber, 
dessen  Constanten  übrigens  nicht  mit  voller  Sicherheit  bestimmt 
werden  konnten,  da  es  während  des  Versuches  beschädigt  wurde, 
etwas  abweichende  Resultate  gaben. 

Der  Ausdehnungscoefficient  des  Wassers  beim  Gefrieren  zu 
Eis  von  0^  fand  sich  =  0,09195  und  der  Coefficient  der  cubi- 
sehen  Ausdehnung  und  Zusammenziehung  des  Eises,  von  dessen 
Volumen  bei  0®  ausgehend,  =  0,000158  5. 

Die  Volumenänderung  des  Eises  durch  die  Wärme  ist  also 
mehrfach  gröfser  als  die  aller  übrigen  bisher  in  dieser  Hinsicht 
untersuchten  festen  Körper;  sie  ist  etwa  gleich  der  Volumen- 
änderung des  flüssigen  Wassers  bei  etwa  — 4®  bis  — 5°  und  bei 
-l- 13». 

Der  obige,  aus  den  Versuchen  der  Herren  Verfasser  hervor- 
gehende Werth  des  Ausdehnungscoefficienten  des  Eises  stimmt 
sehr  genau  mit  den  Versuchen  der  Herren  Schumachkr,  Pohrt 
und  Moritz^)  uberein,  welche  in  drei  von  einander  ganz  unab- 
hängigen Versuchsreihen  die  lineare  Ausdehnung  des  Eises  über- 
einstimmend =  0,000052  fanden,  woraus  sich  der  cubische  Aus- 
dehnungscoefficient =  0,000156  ergeben  würde.  Die  älteren 
Ermittelungen  dieses  Coefficienten  hatten  sehr  verschiedene  Werthe 
ergeben;  es  fanden  nämlich  diesen  Coefficient: 

Placidus  Heinrich     ,    .    .  =  0,000735, 

Brunner  ....     zwischen  0,000093  und  0,000124, 

und  nach  anderer  Methode  =  0,000310, 

Marchand =  0,000105.  Bx. 

0  Berl.  üer.  1850,  5J.  p.48. 


3g  5.     Dichtigk-eit  uud  Ausdehnung. 

M.  L.  Frakkbkhgim.  Ueber  das  Volumen  des  Wassers  bei  ver- 
schiedenen Temperaluren  nach  J.  Pierrb's  Beobachtungeu. 
PoGG.  Ann.  LXXXVI.  451 -464t;  Ann.  d,  cliim.  (3)  XXXVII.  74; 
Fbchnbü  C.  B1.  1853.  p.  820-820. 

Der  Hr.  Verfasser  berechnet  in  diesem  Aufsatze  aus  den 
Versuchen  von  Pierre  über  die  Ausdehnung  des  Wassers,  die 
er  für  sehr  genau  und  zuverlässig  hält,  Interpolationsformeln  von 
der  Form  Vt  =  A-\' 01-^61*  + Dt\ 

Pierre  hat  neun  Reihen  von  Beobachtungen  innerhalb  ver- 
schiedener Temperalurintervalle,  zum  Theil  mit  verschiedenen 
Wasserthermomelern,  angestellt  (Ann.  d.  chim.  (3)  XV.  325;  Berl. 
Ber.  1845.  p.  37).  Er  hat  aus  denselben  nicht  eine  Formel  der 
obigen  Form  hergeleitet,  wie  er  für  die  übrigen  von  ihm  unter- 
suchten Flüssigkeiten  gethan,  weil  sich  die  verschiedenen  Ver- 
suchsreihen nicht  befriedigend  durch  ein  und  dieselbe  Formel 
darstellen  liefsen. 

Hr.  Frankbnheim  behandelt  die  einzelnen  Versuchsreihen  für 
sich  und  berechnet  für  jede  derselben  eine  Interpolationsformel 
der  Form 

worin  Vt  das  Volumen  des  Wassers  bei  der  Temperatur  t\  das 
Volumen  bei  0°  =  1  gesetzt,  bedeutet,  indem  er  die  Coefficien- 
ten  Ai  B,  C  nach  der  iMethode  der  kleinsten  Quadrate  aus  den 
sämmtlichen  Versuchen  der  betreffenden  Reihe  herleitet.  Er  er- 
hält so,  indem  er  die  zweite  und  sechste  Versuchsreihe  von 
Pierre  zusammenfafst,  welche  mit  demselben  Wasserthermometer 
und  bei  benachbarten  Temperaturen  angestellt  sind,  und  aus  den- 
selben Gründen  die  dritte  Reihe  mit  der  fünften  vereinigt,  fol- 
gende 7  Interpolationsformeln: 

1)  Für  das  Intervall  —  13«  bis  0^ 

Vi  =  1  —0,000091  17/ +0,000001  449 <«— 0,000000  5985(\ 

2)  Für  das  Intervall  + 1°  bis  +7°: 

Vi  =  1  —0,000062  84(4-0,000008  716f*— 0,0<X)000  1004(1 

3)  Für  das  Intervall  -|-3°  bis -}- 18«: 

Fi  =  1  —0,000061  20f-}- 0,000008  174(«-.  0,000000  0570r'. 

4)  Für  das  Intervall  -fö*»  bis  -f-13^ 

F<  =  1  —0,000067  .56/  +  0,000009  577(*— 0,000000  1328(^ 


FaANKIllUClM. 


39 


5)  Für  das  Intervall  ö""  bis  14^ 

Vi  =  1  —0,000056  Olf +0,000007  128#'— 0,000000  0066<». 

6)  Für  das  Intervall  21His57^* 

Fi=  1— 0,000042  22f +0,000006  470f'— 0,000000  01800«». 

7)  Für  das  Intervall  55^  bis  98^ 

F,  =  1  -  0,000033  10/ +0,000006  223^^0,000000  01527<». 

Wie  man  sieht,  zeigen  die  CoefBcienten  auch  derjenigen 
Formeln,  welche  für  nahe  dasselbe  Intervall  gelten,  sehr  merk- 
liche Unterschiede;-  ein  Umstand,  der  auf  constante  Fehler  der 
einseinen  Versuchsreiben  Hindeutet.  Die  Unterschiede  m  den 
nach  einer  oder  der  anderen  dieser  Formeln  berechneten  Volu- 
mina sind  indeCs  nicht  so  grols,  als  man  nach  der  grofsen  Ver- 
schiedenheit der  Coefficienten  erwarten  sollte;  sie  afGciren  nur  in 
einigen  Fällen  die  fünfte  Zififer. 

Hr.  Frankbnheim  hat  nun  nach  jeder  seiner  Formeln  inner^ 
halb  der  Gränzen^  für  welche  sie  giltj  das  Volumen  von  Grad  zu 
Grad  berechnet,  und  aus  den  nach  den  verschiedenen  Formeln 
für  dieselbe  Temperatur  sich  ergebenden  Werthen  das  Mittel  ge- 
nommen. Er  erhält  so  folgende  Tafel  für  die  Volumina  des 
Wassers  zwischen  — 15®  und  + 100°,  das  Volumen  bei  0°  gleich 
1  gesetzt. 


Tenpe- 
ratnr. 

Volumen. 

Tempo- 
ra tor. 

Yolnmen. 

Tempe- 
ratur. 

Volumen. 

Gr.C. 

Gr.C. 

Gr.C. 

-15 

1,0037584 

+  2 

0,9999084 

+  19 

1,0013965 

14 

32446 

3 

.  8872 

20 

15940 

13 

27839 

4 

8820 

21 

17897 

12 

23729 

5 

8903 

22 

20108 

11 

20070 

6 

9148 

23 

22310 

10 

16851 

7 

9528 

24 

24648 

9 

14013 

8 

1,0000044 

25 

27075 

8 

11526 

9 

0694 

26 

,   29588 

7 

9355 

10 

1482 

27 

32211 

6 

7465 

11 

2392 

28 

34944 

5 

5819 

12 

3420 

29 

37758 

4 

4382 

13 

4557 

30 

40710 

3 

3117 

14 

5877 

31 

43741 

2 

1989 

15 

7275 

32 

46848 

-  1 

0962 

16 

8784 

33 

50061 

0 

1,0000000 

17 

1,0010404 

34 

53380 

+  1 

0,9999458 

18 

12132 

35 

56770 

40 


5.    Dichtigkeit  und  Ausdehnung. 


Tempe- 
ratar. 

Volumen. 

Tempe- 
ratur. 

Volumen. 

Tempe- 
ratur. 

Volumen. 

Gr.C. 

Gr.C. 

Gr.C. 

+  36 

1,0060228 

+  58 

1,0159195 

+  80 

1,0293600 

37 

63825 

59 

164040 

81 

300316 

38 

67526 

60 

171180 

82 

307090 

39 

71292 

61 

176705 

83 

313916 

40 

75120 

62 

182292 

84 

3207/9 

41 

79048 

63 

187954 

85 

327692 

42 

83076 

64 

193677 

86 

334652 

43 

87161 

65 

199465 

87 

341657 

44 

91344 

66 

205326 

88 

.348709 

45 

95625 

67 

211244 

89 

355803 

46 

99958 

68 

217226 

90 

362943 

47 

1,0104387 

69 

223270 

91 

370124 

48 

108912 

70 

229376 

92 

377347 

49 

113484 

71 

235542 

93 

384611 

50 

118150 

72 

241769 

94 

391905 

51 

122910 

73 

248054 

95 

399247 

52 

127712 

74 

254399 

96 

406627 

53 

133210 

75 

260782 

97 

414035 

54 

138539 

76 

267239 

98 

421488 

55 

143596 

77 

273750 

99 

4-28967 

56 

148730 

78 

280316 

100 

436490 

57 

153922 

79 

286928 

Als  wahrscheinlichsten  Werth  der  Temperatur  der  gröblen 
Dichte  findet  Hr.  Frankgnheim  aus  den  PiBRRe'schen  Versuchen 
3^86. 

Zum  Schlüsse  bemerkt  der  Hr.  Verfasser,  dafs  er  diese  Ar- 
beit ursprünglich  in  der  Hoffnung  unternommen  habe,  den  ma- 
thematischen Ausdruck  eines  Naturgesetzes  zu  finden,  das  alle 
Beobachtungen  umfafste,  und  mit  der  Abänderung  einer  oder 
mehrerer  Constanten  für  die  Ausdehnung  aller  Flüssigkeiten  Gül- 
tigkeit haben  müfste.  Seine  Bemühungen  seien  aber  vergeblich 
gewesen.  Keine  von  den  aus  theoretischen  Betrachtungen  her- 
geleiteten Formeln,  auch  nicht  die  von  ihm  selbst  vor  einigen 
Jahren  entwickelte,  stellte  die  Beobachtungen  in  genügender 
Weise  dar. 

ßx. 


BÄDEKEB.  —    6.  Man r»  II.  Messen*    Deleuil.   Kufffeh.        4f 

F.  Bädrkbr.  '  lieber  Verdünnung  und  Verdichtung  von  Flüs- 
sigkeiten   zu    einem    bestimmten    specifischen    Gewichte. 

Arch.  d.  Pharm.  (2)  CXX.  f-lSf. 
Hr.  ßÄDEKBR  beschreibt  die  Einrichtung  und  Anwendung  eines 
Rechenschiebers,  den  er  zur  Berechnung  von  Aufgaben^  wie  sie 
in  der  Ueberschrift  genannt  sind,  construiri  hat.  Die  dasu  noth- 
wendigen  Scalen  für  Weingeist,  Kali-,  Natronlauge,  Ammoniak- 
flussigkeit,  Salzsäure,  Schwefelsäure,  Salpetersäure  und  Essigsäure 
sind  enthalten  in  der  in  Elberfeld  erschienenen  9,  Chemischen 
Rechentafer'  des  Hrn.  BXdekbr.  Vermittelst  eines  solchen  Re- 
chenschiebers findet  man  sehr  leicht  für  eine  wasserhaltige  Flüs- 
sigkeit von  gegebenem  specifischem  Gewicht  ihren  Procentgehalt, 
ihren  Handelswerlh,  ihr  Atomgewicht,  die  Wassermenge,  die  man 
zufügen  oder  durch  Verdampfung  entfernen  mufs,  um  dieselbe 
Flussigkeit  auf  ein  anderes  specifisches  Gewicht  zu  bringen. 

Kr. 


6.    Maafs  and  Messen. 


Delecil.     Sur  un  procöde  qui  permet  d  eialonner  rigoureusc- 
ment  les  poids  destines  ä  des  pesees  trcs-exacles.     c.  R. 
XXXIV.  212-2l3i. 
Hr.  Deleuil  schlägt  vor,  Normalgewichte  erst,  nachdem  oben 

eine  kleine  goldene  Schraube  fest  eingeschroben,   zu  vergolden. 

Man  kann  nun  die  Oberfläche  poliren   und  durch  Befeilen  der 

Goldschraube  das  Gewicht  auf  das  Genaueste  reguliren.        V. 


A.  T.  KipppER.     Döterminalion  du  poids  d'un  pouce  cubo  d eau. 
Inst.  1852.  p.32-a2t. 

In  dem  angeführten  Aufsalze  wird  nur  mitgetheilt,  dafs  Herr 
KupPFBR  vorhabe,  das  Gewicht  eines  CubiczoUs  Vi^asser  genauer 
wie  bisher  zu  bestimmen.  Die  Resultate,  sagt  er,  würden  wohl 
bald  bekannt  gemacht  werden.  V. 


42  6.    Maafs  uud  Messen. 

G.  Sandbebgbr.  Neues  Mersiostrumeut  für  direcle  Vertical- 
messungen  von  Vertiefungeü  und  Erhöhungen  kleinerer, 
besonders  naturhislorischer  Gegenstände.  Pooe.  Aon.  LXXXV. 

97-99f. 

Hrn.  Sandbbrger's  Instrument  eignet  sich  für  Verticalmessun- 
gen  treppenartig  auf-  und  absteigender  biconvexer  und  bicon- 
caver,  planconvexer  und  planconcaver  Körper,  deren  Abdachungs- 
grörsen  man  an  den  verschiedenen  diametralen  Punkten  messen 
kann. 

Das  Instrument  besteht  aus  einem  Millimeter maatsstabe,  der 
auf  einem  kleinen  Messinglineale  eingravirt  ist  An  dem  oberen 
Ende  des  letzteren  befindet  sich  in  fester  rechtvtrinkliger  Verbin- 
dung ein  Arm,  der  einen  spitzen  nach  unten  gerichteten  Stahl- 
kegel trägt.  Ein  zweiler  Arm  kann  am  Lineal  vermittelst  einer 
sanft  gleitenden  Hülse  verschoben  werden.  Er  trägt  gleichfalls . 
einen  Slahlkegel,  dessen  Spitze  der  des  erstem  am  festen  Arm 
befindlichen  zugewandt  ist  und  ihr  correspondirt.  Zwischen  die 
beiden  Spitzen  wird  nun  das  zu  messende  Object  gebracht,  die 
Distanz  derselben  am  Miliimetermaarsstab,  der  mit  Nonius  verse- 
hen ist,  abgelesen  (bis  auf  -jV  MiUimeter),  Am  besten  braucht 
man  das  Instrument  ohne  Stativ,  und  befestigt  die  zu  messenden 
Gegenstände  der  bequemen  Handhabung  wegen  mittelst  Wachs 
auf  passenden  Stielchen. 

Hr.  Sandbbrgbr  gebrauchte  den  Apparat  besonders  zur  Un- 
tersuchung der  treppenarlig  abgestuften  Vertiefungen  der  innern 
Windungen  lebender  und  vor  weltlicher  Conchylien.  V. 


M.  G.  V.  Paucker.  Das  astronomische  Längenmaafs.  Bull.  d. 
St.  Pet.  X,  209-232t;  Fbchnkr  C.  Bl.  1853.  p.  816-818;  Dinglbr 
J.  CXXX.  238-238. 

Hr.  Paucker  hat  Baily's  Vergleichungen  des  mittleren  Yards 
mit  dem  Meter  einer  neuen  strengen  Ueberrechnung  nach  neueren 
Methoden  unterzogen.  Er  nennt  den  36sten  Theil  des  Yards  einen 
astronomischen  Zoll,  und  findet,    dafs  der  englische  Strichmeter 


Sanoberokr,     y.  Pauckkr.    Lasch.  43 

39^68965  78  astronomische  Zoll,  der  französische  Strichiueter 
39,369658  28,  der  englische  Flächenmeter  39,369403  47  Zoll  ent- 
hält, wobei  vorausgesetzt  wird,  dafs  die  Temperatur  der  Meter 
gleich  der  Frostwärme,  die  des  Yards  =  62^  F.  sei. 

Die  Metallausdehnung  für  VF»  beträgt  nach  seiner  Rechnung 

für  Messing 0,000010  39722 

für  Platin 0,000005  079166. 

Wegen  des  Naheren  mub  auf  die  Arbeit  selbst  verwiesen  werden. 

r. 


W.  Lasch.  Bemerkungen  über  das  absolute  Gewicht  der 
atmosphärischen  Luft  in  Berlin,  so  wie  über  die  Verglei- 
chung  der  preufsischeu  Maafse  mit  den  französischen  und 
englischen.  Pooo.  Aon.  Erg.  HI.  321 -351t;  Ghem.  C.  Bl.  1852. 
p.  147-150;  Fkchner  C.  Bl.  1853.  p.  815-816,  819-820. 

Wir  begnügen  uns  hier  die  Resultate  anzuführen. 
Der  preufsische  Fufs  ist  .  .  =  0,313853  542749  37454  Meter, 
Der  preufsische  Cubicfufs  ist  =  0,030915  843905  2  Cubicmeter. 
Bin   CubiczoU    trockene  Luft   in  Berlin  bei  0®  und  760  MiUim. 
Luftdruck  wiegt  0,380019  79147  preufs.  Gran,  ein  Liter  derselben 
Luft  1,293635  Gramm. 

Ein  Cubiczoll  Sauerstoff .  .  =  0,420161  preufs.  Gran 
Wasserstoff .  =  0,026323 
Stickstoff  .  .  =  0,369136 
Kohlensäure .  =  0,581083 
und  ebenso 

ein  Liier  Luft =  1,293635  Gramm. 

Sauerstoff   .  =  1,430279 
Wasserstoff.  =0,089608 
Stickstoff  .  .  =  1,256585       - 
Kohlensäure  =  1,978077 


44  ^'     Maafs  und  Messen. 

BauchoI'F.  Snr  le  raoyen  de  donner,  par  les  chlffres,  des 
noUons  justes  de  relendue  des  difiorenls  pays.  c.  R. 
XXXV.  836-8391;  Cosuios  II.  407-408. 

Hr.  Balachoff  schlagt  vor,  die  Grörse  der  Länder  und  Meere 
nicht,  wie  üblich,  nach  Quadralmeiien,  sondern  nach  Quadrat- 
graden anzugeben.  Die  Zahlen  werden  kleiner  und  ihre  Ver- 
gleichung  leichter. 

Er  findet  z.B.  dafs  Europa  etwa  796,  Asien  3365,  Afrika 
2366,  Nordamerika  2000,  Südamerika  1447,  Australien  875  Qua- 
dratgrade  grofs  ist.  Wir  führen  noch  die  Gröfse  einiger  Inseln  an, 
nach  derselben  Einheit  gemessen: 

Bomeo 58,12 

Madagaskar 49,5 

Grofsbrilannien  ....     17,54 

Java 11,25 

Cuba 7,8 

Island 6,25 

Ceylon 5 

Sicilien 2,2 

Jamaica 1,3 

Cypern 1 

Corsica 0,7 

Candia 0,7. 

Das  Land  der  Erde  enthält  10850,  das  Wasser  41126  Quadrat- 
grade. 

Es  werden  in  dem  Aufsatz  noch  mehrere  dergleichen  Gröfsen- 
bestimmungen  angegeben,  die  wir  hier  übergehen.  F« 


C.  Brunner.      lieber    die    Bestimmung    von    Gasgemeogen. 

Mitth.  d.  naturf.  Ges.  in  Bern  J852.  p.225-242f;  Arclj.  d.  scphys. 
XXII.  5-2li;  Erdmann  J.  LX.  37-40. 

Das  Gas  wird  in  eine  oben  geschlossene  10  bis  II  MiUi- 
meler  weite  mit  Quecksilber  gefüllte  Glasröhre  gebracht,  deren 
Inhalt  in  Quccksilbermilligrammen  ausgedrückt,  bekannt  ist.  Aus 
dem  Gewicht  des  in  der  Röhre  zurückbleibenden  Quecksilbers 


BalACHOPF.     BftUVMBR.    DxNIBL.  4g 

kann  nun  die  Menge  des  Oases  in  Raumlheilen  von  Quecksilber* 
milligrammen  bestimmt  werden.  Das  so  gefundene  Volumen 
wird  durch  Rechnung  auf  beliebigen  Druck  und  Temperatur 
reducirt. 

im  Verlauf  des  Aufsatzes  wird  angegeben,  wie  diese  Methode 
auf  hypsometrische  und  eudiometrischc  Bestimmungen  anzuwen- 
den sei. 

Statt  des  Quecksilbers  kann  auch  Wasser  genommen  wer- 
den,  natürlich  nur  bei  Gasarten,  die  nicht  von  demselben  absorbirt 
werden. 

Die  Genauigkeit  ist  selbstverständlich  in  dem  Maafse  gerin- 
ger, wie  das  specifische  Gewicht  des  Wassers  geringer  ist  als 
das  des  Quecksilbers. 

Der  zu  diesen  Messungen  construirte  Apparat  gewährt  die 
nothige  Bequemlichkeit  und  Sicherheit  bei  den  verschiedenei^ 
nothwendigen  Manipulationen,  so  wie  bei  der  Bestimmung  der 
Temperatur  und  Feuchtigkeit  der  zu  untersuchenden  Gasarten. 

r. 


Dkkibl.  Nolice  sur  un  lachonietre  destin^  ä  servir  d'indir 
cateur  de  la  marche  aux  conducteurs  de  locomolives, 
et  ä  Iracer  les  diagrammes  de  la  vitessc.  Ann.  d.  mines 
(5)  II.  217-226t;  Polyt.  C.  BI.  1853.  p.  843-845. 

Die  Einrichtung  des  Instruments  ist  im  Wesentlichen  fol- 
gende. Eine  horizontale  Axe  A\ird  mittelst  Schnur  ohne  Ende  durch 
die  Locomotivaxe  herumgedreht.  Vier  Kugeln,  die  durch  ela- 
stische Federn  mit  ersterer  verbunden  sind,  werden  sich  nun  durch 
die  Centrifugalkraft  um  so  weiter  von  der  Axe  entfernen,  je 
schneller  sie  gedreht  wird,  d.h.  je  grSfser  die  Geschwindigkeit 
der  Locomotive  ist.  Aehnlich  wie  beim  Centrifugalregulator  der 
Dampfmaschinen  wird  auch  hier  durch  die  sich  von  der  Axe 
entfernenden  und  sich  ihr  nähernden  Kugeln  ein  Schieber  in 
Bewegung  gesetzt,  der  weiter  durch  geeignete  Hebelvorrichlung 
einerseits  einen  Zeiger  auf  einer  empirisch  getheilten  Scheibe  be- 
wegt, andererseits  einen  Bleistift  auf  einer  kreisförmigen  Papier- 
scheibe führt,  die  sich  durch  ein  Uhrwerk  in  6  Stunden  einmal 


46  ^*    Maafs  und  Messen. 

herumdreht.  Ersteres  dient  dasu,  dnn  Locomotivführer  jederseil 
die  Geschwindigkeii  anzuzeigen,  leizleres  um  graphische  Darstel- 
lungen der  wechselnden  Geschwindigkeit  während  der  ganzen 
Fahrt  behufs  Controile  oder  dergleichen  zu  gewinnen.  V. 


Navez.  Ueber  die  Eiurichtung  seiner  elektroballislischcn 
Vorrichtung  zur  Messung  der  Flugzeiten.  Arch.  f.  Artill.Off. 
XXXI.  152- 160t. 

Die  Vorrichtung  dient  dazu,  die  Zeit  zu  messen,  welche  ein 
Geschofs  braucht,  um  eine  bestimmte  Strecke  zurückzulegen.  Die 
Zeit  wird  aber  gemessen  durch  den  Raum,  den  ein  Pendel  wäh- 
rend der  gleichen  Zeit  durchlaufen  hat. 

•       Der  Apparat  besteht  aus  3  Theilen:  dem  Pendel,  dem  Strom- 
schlielser  und  dem  Stromunterbrecher. 

1)  Das  Pendel  hängt  vor  einem  Gradbogen,  der  löO®  um- 
fafst  yV  ^  ^^"^  mittelst  Noniusvorrichtung  abzulesen.  Die  Linse 
des  Pendels  enthält  ein  Stück  weichen  Eisens,  so  daCs  ein  Elektro- 
magnet, dessen  Thätigkeit  durch  einen  vor  der  Geschützmündung 
vorbeigeführten  Strom  erweckt  wird,  den  Pendel  in  seiner  anfang- 
lichen gehobenen  Lage  erhalten  kann.  Am  Pendel  befindet  sich 
ein,  ebenfalls  mit  einem  Stück  weichen  Eisens  versehener  Zeiger, 
dessen  Bewegung  durch  emen  zweiten  Elektromagneten  auf- 
gehalten werden  kann,  ohne  dafs  das  Pendel  selbst  plStzUch  zur 
Ruhe  kommL 

2)  Der  Stromschliefser  besteht  aus  einem  Elektromagnet 
ten,  der  seine  Thätigkeit  von  einem  Strom  erhält,  welcher  durch 
eine  auf  eine  bekannte  Entfernung  vor  der  Geschülzmündung 
aufgestellte  Rahmenscheibe  läuft  Sobald  durch  den  dieselbe 
treffenden  Schufs  der  leitende  Draht  zerrissen,  wird  der  Strom 
unterbrochen;  der  Anker  des  Elektromagneten,  bestehend  aus 
einem  mit  weichem  Eisen  versehenen  Bleigewicht,  fallt  ab,  und 
triflt  alsbald  ein  Metallblättchen,  biegt  selbiges  etwas  abwärts,  und 
bewirkt  dadurch  sofort  eine  Schliefsung  des  Stromes,  durch 
den  der  Elektromagnet  in  Thätigkeit  gesetzt  wird,  wel- 
cher den  Zeiger  des  Pendels  anzuhalten  bestimmt  ist. 


Nayez.  47 

3)  Der  SiromunterbMcher,  ein  kleines  mit  einem  Drücker 
versehenes  Instrument^  ist  bestimmt,  gleichseitig  die  beiden 
Strome  zu  unterbrechen  die  von  dem  Geschofs  selbst,  einer 
nach  dem  andern  unierbrochen  werden  sollen. 

Man  gebraucht  nur  den  Apparat  in  folgender  Weise: 

Das  Pendel  sei  in  seiner  gehobenen  Lage  auf  dem  Nullpunkt 
der  Theilung  durch  den  Elektromagnet  gehalten.  Man  setze  nun 
den  Drücker  des  Stromunterbrechers  in  Thätigkeit;  das  Pendel 
setzt  sich  in  Bewegung,  das  Bleigewicht  des  Stromschliefsers 
beginnt  gleichzeitig  zu  fallen.  Sobald  dasselbe  das  Melaliblält- 
chen  trist,  wird  der  Zeiger  des  Pendels  arretirt  an  einem  Punkte 
der  Eintheilung,  den  man  veränderlich  machen  kann,  je  nachdem 
man  die  dem  Gewichte  des  Stromschliefsers  zu  ertheilende  Fall- 
hohe  verändert.  Der  Bogen,  den  der  Zeiger  bei  diesem  ersten 
Versuch  durchlaufen,  sei  =  a. 

Man  schliefse  nun  wieder  den  Stromunterbrecher,  bringe 
Pendel  und  Gewicht  des  Stromschliefsers  in  ihre  anfängliche 
Lage,  und  schiefse  nun.  Zerrisse  die  Kugel  gleichzeitig  beide 
Drähte,  die  sie  auf  ihrer  Bahn  trifft,  so  würde  der  Zeiger  des 
Pendels  wie  vorher  auf  denselben  Theilslrich  arretirt  werden. 
Aber,  da  sie  dieselben  nach  einander  zerreifst,  so  geht  der  Zei- 
ger ein  Stück  weiter,  er  durchlauft  den  Bogen  a^  Der  Unter- 
schied ((/ — a)  entspricht  der  Zeit,  die  das  Geschofs  braucht,  um 
von  einem  Draht  zum  andern  zu  gelangen.  Eine  im  Voraus 
berechnete  Tafel  ergiebt  die  Zeit,  welche  dem  Bogen  a' — a 
entspricht. 

Gegen  die  Mitte  der  Schwingung  des  Pendels  entsprach  bei 
dem  angewandten  Apparat  |®  der  Zeit  von  0,00035  Secunden. 

Die  mit  denselben  angestellten  Messungen  geben  sehr  über- 
einstimmende Resultate.  V. 


48  ^*    Maafs  und  Messen. 

G.  Decoer.     lieber  die  Beslimmung    der   Constanlen    eines 
Hippschen  Chronoskops.     Dingler  j.  CXXV.  12-I8t. 

Die  Zeil,  welche  ein  Hipp'sches  Chronoskop ')  als  Dauer 
einer  Bewegung  angiebt,  wird  nur  dann  richtig  sein,  wenn  die 
Zeit,  die  nach  dem  Oeffnen  der  Kette  die  Feder  braucht,  um  den 
Zeiger  mit  dem  Uhrwerk  in  Verbindung  zu  setzen,  genau  die- 
selbe ist  wie  die  Zeit,  weiche  der  Elektromagnet  nach  dem 
Schliefsen  der  Kette  braucht,  um  den  Zeiger  wieder  auszurücken. 
Letztere  ist  um  so  küi*zer,  je  stärker  der  angewandte  elektrische 
Strom  war;  und  in  der  That,  wenn  man  z.  B.  die  Dauer  der  hal- 
ben Schwingung  eines  Secundenpendels  mifst,  so  werden  die 
Zeitangaben  des  Chronoskops  kürzer  bei  stärkeren,  länger  bei 
schwächeren  Strom.  Es  kommt  nun  darauf  an,  die  Stärke  des- 
jenigen Stroms  zu  bestimmen,  bei  welchen  das  Instrument  die 
Dauer  richtig  angiebl. 

Mifst  man  bei  Anwendung  einer  Stromstärke  von  gewisser 
Intensität  z.  ß.  30®  die  Dauer  einer  halben,  darauf  die  Dauer  von 
5  halben,  darauf  die  von  9  h<ilben  Schwingungen,  so  wird  man 
für  die  Zeildauer  von  i  bis  ^,  oder  von  {  bis  |  Schwingungen 
dieselben  Werthe  erhalten,  da  der  Zeitunterschied 'zwischen  der 
Dauer  von  |  und  i,  so  \\ie  zwischen  |  und  f  Schwingungen 
unabhängig  ist  von  der  Zeit  für  das  Ein-  und  Ausrücken  des 
Zeigers,  indem  diese  für  dieselbe  Stromstärke  die  gleiche  bleibt, 
und  bei  jeder  Zeitbestimmung  auf  gleiche  Weise  in  Rechnung 
kommt. 

Mittelst  einer  in  der  Abhandlung  genauer  beschriebenen  Vor- 
richtung wurden  nun  Versuche  der  Art  gemacht.  Eine  empfind- 
liche Bussole  diente  zum  Messen  der  Stromstärke,  ein  ein- 
geschalteter Rheostat  zum  Verändern  derselben. 

Bei  einer  Stromstärke  von  30^  32S  34^  35^  36^  38°,  40° 
erhielt  man  für  die  Dauer  einer  halben  Schwingung  beziehungs- 
weise 539,  519,  511,  509,  505,  502,  498  Tausendstel  einer  Se- 
cunde,  für  die  Dauer  von  |  Schwingungen  2,574",  2,556",  2,548", 
2,546",  2,543",  2,539",  2,535,  für  die  von  f  Schwingungen  4,610", 
4,593",  4,586",  4,582",  4,580",  4,577",  4,572".    Der  Unterschied 

')  S.  die  Beschreibung  desselben  in  Dinoler  J.  CXIV.  255. 


Dbchka.  49 

in  der  Dauer  von  i  und  i,  ebenso  von  f  und  i  Schwingungen 
ist  für  alle  die  verschiedenen  Stromstärken  derselbe,  im  Mitlei 
also  2,037"  die  richtige  Angabe  der  Dauer  von  zwei  Schwingun- 
gen^  folglich  die  einer  halben  »  0,509''. 

Man  bezeichne  den  Zeitunterschied  für  das  Ein-  und  Aus- 
rücken des  Zeigers  mit  x,  die  Zeit  einer  halben  Schwingung  mit 
<,  so  hat  man  für  eben  Strom  von  30^  nach  den  obigen  An- 
gaben: 

/-f  T  =  0,539"       5/+  T  «  2,574"       9«+  %  =  4,6J0" 
5(f  4-t)  =  M4-5T  =  2,695" 

9(«-h^)  =  9^9^  =  4,851" 

also  in  Tausendstekecunden  ausgedrückt 

4t  =121  8t  ==  241 

T  =  30,25  T  =  30,13. 

Für  die  übrigen  Stromstärken  ergeben  die  Versuche 
für  32^      34^       35^       36^        38^       40^ 
beziehungsweise  %  im  Mittel 

=  +9,75,  + 1,67,  —0,17,  —4,42,  —7,33,  —  1 1,25. 
Um  also  mit  dem  hier  gebrauchten  Chi^onoskop  richtige  Angaben 
ni  erhalten,   mufstd  man  stets  eine  Stromstärke  von  etwas  we- 
niger als  35®  anwenden,   denn  bei  dieser  betrug  der  Zeitunter- 
schied für  das  Aus-  und  Einrücken  des  Zeigers  0,17. 

Eine  zweite  zu  suchende  Constante  ist  das  Verhältuifs  der 
vom  Chronoskop  als  Zeiteinheit  angegebenen  Zeit  tu  der  wah- 
ren Zeiteinheit. 

Um  selbige  zu  bestimmen  wird  das  vorher  angewandte 
Pendel  mit  einer  Secundenuhr  verglichen.  Man  fand  bei  einer 
Temperatur  von  10^  dafs  1120  Schwingungen  in  1140Secunden 
vollbracht  worden,  also  eine  halbe  Schwingung  in  0,5069",  wäh- 
rend das  Chronoskop  0,509"  angab.  V. 


Porlschr.  d.  Phys.  VUl. 


50  7.     Mechanik.  , 

7.     Mechanik. 


Grelle.     Ueber  die  Salze  vom  Parallelogramm  der  Kräfte 
üiid  vom  Hebel,  so  wie  vom  Parallelepipedum  der  Kräfte. 

Grelle  J.  f.  Matli.  XLIV.  220- 260t. 

Der  Hr.  Herausgeber  des  Journ.  f.  Malh.  will  durch  diese 
Betrachtungen  einen  Beitrag  zur  einfacheren  und  klareren  Be- 
gründung der  Elemente  liefern;  für  diesen  Zweck  wäre  eine 
durchsichtigere  und  präcisere  Darstellung  zu  wünschen  gewesen. 

Wir  finden  zunächst  einen  Beweis  des  Satzes  vom  ParaUelo- 
gramm  der  Kräfte^  wobei  der  vom  Hebel  vorausgesetzt  ist,  un- 
gefähr die  Unkehrung  der  gewöhnlichen  Deduction  des  Satzes 
vom  Hebel  aus  dem  vom  Paralielogramm.  Diese  folgt  dann 
selbst,  etwas  mbdificirt  Hr.  Csbllb  giebt  ferner  für  beide  Sätze 
zwei  von  einander  unabhängige  Beweise,  in  denen  Vorstellungen 
aus  der  Dynamik  benutzt  werden;  sie  sind  nicht  einfach  genug, 
um  wie  der  von  Cöx  (Berl.  Ber.  1850,  51.  p.82)  hier  referirt 
werden  zu  können«  In  Betreff  des  Ueberganges  vom  Rationalen 
zum  Irrationalen,  den  man  bei  dem  gewöhnlichen  Beweise  für 
den  Satz  vom  Hebel  machen  mufs,  weist  Hr.  Crbllb  (wie  schon 
in  seinem  Lehrb.  d.  Geom.  1826f)  darauf  hin,  dafs  man  einen 
solchen  Uebergang  nur  einmal  für  alle  in  dem  ganzen  Gebiete 
der  Mathematik  vorkoomiende  Fälle  der  Art  zu  machen  habe. 
Den  Schlufs  bildet  eine  Zusammenstellung  der  geometrischen 
Eigenschaften  des  Parallelepipedums.  BU 


W.  MxiTZKA.     Wann    liegt   der   Schweipunkt   eines    ebenen 
Vierecks  aufserhalb  desselben?  Guunbht Arch. XVIIi. 352-356t. 

Es  wird  gezeigt,  dafs  dies  eintritt,  wenn  die  innere  Diagonale 
des  Vierecks,  welches  natürlich  einen  einspringenden  Winkel 
haben  mufs,  kleiner  ist  als  ihre  Verlängerung  bis  zur  äufseren 
Diagonale,  und  das  Verhältnifs  dieser  beiden  Linien  kleiner  als 
das  Verhältnifs  des  kleineren  Abschnitts  der  äufseren  Dia*gonale 
zum  gröfseren.  Bl. 


CAEI.I.B.    Matzka.   Täte.   Gruvbat.   Dismgsr.   Bsrtaaho.     5| 

T.  Tatk.     On  tbe  molion  of  a  body   od   an   incIiDed   plate, 
when  the  friclion  is  given.     Mech.  Mag.  LVI.  66-70t. 

Die  hierher  gehörigen  Aufgaben  werden  zum  Theil  durch 
geometrische  Betrachlungen  gclSst.  Bu 


].  A.  Gbonbbt.    Aufgaben  aus  dem  Attractionscalcül.   Gaum bbt 
Arcij.  xvui.  i-aof. 

Der  Verfasser  ivünscht  die  Aufgaben  aus  dem  von  SchlS- 
vocH  80  genannten  Attractionscalcül  vermehrt  zu  sehen.  Er  selbst 
verspricht  eine  Reihe  von  Abbandlungen  darüber»  wovon  die  vor- 
liegende die  erste  ist.  Sie  behandelt  die  Anziehung  eines  Punk- 
tes durch  eine  Linie,  eine  Kreisfläche  und  eine  Kugel,  und  bietet 
denmach  noch  nichts  Neues.  Bt 


J.  DiBNGEB.     Ueber  die  Gleichungen  der  Bewegung.    Anwen- 
dungen derselben.     Gaumbrt  Areh.  XYIil.  91-101t. 

Eine  Ableitung  der  LAORANGE'schen  Form  für  die  dynami- 
schen Differentialgleichungen,  und  Anwendungen  derselben  auf 
mehrere  Aufgaben;  nach  Vieille.    Liouvillb  J.  1849.        BU 


J.  Bbbtband.     Sur  un  nouveau  th^oreme  de  m^canique  ana- 
lylique.    C.  R.  XXXV.  698 -699t. 
Sind  in  einem  Probleme  der  Mechanik,   für  welches  das 
Princip  von  der  Erhaltung  der  lebendigen  Kraft  gilt,  9^  9t*-*4^ 
die  unabhängigen  Variabelen, 

Pi  -   dt  '       ^^        dt  '•••''«-   it  ' 

ferner 

«  *=  fii^yPiypt'-'P^'f  9if  ?f  •••?«) 
ß  ^  ftihPiypf^Pnl  9i>9t---9i>) 

zwei  Integrale  des  Problems^  und 

(«,  Ä 
die  Summe  alier  Determinanten  von  der  F«rm: 

4* 


7. 

Mechanik 

dtt 

da 

dtH 

dpi 

B2 


dqi         dpi' 
die  man  erhält,  wenn  t  alle  Werthe  von  1  bis  n  durchläuft,   so 
ist,  wie  PoissoN  gezeigt  hat, 

(of,  ß)  =  const. 
Jacobi  hat  diesen  Satz  besonders  hervorgehoben.  Wenn  näm- 
lich die  letzte  Gleichung  nicht  identisch  erfüllt  ist,  so  liefert  sie 
ein  neues  IntregraL  Hr.  Bertrand  hat  indefs  gezeigt  (Liouville  J. 
1852.  p.  393f),  dafs  man  bei  den  am  meisten  behandelten  Pro- 
blemen der  Mechanik  zunächst  auf  solche  Integrale  stöfst,  für 
welche  die  Gleichung  identisch  wird.  Gerade  für  diese  Falle, 
wo  der  Satz  ohne  Nutzen  erscheint,  hat  ihn  Hr.  Bbrtrand  auf 
eine  eigenthümliche  Weise  zur  Auffindung  von  Integralen  benutzt 
Ist  nämlich  a  =  f^  irgend  ein  Integral  des  Problems,  so  wird  stets 
ein  zweites  Integral  /?  =  /*,  existiren,  welches  eine  der  Gleichungen 

(a,  /?)  =s  0  oder  (a,  ß)  =r  1 
identisch  erfüllt.  Man  kann  also,  wenn  die  Function  f^  bekannt 
ist,  eine  Function  f^  suchen,  die  einer  dieser  beiden  partiellen 
Differentialgleichungen  genügt;  und  nachdem  sie  gefunden,  die- 
selbe noch  der  Bedingung  unterwerfen,  dafs  sie  gleich  einer  Con- 
stanten gesetzt,  ein  Integral  der  Bewegungsgleichungen  liefere. 

In  der  vorliegenden  Notiz  nun  zeigt  Hr.  Bertrand  an,  dafs 
er  einen  dem  PoissoM*schen  ganz  analogen  Satz  gefunden  habe, 
der  auch  dieselbe  Anwendung  gestatte. 

Sind  nämlich 

noch  zwei  Integrale  des  Problems,  und  ist 

(a,  ft  y,  d). 
Die  Summe  aller  Determinanten  von  der  Form 

da        da        da        da 

dqk       dpk       dqi        dpi 

dß         dß         dß 


äqk 

dpk 

dqi 

dpi 

dy 

dy 

dy 

dy 

äqk 

dpk 

dqi 

dpi 

dd 

JL 

dd 

di 

dqk 

dpi 

dqi 

dpi^ 

Bbiitaaho.  33 

welche  man  erhält»  wenn  man  k  und  j  alle  Werthe  swiacben  1 
und  H  annehmen  läfst,  so  ist 

(«,  A  Yf  d)  =  const., 
so  dafs  diese  Gleichung  entweder  eine  Identität  ist,  oder  ein  fünf- 
tes Integral. 

Wir  erlauben  uns  über  diesen  Satz  folgende  Bemerkungen, 
die  auch  Brioschi  schon  (in  Tortolini*s  Annalen  1853)  in  ähn- 
licher Weise  gemacht  hat. 

1)  Man  erkennt  die  Bedeutung  des  Satzes  viel  besser,  wenn 
man  ihn  durch  die  nicht  schwer  zu  beweisende  Gleichung  aus- 
drückt: 

^  (a,  A  y,  d)  =  (a,  ß)(y,  d)+(ß,  y)(a,  d)+(y,  «)(/?,  3). 
Man  sieht  dann  sogleich,  dafs  er  niemals  zur  Ableitung  eines 
fünften  Integrales  dienen  wird;  denn  so  lange  einer  der  sechs 
Ausdrücke  {a,  ß)  etc.  nicht  identisch  zu  einer  Conslanten  oder 
zu  Null  wird,  wird  man  sich  des  PoissoM'schen  Satzes  bedienen; 
werden  aber  die  PoissoN'schen  Gleichungen  zu  Identitäten,  so 
wird  es  auch  die  BERTRANo'sche. 

2)  Die  Gleichung  unter  1)  ist  ein  specieller  Fall  des  allge- 
meinen Satzes: 

Sind 

^  ^  fi      /?  =  /i  •  •  •   ft  ^  /am-i      Ä  =  /aw 

2m  Integrale  des  Systems,  so  läfst  sich  die  Summe  aller  der  De- 
terminanten 2inten  Grades,  welche  man  aus  der  Form 
da       da      da      da        da      da 
'dql    'dpi    dq7    Ipk^*^  dq^     dp, 

Jß^    Jßi    Jß^     dß^       dß       dß 
dqt      dpi      dqk     dpu'^*  dq,      dp^ 


J!L    JL    ^    —      JL    J^L 
dqi     dpi      dqk     dpk'"  dqs      dp, 

erhalt,  wenn  man  für  die  Indices  t,  ft...  s  alle  it»  Combinalionen 
der  Zahlen  1  bis  n  setzt,  ausdrücken  durch  die  (2m),  Summen 
der  analogen  Determinanten  zweiten  Grades.  Bt. 


54  7.    Mediaoyi. 

IBbbtband.     Snr  les  inl^rales  communes  ä  plosieurs  pro- 
Wernes  de  m6canique.    Lioutilic  J.  1852.  p.j 21-1 74t. 

Wenn  ein  Problem  der  Mechanik  sich  auf  ein  System  von 
n  Punkten  bezieht,  so  kann  man  sich  die  6n  Integralgleichungen 
desselben  nach  den  6n  willkürlichen  Constanten  so  aufgelöst  vor- 
stellen, dafs  die  Zeit  t  nur  in  einer  derselben,  und  zwar  als  ein- 
facher Summand  vorkommt,  so  dafs  diese  Gleichung  die  Form 

a  =  t-\-F{x,y...x',y'...) 
hat;  sind  nun  die  Kräfte  unabhängig  von  der  Zeit,  so  kann  man 
im  Allgemeinen  aus  einem  jeden  dieser  Integrale  auf  die  Com- 
ponenten  der  beschleunigenden  Kräfte  schliefsen,  d.h.  aus  einer 
einzelnen  der  die  Losung  des  Problemes  angebenden  Gleichun- 
gen auf  das  Problem.  Aber  Integrale  von  besonderen  Formen, 
wie  z.  B.  das  vom  Flächensatz  gelieferte,  lassen  einen  sol- 
chen Schlufs  nicht  zu,  man  kommt  auf  unbestimmte  Ausdrücke, 
wenn  man  die  im  Allgemeinen  zur  Auffindung  der  Kräfte  füh- 
rende Methode  auch  auf  sie  anwendet;  d.  h.  diese  Integrale  sind 
mehreren  Problemen  gemeinschaftlich,  und  verlangen  nur,  dab 
die  Kräfte  gewissen  Bedingungen  genügen.  Die  Bestimmung 
dieser  letzten  Formen  ist  der  Gegenstand  der  Untersuchungen 
des  Verfassers.  Sie  sind  von  ihm  für  die  Probleme,  die  sich  auf 
einen  Punkt  beziehen,  durchgeführt;  es  giebt  danach: 

1)  für  die  Bewegung  eines  Punktes  in  der  Ebene  zwei  In- 
tegrale, welche  mehreren  Problemen  gemeinsam  sein  können; 
beide  enthalten  den  Flächensatz  als  speciellen  Fall; 

2)  für  die  Bewegung  eines  Punktes  auf  einer  Oberfläche  nur 
dann  ein  von  der  Zeit  unabhängiges  Integral,  welches  mehreren 
Problemen  gemeinsam  ist,  wenn  die  Oberfläche  entweder  selbst  eine 
Umdrehungsfläche  ist,  oder  sich  auf  einer  solchen  abwickeln  läfst; 

3)  für  die  Bewegung  eines  Punktes  im  Räume  eine  allge- 
meine Form  für  alle  mehreren  Problemen  gemeinsamen  Integrale; 
aus  dieser  lassen  sich  beliebig  viel  specielle  ableiten.         Bt. 


BiaTA^iiii.   TistoT.  ^ 

A.  TiMot.     lfoa?emeDt  d'ao  point  maleriel  pesairt  «ur  one 
spbere.    MouvemeDt  d'uoe  ligne  materielle  pesaote  autour 
tfuo  de  ses  poiols.    Lioutillb  j.  1852,  p*  88- lief. 
I.     Ueber  die  Bewegung  eines  schweren  Punktes  auf  einer 
Kugel  unter  dem  alleinigen  Einflufs  der  Schwere. 

Der  Abstand  des  beweglichen  Punktes  von  der  horizontalen 
Ebene,  welche  durch  den  Mittelpunkt  der  Kugel  geht,  der  Win- 
kel, welchen  der  Meridian  durch  denselben  Punkt  mit  einem 
festen  Meridian  bildet,  und  die  Länge  des  zurückgelegten  Weges 
werden  mittelst  der  Transcendenten  0  als  Functionen  der  Zeil 
ausgedrückt;  eine  Anwendung  der  Theorie  der  elliptischen  Func- 
tionen, welche  der  von  Jacobi  selbst  auf  die  Drehung  eines  festen 
Körpers  um  einen  festen  Punkt  gemachten  analog  ist. 
Es  ergiebt  sich: 

1)  Jener  Abstand  ist  eine  periodische  Function  der  Zeit,  sie 
hat  denselben  Werth  für  gleiche  Zeitintervalle  vor  und  nach  dem 
Ende  jeder  halben  Periode;  aber  in  der  Mitte  der  halben  Periode 
befindet  sich  das  Mobile  nicht  in  der  Mitte  der  beiden  horizon- 
talen Ebenen,  welche  die  höchsten  und  tiefsten  Punkte  der  Bahn 
enthalten,  sondern  näher  der  oberen  Ebene. 

2)  Angenommen,  es  dreht  sich  in  der  horizontalen  Ebe|;»e, 
auf  welche  die  Bahn  projicirt  ist,  eine  Linie  mit  einer  gewissen 
gleichförmigen  Geschwindigkeit  um  den  Mittelpunkt  der  Kugel,^ 
so  oseiilirt  der  Radius  vector  nach  der  Projection  des  Punktes 
um  jene  Linie,  und  fallt  am  Ende  jeder  halben  Periode  mit  ihr 
zusammen;  und  zwar  eilt  der  Radius  vector  beim  Ansteigen  des 
Punktes  voran,  und  bleibt  beim  Herabsteigen  zurück.  Schon  vor 
der  Mitte  der  ersten  halben  Periode  nimmt  der  Winkel  zwischen 
den  beiden  sich  drehenden  Linien  wieder  ab,  in  der  Mitte  der 
zweiten  nimmt  er  noch  zu. 

3)  Bewegte  sich  auf  der  Curve,  welche  der  schwere  Punkt 
beschreibt,  ein  anderer  Punkt  mit  einer  gewissen  gleichförmigen 
Geschwindigkeit,  so  bestände  die  Bewegung  des  schweren  Punk- 
tes in  einer  periodischen  Oscillation  um  jenen  Punkt. 

IL  Die  Bewegung  einer  schweren  Linie  um  einen  ihrer  Punkte 
wurde  die  Bewegung  eines  schweren  Punktes  auf  der  Kugel 
sein,   wenn  nur  der  Endpunkt  der  Linie  Masse  halte.    Es  läfst 


56  7.    Meehauik. 

sich  aber  in  einer  schweren  Linie  immer  ein  Punkt  bestimmen, 
dessen  Bewegung  dieselbe  ist»  wie  die  eines  einfachen  Pendels. 

HI.  Die  Bewegung  eines  schweren  Punktes  auf  einer  Um* 
drehungsfläche,  deren  Axe  vertical  ist. 

Die  Form  wird  bestimmt,  welche  die  Umdrehungsflächen 
haben  müssen,  damit  die  genannte  Bewegung  periodisch  seL 

Bi. 

Steichrn.  Memoire  de  mecanique,  relatif  au  mouvement  de 
rotatioD  et  au  mouvement  uaissant  des  corps  solides. 
Cäellb  J.  f,  Math.  XLllL  161 -244t,  XLVL  43-46+. 

Die  im  Jahre  1848  geschriebene  Abhandlung  ignorirt  Poinsot's 
Theorie  der  Drehung  der  Körper;  vielleicht  absichtlich,  wenig- 
stens erklärt  sich  der  Verfasser  gegen  Poinsot's  Melhode  der 
Kräftepaare  in  der  Statik.  Die  dem  Verfasser  eigenthümlicben 
Bemerkungen  über  die  Mittelpunkte  des  Stofses  folgen  aus  der 
PoiNsor'schen  Theorie  mit  grofserer  Einfachheit;  im  Uebrigen 
werden  Aufgaben  behandelt,  welche^  den  ersten  beiden  Abthei- 
lungcn  der  „Theorie  nouvelle  de  la  rotation  des  corps"  ent- 
sprechen. Bt. 

SfüicuEN.  Expose  de  diverses  remarques  et  reflexions  &ur 
les  moments  et  d*autres  sujels  de  statique.  Creljlb  j.  f. 
Math.  XLIV.  181-219i. 

Bemerkungen  und  elegante  Beweise  zu  meist  bekannten 
Sätzen;  die  Abhandlung  kann  Lehrern  der  Statik  nützlich  wer- 
den, müfste  für  solchen  Zweck  aber  selbst  nachgelesen  werden. 

Bi. 


GiDBRHAM«.     Ueber  die  drehende  Bewegung  der  festen  Körper 
um  ihre  Schwerpunkte.    Ckelle  J.  f.  Math.  XLIIl.  Ii4-I60t, 

Im  Jahre  1846,  und  ohne  Rücksicht  auf  Poinsot  geschrie» 
ben.  Die  geometrischen  Constructionen,  welche  der  Verfasser 
aus  den  von  ihm  aufgestellten  Formeln  ableitet,  geben  nicht,  >vie 
die  des  grofsen  französischen  Geometers,  ein  anschauliches  Bild 


Stbichbk.   GirDBAMANN.   RiOHBLOT.  Pinssux.  57 

von  dem  Vorgänge  der  Dl-ehung.  Weiter  gehend  als  Rueb,  hat 
sich  der  Verfasser  noch  die  Aufgabe  gestellt:  für  jede  beliebige 
Zeit  die  Lage  der  Hauptaxen  des  Körpers  in  Beziehung  auf  den 
zur  augenblicklichen  Drehaxe  gehörigen  (mit  derselben  schwan« 
kenden)  Aequator  anzugeben.  Bi. 


F.  ].  RiCBELOT.  Eine  neue  Lösung  des  Problems  der  Rotaiion 
eioes  festen  Körpers  um  einen  Punkt.  Ckellk  j.  f.  Math. 
XLIV.  60-65f. 

Eine  Anwendung  der  Hamilton -JAcoBi'chen  Theorie  der 
Integration  der  dynamischen  Differentialgleichungen  und  der  Me- 
thode der  Variation  der  Constanten  auf  das  Problem,  wobei 
vorausgesetzt  ist,  dafs  die  Beschaffenheit  der  auf  den  Körper 
mrkenden  Kräfte  die  Anwendung  der  letzteren  Methode  zuläfsL 

Bf. 

V.  PmsBcx.  Solution  de  quelques  questions  relatives  au 
mouvement  d'un  corps   solide   pesant  posö  sur  un  plan 

horizontal.      Lioütillk  J.  1852.  p.l-30t. 

Der  Verfasser  betrachtet  zunächst  die  Bewegung  eines 
homogenen  oder  heterogenen  EUipsoids  von  der  Art,  dafs  sein 
Schwerpunkt  mit  dem  Mittelpunkt,  und  die  Hauptträgheitsaxen 
dieses  Punktes  mit  den  geometrischen  Hauptaxen  zusammen« 
fallen.  Das  Ellipsoid  steht  unter  dem  alleinigen  Einflgfs  der 
Schwere,  und  es  ist  weder  Reibung  noch  Luftwiderstand  vor- 
handen. Die  Bewegungsgleichungen  sind  für  diesen  Fall  be- 
kannt. Setzt  man  nun  voraus,  dafs  während  der  ganzen  Bewe- 
gung die  eine  der  Hauptaxen,  die  zAxe,  sich  unendlich  wenig 
aus  der  verticalen  Lage  entfernt,  so  vereinfachen  sich  die  ge- 
nannten Gleichungen  so,  dafs  man  sie  integriren  kann,  und  zu- 
gleich die  Bedingungen  erhält,  unter  welchen  die  vorausgesetzte 
Bewegung  möglich  ist.  Die  Geschwindigkeit  der  Drehung  um 
die  verlicale  Hauptaxe  wird  dann  constant  (s=  r),  und  die  Cosinus 
(</',  V)  der  Winkel,  welche  die  beiden  anderen  Hauptaxen  mit 
einer  Verticalen  bilden,  werden  bestimmt  durch  die  Gleichungen : 


58  7.    Medianik. 

a"  =  V  sin  (w'l +«')  +  A"  sin  (t^H  +  «^ 
6"  =  A'/i' cos  (a>'^+fi')+^"A"  CO«  (!»"<  +  «"); 
worin   A',  A'S  ^j  «''  willkürBche    ConstanteD,  cci^  und  ta'^  aber 
zwei  ungleiche  Wurzeln  einer  biquadratischen  Gleichung: 

(ilfti*— £)(Äw*  — F)— fl'iö*«  0 
sind,  und 


AtJ*—E  ~  Aw"*—E' 

während  A,  B,  (7  die  Trägheitsmomente  für  die  Hauplaxen  be- 
deuten, und 

D  =  (J+B— C)r 

Y 

ill  die  Masse  des  Cllipsoids,  jf  die  Schwere,  a,  /?,  >^  die  geo- 
metrischen Hauptaxen. 

Die  Bewegung  ist  möglich,  wenn  die  Gleichung  für  cci' 
positive  reelle  Werthe  liefert;  dies  ist  der  Fall: 

1)  wenn  die  verticale  Axe  die  des  gröfsten  Trägheitsmoments 
ist,  für  alle  Werthe  von  r,  welche  über  einer  gewissen  endlichen 
Gränze  Hegen; 

2)  wenn  die  verticale  Axe  zugleich  die  kleine  Axe  des 
EUipsoids  ist,  für  jeden  Werth  von  r,   was  vorauszusehen  war; 

3)  im  Allgemeinen,  wenn  r  zwischen  zwei  endlichen  Gränzen 
liegt.  Diese  können  einander  widersprechen;  dies  geschieht  z.  B., 
warn  das  EUipsoid  homogen  ist,  und  die  verticale  Axe  die 
mittlere.   Dann  kann  also  eine  solche  Bewegung  nicht  stattfinden. 

Ganz  analoge  Resultate  liefert  die  Betrachtung  eines  Körpers 
von  beliebiger  Form,  so  jedoch,  dafs  eine  der  dem  Schwerpunkt 
entsprechenden  Hauptträgheitsaxen  normal  gegen  die  Oberfläche 
gerichtet  ist. 

Der  Verfasser  betrachtet  endlich  die  Bewegung  eines  Kör- 
pers von  beliebiger  Form,  der  auf  der  horizontalen  Ebene  zuerst 
ruhte,  und  dann  in  allen  seinen  Punkten  unendlich  kleine  Ge-* 
schwindigkeiten  erhalten  hat;  wieder  aber  unter  der  Voraus-' 
Setzung,  dafs  die  ursprünglich  verticale  Normale  sich  wenig  aus 
dieser  Lage  entfernt. 


Hasbik.  59 

Er  findet,  wie  2u  erwarten,  dafii  eine  solche  Bewegung  nur 
möglich  ist,  wenn  das  ursprüngliche  Gleichgewicht  stabil  war» 
aber  .auch  —  was  man  bisher  nicht  bemerkt  hat  --  dafs  der 
Körper  eine  Drehung  um  die  Verticale  macht,  die  mit  der  Zeit 
onbegränit  wädist,  wenn  auch  alle  Anfangsgeschwindigkeiten 
sehr  klein  sind.  Schließlich  stellt  sich  noch  heraus,  dafs  es  in 
dem  Körper  stets  zwei  durch  die  verticale  Ebene  gehende  Ebenen 
giebt  von  der  Beschaffenheit,  dafs  die  Projectionen  ihrer  Punkte 
tfaf  eine  Verticale  oscilliren  wie  das  Ende  eines  einfachen  Pen- 
dels; diese  Oscillationen  sind  für  Punkte  derselben  Ebene  von 
derselben  Dauer,  die  Lage  der  Ebenen  und  die  Dauer  der  Oscilla- 
tionen hängen  allein  von  der  Constitution  des  Körpers,  nicht  yon 
den  Anfangsgeschwindigkeiten  ab.  Bt, 


Hagen,    üeber  den  Druck  und  die  Bewegung  des  trocknen 
Sandes.      Berl.  Mooatsber.  1852.  p.  35- 42t;  Inst.  1852.  p.  178-178. 

HuBBR  BuRNAND  fand  im  Jahre  1829,  dafs  die  Sandmasse, 
welche  durch  die  Oeffnung  im  Boden  eines  Gefäfses  ausfliefst, 
von  der  Druckhohe  unabhängig  sei;  später  fand  Nibl  (Annales 
des  ponts  et  chaussees  1835.  2.  p.  192),  dafs  der  Druck  des 
Sandes  auf  Oefinungen  im  Boden  mit  der  Höhe  nicht  gleichmäfsig 
wachse  (vergl.  Haobn,  Handbuch  der  Wasserbaukunst,  2.  A.  T.  I. 
p.511f).  Die  Untersuchungen  des  Hrn.  Haobn,  welche  für  den 
Gebrauch  von  Sandschättungen  als  Fundirungen  technische 
Wichtigkeit  haben,  bestätigen  diese  Beobachtungen,  und  suchen 
sie  zu  erklären. 

In  dem  horizontalen  Boden  eines  Gefäfses  war  eine  kreis- 
runde Oeffnung  vom  Radius  r  geschnitten,  in  welche  eine  Scheibe 
palsle,  die  von  dem  einen  Arm  einer  Wage  getragen  wurde. 
Im  Gefafse  wurde  eine  Sandschüitung  von  der  Höhe  k  gebildet 
Den  Druck  des  Sandes  gegen  die  Scheibe  könnte  man  gleich 
dem  Gewicht  des  über  demselben  stehenden  Sandcylinders  setzen, 
weniger  der  Reibung,  welche  dieser  von  der  ihn  umgebenden 
Sandmasse  erfährt;  diese  Reibung  ist  proportional  dem  Quadrat 


60  7.    Mediaoik. 

der  Höbe,    ist  also  y  das  specifische  Gewicht  des  Sandes,  /eine. 
Constante,  so  wäre  der  Druck: 

r 'tt  fh —  Ijrnyh  H, 
Dieser  Ausdruck  wächst  aber  nur  bis  zu  einem  gewissen 
Maximum,  nimmt  dann  ab,  und  wird  negativ.  Hr.  Hagen  nimmt 
deshalb  an,  dafs  der  Druck  bei  wachsendem  h  immer  jenen 
Maximumswerth  behalte.  Man  könnte  dann  den  Druck  auf  die 
Scheibe  darstellen  durch  das  Gewicht  eines  Sandparabolöids, 
welches  durch  .Umdrehung  einer  Parabel  vom  Parameter  4rl 
um  ihre  Axe  gebildet  ist,  zur  Grundfläche  die  Scheibe  hat,  und 

zur    Höhe    -rr. 

4/ 

Messungen  des  Drucks  gegen  Scheiben  von  0,3791  und 
0,7271  Zoll  Radius  ergaben  je  nach  der  Art  der  Abliagerung  der 
Sandschüttungen  verschiedene  Resultate;  je  dichter  die  Ablage- 
rung war,  desto  gröfser  wurde  die  Reibung  und  desto  geringer 
der  Druck ;  bei  Benutzung  der  gröfseren  Scheibe  trat  das  Maxi- 
mum des  Drucks  ein,  sobald  die  Schüttung  eine  Höhe  von  un- 
gefähr 1  Zoll  erreicht  hatte;  bei  gröfserer  Höhe  wurde  der  Druck 
wieder  geringer.  Dieses  seiner  Hypothese  scheinbar  wider- 
sprechende Verhalten  erklärt  Hr.  Hagen  aus  der  Verdichtung 
der  Schüttung.  Für  lockere  Schüttungen  wurde  /  =s  0,154  bis 
0,175,  für  festere  1  =:  0,21  bis  0,22  gefunden. 

Diese  Resultate  werden  durch  Versuche  über  das  Ausströ- 
men des  Sandes  durch  6  verschiedene  Oeffnungen  im  Boden  des 
Gefäfses  bestätigt.  Je  dichter  die  Ablagerung  war,  desto  lang- 
samer flofs  der  Sand  aus.  Hr.  Hagen  bemerkte,  dafs  die  ge- 
messenen Ausflulsmengen  m  ungefähr  der  4^^n  Potenz  des  Radius 
der  Oeflhung  proportional  erschienen,  wenn  dieser  Radius  um 
eine  gewisse  Gröfse  vermindert  wurde,  so  dafs  sich  ergäbe 
m  =  *(r— 4r)i 

Diese  Verminderung  des  Radius  würde  deshalb  anzunehmen 
sein,  weil  die  Sandkörner,  welche  beim  Herabfallen  den  Rand 
der  Oeflhung  berühren,  ihre  Geschwindigkeit  verlieren,  wodurch 
der  Radius  der  Oefinung  um  den  Durchmesser  eines  Sandkorns 
vermindert  wird.  In  der  That  fand  er  nach  der  Melhode  der 
kleinsten   Quadrate    aus    den   Beobachtungen   für  x  den  VVerth 


RÖHBt,    Grat.  61 

0,00693,  Tiir  h  den  Werih  181,57,  wShrend  direcle  Messungen 
für  den  Durchmesser  eines  Sandkorns  etwa  0,0093  Zoll  ergaben. 
Nimmt  man  dagegen  an,  dafs  die  Sandkörner  aus  der  OeiT- 
nnng  mit  der  Geschwindigkeit  ausströmen,  welche  sie  erlangt 
haben  würden,  wenn  sie  von  der  innem  Oberfläche  des  oben 
erwähnten  Paraboloids  frei  gefallen  wären,  so  wäre  die  mittlere 
Geschwindigkeit  einer  horizontalen  Schicht  von  der  Gröfse  der 

Oeffnung   il/^;  man  erhielte  also  eine  Ausflufsmenge 

»1=1  r'^yy  2|-. 

Hieraus  erklärt  es  sich,  dafs  die  Ausflufsmengen  der  |ten 
Potenz  des  Radius  proportional  sind,  und  dabei  liefert  diese  Formel, 
wenn  man  noch  r  um  den  Durchmesser  eines  Sandkorns  ver- 
kleinert, und  den  früher  gefundenen  Werth  von  1  einführt,  Aus- 
flufsmengen, welche  den  beobachteten  ziemlich  entsprechen. 

Hr.  Hagen  erwähnt  noch,  dafs  der  Strahl  des  ausfiiefsenden 
Sandes  in  gleicher  Art  eine  Contraction  erfahrt  wie  der  einer 
Flüssigkeit;  das  Verhältnifs  des  Querschnitts  der  OeiTnung  zu  dem 
kleinsten  Querschnitt  des  Strahles  ist 

1.0,650, 
was  nahe  mit  dem  Contractionsverhältnifs  flüssiger  Strahlen  über- 
einstimmt. Bt» 


J.  H  RöBns.     On  the  oscUlation  of  Suspension  bridges.    pini. 
Mag.  (4)  IlL  316-316t;  Sillim.  J.  (2)  XIV.  4477447. 

Eine  kurze  Notiz  über  die  Oscillationen  einer  an  zwei  Punkten 
aufgehängten  Kette,  aus  der  sich  nichts  Neues  entnehmen  läfst. 

Bt 


J.  E.  Gray.     The  bomerang.     Phil.  Mag.  (4)  IV.  79-79i. 

Palmblatthüie  mit  niedrigem  Kopf  und  umgeklappter  Krempe 
kehren  wie  ein  australischer  Bomerang  zu  dem  Werfenden  zu- 
rück, wenn  sie  mit  der  hohlen  Seite  nach  oben  geworfen  werden, 
ebenso  Pappscheiben  mit  aufgeklapptem  Rande  —  und  (kann 
man  hinzufügen)   z.  B.  eine  Visitenkarte,   welche   unter   einem 


G^  7.    Meelianilu 

Winkel  gegen  den  Homont  so  geschleudert  wird,  d&fs  sie  sieh 
in  ihrer  eigenen  Ebene  dreht.  Bt. 


üeber  den  Bumerangh.  Arch.  f.  ArHlL  Off.  XXXIL  27 -36t. 
Der  ungenannte  Verfasser  hat  weder  eine  genügende  Reihe 
von  Versuchen  mit  der  genannten  Wurfwaffe  angestellt,  noch 
scheint  er  die  früheren  Notizen  darüber  (Pogo.  Ann.  XLV. 
474f )  gekannt  zu  haben.  Diesen  widersprechend  behauptet 
er,  der  Bomerang  bleibe  in  seiner  eigenen  Ebene,  wenn  er  so 
geschleudert  worden  ist,  dafs  er  sich  anfangs  in  seiner  eigenen 
Ebene  drehte;  die  Bahn  seines  Schwerpunktes  sei  demnach  un- 
gefähr die  einer  Kugel,  welche  eine  schiefe  Ebene  —  die  anfang- 
liche Ebene  des  Bomerang  —  hinauf-  und  hinabrollt.  Die  vom 
Referenten  angestellten  Versuche  zeigten  allerdings  oft  dasselbe 
Resultat,  dagegen  haben  andere  häufig  beobachtet,  dafs  der  Bo- 
merang plötzlich  steigt,  nachdem  er  sich  eine  Zeit  lang  fast 
horizontal  bewegt  hat;  über  diese,  wie  über  andere  merkwürdige 
Erscheinungen  findet  man  am  angeführten  Orte  das  Nähere. 

Bt. 

L.  y.  Babo.     Ueber   die  Anwendung  der  Centrifugalkrafl  im 
chemischen  Laboratorium.     Liebio  Ann.  LXXXII.  aoi-aiif. 

Der  Verfasser  hat  im  chemischen  Laboratorium  zu  Freiburg 
die  Centrifugalkrafl  mit  grofsem  Vortheil  angewandt,  um  feste 
Körper  von  ihrer  Mutterlauge  zu  trennen.  Er  benutzte  dazu 
einen  Apparat,  welcher  einer  gewöhnlichen  Ceotrifugalmaschine 
analog,  nur  in  anderen  Dimensionen  construirt  war.  Der  Theil, 
welcher  die  Filtrir-  und  Decantationsgefafse  trägt,  besteht  aus 
einer  kreisrunden  Schüssel  aus  Zinkblech  von  2  bis  2,5'  Durch- 
messer und  ungefähr  3''  Höhe,  die  in  der  Mitte  durchbohrt  ist,  so 
dafs  sie  auf  den  Zapfen  der  Spindel  aufgesteckt  werden  kann.  Zwei 
starke  eiserne  Stangen  kreuzen  sich  auf  dem  Boden  der  Schüssel 
in  deren  Mittelpunkt,  und  tragen  an  ihren  schief  nach  abwärts 
gebogenen  Enden  eiserne  Kapseln  von  1,5^'  Wdte  und  Tiefe;  in 
diese  Kopsein  werden  Bechergiäser  oder  Gläser  mit  eingeriebenen 


t.Babo.  63 

Stöpseln  gestellt  Zwischen  den  Kapseln  und  dem  Mittelpunkt 
stehen  flachgedrückte  conisdie  Ringe,  welche  ebenfalls  flachge- 
drückte Biechtrichter  so  aufnehmen  können,  dafs  deren  Röhren 
in  die  Bechergläser  münden.  Weiter  nach  dem  Mittelpunkt  zu 
stehen  auf  den  Stangen  noch  Stützen  aus  Blech,  welche  den 
Rand  der  Biechtrichter  unterstützen,  wenn  man  dieselben  nur  zur 
Hälfte  in  die  conischen  Ringe  hineinschiebt,  während  die  Trichter, 
ganz  hineingeschoben,  herabgleiten.  Die  Schüssel  wird  durch  einen 
Deckel  verschlossen,  und  das  Ganze  stellt  so  ein  Schwungrad  dar, 
welchem  die  Luft  wenig  Widerstand  bei  der  Drehung  entgegensetzt. 

Soll  nun  mittelst  des  Apparates  eine  Filtration  vorgenommen 
werden,  so  bringt  man  die  dicke  Flüssigkeit  mit  dem  von  ihr  zu 
trennenden  festen  Körper  auf  ein  starke«  Papierfiltmm,  dieses 
auf  ein  Leinwandfilter,  welches  in  einen,  einem  Winkel  von  60® 
entsprechenden,  Trichter  aus  feinem  Drahtnetz  gelegt  ist,  und 
läfst  die  Mutterlauge  so  weit  als  möglich  abtropfen.  Dann  kommt 
der  Drahttrichter  in  den  Blech trichter;  dieser  wird  so  in  den  co^ 
nischen  Ring  gesteckt,  dafs  er  auf  der  Stütze  aufliegt.  Dann  wird 
gedreht.  Der  Trichter  sinkt  von  der  Stütze  herunter,  die  Mutter- 
lauge wird  durch  das  Filter  geprefst,  und  sammelt  sich  in  dem  in 
die  Kapsel  gestellten  Bechergläschen. 

Diese  Methode  eignet  sich  vorzüglich  für  krystaJLliniscbe 
Niederschläge;  pulverige  und  gallertartige  legen  sich  dagegen 
oft  so  fest  an  das  Filter,  dafs  sie  es  vollständig  verstopfen;  für 
diese  setzt  der  Verfasser  die  Decantation  an  die  Stelle  der  Fil- 
iration. Er  bringt  die  Flüssigkeit  in  durch  Stöpsel  verschlossene 
Gefdlse  und  diese  in  die  Kapseln  des  Apparates;  der  specifisch 
schwerere  Niederschlag  wird  durch  die  Ceutrifugalkraft  auoh 
stärker  als  die  Flüssigkeit  gegen  den  Boden  des  Gefäfses  ge- 
trieben, und  setzt  sich  so  fest  daran,  dafs  die  Flüssigkeit  fast 
vollständig  klar  abgezogen  werden  kann. 

Der  Apparat  hat  den  Uebelstand,  dafs  die  Niederschläge  im 
Filter  erst  dann  der  Rotation  ausgesetzt  werden  können,  wenn 
sie  fast  ganz  abgetropft  sind;  um  jede  langsame  Filtration  be- 
schleunigen zu  können,  schlägt  der  Verfasser  vor,  den  Apparat 
so  einzurichten,  dafs  die  Filtrationsapparate  frei  in  der  Büchse 
an  horizontalen  Stangen  hängen,  die  in  Gabeln  ausgehen,  welche 


64  7.     Mechanik. 

die  Zapfenlager  tragen  für  die  Zapfen,  um  welche  sich  die  Fil- 
tralionsgefafse  aus  der  verticalen  in  die  horizontale  Lage  drehen 
können.  Bt. 


T.  SciiöNEiiAKN.     Von  der  Empfindlicbkeit  der  B^ückeD^vagen 
und   der  einfachen  und  zusammengesetzten  Hebelkellen- 
systeme.     Wien.    Der.    VIII.   444-445;    Wien.  Denksclir.  V.    2. 
p.  157 -178t. 
Wenn   man    die   Brücke    einer    gewöhnlichen   Strafsburger 
Decimalbrückenwage  an  irgend  einer  Stelle  etwa  mit  100,   und 
die  Schale  mit  10  Pfunden  belastet,  so  werden  sich  diese  Ge- 
wichte stets  das  Gleichgewicht  halten;  bringt  man  aber  auf  die 
Brücke  eine  Zulage  von  6  Leihen,  so  wird  die  Gröfse  des  Aus- 
schlagwinkels  verschieden   sein  je  nach  der  Stelle,  welche  die 
Last  auf  der  Brücke  einnimmt.   Aehnliche  Erscheinungen  können 
bei  allen  Arten  von  Brückenwagen  eintreten.     Die  Abhandlung 
des   Verfassers,   dessen  vervollkommnete  Brücken  wagen  bereits 
eine  weite  Verbreitung  gefunden  haben,   löst  nun  die  Aufgabe, 
diese  Erscheinungen  der  Rechnung  zu  unterwerfen. 

Es  wird  zu  dem  Ende  zunächst  der  Begriff  der  Empfind- 
lichkeit eines  zweiarmigen  Hebels  bestimmt,  der  die  Form  einer 
gebrochenen  Linie  hat  und  von  zwei  senkrechten  Kräften  ange- 
griffen wird.  Sind  P  und  p  die  Gewichte,  welche  einander  mit- 
telst des  Hebels  das  Gleichgewicht  halten,  während  die  Arme 
desselben  die  Winkel  tp  und  g>  mit  der  Horizontalen  bilden,  und 
mufs  der  Hebel,  nachdem  P  die  sehr  kleine  Vergröfserung  ^P 
erfahren  hat,  sich  um  den  (im  Altgemeinen  unendlich  kleinen) 
Winkel  Jq>  drehen,  um  wieder  ins  Gleichgewicht  zu  kommen, 
so  nennt  Hr.  Schönemann  die  Gröfse 

die  Empfindlichkeit  des  Hebels.     Alan  kann  ohne  Schwierigkeit 
die  Gleichung 

J   -^  =  — L— 
^^P       igV  +  tgtp 

ableiten,  und  also  zeigen,  dafs  die  Empfindlichkeit  von  der  Lunge 

der  Arme  nicht  abhängt. 


Schönem  ANN.  65> 

Dreht  sich  nun  in  einem  System  von  Hebeln  die  Zunge 
(oder  der  Zeiger)  um  den  Winkel  dpi,  wenn  der  Gleichgewichts- 
sustand durch  die  Zunahme  dP  der  Belastung  P  eines  Hebel- 
armes gestört  wird,  so  wird  dem  Obigen  analog ^^  die  Em- 
pfindlichkeit des  Systems  heifsen  können.  Diese  wird  für  ein 
nach  dem  Schema  der  RoBBRVAL'schen  Brückenwagen  zusammen- 
gesetztes System  bestimmt.  Es  ergiebt  sich,  dafs  sie  dieselbe 
bleibt,  in  welchem  Punkt  einer  physisch  senkrechten  Linie  auch 
die  Last  angebracht  werde.  Für  den  Fall  dagegen,  dafs  der  die 
Brücke  unterstützende  Arm  des  Wagebalkens  kürzer  ist  als  die 
Strebe,  nimmt  die  Empfindlichkeit  ab,  wenn  die  Last  sich  dem 
Ende  der  Brücke  nähert.  Liegen  die  Schneiden  des  Wagebalkens 
mit  dem  Hypomochlium  in  gerader  Linie,  so  hängt  zwar  das 
Verhältnifs  des  Gewichts  zur  Last  nicht  von  der  Stellung  der 
Wage  ab,  wohl  aber  die  Empfindlichkeit;  das  Gleichgewicht  der 
Wage  würde  indifferent  werden,  wenn  die  Verbindungslinie  von 
der  Schneide  des  Wagebalkens,  welche  in  die  Brücke  eingreift, 
bis  zum  Schwerpunkt  der  Last  die  senkrechte  Richtung  er- 
reichte. 

Der  Verfasser  behandelt  ähnlich  die  übrigen  gebräuchlichen 
Brückenwagen.  Für  unser  Referat  heben  wir  folgendes  für  die 
Stralsburger  Brückenwagen  sich  ergebende  Resultat  aus:  wenn 
die  drei  Schneiden  des  oberen  Wagebalkens  mit  dem  Hypomoch* 
lium  in  gerader  Linie  liegen,  desgleichen  die  drei  Schneiden  des 
unteren  Wagebalkens  (des  Dreiecks),  und  die  beiden  Ketten  pa- 
rallel sind,  so  ist  die  Empfindlichkeit  der  Brücke  auf  allen  Punk- 
ten dieselbe.  Das  Gleichgewicht  ist  dann  von  der  Stellung  der 
Wage  unabhängig,  nicht  aber  die  Empfindlichkeit. 

Zum  Schlufs  beweist  der  Verfasser  noch  den  höchst  merk- 
würdigen Satz:  In  jedem  zusammengesetzten  Hebelkettensysteme 
ist  der  reciproke  Werth  der  Empfindlichkeit  gleich  der  Summe 
der  reciproken  Werthe  der  Empfindlichkeiten  aller  einzelnen  Sy- 
steme, aus  denen  es  besteht,  vorausgesetzt,  dafs  alle  in  Betracht 
gezogenen  Empfindlichkeiten  auf  dieselbe  Zunge  bezogen  werden. 


Fortscbr.  d.  Pbys.  VIU. 


ßg  7.     Mechanik. 

E.  Seonitz.     Ueber  Torsionswiderstand  und  Torsionsfesligkelt. 
Ctinh%  J.  f.  Math.  XLIIL  340-364t. 

Die  bisherigen  Formeln  für  das  Torsionsmoment  cylindri- 
scher  Wellen  oder  quadratischer  Schafte  liefern  stets  gröfsere 
Werthe  als  die  Erfahrung.  Für  eine  cylindrische  Welle  pflegt 
man  das  Torsionsmoment  T  zu  setzen 

""     720/    ' 
wo  /  die  Länge  der  Welle ,  r  den  Radius  ihrer  Grundfläche,  e 
den  Elasticitätsmodul,    a  den  Torsionswinkel  bezeichnet.    Dafs 
nun   das  Torsionsmoment   der  vierten  Potenz   des   Radius   der 
Grundfläche  und  dem  reciproken  Werth  der  Länge  proportional 

sei,  bestätigt  sich  in  der  Erfahrung;  aber  der  Factor  =^  erscheint 

zu  grofs.  Hr.  Sbgnitz  ist  der  Meinung,  daCs  der  Fehler  bei  der 
gewöhnlichen  Ableitung  der  Formel  darin  bestehe,  dafs  man  die 
Verkürzung  aufser  Acht  läfst,  welche  der  Cylinder  durch  die 
Torsion  erleidet  Wenn  man  diese  mit  in  Betracht  zieht,  so 
wird  die  Ausdehnung  der  einzelnen  Längsfasern  und  mithin  auch 
das  Moment  der  Torsion  beträchtlich  vermindert,  auch  wenn  die 
Verkürzung  des  ganzen  Cylinders  unmerklich  erscheint.  Der 
Verfasser  leitet  nun  aus  folgenden  Annahmen  eine  neue  Formel  ab. 

1)  Wenn  ein  homogener  elastischer  Körper  in  einer  Richtung 
um  den  Bruchtheil  d  der  ganzen  Länge  ausgedehnt  wird,  so  er- 
leidet er  in  den  beiden  darauf  senkrechten  Richtungen  die  Ver- 
kürzungen — .    Dabei  kann  man  m  entweder  mit  Poisson  gleich 

4,  oder  mit  Werthbim  gleich  3  setzen. 

2)  Durch  die  Torsion  werden  die  Längsfasern  des  Cylinders 
verlängert,  indem  die  vorher  geraden  Linien  jetzt  in  Schrauben- 
linien gewunden  werden.  Dem  entsprechend  wird  ihr  Querschnitt 
vermindert. 

8)  Die  Fasern,  welche  gleichen  Abstand  von  der  Axe  haben, 
üben  auf  einander  einen  Seitendruck  aus;  der  Querschnitt  der 
Fasern  wird  also  in  der  Richtung  der  Tangente  an  den  Cylinder 
verkürzt,  und  daher  wieder  die  Faser  selbst  nach  den  beiden 
andern  Dimensionen  ausgedehnt. 


Sb&nitz.  g7 

4)  Die  seitlichen  Pressungen,  welche  eine  Faser  von  zwei 
benachbarten  erleidet,  sind  nicht  genau  einander  entgegengesetzt, 
sondern  schliefsen  einen  Winkel  ein;  es  entsteht  eine  Resultante, 
welche  die  der  Axe  näher  liegenden  Fasern  in  der  Richtung  des 
Radius  auszudehnen  strebt.  Der  Verlängerung  des  Querschnitts 
nach  dieser  Richtung  entsprechen  wieder  Verkürzungen  der  Faser 
nach  den  beiden  andern* 

5)  Die  Endfläche  des  Cylinders  bleibt  auch  nach  der  Tor- 
sion eine  Ebene. 

Seine  Formel  wird 


_,       n^      2»»»— 3m  r*a 

^=;360"'8m»-8  '    l   ' 

und  für  m  = 

4 

_,       n*er*a 

~    1080/ 

Hr.  Segnitz 

setzt  hierin  für  Schmiedeeisen  den  allgemein  an- 

genommenen 

Werth 

E  —  29  251000  in  Pfunden, 

woraus 

1)      T=  267311-^ 

folgt,  während  Wbisbach  in  seiner  Maschinenmechamk  (erste  Aufl.) 
den  etwas  grö£seren  Werth 

2)  T  =.280000^ 
angegeben  hat.    Die  frühere  Formel  liefert 

3)  ra=  400966  iy^, 

weicht  also  viel  mehr  von  dem  Werth  2)  ab;  diesen  hält  Herr 
Segnitz  für  erfahrungsmäfsig,  eben  weil  ihn  Weisbach  angiebt. 
Wir  bemerken  dagegen,  dafs  dieser  in  der  zweiten  Auflage  den 
Werth 

T  =  310000  ^ 
nach  einer  WERTHBiM'schen  Formel  acceptirt  hat  Bi. 


68  7.     Mechanik. 

G.  Decbbb.     Zur  Theorie  der  Zapfenreihung.     Grunert  Arch. 
XIX.  203 -210t. 

Bezieht  sich  auf  einen  Streit  des  Verfassers  mit  Weisbacb, 
und  interessirt  die  Fortschritte  der  Physik  nicht.  Bl. 


S.  Haughton.     Account  of  experiments  made  on  a  new  frio- 
tion  siedge  for  stopping  railway  trains.     irish  Trans.  XXll. 

219 -231t. 

Hr.  W.  Haughton,  welcher  diesen  Schlitten  im  Jahre  1849 
erfunden  hat,  will  denselben  an  die  Stelle  der  FederpuiTer  setzen, 
welche  dem  Rückstofs  einen  zu  geringen  Spielraum  gewähren. 
Construction  und  Gebrauch  des  Schlittens  sind  ungefähr:  Zwei 
starke  Holzstücke,  jedes  auf  eine  der  beiden  Bahnschienen  ge- 
setzt, bilden  sanft  aufsteigende  schiefe  Ebenen,  die  sich  nach  oben 
In  Kreisbögen  vom  Radius  der  Wagenräder  fortsetzen;  sie  sind 
mit  Eisen  beschlagen  und  durch  eiserne  Klammem  mit  einander 
verbunden;  eiserne  Fortsätze  nach  unten  hindern  das  Abgleiten 
von  den  Schienen.  Die  Locomotive  oder  der  erste  Wagen  des 
mit  mäfsiger  Geschwindigkeit  ankommenden  Zuges  rollt  nun  auf 
den  Schlitten^  und  stöfst  gegen  sein  oberes,  gekrümmtes  Ende; 
der  Stofs  wird  aber 'dadurch  sehr  gemildert,  dafs  der  Schlitten 
selbst  vorwärts  gleitet;  die  Reibung  des  letzteren  gegen  die 
Schienen  bringt  den  Zug  allmälig  zum  Stehen. 

Hr.  S.  Haughton  machte  während  des  Jahres  1850  mit  dem 
Schlitten  Experimente  auf  der  Dublin  and  Kingstown  Bahn;  er 
liefs  einen  beladenen  Wagen  eine  schiefe  Ebene  hinabrollen,  und 
dann  durch  den  Schlitten  aufgehalten  werden.  Die  Berechnung 
dieser  Experimente  führt  zu  dem  Resultat:  Das  Bewegungs- 
moment des  Wagens  wird  zerstört,  erstens  durch  den  Verlust 
an  Moment  beim  Stofs  und  durch  die  Adhäsion  des  Schlittens 
gegen  die  Schienen  —  Reibung  der  Ruhe;  zweitens  durch  die 
Reibung  des  sich  bewegenden  Schlittens  gegen  die  Schienen  — 
Reibung  der  Bewegung.  Die  Reibung  der  Ruhe  ist  proportional 
der    Geschwindigkeit   des  Stofses   und    dem   Druck   gegen   die 


DeCHER.   HAU6HTON.   DoPPLBa.   Plana.  69 

Schienen.  Die  Reibung  der  Bewegung  dagegen  ist  von  der 
Geschwindigkeit  unabhängig,  und  dem  Druck  gegen  die  Schienen 
proportional.  Bt. 


C  DoppLBR.  Ein  Beitrag  zur  genaueren  Ermittelung  des 
Reibungscoefßcienten  zwischen  Eisen  und  Erde  unter 
verschiedenen  Umständen.  Wieo.Ber.Vlir.457-462t;  DmeLBA 
a.  CXXX.  238-238;  Polyt.  C.  Bl.  1854.  p.  310-311. 

Merkwürdigerweise  wird  der  Reibungscoefficient  zwischen 
Eisen  und  Erde  meist  auffallend  niedrig  auf  0,197  angegeben. 
Der  Verfasser  hat  durch  Versuche  ermittelt,  dafs  für  Eisen  von 
der  Glätte,  welche  länger  gebrauchte  Ackergeräthschaften  haben, 
der  Mittelwerth  0,491  ist,  das  Maximum  bei  sehr  feuchter  Erde 
0,55,  das  Minimum  bei  sehr  trockener  Erde  oder  Sand  0,381.  Für 
rostiges  Eisen  steigt  der  Reibungscoefficient  über  0,56.  Beson- 
ders hebt  der  Verfasser  hervor,  dafs  nur  wenig  geöltes  Eisen 
selbst  nach  längerem  Putzen  noch  einen  unter  0,310  liegenden 
Reibungscoefficienten  behält.  Man  würde  also  durch  Einreiben 
der  Geräthschaften  mit  einem  geringen  Aufwand  von  Oel  bedeu- 
tend an  Krail  sparen.  Bf. 


l.  Plana.  Note  sur  la  density  moyenne  de  T^corce  super- 
ficielle  de  la  terre.  Astr.  Nachr.  XXXV.  177-192t;  Edinb.  J. 
LV.  152-153;  Fechnbr  C.  Bl.  1853.  p.  265-268. 

Diese  an  interessanten  Bemerkungen  reiche  Abhandlung  läfst 
sich  nicht  auszugsweise  wiedergeben.  Wir  zeigen  nur  das  Haupt- 
resullat  an.  La  Placb  hatte  angenommen,  dafs  die  Dichtigkeit  q 
der  elliptischen  Schichten  des  Erdsphäro'ids  nach  dem  Gesetze 

Q  =  (Q){l  +  e—ea) 
zunehme,  wo  (q)  die  Dichtigkeit  an  der  Oberfläche,  a  den  Ra- 
dius einer  Schicht  für  den  Radius  der  Oberfläche  s=  1  bedeutet. 
La  Place  nahm  dabei  für  (q)  den  Werth  3,  die  Dichtigkeit  des 
Granits,  und  bestimmte  den  von  e  =  2,349;  dies  liefert  die  mitt- 
lere Dichtigkeit  =  4,76.     Diese  ist  aber  nach  Reich  5,44;  und 


70  7.     Mechanik. 

(q)  mä&te  nach  v.  Humboldt,  (Kosmos  I.  177)  etwa  1,16  sein. 
Hr.  Plana  zeigt  aus  der  Theorie  der  Rotationsbewegung  der 
Erde,  dafs  man 

V      (q)  =  1,83      '        e  =  7,8907 
zu  setzen  habe. 

Daraus  ergiebt  sich  für  die  Dichtigkeit  im  Centrum  16,27, 
während  La  Placb  fand  10,047.  Bt. 


E.  Roche.    Memoire  sur  la  th^orie  des  atmospberes.  Seconde 
partie.     C.  R,  XXXV,  755-756+. ») 

Hr.  RocHB  giebt  die  Resultate  seiner  Untersuchungen  über 
die  Niveauflä'chen  in  der  Atmosphäre  eines  Satelliten  im  Wesent- 
lichen so  an:  Die  Niveauflächen  sind  geschlossen  und  symme- 
trisch in  Bezug  auf  drei  zu  einander  rechtwinklige  Ebenen,  und 
haben  drei  ungleiche  Axen;  die  gröfste  Axe  ist  gegen  den  Pla- 
neten gerichtet,  die  kleinste  ist  die  Rotationsaxe.  Das  Verhält- 
nüs  dieser  drei  Axen  variirt  von  einer  Fläche  zur  andern;  je 
weiter  sie  vom  Centrum  entfernt  sind,  desto  abgeplatteter  sind 
sie  an  den  Polen,  und  desto  mehr  nach  dem  Planeten  zu  ver- 
längert. Bi. 


WoLFF.     üeber  die  Ursache  der  Abweichung  rotirender  Ge- 
schosse.    Arcb.  f.  ArtilL  Off.  XXXI.  161 -164t. 

Hr.  WoLFF   erklärt   die   Abweichung   rotirender   Geschosse 

folgendermaDsen: 

Es  sei  K  eine  Kugel,  welche  in 

der  Richtung  AC  rotirL'  Vor 
der  Kugel  findet  Verdichtung  der 
Luft  statt,  hinter  derselben  Ver- 
dünnung. Die  verdichtete  Luft 
strebt  von  A  nach  K  Vermit- 
telst der  Adhäsion  und  Rotation 

»)  Vcrgl.  Berl.  Ber.  185a,  51.  p.l61,  162. 


ROCUB.     WOLFF.    BffNT.     SiECCHt.  7f 

wird  die  dünne  Luftschicht  AC  zurückgeworfen ,  die  DA  nach 
vorn  geschoben.  Die  Kugel  räumt  sich  das  Hindernifs  AC  in 
gewissem  Grade  hinweg,  steigert  es  bei  DA.  Daher  we^pht  sie 
bei  ihrem  Fortschreiten  von  der  Richtung  AB  in  der  Richtung 
der  Rotation  ab. 

Diese  Erklärung  versagt  ihren  Dienst ,  wenn  die  Drehungs- 
axe  des  (aus  einem  gezogenen  Rohre  kommenden)  Geschosses 
mit  der  Tangente  an  die  Flugbahn  zusammenfallt.  Es  weicht 
alsdann  nach  der  Seite  hin  ab,  nach  welcher  es  von  oben  her 
betrachtet  sich  dreht« 

Die  Drehung  sei  nach  rechts  gerichtet  Vor  dem  Geschosse 
erleidet  die  Luft  eine  Verdichtung,  in  Folge  deren  sie  zu  fallen 
strebt. .  Die  sinkende  Bewegung  der  die  Kugel  umgebenden  Luft- 
schicht wird  auf  der  rechten  Seite  beföi-dert,  auf  der  linken  ge- 
henunt;  hieraus  erklärt  sich  die  Abweichung  nach  rechts. 

Kr. 


Der  FoocAOLT'sche  Versuch. 

T.  G.  BüRT.     Pendalum  experiments.     Phil.  Mag.  (4)  IV.  272-275+. 

Hr.  Bunt,  von  dem  bereits  im  vorigen  Bericht  viele  Ver- 
suche über  die  Gröfse  der  Drehung  der  Pendelebene  vorliegen, 
hat  diesmal  untersucht,  wie  weit  man  auch  mit  geringern  Hülfs- 
mittein  und  kürzern  Pendeln  sich  der  theoretischen  V^ahrheit 
nähern  könne;  für  die  Breite  seines  Hauses,  51°  27,8'  ist  der 
theoretische  Werth  für  die  scheinbare  'Drehung  der  Pendelebene 
in  einer  Stunde  =  11,764°;  mit  drei  Pendeln  von  den  Längen 
19%  8'  Wy  &  2"  erreichte  er  eine  scheinbare  Drehung,  die  nur 
0,025®  kleiner  war,  als  jene  theoretische.  v.  M. 


Secchi.  Exp^riences  relatives  ä  la  d^viation  du  plan  d'oscilla- 
tion  du  pendule,  faites  ä  Rome.  Inst.  1852.  p.95-95t;SiLLi- 
MAN  J.  (2)  XIV.  287-288t;  Cosmos  1.  215-216t. 

Die  Versuche,  die  in  den  Acten  der  päpstlichen  Akadenne 
de'  Nttovi  Lincei  veröffentlicht  sind,   wurden  in  der  Kirche  des 


72  7-     Mechanik.     FoucAOLT'scIier  VersucL. 

heiligen  Ignaz  angestellt;  das  Pendel  wog  28  Kilogramm,  hing 
an  einem  eisernen  Drahte  von  31,95"  Länge,  und  die  Abweichung 
seiner . Schwingungsebene  wurde  gemessen,  indem  man  ihren 
Durchgang  durch  die  optische  Axe  eines  Theodoliten  beobachtete. 

Nach  15 stündiger  Beobachtung  fand  sich  eine  stündliche 
Drehung  von  9^*53'  16";  die  Rechnung  giebl  für  die  Breite  von 
41"  53' 52"  eine  stündliche  Abweichung  lOM' 2",7. 

Zu  einer  Beantwortung  der  Frage,  ob  die  Drehungsgeschwin* 
digkeit  im  Meridian  eine  andere  sei  als  senkrecht  auf  dessen  Rieh* 
tung)  hält  Hr.  Sbcchi  die  Beobachtungen  nicht  tauglich;  hinge* 
gen  hat  er  aus  ihnen  für  den  Beobachtungspunkt  die  Länge  des 
Secundenpendels  zu  0,993384"^  und  die  Schwere  für  diesen  Ort 
=  9,80421»  bestimmt.  v.  M. 


F.  Zantrdeschi.     Ricerche  fisico-matemaliche  sulla  deviazione 
del  pendolo  dalla  sua  trajetloria.  '   p,  3-31.  Padova  1852t; 

Inst  1852.  p.l96-196t;  Arch.  d.  sc.  pbys.  XX.  51-5lt;  Co8ni98  I. 
215-215t;  Atti  deir  Ist.  Veneto  (2)  111.  77-79t. 

Hr.  Zantedbschi  ist  durch  Pendelversuche  ebenfalls  zu  dem 
bereits  mehrfach  beobachteten  Resultate  gekommen,  dafs  die 
Drehungsgeschwindigkeit  der  Schwingungsebene  eines  Pendels  in 
der  Meridianrichtung  immer  kleiner,  senkrecht  dazu  immer  gro- 
User  als  die  Iheoretische,  dem  Sinus  der  geographischen  Breite 
proportionale,  ist  Für  Padua  giebt  das  Gesetz  des  Sinus  eine 
stündliche  Ablenkung  von  10®  42^  die  Versuche  des  Hrn.  Zantb- 
OESCHI  geben  im  Meridian  etwas  weniger  als  10^  senkrecht  dazu 
etwas  mehr  als  12^  v.  M. 


W.  Glbdns  jun.  VVaaruemiugea  aangaande  het  verscbil  in 
afwijking  van  het  slingervlak  in  onderscheidende  rigtingeD. 
Konst-  en  letterbode  1852.  1.  p.2-6t. 

Hr.  Gleuns  stellte  in  der  St.  Martinikirche  zu  Groningen  Yer- 
suche  mit  einem  24'"  langen  Pendel  an.  Er  fand  das  von  Ma- 
RiGNAC  (Berl.  Ber.  1850,  51.  p.  137)  erhaltene  Resultat  bestätigt, 
dafs  die  Schwingungsebene  vom  Parallelkreisel  aus  in  derselben 


Zaütedkschi.  Gesims.  Jansb.  vait  oea  WiLLieiir.  Strehlke.      73 

Zeit  eine  stärkere  Ablenkung  erfahrt  als  vom  Meridian  aus.  Ein 
Bogen,  welcher  nach  der  Theorie  in  5'  34,8^'  Zeit  hätte  durchlau- 
fen werden  sollen,  wurde  vom  Parallelkreise  aus  zurückgelegt  in 
5^  14,25^^  dagegen  vom  Meridian  aus  in  6'  16,25''.  Kr. 


L.  Jahse.     Slingerproef  van    Foucault.     Hoofdresultaat    der 
waarnemingen  en   eener  etroaalsliogering  te  Middelburg. 

Koost-  en  letterbode  1852.  1.  p.  SO-Slf. 

Das  Pendel  des  Hrn.  Janse  in  Middelburg  war  19,25>°  lang. 
Bei  einem  Versuche,  welcher  mit  einer  halben  Amplitude  von  2"* 
begann,  bewegte  sich  das  Pendel  24  Stunden  lang.  Die  sämmt- 
lichen  Versuche  ergaben  im  Mittel  eine  Ablenkung  von  11,7125^ 
in  der  Stunde.  Nach  dem  Sinusgesetze  sollte  dieselbe  11,7391® 
in  der  Stunde  betragen.  Kr. 


V.  S.  M.  VAN  DER  Willigen.     Slingerproeven  te  Deveoter.    Konst- 
en  letterbode  1852.  1.  p.  52 -56t,  66 -69t,  281 -286t. 

Der  Verfasser  richtet  seine  Aufmerksamkeit  besonders  auf 
die  verschiedene  Geschwindigkeit  der  Ablenkung  der  Schwin- 
gungsebene des  Pendels  aus  verschiedenen  Azimuthen.  Er  neigt 
sich  der  Meinung  zu,  dafs  diese  Erscheinung  hauptsächlich  durch 
die  Art  der  Aufhängung  des  Pendels  bedingt  sei.^  Kr. 


F.  Strehlke.     Foocaolt*s'  Peodelversuche  zur  Bestätigung  der 
täglichen  Umdrehung  der  Erde  um  ihre  Axe.    Jahresber.  d. 

naturw.  Ver.  in  Halle.  1852.  p.  98-99t. 
Diese  Versuche  gedenkt  Hr.  Strehlkb  nächstens  mit  Hülfe 
eines  horizontalen  Fernrohrs  anzustellen,  von  dessen  Fadenkreuz 
der  verticale  Mittelfaden  im  ersten  Moment  mit  der  Schwingungs- 
ebene des  Pendels  coincidirt;  bald  aber  wird  sie  davon  abweichen, 
^und  zwar  wegen  der  verschiedenen  Entfernung  auf  der  linken 
Seite  stärker  als  auf  der  rechten.  Kr* 


74 


7.    MediAiiik.    FoucAüLx'scher  Venuch. 


J.  Ghallis.     A  matbematieal  theory  of  M.  Fodoaclt's  pendulom 
experiment.    phiL  Mag.  (4)  lll.  331.334t. 

Hn  Challis  giebt  von  dem  FoucAULT^schen  Pendelversuche 
einen  aus  den  Differentialgleichungen  der  Bewegung  abgeleiteten 
Beweis,  in  welchem  indefs  nichts  Neues  zum  Vorschein  kommt, 
der  daher  hier  übergangen  wird,  da  bereits  im  Bericht  für  1851 
solche  Beweise  ausliihrlicfa  gegeben  worden.  v.  M. 


CfCABAY.  n^moostration  elementaire  de  la  vitesse  de  d^via- 
tion  du  plan  d'oscillation  du  pendule  ä  diverses  latitudes. 
BulL  d.  Brux.  XIX.  J.  p.  537-542t  (Cl.  d.  sc.  1852.  p.  299-304t); 
Poee.  Ann.  LXXXVIII.  477-481t;  Gäünbät  Arch.  XX.  345-348t. 

Hr.  Crahay  betrachtet  das  Phänomen  in  seiner  gröfsten  Ein- 
fachheit, um  mit  den  Vorstellungen  der  elementaren  Geometrie 

auszureichen.  Es  sei  PEPF 
ein  Durchschnitt  der  als  Kugel 
angenommenen  Erde  durch  eine 
Meridianebene,  0  sein  Mittel- 
punkt, PP  die  Drehungsaxe 
und  L  ein  Ort  unter  dem  Pa- 
rallel ELF  der  nördlichen  Halb- 
kugel ;  die  Gerade  OU  repra- 
sentirt  für  einen  gegebenen 
Zeitpunkt  die  Lage  der  Verti- 
cale  des  Ortes,  dessen  Meri- 
diankreis PLP  ist,  während 
die  Gerade  IrM,  die  in  L  senk- 
recht zur  Verticale  ist,  in  der 
Meridianebene  liegt,  die  Mil- 
tagslinie  des  Ortes  vorstellt, 
und  die  Verlängerung  der  Axe 
in  M  schneidet. 
Im  Laufe  eines  Sterntages  beschreiben  vermöge  der  Rotation 
der  Erde  die  Lothrechle  Ol  und  die  Miltagslinie  ML  um  die  Axe 
PP  gerade  Kegelflächen,  die  den  Kreis  EF  zur  gemeinschaftlichen 


Ckalus.    Caahat.  75 

Grundfläche  haben,  und  deren  Scheitel  respective  in  0  und  M 
liegen.  Nach  einer  gewissen  Zeit,  die  wir  als  sehr  kurz  voraus- 
setzen, wird  der  Ort  L  den  vBogen  LL'  des  Parailelkreises  durch- 
laufen haben,  so  dafs  sich  die  Lothrechte  des  Ortes  in  OWy  der 
Meridian  desselben  in  PVP  und  die  Miltagslinie  in  UM  be- 
£ndet. 

Angenommen  beim  Abgang  von  L  habe  sich  die  Schwin- 
gungsebene im  Meridian  befunden,  d.  h.  in  derjenigen  Ebene,  die 
durch  die  Lothrechte  Ol  und  die  Mittagslinie  LM  geht,  so  würde 
diese  Schwingungsebene  sich  selbst  immer  genau  parallel  bleiben, 
trotzdem  sie  durch  die  Axendrehung  der  Erde  im  Räume  fortge- 
führt wird,  wenn  nicht  die  Schwerkraft  sie  beständig  nöthigte, 
durch  den  Mittelpunkt  der  Erde  zu  gehen.  Allpin  dies  ist  auch 
die  einzige  Veränderung,  welche  ihre  Lage  in  Folge  der  Axen- 
drehung der  Erde  erleidet,  so  dals,  wenn  der  Ort  L  in  L'  ange- 
langt ist,  die  Schwingungsebene  durch  die  Lothrechte  OP  und 
durch  eine  der  Mittagslinie  parallele  Gerade  JJM'  bestimmt  sein 
wird.  Mithin  bildet  bei  Ankunft  in  1/  die  Schwingungsebene 
Ml/V  mit  der  Ebene  MW  des  Meridians  des  Orts  einen  Hori- 
zontalwinkel MVM\  welcher  wegen  vorausgesetzter  Kleinheit 
des  Bogens  UJ  als  gleich  betrachtet  werden  kann  dem  Winkel 
IMV  zwischen  den  Mittagslinien  der  beiden  Orte  L  und  L\ 
Dies  ist  der  Drehungswinkel,  den  man  scheinbar  an  der  Schwin- 
gungsebene beobachtet,  der  aber  in  Wahrheit  dem  Meridian  LM 
zukommt,  welcher  durch  die  Rotation  der  Erde  seine  Lage  im 
Raum  geändert  hat 

Um  diesen  Winkel  zu  bestimmen,  ziehe  man  die  Geraden 
UV,  VN  nach  dem  Mittelpunkt  N  des  Parallelkreises»  die  LO 
und  VO  nach  dem  Mittelpunkt  0  der  Erde,  und  endlich  durch 
die  Mitte  R  der  Sehne  LV  die  Geraden  RN  und  JSM,  welche 
auf  dieser  Sehne  winkelrecht  sind,  und  die  gegenüberliegenden 
Winkel  bei  N  und  M  halbiren.  Man  bezeichne  nun  mit  r  den 
Erdradius,  mit  h  den  Stundenwinkel  LNV,  mit  H  den  Drehungs- 
winkel LMV  der  Schwingungsebene  und  mit  X  die  Breite  des 
Ortes. 

Das  in  N  rechtwinklige  Dreieck  NLOy  an  welchem  der 
Winkel  DfOL  das  Complement  der  Breite  ist,  giebt: 


76  '7*    MechaDik.    FoucAULT*scher  Versuch. 

NL  s=  r^cosX. 
Aus  dem  in  R  rechtwinkligen  Dreiecke  LNR  ergiebi  sich 

LR  =  JVL-sin  \LNIJ  =  r.  cog  X  sin  \h. 
Das  in  L  rechtwinklige  Dreieck  MLO  liefert 

ML  Ä  r  cotg  i. 
Endlich  führt  das  in  R  rechtwinklige  Dreieck  LMR  tM  der 
Relation 

sin  iLMV  =5  YJTf 

oder 

,  „      cos  IsinXh        .    . ,     .    , 

sin  In  s= ^    ,       =  ain  AÄ-sm  A. 

*  •  cotg  l  ' 

Da  nun  der  Meridian  LM  beim  Uebergange  von  L  nach 
L'  ein  Stück  des  Kegelmantels  beschreibt,  so  mufs,  damit  der 
ebene  Winkel  LMV  den  von  jener  Genera trix  wirklich  durch- 
laufenen Winkelraum  ohne  merklichen  Fehler  darstelle,  sowohl 
dieser  Winkel  als  der  Winkel  LNl/  sehr  klein  sein,  so  klein, 
dafs  die  sie  messenden  Bogen  statt  ihrer  Sinus  genommen  wer- 
den können.     Dies  führt,  nach  Fortlassung  des  Factors  |  zu  dem 

Ausdruck 

U  =  A'Sin  X. 

Wenn  mithin  der  Punkt  L  der  Erde  einen  Bogen  h  durch- 
läuft, scheint  die  Schwingungsebene  sich  im  Sinne  der  schein- 
baren Bewegung  des  Himmels  um  die  Lothrechte  durch  einen 
Winkel  H  zu  drehen,  dessen  Werth  hsinl  ist. 

Wir  haben  angenommen,  dafs  beim  Ausgange  die  Schwin* 
gungsebene  mit  der  Meridianebene  zusammenfalle,  allein  man  über* 
zeugt  sich  leicht,  dafs,  wenn  sie  auch  anfangs  irgend  einen  Azimu- 
thalwinkel  mit  der  letzteren  bildet,  dennoch  die  Abweichung  von 
dieser  Lage  nach  Durchlaufung  des  Bogens  h  denselben  Werth  H 
hat.  Daraus  folgt,  dafs  in  jedem  Augenblick  dieselbe  Relation 
zwischen  den  Bogen  H  und  A  existirt,  und  da  die  Axendrehung 
gleichförmig  ist,  so  ist  es  auch  die  der  Schwingungsebene. 

In  der  südlichen  Erdhälfte  geschieht  die  Drehung  der 
Schwingungsebene  im  umgekehrten  Sinne  wie  auf  der  nördlichen, 
d.  h.  sie  folgt  auch  hier  der  scheinbaren  Bewegung  des  Himmels. 

Die  mit  der  Formel  H=hsmX  übereinstimmende  graphische 
Construction  zeigt,  dafs  in  dem  MaaCse,  als  der  Ort  L  dem  Ae- 


DiLLATITIS.  77 

quator  näher  liegt,  also  die  beiden  Meridiane  LM  und  1/M  sieh 
dem  Paralielismus  nähern,  der  Winkel  U  abnimmt,  bis  er  unter 
dem  Aequator  Null  wird,  dafs  er  dagegen  bei  Annäherung  des 
Punktes  L  an  einen  der  Pole  zunimmt,  bis  er  unter  dem  Pole 
selbst  dem  Stundenwinkel  h  gleich  ist. 

Die  Construction  zeigt  auch,  wie  die  Winkelbewegung  LNL' 
um  die  Axe  PP  auf  eine  andere,  gegen  dieselbe  geneigte  Axe 
OU  bezogen  werden  kann  mit  Hülfe  zweier  rotativen  Componen- 
ten,  einer  um  die  neue  Axe  Ol  und  einer  andern  um  die  Gerade 
LM,  die  Mittagslinie  des  Punktes  L.  Die  erste  dieser  Compo- 
nenten  ist  der  Winkel  MLM'  oder  H,  dessen  Werlh  =Asin>l; 
die  andere  ist  der  Winkel  LOL\  um  welchen  die  Schwerkraft 
die  Schwingungsebene  dreht,  um  sie  beständig  gegen  den  Mit- 
telpunkt der  Rrde  zu  richten.  Der  Werlh  dieses  letzteren  Win- 
kels, den  wir  mit  C  bezeichnen  wollen,  ergiebt  sich  aus  dem  in 
i?  rechtwinkligen  Dreieck  LORf  welches  giebt 

sin  iC  =  7-77=  sin  |/i*cos  X, 

oder  wie  früher  wegen  der  Kleinheit  der  Winkel 

C=  h.eos  L 

V.  M. 


G.  Bellavitis.     Nota   sul  pendolo  del  Foücaült.     Atti  deir  Ist. 
Veneto.  (2)  III.  91-97t. 

Hr.  Bellavitis  giebt  vom  FoucAULT'schen  Pendelversuche 
eine  analytische  Entwickelung,  stellt  die  Bewegungsgleichungen 
für  die  relative  Bewegung  so  auf,  wie  sie  bereits  Poisson  gege- 
ben, und  betrachtet  sie  nachher  für  das  Pendel  in  der  schon 
früher  von  Binet  und  anderen  gegebenen  Art.  Etwas  Neues 
enthält  die  Notiz  nicht. 

V,  M. 


78  7.     Mechanik.     FoucAULT^scher  Versuch. 

T.  J.  EscB WEILER.  Kurzer  Beweis  des  Gesetzes,  nach  wel- 
chem die  Schwingungsebene  eines  Pendels  sich  bei  dem 
FoüCAüLT'schen  Versuche  in  Folge  der  Erdrotation  um  die 
Verticale  des  Aufhängungspunktes  dreht  Gaunert  Arch. 
XIX.  51 -53t. 

Zur  A()leitung  dieses  Gesetzes,  sagt  Hr.  Eschweiler,  bedarf 
es  nur  der  Betrachtung  desjenigen  sphärischen  Dreiecks,  wel- 
ches von  drei  Bogen  gebildet  wird,  die  den 
Himmelspol  P,  das  Zenith  Z  und  den 
von  der  Schwingungsebene  des  Pendels 
getroffenen  Punkt  A  des  Horizonts  mit 
einander  verbinden.  Dieses  Dreieck  ist 
während  der  Pendelbewegung  ein  veränderhches;  denn  indem 
der  Pol  P  stets,  und  während  des  Zeitelemenls  dl  auch  xler 
Punkt  A  in  Folge  des  Strebens  der  Pendelmasse,  in  ihrer  Rich- 
tung zu  beharren,  ihre  Lage  beibehalten,  beschreibt  das  Zepith 
Z  vermöge  der  Rotation  der  Erde  um  ihre  Axe  einen  kleinen 
Kreis  um  P,  wodurch  die  Winkel  bei  P  und  Z  sich  beide  ste- 
tig ändern.  Es  kommt  nur  darauf  an,  die  Abhängigkeit  dieser 
Winkel,  deren  erster  sich  der  Zeit  proportional  ändert^  der  letz- 
tere aber  das  Azimuth  der  Schwingungsebene  zu  180^  ergänzt, 
zu  ermitteln.  Zu  dem  Ende  nehme  ich  an,  im  Anfange  der  Be- 
wegung sei  die  Schwingungsebene  im  Meridian,  ihr  Azimuth 
Null;  nach  Verlauf  der  Zeit  ^  sei  dies  Azimuth  o,  und  die  Erde 
habe  sich  in  dieser  Zeit  um  den  Winkel  q  gedreht;  in  dem  da- 
rauf folgenden  Zeitelement  di  betrage  diese  Drehung  dg,  eben 
so  viel  also  auch  die  Aenderung  des  Winkels  P;  die  gleichzeitige 
Aenderung  des  Azimuths  sei  da.  Da  nun  zwischen  den  beiden 
Winkeln  Z  und  P  und  den  beiden  Seiten  AP  und  PZ  (deren 
letztere  das  Complement  der  Polhöhe  oder  geographischen  Breite 
l  ist)  die  bekannte  Relation 

cos  ZP'  cos  P  =  sin  ZP-  cotg  PA  —  sin  P-cotg  Z 
besteht,  und  Z=  180°  —  «r,  ZP  =  90«^  —  /  ist,  so  hat  man 
sin  l .  cos  P  =  cos  l  cotg  PA  -f-  sin  P.  cotg  n.* 
Aendert  sich  nun  während  der  Zeit  dt  durch  die  Rotation 
des   Erdkörpers   P  in  P  —  dg,  a  aber   gleichzeitig  in   a  —  rfa, 
während  {  und  die  Seite  PA  unverändert  bleiben,  und  differen- 


EsCHWIILm.     WOODBÜRT.  79 

tiirl   man  demgemäfs   die  vorige  Gleichung,  so  erhält  man  die 
folfi:ende: 

sm  hsrnP-do  =  — .— , cosJP-cotgö-cfo 

^  '^^  sm  *a  ^       ^ 

oder 

rfö  =  sin  /-sin^ö-i/ß  +  cotgP-sinfl-cosa-rfp. 

Es  ist  aber,  da  AZ  ein  Quadrant, 

colgP  =  sin/-cotgo, 
daher 

da  =  sin  j-sin  ^a^dg  -f  ain  l-cos  *a  dg, 

s=  sin  h  dg. 
Integrirt  giebt  dies 

0  =  Q'sinl 
ohne  Constante,  da   vorausgesetzt   wurde,   dafs   im  Anfang  der 
Zeit  f  sowohl  a  als  q  Null  seien. 

Das  Resultat  spricht  das  von  Foucault  entdeckte  Gesetz 
aus,  dafs  nämlich  die  Geschwindigkeit^  womit  die  Schwingungs- 
efaene  eines  Pendels  sich  um  die  Verticale  dreht,  sich  zu  derje- 
nigen, mit  welcher  die  Erde  um  ihre  Axe  rotirt,  verhält  wie  der 
Sinus  der  geographischen  Breite  zur  Einheit. 

v.  itf. 


D.  P.  WooDBiRy.     The    pendulum    experiment.     Silliman  J. 

(2)  XIII.  212  2J4t. 

Nachdem  Hr.  Woodbury  eine  elementare  Entwickelung  des 
FoucAULT^schen  Pendelversuchs  gegeben  hat,  kommt  er  zu  einer 
Erweiterung  des  Problems,  welche  bereits  an  die  Constanz  der 
Rotationsebene  streift;  er  geht,  wie  Sire  (siehe  weiter  dessen 
Aufsätze),  von  der  Vorstellung  aus,  dafs  die  Verhältnisse  offen- 
bar ungeändert  bleiben,  wenn  das  Pendel  anstatt  eines  Schwin* 
gungsbogens  einen  vollkommenen  Kreis  beschreibt;  doch  sind 
seine  Ansichten  mehr  Andeutungen  als  strenge  Untersuchungen, 
daher  sich  auch  die  Resultate,  wenn  man  die  Rotationsgesetze 
berücksichtigt,  was  offenbar  geschehn  mufs,  wenn  man  das  Pen- 
del durch  eine  rotirende  Scheibe  ersetzt,  sich  etwas  modificiren 
wurden.  v.  M. 


30  7.    Mechanik.    FouGADLT'scher  Versuch. 

Pagani.     Sur  le  ih^or^me  d*Eolrr,  relatif  ä  la  d^composilion 
du  mouvemenl  de  rotation  des  corps.    Ball.  d.  Brux.  XIX. 

2.  p.161-165t  (Cl.  d.  8C.  1852.  p.449-453t);  Grühbrt  Arch.  XX. 
349-35lt. 
Hr.  Pagani  giebi  von  oben  benanntem  Theorem  Euler's  einen 
sehr  hübschen,  elementaren  Beweis  in  folgender  Art: 

Wenn  ein  Körper  um  eine  Axe  CA  mit  einer  der  Linie  CA 
proportionalen  Winkelgeschwindigkeit  p,  zugleich  aber  um  eine 
zweite  Axe  CB  mit  einer  der  CB  propor- 
tionalen Winkelgeschwindigkeit  q  sich  dreht, 
so  wird  seine  resultirende  Bewegung  eine 
Drehung  um  die  Diagonale  CD  des  Pa- 
ralleiogrammes  CBDA  sein,  und  zwar  mit 
einer  der  Linie  CD  proportionalen  Winkelgeschwindigkeit  n,  so 
dafs  also 

p:q:n  =  CAiCB.CD  =  sin/9:sin  a:sin  (a-f-/?),  wo  «und/? 
die  Winkel  ACD  und  DCB  bezeichnen. 
Um  C  beschreibe  man  in  der  Ebene  der  Axen  CA  und  CB 
einen  Kreis,  dessen  Radius  die  Einheit,  und  der  in  n,  i/,  b  die 
Linien  CA,  CD,  CB  inBi;  der  Punkt  d  wird  nun  vermöge  der 
Rotation  um  CA  im  Zeitelem^nt  t  einen  kleinen  Bogen  senk- 
recht zur  Ebene  der  Figur  beschreiben,  dessen  Radius  sin  a  ist; 
seine  Erhebung  über  die  Ebene  wird  also  t  psina  sein;  vermöge 
der  Rotation  um  CB  wird  der  Punkt  d  sich  um  die  Gröfse 
T  7  sin  /?  senken;  da  aber 

p:q  =^  CA: CB  =  sin /? : sin  a, 

so  ist 

1)    T  qsinß  =^T  p  sin  a, 

d.  h.  der  Punkt  d  ist  in  Ruhe. 

Dasselbe  gilt  für  jeden  andern  Punkt  der  Diagonale  CD« 
was  nur  dann  möglich  ist,  wenn  CD  die  Rotationsaxe  ist,  wo- 
durch der  erste  Theil  des  Satzes  erwiesen  ist.  Um  nun  die 
Grö(se  der  Winkelgeschwindigkeit  n  um  CD  zu  bestimmen,  be* 
trachte  man  den  Punkt  &;  von  den  beiden  ursprünglichen  Rotatio- 
nen varkt  nur  die  eine,  die  um  CA  als  Axe,  auf  ihn,  und  ergiebt 
im  Zeitelemcnt  t  eine  Erhebung  über  der  Ebene  die  Figur,  die 
gleich  tpsinia-^-ß)  ist;  da  aber  die  resultirende  Bewegung  um 


PAeANI.      JUAOIMSKN.  gf 

CD  vor  sich  geht,  welche  eine  Erhebung  t  nsinß  hervorbringt, 

80  mufs  diese  Gröfse  offenbar  dieselbe  sein  wie  jene,  d.  h. 

p  sin  (of-J-/?)  s=  n  sin  /?, 
also  vermöge  1) 

2)  p:q:n  =  sin/?:sina:sin(a-J-/?). 
Die  Zusammensetzung  dreier  Rotationen  folgt  hieraus  leicht, 
ebenso  die  Zerlegung  einer  Rotation  in  zwei  oder  drei  Rotations- 
componenten.  Dreht  z.B.  die  Erde  sich  um  ihre  Axe  mit  der 
Winkelgeschwindigkeit  n,  so  wird  für  einen  Punkt,  dessen  Breite 
X  ist,  diese  Rotation  sich  in  zwei  Componenten  um  die  Verticale 
und  Meridiane  des  Orts  zerlegen  lassen,  deren  Winkelgeschwin- 
digkeiten respeclive  nsmX  und  ncosA  sind.  t;.  M. 


C.  JoBGENSEN.     Recherchcs  m^caniques  relatives  au  mouve- 
menl  du  pendule.     inst.  1852.  p.424-425t. 

Hr.  JuRGENSEN  uutersucht  die  Bewegung  einer  materiellen 
Linie  um  eine  verticale  Axe  unter  dem  Einflufs  der  Drehung  der 
Erde.  Diese  Kreisbewegung  findet  er  stets  unveränderlich  und 
der  Bewegung  der  Erde  entgegengesetzt,  so  lange  man  nur  die 
Bewegung  des  Axensystems,  nicht  aber  die  hierdurch  entstehende 
Centrifugalkraft  in  Rechnung  zieht;  so  wie  dies  geschieht,  zeigt 
sich  am  Aequator,  wo  die  scheinbare  Bewegung  verschwinden 
müfste,  eine  Oscillation  der  Linie  um  ihre  Gleichgewichtslage 
Ost-West,  die  unter  andern  Breiten  sich  mit  der  scheinbaren  Be- 
wegung zusammensetzt,  und  in  dieser  periodische  Ungleichheiten 
von  der  Dauer  von  24  Stunden  hervorbringt;  nur  am  Pol  ver- 
schwindet diese  Oscillation  ganz. 

Diese  Thalsache  ist  auf  der  Centrifugalmaschine  durch  Ver- 
suche bestätigt  worden. 

Hieran  reihte  Hr.  Jurobnsen  die  Untersuchung  zweier  Fra- 
gen, ob  nämlich 

1)  die  Centrifugalkraft  einen  merklichen  Einflufs  auf  die  Be- 
wegung des  einfachen  Pendels  übe,  wie  es  Foucault  anwandte, 
ob  sich  vielleicht  durch  ihreA  Einflufs  die  Ungleichheiten  in  der 
Bewegung  der  Pendelebene  erklären  liefsen,  die  vielfach  beobach- 
4et  worden,  und 

Forlschr.  d.  Phys.  VIII.  6 


32  7.     Mechanik.     FoucAULT*8cher  Versuch. 

2)  wie  ist  die  Bewegung  eines  physikalischen  Pendels  be- 
schaffen, dessen  Schwingungsaxe  sich  horizontal  um  ihren  Mittel- 
punkt drehen  kann? 

In  Bezug  auf  die  erste  Frage  fand  er,  dafs  in  der  That  die 
Centrifugalkraft  einen  Einflufs  ausübt,  dafs  insbesondere  die  Be- 
wegung eines  Pendels  am  Aequator  gleich  der  eines  materiellen 
schweren  Punktes  auf  einem  Rotationsellipsoide  ist,  dessen  Äxe 
horizontal  und  der  Aequatorebene  parallel  liegt,  so  dafs  die 
Schwingungsdauer  und  die  Lage  der  Schwingungsebene  bei  je- 
der Schwingung  sich  ändern;  aber  diese  Aenderungen  sind  hier, 
wie  unter  jeder  Breite,  von  der  Ordnung  des  Quadrats  der  Win- 
kelgeschwindigkeit n  der  Erde,  daher  unmerklich.  Hat  man  also 
bei  den  Beobachtungen  des  Pendels  Ungleichheiten  gefunden,  die 
nicht  der  Mangelhaftigkeit  des  Versuchs  zugeschrieben  werden 
können,  so  würde  dies,  wenn  man  sie  der  Centrifugalkraft  zu- 
schreiben wollte,  die  Unmöglichkeit  beweisen,  das  angewandte 
Pendel  als  ein  mathematisches  zu  betrachten.  Man  müfste  dann 
auch  auf  den  Luftwiderstand  Rücksicht  nehmen,  obwohl  er  die 
Ungleichheiten  der  erwähnten  Art  nicht  hervorbringen  kann. 
Uebrigens  sind  hier  immer  nur  unmerklich  kleine  Schwingungen 
verstanden,  bei  gröfseren  käme  man  in  die  Gesetze  des  conischen 
Pendels,  und  hätte  es  dann  noch  mit  dem  Fortschreiten  der 
Apsidenlinie  zu  thun. 

In  Bezug  auf  die  zweite  Frage  sagt  Hr.  Jurgensbn,  dafs  er 
zuerst  die  Bewegungsgleichungen  für  irgend  einen  Körper  ange- 
setzt habe,  dafs  diese  sich  aber  nur  integriren  lassen,  wenn  der 
schwingende  Körper  ein  Pendel  sei,  welches  kleine  Schwingun- 
gen ausführe ;  er  erhalle  dann  eine  vollständige  Lösung,  von  wel- 
cher Folgendes  die  Resultate  sind: 

Indem  man  die  Glieder  vernachlässigt,  die  vom  Quadrat  der 
Winkelgeschwindigkeit  n  der  Erde  abhängen  und  von  der  Cen- 
trifugalkraft herrühren,  zeigt  sich,  dafs  das  Pendel  in  jedem  Azi- 
muth  so  schwingt,  als  wäre  die  Axe  in  Ruhe. 

In  derselben  Voraussetzung,  so  wie  in  der,  dafs  die  Schwin- 
gungsaxe keine  Anfangsgeschwindigkeit  erhalten  hat,  findet  sich, 
dafs  diese  der  Drehung  der  Erde  entgegengesetzt  mit  der  Winkel- 
geschwindigkeit n  sin  y  sich  bewegt,  wo  y  die  Breite  des  ßeobach» 


tangsortes.  Diese  Bewegung  wird  nur  durch  die  Veränderung 
des  Trägheitsmomentes  in  Bezug  auf  die  Verticale  hervorgebracht, 
und  die  Differentialgleichung  ist  nur  der  anal3rtische  Ausdruck  der 
Bemerkung,  die  in  dieser  Beziehung  Poinsot  ')  gemacht  hat;  da* 
her  bleibt  auch  die  Axe  in  Ruhe,  wenn  das  Pendel  in  Ruhe  ist, 
wie  es  die  Gleichung  ebenfalls  zeigt. 

Die  von  der  Centrifugalkraft  abhängigen  Glieder  geben  im 
allgemeinen  Fall  (was  für  das  mathematische  Pendel  nicht  der 
Fall  ist)  eine  oscillirende  Bewegung  der  Axe  von  derselben  Ord- 
nung; und  diese  Bewegung  verschwindet,  selbst  wenn  das  Pen- 
del in  Ruhe  ist,  nicht,  da  sie  keine  scheinbare  ist  Die  Dauer 
der  Schwingungen  hängt  von  den  Trägheitsmomenten,  der  Elon- 
gation  und  der  Breite  ab.  Die  Existenz  dieser  Bewegungen  ist 
auf  der  Centrifugalmaschine  nachgewiesen  worden. 

Uebrigens  wagt  Hr.  Juroensbn  nicht  zu  entscheiden,  ob  die 
auseinandergesetzten  Resultate  der  Art  sind,  durch  Versuche  di- 
rect  bewiesen  zu  werden;  der  Reibungswiderstand  bei  der  hori- 
zontalen Bewegung  würde  natürlich  die  meiste  Schwierigkeit 
bieten;  jedoch  ist  es  wahrscheinlich,  dafs  das  Moment  dieser 
Kraft  im  Vergleich  zum  Trägheitsmoment  in  Bezug  auf  die  Ver- 
ticale auf  eine  geringe  Gröfse  reducirt  werden  kann.  Der  Luft- 
widerstand scheint  vollkommen  vernachlässigt  werden  zu  können; 
auch  ist  er  in  der  vorhergehenden  Analyse  nicht  in  Rechnung 
gebracht 

Seit  der  Veröffentlichung  des  Memoirs  sind  die  ersten  Ver- 
suche angestellt  worden,  die  wenigstens  die  Möglichkeit  einer 
experimentellen  Bestätigung  der  theoretischen  Resultate  anzudeu- 
ten scheinen.  i\  M. 


DüPRi.     Sur    la   deviation   au  sud   des   corps  qui  lombent 
C.  R.  XXXIV.  102-104+;  Inst.  1852.  p.  20-20t. 

Hr.  DupRE  discutirt  die  von  Petit*)  gegebenen  Resultate 
in  Bezug  auf  den  Fall  der  Körper,  und  macht  besonders  auf 
einen  Irrthum,  der  jene  Resultate  ganz  illusorisch  maohl,  auf* 

•)  C.  R.  XXXII.  207t;  Berl.  Der.  1850,  51.  p.ll2t. 
')  C.  R.  XXXni.  1941;  Berl.  Ber.  1850,  51.  p.l51f. 

6* 


g4  7.     Medianifc.     FoucA0LT*selier  Versuch. 

merksam;  Petit  halle  nämlich  eine  so  bedeulende  Abweidiung 
von  der  Verlicale  nach  Süden  gefunden,  daCs  es  wunderbar  er- 
acheben  mufsle,  wie  Laplace,  der  die  Formehi  (ur  die  Abwd- 
chung  fallender  Körper  gegeben,  eine  so  bedeulende  Grolse  über- 
sehen konnte;  dies  komml  aber  daher,  dais  Petit  die  Richtung 
der  Schwere  für  die  Richtung  der  Lolhlinie  gaiommen,  welche 
lelslere  der  Centrifugalkrafl  wegen  von  erslerer  abweicht;  in 
letslerer  Richtung  aber,  nicht  in  der  der  Schwere  fallt  der  Korper. 

Im  luftleeren  Räume  wird  es  fast  genau  der  Fall  sein,  daCs 
die  Centrifugalkrait  den  frei  fallenden  Korper  am  Fulspunkt  der 
Lothlinie,  also  südlich  des  Fufspunkles  der  Richtung  der  Schwere 
niederbringt,  im  lufterfuUlen  Raum  ist  es  etwas  anders;  der 
fallende  Körper  bleibt  länger  in  Bewegung;  die  ihn  südlich  trei- 
bende Centrifugalkrafl  wirkt  längere  Zeit  auf  ihn,  und  bringt 
ihn  noch  etwas  südlich  des  Fufspunkles  der  Lolhlinie  herunter. 

Für  eine  Höhe,  die  im  luftleeren  Räume  der  Fallzeil  i  ent- 
spricht, beträgt  die  Abweichung  der  Lothlinie  von  der  Richtung 
der  Schwere  für  die  Breite  l  und  den  Radius  R  der  Erde  be- 
kanntlich 

8616? '•"^•' 
oder 

0,00846- sin  2/./*; 
mit  dieser  Formel  Gndet  man  auch  in  der  Thal  die  Abweichun- 
gen, wie  sie  Petit  gegeben,  die  aber  gar  nichts  Neues  sind;  die 
in  Deutschland  beobachtete  südliche  Abweichung  ist  vielmehr  die 
über  diese  Gränzen  hinaus  wahrgenommene;  ihr  Ausdruck  ist 
nach  Hm.  Dupre,  wenn  der  Körper  vermöge  des  Luftwider- 
standes /'  Secunden  länger  fällt, 

=  8,46«»«  sin  2/  [(/  -}-  i')*  —  f »]  =  8,46»""  sin  21.  [2tV  -J-  r*J. 

Bei  kleinen  Höhen  ist  dies  unmerklich;  für  100  Meter  ist 
/  =  4,5'  etwa;  die  Abweichung  also,  wenn  man  V*  vernachlässigt, 

Eine  Verzögerung  von  /'  =  j\  bis  ,'^  Secunde  gäbe  schon 
eine  wahrnehmbare  Gröfse.  Die  Anwendung  des  Vorigen  auf 
eine  Kugel,  die  steigt  und  fallt,  hat  keine  Schwierigkeit. 


DlEIT.  85 

DiEu.  Analyse  du  pendule  simple,  abstraclioo  faite  de  la 
r^sistance  de  l'air,  et  eu  ^gard  k  la  rotation  de  la  terre, 
suivie  de  celle  da  mouvemeni  d*an  point  mat^riel  libre 
dans   les   m^mes   circonstances.     c.  R.  XXXV.  792 -793t; 

Comos  IL  263 -264t. 

Hr.  DiEu  giebt  selbst  in  einem  Auszuge  als  Inhalt  seines 
in  zwei  Theile  zerfallenden  Memoirs  Folgendes  an: 

Im  ersten  Theile  wird  durch  eine  von  der  Bin£t*s  abwei- 
chende Methode  gezeigt,  dafs  das  FoucAULT*sche  Gesetz  für  das 
mathematische  Pendel  annähernd  richtig  ist.  Die  Abweichung 
der  Schwingungsebene  von  der  constanten  Richtung,  wie  sie  ver- 
mittelst physikalischer  Pendel,  die  sich  in  ihrer  Einrichtung  dem 
mathematischen  möglichst  nähern,  beobachtet  wird,  hängt  mit 
der  EUipticität  der  Schwingungen  zusammen,  und  verschwindet 
mit  dieser.  Die  Art  der  Aufhängung,  wie  sie  Foucault  anwen- 
de!, vermindert  zwar  die  EUipticität  bedeutend,  hebt  indefs  jene 
Abweichung  nicht  ganz  auf,  es  lassen  sich  die  unbedeutenden 
Änomalieen  aber  wie  die  Erscheinung  der  Ebbe  und  Fluth  er- 
klären. 

Im  zweiten  Theile  findet  Hr.  Disu,  wenn  er  sich  auf  annä- 
hernde Resultate  beschränkt,  und  vom  Luftdruck  absieht,  dem  er 
nur  einen  unbedeutenden  Einflufs  auf  die  Erscheinungen  bei- 
mifst, 

1)  daCs  die  Bahn  eines  materiellen  freien  Punktes,  dessen 
Anfangsgeschwindigkeit  nahe  im  Horizont  liegt,  die  Schnitt- 
linie zweier  parabohschen  Cylinder  ist,  deren  einer  eine  hori- 
zontale, der  zweite  eine  verticale  Erzeugende  hat,  und  dafs  die 
Abweichung  von  der  Azimuthaiebene  (zur  Rechten  eines  Beob- 
achters, der  vom  Anfangspunkt  der  Bahn  diese  entlang  sieht, 
wenn  er  am  Nordpunkt,  zur  Linken  desselben,  wenn  er  am 
Südpunkt  steht)  proportional  ist  dem  Sinus  der  geographischen 
Breite  (wie  die  scheinbare  Ablenkung  der  Pendelebene),  dem 
Quadrat  der  Wurfweite  und  umgekehrt  der  Anfangsgeschwin- 
digkeit; 

2)  dafs  die  Abweichung  gegen  West  stattfindet,  wenn  der 
geschleuderte  Punkt  von  unten  nach  oben  geworfen  worden, 
gegen  Ost,  wenn  man  ihn  von  oben  fallen  liefse,  und  dafs  sie  im 


gß  7.     Mechanik.     FoucAULT^scIier  Versuch. 

ersten  Falle  viermal  so  grols  wie  im  zweiten  >  und  dem  Cosinus 
der  Breite  proportional  ist; 

3)  dafS|  wenn  die  Anfangsgeschwindigkeit  gegen  den  Hori* 
zont  geneigt  ist,  Sinn  und  Grölse  der  Abweichung  nothwendig 
von  der  Orientirung  jener  Geschwindigkeit,  so  wie  von  dem  Win» 
kel,  den  sie  mit  dem  Horizont  bildet,  abhängt,  dafs  aber  die  Bahn 
sich  auf  die  Meridianebene  immer  als  Parabel  projicirt« 

£ndlich  hat  Hr.  Dieu  die  Abweichungen  für  die  Breite  von 
Paris  und  120'°  Anfangsgeschwindigkeit  unter  45^  Neigung  für 
die  acht  Hauptrichtungen  des  Horizonts  berechnet. 

Die  Gesetze  des  zweiten  und  dritten  Falles,  sagt  Hn  Dikv, 
habe  er  am  Schlufs  noch  durch  die  Theorie  der  Rotationen  be- 
wiesen, t;.  M. 


J.  PoRRO.  La  rotatioD  de  la  terre  d6montr6e  par  la  &x\i6 
du  plan  d*oscillation  du  pendule.  Nouvel  appareil  pour 
robserver.     C.  R.  XXXV.  855-856t;  Cosmos  II.  523-524t. 

Hr.  PoRRo  bezweckt  durch  seinen  Apparat  das  Resultat  des 
ersten  FoucAULx'schen  Versuchs,  den  Beweis  der  Drehung  der 
Erde  durch  die  scheinbare  Bewegung  der  Schwingungsebene 
eines  Pendels,  wozu  man  immer  eines  langem  Pendels  bedurfte, 
dessen  Aufstellung  mit  vielen  Umständen  verknüpft  ist,  auch  mit 
einem  kürzern  Pendel  und  einer  handUcheren  Vorrichtung  zu  err 
reichen. 

Ein  rechtwinklig  dreiseitiges  Prisma  ist  zu  diesem  Zwecke 
an  der  Pendelstange  eines  kurzen  Pendels,  sehr  nahe  am  Auf- 
hängepunkt befestigt,  so,  dafs  in  der  Ruhelage  seine  Hypotenu* 
senfläche  horizontal  ist.  Betrachtet  man  durch  ein  Theodoliten* 
fernrohr  das  Bild  eines  Gegenstandes,  welches  durch  totale 
Reflexion  an  der  Innern  Fläche  des  Prismas  in  das  Fernrohr  tritt, 
so  wird  dieses  Bild,  wenn  das  Pendel  in  Schwingungen  versetzt 
wird,  die  den  Kanten  des  Prismas  parallel  sind,  eine  Kreisbewe* 
gung  um  einen  festen  Punkt  ausführen;  es  'wird  aber  eine  gerad- 
linige Bewegung  annehmen,  wenn  die  Schwingungen  senkrecht 
zu  den  Kanten  des  Prismas  liegen;  jede  zwischen  diesen  beiden 


PoaAO.      SCHADB.  S7 

I 

liegende  Richtung  wird  eine  elliptische  Bewegung  des  Bildes 
leigen,  für  deren  Messung  Vorrichtungen  an  dem  Theodoliten 
angebracht  sind;  aus  den  Daten  derselben  wird  die  momentane 
Schwingungsrichtungy  aus  zwei  Beobachtungen  die  Veränderung 
der  Lage  der  Schwingungsebene  für  die  zwischen  beiden  liegende 
Zeil  abgeleitet  werden  können. 

Läfst  man  das  reflectirte  Bild  aus  dem  Prisma  anstatt  in 
ein  gewöhnliches  Theodolitenfernrohr  in  das  Objecüv  eines  Son- 
noimikroskops  fallen,  und  es  dann  durch  Benutzung  von  Sonnenr- 
oder  elektrischem  Licht  auf  einem  Schirm  auffangen,  so  kann 
man  die  Erscheinung  gleichzeitig  einem  gröfsern  Auditorium 
zeigen.  v.  M. 


F.  ScHAUB.  Elementarer  Beweis  der  Wirkung  der  Umdre- 
hung der  Erde  auf  die  Schwingungsebene  des  Pendels. 
Astr.  Nachr.  XXXV.  353-354t. 

•  Wenn  die  Schwingungsrichtung  eines  Pendels  constant  ist, 
sagt  Hr.ScHAUB,  so  muDs  die  beobachtete  Drehung  der  Schwin- 
gangsebene  um  die  Verticale  gleich  sein  der  wirklichen  Drehung 
der  letzteren  durch  die  Rotation  der  Erde. 

Ist  nun  C  der  Mittelpunkt  der  Erde,  CM  ihre  verlängerte 
Drehungsaxe^  CZ  die  Verticale  eines  Ortes ,  dessen  Breite 
^3=90* — ZCMy  (ernet  ZM-^CZf  und  kommt  nach  einer  gege- 
benen Zeit  Z  nach  27,  so  ist  der  Winkel  ZMZf 
das  wahre  MaaCs  der  Drehung  der  VerticalliniCi 
und  der  Winkel  der  beiden  Ebenen  MZC  und 
MZfC  das  Maafs  der  Rotation  der  Erde  in  der- 
selben Zeit.  Denkt  man  sich  nun  um  M  als 
Mittelpunkt  mit  dem  Radius  MZ  eine  Kugel  be- 
schrieben» deren  Oberfläche  in  p  von  der  CM 
geschnitten  wird,  so  erhält  man  das  gleichschenk- 
lige sphärische  Dreieck  ZpZ^  in  welchem  ZZf  =s  x 
das  Maab  der  gleichzeitigen  Drehung  der  Erde, 
und  Zp  ^  Zp  SS  Q  ist. 

Aus  diesem  Dreieck  hat  man  unmittelbar 


SS  7.    Mechanik.     FovcAULT*8cher  Versuch 


sin  ^x  SS  sin  ip  sin  ^, 
und  fär  kleine  Zwiiichenzeiten 

j:  =  p  sin  (f. 
Der  hieraus  gezogenen  Folgerung,  dafs  der  Satz:  ^die  Drehung 
der  Schwingungsebene  des  Pendels  ist  gleich  dem  P^oduet  der 
Winkelbewegung  der  Erde  in  den  Sinus  der  Breite"*  demnach 
nur  als  ein  annäherungsweiser  Ausdruck  fär  das  wirklich  statu 
findende  Gesetz  zu  betrachten  sei,  ist  entgegenzustellen,  da(s  die 
Entwickelung  des  Hrn.  Schaub  ihre  Richtigkeit  auch  nur  für 
kleine  Zeittheile  behält;  Punkt  Z  beschreibt  um  M  einen  Kegel, 
und  wie  schon  Crahat  bemerkt,  stellt  nur  (ur  kleine  Zeittheile 
Bogen  Z27  genau  den  von  der  Generatrix  MZ  durchlaufenen 
Winkelraum  ohne  merklichen  Fehler  dar.  v^  M. 


B.  Gabtbb.  Foccaült's  Versuch  als  direcler  Beweis  der  Axen- 
drehung  der  Erde  angestellt  im  Dom  zu  Köln  und  erläu- 
tert durch  zwei  vorbereitende  Vorlesungen  nebst  Zu- 
sammenstellung einiger  diesen  Gegenstand  betreffenden 
Apparate ;  Mittheilung  wissenschaftlicher  Versuchsreihen 
mid  Beschreibung  eines  neuen  Apparats  genannt  Geostro- 
pbometer,  mit  welchem  ohne  Pendel  die  Axendrehung 
der  Erde  erkannt  werden  kann.  Kohi  1852;  Konst-  en  let- 
terbode  1852.  2.  p.228-231t. 

Dem  Berichterstatter  ist  nur  die  holländische  Recension  von 
diesem  Werke  zu  Gesicht  gekommen.  Der  Beweis  des  Herrn 
Garthb  schemt  mit  demjenigen  von  Crahay  (siehe  oben  p.  74) 
Aehnlichkeit  zu  haben.  Der  neue  Apparat  ist  zu  kurz  beschrie- 
ben um  ganz  verständlich  zu  sein.  Kr. 


U.  Glarkb.     On   the  probable  influence   of  the  rotation  of 
the  earth  on  locomotion  by  sea  and  by  land.    Hecb.  Mag. 

LVfl.  45.4erir. 
Hr.  Clarkb  weist  darauf  hin,  wie  die  Verschiedenheit  der 
Winkelgeschwindigkeit  der  Erde  bei  deren  täglicher  Rotation  so 
bedeutend  ist,    dafs   bei    Seereisen   zwischen   zwei   Orten    mit 


Garthe.    Clarkk.  S9 

betrachUichetn  Breitenunierschied  je  nach  der  Kiehtung  der 
Reise  ein  Gewinn  oder  ein  Einbüfsen  von  Zeit  eintreten  mufs; 
z.  B.  würde  ein  Schiff,  welches  plötzlich  vom  Äequator  zum  Pol 
versetzt  würde,  ohne  jede  weitere  Kraftanwendung,  nur  in  Folge 
seiner  Theiinahme  an  der  Rotation  des  Aequators  einen  stünd- 
lichen Weg  von  225  deutschen  Meilen  machen,  die  ihm  bei  einer 
Fahrt  nach  Osten  zu  Gute  kämen,  bei  einer  solchen  nach  Westen 
aber  erst  überwunden  werden  mäisten,  ehe  von  einer  relativen 
Bewegung  in  der  beabsichtigten  Richtung  die  Rede  wäre. 

Bei  geringeren  Breitenunterschieden  ist  diese  Differenz  aller- 
dings auch  unbedeutender,  immerhin  indefs  grols  genug,  um  einen 
Cinflufs  zu  üben;  auch  wird  nichts  dadurch  geändert,  dals  ein 
Schiff  seine  geographische  Breite  nur  successiv  ändert;  die  Ueber«- 
windung  der  Verzögerung  oder  der  Gewinn  an  Geschwindigkeit 
geht  dann  eben  auch  nur  nach  und  nach  vor  sich. 

Dasselbe  wie  für  Schiffe,  gilt  für  Eisenbahnen;  geht  ein 
Schienenweg  direct  von  Nord  nach  Süd,  so  wird  dieser  Unter- 
schied der  Winkelgeschwindigkeit  in  den  verschiedenen  Breiten 
sich  in  einem  seillichen  Druck  der  Wagenräder  gegen  den  einen 
Schienenstrang  äufsem,  und  zwar  immer  gegen  die  innere  Wand 
des  rechten  Stranges,  wenn  man  das  Gesicht  in  der  Richtung  der 
Bewegung  des  Zuges  hat. 

Bei  einer  stricten  Bewegung  von  Ost  nach  West  ist  kein 
Einflufs  vorhanden;  bei  jeder  zwischen  dieser  und  der  Richtung 
Nord-Sud  liegenden  Bewegung  wird  im  Fall  eines  Gewinnes  an 
Geschwindigkeit,  also  bei  einer  Fahrt  von  S.  nach  N.  ein  Th'eil 
des  Gewinnes  zur  Ueberwindung  des  Seitendrucks  verloren  ge* 
hen,  ein  anderer  als  Gewinn  an  Fahrzeit  erhalten  werden.  Bei 
Bewegung  in  umgekehrter  Richtung  wird  die  Ueberwindung  des 
Seitendrucks  die  Verspätung  bedingen. 

Beispielsweise  ist  zwischen  London  und  Liverpool  die  Diffe- 
renz der  stündlichen  Bewegung  im  Parallelkreise  etwa  28  engl. 
Meilen,  und  dieser  Betrag  seitlicher  Bewegung  mulis  je  nach  der 
Richtung  des  Zuges  gewonnen  werden  oder  verloren  gehen. 

v.M. 


90 


7.    MecliaDik.     Fo0€Aui.T*scher  Versuch. 


P2 


The  effect  of  the   rbtatioo  of  the  earih  on  railway  Irans. 

Mecb.  Mag.  hVll  203-204+. 

Wenn  der  Einflufs  der  Drehung  der  Erde  auf  die  Bewegun«> 
gen  des  Pendels  erst  eine  Entdeckung  der  letzten  Jahre  ist,  so 
ist  jener  Einflufs  auf  andere  Bewegungen  doch  schon  früher  In 
Rechnung  gebracht  worden,  wie  die  Untersuchungen  über  die 
Bewegung  der  Geschosse  und  fallender  Körper  zeigen;  auch 
Challis  stellte  schon  1847  eine  Aufgabe  über  jenen  Einflufs  auf 
Eisenbahnzüge  in  folgender  Form: 

„Elin  Train  bewegt  sich  genau  in  der  Richtung  des  Meridians 
unler  der  Breite  X  mit  einer  Geschwindigkeit  F;  es  ist  der  aus 
der  Rotation  der  Erde  entstehende  Widerstand  mit  dem  su  ver- 
gleichen, welchen  derselbe  Train  bei  einer  Bewegung  auf  einer 
Curve  vom  Radius  R  und  einer  Geschwindigkeit  P  haben  wurde. 

Es  ist  femer  zu  beweisen,  dafs,  wenn  beide  Wid^stände 
gleich  sein  sollen, 

""  F.(o.  sin  V 
wo  w  die  Winkelgeschwindigkeit  der  Erde."" 

Der  ungenannte  Verfasser  giebt  eine  Lösung  in  folgender  Art: 
Ist  P  der  augenblickliche  Ort  des  Trains,  des- 
sen Weg  PQ  als  geradlinig  in  einer  Secunde 
anzusehen  ist,  und  sind  PM  und  QN  senkrecht 
zum  Erddurohmesser  Ja,  PS  aber  senkrecht 
auf  QN,  V  die  Geschwindigkeit  des  Trains  in 
1'^  so  ist 
(o.PM  die  Gesdiwindigkeit  von  /*,  die  aus 

der  Drehung  der  Erde  herrührt, 
w.QN  dieselbe  in  Q\ 
daher  hat  der  Train,  der  von  P  nach  Q  geht, 
eme  zu  u^q  Schienen   senkrechte  Geschwindigkeit  in    1''   von 
^QN^^.PM^w.QS. 

Ist  daher  W  das  Gewicht  des  Trains,  g  die  Schwer^  also  -*- 

die  Masse,  so  gehört  zur  Aufhebung  jener  als  Seitendruck  sich 
äufsernden  Geschwindigkeit  eine  Kraft 

9 


Sadxbbck.  91 

o^ter,  wie  man  leicht  rieht, 

=  — .(o.  r  .smA. 
9 
Aber  bei  einer  Bewegung  auf  einer  Curve  vom  Radius  R  mit 

einer  Geschwindigkeit   F  ist  in  Folge  der  Centrifugalkraft  die 

Geschwindigkeit  senkrecht  zu  den  Schienen 

R  ' 

der  Widerstand  also 

W    F* 

soll  dieser  gleich  dem  obigen  sein,  so  ist 

9  9    ^^ 

oder 

R  =  -77 : 5" 

Nimmt  man  V  für  eine  Stunde  ==  50  engl.  Meilen»  F  =  5 
derselben,  l  =  54^  so  findet  man  R  =  4154,9  engl.  Yards,  d.  h. 
einen  Bogen  von  bedeutendem  Radius  bei  dem  kleinen  Werthe 
von  F;  es  folgt  hieraus,  dafs  der  Widerstand  sehr  unbedeutend, 
der  Einfiufs  der  Drehung  der  Erde  unmerklich  isL 

Der  Verfasser  giebt  hierauf  eine « weitere  Anwendung  des 
Vorstehenden  auf  das  Pendel.  i;.  id. 


Sadbbbck.     Ueber  den  von  Radcr  aufgestellten  Beweis  für 
die  Axendrehung  der  Erde.     Jahreiber.  d.  tchles.  Ges.  1852. 

p.  22-23t. 

In  einer  Schrift  von  Rauch  ist  behauptet  worden,  wiedeir- 
holte  Versuche  hätten  gezeigt,  dafs  in  den  Gegenden  zwischen 
Pol  und  Aequator  richtig  gezielte  Kanonenkugeln  stets  rechts  vom 
Centrum  der  Scheibe  einschlagen.  Hieraus  würde  ein  Beweis 
für  die  Axendrehung  der  Erde  hervorgehen.  Hr.  Sadbbbck  er* 
wähnt  in  Beziehung  auf  Versuche  der  genannten  Art,  dafs  die 
Ablenkung  von  Geschossen  in  Folge  der  Rotation  der  Erde  nicht 
groGs  genug  ist,  um  mit  Sicherheit  wahrgenommen  zu  werden. 
Wenn  eine  Büchsenkugel  in   einer  Secunde  1500  Pariser  Fufs 


92  ^*     Mectiaoik.     FovcAOLT'scher  Versuch. 

durchläuft,  so  mufs  sie,  in  der  Richtung  des  Meridians  abgesckof« 
sen,  unter  der  Breite  von  Breslau  während  einer  Secunde  um 
einen  Zoll  nach  rechts  abweichen.  Kr. 


ScHAAR.     Rapport   sur  un   memoire  de  M.  Mortigky  relatif 
aux  exp^riences  poar  döterminer  la  density  de  la  terra. 

Bull.  d.  Brux.  XIX.  2.  p.476-48lt  (CI.  d.  sc.  1852.  p.  620- 625t); 
fnst.  1853.  p.6-6t. 

Hr.  MoNTiGNY  hat,  wie  Hr.  Schaar  in  seinem  Berichte  sagt, 
geglaubt,  die  Störungen  und  UnregelmäCsigkeiten  in  den  Versu- 
chen, die  Cavendish  und  Baily  zur  Bestimmung  der  Dichtigkeit 
der  Erde  mit  der  Orehwage  unternommen,  dem  Cinflufs  der 
Rotation  der  Erde  auf  die  Schwingungen  zuschreiben  zu  können. 
Hr.  Schaar  giebt  zur  Widerlegung,  anstatt  Hrn.  Montiont  in 
seinen  Untersuchungen  zu  folgen,  die  directe  Behandlung  der 
Bewegung  der  Drehwage  unter  dem  Emfluls  der  Rotation  der 
Erde;  er  geht  dabei  von  den  schon  $o  oft  erwähnten  Gleichun- 
gen für  die  Bewegung  eines  Punktes  auf  einer  rotirenden  Fläche 
aus,  von  denen  er  auch  in  seinem  Memoir  über  „die  Bewegung 
des  Pendels  unter  dem  Einflufs  der  Rotation  der, Erde*' ^)  Ge- 
brauch gemacht  hat,  und  kommt  zu  dem  Resultate,  dafs  die  klei- 
nen Oscillationen  der  Drehwage  nach  demselben  Gesetze  vor 
sich  gehen,  als  wenn  die  Erde  in  Ruhe,  und  zugleich  die  Anzie- 
hung der  Bleimassen  auf  die  Kugeln  um  die  GröDse  der  Centri- 
fugalkraft  vermehrt  wäre,  welche  aus  der  Umdrehung  der  Erde 
um  die  Mittagslinie  für  die  Kugeln  hervorgeht,  d.  h.  also,  als  ob 
anstatt  einer  Anziehung  y'  der  Bleimassen  eine  andere  Anziehung 
g' -{- In*  C08*  0  Ihätig  wäre,  wo  /  die  halbe  Länge  des  VVage- 
balkens,  n  die  Winkelgeschwindigkeit  der  Erde  und  0  die  geo- 
graphische Breite  ist. 

Man  überzeugt  sich  leicht,  dafs  bei  den  Versuchen  von  Ca- 
vBMDisa  das  Glied  In*  cos*  6  <  0,000000  Ol  •jr',  also  ohne  allen 
Einflufs  auf  die  Resultate  derselben  gewesen  ist. 

In  einem  zweiten  Theile  seiner  Arbeit,  sagt  Hr.  Schaar, 
habe  Hr.  Montiony  eine  andere  Art  der  Untersuchung  der  Dich- 

■)  Mem.  d.  TAc.  d.  Brux.  XXVI.  3t;  Berl.  Ber.  1850,  51.  p.l26. 


SCHAAB.      FOUCAULT«  93 

ligkeil  der  Erde  vorgeschlagen,  die  darin  besieht,  swei  Pendel 
von  gleicher  Schwingungsdauer  neben  einander  aufzuhängen^ 
eines  in  Ruhe,  das  zweite  in  Schwingungen  versetzt ,  und  nun 
die  kleinen  Schwingungen  zu  beobachten,  welche  das  oscillirende 
Pendel  nach  und  nach  in  dem  ruhenden  hervorruft.  Die  ma- 
thematischen Untersuchungen,  die  diesem  Versuche  zu  Grunde 
liegen  müfsten,  durften  indefs  grofse  Schwierigkeiten  bieten. 

V.  M. 


LFoucAüLT.  Sur  une  nouvelle  d^monstralion  expörimentale 
du  mouvement  de  la  terre,  fondee  sur  la  fixitö  du  plan 
de  rotation.  C.  R.  XXXV.  421 -424t;  Cosmos  I.  536-540i-, 
608-610t;  Inst.  1852.  p,320-32lt;  Arch.  d.  sc.  phys.XXl.  132-J36t; 
Fechubr  C.  B1.  1853.  p.  J55-158t;  Silliman  J.  (2)  XV.  263-265t. 

—  —  Sur  les  ph6nomenes  d'orlentation  des  Corps  tour- 
nants,  entrainös  par  un  axe  fixe  ä  la  surface  de  la  terre. 
Nouveaux  signes  sensibles  du  mouvement  diurne.     c.  R. 

XXXV.  424-427t;  lost.  1852.  p.  321-322t;  Arch.  d.  sc.  phys.  XXI. 
136-I40t. 

—  —     Sur   la    tendance   des    rolations   au  parall61isme. 

C.  R.  XXXV.  602-602t ;  Cosmo«  1. 639-640t ;  Inst.  1852.  p.  342-342t. 

—  —  Demonstration  exp6rimentale  du  mouvement  de  la 
terre;  addition  aux  Communications  failes  dansles  pröc^- 

denles  s6ances.      C.R.  XXXV.  469-470+ ;  Inst.  1852.  p.326-327t. 

Hn  FoucAULT  macht  im  ersten  der  cilirten  Aufsätze  darauf 
aufmerksam,  dafs  die  Schwingungsebene  eines  unter  dem  Ein- 
flüsse der  Rotation  der  Erde  schwingenden  Pendels  allerdings  in 
Beziehung  auf  die  Verticale  des  Aufhängepunktes  constanl  bleibt; 
da  diese  Verticale  aber  bei  der  täglichen  Drehung  der  Erde  um 
ihre  Axe  einen  Kegel  beschreibt,  so  ist  die  Schwingungsebene, 
der  Schwere  wegen  immer  durcli  den  Mittelpunkt  der  Erde  ge- 
hend, mit  dieser  Verticale  zugleich  in  Bewegung  begriffen,  im 
Räume  also  nicht  constant;  nur  am  Pole  ist  mit  jener  Unbeweg- 
liebkeit  der  Lage  gegen  die  Verticale  zugleich  die  constante 
Richtung  im  Räume  verbunden. 

Es  giebt  indefs,  sagt  Hr.  Foucault  weiter,  eine  andere  Ebene, 
die  in  der  That  im  Raum  eine  constante  Richtung  behält;  es  ist 


94 


7.    Mechanik.     FoüCAui.T'«cIier  Versuch. 


dies  die  Rotationsebene,  unter  dem  Einflufs  der  Drehung  der 
Erde  rotirender  Körper^  wenn  diese  Rotation  um  den  Schwer- 
punkt und  eine  der  Hciuplaxen  des  Körpers  vor  sieh  geht;  die 
scheinbare  Bewegung  dieser  Ebene  gegen  terrestrische  Objecte 
wird  ein  neuer  Beweis  für  die  Drehung  der  Erde  sein. 

Der  von  Hrn.  Foucault  zum  Beweise  dieser  Constanz  ge- 
wählte Apparat  ist  dem  bekannten  BoHNBNBBRozR'schen  Rotations- 
apparate sehr  ähnlich. 

Eine  massive  bronzene  kreis- 
runde Scheibe  a  ist  frei  um 
eine  durch  ihr  Centrum  ge- 
hende Axe,  senkrecht  zu  ihrer 
Ebene  stehend,  drehbar;  die 
Axe  ist  ein  Durchmesser  eines 
Ringes  6,  der  sie  trägt.  An 
der  äufsern  Seite  dieses  Ringes, 
an  den  Enden  eines  Durchmes- 
sers, welcher  zu  jener  Axe  senk- 
recht steht,  sind  zwei  Schnei- 
den c  angebracht,  welche, 
wenn  sie  unterstützt  werden, 
eine  bedeutende  oscillirende 
Bewegung  des  Ringes  und  der 
darin  befindlichen  Scheibe  ge- 
statten. Jene  Schneiden  wer- 
den von  horizontalen  Achnt- 
platten  getragen,  die  in  einem 
äufsern,  noch  gröfsern  Ringe  d 
angebracht  sind,  der  an  einem 
Faden  ohne  Torsion  aufgehängt  ist,  also  vertical  slehL 

Hr.  Foucault  erlhdilt  nun  durch  eine  mechanische  Vorrich- 
tung der  Scheibe  eine  schnelle  rotirende  Bewegung,  und  legt 
sie  hierauf  mit  den  Schneidien  des  innem  Ringes  auf  die  Unter- 
lagen des  äufsern;  dann  hat  die  Scheibe  vollkommene  Freiheit 
der  Bewegung  nach  allen  Richtungen,  und  eine  solche  zeigt  sich 
auch  im  Apparat  vermöge  der  vorzüglichen  Einrichtung  seiner 
Theile,  w  lange  die  Scheibe  in  Ruhe  ist,  der  Art,  dafs  ein  Hauch 


■'  w 


FOUCAULT.  95 

genagt,  um  dem  System  eine  andere  Stellung  zu  geben,  nicht 
so  aber,  wenn  die  Scheibe  vor  dem  Einlegen  in  den  äufsern 
Ring  in  Rotation  verseist  war;  dann  ist  die  Axe  der  Scheibe  wie 
festgebannt  im  Räume,  und  selbst  an  der  Rotation  der  Erde  um 
ihre  Axe  nimmt  sie  nicht  mehr  Theil.  Man  kann  sich  hiervon 
leicht  überzeugen;  wenn  auch  die  Axe  wegen  ihrer  Kürze  eine 
Aenderung  ihrer  Lage  gegen  terrestrische  Objecto  nicht  wahr- 
nehmen läfst,  so  genügt  es,  ein  Mikroskop  anzuwenden,  um  zu 
sehen,  dafs  die  Axe  eine  continuirliche  gleichförmige  Bewegung 
hat,  mit  der  sie  genau  der  Bewegung  der  Himmelskugel  folgt; 
sie  bewegt  sich  im  Vergleich  zur  Weltaxe,  sagt  Hr.  Foücault, 
wie  ein  parallaklisches  Fernrohr,  welches  man  nach  einer  be- 
stimmten Stelle  .des  Himmels  gerichtet  hätte. 

Diese  Art  der  Beobachtung  der  scheinbaren  Drehung  der 
Rotalionsebene  hat  indefs  Hr.  Foucault  nicht  gewählt,  wie  aus 
seinem  folgenden  Aufsatze  hervorgeht;  in  diesem  zweiten  Auf- 
satze sagt  nämlich  Hr.  Foucault,  dafs  er  zur  bessern  Erkennt- 
nib  und  Erklärung  der  scheinbaren  Drehung  der  Rotationsebene 
unter  dem  Einflufs  der  Drehung  der  Erde  rotirender  Körper  die 
freie  Bewegung  der  Rotationsaxe  in  der  Art  beschränken  wolle, 
dafs  dieselbe  aus  einer  bestimmten  Ebene  nicht  herauskönne; 
es  sei 

1)  die  Bewegung  der  Schneiden  des  innern  Ringes  auf  den 
Platten  des  äufsern  aufgehoben,  so  dafs  die  Axe  der  Scheibe  in 
der  Horizontalebene  zu  bleiben  gezwungen  ist;  es  sei  ferner  im 
Anfange  des  Versuchs  die  Axe  der  Scheibe  von  Ost  nach  West 
gerichtet,  und  der  Scheibe  eine  Drehung  ertheilt,  die  für  einen 
Beobachter,  der  die  Scheibe  gegen  Osten  vor  sich  sieht,  wie  der 
Zeiger  einer  Uhr  vor  sich  geht;  dann  ist  die  Drehung  nach  der 
Theorie  von  Poinsot  durch  ein  Kräftepaar  darzustellen,  dessen 
Axe  in  der  Horizonlalebene  gegen  West  gerichtet  ist. 

Auf  die  Scheibe  wirkt  aber  gleichzeitig  die  Drehung  der 
Erde,  an  der  sie  wegen  der  Lage  ihrer  Axe  in  der  Horizontal- 
ebene Theil  nimmt,  die  ähnlich  durch  ein  Kräflepaar  dargestellt 
werden  kann,  dessen  Axe  parallel  der  Erdaxe  gegen  Süden  ge- 
richtet ist«  Zerlegt  man  dies  Paar  in  zwei  Componenten,  deren 
Axen    auf  der  Verticalen  und  Meridiane  liegen,  so   sieht   man 


96  7.    Mechanik.    FouCAULT'scher  Versiicli. 

bald,  dafs  das  erste  Paar  durch  die  Bedingung  aurgehoben  wird, 
dafs  die  Axe  der  Scheibe  in  der  Horizontalebene  bleiben  mufs; 
es  bleibt  nur  die  Wirkung  des  Paares,  dessen  Axe  auf  der  Me« 
ridianlinie  gegen  Süden  liegt,  welches  die  Drehung  der  Horizon- 
talebene darstellt,  und  dies  Paar  mit  dem  Drehungspaare  der 
Scheibe  zusammengesetzt  giebt,  wenn  auch  eine  noch  so  unbedeu- 
tende Ablenkung  der  Drehungsaxe  der  Scheibe  mit  dem  West* 
ende  gegen  Süden. 

Da  das  von  der  Erde  herrührende  Paar  sich  fortwährend 
neu  ersetzt,  so  folgt  dieser  ersten  Ablenkung  eine  zweite  u.  s.  f.; 
die  Drehungsaxe  rückt  immer  weiter  gegen  Süden,  und  gewinnt 
nach  und  nach  die  Mittägslinie. 

Während  dieses  Vorschreitens  aber  wird  der  Theil  des  von 
der  Erde  herrührenden  Kräftepaares,  der  die  Ablenkung  hervor- 
bringt, immer  kleiner,  und  endlich,  wenn  die  Axe  die  Meridiane 
gewinnt.  Null.  Die  Axe  müfste  also  im  Meridian  stehen  bleiben^ 
wenn  die  Trägheit  in  Folge  der  bisherigen  Bewegung  sie  nicht 
über  diese  Lage  hinausführte;  so  wie  dies  geschieht,  wechselt 
aber  der  ablenkende  Theil  des  von  der  Erde  herrührenden  Kräfte- 
paars sein  Zeichen,  und  führt  nach  und  nach  die  Axe  der  Scheibe 
wieder  in  die  Mittägslinie  zurück;  sie  geht  in  Folge  der  Trägheit 
wieder  darüber  hinaus,  wird  wieder  zurückgeführt  u.  s.  f.  E^ 
folgt  hieraus,  dafs  die  Axe  nach  einigen  Schwingungen  endlich 
in  der  Meridiane  zur  Ruhe  kommt;  zu  gleicher  Zeit  folgt  aus  der 
Art  der  Bewegung,  dafs  die  Axe  die^e  Lage  in  der  Art  einnimmt, 
dals  die  Rotation  der  Scheibe  in  derselben  Richtung,  wie  die  der 
Erde  vor  sich  geht. 

Zu  bemerken  ist,  dafs  die  Axe  der  Scheibe  allerdings  auch 
im  Gleichgewicht  sein  würde,  wenn  ihr  vorher  gegen  West  ge«^ 
richletes  Ende  in  der  Meridiane  gegen  Norden  gerichtet  wäre; 
diese  Lage  ist  aber  die  des  labilen  Gleichgewichts.  Das  Resul- 
tat des  bisher  Gesagten  also  ist: 

„Jeder  Körper,  der  um  eine  Axe  rotirt,  die  sich  frei  in  der 
Horizontalebene  bewegen  kann,  ohne  diese  verlassen  zu  können» 
giebt  einen  neuen  Beweis  für  die  Drehung  der  Erde;  denn  diese 
Drehung  bringt  eine  richtende  Kraft  hervor,  die  die  Rotationsaxe 
des  Körpers  in  die  Mittagslinie  führt,  und  zwar  in  der  Art,  dafs 


FtfUGAVLT«  97 

schliefslich   der   Körper    in    derselben    Richtung   ralirt  wie  die 
Erde." 

Es  sei  nun 

2)  der  Apparat  so  vorgerichtely  dafs  die  Schneiden  eine  Be- 
wegung des  innern  Ringes  mit  der  Scheibe  in  der  Verticalebene 
gestatten,  der  äufsere  Ring  aber  ohne  Azimuthaibewegung  so 
festgehalten  wird,  dafs  die  Axe  der  Scheibe  in  der  Mittagslinie 
liegt,  also  in  der  Meridianebene  sich  frei  bewegen  kann. 

Liegt  sie  nun  im  Anfange  des  Versuchs  horizontal,  und  hat 
die  Scheibe  eine  solche  Drehung  erhalten,  dafs  die  Axe  des 
Drehungspaares  nach  Süden  geht,  so  zeigt  ein  ähnliches  Raison- 
nement  wie  das  vorhergehende,  dafs  jetzt  das  Drehungspaar  der 
Erde,  dessen  Axe  in  der  Weltaxe  nach  dein  Südende  gerichtet 
liegt,  bald  eine  Hebung  des  Nordendes  der  Axe  der  Scheibe 
hervorbringt,  und  nicht  eher  unthälig  wird,  bis  die  Axe  der 
Scheibe  parallel  der  Erdaxe  zu  stehen  gekommen  ist;  in  Bezug, 
auf  die  Gleichheit  der  Drehungen,  vSlabiles  und  labiles  Gleichge- 
wicht gilt  ebenfalls  das  früher  Gesagte,  und  wir  erhalten  als 
Resultat: 

„Jeder  Körper,  der  sich  um  eine  Axe  (Ireht,  die  eipe  freie 
Bewegung  in  der  Meridianebene  hat,  ohne  diese  verlassen  zu 
können,  besitzt  die  Eigenschaft,  dafs  seine  Axe  sich  in  der  Meri- 
dianebene der  Art  stellt,  dafs  sie  parallel  der  Erdaxe  hegt,  und 
die  Drehung  des  Körpers  in  derselben  Richtung  wie  die  der 
Erde  vor  sich  geht." 

Hr.  FoucAULT  sagt,  dals  mit  seinem  Apparat  das  Experi- 
ment vollkommen  gelungen  sei,  und  wenn  es  auch  nicht  zur 
Bestimmung  der  genauen  bage  der  Erdaxe,  also  der  Messung 
der  Polhöbe  dienen  kann,  so  ist  es  doch  immerhin  als  ein  Be*« 
weis  der  Drehung  der  Erde  ein  schöner  Versuch. 

Seinen  Apparat  nennt  er  Gyroskop. 

In  seinem  dritten  Aufsatze  spricht  Hr.  Foucault  das 
Princip  der  vorher  dargethanen  Erscheinung  allgemein  so  aus: 

„Wenn  ein  Körper  um  eine  seiner  Hauptaxen  rotirt,  und 
eine  Kraft  oder  ein  System  von  Kräften  eine  andere,  jener  ern- 
sten nicht  parallele  Drehung  hervorzubringen  strebt,  so  ist  der 
Endeffect  eine  Bewegung  der  Drehungsaxe  in  die  Lage  der  Axe 

Forucbr.  d.  Pbys.  VUI.  7 


9S  7.    Mechanik.    FoocAiTLT*9cber  Versuch. 

dieser  sweilen  Drehung,  und  zwar  auf  einem  solchen  Wege,  dafs 
die  qrsprängliche  Drehung  der  neuen  parallel  vor  sich  geht." 

Ist  die  Axe  dieser  zweiten  Drehung  fest,  wie  bei  der  Erde, 
80  ist  das  Endresultat  eine  feste  Stellung  (Gleichgewichtslage) 
des  Körpers,  wie  wir  sie  in  den  beiden  im  zweiten  Aufsatze  be- 
trachteten Fallen  geftmden  haben. 

Der  vierte  Aufsatz  ist  nur  ein  Brief  des  Hrn.  Foucault 
an  die  Redaction  des  Journal  des  d^bats,  in  welchem  Hr.  Fou- 
cault seine  allgemeinen  Resultate  bekannt  macht,  um  sich,  da 
die  Ferien  der  Akademie  eine  Vorlage  seiner  Arbeiten  an  diese 
unmöglich  machten,  auf  diese  Art  die  Priorität  zu  sichern. 


PsRsoii.    L'appareil  de  Bohkrnbbbgbr  peut  senrir  ä  coostaier 
la  rolation  de  la  terre.     c,  R.  XXXV.  4i7-420t,-  Inst.  1852. 

p.  319 -320t. 

—  —     Disposition  de  Tappareil  de  Bobnbnbergsr  pour  les 
difförentes  latitudes.     C.  R.  XXXV,  549-552t ;  Cosmos  1. 647-648f . 

—  —     Note  sur  •  le  mouvement  de  rolatioa     c.  R.  XXXV. 

753-754;  Inst.  1852.  p.  378-378t. 

Hr.  Person  hat  der  Pariser  Akademie  gleichzeitig  mit  Fou- 
cault eine  Arbeit  eingereicht,  die  im  Wesentlichen  mit  der  je- 
nes Physikers  übereinstimmt;  er  bedient  sich  eines  reinen  Bohnbn- 
BBRGER'schen  Apparats,  und  zeigt,  indem  er  die  ganze  Vorrich- 
tung auf  einer  Unterlage  in  Drehung  versetzt,  also,  wie  er  meint, 
eine  zweite  Rotation  um  die  V^rticale  jener  hinzufügt,  welche 
die  elfenbeinerne  Kugel  des  Apparats  bereits  besitzt,  dafs,  wenn 
diese  ursprüngliche  Drehung  um  eine  hcH'izontal  liegende  Axe 
vor  sich  ging,  durch  Zusammensetzung  derselben  mit  jener  zwei- 
ten Drehung  bald  eine  Neigung  der  Axe  eintritt,  die  so  lange 
fortgeht,  bis  die  Drehungsaxe  der  Kugel  in  die  Verticale  gelangt 
ist,  und  zwar  der  Art,  dafs  in  dieser  Gleichgewichtslage  die  Rich- 
tung der  Drehung  der  Kugel  dieselbe  ist  wie  die  der  Drehung 
des  ganzen  Apparats.  Er  vergleicht  dann  die  Erscheinung  mit 
der  Ablenkung  der  Erdaxe,  der  Präcession,  und  macht  darauf 
•nfmerksam,  da£s  bei  letzterer  eine  fortwährende  Ablenkung  ein- 


Pbhsov.  99 

tritl,  ohne  daCs  sieb  eine  Gleichgewichtslage ,  wie  bei  dem  eben 
beschriebenen  Versuch ,  vorfindet,  v^bs  daher  kommt,  dafs  dies 
ablenkende  Drehungspaar  nicht  consliant  dieselbe  Richtung  der 
Axe,  sondern  vielmehr  eine  beständig  sich  tademde  Axe  besitz. 

Der  Aufsatz  des  Hrn.  Person  wäre  hiemach  eigentlich  ein 
Beweis  des  von  Foucault  in  seinem  dritten  Aufsatze  formulirte« 
allgemeinen  Princips. 

Im  zweiten  Aufsatze  geht  Hn  Person  zu' einer  Anwen«- 
düng  des  Gesagten  für  einen  Beweis  der  Axendrehung  der  Erde 
aber,  und  sagt,  dafs  der  einfache  Fall,  wo  die  zweite  Drehung, 
d.  h.  die  dem  ganzen  Apparat  mitgetheilte,  um  die  Verticale  vor 
sich  geht,  nur  am  Pol  eintritt,  dafs  also  auch  hier  nur  jene  He- 
bung der  anfänglich  horizontal  supponirten  Drehungsaxe  der  Ku- 
gel ohne  Azimulhalbewegung  vor  sich  geht,  und  sich  so  lange 
fortsetzt,  bis  sie  die  verticale  Stellung,  d.  h.  die  der  Axe  der 
zweiten  Drehung  (der  Erddrehung)  angenommen  hat 

Für  jeden  andern  Punkt  der  Erde  kann  man  die  Rotation 
dieser  mit  der  Winkelgeschwindigkeit  n  in  zwei  Rotationen,  um 
die  Verticale  und  die  Mittagslinie  mit  den  Winkelgeschwindig- 
keiten n  sin  X  und  n  cos  X  (wo  X  die  geographische  Breite),  zer- 
legen; wirkt  die  erstere  allein,  so  ist  nach  dem  Früheren  die 
Folge  eine  Hebung  der  Axe  ohne  Azimuthaibewegung,  das  Re^ 
sultat  der  zweiten  mufs,  wenn  diese  Axe  wieder  anfanglich  hO'< 
rizontal  gedacht  wird,  eine  Bewegung  in  der  Horizontalebene 
ohne  Hebung  sein;  die  Reinheit  der  Erscheinung,  wie  am  Pol, 
ist  also  nicht  zu  erreichen;  man  sieht  aber  bei  der  Zusammen- 
setzung der  Drehungen  nsinX  und  ncosX  bald,  dafs  die  durch 
den  Beobachtungspunkt  gehende  Parallele  zur  Erdaxe,  um  welche 
die  Drehung  mit  der  Winkelgeschwindigkeit  n  vor  sich  geht,  für 
jeden  Punkt  der  Erde  das  sein  wird,  was  für  den  Pol  die  Ver- 
ticale ist.  Man  bringe  also  den  ganzen  BbHNBNBBROBR'schen 
Apparat  in  eine  solche  Lage  zum  Horizont,  dafs  seine  Axe  pa- 
rallel zur  Erdaxe  gerichtet  ist;  dann  hat  man  wieder  neben  der 
Drehung  der  Kugel  um  eine  Axe,  die  nun  im  Parallelkreise  ihre 
Anfangstage  erhält,  eine  Drehung  des  ganzen  Apparats  um  eine 
in  der  Richtung  seiner  Axe  liegende,  der  Erdaxe  parallele  Gerade; 
das  Resultat  wird  also  eine  Bewegung  der  Axe  der  Kugel  in 


J|0O  7.    Mechanik.     FovcAüLT*sclier  Versuch. 

dnem  Erdmeridian  sein,  bis  sie  mit  der  Axe  des  ganzen  Appa- 
rats, d.  h.  der  Parallelen  zur  Erdaxe,  zusammenfällt;  dies  ist  ihre 
Gleichgewichtslage.  Hr.  Person  giebt  im  weitern  Verlauf  des 
Aufsatzes  an,  wie  eine  Abfrage  Sirb's  über  von  diesem  zum 
Beweise  der  Erddrehung  beabsichtigte  Versuche  mit  einem  Ap- 
paratCy  den  er  sofort  für  untauglich  dazu  erklärt  habe,  ihn  selbst 
zu  seiner  Arbeit  und  zur  Anwendung  des  BoHNBNBBROER^schen 
Apparats  veranlafsle;  dann  geht  er  auf  die  ersten  Arbeiten 
FoucAULT^s  ein,  und  verweist  namentlich  auf  die  seiner  Ansicht 
nach  falsche  Behauptung  in  der  ersten  derselben,  dafs  die  ganz 
freie  Axe  der  Scheibe  in  jeder  anfänglichen  Lage  eine  feste 
Stellung  bewahre,  also  eine  scheinbare  Bewegung  wie  ein  paral- 
laktisches  Fernrohr  zeigen  könne,  und  sagt  endlich  in  seiner 

dritten  Note,  wie  man  sich  durch  die  Vorstellung  der  Kräfte- 
paare  sofort  klar  machen  könne,  dafs  in  einem  solchen  Falle  die 
Axe  so  lange  sich  bewegen  müsse,  bis  sie  der  Erdaxe  parallel  ge- 
worden, und  dafs  nur  diese  Lage  eine  Gleichgewichtslage  für  sie  sei. 

Hr.  Person  wäre  mit  seiner  Argumentation  gegen  Foucault, 
so  wie  mit  seinen  Schlüssen  in  seinen  beiden  Aufsätzen  in  Be- 
zug auf  die  Composition  der  Drehungen,  ganz  im  Recht,  wenn 
die  Drehung  des  gesammten  BoHNBNBBROER'schen  Apparats  in 
Bezug  auf  die  elfenbeinerne  Kugel  wirklich  einem  Kräflepaar 
gleich  zu  achten  wäre.  In  der  That  sieht  man  aber  bald,  dafs 
jene  Drehung  des  ganzen  Apparats  auf  einer  Unterlage,  wenn 
keine  Reibung  der  in  der  Verticale  liegenden  Zapfen  des  zwei* 
ten  Ringes  (von  innen  gezählt)  in  den  Lagern  der  äufsern  Um- 
fassung stattrände,  ohne  allen  Einflufs  auf  die  beiden  innem  Ringe 
und  die  Kugel  bleiben  müfste;  jene  Reibung  aber  wird  bei  prak- 
tischen Versuchen  immer,  wenn  auch  in  noch  so  unbedeutendem 
Maafse  vorhanden  sein,  und  ist  es  beim  ersten  Versuch  Person's 
auch  gewesen;  sie  und  nicht  die  Drehung  der  Erde  bringt  die 
Drehung  des  innern  Theils  des  Apparats  um  die  Verticale  hervor, 
sie  schafil  das  Kräftepaar,  welches  mit  dem  die  Drehung  der 
Kugel  repräsentirenden  zusammengesetzt  die  Ablenkung  der  Axe 
und  schliefslich  deren  Stellung  in  der  Richtung  der  Axe  des  gan- 
zen Apparats  hervorbringt  v.  M. 


SlEE.  iQi 

G.  SiRB.     Note  sar  ud  appareii  pouvant  servir  ä  dömontrer 
la  rotation  de  la  terre,     c.  R.  XXXV.  431 -432t;  Cosmos  I. 

565-566t;  In8t.  1852.  p.  319-319t. 

Hr.  SiRE  geht  von  der  Idee  aus,  dafs  die  Verhältnisse,  wie 
sie  beim  einfachen  FoucAULT'schen  Pendelversuche  stattfinden, 
nicht  geändert  werden  könnten,  wenn  man  das  Pendel,  anstatt 
einen  grSfsern  oder  kleinern  Bogen  zu  beschreiben,  die  ganze 
Peripherie  eines  Kreises  durchlaufen  lasse;  er  hat  daher  das  Pen- 
del durch  ein  gut  equilibrirtes,  massives  Rad  ersetzt,  welches 
gleichzeitig  eine  doppelte  Bewegung,  um  seine  Rotationsaxe,  und 
um  eine  zu  dieser  senkrechte  (an  dem  Rahmen  angebrachte) 
besitzt;  die  letztere,  die  hiernach  in  die  Ebene  des  Rades  zu  lie* 
gen  kommt,  soll  immer  in  der  Richtung  der  Verticale  des  Beob- 
ackiungspunktes  liegen. 

Am  Pole  aufgestellt,  meint  er,  müfste  ein  solches,  in  schnelle 
Rotation  versetztes  Rad  seine  Rotationsebene  unverändert  bei- 
behalten, wie  das  Pendel  seine  Schwingungsebene;  am  Aequator 
müfste  es  eben  so  wie  das  Pendel  keine  Azimuthaibewegung  sei* 
ner  Rotationsebene  zeigen,  also  in  jedem  Azimuth  stillstehen. 
Seine  Resultate  sind  indefs  für  ihn  selbst  wenig  befriedigend; 
namentlich  hat  er  gefunden,  indem  er  den  Apparat  auf  einen 
künstlichen  Meridian  von  Holz  befestigte,  daCs  am  Aequator  die* 
ser  Stillstand  in  jedem  Azimuth  nicht  vorhanden  ist,  sondern  dafs 
das  Rad  sich  so  stellt,  dafs  seine  Ebene  in  der  des  Aequators 
liegt,  die  Rotation  aber  im  Sinne  der  Rotation  der  Erde  vor  sich 
geht;  unter  jeder  andern  Breite  stellt  sich  seine  Ebene  stets  senk- 
recht zum  Meridian,  und  seine  Drehung  ist  immer  mit  der  der 
Erde  gleich  gerichtet. 

Man  sieht  leicht,  dafs  gerade  diese  Erscheinungen  sehr  be- 
friedigend mit  den  allgemeinen  Gesetzen  der  Rotationen,  wie  sie 
FoucAuLT  giebt,  harmoniren,  dafs  nämlich  das  rotirende  Rad  im- 
mer diejenige  Lage  einnimmt,  die  seine  Axe  der  Lage  der  Erd- 
axe  möglichst  nahe  bringt,  und  zwar  so  gerichtet,  dafs  der  Sinn 
der  Rotationen  der  Erde  und  des  Rades  ein  gleicher  ist. 


402  ^-    Mechanik.    FouoAULT*scher  Versuch« 

QoBT.  Solation  analytique  da  probläme  suivant:  D6termioer 
le  mouvemeot  de  rotation  d'un  corps  solide  autour  d*uD 
de  ses  points,  lorsqu'on  SDppose  que  ce  point  est  pos^ 
sur  la  terre  et  entratn^  avec  eile  dans  son  mouvement 
diurne.      C.  R.  XXXV.  602-6031}  Inst.  1852.  p.  342-342t. 

—  —  Recherches  mathöinatiques  faites  ä  Foccasion  des 
expörienöes  de  M.  Foücaült  pour  rendre  sensible  aax 
yeux  le  mouvement  de  rotation  de  Ja  terre.  C.R.XXXV. 
686-686t;  Inst.  1852.  p.358-358t;  Cosmos  II.  16-17t. 

—  —  Application  de  la  th6orie  g6n6rale  des  mouvements 
de  rotation  ä  la  thöorie  speciale  du  gyroscope  horizon- 
tal de  M.  FoiJCAOLT.     C.  R.  XXXV.  688-688t;  Cosmos  II.  18-18t- 

Pebson.  Remarques  ä  Toccasion  d'une  note  r6cente  de 
M.  QüBT.      C.  R.  XXXV.  689-689t;  Inst.  1852.  p.  359-35^. 

QüET.  Nouvelle  m^thode  appliqu^e  au  mouvement  de  rota- 
tion tfan  Corps,   retenu  sur  la  terre  par  son  centre  de 

gravit6.      C.  R.  XXXV.  732-732t;  Inst.  1852.  p.  371-37lt. 

Der  erste  Aufsatz  des  Hrn.  Quet  ist  nur  eine  Notizy  in 
welcher  er  als  Resultat  seines  Memoirs  angiebt:  ,,Wenn  die 
Anfangsdrehung  eines  Rotationskörpers  um  seine  Rotationsaxe 
stattgefunden  hat,  so  bleibt  diese  Axe  im  Räume  unverändert, 
hat  daher  eine  scheinbare  Bewegung  wie  die  Axe  eines  parallak* 
tischen  Fernrohrs. 

Es  stimmt  dies  mit  der  ersten  Vorstellung  Foucault^s  überein. 

Im  zweiten  Aufsatz,  von  welchem  ein  vollständiger,  von 
ihm  selbst  gemachter  Auszug  vorliegt,  bestätigt  Hr.  Qvet  die 
Angaben  des  zweiten  Aufsatzes  von  Foucault,  indem  er  sagt: 

VSTenn  ein  Rotationskörper  um  seine  Axe  rotirt,  die  um  den 
Schwerpunkt  in  der  Art  beweglich  ist,  dafs  sie  aus  einer  bestimm- 
ten Ebene  (richtenden  Ebene,  plan  directeur)  nicht  heraus  kann, 
welche  wie  der  Schwerpunkt  an  der  Rotation  der  Erde  Theii 
nimmt,  also  relativ  unbeweglich  ist,  so  folgt: 

1)  Wenn  die  richtende  Ebene  die  horizontale  Ebene  ist,  so 
kann  die  Axe  des  rotirenden  Körpers  sich  nur  in  der  Mittagslinie 
im  Gleichgewicht  befinden;  dieses  ist  stabil,  wenn  die  Rotation 
des  Körpers  und  der  Erde  in  gleichem  Sinne  vor  sich  gehen, 
labil  in  der  180^  davon  entfernten  Lage. 


2)  Wenn  die  richtende  Ebene  die  Ebene  des  Meridians  iat, 
so  ist  die  relative  Gleichgewichtslage  der  Axe  die  Parallele  zuc 
Erdaze;  das  Gleichgewicht  ist  stabil  oder  labil,  wenn  die  RoU» 
tionen  desj  Körpers  und  der  Erde  gleich  oder  entgegengesetit 
gerichtet  sind. 

3)  Diese  parallele  Lage,  wie  in  2)  angegeben,  wird  von  der 
Axe  auch  angenommen,  wenn  die  richtende  Ebene  auch  nicht 
die  Meridianebene,  wenn  sie  nur  parallel  der  Erdaxe  ist 

4)  Die  Axe  des  rotirenden  Körpers  ist  in  jeder  Lage  im  in« 
differenten  Gleichgewicht,  wenn  die  richtende  Ebene  «enkrecht 
lur  Erdaxe  steht. 

5)  Welches  auch  die  Lage  der  richtenden  Ebene  bÜj  so  giebt 
es  in  ihr  stets  eine  relative  Gleichgewichtslage,  die  man  erhält, 
wenn  man  die  Erdaxe  auf  die  richtende  Ebene  projidrt 

6)  Wenn  die  Axe  sich  aufserhalb  ihrer  stabilen  Gleich* 
gewichtslage  befindet,  so  oscillirt  sie  um  diese;  diese  Schwin* 
gungen  folgen  den  Gesetzen  der  Pendelschwingungen. 

7)  Wenn  diese  Schwingungen  um  die  «GleichgewichtslagiB 
für  den  Fall,  dals  die  richtende  Ebene  der  Horizont  oder  der 
Meridian  ist,  vor  sich  gehen,  so  findet  man  bei  derselben  Rota« 
tionsgeschwindigkeit,  dafs  die  Schwingungen  in  der  Meridianebene 
schneller  sind,  als  in  der  Horizontalebene. 

8)  Aus  der  Dauer  der  Schwingungen  in  der  Meridianebene 
lälst  sich  die  Dauer  der  Umdrehung  der  Erde  berechnen. 

9)  Wenn  man  die  Quadrate  der  Schwingungszahlen  in  der 
horizontalen  und  Meridianebene  mit  der  Winkelgeschwindigkeit 
▼ergleicht,  so  findet  sich,  dals  ihr  Quotient  den  Cosinus  der  geo* 
graphischen  Breite  giebt 

10)  Wenn  die  Axe  nicht  mehr  in  der  richtenden  Ebene  lu 
bleiben  gezwungen  ist,  sondern  auf  der  Oberfläche  eines  auf  der 
Erde  festen  Kegels,  so  liegt  auf  diesem  ihre  Gleichgewichtslage 
in  der  Ebene,  die  durch  die  Axe  des  Kegels  parallel  zur  Erdaxe 
gel^  ist  Die  Schwingungen  um  ihre  stabile  Gleichgewichtslage 
haben  eine  Zeitdauer 

*  f  \Cn. (f. sin fo/* 
wo  AI  der  Winkel  zwischen  der  Axe  des  Kegels  und  der  Welt- 


f  04  ^'    Alecbanik.    FovcAVLT'schjsr  Versuch. 

axci  20  der  Winkel  an  der  Spilie  des  Kegels,  n  die  Winkel- 
geschwindigkeit der  Erde,  q  die  des  Körpers,  C  das  Trägheits^ 
moment  desselben  in  Beziehung  auf  seine  Rotaüonsaxe,  A  das- 
jenige in  Beziehung  auf  eine  zu  jener  senkrechte,  durch  den 
Schwerpunkt  gehende  Gerade.       ^ 

In  seinem  dritten  Aufsätze,  einer  kurzen  Notiz,  sagt 
Hr/QuET,  wie  er  die  Resultate  des  vorigen  Aufsatzes  auf  das 
Gyroskop  Foucault's  angewandt  habe,  um  zu  sehen,  mit  wel- 
cher Genauigkeit  man  die  geographische  Breite  eines  Ortes  aus 
den  horizontalen  Schwingungen  jenes  Apparats  ableiten  könne. 
Um  die  allgemeinen  Formeln  anwenden  zu  können,  sind  natürlich 
die  verschiedenen  Ringe  jenes  Apparats  mit  in  die  Rechnung  ge- 
zogen wor<ien;  ihre  Trägheitsmomente  gehen  auf  eine  sehr  ein- 
fache Weise  in  die  Formeln  ein,  welche  den  Cosinus  der  Breite 
geben. 

Man  kann  zur  Bestimmung  dieser  Breite  auf  zweierlei  Weise 
verfahren;  erstens  kann  man  sie  direct  durch  die  Beobachtungen 
nur  auf  dem  Stationspunkte  bestimmen,  und  mufs  dann  die  Träg- 
heitsmomente der  beiden  Ringe  und  des  rotirenden  Körpers  in 
Bezug  auf  die  durch  den  Schwerpunkt  des  Körpers  geh^ide 
\^erticale,  so  wie  das  Trägheitsmoment  des  Körpers  in  Bezug 
auf  seine  Rotationsaxe  kennen. 

Zweitens  kann  man  die  Breite  durch  Vergleich  mit  einem 
zweiten  Orte  von  schon  bekannter  Breite  finden;  dann  braucht 
man  jene  Trägheitsmomente  nicht,  da  die  Formel  zeigt,  dafs  die 
Cosinus  der  Breiten  wie  die  Quadrate  der  Schwingungszahlen  sich 
verhalten,  wenn  die  Rotationen  von  gleicher  Dauer  sind,  aber 
umgekehrt  wie  die  Producte  der  Rotalionsgeschwindigkeiten  und 
der  Quadrate  der  Schwingungsdauem,  wenn  diese  Rotations- 
geschwindigkeiten verschieden  sind. 

Hr.  Person  tritt  in  seiner  Notiz  gegen  die  erste  Behauptung 
des  Hrn.  Quet,  dafs  nämlich  bei  einer  vollkommen  freien  Axe 
eines  rotirenden  Körpers  diese  eine  feste  Lage  im  Räume  bewahre, 
sich  also  scheinbar  wie  ein  parallaktisches  iP'ernrohr  bewege,  eben 
so  auf,  wie  er  es  gegen  die  gleiche  Behauptung  Foucault's  ge- 
than  hat. 


Peuson.   Qüct.   Sias.    Hamann.  f05 

In  seinem  letzten  Aufsatz«  sagt  Hr.  Quet  nur  in  weni- 
gen  Worten,  seine  neue  Methode  habe  die  Eigenthütniichkeit,  dafs 
die  Gleichungen,  weiche  sie  liefere,  je  nach  ihrer  specieUen  Be- 
handlung alle  bekannten  Erscheinungen  erklären,  welche  von 
der  Bewegung  der  Erde  herrühren«  > 

Beim  Ansatz  der  Gleichungen  geht  er  von  einem  aus  zwei 
beweglichen  Ringen  und  einem  drehenden  Korper  bestehenden 
Gyroskop  aus,  welches  indefs,  anstatt  wie  bei  Poucault  an  einem 
Faden  aufgehängt  zu  sein,  wie  der  BoHNßNBBROER'sche  Apparat 
in  ein  Gestell  gebracht  ist,  damit  der  Durchmesser  des  äufsern 
iUnges,  der  die  Verlängerung  jenes  Fadens  bildet  und  um  den 
der  äufsere  Ring  sich  drehen  kann,  nicht  nur  vertical,  sondern  in 
jede  beliebige  Lage  zum  Horizont  gebracht  werden  kann.  Die 
Gleichmigen  selbst  hat  er,  wie  er  sagt,  allgemein  formirt,  aber 
die  Rechnung  nur  durchgeführt  für  den  Fall,  dals  die  Axe  des 
äufsern  Ringes  parallel  zur  Erdaxe  liege ;  in  diesem  letztem  Falle 
hat  er  erhalten,  dafs  bei  jeder  anfanglichen  Lage  der  Rotations- 
axe  diese  im  Räume  stillstehe,  und  sich  daher  scheinbar  wie  ein 
parailaktisches  Femrohr  bewege.  v,  M. 


SiRE.     Fixit6  du  plan  de  rotation.     Cosmos  I.  603-603+. 

Hr.  SxRB  bringt  zum  Beweise  seiner  Priorität  der  Auffindung 
der  Unbeweglichkeit,  respective  Orientirung  der  Umdrehungsaxe 
rotirender  Körper  einen  Brief  des  Hrn.  Terrier  vom  December 
1851  bei,  woraus  die  schon  damals  erfolgte  Bestellung  seines 
weiter  oben  besprochenen  Apparats  zum  Beweise  jener  Erschei- 
nung hervorgeht.  v.  M. 


Hamann,  lieber  einen  Rotationsapparat  zum  Beweise  der 
Axendrehung  der  Erde.  c.  R.  XXXV.  521-521;  Coamo«  I. 
603-604+ ;  Inst.  1852.  p.327-327t;  Pooo.  Ann.  LXXXVU.  614-61 5i. 

In  einem  am  10.  März  1851  niedergelegten  paquet  cachete 
sagt  Hr.  Hamann,  dafs  der  FoucAULT'sche  Pendelversuch  ihn  auf 
die  Idee  der  Construction  eines  Apparates  geleitet  habe,  welcher 


406  7.    Mechanik.    FoucAaLT*8cher  Versuch. 

an  jedem  Punkte  die  Richtung  der  Nordlinie  und  die  Polhohe 
angeben  solle.  —  Der  Apparat,  mit  dessen  Construction  er  noch 
beschäftigt  sei,  bestehe  aus  einem  elektrischen  Flugrade,  dessen 
Axe  so  aufgehängt  ist,  dafs  sie  sich  nach  allen  Richtungen  stel- 
len kann,  und  welches  aufserdem  so  eingerichtet  sei,  daß»  die 
Schwere  keinen  Einfluls  darauf  übe. 

Durch  Elektricität  wird  demselben  eine  schnelle  Rotation 
ertheilty  und  dasselbe  hierauf  in  diejenige  Lage  gebracht,  in  wel- 
cher die  Axe  eine  unveränderte  Stellung  beibehält;  es  ist  dies 
offenbar  nur  in  der  Richtung  der  Erdaxe  der  Fall,  die  Richtung 
der  Nordlinie  ist  mithin  hierdurch  sofort  gefunden;  die  Polhöhe 
oder  die  Neigung  der  Axe  gegen  die  horizontale  Ebene  kann  an 
einem  getheilten  Kreise  abgelesen  werden. 

Der  Apparat  soll  auch  dazu  dienen,  die  Richtung  einer  rela- 
tiven Bewegung  an  dem  Orte,  wo  er  aufgestellt  ist,  z.  B.  auf 
einem  Schiffe,  zu  bestimmen.  t;.  Mm 


G.  M.Pagani.  Memoire  sur  le  mouvement  d*ao  point  mat^ 
fiel  rapport^  ä  trois  axes  fixes  dans  tin  corps  mobile 
autour  d'un  point.  BuU.  d.  Brox.  XIX.  3.  p.  49-71+  (Cl.  d.  sc. 
1852.  p.  731-753+). 

Hr.  Pagani  giebt  die  allgemeinen  Bewegungsgleichungen  eines 
Punktes  auf  der  rotirenden  Erde,  welche  sich  durch  eine  leichte 
Coordinatenveränderung  auf  diejenigen  reduciren,  die  Binet  an- 
gewandt hat. 

In  einem  zweiten  Theil  wendet  er  die  allgemeinen  Gleichun* 
gen  auf  einzelne  bestimmte  Bewegungen  an;  doch  ist  im  Allge- 
meinen nichts  Neues  darin  enthalten,  weshalb  diese  Andeutung 
genügen  mag.  t;.  M. 


Lamablb.  Sur  la  nouvelle  exp^rience  de  M.  L  Foocaolt. 
Bull.  d.  Brux.  XIX.  3.  p.  31 -39t  (Cl.  d.  sc.  1852.  p.  713 -721t); 
Intt.  1852.  p.  359-359;  Cosmos  II.  645-647t. 

Hr.  Laharlb  hat  am  5.  April  1851  ein  paquet  cachete  bei 
der  Brüsseler  Akademie  niedergelegt,  dessen  Eröflhung  auf  sein 


PAeAüi.   Lamaali. 


407 


briefliches  Ansuchen  nach  Foucault*s  Bekanntmachung  seines 
zweiten  Versuchs  erfolgt;  es  enthält  dasselbe  eine  Note,  die 
den  Titel  führt:  ^,Note  sur  un  moyen  tres-simple  de  constater 
par  experience  le  moavement  de  rotation  de  la  terre  et  la 
diredion  de  Taxe  autour  duquei  ce  mouvement  a  }ieuy^  und  in 
welcher  es  heifst: 

AB  ist  eine  um  ihre  Axe  CD  rotirende  Scheibe  in  einer 
rechtwinkligen  Umfassung  EFIH;  letztere  hat  zwei  cylindrische 
Zapfen  PO  und  MNy  deren  Axe  die  der  CD  in  G,  dem  gemein- 


^ 


n 

IL 


MN 


ECK 

Samen  Schwerpunkte  aller  Theile  des  Systems,  schneidet.  Die 
Axen  PO  und  MN  liegen ,  um  die  Reibung  zu  vermindern,  auf 
einem  Rollensystem. 

Es  sei  nun  der  Apparat  so  aufgestellt,  dafs  die  Axe  PN  senk- 
recht zum  Meridian,  und  die  CD  in  der  Richtung  des  Radius  des 
Parallelkreises  des  Ortes  sich  befindet;  dann  ist  ersichtlich,  dafs, 
wenn  die  Scheibe  AB  um  CD  rotirt,  diese  Rotationsbewegung 
sich  mit  der  von  der  Erde  herrührenden  combiniren  vnrd;  die 
aus  der  letzteren  entstehende  Centrifugalkraft  wird  auf  der  einen 
Hälfte  der  Scheibe  vermindert,  auf  der  andern  um  eben  so  viel 
vergröfsert  werden;  hieraus  entsteht  ein  nach  Lage  und  Dre- 
hungsrichtung constantes  Kräftepaar,  welches  eine  Drehung  des 
Apparats  um  die  Axe  PN  hervorbringen,  und  die  Axe  CD  der 
Erdaxe  parallel  zu  stellen  suchen  wird« 

Eine  erste  oberflächliche  Rechnung  hat  Hm.  Laharlb  Fol- 
gendes ergeben: 

Sei  m  die  Masse  der  Scheibe  für  die  Einheit  des  Volumens, 
r  ihr  Radius,  h  ihre  Dicke,  a  ihre  Winkelgeschwindigkeit,  y  der 
Winkel,  den  ihre  Axe  CD  mit  dem  Radius  des  ParaUelkreisei 
macht,   c  die  Winkelgeschwindigkeit  der  Erde  bei  deren  tä§^ 


108  7.    Mechanik.    FovCAULV'scher  Versuch. 

licher  Rotatioft,  so  ist  das  Moment  des  Kraftepaars,  welches  die 
Axe  CD  in  der  Ebene  des  Meridians  zu  drehen  strebt, 

«=  -^  macn  cos  y. 

Es  bleibt  zu  bemeriLen,  dais  in  der  Ebene ,  die  die  Axe  der 
Scheibe  CD  und  die  Axe  PN  enthält,  ein  Kräftepaar  entsteht, 
dessen  Moment 

at  4 

und  dals  man  allgemein  hat 

^  +  37^ 

die  Gröfse  -^  läfst  sich  hiernach  so  klein  einrichten,   dafs  ein 
at 

Umwerfen  des  Apparats  durch  jenes  Kräftepaar  nicht  zu  beftirch- 

ten  ist^  ebenso   läfst   sich  die  Reibung  der  Axen  PO  und  ilfiV 

sehr  gering  machen;   es  liegt  also  kein  Grund  vor,   warum  der 

Versuch  nicht  gelingen  sollte. 

In  derselben  Sitzung  der  Akademie  wird  von  Hm.  Qubtelet 
ein  zweites  Schreiben  des  Hm,  Lamarle  vorgelegt,  worin  dieser 
kurz  das  Ergebnifs  seiner  weitem  Untersuchungen  hinstellt,  in- 
dem er  sagt: 

1)  Wenn  die  Axe  des  rotirenden  Körpers  der  Gleichgewichts- 
lage nahe  liegt,  und  gezwungen  ist,  in  der  Ebene  des  Meridians 
zu  bleiben,  in  der  sie  überdies  frei  sich  bewegen  kann,  so  macht 
sie  um  diese  Gleichgewichtslage  Schwingungen,  deren  angenäherte 
Dauer  t 
im  Falle  einer  rotirenden  Kugel 


~  yacV  +  IS/' 


yac 
im  Falle  einer  rotirenden  Scheibe 


Hieraus  erhellt  die  Möglichkeit,  durch  Versuche  c  zu  bestimmen;' 
setzt  man  aber  dies  als  bekannt  voraus,  so  findet  man  für  eine 


Lamarlk.  409 

Winkelgeschwindigkeit  a  von  drei  Umdrehungen  in  einer  Secunde 
für  eine  Schcjbe 

wobei  -r—  und  -q-^  als  sehr  klein  vernachlässigt  sind  {21^  ist  die 

Schwingungsweite). 

2)  Wenn  die  Axe  des  drehenden  Körpers  in  der  Ebene  er- 
halten wird,  welche  senkrecht  zum  Radius  des  Parallelkreises  ist, 
so  erzeugt  die  Combination  der  Rotation  der  Erde  u^d  der 
Scheibe  ein  einziges  Kräflepaar,  dessen  Moment 

für  eine  Kugel  .  -^macnr*  sm  (o 
für  eine  Scheibe    imacTzr^ainWf 
wo  6>  der  Winkel  ist,   den  der  Meridian  mit  der  Ebene  macht, 
welche  den  Radius  des  Parallels  und  die  Axe  des  rotirenden  Kör- 
pers enthält. 

3)  Wenn  der  rotirende  Körper  eine  Scheibe  ist,  so  bringt 
die  Rotation  der  Erde  eine  von  der  Rotation  der  Scheibe  unab- 
hängige Wirkung  hervor,  welche  denen  analog  ist,  deren  Maafs 
ich  bereits  gegeben  habe.  Damit  diese  Wirkung  zu  vernachläs- 
sigen sei,  mufs  es  der  Ausdruck 

icsiny.co8w(l  — .^) 

selbst  gegen  die  Winkelgeschwindigkeit  a  der  Erde  sein. 

Nur  wenn  (o  ein  rechter  Winkel  ist,  d.  h.  wenn  die  Axe  der 
Scheibe  in  der  Ebene  des  Parallels  liegt,  wird  diese  Wirkung 
mit  cos  (o  Null. 

Wenn  die  Apparate,  mit  denen  man  operirt,  von  sehr  grofser 
Empfindlichkeit  sind,  muls  dieser  Umstand  in  Betracht  gezogen 
werden-,  sonst  würde  man  einen  Mangel  im  Gleichgewicht,  der 
der  Rotation  der  Er4e  zuzuschreiben  ist  und  diese  in  gewissen 
Gränzen  zur  Anschauung  bringt,  für  einen  Fehler  in  der  richtigen 
Centrirung  des  Apparats  ansehen. 

Eine  ähnliche  Bemerkung  wäre  in  Bezug  auf  die  Schwere 
zu  machen;  daher  ist,  abgesehen  von  der  Schwierigkeit  der  Aus- 
fuhrung, eine  rotirende  Kugel  einer  Scheibe  vorzuziehen. 

v.M. 


410  8.    Hydromechanik. 

Laharls.  R^sum^  g^n^ral  pr^sentant  la  base  du  calcul  rc- 
latif  aux  efiets  que  produit  la  rotation  de  ia  terre  sur  le 
mouvement  gyratoire  des  corps  entrafnös  dans  la  rota- 
tion diarne.  Bull  d.  Bnix.  XIX.  3.  p.  274-289t,  436-444t  (CL 
d.  sc.  J852.  p.  820.835t,  916-924t). 

Hr.  Lamarlb  giebt  in  einem  gröbern  Aufsatze  die  vollkom- 
mene Entwicklung  der  Drehungsgesetze  eines  unter  dem  Einflufs 
der  Drehung  der, Erde  rotirenden  Körpers;  im  ersten  Theile,  der 
die  allgemeineren  Untersuchungen  enthält,  kommt  er  zu  fol- 
genden Resultaten:  * 

1)  Die  Winkelgeschwindigkeit  eines  unter  dem  Einfluls  der 
Drehung  der  Erde  rotirenden  Körpers  wird  durch  letzteren  in 
ihrem  Werthe  nicht  gelindert 

2)  Die  Drehungsaxe  behält  eine  im  Räume  constante  Richtung. 

Im  zweiten  Th eile  leitet  er  aus  den  allgemeinen  Bewe- 
gungsgleichungen die  Resultate  ab,  die  in  seinem  ersten  Aufsatze 
ohne  alle  Entwicklung  gegeben  waren.  t;.  TU. 


8.    Hydromechanik. 


G.  SiRE.  Note  sur  un  appareil  simple  propre  ä  montrer  de 
quoi  d6pend  la  pression  exercöe  par  les  liquides  sur  le 
fond  des  vases.     c.  K.  XXXV.  958-96ot. 

Der  Verfasser  beschreibt  einen  Apparat  zur  Veranschau- 
lichung des  hydrostatischen  Gesetzes^  dafs  der  Druck  einer  Flüs- 
sigkeit gegen  den  Boden  des  Gefafses,  worin  sie  enthalten,  nur 
von  der  Gröfse  dieser  Bodenfiäche  und  der  Höhe  der  Flüssigkeits- 
säule über  demselben»  nicht  aber  von  der  Gestalt  des  Gefaüses 
abhängt;  derselbe  ist  von  dem  sogenannten  de  HALOAT^schen  Ap- 
parate, der  in  den  neueren  physikalischen  Lehrbüchern  beschrie- 
ben zu  werden  pflegt,  nicht  wesentlich  verschieden.    Der  einzige 


LAMA.RLK.  SiRI.  TlBAT;SMITH;MxCRAlliei;8;  WoBKMAli;llfDAeATOR,  f  f  f 

Unterschied  ist  der,  dafs  Hr.  Sirb  seinen  Apparat  ganz  aus  Glas 
Tertigt,  und  die  verschieden  geformten  Geföfse,  welche  auf  die 
oben  offenen  Schenkel  der  U förmigen«  mit  Quecksilber  gefüllten 
Röhre  aufgesetzt  werden  (Hr.  Sirb  wendet  deren  zwei  an,  einen 
nach  oben  erweiterten  Trichter  und  ein  cylindrisches  Rohr),  nicht 
mittelst  metallener  Verschraubungen  befestigt,  sondern  aufschlei- 
fen läfst.  Zum  Experiment  empfiehlt  er,  das  UPormige  Rohr  erst 
mit  Quecksilber  zu  füllen,  und  dann  in  beide  Gefafse  so  viel 
Wasser  zu  giefsen,  dafs  das  Quecksilber  in  beiden  Schenkeln  wie- 
der in  gleichem  Niveau  stehe,  wo  sich  dann  finden  werde,  dafs 
die  Hohe  der  Wassersäule  über  dem  Quecksilber  in  beidep  Ge- 
fafsen  gleich  sei.  Bx, 


S.Trbat;  T.  Smith,  Mechaniccs,  Workvan;  Indagator.  The 
exciseman's  stafl  question.  Mech.  Mag.  LVL  344-346t,  399-399t, 
404-405t,  444-444t,  474-474t,  486-487t,  LVII.  5-7t,  124-126t, 
174-175t,  183-J88t,  226-226t,  249-253t,  267-269t,  287-290t, 
305-307t. 

Im  Mechanics'  Magazine  ist  von  Hm.  Tebay  eine  Aufgabe  neu 
angeregt,  welche  schon  aus  dem  vorigen  Jahrhunderte  herrührt, 
und  seitdem  mehrfach  discutirt  worden.  Sie  ist  ursprünglich  von 
J.  Flbtcher  folgendermafsen  aufgestellt:  „Ich  sah  den  Stab  eines 
Steuereinnehmers,  welcher  ein  Cylinder  von  36  Zoll  Länge  und 
I  Zoll  Durchmesser  war,  mit  dem  einen  Ende  in  einem  Gefälse 
mit  Bier  liegen,  während  das  andere  Ende  auf  dem  Rande  des 
Geräfses,  3  Zoll  über  dem  Spiegel  der  Flüssigkeit  ruhte;  13  Zoll 
längs  der  Axe  des  Stabes  waren  trocken.  Welches  war  das 
Gewicht  des  Stabes,  wenn  der  CubiczoU  des  Bieres  0,5949  Un- 
zen wog." 

Eine  von  Hrn.  Tebay  gegebene  Lösung  dieser  Aufgabe,  und 
die  von  einem  Hrn.  Smith  dagegen  erhobenen  Aussetzungen  ha* 
ben  zu  einer  weitläufigen  Controverse  geführt,  an  welcher  aufser 
den  gedachten  beiden  Herren  auch  drei  Pseudonyme  unter  den 
Chiffern  „Mechanicus"",  „Workman"  und  „Indagator"  sich  lebhaft 
betheiligten,  und  welche'  sich  einerseits  darum  drehte,  ob  die 
Reibung  des  Stabes  auf  dem  Rande  des  Gefafses  in  Rechnung 


m  8.     Hjdroffleebanik. 

zu  ziehen  sei,  andererseits  aber  auch  die  einfachsten  Grundsätze 
der  Dynamik  und  der  Analysis  betraf,  und  schliefslich  zu  meh* 
reren  verschiedenen  Lösungen  der  Aufgabe  führte. 

Die  Sache  ist  als  analytische  Aufgabe  nicht  ohne  Interesse, 
hat  aber  für  die  Wissenschaft  keine  weitere  Bedeutung. 


J  Challis.     On  the  principles  of  hydromechanics.    Pbil.  Mag. 
(4)  IV.  438-450t,  V.  86-1 02t. 

Hr.  Challis  aus  Cambridge  theilt  die  Fortsetzung  und  den 
Schlufs  der  Darlegung  seiner  Ansichten  über  Hydrodynamik  mit, 
welche  er  früher  begonnen  hatte.  Er  behandelt  in  den  vorlie- 
genden Aufsätzen  die  Bewegungsgleichungen  compressibeler 
Flüssigkeiten,  und  deren  Anwendung  auf  verschiedene  Fälle  der 
Lehren  vom  Lichte  und  vom  Schalle,  namentlich  auf  die  Fort^ 
pflanzungsgeschwindigkeit  des  Schalles,  die  Bewegung  der  Luft 
in  einer  Röhre,  die  Bewegung  einer  Kugel  in  einem  Wider- 
stand leistenden  Mittel  und  einige  andere.  Ueber  die  An- 
schauungsweise des  Verfassers  und  die  allgemeine  Richtung  sei- 
ner Arbeit  ist  schon  in  einem  früheren  Bande  dieser  Berichte 
das  Nöthige  nütgetheilt  worden.  Bx. 


S.  Bbswick.     A  new  explaoation  attempted  -  of  the  pressure 
of  fluids  and  formation  of  steam.    Mech.Mag.LVl.322-325t* 

Der  Aufsatz  enthält  eine  Reihe  verwirrter  und  allgemein 
gehaltener  Betrachtungen,  durch  welche  der  Verfasser  den  hydro- 
statischen Druck  des  Wassers  gegen  die  Seitenwände  des  Ge- 
föfses,  ferner  das  Ausdehnungsgesetz  desselben,  den  Punkt  der 
gröfsten  Dichte,  endlich  die  latente  Schmelz-  und  Verdampfungs- 
wärme zu  erklären  sucht  aus  einer,  seiner  Angabe  nach  von 
Swedenborg  und  Dalton  entlehnten  Annahme  über  die  Anord- 
nung der  Atome  desselben,  der  von  ihm  so  genannten  viersei- 
tigen (quadrilateral)  Anordnung,   nach  welcher  ein  jedes  Atom 


ChALLIS.   BiSWICK.   LcJtUNS-DlBICHLKT.  i|  {  3 

auf  vier  anderen  ruhen  soll,  und  aus  dem  Uebergange  dieser 
Anordnung  in  die  sogenannte  verticale,  wo  die  Theilchen  in 
senkrechten  Reihen  über  einander,  eins  auf  der  Spitze  des  ande- 
ren, stehen. 

Er  begeht  dabei  überdies  den  sonderbaren  Irrthum,  dafs  der 
hydrostatische  Druck  mit  dem  Quadrate  der  Tiefe  wachse,  und 
setzt  voraus,  dafs  die  Ausdehnung  dem  Quadrate  der  Temperatur- 
anderung  proportional  sei.  Seine  auf  Temperatur  sich  beziehen- 
den Schlüsse  endlich  fallen  ganz  zusammen,  sobald  man  eine 
andere  Thermometerscala  zu  Grunde  legt,  indem  die  Zahl  32, 
die  Lage  des  Gefrierpunktes  beim  FAHRBNHBiT^schen  Thermometer, 
dabei  eine  grofse  Rolle  spielt.  Bx* 


Lejbcnb-Üirichlet.  Ueber  einige  Fälle,  in  welchen  sich  die 
Bewegung  eines  festen  Körpers  in  einem  incompressibe- 
len  flüssigen  Medium   theoretisch  bestimmen  läfst.    Berl. 

Monatsber..  1852  p.  12-17t. 

Man  war  seither  der  Meinung,  dals  zur  Herleitung  des  Wi* 
derstandes,  den  ein  in  einer  ruhenden  Flüssigkeit  fortbewegter 
fester  Korper  von  dieser  erleidet,  so  wie  der  Modificationen, 
welche  ein  im  Innern  einer  Flüssigkeit  befindlicher  fester  Korper 
in  der  fortschreitenden  Bewegung  derselben  hervorbringt,  aus 
den  allgemeinen  Gleichungen  der  Hydrodynamik  die  bekannten 
Integrationsmethoden  nicht  ausreichen. 

Dem  Verfasser  ist  es  gelungen,  dies  Problem  für  den  Fall, 
dafs  der  eingesenkte  Körper  eine  Kugel  oder  ein  EUipsoid  ist,  zu 
lösen,  und  er  theilt  am  angedeuteten  Orte  die  Lösung  für  die 
Kugel  mit. 

Er  betrachtet  zunächst  den  Fall,  wo  eine  unbewegliche  Kugel 
von  dem  Durchmesser  e  sich  im  Innern  einer  anfänglich  ruhen«- 
den  homogenen  Flüssigkeit  befindet,  deren  Dichtigkeit  q  ist,  und 
auf  weiche  eine  beschleunigende  Kraft  a  wirkt,  die  zu  derselben 
Zeit  überall  dieselbe  Intensität  und  dieselbe  Richtung  besitzt,  sich 
aber  mit  der  Zeit  beliebig  ändern  kann,  so  dafs  ihre  Componen- 
len  a,  /?,  y  Functionen  der  Zeit  sind.  Der  Anfangspunkt  der 
Coordinaten  ist  in  den  Mittelpunkt  der  Kugel  gelegt. 

Fortscbr.  d.  Pbys.  VlIL  8 


444  8*     Bjdromeebmiik. 

Es  ergab  sich,  dafs  die  Resultanle  aller  auf  die  Oberfläche 
der  Kugel  wirkenden  Elementarkräfle  darch  den  Mittelpunkt  der 
Kugel  geht,  und  der  beschleunigenden  Kraft  parallel  ist  Ihr 
Ausdruck  fand  sich  =  inc^qa  und  ihre  Componenten 

inc^QOy  inc\ßy  \nc\y. 

Diese  Betrachtung  zeigt  also,  dab  im  behandelten  Falle  der  von 
der  bewegten  Flüssigkeit  auf  die  Oberfläche  des  festen  Körpers 
ausgeübte  Druck  nur  von  der  jeden  Augenblick  wirkenden  be* 
schleunigenden  Kraft,  nicht  aber  von  der  Geschwindigkeit  der 
Flüssigkeit  abhängt 

Die  Bahnen,  welche  die  Flüssigkeitstheilchen  beschreiben, 
sind  sämmtlich  ebene  Curven,  deren  Ebene  durch  den  Mittelpunkt 
der  Kugel  geht,  und  welche  um  eine  durch  den  Mittelpunkt  der 
Kugel  gehende  Axe  symmetrisch  angeordnet  sind.  Sie  werden 
sämmtlich  dargestellt  durch  die  Gleichung 
(r*— c*)sin*e  Ä  €r, 
worin  r  der  vom  Mittelpunkte  der  Kugel  aus  gezogene  Radius 
vector,  0  der  Winkel  zwischen  demselben  und  der  oben  erwähn- 
ten Axcj  und  a  ein  Parameter  ist,  welcher  alle  Werthe  von  0 
bis  oo  durchlaufen  mufs,  damit  die  Gleichung  alle  in  der  Ebene 
enthaltenen  Curven  darstelle.  Diese  Curven  nehmen  also  bei 
wachsendem  a  immer  mehr  die  Gestalt  von  mit  der  Axe  paralle- 
len Geraden  an,  während  sie  bei  abnehmendem  e  sich  immerfort 
einem  Halbkreise  nähern,  der  sich  in  seinen  beiden  Endpunkten 
in  verlängerten  Durchmessern  fortsetzt 

Bei  Betrachtung  des  andern  Falles,  wo  eine  K^g^U  deren 
mittlere  Dichte  q^  ist,  unter  Einwirkung  einer  nach  Richtung 
und   Intensität    beliebig   veränderlichen    beschleunigenden  Kraft 

f  I  •\"^tJ^  ^^^^  '**  einer  ruhenden  Flüssigkeit  von  der  Dichte  q 

bewegt,   findet   der   Verfasser   als  Ausdruck   des   Widerstandes 

T^-d.    Er  bemerkt  selbst,   dafs  dieser  Widerstand   nicht   der 

Vorstellung  entspreche,  die  man  sich  von  der  Wirkung  eines 
flüssigen  Mediums  auf  einen  in  ihm  bewegten  festen  Körper  zu 
machen  pflegt,  und  nach  welcher  ein  Widerstand  auch  dann 
schon  vorhanden  und  zu  überwinden  ist,   wenn   die  in  einem 


CONSTAMT  KKADKR.     LiSBROS.  4  {5 

Zeifmomenle  siattfindende  Bewegung  für  den  näehslen  Zeittheil 
nicht  geändert  werden  soll.  Bjr. 


CoNSTANT  RBADBR.      Effect    of    fotation    on    floating    bodies. 
Mecli.  Mag.  LVH.  247-249t. 

Ein  Ungenannter  behandelt  die  folgende  Aufgabe :  Ein  fester 
Cylinder  schwimmt  in  senkrechter  Stellung  in  einem  theilweise 
mit  Wasser  oder  einer  andern  incompressibelen  Flüssigkeit  ge- 
füllten cylindrischen  Eimer  dergestalt,  dafs  seine  Axe  mit  der  des 
Eimers  susammenlällt;  um  wie  viel  wird  dieser  Cylinder  tiefer 
einsinken )  als  zuvor,  wenn  dem  ganzen  Systeme  eine  rotirende 
Bewegung  mit  der  Geschwindigkeit  lo  um  die  gemeinsame  Axe  ^ 
eriheilt  wird? 

Der  Verfasser  findet,  dafs  die  Einsenkung  -^ — (&'-**  o')  be- 
trägt, wenn  mit  b  der  Halbmesser  des  Eimers,  mit  tt  der  Halb- 
messer des  cylindrischen  Stabes,  und  mit  g  der  bekannte  Coeffi* 
cient  der  Schwere  bezeichnet  wird.  Bx. 


Lrsbbos.  Experiences  hydrauliques  sur  les  lois  de  Föcoule- 
nient  de  Teau  a  travers  les  orifices  rectangulaires  ver- 
ticaux  k  grandes  diraensions.     Mem.  d.  sav.  etr.  XIIL  l-509t. 

Bekanntlich  war  der  jetzige  Ingenieurobrist,  damalige  Capi- 
tain  Hr.  Lbsbros  der  Mitarbeiter  Poncblbt's  bei  den  umfassenden 
hydraulischen  Untersuchungen,  welche  auf  Befehl  der  französi* 
sehen  Regierung  an  einem  ausdrücklich  zu  diesem  Zwecke  in 
den  Festungsgräben  von  Metz  hergerichteten  grofsartigen  Appa- 
rate angestellt,  und  deren  erste  Ergebnisse  von  beiden  gemein- 
schaftlich der  Pariser  Akademie  im  Jahre  1829  vorgelegt  wurden. 
Seitdem  hat  Hr.  Lbsbros  diese  Arbeit  in  der  letzten  Hälfte  des 
Jahres  1828,  so  wie  in  den  Jahren  1829,  1881  und  1834  allein 
fortgesetzt.  Sein  Bericht  über  diesen  zweiten  Abschnitt  der 
Untersuchung,  der  durch  seine  anderweite  dienstliche  Beschäfti- 
gung, so  wie  durch  den  Mangel  an  Mitarbeitern  bei  den  weil- 
st 


f  f  g  S.     Hydromeclianik. 

läuGgen  Rechnungen,  seither  verzögert  worden,  liegt  jetzl  vor; 
er  füllt  einen  starken  Band  der  Memoires  des  savanis  ^trangers 
fast  vollständig.  Der  Apparat  war  derselbe,  welcher  zu  den 
früheren  Versuchen  gedient  hatte,  nämlich  ein  grofses,  innerhalb 
der  Festungswerke  von  Metz  gelegenes,  von  der  Mosel  aus  ge- 
speistes und  mit  Schleusen  und  Vorrichtungen  zur  Erhaltung 
eines  constanten  Wasserslandes  versehenes  Bassin,  in  dessen  einer 
Wand  sich  Schützen  und  Vorrichtungen  zur  Anbringung  der 
Ausflufsöffnungen  befanden;  ferner  ein  das  ausströmende  Wasser 
aufnehmendes  Gerinne  und  ein  aus  starken  Bohlen  sorgfaltig  zu- 
sammengefugtes Eichbecken  zum  Messen  der  Ausflufsmenge,  , 
welches  später  durch  ein  aus  Stein  gemauertes  ersetzt  wurde. 
Die  für  die  vorliegenden  Versuche  nöthigen  Abänderungen  des 
Apparates  sind  in  dem  Berichte  genau  beschrieben  und  abgebil- 
det. Ebenso  findet  man  in  demselben  eine  genaue  Beschreibung 
des  Verfahrens  bei  den  Versuchen  im  Allgemeinen,  bei  der  Be- 
stimmung der  Ausflufsmenge,  bei  der  Ermittelung  des  Wasser- 
standes, bei  der  Aufnahme  von  Querschnitten,  so  wie  von  Quer-  , 
profilen  und  Längsprofilen  des  ausströmenden  Wasserlaufes,  und 
die  Beschreibung  der  dabei  benutzten  Apparate  und  Instrumente, 
letztere  durch  genaue  Abbildungen  erläutert.  Im  Allgemeinen 
waren  auch  diese  den  früher  benutzten  ähnlich;  es  waren  in  ver- 
ticalen  Coulissen  bewegliche,  mit  feinen  Spitzen  versehene  Stäbe, 
welche  bis  zur  Berührung  der  Spitzen  mit  der  Wasseroberfläche 
hinabgeschoben  wurden. 

Der  Bericht  enthält  die  durch  Zeichnungen  mit  Angaben 
der  Maafse  erläuterten  Resultate  einer  groCsen  Anzahl  in  oben 
gedachter  Weise  aufgenommener  Querschnitte  des  ausströmenden 
Strahles,  so  wie  von  Quer-  und  Längsprofilen  des  Wasserlaufes 
im  Gerinne,  über  der  Ueberfallschwelle,  und  im  Bassin  in  der 
Nähe  der  Ausflufsöffnung.  Er  giebt  ferner  die  vollständigen 
Details  der  angestellten  2018  Versuche,  umfangreiche  Tafeln  der 
aus  denselben  hergeleiteten  Coefficienten,  eine  Discussion  der 
Versuche  selbst,  und  empirische  Formeln,  welche  denselben  an- 
gepafst  worden,  und  eine  Erörterung  der  früheren  ähnlichen 
Versuche  von  Du  Buat,  Bossut,  d'Aubuisson,  Castel,  Boileau^ 
Hirn  und  anderen. 


Lksbros^  4^7 

Rine  nähere  Besprechung  und  Beleuchtung  aller  dieser  Punkte 
würde  natürlich  die  Gränzen  und  den  Zweck  dieser  Jahresberichte 
weit  überschreiten;  wir  müssen  uns  darauf  beschränken  den  Inhalt 
und  die  Ergebnisse  dieser  umfasseriden  und  sorgsamen  Versuche 
in  allgemeinen  Umrissen  anzugeben. 

Die  früheren,  in  Gemeinschaft  mit  Poncelet  angestellten 
Versuche  bezogen  sich  hauptsächlich  auf  rechteckige,  in  der  Mitte 
einer  ausgedehnten  ebenen,  verticalen  Wand  befindliche  Oeff- 
nungen  mit  dünnen  Rändern  von  0,20>°  Breite  und  verschiedenen 
Hohen,  aus  denen  der  Strahl  frei  in  die  Luft  strömte. 

In  der  vorliegenden  Arbeit  ist  ein  Theil  dieser  Versuche 
wiederholt;  es  sind  ferner  Versuche  mit  denselben  Oeifnungen 
angestellt  worden,  bei  welchen  der  Strahl  nicht  frei  in  die  Luft  ^ 
tral,  sondern  von  einem  kurzen  bald  horizontalen,  bald  verschie- 
den geneigten  oben  offenen  Gerinne  aufgenommen  wurde,  wel- 
ches 80  gegen  die  Aufsenwand  der  Ausflufsöffnung  gesetzt  war, 
dafs  sein  Boden  und  seine  Seitenwände  die  Verlängerung  der 
Kanten  der  Oeffnung  bildeten;  bei  anderen  Versuchen  mit  jenen 
Oeffhungen  sind  die  Seitenwände  innerhalb  des  Bassins  einer  oder 
mehreren  Seiten  der  Oeffnung  mehr  oder  weniger  genähert  wor- 
den, um  den  Einflufs  zu  ermitteln,  den  der  gröfsere  oder  gerin- 
gere Abstand  der  Seitenwände  des  Bassins  von  der  Oeffnung  auf 
die  Ausflufserscheinungen  hat 

Ferner  sind  Versuche  mit  Oeffnungen  von  0,60"»  und  von 
0,02">  Breite  und  verschiedenen  Höhen  ohne  äufsere  Ansatzrinnen, 
welche  sich  in  der  Mitte  einer  ausgedehnten  Wand  befanden, 
mitgetheilt. 

Dann  finden  sich  Versuche  mit  Oeffnungen  von  0,60"*  Breite 
und  verschiedenen  Höhen,  welche  in  einer  ebenen  Wand  von 
0,05^  Dicke  ausgebrochen,  und  die  ebenfalls  vom  Boden  und  von 
den  Seitenwänden  des  Bassins  beträchtlich  entfernt  waren« 

Es  ist  ferner  der  Ausflufs  aus  einer  Oeffnung  von  0,20*"  Breite 
und  0,05">  Höhe  untersucht,  wenn  der  austretende  Strahl  von 
einer  äu&eren  Ansatzrinne  aufgenommen  wird,  und  das  Wasser 
in  derselben  sich  bis  über  den  oberen  Rand  der  Oeffnung  aufstaut. 

Endlich  hat  Hr.  Lesbros  auch  zahlreiche  Versuche  mit  oben 
offenen   Auflufsöffnungen,    sogenannten   Üeberrälien    (deversoirs) 


418  8.     Hydromechanik. 

angestellt;  und  zwar  einmal  mit  Ueberfällen  über  kleine  Wehre 
von  verschiedenen  Höhen,  welche  die  gante  Breite  eines  recht- 
eckigen Kanales  von  0,202""  Breite  absperrten;  dann  aber  auch 
mit  sogenannten  unvollkommenen  Ueberfällen,  d.  h.  mit  solchen, 
deren  Schwelle  von  Unterwasser  überflulhet  wird. 

Was  die  Resultate  betrifft,  so  fand  Hr.  Lesbros  zunächst  die 
schon  früher  von  ihm  und  Poncelet  beobachtete  Thatsache  be* 
stätigt,  dafs  bei  einem  aus  einer  quadratischen  Oefihung  in  diin 
ner  Wand  frei  austretenden  Strahle  im  Querschnitte  der  grofsten 
Contraction  die  mittlere  Geschwindigkeit  gröfser  ist  als  die 
theoretische  Ausfluüsgeschwindigkeit,  und  zwar  etwa  um  -^V  vom 
Werthe  der  letzteren,  selbst  wenn  man  die  hier  bereits  eingetre- 
tene Senkung  des  Schwerpunktes  des  Querschnittes  bei  Bestim- 
mung der  Druckhöhe  berücksichtigt;  ein  gleiches  Verhältnils,  ob- 
schon  in  geringerem  MaaGse,  zeigte  sich  bei  Oeffnungen  von 
0,20»  Breite  und  0,05"»  bis  0,20>"  Höhe,  wenn  der  Boden  und  die 
Seitenwände  des  Bassins  der  Oefihung  sehr  nahe  gerückt  waren. 
Dagegen  trat  der  umgekehrte  Fall  ein,  wenn  die  Oeffnung  in 
verticaler  Richtung  bedeutend  mehr  ausgedehnt  war  als  in  hori- 
zontaler; bei  einer  Oeffnung  von  0,02""  Breite  und  0,60»  Höhe 
war  die  mittlere  Geschwindigkeit  im  Querschnitt  der  grofsten 
Contraction  um  ^V  ^^^^^  Werthes  kleiner  als  die  theoretische 
Ausflulsgeschwindigkeit. 

Für  den  Ausflufscoefficienten  verschiedener  rechteckiger  Oeff- 
nungen in  dünner  Wand  mit  freiem  Ausflub  sind  eine  grofee 
Anzahl  von  Werthen  gewonnen  worden,  welche  in  Verbindung 
mit  den  früher  von  Poncelet  und  Lesbros  mitgetheUten  für  alle 
in  der  Praxis  vorkommende  Fälle  die  Ausflußmenge  mit  aus- 
reichender Sicherheit  zu  berechnen  erlauben  werden.  Der  Ver- 
fasser schlielst  aus  der  Vergleichung  derselben  untereinander: 
erstens,  dafs  der  AusfluiscoefGcient  für  gleiche  rechteckige  Oefl^ 
nungen  unter  gleichem  Drucke  derselbe  ist,  mag  nun  die  gröCsere 
oder  die  kleinere  Seite  in  horizontaler  Lage  sich  befinden;  und 
zweitens,  dais  bei  rechteddgen  Oefihungen  der  Ausfldscoeffioait 
wesentlich  nur  von  dem  kleinsten  Abstände  zweier  gegenüber- 
stehenden Seiten  abhänge,  sofern  dieser  von  dem  Abstände  der 
andern  beiden  Seiten  nicht  um  mehr  als  das  Zwanzigfache  über- 


iroffen  wird.  LeUteres  Resultat»  das  selbstredend  aocii  aar  als 
approximativ  betrachtet  werden  kanni  steht  im  Widerspruch  mü 
dem  bisher  allgemein  angenommenen  iSatse,  dafs  bei  verschieden 
gestalteten  Oeffnungen  der  AusfluCscoeTficient  vielmehr  von  deren 
Flächeninhalt  abhängig  sei;  allein  es  sind  auch  früher  schon  mehr- 
fach Thatsachen  bekannt  geworden ,  aus  denen  geschlossen  wer* 
d«ei  mufste,  das  dies  Gesets  nur  dann  sich  bewährt,  wenn  die 
versdnedenen  Durchmesser  der  Oeffnung  nicht  zu  sehr  von  em- 
ander  abweichen. 

Oeffnungen  in  einer  Wand  von  Ofi5^  Dicke  ergaben  diesel* 
J^en  Coeffidenten  wie  Oefinungen  in  dünner  Wand,  wenn  der 
Strahl  von  dem  inneren  Rande  der  Oeffnung  aus  sich  sogleich 
ftusammenziefat,  und  sich  von  der  innem  Wand  der  Oefihung  los^ 
löst,  was  bei  starkem  Drucke  der  Fall  zu  sein  pflegt;  sobald  er 
aber  auf  der  ganzen  Dicke  der  Wand  «kr  Innenseite  der  Oeff- 
nung folgt,  und  diese  also  auch  vorn  füllt,  ao  fällt  der  Coefficient 
«nerkiidi  gröfser  aus. 

Der  Wirkungskrrä  der  AuaflufsöBnungen  ergab  sich  beträchl«- 
lieh  gröber,  als  man  bisher  anzunehmen  geneigt  war;  die  Seiten« 
wände  üben  noch  einen  merkUchen  Einflufs  auf  den  Ausfluls* 
coeffidenten  aus,  so  lange  ihr  Abstand  von  einander  weniger  als 
das  Sechsfache  des  Durchmessers  der  Oeffnung  ausmacht.  Noch 
Mhlbarer  ist  ihr  Einflufs  bei  Ueberfällen  (und  wahrscheinlich  auch 
bei  sehr  grofsen  Oeffnungen);  erst  wenn  ihr  Abstand  von  ein- 
ander mehr  als  das  Zehnfache  der  Breite  des  Ueberfalles  beträgt, 
ttl  in  4iesem  Falle  der  Ausflufscoefficient  von  ihn^n  unabhängig, 
imd  nimmt  dann  bei  abnehmendem  Drucke  nach  einem  regel* 
jualsigen  Gesetze  allmäUg  zu.  Diese  Thatsache  erklärt  die  vie* 
i0a  Widersprüche,  welche  zwischen  den  verschiedenen  bisher  für 
Ueberfalie  ermitteitra  Coeffidenten  ebAuwaJten  schienen. 

Aeufsere  AnsaUrinnen,  welche  den  aus  der  Oefihung  tre» 
ienden  ^Strahl  aufnehmen,  ändern  igogcn  die  bisherige,  nach 
BoasuT^s  Attctorität  angenommwe  Ansieht  die  Ausflubmenge 
echebiich;  sie  vermindem  dieselbe  unter  Umstünden,  namentliob 
bei  schwachen  DnickhoheQ,  im  VenhältaMsae  von  i  m  0,7. 

Die  übrigen  Resultate  der  Untersuchung  sind  dne  grofse 
Aeihe  von  Zahlencoeffidenten,   welche  zwar  für  die  Praxis 


^20  8.     Hydromechanik. 

hohem  Werlhe  sind,  aber  von  physikalischem  Standpunkte  be* 
trachtet  geringeres  Interesse  darbieten ,  und  die  wir,  da  wir  sie 
nicht  vollständig  mittheilen  können,  hier  übergehen  müssen. 

Bx. 


T.  d'£stocqiiois.  Memoire  sur  le  mouvement  d*un  liquide  pe- 
saot  qui  s'öcoule  par  un  orifice  rectaugulaire  horizontal 
C.  R.  XXXIV.  129-129t;  Inst.  1852.  p.  27-27. 

Es  lie^  nur  eine  sehr  kurze  Inhaltsangabe  dieser  Arbeit  vor, 
aus  welcher  sich  ergiebt,  da£s  dieselbe  nicht  Versuche  enthält, 
sondern  eine  theoretische  Betrachtung  des  gedachten  Gegenstan- 
des, und  namentlich  des  spedellen  Falles,  wo  nur  auf  einer 
Seite  der  rechteckigen  Oeffnung  Contraction  stattfindet.  Der 
Verfasser  will  gefunden  haben,  dafs  in  diesem  Falle  der  Con- 
tractionscoefficient  gleich  ist  dem  Cosinus  des  Winkels,  wel- 
chen die  äufsersten  Adern  des  Strahles  mit  der  Verticalen  ein- 
schlielsen,  und  dafs  bei  einer  rechteckigen  Oefinung  in  einer 
horizontalen,  dünnen  Wand  der  Contractionscoefficient  gleich 
0,707  ist.  Bx. 


OB  CALIG^Y.     Moyen  propre  ä  diminuer  la  r^sistauce  de  l'eau 
dans    les    coudes    des  tuyaux   de   conduite.     inst.  1852. 

p.  364 -364t. 
Hr.  DB  Caligny  theilt  den  Wasserlauf  in  Krümmungen  durch 
concentrische  Scheidewände  in  mehrere  einzelne  Adern,  und  er- 
zielt dadurch  eine  Verminderung  des  Widerstandes  der  Krüm- 
mung. Da  dieser  Widerstand  hauptsächUch  von  Wirbelströmun- 
gen in  der  Biegung  herrührt,  so  erscheint  es  ganz  glaublich,  dafs 
das  angegebene  Mittel  unter  Umständen  günstigen  Erfolg  haben 
werde.  Um  die  Verminderung  des  Widerstandes  nachzuweisen, 
wird  folgender  Versuch  angeführt.  Eine  an  ihrem  unteren  Ende 
mit  einem  scharfen  rechtwinkligen  Kniee  versehene  Röhre  wird 
oben  verschlossen,  dann  mit  dem  unteren  offenen  Ende  bis  zu 
einer  gewissen  Tiefe  in  ein  Gefäüs  mit  Wasser  gesenkt,  darauf 
oben  geöffnet,   und  nun  wird  beobachtet,  wie  hoch  das  in  ihr 


D*£8T0C91T0I8.   DsCALieNT.    PoABO.  421 

aufsteigende  Wasser  beim  ersten  Anlaufe  sich  über  dem  äufseren 
Wasserspiegel  erhebt,  eventuell  wie  tief  man  die  Röhre  einsenk^i 
müsse,  damit  es  gerade  bis  zum  oberen  Ende  gelange.  Es  zeigte 
sich  in  der  That,  dals  nach  Anbringung  von  drei  concentrischen 
Scheidewänden,  welche  die  Biegung  in  vier  gleich  breite  Abthei- 
langen-  (heilten,  die  aufsteigende  Wassersäule  sich  merklich  höher 
erhob,  als  zuvor.  Bxm 


i.  PoftRo.     Theorie  g^n^rale  des  moteurs  hydrauliques.    c.  R. 

XXXIV.  172-174t. 

Hr.  PoRRO  giebt  in  dieser  der  Pariser  Akademie  vorgelegten 
Mittheiiung  nur  die  Hauptsätze  seiner  Theorie  ohne  Beweis  oder 
nähere  Begründung  an.  Er  hat  ein  neues  Element  in  die  Be- 
trachtung eingeführt,  nämlich  die  kürzeste  Entfernung  zwischen 
der  Axe  des  Motors  und  der  Richtung  des  einfallenden  Wasser- 
strahls, welche  dieser  in  dem  Augenblicke  besitzt,  wo  er  auf  die 
Schaufeln  trifft;  Hr.  Porro  nennt  diese  Gröfse  Tapotheme  und 
bezeichnet  sie  mit  q. 

Es  würde  nicht  angemessen  sein,  die  vorläufig  ohne  Beweis 
hingestellten  Sätze  hier  vollständig  mitzutheilen ;  wir  wollen  nur 
einige  Punkte  herausheben. 

Das  Maximum  der  Leistung  des  Motors  soll  erzielt  werden, 
wenn  dessen  Umdrehungsgeschwindigkeit  eine  solche  ist,  dafs 
alle  Punkte,  welche  sich  in  dem  Abstände  q  von  der  Axe  befin- 
den, eine  Geschwindigkeit  besitzen,  welche  halb  so  grofs  ist  wie 
die  Geschwindigkeit  des  Wassers  unmittelbar  vor  dessen  Anschlag 
an  die  Schaufeln,  welches  auch  der  Abstand  des  Punktes,  wo 
die  Schaufeln  vom  Wasser  getroffen  werden,  von  der  Axe  sei. 
Für  die  Krümmung  des  TheUes  der  Schaufeln,  welcher  den  Stofs 
des  Wassers  empfängt,  giebt  Hr.  Porro  eine  Curve  an,  welche 
durch  die  Differentialgleichung 

bestimmt  ist;  den  TheU  derselben  dagegen,  welcher  das  Wasser 
ausschüttet,  krüount  er  nach  einer  loxodromen  Spirale;  ob  beide 


Igg  8m    Hjdromedtaoik» 

KrümmuDgeti  unmittelbar  in   einander   übergehen,    oder  durch 
irgend  ein  Zwischenstück  getrennt  sind,  ist  gleichgültig. 

Der  Ver£as8er  bemerkt,  da£s  seine  Theorie  bei  allen  gegebe« 
nen  Bedingungen  anwendbar  sei,  und  dafs  ein  nach  derselben 
gebautes  Rad,  wenn  es  von  einer  anderen  Kraftmaschine  in  um- 
gekehrtem Sinne  in  Bewegung  gesetast  werde,  sugleich  mit  sehr 
günstigem  Erfolge  als  Wasserhebemaschine  zu  benutzen  sei. 

Bx. 


J.  TaoHSON.     On  some  properties  of  whirling  fluids.     Athen. 

1852.  p.  1044-1044;  Rep.  of  Brit.  Assoc.  1852.  2.  p.  ]30-130t. 
Der  Verfasser  hat  den  Fall  untersucht,  wo  Wasser  am  Rande 
eines  groben  Gefafses  mit  schwacher  Rotationsbewegung  (also 
bei  einem  kreisförmigen  Gefafse  in  tangentialer  Richtung)  zutritt, 
und  durch  eine  in  der  Mitte  des  Bodens  befindliche  Oeifnung  ab- 
flielst.  Es  bildet  sich  dann  über  dieser  Oefinung  ein  Strudel  mit 
trichterförmiger  Einsenkung  der  Oberfläche.  Dieser  Trichter  ist 
eine  Rotationsoberfläche,  deren  erzeugende  Curve  nach  Herrn 
Thomson's  Angaben  dargestellt  wird  durch  die  Gleichung 

worin  X  der  Abstand  eines  Punktes  der  StrudeloberOache  von 
der  Axe  des  Strudels,  y  die  Tiefe  dieses  Punktes  unter  dem  con- 
atanten  Niveau  des  Wassers  im  Gefafse  aufserhalb  des  Wirkungs- 
kreises des  Strudels,  und  C  eine  constante  Gröfse  ist 

Die  Geschwindigkeit  an  irgend  einem  Punkte  dieser  Ober- 
fläche ist  gleich  der  Geschwindigkeit  eines  Körpers,  der  von  dem 
Constanten  Niveau  des  Wassers  im  Gefafse  aulserhalb  des  Wir- 
kungskreises des  Strudels  bis  zum  betrachteten  Punkte  frei  herab- 
gefallen ist;  und  jeder  Punkt  im  Innern  soll  angeblich  dieselbe 
Geschwindigkeit  besitzen,  wie  der  senkrecht  darüber  befindliche 
Punkt  der  Oberfläche.  Daraus  folgt,  dafs  die  Geschwindigkeiten 
irgend  zweier  Punkte  der  bewegten  Wassermasse  sich  umgekehrt 
wie  deren  Abstände  von  der  Axe  des  Strudels  verhalten. 

Der  Verfasser  leitet  daraus  einige  Verbesserungen  in  der  Con- 
struction  der  Centrifugalgebläse  und  Centrifugalpumpen  ab.     Bx. 


J.  Thomsok»   ds  Caliont.   Stetemsoit.  423 

J.  Thomson.  On  a  jet  pump  or  apparatus  for  drawiog  up 
water  by  Ihö  power  of  a  jel.  Rep.  of  Brit.  Assoc.  1852.  2. 
p.  130-1 31  f. 

Diese  Vorrichtung  ist  eine  Anwendung  der  bekannten  That- 
Sache,  dafs  ein  Wasserstrahl,  der  durch  eine  ruhende  Wassermasse 
strömt,  einen  Theil  derselben  mit  sich  fortführt»  Bx. 


A.  dbCaligny.   Memoire  sur  les  ondes.   Troisi^me  partie.    c.  R. 

XXXIV.  360-361t. 

—  —     Ondes  maritimes,    inst.  1852,  p.  13-1 3t. 

Die  erste  Mittheilung  des  Hrn.  de  Caliony  giebt  nur  einige 
vereinielte  Resultate,  welche  theila  keine  besondere  Wichtigkeit 
besitzen,  theils  aber  aus  der  kurzen  Notiz  nicht  recht  verstand* 
lieh  sind. 

Die  Note  im  Institut  enthält  die  Bemerkung,  daCs  man  an 
dem  Schaume  der  Wellen  die  kreisförmige  Bewegung  der  Wassef'> 
tbeilchen  leicht  beobachten  könne«  Bx. 


T.  Stevenson.     Observations    od    the    relation    betweeo   the 
height  of  waves  and  their  distance   from  the  windward 

shore.      Edinb.  J.  LIII.  358-359t. 

Der  Verfasser  macht  darauf  auCoierksam,  dafs  die  Erläute- 
rung der  Frage  über  die  Beziehung  zwischen  der  Höhe  der  Mee« 
reswellen  und  ihrem  Abstände  von  der  Küste  für  den  Ingenieul* 
bei  Hafenbauten  von  grober  Wichtigkeit  sei,  und  fordert  zu  Un- 
tersuchungen darüber  auf.  Nach  seinen  eigenen  Beobachtungen, 
die  indeia  noch  zu  beschränkt  und  noch  nicht  reif  zur  Veröifent» 
lichung  seien,  scheint  es  ihm,  dafs  die  Höhe  ungefähr  im  Verhält- 
nils  der  Quadratwurzel  aus  ihrer  Entfernung  von  der  windwärts 
gelegenen  Küste  abnimmt  Bx. 


i24  B.     Hydromechanik. 

A.  DE  Caligny.  Descripiiou  d'un  appareil  automobile  k-  Clever 
de  Teau,  employö  utilement  depuis  plus  d'une  ann^e  daos 
un  jardin  maraJcher  de  Versailles,     c.  R.  XXXIV.  174-I77t. 

—  —     Ecluses  de  navigations.     Pompes   ä  purios.     inst. 

1852.  p.12-13t. 

—  —     Machiaes  hydrauliques.     In«t.  1852.  p.77-78|,  263-263f. 
Descriplion  d'une  pompe,    sans  piston  ni  soupape, 

qui  a  et6  appliquee  d'une  maniere  utUe  dans  plusieurs 
localit6s.  CR.  XXXIV.  19-2lt;  Inst.  1852.  p.  2-2t;  Dimoleb  J. 
CXXIII.  416-417. 

—  —  Perfectionnemenls  ä  sa  pompe  sans  piston  ni  sou- 
pape.    Inst.  1852.  p.  167-i68t. 

'  Von  Hrn.  db  Caliony  liegen  mehrere  Mittheilungen  vor, 
welche  tbeils  auf  die  beiden  im  Jahresberichte  für  1850  und  1851 
erwähnten,  theils  auf  eine  dritte  von  dem  Verfasser  angegebene 
Wasserhebemaschine  Bezug  haben. 

Der  Aufsatz  in  den  C.  R.  XXXIV.  174  enthalt  eine  Be- 
schreibung der,  im  vorigen  Bande  dieser  Berichte  p.  193-194  als 
zweite  erwähnten  selbstthätig  wirkenden  Wasserhebemaschine 
nebst  weiteren  Bemerkungen  über  das  bei  derselben  stattfindende 
„ Saugephänomen ^*  (phenomene  de  succion).  Namentlich  sind 
darin  die  Versuche  erwähnt,  welche  über  die  Gestalt  des  Röhren- 
ventiles  angestellt  wurden ;  ehe  man  dessen  vortheilhafteste  Ein- 
richtung fand;  letztere  besteht,  wie  wir  schon  angaben,  darin, 
daCs  der  Sitz  des  Ventiles  mit  einer  breiten  horizontalen  Krempe, 
die  Unterkante  der  Ventilröhre  selbst  aber  mit  einem  breiten, 
etwas  convex  aufwärts  gebogenen  Rande,  wie  ein  umgekehrter 
Regenschirm,  versehen  wird. 

Diese  Vorrichtung  soll  nach  der  Angabe  des  Verfassers  selbst 
bei  sehr  geringen  Druckhöhen,  z.  B.  bei  solchen  von  nur  20  Cen- 
timeter,  vollkommen  anwendbar  sein,  wo  ein  hydrauUscher  Wid- 
der den  Dienst  versagen  würde.  • 

Soll  das  Wasser  auf  Höhen  gehoben  werden,  welche  be- 
trächtlich gröüser  sind,  als  das  Doppelte  der  v^rkenden  Druck- 
höhe, so  ist  das  Steigerohr  ohne  Verminderung  seines  Durch- 
messers ZU'  verengen,  indem  in  seiner  Axe  ein  cylindrischer 
unten  in  eine  Spitze  auslaufender  Stab  befestigt  wird. 


DK  CALI6MT.  H  ^5 

Im  Inst.  1852.  p.  12  theilt  der  Verfasser  mit^  dafs  sein  eben 
erwähnter  Apparat,  in  sehr  grofsem  MaaCsstabe  ausgeführt,  vor* 
Iheilhafle  Anwehdung  bei  Schifffahrtsschleusen  zur  Verminderung 
des  Wasserverbrauches  beim  Füllen  und  Entleeren  der  Kammern 
gefunden  habe;  indem  mittelst  desselben  durch  den  Abflufs  eines 
Theiles  des  Wasserinhaltes  der  Miltelkammer  in  das  Unterwas- 
ser, der  übrige  Inhalt  derselben  in  die  obere  Kammer  gehoben 
wurde.  Der  Apparat  habe  sehr  regelmäfsig  gearbeitet,  und  eine 
altemirende  Wassergarbe  von  80  Centimeter  Durchmesser  auf 
beträchtliche  Höhe  gehoben.  Die  Regulirung  sei  hier  sogar  weit 
leichter  als  bei  kleinen  Modellen. 

In  der  Note  im  Inst.  1852.  p.  77  beschäftigt  sich  Hr.  de  Ca* 
LioNY  mit  Mitteln,  die  Rückschwingungen  der  Wassersäule  bei 
mehreren  seiner  Apparate,  welche  Erschütterungen  hervorbringen, 
und  starke  Fundamente  nöthig  machen,  zu  beseitigen.  Das  Ver- 
ständnifs  dieser,  übrigens  ziemlich  langen,  Note  erheischt  aber 
eine  genauere  Kennlnifs  von  den  de  CALioNY'schen  Maschinen, 
als  bis  jetzt  bekannt  geworden. 

Im  Inst.  1852.  p.  263  befinden  sich  weitere  Notizen  über  die 
schon  mehrfach  erwähnten  beiden  Maschinen  (Berl.  Ber.  1850,  51. 
p.  193).  Die  dort  als  erste  genannte  hat  der  Verfasser  durch 
dasselbe  Mittel,  welches  bei  der  zweitgenannten  in  Anwendung 
gekommen,  seibstthätig  wirkend  gemacht,  und  ein  so  eingerichte* 
tes  Modell  der  philomathischen  Gesellschaft  vorgeführt.  In  Bezug 
auf  die  andere  Maschine  theilt  er  mit,  dafs  er  eine  solche  in  sehr 
grofsem  Maafsstabe  ganz  roh  aus  Brettern  habe  zusammenfügen 
lassen,  welche  vollkommen  gut  arbeile;  es  habe  sich  dabei  ge- 
zeigt, dafs  wenig  darauf  ankomme,  ob  die  Biegung  der  unleren, 
festen  Röhre  wohl  abgerundet  sei  oder  nicht;  bei  der  gedachten 
Maschine  sei  dieselbe  durch  einen  rechteckigen  Holzkasten  ver- 
treten, der  an  die  verticale  Fallröhre  unter  einem  rechten  Winkel 
angefügt  sei,  und  in  seiner  oberen  horizontalen  Wand  eine  ein- 
fache Oeffnung  enthalte,  auf  welche  das  Ventil  der  Steigeröhre 
sich  aufsetzt. 

In  den  C.  R.  XXXIV.  19  beschreibt  Hr.  de  Caligny  eine 
neue  Pumpe  olme  Kolben  und  Ventile.  Sie  besteht  aus  einem 
offenen  cylindrischen  Rohre,  an  dessen  unteres  Ende  ein  langer 


.( gg  8.     Hjdromechaikik. 

schwach  cenisch  erweiterter  Trichter  angesetzt  ist»  und  das  in 
einem  kurzen  weiteren  RohrenstUck  in  verticaier  Richtung  ge- 
führt ist  Wenn  diese  Vorrichtung  mit  ihrem  Trichter  bis  zu 
einer  gewissen  Tiefe  in  Wasser  getaucht  ist,  und  dann  abwech- 
selnd schell  gehoben  und  langsam  wieder  gesenkt  wird,  so  jedoch, 
da(s  die  untere  Mündung  des  Trichters  nie  aus  dem  Wasser 
kommt,  so  steigt  das  Wasser  in  dem  Rohre  in  die  Höhe,  und 
fliefst  am  oberen  Ende  über,  wo  es  von  einem  dasselbe  umge- 
benden Becken  aufgefangen  wird;  und  zwar  erfolgt  das  Aufstei- 
gen des  Wassers  während  der  Aufwärtsbewegung  der  Vorrich* 
tung  in  Folge  einer  Oscillation,  welche  der  zu  Anfang  der  Hebung 
stattfindenden  Senkung  des  Wasserspiegels  innerhalb  des  Trichters 
folgt.  Nach  der  Angabe  des  Verfassers  kann  auch  diese  Pumpe 
ganz  roh  aus  Brettern  zusammengefügt  werden. 

In  dem  zuletzt  angeführten  Aufsatze  im  Inst.  1852.  p.  167 
beschäftigt  sich  der  Verfasser  mit  den  Mitteln,  das  Verspritzen 
des  Wassers  und  dessen  Zurückfallen  in  die  Röhre  dieser  Pumpe 
zu  verhüten,  welches  staltfindet,  wenn  man  mit  derselben  Wasser 
auf  beträchtliche  Höhen  fördern  will.  Er  bringt  zu  dem  Ende 
über  der  oberen  Mündung  der  Röhre,  in  deren  Axe,  einen  birn- 
formigen  Körper  nebst  einer  Blechkappe  an,  welche  das  aufstei- 
gende Wasser  nach  aufsen  lenkt,  oder  er  giebt  der  ganzen  Pumpe 
eine  geneigte  Lage,  oder  krümmt  endlich,  was  am  zweckmäfsig- 
slen  ist,  das  Rohr  nach  einem  Kreisbogen,  dessen  Mittelpunkt  in 
die  Welle  des  Hebels  fallt,  an  dem  in  diesem  Falle  die  Vorrichtung 
befestigt  ist,  und  dann  keiner  weiteren  Führung  bedarf»      Bx. 


A.  Seydbll.  Ueber  die  Anwendung  der  rückwirkenden  hy- 
draulischen  Kraft  zur  Führung  und  Bewegung  von  Schiffen 
so  wie  über  jüngst  geraachle  praktische  Erfahrungen  darin. 
Verli.  d.  Ver.  z.  Beförd.  d.  Gewerbfleifse«  in  Preufsen  J852.  p.  85-91  f. 

Hr.  Sbydell  wendet  die  Theorie  des  SfiGNER^schen  Kreisels 
zur  Bewegung  der  Schiffe  an.  Er  schöpft  mittelst  einer  durch 
Damplkraft  bewegten  rotirenden  Pumpe  Wasser  von  unterhalb 
des  Schiffsbodens  und  läfst  dasselbe  durch  zwei  oder  mehrere 
symmetrisch  su  beiden  Seilen  des  Schiffes  vertheilte  bewegbare 


SBTDBLI..     GliiARO.  127 

Mundslücke  ausströmen.    Diese  Einrichtung  hat  die  praktischen 
Vortheile,  dafs  sie  auch  bei  dem  geringsten  Tiefgänge  des  Schiffes 
anwendbar  ist,  dafs  die  aufserhalb  des  Schiffes  befindlichen  Trieb- 
iheile»   die  Mundstucke,   nicht  leicht  Beschädigungen  ausgesetzt 
sind,  und  schlimmfiten  Falles  leicht  ersetzt  werden  können,  dafs 
sie  auch  in  mit  Seegewächsen  erfüllten  Gewässern  benutzt  wer- 
den kann,  wo  Schaufeln  und  Schrauben  bald  den  Dienst  versa- 
gen, indem  sie  sieh  im  Tange  verwickeln,  und  dafs  endlich  die 
Abänderung  in  der  Stellung  der  Mundstücke  ein  sehr  bequemes 
und  wirksames  Mittel  bietet,,  das  Schiff  sdbst  bei  Beschäd%ung 
des  Steuerruders  zu  lenken,  und  dasselbe  zum  Stillstand  zu  brin- 
gen.    Ob   diese  Einrichtung  im   Uebrigen  den   bisherigen  Pro* 
pellem  gegenüber  sich  als   vortheilhaft   erweisen   wird,   dürfte 
hauptsächlich  von  der  Vollkommenheit  des  Wasserhebeapparates 
und  davon  abhängen,  ob  die  Dampfkraft  in  einem  oder  im  ande« 
ren  Falle  unter  günstigeren  Bedingungen   auf  die  Bewegungs- 
maschinen  in  Angriff  gelangt.    Die  bisherigen  Versuchesind  nicht 
ungünstig  ausgefallen.     Dem  Berichterstatter  würde  es  zweck- 
mäTsiger  erscheinen,   wenn  das  Wasser  nicht  unterhalb,  sondern 
vor  dem  Vordertheile  des  Schiffes  geschöpft  würde.         Bx* 


L.  D.  GiRARD.  Ghemin  de  fer  hydranlique  avec  distribution 
d  eau  et  irrigations.  c.  K.  XXXV.  21 7-21 9t;  In»t.  j  852.  p.  254-254. 
Der  Verfasser  beabsichtigt  die  Dampfkrafl  beim  Betriebe  der 
Eisenbahnen  durch  die  Wasserkraft  zu  ersetzen.  Er  schlägt  vor, 
längs  der  Bahn  ein  System  von  eisernen  Röhren  zu  legen,  welche 
durch  vermittelst  stationärer  Maschinen  betriebene  Pumpen,  oder 
aus  höher  gelegenen  Reservoirs,  mit  Wasser  unter  beträchtlichem 
Drucke  gespeist  werden,  und  mit  Ausflufsöffnungen  versehen  sind, 
die  durch  den  vorbeifahrenden  Zug  selbst  geöffnet  und  geschlossen 
werden.  Der  Wagenzug  braucht  natürlich  keine  Locomotive; 
viebnehr  sind  an  den  Wagen  Systeme  von  stellbaren  Schaufeln 
angebraclit,  gegen  welche  die  aus  den  geöffneten  Mundstücken 
der  Röhre  tretenden  Wasserstrahlen  treffen.  Bar. 


f2S  ^*     A^romeehaoik. 

9.    Aeromechanik. 


AvoGADRO.  Memoire  sur  les  cons^quences  qu'on  peut  d^duire 
des  exp^riences  de  M.  Rbgnault,  sur  la  compressibilKö 
des  gaz.  Arch.  d.  sc.  pliys.  XX.  126-135t;  Mem.  deirAccad.  di 
Turino  (2)  XIIL  171-241;  Inst.  1853.  p.  29-32;  Ano.  d.  chim.  (3) 
XXXIX.  140-162. 

Hr.  AvoGADRO  sucht  aus  Rbonault's  Versuchen  aber  die  Zu- 
saitunendrückung  der  Gase  neue  Formeln  für  die  Beeiehung  swi* 
sehen  Druck  und  Dichte  herzuleiten. 

Bezeichnet  man  mit  r  den  Druck,  gemessen  durch  die  in 
Metern  ausgedrückte  Höhe  einer  Quecksilbersäule,  mit  m  die 
entsprechende  Dichte  des  Gases,  dessen  Dichte  unter  dem  Drucke 
einer  Quecksilbersäule  von  1  Meter  Höhe  als  Einheit  angenom- 
men, so  sollte  nach  dem  MARioTTc'schen  Gesetze  bei  gleich  blei- 

bender  Temperatur  das  Verhältnifs  —  constant,  und  zwar  =  1 

sein.  Bekanntlich  hat  Regnault  nachgewiesen,  dafs  dies  Gesetz 
bei  den  vier  von  ihm  untersuchten  Gasen,  —  atmosphärische  Luft, 
Wasserstoff,  Stickstoff  und  Kohlensäure,  —  nicht  streng  richtig 
ist;    derselbe   hat  auch  bei  jeder  der   genannten  Gasarten   aus 

seinen  Versuchen  für  — einen  empirischen  Ausdruck  von  der  Form 

-^  =  1  + J(m— l)  +  Ä(m— I)«  hergeleitet 

Ohne  das  wahre  Gesetz  der  Abhängigkeit  zwischen  m  und  r 

geben  zu  wollen,  glaubt  Hr.  Avooadro  doch  eine  andere  Form  des 

*• 
Ausdrucks  von  —  wählen  zu  dürfen,  welche   wahrscheinlicher 

und  gleichzeitig  für  den  Gebrauch  bequemer  zu  sein  scheint. 

Er  nimmt  an,  dafs  bei  allen  Gasen,  sofern  sie  nur  hinläng- 
lich entfernt  von  dem  Punkte,  wo  sie  in  den  tropfbar  flüssigen 

Zustand  übergehen,    betrachtet  werden,    der  Werth  von  —  mit 

wachsender  Dichte  zunimmt,  wie  es  Regnault  beim  V^asserstoff 
beobachtet  hat;  dafs  aber  näher  an  diesem  Punkt  dessen  Einflufs 


AvoeABRo.  i|29 

merklich  wird,  und  eine  allmälig  stärker  werdende  Verminderung 

der  Zunahme,  und  endlich  eine  Abnahme  des  Werihes  von  — 

m 

herbeiführt.    Der  Werlh  von  —  wird  also   bei  wachsendem  m 

m 

bis  zu  einem  gewissen  Maximum  su~  und  dann  wieder  abnehmen; 

jenseits  dieses  Maximum  beginnt  das  Gas  sich  su  condensiren, 

weil  es  bei  noch  gröfserer  Dichte  nur  noch  einen  geringeren 

.Druck  zu  ertragen  vermag  als  den,  dem  es  bereits  ausgesetzt  ist 

Diesen  Betrachtungen  gemäfis  giebt  Hr.  Avooadro  dem  Aus- 
•• 

drucke  für 1  zwei  Glieder;  das  erste,  für  das  er  die  Form 

m 

ifc(logm)'  findet,  gilt  für  das  Gas  fem  vom  Punkte  der  Verdich* 

tung,  das  andere,  negative,  drückt  den  EinfluGs  der  Nähe  des 

Condensationspunktes  aus.    Für  das  letztere  leitet  der  Verfasser 

die  Form  C{m — A)^  her,   worin  A  die  Dichte  ist,   bei  welcher 

der  Einflufs  der  Nähe  der  Condensation  beginnt,  und  welche  sich 

fiir  Wasserstoff  =  2,   für  Stickstoff  =  1,5,  für  atmosphärische 

Luft  =  1  und  für  Kohlensäure  «  ^  ergiebt    Die  Constanten  k 

und  C  wurden  aus  Rbgnault's  Versuchen  abgeleitet^   alle  diese 

Rechnungen  sind  indefs  in  unserer  Quelle  (Arch.  d.  sc.  phys.) 

nicht  mitgetheilt. 

«» 
So  findet  der  Verfasser  für  —  folgende  Ausdrücke: 

für  Wasserstoff 

—  =  l+0,015762(logm)*— 0,000884  65(m-2)l, 
tn 

für  Stickstoff 

-^=  14-0,015762(logm)'— 0,0017573(1»- 1,25)»,  v 
tn 

für  Sauerstoff 

S.  =  i+0,015762(logm)'— 0,003538(m— 1)». 
m 

Nur  Tür  Kohlensäure  mufste  die  Form  des  Ausdrucks  etwas 

abgeändert  werden;  hier  fand  sich,  wenn  fi  für  1,0053m  gesetzt 

wird, 

—  =  l+0,015762(log/*)'— 0,007471  6(^-0,25)». 

rorudir.  d.  Phys.  YUI.  9 


j|30  d*    Aeromechamk. 

Aus  diesen  Gleichungen  findet  der  Verfasser,  dafs  die  Dichte, 

bei  welcher  —  ein  Maximum  ist,  und  bei  welcher  die  Conden* 
m 

sation  beginnt,  für  Wasserstoff  etwa  =  357,  für  Stickstoff  ==  181, 

für  Sauerstoff  =91   und  für  Kohlensäure  =44  sein,   und  dafs 

der   entsprechende  Druck,   als  Quecksilbersäule   gemessen,   für 

Wasserstoff  217,   für  Stickstoff  104,    für  Sauerstoff  51  und  für 

Kohlensäure  24  Meter  betragen  würde.  Bx* 


C.  SoKDHAüss.     lieber  die  Form  von  aus  runden  Oeffnungen 
tretenden  Luflströmen.     poeo.  Ann.  LXXXV.  58 -63t. 

Hr.  SoNDHAUss  hat  einige  Versuche  mit  Luftströmen,  welche 
aus  einer  runden  Oeffnung  treten,  angestellt,  aus  denen  hervor- 
geht, dafs  dergleichen  Luftströme  im  Allgemeinen  dieselben  Er- 
scheinungen darbieten,  welche  man  an  Wasserstrahlen  unter 
ähnlichen  Umständen  kennt.  Er  machte  diese  Luftströme  dadurch 
sichtbar,  dafs  er  ihnen  Tabacksrauch  beimischte;  die  Ausfluls- 
öffnungen  waren  kreisförmig  und  aus  einem  dünnen  Bleibleclie 
ausgebrochen.  Der  aus  denselben  bei  mäfsigem  Drucke  —  von 
etwa  1  Zoll  Wasserhöhe  —  austretende  Luftstrom  war  bis  zum 
Abstände  von  ungefähr  1  Zoll  von  der  Oeffnung  scharf  von  der 
umgebenden  Luft  abgegränzt,  und  erschien  wie  ein  unbewegter, 
etwa  cylindrischer  Rauchfaden,  in  gröfserer  Entfernung  von  der 
Oeffnung  aber  wurde  er  unruhig,  und  breitete  sich  oscillirend  aus; 
wie  beim  Wasserstrahle  fand  auch  hier  nahe  an  der  Oeffnung 
eine  Contraction  des  Strahles  statt. 

Beim  Stofs  eines  solchen  Luftstroms  gegen  eine  feste  Scheibe 
so  wie  beim  Zusammenstofs  zweier  Luftstrahlen  zeigten  sich 
ganz  ähnliche  Erscheinungen,  wie  von  Savart,  Magnus  und  an- 
.deren  bei  Wasserstrahlen  beobachtet  worden.  Der  Verfasser 
wiederholte  endlich  auch  den  Versuch  von  Hachbtte,  wo  eine 
leichte  ringförmige  Scheibe  von  einem  gegen  eine  feste  Platte 
stofsenden  Luflstrome  in  deren  Nähe  schwebend  erhalten  wird; 
er  fand,   dafs  diese  Scheibe  stets  gegen  die  Platte  hin  schwach 


SOMDHAÜM.    MoaiM.  i|3f 

osciUirt,  und  dals  sie  unter  UmsUmden  auch  eine  rasche  rotirende 
Bewegung  annimmt.  Bx. 


K  MoKiii.  Exp^riences  sar  la  Ventilation  dn  grand  amphi- 
tb6ätre  du  conservatoire  des  arts  et  m^tiers.  c.  R,  XXXIV. 
615-630t;  Polyt.  C.  Bl.  1853.  p. 77-83;  Inst.  1852.  p.  130-130; 
DiN6i.BR  J.  CXXIV.  396.-3d6t;  Cosmos  I.  40-41. 

Diese  Arbeit,  ein  Bericht  über  eine  im  Conservatoire  des 
arts  et  metiers  ausgeführte  Ventilationsanlage,  enthält  wichtige 
Notizen  über  ein  nach  Hrn.  Morin^s  Angabe  von  Bianchi  ange- 
fertigtes Anemometer,  und  über  die  Methode  der  Bestimmung  der 
Constanten  desselben.  Das  Instrument  ist  ein  Flügelrädchen  von 
ähnlicher  Construction  wie  das  bekannte  CoMBB8*sche  Anemome- 
ter. Die  Flügelwelle  läuft  an  beiden  Enden  in  Steinlagern,  und 
ist  in  der  Mitte  durch  ein  eben  solches  unterstützt;  auf  ihr  ist 
an  einer  Stelle  eine  Schraube  ohne  Ende  eingeschnitten,  welche 
in  ein  Rad  von  100  Zähnen  eingreift.  Auf  der  Welle  des  letz- 
leren befindet  sich  ebenfalls  eine  Schraube  ohne  Ende,  in  welche 
ein  zweites  Rad  von  100  Zähnen  eingreift;  dieses  endlich  schiebt 
bei  jedem  Umgange  ein  drittes  Rad  mit  50  sägenformigen  Zäh- 
nen um  einen  Zahn  weiter;  so  dafs  man  auf  den  zu  diesen  Rä- 
dern gehörigen  Zifferblättern  bis  500000  Umdrehungen  zählen 
kann.  Ferner  ist  eine  Vorrichtung  angebracht,  um  mittelst  Schreib- 
stifte, die  nach  Beheben  gegen  die  Zifferblätter  gedrückt  werden 
können,  auf  denselben  den  Anfang  und  den  Schlufs  der  Beob- 
achtung zu  markiren.  Dies  gewährt  den  grofsen  Vortheil,  dafs 
das  Flügelrädchen  beim  Beginn  der  Beobachtung  schon  eine 
permanente  Bewegung  angenommen  hat,  und  nicht  erst  aus  dem 
Zustande  der  Ruhe  allmälig  in  dieselbe  überzugehen  braucht. 

Besonders  schwierig  ist  bei  dergleichen  Instrumenten  stets 
die  Bestimmvm^  der  Constanten,  welche  nöthig  sind,  um  aus  der 
Zahl  der  Umdrehungen  die  Geschwindigkeit  des  Luflstromes  her- 
zuleiten. Hr.  MoRiN  schlug  für  kleine  Geschwindigkeiten  den 
gewöhnlichen  Weg  ein,  das  Instrument  mit  bekannter  Geschwin- 
digkeit durch  ruhende  Luft  zu  bewegen,   indem  er  dasselbe  an 

9V 


«32  «- 


cmcM  Ende  dner  wMgattMm  Lalle  WffcnHgte,  die  diireh  ein 
Uhrwerk  mil  bekaanlcr  Geschwim^keil  mn  eine  verticale  Axe 
gedreht  wnrde.  Er  fand  dabei  übereoistiiiHBeiid  mil  Covbbs  und 
anderen  Beobaefatern,  dals  für  die  so  erreichbaren  Geschwindig* 
keilen,  wekhe  bis  10  Meier  in  der  Secnnde  belrogeo,  die  Relalion 
zwischen  der  Geschwindigkeit  V  des  Lofkslronies  und  der  Zahl 
der  Umdrdiangen  iV  des  Instromenles  in  befriedigender  Weise 
dargestellt  wird  durch  einen  Ansdnick  der  Form  F=  a'\'hNf 
dessen  Constanten  a  und  b  ans  mehreren  solcher  Versuche  leicht 
hersuleilen  sind. 

Da  indels  das  Anemometer  auch  für  weil  beträchtlichere 
Geschwindigkeiten  benuixt  werden  sollte,  so  war  es  unerlalslich 
diese  Constanlen  auch  bei  solchen  su  verifidren.  Hr.  Morin  be- 
nutzte dazu  einen  kleinen  Ventilator  mit  ebenen  Flugein.  Indem 
er  sein  Anemometer  in  den  von  diesem  Venlilalor  erzeugten 
Luftstrom  brachte,  konnte  er  dessen  Geschwindigkeit,  so  lange 
sie  nicht  10  Meter  in  der  Secunde  übersti^  mit  Hülfe  der  wie 
▼orerwähnt  bestimmten  CoefScienten  aus  der  Zahl  der  Umdre- 
hungen des  Anemometers  mit  genügender  Sicherheil  bestimmen; 
und  er  fand,  dafs  diese  Geschwindigkeit  proportional  ist  der  Ge- 
schwindigkeit des  Mittelpunktes  der  Ventilatorschaufeln,  oder  pro- 
portional der  2iahl  der  Drehungen  des  Venlilators.  Als  er  dann 
die  Umdrehungsgeschwindigkeit  des  Ventilators  mehr  und  mehr 
steigerte,  ergab  sich,  dals  die  Proportionahtat  zwischen  der  Zahl 
der  Drehungen  des  Ventilators  und  den  mit  den  früher  bestimm- 
ten Coefficienlen  berechneten  Werthen  der  Formel  a+bNj  bis 
zu  den  grölsten  Geschwindigkeiten  fortwährend  bestehen  blieb; 
und  Hr.  Morin  folgert-  daraus,  dafs  einerseits  die  bei  mä(sigen 
Geschwindigkeiten  bestimmten  Coefficienlen  seines  Instrumentes 
auch  für  gröfsere  Geschwindigkeiten  anwendbar  seien,  und  dals 
andererseits  die  Geschwindigkeit  des  vom  Ventilator  erzeugten 
liuftslromes  bei  allen  Geschwindigkeiten  der  Umdcehungsgeschwin* 
digkeil  des  Ventilators  proportional  seL 

Letzteres  Gesetz  ist  allerdings  nicht  neu;  es  ist  vielmehr 
schon  vor  längerer  Zeit  von  Cadiat  aufgestellt  worden;  seine 
Aichtigkeit  wurde  aber  bisher  vielfach  in  Zweifel  gezogen. 

Nach    den   mitgetheilten   Untersuchungen  des   Hm.  Morin, 


PXf  CBVB  -  OofTtB.  ^  33 

järfte  ein  solches  Centn'fugalgebläse  in  Zukunft  ein  wichtiges 
Hfilfsmittel  bei  anemometrischen  Versuchen  und  bei  Versuchen 
aber  Luftströme  überhaupl  abgeben. 

Der  übrige  Inhalt  der  vorliegenden  Arbeit  besitzt  kein  phy« 
sikafisches  Interesse.  Bs. 


a  FiscoBR-OosTBB.     BeschreibuDg  eines  neuen  Hypsometers. 

Mitth.  d.  Daturf.  Ges.  in  Bern  1852.  p.  162 -165t. 

Der  Verfasser  giebt  einen  kleinen  einfachen  und  leicht  trans* 
«portabelen  Apparat  an,  um  die  Höhe  von  bestiegenen  Bergen  etc. 
annähernd  zu  bestimmen.  Er  besteht  in  einer  an  einem  Ende 
geschlossenen^  mit  einer  Volumen-  und  einer  Längentheilung  ver- 
sehenen Glasröhre,  welche^  etwa  zur  Hälfte  mit  Luft  gefüllt,  mit 
ihrem  offenen  Ende  in  eine  weitere,  Wasser  enthaltende  Glas- 
röhre gesenkt  ist.  Aus  der  Beobachtung  des  Volumens  dieser 
abgesperrten  Luftsäule  am  Fufse  und  auf  dem  Gipfel  des  Berges 
kann  dann,  unter  Beachtung  der  jedesmaligen  Temperatur,  die 
Höhe  leicht  abgeleitet  werden.  Bx. 


C  Fischer -OoBTBR.  Beschreibung  eines  'neuen  einfachen 
Bathometers.  Mitth.  d.  naturf.  Gea.  in  Bern  1852.  p.  73 -94t; 
Fbcbmee  C.  BL  1854.  p.  318-319. 

Bei  diesem  Instrumente  wird  die  Tiefe,  bis  zu  welcher  das« 
selbe  in  das  Wasser  eingesenkt  worden,  aus  der  Compression 
abgeleitet,  welche  eine  bekannte,  in  einer  unten  offenen  graduir- 
ten  Glasrohre  mit  hinabgesenkte  Luftmenge  daselbst  erfahren  hat 
Diese  Glasröhre  befindet  sich  in  einem  hölzernen  Gehäuse,  wel- 
ches man  mit  einem  Gewichte,  gewöhnlich  einem  Steine,  be- 
schwert frei  im  Wasser  hinabsinken  täfst.  Sobald  das  Instrument 
den  Grund  berührt,  löst  sich  das  Gewicht  vermöge  einer  eigen- 
thümlichen  Vorrichtung,  die  sich  ohne  Zeichnung  nicht  wohl  be- 
schreiben läfst,  los,  und  das  Holzgehäuse  mit  der  Glasröhre  steigt 
wieder  an  die  Oberfläche.    Die  wohlgetrocknete  Innenfläche  der 


{34  d.     A^omechanik. 

Glasröhre  war  vor  dem  Versucke  mit  feinem  Zuckerpulver  aus- 
gepudert  worden^  und  an  der  Ablösung  dieses  Pulvers  erkennt 
man  mit  genügender  Sicherheit^  wie  weit  in  der  Tiefe  das  Was-^ 
ser  in  die  Röhre  eingedrungen  war.  Um  den  Einflufs  der  unbe- 
kannten Temperatur  am  Boden  des  Gewässers  su  eliminireni  ist 
die  Einrichtung  getroffen,  dafs  der  ziemlich  weite  Raum  zwischen 
dem  Holzgehäuse  und  der  Glasröhre  vor  dem  Einsenken  an  der 
Oberfläche  mit  Wasser  gefüllt  wird,  welches  nur  unten  durch 
eine  kleine  Oeffnung  mit  dem  umgebenden  Wasser. communicirt; 
und  da  dies  eingeschlossene  Wasser  überdies  mit  schlechten 
Wärmeleitern  umgeben  ist,  und  die  Dauer  des  Versuches  bei 
mafsigen  Tiefen  nur  kurz  ist,  so  kann  während  derselben  die 
Temperatur  der  eingeschlossenen  Luft  keine  wesentliche  Ver- 
änderung erfahren. 

Der  Verfasser  entwickelt  feilier  im  vorliegenden  Aufsatze 
nach  bekannten  Grundsätzen  Formeln  für  die  verschiedenen 
nöthigen  Correctionen,  welche  uns  zu  keiner  weiteren  Bemerkung 
Anlafs  geben.  Bx. 


E.  Plantahour.  Tables  hypsom^lriques  calcul^es  d*apr^s  la 
formule  de  Bessel.  Annu.  meteor.  1852.  l.  p.65-72t;  Mem.d. 
1.  Soc.  d.  Geneve  XHI.  1.  p.  63-72*. 

Eine  früher  in  No.  356  der  Astr.  Nachr.  von  Bessbl  gege- 
bene hypsometrische  Formel  hat  Hr.  Plantamour  so  verändert, 
dais  er  für  mehrere  Constanten,  den  Ausdehnungscoefficienten 
der  Luft,  dafs  Verbältnifs  der  Dichtigkeit  der  Luft  zu  derjenigen 
des  Quecksilbers  u.s.  w.,  statt  der  älteren  die  in  neuerer  Zeit 
gefundenen  Werthe  setzt  Wegen  der  nach  der  neuen  Formel 
berechneten  Tafeb  und  der  Anweisung  zu  ihrem  Gebrauch 
maifs  auf  die  Quellen  verwiesen  werden.  Ar. 


Flantamoua.   Aiii>aiTr$»  FoNTians.   Anommts.  435 

T.  Aadbbws.    Qq  a  meihod  of  obtaining  a  perfect  vacuaia 
in  Ihe  receiver  of  an  air-pump.    Phil.Mag.(4)lll.  104-I08t; 

J.  the  ehem.  Soc.  V.  189-192;  Pogg.  Ann.  LXXXVIH.  309-314; 
Fechnkr  C.  BI.  1853.  p.  367-368;  Z.  S.  f.  Natum.  I.  219-219; 
Polyt.  C.  BI.  1853.  p.  826-826. 

Um  ein  vollständiges  Vacuum  herzustellen  bringt  .der  Ver- 
fasser unter  den  Recipienten  ein  Sehälchen  mit  kaustischer  Kali- 
lauge, und  ein  zweites  mit  coneentrirter  Schwefelsaure,  evacuirt 
in  gewohnlicher  Weise,  läfst  dann  etwas  reines  Kohlensäuregas 
sutreten,  entfernt  dies  gleich  darauf  wieder  mittelst-  der  Lufl- 
pumpe,  und  wiederholt  dies  Verfahren  nöthigenfalls  mehrere 
Maie.  Nach  einiger  Zeit  werden  dann  die  letzten  Spuren  der 
Kohlensäure  von  der  Kalilauge  und  die  vorhandenen  Wassor« 
dämpfe  von  der  Schwefelsäure  absorbirt  werden.  Bx* 


C  Fontaine.  Note  sur  uo  appareil  propre  ä  produire  le  vide. 
C.  R.  XXXiV.  408-408t;  Dingler  CXXIV.  253 -253t;  Arch.  d. 
Pharm.  (2)  LXXIII.  45-45. 

Der  Verfasser  schlägt  dasselbe  Mittel  vor  wie  Andrews  im 
eben  besprochenen  Aufsatze.  Bx. 


T^AiiDjtEws.  On  a  new  aspirator.  PiiiLMag.  (4)  IV.  330-333t; 
Chem.C.Bl.  1853.  p.  79-80;  Liebig  Ann.  LXXXV.  263-268;  Pogg. 
Ann.  LXXXVIU.  585-589;  Polyt.  C.  BI.  1853.  p.  539-541. 

Dieser  Aspirator  ist  eine  einfache  Nachbildung  der  bei  den 
Gasbereitungsanstalten  in  Anwendung  stehenden  Gasometer,  wie 
auch  schon  früher  mehrfach  in  Laboratorien  als  Aspirator  benutzt 
worden.  Die  Glocke  desselben  ist  durch  Gegengewichte  balaa- 
cirt  und  wird  durch  ein  Uhrwerk  langsam  in  die  Höhe  gehoben. 

Ais  Vorzug  dieses  Apparates  hebt  der  Verfasser  mit  Recht 
hervor,  dafs  derselbe  einen  vollkommen  gleichförmigen  Luftstrom 
lief^e,  und  die  Menge  der  angesogenen  Luft  genau  zu  bestim- 
men gestatte 9  ein  Vorzug,  der  ihn  auch  zu  eudiometrischen  Ar- 
beiten empfehle.  Bx. 


\  36  10«    Elatticität  fester  Korper. 

A.  Pauu.     Üeber  eine  Gaspipette,    uraie  Ann.  LXXXtn.  d5-98t. 

Diese  Gaspipette  beruht  auf  demselben  Principe  wie  die 
von  Ettling;  die  beiden  Behälter  besitzen  bei  ihr  aber  eine 
solche  Gestalt,  und  sind  so  angeordnet,  dafs  die  Entleerung  des 
Instrumentes,  welche  bei  Ettlino's  Pipette  sehr  schwierig  war, 
und  oft  einen  Druck  erforderte,  den  die  Lungen  kaum  zu  über- 
winden vermochten,  ohne  Schwierigkeit  geschehen  kann.     Bs. 


10.    Elasticität  fester  Körper. 


J.  H.  Jbllbtt.    Oo  tbe  equiiibrium  aod  motion  of  an  elastic  solid. 
Irish  Trans.  XXII.  3.  p.  179-217t. 

Bei  der  Untersuchung  der  Bedingungen  des  Gleichgewichts 
und  der  Bewegung  eines  elastischen  homogenen  Körpers  gelangt 
Hr.  Jbllbtt  zu  linearen  partiellen  Differentialgleichungen  zweiter 
Ordnung  von  der  allgemeinsten  Form  zwischen  den  Verrückun- 
gen  und  den  ursprünglichen  Coordinaten  eines  Punktes;  jede  der 
drei  Gleichungen  enthält  18 ,  alle  zusammen  54  von  einander 
unabhängige  Constanten.  Er  geht  von  der  Betrachtung  der  Kraft 
aus,  die  zwei  Molecüle  des  Körpers  auf  einander  ausüben,  und 
findet  aus  dieser  durch  Integration  nach  dem  Volumen  die  Kraft> 
mit  der  auf  ein  Molecül  alle  benachbarten  wirken;  er  sucht  zu 
zeigen,  dafs  die  Integration  statt  der  Summation  angewendet  wer- 
den darf,  sobald  man  voraussetzt,  dafs  die  Molecularkraft  inner- 
halb ihrer'Wirkungssphäre  sich  continuirlich  ändert,  und  dafs  der 
Radius  dieser  so  grofs  ist,  dafs  sie  in  eine  unendliche  Zahl  von 
Elementen  zerlegt  gedacht  werden  kann,  von  denen  jedes  wiederum 
unendlich  viele  Elemente  enthält.  Die  Differentialgleichungen 
bleiben  dieselben,  wenn  man  annimmt,  dafs  die  Kraft,  mit  der 
zwei  Molecüle  auf  einander  wirken,  unabhängig  von  der  Gegen« 
wart  eines  dritten  Molecüles  ist,  und  wenn  man  annimmt,  dafs 
diese  Kraft  durch   die  Gegenwart  und  Lage   anderer  Molecüle 


PA0I.1,    JXLLBTT.    RaKKIMI*  437 

bedingt  ist;  das  Erste  würde  stattfinden,  wenn  die  Molecular- 
kräfte  einem  ähnlichen  Gesetze  folgten  als  die  allgemeine  Mas- 
senanziehung,  das  Zweite,  wenn  die  MoleciUe  sich  verhielten 
wie  elektrisirte  Körper.  Setzt  man  voraus,  dafs  die  Kraft,  mit 
der  zwei  Molecüle  auf  einander  wirken,  die  Richtung  der  Ver* 
bindungslinie  hat,  und  eine  Function  der  Entfernung  ist,  so  redu- 
drt  sich  die  Zahl  der  von  einander  unabhängigen  Constanten  auf 
15.  Aus  den  allgemeinen  Gleichungen  findet  man  für  die  Fort- 
pflanzungsgeschwindigkeit ebener  Wellen  von  bestimmter  Richtung 
drei  Werthe,  die  aber  nicht  immer  reell  zu  sein  brauchen«  Wenn 
der  Körper  nicht  homogen  ist,  so  ändern  sich  die  Differential- 
gleichungen nicht  nur  dadurch,  dafs  die  Coefficienten,  die  constant 
waren,  Functionen  der  Coordinaten  werden;  es  treten  in  ihnen 
auch  noch  Glieder  auf,  welche  die  ersten  Differentialquotienten 
der  Verrückun^en  enthalten;  den  Gleichungen  wird  dann  im  All- 
gemeinen nicht  mehr  durch  die  Annahme  ebener  Wellen  genügt 
werden  können.  Ein  Körper  ist  in  der  Nähe  seiner  Oberfläche, 
sei  diese  frei  oder  mit  einem  andern  Körper  in  Berührung,  wahr- 
scheinlich nicht  mehr  als  homogen  zu  betrachten;  der  Verfasser 
weist  auf  die  Wichtigkeit  dieser  Bemerkung  für  die  Theorie  der 
Reflexion  und  Brechung  des  Lichtes  hin.  Kf. 


W.  I M.  Rankine.     On  the  laws  of  elasticity.     Thomson  J.  1852. 
p.217-234i-. 

Diese  Arbeit  bildet  eine  Fortsetzung  derjenigen,  über  die 
in  den  Jahrgängen  1850,  51  p.  244*  berichtet  ist  Hr.  Rankinb 
zeigt  in  ihr  den  Zusammenhang  zwischen  seinen  Bezeichnungen 
und  den  von  Green  (Cambr.  Trans.  VII.)  und  Haughton  (Irish 
Trans.  XXI.  und  XXII.)  benutzten,  und  sucht  einen  neuen  Beweis 
mit  Hülfe  des  Princips  der  virtuellen  Geschwindigkeiten  für  die 
von  ihm  aufgestellten  Relationen  zu  geben,  durch  welche  die 
Zahl  der  Constanten  in  den  Gleichungen  des  Gleichgewichts  und 
der  Bewegung  eines  in  verschiedenen  Richtungen  verschieden 
elastischen  Körpers  auf  vier  reducirt  wird.  Kf. 


138  10.    Bktfüc^ät  fester  Kofper. 

6*Kiii€iifloFF.  üeber  die  GleichuogeD  des  Gleichgewichtes 
eines  elastischen  Körpers  bei  nicht  unendlich  kleinen  Ver- 
schiebungen seiner  Theile.      Wien.  Ber.  IX.  762- 773t. 

Der  Berichterstatter  hat  die  Differentialgleichungen  für  die 
Formänderung  aufgestellt^»  die  ein  in  verschiedenen  Richtungen 
gleich  elastischer  Körper  durch  äufsere  Kräfte  erfahrt ,  für  den 
Fall,  dafs  die  Theile  des  Körpers  Verschiebungen  von  endlicher 
Gröfse  erleiden.  Dieser  Fall  kann  eintreten,  ohne  dafs  die  Gränze 
der  vollkommenen  Elasticität  überschritten  wird,  sobald  eine 
Dimension  des  Körpers  sehr  klein  ist.  Man  gelangt  zu '  den 
Dififerentialgleichungen  am  leichtesten  durch  die  Entwicklung  der 
Gleicbgewichtsbedingung  für  einen  elastischen  Körper,  die  in  dem 
Jahrgange  dieses  Berichtes  für  1848.  p.  93*  angegeben  ist      Kf. 


A.  T.  KupppER.  Recherches  sur  l'^lasticit^.  Compte-rendo  anauel 
du  directeur  de  lobservatoire  physiqoe  central  de  Russie.  Annee 
1851.  p.l-llt- 
Hr.  KupFFER  theilt  einige  Resultate  mit,  die  er  bei  Versuchen 
mit  den  im  Berichte  für  1850,  51.  p.  237*  erwähnten  Apparaten 
gewonnen  hat,  indem  er  sich  aber  die  genaue  Beschreibung  der 
Versuche  vorbehält.  Für  einen  Messingdraht  von  ungefähr  15  Fuls 
Länge  und  0,1  Zoll  Radius  fand  er  den  Elasticitätscoefficienten 
bei  Zugrundelegung  der  Theorie  von  Poisson:  durch  Beobach- 
tung der  Dauer  der  Torsionsschwingungen  9550,  durch  Beob- 
achtung der  Dehnung  10815,  durch  Beobachtung  der  Biegung 
10706.  Für  einen  Eisendraht  von  ungefähr  denselben  Dimensio* 
nen  gab  die  Beobachtung  der  Dauer  der  Torsionsschwingungen 
den  Elasticitätscoefficienten  18480,  die  Beobachtung  der  Biegung 
19280.  Diesen  Zahlenangaben  liegt  als  Einheit  des  Gewichts 
ein  Kilogramm,  als  Einheit  der  Fläche  ein  Quadratmillimeter  zu 
Grunde,  und  unter  dem  ElasticitätscoefGcienten  ist,  wie  gewöhn- 
lich, der  Quotient  verstanden  aus  der  Dilatation,  die  der  Draht 
durch  einen  Zug  erleidet,  in  den  auf  die  Einheit  des  Querschnitts 
reducirlen  Zug.  In  dem  Originale  ist  dem  Worte  Elasticitäts- 
coefficient  eine  andere  Bedeutung  untergelegt,  und  andere  Ein- 


KiACHBonr.^  JCvnrtaA.  |3g 

heften  sind  benutxl.  Streifen >  die  aus  einem  EisenMeche  ge* 
schnitten  waren,  ergaben  verschiedene  Werthe  des  ElasliciUts- 
coefficienten»  und  zwar  Streifen,  deren  Richtung  mit  derjenigen 
zusammenfiel »  in  der  das  Blech  zwischen  den  Cylindern  des 
Walzwerkes  hindurchgegangen  war,  kleinere  als  Streifen,  deren 
Richtung  senkrecht  zu  dieser  war.  Bei  dem  zu  Anfange  er- 
wähnten Messingdrahte  ergab  sich  der  aus  der  Dauer  der  Tor- 
sionsschwingungen berechnete  Elasticitätscoefficient  kleiner,  wenn 
die»  Spannung  des  Drahtes  durch  ein  hinzugefügtes  Gewicht 
verftöfsert  war;  ein  Gewicht  von  200  Pfund  verkleinerte  den 
£lasticitälscoefficienten  im  Verhältnifs  von  1,00178  zu  1. 

Um  den  EinfluÜB  des  Luftwiderstandes  auf  die  Torsions- 
schwingungen zu  untersuchen,  liefs  Hr.  Kupffer  einen  Draht  von 
55  Zoll  Länge  diese  in  einem  fast  luftleeren  Räume  voUführenu 
Die  Amplituden  nahmen  auch  hier  ab,  wenn  auch  weniger  schnell 
als  in  der  Luft;  die  Schwingungsdauer  war  merklich  kürzer  als 
in  der  Luft.  Die  Abnahme  der  Amplituden  geschah  in  der  Luft 
und  im  Vacuum  nach  dem  Gesetze,  nach  dem  das  Verhältnils 
zweier  auf  einander  folgenden  Schwingungsbögen  unabhängig  von 
der  Gröfse  derselben  ist.  Bei  einem  Versuche,  bei  dem  die 
Schwingungsdauer  ungefähr  95  Secunden  betrug,  die  Amplitude 
anfangs  etwa  25®  war  und  bis  auf  etwa  10®  sank,  nahm  die 
Amplitude  in  der  Zeit  von  50  Schwingungjen  im  Vacuum  um 
etwa  i,  in  der  Luft  um  )  ab.  Die  auf  unendlich  kleine  Bogen 
reducirie  Schwingungsdauer  war  in  der  Luft  um  0,75  Secunde 
grölser  als  im  Vacuum.  Die  Reduction  der  Sehwmgongsdauer 
auf  unendlich  kleine  Bögen  ergab  sich  der  Amplitude  proportio- 
nal; sie  betrug  für  feden  Grad  der  Amplitude  im  Vacuum  0^0119, 
in  der  Luft  0,00835  Secunde.  Nach  einer  früheren  Angabe  des 
Hrn.  KuPFFBR  ^)  sollte  die  Reduction  der  Schwingungsdauer  auf 
unendlich  kleine  Bdgen  proportional  mit  der  Quadratwurzel  aus 
der  Amplitude  sein.  Mf. 

')  Berl.  Ben  1848.  p.  92\ 


440  10.    Elasticität  fetter  KSrper. 

A.  W.  NAPiERdKY.  Beobacbtangeo  ober  die  Elasticität  der  Me- 
talle. Poes.  Ann.  Erg.  III.  351-373t. 
Hr.  Napiersky  hat  nach  der  von  Kupffer  angewendeten  Me- 
thode, durch  Beobachtung  der  Dauer  der  Torsionsschwingungen, 
die  Elasticitätseoefficienten  einiger  Drähte  bestimmt  Die  Drähte 
hatten  eine  Länge  von  ungePähr  52  Zoll,  und  einen  Radius  von 
etwa  0,03  Zoll.  Setzt  man  als  Einheit  des  Gewichts  ein  Kilo« 
gramm,  als  Einheit  der  Fläche  ein  Quadratmillimeter  fest,  so  sind 
die  Resultate  des  Verfassers  die  folgenden:  der  Elasticitätscoeffi- 
cient  bei  einer  Temperatur  von  ISJ^R.  ist 

für  Eisendraht ....    19122 

-  Messingdraht  .    .    .      8641 

-  Silberdrahl      .    .    .      6345. 

Die  Reduction  der  Schwingungsdauer  auf  unendlich  kleine  Bö- 
gen wurde  nach  der  früher  von  Kuppfer  gemachten  Angabe 
proportional  mit  der  Quadratwurzel  der  Amplitude  angenommen; 
durch  diese  Annahme  wurden  die  Beobachtungen  in  befriedigen* 
der  Weise  dargestellt.  Der  Einflufs  der  Luft  auf  die  Schwin- 
gungsdauer ist  nicht  berücksichtigt.  Kf. 


MoNTiGNY.     Proc^d^  pour  rendre  perceptibles  et  pour  compter 
les  vibrations .  d*une  tige  ^lasliqae.     Bull.  d.  Bmx.  XIX.  i. 

p.  227-250  (CI.  d.  sc.  1852.  p.  119-142);   Io»t.  1852.  p.  216-220, 
268-268;  Pooe.  Ann.  LXXXIX.  102-121t;  Z.  S.  f.  Naturw.  II.  41-42. 

Hr.  MoNTiGNY  hat  auf  folgende  Weise  Versuche  angestellt 
An  die  verticale  Axe  einer  durch  ein  Raderwerk  und  ein  herab* 
sinkendes  Gewicht  in  Bewegung  zu  setzenden  Rotationsmaschine 
befestigte  er  horizontal  einen  Stahlstab  mit  seinem  einen  Ende; 
an  einem  passenden  Orte  brachte  er  ein  MetallstUck  an  so,  dafs 
der  Stab  mit  seinem  andern  Ende  von  demselben  bei  jeder  Um* 
drehung  einen  Stofs  empfing,  wenn  die  Maschine  in  Wirksamkeit 
gesetzt  war.  Die  Schwingungen,  in  denen  der  Stab  auf  diese 
Weise  erhalten  wurde,  bewirkten  in  Verbindupg  mit  der  Rota- 
tion, wenn  diese  hinlänglich  schnell  war,  dafs  eine  gewisse  An- 
zahl von  Bildern  des  Stabes  erschienen,  die  um  gleiche  Winkel 


Napibaskt.    Momti#mt.   Philufs,  144 

von  dnander  abstanden«  Aus  der  Zahl  dieser  BUder  und  der 
Dauer  einer  Umdrehung  konnte  auf  die  Dauer  einer  Schwingung 
geschlossen  werden.  Vorausgesetzt  dafs  die  Umdrehungsgeschwin* 
digkeit  so  grofs  ist,  dafs  jedes  Theiiche^  des  Stabes  imm«:  in 
derselben  Richtung  sich  bewegt,  so  wird  ein  Bild  des  Stabes  da 
entstehen,  wo  die  Gesdiwindigkeit  seiner  Theilchen  ein  Minimum 
ist,  und  dieses  findet  statt  in  der  Mitte  jeder  rückwärts  gehen» 
den  Schwingung;  es  müssen  daher  so  viel  Bilder  wahrgenom-^ 
men  werden,  als  Doppeischwingungen  während  einer  Umdrehung 
geschehen.  Die  theoretischen  Gesetze  der  Schwingungen  elasti- 
scher Stäbe  bestätigten  sich  bei  diesen  Versuchen  so  gut,  als  es 
bei  der  beschränkten  Genauigkeit  der  letzteren  zu  erwarten  war, 
bei  denen  in  der  Zahl  der  Schwingungen  während  einer  Umdre- 
hung keine  Bruchtheiie  ermittelt  werden  konnten.  Kf. 


Phillips.  Memoire  coDcernant  les  ressorts  en  acier  employös 
dans  la  conslruction  des  v6hicules  qui  circulent  sur  les 
chemins  de  fer.     c.  R,  XXXIV.  226-235t. 

Der  Pariser  Akademie  ist  von  den  Herren  Poncblet,  Sbouibr 
und  CoMBBs  über  eine  Abhandlung  des  Hrn.  Phillips  über  die 
Stahlfedern  der  Eisenbahnwagen  ein  Bericht  erstattet,  in  Folge 
dessen  diese  in  den  Memoires  des  Savants  etrangers  erscheinen 
solL  Hr.  Phillips  hat  in  grofser  Allgemeinheit  auf  theoretischem 
Wege  die  Regeln  hergeleitet  für  die  Gestalt,  die  den  Federn  ge- 
geben werden  mufs,  damit  sie  bei  möglich  kleinstem  Gewichte 
gegebenen  Bedingungen  in  Beziehung  auf  Biegsamkeit  und  Wi- 
derstand genügen;  diese  Regeln  haben  sich  schon  bewährt  bei 
mehr  als  300  Federn,  welche  an  Wagen  angebracht  sind,  die 
auf  verschiedenen  Bahnen  Frankreichs  in  Bewegung  sich  be- 
finden. 

Bei  den  Versuchen,  welche  Hr.  Phillips  über  die  Biegung 
von  Stahliamellen  angestellt  hat,  und  denen  er  eine  groCse  Zahl 
verschiedener  Stahlsorten,  und  diese  bei  verschiedenen  Härte- 
graden, unterwarf,  ergab  sich  der  Elasticitätscoefficient  stets  zwi- 
schen 19000  und  21000  Kilogramm  für  einen  Quadratmillimeter 


44S  10.    EfaMtkitRt  fetter  Korper.    VoIiPKblu. 

GufssUhl,  welcher  gehätiet  und  angelassen  war,  wie  es  bei  den 
Federn  gewöhnlich  ist^  liefs  eine  Dilatation  von  4  bis  5  Tausend- 
stel zu,  oline  eine  bleibende  Veränderung  zu  erleiden;  der  unge- 
härtete Stahl  erfuhr  ^e  soldie  schon  bei  einer  Dilatation  von 
3  Tausendstel.  Bei  den  Versuchen  kommen  Fälle  vor,  in  denen 
Gufsstahllamellen  eine  Dilatation  von  7,  8  selbst  9^  Tausendstel 
ertragen  haben,  ohne  zu  brechen.  Kf. 


VoLPiCELLi.      Döterrainalioo    des    coefficients    de   r61asticil& 

Cotmos  I.  2l4-2l5t. 

Hr.  VoLPicELLi  soll  den  Satz  bewiesen  haben,  dafs,  wenn 
ein  elastischer  Körper  im  Fallen  auf  einen  andern  Körper  stöfst, 
die  Quadratwurzel  aus  dem  Verhältnifs  seiner  Fallhöhe  und  der 
Höhe,  zu  welcher  er  nach  dem  Slofse  emporsteigt,  seinem  Ela- 
sticitätscoeflicienten  gleich  ist.  Es  braucht  wohl  kaum  darauf 
hingewiesen  zu  werden,  dafs  dieser  Satz  keinen  Sinn  hat,  sobald 
man  dem  Worte  Elasticitätscoefficient  die  gewöhnliche  Bedeutung 
unterlegt;  dafs  man  vielmehr,  damit  der  Satz  richtig  sein  könne, 
unter  dem  Elasticitätscoefficienten  eines  Körpers  eine  Gröfse  ver- 
stehen mufs,  die,  aufser  von  seiner  Substanz,  abhängt  nicht  nur 
von  seiner  Gestalt,  sondern  auch  von  Substanz  und  Gestalt  des 
Körpers,  gegen  den  jener  stödst,  und  von  der  Art  des  Stofses. 

Kf, 


11.    YerändehHigeii  clet  ^ggregirtcagtandet.     Krcmbrs.,      448 


11.     Yerändeningeii  des  Aggregatiltistandeis. 


A.    Gefrieren,  Erstarren. 


B.     Schmelzen. 


C.      Auflösen. 

P.  Kbembrs.  lieber  den  ZusammeDhaog  des  specifischen  Ge- 
wichtes chemischer  Verbindungen  mit  ihrer  Auflöslichkeit, 
nebst  einer  daraus  abgeleiteten  Theorie  der  chemischen 
Wahlverwandtschaften.     Pogg.  Ann.  LXXXV.  37-57t,  246-262t. 

In  dem  Theile  dieser  Abhandlung,  welcher  hier  bu  berüek- 
sichügen  ist,  stellt  sich  Hr.  Krembrs  die  Aufgabe,  darzuthun, 

1)  daCs  das  Atom  eines  Salzes  desto  mehr  Wasser  zur  Auf- 
lösung gebraucht,  je  gröfser  sein  specifisches  Gewicht  ist; 

2)  dafs  umgekehrt  bei  der  Zersetzung  zweier  aufgelösten 
Salze  durch  doppelte  Wahlverwandtschaft,  wo  bekanntlich  we- 
nigftens  das  eine  der  entstehenden  Salze  mehr  Wasser  zur  Auf^ 
Josung  gebraucht  als  jedes  der  beiden  zerlegten,  wenigstens  eines 
der  entstehenden  Salze  auch  ein  gröfseres  specifisches  Gewicht  hat 
als  jedes  der  beiden  zerlegten,  und  dafs  die  Summe  der  speeifi- 
sehen  Gewichte  nach  der  Zerlegung  gröfser  ist  als  dieselbe  Summe 
vor  der  Zerlegung* 

Das  erste  Gesetz  soll  nicht  allgemein  gelten,  sondern  nur 
'  für  je  eine  Gruppe  zusammengehöriger  Salze,  für  die  schwefel- 
sauren Salze  der  leichten  Metalle,  für  die  schwefelsauren  Salze 
der  schweren  Metalle  — ,  für  die  Kalisalze,  für  die  Natronsalze 
u.  s.  w.  Von  beiden  Gesetzen  giebt  es  aber  ziemlich  viele  Aus- 
nahmen. Kr. 


444  11«    Yerliideruageii  des  Aggregatzastaodes. 

P.  Krbmers.  lieber  das  Krystalhvasser,  »ein  Verhältoifs  zur 
GoDStitutioQ  und  Löslicbkeit  der  Salze  uod^  sein  Verhalten 
bei  chemischen  Zersetzungen.    Pogg.  Ann.  LXXXVI.  375-403t. 

Hr.  Krbmers  weist  nach,  dafs  im  Allgemeinen  bei  Salzen, 
welche  viel  Krystallwasser  enthalten,  die  Löslichkeit  grofser  isl 
als  bei  denen,  welche  mit  wenig  oder  gar  keinem  Krystallwasser 
versehen  sind.  Kr. 


H.  LoBWBL.     Observations  sur  la   sursaturation   des  dissolu- 
lions  salines.    Troisieme  memoire,     c.  R.  XXXIV.  642-643f, 

XXXV.  219-220*;    Ann.  d.  chim.  (3)  XXXVII.  155-J80t;    Chem. 
C.  Bl.  1852.  p.  576-576*;  Arcb.  d.  Pharm.  (2)  LXXII.  305-306*. 

Hr.  LoEWEL  widerlegt  die  Ansicht  vop  Selmi  und  Goskynski  % 
w<mach  übersättigte  Glaubersalzlösungen  dadurch  zum  Krystalli* 
siren  gebracht  werden,  dafs  die  Luft  ihnen  Wasser  entzieht  In 
der  That  konnte  olt  Luft,  welche  durch  kaustisches  Kali  oder 
durch  Schwefelsäure  getrocknet  war,  stundenlang  durch  eine 
solche  übersättigte  Lösung  geleitet  werden,  ohne  daGs  die  Kry- 
stallisation  eintrat.  Hr.  Lobwel  machte  noch  die  merkwürdige 
Beobachtung,  daCs  die  gewöhnliche  Luft  nur  dadurch,  dais  sie 
durch  mehrere  trockne  Glasröhren  und  Flaschen  oder  durch 
Baum  Wolle  gegangen  war,  ihre.  Eigenschaft  die  Krystallisation 
hervorzurufen  verlor.  Hr.  Loewbl  schreibt  diesen  Erfolg  der 
Reibung  der  Luft  an  den  festen  Körpern  9su.  Kr. 


C.  Bbame.     Solubilit^  des  varietös  de  soufre  dites  insolubles 
dans  le  sulfure  de  carbone.    inst.  1852.  p.  2a-29t. 

Der  Verfasser  Iheilt  mit,  dais  alle  Modificationen  des  Schwe- 
fels, welche  bis  dahin  für  in  Schwefelkohlenstoff  unlöslich  galten, 
unter  einem  gewissen  Druck  in  dieser  Flüssigkeit  löslich  sind. 
Es  gelang  demselben  die  verschiedensten  Schwefelsorten  in  einer 

')  Berl.  Ber.  1850,  51.  p.272. 


sugeschffiolzenen  Glasröhre  in  Schwefelkohlenstoff  durch  Erwär«- 
mcn  und  Schütteln  zu  lösen.  So. 


C.  Bramb.     Sur  le  clivage   par  la  voie  humide,     inst.  1852. 

p.  232-232i-. 

Mit  deni  Namen  Spaltung  auf  nassem  Wege  bezeichnet  der 
Verfasser  eine  unvollständige  Auflösung  von  Krystallen,  welche 
auf  eine  beliebige  Weise  hergestellt  werden  kann,  durch  Mutter« 
laugen  >  durch  verdünnte  Säuren  u.  s.  w.;  jedoch  ist  es  noth* 
wendig  viel  weniger  Lösungsmittel  zu  verwenden,  als  zur  voll- 
ständigen  Lösung  der  Krystalle  erforderlich  ist.  Die  so  erhalte* 
nen  Krystalle  zeigen  entweder  die  primäre  Form  oder  auch 
besendere  Details  der  Krystallisation.  Der  Verfasser  stellte  auf 
diese  Weise  verschiedene  Krystalle  dar,  in  deren  Innern  die  pri- 
märe Form  ersichtlich  war.  So* 


D.     Condensation. 


E.     Absorption. 

Vertzkb.  Versuche  über  die  Absorptionsfähigkeit  der  Kno- 
chenkohle Tür  Zucker  und  Wasser.  Ekdmann  J.LVll.  332-335i; 
D1M6LBA  J.  CXXIX.  144-146*;  Polyt.  C.  BI.  1853.  p.  41-43'. 

Hr.  Vemtzkb  beschreibt  einige  Versuche ,  welche  beweisen, 
dafs  die  Knochenkohle  den  Gehalt  einer  Zuckerlösung  vefringert^ 
indem  sie  vorzugsweise  <  den  Zucker  absorbirt.  Ferner  theilt  er 
folgende  interessante  l£rscheinung  mit.  Wenn  man  sehr  fein« 
körnige,  etwa  60  Körner  per  Milligramm  enthaltende,  jedoch 
von  allem  Pulverigen  befreite,  höchst  wirksame  Kohle  in  grofsen 
Massen  und  in  gegen  Abkühlung  möglichst  geschützten  Gelaüsen 
mit  beinahe  kochendem  Wasser  auswäscht,  und  dann  dem  Was- 
ser eine  concentrirte  Rohzuckerlösung  von  etwa  1,3  specifiachem 
Gewicht  und  einer  Temperatur  von  85®  bis  95®  folgen  läfsl,   so 

Fortsctar.  d.  Pbys.  ViU.  10 


146  ^1«     Veränderungett  de*  Aggregat«ü»tande«. 

triU  eine  so  bedeutende  EfhiUiing  ein,  dofs  eine  Explosion  da- 
von die  Folge  ist.  '^»'* 


CfliozzA.     Coodensation    des    gaz  a  la  surface    des  corps 
solides.     C08IDO8  I.  21 4-21 4t. 

Der  Verfasser  hal  vermiUeist  eines  von  ihm  construirten 
complicirlen  Apparates  gefunden,  dafs  317517  Quadratmillime* 
ter  Glasoberfläche  ungefähr  5  Cubicmillimeter  Kohlensäure  bei 
15*  C.  condensiren.  So- 


F.  EbfcTBT.  Quelle  est  la  substance  chimiqae  qoi  d6termioe 
Tabsorption  de  Toxygene  contenu  dans  le  sang,  et  cöm- 
ment  on  peut  expliqu^r  la  coloradon  de  ce  liquide. 
C.  R.  XXXIV.  410-41  Jt;  Chem.  C.  BI.  1852.  p. 288-288;  Arch.  d. 
Pharm.  (2)  LXXII.  75-75. 

Der  Verfasser  erwähnt  zuerst  eine  von  Libbig  mitgetheilte 
Ansicht,  dafs  der  in  dem  Blute  enthaltene  Sauerstoff  in  dem- 
selben durch  die  vorhandenen  Salze  chemisch  gebunden  und 
nicht  in  dem  Zustande  einer  blofsen  Auflösung  sei,  ohne  jedoch 
weder  die  chemische  Verbindung,  noch  das  sie  bedingende  Salz 
näher  zu  bezeichnen. 

Dieses  erinnerte  ihn  an  eine  früher  von  ihm  gemachte 
Beobachtung,  dafs  das  Rhodanammonium  und  das  Rhodankalium 
durch  Wasserstofisuperoxyd  carminroth  gefärbt  wird,  dafs  diese 
rothe  Verbindung  in  Aether  löslich  ist  und  durch  Erwärmen 
unter  Sauerstoffentwicklung  sich  wieder  entfärbt,  wodurch  er  zu 
der  Meinung  geführt  wird,  dafs  das  Blut  der  Gegenwart  von 
Rhodanverbindungen  seine  Verwandtschaft  zum  Sauerstoff  und 
seine  Färbung  wenigstens  zum  Theil  verdanke.  Nach  dieser 
Meinung  wird  der  von  den  Lungen  absorbirte  Sauerstoff  von 
den  in  dem  Blute  enthaltenen  Salzen  besonders  von  den  in  dem 
thierisehen  Organismus  häufig  vorkommenden  Rhodanverbindun- 
gen aufgelöst  und  von  diesen  in  den  Capillargefafsen  an  den 
Kohlenstoff  und  Wasserstoff  zur  Oxydation  derselben  übertragen. 


.  Cmösia.    HiTKT.   Pohl.   Stautl«.  f  47 

Sehiieblich  triii  er  nodi  der  Meinung»  dab  das>  Eiaenrhodi^ 
nid  die  ßrbende  Ursache  des  Blutes  sei^  mit  der  Betrachtung 
entgegen,  dafs  nur  Eisenoxydverbindungen  durch  Rhodanalkalien 
roth  gefärbt  werden,  dafs  aber  in  dein  thierischen  Organismus 
durch  die  reducirenden  Einflüsse  desselben  nur  Eisenoxydul  vor- 
komme. So. 


F.     Sieden,  Verdampfen. 
].  J.  PoBL.     Nachtrag  zur   thermoaräometrischen   Bierprobe 

Wieo.  Ber.  VIII.  165-I70t;  Wien.  Denksdir.  IV.  2.  p.  141-152. 

Der  Verfasser  sucht  die  gegen  seine  früher  in  den  Denk- 
schriften der  kais.  Akademie  der  Wissenschaften  II.  2.  p.  34  mit- 
getheilte  Bierprobe  erhobenen  Bedenken,  dafs  damit  kein  hin- 
reichend genaues  Resultat  erhalten  werde,  su  beseitigen.  Der 
Haupteinwurf  dagegen  bestand  darin,  dafs  bei  der  Ermittelung 
des  Siedepunktes  der  Biere  0,2  —  0,8  Procent  Alkohol  verloren 
ginge,  wodurch  die  Fundamentalbestimmung  unrichtig  werde. 
Es  wurden  nun  genaue  Versuche  mit  Flüssigkeiten  von  12  Ge- 
wichtsprocent Alkohol  mit  denselben  Apparaten  und  unter  den- 
selben Umständen  wie  bei  einer  Fundamentalbestimmung  ange- 
stellt, und  der  mittlere  Alkoholverlust  =:  0,067  Procent  gefunden, 
woraus  folgt,  dafs  derselbe  bei  geringerm  Alkoholgehalt  noch 
unbedeutender  werden  müsse,  was  bei  den  meisten  Proben  der 
Fall  ist.  So. 


G.    LEiDBNFROST^scher  Versuch. 

F.  Strbhlkr.  Zum  LEiDENFROST*schen  Versuch.  Jahresber.  d. 
naturw.  Ver.  in  Halle  1852.  p.  97-97*;  Fbchhkr  C.  Bl.  1853. 
p.  285 -285t. 

Hr.  Strbhlkb  theilt  folgendes  Experiment  mit.  Man  ver- 
setzt einen  Tropfen  auf  dem  umgekehrten  Deckel  eines  kleinen 
Platifitiegek  in  den  sphäroidalen  Zustand,   .md  bläst  mit,  dem 

10  ♦ 


448        11*   VerAnderuogen  des  AggregaEtioiitaiMieB.    Polsck. 

Lotbrohr  horitontal  gegen  den  Rand  des  Deckels.  Der  Tropfen 
gerath  dann  in  so  schnelle  Rotalion>  dafs  er  ganz  verschwindel, 
so  lange  der  Luftsirom  dauert  Kr* 


PoLBCK.    Deber  das  Yeriialten  von  Flassigkeiten  gegen  stark 

erhitzte  Körpen     Jahresber.  d.  schles.  Ges.  1852.  p.27-29f. 

Hr.  Poleck  erörtert  die  nieisten  bis  jetzt  bekannt  gewor- 
denen Modilicationen  des  LEiDSNFROST'schen  Versuchs  und  die 
Bedeutung  desselben  iur  Technik  und  Geologie.  Kr. 


Zweiter  Abschnitt 

Akustik. 


19.    Theorie  der  Akustik,  Phänomene 
und  Apparate. 


M.  W.  Drobiscu.  Uobcr  fnusikalische  ToDbestimmuDg  und 
Temperatur.  Abh.  d.  Leipz.  Ges,  IV.  l-120t;  Pogg.  Ann.  XC. 
353-389t;  Fbchwer  C.  BJ,  1854.  p.  297-310. 

Nachdem  der  Verfasser  gezeigt  hat,  dafs  sich  aus  den  sieben 
Tönen  der  C-Dur -Tonleiter  und  ihren  Erhöhungen  und  Vertie- 
fungen nur  eine  einzige  reine  Dur-  und  eine  einzige  reine  Moll* 
Tonleiter  bilden  läfst,  stellt  er  sich  die  Aufgabe,  diejenige  Tem- 
peratur zu  finden,  welche  für  alle  Tonarten  der  beiden  Geschlechter 
gleiche  Ton  Verhältnisse  liefert,  und  der  Bedingung  der  Reinheit 
am  nächsten  kommt. 

Zu  diesem  Zweck  begründet  er  die  EuLER'sche  Messung  der 

V 
Intervalle  in  folgender  Weise.    Ist  —  das  Schwingungsverhältnifs 

—j  das  Schwingungsverhältnifs  des 
fifachen  Intervalls.  Wird  daher  das  Maafs  eines  Intervalls  durch 
ff — ^   bezeichnet,    so    ist    das    Maafs    des    n fachen   Intervalls 

nf(J^)  =  {(-jj,  woraus  folgt  f(-j)  =  log(y)    Es  ist  da- 

her  der  Logarithmus  des  Schwingungsverhältnisses  das  Maafs  des 
Intervalls.    Nimmt  man  die  Octave  zur  Einheit  an,   so  ist  der 


Werlh  des  Intervalls 


log  2 


152  ^^-    Akustik. 

Um  nun  der  Bedingung  zu  genügen»  dafs  alle  Tonarien  des- 
selben Geschlechts  gleiche  Ton  Verhältnisse  haben,  ist  es  nolh- 
wendig  und  hinreichend,  dafs  die  in  der  Dur -Tonleiter  vorkom- 
menden fünf  ganzen  und  zwei  halben  Töne  unter  einander  gleich 
sind.  Alsdann  lassen  sich  alle  Intervalle  durch  eines  derselben 
ausdrücken.  Wählen  wir  mit  dem  Verfasser  die  0">n^«>  ""^ 
bezeichnen  das  Schwingungsverhältnifs  derselben  durch  0>  so  ist 
das  Schwingungsverhältnifs 

der  groben  Secunde      •    .    —  "T' 

Q* 
der  grolsen  Terz  .  ^  .     .    .     =  — , 

2 
der  Quarte ~  "O ' 

der  Quinte =  !?> 

der  grofsen  Sexte      .    .    .    ==  "T» 

0* 

der  grofsen  Septime  •    •    •    =  x> 

woraus  sich  die  erhöhten  und  erniedrigten  Intervalle  durch  Auf- 
steigen  und  Absteigen  um  j^  ergeben. 

Soll  die  Octave  die  üblichen  12  Töne  enthalten^  so  Tallt  die 
übermä&ige  Septime  oder  dreifache  Terz  mit  der  Octave  zusam- 
men. Es  ist  also  (x)'=  -fr  =  ^^i  ®^®'"  ^  =  '^^^  =  ^'^' 
Man  erhält  also  nur  einen  VVerth  für  Q^  und  es  ist  nur  eine 
Temperatur  möglicn« 

Nimmt  man  aber  einen  Unterschied  der  enharmonischen 
Töne  und  demgemäfs  innerhalb  der  Octave  21  Töne  an,  so  ist 
der  Werth  von  Q  willkürlich,  und  es  giebt  unzählig  viele  Tem- 
peraturen. Um  unter  diesen  Temperaturen  diejenige  zu  finden, 
welche  für  jede  Tonart  die  am  wenigsten  unreinen  Intervalle  lie- 
fert, stellt  Hr.  Drobisch  die  Bedingung  auf,  dafs  die  Summe  der 
Quadrate  der  Abweichungen  der  einfachen  Intervalle  (durch  ihr 
logarithmisches  Maafs  gemessen)  von  den  entsprechenden  reinen 
Intervallen  ein  Minimum  sein  soll.  Da  die  Quarte  die  Umkebrung 
der  Quinte  ist,  so  hat  man  nur  die  Secunde,  Terz,  Quinte,  Sexte 


DiaoBiscH.  153 

UBd  Septime  tu  berücksichtigen.     Bezeichnen  wir,  die  Octave 

zur  Einheit  angenommen»  ihre  Maabe  respective  durch  dy  e^  g^  n,  h^ 

80  ist 

^_Jog*.     ^_!?Ki.    ^-l!^.     a  =  l^-    A  =  ^!5S-X 
^==top'    """"i^'    ^""SP'    ''legi'    '^       log2- 

Die  obigen  Ausdrficke  für  die  entsprechenden  temperirten  Inicr« 

valle  geben  dagegen,  wenn    .  ^  ^  =  7, 

29—1;        49— 2;        7;        3i/— 1;        07-2. 
Man  hat  daher  die  Gleichung 
(rf-27+l)«+(l^-4fl+2)«+(y-7)•+(a-37+l)•+  (A-^7+2)*  =  Mi- 

nimum , 
oder 

2(rf-27+l)+4((^-47+2)+(l^.7)+3(o-37+l)+5(Ä-57+2)  =  0; 
mithin 

_  23+2i/+4.+g+3a+5A  _   ^^    2-      ^  q  58 1054  1  • 
7 55 55iog2        "''^^^^  I, 

und 

i^)    =1,4959400. 

Verwandelt  man  7  in  einen  Keitenbruch,  so  sind  die  Näherungs- 
werthe 

i,  *,  4,  tV  «,  41» 
mit  den  Zwischenwerthen  4|  und  ||.  Der  Näherungswerth  ^^ 
ist  das  Maafs  der  Quinte  für  die  gewöhnliche  gieichschwebende 
Temperatur»  welche  demnach  weniger  reine  Intervalle  liefert»  als 
die  folgenden  Näherungswerthe.  Für  ^^  ist  die  Summe  der 
Quadrate  der  Fehler  0,000408  9»  für  ff  ist  sie  0,000122  5. 

Wir  erwähnen  noch,  daCs  Hr.  Drobisch  in  der  zuerst  ge- 
nannten Abhandlung  durch  Vergleichung  der  Schwingungszahlen 
des  Lichts  sowohl  nach  den  FRBSNEL'schen  als  den  Hbrschel'* 
sehen  Bestimmungen  folgendes  Resultat  findet: 

Die  Cubi  der  relativen  Schwingungszahlen  der 
Strahlen,  welche  dem  äufsersten  Roth,  den  Gränzen 
von  Roth  und  Orange,  Orange  und  Gelb,  Gelb  und  Grün, 
Grün  und  Blau»  Blau  und  Indigo,  Indigo  und  Violett» 
endlich  dem  äufsersten  Indigo  angehören»  sind  gleich 


^154  ^^'     Aku«Hk. 

den  Quadraten  der  relativen  Schwingungszahlen  der 
reinen  Priine,  grofsen  Secunde,  kleinen  Ters,  Quarte, 
Quinte,  grofsen  Sexte,  kleinen  Seplin^e  und  üclave; 
oder,  was  dasselbe  sagt:  die  Cubi  der  absoluten  Schwin- 
gungszahlen der  bezeichneten  Farbenstrahlen  sind  den 
Quadraten  der  absoluten  Schwingungszahlen  der  ge- 
nannten Töne  proportional»  Rb. 


F.  W.  Opelt.  Allgemeine^  Theorie  der  Musik,  auf  den  Rhyth- 
mus der  Rlangwellenpulse  gegründet,  und  durch  neue 
Versinnlichungsmiüel  erläutert.     Leipzig  I852t. 

Die  gedachte  Schrift  gehört  dem  gröfseren  Theile  ihres  In- 
haltes nach  nicht  in  den  Bereich  dieser  Berichte,  in  so  fem  sie 
die  bekannten  Grundlehren  der  Akustik  in  äufserst  klarer  und 
fafsHcher  Weise  der  Theorie  der  Musik  zu  Grunde  legt.  Die 
Versinnlichungsmittel  aber,  welche  in  derselben  beigebracht  sind, 
verdienen  hier  genauer  besprochen  zu  werden.  Bekanntlich 
ist  die  Lochsirene,  welche  mehrere  Töne,  die  in  bestimmten 
Intervallen  zu  einander  stehen,  kurz  hinter  einander  durch  An- 
blasen hervor  zu  bringen  gestattet,  von  Hrn.  Opelt  in  seiner 
Schrift:  über  die  Natur  der  Musik,  Plauen  1834  beschrieben  wor» 
den,  ehe  Sbebeck  die  Einrichtung  des  von  ihm  benutzten  ganz 
ähnlichen  Apparates  angab.')  Man  hörte  indefs  von  vielen  Sei- 
ten klagen  über  den  leisen  Ton,  welchen  diese  Vorrichtungen 
erzeugen,  und  welcher  sie  zu  Vorlesungsapparaten  untauglich 
macht.  Die  metallene  Lochsirene  nach  Dovb's  Vorschlag*)  giebt 
zu  einem  solchen  Vorwurf  gewifs  nicht  Gelegenheit;  sie  kann 
aber,  ohne  ein  sehr  unförmliches  Instrument  zu  werden,  immer 
nur  zur  Erzeugung  weniger  Töne  dienen.  Die  in  der  gegen- 
wärtigen Schrift  von  Hrn.  Opelt  angegebene  Sirene,  von  wel- 
cher ich  durch  die  Freundlichkeit  des  Verfassers  ein  Exemplar 
besitze,  erlaubt  eine  ungemeine  Mannigfaltigkeit  der  Tonbildung. 
Zunächst  sind  in  zwölf  concenlrischen  Kreisen  in  eine  Pappscheibe, 

')  Poee.  Ann.  Llll.  4]7\ 

'j  Po«s.  Ana.  LXXXil.  596^  BerL  Ber.  1850,  5J.  p.  311. 


OptLT.  <55 

die  sich  an  einem  einfachen  Gestell  durch  eine  Kurbel  leicht  in 
gleicMormige  Drehung  verseUen  iäfst,  Löcherreihen  mit  den 
LMhzahlen  6,  9,  12,  15,  18,  24,  30,  36,  48,  60,  72  und  96  ge* 
schlagen,  die  also  beim  Anblasen  mit  einer  Federspule  (stati 
deren  ich  lieber  eine  spitze  Glasröhre  mit  einem  Kautschukmund- 
stück  nehme)  die  Töne  T,  G,  c,  e,  jf,  Cj,  c,,  ^j,  c,,  f,,  y,,  e, 
angeben.  Die  folgenden  fünf  Kreise  geben  die  Rhythmen  {,  |^ 
h  if  h  indem  auf  der  ersten  Reihe  4.ii,  und  gleichzeitig  von 
demselben  Punkte  aus  5.ii,  auf  der  zweiten  ebenso  3«ri  und  4.m 
Löcher  angebracht  sind  u.  s.  f.  Die  18.  und  19.  Reihe  enthalten 
in  ähnlicher  Weise  die  Löchei-zahlen  3,  4,  5,  6  und  4,  5,  6,  8, 
geben  also  beim  Anblasen  den  Quartsextenaccord  und  den  Dur« 
dreiklang  an;  in  den  vier  äufsersten  Kreisen  sind  die  Zahlen 
3,  4y  5  und  4,  5,  6  und  deren  Verdoppelungen  enthalten.  Der 
Ton  dieser  Sirene  ist  laut  genug,  um  ihn  an  jedem  Theile  des 
grofsen  physikalischen  Hörsaales  der  Berliner  Universität  zu  ver- 
nehmen; interessant  ist  dabei  noch  das  helle  Mitklingen  der  Com- 
binationstöne.  Nach  einer  brieflichen  Mitlheilung  hat  Hr.  Op£Lt 
das  Theilen  der  Kreise,  das  sonst  an  jedem  Apparat  einzeln 
gemacht  wurde,  dadurch  vermieden,  dafs  er  den  Auftrag  zu  der 
lithographischen  Ausführung  einer  Zeichnung  gegeben  hat  Die 
Herstellung  einer  Platte  von  entsprechender  Gröfse  in  Metall 
wurde  gewifs  höchst  wünschenswerth  sein,  man  mufste  aber  für 
ein  sehr  genaues  Aequilibriren  derselben  Sorge  tragen,  ,da  schon 
bei  der  Pappscheibe  leicht  ein  heftiges  Schwanken  und  Schwia- 
gen  eintritt. 

Die  andere  Versinnlichung  wird  durch  die  Einführung  der 
Logarithmen  gegeben.  Der  Vergleich  zweier  Verhältnisse  ist 
unserer  Vorstellung  nicht  so  unmittelbar  zur  Hand  wie  der  Ver- 
gleich zweier  Differenzen,  und  da  die  Logarithmen  die  ersteren 
in  die  letzteren  verwandeln,  so  gewähren  sie  eine  groüse  Be- 
<]uemlichkeit.  Am  geeignetsten  sind  die  Logarithmen,  deren  Basis 
=  2  ist,  weil  dann  der  Logarithmus  der  Octav  =:  1  wird,  und 
sich  alle  Töne  der  Octav  in  Theilen  dieser  Einheit  darstellen. 
Man  erhält  nun  einen  sehr  klaren  Ueberblick  über  den  Gang  der 
Tonstufen,  wenn  man  denselben  graphisch  durch  eine  logarith- 
mische Curve  darstellt,  oder  noch  besser,  wenn  man  diese  Curve 


456  12-     Akustik. 

um  einen  geraden  Cylinder  umlegt,  so  dafs  die  Abscissenfinie  sieh 
immer  wieder  um  die  Peripherie  des  Grundkreises  schlingt. 
Verlängert  man  die  Ordinale  irgend  einer  Stelle,  so  tri&l  man 
die  Curve  zu  wiederholten  Malen,  und  zwar  an  der  Stelle, 
welche  den  Logarithmen  der  Schwingungszahlen  desselben  Tones 
in  der  zweiten,  dritten  u.  s.  w.  Oclave  entspricht.  Es  ist  wohl 
ohne  weitere  Erörterung  begreiflich,  dafs  man  durch  ganz  ein« 
fache  Constructionen  an  einer  solchen  Tonsäule  übersichtlicher 
den  Zusammenhang  der  Töne  darzustellen  vermag  als  durch 
Rechnung.  Auch  das  Verhäitnifs  zwischen  Saitenlänge,  Saiten* 
dicke  und  Tonhöhe  iäfst  sich  aus  der  Toncurve  unmittelbar  über- 
sehen. Dies  Wenige  mag  genügen,  um  einen  weiteren  Blick 
in  die  OpBLT'sche  Schrift  Akustikern  wie  Musikern  dringend  zu 
empfehlen.  Bz. 


C.  SoNOOAOss.  Uebcr  die  Refraction  des  Schalles.  Pooe.  Aon. 
LXXXV.  378-384t;  Aon.  d.  cliiin.  (3)  XXXV.  505-508;  Phil.  Mag, 
(4)  V.  73-77;  Arch.  d.  sc.  pliy«.  XXII.  261-262;  Cosmos  I.  143-144. 

Hr.  SoNDHAUss  üefs  einen  grofsen  Collodiumballon  anfertigen, 
aus  welchem  zwei  Segmente  ausgeschnitten  und  über  die  beiden 
offnen  Seiten  eines  cylindrischen  Blechreifen  von  111^  Durch- 
messer und  2^''  Breite  gebunden  wurden. 

Der  so*  erhaltene  linsenförmige  Körper  wurde  sodann  mit 
Kohlensäure  dergestalt  gefüllt,  da(s  die  CoUodiumhäute  straff  ge* 
spannt  und  hervorgewölbt  waren.  Eine  Taschenuhr  in  der  Axe 
der  Linse  und  4—5'  vor  derselben  aufgehängt,  liefs  hinter  der 
Linse  etwa  in  einer  Entfernung  von  ly  das  Ticken  am  deut<- 
liebsten  vernehmen.  Benutzte  man  eine  Orgelpfeife  ab  Schall- 
quelle, so  wurde  eine  zarte  Membran  in  der  Gegend  der  Vereini« 
gungsweite  zum  Erzittern  gebracht.  Nach  verschiedenen  angestell- 
ten Versuchen  betrug  letztere  für  parallel  einfallende  Schallstrahlen 
nicht  viel  über  einen  Fufs. 

Nimmt  man  nach  Dulong  die  Schallgeschwindigkeit  in  der  Luft 
zu  333»,  in  Kohlensäure  zu  261^&»  an,  und  betrachtet  das  Verhält- 
nifs  derselben  n  s  1/272  als  Brechungsexponenten  der  Kohlen- 
jsäurelinse,  so  ergiebt  sich,  da  die  beiden  sphärischen  CoUodium- 


SONDHAIIM.     S ISMITZ.  i|  5  7 

haalcben  elwa  8,5"  Radius  htilten,  nuch  der  bekannten  für  Glas- 
linsen gültigen  Formel  -^  =  (w — ^)C7J"H J  <"^  Vereiniguiigs- 

weile  fssz  Ibfi^f  also  etwas  zu  grofs.  Bei  einem  Brechungs- 
verhällnifs  von  n  =  1,33«3  wäre  /'=:  12,7'';  diefs  stimmte  also 
mit  den  Versuchen  besser  überein.  V. 


E.  Segritz,    lieber  den  Einflurs  der  Bewegung  auf  die  Inten- 
sität des  Schalles,     poee.  Ann.  LXXXV.  384-388t. 

Doppler  hatte  für  die  Intensität  eines  Tones,  wenn  die  Ton- 
quelle,  der  Beobachter  oder  die  Luft  sich  bewegen,  eine  Formel 
aufgestellt,  welche  bereits  in  den  früheren  Jahresberichten  als 
unrichtig  bezeichnet  wurde.  ^)  Hr.  Segnitz  giebt  nun  die  rich- 
tige Berechnungsweise  in  folgender  Herleitung. 

Wenn  Beobachter  und  Tonquelle  ruhen  und  nur  die  Luft  in 
Bewegung  ist,  sei  A  der  Ort  der  Tonquelle,  B  der  Ort  des 
Beobachters,  C  der  Mittelpunkt  der  mit  der  Luft  fortgetragenen 
Schallwelle  in  dem  Moment,  in  welchem  sie  das  Ohr  des  Beob- 
achters erreicht  Bezeichnen  wir  die  den  Winkeln  A^  ßy  C  des 
Dreiecks  ABC  gegenüber  liegenden  Seiten  respective  durch 
o,  by  c,  die  Intensität  des  wahrgenommenen  Tones  durch  «/,  die 
Intensität  des  Tones,  wenn  keine  Bewegung  stattrdnde,  durch  i, 
und  setzen  die  Intensitäten  umgekehrt  proportional  den  Quadra* 
ten  der  Radien  der  Schallwellen,  so  ist 

Ist  die  Geschwindigkeit  der  Luft  geringer  als  die  Geschwin- 
digkeit des  Schalls,  so  ist  &<c,  also  B<.-^y  und  dann 
c  =  &  cos  -4-f  /(«* — Ä*  «in*  J),  mitliin 

J=(l-co8j+|/[l-^8in«j]y.,-. 
oder,  wenn  wir  — ,  das  Verhältnifs  der  Geschwindigkeit  der  Luft 
•)  Berl.  Ber.  1846.  p.  128,  1850,  51.  p.299. 


458  12.     Aktntik. 

SU  der  des  Schalls^  gleich  u  setzeiii 

J  =  (neos  J-f/[l— tt»8in»J])*.t. 
Wenn  der  Luflstrom   den   Mittelpunkt   der  Schallwelle  in  der 
Richtung  von  A  nach  ß  dem  Beobachter  EuTührt,  so  ist  A  ^  0, 
und 

Hat  der  Luftstroui  die  entgegengesetzte  Richtung,  so  ist  A  ^  n, 

und 

J=  (l—u)\i. 

Die  Bewegung  des  Beobachters  hat  auf  die  Intensität  keinen 
Cinflufsy  wenn  man  unter  B  den  Ort  desselben  versteht  in  dem 
Moment,  in  welchem  ihn  der  Schall  trifft. 

Auch  die  Bewegung  der  Tonquelle  ist  ohne  Einflufs  auf  die 
Intensität,  wenn  man  sie  auf  den  Ort  des  tönendc^p  Körpers  be- 
zieht, welchen  derselbe  einnahm,  als  er  die  wahrgenommene 
Schallwelle  erzeugte.  Bezieht  man  aber  die  wahrgenommene 
Intensität  auf  den  Ort,  in  welchem  sich  die  Tonquelle  im  Augen- 
blick der  Wahrnehmung  befindet,  so  gilt,  wenn  sich  die  Ton- 
quelle von  C  nach  A  bewegt,  die  obige  Formel. 

Findet  eine  gleichzeitige  Bewegung  der  Tonquelle  und  der 
Luft  statt,  so  möge  sich  die  Tonquelle  von  D.  nach  A  bewegen, 
während  der  Luftstrom  den  Mittelpunkt  der  Schallwelle  von  D 
nach  C  führt,  und  sich  der  Schall  von  C  nach  B  fortpflanzt 
Dann  kann  AC  als  die  Resultante  zweier  Bewegungen  betrachtet 
werden,  von  welchen  die  eine  die  Bewegung  der  Luft,  die  an- 
dere der  Bewegung  der  Tonquelle  gleich  und  entgegengesetzt 
ist  Bezeichnen  wir  daher  die  Resultante  aus  der  Geschwindig- 
keit der  Luft  und  aus  einer  der  Geschwindigkeit  der  Tonquelle 
gleichen  und  entgegengesetzten  Geschwindigkeit  (indem  wir  die 
Geschwindigkeit  des  Schalls  zur  Einheit  annehmen)  durch  u,  so 
gilt  wieder  die  Formel 

J  =  (II  cos  ^  +  /[I  — w«  sin*  J])V  i, 
wo  t  die  Intensität  der  ruhenden  Tonquelle  in  unbewegter  Luft 
in  der  Entfernung  BA  bedeutet  it6. 


Bbatam«   t.  Stbahtz.  459 

A.  BtAVAis.    Note  sur  la  vitesse  du  son.     Aoo.  d.  diim.  (3) 

XXXIV.  82-89t;  Poee.  Ann.  LXXXIX.  95-10!;  Z,  S.  f.  Natunr.  I. 
458-458. 

Hr.  Bravais  vertheiciigt  in  diesem  Aufsätze  die  LAPLACB^sche 
Theorie  der  Schallgeschwindigkeit  gegen  die  Einwürfe  Pottbr^s, 
ähnlich  wie  es  vor  ihm  schon  Rankine,  Stokbs  und  Haughton 
gelhan.  *)  K 


V.  Stbantz.  üeber  die  Wahrnehmung  und  Verbreitung  des 
Schalles  in  freier  Luft  Jahresber.d.schles.  Ges.  1 852.  p.  24-25; 
Inst.  1852.  p.a08-308;  Cosmos  I.  509-51  If. 

Hr.  V.  Strantz  hat  interessante  Beobachtungen  über  ano-* 
male  Verbreitung  des  Schalles  gesammelt.  Wir  theilen  beispiels- 
weise mity  dafs  während  der  Schlacht  von  Cassano  (1705)  der 
Kanonendonner  südwärts  kaum  1  Lieue  weit  gehört  wurde;  wäh- 
rend der  Schlacht  von  Montereau  am  18.  Februar  1814  bei  kal- 
ler irockner  und  ruhiger  Luft  hörte  Hr.  v.  Strantz  .nichts  vom 
Schiefeen,  obwohl  er  nur  1  Lieue  voni  Schlachtfelde  entfernt 
war,  in  der  Gegend  von  Bray.  Das  Bombardement  von  Kopen- 
hagen dagegen  wurde  in  Kolberg,  also  50  Lieues  weit  ver- 
nommen. 

In  vielen  Fällen  verbreitet  sich  der  Schall  von  der  Höhe  in 
die  Tiefe  leichter  wie  umgekehrt  von  der  Tiefe  in  die  höher 
gelegenen  Gegenden.  Von  den  Alpen  her  tönt  weithin  in  die 
Ebene  der  Gesang  der  Schalmei,  während  die  stärksten  Ge- 
räusche in  der  Ebene  nicht  die  Ruhe  und  das  tiefe  Schweigen 
in  den  Bergen  unterbrechen. 

Viele  andere  im  obigen  Aufsalze  mitgetheilte  Beobachtungen, 
denen  sich  leicht  noch  mehrere  anreihen  liefsen,  übergehen  wir 
hier.  Es  wird  bei  ihrer  Aufzählung  gelegentlich  hingewiesen  auf 
den  Einflüfs,  den  die  Reflexion,  die  Beschaffenheit  der  Luft  und 
der  reflectirenden  Körper,  die  Windrichtung  etc.  auf  die  Art  der 
Schallverbreitung  haben.  F. 

')  Siebe  Berl.  Der.  1850,  51.  p.  295. 


fg0  12.    Akustik'.    KoBW«    Petbima. 

C.  KoBN.     Glühendes  Metali  als  schlechter  ScbalUetter.    Dmo- 

LER  J.  CXXIV.  466  -  466t  ;Z.  S.  d.  ostr.  Ingen.  Ver.  1852.  No.  5. 

Eine  Eisenstange  leitet  den  Schall  am  besten  in  der  Blau- 
hitze. Darüber  erwärmt  nimmt  das  Schallleitungsvermogen  der- 
selben bis  zur  Rothgluhhitze  wieder  ab.  Beim  Erkalten  wächst 
es,  in  der  Blauhitze  erreicht  es  wieder  sein  Maximum,  nimmt 
sodann  bei  weiterem  Abkühlen  fortwährend  ab,  bis  es  beim  ganz« 
liehen  Erkalten  der  Eisenstange  seine  ursprüngliche  Stärke  genau 
wieder  erreicht  haL  V. 


C.  KoBN.     Schallleilung  durch  glühende  Röhren.     Dinolbii  j. 

CXXIV.  466-466t;  Z.  S.  d.  o«tr.  Ingen.  Ver.  1852.  No.  5. 

Eine  ^gehende  Taschenuhr  an  einem  Ende  eines  eisernen 
12'  langen  und  3'^  weiten  Rohrs,  in  der  Mitte  der  Oeffnung  ohne 
Conlact  mit  der  Röhrenwand  angebracht,  wird  am  andern  Ende 
des  Rohrs  durch  das  Gehör  deutlich  wahrgenommen.  Wird  das 
Rohr  während  der  Beobachtung  in  der  Mitte  glühend  gemacht, 
so  bleibt  die  Erscheinung  unverändert  Die  Verdünnung  der 
Luft  scheint  also  auf  die  Fortpflanzung  des  Schalles  keinen  Ein- 
flufs  zu  haben.  V. 


Pbtbina.     Neues  musikalisches  Instrument.   DuroLEa  J.  CXXVI. 

397*397t;  Berl.  Musikzeitung  Echo. 

Das  Instrument  ist  eine  Art  Zungenharmonika.  Die  Zun- 
gen werden  durch  Elektromagnetismus  zum  Vibriren  gebracht. 
Eine  nähere  Beschreibung  soll  noch  veröffentlicht  werden. 

r. 


13.    Physiologische  Akustik.     Hailiss.  fß4 


13.    Physiologische  Akustik. 


Harlbss.     ErrorschuDg  des  menscblichen  Stinamorgans.     BqIL 

d.  Munchn.  Ak.  1852.  p.  69-70t,73-78t,  8J-85+,209-2l4t,217-229t. 

Zunächst  bezieht  sich  diese  Untersuchung  auf  die  chemische 
und  physikalische  Beschaffenheit  der  den  Kehlkopf  constitui« 
rende  Gewebe,  auf  den  chemischen  Unterschied  der  verknöcher- 
ten und  nicht  verknöcherten  Knorpel,  auf  die  verschiedene  Fe- 
stigkeit derselben,  auf  die  Elasticität  des  elastischen  Gewebes; 
demnächst  auf  den  Mechanismus  der  Stimmwerkzeuge.  Wir 
heben  einige  Resultate  hervor.  Die  Oeffnung  der  Stimmritze 
beim  ruhigen  Ausathmen  fand  sich  =  25  Quadratmillimeter.  Zum 
Hervorrufen  eines  sehr  leisen  Tons  gehört  ein  gröfserer  Luftdruck 
als  zu  seinem  Aushalten,  wenn  er  einmal  angestimmt  ist.  Beim 
Athmen  steigt  und  sinkt  der  Kehlkopf;  bei  den  höhern  Graden 
des  Steigens  geht  auch  das  untere  Ende  der  Luftröhre  mit  in 
die  Höhe. 

Die  Extreme  der  Länge  und  Kürze  der  Stimmbänder  betra- 
gen für  Erwachsene  10  und  12*",  wobei  die  individuellen  Stimm- 
bandverlängerungen zwischen  18  und  40  Procent  schwanken. 

Weitere  Untersuchungen  betreffen  die  Wirkung  der  Kehlkopf- 
muskeln, die  Schwingungsart  der  Stimmbänder  und  ihren  Einfluis 
auf  den  Ton. 

Die  Randschwingungen  bestimmen  hauptsächlich  die  Höhe, 
die  über  die  Oberfläche  hin-  und  zurücklaufenden  und  sich  kreu* 
zenden  Wellenzüge  vorzugsweise  den  Klang  des  Tons. 

Wird  die  Windstärke  und  Windrichtung  geändert,  bleibt  da« 
gegen  die  Spannung  der  Bänder  dieselbe,  so  kann  man  eine 
Reihe  von  Tönen  erzeugen  im  Umfang  einer  Quarte,  während 
die  Zahl  der  Töne  viel  geringer  ausfallt,  wenn  man  nur  die  eine 
oder  di^  andere  verändert.  Bei  den  dahin  gehörenden  Versuchen 
wurde  mit  Wasserdampf  gesättigte  Luft  vermittelst  des  Gebläse« 

Fortschr.  d.  Phys.  VIII,  11 


i|QJ2  13«    Pbyiiologiscbe  Akustik. 

durch  den  Kehlkopf  getrieben,  um  das  Austrocknen  der  Gewebe 
BU  verhüten.  —  In  Bezug  auf  den  Einflufs  der  Stimmbänder- 
Spannung  auf  die  Höhe  des  Tons  heben  wir  hervor,  dafs  die 
spannenden  Gevvichie  im  Anfange  eine  raschere  Tonerhöhung 
als  gegen  die  spätere  Grade  der  Belastung  hin  verursachen.  In 
derselben  Weise  macht  sich  der  Einflufs  zunehmender  Windstärke 
bei  einem  bestimmten  Spannungsgrade  geltend,  während  zugleich 
auch  die  Neigungen  der  Slimmbandebene,  die  Lagen  der  Stimm- 
bänder in  bestimmten  Ebenen ,  die  Weite  der  Stimmritze  und 
des  Unterstimmbandraumes  auf  die  Tonhöhe  Einflufs  haben.  Die 
Stimmbänder  sind 'das  primär  Tönende,  die  übrigen  Theile  wir- 
ken als  resonirende  Massen  in  verschiedener  Weise.  Das  gaoze 
System  von  Geweben  des  Slimmorgans  hat  gewissermafsen  zwei 
extreme  Zustände,  den  der  Erschlaffung  und  den  der  Spannung. 
Im  ersteren  geräth  es  leichter  ins  Beben,  im  letzteren  reflectirt 
und  concentrirt  es  mehr  die  auf  die  eingeschlossene  Luft  über- 
gegangenen Erschütterungen.  Dieses  verschiedene  Verhalten  — 
die  „bebende'*  oder  die  „concentrirte**  Resonanz  —  hat  viel  An- 
iheil  an  dem  Charakteristischen  der  sogenannten  Register.  Als 
solche  sind  angenommen:  die  Kopf-  und  Bruststimme,  Contrabafs 
und  Fistel;  die  Bedingungen  derselben  werden  mitgetheilt. 

Zum  Schluls  wird  die  Lautbildung  berücksichtigt,  wobei  sich 
herausstellt,  dafs  von  dem  Einzelnen  wohl  im  Allgemeinen  zur 
Bildung  derselben  Buchstaben  die  gleichen  Mittel  benutzt  wer- 
den, allein  doch  innerhalb  eines  gewissen  und  zwar  nicht  sehr 
engen  Spielraums.  F. 


C.  Mater.  Physiologische  Bemerkungen  über  die  Stimme 
des  Menschen  und  der  Thiere.  Verh.  d.  Leopoldin.  Carolin. 
Ak.'d.  Naturf.  (2)  XV.  741 -754t. 

Ea  sind  bei  der  Erklärung  der  Hervorbringung  von  Tönen 
auf  beliebigen  Instrumenten  vier  Momente  zu  berücksichtigen: 
1)  der  Aostob  des  tongebenden  Körpers,  2)  die  Schwingungen 


Matm.  403 

des  letzteren,  3)  die  Mitschwingung  der  umgelyeiMieii  Luftsäule, 
4)  die  Mitschwingung  der  festen  Masse  des  Instruments. 

Beim  Kehlkopf  des  Menschen  und  der  Thiere  geschieht  der 
Anstofs  des  schwingenden  Körpers  durch  die  Luft  von  der  Lunge 
aus;  die  schwingenden  Körper  selbst  sind  die  Stimmbänder  und 
die  andern  Kiappen  und  Zungen  des  Respirationscanais,  die  mil» 
schwingende  Luft  befindet  sich  oberhalb  und  unterhalb  der 
Stimmbänder,  endlich  der  festen  Masse  des  Instruments  ent- 
sprechen die  Knorpel  und  Knochen  des  Kehlkopüs  und  der  Luft- 
wege. 

Der  Kehlkopf  bildet  demnach  ein  Zungenwerk  mit  mem- 
branösen  Zungen.  Wir  begnügen  uns,  hier  einzelnes  aufs 
menschliche  Stimmorgan  Bezügliche  hervorzuheben. 

Die  natürliche  Spannung  des  untern  Stimmbandes  genügt, 
um  eine  Schwingung  hervorzubringen,  die  dem  untern  C  im 
Baus  entspricht.  Für  tiefere  Töne  ist  eine  Erschlaffung  erforder- 
lich. Die  Brusttöne  C — f  sind  Wirkung  der  Spannung  des 
untern  Stimmbandes,  welche  durch  gleichzeitige  Zusammenzie- 
hung des  muscul.  hyo-thyreoideus  und  crico-arytaenoideus  post. 
bewirkt  wird,  wobei  gleichzeitig  der  Kehlkopf  sich  in  die  Höhe 
hebt. 

Die  Kopf-  oder  Fistelsümme  ist  das  Resultat  einer  noch 
gröfseren  Spannung  des  untern  Stimmbandes,  hervorgebracht 
durch  eine  stärkere  Zusammenziehung  -des  letzteren  Muskels. 
Die  Spannung  wird  fortgesetzt  durch  Erhebung  des  Kehlkopfes 
mittelst  des  hyo-thyreoideus,  wodurch  die  höheren  Pisteltöne  er- 
zeugt werden. 

Der  Verfasser  erklärt  sich  dabei  gegen  die  frühere  Annahme, 
wonach  die  Fisteltöne  blols  durch  theilweises  Schwingen  der 
Stimmbänder  entstehen. 

'  Die  verschiedenen  Weisen  der  menschlichen  Stimme  sind 
Wirkung  der  Dicke  des  untern  Stimmbandes,  der  Grölse  der 
Kehlkopfhöhle  und  der  KehlkopfknorpeL  Die  Verknöcherung 
der  letztem  wandelt  den  Sopran  in  Alt,  den  Tenor  in  Bary- 
ten um. 

Zum  Schlufs  führt  der  Verfasser  an,   wie  er  schon  früher 


4^4  ^^'     Phjiiologitche  Akustik. 

ausgesprochen,  dals  auch  der  Kehldeckel  mitwirke  bei  der  Stimm- 
eneugung,  und  swar  in  zwiefacher  Weise.  1)  Derselbe  stellt 
sich  bei  hohen  Tönen  wie  ein  eingerolltes  Blatt  in  die  Richtung 
des  aus  der  Stimmritze  kommenden  Tones,  fängt  denselben  in 
seinem  Halbcanale  auf  und  concentrirt  denselben.  2)  Spannt  er 
aich  bei  hohen  Tönen  bedeutend  an  und  schwingt  als  Klappe 
oder  Zunge  mit.  V. 


Dritter  Abschnitt. 


O      p      t      i      k. 


14.    Theoretische  Optik. 


J.Pbtzval.  lieber  ein  aligemeiaes  Princip  der  OodalatioD»« 
lehre:     Gesetz    der    Erhaltung    der    Schwingaogsdaaer. 

Wien,  Ber.  VIII.  134-156t. 

—  —  Heber  die  UnzukömiBlichkeiteo  gewisser  populärer 
AoschauuDgSNveisen  ia  der  UndulalioDslheorie  und  ihre 
Uufähigkeit  das  Priocip  der  Erhaltaug  der  Schwioguogs- 
dauer  zu  ersetzen.     Wiea.  Ben  VIII.  567-586t,  IX,  699-737t* 

C  Doppler.  Bemerkungen  zu  dem  Aursatze:  ,,Ueber  ein  alK 
gemeines  Princip  der  Ündulalionslehre  etc."  Wien.  Ber. 
VIII.  587-593t. 

A.  V.  Ettingsbausbn.  Bemerkung,  denselben  Gegenstand  be- 
treffend.    Wien.  Ber.  VIII.  593-594t. 

—  . —  Weitere  Bemerkungen  zu  dem  Vortrage  des  Herrn 
Petzval.     Wien.  Ber.  IX.  27-30t. 

C.  Doppleb.  Bemerkungen  über  die  von  dem  Hrn.  Petzvai. 
gegen  die  Richtigkeit  meiner  Theorie  vorgebrachten  Ein- 
wendungen.    Wien.  Ber.  IX.  2J7-225t. 

In  einem  Vortrage  vor  der  V/W-^  «'  Akademie  entwickelte 
Hr.  Pbtzval  mit  Hülfe  der  Analysis  ein  Gesetz  aus  dem  Gebiete 
der  Undulationslehre,  welches  er  unter  dem  Namen  des  Prin^p9 
der  Erhaltung  der  Schwingungsdauer  einführt,  das  ihm  ab^r  mit 
einem  früher  von  Dopplbb  aufgestellten  Satze  im  Widerspruch 
zu  sein  schien.    Diesen  Widerspruch  suchte  er  in  einem  sweiUn 


i|Gt8  ^^'     Theoretiscbe  Optik. 

Vortrage  weiter  zu  begründen,  und  rief  dadurch  Entgegnungen 
Seitens  des  Hrn.  Doppler  und  des  für  ihn  Partei  ergreifenden 
Hrn.  V.  Ettingshausen  hervor,  die  wiederum  dem  Hrn.  Retjbval 
Stoff  zu  einem  dritten  Vortrage  gaben. 

Ueber  jenes  Gesetz  und  über  die  disculirten  Streitpunkte 
theilen  wir  Folgendes  mit. 

Der  erste  Vortrag  des  Hrn.  Petzval  behandelte  die  von 
einem  schwingenden  Körper  erregten  Oscillationsbewegungen 
eines  Mediums  für  den  Fall,  dafs  in  letzterem  Strömungen  statt 
finden.  Die  zum  Grunde  gelegten  Voraussetzungen  waren  1)  dafs 
an  einem  und  demselben  Orte  des  Mediums  die  Stromgeschwin- 
digkeit sich  nicht  mit  der  Zeit  ändere,  und  2)  dafs  benachbarte 
Theilchen  des  Mediums  sehr  nahe  dieselbe  Bewegung  annehmen, 
oder  mit  andern^  Worten,  dafs  die  Continuität  vollkommen  be* 
wahrt  würde.  Die  mitgetheilten  Rechnungen  ergaben,  dafs  als- 
dann die  Oscillalionsdauer  von  der  Strömungsbewegung  ganzlich 
unabhängig  sei. 

Der  Gang  der  Rechnung  ist,  kurz  angegeben,  folgender. 

Es  bezeichnen  u,  v,  w  die  auf  rechtwinklige  Axen  bezoge- 
nen Componenten  der  Geschwindigkeit,  welche  im  Punkte  jrya 
statt  finden  würde,  wenn  der  Körper  nicht  vibrirle,  also  die 
Strömung  allein  vorhanden  wäre,  und  dabei  werden  der  ersten 
der  obigen  Voraussetzungen  gemäfs  «,  v,  tc?  blofs  als  Functionen 
von  jr,  y,  z  und  unabhängig  von  der  Zeit  t  angenommen.  Fer- 
ner bezeichnen  x+l  y+Tj,  x-f  ^  zur  Zeit  i  die  Coordinaten  eines 
Theilchens  iw,  welches  blofs  in  Folge  der  Strömung  sich  im 
Punkte  xifz  befinden  würde,  sobald  gleichzeitig  der  Wirkung  des 
schwingenden  Körpers  Rechnung  gelragen  wird.  Die  f,  17,  f 
drücken  demnach  nicht  mehr,  wie  bei  Cauchy,  die  Verschiebun- 
gen aus  einer  festen  Gleichgewichtslage  (aus  einem  festen  Oscil- 
lationscentrum),  sondern  die  Verschiebungen  aus  einem  fm  All- 
gemeinen fortschreitenden  Oscillationscenlrum  aus.  Hiernach 
construirt  Hr.  Petzval  nach  dem  D'ALEMBERT'schcn  Prindp 
neben  den  Molecularkräften  noch  äufsere  Kräfte  als  vniisam 
annehmend  (welche  die  Geschwindigkeiten  w,  v,  w  veranlassen), 
die  Bewegungsgleichungen,  und  unterdrückt  dabei,  um  diese 
linear  zu  machen,   auf  Grund  der  zweiten  der  obigen  Voraus* 


PSTZVAL.  169 

settoDgen,  die  höheren  Diinensionen  von  Ju^  Jvj  Jiv,  J^,  Jfj,  J^ 
(d.  h.  der  Differenzen  der  «,  ü,  u?,  §,  ij,  £  für  je  zwei  benach- 
barte Theilchen). 

Die  Substitution  von  |«=0,  37  =  0,  C^O  führt  dann  auf 
vereinfachte  Differentialgleichungen,  deren  Natur  die  Existenz 
primitiver  Gleichungen  nicht  bezweifeln  läfst,  und  welche  daher 
Uy  Vi  w  als  Functionen  von  jr,  y,  Zy  also  die  fortschreitende  Bewe- 
gung bestimmen.  Werden  alsdann  die  hieraus  sich  ergebenden 
Werthe  für  u,  v,  to  in^die  vollständigen  Gleichungen  gesetzt  ge- 
dacht,  so  reduciren  sich  diese  auf  lineare  partielle  Differential- 
gleichungen, welche  zur  Bestimmung  von  ^,  17,  ^  und  sonach 
der  Schwingungsbewegung  um  die  vorschreitenden  Oscillations- 
centra  dienen.    Sie  erweisen  sich  befriedigt,  wenn  man 

setzt,  und  dabei  s  als  constant  und  3B,  g),  3  ^Is  blofse  Functio- 
nen von  jr,  y,  z,  die  gewissen  Differentialgleichungen  zu  genügen 
haben,  annimmt.    Da  ferner  diese  Werthe  für  5,  17,  J  Schwin- 

gungen  repräsentiren,  deren  Schwingungsdauer  ist,  so  folgt 

demnach,  dafs  sich  durch  das  ganze  Mittel  Vibrationen  mit  un- 
veränderter  Schwingungsdauer  fortpflanzen  können.  Ueberdies 
folgt  aus  der  linearen  Form  der  ursprünglichen  Gleichungen,  dafs 
sie  sich  auch  befriedigen  lassen,  wenn  für  ^,  17,  ^  Summen  gesetzt 
yrerden,  deren  einzelne  Glieder  die  Form  der  Ausdrucke  in  1) 
haben,  und*dafs  darnach  die  Integrationsconstanten  sich  allemal 
so  bestimmen  lassen,  dafs  der  Schwingungszustand  zu  einer  be- 
liebigen Zeit  (zur  Zeit  /  =  0)  an  einem  beliebigen  Ort  ein  belie- 
big bestimmter  werde  —  dafs  also  die  Verbreitung  von  Schwin- 
gungen constanter  Dauer  von  einem  beliebig  gestalteten  Körper 
ausgehen  könne,  dessen  Oberflächentheilchen  beliebige  Schwin- 
gungen von  constanter  Dauer  ausführen.  EndKch  wird  gezeigt, 
dals  bei  der  Annahme,  s  sei  eine  Function  von  fi,  t),  w  und  mit- 
bin von  x,  y,  z  die  allgemeinen  Gleichungen  sich  nicht  mehr  be- 
friedigen lassen,  und  dafs  folglich  Schwingungen,  deren  Dauer 
von  Ort  zu  Ort  sich  ändert,  in  einem  Mittel  unter  den  zu  Grunde 
gelegten  Voraussetzungen  sich  nicht  fortpflanzen  können. 

Auf  dieses  Resultat  sich  stützend  erklärte  nun  Hr.  Petzval 


i|70  ^^'    Tli^oretitche  Optik. 

den  voD  Hrn.  Dopflbr  aufgestellten  Satz  für  irrig,  dafs  die  Tou* 
höhe,  respective  Farbe  aich  im  Allgemeinen  ändere,  wenn  ent- 
weder der  Beobachter  oder  die  Ton-  respective  Lichtquelle  eine 
eigene  Bewegung  habe,  indem  es  gleichgültig  sei,  ob  man  den 
Beobachter,  respective  die  schwingenden  Körper  als  bewegt  an- 
nehme,  oder  ob  man  statt  dessen  dem  Mittel  correspondirende 
Bewegungen  anschreibe.  Und  wenn  man  sich  auf  die  bekannten, 
auf  Locomotiven  angestellten  Versuche  berufe,  welche  von  Burs- 
Ballot  zur  Prüfung  des  Satzes  ausgeführt  worden  sind,  so  sei 
zu  entgegnen,  dals  —  angenommen,  es  seien  bei  den  Beobach« 
tungen  keine  Täuschungen  vorgefallen  —  für  die  Erscheinung 
sich  eine  Erklärung  müsse  finden  lassen,  welche  auf  anderen 
Grundlagen  beruhe  wie  die  DoppLER'sche. 

Insbesondere  führt  er  an,  die  Oeduction  des  Hrn.  Dopplbr  leide 
an  folgenden  zwei  Mängeln.  Erstens  sei  in  derselben  die  Undu- 
lationsbewegung  als  eine  stoCsweise  erfolgende  gedacht,  während 
sie  in  der  That  eine  successive  verschiedene  Schwingungsphasen 
durchlaufende  sei,  und  zweitens  sei  unberücksichtigt  geblieben, 
dafs  der  bewegte  schwingende  Körper  (oder  der  Beobachter) 
dem  Medium  auch  seine  progressive  Bewegung  mittheile. 

Hr.  DoppLBB  giebt  in  seinen  Entgegnungen  die  Richtigkeit 
der  mathemctischen  Entwicklungen  zu,  und  namentlich  auch 
die  daraus  gefolgerte  Unveränderlichkeit  der  Schwingungsdauer, 
läugnet  aber,  dafs  Schwingungsdauer  und  die  Ton-  respective 
Farbenempfindung  durchweg  identisch  sei,  und  behauptet,  dafs 
deswegen  die  PzTzvAL'sche  Theorie  mit  seiner  Theorie  der 
Veränderlichkeit  der  Töne  und  Farben  gar  nichts  zu  tbun  habe. 
Jene  habe  dynamische,  diese  rein  phoronomische  Beziehungen 
zum  Gegenstande.  Er  wiederholt  dabei  einfach,  dafe  das  Sinnes- 
organ eines  der  Ton-  oder  Lichtquelle  entgegengehenden  Beob- 
achters successiv  die  Eindrücke  verschiedener  Theilchen  des 
Mittels  aufnehme  —  geht  also  gar  nicht  auf  die  Widerlegung  der 
gegentheiligen  Behauptung  des  Gegners  ein,  dafs  in  diesem  Falle 
das  Organ  nicht  mit  verschiedenen  Theilchen  in  Contact  komme, 
sondern  immer  mit  denselben  (von  dem  Beobachter  mit  vorwärts 
gerissenen)  Theilchen  des  Mediums  in  Berührung  bleibe.    Letz- 


PSTSVAL«    DorVUft«     T.  ETTINMUAUftlir.  f7| 

Urea  angenommen  wird  die  Frage  in  der  Thai  aber  rein  üyna* 
mischer  Natur. 

Den  Vorwurf,  welehen  Hr*  Doppler  dem  Hrn.  PfinvAL  macht» 
da£i  seinen  Schlüaaen  sufolge  jeder  in  der  Luft  bewegte  Körper 
TSne  erzeugen  müaae,  übergehen  wir»  weil  er  auf  einem  Mib- 
verständnifs  beruht. 

Hr.  V.  ETTiNOSBAuasNy  welcher  sich  auf  die  Seite  des  Herrn 
DoppLBa  stellte,  begnügte  sich  im  Wesentlichen  damit,  darauf 
hinzuweisen,  dafa  sich  die  Formeln  des  Hm.  Pbtzval  ihrer  Ent« 
stehung  nach  nur  auf  einen  momentanen  anfanglichen  Erregungs- 
sustand besiehen,  und  dafs  man,  um  auf  die  wirklichen  Elrschei* 
nungen  zu  kommen,  auf  die  continuirlich  auf  einander  folgenden 
'  Erregungszustände  Rücksicht  nehmen  und  aus  deren  Einzelwir* 
kungen  die  Gesammtwirkung  herleiten  müsse.  Geschähe  aber 
diesi  so  komme  man  auf  dasselbe  Resultat,  welches  Hr.  Dopplba 
durch  einfache  Ueberlegung  gewonnen  habe. 

Dieser  Einwand  veranlafste  dann  Hm.  Pstzval  in  einem 
späteren  Vortrage  (IX.  699)  eine  schon  früher  von  ihm  angedeu- 
tete Rechnung  auszuführen,  welche  die  Wirkung  continuirlich  auf 
einander  folgender  Erregungszustände  unter  der  AnnahuM  einer 
Bewegung  des  erregenden  Körpers  darstellen  sollte,  dabei  jedoch 
voraussetzend,  dafs  das  fortpflanzende  Medium  nicht  an  der  pro« 
gressiven  Bewegung  Theil  nehme.  Diese  Voraussetzung  NOiachte 
er  indeCs  nicht,  weil  sie  seiner  Meinung  nach  dem  Vorgange  in 
der  Natur  entspreche,  sondern  weil  seine  Gegner,  wie  er  meint, 
dieselbe  (irrthümlicher  Weise)  für  begründet  hielten,  und  in  der 
Absicht  zu  zeigen,  dafs  selbst  dann  die  Resultate  keinesweges, 
wie  Hr.  v.  Ettinoshausbn  behaupte,  mit  denen  der  DöppLBR'schen 
Theorie  übereinstimmten. 

Die  Rechnung  bezieht  sich  zunächst  auf  den  Schall,  und 
Bwar  insbesondere  auf  die  zwei  Fälle,  dafs  der  tönende  Körper 
«ne  Ebene  o^er  kugelförmig  ist. 

Für  den  ersten  Fall  ist  die  Analyse  folgende. 

Steht  die  sdiwingende  Ebene  auf  der  Axe  der  s  senkrecht 
80  hat  man  die  allgemeine  Bewegungagleichung 

dt*    *  rf*»' 


472  ^^*     Theoretitclie  Optik, 

und  deren  aligemeines  Integral  ist 

wo  f  und  F  willkürliche  Functionen  vorstellen  und  %  die  Fort- 
pflanzungsgeschwindigkeit bedeutet.  Fällt  nun  jene  Ebene  zur 
Zeit  f  ^  0  mit  der  Ebene  XY  zusammen,  und  erstreckt  sich  die 
Erregung  zu  dieser  Zeit  nur  von  x  =  — d  bis  or  =  -j-d  (unter  d 
eine  sehr  kleine  Gröfse  verstanden),  so  darf  man  unter  /^(ti)  und 
F(u)  nur  solche  Functionen  denken,  welche  sich  blofs  zwischen 
fi  =s — d  und  %i^\d  von  Null  unterscheiden.  Dies  voraus- 
gesetzt kann  das  erste  Glied  von  |,  f{x — si)  zur  Zeit  <  =  <  nur 
zwischen  x  ^sz  st^d  und  j:  =  «<  — d,  und  das  zweite  Glied 
F(x\9i)  nur  zwischen  x  =  — »i\i  und  x  =  —  «f — d  einen 

*  In 

von  Null  verschiedenen   Werth  haben.    Bezeichnet  ferner  -r— 

die  Schwingungsdauer  in  der  tönenden  Ebene,  so  ist  in  derselben 
das  Element  der  Erregung,  welche  am  Ende  der  Zeit  6  in  dem 
unendlich  kleinen  Zeitraum  dQ  statt  findet,  proportional  mit 
ÄiihQiO^  mithin,  wenn  die  tönende  Ebene  sich  überdies  mit  der 
Geschwindigkeit  c  parallel  mit  sich  in  der  Richtung  der  poritiven 
X  vorwärts  bewegt,  die  Verschiebung  |  zur  Zeit  i  in  der  Ent- 
fernung X,  hervorgehend  aus  allen  bis  dahin  fortgepflanzten  Be- 
wegungen, 

§  ^rflx^cO^sit-  6)]  sin  hOde  \f  F  \x—cQ  -f  *(<— ö)]  sin  liddQ, 

•  0 

oder,  indem  man  im  ersten  Integral  x — cO-^-sit  —  d),  und  im 
zweiten  Integral  x — cö+*(<  — ö)  gleich  u  setzt, 

I  =  /        -Ä-i-^ —  sm {x—8i—  h) 


+/ 


Da  f{u)  und  F{u)  verschwinden,  wenn  u>d  oder  y<  —  d, 
so  darf  man  aus  den  Gliedern  der  in  Summen  aufgelösten  Inte- 
grale diejenigen  fortlassen,  in  denen  u  numerisch  das  kleine  d 
übertrifft,  und  folglich  die  ganzen  Integrale  gleich  Null  anneh- 
men, wenn  ihre  Gränzen  das  Intervall  von  -f  d  bis  — d  nicht  ganz 
oder  theilweis  umschliefsen,  und  im  entgegengesetzten  Falle  die 


PSTSTAI..  473 

Gränzen  entsprechend  verengern.     Weil  dabei  in  den  Gliedern 
nur  sehr  kleine  VVerthe  von  u  übrig  blieben,  so  könne  man  auch 
das  M  in  den  Sinus  (wo  fern  nicht  «  =  c  ist)  ohne  merklichen 
Fehler  unterdrücken^),  und  demnach  schreiben 
1  k  fx^ct 


Ist  nun  z.B.  «>c,  so  ist  der  obigen  Bemerkung  zufolge  das 
erste  der  beiden  Integrale  nur  für  die  VVerthe  von  x,  welche  zwi- 
schen et  und  st  liegen,  (also  in  einer  Schicht  vor  der  Tonquelle) 
von  Null  verschieden,   und  es  reducirt  sich  dann  dasselbe  auf 

/      fM^u,  und  das  zweite  Integral  unterscheidet  sich  von  Null 

nur,  wenn  x  zwischen  et  und  — st  liegt  (also  für  eine  Schicht 

/&^ 
F{u)du 


/+a 
f(u)  du 

-'' 

/+a 
F(H)du  respective  A  und  B,  so  wird  in  der  Region 

vor  der  Tonquelle  bis  zu  x  =  «f 

g  =* sm {x—8t\ 

8  —  C  C— «  ^  ' 

und  in  der  Region  hinter  der  Tonquelle  bis  zu  x  ==  — at 

Im  ersten  Falle  ist  die  Schwingungsdauer  demnach 
2n{s~e) 

die  Wellenlänge 

27r(*— c) 


')  Dat  Fortlassen  des  u  aus  dem  Sinus  wird  offenbar  auch  dann 
schon  unstatthaft,  wenn  h  in  Yerliähnirs  zu  c— s  einen  erheblichen 
Werth  hat. 


474  ^^*    Tbeontiscbd  Optik, 

die  Schwingungsweite 


s — c 

und  folglich  die  Intensität 


Im  zweiten  Falle  werden  dieselben  Gröfsen  respective 
2niS'\-c)  2n(si-c)  B  B* 

ks       '  k       '         *+c'         («+c)«' 

Hiernach  würde  folgHch  mit  wachsendem  c  vor  der  Ton- 
quelle die  Schwingungsdauer  abnehmen  (die  Tonhöhe  also  stei- 
gen) und  die  Intensität  wachsen;  hinter  der  Tonquelle  dagegen 
die  Sbhwingungsdauer  zunehmen  (die  Tonhöhe  also  sinken)  und 
die  Tonstärke  abnehmen. 

Das  durch  die  Formeln  angezeigte  Steigen  der  Tonhöhe  und 
Tonstärke  vor  der  Tonquelle  wird- aber  mit  abnehmendem  Werthe 
von  s — c  bald  so  enorm ,  dafs  Hr.  Pbtzval  in  diesem  Resultate 
allein  schon  den  sichersten  Beweis  für  die  Unstatthaftigkeit  der 
Hypothese,  dafs  das  Medium  an  der  Bewegung  des  tönenden 
Körpers  nicht  theilnehme,  erkennt,  spottweise  bemerkend,  dafs 
man  darnach  Pulverdampfsirenen  als  Projectile  im  Kriege  gebrau- 
chen könne,  um  den  Feinden  das  Trommelfell  zu  zersprengen. 

Der  Fall,  in  welchem  s<c  ist,  läfst  sich  in  ähnlicher  Weise 
leicht  verfolgen. 

Für  den  Fall  endlich,  wo  c  =  «  oder  nahe  gleich  s  ist,  wird 
das  u  in  dem  Sinus  des  ersten  Integrals  des  allgemeinen  Wer- 
thes  für  |  beibehalten.  Nach  Ausfuhrung  der  Integration  findet 
Hr.  Petzval  für  das  mit  diesem  Integral  versehen^  Glied 

2i=-V'(0)8inj^(*-*f), 

und  fügt  hinzu,  dafs  demnach  allerdings,  wie  Hr.  Doppler  gefun- 
den, der  Ton  für  'c  sn  s  unendlich  hoch  werde,  allein  da  gleich- 
zeitig seine  Amplitude  verschwinde,  so  entstände  vielmehr  gar 
kein  Ton,  wie  dies  auch  von  selbst  sich  daraus  ergäbe,  dafs  an 
einen  und  denselben  Ort  dann  gleichzeitig  alle  Phasen  gelangen, 
und  die  Bewegungen  sich  folgweise  vollständig  vernichten  wurden. 
Zu  ganz  ähnlichen  Folgerungen  führt  die  Annahme  einer 
kugelförmigen  Tonquelle. 


PSTZTAI..  <75 

Fragen  wir  nun,  wo  bei  den  widersprechenden  Behauptun- 
gen des  Hrn*  Petzval  und  seiner  Opponenten  die  Wahrheit  liege. 

Was  den  ersten  Vorwurf  betrifft,  der  Hm.  Doppler  gemacht 
wird,  dafs  er  die  Weilen  als  Individua  betrachte^  statt  sie  als  eine 
continuirliche  Aufeinanderfolge  von  Schwingungsphasen  anzusehen, 
und  namentlich  von  Wellen  spreche,  welche  gewisse  Str^ken 
durchlaufen,  so  dürfte  das  Anstöfsige  wohl  lediglich  auf  einer 
unpassenden  Wahl  des  AusdrucJLS  beruhen;  denn  schwerlich  hat 
Hr.  Doppler  darunter  etwas  Anderes  gedacht,  als  das  Fortpflan- 
zen der  eine  Welle  constituirenden  Bewegungen. 

Es  bleibt  also  nur  der  zweite  Vorwurf  übrig,  der  sich  auf 
das  Mitschreiten  des  Mediums  mit  dem  schwingenden  Körper 
respective  dem  Beobachter  bezieht.  Hierbei  ist  zunächst  zu  he^ 
merken,  dafs  es  noch  dahin  steht,  ob  nicht  ein  Unterschied  zu 
machen  sei  zwischen  dem  Fall,  wo  das  Medium  die  Luft,  und 
dem  Fall,  wo  das  Medium  der  Aether  ist.  Bekanntlich  hat  näm- 
lich Fresnbl  zur  Erklärung  der  Aberration  für  nöthig  erachtet, 
anzunehmen,  dafs  der  Aether  wenigstens  partiell  die  Körper  frei 
durchströmen  könne,  so  also  dnfs  etwa  nur  die  den  Körperalomen 
allernächsten  Theilchen  an  der  Körperbewegung  theilnehmen 
(s.  Jahrgang  1846.  p.  589),  während  die  übrigen  durch  diese  Be- 
wegung unafficirt  bleiben.  Wird  dies  zugegeben,  so  verliert 
wenigstens  für  das  Licht  die  PsTzvAL^sche  Auffassungsweise  ihre 
Begründung.  Halten  wir  uns  daher  an  den  Fall  der  Tonfort* 
pflanzung  durch  die  Luft,  wo  kein  Zweifel  darüber  obwalten 
kann,  dafs  die  Bewegungen  des  Mediums  von  den  sich  darin  be* 
wegenden  Körpern  influenzirt  werden.  Allein  auch  hier  ist  die 
Wirkung  keine  einfache  Fortschiebung.  Ebenso  wie  der  im 
Wasser  schnell  bewegte  Stab  jenes  durchschneidet,  und  nicht 
lediglich  vor  sich  herschiebt,  so  durchschneidet  auch  die  eilende 
Locomotive.  die  Luft.  Die  vbn  Wien  nach  Olmütz  fahrende 
Locomotive  führt  nicht  die  Wiener  Luft  mit  nach  Olmütz,  viel* 
mehr  werden,  die  nächste  adhärirende  Luftschicht  höchstens  ab- 
gerechnet, die  vorliegenden  Theilchen  nach  den  Seiten  hin  aus- 
weichen, und  je  gröfser  die  Geschwindigkeit  ist,  desto  schneller 
werden  früher  benachbarte  Theilchen  sich  von  einander  trennen, 
so  dafs  die  2/ti,  Jv^  Jxo^  und  somit  auch  die  2/f,  2/17,  JX^  theil- 


476  J4.    Theoretitche  Optik. 

weise  aufhören,  so  unbedeutend  zu  sein^  wie  sie  Hr.  Petkval  in 
seiner  ersten  Rechnung  voraussetzt  Aber  wenn  auch  die  yoti 
ihm  entwickelten  allgemeinen  Bewegungsgleichungen  trotzdem 
hinreichend  nahe  richtig  bleiben  sollten,  so  führen  sie  doch  nur 
zu  dem  Schlufs,  dafs  die  in  einem  unendlich  kleinen  Zeitmo- 
ment%tattfindende  Erregung  überall  hin  ein  Bestreben  zu  einer 
Schwingung  von  gleicher  Dauer  verbreite.  Diese  Schwingung 
kommt  indefs,  wenn  z.  B.  die  Erregung  von  einer  auf  einer  lau- 
fenden Locomotive  befindlichen  Tonquelle  ausgeht,  im  Allgemei- 
nen nicht  zur  Ausbildung;  denn  in  demselben  Augenblick,  wo 
dieselbe  beispielsweise  an  einem  Orte  A,  auf  den  jene  zuläuft, 
in  eine  neue  Phase  treten  will,  tritt  eine  spätere  Phase  der  erre- 
genden Schwingung  hemmend  oder  beschleunigend  heran,  weil 
inzwischen  ein  Theil  der  zwischen  A  und  der  Tonquelle  befind- 
lich gewesenen  Lufltheilchen  fortgedrängt  worden  ist. 

Die  zweite  oben  angeführte,  von  Hrn.  Petäval  wegen  ver- 
meintlich fehlerhafter  Grundlage  für  unstatthaft  gehaltene  Rech- 
nung dürfte  daher  (wenn  der  Akt  des  Verdrängens  nicht  etwa 
erhebliche  Störungen  verursacht)  hier  ganz  an  der  Stelle  sein.  In 
der  That  iäfst  sich  auch  der  obige  Einwurf,  dafs  die  Formeln, 
wenn  der  Unterschied  der  Geschwindigkeiten  s  und  c  abnimmt, 
vor  der  Tonquelle  eine  unnatürlich  rasch  wachsende  Tonhöhe 
und  Tonstärke  anzeigen,  leicht  entkräften.  Es  ist  nämlich  bei 
der  Entwicklung  der  Formeln  aus  dem  Sinus  nicht  u,  sondern 

ku 

vernachlässigt,    was  sich  namentlich  bei  kleinem  Werthe 

9 '       C 

von  s—c  nicht  rechtfertigen  Iäfst, '^  zumal  auch  k  in  der  Regel 
eine  sehr  bedeutende  Zahl  ist.  Dafs  aber  die  Beibehaltung  des 
u  statt  zu  einer  Intensitälszunahme  schliefslich  zu  einer  Intensi- 
sätsabnahme  führt,  hat  der  Verfasser  selber  nachgewiesen.  Die 
theoretischerseits  gegen  den  Dopi>LER'schen  Salz  erhobenen  Be- 
denken dürften  demnach  als  beseitigt  angesehen  werden  können. 


RixCKE.  j  ijT'jr 

RiBCKB.  Directer  Beweis  der  ündulationslheorie  des  Lichts  aus 
der  Aberration' der  Fixsterne.  GRiraEar  Arch.  XVIII.  33-38t. 
Hr.  RiBCKE  macht  darauf  aufmerksam,  dafs  man  bisher  immer 
gröfsere  Zahlen  für  die  Fortpflanzungsgeschwindigkeit  des  Lichts 
erbalten  habe,  wenn  man  dieselbe  aus  der  Verfinsterung  der 
Jupiterstrabanten  bestimmte,  als  wenn  man  sie  aus  der  Aberra- 
tion der  Fixsterne  ableitete.  In  der  That  fand  z.  B.  Hbrschel 
auf  dem  ersten  Wege  41560  Meilen,  und  neuere  Berechnungen 
lieferten  sogar  41727  Meilen,  während  Strute  auf  dem  zweiten 
Wege  nur  41519  Meilen  fand.  Diese  Unterschiede  gleichen  sich 
aber  aus,  wie  der  Verfasser  nachweist,  wenn  man,  Rücksicht 
darauf  nehmend,  dafs  bei  der  ersten  Bestimmungsart  die  Fortpflan- 
zungsgeschwindigkeit im  leeren  Raum  gefunden  wird,  bei  der 
zweiten  Bestimmungsart  aber  die  im  Fernrohr  sich  ergiebt,  die 
Geschwindigkeitsverhältnisse  nach  der  Ündulationslheorie  in  An- 
satz bringt.        ' 

Die  von  Struve  gefundene  Zahl  als  Geschwindigkeit  in  der 
Luft  angenommen,  ergebe  sich  nämlich  für  den  leeren  Raum 
41531  Meilen,  also  eine  Zahl,  deren  Abweichung  von  der  Her- 
scHEL'^schen  noch  innerhalb  der  von  Struve  bezeichneten  Fehler* 
gränze  liegt.  Und  wenn  man  für  den  leeren  Raum  die  Zahl 
41727  zu  Grunde  lege,  so  würde  man  für  die  mittlere  Ge* 
schwindigkeit  in  dem  grofsen  Dorpater  Refractor  genau  die  obige 
Zahl  41519  erhalten,  wenn  man,  auch  die  Retardation  im  Ob- 
jectiv  in  Rechnung  bringend,  z.B.  dessen  Dicke  zu  1,37  Zoll 
und  dessen  Brechungsverhältnifs  zu  1,56  annehme,  indem  als- 
dann auf  einer  Strecke  von  1,37  Zoll  die  Geschwindigkeit 
41797 

li^^  =i  26748,  und  auf  einer  Strecke  von  162  Zoll  (der  Focal- 
l,oo 

41727 
länge  des  Fernrohrs)  die  Geschwindigkeit     /uwi294  ~  41714  sein 

würde.  Mit  Rücksicht  auf  den  Umstand,  dafs  nach  der  Emana«- 
tionstheorie,  weil  sie  in  Luft  und  Glas  die  Lichtgeschwindigkeit 
gröfser  als  im  leeren  Räume  voraussetzt,  die  Divergenz  der 
obigen  Zahlen  sich  im  Gegentheil  vermehren  würde,  statt  sich. zu 
vermindern,  sieht  der  Verfasser  in  diesen  Zahlen  einen  Beleg  für 
die  Richtigkeit  der  Undulationsbypothese.  Rd. 

Fortscijr.  d.  Püys.  VHl.  12 


478  14.    Theoretische  Optik. 

W.  Walton,     On   the   faraily  of  U^e  wave-surface.     Thomson 

J.  1852.  p,  105 -not. 

Der  Verfasser  zeigt,  dafs  die  VV eilenfläche  der  zweiaxigen 
Krystalle  zu  einer  Klasse  von  Flächen  gehöre,  deren  Merkmai 
ist,  dafs  sie  sich  durch  windschiefe  Bewegung  einer  besonderen 
Curve  erzeugen  lassen,  nämlich  derjenigen  Curve  doppeller  Krüm- 
mung, in  welcher  sich  zwei  Kegelfiächen  zweiler  Ordnung,  deren 
Axen  auf  einander  senkrecht  stehen,  schneiden ;  und  dafs  nament- 
lich die  optische  Wellenfläche  erhallen  werde,  wenn  man  als 
Leitungslinien  drei  concentrische  Kreise  nimmt,  deren  Ebenen 
auf  einander  senkrecht  stehen. 

In  der  That,  wenn 

y  =  0,  2«  +  ^"=*" 

2  =  0,  x«  +  y«=:e« 
die  Gleichungen  der  Leitungslinien  sind,  so  läfst  sich  die  Erzeu- 
gungscurve  der  Wellenfläche  darstellen  durch  die  Gleichungen 

^        fl         V  vi.  l         fl 

Verbindet  man  nämlich  die  Gleichungen  1)  und  2),  unri  die 
Bedingungen  zu  erhalten ,  welche  die  veränderHchen  Parameter 
Xj  fiyV  zu  erfüllen  haben,  damit  die  Erzeugungscurve  stets  durch 
die  drei  Kreislinien  gehe,  so  ergiebt  sich 

Aa'+ZiJI+.'c»«  (I+H^-}-y)a»=  (i-|.Ä4.^+,)6«=  (l+A+,t+y)c«, 
oder,  wie  hieraus  folgt,  wenn  man  o,  6,  c  als  von  einander  ver- 
schieden voraussetzt, 

3)       l+;i  +  |u  +  y  =  0,      Aa«  +  /uÄ*+yc«=  0. 

Andererseils  findet  sich  aus  den  Gleichungen  2)  die  Gleich- 
heit der  Diflerenzen 


«._£:,  p_i^ 


fl  V 

Bezeichnet  man  den  Werlh  dieser  Differenzen  durch  r\  so  hat 
man  demzufolge 

4)    j7«=A(a«— O,    y»=iu(6«-r*),    a*  =  i^/c'-r*), 
und  wenn  man  diese  Gleichungen  zu  einander  addirt,   und  die 
Bedingungsgleichungen  3)  berücksichtigt, 


Walton.    Gruncrt.  n*j^ 

mhrend  dieselben  Gleichungen  4)  in  Verbindung  mit  der  ersten 
der  Gleichungen  3)  auf 

fuhren,  welches  in  der  That  die  Gleichung  der  Wellenfläche  ist. 

Dafs  zwei  nächst  auf  einander  folgende  Erzeugungslinien  sich 
nicht  schneiden,  die  Bewegung  also  windschief  ist,  erkennt  man 
leicht,  wie  folgt. 

Hätte  die  Curve  2)  mit  ihrer  Nachbarcurve  einen  Punkt 
gemein,  so  müfste  für  denselben 

AT  iC    ^         y* 

sein,  während  aus  3)  folgt 

rfA+rf/M-frfv  =  0    und    aVA+iWju  +  c»rfy  =  0, 
so  dafs  man  erhalten  würde 

was  noihwendig  auf  A  =  0,  /e  =  0,  y  s=s  0  führt,  und  daher  in 
Widerspruch  mit  der  ersten  der  Gleichungen  3)  steht 

Andere  Glieder  derselben  Flächenfamilie  würde  man  erhalten, 
wenn  man  die  Parameter  der  Gleichungen  2)  statt  durch  die 
Bedingungsgleichungen  3),  durch  irgend  zwei  andere  Bedingungs* 
gleichungen 

(p{X,  n,  v)  =  0,    x(^ /*>  y)  =  0 
bestimmte. 

Die  vom  Verfasser  ausgeführte  Darstellung  der  die  ganze 
Flachenfamilie  umfassenden  partiellen  Differentialgleichungen  fiber- 
gehen wir,   da  dieselben  vorab  für  die  Optik  noch  von  keinem 
-Interesse  zu  sein  scheinen.  Ed. 


i.  A.  Gronbrt.    Ueber  den  Distanzmesser  von  Martins.    Grvnbrt 

Arcb.  XIX.  166-J70t. 

Hr.  Grunert  hat  hier  die  Entwickelung  der  Formel  nieder* 
gelegt,  nach  welcher  aus  den  Beobachtungen  mit  dem  von 
Martins  vorgeschlagenen  Distanzmesser  die  Entfernungen  zu  be- 
rechnen sind. 

12* 


/|gO  ^^'     Theoretische  Optik. 

Das  Instrument  besieht  aus  einem  Fernrohr  AB,  welches  im 
.  ß  Innern    einen  in  der  Mitte 

l  y/     1     durchbrochenen  festen  Plan- 

spiegel S  enthält,  der  gegen 
die  Axe  des  Rohrs  um  45^ 
in  Hm.  Grünert's  Rechnung 
um  den  Winkel  9),  geneigt 
ist.  In  dem  hohlen  Ständer 
befindet  sich  ferner  ein  zwei- 
ter Planspiegel  S^^  der  um 
eine  horizontale  Axe  dreh- 
bar ist,  und  bei  der  Messung  der  Entfernung  SG  eines  Gegen- 
standes G  so  gestellt  wird,  dafs,  wenn  man  das  Fernrohr  auf 
den  Gegenstand  eingerichtet  hat,  das  von  letzterem  kommende 
Licht  gleichzeitig,  nachdem  es  durch  eine  Oeffnung  des  Stän- 
ders auf  den  Spiegel  5j  gefallen,  von  dort  gegen  den  Spiegelt, 
und  von  diesem  parallel  zur  Fernrohraxe  nach  dem  Auge  hin 
reflectirt  wird,  mithin  so,  dafs  das  doppelt  reflectirte  Bild  von 
6  mit  dem  directen  Fernrohrbilde  genau  zusammentrifft.  Die 
Endstellung  des  Spiegels  S^  wird  an  einer  Kreistheilung  ab- 
gelesen. 

Die  gesuchte  Entfernung  SG  (vom  Verfasser  mit  E  bezeich- 
net) ergiebt  sich  aus  einer  einfachen  Betrachtung  des  Dreiecks 
GSS^y  in  welchem  der  Winkel  bei  S  constant  (=  2y),  und  die 
Basis  55^  ein  für  allemal  (^  x)  zu  bestimmen  ist,  während  der 
Winkel  bei  S^  aus  der  Ablesung  an  der  Kreistheilung  sich  er- 
giebt. Ist  nämlich  xp  der  Winkel  zwischen  SS^  und  dem  nach 
dem  Nullpunkt  der  Theilung  gehenden  Radius,  und  ^  der  abge- 
lesene Winkel,  so  erhält  man 

JB=      sin2(V^— ^0     ^ 
sin  (1/; — y — i.i) 
Die  Conslanten  q>,  tjj,  x  werden  am  sichersten  durch  die  For- 
mel selbst  bestimmt,  indem  man  das  Instrument  auf  eine  Reihe 
anderweitig  genau  bekannter  Entfernungen  anwendet. 

Dafs  dies  Instrument  nur  sehr  unsichere  Resultate  geben 
kann,  und  namentlich,  wenn  die  Entfernungen  nur  irgend  eiiieb- 
lich  sind,  gar  nicht  zu  gebrauchen  ist,   leuchtet  von  selbst  ein. 


Grunbat. 


181 


da   die   Basis  ÄS,    des   Bestimmungsdreiecks   SGS^    so   unver- 
häilnibmafsig  klein  gegen  die  übrigen  Dreiecksseiten  ist.      Sd. 


J.  A.  Gruhbrt.     üeber  das   kaloptrische  und   dioplrische  Be- 
leuchtungssyslem    fiir    Leuchtthürrae.     Grünert  Arch.  XIX. 
241 -296t. 
Es  enthält  dieser  Aufsatz  im  Wesentlichen  1)  einen  Beweis 
für  den  Satz,    dafs  die  Ellipse  die   einzige  Curve  sei,   welche 
Lichtstrahlen,   die  von  einem  Punkte  ausgehen,  durch  Reflexion 
wiederum  in  einen  einzigen  Punkt  zu  vereinigen  vermöge,    so 
wie  für  den  Salz,   dafs  nur  die  Parabel  die  Eigenschaft  besitze, 
Parallelstrahlen  nach  einem  einzigen  Punkte  hin  zu  reflectiren; 
und  2)  die  mathematische  Theorie  der  pRESNEL^schen  Polygonal- 
linsen und  der  prismatischen  Ringsysteme,    welche  man  in  Ver- 
bindung mit  jenen  in  der  neueren  Zeit  für  den  Beleuchtungs- 
apparat auf  Leuchtlhürmen  benutzt. 

In  Bezug  auf  den  zweiten  Gegenstand  bemerkt  der  Verfas- 
ser im  Voraus,  dafs  Frbsnel  zwar  selber  in  einer  Abhandlung 
(enthalten  in  den  Schriften  der  Societe  philomatique.  Annee  1822) 
sich  auch  über  das  Mathematische  der  Theorie  seiner  Polygonal- 
linsen vermuthlich  verbreitet  habe,  dafs  er  aber  dieselbe  bis  jetzt 
sich  noch  nicht  habe  verschaffen  können,  um  zu  ersehen,  ob  dies 
ausführlich  genug  geschehen  sei.  Femer  enthalte  die  neuere 
Schrift  von  Hess  „über  Leuchtthürme"  (Berlin  1851)  neben  dem 
sehr  brauchbaren  technischen  Theile  allerdings  auch  einen  ma- 
thematischen Theil,  zu  welchem  die  genannte  Abhandlung  direct 
oder  indirect  benutzt  zu  sein  scheine,  weil  darin  die  entwickelten 
Formeln  als  FRESN£L*sche  bezeichnet  würden,  allein  die  Darstel- 
lung sei  nicht  frei  von  Unklarheit  und  Ungenauigkeit,  und  er 
glaube  deshalb^  dafs  seine  Behandlung  desselben  Gegenstandes 
nicht  überflüssig  erscheinen  dürfte. 

Es  möge  das  Hauptsächlichste  daraus  hier  seine  Stelle 
finden. 

Bekanntlich  bestehen  die  beregten  Polygonallinsen  aus  einer 
planconvexen  Linse,  die  von  mehreren  concentrischen  Zonen 
gleichfalls  planconvexer  Linsen  umgeben  ist. 


182 


14.    Theoretische  Optik. 


Hr.  Grunert  beginnt  nun  vaii  der  Aufsuchung  der  passend- 
sten Form  für  die  centrale  Linse,  und  stellt  su  dem  Ende  fol- 
gende Aufgabe. 

Bezeichnet  in  der  nebenstehenden  Figur  NMM'  die  Linse, 
FN  deren  Axe,  und  ist  die  Dicke 
GN  =  €3  gegeben»  den  Kriimmungsmittel- 
punkt  der  Fläche  AN  zu  finden,  bei  wel- 
chem der  von  F  ausgehende,  unter  einem 
gegebenen  Winkel  EFG  =  j  auffallende 
Strahl  FE  nach  den  Brechungen  bei  £ 
und  A  mit  FN  parallel  austrete. 

Nimmt  man  FN  als  positive  Halbaxe 
der  Xy  F  als  Anfang  der  Coordinaten,  und 
nennt  p  und  q  die  Coordinaten  von  E, 
p^  und  7|  die  Coordinaten  von  if ,  a  den  Brechungswinkel  J£J, 
und  fi  das  reciproke  Brechungsverhällnifs,  ferner  r  den  unbe- 
kannten Krümmungshalbmesser,  und  ;  die  Abscisse  des  Krüm- 
mungsmittelpunkts, so  ist  zunächst 

1)  sin  a  =  iu  sin  i,  2)  (p^—xy-\-q\  =r  r\  3)  q,—q  =  (p,—p)  tga, 
und  gemäls  der  vom  Verfasser  in  seinen  „optischen  Untersuchun- 
gen Th.n.  p.  12''  entwickelten  optischen  Grundformeln 


4) 


=  cosa— cos(a4-Ö)rcos  ö—juy  Fl  — ^^^^n 


)o=  sina— 8in(a+(?)(cosö— iul/[l  — -^i^]), 

wo  d  ein  zwischen  —90**  und  -f  90**  liegender  Hülfswinkel  ist, 
welcher  sich  durch  die  Gleichung 

6)    8ing  =  ^'^^)^'"^  +  ^^^^^ 
r 
bestimmt. 

Aus  den  Gleichungen  4)  findet  man  einerseits  unmittelbar 

sinor 


tang(«+ö)  = 


cos  a — fi 


woraus  dann  für  d  sich  ergiebt: 

d^\      k^^^  fi  /isina  .    ^  jusina 

o;     tang  o  =  -^-j- ,    sin  d  =  -ri — s- i — r-i 

^  1— ^cosa'  y^(l— 2|ucosa-|-fi*)' 


^  1 — /El  cos  a 


GaUNBBT.  i  83 

Andrerseits  folgt  aus  5)  wegen  x — p  =  » — r 

-         _    «Dsince-fqrcosa 
8ina-|-sina 


8)     jCÄp+o  — r  =  p- 


gsinO— y  cos  a 


sin  a  -|-  sin  ö 

Die  Gleichung  7)  oder  8)  löst  die  gestellte  Aufgabe,   nachdem 
man  mittelst  6)  den  Hülfswinkel  0  berechnet:  hat 

Wünscht  man  noch  die  Coordinaten  pj,  7,  des  Austritts- 
punktes zu  kennen  (insofern ,  wenn  die  Linse  bei  A  endigen  soll, 
p^—p  ihre  Dicke  am  Rande,  und  2q^  ihre  Oefifnung  repräsentirt), 
so  findet  man  selbige  leicht  aus  den  Gleichungen  2)  und  3). 
Giebt  man  z.  B.  der  Gleichung  2)  die  Form 

[(7i-9)cota-(r-p)r  +  [(?i-7)  +  7]'  =  r\ 
so  hat  man  sofort 

9)    2lI15=  (r— ö)cos  a—naina+Vlr^—Kx—p)  sina+7  cosa]"|, 
'      sm  a  .       ■*" 

und  aus  7)  und  8)  die  Werthe  von  r  und  x—p  einsetzend, 

q^^q  _   igsin(gHha)  — </[l  +  cos(g+a)] 

sin  a  sin  a  -j-  sin  0 


w  sm  —^ qain 


2 


sm- 


2 

Hiermit  ist  der  Werth  von  7^,  und  weil  nach  3)  h^  =  ^^ 

ist,  zugleich  der  Werth  von  p,  gefunden. 

Von  den  doppellen  Vorzeichen  sind  die  oberen  oder  unteren 
zu  nehmen,  je  nachdem  die  einen  oder  die  andern  den  Quotienten 

SxHl   positiv    machen,   weil   noth wendig   qi>q   werden  mufs. 
cosa    ■ 

Dafs  von  den  obigen  beiden  Werlhen  von  ~j~^  allemal  der  eine 

positiv,  der  andere  negativ  ist,  geht  daraus  hervor,  dafs  nach  Gltt- 
chung  9)  das  Product  derselben 

(x-pr+q'-r', 
also  jedenfalls  negativ  ist,  weil  E  innerhalb  des  gesuchten  Krei- 
ses liegt,  und  mithin  (r— ;>)'+7*<^*  werden  mufs. 


484  14.     Theoretische  Optik. 

üin  die  Formeln  für  den  besonderen  Fall  zu  erhallen,  dafs 
die  in  der  Nähe  der  Axe  auffallenden  Strahlen  nach  dem  Auslriti 
aus  der  Linse  parallel  mit  FN  werden,  braucht  man  nur  in  den 
gefundenen  Werlhen  das  i  und  demnach  auch  das  a  der  Gränze 
Null  sich  nähern  zu  lassen.     Dies  giebt 

__  fics  cos  i-^pV(l  —  jti* sin  i*) 

-~"         jUCosi-f~si"  ^<^o^^        ' 
und  führt  wegen 


,.      '    n     L  '       I-                 u*sini              cos«  u* 

Iimsmacott  =  Jim  ^ "^ "^ 


auf 


y^(  l  —  2/i  cos  a + fi^)    sin  t         1  • 
,0)       .=  Jl^  =  (l-^)(a,+  A 

^  '    1— iW 


11)       r  =  p  +  u^^r  =  iu©  +  2(l  +^)/i 


wonach  dann 

wird. 

Nach  Fresnbl*s  Anweisung  ist  bei  der  Consiruclion  der 
Linse  für  r,  und  also  auch  für  x,  das  arithmetische  Mittel  aus 
dem  Werthe,  welcher  den  Cenlralstrahlen,  und  aus  demjenigen, 
welcher  den  Randstrahlen  zugehört,  zu  nehmen,  d.h.  das  arith- 
metische Mittel  aus  den  durch  die  Formeln  10)  und  11)  be- 
stimmten Wcrthen  von  r  und  r,  und  aus  denjenigen  VVerthen 
dieser  Gröfsen,  welche  sich  aus  7)  und  8)  ergeben,  wenn  man 
für  «  den  grofsten  Werth  setzt,  den  man  noch  zulassen  will. 

Um  den  Fehler  zu  bestimmen,  den  man  begeht,  wenn  man 
blofis  auf  die  Centralstrahlen  Rücksicht  nimmt,  hat  Hr.  Grunert 
den  allgemeinen  Werth  für  r  aus  7)  mit  Hülfe  des  TAYLOR*schen 
Satzes  nach  Potenzen  von  t  entwickelt,  und  gefunden 

fi  "^  2/i(l— |u)        -      "^ 

Der  Fehler  wird  somit  in  Bezug  auf  i  von  der  zweiten 
Ordnung.   - 

Hierauf  geht  der  Verfasser  zur  Betrachtung  der  concentri«* 
sehen  XSlasringe  über. 

Ist  ALVA'  der  Durchschnitt  der  Centrallinse,  BMLC, 
B'M'UO  der  Durchschnitt  des  ersten  Ringes  und  dabei  BM^AL\ 


Gaunbrt. 


185 


i9t  ferner  FH  wiederum  die 
Axe    und   F  der   strahlende 
Punkt;  betrachten  wir  endlich 
als   gegeben    die   Punkte   B    j^. 
und  Cy   also  namentlich  die  jfl. 
Längen  LM  oder  GM  und 
CL\  so  kommt  es  darauf  an, 
die    Krümmung    des    Kreis- 
bogens BC  so  zu  bestimmen, 
da!^  ein  von  F  aus  auf  ML 
etwa    unter    dem   Winkel    i 
auffallender  Strahl  nach  seiner  Brechung  an  den  Flächen  ML 
und  BC  parallel  mit  FU  austritt. 

Es  seien  nun  f,  g  und  f^,  g^  die  Coordinaten  von  B  und  C, 
femer  wie  oben  p  und  q  die  Coordinaten  des  Punktes ,  i  n  wel- 
chem der  Strahl  die  Fläche  ML  trifft;  überdies  seien  r  der  Ra- 
dius und  r,  \}  die  Mittelpunktscoordinaten  des  gesuchten  Kreises. 
Wird  dann  wiederum  a  der  Brechungswinkel  genannt,  so  blei- 
ben die  Formeln  4)  und  folglich  auch  die  Formeln  6)  noch  gül- 
tig, nur  dafs  0  jetzt  statt  durch  die  Gleichung  5)  durch  die 
Gleichung 

12)      8ing  =  ^'^-P^^'°"~^»-^)^'° 

zu  bestimmen  ist. 

Die  gesuchten  Werthe  von  r,  r,  9  ergeben  sich  dann  aus  der 
Verbindung  dieser  Gleichung  12)  mit  den  Gleichungen 

13)     (i-/)«+(9-5)«  =  r«,      (!-/;.)•+ (9-i^.)*=r». 
Werden  behufs  der  Elimination  zuerst  die  Gleichungen  13)  von 
einander  subtrahirt,  so  erhält  man 

welcher  Gleichung  man  eine  der  beiden  folgenden  Formen  geben 
kann: 

(f-fMx-f)-\-(3-9M^-9)  =  -  ^f-f^y+(9-9^\ 

(f-mx-f,)-\-(9-9M^-9^)  = +i£=£^ltfc2i)i. 

Femer  läfst  sich  auch  die  Gleichung  12)  auf  eine  der  zwei  fol- 
genden Formen  bringen: 


186  14.    Theoretische  Optik. 

(jc — f)  sin  a— (V  —  g)  cos  a  =  (/i — f)  sin  a — (7 — jr)  cos  a-f  r  sin  9» 

(r — f^)  sin  a — (9 — jfj  cos  a  =  (;? — /t)  ®'^  « — (7 — ^S^i)  ^^®  a+r  sin  ö. 

Diese  Gleichungen   mit  den  vorhergehenden   verbunden  führen 

dann  sofort  auf 

14)      x^f^F^Gr,      t}-g^F,i-G,r, 

wo,  wenn  der  Kürze  halber 

(f—fi)  oosa-^ig—g^)  sin  a  =  /» 
gesetzt  wird,     * 

ist. 

Die  Substitution  der  Werthe  von  x — f  und  t) — g  in  die 
erste  der  Gleichungen  13)  giebt  endlich 

^__  FG+F,G,±V[P+F]-(F6,-F,G)] 
'^""  i_G*— GJ 

von  welchen  beiden  Werthen  man  den  positiven  zu  nehmen  hat. 

Bei  der  Construction  des  Glasringes  wird  man  nun  am  pas- 
sendsten den  Werth  von  i  zu  Grunde  legen,  der  in  der  Mitte 
liegt  zwischen  dem  kleinsten  und  gröfslen,  bei  welchem  das  Licht 
noch  die  Flächen  ML  und  BC  triffi.  Der  kleinste  ist  offenbar 
gegeben  durch  die  Gleichung 

GL  =  p  tang  i, 
der  gröfste  (demjenigen   Strahl   zugehörig,    der  bei  B  austritt) 
durch  die  Gleichung 

GM  s=  p  tang  t+(/ — p)  tang  a. 

Nach  dem  FnESNBL'schen  Vorschlafe  sollte  bekanntlich  die 
Flamme  von  acht  Polygonallinsen,  deren  Axen  horizontal  sind, 
und  die  ein  Oktagon  einschliefsen,  umgeben  sein,  und  die  Strah- 
len, welche  von  der  Flamme  aus  zu  steil  aufwärts  gehen,  um 
noch  diese  Linsen  zu  treffen,  sollten  von  anderen  kleineren  (eine 
Art  Dach  bildenden)  Polygonallinsen  aufgefangen  werden,  deren 
Axen  gegen  den  Horizont  gleich  geneigt  sind,  und  in  der  Mitte 
der  Flamme  zusammentreffen.  Nach  dem  Austritt  aus  diesen 
kleineren  Linsen  sollten  dann  die  Strahlen  auf  Planspiegel  treffen, 


Gaümbrt.  487 

welche  sie  nach  derselben  Richlung  binwerfeni  nach  welcher  die 
Sirahlen  nach  dem  Durchgange  durch  die  Hauptlinsen  hinlaufen. 

Statt  dieser  Verbindung  von  kleineren  Polygonallinsen  mit 
Planspiegeln  hat  man  mit  Vortheil  als  Kuppel  ein  System  von 
Glasringen  mit  dreiseitig  prismatischem  Querschnitt  angewendet, 
welche  die  in  sie  eindringenden  Lichtstrahlen  an  der  Hinterseite 
total  reflectiren^  und  dadurch  nach  der  verlangten  Richtung  hin- 
lenken. Die  Ein-  und  Austrittsfläche  der  prismalischen  Ringe 
pflegt  man  eben,  die  total  reflectirende  Hinterseite  dagegen  ge- 
krümmt zu  nehmen. 

Auch  für  diese  Einrichtung  hat  der  Verfasser  einige  ßestim- 
mungsformeln  aufgesucht,  so  zwar,  dafs  er  zuerst  die  Hinterseite 
eben  voraussetzte  —  wobei  indefs  jeder  Ring  nur  die  unter  einem 
einzigen  Einfallswinkel  auffallenden  Strahlen  nach  einer  vorge- 
schriebenen Richtung  hinlenken  kann  —  und  davon  Ausgang  neh- 
mend die  Frage  stellte,  wie  durch  Krümmung  der  Hinterseite 
sämmtliche  auffallende  Strahlen  möglichst  nahe  in  eine  gemein- 
same vorgeschriebene  Richtung  sich  bringen  lassen. 

Stellt  abc  (siehe  die  folgende  Seite)  den  Durchschnitt  eines 
prismatischen  Ringes  mit  ebener  Hinterseite  vor,  so  ist  demnach 
die  zuerst  aufgeworfene  Frage  folgende:  Welches  mufs  die  Form 
und  Lage  des  Dreiecks  abc  sein,  damit  ein  von  f  ausgehender 
Strahl  /jf,  wenn  er  nach  h  gebrochen  und  von  da  nach  i  toUit 
reflectirt  wird,  hier  nach  einer  Richtung  ik  austrete,  welche  einer 
gegebenen  Richtung  fm  parallel  ist,  mit  der  Nebenvoraussetzungi 
dafs  die  Strahlen  gh  und  hi  im  Innern  des  Glases  parallel  mit  ae 
und  ab  seien? 

Werden  der  Eünfails-  und  Brechungswinkel  bei  g  durch  o^ 
und  (o'y  und  bei  t  durch  to\  und  co^  bezeichnet,  so  hat  man,  weil 
aghi  ein  Parallelogramm  sein  soll,  zunächst  oi  =s  cii^,  co'  ^  oi'; 
femer,  wenn  ab  und  ac  mit  fm  die  Winkel  97  und  t/^  bilden, 

w  =  y— /— 90,      tJ  =  y— 1/;— 90, 
so  dafs  die  Brechungsgleichung 

sin  w'  SS  fi  sin  ta     in 
cos  (5p — xfi)  =  /i  cos  (q> — /) 
übergeht.    Da  ferner  xp  =  cik  =  bgf  =  180— 9 -f"^  *^^>  ®^  '^^s' 
«ich  die  letzte  Gleichung  auch 


188 


14.    Theoretiiche  Optik. 


/    / 


^ 


—  COS  (29)  —  /)  =  (i  cos  (5p — 0 
schreiben,  oder  noch  einfacher,  insofern  nach  dem  Obigen 

9  =  90+0;+/ 
ist, 

cos  (2w-f  Z)  =  — fi  sin  w. 

Ist  hieraus  oi  (etwa  durch  Näherung)  für  ein  gegebenes  /  gefun- 
den,   so    hat   man    dann    auch    5p  =  90-{- w-f /,   1^  =  90  —  w, 

2I  hac  =  q) — \p  =  2ai  -f  'j  und  somit 

,  (indem  wegen  der  Gleichheit   der 

"%^^//  Winkel  bei  h,  ab  =^  ac  sein  mu(s) 

■J'^'^iij^^^X  \     '         das  Dreieck   der  Form  und  .Lage 

^^  \  \  \  nach  bestimmt. 

Der  prismalische  Ring  ist  dann 
;\\         zu  erzeugen  durch  Umdrehung  des 
:^Ä      Dreiecks    abc    um    eine   durch   f 
\^  gehende   auf  fm   senkrechte  Axe. 
Mehrere  solcher  Ringe  so  über  ein- 
ander gebracht,  dafs  alle  von  der 
Flamme  bei  f  aufwärts  gehenden 
Strahlen  aufgefangen  werden,  bil- 


GauNERT.  439 

den  dann  die  Kuppel  des  Leuchtapparats  (die  Figur  stellt  einen 
Durchschnitt  einer  Polygonallinse  mit  denen  der  ersten  zugehö- 
rigen prismatischen  Ringe  vor).  Die  Flamme  bei  f  auf  einen 
Punkt  reducirt  gedacht,  werden,  wenn  die  Seite  ab  der  Ringe 
nur  eine  geringe  Ausdehnung  hat,  die  auf  einen  und  denselben 
Ring  fallenden  Strahlen  zwar  nahezu  mit  ftn  einerlei  Winkel 
bilden,  und  daher  auch  nahezu  parallel  mit  fm  austreten  können, 
aber  doch  nicht  genau  genug,  dafs  nicht  auf  gröfsere  Entfernung 
die  Abweichung  vom  Parallelismus  eine  sehr  merkliche  Strahlen- 
Zerstreuung  zur  Folge  haben  sollte. 

Um  eine  bessere  Wirkung  zu  erhalten,  wird  daher  für  die 
geradlinige  Seite  eh  ein  Kreisbogen  ch^  subslituirt,  welcher  bei 
e  die  Linie  ch  berührt,  und  von  solchem  Radius,  dafs  von  den 
aus  ac  heraustretenden  Strahlen  diejenigen,  welche  dicht  bei 
a  und  dicht  bei  c  den  Ring  verlassen  (nämlich  aW  und  cV)  mit 
■fm  parallel  werden.  Man  kann  dann,  wenn  ac  hinlänglich  klein 
gewählt  wird,  annehmen,  dafs  die  übrigen  zwischen  a  und  c 
austretenden  Strahlen  nur  sehr  unbedeutend  vom  Parallelismus 
mit  ftn  abweichen  werden. 

Bezüglich  der  hierzu  erforderlichen  Krümmung  bemerke 
man  Folgendes.  Der  Strahl  cH  mufs,  weil  er  vor  dem  Austritt 
die  Fläche  ch  dicht  bei  c  traf  und  vor  der  dortigen  Reflexion 
parallel  mit  ac  war,  dicht  bei  a  eingetreten  sein.  Ferner  müfste 
der  Strahl  a}i\  weil  er  mit  cV  parallel  ist,  vor  dem  Austritt  mit 
der  Richtung  parallel  gewesen  sein,  welche  cV  vor  dem  Austritt 
hatte,  d.  h.  parallel  mit  ah.  Wird  daher  der  Strahl  fh^  (welcher 
nachher  in  der  Richtung  a*"  austreten  soll)  bei  h^  etwa  mit  h^f 
parallel  gebrochen,  so  ist  die  Halbirungslinie  des  Winkels  ah^f^ 
sein  Einfalisloth  an  der  reflectirenden  Fläche  c6^,  und  da  dieses 
ein  Radius  des  Bogens  ch^  ist,  so  wird  der  Mittelpunkt  des  ge- 
suchten Bogens  im  Durchschnittspunkte  o  dieser  Halbirungslinie 
mit  dem  in  e  auf  der  Tangente  ch  errichteten  Perpendikel  lie- 
gen. Da  nun,  wenn  die  Punkte  a  und  /*,  also  auch  der  Winkel 
t  =  n/m,  so  wie  die  Länge  ac  gegeben  ist,  das  Dreieck  ach 
nach  dem  Obigen  als  bekannt  betrachtet  werden  kann,  so  ist  nur 
auf  a6  der  Punkt  6,  so  zu  finden,  dafs  oh^  :&=  oe  wird.  Ist  dies 
der  Fall,    also  o  der   gesuchte   Krümmungsmittelpunkt,    so  ist 


490  14.    Theoretische  Optik. 

nalürlich  das  aus  oe  und  ob^  mit  der  Sehne  des  ßogens  cft^  ge- 
bildete Dreieck  gleichschenklig,  und  daher  Z-oeft,  ==  /^o\c. 

Die  Lage  von  (^  will  nun  der  Verfasser  durch  Versuche  in 
allmäliger  Annäherung  bestimmt  wissen. 

Man  soll  vorerst  für  ab^  einen  vorläufig  willkürlichen  Werih 
setzen,  daraus  die  Winkel  ocb^  und  ob^c  berechnen  und  zusehen, 
ob  und  wieweit  die  Bedingung  l^oeb^  =5  ob^c  erfüllt  ist,  um  dann 
hierdurch  auf  einen  genaueren  VVerth  für  ab^  geführt  zu  werden, 
der  lu  gleicher  Weise  geprüft  auf  einen  dritten  Näherungswerlh 
führt,  etc.  —  Hat  man  auf  diese  Art  einen  hinreichend  genauen 
Werth  für  ab^  gefunden,  so  ist  damit  auch  der  gesuchte  Punkt  o 
bestimmt  Rd. 


L.  Sbidbl.     Zur  Theorie  der  Fernrohrobjeclive      A«tr.  Nachr. 
XXXV.  301-316f. 

Für  die  Entwicklung  der  Formeln,  welche  Hr.  Sbidel  in 
dieser  Abhandlung  zur  Berechnung  solcher  Linsensysteme,  die 
von  der  sphärischen  und  chromatischen  Abweichung  thunlichst 
befreit  sind,  aufgestellt  hat,  bildeten  die  strengen  Grundfor- 
meln für  die  Brechung  an  sphärischen  Flächen  in  der  Gestalt, 
weiche  ihnen  Bcssbl  (Astr.  Untersuch.  I.  91)  gegeben  hat,  den 
Ausgangspunkt.  Die  Einfachheit  und  Symmetrie  verdanken  die 
Endformeln  der  Anwendung  des  Kunstgriffs,  passende  Hülfs- 
variabeln  einzuführen.  Wir  theilen  davon  Folgendes  auszüg- 
lich mit. 

Bezeichnet  man  mit  v  und  ic;  die  zwischen  -|-90®  und  — 90° 
liegenden  Winkel,  welche  die  Richtung  eines  Strahls  respecUve 
vor  und  nach  der  Brechung  mit  der  Axe  der  sphärischen  bre- 
chenden Fläche  bildet,  mit  7  den  Winkel  zwischen  dem  Einfalls- 
loth  und  dieser  Axe,  mit  q  den  Halbmesser  der  Krümmung,  und 
mit  ß  und  a  die  Distanzen  zwischen  dem  Scheitel  der  brechen- 
den Fläche  und  dem  Punkte,  wo  die  Axe  respective  von  dem 
einfallenden  und  gebrochenen  Strahl  getroffen  wird  (^,  /},  a  auf 
der  Seite  der  sphärischen  Fläche  positiv  genommen,  wohin  sich 
der  Strahl  bewegt)  so  sind,  wenn  überdies  n  das  Verhältnifs  des 


Brechungsexponenlen  des  ersten  zu  dem  des  zweiten  (brechen- 
den) Mittels  vorstellt,  die  BESSEL'schen  Formeln 
1^  sin  (t — t;)  =  (ß-^g)  sin  v 
sin  (t  —  w)  =  wsin(T — t;) 
(a— ^)8inu?  =  ^sin(r — w). 
Bedeuten  femer  r^,  w^^  ir^,  /J©»  «o  ^*®  Näherungswerthe  von 
v,  Wf  tf  ßf  a,  welche  sich  ergeben,  wenn  man  für  die  Sinus  die 
Bogen  selzty  so  erhält  man 

Die  genaueren  Werlhe  lassen  sich  dann  darstellen  durch 
t?o+Ar,  Wo  +  Ai«?,  t,  +  At,  ß,  +  /^ß,  a,  +  Aa. 
Vernachlässigt  man  die  vierten  und  höheren  Potenzen  der 
in  der  Wirklichkeit  kleinen  Bogen  t?,  ti;,  r,  so  wie  die  höheren 
Potenzen  der  mit  ihren  Quadraten  vergleichbaren  Differenzen 
Av,  Aio  etc.,  so  reduciren  sich  die  Gleichungen  1)  unter  Be- 
rücksichtigung der  Gleichungen  2)  auf 

QAT—ß,Av-v,Aß  =  iQ(r^^v,)[(z,  —  v,r—vl] 
nAt?  — Att;— (w  — l)Ar  =  i[{T^—tv^y—n{T^  —  v,y] 
eAT—of^Att?  — tr^Aof  =  ^^K  — tüo)IK— t«^o)*-<«^n- 
Addirt  man  diese  Gleichungen,  nachdem  man  sie  respective  mit 
««o>  ^oA>  — A  multiplicirt  hat,  so  fallen  Av,  Ate?  und  Air  her- 
aus (da  der  Coefficient  von  Ar,  nämlich  ga^ßo  1-^ ^^^1 

^  ^  "^  **  ^ßo    Oo      e  -* 

zufolge  der  zweiten  der  Gleichungen  2)  verschwindet),   und  es 
bleibt 

ß^tvAa—na^v^Aß  =  inaJg-'ß^){T  —  v,y''iß,(g^a,){t—wJ' 

—irigajT^  —  v^)v^*+igßjT^  —  w^)wl 
übrig.    Diese  Gleichung  läfst  sich  mit  Hülfe  der  Relationen  2) 
noch  weiter  reduciren  auf 

2(Aa-n^Aß)  =  {r,-v,r{H-l)^[a,^(H  +  l)^l 

oder,  da 

X  = -—    und    ö  =  — 

n — i  ^        % 


/|92  14*     Theoretische  Optik, 

ist,  nach  Elimination  von  %  und  q  auf 

Hat  man  es  nun  mit  einem  System  auf  derselben  Axe  ste- 
hender sphärischer  brechender  Flächen  £U  thun,  und  soll  die 
sphärische  Abweichung  für  die  von  einem  in  der  Axe  liegenden 
Punkte  kommenden  Strahlen  aufgehoben  werden,  so  mufs  das 
Aa  der  letzten  Fläche  verschwinden,  während  das  A/?  der  er- 
sten Fläche  an  sich  =  0  ist. 

Eine  ähnliche  Gleichung,  welche  sich  so  auf  die  Farben- 
abweichung, wie  die  4)  auf  die  sphärische  Abweichung  bezieht, 
erhält  man,  wenn  man,  unter  n  und  »-|- Vn  die  Brechungsver- 
hältnisse der  zu  vereinigenden  farbigen  Strahlen,  und  unter 
ß-{-^ßy  a-j-Va  die  correspondirenden  Werthe  von  ß  und  a 
verstehend,  in  die  Grundgleichen  w-fVw,  ß'\-Vß,  .a-\''Va  für 
n,  ßf  a  substituirt.  Man  darf  sich  dabei  lediglich  der  ^JäherungS'* 
gleichungen  2)  bedienen,  weil  ein  kleiner  Rest  von  Farben- 
abweichung die  Bildschärfe  weit  weniger  stört  als  ein  eben  so 
grofser  Rest  der  sphärischen  Abweichung,  und  in  der  That  auch 
die  unvermeidlichen  Fehler,  welche  aus  den  Verschiedenheiten  in 
den  Zerstreuungsverhältnissen  verschiedener  Mittel  entspringen^ 
und  das  secundäre  Spectrum  erzeugen,  im  Allgemeinen  gröfser 
sein  würden  als  die  Fehler,  die  man  dadurch  beseitigen  will, 
dafs  man  die  strengen  statt  der  genäherten  Formeln  benutzt. 

Führt  man  die  gedachten  Substitutionen  in  die  Gleichung 
n        1        n—i 


f^o 


ein,  so  erhält  man  leicht 

oder  wenn  man  wieder  wie  oben  q  eliminirl, 

ßl     ^       n^i        w. 
Auch  hier  ist  für  die  Punkte  der  Axe  das  erste  V/9  gleich 
Null,  und  es  mufs  das  letzte  Va  verschwinden,  wenn  die  Far- 
benabweichung aufgehoben  werden  soll. 


Skidbl.  4  93 

Es  bleibt  nun  übrig,  aus  den  gefundenen  Fonneln  für  eine 
einzelne  brechende  Fläche  die  Formeln  für  ein  System  beliebig 
vieler  brechender  Flächen  herzuleiten,  und  zu  dem  Ende  wird  es 
nöthig,  vorerst  die  angewendeten  Buchstaben,  je  nachdem  sie  sich 
auf  die  eine  oder  die  andere  brechende  Fläche  beziehen,  etwa 
durch  Indices,  zu  unterscheiden.  Der  Verfasser  hat  hierzu  für 
die  sich  auf  das  1.,  2.,  3.,  4,  ...  i-{-l.  Mittel  beziehenden  Grö- 
fsen  die  Indices  — 1,  1,  3,  5,  ...  214-I9  und  für  die  sich  auf 
die  1.9  2.,  3.,  ...  i-f-l-  Fläche  beziehenden  Gröfsen  die  Indices 
0,  2,  4,  ...  2i  gebraucht,  so  dafs  also  bei  der  i+1.  Fläche 
e^  «?o,  '^0  «0»  ßo*  w,  Vw  durch 

Q2i}  w«i+ij  T2x>  Of«»  Pai>  ~      >    "T i 

ersetzt  werden.  Da  das  1;^  einer  Fläche  mit  dem  w^  der  voran- 
gehenden Fläche  züsammenrällt,  so  wird  dann  gleichzeitig  Wii^i 
für  Vii^i,  und  ebenso  aai-a  für  ß^i  gesetzt  werden  dürfen. 

Ferner  ist  es  vorgezogen,  aufserhalb  des  Vn  für  die  reci- 
proken  Brechungsverhältnisse  n  die  directen  zu  nehmen  und  mit 

V  zu  bezeichnen,    so  dafs  das  alte  n  in  — 2i±i  zu  verwandeln  ist. 

Die  zur  Vereinfachung  eingeführten  Hülfsgröfsen  endlich  sind  mit 
h  und  a  bezeichnet  worden  und  durch  die  Gleichungen 


O)        ßii  = ,        «ai  = 


21 


^»2—1  <Tai+i 

bestimmt.  Hierdurch  wird  also  das  A  proportional  mit  der  Ent- 
fernung des  Einfallspunkts  des  Strahls  von  der  Axe,  und  a  pro- 
portional mit  dem  Winkel  tv  (oder  strenger,  mit  dessen  Tangente)^ 
so  dafs,  wenn  d^t  jene  Entfernung  bedeutet, 

(Tai-i  =  Gt(?at— i,        ^at+i  =  GWqi+i}        fhi  =  G^ai 

gesetzt  werden  kann,  während  6  eine  beliebig  zu  wählende  Con- 
stante  bleibt. 

Gebraucht  man  noch  die  Abkürzungen 

«         -   TV  ^^^'+^        ^^*^*-i  _   7V'. 

so  nehmen  die  Formeln  4)  und  5)  unter  Anwendung  der  neuen 
Bezeichnungen  die  folgende  Gestalt  an: 

Fortfchr.  d.  Phys.  VIII.  13 


i|g|,                               14.    Theoretische  Optik. 
26»  \Vau  ^  -  V/9„  ^1 
*'\ JJ^, J  v^«'-»^«'-» — Vii^ia2i-\-i)9 

Ist  nun  &-f  1  die  Zahl  der  brechenden  Flächen,  so  setze  man 
in  diese  Gleichungen  für  t  nach  einander  0^  1,  2,  3,  ...  &,  und 
addire  die  entstehenden  Gleichungen  zu  einander.  Es  ergiebt 
sich  dann,  wenn  man  darauf  achtet,  dafs  Aß,^  =  0,  Vß^  r=  0 
(weil  alle  Strahlen  von  einem  Punkte  der  Axe  ausgehend  gedacht 
werden)  und  aa;-t  =  ßii  ist,  so  wie  dafs  Aa«*  und  Va^i  =  0 
zu  setzen  sind,  weil  im  Endbilde  die  beiderlei  Abweichungen 
aufgehoben  werden  sollen:  # 

I)   0  =  A,(£^y(,._,a_.-r.(r.)+Ä.(2i^y(v.a. -*,«;,)+... 

11)   o  =  A,(?ri=:^)iV.'+Ä.(^L=^)iv;  +  ... 

+*•* — m — ^'*' 

Zufolge  der  Gleichungen  6)  ist  die  Entfernung  des  Objects  von 
der  vorderen  Linse,  und  die  des  Endbildes  von  der  letzten  Linse 
respeclive 


7)     ßo  =  •:r-  >     «2*  = 


und  wenn  man  die  Entfernungen  der  brechenden  Flächen  von 
einander,  und  respective  die  Linsendicken  nach  der  Reihe  mit 
^19  ^8)  ^5>*"  bezeichnet,  so  hat  man  überdies 

III)       «/.,+.  =  a„— /?.,+,  =   ^"•~^"+'  . 

Endlich  wird  wegen 

aw(n  —  1) 
^  nv — tc; 


V2i^i  CXai+i  —  y«i'+i  <7t,-.x 


Seidel.  j|gg 

Die  Gleichungen  I)  und  11),  wekhe  die  Bedingungen  ausspre- 
chen, unter  denen  die  Abweichungen  verschwinden^  enthalten  2i-f  3 
Veränderliche,  nämlich  a^^,  cr^  a,,  ...  ^8*+»  und  A^.  *«,  h^^...  Ajjt. 
Zwei  von  diesen  Gröfsen  werden  durch  die  Gleichungen  I)  und  II) 
selber  bestimmt;  eine  dritte  kann  willkürlich  gewählt  werden,  da 
die  Gleichungen  6),  durch  welche  die  a  und  h  eingeführt  wur- 
den, zwei  Gleichungen  zwischen  drei  Unbekannten  sind;  und  es 
darf  daher  z.  B.  ein  für  allemal  o^k-^i  =  1  angenommen  werden. 
Zur  Bestimmung  der  übrigen  2*  Gröfsen  kann  man  das  Linsen- 
system einer  Anzahl  passend  gewählter  Bedingungen  unterwerfen. 
So  z.  B.  kann  man  1)  die  Objectsdistanz  ß^  und  die  Entfernung 
des  letzten  Bildes,  a^jt,  als  gegeben  denken,  wodurch  sich  mit- 
telst 7)  zwei  jener  Gröfsen  bestimmen;  2)  kann  man  die  Linsen- 
dicken und  die  Entfernungen  der  Linsen  von  einander,  d.  h.  die 
Gröfsen  rfj,  d^y...dk  geben,  wodurch  sich  mittelst  der  Gleichung III) 
die  Werthe  von  noch  weiteren  k  Variabein  ergeben.  Die  übrigen 
%— 2  Gröfsen  kann  man  endlich  etwa  durch  eine  Zahl  gegebener 
Krümmungshalbmesser  [mittelst  IV)]  oder  durch  sonstige  Anfor* 
derungen  bestimmen. 

Handelt  es  sich  z.  B.  um  ein  aus  zwei  Linsen  zusammen- 
gesetztes Fernrohrobjecliv,  so  hat  man  die  Objectsdistanz  ß^  =-  oo, 
also  (7.1  =  0  setzend,  und  die  Brennpunktsentfernung  a^  zur 
Längeneinheit  nehmend,  wegen  A^  =  I,  aus  III): 

Werden  also  die  Dicken  der  beiden  Linsen  d^  und  c/^,  und 
ihre  Entfernung  rf,  vorausbestimmt,  so  hat  man  hiermit  die  h  in 
(Ti,  (T3,  o^  ausgedrückt,  welche  letzte  Gröfsen  dann  allein  noch  in 
I)  und  II)  übrig  bleiben,  so  dafs  man  z.  B.  noch  einen  Krüm- 
mungshalbmesser beliebig  wählen  kann.  Im  vorliegenden  Falle 
werden  aber  dann,  weil  Aq,  ä„  A^  lineare  Functionen  der  or  sind, 
die  Gleichungen  I)  und  II)  respeclive  vom  vierten  und  zweiten 
Grade  in  Bezug  auf  die  a,  und  man  sieht  sich  dann  schliefslich 
auf  eine  Gleichung  des  achten  Grades  geführt.  Um  die  Auf- 
lösung dieser  Gleichung  zu  umgehen,  räth  der  Verfasser  an,  zu- 
nächst die  Linsendicken  zu  vernachlässigen,  also  d^^d^^O  zu 

13* 


i|96  14.    Theoretische  Optik. 

setzen,  und  die  unter  dieser  Voraussetzung  aus  den  sich  dadurch 
sehr  vereinfachenden  Gleichungen  erhaltenen  Werthe  für  die  a 
nachträglich  wegen  der  Glasdicken  zu  corrigiren.  Da  nämlich,  das 
erste,  dritte  und  fünfte  Mittel  als  Luft  angenommen,  JV,  =  — JV^,, 
iV,  =  — iV„  und  ebenso  JVJ  =  —  iV;,  iV;  =  —N[  wird,  und 
dadurch  aus  der  Gleichung  11)  c7^  und  o^  gänzlich,  und  aus  der 
Gleichung  I)  die  dritten  Potenzen  von  o^  und  a^  herausfallen, 
so  wird  die  Schlufsgleichung  nur  quadratisch. 

Was  die  Correction  betrifft,  so  bemerke  man,  dafs  die  Glei- 
chungen I)  und  II)  die  Form 

8)      0==h,A,+h,A,+h,A,  +  h,J, 
haben,  und  dafs  daher  die  Glieder,  welche  dadurch  herausgefal- 
len sind,  dafs  man  die  Dicken  d^  und  d^  gleich  Null  setzte,  oder 
was  dasselbe  ist,  dafs  man 

*o  =  Ä,  =  1  -f-ajrf, ,      Ä^  =  A^  =  1 
setzte,  die  folgenden  sind: 

9)      a,d,A,  +  aAiA  +  A  +  ^J- 
Nennt  man  die  Ausdrücke  in  8)  und  9)  respective  P  und  0» 
so  hätte  man  daher  a^y  (T,,  a^  so  zu  ändern,  dafs  die  CorrecÜo- 
nen  gleich  —  Q  werden,  und  man  behält  daher  zur  Bestimmung 
der  Aenderungen  Aa^,  Ao^,,  Aa^  die  Näherungsgleichungen 

aus  denen  man  überdies  die  Glieder,  in  denen  die  Glasdicken 
mit  den  Aenderungen  Aa  multiplicirt  erscheinen,  wird  fortlassen 
dürfen.  Rd. 


BiLLBT.  Sur  la  Constitution  de  la  lumiere  polarisee  et  la 
vraie  cause  des  changements  qui  s'introduisent  dans  la 
diflF(6rence  des  phases  de  deux  rayons  polaris6s,  issus 
tfun  rayon  naturel.  Arch.  d.  sc.  phys.  XIX.  296-302t;  lost. 
1852.  p.  234-235. 

Es  ist  bekannt,  dafs,  wenn  ein  unpolarisirter  Strahl  sich 
(etwa  durch  doppelte  Brechung)  in  zwei  auf  einander  senkrechte 
Strahlen  theilt,  und  diese  letzteren,  nachdem  zwischen  ihnen 
Gangunterschiede  eingetreten  sind,  wieder  auf  einerlei  Polarisa* 


BiLLKT.  J97 

lionsebene  zurückgeführt  werden  —  tlie  Interferenzerscheinungen 
ausbleiben;    dafs  diese   Erscheinungen  aber  sofort  hervortreten, 
sobald  das  Licht  vor  der  Theilung  polarisirt  wird.    Hr.  Billet 
zeigt  nun  hier,    dafs  man  zur  Erklärung  dieser  Eigenheit  nicht 
nöthig  habe,  wie  es  bisher  geschehen  ist,  schroffe  Ungleichförmig- 
keiten  in  den  Schwingungsbewegungen  des  unpolarisirten  Lichts 
anzunehmen.    Bei  der  Beweisführung  geht  er  von  der  gewöhn- 
lichen Vorstellung  aiis,  dafs  im  unpolarisirten  Lichte  die  Schwin- 
gungen unausgesetzt  ihr  Azimuth  ändern,   nimmt  aber  der  Ein- 
fachheit der  Darstellung  halber  an^  dafs  diese  Azimuthsänderun- 
gen  gleichmäfsig  und  stets  in  demselben  Sinne  geschehen.     Dies 
vorausgesetzt  läfst  sich  denken,    dafs  nach  einer  gewissen,   aber 
sicher  sehr  grofsen  Zahl  von  Schwingungen  die  Azimuthe  nach 
der  Reihe  wiederum  dieselben  Werthe  durchlaufen.     Den  Inbe- 
griff der  bis  dahin  ausgeführten  Schwingungen  nennt  er  die  grofse 
Periode,  im  Gegensalz  zur  kleinen  Periode,  unter  welcher  er  die 
Bewegung  innerhalb  einer  einzelnen  Schwingung  versteht.    Zer- 
legen sich  nun  durch  irgend  einen  Anlafs  alle  Schwingungen  nach 
zwei  bestimmten  auf  einander  senkrechten  Richtungen,  so  werden 
die  Amplituden   der   beiden  Componenten  während    der  Dauer 
einer  grofsen  Periode  sich  fortdauernd  ändern;   namentlich  wird 
die  Amplitude  der  einen  Componente  abnehmen,  während  die  der 
zweiten  zunimmt,  und  umgekehrt;  und  in  dem  Moment,  wo  die 
eine  ihr  Maximum  erreicht,  wird  die  zweite  durch  Null  hindurch- 
gehen.    Werden  nun  die  Strahlen  wieder  auf  einerlei  Polarisa- 
tionsebene zurückgeführt^  so  wird  in  den  Momenten,  wo  die  eine 
Componente  durch  ihr  Maximum  hindurchgeht,  die  andere  von 
der  positiven  auf  die  negative  Seite  übergehen,   und  sich  dem- 
nach so  verhallen,   als  hätte  sie  eine  halbe  Undulation  verloren. 
Hatten  inzwischen  die  Componenten  sonstige  Gangunterschiede 
erfahren,  so  werden  diese  also  gewissermafsen  in  den  beregten 
Zeitpunkten  um  eine  halbe  Undulation  vermehrt  oder  vermindert 
werden.    Solcher  Momente  treten  aber  während  einer  grofsen 
Periode  vier  ein,  und  man  wird  daher  die  durch  die  Gangunter- 
ßchiede  erzeugten  Interferenzfarben   viermal  in  die  complemen- 
lären  übergehen  sehen.     Wenn  aber  die  Periode,  obgleich  sehr 
viele  Schwingungen  umfassend,  nur  von  sehr  kurzer  Dauer  ist, 


198  ^^'     Theoretische  Optik. 

SO  wird  die  Aufeinanderfolge  der  complemenlären  Farben  so  rasch 
erfolgen,  dass  ihre  Eindrücke  sich  zu  Weifs  ergänzen,  und  die 
Interferenzerscheinung  somit  nicht  wahrgenommen  werden  kann. 

In. der  That  darf  man,  um  den  Vorgang  zur  Anschauung  zu 
bringen,  nur  das  ursprüngliche  Licht  durch  einen  Polarisator  gehen 
lassen,  und  denselben,  damit  der  Azimuthswechsel  wiederherge- 
stellt werde,  schnell  in  seiner  Ebene  herumdrehen.  Bei  jeder 
Umdrehung  gehen  dann,  wie  bekannt,  die  Interferenzfarben  vier- 
mal in  die  complemenlären  über,  und  sie  werden  sich  zu  weifs 
mischen,  wenn  die  Zeit  einer  Vierteldrehung  kleiner  wird  als  die 
Dauer  eines  Lichteindrucks. 

Es  dürfte  demnach  gelingen,  die  Interferenzfarben  auch  bei 
nicht  vorläufig  polarisirtem  Lichte  sichtbar  zu  machen,  wenn 
man  von  der  Lichtquelle  einen  Schirm  mit  schmalen,  äquidistanten 
radialen  Spalten  so  schnell  herumdreht,  dass  die  jedesmalige  Ver- 
deckung  durch  die  undurchsichtigen  Zwischenräume  der  Dauer 
des  vierten  Theils  der  grofsen  Periode  gleichkommt,  vorausge- 
setzt natürUch,  dafs  die  Azimuthsänderung  im  unpolarisirten 
Licht  in  Wirklichkeit  eine  gleichförmige  ist. 

Der  Schirm  würde  dabei  offenbar  nichts  weiter  als  eine  neue 
Art  Polarisator  sein. 

Hr.  BiLLET  bemerkt  ferner,  dafs,  wenn  der  Vorgang  der  be- 
schriebene ist,  das  durch  einen  Polarisator  polarisirte  Licht  eine 
Intensitätsperiode  haben  müsse,  deren  Dauer  dem  Viertel  der 
Dauer  der  grossen  Periode  gleich  ist.  Wenn  daher  bei  den  Inter- 
ferenzen die  Gangunterschiede  vergleichbar  würden  mit  der  Zahl 
der  Schwingungen  einer  Viertelperiode,  so  müfste  die  Ungleich- 
heit in  den  Intensitäten  der  interferirenden  Strahlen  bewirken, 
dafs  den  Minimis  der  Interferenzfigur  nicht  mehr  vollkommene 
Dunkelheit  entspricht.  Hieraus  schliefst  Hr.  Billet,  da  Fizeau 
und  FoucAULT,  welche  (Berl.  Ber.  1850,  51.  p.410)  Erscheinungen 
dieser  Art  noch  bei  Gangunterschieden  von  7000  Undulationen 
beobachteten,  von  solchen  Abschwächungen  nichts  erwähnt  haben, 
dafs  die  grofse  Periode  bedeutend  mehr  als  28000  Schwingungen 
umfassen  müsse.  Gegen  diesen  Schlufs  ist  inzwischen  zu  er- 
wiedern,  dafs  derselbe  auf  der  Regelmäfsigkeit  der  Aenderung  in 
dem  Schwingungsazimuthe  basiii  ist,  und  diese  nur  eine  Ficüon 


Bkeä.  4  99 

des  Verfassers  war,  in  der  Wirklichkeit  aber  nicht  wohl  ange- 
nommen werden  kann.  Rd. 


Beeb.     Ableitung  der   Intensitäts-  und   Polarisationsverhält- 
nisse  des  Lichlringes  bei   der  inneren  conischen  Refrac- 

lion.      PoGG.  Ann.  LXXXV.  67-79t. 

Der  vorstehend  citirte  Aufsalz  enthält  die  nähere  Bestim- 
mung der  Intensiläls-  und  Polarisalionsverhältnisse  bei  der  coni- 
schen Refraction  für  den  besonderen  Fall,  dafs  der  Krystall  senk- 
recht gegen  eine  der  optischen  Axen  geschnitten  ist,  und  das 
Licht  in  einem  dünnen  cylindrischen  Strahlenbüschel  perpendi- 
cuiär  aufrällt. 

Es  ist  bekannt,  dafs  ein  einzelner  Strahl  bei  senkrechter  In- 
cidenz  in  dem  vorliegenden  Falle  sich  durch  die  Brechung  in 
einen  Strahlenkegel  theilt,  welcher  die  Austrittsfläche  in  einer 
Kreislinie  —  in  nebenan  stehender  Figur 
durch  AoChA  vorgestellt  —  schneidet, 
von  welcher  ein  Punkt  A  der  Eintritls- 
fläche  genau  gegenüber  liegt,  während 
der  Durchmesser  AC  in  die  Ebene  der 
optischen  Axen  fällt;  ferner,  dafs  für  jeden 
einzelnen  der  gebrochenen  Strahlen  die 
Schwingungsebene  durch  A  und  seinen 
Austrittspunkt  geht,  wie  auch  das  einfallende  Licht  polarisirt  ge- 
wesen sein  mag.  iMan  kann  nun  den  einfallenden  Strahl  sich 
aus  unendlich  vielen  Strahlen  von  gleicher  (aber  unendlich  ge- 
ringer) Intensität  zusammengesetzt  denken,  und  sich  vorstellen, 
dafs  jeder  derselben  ein  Paar  der  den  Conus  bildenden  ge- 
brochenen Strahlen  (einen  gewöhnlichen  und  einen  ungewöhn- 
lichen) erzeugt.  Ist  z.  B.  f  der  Austriltspunkt  eines  der  gewöhn- 
lich gebrochenen  Strahlen,  also  seine  Schwingungsebene  durch  Af 
gehend,  so  ist,  fAg  =  90^  genommen,  g  der  Austrittspunkt  des 
darauf  senkrecht  polarisiiien,  also  des  zugehörigen  ungewöhn- 
lichen Strahls;  und  wenn  Ah  die  Schwingungsebene  des  ein- 
fallenden Lichts,  a  dessen  Amplitude,  und  da  die  Amplitude  des- 


gOO  14.     Theoretische  Optik. 

jenigen  Partialstrahls  bedeutet ,  welcher  sich  nach  f  und  g  hin 
theilt,  so  kann  man  (abgesehen  von  der  durch  die  Brechung  be- 
wirkten aUgemeinen  Schwächung)  die  Amplitude  bei  f  durch 
dacoßfAhj  die  bei  g  durch  da  cos hAg  vorstellen.  Zieht  man  Ao 
senkrecht  auf  Ah  (wo  dann  in  o  die  Amplitude  gleich  Null,  und 
in  h  gleich  da  wird),  und  zählt  die  Schwingungsazimulhe  von  Ao 
aby  so  hat  man,  die  Azimuthe  oAf  und  oAg  resp.  mit  d  und  d' 
bezeichnend,  für  die  Amplituden  in  f  und  g  resp.  dasind  und 
da  s\n&. 

Ebenso  wie  einem  bei  f  austretenden  gewöhnlichen  Strahl 
ein  bei  g  austretender  ungewöhnlicher  entspricht,  so  entspricht 
dem  bei  g  austretenden  gewöhnlichen  Strahl  ein  bei  f  austre- 
tender ungewöhnlicher.  Man  würde  also,  wenn  man,  um  succes- 
siv  alle  Partialstrahlen  durchzugehen,  d  von  0  bis  n  variirt,  für 
jeden  Punkt  des  Kreises  AoCj  d.  h.  für  jede  Seite  des  gebrochenen 
Strahlenkegels,  zwei  Strahlen  von  überdies  gleicher  Intensität  er- 
halten, und  braucht  daher  zur  vollständigen  Bildung  des  Strahlen- 
kegels nur  d  von  0  bis  -^  variiren  zu  lassen,  wonach  dann,  in- 
dem man  auf  jedes  Increment  dd  einen  Theil  des  Einfallsstrahls 
rechnet,  letzterer  nur  in  -^^  Theilstrahlen  zu  zerlegen  sein 
würde,  so  dafs  das  obige  da  mit dd  identisch  wird. 

Hiervon  ausgehend  hat  nun  Hr.  Beer  die  Verhältnisse  in  dem 
Lichtringe  bestimmt,  welchen  die  Strahlen  auf  der  Austritlsfläche 
erzeugen,  wenn  statt  eines  einfachen  Strahls  ein  Strahlencylinder 
vom  Halbmesser  r  auf  den  Krystall  fällt.  —  Es  ist  klar,  dafs 
dann  jeder  Strahl  dieses  Cylinders  nach  der  Brechung  einen 
Lichtkreis  wie  AoCk  auf  der  Austritlsfläche  erzeugen  wird,  oder, 
was  auf  dasselbe  hinausläuft;  jedem  in  dem  Kreisumfange  AoCh 
austretenden  Strahl  des  obigen  Falls  wird  jetzt  ein  austretender 
Strahlencylinder  entsprechen,  welcher  die  AustritUfläche  in  einem 
Kreise  vom  Radius  r  trifll,  und  dessen  Centrum  wir  in  dem  Um- 
fange des  Kreises  Jo  CA  liegend  denken  können.  Ferner  ist  klar, 
dafs  die  Strahlen  eines  jeden  der  gebrochenen  Strahlencylinder 
unter  sich  einerlei  Schwingungs.  und  Intensitätsverhältnissc  haben 


BKEa. 


201 


werden.  Handelt  es  sich  nun  z.  B.  um  die  Bestimmung  des  Licht- 
verhältnisses in  einem  Punkte  p  des  Ringes,  so  nehme  man  s^ 
und  *,  so,  dafs  ps^  =ps^=zr  wird.  Es  werden  alsdann  in  p 
Strahlen  aus  allen  den  Kreisen  zusammenwirken,  deren  Mittel- 
punkte zwischen  *,  und  *,  liegen;  und  wenn,  n  in  der  Mitte 
zwischen  s^  und  *,  gedacht ,  oAn  =  d,  »^  il/t  =  9)  gesetzt  wird, 
so  sind  die  Oscillationsazimuthe  der  in  p  sich  zusammensetzenden 
Strahlen 

d— 9,  3—g>-\'dg>,  ...  d—d(p,  d,  d+</y,  ...  d-f-9), 
und  deren  Amplituden  demnach 

i/asin(d— 9),  (/asin(d— 9-f  </9>),  .. . 
rfasin(d— rfgc^),  rfasind,  rfasinCd+rfy) .. .  rfasin(d+9)). 
Zerlegt  man  diese  Schwingungen  respective  nach  An  und  senk- 
recht darauf,  so  werden  die  Amplituden  bezüglich: 

rfasin(d— 9)cos— 9,  rfasin(d— y-f  rfy)cos— (y^^rf^)), . . . 
£/asin(d-f  9>)co8  9>, 
und 

</asin{d— y)8in  — y,  rfasin(d— y+</y)sin— (y-j-</y), . . . 
£/asin(d-|-9>)s]n^. 
Vereinigt  man  diese  zwei  Gruppen  von  Schwingungen  unter  sich, 
und  nennt  die  Amplituden  der  beiden  resultirenden  Schwingungen 

g)  und  %  so  hat  man  wegen  da  == dq> 


n 
sin  (d+y)cos9i/y  =  —  (2y-}- sin  2^)  sind, 


-y 
3E  =  — y       sm(d+y)  sin  gx/qp  =  —(2y— sin 25p) cos d. 

Es  ist  folglich,  wenn  J  die  Gesammtintensität  in  /?,  und  tf;  die 
Abweichung  der  Oscillationsrichtung  von  An  (die  Ablenkung  der 
Oscillationsebene)  bedeutet,  und  man  lieber  if^  für  Itp  schreibt, 

J  =  3f+r  =  ^(9):+sinqt):— 2g),sing),cos2d), 

(angV;  =  cot2dy^-^'"y»  > 

Diese  beiden  Formeln  geben  nun  die  nölhigen  Aufschlüsse  über 
die  Lichtverlheilung  im  Ringe. 


202  ^-     Theoreiische  Optik. 

Durch  die  Länge  Op  beslimml  sich  der  Werth  von  q>^  (=  nOtf|); 
läfst  man  daher  in  den  Formeln  (p^  ungeändert,  und  variirl  d 
(d.  h.  die  Lage  des  Punkts  n),  so  erhält  man  die  Lichtvertheilung 
aur  einem  mit  AoCh  concentrischen  Kreise  vom  Radius  Op\  und 
läfst  man  d  constant  und  variirt  g)^  so  erhält  man  die  Lichtver- 
theilung in  der  radialen  Richtung  On. 

Setzt  man  zunächst  r  <  OC  (also  s^  s^  <  180^)  voraus,  so 
.  dafs  ein  Lichtring  mit  dunklei'  Mitte  entsteht,  dessen  innerer  und 
äufserer  Halbmesser  resp.  OC' — r  und  OC-\'r  ist,  und  an  dessen 
innerer  und  äusserer  Gränze  9)^  =  0  wird :  so  entspricht  auf  einem 
und  demselben  Radius  On  jedem  Punkte  p^  der  diesseits  der  zu- 
gehörigen Sehne  s^  s^  liegt,  ein  jenseits  der  Sehne  s^  s^  liegender 
Punkt  p',  welcher  von  s^  und  s^  eben  so  weit  (um  r)  absteht 
wie  p,  und  der  daher  zufolge  der  obigen  Formel,  weil  für  ihq 
q)^  und  d  denselben  Werth  hat,  mit  p  einerlei  Intensität  besitzt. 
Rückt  der  Punkt  p  weiter  nach  n  vor,  so  weichen  die  Punkte 
«]  und  ^2  weiter  zurück  und  p'  nähert  sich,  bis  8^s^  =  2r  ge- 
worden ist,  wo  alsdann  p  und  p'  in  einem  einzigen  Punkt  p^  zu- 
sammenfallen. Dieser  Punkt  p^  hat,  verglichen  mit  allen  anderen 
Punkten  des  Radius,  weil  zum  gröfsten  Werth  von  q>^  gehörig, 
das  Maximum  der  Intensität.  Von  ihm  aus  gehl  dieselbe  nach 
innen  und  aufsen  hin  successiv  bis  zu  Null  herab. 

Läfst  man  dagegen  d  variiren,  während  q>^  ungeändert  bleibt, 
um  die  Intensität  auf  dem  um  O  mit  Op  beschriebenen  Kreise  zu 

verfolgen,  so  erkennt  man,  dafs  ein  Minimum  r=r— 5  (y^ — sinyjM 
stattfindet  bei  <)  =  0,  also  auf  dem  durch  0  gehenden  Halb- 
messer, und  ein  Maximum^  ^= —5-(qpi-|- sin  y^)*^  bei<J  =  i7r,  also 

auf  dem  durch  k  gehenden  Halbmesser. 

Die  Ablenkung  1//  der  Oscillationsebene  wird  ein  Maximum 
(und  zwar  =  in)  da  wo  d  =  0  ist,  also  auf  dem  Halbmesser  Oo, 
und  ein  Minimum  (und  zwar  =0)  da  wo  d  =  |7r  ist,  also  auf 
dem  Halbmesser  Oh, 

Ist  r  =  OC,  so  fällt  der  Punkt  gröfster  Intensität  jedes  Halb- 
messers in  die  Mitte  0,  und  das  Ganze  wird  eine  Lichtscheibe 
vom  Radius  20C,  deren  Intensität  von  der  Mitte  zum  Rande  ab- 


Bkbr.  203 

nimint  In  der  Mitte,  wo  Antheile  von  allen  Seiten  des  gebroche- 
nen Strahlenkegels  zasammenslofsen ,  stimmt  begreiflicher  Weise 
die  Polarisation  mit  der  des  einfallenden  Lichts  überein. 

Ist  r  >  OCy  so  bildet  sich  eine  hellere  Lichtscheibe  vom 
Radius  r — OCy  umgeben  von  einem  nach  dem  Rande  zu  all- 
mälig  verlöschenden  Lichtringe,  dessen  äufserer  Halbmesser  r-\-OC 
isL  Die  Vertheilung  des  Lichts  auf  dem  Ringe  richtet  sich  nach 
den  obigen  Formeln,  während  auf  der  centralen  Scheibe  jeder 
Punkt  Licht  von  allen  Kegelseiten  empfangt  und  durchgehend 
die  Intensität  a*  annimmt. 

Das  Vorstehende  reicht  aus,  die  Intensitäts-  und  Polarisations- 
verhältnisse des  Lichtringes  auch  für  den  Fall  zu  bestimmen, 
dafs  das  Einfallslicht  unpolarisirt  ist.  Denkt  man  nämlich  jeden 
der  einfallenden  Strahlen  natürlichen  Lichts  durch  zwei  senk- 
recht auf  einander  polarisirle  Strahlen  von  der  Intensität  ^a*  er- 
setzt, deren  Oscillationsazimuth,  von  An  an  gerechnet,  resp.  — ^rt 
und  -\-in  ist,  und  wendet  auf  jeden  der  beiden  Theile  die  obigen 
Formeln  an,  so  findet  man 

2>*  =  -1^(9^1  + sin  <Pi)N     3E*  =  ^(9^1— «ng>i)*, 
und  folglich 

J  =  -~r(yJ+sinyJ). 

im 

Es  wird  daher  die  Intensität  blofs  von  q)^   abhängig,   und   der* 
Ring  ist  mithin   ringsum  in   gleichen  Entfernungen  von   O  von 
derselben  Helligkeit,   die  übrigens  aber,  wenn  r<  0(7  ist,  von 
den  beiden  Rändern  aus  nach  dem  Innern  hin  von  Null  bis  zu 
einem  Maximum  anwächst. 

Da  ferner  die  Componente  ^'  in  zwei  Portionen 

^-^.(y.— smgpj»  und  — ^y^smy, 

getheilt,  und  die  erste  Portion  mit  X*  zu  natürlichem  Licht  von 
der  Intensität 

vereinigt  gedacht  werden  kann,  so  kann  man  sich  das  Licht  bei  p 
aus  einem  Antheil  natürlichen  Lichts   von  der  eben  namhaft  ge- 


204  14.     Theoretiscbe  Optik. 

machten  Intensität  und  einem  polarisirten  Antheil  von  der  Intensität 

dessen  Schwingungsebene  durch  An  geht,  zusammengesetzt  denken. 
Das  Licht  ist  demnach  partiell  polarisirt,  und  nähert  sich  der 
vollständigen  Polarisation  um  so  mehr,  je  geringer  der  unpo- 
larisirte  Antheil  ist,  also  je  weniger  sich  q>^  von  sin  q>^  unter- 
scheidet, d.  h.  je  mehr  man  sich  den  Rändern  des  Ringes  nähert. 
Es  ist  hierbei  überall  homogenes  Licht  vorausgesetzt.  Ist 
indefs  das  Licht  weifs,  und  gelänge  es,  die  Lichtstrahlen  voll- 
kommen parallel  unter  sich  auffallen  zu  lassen,  so  würde,  wenn 
z.B.  die  Krystallfläche  senkrecht  gegen  eine  optische  Axe  der 
rothen  Strahlen  läge,  blpfs  das  rothe  Licht  einen  Lichtring  bilden, 
während  die  übrigen  Farbenstrahlen  nur  die  doppelte  Brechung 
erleiden.  Diese  würden  einerseits  Lichtscheibchen  vom  Radius 
r  um  A  bilden,  die  einander  decken,  und  andrerseits  eben  solche 
um  C  erzeugen,  die  sich  aber  in  Folge  der  Dispersion  nicht  voll- 
kommen decken,  und  folglich  ein,  wenn  auch  sehr  zusammenge- 
zogenes Spectrum  darstellen.  Die  Scheibe  bei  A  und  der  mitt- 
lere Theil  der  länglichen  Scheibe  bei  C  würde  überdies,  weil 
das  Roth  dort  mehr  oder  weniger  geschwächt  ist,  die  comple- 
mentäre  Farbe  erkennen  lassen. 

Eine  willkommene  Zugabe  des  Verf.  ist  die  Miltheilung  der 
.  Oeffnungen  des  Strahlenkegels  bei  der  conischen  Refraction,  die 
er  für  die  verschiedenen  FnAUNnoPER'schen  Strahlen  im  Arragonit 
und  Topas  aus  den  RuDBBRo^schen  Messungen,  und  für  die  mitt- 
leren Strahlen  im  Salpeter  und  Anhydrit  aus  den  von  Miller 
bestimmten  mittleren  Hauptbrechungsverhältnissen  berechnet  hat. 
Die  gefundenen  Zahlen  sind: 


B 

für  Arragonit 
1"   51'      3" 

für  Topas 
0»    16'    46" 

C 

l    50    30 

0     16    41 

D 
E 

J    52      4 
1    54    59 

0  16  52 
0     16    58 

F 
G 

1  57      5 

2  0    39 

0  16  48 
0     16    54 

H 

2      4      3 

0     16    41 

Die  Oeffnung  des  Sirahlenkegels  beträgt  für  den  Salpeter  (aus 


HAiDineER.  205 

den  BrechuDgsverhälinissen  1,5052;  1,5046;  1,333)  0''50'48'',  und 
für  den  Anhydrit  (aus  den  Brechungsverhältnissen  1,614;  1,576; 
1,571)  0*»59'20". 

Auch  unterlassen  wir  nicht,  die  schtiefslich  angegebenen,  aus 
Rudberg's  Daten  abgeleiteten  .Werthe  für  die  halben  Winkel 
zwischen  den  optischen  Axen  sowohl  der  ebenen  Wellen  (Z)  als 
der  Strahlen  (Z')  herzusetzen. 

Arragonit  Topas 


Z 

Z 

Z 

2P 

B 

17»  58»  22» 

19«  44'  26" 

56»  7' 20" 

65»  50»  32" 

C 

17  47  58 

19  33  6 

56  18  52 

56  2  8 

D 

17  50  26 

19  37  24 

56  58  44 

56  39  56 

E 

18  3  14 

19  52  54 

56  58  28 

56  41  30 

F 

18  9  20 

20  0  54 

56  42  10 

56  25  20 

G 

18  17  24 

20  12  20 

55  50  40 

55  33  44 

H 

18  26  52 

20  24  54 

55  11.  0 

54  54  18 
Rd. 

W.  Haidingbr.  Note  über  die  Richtung  der  Schwingungen 
in  geradlinig  polarisirtem  Lichte.  Wien.  Ber.  VUI.  52- 63t; 
Po6G.  Ann.  LXXXVf.  131-144t;  Inst.  1852.  p.  195-195;  Phil.  Mag. 
(4)  III.  385-386,  V.  44-51 ;  Cosmos  1. 153-160t;  Proc.  of.  Roy.  See. 
V.  150-150. 

Den  Beweis  des  Satzes,  dafs  die  Schwingungen  des  Licht- 
äthers im  geradlinig  polarisirten  Licht  senkrecht  gegen  die 
Polarisationsebene  erfolgen,  hat  Hr.  Haidinger  sehr  einfach 
aus  der  Beobachtung  an  dichroitischen  Kryslallen  hergenommen. 
Betrachtet  man  nämlich  einen  einaxigen,  dichroitischen,  recht- 
winklig parallelepipedisch  geschnittenen  Krystall,  dessen  Grund- 
fläche senkrecht  auf  der  optischen  Axe  steht,  durch  eine 
dichroskopische  Lupe,  so  erscheint  das  gewöhnliche  und  das 
ungewöhnliche  Bild  in  gleicher  oder  verschiedener  Farbe,  je  nach- 
dem man  die  Lupe  auf  die  Grundfläche  oder  gegen  eine  Sei- 
tenfläche richtet.  Im  ersten  Falle  ist  die  Farbe  beider  Bilder 
diejenige,  welche  im  zweiten  Falle  das  gewöhnliche  Bild  zeigt 
Diese  Farbe  heifse  J,  die  andere  heifse  B,  —  Da  nun  im  ersten 


206  ^^*    Theoretische  Optik. 

Falle  die  Schwingungen ,  dieselben  als  transversal  vorausgeselzl, 
senkrecht  gegen  die  Axe  erfolgen,  ^o  mufs  im  zweiten  Falle  das 
in  der  gleichen  Farbe  A  erscheinende,  also  das  gewöhliche  Bild 
gleichfalls  seine  Schwingungen  senkrecht  gegen  die  Axe,  und 
mithin  senkrecht  gegen  die  Polarisationsebene  gerichtet  haben. 

Auf  dasselbe  Resultat  führt  die  Beobachtung  an  zweiaxigen 
irichroitischen  Krystallen.  Wenn  nämlich  -4,  B^  C  die  drei  her- 
vortretenden Farben  bezeichnen,  so  haben  die  durch  die  dichro- 
skopische  Lupe  gesehenen  beiden  Bilder  die  Farben  A  und  JB,  oder 
A  und  €y  oder  B  und  (7,  je  nachdem  man  auf  eine  mit  dem  ersten, 
dem  zweiten  oder  dem  dritten  Hauptschnitte  parallele  Fläche 
sieht,  und  zwar  finden  sich  stets  die  Polarisationsebenen  der  gleich- 
gefärbten Bilder  senkrecht  gegen  einander  liegend,  so  dafs  die 
einer  und.  derselben  Farbe  entsprechenden  Schwingungen,  wenn 
sie  einerlei  Lage  haben  sollen,  nicht  anders  als  senkrecht  gegen 
die  Polarisationsebene  erfolgen  können. 

Wie  man  sieht,  beruht  dieser  Beweis  auf  der  Voraussetzung, 
dafs  die  Absorptionsverhältnisse  sich  nach  der  Lage  der  Schwin- 
gungsrichtung richten.  Rd. 


Stokbs.  Od  the  compositioD  and  resolution  of  streams  of 
polarized  light  from  different  sources.  phii.  Mag.  (4)  iir. 
316-317. 

Ueber  die  Zusammenwirkung  von  beliebig  polarisirten  Licht- 
strahlen, welche  aus  verschiedenen  Quellen  entspringen,  aber 
dieselbe  Brechbarkeit  haben,  theilt  Hr.  Stokbs  Folgendes  mit 

Bezeichnet  J  die  Intensität  eines  der  zusammenwirkenden 
Strahlen,  a  das  Azimuth  der  grofsen  Axe  seiner  (der  Allgemein- 
heit wegen  elliptisch  angenommenen)  Schwingungsbahn,  iangß 
das  Verhältnifs  der  beiden  Axen  dieser  Bahn,  so  sind  die  durch 
die  Gleichungen 

A::=:2J,    JB  =  :^  Jsin  2ß,    C  =  2Jco82ßcos2a, 

D  =  ^Jcos2/9sin2a 

bestimmten  Constanten  A,  JB,  C,  D  diejenigen  Gröfseii,  von  denen 

die  Natur  des  resultirenden  Lichts  abhängt,  dergestalt,  dafs  jede 


Stokis.  207 

zwei  Sirahlengruppen y  welche  iür  A^  B,  C,  D  einerlei  Werlhe 
liefern,  durchaus  dieselben  Erscheinungen .  bieten.  Hr.  Stokbs 
nennt  daher  Sirahlengruppen  dieser  Art  äquivalent. 

Ferner  ist  insbesondere  jede  Strahlengruppe  äquivalent  mit 
einem  unpolarisirten  Straiil  von  der  Intensität 

und  einem  aus  einer  anderen  Quelle  entsprungenen  elliptisch  po- 
larisirten  Strahl  von  der  Intensität 

für  welchen,  wenn  a!  das  Azimuth  der  Ebene  gröfster  Polari- 
sation, und  iang/S'  das  Verhältnifs  der  Axen  der  Schwingungs- 
bahn bedeutet, 

ist  Rd. 


G.  G.  Stokes.     On    ihe    total    intensily    of   interfering    light. 

Proc.  of  Edinb.  Soc.  Ilf.  98-98;  Edinb.  Trans.  XX.  317-320t. 

Unter  dem  Titel  „Ueber  die  Totalintensität  inlerferirten 
Lichtes"  wird  vom  Verfasser  der  Beweis  geh'efert,  dafs  der  von 
Kelland  (Edinb.  Trans  XV.  315)  gefundene  Satz  über  die  Licht- 
intensität in  Beugungsbildern  sich  auf  jede  beliebige  Form  der 
beugenden  OefTnung  ausdehnen  lasse. 

Wenn  nämlich,  die  Intensität  des  einfallenden  Lichtes  an  der 
Beugungsöffnung  zur  Einheit  genommen,  der  Oscillationscoeffi- 
cient  für  die  Schwingungen  in  einem  Punkte  des  Beugungsbildes» 
welche  von  den  aus  einem  Elemente  dv  der  Oeffnung  entsprin- 
genden Elemenlarwellen  herrühren,  gleich  -jj-  gesetzt  wird,  so 

ist,  wie  nachgewiesen  Wird,  D  =  bl,  vorausgesetzt  jedoch,  dads 
die  gesammte  Lichtmenge  im  Beugungsbilde  der  gesammten  Licht- 
menge in  der  beugenden  Oeffnung  gleich  ist.  Hierbei  ist  unter  l 
die  Wellenlänge  und  unter  b  die  Entfernung  de^  Schirms  von 
der  Oeffnung  zu  verstehen. 

Der  Beweis  ist  durchgeführt  sowohl  für  den  Fall,  dafs  die 
Oeffnung  frei  ist,  als  für  den  Fall,  wo  in  der  Oeffnung  eine  Linse 


208  1^*    Theoretische  Optik. 

angebracht  ist^  und  der  auffangende  Schirm  in  der  Vereinigungs- 
weite der  von  der  Lichtquelle  ausgehenden  Strahlen  sich  be- 
findet. 

Der  Verfasser  geht  dabei  von  den  Formeln  aus  Airy's  Tracts 
aus,  und  verfährt  z.  B.  für  den  Fall,  dafs  in  der  Oeffnung  sich 
eine  Linse  befindet,  wie  folgt. 

Der  das  Beugungsbild  erzeugende  Lichtpunkt  liege  in  der 
Axe  der  Linse,  und  der  das  Bild  auffangende  Schirm  stehe  auf 
derselben  in  der  Entfernung  b  von  der  Linse  senkrecht  —  unter 
b  die  Vereinigungsweite  der  vom  Lichtpunkte  aus  divergirenden 
Strahlen  verstanden;  ferner  werde  die  Linsenaxe  zur  Axe  der  z 
genommen,  und  der  Anfangspunkt  der  Coordinaten  werde  in  der 
Schirmebene  gedacht;  ^,  y,  z  seien  die  Coordinaten  eines  Punktes 
der  Oeffnung  (oder  vielmehr  eines  Punktes  des  innerhalb  der 
Beugungsöffnung  liegenden  Theiles  einer  Kugelfläche,  die  vom 
Focus  aus  durch  den  Scheitel  der  Linse  beschrieben  worden  ist); 
endlich  stelle  v  die  Lichtgeschwindigkeit  und  X  die  Wellenlänge 
vor.  Alsdann  ist  nach  Airy's  Tracts  Prop.  20  der  Ausdruck  für 
die  Schwingung  in  einem  Punkte  des  Bildes,  dessen  Coordinaten 
p,  q  und  die  Null  sind,  zur  Zeit  t 


^//' 


8.n-^ 


(,t-B+^£pM.)ä^äy, 


11*4-11* 
wo  B  eine  Abkürzung  für  &-}-^^  ^    ist,    und   die  Integrations- 

gränzen  sich  auf  die  Gränzen  der  Oeffnung  beziehen. 

Die  Intensität  J  in  dem  genannten  Punkte  ist  demnach  be- 
stimmt durch 

oder  da  allgemein 
\^Jfnx,y)dxdiP^=Jffff{x,y)n^  if)dxdydx'dy^ 

(die  Gränzen  von  jr'  und  y  mit  denen  von  x  und  y  zusammen- 
fallend genommen)  ist. 


Stokbb.  209 

Hiernach  wird,  die  Gesammtiniensität  des  ganzen  Beugungsbildes 
SS  J'  gesetzt, 

2)  j'  =y  y  jrf/»rfv 

mHX>       —00 

Um  nun  in  diesem,  somit  durch  ein  sechsfaches  Integral 
vorgestellten  Ausdruck  für  J'  die  Integration  in  Bezug  auf  p  und 
q  sofort,  noch  vor  der  Integration  nach  Xy  y,  x\  yf  vollziehen  zu 
kfinnen,  fügt  der  Verfasser  zu  dem  Integranden  den  Factor 
^ap+ßq  hinzu.  Der  dadurch  entstehende  Integralausdruck  schliefst 
den  vorstehenden  Ausdruck  für  J'  als  besonderen  Fall  in  sich, 
indem  er  in  denselben  übergeht,  wenn  man  a  und  ß  gleich  Null 
setzt  Man  hat  daher,  um  den  Werth  von  J'  zu  erhalten,  nur 
am  Schlüsse,  wenn  man  den  um  den  Factor  vermehrten  Aus- 
druck integrirt  hat,  die  Null  für  a  und  ß  zu  substiluiren,  oder, 
wie  Hr.  Stokes  es  thut,'  die  Gränze  für  ein  verschwindendes  o 
und  ß  zu  nehmen. ') 

Von  den  doppelten  Zeichen  im  Hülfsfaclor  sind  jedesmal  (je 
nach  dem  Zeichen  von  p  und  q)  diejenigen  zu  wählen,  welche 
die  beiden  Glieder  des  Exponenten  negativ  machen. 

Es  ist  nun 

c+«P  cos  {kp  •^Q)(lp  =^  cos  Q  J     e^^P  cos  1^  dp 

/» 
e+«P  sin  kpdp 

—«0 

=  2coiQj     e=P'P  cos  hpdp  =  ^ii//, 

0  ■ 

und  ebenso 

/'e^ß'^cos{Vq-P)dq  =  ^^, 

■  00 

und  wenn  man  diese  Formeln  au^  das  sechsfache  Integral  in  2) 

anwendet, 

3)      DV 

*)  Gerechtfertigt  ist  dies  Verfahren  natürlich  nur,  wenn  die  Func- 

.tion  bei  a  =  0  und  /?mbO  continuirlich  bleibt. 
ForUohr.  d.  Pbyt.  Vin.  14 


j|40  1^-     'i'heoretische  Optik. 

Führt  man  ferner  für  y  eine  neue  Variable  «  durch  die  Gleichung 

2rt(x'—x) 

— u —  =  «" 

ein,  so  wird  die  Gränze  des  auf  x*  bezogenen  Integrals  des  von 
X*  abhängigen  Factors  im  Ausdrucke  3),  in  Rücksicht  darauf, 
dafs  bei  verschwindendem  a  die  Gränzen  von  m  in  —  oo  und  -f-  ^ 
übergehen, 


^+L       bX       J 


lim 

bl 

Einen  gleichen  Werth   giebt  das  auf  y'   bezogene  Integral 
des  von  y  abhängigen  Factors,  so  dafs  man  schliefslich  erhält 

D'T  =  b^l^ffdxdy, 

und  folglich,  da   //  dxdy  die  Area  der  Beugungsöffnung,   und 

somit  hier  auch  die  auf  letztere  fallende  Lichtmenge  vorstellt, 
welche  nach  der  Voraussetzung  gleichen  Werth  mit  der  totalen 
Lichtmenge  J'  im  Beugungsbilde  haben  soll 

»  =  bh 
Ganz  dasselbe  Resultat  wird  auf  ganz  demselben  Wege  für 
eine  freie  Beugungsöffnung  aus  der  diesem  Falle  entsprechenden 
AiRv'schen  Formel  (Tracts  Art.  73)  gefunden,  und  überdies  dar- 
auf hingewiesen,  dafs  das  Resultat  auch  ungeändert  bleibt,  wenn 
in  der  Oeffnung  irgend  welche  von  x  und  y  abhängige  Phasen- 
verzögerungen eintreten.  tld. 


P.  Breton.  Distribution  de  la  lumiere  sur  uoe  surface 
6clair6e  per  plusieurs  faisceaux  de  lumiere  parallele. 
LioüTiLLB  J.  1852.  p.79-87t. 

Wenn  eine  (undurchsichtige)  Fläche  F  von  mehreren  Syste- 
men unter  sich  paralleler  Strahlen  J,  JK,  (7,  D  etc.  getroffen  wird 
so  werden  im  Allgemeinen  einige  Theile  der  Fläche  blofs  von 
einem  dieser  Systeme  Licht  empfangen,  andere  Theile  von  zwei 


Brkton.  gfj 

Systemen  zugleich  (nämlich  von  A  und  B,  von  A  und  C,  von 
A  und  D,  von  £  und  T,  u.  s.  w.),  andere  wiederum  von  drei 
Systemen  (von  A,  B  und  C,  von  J,  B  und  D,  von  Ä,  C  und  D, 
u. s.w.),  andere  von  vier  Systemen,  u.s.w.  Der  Verfasser  weist 
nun  nach,  dafs  die  Beleuchtung  in  jedem  der  von  mehreren  Syste- 
men zugleich  erhellten  Felder  der  Art  ist,  dafs  sie  auch  durch  ein 
einziges  System  paralleler  Strahlen  —  welches  er  das  resultirende 
System  nennt  —  erzeugt  werden  kann,  und  zeigt  dann,  nachdem 
er  die  Wirkung  eines  einzelnen  Systems  besprochen,  wie  sich  die 
Gränzen  der  einzelnen  Felder  und  die  resultirenden  Systeme  ihrer 
Intensität  und  Richtung  nach  bestimmen  lassen. 

Was  die  Wirkung  eines  einzelnen  Strahlensystems  betrifft, 
so  sei  I  die  Intensität  der  (parallelen)  auflallenden  Strahlen,  oi  der 
(von  der  Lage  des  Einfallspunktes  abhängige)  Einfallswinkel  in 
einem  Punkte  m  der  Fläche,  dessen  Coordinaten  x,  y,  z  sind,  und 
femer  seien  A,  fi,  v  die  Winkel,  welche  die  Normale  der  Fläche 
im  Punkte  m  mit  den  Axen  bildet,  und  a,  ß,  y  die  Winkel 
zwischen  den  Einfallsstrahlen  und  den  Axen.  Alsdann  ist  die 
Lichtmenge,  welche  auf  ein  bei  m  liegendes  Flächenelement  dv 
auffallt,  icostodvy  und  daher  tcosc(>  der  Ausdruck  für  die  dortige 
Erleuchtung,  während 

cosfi)  =  cosAcosa-f  cosjUC08/94~<^<^S''COS}^ 
ist 

Bezeichnet  dann  F  =  0  die  Gleichung  der  Fläche,  so  be- 
stimmt sich  durch  die  Verbindung  der  Gleichungen  F «  0  und 
cos  €0  =  0  die  Linie,  welche  im  Allgemeinen  die  Gränze  des  von 
dem  Systeme  erleuchteten  Flächentheils  bildet,  d.  h.  die  Linie, 
in  welcher  die  Erleuchtung  in  Null  übergeht.  Die  Linien  gleicher 
Beleuchtung  innerhalb  des  erleuchteten  Theils  erhält  man  da- 
gegen, von  der  Linie  der  schwächsten  zur  Linie  der  stärksten 
Helligkeit  fortschreitend,  wenn  man  die  Gleichung  F  =  0  mit  der 
Gleichung  cosai  =  Const  verbindet,  und  die  Constante  successiv 
von  Null  aus  wachsen  läfst. 

Sind -nun  noch  andere  Systeme  paralleler  Strahlen  wh*ksam, 

deren  Intensität  i',  i",  i'", . . .  ist,  und  haben  o/,  w",...,  o'/J'/; 

'  cflß^y-j  ...  die  den  obigen  oi,  a,  /?,  y  entsprechende  Bedeutungi 

so  zieht  man  aus  der  Verbindung  der  Gleichung^  F»  0,  respective 

W 


2 ig  14.     Theoretische  Optik. 

mit  den  Gleichungen  cosw'  =  0,  cosw"  =  0,...  die  diesen  neuen 
Systemen  enUprechenden  Beleuchtungsgränzen,  und  diese  Gränz- 
linien  zertheilen  die  Fläche  in  die  oben  erwähnten  Felder. 

Ist  ferner  m  ein  Punkt  in  einem  dieser  Felder,  so  ist  offen- 
bar die  dortige  Helligkeit 

1)  Sicoso)  =  cosAiicosa+cosjUÄ'cos/J-j-cosviicosy, 
wo  sich  die  Summenzeichen  auf  alle  diejenigen  i  beziehen,  welche 
zu  den  das  Feld  erleuchtenden  Strahlensyslemcn  gehören.  Auf 
denselben  Ausdruck  kommt  man  aber,  wenn  man  die  Beleuchtung 
von  einem  einzigen  Systeme  ausgehen  läfst,  dessen  Intensität  J 
ist  und  dessen  Strahlen  die  Winkel  J,  Ä,  C  mit  den  Axen  bilden, 
wofern  man  J,  J,  Ä,  C  durch  die  Gleichungen 

JcosJ  s=  oleosa,  Jcosß  = -^icos/J,  Jcos(7=  2'icosy 
bestimmt.    Die  Intensität  ist  dann  demzufolge 

J  =  yf(:?*cosa)*-h(2icos/?)*+(^icosV)']. 
In  der  That  ist,  wenn  ii  den  Einfallswinkel  des  letzten  Systems 
im  Punkte  m  bedeutet,  also 

cosß  =  cosAcos  j-j-cosjucosß-f  cosvcosC 
ist,  in  Uebereinstimmung  mit  der  aufgestellten  Behauptung  die 
Helligkeit 

JcOSß  =  JcOS^COsA-f  •'cos  jBC0S/£-^Jc0sCc0SV  =  2iC08(0, 

Die  Linien  gleicher  Helligkeit  auf  dem  entsprechenden  Felde  er- 
geben sich  demnach  aus  der  Verbindung  der  Gleichungen  F=:0 
und  cos  ß=:Const.;  nur  sind  diejenigen  dieser  Linien,  welche 
auf  eine  Abtheilungsgränze  treffen,  natürlich  nur  bis  zu  dieser 
Gränze  zu  nehmen,  wo  sie  sich  dann  an  die  Linie  derselben 
Helligkeit  des  Nachbarfeldes  anschliefsen;  so  dafs  die  vollständigen 
Curven  gleicher  Helligkeit  an  den  Abtheilungsgränzen  ihre  Richtung 
im  Allgemeinen  plötzlich  ändern  werden.  Nur  in  den  Abtheilun* 
gen,  welche  blofs  von  einem  Strahlensysteme  getroffen  werden, 
fallt  eine  dieser  Curven  (die  Curve  F=0,  cosßs=0)  an  einer 
Seite  mit  der  Abtheilungsgränze  zusammen. 

Diese  Formeln  für  J,  A,  jB,  C  sind  dieselben,  welche  die 
Resultirende  von  Kräften  bestimmen,  deren  Gröfse  t,  t^f'^..,  und 
deren  Richtungen  mit  den  Strahlenrichtungen  zusammenfallen. 
Man  kann  sich  daher  zur  Construction  des  resultirenden  Strahlen- 


Babton, 


213 


Systems  derselben  Construction  bedienen  wie  bei  der  Zusammen- 
setzung von  Kräften. 

Als  Beispiel  ist  die  Erleuchtung  einer  Kugelfläche  durch  drei 
Sirahlensysteme  t,  t',  i"  gewählt.  Die  Abtheilungsgränzen  sind 
alsdann  gröfste  Kreise,  und  die  Felder  sphärische  Dreiecke,  von 
denen  eines  von  allen  Systemen,  drei  von  je  zwei  Systemen,  und 
drei  von  je  einem  Systein  erleuchtet  werden. 

Zieht  man  vom  Mittelpunkte  der  Kugel  aus  Linien  in  der 
Richtung  der  drei  Strahlensysteme,  macht  diese  respective  gleich 
j,  r,  j^  und  construirt  aus  ihnen  ein  Parallelepiped,  so  stellt 
dessen  Diagonale  die  Richtung  und  Intensität  des  resultirenden 
Strahlensystems  in  demjenigen  Felde  vor,  welches  von  allen 
drei  gegebenen  Strahlensystemen  beleuchtet  wird.  Die  Diagonalen 
der  drei  Seitenflächen  des  Parallelepipeds  stellen  ebenso  nach 
Gröise  und  Richtung  die  Resultirenden  vor  für  diejenigen  Felder, 
welche  von  je  zwei  Systemen  beleuchtet  werden,  während  die 
drei  Kanten  des  Parallelepipeds  natürlich  den  von  den  einfachen 
Systemen  beleuchteten  Feldern  entsprechen.  Trifit  eine  dieser 
7  Geraden  (der  vier  Diagonalen  und  der  drei  Kanten)  das  ihr 
entsprechende  beleuchtete  Feld,  so  ist  der  Durchschniltspunkt  mit 
der  Kugelfläche  augenrdllig  der  hellste  Punkt  dieses  Feldes,  und 
die  nächsten  Linien  gleicher  Helligkeit  sind  vollständige  con- 
centrische  Kreise,  die  entfernteren  dagegen  concentrische  Kreis- 
bogen, welche  sich  unter  plötzlicher  Richtungsabänderung  an 
correspondirende  Kreisbogen  der  Nachbarfelder  anschliefsen. 

Enthalten  die  vier  Abtheilungen,  welche  um  einen  Eckpunkt 
des  von  allen  Systemen  beschienenen  sphärischen  Dreiecks  liegen, 
jede  den  Mittelpunkt  ihrer  concentrischen  Intensitätskreise  in  sich, 
so  ist  die  Erleuchtung  in  jenem  Punkte  ein  Minimum,  und  die 
nächsten  Curven  bilden  um  denselben  Vierecke  mit  concaven 
kreisbogenförmigen  Seiten. 

Wendet  man  zur  Darstellung  der  Erscheinung  das  Licht  der 
Sonne  an,  und  zwar  zum  Theil  das  directe,  zum  Theil  das  von 
Planspiegeln  reflectirte,  so  treten  Abänderungen  ein,  welche  durch 
die  endliche  Ausdehnung  des  scheinbaren  Sonnendurchmessers 
hervorgebracht  werden.  Namentlich  werden  dann  die  Abtheilungs- 
gränzen nicht  mehr  linear,  sondern  Halbschattenzonen  sein>  deren 


244      1^*    Spiegelung  des  Liebten.  —     16.    Brechung  des  Lichtes. 

Winkelbreite  denoi  scheinbaren  Sonnendurchoiesser  gleich  ist  — 
was  indefs  bei  der  Kleinheit  des  letzteren  nicht  hinderf,  die  plötz- 
lichen Richtungsänderungen  der  Curven  gleicher  Helligkeit  wahr- 
zunehmen. Rd. 


15.    Spiegelung  de»  Lichte». 


H.  Emsuann.  lieber  die  Anamorphosen  in  geraden  und  schie- 
fen Kegelspiegeln,  wenn  das  Auge  seine  Stelle  in  der 
verlängerten  Axe  des  Kegels  einnimmt.  Poee.  Add.  LXXXV. 
99- 106t. 

Der  Verfasser  löst  die  Aufgabe  für  die  in  der  Ueberschrift  an- 
gegebene Stellung  des  Auges,  das  Zerrbild  entweder  auf  der  inne* 
ren  Fläche  eines,  der  Axe  des  Kegels  parallelen,  und  über  seiner' 
Basis  construirten  Cylinders  oder  auf  der  Ebene  der  Basis  zu 
construiren.  Letzteres  ist  natürlich  nur  möglich,  wenn  der  Kegel 
spitzwinklig  ist.  Bi. 


16.    Brechung  des  Lichtes. 


D.  Baewster.  On  a  remarkable  prdperty  of  tbe  diamond. 
PliiL  Mag.  (4)  Hl.  284-286t;  lost.  1852.  p.  143-144;  Froriep  Tagsb. 
üb.  Phys.  u.  Chem.  I.  305-306. 

Hr.  Brewstbr  hatte  früher  (Phil.  Mag.  VII.  245)  eine  plan- 
konvexe Diamantlinse  untersucht,  welche  als  Lupe  benutzt,  drei 
Bilder  vom  Object  gab.  Er  bemerkte  damals,  dafs  die  ganse 
ebene  Oberfläche  der  Linse  mit  Hunderten  kleiner  Streifen  be- 
deckt war,  von  denen  die  einen  mehr,  die  andern  weniger  Licht 
reflectirten.    Er  schlofs  daraus,  dafs  der  Diamant  aus  einer  grofsen 


EmSMAVN.     BaBWSTSA.    SVBINItfIL.  246 

Anzahl  Schichten  von  verschiedenem  Reflexionsvermögen  be- 
stände, die  daher  auch  ein  verschiedenes  Brechungsvermögen 
haben  mufsten,  und  suchte  so  die  Entstehung  der  verschiedenen 
Bilder  zu  erklären.  Eine  erneute  Untersuchung  zeigte  nun  aber, 
dafs  bei  einer  geringen  Drehung  der  Linse  alle  dunkeien  Streifen 
zugleich  hell  und  alle  hellen  dunkel  wurden;  es  mufsten  also  die 
Streifen  die  verschieden  gegen  die  Oberfläche  der  Linse  geneigten 
Endflächen  der  Schichten  sein,  aus  denen  der  Krystall  bestand. 
Der  Neigungswinkel  einer  solchen  Endfläche  gegen  die  Ober- 
fläche beträgt  nicht  mehr  als  drei  Minuten.  Nunmehr  erklärt 
sich  die  Entstehung  der  drei  Bilder  durch  die  verschiedene  Neigung 
der  Flächen,  aus  denen  die  Strahlen  austreten,  ohne  die  Annahme, 
dafs  die  Schichten  verschiedene  Brechungsindices  haben.        Bt. 


Stbisheil.     Rectificatioo    des    Gehaltmessers    der    optischen 
Bierprobe.      Wien.  Ber.  VHI.  170-176t.  «) 

Aus  Glasscheiben  mit  parallelen  Wänden  sind  zwei  hohle 
Prismen  von  gleichen  und  entgegengesetzt  liegenden  brechenden 
Winkeln  zusammengesetzt.  Beide  werden  zuerst  mit  destillirtem 
Wasser  gefüllt;  auf  der  einen  Seite  wird  sodann  parallel  mit  der 
brechenden  Kante  ein  Metallfaden  mittelst  einer  Mikrometer- 
schraube verschoben,  bis  sein  Bild  das  Fadenkreuz  in  dem  auf 
der  andern  Seite  befestigten  Mikroskop  halbirt.  Dann  wird  das 
dem  Mikroskop  zunächst  liegende  Prisma  mit  der  Bierprobe  ge- 
füllt, und  am  Kopfe  der  MikrometerschVaube  die  Gröfse  der 
Verschiebung  abgelesen,  die  nöthig  ist,  damit  das  Bild  des  Metall- 
fadens das  Fadenkreuz  wiederum  halbire.  Dem  Instrumente  bei- 
gegebene Tabellen  lassen  aus  dieser  Verschiebung  auf  den  Gehalt 
des  Bieres  an  Zucker  und  Alkohol  schliefsen,  die  das  Licht' stärker 
als  Wasser  brechen.  Bt. 

*)  Vergl.  Steinheil«  Optisch  aräometrische  Bierprohe.  Miinclien  1847. 


216  17.    Interferenz  des  Liditet. 


17.    Interferens^  des  Lichtes. 


F.  A.  NoBERT.  Ein  Ocalarmikrometer  mit  leuchtenden  farbigen 
Linien  tiu  dunkeln  Gesichtsreide.  Poee.  Aon.  LXXXY.  93-97t; 
CosmoB  III.  27-28. 

Der  Verfasser  beschreibt  eine  neue  Anwendung,  die  er  von  sei- 
ner bewunderungswürdigen  Kunst,  feine  Linien  in  bestimmten  Ab- 
ständen auf  Glas  zu  ritzen,  gemacht  hat  (Vergl.  Berl.  Berl.  1850, 51. 
p.408).  Auf  eine  Glasplatte,  welche  an  der  Stelle  des  gewöhn- 
lichen Fadennetzes  im  Fernrohr  befestigt  ist,  finden  sich  fünf 
Parallellinien  von  der  Breite  eines  Spinnfadens,  deren  gegen- 
seitiger Abstand  so  bestimmt  ist,  dafs  für  das  anzuwendende  Fem* 
röhr  die  Durchgangszeiten  für  Sterne  im  Aequator  um  15"  ver- 
schieden ausfallen.  Jede  dieser  fünf  Linien  besteht  aus  elf  Linien, 
deren  gegenseitiger  Abstand  0,000325"'  beträgt.  Fällt  das  Licht 
einer  Lampe  durch  die  seitlich  im  Ocularrohr  nächst  dem  Mi- 
krometer angebrachte  OefTnung  unter  einem  Winkel  von  15®  mit 
der  Mikrometerebene,  so  sieht  man  die  Linien  durch  das  Ocular 
scharf  begränzt  und  roth;  und  wenn  jener  Neigungswinkel  wächst, 
durchläuft  die  Farbe  der  Linien  die  ganze  Scala  des  Spectrums. 

Dies  Mikrometer  kann  demnach  nicht  nur  dazu  dienen ,  die 
Beobachtung  lichtschwacher  Gestirne  zu  erleichtern,  sondern  auch 
dazu,  die  Farbe  der  Sterne  schärfer  zu  bestimmen,  als  bisher 
möglich  war;  man  braucht  dann  nur  den  genannten,  durch  eine 
einfache  Vorrichtung  leicht  zu  messenden,  Neigungswinkel  p  so 
lange  zu  ändern,  bis  die  Farbe  der  Linien  mit  der  des  Sternes 
übereinstimmt,  und  weifs  dann,  dafs  die  Wellenlänge  des  Lichts, 
welches  vom  Stern  ausgeht,  gleich  0,000325 .  cos  p  ist. 

Bt. 


NOBKftT.     BavcEi^.  217 

E.  Brücke.  Ueber  die  Farben,  welche  trübe  Medien  im  auf- 
fallenden und  durchfallenden  Lichte  zeigen.  Wien.  Ben  IX. 
530-549+ ;  Poee.  Ann.  LXXXVllI.  363-385t;  Fichmbr  C.  Bl.  1853. 

p.  689-696. 

Bei  seinen  Untersuchungen  über  den  Farbenwechsel  des  Cha- 
mäleons fand  der  Verfasser,  dafs  gewisse  Farben  dieses  Thieres 
dadurch  entstehen,  dafs  ein  helles  Pigment,  welches  als  trübes 
Medium  wirkt,  über  ein  dunkles  gelagert  wird;  während  er  so 
durch  eine  neue  Erfahrung  den  bereits  von  Leonardo  da  Vinci 
benutzten  und  von  CToethe  als  ein  Urphänomen  bezeichneten^ 
Satz  bestätigt  fand,  dafs  trübe  Medien,  im  auffallenden  Lichte  und 
vor  einem  dunkeln  Hintergrunde  betrachtet,  blau  oder  bläulich 
grau,  im  durchfallenden  Lichte  gelb  oder  roth  erscheinen,  be- 
merkte er  zugleich,  dafs  bisher  noch  keine  genügende  Erklärung 
dafür  aufgestellt  sei.  Eine  solche  ist  der  nächste  Zweck  der 
vorliegenden  Abhandlung. 

Der  Verfasser  definirt  trübe  Medien  als  Gemenge  zweier 
oder  mehrerer  Medien  von  verschiedenem  Brechungsvermögen, 
in  welchen  die  einzelnen  Partikeln  der  eingemengten  Substanzen 
so  klein  sind,  dals  sie  nicht  als  solche,  sondern  nur  dadurch  wahr- 
genommen werden,  dafs  sie  die  Durchsichtigkeit  des  Ganzen 
schwächen,  indem  sie  einen  Theil  des  Lichtes  an  ihren  Gränz* 
flächen  reflectiren,  und  einen  andern  'fheil  durch  die  Brechung 
zerstreuen.  Sind  die  einzelnen  Medien  des  Gemenges  an  sich 
farblos  durchsichtig,  so  heifst  unser  Satz  also:  dergleichen  Ge* 
menge  reflectiren  vorherrschend  Licht  von  kurzer  Schwingungs- 
dauer, und  lassen  vorherrschend  Licht  von  langer  Schwingungs- 
dauer durch.  Man  kann  einen  Grund  für  dies  Verhalten  durch 
eine  Discussion  der  Formel  für  die  Intensität  des  reflectirten 
Lichtes  auffinden.  Die  Intensität  des  [einfallenden,  nicht  polari- 
sirten  Lichtes  gleich  Ji>  den  Einfallswinkel  gleich  j  und  den 
Brechungswinkel  gleich  q  gesetzt,  ist  nämlich,  wie  bekannt,  die 
Intensität  Al  des  reflectirten  Lichtes 

^'-'^•Uin»(i-|-^)  +lg«(.-+?)i' 
und  wächst  also  mit  i—Q,  so  lange,   wie  sich  von  selbst  ver- 


218  17.    InterfereDz  des  Lichtes. 

sieht,  i—Q  <  90^  ist;  i — q  selbst  ober  ivächst,  wenn  die  Schwin- 
gungsdauer abnimmt.  Enthält  also  schon  der  einmal  reflectirte 
Strahl  verhältnilsmäCsig  mehr  Licht  von  kurzer  Schwing  ungs- 
dauer  als  der  einfallende,  so  wird  diese  bläuliche  Färbung  des 
reflectirten  Lichtes  nach  mehrfachen  Reflexionen  um  so  mehr 
hervortreten.  Gewifs  waren  aber  von  den  Strahlen,  welche  von 
den  trüben  Medien  reflectirt  werden,  viele  erst  in  eine  dünne 
Schicht  des  Mediums  eingedrungen,  und  erst  nach  mehrfachen 
Reflexionen  an  den  trübenden  Partikeln  wieder  ausgetreten. 

Hr.  Brückb  begnügt  sich  nun  nicht  mit  diesem  auf  alle  trüben 
Medien  gleichmäfsig  passenden  Grunde;  es  erklärt  sich  daraus 
nicht  hinlänglich,  warum  der  Unterschied  zwischen  der  Farbe 
des  reflectirten  und  der  des  durchgelassenen  Lichtes  im  Allge- 
meinen dann  am  lebhaftesten  hervortritt,  wenn  die  Dimensionen 
der  trübenden  Elemente  am  kleinsten  sind;  wie  z.  B.  die  Trü- 
bungen, weiche  durch  Oxalsäuren  Kalk,  schwefelsauren  Baryt  und 
durch  Zusatz  von  Ammoniak  zu  einem  Thonerdesalz  entstehen, 
sich  zu  einer  solchen  Reihe  ordnen.  Je  kleiner  die  Elemente 
sind,  und  je  gleicher  an  Gröfse,  desto  mehr  Ursache  hat  man, 
an  Interferenzfarben  zu  denken.  Der  Verfasser  erklärt  also  die 
blaue  Farbe  der  trüben  Medien,  ebenso  wie  Newton  das  Blau 
der  Atmosphäre,  für  ein  Blau  der  ersten  Ordnung,  und  wider- 
legt dabei  einen  Einwand,  der  sich  auch  noch  gegen  Clausius 
(PoGG.  Ann.  LXXVI.;  Berl.  Ber.  1849.  p.  184t)  erheben  läfst 
Das  Blau  der  ersten  Ordnung  ist  nämlich  nach  des  Verfassers 
Untersuchungen  (Pogg.  Ann.  LXXIV.  582)  nur  ein  schwach  bläu- 
liches Grau,  welches  mit  dem  Blau  des  Himmels  keine  Aehn- 
lichkeit  hat.  Stellt  man  sich  aber  die  Wassertheilcheir  der  At- 
mosphäre, oder  die  trübenden  Elemente  unserer  Medien,  von 
solchem  Durchmesser  vor,  dafs  der  Gangunterschied  der  an  der 
äufseren  und  inneren  Oberfläche  reflectirten  Strahlen  eine  Wellen- 
länge des  blauen  Lichtes  beträgt,  so  werden  bei  jeder  der  fort- 
gesetzten Reflexionen  an  den  trübenden  Theilchen  die  blauen 
Strahlen  den  geringsten  Intensitätsverlust  durch  Interferenz  er- 
leiden, und  nach  jeder  folgenden  Reflexion  wird  also  auch  die 
Farbe,  die  nach  der  ersten  Interferenz  noch  lavendelgrau  ist, 
blauer  werden. 


Baückb.  219 

Würden  die  Elemente  noch,  kleiner,  so  müfste  die  Farbe  des 
auffallenden  Lichtes  endlich  violett  werden;  Hr.  Brücke  hat  dies 
an  dem  weifsen  Pigment  der  Haut  des  Chamäleons  beobachtet^ 
welches,  in  einer  dünnen  Schicht  über  einem  schwarzen  Grund 
gelagert,  eine  mehr  violette  als  blaue  Farbe  giebt. 

Mit  der  aufgestellten  Erklärung  stimmt  es  nun  wohl  überein, 
dafs  das  Blau  der  trüben  Schicht  stets  blasser  wird,  wenn  die 
Schicht  an  Dicke  zunimmt.  Dann  reflectiren  die  tiefer  liegenden 
Theilchen  das  von  den  oberen  durchgelassene  Licht  von  längerer 
Oscillationsdauer,  und  dies  mischt  sich  mit  dem  blauen  von  den 
oberen  Schichten  reflectirten  Lichte.  Aus  diesem  Grunde  er- 
scheint auch  der  Himmel  dunkler  blau  auf  hohen  Bergen  als  in 
der  Ebene,  und  im  Zenith  blauer  als  am  Horizont. 

Hr.  Brücke  wendet  sich  nun  zu  der  Betrachtung  der  Farben 
des  durchgelassenen  Lichtes.  Bei  schwacher  Beleuchtung  kön- 
nen dünne  Schichten  im  durchgelassenen  Lichte  braun  erscheinen; 
wird  die  Beleuchtung  intensiver,  so  verschwinden  die  hellere 
Tinten  des  Braun  (ebenso  wie  die  erste  Farbe  erster  Ordnung 
im  NBWTON'schen  Ringsysteme),  die  mittleren  gehen  in  falbes 
Gelb,  die  dunkleren  in  Orange  über.  Bringt  man  zwischen  das 
Auge  und  einen,  von  der  Sonne  sehr  hell  beleuchteten  weilsen 
Gegenstand  nach  und  nach  immer  dickere  Schichten  eines  trüben 
Mediums,  so  ist  die  Farbe  erst  ein  ins  Orange  ziehendes  Gelb, 
dann  Orange,  endlich  Roth.  So  oft  nämlich  an  einem  trübenden 
Element  ein  zweimal  gebrochener  Strahl  mit  einem  zweimal  re- 
flectirten und  zweimal  gebrochenen  Strahle  interferirt,  erleidet 
(nach  der  obigen  Annahme  über  den  Durchmesser  der  Theilchen) 
das  rothe  Licht  den  geringsten  Verlust  an  Intensität,  und  dies 
wird  daher  allein  übrig  bleiben,  wenn  der  Vorgang  sich  sehr 
häufig  wiederholt. 

Eine  weitere  Betrachtung  erfordert  die  Frage,  warum  er- 
fahningsmäfsig  niemals  ein  (aus  farblosen  Elementen  zusammen^ 
gesetztes)  trübes  Medium  von  solcher  Dicke,  dafs  es  im  durch- 
gelassenen Lichte  roth  erscheint,  im  auffallenden  grün  ist,  sondern 
stets  bläulich  weifs,  wie  Milchglas.  Hr.  Brücke  bestimmt  zu- 
nächst den  Ton  und  den  Sättigungsgrad  des  Grün,  welches  man 
erwarten  sollte.     Das  Roth   des  durchgelassenen  Lichtes  steht 


220  17*    Interferenz  des  Liclites. 

• 
zwischen  Orange  und  dem  äufsersten  Roth  des  Spectruuis,  und 
kann  zur  Complementärfarbe  nur  ein  Blaugrün  haben.  Dies 
schliefst  Hr.  Brücke  daraus,  dafs  das  Grasgrün  iin  dritten  System 
der  NEWTON'schen  Ringe  zu  seinem  —  durch  den  Polarisations- 
apparat  bestimmten  —  Complement  ein  Rosenroth  hat,  welches 
von  unserm  Roth  verschieden  ist.  Das  zu  erwartende  Blaugrün 
wird  nun  einen  sehr  geringen  Grad  von  Sättigung  haben,  wie 
folgende  Ueberlegung  zeigt. 

Jede  Farbe  kann  angesehen  werden  als  zusammengesetzt  aus 
zwei  Complementärfarben;  von  denen  die  im  Ueberschufs  vor- 
handene, tonangebende,  die  Lichtintensität  a,  die  andere  die  Licht* 
Intensität  ß  haben  möge.  Die  Intensität  der  Farbe,  oder 
ihr  Sättigungsgrad  ist  dann  durch  die  Formel 

gegeben,  so  dafs  für  a  =  /?  die  Farbe  weifs  wäre.  Denken  wir 
uns  nun  das  weifse  Licht  als  aus  rothem  und  grünem  zusammen- 
gesetzt, und  zerlegen  nun  das  rothe  in  die  ungleichen  Theile  a^ 
und  a^,  und  das  grüne  in  ß^  und  ß^^  so  erhalten  wir  eine  rothe 
Farbe  mit  dem  Sättigungsgrad 

und  eine  grüne  mit  dem  Sättigungsgrad 

Da  nun,  weil  das  Licht  ursprünglich  weifs  war, 

«0  +  «l    =Ä+Ä» 

also  auch 

ist,  so  mufs  die  rothe  Farbe  viel  gesättigter  sein  als  die  grüne, 
wenn 

«o+/»o<«i+A> 

und  umgekehrt. 

Eine  dünne  Schicht  des  trüben  Mediums  zeigt  daher  die 
Farbe  des  reflectirten  Lichtes  gesättigter  als  die  des  durchge- 
lassenen, weil  die  Intensität  des  letzteren  die  des  ersteren  über- 
wiegt; umgekehrt  aber  wird  bei  zunehmender  Dicke  der  Schicht 
die  Farbe  des  reflectirten  Lichtes  weniger  gesättigt  sein  als  die 


Bruckb.  22< 

des  durchgelassenen ;  und  wenn  diese  endlich  roth  geworden  ist, 
wird  man  für  das  reflectirte  Licht  nur  noch  eine  sehr  schwache 
Färbung  erwarten  können.  Erweist  sich  nun  diese  schwache 
Färbung  in  Wirklichkeit  als  Blau,  und  nicht  als  Blaugrün,  wie 
man  erwarten  sollte,  so  bleibt  der  Verlust  einer  geringen  Menge 
gelben  Lichtes  zu  erklären.  Dies  geschieht  durch  den  Verfasser 
so:  Sind  die  Substanzen,  deren  Gemenge  das  trübe  Medium  bildet, 
farblos,  absorbiren  sie  also  die  Strahlen  von  allen  Farben  gleich 
stark,  so  werden  natürlich  die  Strahlen  am  meisten  von  ihrer 
Intensität  verlieren,  welche  am  längsten  im  Medium  bleiben.  Hat 
das  Medium  eine  grofse  Dicke,  so  werden  die  blauen  Strahlen 
schon  in  den  vorderen  Schichten  reflectirt,  die  gelben  werden 
immer  nur  theilweis  reflectirt,  und  gehen  zum  andern  Theil 
weiter;  wenn  sie  also  auch  zuletzt  wieder  an  der  vorderen  Seite 
des  Medium»  austreten,  so  haben  sie  doch  den  gröfsten  Weg  im 
Medium  selbst  zurückgelegt,  und  deshalb  die  gröfste  Schwächung 
durch  Absorption  erlitten. 

Der  Verfasser  bemerkt  nach  dieser  erschöpfenden  Erklärung 
der  Farben,  welche  an  sich  farblose  Medien  zeigen,  noch  kurz, 
dafs  die  Erscheinungen  sich  ändern  werden,  wenn  die  Medien 
selbst  gelarbt  sind;  ein  gelbes  Medium  wird  z.B.  im  refleclirten 
Lichte  grün  erscheinen;  dies  ist  der  Fall  an  denjenigen  Haut- 
stellen des  Chamäleons,  an  welchen  das  oberflächliche  helle  Pig- 
ment nicht  weifs,  sondern  gelb  ist.  Eben  so  kurz  erwähnt  der 
Verfasser,  wie  die  Anwendung  der  allgemeinen  Betrachtungen 
auf  die  Farbenerscheinungen  der  Atmosphäre  sich  einfach  er- 
giebt.  Es  ist  die  Farbe  der  Morgen-  und  Abendröthe  nicht  das 
Complement  der  Himmelsbläue,  sondern  enthält  viel  mehr  Roth 
als  dieses;  die  gelbe  Färbung  des  Sonnenlichtes  rührt  her  von 
'seinem  Durchgang  durch  die  Atmosphäre;  der  Mond  erscheint 
weifser,  wenn  er  hoch  am  Himmel  steht,  als  wenn  er  im  Horizont 
ist,  weil  die  Luftschicht,  die  das  Mondlicht  im  letzteren  Falle  zu 
durchlaufen  hat,  gröfser  ist;  und  der  Mond  mufs  am  hellen  Tage 
weife  erscheinen,  weil  dann  die  gelbe  Färbung  des  vom  Mond 
kommenden  und  von  der  Atmosphäre  durchgelassenen  Lichtes 
compensirt  wird  durch  die  blaue  des  von  der  Atmosphäre  re- 
flecUrten  Sonnenlichtes. 


222  n.     Interferenz  des  Lichtes. 

Schliefslich  wendet  sich  der  Verfasser  noch  gegen  die  Be- 
hauptung von  Clausius  a.  a.  O.,  dafs  die  Beslandtheile  der  At- 
mosphäre>  durch  welche  die  Lichtreflexion  bewirkt  wird,  Bläs- 
chen sein  müssen.  Wären  es  nämlich  Wasserkügelchen,  so  würde 
die  durch  sie  bewirkte  Lichtzerstreuung  nicht  zulassen,  dafs  wir 
die  Sonne  mit  scharf  begränztem  Rande  sehen.  Hr.  Brücke 
zeigt  nun  durch  ein  interessantes  Experiment,  dafs  die  Lichtzer- 
streuung mit  den  Dimensionen  der  trübenden  Elemente  so  schnell 
abnimmt,  dafs  dieser  Schlufs  von  Clausius  nicht  mehr  als  bindend 
erscheint.  In  eine  Flasche  mit  parallelen  Wänden  giefse  man 
Wasser  und  tröpfle  darin  eine  Lösung  von  Mastix  in  vielem 
Weingeist;  hierdurch  entsteht  ein  trübes  Medium,  durch  welches 
die  Sonne  um  so  mehr  in  der  Farbe  der  Abendröthe  gesehen 
Mard,  je  dicker  die  Schicht  ist,  oder  je  mehr  Tropfen  von  der 
Mastixlösung  sie  enthält;  aber  noch  wenn  die  Sonne  purpurfarben 
erscheint,  bleibt  ihr  Rand  scharf  begränzt.  Ganz  anders  verhält 
sich  eine  concentrirte  Lösung  von  Mastix  in  Weingeist,  die  durch 
Wasser  gefällt  und  verdünnt  ist.  Diese  zeigt  den  Unterschied 
der  Farben  des  reflectirten  und  durchgelassenen  Lichtes  in  weit 
geringerem  Grade,  und  selbst  durch  dünne  Schichten  derselben 
kann  man  die  Gegenstände  nicht  deutlich  erkennen.  Bei  zwei* 
bis  dreihundertmaliger  Linienvergröfserung  zeigt  nun  das  Mikro- 
skop in  diesem  Medium  viele  Mastixkügelchen,  die  in  demselben 
schwimmen,  während  dergleichen  in  der  ersten  Lösung  auch 
bei  stärkerer  Vergröfserung  noch  nicht  zu  unterscheiden  sind. 

ßi. 


W.  Haidinger.     Farbenringe   durch   Anhauchen   auf  frischen 
Theüungsflächen  des  Glimmers.     Wien.  Ber.  Vlil.  246 -248t. 

Der  Verfasser  bemerkt,  dafs  die  Glimmerflächen  nur  unmit- 
telbar nach  dem  Spalten  fähig  sind,  diese  Erscheinung  zu  zeigen, 
und  schon  unfähig  dazu  werden,  wenn  man  sie  mit  einem  wei- 
chen Körper  abwischt.  Ein  solcher  besitzt  eine  Atmosphäre  con* 
densirter  Gase,  wie  sie  sich  auch  auf  dem  Glimmerblättchen  mit 
der  Zeit  von  selbst  bildet.    Ebenso  wie  die  frischen  Theilungs- 


Haidingeb.    Jamin.  223 

flächen  des  Glimmers  verhalten  sich  neugebmnnle  Stücke  Por* 
zellan.  Bf. 


J.  Jamin.  Memoire  sur  les  anneaux  colorös.  c.  R.  XXXV. 
14-17;  Inst.  1852.  p.  214-215;  Ann.  d.  chim.  (3)  XXXVI.  158-193t. 
Die  vorliegende  Arbeit  ist  eine  neue  und  glänzende  Bestäti- 
gung der  CAucHY^schen  Formeln  für  die  Reflexion  des  Lichtes. 
Diese  enthalten  bekanntlich  eine  vom  reflectirenden  Medium  ab- 
hängende Constante  e^  den  9,Ellipticitätscoefficienten*\  und  redu- 
ciren  sich  nur  dann  auf  die  von  Prbsnbl  aufgestellten  Formeln, 
wenn  s  gleich  Null  gesetzt  wird.  Dals  dies  nicht  geschehen 
dürfe,  folgte  bereits  aus  den  Abhandlungen  über  die  Reflexion 
des  Lichtes,  über  welche  in  diesen  „Fortschritten"  1850,  51. 
p.385f.  berichtet  worden  ist;  hierin  halte  Hr.  Jabun  durch  directe 
Messungen  nachgewiesen,  dafs  bei  der  Reflexion  der  senkrecht 
gegen  die  Einfallsebene  polarisirte  Strahlentheil  auch  dann  nicht 
vollständig  erlischt,  wenn  das  Licht  unter  dem  Polarisationswinkel 
einfallt;  und  dafs  er  überhaupt  einen  Gangunterschied  gegen  den 
in  der  Einfallsebene  polarisirten  Theil  erhält.  Diese  Beobach- 
tungen widersprachen  also  den  Formeln  Fresnel's,  stimmten  da- 
gegen mit  denen  von  Cauchy,  und  Hr.  Jamin  bestimmte  nun  die 
(stets  sehr  kleinen)  Werthe  von  e  für  eine  grofse  Reihe  von 
Substanzen.  Der  Verfasser  hat  jetzt  die  NfiWTON'schen  Ringe 
aufs  Neue  studirt;  auch  hier  stellte  sich  die  Unzulänglichkeit  der 
Formeln  Frbsnel's  heraus,  dagegen  lassen  die  CAUCHv'schen  For- 
meln die  neu  beobachteten  Erscheinungen  so  gut  voraus  berech- 
nen, dafs  wir  am  bequemsten  mit  dieser  Rechnung  anfangen. 
Sie  ist  von  dem  Verfasser  nach  dem  Muster  der  von  Fresnel 
in  den  Ann.  d.  chim.  XXIIL  gegebenen  geführt,  und  folgt  hier 
mit  einer  nahe  liegenden  Abkürzung. 

Ist 

j;  =  sin  ^ 

die  Gleichung  eines  in  der  Einfallsebene  poiarisirteo  Strahles,  der 
unter  dem  Winkel  t  von  Luft  auf  Glas  fällt,  und  unter  dem  Win* 
kel  r  gebrochen  wird,  so  sind  nach  Fresnel  und  Cauchy 
x'  is:  V sin  £,        und        y'  ss  usin $ 


224  17.     iDterferens  des  Lidites. 

die  Gleichungen  des  reflectirten  und  gebrochenen  Strahles,  wobei 

sin  (i — z)  _  2  sin  r  cos  i 

sin  (i  -f  2)  '  ""    sin  (i-f  ^) 

zu  setzen  sind. 

Ist  dagegen  der  ursprüngliche  Strahl  senkrecht  gegen  die 
Einfallsebene  polarisirt,  so  werden  der  reflectirte  und  gebrochene 
Strahl  nach  Cauchy 

o;"  =  Fsin(^-  [d'+d"]),        f  =  (/sin  {x—d'), 
wobei  dann 

p,  _  sin  *  (t — z)  [cos'  (i  -f.  r)  +  g*  sin*  i  sin'  (i  +  r)] 
sin*(»  +  ^)[cos*(i  — 2;)  +  €'sin*tsin»(i— r)J  ' 


t/«  = 


sin*(i+r)  [cos»(i--.r)  +  fi*sin'tsin*(t— r)]  ' 
tgd'  =  fisinitg(i — r),  tgd"  =  fisinjtg(i+r) 

ist. 

Fiele  der  Strahl  von  Glas  auf  Luft  unter  dem  Winkel  r,  so 
würde  man  in  diesen  Formeln  r  mit  j,  und  e  mit  ef  zu  vertau- 
schen haben ;  «'  ist  aber  nach  Cauchy  =  — ue  (wenn  sin  i^n  sin  r); 
bezeichnet  man  daher  die  aus  diesen  Substitutionen  hervorgehen- 
den Werthe  von  v,  «,  F,  U,  d',  d"  mit  t;',  m',  P,  t/',  d'„  d'/,  so 
erhält  man  die  weiter  unten  benutzten  Gleichungen 
mm'==  1  — t;*  f7(7'  =  l-F* 

t;'  =  — i;  F  =  _r 

tgd;  =tgd'  tgdV  =  -tgd" 

d\  =d'  d7  =  — d''. 

Auf  eine  von  parallelen  ebenen  Glasflächen  begränzte  Luft- 
schicht von  der  Dicke  e  falle  nun  unler  dem  Winkel  r  eine 
ebene  Welle  von  senkrecht  gegen  die  Einfallsebene  polarisirtem 
Lichte.    Ist  die  Gleichung  eines  einfallenden  Strahles 

X  =  sin  ^, 
so  ist  die  Gleichung  eines  einmal  (an  der  oberen  Gränzfläche  der 
Luftschicht)  reflectirten 

s,  =  r,sin(^-di-dV)  =-Fsin(^-p), 
%venn 

d;-}-d'/=  d'— d''  =  /i 
gesetzt  wird;  oder  es  ist  j:^  gleich  dem  in  t  ^)  multiplicirten  Theile 

')  i  :»  / — 1*    Der  Gebrauch  des  Buchstabens  i  in  doppelter  Bedeu- 
tung wird  zu  keiner  Zweideutigkeit  Veranlassung  geben. 


Jamiw.  226 

von  — Fe^^-P)^  Ein  zweimal  gebrochener  und  einmal  reflec- 
iirter  Strahl  jr,  9  welcher  mit  x^  interferirt^  wird  aus  x  erhalten 
durch  Multiplication  mit  ü^  VU  oder  F(l— F*)  und  Aenderung  der 
Phase  um 

-(<J',+«^+<J"+<J'+2i?cosi.^), 
oder  für 

2(d'-fd'0+2i?eosi.^  =A. 
um 

SO  dafs  also  x^  gleich  dem  in  1  multiplicirten  Theile  von 

r(l_jP^)ß(|-P)«-e-/?,.- 

ist.  Mit  diesen  beiden  Strahlen  interferirt  ein  dritter  x^^  der  zwei 
Reflexionen  mehr  erlitten  hat  als  x^\  derselbe  wird  also  aus  x^ 
erhalten  durch  Multiplication  mit  F*  und  Aenderung  der  Phase 
um  — /?i;  auf  dieselbe  Weise  wird  aus  iiem  dritten  ein  vierter 
erhalten,  aus  diesem  ein  fünfter  u.  s.  f.  Nimmt  man  alle  inter- 
ferirenden  Strahlen  zusammen,  so  wird  ihre  Summe  P  gleich 
dem  Factor  von  t  in 

^  P(l  — F»)<?C€-P)'>-3/^i'-}-... 

_    „  ^ß^i—e-W^i  2  8111 4/?.  •  Fgtm^)' 

setzt  man  jetzt 

V*  cos  (i/9,  — p)  _  cos  (ift  -|-  jt»)  =  ^  cos  g» , 

—  F»  sin  rt/?t— p)—  sin(ift  4-p)  =  — f  siny, 
also 

^»  =  1+F«— 2F»eosA  =  (l— F')»+4F»8m*4<», 
und 

#„  «>  ^  y^sin(i/?.— p)  +  8ina/?.+p) 
*e9>        F»cos(i/J.-p)-cos(4/9.+p)' 
so  wird 

P=.'^r^>^^'sin(g+y+i^)> 

oder  wenn  vtaa 

g)^^  =  — ^,     abo      cot9>^:fc  4g ^(/ 

Forlschr.  d.  Phys.  Till,  15 


226  ^^*    Interferenz  des  Lichtes. 

setzt, 

P  s=  2n  sin  (I—  qf). 

Q 
Die  Intenailät  des  reflectirlen  Lichtes  ist  demnach 

I  4F«sinM/gi 

•'i  ""  (l_P)«+4Psin*i/»/ 

Aus  dieser  Gleichung  geht  hervor >    dafs  man  in  einem  Apparat 

zur   Betrachtung    der   NEwxoN'schen   Ringe    (von    homogenem 

Lichte)  die  dunkelen  Ringe  sehen  wird  an  den  Steilen 

/?,  _  ^      2n      An      6n 

oder 

die  hellen  Ringe  dagegen  an  den  Stellen 

.       i       <J'  +  <J"  ,      ^^      ^±^7      5A      d^  +  <r> , 

Wäre  das  Licht  in  der  Einfalisebene  polarisirt,  so  hätte  man 
ganz  auf  dieselbe  Weise  bekommen 

4e;*8in»i/»  ,^  .in 

die  dunkelen  Ringe  nehmen  die  Stellen  ein,  für  welche 

eCOSt  =  0,  y,  y,  y   •    • 

und  die  hellen  sind  bestimmt  durch 

<?cosi  =  ^,        -;|-,        -4-,  ... 

Jetzt  sieht  man  unmittelbar,  dafs  diese  letzteren  Ringe  mit  den 
ersteren  nur  dann  zusammen  fallen,  wenn  d'-|-d"  =  0  ist  Dies 
würde  nach  Fresnel  stets  der  Fall  sein,  nach  Cauchy  dagegen 
nur  bei  senkrechter  Incidenz.  Nimmt  die  Incidenz  zu,  so  wächst 
auch  d'-f  d";  also  nehmen  die  Durchmesser  der  zuerst  betrachte- 
ten Ringe  ab;  an  einer  gewissen  Stelle  wird  «f-j-^'  ^®°  Werth 
in  erreichen,  und  dann  werden  die  hellen  Ringe  an  die  Stelle 
der  dunkeln  treten  und  statt  des  dunkeln  Flecks  in  der  Mitte  ein 
heller  zu  sehen  sein.  Bei  femer  wachsender  Incidenz  nehmen 
die  Durchmesser  der  Ringe  weiter  ab,  bis  endlich  bei  streifender 


JAMZir.  ^QJ 


Incidenz  in  der  Mute  wieder  ein  dunkler  Fleck  erscheint,  die 
Ordnung  jedes  Ringes  um  eine  Einheit  vermindert  und  ihre 
Stelle  vwedcr  die  von  der  FRESNEL'schen  Theorie  angezeigte  ist. 

Die  Beobachtungen  des  Hrn.  Jamin  stimmen  vollkommen 
mit  diesen  bisher  nicht  bekannten  Resultaten  der  Rechnung. 
Die  Ringe  wurden  hervorgebracht  durch  die  Berührung  zweier, 
aus  ein  und  demselben  Flinlglase  geschnittenen,  gleichseitigen 
Prismen,  deren  eines  an  der  Berührungsfläche  zu  einem  Kugel- 
abschnitt von  12  bis  13  Meter  Radius  abgeschliffen  war.  Beide 
Prismen  standen  auf  einem  horizontalen  gelheillen  Kreise,  so  dais 
die  verticale  Berührungsebene  beider  durch  den  Mittelpunkt  des 
Kreises  ging.  Das  einfallende  Licht  wurde  durch  ein  Nicol'- 
sches  Prisma  polarisirt,  und  das  reflectirte  oder  gebrochene  durch 
ein  doppelt  brechendes  Prisma  analysirt.  Die  Azimuthe  der  ein- 
fallenden und  refleclirlcn  oder  gebrochenen  Strahlen  konnten 
an  Verticalkreisen  geraessen  werden. 

War  nun  das  Licht  in  der  Einfallsebene  polarisirt,  so  be- 
folgten die  Durchmesser  der  Ringe  das  von  Newton  für  kleine 
Einfallswinkel  gegebene  Gesetz.  Wenn  dagegen  der  einfallende 
Strahl  senkrecht  gegen  die  Einfallsebene  polarisirt  ist,  beobachtet 
n^an  Folgendes: 

Während  die  Incidenz  gleichförmig  wächst,  nimmt  die  all- 
gemeine Helligkeit  beständig  ab;  die  Durchmesser  der  Ringe 
wachsen  anfangs  bis  zu  einer  bestimmten  Gränze,  bleiben  dann 
eine  Zeit  lang  unverändert,  und  nehmen  darauf  mit  grofser  Ge- 
schwindigkeit ab,  bis  die  Incidenz  den  Polarisationswinkel  erreicht 
hat;  jetzt  ist  der  schwarze  Fleck  verschwunden,  an  seine  Stelle 
ist  ein  heller  getreten,  jeder  dunkele  Ring  hat  die  Stelle  des 
hellen  eingenommen,  der  ihm  voranging.  Wenn  die  Incidenz 
weiter  zunimmt,  so  wächst  die  allgemeine  Helligkeit,  und  die 
Ringe  ziehen  sich  noch  mehr  zusammen;  bald  nimmt  der  erste 
dunkle  Ring  die  Berührungsstelle  ein,  und  wird  zu  einem  neuen 
schwarzen  Fleck,  der  zweite  Ring  wird  der  erste  —  die  Ordnung 
jedes  Ringes  ist  um  eine  Einheit  vermindert 

Der  Verfasser  bemerkt  über  diese  Beobachtungen  noch: 

1)  Die  Theorie  liefert  bei  ein  und  demselben  Einfallswinkel 
einen  gleichen  Werth  für  alle  Maxima  der  Intensität;  nicht  so 

16* 


228  ^^*     Interferenz  des  Lichtes. 

die  Erfahrung:  wenn  der  dunkele  Fleck  dem  hellen  Plats  ge« 
macht  hat,  ist  die  Intensität  für  den  hellen  Fleck  viel  geringer 
als  für  die  anderen  Maxima;  der  Verfasser  meint,  dats  eine  so 
dünne  Luftschicht  wie  die  dem  hellen  Fleck  entsprechende 
nicht  so  viel  Licht  reflectiren  könne  als  eine  dickere. 

2)  Bei  der  Anwendung  von  natürlichem  Lichte  mub  man 
swei  Systeme  von  Ringen  erhalten,  die  einander  nicht  decken, 
ein  von  dem  in  der  Einfallsebene  poiarisirten  Lichte  herrührendes, 
und  ein  von  dem  senkrecht  gegen  diese  Ebene  poiarisirten  Lichte 
erzeugtes.  Die  Trennung  beider  Systeme  ist  jedoch  nur  dann 
merklich I  wenn  die  Gröfse  d'-f  <)"  einen  beträchtlichen  Werth 
haty  d.h.  wenn  der  Einfallswinkel  dem  Polarisationswinkel  nahe 
kommt. 

3)  Die  Intensität  der  reflectirten  Strahlen  ist  stets  gröfser, 
wenn  das  Licht  in  -der  Einfallsebene  polarisirt  ist,  und  die  In- 
tensität des  zweiten  Systems  ist  dann  am  geringsten,  wenn  es 
am  meisten  vom  ersten  getrennt  ist.  Dies  ist  der  Grund,  wes- 
halb die  beschriebenen  Erscheinungen  von  Arago  nicht  bemerkt 
worden  sind. 

Die  Abliandlung  behandelt  nun  weiter  den  Fall,  wo  der  ein- 
fallende Strahl  in  einer  beliebigen  Ebene  polarisirt  ist.  Die  Ringe, 
die  man  dann  beobachtet,  entstehen  (wie  oben  No.  2)  aus  zwei 
Systemen,  die  sich  über  einander  lagern;  da  diese  Componenten 
verschiedene  Phasen  und  Intensitäten  haben,  so  ist  das  resulti- 
rende  Licht  im  Allgemeinen  elliptisch  polarisirt.  Die  Erscheinung 
wird,  ebenso  wie  die  Rechnung,  sehr  complicirt,  so  dafs  ein  Aus- 
zug nicht  mehr  verständlich  sein  würde.  Wir  erwähnen  nur 
ein  sonderbares  Resultat:  Wenn  das  Licht  unter  dem  Po- 
larisationswinkel einfallt,  und  das  analysirende  Prisma  vom  Azi- 
muth  90*^  bis  zum  Azimuth  270*^  gedreht  wird,  wächst  in  dem 
auCBerordentKchen  Bilde  der  schwarze  Fleck,  wird  in  der  Mitte 
hell)  und  bildet  einen  Ring,  der  sich  weiter  ausbreitet,  und,  die 
übrigen  Ringe  vor  sich  her  treibend,  beim  Azimuth  180^  an  die 
Stelle  des  ersten  hellen  Ringes  tritt.  Dann  wächst  dieser  Ring 
weiter,  und  in  seiner  Mitte  bildet  sich  ein  neuer  schwarzer  Fleck, 
bk  beim  Azimuth  270®  die  Erscheinung  von  vorn  beginnt 


Die  Beobachtungen  der  Ringe  im  durchgelassenen  Lichte 
entsprachen  genau  den  Resultaten  der  Rechnung. 

Den  Schlufs  der  Abhandlung  bildet  eine  Beschreibung  und 
Erklärung  der  eigenthümliehen  Erscheinungen,  welche  im  homo- 
genen Lichte  eintreten,  wenn  die  Incidenz  sich  der  totalen  Re« 
flexion  nähert.  Die  reflectirten  Ringe  theilen  sich  dann  in  meh* 
rere  Reihen  verschiedener  Ringe,  und  die  durchgelassenen  werden 
zu  einer  zahllosen  Reihe  heller  und  dunkeler  Fransen.  Auch 
hierüber  ist  ein  kurzer  Bericht  nicht  möglich.  Bt. 


D.  Brewster.     Oq  certain  phenomena  of  diffiractioo.     Athen. 

1852.  p.  1010-1010;   Inst.  1852.  p.  381-381;   Cosinos  I.  542-543; 
Rep.  of  Brit.  Assoc.  1852.  2.  p.  24 -25t. 

Bei  den  neuen  Beobachtungen  des  Hrn.  Brewster  über 
Beugungserscheinungen  lief  der  beugende  Körper  spitz  zu, 
wie  eine  feine  Nadel;  die  Fransen  wurden  mit  einer  Lupe 
beobachtet,  und  es  zeigte  sich,  dafs  die  inneren  Fransen  sich  in 
feinen  hyperbolischen  Linien  über  den  Schatten  hinaus  fort- 
setzten, und  die  äufseren  kreuzten,  so  daf|  diese  das  Ansehen  einer 
Schraube,  oder  eines  gedrehten  Fadens  erhielten.  Ist  der  beu* 
gende  Korper  ein  aufserordentlich  dünner  Draht  mit  parallelen 
Seiten,  so  dehnen  sich  die  inneren  Fransen  ebenfalls  über  den 
Schatten  hin  aus,  mischen  sich  mit  den  äufseren,  und  verändern 
deren  Form  und  Farbe  vollständig.  Diese  „inneren  Fransen  jen- 
seit  des  Schattens'*  verschwinden  gleich  den  innerhalb  des  Schat- 
tens befindlichen,  wenn  man  dasXiicht  auf  der  andern  Seite  des 
beugenden  Körpers  mittelst  eines  Schirmes  abhält.  Hr.  Brewster 
schliefst  aus  diesen  Beobachtungen,  dafs  gewisse  dunkle  Streifen 
im  Spectrum,  welche  nach  seinen  früheren  Angaben  das  An- 
sehen von  Schraubenlinien  haben,  ebenfalls  durch  Kreuzung  zweier 
Fransensysteme  entstanden  seien.  Ueberall  ist  der  Grund  dieser 
lieu  beobachteten  Fransen  wohl  in  der  Unebenheit  der  Seiten 
des  beugenden  Körpers  zu  suchen.  ^      Bf. 


230      ^7.    Interferenz  des  Lichte«.    Gbubbi..  Powell.  BaoveHAM. 
J3.  C.  Geubbl.     Ein  Beitrag  zur  Beugung  und  Interferenz  des 

Lichtes.      Arch.  d.  Pharm.  (2)  LXXI.  113-116. 

Hr.  Gbubel  beschreibt  die  gewöhnlichen  Versuche,  die  man 
mit  Federn  und  dergleichen  anstellen  kann.  Bf. 


ß.  Powell.     Remarks   on   certain  points  in   experiments   on 

the   diffraction   of  light.      Proc.  of  Roy.  Soc.  VL  160-162i. 

Hr.  Powell  hat  sich  die  Mühe  gegeben,  die  in  diesen  Be- 
richten für  1850, 51.  p.  400f  erwähnten  Versuche  Lord  Brougham's 
tu  wiederholen.  BU 


Brodgham.  Sur  divers  ph^nomenes  de  diffraction  ou  d*infle- 
Xion.  C.  R.  XXXIV.  127-129t;  Inst.  1852.  p.  75-76;  Phil.  Mag. 
(4)  IV.  230-232. 

So  lange  der  Verfasser  nicht  specielie,  von  den  Resultaten 
der  Messungen  begleitete  Beschreibungen  seiner  Versuche  ver- 
öffentlicht, wird  man  darüber  nur  die  Bemerkungen  des  vorigen 
Jahresberichtes  (1850,  51.  p.  401f)  wiederholen  können.      Bt 


18.  Spectrum.  Absorption dot Lichtes.  ObjectiTe  Farben«  Stokvs.      231 

18.    Spectrum.    Absorption  des  Lichtes« 
Objective  Farben. 


G.  G.  Stokbs  On  the  change  of  refrangibüity  of  light.  phu. 
Mag.  (4)  IV.  388-393;  Athen.  1852.  p.  948-948;  Cosmos  L  472-475, 
IL  91-95;  Po6G.  Ann.  LXXXVIF.  480-490,  Erg.  IV.  177-345t;  Fich- 
NKR  C.  Bl.  1853.  p.  178-181;  Inst.  1853.  p.  52-54;  Sillimak  J.  (2) 
XV.  270-272;  Phil.  Trans.  1852.  p.  463 -562t;  Ann.  d.  chim.  (3) 
XXXVIII.  491-507;  Arch.  d.  sc.  phys.  XXIV.  65-67,  XXVI.  65-67; 
Proc  of  Roy.  Soc.  VI.  195-200. 

1)  Das  allgemeine  Resultat  der  Abhandlung. 

Die  Ueberschrift,  welche  der  Verfasser  diesem  Bericht  über 
seine  berühmten  Versuche  gegeben  hat,  kann  leicht  eine  falsche 
Vorstellung  von  seiner  Absicht  erregen.  Man  erwartet  einen 
AngriiT  auf  den  Satx,  dafs  ein  Strahl  homogenen  Lichtes  bei  jeder 
Art  der  Brechung  oder  Reflexion  seine  Schwingungsdauer  be- 
wahre; in  der  That  aber  handelt  es  sich  um  eine  gans  neue 
Eigenschaft  der  Lichtstrahlen,  ihre  Fähigkeit  nämlich,  gewisse 
Medien  während  der  Zeit,  dafs  sie  auf  dieselben  wirken,  zu  selbst- 
leuchtenden  Körpern  zu  machen  (226)');  auffallend  genug,  aber 
der  Undulationstheorie  weniger  widersprechend,  bleibt  es  dabei, 
dafs  diese  Medien  dann  Licht  aussenden,  dessen  Brechbarkeit  im- 
AUgemeinen  geringer  ist  als  die  der  erregenden  Lichtquelle  (80). 

2)  Frühere  Beobachtungen  von  Hbrschel  und 
Brbwster. 

Anlafs  zu  diesen  umfassenden  Untersuchungen  gaben  Beob- 
achtungen von  J.  Hbrschbl  (On  a  case  of  superficial  colour 
presented  by  a  homogeneous  liquid  intemally  colourless;  undOn 
the  epipolic  dispersion  of  light.  Berl.  Ber.  1845.  p.  183)  und  Brbw- 
ster (On  the  decomposilion  and  dispersion  of  light  within  solid 
and  fluid  bodies.  Edinb.  Trans.  XVI.;  Beri.  Ber.  1847.  p.  120). 
Die  HERscHBL'sche  Beobachtung  läfst  sich  leicht  wiederholen; 
eine  (aufserordentlich  verdünnte)  Auflösung  von  schwefelsaurem 
Chinin  in  etwas  gesäuertem  Wasser  erscheint  im  durchgelassenen 

')  Die  in  Klammern  eingeschlossenen  Zahlen  beziehen  sich  auf  die 
Paragraphen  der  OriginalahbandlaDg  in  den  Phil.  Trans. 


23S      ^^*    Spectram.    AbtorptioD  des  Lichtes.    Objeetive  Farben. 

Lichte  wasserhell;  giefsl  man  sie  aber  in  ein  offenes  Glas,  und 
sieht  bei  Tagesbeleuchtung  von  oben  hinein,  so  sieht  man  die 
oberste  Flüssigkeitsschicht  nicht  minder  wie  die  Schicht,  die  zu- 
nächst der  der  Lichtquelle  zugekehrten  Glaswand  liegt,  mit  einer 
schön  himmelblauen   Farbe  leuchten.     Man  stelle  zwischen  die 
Lichtquelle  und  das  die  Lösung  enthaltende  Glas  einen  schmalen 
und  hohen  Glaskasten  mit  parallelen  Wänden,  welcher  mit  der 
gleichen  Lösung  gefüllt  ist;  dann  mufs  das  Licht  erst  durch  eine 
Schicht  des  Mediums  gehen,  ehe  es  auf  das  zu  beobachtende  Me- 
dium fallt;  und  nun  verschwindet  in  diesem  das  blaue  Licht  Man 
halte  endlich  den  Kasten  zwischen  Auge  und  Glas,  und  das  blaue 
Licht  wird  sichtbar  bleiben.    Herschbl  nannte  die  beschriebene 
Lichterscheinung  „epipolische  Dispersion'',  und  „epipolisirf'  das 
Licht,  welches  beim  Durchgang  durch  die  Schicht  der  Lösung 
die  Fähigkeit  verloren  hat,   die  genannte  Erscheinung  hervorzu- 
rufen.   Er  zerlegte  das  zerstreute  Licht  mittelst  eines  Prismas, 
und  fand,  dafs  es  keine  Strahlen  von  geringer  Brechbarkeit  ent^ 
hielt;  desgleichen  zeigte  es  keine  Spur  von  Polarisation.  Brbwstbr 
concentrirte  das  Sonnenlicht  durch  eine  Linse,  und  liefs  es  dann 
auf  die  Lösung  fallen.   Der  blaue  Lichtschein  erstreckte  sich  nun 
tiefer  in  die  Flüssigkeit  hinein,  und  bei  der  Untersuchung  mittelst 
eines  Kalkspathrhomboeders  ergab  es  sich,  dafs  ein  Theil  dieses 
Lichtes  —  nämlich  der  hauptsächlich  aus  den  weniger  brechbaren 
Strahlen    bestehende  —  in    der  Reflexionsebene   polarisirt  war. 
Brbwster  hielt  die  Erscheinung  für  einen  Fall  der  von  ihm  im  Jahre 
1833  entdeckten  „inneren  Dispersion"  (Edinb.  Trans.  XII.  542). 

Sie  wird  unter  6)  vollständig  erklärt  werden. 

3)  Die  Hypothese  des  Hrn.  Stokes. 

Nimmt  man  noch  hinzu,  dafs  diese  Erscheinungen  bei  Kenen- 
licht,  welches  wenig  chemische  Strahlen  enthält,  sich  nur  schwach 
zeigen,  bei  dem  Licht  einer  Spiritus*  oder  WasserstofEBamme,  die 
an  dergleichen  Strahlen  reicher  sind,  aber  viel  stärker  (197  bis  200), 
so  wird  man  sich  über  die  Hypothese,  auf  die  Hr.  Stokrs  beim 
Mangel  jeder  anderen  Erklärung  geführt  wurde,  weniger  wundern, 
obgleich  sie  seit  Nswton's  Zeiten  Unerhörtes  annimmt.  Hr.  Stokjbs 
meint  nämlich,  die  unsichtbaren  Strahlen  des  Spectrums  jenseits 
des  Violett  möchten  die  materiellen  Theilchen  des  Mediums  in 


Stokis.  233 

solche  schiräigende  Bewegungen  versetzen,  wie  sie  den  Theil- 
chen  selbstleuchtender  Körper  zukommen;  und  diese  Schwingungen 
würden  wieder  im  Lichtäther  Anlafs  zu  Strahlen  geben,  die  von 
geringerer  Brechbarkeit  als  die  primären,  und  deshalb  der  Netz- 
haut vernehmlich  wären.  Die  Flüssigkeit  selbst  aber  müfste  für 
die  unsichtbaren,  und  überhaupt  für  die  am  meisten  brechbaren, 
Strahlen  des  Speclrums  fast  opak  sein. 

4)  Vorläufige  Versuche  zur  Bestätigung  der  Hy- 
pothese. 

Einige  Versuche  mit  farbigen  Gläsern  dienten  zur  vorläufigen 
Bestätigung.  Eine  blafs  rauchfarbene  Glasscheibe  verhinderte  die 
Bildung  des  blauen  Lichtes,  wenn  sie  zwischen  Lichtquelle  und 
Medium  stand;  man  sah  das  Licht,  wenn  sie  zwischen  Medium 
und  Auge  gehalten  wurde.  Ein  Glas  von  Flohfarbe  liefs  in  der 
ersten  Stellung  das  blaue  Licht  erkennen,  absorbirte  es  in  der 
zweiten;  ähnlich  verhielt  sich  ein  tief  blaues  Kobaltglas,  welches 
bekannthch  für  chemische  Strahlen  sehr  durchsichtig  ist.  Ent** 
scheidend  aber  war  der  folgende  Versuch.  Durch  einen  senk- 
rechten Spalt  im  Fensterladen  eines  dunklen  Zimmers  wurde 
das  Sonnenlicht  horizontal  reflectirt;  und  auf  drei  hinter  einander 
gestellte  Münchener  Prismen  geleitet;  im  Abstand  einiger  Fufs 
vom  Schlitz  entstand  so  ein  mäfsig  reines  Spectrum«  „Ein  Rea« 
gensglas  mit  der  Lösung  wurde  nun  jenseits  des  rothen  Endes  des 
Spectrums  senkrecht  aufgestellt,  und  hernach  horizontal  durch 
die  Farben  geführt.  Fast  das  ganze  sichtbare  Spectrum  entlang 
^g  das  Licht  durch  die  Flüssigkeit,  wie  es  durch  eben  so  viel 
Wasser  gegangen  sein  würde;  als  aber  das  Glas  fast  das  äulserste 
Violett  erreichte,  schofs  ein  geisterhafter  Schein  von  blauem 
Lichte  quer  durch  dasselbe.  Bei  weiterer  Bewegung  des  Glases 
nahm  das  blaue  Licht  erst  an  Intensität  zu,  und  verschwand  dann 
allmälig,  aber  nicht  eher  vollständig,  als  bis  das  Glas  weit  jen-* 
arita  des  violetten  Endes  des  auf  einem  Schirm  siclitbaren  Spectrums 
war»  Zuletzt  war  das  blaue  Licht  beschränkt  auf  eine  äufserst 
dünne  Schicht  an  der  Oberfläche,  durch  welche  das  Licht  einfiel, 
wogegen  es  anfangs  sich  ganz  durch  das  Glas  erstreckte,  be^ 
sonders  als  sich  dies  ein  wenig  vor  dem  äufsersten  Violett  be^ 
fand"  (10). 


234     ^^*    Spectrom.    Absorption  des  Lichtes.     Objective  Farben. 

Wirklich  erzeugten  also  die  chemischen  Strahlen  das  blaue 
Licht  im  Medium,  die  Hypothese  verlangte  nur  noch  den  Nach- 
weis, dals  das  Medium  für  Strahlen  von  hoher  Brechbarkeit  opak 
sei;  und  dies  ergab  sich  gleichfalls:  eine  dicke,  vvasserhelle  Schicht 
der  Flüssigkeit,  vor  den  Spalt  gestellt,  schnitt  das  Spectrum 
zwischen  den  festen  Linien  6  und  H  fort.  Diese  Beobachtung 
wird  bestätigt  durch  eine  frühere  von  E.  Becquerel  (C.  R.  XVII. 
883),  welche  Hr.  Stokes  anführt  „Epipolisirtes"'  Licht  ist 
also  solches,  welches  von  den  Strahlen  gereinigt  ist,  die  brech- 
barer sind  als  Violett;  und  dieser  von  Herschbl  provisorisch  an- 
genommene Name,  der  auf  eine  falsche  Vorstellung  von  der  Ur- 
sache der  Erscheinung  führen  kann,  ist  au&ugeben. 

5)  Beobachtungsmelhoden. 

Die  jetzt  im  Allgemeinen  aufgeklärte  Erscheinung  verfolgt 
der  Verfasser  nun  in  einer  langen  Reihe  von  Beobachtungen  an 
den  verschiedenartigsten  flüssigen  und  festen  Körpern.  Natürlich 
wählte  er  vorzugsweise  diejenigen,  die  schon  Brbwstbr  und 
Hbrschel  in  ihren  oben  genannten  Untersuchungen*  betrachtet 
hatten.  Er  nennt  die  Erscheinung  selbst  „innere  Dispersion", 
Medien,  die  sie  zeigen,  „empfindlich",  Strahlen,  die  sie  hervor- 
rufen, „wirksam".  Meist  bedient  er  sich  einer  der  vier  folgenden 
Beobachtungsmethoden* 

1.  Das  Sonnenlicht  wurde  durch  eine  kleine  Linse,  die  in 
einem  Loch  eines  senkrecht  stehenden  Brettes  befestigt  war,  hori- 
zontal reflectirt,  und  dann  in  den  zu  untersuchenden  Körper  ge- 
leitet. Steht  ein  farbiges  Glas  zwischen  diesem  Körper  und  der 
Linse,  so  nennt  es  der  Verfasser  zur  Abkürzung  „in  erster  Stel- 
lung"; steht  es  zwischen  Auge  und  Körper,  „in  zweiter". 

2.  Das  auf  dieselbe  Weise  horizontal  reflectirte  Sonnenlicht 
ging  durch  drei  oder  vier  Münchener  Prismen,  die  dicht  hinter 
einander  standen,  jedes  fast  in  der  Lage  der  Minimumablenkung; 
dann  ging  das  Licht  durch  eine  Linse,  die  in  ein  dicht  hinter 
dem  letzten  Prisma  stehendes  Brett  eingesetzt  war,  und  darauf 
in  den  zu  untersuchenden  Körper.  Dieser  wurde  so  gestellt,  dafs 
der  Brennpunkt  der  Linse  in  seine  vordere  Fläche  fiel.  Der 
Durchmesser  der  Linse  war  kleiner  als  die  Dimensionen  der  Pris- 
men; die  Linse  war  also  mit  weifsem  Licht  gefüllt,  so  aber,  dafs 


Stom».  236 

die  Struhlen  von  verschiedener  Farbe  auch  in  verschiedener 
Richtung  in  das  Prisma  eintraten,  und  demnach  verschiedene 
Brennflächen  bildeten,  deren  Scheitel  in  einer  horisontalen  Linie 
in  der  Nähe  der  vorderen  Gränze  des  zu  untersuchenden  Kor- 
pers lagen. 

3.  Das  Sonnenlicht  wurde  horizontal  durch  einen  senk« 
rechten  Spalt  reflectirt^  und  fiel  auf  die  Prismen,  die  mehrere 
Fuis  entfernt  vom  Spalt  aufgestellt  waren.  Dicht  hinter  dem 
letzten  Prisma  war  eine  grofse  Linse,  gewöhnlich  von  12'^  Brenn- 
weite, aufgestellt.  Der  zu  untersuchende  Körper  stand  an  der 
Stelle  des  von  der  Linse  gebildeten  Bildes  der  Spalte. 

4.  Es  wurde,  während  die  Anordnung  unter  No.  3  blieb, 
noch  eine  kleine  Linse  von  kurzer  Brennweite  (0,2'^  bis  0,3'') 
im  Abstand  des  Schlitzbildes,  oder  zwischen  diesem  und  dem 
Sonnenbilde  aufgestellt;  der  Körper  stand  im  Brennpunkt  der 
kleinen  Linse.  Das  durch  innere  Dispersion  erzeugte  Licht  wurde 
von  oben  betrachtet,  und  durch  ein  Prisma,  welches  es  seitwärts 
brach,  zerlegt. 

Wir  stellen  nun  die  bemerkenswerthesten  Resultate  der  ein- 
zelnen Untersuchungen  zusammen,  und  verlassen  zu  diesem  Zweck 
die  im  Original  befolgte  Anordnung  des  Stoffs. 

6)  Wahre  und  falsche  innere  Dispersion. 

Die  zweite  Methode  führte  (zunächst  bei  der  Beobachtung 
einer  Lösung  von  saurem  schwefelsaurem  Chinin)  zu  einer  wichti- 
gen Unterscheidung  zwischen  solchem  Licht,  welches  wirklich 
durch  die  oben  definirte  „innere  Dispersion^  entstanden  ist,  und 
solchem,  welches  von  „falscher  innerer  Dispersion"  herrührt,  d.  h. 
nur  von  in  der  Flüssigkeit  schwebenden  Staubtheilchen  reflectirt 
ist.  Das  in  der  Flüssigkeit  wahrgenommene  Licht  bestand  näm- 
Uch  aus  zwei  Bündeln,  die  bereits  an  der  vorderen  Gränifläche 
getrennt  waren,  und  weiterhin  noch  mehr  divergirten.  Das  erste^ 
von  discontinuirlichem  funkelndem  Ansehen,  war  aus  den  weniger 
brechbaren  Farben  des  Spectrums  in  ihrer  natürlichen  Ordnung 
zusammengesetzt,  und  gröfstentheils  in  der  Reflexionsebene  po- 
iarisirt.  Es  war  das  von  der  falschen  inneren  Dispersion  her- 
rührende. Dies  konnte  bei  den  Beobachtungen  dazu  dienen,  die 
Farbe  des  einfallenden  Lichtes  mit  der  des  erzeugten  zu  ver- 


236      18*    Spectrum.    Absorption  de»  Lichtes.    Objective  Farben. 

gleichen.  Das  aweite  Bündel  war  heller  als  das  erste ,  himmel- 
blauy  continuirlichy  ohne  Spur  von  Polarisation,  und  entstand  auf 
dieselbe  Weise,  mochte  das  einfallende  Licht  in  einer  beliebigen 
Ebene  polarisirtes,  oder  gemeines  Licht  sein.  Dies  rührte  also  von 
der  „wahren  inneren  Dispersion"  her^  Brewster  aber  hatte  in  der 
unter  2)  angeführten  Beobachtung  beide  Bündel  nicht  unterschieden. 

7)  Häufigkeit  der  Erscheinung. 

Schon  Brewster  bemerkte,  dafs  die  innere  Dispersion  fast 
in  allen  vegetabilischen  Lösungen  vorkomme.  Der  Verfasser 
bestätigt^  dafs  Flüssigkeilen,  welche  man  durch  Ausziehen  von 
Blättern  und  andern  Pflanzentheilen  mit  Alkohol  oder  heiüsem 
Wasser  erhält,  fast  immer  empfindlich  sind;  isolirte  Pflansen- 
substansen  dagegen,  wie  Lösungen  von  Zucker,  Salicin,  Mor- 
phin, Strychnin,  fand  er  häufig  unempfindlich  (46).  Farblose 
Gläser  sind  meist  empfindlich,  und  geben  ein  schönes  grünes 
Licht  (78).  Von  den  specieller  untersuchten  Substanzen  geben 
im  weifsen  Lieht:  ein  Absud  der  Rinde  der  Rofskastanie  (Aesculus 
Hippocastanum)  Blau,  Guajaclösung  in  Alkohol  Violett,  Curcumae- 
tinctur  ein  gelbliches  Grün,  Extract  von  Stechapfelsamen  (Datura 
Stramonium)  ein  blasses  Grün,  alkoholisches  Extract  von  Lack« 
mus  eine  Schlammfarbe,  stark  durch  Wasser  verdünnte  Orseille 
ein  dunkeles  Grün,  grüner  Flufsspath  von  Aiston  Moor  ein  dunkeles 
Blau. 

6)  Verschiedenheit  der  Wirkung  der  einfallenden 
Strahlen  nach  ihrer  Brechbarkeit.  Zusammensetzung 
des  erzeugten  Lichtes. 

Wurden  die  Medien  nach  der  dritten  oder  vierten  Methode 
untersucht,  so  zeigte  sich,  während  das  Medium  vom  rotben  zum 
violetten  Ende  durch  das  Spectrum  geführt  wurde,  der  Beginn 
der  inneren  Dispersion  bei  verschiedenen  Medien  auch  an  ver« 
schiedenen  Stellen;  immer  aber  waren  die  brechbarsten  Strahlen 
auch  die  wirksamsten.  Die  Dispersion  war  nach  der  dritten  Me- 
thode deutlich,  b.  B.  in  der  Chininlösung  und  dem  genannten 
Flufs^th  zwischen  den  festen  Linien  G  und  A,  im  Rojakastanien* 
absud  vor  6,  in  der  Guajaclösung  zwischen  D  und  6.  Nach  der 
vierten  Methode  zeigte  sich  das  in  der  Chininlösung  durch  innere 
Dispersion  erzeugte  Licht  zuerst  im  Blau;  wurde  es  durch  ein 


Stokbs«  297 

Prisma  von  dem  an  Staubtheilchen  reflectirten  getrennt,  so  er- 
kannte man,  dafa  es  aus  einer  kleinen  Menge  Roth  bestand;  weiter- 
bin trat  eine  kleine  Menge  Gelb  hinzu;  etwa  an  der  Gränze  von 
Blau  und  Indigo  wurde  es  heller»  und  zeigte  bei  der  Zerlegung 
durch  ein  Prisma  neben  den  früheren  Farben  etwas  Grün;  im 
Indigo  ward  es  noch  heller,  und  als  Ganzes  betrachtet  grünlich. 
Weiterhin  wurde  es  schieferblau,  und  zeigte  bei  der  Zerlegung 
ein  stark  brechbares  Blau;  dann  wurde  es  wieder  tiefer  blau; 
kurz  vor  der  festen  Linie  H  war  es  weifser,  und  in  beträcht- 
lichem Abstände  von  H  war  es  nur  noch  ein  weifser  Schein  (19). 
Für  den  schon  erwähnten  Flufsspath  ergab  sich  nach  derselben 
Methode,  da(s  die  Dispersion  anfing  an  der  brechbarsten  Gränze 
des  Roth;  das  erzeugte  Licht  war  ein  schwaches  Roth.  Weiter- 
hin wurde  dies  Licht  schnell  heller,  und  verschwand  dann.  An 
der  hellsten  Stelle  war  es  für  eine  prismatische  Zerlegung  noch 
zu  schwach,  schien  aber  nicht  ganz  homogen  und  weniger  brech- 
bar als  das  wirksame  Licht  zu  sein.  Dann  war  auf  einer  be- 
deutenden Strecke  des  Spectrums  keine  Dispersion  bemerkbar. 
Im  grüngelben  Theil  entstand  ein  schwaches,  erst  röthliches,  dann 
bräunliches  Licht;  zwischen  G  und  H  ein  viel  helleres,  schön 
blaues.  Dies  wurde  zerlegt;  es  bestand  aus  Strahlen,  deren 
Brechbarkeit  zwischen  weiten  Gränzen  lag;  Roth  fehlte  indefs 
fast  gänzlich;  die  brechbareren  Strahlen  waren  am  reichlichsten 
vorhanden,  erreichten  aber  doch  die  Brechbarkeit  des  wirksamen 
Lichtes  nicht.  Am  hellsten  war  das  erzeugte  Licht  in  der  Nähe 
von  J2;  dann  wurde  es  dunkler,  und  verschwand  endlich  ganz  (36). 
Eine  (durch  Uranoxyd  gefärbte)  gelbliche  Glassorte,  welche  im 
Handel  den  Namen  Kanarienglas  führt,  und  %vegen  ihrer  starken 
inneren  Dispersion  den  aus  ihr  gefertigten  Gegenständen,  Flacons 
u.  dergl.,  ein  eigenthümliches  Ansehen  giebt,  verhält  sich  beson- 
ders merkwürdig.  Im  unzerlegten  Sonnenlicht  war  das  erzeugte 
Lichtbündel  gelblich  grün;  die  Zerlegung  des  letzteren  gab  fünf 
helle  Streifen  von  gleicher  Breite,  getrennt  durch  dunkle.  Der 
erste  helle  Streifen  war  roth,  der  zweite  rSthlich  orange,  der 
dritte  gelblich  grün,  der  vierte  und  fünfte  grün.  Die  vierte 
Untersuehungsmethode  ergab  das  der  STOKcs'schen  Theorie  un- 
gemein willkommene  Resultat,  dafs  die  niedrigste  Brechbarkeit 


238      ^^'    Spectrum.    Absorption  des  Lichtes.     Objective  Farben, 

der  einfallenden  Strahlen,  welche  noch  in  dem  Medium  eine  innere 
Dispersion  hervorzurufen  im  Stande  sind,  gleich  der  höchsten 
Brechbarkeit  der  Strahlen  ist,  aus  denen  das  vom  weifsen  Lichte 
erzeugte  Licht  besteht  (73  bis  77). 

Diese  drei  Beispiele  werden  genügen,  um  einerseits  die 
Mannigfaltigkeit  der  Erscheinung  zu  zeigen,  und  andererseits  das 
einzige  bis  jetzt  bekannte  (von  Hrn.  Stokbs  noch  anderweitig 
geprüfte)  Gesetz  derselben  annehmbar  zu  machen,  dafs  nämlich 
die  Brechbarkeit  des  einfallenden  Lichtes  nie  kleiner  ist,  als  die 
des  erzeugten  (80).  Endlich  wird  man  daraus  noch  die  auffallende 
(auch  sonst  (17)  bestätigte)  Thatsache  entnehmen,  dafs  homogenes 
wirksames  Licht  zusammengesetztes  erzeugen  kann. 

9)  Sichtbarkeit  der  festen  Linien  des  Spectrums 
im  erzeugten  Lichte.    Chemisches  Spect.rum. 

Insofern  durch  die  „innere  Dispersion"  die  materiellen  Theile 
des  Mediums  selbstleuchtend  zu  werden  scheinen,  liegt  eine  Ver- 
gleichung  mit  der  Phosphorescenz  nahe.  Abgesehen  aber  <la von,  dafs 
Schwefelcaicium  und  *Schwefelbarium,  so  wie  Kalkspath  (welche 
gute  Phosphore  sind)  sich  unempfindlich  für  innere  Dispersion  zei- 
gen (225),  und  abgesehen  davon,  dafs  das  eben  erwähnte  Gesetz 
für  die  Phosphorescenz  nicht  bestätigt  ist  (221),  zeigen  sich  zwei 
wesentliche  Unterschiede:  erstens,  die  innere  Dispersion  dauert . 
nicht,  wie  die  Phosphorescenz,  nach  der  Einwirkung  des  Lichtes 
fort  (229),  und  zweitens,  die  innere  Dispersion  geht  nicht,  wie 
die  Phosphorescenz,  von  den  vom  Licht  getroffenen  Stellen  auf  die 
benachbarten  über;  vielmehr  beschränkt  sie  sich  so  scharf,  auf 
jene '),  dafs  die  dunklen  Linien  des  sichtbaren  und  unsichtbaren 
Spectrums  im  erzeugten  Lichte   deutlich  erkennbar  sind  (223). 


')  Man  kann  daher  die  innere  Dispersion  benutzen,  um  den  Weg 
der  Lichtstrahlen  sichtbar  zu  machen,  z.  B.  bei  der  Brechung 
durch  eine  Linse.  Man  läfst  ein  Bändel  Lichtstrahlen  erst  durch 
ein  dunkelblaues  Glas  mit  parallelen  Wänden  gehen,  dann  durch 
eine  etwas  grofse  Liose,  und  Ton  da  aus  in  ein  Glasgeiafs  mit 
ebenen  Wänden,  welches  eine  sehr  verdünnte  Lösung  entliält« 
Man  sieht  dann  die  Brennfiäche  sehr  schon,  weil  das  erzeugte 
Licht  Tollkommen  continuirlich  ist,  und  die  Beleochtungsgrade  der 
verschiedenen  Theile  der  Brennfiäche  durch  di^  entsprechenden 
Helligkeitsgrade  des  erzeugten  Lichtes  mit  grofser  Zartheit  dar- 
gesteUt  werden  (193). 


Stoem.  239 

Schon  die  dritte  Beobachtungsmethode  liefs  die  hauptsächlichsten 
derselben  in  der  Chininlösung  und  dem  Rofskastanienabsud  sehen. 
Die  Linien  zeigten  sich  als  dunkle  Ebenen,  die  eine  sonst  voll* 
kommen  stetige  Masse  von  blauem  Licht  unterbrachen  (16).  Die 
festen  Linien  jenseits  jff  zeigte  das  Kanarienglas  noch  besser  als 
jene  beiden  Medien.  Hr.  Stokbs  hat  seiner  Abhandlung  eine 
Skizze  des  chemischen  Speclrums  beigegeben,  wie  es  mit  einer 
Linse  von  12''  Brennweite  vor  den  Prismen  gesehen  wird.  Die 
Breite  des  Schlitzes  war  ungefähr  0,05".  Die  Zeichnung  enthält 
32  feste  Linien,  deren  Abstände  von  einander  nur  zum  geringeren 
Theil  durch  Messungen  bestimmt  sind.  Hr.  Stokes  hält  das  von 
ihm  erzeugte  Spectrum  für  weniger  rein  als  das  von  Draper  (Phil. 
Mag.  1843.  Vol.  XXII.)  und  von  Silbbrmann,  und  deshalb  eine 
Identification  der  Linien  in  diesen  drei  Spectris  für  unmöglich. 
Gleichwohl  ist  kein  Grund  vorhanden,  zu  glauben,  dafs  seine  im 
blauen  Lichte  der  Chininlosung,  oder  im  bräunlich  rothen  einer 
Lösung  von  Blattgrün  in  Alkohol  (55)  gesehenen  Linien  andere 
seien  als  die  dunkelen  Linien  photographischer  Spectra.  Die  von 
KoiGSLEY  unter  entsprechenden  Umständen  angefertigten  Photo- 
graphieen  haben  vielmehr  dieselben  Linien  ergeben;  auch  die  Ver- 
gleichung  mit  der  von  E.  Becqubrbl  (in  der  Bibl.  univers.  Juli, 
Aug.  1842.  Vol.  XL.)  gegebenen  Abbildung  einer  Photographie  des 
Spectrums  läfst  die  Uebereinstimmung  deutlich  erkennen  (22.  23. 
Not.  A.). 

10)  Beweis  der  Aenderung  der  BrechbarkeiU  Be- 
obachtungen an  getränkten  Papieren. 

Die  von  J.  Hbrschbl  bemerkte  Verlängerung  eines  Spectrums 
(Phil.  Trans.  1842.  p.  194),  welches  auf  einem  mit  Curcumätinctur 
getränkten  Papier  aufgefangen  wurde,  findet  nun  ihre  Erklärung. 
Dieses  gelbgrüne  Licht  jenseits  des  violetten  Endes  sind  nicht 
die  „lavendelblauen''  Strahlen  selbst,  sondern  die  von  ihnen  er* 
zeugten.  Die  HERscHEL'sche  Beobachtung  führt  aber  Hrn.  Stokbs 
zu  einer  ausgedehnten  Reihe  von  Versuchen,  die  einerseits  die 
Thatsache  bekräftigten,  dafs  das  erzeugte  Licht,  weil  eine  andere 
Farbe,  auch  eine  andere  Brechbarkeit  als  das  einfallende  Licht 
habe,  und  andererseits  zeigten,  dafs  auch  eine  grofse  Zahl  von 
opaken  Körpern  zu  den  empfindlichen  Substanzen  gehöre  (87. 88); 


340      ^3*     Spectruin.     Absorption  des  Lichtes.     Objective  Farben. 

Hr.  Stokes  iarbte  weibes  Papier  nur  zum  Theil  mit  Cur- 
cumätinctur,  und  stellte  dasselbe  in  ein  reines  Speetrum,  welches 
von  einem  senkrechten  Schlitz  in  dem  Fensterladen  herkam.  In 
dem  ganzen  stärker  brechbaren  Theil  des  Spectrums  waren  die 
Farben  auf  dem  getränkten  Papierstreifen  geändert.  Eine  rSth- 
liehe  Farbe  war  zwischen  den  festen  Linien  JF*  und  6  bemerk- 
bar,  eine  gelbliche  zwischen  6  und  H.  Lief  die  Gränze  zwischen 
dem  getränkten  und  ungetränkten  Theil  des  Papieres  horizontal 
durch  das  Spectrum »  so  wurde  ein  und  dieselbe  feste  Linie  zu- 
gleich in  beiden  Theilen  und  ununterbrochen  gesehen.  Wurde 
nun  aber  das  vom  Schirm  aufgefangene  Spectrum  durch  ein  vor 
das  Auge  gehaltenes  Prisma  gebrochen,  so  erschien  die  Linie  6 
im  getränkten  Theile  weniger  gebrochen,  als  im  nicht  getränkten 
(89  bis  92).  Aehnliche  Erscheinungen  zeigt  schon  eine  Brucfafläche 
der  Curcumäwurzel.  Papiere,  die  mit  Chininlösung  oder  anderen 
empfindlichen  Substanzen  getränkt  waren,  gaben  analoge  Resultate; 
sie  zeigen  alle  die  festen  Linien  jenseits  H  mehr  oder  weniger 
vollkommen.  War  der  Schlitz  nur  kurz,  und  betrachtete  man 
•das  „primäre"'  von  dem  getränkten  Papier  aufgefangene  Spectrum 
so,  dafs  es  in  einer  senkrechten  Ebene  gebrochen  wurde ^  so 
theil te  sich  dasselbe  in  zwei,  ein  „primitives"',  welches  von  der 
Rechten  zur  Linken  schief  herablief,  und  die  natürlichen  Farben 
des  Spectrums  vom  Roth  zum  Violett  enthielt,  und  ein  „deri- 
virtes'*  von  der  Gestalt  eines  Rechtecks  mit  längerer  horizontaler 
Seite,  in  welchem  die  Linien  gleicher  Farbe  horizontal  liefen,  die 
festen  Linien  aber  quer  durch  die  Farben  gingen.  Dies  derivirte 
Spectrum  liegt  immer  auf  ein  und  derselben  Seite  des  primitiven, 
und  ist  weniger  gebrochen. 

11)  Empfindlichkeit  opaker  Substanzen. 

Das  derivirte  Spectrum  ist  zugleich  heller  und  reiner,  wenn 
statt  des  kurzen  senkrechten  Schlitzes  ein  schmaler  horizantaler 
von  geringer  Ausdehnung  angewandt  wird.  Hr.  Stokes  nennt 
das  auf  diese  Weise  erzeugte  Speetrum  „Linearspectrum'\  Unter- 
suchungen mittelst  desselben  bewiesen^  dafs  es  eine  endlose  Arbeit 
wäre,  wollte  man  eine  Liste  der  empfindlichen  Substanzen  ent» 
werfen«  Holz,  Kork,  Hörn,  Knochen,  Leder,  Federn»  Finger«- 
nägel,  die  Haut  der  Hand  gehören  dahin.    Die  letzlere  liefert 


8to«s.  24i 

ein  bequemes  MiUel,  um  zu  prüfen,  ob  das  Sonnenlicht  für  die  in 
Rede  stehenden  Beobachtungen  stark  genug  ist.  Zeigte  der  Rücken 
der  Hand  das  dertvirte  Spectrum  nicht  mit  Ldchtigkeit,  so  fand 
Hr.  Stokes  es  nutzlos,  das  Beobachten  zu  versuchen  (113,  114). 
Der  Verfasser  berichtet  über  eine  gro&e  Reihe  von  untersuchten 
Körpern  (116  bis  136),  speciell  über  Uranverbindungen.  Wir  kön*- 
nen  die  Resultate  hier  nicht  aufführen,  und  bemerken  nur,  dafs  die 
Metalle  unempfindlich  sind,  ebenso  Kohle,  Schwefel,  Jod,  Brom, 
Quarz,  Kalkspalh,  Marmor.  Da  auch  das  weifse  Papier  in  ge- 
ringem Grade  empfindlich  ist,  so  kann  man  in  Verlegenheit  über 
die  Wahl  eines  Schirmes  kommen,  um  ein  dureh  innere  Disper- 
sion nicht  geändertes  Spectrum  aufzufangen ;  Hr.  Stokes  empfiehlt 
dazu  glatt  geschabte  Kreide. 

12)  Aenderung  des  Absorptionsvermögens  einer  Sub- 
stanz mit  der  Brechbarkeit  der  einfallenden  Strahlen. 

Nach  der  Hypothese  des  Verfassers  mufste  die  Chininlösung 
für  die  chemischen  Strahlen  fast  opak  sein.  Sieht  man,  bei  An- 
wendung der  dritten  Methode,  von  oben  auf  die  Lösung,  so  zeigt 
sich  die  Uränze  des  erzeugten  Lichtes  in  eine  Curve  projicirt, 
welche  die  Beziehung  des  Absorptionsvermögens  der  Substanz 
zur  Brechbarkeit  des  Lichtes  sichtbar  macht.  In  einer  Lösung 
von  einem  Theil  sauren  schwefelsauren  Chinins  in  200  Theilen 
Wasser  liefs  sich  die  feste  Linie  H  etwa  einen  Zoll  weit  ver- 
folgen; die  Strecke,  welche  das  wirksame  Licht  zu  durchdringen 
vermochte,  wuchs  sehr  schnell  nach  der  Seite  von  6,  und  nahm 
nach  der  anderen  eben  so  schnell  ab.  Wurde  der  Flüssigkeit 
noch  mehr  Wasser  zugesetzt,  so  nahm  die  Absorption  der  Strah- 
len jenseits  H  ab  (18).  Aehnliche  Beobachtungen  wurden  an 
einer  Guajaclösung  gemacht  (39). 

Da  die  innere  Dispersion  „den  Physiker  mit  Augen  zum 
Sehen  der  unsichtbaren  Strahlen  versieht",  so  bietet  sie  auch  ein 
Mittel  dar,  um  das  Absorptionsvermögen  eines  Mediums  in  Bezug 
auf  diese  Strahlen  zu  untersuchen.  Man  hat  nur  nötbig,  ein 
reines  Spectrum  zu  bilden,  den  Schlitz  mit  dem  zu  untersuchenden 
Medium  zu  bedecken,  und  zum  Schirm  eine  sehr  empfindlidbe 
Substanz  zu  nehmen  (194  bis  196). 

Von  besonderem  Interesse  ist  die  Untersuchxmg  der  Glas* 

Forttchr.  d.  Pliys.  VIII.  -  16 


242     13*    Spechram.    Absorption  des  Lichtes.    Objectite  Farben. 

Sorten  in  Besag  auf  ihre  Transparenz  (ür  chemische  Strahlen. 
In  einem  dunkelen  Zimmer  hielt  Hr.  Stokbs  eine  Weingeistflamme 
etwas  über  die  Oberfläche  einer  verdündten  ChininlöAmgy  die 
sich  in  einem  offenen  Gefafs  befand,  und  sah  nun  von  unten  gegen 
die  Oberfläche  der  Lösung,  so  dals  er  nicht  blofs  die  von  der 
oberen  Schicht  direct  ausgehenden  Strahlen  des  erzeugten  Lichtes 
erhielt,  sondern  auch  diejenigen,  welche  die  totale  Reflexion  an 
der  Gränze  der  Flüssigkeit  erlitten  hatten.  Wurde  nun  eine  Glas- 
platte zwischen  Flamme  und  Flüssigkeit  eingeschaltet,  so  nahm 
die  Intensität  des  erzeugten  Lichtes  stets  ab,  ein  Beweis,  dafs 
das  Glas  für  die  wirksamen  Strahlen  nicht  vollkommen  durch- 
sichtig ist.  Vollkommen  durchsichtig  scheint  der  Quarz  zu  sein. 
Flüssigkeiten  wurden  so  geprüft,  dafs  sie  in  durch  Quarzplatten 
geschlossene  Glasröhren  von  1"  Länge  gegossen  und  dann  ebenso 
zwischen  Weingeistflamme  und  Chininlösung  gebracht  wurden 
wie  die  Glasplatten. 

Eine  sehr  geringe  Menge  von  salpetersaurem  Eisenoxyd 
rachte  hin,  um  Wasser  für  chemische  Strahlen  undurchsichtig 
zu  machen ;  eine  Lösung  von  Eisenchlorid  that  dieselbe  Wirkung. 
Beide  Flüssigkeiten  zeigten  gleichwohl  keine  Spur  von  innerer 
Dispersion  (201  bis  203). 

Es  ist  nunmehr  klar,  dafs  bei  Anwendung  von  Glasprismen 
ein  Theil  der  chemischen  Strahlen  absorbirt,  und  mithin  das 
Spectrum  verkürzt  wird.  Quarzprismen  (hohl  und  gefüllt  mit 
einer  Lösung  von  schwefelsaurem  Zink  oder  essigsaurem  Blei) 
müssen  ein  viel  längeres  Spectrum  geben.  In  der  That  sah 
Hr.  Stokbs  mit  einem  solchen  Apparate  das  Spectrum  sich  über 
H  mehr  als  doppelt  so  weit  erstrecken  als  auf  den  photographi- 
schen Bildern  (204.  Note  H.). 

13)  Zusammenhang  zwischen  innerer  Dispersion 
und  Absorption. 

Einige  besonders  am  Flufsspath  von  Aiston  Moor  und  an 
der  Losung  von  Blattgrün  in  Alkohol  hervortretende  Erschei- 
nungen lassen  einen  Zusammenhang  zwischen  der  Absorption 
und  der  inneren  Dispersion  vermuthen.  Ein  reines  Spectrum 
zagte,  durch  emen  schön  grün  gefärbten  Flufsspathkrystall  be- 
trachtet i  einen  dunkelen  Absorptionsstreifen  im  Roth;   bei  der 


Stoks«.  248 

UateFBuchung  nach  der  sweiten  Methode  Heferte  nun  der  Krystall 
neben  dem  reidüichen  Bändel  von  tief  blauem  durch  die  brech* 
bareren  Strahlen  er&eugten  Lichte  ein  schwaches  Bündel  roth- 
lichen Lichtes,  welches  durch  Strahlen  von  geringer  Brechbar- 
keit erzeugt  war;  dieses  Bündel  zeigte  sich  nicht  in  einem  anderen 
KrjTstall  von  blasserer  Farbe,  aber  auch  jener  Absorptioosstreifen 
war  hier  nicht  bemerkbar  (32,  35). 

Blattgrünlösungen  zeigen  in  einem  durch  Kerzenlicht  er- 
zeugten Spectrum  fünf  Absorptionsstreifen  (vgl.  Brbwstbr  Edinb. 
Trans.  XII.);  der  erste  ist  der  intensivste,  und  liegt  wie  der 
zweite  im  Roth,  der  dritte  liegt  im  Gelb,  -der  vierte  im  Griin 
und  der  fünfte  im  Blau  (49).  Wurde  nun  ein  Kegel  weilaen 
Sonnenlichtes  horizontal  und  dicht  an  ihrer  oberen  Fläche  in  die 
Flüssigkeit  geleitet,  und  das  erzeugte  sqhön  rothe  Lichtbündel 
durch  ein  Prisma  zerlegt,  so  bestand  das  Spectrum  aus  einem 
hellen  rothen  Streifen  von  gewisser  Breite,  dem  ein  dunkler 
Raum  folgte,  und  aus  einem  weniger  hellen,  aber  breiteren  grünen 
Streifen  (53).  Die  dritte  Methode  ergab,  dafs  die  Dispersion 
plötzlich  mit  einem  hellen,  aber  schmalen  Schweif  von  reinem 
rothen  Lichte  begann,  welcher  quer  durch  das  Gel&fs  schoCk 
Die  erzeugenden  Strahlen  gehörten  zu  dem  äulsersten  rothen 
Streifen,  welchen  die  Flüssigkeit  bei  mäisiger  Dicke  durchläfst. 
Hinter  dem  rothen  Lichtschweif  kam  der  intensive  Absorptions- 
streif; das  erzeugte  Licht  war  hier  auf  die  unmittelbare  Nachbar- 
schaft der  Oberfläche,  zu  weicher  das  wirksame  Licht  eintrat, 
beschränkt.  Dagegen  war  ein  sehr  heller  Streif  von  erzeugtem 
rothen  Lichte  sichtbar,  wenn  man  von  aufeen  auf  das  Gelals  sah. 
Die  Dispersion  erstreckte  sich  dann  weiter  über  das  ^anze  Spec- 
trum, war  aber  in  dem  hellsten  Theile  desselben  schwadi,  und 
wurde  erst  in  der  Nähe  des  vierten  dunkelen  Streifens  wieder  ziem- 
lich stark;  das  erzeugte  Licht  blieb  im  Allgemeinen  roth(57, 59). 

Auch  andere  Beobachtungen  (63,  126)  beatäligen  das  aus 
den  referirten  zu  entnehmende  Gesetz,  dafs,  wenn  eine  reichliche 
Dispersion  an  einem  gewissen  Punkte  des  Spectrums  plötzlich 
beginnt,  ihr  im  durchgelassenen  Licht  ein  Absorptionsstreifeti  ent- 
spricht Namentlich  gilt  dies  auch  beim  Kanarienglase  und  andern 
Uranverbindungen  (75,  76). 

16' 


244      1^*    Spectrum.    Absorption  des  Lichtes.     ObjectWe  Farben. 

14)  Anwendung  der  inneren  Dispersion  als  chemi- 
sches Prüfmittel. 

Während  die  Lösungen  von  Chinin  in  den  meisten  verdünn- 
ten Säuren  das  blaue  Licht  zeigen,  ist  dasselbe  in  einer  Lösmig 
von  Chinin  in  verdünnter  Chlor wassersloffsäure  nicht  bemerkbar; 
ein  Zusatz  von  dieser  Säure  zu  den  übrigen  Losungen  zerstört 
die  Erscheinung.  Es  ist  also  dann  auf  eine  Verbindung  von  Chinin 
mit  der  Chlorwasserstoffsäure  zu  schliefsen.  Das  Chinin  wird 
nicht  etwa  zersetzt;  denn  gofs  man  eine  Lösung  von  kohlen- 
saurem Natron  zu,  fiitrirte  den  weifsen  NiedersdiLig  wieder  aus, 
und  löste  ihn  in  Schwefelsäure,  so  zeigte  sich  die  blaue  Farbe 
wieder.  Kochsalzlösung  zerstört  sogar  die  Farbe  einer  Lösung 
von  Chinin  in  Citronensäure,  so  dafs  also  wohl  chlorwasserstoff- 
saures  Chinin  und  citronensaures  Natron  entstand. 

Der  Absud  der  Rofskastanienrinde  verliert  seine  Empfindlich- 
keit durch  Zusatz  von  Säuren;  Alkalien  haben  dagegen  keinen 
Einflufs,  sie  stellen  aber  die  durch  Säuren  zerstörte  Empfindlich- 
keit wieder  her.  Man  müfste  hieraus  schliefen,  dafs  der  im 
Absud  enthaltene  empfindliche  Stoff  eine  Base  ist,  wenn  man 
es  vom  Aesculin  nicht  schon  wüfste  (205  bis  212). 

15)  Wirkung  des  elektrischen  Funkens. 

Eine  Chininlösung,  so  verdünnt,  dafs  sie  die  innere  Disper- 
sion bei  einer  Weingeistflamme  nur  sehr  schwach  zeigte,  wurde 
beleuchtet  durch  elektrische  Funken,  welche  in  geringem  Abstand 
über  ihre  Oberfläche  hinschlugen.  Schwache  Funken  erzeugten 
ein  sich  tief  in  die  Flüssigkeit  erstreckendes  Licht  von  bedeu- 
tenderer Stärke  als  das  von  der  Weingeistflamme  herrührende. 
Eine  eingeschaltete  Glasplatte  liefs  einen  grofsen  Theil  wirksamer 
Strahlen  durch.  Der  Funke  einer  Leidener  Flasche  erzeugte  da- 
gegen ein  helles,  auf  die  Oberfläche  beschränktes  Licht,  und  die 
Wirkung  hörte  auf,  sobald  die  Glasplatte  eingeschaltet  wurde, 
blieb  dagegen  bestehen,  wenn  die  Glasplatte  durch  eine  Quarz- 
platte ersetzt  wurde.  Ein  solcher  Funke  ist  also  reich  an  Strah- 
len von  sehr  hoher  Brechbarkeit  (217,  218). 

Die  Strahlen  eines  elektrischen  Funkens,  welche  den  Can- 
TON^schen  Phosphor  leuchtend  machen,  werden  bekanntlich  eben- 
falls durch  Glas  von  mäfsiger  Dicke  aufgehalten,  vom  Quarz  aber 


Stokka.   lAsaz.  246 

durehgelaMeii.  Hr.  Stokbs  fand  nun,  dafs  eine  ^  Zoll  tiefe 
Losung  von  einem  Theil  schwefelsaurem  Chinin  in  zehntausend 
Theilen  Wasser  hinreichend  war,  *  um  die  phosphorogenischen 
Strahlen  vollständig  abzuhalten.  (Reines  Wasser  liefs  sie  durch«) 
Diese  Lösung  ist  aber  opak  für  Strahlen  von  sehr  hoher  Brech- 
barkeit ,  und  Hr.  Stokbs  schliefst  deshalb  aus  diesen  Versuchen» 
da(s  die  phosphorogenischen  Strahlen  keine  anderen  als  die  von 
hoher  Brechbarkeit  seien;  zum  mindesten  sprechen  die  beob- 
achteten Erscheinungen  gegen  die  Voraussetzung,  dafs  es  mög- 
lich sei,  Strahlen  von  gegebener  Brechbarkeit  in  phosphoroge* 
Dische,  chemische,  leuchtende  u. s.w.  zu  zerrällen.  — 

Die  Betrachtungen,  durch  welche  der  Verfasser  schliefslich 
seine  Hypothese  über  die  Ursache  der  inneren  Dispersion  und 
der  Absorption  zu  begründen  sucht,  eignen  sich  nicht  für  einen 
Auszug.  Bt 


6.  G.  Stokbs.  Od  the  application  of  certain  optical  phenomena 
tO  Chemistry.  Athen.  1852.  p.iai3-101d;  Cotmot  I.  590-591 1; 
Inst.  1852.  p.  391-391 ;  Z.  S.  f.  Naturw.  L  65-65;  Dutolbb  J.  CXXIX. 
155-155. 

Die  kurze  Notiz  führt  von  einigen  Körpern  charakteristische 
optische  Eigenschaften  an,  welche  von  Hrn.  Stokbs  während  der 
obigen  Untersuchungen  bemerkt  sind,  und  an  denen  diese  Kör- 
per in  manchen  Fällen  erkannt  werden  können.  Bt 


L.  Mbbz.     Bemerkungen ,   veranlafst  durch  den  Aufsatz  des 

Brn.  Brocb  über  die  FRAUNflOFBR*schen  Linien.    Poee.  Ann. 

LXXXV.  458 -460t. 

Hr.  Mbrz   erwiedert  auf  eine  Bemerkung  Broch*s   (vergl. 

Berl.  Ber.  1849.   p.  152),    dafs    das    optische   Institut    die    von 

Fraunhofer    hinterlassenen    Glasmassen    sorgfältig   aufbewahre, 

ohne  je  ein  Stück  davon  zu  verwenden. 

Die  von  dem  Institut  seit  Fraunhoper*s  Tode  (z.  B.  auch 
an  Brewstbr)  gelieferten  Prismen  seien  nichts  desto  weniger 
»yweifser,  reiner  und  vollkommener"  als  die  früheren. 


246     13*    Spectrum.    AbsorptiMi  des  Lichtes.    Objective  Farben. 

Hr.  Mbrz  bemerkt  ferner  über  die  BnocH'sche  Zeichnung 
des  Speetrums,  dafs  die  Pariieen  bei  D  und  6  bis  II  nie  von 
ihm  so  gesehen  seien;  er  spricht  die  Vermuthung  aus,  dufa  das 
Spectrum  sich  mit  dem  Standorte  ändern  könnte.  Bi. . 


Babinet.    Sur   les    raies    longitudioales   observ^es   dans  le 
spectre  prismatique  par  M.  Zantbdbschl  c.  R.  XXXV.  4i3-4i7t ; 

Inst.  1852,  p.  309-310. 

Nachdem  di^  1852  geschriebene  AbhAndiung  Kessl^b's  (Berl 
0er.  1850,  51.  p,412f)  die  Frage  über  die  Longitudinaistreifen 
des  Speclrums  wohl  erledigt  halte,  komml  Hr.  Babinet  (ohne 
auf  die  zahlreichen  seit  dem  Jahre  1846  darüber  ersehienenen 
Abhandlungen  Rücksicht  zu  nehmen)  auf  den  Gedanken,  die  in 
Rede  stehende  Erscheinung  mit  einer  von  Arago  entdeckten  zu 
vergleichen.  Wenn  nämlich  das  Objectiv  eines  auf  einen  Stern 
gerichteten  Fernrohrs  mit  einem  passenden  Diaphragma  versehen 
ip^  80  zeigt  die  Axe  des  Lichtbündels  vom  Brennpunkt  aus  eikie 
Reihe  heller  und  dunkeler  Punkte,  die  gleiche  Abstände  von 
einander  haben,  und  von  hellen  und  dunkelen  Ringen  umgeben 
«od.  An  Stelle  des  Diaphragmas  soU  hier  die  Spalte  des  Ladens 
tieten,  und  die  Punkte  sollen  sieb  wegen  der  Dispersion  de# 
Prismas  in  Linien  verwandeln.  Dafii  in  deii  angeführten  Vor* 
suchen  die  Intensität  des  die  Spalte  treffenden  Lichtes  überall 
dieselbe  gewesen  sei,  wird  durch  nichts  bewiesen;  sie  können  uns 
daher  von  der  KsssLER'schen  Erklärung  nicht  abbringen. 

Bt. 


PoBRo.    Raies  loagitudioales  da  spectre.    c.  R.  XXXY.  479-480t; 
Cosmos  L  fö5-626. 

Hr.  PoRRO  theilt  Versuche  mit,   welche  Babinet^s  eben  er- 
wähnte Meinung  bestätigen  sollen.  Bt   ' 


Babimkt«  Poaao.   Huhwmohrz.  247 

H.  Hbluboltz.     Ueber  die  Theorie   der  zusammengesetzten 

Fartieo.  Posg.  Ano,  LXXXVII.  45-66t;  Müller  Arcli.  1852. 
p.  461-482;  Phil.  Mag.  (4)  lY.  519-534;  Cosmos  II.  112-120;  Adü. 
d.  cbim.  (3)  XXXYl.  500-508;  Ficbmeb  C.  BU  1853.  p.3-9;  Z.S. 
f.  Naturw.  I.  32-34. 

—  —  Od  Ihe  mixlure  of  homogeneous  colours.  Athea. 
1853.  p.ll97-1198t;  Cosmoa  UI.  573-575t;  Rep.  of  Brit.  A«soc 
1853,  2.  p.  5-5. 

Die  Zusammensetsung  der  Farben  hat  man  bisher  gewöhn- 
lieh an  Mischungen  verschieden  gefärbter  Pulver  studirt;  man 
iveiCs  B.  B.,  dafs  durch  Mischung  von  gelben  und  blauen  Farb~ 
Stoffen  Grün  entsteht  Man  hat  dabei  ^ie  Frage  nicht  aufge- 
worfen, ob  das  Auge  wirklich  denselben  Eindruck  erhält,  \^enn 
das  von  einer  solchen  Mischung  reflectirte  Licht  auf  die  Netzhaut 
fällt,  wie  wenn  homogene  gelbe  und  homogene  blaue  Strahlen 
zugleich  auf  die  Netzhaut  einwirken.  Und  doch  giebt  schon  die 
Vereinigung  der  Farben  auf  dem  FarbeniLreisel  andere  Resultate 
als  die  Mischung  der  Pigmente;  Gelb  und  Blau  2.  B.  geben  hier 
ein  reines  Grau  und  nicht  Grün.  Die  Frage  muls  also  verneint 
werden,  und  es  sind  besondere  Untersuchungen  darüber  anzu- 
stellen, was  für  Farbenempfindungen  in  dem  Auge  durch  die 
gleiehzettige  Einwirkung  verschiedenfarbiger  Strahlen  erregt  wer- 
den. Diese  führt  der  Verfasser,  indem  er  die  reinsten  Farben,  die 
des  Spectrums,  sich  im  Auge  vereinigen  läCst 

Um  eine  Combination  je  zwei  einfacher  Farben  hersuatellen, 
be^nte  er  sich  folgender  Methode.  In  einem  schwarzen  Schirm 
waren  zwei,  ^  Linie  breite  Spalten  V förmig  so  eingeschnitten, 
dafs  sie  sich  an  ihren  unteren  Enden  unter  einem  rechten  Winkel 
trafen,  während  sie  beide  unter  45^  gegen  den  Horizont  geneigt 
waren.  Nach  diesen  Spalten  sah  man  aus  einer  Entfernung  von 
12'  durch  ein  Fernrohr  und  ein  Prisma.  Das  letztere,  aus  Flint- 
glas,  war  dicht  vor  dem  Objeetiv  mittelst  einer  Fassung  so  be- 
festigt, dafis  seine  brechende  Kante  um  die  Axe  des  Femrohrs 
gedreht  und  also  beliebig  gegen  den  Horizont  geneigt  werden 
konnte.  Die  Spalten  wurden  von  dem  Licht  des  Himmeis  oder 
dem  einer  weatien  Fläche  erkuchlet,  auf  welche  die  Sonne  schien. 
Die  veft  den  beiden  Spalten  herrührenden  Spectra  biMden  nun 


248      ^3*    Spectrum.     Absorption  des  LicLtes.    Objective  Farben. 

im  Allgemeinen  schiefwinklige  Parallelogramme^  und  dieFarben- 
streifen  des  einen  kreuzten  an  ihrem  unteren  Ende  die  des  an- 
deren; stellte  man  die  Fäden  des  Fadenkreuzes  im  Fernrohr 
parallel  zu  den  Farbenstreifen,  so  konnte  man  durch  ihren  Kreu« 
zungspunkt  die  Stelle  fixiren,  wo  sich  zwei  solcher  Streifen 
combinirten.  Diese  Streifen  waren  durch  die  stärkeren  Fraun- 
HOFER'schen  Linien  gut  gesondert.  Durch  Drehen  des  Prismas 
wurde  das  eine  Spectrum  schiefwinkliger  als  das  andere,  und 
also  auch  auf  eine  kleinere  Fläche  beschränkt  und  heller.  Man 
konnte  daher  das  Verhältnifs  der  Lichtintensitäten  beider  Farben 
beliebig  ändern.  Da  femer  die  Beurtheilung  der  Mischfarbe  dem 
Auge  nicht  möglich  wird,  wenn  dasselbe  zugleich  gesättigte 
FarBen  sieht,  so  stellte  sich  der  Beobachter  ein  bis  zwei  Fub 
vom  Ocular  entfernt  auf,  und  sah  durch  die  xOeffnung  eines 
dunklen  Schirmes  nach  dem  Ocular.  Er  erhielt  dann  nur  das 
beim  Kreuzungspunkt  des  Oculars  zunächst  vorbeigehende  Licht. 

Das  auffallendste  Resultat  der  Beobachtungen  war,  dafs  sich 
nur  eine  Combination  von  zvyei  Farben  fand,  die  sich  zu  Weifs 
ergänzten,  und  zwar  gerade  Gelb  (zwischen  D  und  i^  näher 
an  D)  und  Indigo  (zwischen  F  und  6,  näher  an  6),  deren  Zusann 
mensetzung  nach  der  bisherigen  Annahme  Grün  geben  sollte* 
Dies  Resultat  wird  aber  nach  einer  zweiten,  der  British  Asso- 
ciation im  Sept  1853  mitgetheilten  Untersuchungsreihe  von  dem 
Verfasser  widerrufen.  Der  Verfasser  hat  sich  danach,  um  gröüsere 
von  zwei  homogenen  Strahlen  erleuchtete  Felder  zu  erhalten, 
einer  Methode  bedient,  die  der  von  Foucault  (Cosmos  iL  232) 
angegebenen,  im  Berl.  Ber.  f.  1853  zu  erwähnenden,  ähnlich  ist 
Jetzt  stellten  sich  mehrere  Paare  coroplementärer  Farben  heraus; 
in  diesen  Paaren  liegt  die  eine  Farbe  immer  auf  der  rothen  Seite 
des  Spectrums  bis  zur  Gränze  zwischen  Gelb  und  Grün,  die 
andere  auf  der  violetten  bis  zur  Gränze  zwischen  Blau  und  Grün. 
Für  die  grünen  Farbenstreifen  aber  giebt  es  kein  einfaches  Com* 
plement;  sie  geben  Weifs  zusammen  mit  Violett  und  Roth. 
Complementär  zu  einander  sind  Roth  und  grünliches  Blau,  Orange 
und  Himmelblau,  Gelb  und  Indigo,  grünliches  Gelb  und  Violett, 

Die  Differenz  der  Wellenlängen  zweier  Complementärfarben 
ist  in  den  verschiedenen  Paaren  verschieden,  am  geringsten  in 


Helmboltz. 


349 


dem  Paare  Gelb  und  Blau;  deshalb  war  dieae  CombiBalion  dem 
Auge  (in  der  ersten  Untersuchung)  auch  am  leichtesten  bemerk* 
bar,  weil  für  diese  die  Brennweiten  des  (nicht  gans  achromati- 
schen Auges)  am  nächsten  zusammen  fallen. 

Die  übrigen  Resultate  der  vorliegenden  Beobachtungen  stim- 
men mit  den  Angaben  Nbwtom's  darin  überein ,  dafs  die  primi- 
tiven Farben  durch  die  Vereinigung  der  beiden  Nachbarbrben 
wiedergegeben  werden  können ,  z.  B.  Orange  durch  Roth  und 
Gelb  u.  8.  w.;  der  Abstand  der  combinirten  Farben  von  der 
primitiven  darf  jedoch  nicht  sehr  grofs  sein,  und  man  wird  bei 
solchen  Zusammensetzungen  nicht,  wie  Newton,  das  Spectrum 
mit  dem  rothen  und  violetten  Ende  zu  einem  Kreise  schlieben 
dürfen ;  Hr.  Helmholtz  konnte  z.  B.  kein  reines  Roth  durch  Com- 
bination  von  Orange  und  Violett  erhallen;  die  Farbe  ging  dann 
immer  in  die  karminrothen  Töne  oder  in  Weifs  über. 

Die  kleinste  Anzahl  einfacher  Farben,  aus  denen  man  alle 
Farbentöne  des  Spectrums  zusanunensetzen  kann,  ist  nach  dem 
Verfasser  fünf,  nämlich  Roth,  Gelb,  Grün,  Blau,  Violett.  Wenn 
man  sich  auf  drei  beschränkte,  so  mülste  man  diejenigen  wählen, 
die  sich  am  wenigsten  gut  durch  Combination  anderer  nachahmen 
lassen;  d.  h.  Roth,  Grün,  Violett.  Durch  diese  von  Thomas 
YouNG  als  solche  vorgeschlagenen  Grundfarben  würde  man  aber 
kein  Blau  oder  Gelb  erhalten,  welches  mit  dem  des  Spectrums 
eine  Vergleichung  aushielte.  Ganz  unzureichend  sind  die  meist 
gewählten  Grundfarben  Roth,  Gelb,  Blau;  denn  durch  Combi- 
nation derselben  kann  nie  Grün  entstehen. 

In  der  folgenden  leicht  verständlichen  Tabelle  findet  man 
das  Resultat  der  Combination  von  je  zwei  der  fünf  von  dem 
Verfasser  gewählten  Grundfarben. 


Violett 

Blau 

GrQn 

Gelb 

Roth 

Roth 

Purpur 

Rosa 

Matlgelb 

Orange 

Roth. 

Gelb 

Rosa 

Weit 

Gelbgrön 

Gelb 

Grüa 

BlaCsblau 

Blaugrün 

Grün 

Blau 

Indigblau 

Blau 

Violett 

Violett 

250      Id.    Spectrum.    Absorptioa  de«  Lichtet.    ObjectiTe  Farben« 

Der  Verfasser  empfiehlt  noch  eine  zweite  Beobachtungs« 
methode,  die  dieselben  Resultate  liefert  wie  die  Vereinigung 
sweier  prismatischer  Farben:  man  stellt  eine  kleine  Glasplatte 
mit  ebenen  und  parallelen  Wänden  senkrecht  auf  eine  passende 
Unterlage;  vor  das  Glas  legt  man  eine  gefärbte  Oblate,  und  an 
den  Ort  ihres  Spiegelbildes  eine  zweite  eben  so  grofse,  aber  an-* 
ders  gefärbte.  Das  Auge  erhält  dann  zu  gleicher  Zeit  die  von 
beiden  ausgehenden  Strahlen,  und  die  so  entstandene  Mischfarbe 
ist  heller  und  klarer,  als  eine  durch  Mischung  von  Pigmenten 
eraeugte. 

Endlich  giebt  der  Verfasser  noch  eine  Erklärung  von  der 
durch  die  vorliegenden  Untersuchungen  festgestellten  Thatsache, 
dafs  die  Mischung  der  Farbstoffe  häufig  ein  anderes  Resultat 
giebt,  als  die  wirkliche  Zusammensetzung  farbiger  Strahlen.  Das 
von  farbigen  Pulvern  reflectirte  Liicht  kommt  zum  gröfseren  Theil 
nicht  von  der  oberen  Schicht  her,  sondern  von  der  ganzen  Reihe 
der  zunächst  darunter  liegenden  Schichten.  Es  ist  farbig,  weil 
die  Schichten,  durch  welche  das  Licht  erst  hindurch  geht,  bevor 
es  reflectirt  wird,  einen  Theil  der  Strahlen  absorbiren.  Ein  blaues 
Pulver  absorbirt  z.  B.  alle  Strahlen  aulser  den  grünen,  blauen 
und  violetten;  das  reflectirte  Licht  erscheint  also  blau.  Ein  gelb^ 
Pulver  dagegen  absorbirt  alle  Strahlen  auC^r  den  rothen,  gelben 
und  grünen.  Sind  nun  beide  gemischt,  so  wird  von  dem  gelben 
Pulver  noch  ein  Theil  der  blauen  und  violetten,  von  dem  blauen 
noch  ein  Theil  der  rothen  und  gelben  Strahlen  absorbirt;  der 
Rest  der  (erst  durchgelassenen  und  dann  reflectirten)  blaueu  und 
gelben  Strahlen  setzt  sich  zu  Weifs  zusamm^i.  Von  beiden  Pul- 
vern durchgdassen  und  reflectirt  sind  aber  die  grünen  Strahlet; 
diese  sind  also  am  reichlichsten  vorhanden,  und  bestimmen  daher 
die  Farbe  der  Mischung.  Nach  dieser  Erklärung  darf  man  also 
das  Grün  einer  Mischung  von  gelbem  mit  blauem  Pulver  nicht 
als  eine  „Mischfarbe"  bezeichnen.  Bt 


HgLMsoi,Tz.  254 . 

H.  HguiHOLTz.    lieber  Hro.  Brbwstvr*»  aeue  Analyse  des  Soq- 

nenlichts.  Berl.  Monatsber.  1852.  p.  458-461 ;  Poee,  Ann.  LXXXVI. 
501-523t;  Phil.  Mag.  (4)  IV.  401-416;  Ann.  d.  chim.  (3)  XXXVII. 
69-74;  Arch.  d.  sc.  pliys.  XXII.  123-128;  lost.  1853.  p.  101-102; 
Cosmos  II.  491-496;  Jahresber.  d.  naturw.  Ver,  in  Halle  1852, 
p.  158-161. 

Die  BRBWSTER'sche  Ansicht  steht  und  fällt  bekanntlich  mit 
d«r  M(%lichkeit>  dab  die  Farbe  homogener  Lichtatrahlen  durch 
absorbirende  Medien  geändert  werde.  Hr*  Hbi^mholt»  hat  nun 
einen  grpCgen  Theil  der  Versuche  wiederhoH,  durch  welche 
BnBwaTBR  diese  Moglicbkeit  darthun  will,  und  weist  in  der  vor- 
liegenden Abhandlung  die  Quellen  der  Fehler  nachi  aua  d^n^o 
die  irrigen  Resultate  Bbbwster's  geflossen  sein  mögen. 

Da  es  hier  auf  eine  genaue  Beschreibung  aller  Umständ^f 
unter  denen  die  Beobachtungen  angestellt  sind,  ankpmmt,  so 
wurde  ^n  Aus^Mg  vergeblich  9ein;  wiir  erwähnen  nur»  dafs  nach 
dem  V^esser  der  Fehler  der  BaBwsTBR'schen  BeQbachtongt» 
weise  hauptsächlich  darin  lag,  dafs  das  Auge  nicht  vor  unregel* 
mälsig  (an  den  Flächen  des  Prismas  >  der  absorbirenden  Medien 
und  der  Hornhaut  des  Auges)  s^rstreutem  Licht  von  aolchen 
Farben  geschützt  war,  welche  sich  mit  der  zu  beobachtenden  zu 
Weifs  ergänzen  konnten.  Fast  alle  Fehlerqijiellen  werden  ver- 
mieden, und  die  Versuche  gelingen  im  BRBwsTBii'achen  $ipne 
nicht  mehr»  wenn  man  nicht  direct  auf  das  «erstreuende  Prisma 
sieht,  sondern  hinter  dasselbe  erat  eipe  Linse  eufstellti  die  das 
Bild  dea  Speqtr^ma  nuf  einem  Schirni  entwirft,  dani;i  durch  einen 
Spalt  dea  Schirmes  nur  Straliien  von  bestinunter  Brechbarkeit 
dringeq  lälst,^  und  diese  wieder  durch  ein  Prii^ma  l^^irf^I^ei»  \un 
ao  alles  ^nregelmälsig  zerstreute  Licht  vollends  vpp;i  Auge  «li^il* 
lenken.  Eingeschaltete  absorbirende  MedicQ  hab^n  dann  keipep 
Einflufa  auf  die  Farbe  der  Striiblen»  e^ien  ai^gepommen«  ßei 
ble>pdender  Helligkeit  niia^lich  scheinen  alle  Farben  wei(s  zu 
iverdeni  eine  gewisse  Dielte  der  Li^^Wg  voq  schw^f^saurem 
Kqpf^pj^ydammpniak  ^,  B.  läfst  d^s  Qlw  dea  S|i^^4^rum  imh^ 
mfeiblicb  ei^acheineui  bßi  stärl^rer  Dipi^e  dfHr  L^'upg  erljkält  mm 
aber  ein  \ißk$  Dunkelblau;  die  Losmng  k^\  44m  ^wU  Iriam 


253      ^^'    Spectrum.     Absorptioa  des  Lichtes.    Objecdve  Farben. 

Strahlen  absorbirt,  und  die  weniger  hellen  Strahlen  erscheinen  in 
der  ihnen  zukommenden  Farbe.  Bt. 


F.  Bernard.  Tbäse  sur  Tabsorplion  de  la  lumiere  par  les 
milieux  non  cristallis^s.  Ann.  d.  chim.  (3)  XXXV.  385 -438t; 
Cosmos  IL  496-497. 

Der  erste  Theil  dieser  Abhandlung,  ist  wie  der  eben  genannte 
Aufsatz  von  Hblmholtz,  gegen  Brewster's  Analyse  des  Sonnen* 
lichts  gerichtet  Von  Interesse  darin  sind  die  Bestätigungen  der 
auch  von  Hblmholtz  erwähnten  Erscheinung,  dafs  sich  nicht 
bloüs  der  Glanz,  sondern  auch  der  Farbenton  eines  von  homo- 
genem Lichte  erleuchteten  Feldes  mit  der  Intensität  der  Beleuch- 
tung ändert. 

In  dem  zweiten  Theil  beschreibt  der  Verfasser  ein  Photo- 
meter,  welches  er  construirt  hat,  um  die  Intensität  des  durch 
absorbirende  Medien  gegangenen  Lichtes  mit  der  Intensität  solcher 
Strahlen  zu  vergleichen,  die  von  derselben  Quelle  und  zu  der- 
selben Zeit  in  dasselbe  Auge  gelangen,  ohne  einen  Verlust  durch 
Absorption  erlitten  zu  haben.  Die  Einrichtung  dieses  Instrumentes 
ist  im  Wesentlichen  folgende: 

Von  einer  weifsen,  senkrecht  stehenden  Fläche  herkommend, 
treten  die  Lichtstrahlen  in  zwei  parallele,  in  gleicher  Höhe  neben 
einander  liegende,  horizontale  Metallröhren,  welche  die  Strahlen 
durch  Diaphragmen  von  ohngefahr  1,5  Millimeter  Oeffnung  ein- 
lassen. Jedes  der  auf  diese  Weise  gebildeten  Strahlenbündel 
passirt  sodann  in  seiner  Röhre  ein  polarisirendes  .und  ein  analy- 
sirendes  NicoL'sches  Prisma,  und  tritt  darauf  in  einen  dunkelen 
Kasten,  in  welchen  die  Röhren  münden.  In  diesem  steht  jeder 
Röhre  ein  gleichschenkliges  Prisma  mit  senkrechter  brechender 
Kante  so  gegenüber,  dafs  das  aus  der  Röhre  tretende  Strahlen- 
bundel  in  ihm  die  totale  Reflexion  erleiden,  darauf  rechtwinklig 
gegen  seine  frühere  Richtung  weiter  gehen  und  endlich  aus 
einer  kreisrunden  Oeflhung  der  Seitenwand  desselben  austreten 
muls.  In  diese  Oeffnung  ist  ein  GALiLEi*sches  Fernrohr  eingesetzt, 
durch  welches  man  also  die  beiden  Bilder  der  Diaphragmen  zu 


BtftNAao.  263 

glacher  Zeit  betrachten  kann.  Die  Prismen  können  verschoben 
und  dadurch  die  beiden  Bilder  beliebig  nahe  an  einander  gerückt 
werden.  Die  polarisirenden  Nicols  sind  fest,  die  analysirenden 
können  um  ihre  Axe  gedreht ,  und  die  Gröfse  der  Drehung  an 
getheilten  Kreisen  abgelesen  werden.  Die  weifse  Fläche  wird 
entweder  durch  direct  auf  sie  fallendes  Sonnenlicht  erleuchtet, 
oder  durch  das  zerstreute  Licht  des  Himmels.  Der  Beobachter 
mufs  durch  einen  Schirm  vor  allem  fremden  Licht  geschützt  sein» 
Will  man  die  Absorption  homogenen  Lichtes  messen ,  so  setzt 
man  vor  das  Ocular  ein  Glas,  welches  nur  Farben  von  bestimmter 
Farbe  durchläfst;  denn  es  ist  gleichgültig,  ob  die  Strahlen  vor 
oder  nach  der  Absorption  des  zu  untersuchenden  Mediums  von 
den  anders  gefärbten  Strahlen  geschieden  werden. 

Der  Gebrauch  des  Instruments  ergiebt  sich  aus  folgender 
Betrachtung.  Die  weifse  Fläche  sei  vollkommen  gleichmälsig  er- 
leuchtet und  die  NicoL*schen  Prismen  in  jeder  Röhre  so  gestellt, 
dafs  ihre  Hauptschnitte  einander  parallel  sind;  dann  werden  die 
beiden  Bilder  von  ungleicher  Intensität  sein,  weil  die  beiden  Sy^ 
steme  von  je  zwei  NicoL^schen  Prismen  das  Licht  ungleich 
absorbiren.    Das  erste  habe  die  Intensität  J,   das  zweite  die  In« 

tensität  -jf-    Zählen  wir  jetzt  die  Azimuthe   des  Hauptschnitts 

eines  analysirenden  Nicols  von  der  Lage  aus,  in  welcher  dieser 
Hauptschnitt  senkrecht  gegen  den  Hauptschnitt  des  zugehörigen 
Pohirisators  steht,  so  ist  für  das  Azimuth  a  des  ersten  analysi- 
renden Prismas  die  Intensität  des  Bildes  (nach  dem  Gesetz  von 
Malus)  Jsin*a;  und  für  das  Azimuth  a^  des  Nicols  der  zweiten 

Röhre  die  Intensität  des  zweiten  Bildes  -irrsin'ai«  Durch  Dre- 
hung beider  Nicols  wird  man  aber  sehr  viel  Azimuthe  a  und 
a^  finden  können,  für  welche  die  Intensitäten  beider  Bilder  ein- 
ander gleich  sind;  dann  gäbe  die  Gleichung 

J 

den  Werth  von  M.  Fände  man  also  durch  eine  Reihe  von  Be- 
obachtungen stets  denselben  Werth  von 


S64     ^^*    Spectrum.    Absorption  dei  Lichtes.    Objective  Fafben. 

00  hätte  man  dadurch  zugleich  eine  Bestätigung  des  lÜALus^icben 
Gesetees  und  eine  Probe  für  die  Genauigkeit  des  Instruments. 

Schaltet  man  jetat  in  die  erste  R^hre  ein  absorbirendes  Me* 
dium  ein,  so  wird  das  erste  Bild  schwächer,  durch  Drehen  des 
Kweiten  Nicols  in  der  cweiten  Röhre  kann  man  aber  die  Inten* 
sitit  des  zweiten  Bildes  ebenso  schwächen^  und  wenn  beim  Azi- 
muth  ßi  die  beiden  Bilder  wieder  gleich  sind>  so  ist  die  Intensi«» 
tit  des  geschwächten  Bildes 

jg-smVii 
die  ur^riingliche  war 

*]gsin*flf,, 

man  findet  also  iljr  Verhältnifs  gleich 

sin'/g, 
sin*ä| 

Durch  eine  vorläufige  Versuchsreihe  fand  der  Verfasser,  dafs 
sein  Photometer  das  Verhältnifs  der  Intensitäten  zweier  Bilder 
bis  auf  7;  des  wahren  Werthes  richtig  zu  bestimmen  erlaube. 
Bei  diesen  Versuchen  fiel  das  Licht  einer  zwischen  die  Röhren 
und  dicht  am  Kasten  aufgestellten  Lampe  auf  zwei  weifse 
Schirme,  die  in  verschiedenen  Entfernungen  von  der  Lampe  der 
eine  vor  der  einen,  der  andere  vor  der  anderen  Röhre  aufgestellt 
waren,  und  ward  dann  in  die  Röhren  reflectirt.  Hier  mufsten 
also  die  Intensitäten  der  beiden  Bilder  sich  umgekehrt  verhalten, 
wie  die  Quadrate  der  Entfernungen  der  Lampe  von  den  Schir- 
men; die  Angaben  des  Instruments  konnten  daher  unmittelbar 
geprüft  werden. 

Der  nächste  Zweck  des  Instruments  war  eine  experimen- 
telle Prüfung  des  Absorptionsgesetzes.  Ist  e  die  (in  Centimetern 
ausgedrückte)  Dicke  einer  von  einem  Strahlenbündel  durchsetz- 
ten Schicht  eines  Mediums,  a  ein  für  jede  Farbe  und  jedes  Me- 
dium zu  beslinoimender  constanter  Bruch,  so  geht  nach  dem 
genannten  Gesetz  die  Intensität  J  der  Strahlen  durch  die  Absorp« 
tion  in  Ja^  über. 

Die  Prüfung  dieses  Gesetzes  stellte  Hr.  Bcrnard  auf  zwei- 
fache Weise  an.    Ein  Beispiel  der  ersten  Art  ist:  Drei  Stücken 


Kronglas  von  2,  4  und  6  Ceniimeter  Dicke,  aas  ein  luul  der* 
selben  Masse  gesdnilien,  und  mil;  gut  polirten  parallelen  ebenen 
Endflächen  versehen ,  wurden  nach  einander  in  die  erste  Röhre 
eingesetzt,  vor  das  Ocular  ein  Glas  gehalten,  welches  nur  Strah* 
len  von  bestimmter  Farbe  durchliefs,  und  die  Azimuthe  des  Ni- 
coLs  in  der  zweiten  Rohre  abgelesen,  unter  welchen  Gleichheit 
der  Bilder  eintrat.  Diese  seien  a,  ß,  y.  War  nun  die  Intensität 
des  Lichts  beim  ersten  Mal  &a*,  so  mürste  sie  beim  zweiten  Mal 
la^  und  beim  dritten  Mal  &a'  sein.  Da  nun  dieselben  Intensi- 
täten sich  auch  wie 

sin*a:sin*^:sin*y 
verhalten  müssen,  so  muTs  sein 

"""  sin  *a  "~  sin*  ß  * 

Diese  Bedingung  wurde  bei  jeder  Farbe  erfüllt.  Statt  des 
Glases  konnten  auch  Schichten  von  Flüssigkeiten  angewandt  wer- 
den, die  zwischen  parallelen  Glaswänden  eingeschlossen  waren, 
und  deren  Dicken  gleichfalls  in  arithmetischer  Reihe  standen. 

Die  von  dem  Verfasser  mitgetheilten  Resultate,  so  wie  die 
aus  ihnen  abgeleiteten  Werthe  von  a  folgen  unten  in  der  Ta- 
belle L 

Bei  einem  Versuch  der  zweiten  Art  wurde  der  zweite  Ni- 
coL  der  ersten  Röhre  (deren  Nicols  das  meiste  Licht  durch- 
liefsen)  zunächst  so  gestellt,  dafs  durch  die  erste  Röhre  eben  so 
viel  Licht  durchging  wie  durch  die  zweite,  wenn  deren  zweiter 
NicoL  im  Azimuth  90^  stand.  Dann  Wurde  zuerst  das  erste 
Glasstück  von  der  Dicke  2  Centimeter  vor  die  erste  Röhre  ge- 
setzt, und  vor  die  zweite  eine  dünne  Glasscheibe  (^  Millimeter 
dick)  von  demselben  Kronglas.  Bei  dieser  Anordnung  war  also 
der  Verlust,  den  beide  Strahlenbündel  durch  das  Eintreten  in, 
und  das  Austreten  aus  dem  Glase  erlitten,  deraelbe  Bruchtheil 
der  ganzen  Intensität;  die  Absorption  der  dünnen  Glasplatte  aber 
konnte  gleich  Null  gesetzt  werden.  Trat  Bun  für  das  Azimuth 
a  des  zweiten  Nicols  Gleichheit  der  Bilder  ein»  so  hatte  man 

a*  =  sin*  a» 
Jetzt  wurde  das  erste  Glasstück  vor  die  zWeile,  und  das  «weite 


256      1^*     Spectrum.     Absorption  des  Lichtes.    Objective  Farben. 

4  Centimeter  starke   vor  die  erste  Röhre  gesetzt;   wenn  beim 

Azimuth  ß  Gleichheit  d^r  Bilder  eintrat,  so  muCste  sein 

a*  =  a*  sin*/?, 
also 

sin*of  =  sin*/?        oder  a  =  ß. 

Endlich  wurde  noch  das  zweite  Glasstück  vor  die  zweite,  und 
das  dritte  vor  die  erste  Röhre  gesetzt;  beim  Azimuth  y  trat 
Gleichheit  ein;  es  war  also 

«•  s=  a*  sin*  y, 
und  also  muTste  sein 

sin*  a  =5  sin*  ß  =  sin*  y. 
Auch  diese  Bedingungen  wurden  erfüllt.     Aehnlich  wurde  mit 
den  Auflösungen  verfahren.     Die   mitgetheilten  Resultate  giebt 
Tabelle  IL 

Der  Verfasser  hat  ferner  den  Werth  von  a  für  Kronglas 
und  weifses  Licht  bestimmt,  er  ist 

a  =  0,9392; 
endlich  kündigt  er  eine  Untersuchung  über  die  Werthe  von  a 
für  eine  Reihe  farbiger  Lösungen  an. 

Die  folgenden  Tabellen  I.  und  II.  geben  den  Werth  von  a, 
wenn  die  Dicke  der  Lösungen  in  Centimetern,  die  des  Krön* 
glases  aber  in  je  zwei  Centimetern  ausgedrückt  ist. 

Tabelle    I. 


Absorbireodes  Medium. 


Werthe 
vonn. 


Mittlerer 
Werth. 


Diffe- 
renz. 


KroDglas,  Brecbungsindex 
J,5U. 

Lösang  von  chromsaurem 
Kali,  0,001gr  des  Sal- 
zes auf  den  Cubiccen- 
timeter  enthaltend. 

Lösung  TOn  schwefelsau- 
rem   Kupferozydammo- 
niak,  0,0005gT  Kupfer^ 
auf  den  Gubiccentimeter 
enthaltend. 


W  0 
65  0 
61  0 
63  15 
34  25 
37  0 
57    0 


59"  0 
63    0 

60  15 

61  0 
U  15 
26  0 
55    0 


5»30J5J5^JJ0,9851 
^^    OJJSJ  0,5174 


±tAt 

±iAf 


BVKB.      TOWKSEHS. 

jTT  a  b  e  I  1  ef 


267 


AbÄorbirerrdes  Medium. 

Farbe  der 
Sirijhlrn. 

VtllL  ft. 

Werlbc  ton 
rt  DEich 

1    MitÜere 
Werthe. 

Kronglas  (wie  oben) 

Lösung  von  chromsaurem  Kali  (wie  oben) 

Lösung  Ton  schwefelsauiem  Kupferoxyd- 
ammoniak (wie  oben) 

Roth 
Grün 
Roth 
Gelb 

Orange 
Gelb 

Violett 

0,9091 
0,9578 
0,9755 
0,9584 
0,5174 
0,5244 
0,9494 

0,9086 
0,9627 
0,9851 
0,9599 
0,5225 
0,5272 
0,9523 

0,9088 

0,9602  ■ 

0,9803 

0,9591 

0,5199 

0,5258 

0,9508 

Bt. 


Beer.     Bestimmung  der  Absorption   des   rothen   Lichtes   in 
farbigen  Flüssigkeiten.    Pogs.  Ann.  LXXXVI.  TS-ssf-  Cosnws 

I.  283-288.  ' 

Das  Photomeier  des  Hrn.  Beer  ist  dem  von  Bernard  (p.  252) 
angegebenen  sehr  ähnhch;  unbequem  dabei  ist,  dafs  man  für  je- 
des Bild  einer  besondern  Lampe  als  Lichtquelle  bedarf,  und  un- 
günstig, dafs  an  die  Stelle  der  totalen  Reflexion  in  Glasprismen 
die  Reflexion  an  Spiegeln  aus  Stahl  tritt.  Hr.  Beer  beschränkt 
seine  Untersuchungen  auf  die  Absorption  des  rolhen  Lichts  in 
Salzlösungen  von  geringer  Dicke  oder  schwacher  Concentration. 
Die  näheren  Angaben  über  das  Instrument  und  die  gefundenen 
Absorplionscoefficienten  lassen  sich  ig^i  Auszuge  nicht  wiedergeben. 

Bt. 


R.  W.  TowNSEND.     On  an  instrument  for  exhibiting  the  colours 
pf  liquids  by  transmitted  light.     Athen.  1852.  p,io4i-io4i; 

Cosmos  I.  577-577;  Rep.  o£  Brit.  Assoc.  1852.  2.  p.  20-20f . 

Ein  von  parallelen  Spiegeln  begränztes  Gefäfs,  in  welchem 
die  Strahlen  mehrere  Male  reflectirt  werden,  so  dafs  sie  eine  be- 
trächtliche Dicke  der  Flüssigkeit  durchlaufen  müssen,  ehe  sie  aus- 
treten. Bt. 


Forlvdur*  d.  Pby».  YlU. 


17 


258  ^^'    6esch?ruidigiieit  de»  Lichtes. 

BrAckb.     Vergleichende  BemerkuDgen  über  Farben  und  Far- 
benwecbsel  bei  den  Cepbalopoden   und  bei  den  Chaaiä- 

leonen.      Wien.  Ber.  VIII.  196-200t. 

J.  CzBRMAK.     Ueber  den  Bau  und  das  optische  Verhalten  der 
Haut  von  Ascaris  lumbricoides.    Wien.  Ber.  IX.  755-762+, 

Beide  Abhandlungen   haben  ein  vorwiegend  physiologisches 
Interesse.  Bt. 


19.    Geschwindigkeit  des  Liehtes. 


CDoppLBR.  Weitere  Miltheilungen ,  meine  Theorie  des  far- 
bigen Lichts  der  Doppelsterne  beireffend.  Wien.  Ber.  VIII. 
91-97+;  Poes.  Ann.  LXXXV.  371-378+;  Cosmo«  I.  211-213. 

Hr.  Doppler  theilt  mit,  dafs  Sbstini  (vergL  Berl.  Ber.  1850, 
51.  p.  416),  seit  1848  Professor  am  Georgetown  College  in  Ame- 
rika, seine  Beobachtungen  über  die  Farben  der  Fixsterne  von 
seinem  neuen  Wohnort  aus,  aber  mit  demselben  Teleskop,  voll- 
ständig revidirt,  und  sie  dann  in  B.  A.  Gould's  Astron.  J*  1850. 
No.  11  u.  12.  veröffentlicht  habe. 

Die  neuen  Beobachtungen  stimmten  so  vollständig  mit  den 
in  Rom  angestellten  überein,  dafs  einerseits  die  Zustände  der  AI* 
mosphäre  von  Rom  und  Georgetown  für  optisch  ganz  gleichartig 
angesehen  werden  müssen,  andererseits  aber  die  fünf  Fälle,  in 
denen  Einzelsterne  jetzt  mit  anderer  Farbe  erschienen,  als  früher, 
weder  auf  Rechnung  der  Verschiedenheit  der  Atmosphäre  se- 
schrieben,  noch  durch  ein  Versehen  des  Beobachters  erklärt  wer- 
det können. 

Es  erschienen  nämlich 

in  Rom  in  Georgetown 

Sagiltar.;^    tief  orange  lichtgelb 

Aquilae  n     tief  orange  gelb 

Serpent.;^    lichtgelb  tief  orange 

Pegasi  0      weiCs  orange 

Pegasi  y     purpurblau  weifs. 


BaÜCKJB.   CziRMAS.  DoFFUft.   CnhtLlU.  SII.LMKTEE.  M^ISNO.  259 

Hr.  Doppler  macht  darauf  aufmerksam,  dafs  die  Farben- 
änderungen zum  Theil  in  entgegengesetztem  Sinne  erfolgt  sind, 
wie  z.  B.  beim  ersten  und  dritten  Stern. 

Die  Farben  der  Doppelsterne  hatten  sich  ganz  unzweifelhaft 
geändert,  Sestini  versichert  sogar,  dafs  er  sie  selten  ganz  un- 
geändert  gefunden  habe.  Bt. 


Cballis.     On  the  cause  of  ihe  aberration  of  light.     pjäi.  Mag. 
(4)  III.  53-54f. 

Der  Verfasser  wiederholt  seine  Erklärung  (vergl.  ßerl.  Ber. 
1849.  p.  120t).  Bt. 


SsLLUfcYBR.     Projet  de  nouvelles  exp^rlences  pouvant  mettre 
en  övidence  le  d6placeraent  daos  Vespace  du  Heu  d*ob- 

Servation.      Cosmos  I.  672-676. 

i 
Hr.  Sellmeyer  schlägt  einen  optischen  Versuch  vor,  um 
die  absolute  Bewegung  der  Erde  zu  bestimmen,  unter  der  An» 
nähme,  dafs  der  Lichtäther  an  dieser  Bewegung  nicht  Theil  nehme. 
Eine  Zusammenstellung  von  doppellbrechenden  Prismen,  die 
sich  ohne  Figur  nicht  leicht  beschreiben  läfst,  wird  in  ein  Fern- 
rohr eingesetzt;  der  Ort  des  eigenüichen  Bildes  ist  dann  unab- 
hängig von  der  Geschwindigkeit  des  Lichts,  der  des  aufserordent- 
lichen  ändert  sich  mit  jener,  wäre  also  abhängig  von  der  Bewe- 
gung der  Erde,  die  sich  folglich  durch  die  Verschiebung  des  aufser* 
ordentlichen  Bildes  gegen  das  ordentliche  ofifenbaren  würde. 

Bt 


M016N0.     Moyen  pour  mettre  en  evidence  le  mouvement  de 
translation  de  la  terre.     Cosmo»  l.  70i-702t,  IL  35«36t. 

Der  Vorschlag  des  Hrn.  Moigno  ist  nach  dem  Muster  des 
FiiCAu'schen  Versuches  zur  Bestimmung  der  Geschwindigkeit  des 
Lichts  gebildet,  scheint  aber  unausführbar.  Bt. 


IT 


260  ^^*    Geschwindigkeit  des  Lichtes.    Piziav. 

H.  FizEAu.     Moiiveoient  de  translation  de  la  terre  aatour  du 

SOleiL      Cosmos  I.  689-692t;  Poes.  Ann.  XCIf.  652-655;  Z.  S.  f. 
Natlirvf.  IV.  224-225. 

Hr.  FizEAU  hofft,  dafs  folgender  Versuch  sich  ausführen  las- 
sen werde.  Zwei  vollkommen  gleiche  Thermosäulen  werden  mit 
ihren  negativen  Polen  durch  einen  Multiplicator,  mit  ihren  posi* 
tiven  durch  einen  Leitungsdrath  verbunden,  und  in  gleicher  Ent- 
fernung von  einem  leuchtenden  Punkt  zunächst  so  aufgestellt^ 
dafs  ihre  Verbindungslinie  senkrecht  auf  der  Richtung  der  Be- 
wegung des  Beobachlungsortes  steht.  Die  Nadel  des  Multipli- 
cators  wird  dann  in  Ruhe  bleiben.  Dann  wird  das  System  um 
den  leuchtenden  Punkt  als  Mittelpunkt  so  gedreht,  dafs  jene  Ver- 
bindungslinie parallel  mit  der  Richtung  der  Bewegung  wird ;  jetzt 
wird  die  Nadel  durch  ihren  Ausschlag  anzeigen,  dafs  diejenige 
Thermosäule  intensiver  bestrahlt  wird,  welche  von  den  der  Erde 
entgegengehenden  Strahlen  getroffen  wird.  Wenn  nämlich  der 
Lichtäther  an  der  Bewegung  der  Erde  nicht  Theil  nimmt,  so  hat 
die  gemeinsame  Bewegung  der  Lichtquelle  und  der  Thermosäu- 
len dieselbe  Wirkung  auf  das  Verhältnifs  der  Intensitäten  der 
Strahlen,  an  denen  die  Säulen  getroffen  werden,  wie  eine  Ver- 
ändenmg  ihrer  Entfernungen  von  der  Lichtquelle.  Ist  die  Inten- 
sität in  der  gemeinsamen  Entfernung  =  1,  während  keine  Bewe- 
gung stattfindet,  so  wird  sie  bei  der  Geschwindigkeit  der  Erde 
=  V,  der  des  Lichtes  =  F,  bezüglich 

ihr  Unterschied  wäre  also 

Av 

d.  h.  in  runder  Zahl    Tfür  —  =  Tr:prr^ 
^         y         lüüüü/ 

4y  _     1 

y   ~25Ü0" 
Für  diesen  ßruchlheil  der  ganzen  Bestrahlung  niüfsten  also  die 
Apparate  noch  empfindlich  sein.  Bi. 


20.    Photometrie.    PovfitiT^  2g  4 

20.     Photometrie. 


PoiiLLKT.     Note   sur   une  propri6l6   photom^trique  des  pla- 

qiies  daguerrienes.  C.  R.XXXV.  373-379t;  Inst.  1852.  p.301-302; 
P0G6.  Ann.  LjXXXVIL  490-498t;  Cliem.  C.  BI.  1852.  p. 721-726; 
Cosmos  I.  546-549. 

Die  weifsen  Stellen  eines  DAGUBRRe'schen  Bildes  reflectiren 
immer  noch  einen  beträchtlichen  Theil  des  auf  sie  fallenden  Lich- 
tes; da  sie  aber  das  übrige  Licht  zerstreuen,  während  die  unver- 
ändert gebliebenen  Theile  der  Platte  wegen  ihrer  guten  Politur 
gar  kein  Licht  zerstreuen,  so  kann  das  Bild  positiv  gesehen  wer* 
den;  es  giebt  aber  Stellungen  des  Auges,  in  welchen  es  negativ, 
und  solche,  in  denen  es  gar  nicht  gesehen  wird. 

Sieht  man  nämlich  schief  auf  ein  an  der  Wand  zwischen 
den  beiden  Penstern  des  Zimmers  hängendes  Bild,  so  empfängt 
das  Auge  dreierlei  Licht: 

1)  durch  regelmäfsige  Reflexion  von  den  schwarzen  Stellen 
das  Licht,  welches  von  den  Punkten  des  Zimmers  herkommt,  die 
das  Auge  in  diesen  Stellen  gespiegelt  sehen  würde; 

2)  durch  regelmäfsige,  aber  mehr  oder  weniger  verschleierte, 
Reflexion  von  den  weifsen  Stellen  das  Licht  der  entsprechenden 
Punkte; 

3)  das  an  den  weifsen  Stellen  zerstreute  Licht,  welches  von 
allen  Punkten  des  Zimmers  auf  die  Platte  fällt. 

Die  Resultante  aus  diesen  drei  Lichteindrücken  richtet  sich 
nach  dem  Verhällnifs  der  Intensitäten  der  Componenten.  Sind 
die  Punkte  des*  Zimmers  schwarz  oder  dunkel,  so  überwiegt  das 
dritte  Licht,  man  sieht  das  Bild  positiv;  sind  sie  weifs  oder  hell, 
80  überwiegt  das  erste,  die  weifsen  Stellen  erscheinen  wie  Flecke 
auf  einem  Spiegel,  das  Bild  ist  neg<itiv.  Bei  unveränderter  Stel- 
lung des  Auges  kann  man  nun  das  Verhältnifs  der  beiden  ersten 
zum  dritten  so  ändern,  dafs  beide  sich  das  Gleichgewicht  halten. 
Gesetzt  man  sähe  das  Bild  zuerst  positiv;  man  bringe  nun  einen 
Bogen  weifsen  Papiers  an  den  Punkt  des  Zimmers,  der  durch 
Reflexion  gesehen  wird^  so  wird  die  erste  Componente  sehr  ver- 


262  .         ^*    Photometrie. 

stärkt,  die  dritte  bleibt  fast  ungeändert  (weil  das  vom  weiben 
Papier  kommende  Licht  nur  ein  sehr  kleiner  Theil  des  ganzen 
auf  die  Platte  fallenden  und  von  ihr  zerstreuten  Lichts  ist),  und 
das  Bild  wird  negativ.  Vertauscht  man  den  weifsen  Bogen  mit 
einem  schwarzen^  so  wird  das  Bild  wieder  lebhaft  positiv.  Man 
wird  nixn  einen  grauen  Bogen  so  wählen  können,  dafs  man  das 
Bild  gar  nicht  sieht.  Ersetzt  man  diesen  durch  einen  farbigen, 
so  wird  man  das  Bild  positiv,  oder  negativ,  oder  gar  nicht  se- 
hen, je  nachdem  die  Farbe,  im  Vergleich  zu  dem  bestimmten 
Grau,  ein  geringeres,  gröfseres  oder  gleiches  Beleuchtungs ver- 
mögen hat.  Dies  ist  das  Princip,  nach  welchem  Hr.  Pouillbt 
die  Beleuchtungsvermögen  zweier  Farben  vergleichen  will.  Es 
hat  ihm  unter  anderen  das  auffallende  Resultat  geliefert,  dafs  das 
glänzende  Roth  eines  Wollenstoffs  ein  geringeres  Beleuchtungs- 
vermögen besitzt  als  ein  sehr  dunkeles  Blau,  und  dieses  wieder 
ein  geringeres  als  ein  dunkeles  Grau.  Bf. 


L.  Sbidel.  Untersuchungen  über  die  gegenseitigen  Hellig- 
keiten der  Fixsterne  erster  Gröfse  und  über  die  Extinction 
des  Lichts  in  der  Atmosphäre.  Nebst  einem  Anhange 
über  die  Helligkeit  der  Sonne  verglichen  mit  den  Ster- 
nen, und  über  die  Licht  reflectirende  Kraft  der  Planeten. 
MüncLn.  Abli.  VL  54l-660t;  Fechnbh  C.  B1.  1853.  p.  181-183, 
206-207,  242-245,  246-247,  945-958. 

Es  ist  diefs  eine  vollständige  Bearbeitung  der  Beobachtun- 
gen, welche  der  Verfasser  in  den  Jahren  1844  bis  1848  mit  dem 
SxEiNHEiL'schen  Prismenphotometer  angestellt  hat,  und  wovon  in 
den  Münchn.  gel.  Anz.  1846.  No.  130,  131   eine  vorläufige  Noti» 
'  gegeben  ist. 

Hr.  Seidel  verfolgte  bei  seinen  Untersuchungen  einen  dop- 
pelten Zweck: 

1)  Bestimmung  des  durchschnittlichen  Betrages  des  Lichtver* 
lustes  der  Sterne  durch  die  Atmosphäre  in  verschiedenen 
Zenilhdistanzen,  um  mittelst  derselben,  Vergleichungen  von 
Sternen,  die  bei  verschiedenen  Höhen  gemachl  sind,  auf 
gleichet  Höhen  reduciren  zu  können. 


SiiBBL.  263 

2)  Verg(«ichuDg  der  in  München  sichtbaren  Sterne  erster,  und 
erster  bis  tweiler  Gröfse. 
Letaleres  kt  ohne  die  unter  I)  genannte  Bestimmung  nicht  mög- 
lieh; denn  die  zu  photometrischen  Messungen  geeigneten  Nächte 
fijid  so  selten,  dafs  man  sich  nicht  darauf  beschränken  kann, 
nur  solche  Sterne  mit  einander  lu  vergleichen,  welche  gleiche 
H5he  haben. 

Die  Messungen  sind  mit  dem  Instrument  ausgeführt,  welches 
Steihhbil  in  der  von  der  Göttinger  Societät  gekrönten  Preis- 
schrift: „Elemente  der  Helligkeitsmessungen  am  Sternhimmel** 
(besonders  abgedruckt  aus  den  Abh.  d.  bayn  Ak.  math.  phys.  GL 
Bd.  II.  1836)  beschrieb«!  hat. 

Dies  Instrument  beruht  auf  folgendem  Grundgedanken: 
Wenn  das  Ocular  eines  Femrohrs  von  seiner  normalen  Stel- 
lung aus  weit  nach  aufsen  oder  nach  innen  verschoben  wird,  so 
erhält  man  von  einem  Sterne  nicht  einen  leuchtenden  Punkt, 
sondern  eine  Lichtfläche,  deren  Gröfse  mit  der  Verschiebung 
wachst,  deren  Helligkeit  also  in  demselben  Verbal tnifs  abnimmt 
Sterne  von  ungleicher  Helligkeit  werden  auch  Verschiebungen 
von  verschiedener  Gröfse  erfordern,  um  Lichtscheiben  von  gleich 
intensiver  Beleuchtung, su  geben;  und  die  Quadrate  dieser  Ver- 
schiebungen werden  den  Helligkeiten  der  Sterne  proportional 
sein,  und  also  ein  Maals  für  dieselben  abgeben. 

Statt  des  Oeulars  kann  auch  das  Objectiv  verschoben  wer- 
den; ist  dies  nun  in  zwei  gleiche  Theile  aerschnilten,  deren  jeder 
für  sich  verschoben  werden  kann,  und  liefert  der  eine  Theil  das 
Bild  des  einen  Sterns,  der  andere  das  Bild  des  zweiten,  so  kann 
man  die  Verschiebungen  beider  Theile  so  einrichten,  dafs  die 
beiden  Lichtflächen,  welche  das  Auge  zu  gleicher  Zeit  im  Ocular 
sieht,  demselben  gleich  hell  erscheinen;  damit  ist  dann  auch  das 
Verhältnils  der  Helligkeiten  beider  Sterne  bestimmt. 

Das  Instrument  bedarf  demnach  einer  Vorrichtung,  vermit- 
telst deren  jeder  Hälfte  des  Objeclivs  das  Licht  je  eines  der  bei- 
den zu  vergleichenden  Sterne  zugesandt  wird;  diese  Vorrichtung 
besteht  in  zwei  passend  angebrachten  rechtwinkligen,  gleich- 
Ähenklige»  Prismen,  in  denen  die  von  den  Sternen  kommenden 
Strahlen  die  totale  Reflexion  »leiden. 


gg4  ^^*    Photometrie. 

Das  erste  Prisma  A  ist  vor  der  einen  Objectivbälfte  so  be- 
festigt, dafs  die  Axe  des  Fernrohrs  senkrecht  auf  der  einen  Ka- 
thetenfläche steht,  und  der  andern  also  parallel  ist.  Das  zweite 
Prisma  B  kann  vor  der  zweiten  Objeclivhälfte  um  die  Axe  des 
Rohres  so  gedreht  werden,  dafs  die  eine  seiner  Kathetenflächen 
stets  senkrecht  auf  der  Axe  des  Rohres  bleibt.  Will  man  nun 
zwei  Sterne  vergleichen,  so  stellt  man  das  Fernrohr  senkrecht 
auf  die  Ebene  des  gröfslen  Kreises  ein,  der  durch  beide  Sterne 
geht,  und  dreht  es  um  seine  Axe  bis  die  zweite  Kathetenfläche 
des  Prismas  A  von  den  Strahlen  senkrecht  getroffen  wird,  die 
von  dem  einen  Stern  ausgehen;  dann  werden  diese  Strahlen  an 
der  Hypotenusenfläche  die  totale  Reflexion  erleiden  und  darauf 
durch  die  erste  Knthetenfläche  parallel  mit  der  Axe  des  Fem- 
rohres in  dasselbe  eintreten.  Dreht  man  nun  das  Prisma  B  so, 
dafs  seine  zweite  Kathetenfläche  mit  der  zweiten  Kathetenfläche 
des  Prismas  A  einen  Winkel  bildet,  der  gleich  der  scheinbaren 
Entfernung  beider  Sterne  ist,  so  fallen  die  vom  zweiten  Sterne 
herkommenden  Strahlen  auch  senkrecht  auf  jene  Kathelenfläche, 
und  treten  durch  die  zweite  Objectivbälfte  parallel  mit  der  Axe 
des  Fernrohrs  in  dasselbe.  Um  das  Fernrohr  bequem  stellen  zu 
können,  ist  dasselbe  senkrecht  gegen  eine  Axe  befestigt,  um  die 
es  sich  drehen  kann,  und  die  selbst  wieder  auf  den  ersten  Stern 
gerichtet  werden  kann,  also  Höhen-  und  Azimuthaibewegung  hat 

Ist  das  Fernrohr  auf  diese  Weise  eingestellt,  und  sind  die 
beiden  Objectivhälften  passend  verschoben,  so  wird  man  also 
zwei  gleich  erleuchtete  Lichtflächen  sehen,  die  nun  noch  ver- 
schiedene Gröfse  haben.  Diese  Verschiedenheit  der  Gröfse  könnte 
einen  Einflufs  auf  das  Urtheil  über  die  Helligkeit  ausüben;  um 
auch  diesen  zu  vermeiden,  werden  zwischen  die  Prismen  und 
die  Objectivhälften  noch  zwei  Diaphragmen  eingeschaltet;  jedes 
von  ihnen  hat  die  Gestalt  eines  gleichschenkligen,  rechtwinkligen 
Dreiecks  und  kann  für  sich  verschoben  werden;  stofsen  sie  zu* 
sammen,  so  bilden  sie  ein  Quadrat;  es  wird  nun  für  jede  Ver- 
schiebung der  Objectivhälften  auch  eine- solche  Verschiebung  der 
Diaphragmen  geben,  dafs  die  beiden  Lichtflächen  (die  jetzt  die 
Form  der  Diaphragmen  annehmen)  ]ein  Quadrat  bilden,  welche 
dann  vollständig  gleichmäfsig  erleuchtet  sein  mufs. 


SsiDvii.  265 

Die  Beobachtungen,  welche  mit  dem  Instrument,  angesteltt 
werden,  sind  ferner  von  dem  Einflufs  zu  befreien,  den  die  un- 
gleiche Absorption  des  Lichtes  durch  die  beiden  Hälflen  des 
Instrumentes  auf  sie  ausäbt.  Hr.  Sbidbl  that  dies  meist  auf  fol-* 
gende  Weise.  Er  richtete  beide  Prismen  auf  einen  und  denselben 
Stern;  sind  dann  a  und  ß  die  Verschiebungen  der  Prismen  A 
und  By   durch  welche  gleich   erleuchtete  Lichtflächen   erhalten 

werden,   und  bezeichnen  -j  und  -^  zugleich  die  Absorptions* 

coefficienten  für  die  gleichnamigen  Prismen   nebst   zugehörigen 
Objectivhälften,  S  die  wahre  Helligkeit  des  Sternes,  so  ist 


S    S 

ÄS 

=  o»:/9» 

oder 

B 

a» 

A 

'^W 

Für  «wei  Sterne  von  der  Helligkeit  S,  und  T„ 

»  die  bei  den  Ver- 

Schiebungen 0(  und 

ßi  gleich 

hell  erscheinen, 

bat  man  dann 

A    ß 

=  «J:/JJ 

oder 

«.  £ 

«; 

T,    A 

~  ßV 

und 

- 

s. 

_  <ß* 

t: 

-  ßW 

Das  Verhälinifs  -7  ändert  sich  offenbar  mit  der  Beschaffenheit 
A 

der  Oberfläche  der  Gläser,  hängt  also  von  sehr  zufälligen  Um* 
ständen  ab,  und  mufste  daher  in  jeder  Nacht  von  Neuem  be- 
stimmt werden. 

Endlich  ist  es  für  die  Beobachtungen  nicht  nöthig,  die  Ver- 
schiebungen von  der  Lage  des  Sternbildes  aus  zu  messen,  wenn 
man  für  jede  Vergleichung  zweier  Sterne  zwei  Beobachtungen 
anstellt:  eine,  in  der  die  Lichtflächen  diesseits,  und  eine,  in  der 
sie  jenseits  der  Lage  des  Bildes  erscheinen. 

Mifst  man  die  entsprechenden  Verschiebungen  a  und  ft,  a^ 
und  b^  von  einem  festen  Anfangspunkte  aus,  sind  x  und  y,  x^ 


266  20.    Photometrie. 

und  jf^  die  EntfernuDgen  der  Lichifläehen  von  der  Lage  des  Bil- 
def,  $0  daff 

jr  +  y  =  b  —  a, 

so  hat  man  iür  das  Helligkeitsverhällnifs  zweier  Sterne,  S  und  T 

y  ""^;~  yV 

Also  ist 

■^  —    V    _    j:+.v    _    6 — a 

^1  ""  Vi    "^  -^i+i/i  "~  *i~^i' 
und  TolgUch 

Auf  die  beschriebene  Weise  hat  nun  Hr.  Seidel  107  Beobach- 
tungen in  46  Nachten  angestellt,  nämlich:  70  Vergleichungen 
von  Fixsternen  erster  Gröfse  unter  sich,  28  Vergleichungen  des 
Polarsterns  mit  heilern  Sternen,  9  Vergleichungen  von  Planeten 
n9ii  Fixsternen. 

Um  das  Gesets  der  Extinction  des  Lichts  durch  die  Atmo- 
sphäre zu  ermitteln,  wurden  zunächst  die  Vergleichungen  des 
Polarsternes  mit  vielen  andern  Sternen  angestellt;  es  ergab  sich 
jedoch,  dafs  diese  viel  weniger  übereinstimmende  Resultate  lie- 
ferten als  die  Vergleichung  anderer  Sterne  unter  sich,  und 
Hr.  Seidel  hält  es  daher  für  wahrscheinlich,  dafs  der  Polarstern 
variabel  sei.  Dagegen  eigneten  sich  Wega  und  Capeila,  deren 
Zenithdistanzen  sehr  wechselnd  sind,  besonders  für  den  genannten 
Zweck,  und  es  wurden  daher  beide  Sterne  möglichst  oft  mit  ein- 
ander verglichen. 

Bedeutet  mm  q>{z)  den  Briggischen  Logarithmus  des  Ver- 
hältnisses der  Helligkeit  eines  Sternes  im  Zenith  au  seiner  Hellig- 
keit in  der  Zenithdistanz  Zy  q>{z^)  dieselbe  Gröfse  für  einen 
zweiten  Stern  in  der  Zenithdistanz  z^y  so  ist 

log  wahres  Helligkeitsverhältnifs  s  log  beobachtetes  Hellig- 
keitsverhällnifs +  9>(2)  —  9>(2J|). 

Für  diese  Function  q>{z)  hat  Hr.  Seidel  aus  seinen  Beob- 
achtungen eine  Tafel  berechnet,  welche,  von  z  s=  13^  anfangend, 
von  Grad  zu  Grad  den  Werth  von  g>iz)  angiebt;  von  3  =  0  bis 
;s  9  13®  sind  die  VVerthe  von  q>{z)  ziemlich  unmerklich;  um  eine 


Shimi. 


867 


Voratdliing  vod  dtm  Gange  der  Function  tu  gellen,  setzen  wir 
die  Werthe  von  q>(z)  von  5*  tu  5°  hierher: 


z 

13 

18 

23 

28 

33 


tpiz) 
0,000 
0,002 
0,004 
0,006 
0,010 


z 

38 
43 
48 
53 
58 


(p(z) 
0,015 
0,023 
0,038 
0,057 
0,083 


z 
63 
68 
73 
78 
83 


9»(») 
0,121 
0,170 
0,233 
0,333 
0,549. 


Mit  Anvtrendung  dieser  Werthe  von  g>(z)  ergaben  dann  die 

Beobachtungen  für  die  Helligkeit  der  Sterne  erster  Gröfse  fol- 

gende  Zahlen 

Sbidbe. 

4,57 


Sirius  .  . 
Wega.  . 
Arctur  . 
Capella  . 
Procyon  . 
Attoir  .  . 
Spica  .  . 
Aldebaran 
Antares  . 
Regulus  . 
Oeneb  . 
Pollux  . 
Polarstern 


1,000 
0,850 
0,824 
0,735 
0,494 
0,498 
0,362 
0,337 
0,323 
0,305 
0.284 
0,12 


Ubrschel 

4,99 

0,55 

0,89 


0,64 
0,43 
0,3« 

0,50 


Stbinhkii. 
1,48 
1,18 
0,94 
0,54 
0,66 

0,53 
0,32 
0,23 
0,36 
0,36 

0,15. 


Die  Zahlen  unter  der  mit  „Herschbl"  beseichneten  Columne 
sind  von  Hrn.  Seidel  aus  den  in  der  „Capreise"  gegebenen  be- 
rechnet Hbrschbl  hat  als  Einheil  a  Centauri  angenommen; 
Hr.  Seidel  hat  die  HsRscBEL'schen  Zahlen  auf  seine  Einheit  re- 
ducirt,  indem  er  su  den  Logarithmen  der  HERSCHEL'schen  Zahlen 
das  arithmetische  Mittel  aller  der  Correctionen  addirte,  die  an 
dieselben  angebracht  werden  muCsten,  um  aus  ihnen  die  Loga- 
rithmen der  SsiDEL'schen  Zahlen  zu  erhalten;  dies  arithmetische 
Mittel  war  =  0,090,  und  ergab  also, 

dals  a  Centauri  =  1,23  Wega. 

Die  STEiNHBiL'schen  Zahlen  sind  den  „Elementen  der  Hel- 
entnommen. 


268  ^^'    Pliotontetrie. 

Als  ein  besonderes  Resulta^t  der  Beobachtungen  erwähnen 
wir,  dafs  nach  denselben  Rigel  oder  ß  Orionis  ein  variabler  Stern 
zu  sein  scheint. 

Der  Verfasser  hat  noch  die  Vergleichung  der  durch  die 
Beobachtungen  gefundenen  Werthe  von  q>{z)  mit  denen,  die  aus 
der  LAPLACE'schen  Theorie  (welche  nur  die  Bestimoiung  von 
einer  Constanten  erfordert)  durchgeführt.  Er  schliefst  daraus, 
dafs  die  LAPLACB'sche  Theorie  für  Zenithdistanzen,  welche  über 
80^  steigen,  nicht  ausreichend  sei,  dafs  sie  aber  für  gröfsere  Hö- 
hen die  Beobachtungen  ziemlich  gut  wiedergiebt. 

Für  den  normalen  Barometerstand  von  0,760  Meter  folgt 
aus  dieser  Theorie  und  den  Beobachtungen  des  Verfassers,  dals 
das  Verhältnifs  e  der  Helligkeit  eines  im  Zenith  gesehenen  Ster- 
nes zu  der  Helligkeit,  welche  er  ohne  den  Dazwischentritt  der 
Atmosphäre  haben  würde,  ist 

e  =  0,7942. 
BouGUBR  fand  an  der  Oberfläche  des  Meeres 

€  =  0,8123. 
Beide  Zahlen  stimmen  in   auffallender  Weise  überein;   der  von 
Lambert  gegebene  Werth  dagegen, 

€  =  0,59, 
seheint  ganz  verworfen  werden  zu  müssen. 

In  dem  höchst  interessanten  Anhange  giebl  der  Verfasser 
zuerst  eine  Uebersicht  der  bisher  angestellten  Versuche,  die  Hel- 
ligkeit der  Sonne  mit  der  der  Sterne  zu  vergleichen.  Sie  zeigt, 
dafs  in  diesem  Gebiete  kaum  irgend  eine  Zahl  als  sicher  ange- 
sehen werden  darf. 

Der  directeste  Versuch  ist  der  von  VVollaston  angestellte 
(Phil.  Trans.  1829.  p.  1).  Das  von  einer  Thermometerkugel  rc- 
flectirte  Bild  der  Sonne  wurde  mit  dem  ebenso  erzeugten  Bilde 
einer  Kerze  verglichen,  und  dieses  wieder  mit  Sirius.  Im  Mittel 
ergiebt  sich  aus  den  Beobachtungen: 

•      die  Sonne  20000.10'  Mal  heller  als  Sirius. 
Dabei   variiren  aber  die  einzelnen  Resultate  im  Verhältnifs  von 
1:6,8. 

Die  Helligkeit  der  Sonne  im  Vergleich  zu  der  des  Voll- 
mondes haben  unter  anderen  Bououbr  und  Wollaston  bestimmt, 


Skidkl.  269 

indem  sie  beide  Gestirne  mit  Kerzen  verglichen.    Dabei  fanden 
sie  aber  die  vollständig  verschiedenen  Verhältnisse: 

Heliickeit  der  Sonne  onnr^/^  /r>  v 

Helligkeit  des  Vollmond.  =  ^^^^  (ß''"""")' 

Dasselbe  =  801000  (Wollaston). 

Wir  wissen  über  dies  Verhältnifs  also  höchstens  so  viel,  dafs 
es  mehrere  Hunderttausende  beträgt 

Vergleiche   des   Vollmonds   mit    Fixsternen  finden   sich   bei 
Steinheil  und  Herschel  an  den  angeführten  Orten.     Danach  ist 
der  Vollmond  20000  Mal  heller  als  Arcturus  (Steinheil), 
der  Vollmond  27408  Mal  heller  als  a  Centauri  (Herschel); 
diese  Zahlen  geben,  nach  den  SEiDEL*schen  Angaben  auf  Wega 
reducirt,  im  Mittel: 

der  Vollmond  24000  Mal  Jieller  als  Wega. 
Endlich  sind  Versuche  gemacht  worden,  die  Helligkeit  der 
Sonne  im  Verhältnifs  zu  der  der  Fixsterne  dadurch  zu  bestim- 
men, dafs  man  die  Planeten  mit  Fixsternen  verglich.  Diese  Be- 
stimmungen erfordern  die  Kenntnifs  der  Albedo  der  Planeten, 
d.  h.  des  Verhältnisses  der  von  ihnen  zurückgeworfenen  Licht- 
menge zu  der  auf  sie  fallenden  Quantität  des  Sonnenlichts.  Diese 
Kenntnifs  fehlt  bis  jetzt.  Dagegen  kann  die  von  Lambert  (Photom. 
§  1058)  aufgestellte  Formel  zur  Berechnung  der  Lichtquantität, 
mit  welcher  ein  als  Kugel  betrachteter  und  von  der  Sonne  be- 
schienener Planet  eine  Fläche  auf  der  Erde  senkrecht  erleuchtet, 
ausgedrückt  in  Theilen  der  Lichtmenge,  welche  die  Sonne  selbst 
auf  eine  gleich  grofse  Fläche  senkrecht  schickt,  —  diese  Formel 
kann  dazu  dienen,  aus  den  SEioEL'schen  Beobachtungen  das  Ver- 
hältnifs der  Werthe  der  Albedo  für  verschiedene  Planeten  abzuleiten. 

Die  LAMBERT^sche  Formel  ist  nämlich: 
.    Helligkeit  des  Planeten  _  2  (sin  v — t; cos  v),A.  sin  j*. sin a* 
Helligkeit  der  Sonne    "^  Stt  sin  S*  ' 

hier  bedeutet 

V  das  Supplement  des  Winkels  am  Planeten  in  dem  Dreieck 

zwischen  Sonne,  Erde,  Planet; 
a  den  scheinbaren  Halbmesser  des  Planeten; 
«  den  scheinbaren  Halbmesser  4er  Sonne  vom  Planeten  aus 
geselMn; 


270  20*    Photometrie. 

S  denselben  von  der  Erde  aus  gesehen; 
A  die  Albedo  des  Pianeten. 

In  der  rechten  Seite  dieser  Gleichung  sind  nun  alle  Facto- 
ren  aufser  A  bekannt;   bezeichnen  wir  ihr  Product  mit  M,  so 

haben  wir 

Planet         «  .  . 

-n =  MA; 

6onne 

wäre  ferner  X  das  (von  Hrn.  Seidel  beobachtete)  Verhältnifs  der 
Helligkeit  des  Planeten  zur  Helligkeit  eines  Fixsternes,  so  wäre 

Sonne      Planet    __     J[ 

Planet  '  Fixstern  "  MA 
oder 

/      Sonne    _    JC 

Fixstern  "~  MA ' 

Aus  den  Vergleichungen  zwischen  Wega  und  Mars  findet  nun 

der  Verfasser 

Sonne   _     5900  Miü. 

Wega    "~  Albedo  Mars* 

und  aud  den  Vergleichungen  zwischen  Wega  und  Jupiter 

Sonne   ^      24100  Mill. 

Wega    ""    Albedo  Jupiter  ' 

aus  diesen  beiden  Gleichungen  folgt  endlich 

Albedo  Jupiter  =  4,1  Albedo  Mars. 

Eine  Beobachtung  von  Olbbrs  (Zach.  Monatl.  Com  VIO.) 

liefert  ferner 

Sonne  52000  Mill. 

Wega  Albedo  Saturn  ' 

man  hat  also 

Albedo  Saturn  =  2,2  Albedo  Jupiter  =  8,8  Atbedo  Mars. 
Hält  man  fest,  dafs  Saturn  kein  eigenes  Licht  habe,  so  folgt 
aus  diesen  Verhältnissen,  dafs  das  Minimum,  welches  Olbbrs  für 
die  Albedo  des  Mars  angenommen  hat,  nämlich  A  ^  \  noch  zu 
grofs  ist;  setzt  man  mit  Hrn.  Seidel  J  ^y^,  so  kommt 

4ri21==  65000  MUl., 
Wega 

während  die  oben  angeführte  Angabe  Wollaston*s  liefert 

Sonne 


Wega 


90000  MilL; 


und  das  Mittel  aus  beiden  Angaben  wärde  sein 

.^lüIL«  75000  Mül. 
VVega 

Hieraus  wurde  folgen,  dafs  die  Sonne  in  gleicher  Entfernung  von 
der  Erde  mit  Wega  (nämlich  790000  Sonnenweiten  nach  Struvb) 
nicht  heller  als  der  Polarstern  erscheinen  würde,  denn  es  wäre 
unter  dieser  Annahme 


Wega 


>8,3. 


Sonne 

Ein  gänzlich  verschiedenes  Resultat  liefert  die  Combination  von 
\VoLLASTON*8  Angabe 


^*""*     =800000, 


mit  Herschbl's 
nämlich 


Vollmond 

Vollmond 
Wega 

Sonne 


=  24000, 


=  19000  Mill. 


Wega 

Schliefsiich  macht  der  Verfasser  noch  einige  Bemerkungen 
über  die  Albedo  des  Mondes.  Combinirt  man  nämlich  die  von 
Herschel  gegebenen  Verhältnisse 

'^'""''    =24000     und     ^^  =  7,2 


Wega    "  VVega 

mit  der  LAMBBRT'schen  Formel,  so  erhält  man 

Albedo  Mond  =  i  Albedo  Mars, 
und,   die  letstere   wie  oben   bu  ^j  gesetzt,    erhielte   man    un- 
gefähr 

Albedo  Mond  ss  ^\; 

der  Mond  wäre  also  fast  schwarz. 

Wollaston's  Zahl  liefert  dagegen  für  die  Albedo  des  Mon- 
des ^;  diese  mit  der  obigen  Gleichung  combinirt,  gäbe  fär  die 
Albedo  des  Mars  |;  dann  müfsten  also  Jupiter  und  Saturn  eige« 
nes  Licht  haben.  Bi. 


SI72  20.    Photometrie«    Sbgcbi«   t.  Sohumachir. 

Secciii.  Mesure  de  la  clart6  de  quelques  ötoiles.  Arch.  d. 
sc.  plijs.  XX,  121-122;  Memorie  dell'  osservatorio  di  Roma;  Cos- 
mos  I.  43-44t. 

Hr.  Secchi  beobachtete  nach  der  von  Talbot  angegebenen, 
von  Babinbt  häufig  angewandten  Methode.  Das  Licht  des  zu 
beobachtenden  Sternes  wird  durch  eine  in  durchsichtige  und 
undurchsichtige  Sectoren  getheilte  Scheibe,  welche  vor  dem 
Fernrohr  rotirt,  so  geschwächt,  dafs  es  dem  Licht  eines  zum 
Vergleichungspunkt  gewählten  Sternes  an  Stärke  gleich  kommt. 
Die  Resultate  des  Hrn.  Secchi  weichen  sehr  von  den  Hbr- 
scHBL^s^^hen  ab.  Es  ist  pämlich,  die  Lichtstärke  von  Kappa  Orio- 
nis  =:  1  gesetzt, 
die  Lichtstärke  von  nach  Herschel  nach  Secchi 
Sirius  33,77  75,5 

Rigel  5,45  13,0 

Procyon  4,33  9,9 

a  Orionis  4,03  7,3.         Bt. 


C.  D.  V.  SciiDMACiiRR.     Instrument  tili  bestämmande  af  sljernor- 
nas  relativa  klarhet  och  Ijusslyrka.     Öfver8.afförhandl.i852. 

p.  2J(i-238t. 
Zwei  rechtwinklige  Prismen,  von  Kobaltglas  sind  im  Focus 
des  Objectivs  eines  Fernrohrs  so  angebracht,  dafs  die  Hypote- 
nusenflächen  gegeneinander  liegen,  und  ein  Paar  der  parallelen 
Kathetenflächen  senkrecht  gegen  die  Axe  des  Fernrohrs  stehen; 
werden  die  Prismen  längs  der  Hypotenusenflächen  gegen  ein« 
ander  verschoben,  so  vermehrt  oder  vermindert  sich  die  Dicke 
der  Glasschicht,  welche  das  Licht  zu  durchsetzen  hat.  Man  ver- 
schiebt sie,  bü  das  Bild  des  auf  seine  Lichtstärke  zu  untersu- 
chenden Sternes  verschwindet.  Bi. 


21.  Polaritatioo.  Optische EigeDscIiaftenv.Krystallen.  Haidihgba.  273 

21.    Polarisation.    Optische  Eigenschaften. 
Ton  Kiystallen. 


W.  Haidingbr.  Ueber  den  Zusammenbaug  der  Körperfarben,- 
oder  des  farbig  durchgelasseneo ,  und  der  Oberflächen* 
färben,  oder  des  farbig  zurückgeworfenen  Lichts  gewis- 
ser Körper.  Wien.  Der.  VIII.  97- 133t;  Cosmos  I.  430-436, 
454-454;  Fboriep  Tagsber.  üb.  Phjs.  u.  Chero.  L  297-300;  Ann. 
d.  chiin.  (3)  XLII.  249-256. 

Nachdem  Hr.  Haidinger  vom  Jahr  1845  an,  verschiedene 
Beobachtungen  über  den  Glanz  und  das  Schillern  krystaliinischer 
Medien,  so  wie  über  die  Farben  des  durch  Krystalle  durchge- 
gangenen Lichts  gemacht  und  veröffentlicht  hatte,  kam  er  zu 
der  Ansicht,  dafs  die  Farben  des  von  Krystallen  zurückgeworfe- 
nen und  des  durch  dieselben  durchgegangenen  Lichts  nach  einem 
bestimmten  Gesetze  von  einander  abhängig  seien;  in  der  gegen- 
wärtigen Arbeit  stellt  Hr.  Haidinger  noch  einmal  alle  seine  Beob- 
achtungen zusammen,  und  glaubt  im  Allgemeinen  das  Gesetz  so 
feststellen  zu  können,  dafs  die  Farben  des  von  den  Krystallen  re- 
flectirten  Lichts  (die  er  kurz  Oberflächenfarben  nennt)  comple- 
mentär  seien  zu  den  Farben  des  durch  die  Krystalle  durchge- 
gangenen Lichts  (die  er  Durchsichtigkeitsfarben  nennt). 

Ganz  ähnliche  Beobachtungen  hatte  um  dieselbe  Zeit  auch 
Brbwstbr  gemacht,  so  dafs  die  Entdeckung  dieser  Erscheinun- 
gen den  beiden  genannten  Naturforschern,  die  unabhängig  von 
einander  in  England  und  Deutschland  arbeiteten,  zugleich  zuzu- 
schreiben ist. 

Die  Beobachtungen  machte  Hr.  Haidinoer  theils  an  wirkli- 
chen Krystallen,  theils  an  mit  einem  glatten  Messer  auf  mattge- 
schliffenes Glas,  oder,  wenn  die  betreffende  krystallinische  Masse 
härter  war  als  Kalkspath,  an  mit  Achat  unter  starkem  Druck  auf 
einen  Bergkrystall  aufpolirtem  Pulver.  Hr.  Haidinoer  untersuchte 
30  verschiedene  krystallinische  Körper,  von  denen  wir  blofs  die- 
jenigen hier  anführen  wollen,  welche  das  ausgesprochene  Gesell 

Fortscbr.  d.  Pbyt.  TUI.  18 


274      2^*    Polarisation.    Optische  Eigenschaften  von  Krystailen. 


der  compleinentären  Farben  beim  refleclirten  und  durchgegan- 
genen Licht  am  deutlichsten  zeigen. 
Untersuchte  Korper.        Körperfarbe. 
Bräunlichroth 


Murexoin 


Kaiiummolybdän- 
sulphid. 

Morgenroth  in 
scharlachroth 

Jod 

geneigt 
Tiefgelb  oder 

orange  ins 
bräunBche 

Krokonsaures   Kupfer* 
oxyd 

Orange  ins 
braune 

Jodblei 


Uebermangansaures 
Kali 


Citronengeib 


Oberflächenfarbe. 
Bei  senkrechtem  Licht- 
einfall messinggelb,  bei 
wachsendem  Einfallswin- 
kel blau,  senkrecht  zur 
Kinfallsebene  polarisirt. 
Graulich  messinggelb,  po- 
larisirt in  allen  Richtun- 
gen. 

Bei  senkrechtem  Einfall 
stahlblau,  bei  gröfserem 
violett,  senkrecht  zur  Ein- 
fallsebene polarisirt 
Ganz  dünn,  das  extraor- 
dinäre Bild  lasurblau,  das 
ordinäre  bläulich. 
Bei  senkrechtem  Einfall 
lasurblau,  bei  gröfserem 
violett,     senkrecht    zur 
Einfallsebene  polarisirt. 
Dunkelviolblau  Nach    der  Einfallsebene 
polarisirt  speisgelb;  senk- 
recht   darauf    polarisirt, 
speisgelb  durch  grün  ins 
blaue. 
Von  den  erwähnten  Körpern  waren  der  erste,  dritte,  vierte 
und  fünfte  auf  Glas  aufpolirt,  der  zweite  und  sechste  aber  wurden 
auch  als  Krystalle  untersucht   Aufser  dem  bereits  ausgesprochenen 
Hauptgesetz  der  complementären  Farben  beim  zurückgeworfenen 
und  durchgelassenen  Licht  scheinen,  aus  den  zahlreichen  Beob- 
achtungen Hrn.  HAmiNOER^s  noch  folgende  Erscheinungen  nicht 
zufällig  zu  sein,  sondern  dürfen  wohl  ebenfalls  als  Gesetz  aua^ 
gesprochen  werden: 

So  wie  es  Körper  giebt,  die  das  durchgehende  Licht  in  ver- 
schiedenen Richtungen  verschieden  absorbiren,  d.  h.  verschieden 


SCHÖBL.  276 

iarben,  so  giebl  es  auch  Körper,  bei  denen  das  Licht  unter  ver- 
schiedenen Reflexionswinkeln  verschiedene  Farben  annimmt. 

Die  verschiedenen  Oberflächenfarben  sind  entweder  nach 
der  gleichen,  oder  nach  verschiedenen  Ebenen  polarisirt 

Ist  die  Polarisationsebene  fär  die  verschiedenen  Oberflächen- 
farben constant,  so  ist  dieselbe  einer  Axe  parallel,  oder  aber  auf 
derselben  senkrecht.  —  Bei  aufpolirten  Körpern  vertritt  die  Rich- 
tung des  Striches  die  Richtung  der  Axe. 

Die  constante  Polarisationsebene  für  verschiedene  Ober- 
fl&chenfarben  fällt  in  Krystallen  mit  der  Polarisationsebene  der 
am  stärksten  absorbirten  Körperfarbe  zusammen.  Hr. 


E.  ScflöBL.     Vielfache  Brechung  eines  Lichtstrahls  in  Kalk'- 
spalhkrystallen.      Wien.  Ber.  VIII.  543-553t. 

Hr.  ScuÖBL  beschreibt  Kalkspathkrystalle,  die  den  Lichtstrahl 
nicht,  wie  der  gewöhnliche  irländische  Doppelspath  in  zwei,  son- 
dern je  nach  der  Richtung,  in  welcher  sie  durchgehen,  in  drei, 
sieben,  elf,  einige  sogar  in  unzählige  Strahlen  zerlegen.  Diese 
den  Lichtstrahl  vielfach  brechenden  Kalkspäthe  unlerscheiden  sich 
von  den  gewöhnlichen  durch  zwei  Umstände:  erstens  findet  sich 
in  denselben  ein  blättriger  Bruch  in  anderer  Richtung,  als  paral- 
lel den  gewöhnlichen  Rhomboederflächen ,  und  zweitens  erschei- 
nen sie  in  einiger  Entfernung  vom  Auge  farbig.  Hr.  Schöbl  be- 
schreibt nun  die  verschiedenen  Lagen,  in  welchen  im  Kalkspath 
3,  8,  11  oder  unzählige  Bilder  entstehen.  Wir  wollen  uns  hier 
auf  das  Specielle  nicht  einlassen,  sondern  nur  noch  bemerken, 
dafs  diese  vielfachen  Bilder,  im  Gegensatz  zu  den  gewöhnlichen 
Doppelbildern  des  Kalkspath,  gefärbt  sind,  und  dafs^  wenn  man 
polarisirtes  Licht  auffallen  läfst,  sich  nichts  ändert  als  die  Farben- 
anordnung der  einzelnen  Bilder.  —  Sind  die  besprochenen  Kalk- 
späthe wirklich  einfache  Krystalle,  so  ist  mit  dieser  Entdeckung 
ein  ganz  neues  Feld  eröfihet  für  das  Verhalten  des  Lichts  in 
krystallinischen  Medien,  und  jeder  Physiker  wird  gewils  gern  das 
Nähere  in  der  Originalarbeit  selbst  nachlesen.'  jBfr* 


18* 


276      21.    Polarisation.     Optische  Eigenscliaften  von  Krjaralleo. 

J.  Grailicii.  Bestimmung  des  Winkels  der  opUschen  Axeo 
miltelst  der  Farbenringe,  angewendet  auf  den  diprisma* 
tischen  Bleibaryt  (Weifsbleierz).     Wien,  Ber.  IX.  934-946t. 

Die  grofsen  Differenzen  in  den  Winkeln  der  optischen  Axen, 
die  sich  bei  ein  und  demselben  Mineral  in  den  Messungen  ver* 
schiedener  Physiker  finden,  erklären  sich,  wie  aus  der  Ar- 
beit Sbnarmont*8  ,>  Untersuchungen  über  die  optischen  dop- 
peitbrechenden  Eigenschaften  isomorpher  Körper*'  (siehe  BerL 
Ber.  1850,  5L  p.  443)  mit  Evidenz  hervorgeht,  bei  vielen  der- 
selben aus  der  Verschiedenheit  der  chemischen  Zusanuaen- 
setzung,  80  Zf.  B.  beim  Topas  und  Glimmer.  Auffallend  war  es 
aber  Hrn.  Grailich,  daCs  sich  auch  beim  Weifsbleierz,  das  doch 
die  constante  Zusammensetzung  Pb  Ö  hat,  folgende  Differenzen 

zeigten : 

Inach  Brbwstbr  =  5^15^ 
-  Haidingbr  =  7*37' 
-    Beüdant     =  17«3(y 

Dies  veranlafste  Hrn.  Grailich,  selbst  neue  Messungen  am 
Weifsbleierz  vorzunehmen,  und  zwar  schlug  er  zu  dem  Ende 
einen  neuen  Weg  ein.  Bisher  hatte  man  nämlich  den  Winkel 
der  wahren  optischen  Axen  berechnet  entweder  aus  der  Ge- 
schwindigkeit, mit  welcher  das  Licht  parallel  den  drei  Elastici- 
tätsaxen  den  Krystall  durchläuft  (so  Rudberg  bei  Arragonit  und 
Topas),  oder  aber  aus  dem  gemessenen  Winkel  der  scheinbaren 
Axen  und  der  mittleren  Geschwindigkeit,  mit  welcher  das  Licht 
den  Krystall  durchläuft  (so  Brewster  und  Sbnarmont  in  ihren 
zahlreichen  Messungen).  Hr.  Grailich  benutzte  aber  die  Farben- 
ringe, die  sich  im  polarisirten  Licht  um  die  beiden  Axen  bilden, 
zur  Bestimmung  der  Axen  selbst.  Betrachtet  man  nämlich  diese 
Ringe  als  Leniniscaten,  und  mifst  die  Entfernung  der  beiden  näch- 
sten, so  wie  die  Entfernung  der  beiden  entferntesten  Punkte 
zweier  entsprechender  Ringe  (z.B.  der  beiden  zweiten,  oder  der 
beiden  «vierten  Ringe),  so  kann  man  daraus  den  Winkel  der 
scheinbaren,  und  dann  mittelst  der  mittleren  Geschwindigk^t  den 
Winkel  der  wahren  Axen  berechnen.  Dies  Verfahren  hat  den  Vor- 
theil,  dafs  man  dieselben  Messungen  an  mehreren  Paaren  von 


Geaiugh.    Salm*Hob8tmae. 

Ringen  ausfuhren  kann,  und  so  eine  Reihe  von  Werlhen  erhält, 
die  theorelisch  übereinstimmen  sollen»  aus  deren  wirkh'chen  Diffe- 
renzen man  aber  ein  ungefähres  Urtheil  über  die  Fehlerquellen 
der  angewandten  Methoden  erhält.  —  Schade  ist  es  aber,  dafs 
diese  Messungen  nicht  bei  homogenem  Licht  ausgeführt  wurden 
(homogene  Glaser  standen  Hrn.  Grailich  nicht  zu  Gebote,  und 
eine  Kochsalzflamme  hatte  durch  die  strahlende  Wärme  Einfluls 
auf  die  Lage  der  optischen  Axen),  daher  eben  die  erhaltenen 
Resultate  nicht  für  eine  bestimmte  Farbe,  sondern  nur  ungefähr 
für  den  mittleren  Theil  des  Spectrums  gelten.  Als  Resultat  der 
Messungen  von  drei  Ringen  ging  hervor,  dafs  der  Winkel  der 
scheinbaren  optischen  Axen  beim  Weilsbleierz  :=  16^56,4'  und 
derjenige  der  wahren  =  8^6,2'.  Dies  Resultat  differhrt  von  der 
HAiDiNGBR*schen  Messung  um  0^29';  gröfs|fe  Uebereinstimmung 
darf,  da  kein  homogenes  Licht  angewendet  worden,  kaum  er« 
wartet  werden.  Was  den  von  Beudant  angegebenen  Winkel 
17*3(y  betrifft,  so  gilt  derselbe  wahrscheinlich  für  die  scheinbaren 
Axen;  denn  führt  man  denselben  auf  die  wahren  zurück,  so  wird 
er  s  8^22,4';  die  Differenz  von  der  HAiDiNOBR^schen  Angabe 
beträgt  blob  noch  0^45^,  und  lädst  sich  bei  weifsem  Licht  eben- 
falls noch  leicht  begreifen.  Die  Messung  von  Brbwster  diffe« 
rirt  freilich  von  der  von  Beuoant  noch  um  3^7'  und  lälst  sich 
wohl  nicht  anders  als  durch  Unvolikommenheit  des  Krystalis, 
den  Brewstbr  gemessen,  erklären.  Hr. 


Fürst  zo  Salh-Uorstmar.  Ueber  das  optische  Verhalten  eines 
aus  Bergkrystall  geschnittenen  Prismas,  dessen  eine  Axe 
rechtwinklig  zur  Krystallaxe  ist.    Pogg.  Ann.  LXXXV.  3l8-320t. 

Der  Fürst  zu  Salm-Horstmar  beschreibt  einige  Farbener- 
scheinungen, die  er  an  einem  unter  folgenden  Winkeln  aus  Berg- 
krystall geschliffenen  Prisma  bemerkt  hat:  eine  Fläche  steht 
senkrecht  zur  Axe,  eine  zweite  ist  unter  54^^  zu  dieser  geneigt, 
und  die  dritte  unter  M^*  zu  der  zweiten,  also  unter  180'— 544^ 
—54^  SS  71®  zu  der  ersten.    Der  senkrechte  Durchschnitt  eines 


^  ^..eefiion.    Optische  EigeDsebaften  von  Krystallen. 

solchen  Prismas  wird  also  ein  gleichschenkliges 
_3  Dreieck  ^JBCsein,  bei  dem  der  eine  gleiche  Sehen* 
/  kel  AB  senkrecht  steht  auf  der  optischen  Axe  CD, 
f  Fällt  nun  ein  Lichtstrahl  parallel  der  optischen  Axe 
^^  auf  AB  ein,  so  wird  derselbe  ungebrochen  durch 
das  Prisma  durchgehen  und  unter  90®— 54^* = 35i' 
die  Fläche  AC  treffen;  von  dieser  Fläche  wird  er  unter  35t* 
rellectirt,  und  trifft,  weil  der  Winkel  ACB  =  54^*  ist,  senkrecht 
auf  die  Fläche  CBy  tritt  also  auch  ungebrochen  hier  aus.  Ebenso 
ist  klar,  dafs  ein  senkrecht  bei  der  Fläche  AC  eintretender  Strahl 
nach  der  Reflexion  an  AC  parallel  der  optischen  Axe  bei  der 
Fläche  AB  austreten  wird.  —  Fällt  nun  polarisirtes  Licht  bei 
AB  ein,  und  betrachtet  man  durch  einen  Nicol  den  bei  CB  aus- 
tretenden Strahl,  so  §ßigen  sich  farbige  Streifen,  die  einer  Hy- 
perbel anzugehören  scheinen.  Auffallenderweise  sieht  man  die- 
selbe Farbenerscheinung  auch  ohne  Nicol;  dagegen  sieht  man  sie 
nicht,  wenn  unpolarisirtes  Licht  bei  AB  eintritt  Auch  sieht 
man,  wenn  man  den  Nicol  anwendet,  die  Farben  beim  Drehen 
desselben  bald  lebhaft,  bald  schwach.  —  Tritt  der  Lichtstrahl  bei 
ßC  ein  und  bei  AB  parallel  der  Axe  aus,  so  sieht  man  mit  einem 
Nicol  dieselben  Farbenerscheinungen ,  mit  blofisem  Auge  aber 
keine  solchen.  Wird  aber  der  Lichtstrahl  bei  AB  reflectirt,  sei 
es,  dafs  er  nun  durch  BC  oder  AC  eintritt,  so  sieht  man  auch 
mit  dem  Nicol  keine  Farbenerscheinungen.  —  Die  Farbenfolge 
ist  aber  in  den  beiden  Fällen,  wo  der  Lichtstrahl  senkrecht  zu 
AB  eintritt,  und  wo  er  senkrecht  zu  BC  eintritt,  verschieden; 
im  ersten  Fall  folgen  sich  die  Farben  so:  gelblich  weifs,  gelb, 
purpur,  blau,  im  zweiten  aber  umgehehrt.  flr« 


Fürst  zo  Salh-Horsthab.  Üeber  das  optische  Verhalten  von 
Prismen  aus  Doppelspalh  und  aus  Beryll,  die  so  geschnit- 
ten sind,  dafs  eine  Fläche  rechtwinklig  zur  optischen  Axe 
ist.      Poes.  Aon.  LXXXVI.  145-l47t. 

Werden  die  Flächen  eines  Kalkspathprismas  unter  denselben 
>  Winkeln  zu  der  optischen  Axe  angeschliffen,  wie  dies  vorhin  beim 


Salh-Hoebtmar.  Sputgsabir.  279 

Bergkrysiallprisma  der  Fall  war,  so  bemerkt  man,  wenn  das  Licht 
parallel  der  optischen  Axe.  einfallt,  mit  blofsem  Äuge  zunächst 
dieselben  farbigen  Streifen  wie  beim  Quarzprisma.  Wird  das  Auge 
ganz  nahe  an  die  Fläche  BC  gehalten,  so  verwandeln  sich  die 
Streifen  in  die  zwei  bekannten  Ringsysleme  mit  complementären 
Farben,  von  denen  das  eine  vom  schwarzen,  das  andere  vom 
weüsen  Kreuz  durchzogen  ist.  —  Fällt  aber  das  Licht  bei  ßC 
ein,  und  parallel  der  Axe  bei  AB  aus,  so  sieht  man  mit  blo- 
isem  Auge  gar  nichts,  mit  einem  Nicol  aber  nur  eines  jener 
Ringsysteme.  —  Auch  bei  dem  im  Vorigen  beschriebenen  Berg- 
krystallprisma  kann  man  das  Ringsystem  unter  gleichen  Bedin^ 
gungen  wie  hier  beim  Kalkspathprisma  theilweise  sehen.  —  Auch 
bei  einem  Beryllprisma  sieht  man,  wenn  das  Licht  bei  AB  ein- 
ßllt,  ein  Ringsystem  und  blofs  theilweise,  weil  die  Ringe  zugrofs 
sind.  Tritt  aber  das  Licht  bei  AB  aus,  so  sieht  man  nur  ein 
irisirendes  Farbenspiel  Hr. 


D.  C.  Splitgbrber.  Ueber  im  Glas  befiDdliche  entglaste  Kör- 
per, und  die  durch  dieselben  hervorgerufenen  optischen 
Erscheinungen.     Poee.  Ann.  LXXXV.  408-412t. 

Hr.  Splitobrber  beschreibt  drei  verschiedene^ Arten  ent- 
glaster  Körper,  die  sich  in  verschiedenen  Stadien  krystallinischer 
Ausbildung  befinden  sollen,  und  über  deren  Polarisationserschei- 
nungen schon  früher  etwas  mitgetheilt  worden  (siehe  p.  435  des 
vorigen  Bandes).  Die  erste  Art  dieser  Körper  vom  spec.  Gew. 
2,456  bilden  weifse  Kömer  mit  porcellanartigem  Bruch,  die  in 
dünnen  Stücken  bei  starker  Vergröfserung  dem  chemischen  Nie- 
derschlag der  Tbonerde  in  einer  Flüssigkeit  ähnlich  sind.  Eine 
zweite  Art  von  entglasten  Körpern  lälst  schon  die  Form  von 
secbssdtigen  Tafeln  erkennen,  obgleich  die  Kanten  nicht  gerad- 
linig sind.  Unter  dem  Mikroskop  zeigen  sich  feine  Nadeln,  die 
sich  unter  60  Grad  zu  schneiden  scheinen.  Eine  dritte  Art  von 
entglasten  Körpern  in  einem  englischen  Glase  bildet  wirkliche 
Krystalle,  nämlich  sechsseitige  Tafeln.  —  Bei  Anwendung  eines 
Mikroskops  mit  zwei  Nicols  zeigen  sich  bei  den  Körpern  der  ersten 


280     21<    PolarisatioD.    Optische  Eigensdiaften  von  Krystallen. 

Art  die  früher  erwähnten  Farbenerscheinungen  von  einem  schwar- 
zen Kreuz  durchzogen ;  beim  Erwärmen  verschwinden  sämmtliche 
Farbenerscheinungen,  beim  Erkalten  kehren  sie  aber  unverändert 
wieder  zurück.  Hr. 


G.  WBBTHBitf.    Deuxieme  nole  sur  la  double  röfraction  arti- 
ficiellement  produite  par  des  cristaux  du  Systeme  regulier. 

C.  R.  XXXV.  276-278t;  Inst.  1852.  p.  270-270;  Arch.  d.  ac.  phys. 
XXI.  50-52;  Poes.  Ann.  LXXXVH.  498-500;  Silliman  J.  (2)  XV. 

426-427. 

Hr.  Wertheim  theilt  folgende  Resultate  seiner  Untersuchun- 
gen mit: 

1)  Der  Elasticitätscoefficient  hat  für  jedes  Mineral,  das  dem 
regulären  System  angehört,  einen  constanten  Werth. 

2)  Die  Krystalle,  die  nur  Würfelflächen  zeigen,  verhalten 
sich  unter  dem  Einflub  äufserer  Kräfte  wie  homogene  Körper; 
ein  und  dieselbe  Kraft  bringt  immer  ein  und  denselben  Gang- 
unterschied hervor  zwischen  dem  ordentlichen  und  aulSier- 
ordentlichen  Strahl,  wenn  sie  senkrecht  siebt  auf  einer  Würfel- 
fläche. 

3)  Bei  Steinsalz  und  Flufsspath  ist  der  Gangunterschied  für 
gleichen  linearen  Druck  fast  derselbe  wie  für  die  verschiedenen 
Glasarten* 

4)  Der  Alaun  verhält  sich  nicht  wie  ein  optisch  homogener 
Körper;  die  Kräfte,  welche  man  anwenden  mufs,  um  einen  ge- 
gebenen Gangunterschied  hervorzubringen,  variiren  im  Verhält- 
nifs  von  1  zu  4  je  nach  den  Richtungen,  in  welchen  sie  wirken. 
Diese  Veränderlichkeit  findet  statt  sowohl  bei  Platten,  die  senk- 
recht zu  den  Würfelflächen,  als  bei  solchen,  die  senkrecht  zu  den 
Oktaederflächen  geschnitten  sind. 

5)  Beim  Alaun,  bei  welchem  die  optischen  und  mechani- 
schen Axen  nicht  zusammenfallen,  findet  die  Verschiebung  nach 
der  Rechten  oder  Linken  des  Beobachters  statt,  je  nachdem  die 
eine  oder  andere  der  Flächen,  welche  der  Strahl  durchläuft,  ge- 
gen ihn  gerichlet  ist. 

6)  Diese  Verschiebung  ist  senkrecht  zu  den  Würfelflächen 


WSHTHSIM.    HkrAPATH.  281 

lun  so  belrSchtlicfaer,  je  mehr  die  Flächen  sich  entfernen  von 
der  Form  des  Quadrats ,  also  je  mehr  der  ganze  Körper  sich 
vom  reinen  Würfel  entfernt.  Sie  beträgt  20 — 25®  bei  Stücken, 
an  denen  vier  Flachen  Rechtecke  sind  mit  Seiten»  die  sich  fast 
wie  1 : 2  verhalten,  während  zwei  Flächen  Quadrate  bleiben. 

7)  Diese  Verschiebung  findet  nicht  statt  in  allen  sechs  La« 
gen  des  rechtwinkligen  Parallelepipeds,  sondern  nur  in  den  zwei 
Lagen,  in  denen  der  Strahl  senkrecht  zu  den  zwei  quadratischen 
Flachen  ist. 

8)  Die  Verschiebung  findet  bei  allen  sechs  Lagen  statt,  wenn 
das  Parallelepiped  senkrecht  zu  den  Oktaederfiächen  geschnit- 
ten ist 

9)  Die  ungleiche  optische  Compressibilität,  so  wie  die  Dre- 
hung des  optischen  Ellipsoids  scheinen  ihren  Grund  zu  haben  in 
den  permanenten  Wirkungen,  welche  durch  die  beim  Act  der  Kry« 
stallisation  stattfindenden  Spannungen  und  Pressungen  hervor* 
gebracht  werden. 

10)  Die  eben  ausgesprochene  Hypothese  unterstützen  Fluis- 
spathkrystalle,  die  als  Oktaeder  eine  Verschiebung  von  4b%  als 
Würfel  aber  gar  keine  Verschiebung  zeigen. 

11)  Alle  diese  Thatsachen,  die  man  beobachtet,  wenn  man 
reguläre  Krystalle  durch  Zusammenpressen  in  doppeltbrechende 
repulsive  verwandelt,  wiederholen  sich  auf  ganz  dieselbe  Weise, 
wenn  man  sie  durch  Auseinanderziehen  in  attractive  verwandelt 

Hr. 


W.  B.  Hbhapath.  Od  ihe  optical  properties  of  a  newly-dis- 
covered  sali  of  quinine.  PLil.  Mag.  (4)  III.  I6i-j73;  Chem. 
C.  Bl.  1853.  p.  9-10;  J.  of  chim.  Soc.  V.  177-188;  Libbig  Ann. 
LXXXIV.  149-1 57t;  Ann.  d.  chim.  (3)  XL.  247-249. 

Hr.  Herapath  theilt  merkwürdige  optische  Eigenschaften 
eines  Salzes  mit,  das  sich  in  einer  Lösung  von  schwefelsaurem 
Chinin  bildete,  in  welches  zuräUig  einige  Tropfen  Jodtinctur 
hineingebracht  worden  waren.  Dasselbe  zeigt  nämlich  zunächst 
im  reflectirten  und  durchgelassenen  Licht  verschiedene  Farben, 
also  eine  besondere  Körper-  und  Oberflächenfarbe.    Die  Ober- 


232     ^^'    PolarbatioD.    Optische  Eigenschaften  ?on  Erystallen. 

flächenfarbe  ist  glänzend  smaragdgrün,  die  KörperEarbe  ganz 
schwach  olivengrün;  bei  einem  Einfallswinkel  von  49^  ist  das 
reflectirte  Licht  vollständig  polarisirl.  Das  Wichtigste  ist  aber, 
dafs  diese  Rryslalle  nur  einen  und  zwar  polarisirten  Strahl  durch- 
lassen, so  dafs  sie  den  Turmalin  vollkommen  zu  ersetzen  ver- 
sprechen. Die  Kryslalle  bilden  länglich  rechteckige  Blättchen 
von  7^7  bis  -gl^  Zoll  Dicke.  Zwei  solche  Blättchen  rechtwink- 
lig über  einander  gelegt  verdunkeln  das  Gesichtsfeld  vollkommen; 
ein  einziges  in  Verbindung '  mit  einem  Turmalin  oder  Nicol 
verdunkelt  ebenfalls  in  einer  gewissen  Lage  des  Turmalins  das 
Gesichtsfeld,  läfst  dagegen  alles  Licht  durch,  wenn  letzterer  um 
90®  gedreht  wird.  Auch  können  diese  Blättchen  als  analysirende 
Vorrichtung  zur  Erzeugung  der  Polarisationsfarben  von  Glimmer- 
blättchen  gebraiucht  werden,  und  sonst  in  verschiedenen  Fällen 
den  Turmalin  vollkommen  ersetzen.  In  folgender  Beziehung 
aber  ist  das  Verhalten  des  Salzes  abweichend  vom  Verhalten  des 
Turmalins:  Nimmt  man  zwei  Blättchen,  deren  Längenrichtungen 
sich  unter  4ö®  schneiden,  und  einen  Turmalin,  dessen  Schwin- 
gungsrichtung senkrecht  ist  zu  der  Längsrichtung  des  ersten,  also 
unter  45®  geneigt  zu  der  des  zweiten  Blättchens,  so  wird  dadurch 
nicht  blofs  ein  Theil  des  Lichts  ausgelöscht,  wie  dies  bei  drei 
ähnlich  gestellten  Turmalinen  der  Fall  wäre,  sondern  es  treten 
Farben  auf;  und  zwar  sind  die  Farben  complementär  zu  einan- 
der, wenn  das  mittlere  Blättchen  um  45®  zur  Rechten,  und  wenn 
es  um  45®  zur  Linken  des  Turmalins  geneigt  ist.  Hr. 


W.  B.  Herapato.  Qn  Ihe  cbemical  Constitution  and  atomic 
weight  of  Ihe  new  polariziog  crystals  produced  from 
quinine.      Phil.  Mag.  (4)  IV.  186-192;  Chem.  C.  Bl.  1853.  p.  9-lOt. 

Hr.  Herapath  theilt  folgendes  Nähere  mit  über  die  Dar- 
stellung des  eben  besprochenen  Chininsalzes.  100  Gramm  reines 
schwefelsaures  Chinin,  3  Unzen  Holzessigsäure,  12  Gramm  Schwe- 
felsäurehydrat, mit  etwas  Wasser  verdünnt,  wurden  in  eine  tu- 
bulirte  Retorte  gebracht,  die  mit  einer  durch  eine  Kältemischung 
abgekühlten  Vorlage  versehen  war.    Nachdem  die  Mischung  eine 


Hbrafatr.   STons.  283 

Tempenitar  von  80®  erreicht  halle,  gob  man  durch  den  Tubulua 
alkoholische  Jodlösung  hinzu,  so  daCs  man  30  Gramm  Jod  in 
1150  Gramm  Alkohol  verbrauchte.  In  der  Retorte  schieden  sich 
beim  Abkühlen  die  prächtig  grünen  Krystalle  aus,  die  man  mit 
Essigsaure  auswusch,  und  aus  Alkohol  umkrystallisirte,  wodurch 
sich  dann  66,6  Gramm  Krystalle  ergaben.  —  Diese  Krystalle 
sind  nicht  ein  aus  dem  Chinin  entstandenes  jodirtes  Subslitu« 
tionsproduct,  sondern  ein  schwefelsaures  Jodchinin 

C„  fl,,  JVO.  J+  SO,  +  6J5rO.  Hr. 


Stokes.   Od  the  optical  properlies  of  a  recently-discovered  salt 

of  quinine.  Athen.  1852.  p.J041-104lt;  Cosmos  L  574-577; 
Rep.  of  Brit.  Assoc.  1852.  2.  p.  15-16;  Arcli.  d.  sc.  phys.  XXIY. 
62-65. 

Hr.  Stokes  theilt  noch  folgende  merkwürdige  optische  Ei- 
genschaften des  besprochenen  Chininsalzes  mit  Die  Krystalle 
scheinen  dem  prismatischen  (2  und  2gliedrigen)  System  anzuge- 
hören; jedenfalls  sind  sie  symmetrisch  mit  Beziehung  auf  zwei 
auf  einander  senkrechte  Ebenen,  und  in  der  Regel  in  der  Rich- 
tung der  einen  derselben  in  die  Länge  gezogen.  Licht,  welches 
nach  dieser  Längsrichtung  polarisirt  ist,  wird  von  den  Krystallen 
vollständig  und  fast  farblos  durchgelassen;  dagegen  Licht,  wel- 
ches nach  der  Querrichtung  polarisirt  ist,  wird  fast  gar  nicht 
durchgelassen,  nur  von  ganz  dünnen  Blättchen,  und  dann  ist  dat 
durchgegangene  Licht  tief  roth  gefärbt.  Im  reflectirten  Licht 
zeigen  die  Krystalle  Glasglanz  und  sind  farblos,  oder  sie  haben 
Metallglanz  und  erscheinen  gelblich  grün,  je  nachdem  die  Re* 
flexionsebene  mit  der  Längsrichtung  oder  mit  der  Querrichtung 
zusammenfällt  Wenn  man  im  ersten  dieser  beiden  Fälle  den 
Einfallswinkel  von  0^  bis  QO""  wachsen  läfst,  so  erfährt  der  Theil, 
der  nach  der  Einfalisebene  polarisirt  ist,  keine  Veränderung;  aber 
der  senkrecht  darauf  polarisirte  verändert  seine  Farbe  von  Gelb- 
lichgrün bis  in  ein  tiefes  Blau;  auch  verschwindet  derselbe  nie, 
d«  h.  die  Krystalle  haben  keinen  PolarisationswinkeL  Wenn  man 
im  zweiten  Fall  den  Einfallswinkel  ebenso  wachsen  läfst,  so  erfahrt 


284      21  •    Polarisation.    Optische  Eigenschaften  von  Krjstallen. 

der  Dach  der  Einfallsebene  polarisirte  Antheil  des  Uchte  auch 
keine  Veränderung ,  ivährend  der  andere  bei  einem  gewissen 
Winkel  ganz  verschwindet,  so  dafs  wir  also  in  diesem  Fall  einen 
vollständigen  Polarisationswinkel  haben.  —  Die  gelblich  grüne 
Farbe  des  reflectirten  Lichts  kommt  wirklich  der  metallischen 
Oberfläche  zu/ und  rührt  nicht  etwa  her  von  einer  Aenderung 
der  Brechbarkeit,  auf  welche  Hr.  Stokes  die  Substanz  specieU 
untersuchte.  J7r. 


J.  G.  Heiissbr.  UntersuchuDg  über  die  Brechung  des  farbigen 
Lichts  in  einigen  krystallinischen  Medien.  Pogo.  Ann. 
LXXXVir.  454-.470*,-  Ann.  d.  chim.  (3)  XXXVII.  251-255*. 

Hr.  Heussbr  hat  die  optischen  Constanten  folgender  krystal- 
linischen Medien  bestimmt: 

1)  Schwerspath. 


• 

Winkel  der  wahren 

strahl.            «, 

«,               I., 

optischen  Axen 

(Mittellinie  ist  die 

grösste  Elasticititsaxe). 

B        1,66560 

1,65436      1,65301 

38» 

W 

G        1,66060 

1,64960      1,64829 

38 

16 

F        1,65484 

1,64393      1,64266 

37 

52 

E       1,65167 

1,64093      1,63972 

37 

19 

D        1,64797 

1,63745      1,63630 

36 

48 

C       1,64521 

1,63476      1,63362 

36 

43 

B        1,64415 

1,63370      1,63258 

36 

25 

woraus  die  Verhältnisse  folgen 

«1 

Ü2- 

H 

1,00762 

1,00679 

6 

1,00747 

1,00667 

F 

1,00741 

1,00664 

E 

1,00729 

1,00654 

D 

1,00713 

1,00642 

C 

1,00709 

1,00639 

B 

1,00709 

1,00639. 

Diese  Verhältnisse  nehmen  von  Violett  nach  Roth  hin  immer  ab. 

so  wie  dies  nach  den  Untersuchungen  von 

\  RuoBBRe  beim  Quarz» 

HSÜSflBII.      ANDBS'VrS,  285 

Arragonit  und  Kalkspath  der  Fall  ist;  ein  bestimmtes  Gesetz  der 
Abnahme  geht  aber  aus  diesen  Zahlen  eben  so  wenig  hervor 
als  aus  denen  von  Rudberg. 

2)  Topas. 

Die  FRAUNHOPER^schen  Linien  waren  nicht  zu  sehen;  daher 
wurden  die  Brechungscoefficienten  blob  für  eine  Farbe,  Grün 
zwischen  D  und  F,  bestimmt,  und  gefunden: 

1,62898  1,61965  1,61800. 

3)  Apatit 

Strahl.  Ordentliches  Bild.        Ausserordentliches  Bild. 

D  1,64607  1,64172 

£  1,64998  1,64543 

F  1,65332  1,64867 

6  1,65953  1,65468. 

4)  Beryll. 

Grünes  Licht  1,57513  1,57068. 

5)  Turmalin. 
Grünes  Licht  1,64793  1,62617.         Kt\ 


Andrews.  Od  the  detection  of  minute  quanlities  of  soda  by 
the  action  of  polarized  light.  Chem.  Gaz.  1852.  p.  378-379t; 
PoGo.  Aon.  LXXXVIII.  171-172t;  Z.  S.  f.  Naturw.  1.  67-67*;  CJiem. 
C.  Bl.  1853,  p.  144-144*;  Erdmann  J.  LVÜ.  376-376*;  Rep.  of 
Brit.  Assoc.  1852.  2.  p.  33-33*;  N.  Jahrb.  f.  Pharm.  I.  35-36*. 

Um  die  geringsten  Quantitäten  von  Natrium  zu  entdecken, 
entfernt  Hr.  Andrews  die  übrigen  Basen,  verwandelt  die  Alkalien 
in  Chloride,  bringt  einen  Tropfen  der  Lösung  auf  ein  Glasplätt* 
eben,  fügt  eine  geringe  Menge  von  verdünnter  Platinchlorid- 
lösung hinzu,  und  erwärmt  gelinde,  bis  kleine  Krystalle  entste- 
hen. Diese  werden  unter  ein  polarisirendes  Mikroskop  gebracht, 
und  erscheinen,  wenn  sie  aus  Natriumplatinchlorid  entstehen,  in 
dunklem  Gesichtsfelde  hell.  Kaliumplalinchloridkrystalle,  welche 
dem  regelmäfsigen  System  angehören,  und  ebenso  Platinchlorid- 
krystalle  bleiben  im  dunklen  Gesichtsfelde  unsichtbar.         Kr. 


286  22.     Circularpolarisation. 


22.    Circnlarpolarisation« 


BioT.  Remarques  sur  la  communication  de  M.  Piria  „Re- 
cherches  sur  la  populine".  CR. XXXIV.  149-I5it; lost.  1852. 
p.  33*34;  Eadmann  J.  LYL  56-57;  Chem.  C.  Bl.  1852.  p.  233-234. 

Hr.  Piria  hat  das  Salicin  kunstlich  durch  chemische  Reac* 
iionen  aus  dem  Populin  dargestellt.  Das  Populin  selbst  ist  noch 
nicht,  auch  nicht  von  Hrn.  Biot,  der  dasselbe  vergebens  in  den 
Laboratorien  von  Paris  suchte,  in  Beziehung  auf  sein  Drehungs- 
vermögen untersucht  worden.  Hr.  Biot  betrachtet  nun  die  bei- 
den möglichen  Fälle,  dafs  das  Populin  dreht,  und  dals  es  nicht 
dreht,  und  zieht  daraus  einige  Folgerungen. 

Das  natürliche  Salicin,  in  Wasser  aufgelöst,  sowohl  rein  als 
ein  wenig  angesäuert,    dreht   die  Polarisationsebene   nach  links, 
wie    BoucHARDAT    schon    vor    langer    Zeit    gezeigt    hat.     Die 
Dispersion  der  Ebenen  ist  ziemlich  ähnlich  derjenigen  beim  Zuc- 
ker und  beim  Quarz.  —  Angenommen  nun,  das  Populin  sei  selbst 
mit  dem  Drehungsvermögen  begabt,  dann  kann  das  daraus  ab- 
geleitete Salicin  ebenfalls  Drehungsvermögen  besitzen,  also  iden- 
tisch sein  mit  dem  natürlichen;   oder   aber  es  kann  nicht  das 
Drehungsvermögen  des   natürlichen-  Salicins  besitzen,   es   wird 
nicht   mit    demselben  identisch  sein.     Im  ersten  Fall  wird  das 
künstliche  Salicin  dieselben  optischen   und   krystallographischen 
Eigenschaften    besitzen    wie   das    natürliche,    und   es    werden 
diese  Untersuchungen    ganz  ähnlich  sein    denen,    die  Pasteur 
angestellt    hat    mit   natürlicher  Aepfelsäure   und  mit  der    aus 
dem   natürlichen   Asparagin   chemisch  abgeleiteten  (siehe  BerL 
Ber.  1850,  51.  pag.  459).    Im   zweiten  Fall  sind   das   künstlich 
dargestellte  und   das   natürliche  Salicin  isomer,   ihre  optischen 
und  krystallographischen  Verschiedenheiten  werden  analog  sein 
denen,  die  Hr.  Pasteur  gefunden  hat  zwischen  der  natürlichen 
wirksamen  Aepfelsäure,  und  der  künstlichen  unwirksamen,  wel- 
che von  unwirksamer,  selbst  aus  unwirksamem  fumarsaurem  Am- 
moniak gebildeter,  Asparaginsäure  hergeleitet  ist.  —  Angenom- 


BlOT.     PlLOVSB.  5[87 

men  aber,  das  Populin  besitae  kein  DrehuDgsvermögen,  so  wird, 
wenn  das  daraus  abgeleitete  Salicin  Drehungsvermögen  besitzt, 
damit  eine  groCse  Entdeckung  gemacht  sein:  das  erste  Beispiel 
eines  wirksamen  Körpers,  der  aus  einem  unwirksamen  künstlich 
abgeleitet  ist.  Wenn  aber  das  abgeleitete  Salicin  kein  Drehungs- 
vermögen zeigt,  so  sind  das  natürliche  und  künstliche  Salicin 
wieder  isomer,  und  der  Fall  derselbe  wie  in  der  zuletzt  erwähn* 
ten  Arbeit  von  Pasteur.  Hr. 


J.  Pelouzb.  Sar  une  nouvelle  matiere  sucree  extraite  des 
baies  de  sorbier.  c.  H.  XXXIV.  377-386f ;  Io»t,  1852.  p.  81-82 ; 
Ann.  d.  chim.  (3)  XXXV.  222-235;  Erdmamn  J.  LVI.  21-30;  Arch. 
d.  Bc.  phys.  XIX.  307-309;  Arch.  d.  Pharm.  (2)  LXXl.  187-189; 
Chem.  C.  Bl.  1852.  p.  257-260;  Linie  Ann.  LXXXIIL  47-57t; 
Chem.  Gaz.  1852.  p.  221-223. 

Hr.  Pelouze  hat  eine  neue  Zuckerart  in  den  Vogelbeeren 
entdeckt,  für  welche  er  den  Namen  Sorbin  vorschlägt.  Die  Ab- 
handlung selbst  enthält  das  Nähere  über  die  Darstellung  und 
die  chemischen  Eigenthümlichkeiten  des  Sorbins;  wir  wollen  uns 
aber  in  diesem  physikalischen  Bericht  darauf  beschränken,  die 
chemische  Zusammensetzung  desselben  anzuführen^  es  enthält 
nämlich  gleich  viel  Aequivalente  Kohlenstoff,  Wasserstoff  und 
Sauerstoff,  und  hat  folgende  procentische  Zusammensetzung 

Kohlenstoff  .    .    —  40,00 

Wasserstoff  .    •     =s    6,66    ' 

Sauerstoff  .  .  =  53,34 
100,00. 
Was  die  optischen  Eigenschaften  des  Sorbins  belrifll,  so 
dreht  es  die  Polarisationsebene  nach  links,  während  alle  andern 
bekannten  kryslallisirten  Zuckerarten  nach  rechts  drehen.  Und 
zwar  drehte  eine  Lösung  ,von  l,506s'  Sorbin  in  4,792^'  destillir- 
lern  Wasser  in  einer  213  Millimeter  langen  Röhre  bei  einer  Tem- 
peratur von  5®  die  Polarisationsebene  für  den  rolhen  Strahl  um 
20^  17'  nach  links,  woraus  sich  das  Drehungsvermögen  =  — 35^97 
ergiebt  Die  Art  der  Dispersion  ist  fast  ganz  dieselbe  wie  für 
Quarz  und  Zucker.    Das  DrehungsvermSgen  des  Sorbins  varurt 


2gg  22.    Gircolarpolarisation. 

mit  der  Temperatur  so  wenig,  dafs  man  keinen  bestimmten 
Schiurs  daraus  ziehen  kann.  Zusatz  von  Salzsäure  zu  der  wässri- 
genXösung  hat  keinen  Einflu£s  auf  das  Drehungsvermögen.  — 
Das  Sorbin  krystallisirt  sehr  schon  im  rhombischen  System;  es 
zeigt  rectanguläre  Oktaeder  (zwei  zusammengehörige  Paare),  die 
gemessen  werden  konnten.  fln 


BiOT  et  L.  Pasteur.     Observations  optiques  sur  la  populine 
et  la  salicine  artificielle.     CR.  XXXIV.  606.6j5t;  last.  j852. 

p.  129-130;  Cosmos  I.  39-40. 

Hr.  BiOT  hatte  von  Piria  Proben  von  Populin  und  dem 
daraus  künstlich  dargestellten  Salicin  erhalten,  und  theilt  nun 
die  Resultate  der  optischen  Beobachtungen  mit,  die  er  in  Ge- 
meinschaft mit  Hm.  Pasteur  an  denselben  angestellt  Piria  hatte 
zugleich  Hrn.  Biot  die  Mittheilung  gemacht,  dats  das  Populin 
in  Wasser  kaum  löslich  ist,  dafs  es  sich  etwas  vollkommner  in 
Alkohol  löst,  oder  in  einer  Mischung  von  Wasser  und  Essigsäure. 

Die  Art  der  Krystallisation  des  Populins,  des  künstlichen 
und  natürlichen  Salicins  wurde  untersucht,  indem  einige  Tropfen 
der  drei  verschiedenen  Lösungen  auf  einer  Glasplatte  unter  das 
Objectiv  eines  polarisirenden  mit  einem  empfindlichen  Gypsblätt- 
chen  versehenen  Mikroskops  gebracht  wurden.  Das  Populin 
krystallisirte  in  spitzen  Krystallen  ohne  bestimmte  Endigungs- 
flächen.  Sie  wirkten  auf  das  polarisirte  Licht,  und  veränderten 
die  dem  Gypsblätlchen  eigenthümliche  Farbe,  üben  also  selbst 
Doppelbrechung  aus.  Die  beiden  Salicin  krystallisiren  ganz 
gleich,  aber  verschieden  vom  Populin.  Die  Krystalle  bilden 
rectanguläre  Blättchen,  und  üben  ebenfalls  Doppelbrechung  aus. 

Das  Populin  wurde  nun  auf  sein  Drehungsvermögen  unter- 
sucht, und  es  zeigte  sich,  dafs  dasselbe  wirksam  sei,  und  die  Po- 
larisationsebene nach  links  ablenke.  Eine  alkoholische  Lösung 
wurde  bei  14®  bis  15®  mit  Populin  gesättigt,  dann  noch  etwas  über- 
schüssiger Alkohol  zugesetzt,  damit  das  Populin  nicht  zu  schnell 
herauskrystallisire,  und  so  das  Licht  durch  eine  Schicht  von 
513,85*"™  durchgelassen.  Wenn  auch  die  drehende  Wirkung  nicht 
grofs  war,  so  war  sie  doch  nicht  zu  verkennen;  sie  mochte  etwa 


BioT  u.  Pastkitr.  289 

1^®  betragen.  —  Das  künstlich  dargestellte  Salicin^  welches 
wegen  seiner  gröfseren  Löslichkeit  viel  leichter  zu  untersuchen 
war  als  das  Populin,  zeigte  vollkommene  Uebereinstimmung 
mit  dem  von  Boughardat  angegebenen  Verhallen  des  natfir- 
liehen  Salicins.  Die  Abweichung  betrug  —  10,3®^  während  unter 
gleichen  Verhältnissen  die  des  natürlichen  —  10,376®  betragen 
sollte.  Die  Drehung  geschieht  nach  links ,  und  die  Dispersion 
ist  ähnlich  der  beim  Zucker.  —  Hr.  Biot  sucht  nun  ferner  die 
gefundene  Uebereinstimmung  des  optischen  Verhaltens  von  Po- 
pulin  und  Salicin  anzuwenden  zur  Interpretation  der  chemischen 
Formel  des  Populina,  Dieselbe  ist 
C*»fl"0"  +  4(flO)  =  C»»J5r*»0'*+C"fl«0*4-2(flO), 

krystallisirtes  krystallisirtes   krystallisirte 

PopuUn  SaUcin       Benzoesäure 

d.  h.  sie  ist  die  Vereinigung  der  Formeln  für  krystallisirte  Ben- 
zoesäure, krystallisirtes  Salicin  und  2  Aequivalente  Wasser.  Nun 
deutet  das  optische  Verhalten  darauf  hin,  dafs  man  diese  drei 
Gruppen  im  Populin  als  präexislirend  anzunehmen  habe,  dafs  sie 
sich  nicht  erst  bilden  durch  eine  neue  Gruppirung  der  Molecüle. 
Von  den  drei  Gruppen  dreht  nämlich  das  Salicin  die  Polarisa- 
tionsebene nach  links,  während  die  beiden  andern  Körper  un- 
wirksam sind.  Der  durch  Vereinigung  aller  drei  Gruppen  ent- 
stehende Körper  mufs  also  ebenfalls,  wenn  auch  in  geringerem 
Maafse,  die  Polarisationsebene  nach  links  drehen.  Dies  ist  in  der 
That  der  Fall.  Dafs  aber  das  Populin  so  sehr  viel  weniger  dreht 
als  das  Salicin,  und  als  man  von  dem  Einflufs  der  beiden  un- 
wirksamen Körper  erwarten  sollte,  rührt  daher,  dafs  das  Populin 
viel  weniger  löslich  ist  als  das  Salicin.  —  Diese  Hypothese  der 
Präexistenz  des  Salicins  im  Populin  wird  noch  unterstützt  durch 
das  Verhalten  zu  Schwefelsäure.  Concentrirte  Schwefelsäure  löst 
das  Salicin  auf,  und  Färbt  sich  damit  blutroth;  wird  ein  Tropfen 
Schwefelsäure  auf  Populin  gegossen,  so  färbt  er  sich  ebenfalls 
blutroth,  während  dagegen  Benzoesäure  nicht  dies  Verhalten  zur 
Schwefelsäure  zeigt  Ar. 


Fortschr.  d.  Pbys.  YUl.  19 


290  ^^'     Circularpolarisatioo. 

L.PA8TECR.  Nouvelles  recherches  sar  les  relations  qai  peu- 
veot  exister  entre  la  forme  cristalline,  la  composition 
cbimique  et  le  ph^Domene  rotatoire  mol^culaire.  c«  R. 
XXXV.  176 -183t;  Erdmakn  J.  LVIII.  1-9;  Sillimaw  J.  (2)  XV. 
109-110;  Liebig  Ann.  LXXXIV.  157-160;  Chem.  C.  Bl.  1852. 
p.  785-789;  Ann.  d.  cliim.  (3)  XXXVIII.  437-483. 

Hr.  Pasteur  hat  im  Laufe  seiner  Untersuchungen  mehrere 
Körper  getroffen,  die  voUflachige  Krystallformen  zeigen,  und  den- 
noch die  Polarisationsebene  drehen,  und  wirft  sich  jetzt  die  Frage 
auf,  ob  das  Drehungsvermögen  aller  Substanzen  nicht  stets  von 
hemiedrischen  Krystallformen  begleitet  sei,  und  ob  in  jenem  Fall, 
wo  wirksame  Körper  vollflächige  Formen  haben,  die  hemiedri- 
schen Flächen  nicht  blofs  zufällig  fehlen,  und  durch  veränderte 
Verhältnisse  der  Krystallisation  hervorgerufen  werden  können. 
Dies  ist  wirklich  der  Fall  beim  doppeltäpfelsauren  Kalk,  doppelt- 
äpfelsauren  Ammoniak,  Tartramid  und  doppeltweinsauren  Am* 
moniak.  Der  doppeltäpfelsaure  Kalk  kryslallisirt  aus  Wasser 
nie  mit  hemiedrischen  Flächen,  während  der  aus  Salpetersäure 
krystallisirte  solche  besitzt,  und  dieselben  sogar  bei  einer  ge\vi's- 
sen  Concentration  entschieden  vorherrschen.  Beim  doppeltäpfel- 
sauren Ammoniak,  das  aus  Wasser  und  Salpetersäure  ohne  he- 
miedrische  Flächen  kryslallisirt,  bringt  man  dieselben  hervor, 
wenn  man  die  Lösung  bis  zur  begmnenden  Zersetzung  erhitzt. 
Das  Tartramid  krystallisirt  mit  hemiedrischen  Flächen,  wenn  man 
zu  der  Lösung  einige  Tropfen  Ammoniak,  und  das  doppeltwein- 
saure  Ammoniak,  wenn  man  zur  Lösung  einige  Tropfen  doppelt- 
weinsaures  Natron  zusetzt.  —  Aufserdem  entdeckte  Hr.  Pasteur 
noch  an  folgenden  wirksamen  Substanzen  hemiedrische  nicht 
congruente  Flächen:  am  Amid  der  rechts  und  links  drehenden 
Weinsäure,  an  der  rechten  und  linken  Aminsäure,  dem  valerian- 
sauren  Morphin,  dem  rechts  drehenden  weinsauren  Cinchonin 
und  dem  salzsauren  Papaverin. 

Aufserdem  theilt  Hr.  Pasteur  die  Resultate  von  Untersu- 
chungen mit,  welche  das  Verhalten  der  Rechts-  und  Linkswein- 
säure ii^  Verbindung  mit  wirksamen  Körpern  zum  Ziele  haben. 
In  frühem  Abhandlungen  hatte  Hr.  Pasteur  gezeigt,  dafs  die 
beiden  genannten  Sauren  sich  in  allen  ihren  Verbindungen  mit 


Pastiitr,  (ggf 

unwirksamen  Körpern .  physikalisch  und  chemisch  in  allen  Be« 
siehungen  vollkommen  gleich  verhalten  mit  einsiger  Ausnahme 
des  Drehungsvermögens  und  der  hemiedrischen  Krystallformen. 
Das  Drehungsvermögen  ist  zwar  quantitativ  bei  beiden  dasselbe, 
geschieht  aber  in  entgegengesetztem  Sinn,  und  die  hemiedrischen 
Formen  verhalten  sich  zu  einander  wie  rechts  und  links.  Diese 
vollkommene  Uebereinstimmung  hört  aber  auf,  sobald  man  die 
beiden  Säuren  oder  ihre  Verbindungen  mit  wirksamen  Körpern 
in  Verbindung  bringt  So  z.  B.  verbindet  sich  zwar  das  Amid 
der  rechts  und  links  drehenden  Weinsäure  mit  dem  wirksamen 
Amid  der  gewöhnlichen  Aepfelsäure,  aber  Krystaliform  und  Lös- 
lichkeit dieser  beiden  neuen  Verbindungen  sind  verschieden. 
Die  Rechtsweinsäure  bildet  mit  dem  Asparagin  eine  in  schönen 
Kryslallen  darstellbare  Verbindung,  die  Linksweinsäure  dagegen 
eine  syruparlige  Flüssigkeit  Das  rechtsweinsaure  Cinchonin  löst 
sich  leicht  in  absolutem  Alkohol,  das  linksweinsaure  löst  sich 
darin  sehr  wenig.  Das  erstere  beginnt  sich  zu  färben  schon  bei 
100^  das  zweite  erst  bei  140^  Eben  so  verschiedene  Verbindun- 
gen gaben  die  rechts-  und  linksweinsauren  Salze  von  Chinin, 
Brucin  und  Strychnin.  —  Man  erhält  durch  diese  Resultate  Hrn. 
Pastbur's  ein  Mittel,  sich  von  einer  Substanz  zu  überzeugen,  ob 
sie  wirksam  oder  unwirksam  ist,  ohne  dieselbe  im  Polarisalions- 
apparat  zu  beobachten;  man  braucht  blofs  zu  untersuchen,  ob 
dieselbe  mit  Rechts  -  und  Linksweinsäure  oder  mit  irgend  zwei 
andern  Körpern,  die  sich  blofs  durch  Drehungsvermögen  und 
hemiedrische  Krystallformen  unterscheiden,  Verbindungen  bilde 
von  derselben  Krystaliform,  derselben  Löslichkeit,  kurz  von  den- 
selben physikalischen  und  chemischen  Eigenschaften,  oder  nicht. 
Im  ersten  Fall  wird  die  zu  untersuchende  Substanz  unwirksan^ 
im  zweiten  wird  sie  wirksam  sein.  Hn 


19*   - 


292  '^'^'     CircularpolarisatioD. 

BioT.  Experiences  ayant  pour  bul  d'ötablir  que  les  sub- 
stances  douöcs  de  pouvoir  rotaloire,  lorsqu'ellcs  sont 
dissoutes  dans  les  milieux  inaclifs  qui  ne  les  attaquent 
pas  chimiqiiement,  contracteat  avec  eux  une  combinaison 
passagäre,  saos  proporlions  fixes,  laquelle  impressionne 
toute  leur  masse  et  subsiste  tant  que  le  Systeme  mixte 
conserve  T^tat  de  fluidit6.     c.  R.  XXXV.  233-241;  Ann.  d. 

chim.  (3)  XXXVI.  257-320t;  Libbig  Ann.  LXXXIV.  160-166. 

Bei  seinen  ersten  Versuchen  mit  circular  polarisirenden  Sub* 
stanzen  (vom  Jahre  1815  bis  1832)  hatte  Hr.  Biot  bekanntlich 
gefunden,  dafs  sie,  in  einem  unactiven  Lösungsmittel  gleichsam 
wie  in  einem  indifferenten  Räume  vertheilt,  die  Polarisations- 
ebenen der  verschiedenen  Strahlen  proportional  der  in  Lösung 
befindlichen  Gewichtsmenge  der  optisch  wirksamen  Substanz  ab- 
lenken, und  dafs  die  Dispersion  der  Polarisationsebenen  nahezu 
im  umgekehrten  Verhältnirs  wie  das  Quadrat  der  Wellenlängen 
der  einzelnen  Farbenstrahlen  sich  befindet  Als  Anhaltspunkt  für 
die  Vergleichung  des  Drehungsvermögens  verschiedener  Sub- 
stanzen hat  Hr.  Biot  das  specifische  Drehungsvermögen, 
d.  h.  die  Ablenkung,  welche  eine  polarisirende  Substanz  in  der 
Einheit  ihrer  Menge,  beobachtet  durch  die  Einheit  der  Dicken- 
Schicht  bei  einer  bestimmten  Temperatur,  einem  Strahl  von  be- 
kannter Brechbarkeit  mittheilt,  (er)  genannt:  und  es  ist,  wenn  a 
die  beobachtete  Drehung  in  einer  Flüssigkeitssäule  von  der 
Länge  /  und  dem  specifischen  Gewicht  d,  worin  e  Gewicbtsan- 
theile  der  drehenden  Substanz  gelöst  sind,  bedeutet, 

<«>  =  JTd' 

Ist  daher  das  zweite  Glied  durch  den  Versuch  ermittelt,  so  läfsl 
sich  natürlich  auch  (o),  wie  o,  in  Graden  ausdrücken  und  (a) 
mu£s  bei  den  auf  die  verschiedenste  Weise  in  /,  €  und  d  abge- 
änderten Versuchen  bei  derselben  Substanz  constant  bleiben,  und 
man  wird  endlich  durch  Umkehrung  der  Gleichung  auch  a  für 
gewisse  willkürlich  gewählte  Verhältnisse  von  2,  e  und  d  be- 
rechnen können,  wenn  nur  durch  einen  einzigen  Versuch  vor* 
her  (a)  ermittelt  worden  ist;  denn 


üioT.  293 

Diesem  Gesetze  waren  die  im  Beginn  untersuchten  Stoffe, 
wie  die  Zuckerarten,  Gummi,  Dextrin  u.  s.  w.,  gefolgt.  Aber  bei 
der  Weinsäure  zeigte  sich  zuerst  eine  wesentliche  Abweichung, 
indem  ihr  specifisches  Drehungs vermögen  in  dem  Maafse,  wie 
ihre  Lösung  in  Wasser,  Alkohol  oder  Holzgeist  verdünnt  wurde, 
zunahm,  und  zwar  in  ungleichem  Verhällnifs  für  die  verschieden 
brechbaren  Sirahlen,  so  dafs  deren  Schwingungsebenen  ganz  an- 
ders wie  bei  den  andern  optisch  wirksamen  Substanzen  zerstreut 
wurden,  und  daher  bei  Drehung  des  analysirenden  Prismas  (wenn 
weifses  Licht  angewendet  wurde)  eine  ganz  andere  Färbung  der 
Bilder  zum  Vorschein  kam  als  bei  Versuchen  mit  Zucker,  Dex- 
trin u.  s.  w.  Die  erwähnte  Abweichung  von  dem  zuerst  gefun- 
denen Gesetz  für  die  Drehung  activer  Substanzen  ist  in  einer 
Keihe  sorgrältiger  Versuche  von  Hrn.  Biot  einem  weitern  Stu- 
dium unterworfen,  und  hat  ihrerseits,  so  weit  die  Schwierigkeit 
der  Beobachtung  es  zuheCs,  zu  der  Aufstellung  einiger  allgemei- 
ner Sätze  geführt,  die  theils  das  specifische  Drehungsvermögen 
der  Weinsäure  betreffen  und  schon  in  diesem  Jahresbericht  (1849. 
p.  164)  angedeutet  sind,  theils  die  Modification  in  der  Dispersion 
angehen.  Während  nämlich  die  Lösungen  von  Zucker  und  zu 
dieser  Gruppe  gehörigen  Substanzen  die  Polarisationsebenen  der  . 
einfachen  Farbenslrahlen  im  Allgemeinen  proportional  der  Brech- 
barkeit derselben  dispergiren,  und  daher  im  Analysator  farbige 
Bilder  derselben  Art  und  Reihenfolge  wie  eine  senkrecht  auf  die 
Axe  geschnittene  Quarzplatte  geben,  kehrt  eine  Weinsäurelösung, 
wie  oben  erwähnt,  die  Dispersion  um,  und  so  verdünnt  dieselbe 
auch  sein  mag,  so  zeigt  sich  stets,  dafs  die  am  meisten  abge- 
lenkten Polarisationsebenen  den  grünen,  die  am  wenigsten  ab- 
gelenkten den  rothen  Strahlen  angehören;  die  andern  vertheilen 
sich  innerhalb  dieser  Gränzen,  und  zwar  in  einer  Reihenfolge, 
welche  je  nach  der  Concentration  der  Lösung  wechselt.  Fügt 
man  aber  zu  einer  solchen  Weinsäurelösung  nur  ^^^  Borsäure, 
so  hört  jene  Unregelmäfsigkeit  in  der  Dispersion  wieder  auf,  und 
es  tritt  wieder  dieselbe  Reihenfolge  der  Farben  wie  beim  Quarz, 
den  Zuckerlösungen  u.  s.  w.  ein.  Dasselbe  geschieht,  wenn  zu 
der  Weinsäurelösung  kräftige  Basen,  z.  B.  Kali,  Natron  und  Am- 
moniak, gefügt  werden.    So  wie  es  nun  gelungen  war,  ein  all- 


294  22.     CircularpolarisMtion.  ^ 

gemeines  Gesetz  für  das  abweichende  specifische  Drehungsver- 
mSgen  des  binären  flüssigen  Systems  der  in  Wasser  gelösten 
Weinsäure  zu  finden,  so  liefs  sich  in  dem  lernären  System  von 
Wasser,  Weinsäure  und  Borsäure  dasselbe  finden,  indem  man 
es  einmal  als  ein  binäres  System  von  weinsaurem  Wasser  und 
wechselnden  Mengen  Borsäure,  das  andere  Mal  als  ein .  binäres 
System  von  weinsaurer  Borsäure  und  wechselnden  Mengen  Was- 
ser betrachtete.  Und  so  läfst  sich  das  specifische  Drehungs- 
yermögen  jeder  acliven  Substanz  ermitteln,  welche  mit  zwei 
andern  inactiven  auf  die  erstere  nicht  chemisch  wirkenden  Sub* 
stanzen  zu  einem  ternären  System  vereinigt  ist. 

Die  bisher  angeführten  Thatsachen,  die  Weinsäure  betref- 
fend, machten  es  wahrscheinlich,  dafs  die  sogenannten  in- 
activen Substanzen  nicht  wirklich  inaclive  seien,  son- 
dern dafs  sie  auf  die  optisch  wirksame  Substanz  einen 
Einflufs  ausüben,  der  sich  in  der  Aenderung  des  Drehungs- 
vermögens kund  giebl;  sonst  wäre  es  nicht  erklärbar,  wie  in  ver- 
dünnteren  Lösungen,  also  bei  Steigerung  der  inacliven  Substanz, 
eine  Verstärkung  des  Drehungsvermögens  eintreten  könnte.  Wenn 
dieses  aber  der  Fall  ist,  so  mufs  man  wohl  jene  Annahme  als 
eine  allgemeine  hinstellen;  und  die  davon  abweichenden  Beob- 
achtungen an  den  Zucker-,  Gummi-,  Dextrinlösungen  bilden 
entweder  nur  die  Ausnahme  vom  Gesetz,  oder  sie  fügen  sich 
ihm  wirklich;  und  dann  hätte  man  dies  nur  bisher  übersehen. 
Für  die  Einwirkung  der  inactiven  Substanz  auf  die  activen  Mole- 
cüle  sprachen  nicht  nur  die  zahlreichen  Versuche  des  Hrn.  Biot 
mit  der  weinsauren  Thonerde  und  andern  weinsauren  Salzen, 
sondern  auch  die  Pasteur's  mit  der  Linksweinsäure  und  den 
Kalksalzen  der  beiden  Weinsäuren  (s.  Beri.  Ber.  1849.  p.  175). 
Hr.  Biot  entschlofs  sich  daher  zur  Wiederaufnahme  seiner  älteren 
Versuche  mit  Zucker,  Terpenthinöl,  Kampher  und  Kamphersäure 
in  der  Hofihung,  dafs  die  in  der  Zwischenzeit  verbesserten,  für 
feinere  Beobachtung  geeigneteren  Apparate  Aufschluß  über  die 
Frage  geben  würden.  In  der  That  hat  sich  das  Resultat  heraus- 
gestellt, dafs  auch  das  Wasser  und  andere  inactive  Körper  auf 
die  Molecüle  der  genannten  activen  Substanzen  nicht  ohne  Einflub 
sind;  nur  ist  derselbe  nicht  bei  allen  auf  gleiche  Weise  in  die. 


BioT.  296 

Augen  fallend,  namentlich  da  nichti  wo  die  active  Sabslans  nur 
geringe  Löslichkeit  besitzt,  wie  z.  B.  bei  der  Kamphersäure. 

.  Ohne  die  zahlreichen  Beobachtungen  des  unermüdlichen  For- 
schers in  ihren  Einzelheiten  wiederzugeben,  reiche  es  hin  das 
Resultat  derselben  kurz  anzuführen  und  nur  die  Methode,  wel- 
che er  befolgte,  näher  auseinanderzusetzen. 

Das  Drehungsvermögen  des  Rohrzuckers  in  Wasser,  des  Ter- 
penthinöls  in  absolutem  Alkohol  und  Olivenöl  nimmt  zu  mit  stei- 
gender Menge  des  Lösungsmittels;  bei  Lösung  des  Terpenthin- 
öls  in  Alkohol  ist  der  Unterschied  auffallender  als  bei  Lösung 
in  Olivenöl;  auch  ist  die  Einwirkung  des  Olivenöls  erst  nach 
längerer  Berührung  mit  dem  Terpenthinöl  deutlich  bemerkbar. 
Am  auffallendsten  zeigte  eine  Aenderung  des  Rotationsvermögens 
der  natürliche  Kampher  (Lauriqeenkampher)  sowohl  in  alkoholi- 
scher, als  auch  in  essigsaurer  Lösung;  mit  zunehmender  Menge 
des  inactiven  Lösungsmittels  verminderte  sich  die  Drehungskraft 
Dazu  kommt  die  bemerkenswerthe  Thatsache,  dafs  beide  Lösun- 
gen des  Kamphers  eine  von  der  des  Quarzes,  Terpenthinöls  u.  a. 
abweichende  Dispersion  haben,  welche,  nach  Hrn.  Bjot  auf  den 

rothen  und  gelben  Strahl  bezogen,  =  )^  =  |$  ist,  während  die 

(a)g 

des  Quarzes  etc.  IJ-  beträgt.  Diese  Thatsache  hat  Hr.  Biot  be- 
nutzt, um  drehende  von  Dispersion  fast  völlig  freie  Mischungen  her- 
zustellen, wie  in  dem  nachfolgenden  Bericht  weiter  auseinander* 
gesetzt  werden  wird.  Die  Veränderung  im  Drehungsvermögen  der 
Kamphersäure,  in  absolutem  Alkohol  gelöst,  war  zwar  zu  bemerken, 
aber  nur  schwach ;  denn  die  Schwankungen  in  den  Ablenkungen 
der  üebergangsfarbe  betrugen  nicht  mehr  als  -}-  0,5°.  Hr.  Biot 
läfst  es  daher  unentschieden,  ob  die  verdünnteren  Lösungen  der 
Kamphersäure  wirklich  eine  stärkere  Rolationskraft  haben  oder 
nicht  Die  Dispersion  der  Lösung  dieser  Säure  zeigte  dagegen 
keine  wesentliche  Abweichung  von  der  gewöhnlichen  des  Quar- 
zes etc.,  sondern  rr^  betrug  nahezu  H. 
(a)g  ^ 

Zwei  Methoden  sind  es,  deren  Hr.  Biot  sich  bediente,  um 
den  Einflufs  der  inactiven  Substanz  auf  eine  active  zu  ermittein. 
Die  eine  und  zwar  genauere  besteht  in  der  Ermittelung  des  spe- 
cifischen  Drehungs Vermögens  (a)  der  Substanz   für  einen  und 


296  22.     CircularpolarisatioD. 

denselben  einfachen  Strahl  bei  derselben  Temperatur  in  verschie- 
den verdünnten  Lösungen  derselben  inactiven  Substanz  nach  der 

oben  angeführten  Formel  («)  =  t^-  ^^^  andere  Verfahren,  wel- 
ches bequemer  ist,  und  sehr  in  die  Augen  fallende  Empfindlich- 
keit für  etwaige  Aenderung  der  Rotationskraft  besitzt,  besteht  in 
der  Vergleichung  der  Ablenkungen,  welche  die  aclive  Substanz 
in  verschieden  verdünnten  Lösungen  einem  Strahl  von  bestimmter 
Brechbarkeit  ertheilt,  wenn  die  Lösungen  derartig  angefertigt  sind, 
dafs  der  eindringende  polarisirte  Strahl  in  jeder  derselben  eine 
gleiche  Anzahl  Atome  der  activen  Substanz  zu  durchlaufen  hat 
Unter  diesen  Umständen  wird,  vorausgesetzt  dafs  die  inactive 
Substanz  wirklich  keinen  Einflufs  auf  die  active  ausübt,  die  Ueber- 
gangsfarbe  (teinte  de  passage)  des  einen  Rohrs  durch  successives 
Einschalten  eines  zweiten,  dritten  u.  s.  w.  von  verschiedener  Länge 
an  die  Stelle  des  ersten  keine  Aenderung  erfahren,  wenn  auch 
das  zweite  und  dritte  Rohr  absolut  mehr  von  der  inactiven  Sub- 
stanz enthalten.  Ist  aber  die  inactive  Substanz  von  Einflufs  auf 
die  active,  so  werden  sich  selbst  kleine  Aenderungen  in  der  Dre- 
hung schon  dadurch  an  der  Uebergangsfarbe  bemerklich  machen, 
dafs  di^se  entweder  zu  blau  oder  zu  roth  schaltirt  erscheint,  je 
nachdem  die  Lösung  im  zweiten  Rohr  mehr  oder  weniger  die 
Polarisationsebene  ablenkt  als  die  im  ersten  Rohr.  Man  stellt  als- 
dann bei  Beobachtung  des  zweiten,  dritten  u.  s.  w.  Rohrs  den  Ana- 
lysator wieder  genau  auf  die  Uebergangsfarbe  ein,  und  vertauscht 
hierauf  das  zweite  oder  dritte  Rohr  mit  dem  ersten  und  so  /ort, 
um  durch  wiederholte  Vergleichung  sich  über  etwaige  sehr  geringe 
Abweichungen  in  der  Drehung  zu  vergewissern. 

Diese  Methode  ist  nicht  nur  für  alle  Substanzen  anwendbar, 
welche  dieselbe  Dispersion  wie  der  Quarz,  Zuckerlösungen  etc. 
besitzen,  sondern  auch  für  solche,  deren  Zerstreuungsgesetz  merk- 
lich von  dem  des  Quarzes  verschieden  ist,  vorausgesetzt  nur,  dafs 
die  Polarisationsebenen  der  verschiedenen  einfachen  Strahlen  sich 
in  derselben  Reihenfolge  vertheilt  finden  (wovon  gerade  die  bei* 
den  Weinsäuren  eine  Ausnahme  machen).  Denn  da,  die  eben 
genannte  Ausnahme  bei  Seite  gesetzt,  die  Ablenkungen  mit  der 
Brechbarkeit  der  Strahlen  wachsen,  so  werden,  wenn  der  Haupt- 


BioT.  g97 

schnitt  des  Analysators  mit  der  mittleren  Linie  zwischen  allen 
den  zerstreuten  Polarisationsebenen  zusammenfallt,  die  äufsersten 
Spectralfarben  Violett  und  Roih  reichlicher  in  dem  Bilde  ent- 
halten sein  als  alle  übrigen  und  man  wird  also  eine  Mischfarbe 
aus  diesen  beiden,  eine  Uebergangsfarbe,  erhalten,  welche  als 
Vergleichungspunkt  dient  wie  in  dem  vorher  erwähnten  Falle. 

Um  sich  die  Flüssigkeiten  verschiedener  Concentralion  Be- 
hufs der  Vergleichung  ihrer  Drehkraft  darzustellen,  giefst  man  in 
ein  nach  gleichen  Raumtheilen  calibrirtes  Gefafs  die  in  irgend 
einem  inactiven  Lösungsmittel  gelöste  active  Substanz,  deren 
Ablenkungsvermögen  zuerst  für  einen  bekannten  Strahl  in  einer 
Röhre  von  der  Länge  L  bestimmt  ist,  bis  zu  einem  gewissen 
Theilstrich  ein,  und  fügt  alsdann  von  dem  Lösungsmittel  noch  so 
viel  hinzu,  als  erforderlich  ist,  um  für  denselben  Strahl  dieselbe 
Ablenkung  in  einer  Röhre  von  der  Länge  V  zu  erhalten.  Da 
die  Ablenkung  proportional  mit  der  Länge  der  vom  Strahl  durch- 
laufenen Flüssigkeitsschicht  zunimmt,  so  hat  man,  wenn  m  die 
Anzahl  Theilstriche  der  ursprünglichen  Lösung,  und  mf  die  Theil* 
striche  nach  vollendeter  Verdünnung  bezeichnen, 

—  =  -7- ,        also        m!  ^  m-T' 
m        L  L 

Dafs  bei  der  Verdünnung  einer  activen  Lösung  die  gröfste 
Vorsicht  gebraucht  werden  mufs,  sowohl  beim  Eingiefsen  dersel- 
ben in  4ie  Bürette  als  auch  beim  Zusatz  des  Verdünnungsmittels, 
damit  nicht  etwas  an  die  Wände  verspritze,  dafs  ferner  bei  Ab- 
messung bis  zu  m'  Theilstrichen  auch  auf  eine  etwaige  Verdich- 
tung Rücksicht  genommen  werden  mufs,  dafs  endlich  die  Tempe- 
ratur eine  gleiche  sein  mufs,  braucht  kaum  angedeutet  zu  werden. 
Aber  es  ist  wohl  zu  bemerken,  dafs  ein  Beobachter,  der  sich  des 
diffusen  Tageslichts  bedient,  sich  um  mehrere  Theilstriche  am 
Vemier  des  Apparats  irren  kann,  wenn  der  Himmel  sehr  trübe  ist 

Aus  der  Thatsache,  dafs  inactive  und  chemisch  indifferente 
Lösungsmittel  das  Drehungsvermögen  activer  Substanzen  zu  mo- 
dificiren  im  Stande  sind,  zieht  nun  Hr.  Biot  den  Schlufs,  dafs 
letztere  mit  den  ersteren  vorübergehende  (passageres)  Verbin- 
dungen eingehen,  aber  nicht  in  stöchiometrischen  Verhältnissen 
(«ans  proportions  fixes)  und  wechselnd  je  nach  der  Concentration 


298  ^2.     Circularpolarisation. 

(variables  avec  le  dosage).  Demnach  mufs  es  eine  unbeschränkte 
Anzahl  solcher  Verbindungen  geben,  die  wir  freilich  bei  zuneh- 
mender Verdiinnung  mittelst  der  uns  zu  Gebote  stehenden  Hülfs- 
mittel  nicht  nachzuweisen  im  Stande  sind.  Wie  man  sich  vom 
chemischen  Standpunkt  aus  eine  Vorstellung  von  solchen  Ver* 
bindungen  in  nicht  bestimmten  Proportionen  machen  soll,  ist 
schwer  zu  sagen.  Jedenfalls  aber  erscheint  das  Polarisations- 
instrument als  ein  weit  feineres  Erkennungsmittel  molecularer 
Wirkungen  als  das  feinste  chemische  Reagens.  We. 


BioT.  Sur  rapplication  de  la  Ih^orie  de  rachromalisme  ä  la 
compensation  des  mouvements  angulaires  que  le  pouvoir 
rolatoire  imprime  aux  plaos  de  polarisation  des  rayons 
lumineux  d'inögale  r6frangibilit6.  c.  R.  XXXV.  613-621; 
Inst.  1852.  p.  349-349,  361-364;  Ann.  d.  clrim.  (3)  XXXVI.  405-489+; 
LiKBie  Ann.  LXXXIV.  166-173. 

Im  vorigen  Bericht  ist  schon  angedeutet,  dafs  das  ungleiche 
Dispersionsvermögen  verschiedener  activer  Körper  dazu  benutzt 
werden  könne,  um  aus  ihnen  fast  jeglicher  Dispersion  entbeh- 
rende Mischungen  darzustellen,  d.  h.  Lösungen,  die  den  polarisir- 
ten  Strahl  zwar  ablenken,  aber  nicht  mehr  im  Analysator  Farben- 
erscheinungen hervorrufen,  wie  es  jede  einzelne  in  der  Lösung 
enthaltene  active  Substanz  thun  würde.  Es  liegt  der  Herstellung 
solcher  achromatischer  Lösungen  dasselbe  Princip  zu  Grunde 
wie  der  Zusammensetzung  achromatischer  Prismen  (z.  B.  aus 
Flint-  und  Kronglas),  und  es  zeigt  sich  bei  ihnen  auch  dieselbe 
Erscheinung  wie  bei  diesen,  dafs  nämlich  in  der  Regel  die  Achro- 
masie nicht  völlig  ist  wegen  der  nicht  vollkommen  gleichen  Pro- 
portionalität der  Räume,  welche  die  zerstreuten  Farben  der  beiden . 
combinirten  Substanzen  einnehmen;  es  sind  daher  die  bekannten 
gefärbten  Säume  (die  secundären  Speclra)  sichtbar,  wenn  man  den 
aus  einer  solchen  achromatischen  Mischung  austretenden  Strahl 
durch  ein  achromatisirt^s  doppeltbrechendes  Prisma  betrachtet. 
Nur  einen  Fall  durchaus  proportionaler  Dispersion  giebt  es,  wenn 
nämlich  Rohrzuckeriösung  und  die  Lösung  des  aus  demselben 
Zucker  durch  Salzsäure  umgewandelten  linka  drehenden  Zuckers 


BioT.  299 

mit  einander  verbunden  werden.  Aber  eigentlich  fallt  auch  dies 
Beispiel  nicht  genau  in  die  obige  Kategorie,  da  nämlich  in  den 
beiden  Zuckerlösungen  die  Dispersion  genau  der  Ablenkung  pro- 
portional ist,  also  auch  mit  aufgehobener  Dispersion  die  Ablen- 
kung verschwindet,  und  alles  Licht  in  die  ursprüngliche  Schwin- 
gungsebene zurückkehrt. 

Unter  den  activen  Körpern  sind  es  bis  jetzt  nur  zwei,  welche 
eine  so  unregeimäfsige  Dispersion  haben,  dafs  die  Ablenkung 
nicht  conslant  mit  der  Brechbarkeit  der  einzelnen  Farbenstrahlen 
wächst,  also  die  Farbenräume  des  Bildes  unregelmäfsig  durch 
einander  verlheilt  sind^  indem  einige  Schwingungsebenen  selbst 
nach  entgegengesetzter  Achtung  als  andere  abgelenkt  sein  kön- 
nen; das  sind  die  beiden  Weinsäuren  und  ihre  Salze.  Alle  an- 
^  dern  activen  Substanzen  bieten  für  sich  jene  Unregelmäfsigkeit 
nicht  dar,  wohl  aber  wenn  man  verschiedene  derselben  in  Lö- 
sungen bringt,  und  zwar  entweder  in  besonderen  Röhren,  von 
denen  man  eine  hinter  die  andere  stellt,  oder  auch  gemeinschaft- 
lich in  ein  und  derselben  Röhre.  Die  Atome  der  verschiedenen 
activen  Körper  verrichten  hier  die  Dienste  von  Prismen  aus  ver- 
schiedenen Stoflfen.  Will  man  nun  mittelst  zweier  activen  Sub- 
stanzen eine  möglichst  achromatische  Lösung  hervorbringen,  so 
müssen  natürlich  zuerst  das  Drehungs  -  und  Zerstreuungsvermö- 
gen jeder  der  activen  Substanzen,  die  man  zu  combiniren  gedenkt, 
ermittelt  werden,  und  zwar  wo  möglich  im  freien  Zustande  oder, 
wenn  dies  nicht  angeht,  in  solchen  inactiven  Lösungsmitteln,  die 
iso  wenig  als  möglich  die  eigenthümliche  Wirkung  derselben  mo* 
dificiren.  Man  prüft  alsdann,  ob  sich  unter  den  Mischungen 
solche  finden,  welche  in  angemessenen  Dickenschichten  die  Po-r 
larisationsebenen  des  weifsen  Lichts  in  gleiche  Farbenräume  zer- 
streuen, und  ihnen  dabei  eine  absolute  ungleiche  Ablenkung  im 
entgegengesetzten  Sinne  ertheilen.  Eine  einfache  Rechnung  über 
die  einzelnen  beobachteten  Thatsachen  lehrt  bald,  ob  sich  solche 
Mischungen  vorfinden.  Es  ist  aber  nach  den  jüngsten  Beobachtun- 
gen Hrn.  Biot's  wohl  darauf  zu  achten,  dafs,  wenn  das  Rotations^ 
vermögen  einer  Substanz  nicht  anders  als  in  der  Lösung  irgend 
eines  inactiven  Körpers  ermittelbar  ist,  diese  Bestimmung  mit  der 
gröfsten  Umsicht  geschehen  mufs  und  immer  in  der  Voraussetzung, 


300  -«•     Circuiarpolarisntion. 

dafs  die  innclive  Substanz  einen  Einflufs  auf  die  aclive  ausübt. 
Und  da  dieser  Einflufs  sogar  bei  verschiedenen  inactiven  Lösungs- 
mitteln auf  dieselbe  Substanz  sehr  ungleich  ist  (wie  z.  ß.  wenn 
Kampher  in  Alkohol  oder  in  Essigsäure  gelöst  ist),  so  mufs  aus 
verschiedenen  Reihen  solcher  Lösungen  das  den  Modificationen 
des  Drehungsvermögens  zu  Grunde  liegende  Gesetz  ermiltelt  und 
mit  Hülfe  dessen  das  wahre  Rolationsvermögen  abgleitet  wer- 
den. Dies  ist  um  so  nothwendiger,  wenn  man  eine  achromatische 
Flüssigkeit  herstellen  will  durch  Lösung  eines  festen  activen 
Körpers  in  einer  ebenfalls  activen  flüssigen  Substanz ,  z.  B.  4es 
Kamphers  in  Terpenthinöl.  Bei  den  letztgenannten  Substanzen  tritt 
zufällig  eine  Veränderung:  des  specifi%phen  Drehungsvermögens 
nicht  ein,  sondern  der  Kampher  löst  sich  im  Terpenthinöl  gleich 
wie  in  einer  völlig  indifierenten  Flüssigkeit  auf,  und  man  erhält 
nahezu  die  reinen  optischen  Wirkungen  dieses  gemischten  Sy- 
stems, wie  man  sie  nfich  den  bekannten  Werthen  für  deren  Ro- 
tationsvermögen und  für  die  in  Lösung  gebrachten  Mengen  bei- 
der Körper  erwarten  kann. 

Die  Dispersion  einer  activen  Substanz  bestimmt  Hr.  Bior, 
wie  aus  seinen  frühern  Arbeiten  als  bekannt  vorausgesetzt  werden 
darf,  aus  der  Ablenkung  des  rothen  Strahls  r  (durch  ein  rothes 
Kupferoxydulglas  beobachtet)  und  des  gelben  Strahls  g  (beobach- 
tet in  der  teinte  de  passage,  welche  nach  seiner  Annahme  stets 
erscheint,  sobald  der  Hauptschnitt  des  Analysators  auf  die  mittlere 
Polarisationsebene  des  gelben  Strahls  gerichtet  ist);  das  Verhält- 
nifs  dieser  beiden  Ablenkungen  ist  beim  Quarz  =  ||.,  und  bei  den 
bisher  bekannten  activen  Substanzen,  deren  Rotationskraft  mit 
Ausnahme  der  Weinsäure  proportional  der  Brechbarkeit  zunimmt, 
eine  Zahl,  die  zwischen  |{  und  ü-  schwankt 

Will  man  nun  ein  achromatisches  System  aus  zwei  activen 
Flüssigkeiten,   die  in  gesonderten  Röhren  hinter  einander  beob- 

üchtet  werden  und  deren  Dispersion  —  und  -7-  ermittelt  ist,  zu- 

sammensetzen,  so  ergiebt  sich  das  Verhältnifs  der  Längenschichten 
e  und  ef,  die  man  anwenden  mufs,  aus  der  Gleichung 

e'(i^'-r')  +  e(^-r)  =  0, 
welche  die  Bedingung  für  das  Zusammenfallen  der  beiden  rothen 


BioT.  30  < 

und  der  beiden  gelben  Strahlen,  also  für  die  aufgehobene  Dis- 
persion, enthält.  Es  ergiebt  sich  zugleich  daraus,  dafs  diesen 
Bedingungen  nur  Genüge  geschehen  kann,  wenn  die  beiden  acti- 
ven  Flüssigkeilen  ein  entgegengesetztes  Drehungsvermögen  be- 
sitzen, also  g — r  und  g^ — r'  entgegengesetzte  Vorzeichen  be- 
kommen. Soll  ein  solches  System  eine  vollständige  Achromasie 
hervorbringen,  so  wird  freilich  vorausgesetzt,  dafs  ebenso  wie 
der  rothe  und  gelbe  zu  einander,  auch  alle  andern  Strahlen  bei- 
der Flüssigkeiten  ein  zu  g  und  r  proportionales  Zerslreuungs- 
verhältnifs  in  den  gewählten  Längenschichten  ^  und  e  (aus  obi- 
ger Gleichung  berechnet)  besitzen.  Dies  ist  in  der  That  bei 
manchen  drehenden  Substanzen  in  so  ausgezeichnetem  Maafse  der 
Fall,  dafs  man  in  einem  aus  ihnen  zusammengesetzten  System 
keine  Spur  von  Färbung  an  dem  analysirten  Bilde  wahrzunehmen 
vermag.  Eben  so  vollkommen  ist  die  Compensation,  wenn  man 
zwei  solcher  Flüssigkeiten  zusammengiefst  und  zwar  in  zu  r  und  r' 
umgekehrt  proportionalen  Raumtheilen  v  und  tf  (vorausgesetzt,  dafs 
beide  ihr  specifisches  Rotationsvermögen  nicht  gegenseitig  mo- 
dificiren)  und  sie  dann  in  einer  und  derselben  Röhre  beobachtet. 

Die  Versuche,  welche  Hr.  Biot  angestellt  hat,  erstrecken 
sich  auf  Combination  des  Terpenthinöls  mit  Kampher  in  essig- 
saurer oder  alkoholischer  Lösung  in  gesonderten  Röhren,  und  auf 
Lösung  des  Kamphers  in  Terpenthinöl  in  derselben  Röhre. 

Das  ausPinus  maritima  gewonnene  Terpenthinöl  war  mehr- 
mals über  Kalk  rectiGcirt,  hatte  bei  22,75®  C,  ein  spec.  Gewicht 
=  0,861775  (Wasser  von  derselben  Temperatur  =  1  gesetzt), 
und  gab  in  einer  150,9  «""  langen  Röhre  bei  14* 
«r  «  —44,8*  =  2l  =  23,7876 

a^  =  — 56,5  ^*        ctg  30      ' 

0,655061  Th.  krystallisirter  Kampher  in  0,444939  Th.  Essigsäure 
gelöst,  gab  eine  Flüssigkeit  von  1,009295  spec.  Gewicht  bei  11* 
und  in  einer  197,95™"  langen  Röhre 

«r  =  +40,15  r  _   «'•   _  19,9091 

a^  = +60,50  ^  --^ 30— 

Als  durch  diese  beiden  Röhren  die  Ablenkungen  des  rothen 
und  gelben  Strahls  beobachtet  wurden,  ergab  sich  als  Re- 
sultante 


304  ^^'     Circularpolarisation. 

• 

dert  wie  in  der  Essigsäure,  eine  schon  aus  frühem  Versuchen 
bekannte  Erscheinung. 

Die  allgemeinen  Schlufsfolgerungen  aus  den  sämmtlichen 
Experimenten  mit  den  Kampherlösungen  in  gesonderten  Rohren 
sind  nachstehende: 

Die  Gewichtsmengen  p  und  p^  von  zwei  drehenden  Flüssig- 
keiten, welche  sich  in  entsprechenden  cylindrischen  Röhren  von 
gleichem  Durchmesser  befinden  und  ihre  Dispersion  gegenseitig 
aufheben,  stehen  zu  einander  in  der  Relation 

e'd' 

worin  e  und  e'  die  Flüssigkeitssäulen,  d  und  d'  die  spec.  Gewichte 
derselben  bedeuten;  d.  h.  sie  verhalten  sich  wie  die  Producte 
aus  den  Längen  der  Flüssigkeitssäule  in  deren  spec.  Gewicht 
Bezeichnet  nun  p^  die  Menge  der  Kampherlösung,  und  ^  die 
Menge  Kampher  in  der  Einheit  dieser  Lösung,   so  ist  die  Ge- 

sammtmenge  des  in  p^  enthaltenen  Kamphers  tt  =  «'/i'  =  p^  —r-. 

Berechnet  man  n  nach  Hrn.  Biot's  Versuchen,  so  findet  man 
bestimmte  Zahlenwerthe  für  die  Relation  des  Brechungsvermö- 
gens des  Terpenthinöls  zum  Kanipher.  Diese  Werlhe  entspre- 
chen aber  nicht  dem  wahren  Rotationsvermögen  des  krystailisir- 
ten  Kamphers  für  sich,  wie  er  es  z.  B..im  geschmolzenen  Zu- 
stande zeigt,  sondern  selbstverständlich  dem  in  seiner  respecliven 
Lösung  modificirten  Drehungsvermögen.  Geht  man  von  der 
Voraussetzung  aus,  die  Gewichtsmenge  n  entspräche  wirkUch 
dem  krystallisirlen  Kampher  mit  dem  verlangten  compensirenden 
Drehungsvermögen  für  das  Gewicht  p  des  Terpenttiinöis,  so 
müfste  durch  directes  Auflösen  von  Jt  krystallisirtem  Kampher 
in  p  Terpenthinöi  ein  achromatisches  System  hergestellt  sein. 
Die  Versuche  lehrten,  dafs  dies  in  der  That  nahezu  der  Fall  sei, 
dafs  wenigstens  für  die  rothen  und  gelben  Strahlen  das  Sy- 
stem ziemlich  gut  achromatisirt  war,  wie  nachstehende  Daten 
zeigen: 


BioT.  305 

Erstes  System   Zweites  System 
Gewicht  krystallisirten  Kamphers  in  der 

Gewichtseinheit  der  Lösung    ....     0,343537     0,310793 
Gewicht  Terpenthinöi  von  0,861775  spec. 

Gewicht    .    . .     0,656463     0,689207 

Verhältnifs  beider  zu  einander  ....  0,523315  0,450964 
Spec.  Gewicht  der  Mischung  ....  0,902852  0,900102 
Länge  des  Beobachtungsrohrs  ....  197,95"»»°  299,5"°» 
Ablenkung  beobachtet  durch  ein    gelbes 

Glas  ag —13,4®        -27,0*» 

Ablenkung  beobachtet   durch  'ein  rothes 

Glas  a^ -13,116«    -25,95* 

Ablenkung  entsprechend  der  geringsten  In- 
tensität des  außerordentlichen  Bildes  .    —13,0«        —28« 
Ablenkung  beobachtet  durch   ein   grünes 

Glas  agr —12,2«        -28« 

Ablenkung  (mittlere)  der  blauen  Strahlen 

(geschätzt)  «6 +  —19« 

Ablenkung  (mittlere)  der  violetten  Strahlen 

(geschätzt)  ar,    .  , +  —12«. 

Da  eine  Einwirkung  der  activen  Substanzen  auf  einander 
und  auf  die  inactiven,  worin  sie  sich  gelöst  befinden,  leicht  und 
stets  zu  erwarten  ist,  so  mufs  man  darauf  Rücksicht  nehmeui 
wenn  naan  das  Drehungsvermögen  solcher  Mischungen  im  voraus 
genau  bestimmen  will. 

Bezeichnet  [a]r  die  specifische  Drehkraft  des  Terpenihinöls 
und  [a]'r  die  des  Kamphers,  welche  mit  einander  in  Lösung  sind, 
«'  das  Gewicht  Oel  und  ef'  das  Gewicht  Kampher  in  der  Ge-* 
Wichtseinheit  der  Lösung  und  d  das  specifische  Gewicht  der  letz- 
teren; so  läfst  sich  die  Ablenkung  des  rothen  Strahls  ar  für  die 
Länge  l  des  Beobachtungsrohrs  durch  die  genannte  Mischung 
finden  aus  der  Gleichung 

a.  =  W(4a]:+«"r«]r). 
Berechnet  man  z.  B.  ar  aus  dieser  Gleichung  für  die  oben  tabet« 
larisch  aufgestellten  beiden  Systeme,  indem  man  die  dort  befind- 
lichen Werlhe  für  /,  d,  if  und  «"  einsetzt,  und  [a]r  =  +42,04«  und 
[a]r  =  — 33,05«  aus  frühern  Versuchen  kennt,  so  ergiebt  sich 

Fortschr.  d.  Pbys.  VHL  20 


306  ^^'    Circularpolarlsation. 

Berechnet  Beobachtet 

für  das  erste  System    Or  =  — 12,6598*    — 13,116* 
.       zweite     -         a.  =  ~25,7683*    —25,95^ 

Man  sieht  also  hieraus,  dals  die  Atome  des  TerpenthinSis 
und  des  Kamphers  nicht  merklich  auf  einander  einwirken,  und  keine 
wesentliche  Modification  ihrer  Rotationsvermögen  verursachen. 

Endlich  zeigt  Hr.  Biot  noch  durch  eine  approximative  Rech- 
nung, wie  drehende  Flüssigkeiten,  welche  jede  für  sich  die  Polari- 
sationsebenen nach  dem  Gesetz  der  Brechbarkeit  zerstreuen,  in 
gewissen  Proportionen  gemischt  die  Dispersionsverhäitnisse  um- 
kehren können,  und  die  grünen  Strahlen  z.B.  stärker  ablenken 
als  alle  andern  brechbareren.  So  war  es  z.B.  bei  dem  zweiten 
System,  aus  Kampher  in  Terpenthinöl  gebildet,  der  Fall. 

Die  genauere  Ermittelung  der  Dispersion  bewerkstelligte 
Hr.  BiOT  folgendermafsen:  Das  rectificirte  Terpenthinöl  wurde  in 
einer  150,9°^  langen  Röhre  beobachtet,  indem  zuerst  die  absolu- 
ten Ablenkungen  der  rothen  und  gelben  Strahlen  (letztere  durch 
die  Uebergangsfarbe)  gemessen,  und  hierauf  die  Beobachtungen 
durch  orangefarbige  und  grüne  Gläser  und  durch  eine  zwischen 
parallele  Flächen  eingeschlossene  ammoniakalische  Lösung  von 
kohlensaurem  Kupferoxyd,  welche  in  angemessener  Dicke  nur 
violette  Strahlen  durchliefs,  fortgesetzt  wurden.  Um  die  jeder 
Farbe  zukommende  mittlere  Ablenkung  zu  finden,  wurden  der 
Analysator  auf  das  Intensitätsminimum  des  aufserordentiichen 
Bildes  eingestellt,  die  beiden  äufsersten  Gränzen  seines  Verschwin'^ 
dens  beobachtet  und  daraus  die  mittlere  Richtung  genommen. 
Auf  analoge  Weise  wurde  die  Dispersion  einer  alkoholischen 
Kampherlösung  in  einem  Rohre  von  299,1'°"^  Länge  bei  14^  er- 
mittelt 

Um  die  gefundenen  Ablenkungen  mit  einander  zu  vergleichen, 
hat  sie  Hr.  Biot  auf  eine  Quarzplatte  von  l"""^  Dicke  reducirt,  in 
welcher  «r  =  18,984*  ist. 

Wir  stellen  in  nachstehender  Tabelle  die  gefundenen  und 
reducirten  Werlhe  zusammen,  und  bemerken  nur,  dafs  das  Ter- 
penthinöl dasselbe  war,  welches  Hr.  Biot  zu  allen  früheren  Ver- 
suchen angewendet,  und  dafs  die  Kampherlösung  aus  0,255522  Th. 
Kampher  und  0,744478  Th.  Alkohol  bestand. 


BlOT. 


807 


Quarz 

Beobachtet 

Redacirt 

Terpenthinöl 

^ 

Kampher 

Terpenthinöl     Rampher 

«r 

18,984» 

-^40,15» 

+22,00« 

18,994»     18,984« 

Co 

21,391 

+28,0 

24,161 

ag 

23,994 

—51,0 

+33,0 

24,114      28,476 

»P 

27,859 

—67,0 

+39,0 

26,951      33,653 

ab 

32,308 

+57,0 

49,186 

«v 

40,884 

-87,1 

+79.0 

41,183     67,308. 

Berechnet  man  die  resultirenden  Ablenkungen  der  einzelnen  Far- 
benstrahlen nir  die  beiden  oben  angeführten  Systeme  aus  Kam» 
pher  in  Terpenthinöl,  und  vergleicht  sie  mit  den  beobachteten, 
die  an  der  frähem  Stelle  angegeben  sind,  so  erhält  man  folgende 

Werthe. 

Für  das  erste  System. 

des  TerpenthinöJg        des  Kamphers  KMuiiirende 


«r 

Ogr 

ab 
a„ 


«' 

—  38,777» 

—  43,695 

—  49,010 

—  56,906 

—  65,994 

—  83,128 


+  26,118" 
+  33,241 
+  39,176 
+  46,299 
+  67,834 
+  92,599 


Für  das  zweite  System. 


o'— «" 

-12,660» 

—  10,454 

—  9,834 

—  10,607 
+  1,690 
+  9,471 


+  35,641»        —25,768» 
+  45,361         —23,618 
+  53,460         —23,798 
+  63,181         —26,526 
+  92,363  —11,667 

,^„  +126,654         -  4,991. 

Auf  gleiche  Weise  kann  man  auch  die  Vertheilung  der  resulti» 
renden  Ablenkungen  berechnen,  wenn  die  Beobachtungen  naeh 
einander  in  gesonderten  Röhren  angestellt  Wurden.  We. 


ar 

«ff 
«ff- 

«6 


—  61,409» 

—  68,879 

—  77,259 

—  89,706 

—  104,030 

—  131,645 


20' 


30S  23.     Physiologische  Optik. 

23.    Physiologische  Optik. 


Faye.  Rapport  sur  le  seplieme  el  huilieme  memoire  de 
M.  Valläe,  conlenaul  la  suite  de  ses  recherches  sur  la 
th6orie  de  la  vision.  C.  R,  XXXIV.  872-876t.  Siehe  Bert.  Ber. 
1850,  51.  p.490. 

L.  L.  Valläb.  Theorie  de  Toeil  Neuvieme  m6moire.  C.  R. 
XXXIV.  32i-323t.  Dixicme  n)6raoire.  C.  R.  XXXIV.  718-720+. 
Gozi^me  memoire,  C.  R.  XXXIV.  720-722t.  Douzieme  me- 
moire. C.  R.  XXXIV.  789-792t.  Treizieme  memoire.  De 
la  visioQ  coDsidör^e  dans  les  iDfluences,  en  quelque  sorte 
mol6culaires,  exercees  dans  les  refraclions,  et  du  ph6no- 
mene  de  rirradiation,     C.  R.  XXXV.  679-681  f. 

Bei  der  Annahme  von  kleinen  Veränderungen  in  der  Dich- 
tigkeit des  Glaskörpers  erhält  Hr.  Valleb  in  der  neunten  Ab- 
handlung eine  viel  vollständigere  Achromasie  des  Auges,  indem 
alsdann  auch  seitlich  einfallende  Lichtbüschel  achromalisirt  wer- 
den. Verbindet  man  diese  Annahme  mit  derjenigen ,  dars  die 
Brechungsindices  der  Linse  von  den  äufsern  nach  den  innem 
Schichten  abnehmen ,  so  lassen  sich  nach  Hrn.  Valleb  verschie- 
dene sonst  schwieriger  zu  erklärende  Thatsachen  begreifen.  Es 
wäre  zu  wünschen,  dafs  Hr.  Valleb  nicht  theoretisch,  sondern 
messend  nachwiese,  dafs  sich  Brewstbr  und  Chossat  in  ihren 
Messungen  uoer  die  Brechungsindices  der  Linse  geirrt  haben. 

Die  zehnteAbhandlung  umfafst  das  normale,  fernsichtige 
und  kurzsichtige  Auge,  wobei  alle  Verhältnisse  hervorgehoben 
werden,  Tvelche  Fernsichtigkeit  und  Kurzsichtigkeit  hervorrufen 
können.  Der  Verfasser  tritt  sodann  näher  in  die  Betrachtung 
der  Augen  der  Vögel  ein,  woraus  der  Schlufs  gezogen  wird,  dafs 
die  Augen  derselben  nicht  blos  in  der  Richtung  der  optischen 
Axe  achromatisch  sein  können,  indem  sonst  beim  Binocularsehen 
auch  farbige  Bilder  auftreten  würden,  wogegen  sich  unser  Gefühl 
sträube,  und  dafs  daher  auch  für  das  menschliche  Auge  seitfiche 
Achromasie  höchst  wahrscheinlich  werde. 


Vall^e.   Boens.  3Q9 

Hr.  Valleb  sucht  in  der  elften  Abhandl'ung  einen  Ein- 
wurf zu  widerlegen  y  der  sich  seiner  Theorie  der  abnehmenden 
Brechungsindices  niachen  liefse.  Ein  handgreiflicher  Fehler  macht 
die  Widerlegung  etwas  unklar. 

Die  zwölfte  Abhandlung  bespricht  Gegenstände,  welche 
weniger  in  den  Bereich  dieses  Berichtes  gehören,  da  die  Augen 
verschiedener  Thiere  betrachtet  werden,  im  Uebrigen  aber  keine 
wichtigeren  Thatsachen  vorkommen. 

Der  Hauptgegenstand  der  dreizehnten  Abhandlung  end-* 
lieh  ist  die  Erörterung  verschiedener,  das  deutliche  Sehen  be- 
einträchtigender Umstände;  besonders  neu  ist  die  Erklärung  der 
Irradiation,  welche  wir  wörtlich  folgen  lassen. 

„Beim  Betrachten  eines  sehr  hellen  und  eines  wenig  hellen 
Punktes  entsteht  das  Bild  durch  einen  Brennpunkt,  welchem  die 
vices  moleculaires  der  Medien  mehr  oder  weniger  Licht  entziehen; 
und  dieser  Brennpunkt  ist  umgeben  von  einem  Ringe  derjenigen 
Strahlen,  welche  aufserhalb  des  wirksamen  Lichtbüschels  liegen^ 
indem  das  Licht  dieses  Ringes  abnimmt  mit  der  Entfernung  vom 
Mittelpunkte.  Ist  der  Punkt  wenig  erleuchtet,,  so  wird  der  Kranz 
nicht  wahrgenommen ;  ist  er  sehr  hell,  so  vergröfsert  dieser  Kranz 
das  Etild,  da  er  fast  die  gleiche  Intensität,  wie  das  Bild  selbst 
hat,  und  läfst  den  strahlenden  Punkt  gröfser  erscheinen,  als  er 
ist.     Diefs  ist  die  Ursache  der  Irradiation.*^  Bu. 


H.  BoBNs.     Etüde  sur  la  vision  de  Thomme  et  des  animaux. 
Bull,  d,  Bnix.  XIX.  2.  p.  155-161  (Cl.  d.  sc.  1852.  p.  443-449t). 

Laut  dem  Berichte,  welcher  sich  a.  a.  0.  befindet,  behauptet 

Hr.  BoENs  seine  Priorität  in  der  Ansicht,    dafs  wir   beim  Sehen 

nicht  das  Netzhautbild  wahrnehmen,   sondern   die  Richtung  der 

Strahlen,  welche  das  Bild  entwerfen,  und  daher  die  Gegenstände 

nicht  aus  Gewohnheit  in  ihrer  richtigen  Lage  erblicken.     Von 

den  Berichterstattern  über  diese  Arbeit,  Spring  und  Crahay,  wird 

Hr.  BoENs  sowohl  was  seine  Priorität  anbelangt,  als  auch  wegen 

der  Ausfälle  gegen  Anhänger  anderer  Ansichten  als  der  seinigen 

so  zurechtgewiesen,   dafs  wir  uns  einer  jeden  Kritik  überhoben 

glauben.  ^*** 


3f0  ^2^-     Physiologische  Optik. 

Trocessart.  Note  concernant  ses  recherches  sur  la  thöorie 
de  la  Vision.  C.  R.  XXXV.  134-136t;  Arch.  d.  sc.  phys.  XX, 
305 -306t. 

Zwischen  der  Arbeit  von  Fliednbr,  über  welche  sogleich 
berichtet  werden  soll,  und  der  seinigen  findet  Hr.  Troubssart,  der 
erstere  bei  den  eignen  Versuchen  noch  nicht  gekannt,  in  Bezug 
auf  die  Versuche  viele  Uebereinstimmung,  während  die  Theorie 
verschieden  ist. 

Hr.  Trouessart  kann  nicht  annehmen,  dafs  die  Undeutlich* 
keit  der  Bilder  wie  in  der  Camera  obscura  blofs  durch  Zerstreuungs« 
kreise  entstehe,  sondern  durch  Uebereinanderlegung  mehrerer 
Bilder,  wie  man  sie  erhält,  wenn  man  vor  die  Linse  der  dunkeln 
Kammer  einen  mit  mehreren  Löchern  versehenen  Schirm  hält. 
Daraus  schliefst  er  Folgendes  in  Bezug  auf  das  Auge:  „Dieses 
ist  eine  dunkle  Kammer,  vor  oder  hinter  deren  Objecliv  ein  netz- 
artiger Schirm,  dunkle  und  helle  Partieen  darbietend,  sich  befin- 
det. Wenn  nun  die  verschiedenen  Bilder  theilweise  über  ein- 
ander fallen  und  theilweise  nicht,  so  mufs  ein  helles  Bild  mit 
blassem  Rande  entstehen,  daher  die  Irradiation.**  Bu. 


Troübssart.     Sur  les  rayons  lumineux,  qui  se  voieot  autoar 

des  flammes.      C.  R.  XXXV.  398-398t;  last.  1852.  p.  304-304t. 

In  dieser  Note,  sagt  der  Verfasser,  erkläre  ich  nach  meiner 
Hypothese  besser,  als  bisher  geschehen,  die  leuchtenden  Strah- 
len, welche  man  um  Flammen  beobachtet,  wenn  man  diese  durch 
halbverschlossene  Augenlieder  betrachtet.  Ich  zeige,  dafs  diese 
Strahlen  nur  ein  specieller  Fall  einer  sehr  allgemeinen  Erschei- 
nung sind,  welche  in  den  vielfachen  Bildern  besteht,  die  alle 
Flammen  und  hellleuchtenden  Körper  geben,  wenn  sie  sich  an 
Korpern  spiegeln,  die  dem  Auge  seillich  sehr  nahe  sind.  —  Un- 
ter den  gleichen  Umständen  beobachtet  man  Vervielfältigungs- 
bilder durch  Refraction,  indem  man  eine  Flamme  durch  einen 
durchsichtigen  Rand  betrachtet,  z.  B.  durch  den  eines  Uhrglases. 
Die  vielfachen  Bilder  sind  hier  immer  gefärbt;  Vervielfältigung 


TBOmSBART.     FLIffDKia,  3{j| 

der  Ränder,  kann,  wenn  die  Krümmung  sehr  grob  hi,  sowohl 
durch  Reflexion  als  durch  Refraction  das  Phänomen  der  Licht- 
büschel hervorbringen.  ßu. 


Flibdnbr.     Beobachtungen  über  Zerstreuungsbilder  im  Auge 
so  wie  über  die  Theorie  des  Sehens.     Pooe.  Ann.  LXXXV. 

321-350t,  460-461,  LXXXVI.  336-336;  Cosmos  I.  333-335. 

In  das  Detail  dieser  Arbeit  einzutreten,  würde  für  diesen 
Bericht  zu  weit  führen^  daher  werde  ich  nur  die  Sätze  angeben, 
die  nach  Hm.  Fliednbr's  Ansicht  mit  allen  bisher  bei^annten 
Thatsachen  im  Einlilang  stehen: 

1)  Der  von  einem  Punkt  ins  Auge  fallende  Lichtkegel,  wäre 
es  auch  nur  ein  sehr  dünner  durch  die  Mitte  der  Pupille  ge-* 
bender,  wird  niemals  nach  einem  einzigen  Punkte  hin  ge- 
brochen. 

2)  Jedem  Pupillendurchmesser  entspricht  eine  besondere 
Brennweite  im  Auge.  Die  bezüglichen  Brennweiten  liegen  also 
hinter  einander,  und  bilden  eine  Brennstrecke. 

3)  Die  Lage  dieser  Brennstrecke  ändert  sich,  analog  dem 
Vereinigungspunkt  der  Lichtstrahlen  bei  Linsengläsern,  mit  der 
Entfernung  des  leuchtenden  Punktes;  sie  kann  ganz  hinter  oder 
vor  die  Netzhaut  fallen,  oder  mit  einem  ihrer  Endpunkte  auf  sie 
treffen,  oder  auch  von  ihr  durchschnitten  werden. 

4)  Fällt  der  Convergenzpunkt  der  durch  einen  Pupillendurch- 
messer gehenden  Strahlen  nicht  auf  die  Netzhaut,  so  entsteht 
auf  dieser  eine  Zcrstreuungslinie  (der  Ferne  oder  der  Nähe), 
welche  jenem  Durchmesser  im  Allgemeinen  parallel  ist«  Jeder 
Strahl  der  scheinbaren  Figur  eines  fernen  oder  nahen  Punktes 
ist  eine  solche  Zerstreuungslinie  oder  ein  Complex  solcher. 

5)  Es  giebt  für  jedes  Auge  drei  bemerkenswerthe  Entfer« 
nungen  von  einem  leuchtenden  Punkte: 

a.  in  der  ersten  (kürzesten)  Entfernung  fallt  der  vorderste 
Punkt  der  Brennstrecke  auf  die  Netzhaut,  alle  übrigen  aber 
verursachen  (verschieden  geneigte)  Zerstreuungslinien  der 
Nähe; 


312  ^3.    Physiologische  Optik. 

b.  in  der  zweiten  (mittleren)  Entfernung  wird  die  Mitte  der 
Brennstrecke  durch  die  Netzhaut  geschnitten;  die  hinter  der 
Netzhaut  liegenden  Punkte  der  Brennstrecke  verursachen 
also  Zerstreuungslinien  der  Nähe,  die  vor  der  Netzhaut 
liegenden  solche  der  Ferne; 
e.  in  der  dritten  (weitesteYi)  Entfernung  fällt  der  hinterste 
Punkt  der. Brennstrecke  auf  die  Netzhaut,  die  übrigen  er- 
zeugen also  Zerstreuungslinien  der  Ferne. 

6)  der  Pupillendurchmesser,  welchem  der  vorderste  Punkt 
der  Brennstrecke  entspricht,  und  den  ich  den  ersten  nennen  will, 
steht  senkrecht  auf  demjenigen,  welchem  der  hinterste  Punkt 
entspricht.  Ebenso  verhalten  sich  je  zwei  andere  Durchmesser, 
welchen  zwei  solche  Convergenzpunkte  entsprechen,  die  gleich 
weit  von  den  Enden  der  Brennstrecke  hegen.  Der  Mitte  der 
Brennslrecke  entsprechen  die  beiden  mittleren  Durchmesser, 
welche  gegen  den  ersten  um  45®  geneigt  sind. 

7)  Die  Lage  des  ersten  Durchmessers  ist  für  verschiedene 
Augen  und  selbst  für  die  beiden  Augen  eines  und  desselben  Men- 
schen verschieden. 

An  diese  Sätze,  aus  welchen  eine  Reihe  der  am  eignen  Auge 
beobachteten  Erscheinungen  erklärt  wird,  schliefst  sich  eine 
Erklärung  der  Irradiation: 

„Man  pflegt  die  Zerstreuung  des  Lichtes  auf  der  Netzhaul 
nur  als  die  Ursache  des  undeutUchen  Sehens  in  Betracht  zu 
ziehen.  Dafs  sie  aber  in  allen  Augen  das  Bild  eines  in  behebi- 
ger Entfernung  befindlichen  Punktes  construiren  hilft,  schlieüse 
ich  schon  aus  der  allgemeinen  Wahrnehmbarkeit  der  sogenann- 
ten Irradiationserscheinungen,  die  sich  nach  meinen  im  Vorher- 
gehenden beschriebenen  Untersuchungen  als  blofse  Lichtzer- 
streuungserscheinungen  darstellen.  Plateau  wurde  freilich  da- 
durch, dafs  die  Irradiation  auch  bei  der  Entfernung  des  deutlichen 
Sehens  stattfindet,  zu  der  Annahme  einer  anderen  Ursache  ver- 
anlafst;  aber  er  ist  dadurch  auf  unlösbare  Widersprüche  gesto- 
fsen  rücksichtlich  des  Verhaltens  der  Linsengläser,  während  sich 
alle  Erscheinungen  der  Irradiation,  auch  die  mittelst  Linsenglä- 
sern beobachteten,  einfach  erklären,  wenn  man  die  Lichtzerstreuung 
als  Ursache  annimmt.''  Bu. 


WELMä.  343 

H  Welker.     Ueber  Irradiation   und   einige   andere  Erschei- 
nungen des  Sehens       Giessen  1852t. 

Unabhängig  von  Flibdnbr,  doch  im  Princip  mit  demselben 
einig,  stellt  Hr.  Welker  als  Resultate  seiner  Untersuchungen  die 
Hauptsätze  über  Irradiation  zusammen ,  und  vergleicht  dieselben 
durch  Entgegenstellung  mit  denen  Plateau's;  die  Ansichten 
stimmen  nicht  überall  mit  denen  Fliedner's  überein.  Aus  diesen 
Sätzen  erwähnen  wir  folgende: 

Die  Irradiation  fehlt,  sobald  das  Auge  der  Entfernung  des 
Objectes  angepafst  ist. 

Der  Gesichts  Winkel,  den  sie  umspannt,  ist  abhängig  von  der 
Entfernung  des  Gegenstandes,  von  den  Brechungs Verhältnissen 
des  Auges,  von  den  Helligkeitsgraden  der  concurrirenden  Bilder. 

Die  Breite  der  Irradiation  ist  bei  Gleichheit  aller  übrigen 
Umstände  proportional  der  Abweichung  des  Objectes  aus  der 
Sehweite. 

Die  Irradiation  eines  hellen  Gegenstandes  verliert  um  so 
mehr,  je  mehr  der  umgebende  Grund  an  HeUigkeit  gewinnt.  Be- 
steht Gleichheit  der  Helligkeit,  aber  Verschiedenheit  der  Färbung, 
80  fehlt  die  Irradiation,  insofern  darunter  Wachsen  eines  hellen 
Bildes  auf  Kosten  eines  dunklen  verstanden  wird;  es  erfolgt  aber 
Schmälerung  beider  Bilder  zu  Gunsten  eines  die  Mischfarbe  tra- 
genden Zwischenbildes.  Bei  ungleicher  Helligkeit  fällt  die  Misch- 
farbe um  so  mehr  im  Sinne  der  helleren  Farbe  aus,  je  mehr  die 
Helligkeitsgrade  verschieden  sind.  —  Besieht  bei  gleicher  Hel- 
ligkeit Gleichheit  der  Färbung,  so  fehlt  nicht  nur  die  im  gewöhn- 
lichen Sinne  verstandene  Irradiation,  sondern  auch  das  Zwischen- 
bild, indem  die  ineinander  tretenden  Zerstreuungskreise  überall 
gleichartig  gemischt  sind. 

Irradiation  durch  zu  grofse  Entfernung  des  Gegenstandes 
nimmt  zu,  Irradiation  durch  zu  grofse  Nähe  nimmt  ab  mit  der 
Dauer  des  Anschauens. 

Irradiation  wegen  zu  grofser  Nähe  des  Objectes  wird  ver- 
mindert durch  convergirende  Linsen,  erhöht  durch  divergirende, 
und  umgekehrt.  Jede  Linse  hebt  bei  einer  bestimmten  Entfer- 
nung die  Irradiation  ganz  auf. 


314  23.    Physiologische  Optik. 

Die  Irradiation  wird  durch  eine  Linse  in  demselben  VerhälU 
nils  abgeändert,  als  die  Breehkraft  des  Auges  durch  die  Linse 
vermehrt  oder  vermindert  wird. 

Die  wahrscheinlichste  Ursache  der  Irradiation  scheint  die 
bereits  von  Kepler  nahmhaft  gemachte  zu  sein:  Bildung  von 
Zerstreuungskreisen  und  vorherrschende  Wirkung 
derjenigen  des  hellem  Bildes. 

Besonders  schatzbar  ist  die  genaue  mit  grofsem  Fleifs  aus- 
geführte Zusammenstellung  sämmtlicher  Autoren  Ober  Irradiation 
von  den  ersten  Beobachtungen  an  bis  in  die  neueste  Zeit. 


üeber  einige  Verschiedenheiten  des  Sehens  in  verticalem 
und  horizontalem  Sinne,  nach  verschiedenen  Beobachtern. 

Fkcbnek  C.  Bl.  1853.  p.73-85t,  96.99t,  374-379t,  558-561t. 

Die  folgenden  Beobachtungen  betreffen: 

1)  Ungleichheiten  der  deutlichen  Sehweite  des  Auges  in  ver- 
ticalem und  horizontalem  Sinne. 

2)  Ungleiches  Vermögen,  lineare  Langenverhältnisse  zu  be- 
urtheilen,  je  nachdem  die  Linien  vertical  oder  horizontal  sind. 

3)  Ungleiche  Schätzung  der  verticalen  und  horizontalen  Di- 
mensionen im  Verhältnifs  zu  einander. 

4)  Ungleiches  Vermögen ,  Abweichungen  von  der  Verticale 
und  Horizontale  zu  schätzen. 

5)  Ungleiche  Geschwindigkeit,  mit  der  sich  die  Augenstel« 
lung  beim  Uebergang  von  einem  Fixationspunkte  zum  andern  in 
verticaler  und  horizontaler  Richtung  verändern  läfst. 

Die  meisten  Beobachtungen  sind  über  die  erste  dieser  Un-> 
gleichheiten  gemacht  worden  und  zwar  von  den  Herren  Airy, 
YouNG,  Plateau,  Sturm,  Stokbs,  Fick,  Fliedner,  A.  Müller 
und  Welker. 

Die  allgemeine  Thatsache,  um  die  es  sich  handelt,  ist,  daüs 
fast  alle  Augen  mit  nur  sehr  wenig  Ausnahmen  eine  ungleiche 
deutliche  Sehweite  in  verticalem  und  horizontalem  Sinne  darbie* 
ten,  welche  Ungleichheit  jedoch  für  verschiedene  Augen  nicht 
nur  dem  Grade,  sondern  auch  dem  Sinne  nach  verschieden  ist^ 


Fkchmbji.  345 

sofern  manchen  Augen  entfernte  verticale  Linien  deutlicher  er- 
scheinen als  horizontale,  manchen  umgekehrt ,  manchen  schiefe; 
ivelche  Ungleichheit  sich  aufserdem  je  nach  der  Entfernung  der 
gesehenen  GegensKände  dem  Grade  und  selbst  dem  Sinne  nach 
ändert,  sofern  dasselbe  Auge,  welches  bei  grofser  Nähe  eine  Li-» 
nie  von  einer  bestimmten  Richtung  am  deutlichsten  sieht,  in 
grofser  Entfernung  die  darauf  senkrechte  am  deutlichsten  sieht» 
indefs  in  Zwischenentfernungen  Zwischenrichtungen  am  deutlich«- 
sten  erscheinen,  und  in  einer  gewissen  Zwiscbenentfernung  die 
Deutlichkeit  oder  Undeutlichkeit  nach  allen  Richtungen  merklich 
gleich  grofs  ist. 

Am  ungezwungensten  scheinen  sich  diese  Erscheinungen  so 
erklären  zu  lassen,  dafs  die  brechenden  Mittel  des  Auges  (oder 
das  eine  und  andere  derselben)  anstatt  rein  sphärische  oder  Re- 
volutionsoberflächen zu  sein,  nach  zwei  auf  einander  senkrechten 
Richtungen  eiQ  Maximum  und  Minimum  der  Krümmung  darbie-* 
ten.  Dann  wird  begreiflich  für  die  eine  Krümmung  die  Brenn- 
weite ein  Minimum,  für  die  andere  ein  Maximum  sein;  und  wenn 
Strahlen  von  einem  Punkte  aus  einer  solchen  Entfernung  her- 
kommen, dafs  sie  durch  die  eine  Krümmung,  im  Sinne  ein^s  Pu- 
pillendurchmessers, auf  der  Netzhaut  gerade  vereinigt  werden, 
mithin  in  diesem  Sinne  gröfste  Deutlichkeit  stattfindet,  wird  in 
der  Richtung  der  darauf  senkrechten  Krümmung  das  Licht  auf 
der  Netzhaut  im  Maximum  zerstreut  werden  müssen,  mithin  im 
Sinne  des  zugehörigen  Pupillendurchmessers  gröfste  Undeutlich« 
keit  stattfinden;  dann  aber  wird  es  eine  andere  Entfernung  des 
Punktes  vom  Auge  geben  müssen,  wo  die  Vereinigung  der  Strah« 
len  auf  der  Netzhaut  vielmehr  durch  die  andere  Maximum-  oder 
Minimumkrümmung  erfolgt,  und  mithin  die  gröfste  Undeutlichkeit 
auf  die  darauf  senkrechte  Richtung  übergeht,  vorausgesetzt,  dafs 
nicht  Accommodation  die  Verhältnisse  ändert 

Das  Material  von  Beobachtungen,  welche  im  Ganzen  genom-» 
men  diese  Thatsachen  und  ihre  Erklärung  bestätigen,  ist  so  grofs, 
dab  Referent  nicht  wüfste,  wo  beginnen,  und  den  Leser  auf  die 
Originalabhandlung  verweisen  mufs* 

Hr.  Flibdmbr  erklärt  die  Entstehung  dieses  Refractionaxu^ 
Standes  des  Auges  folgendermafaen:  „Es  wird  heutzutage  als  das 


316  23.    Physiologische  Optik. 

Wahrscheinlichste  angenomiuen,  dafs  der  Vorgang  der  Adaptation 
auf  nähere  Objecie  hauptsächlich  auf  dem  Zurückweichen  der 
Netzhaut  und  dem  Vorrücken  der  Linse,  also  auf  einer  Verlänge- 
rung der  Axe  des  Ciaskörpers  beruhe.  Diese  Verlängerung  wird 
durch  eine  auf  den  äquatorialen  Unifqng  des  Augapfels  ausgeübte 
Zusammendrückung  hervorgebracht.  —  Durch  diese  Zusammen- 
Ziehung  wird  nun  wahrscheinlich  die  Cornea  in  ihrem  horizonta- 
len Durchschnitt  etwas  convexer.  Die  gröfsere  Kurzsichtigkeit 
der  meisten  Augen  für  verticale  als  für  horizontale  Linien  inner- 
halb der  deutlichen  Sehstrecke  liefse  sich  schon  allein  daraus  er- 
klären ohne  Berücksichtigung  der  Beschaffenheit  der  Linse  (näm- 
Uch  der  von  Hassenfratz  gefundenen  doppelten  Krümmung  der- 
selben)." Das  Umgekehrte  findet  bei  der  Adaptation  in  die 
Ferne  statt;  man  kann  sich  mittelst  einer  Durchmesserscheibe 
oder  eines  leuchtenden  Punktes  überzeugen,  wie  gering  ein 
Druck  auf  den  Bulbus  sein  mufs,  um  eine  merkliche  Wirkung 
dieser  Art  hervorzubringen. 

Ueber  das  ungleiche  Vermögen,  Längenverhältnisse  zwischen 
horizontalen  und  verticalen  Linien  zu  beurtheilen,  hat  Hr.  He- 
OELMANN  Versuche  angestellt,  welche  zu  dem  Resultate  geführt 
babeni  dafs  die  Verhältnisse  horizontaler  Linien  unter  sich  rich- 
tiger geschätzt  werden  als  die  verlicaler.  Die  Versuche  bedür- 
fen noch  sehr  der  Bestätigung. 

Hr.  Bravais  macht  iid)er  die  ungleiche  Schätzung  verticaler 
und  horizontaler  Dimensionen  unter  einander  folgende  Mit- 
theilung: 

Wenn  ein  Beobachter,  der  sich  auf  dem  Meere  in  einer  ge- 
wissen Entfernung  von  einer  Küste  befindet,  welche  grofse  Unre- 
gelmäßigkeiten des  Terrains  darbietet^  dieselbe  so  zeichnet,  wie 
sie  dem  Auge  erscheint,  so  findet  er  durch  vergleichende  mathe- 
matische Ermittlung,  dafs  in  der  so  erhaltenen  Zeichnung  die 
horizontalen  Lineargröfsen  nach  den  gehörigen  Verhältnissen  un- 
ter einander,  die  verticalen  Winkeldistanzen  aber  nach  einem 
doppelten  Maafsstabe  geschätzt  sind.  Diese  Täuschung»  der  man 
unwiderstehlich  bei  dieser  Art  Schätzungen  unterliegt,  ist  nicht 
mdividueU,  wie  man  glauben  könnte,  vielmehr  beweisen  zahlreiche 
Beobachtungen  ihre  Aligemeinheit. 


Die  Schätzung  der  Abweichungen  von  der  Verlicalen  und 
Horizontalen  ist  nach  einer  älteren  Beobachtung  von  Hrn.  Hück 
feiner  in  Betreif  der  ersteren. 

Nach  Hrn.  Volkmann^s  ebenfalls  älteren  Versuchen  können 
Bewegungen  des  Auges  in  verticaler  Richtung  schneller  als  in 
horizontaler  bewerkstelligt  werden. 

Nach  Hrn.  H.  Mbyer's  Versuchen  am  eignen  Auge  findet 
nach  den  verschiedenen  Richtungen  weniger  ein  Verwischen  als 
ein  Auseinandertreten  des  Bildes  in  mehrere  Bilder  statt.  (Eben- 
falls  eine  ältere  Beobachtung).  Bu. 


A.  Müller.  Ueher  das  Beschauen  der  Landschaften  mit  nor* 
maier  und  abgeänderter  Augenstellung.  Toae,  Ann,  LXXXVf. 
147-1 52t;  Cosmos  I.  336-336. 

Eine  Landschaft  gewährt  einen  verschiedenen  Eindruck,  je 
nachdem  man  sie  mit  gewöhnlicher  Augenstellung  oder  mit  seit- 
lich geneigtem  Kopfe,  oder  in  gebückter  Stellung  rückwärts  durch 
die  Beine  betrachtet. 

Verschiedenheiten  im  Accommodationszustand  des  Auges  be* 
dingen  diese  Erscheinung  nach  der  Ansicht  des  Verfassers.  Er 
macht  Versuche,  welche  eine  Verschiedenheit  des  Sehens  in  ver- 
ticalem  und  horizontalem  Sinne  zeigen,  und  schliefst  daraus,  dafs 
«ine  Landschaft  deswegen  bei  horizontaler  und  verticaler  Augen- 
stellung einen  verschiedenen  Eindruck  gewähre,  weil  verschie- 
dene Partieen  deutlich  hervortreten,  und  so  das  Verhältnifs  von 
Vorder-  und  Hintergrund  ein  anderes  wird.  Bei  Gemälden,  deren 
einzelne  Theile  in  einer  Ebene  liegen,  kann  dies  nie  stattfinden. 

Es  fehlt  die  Erklärung,  warum  in  der  gebückten  umgekehrten 
Stellung,  wo  doch  dasselbe  vertical  und  horizontal,  wie  in  der 
gewöhnlichen  ist,  ebenfalls  eine  Verschiedenheit  des  Eindrucks 
wahrzunehmen  ist.  Bu, 


348  23.    Pbysiologische  Optik. 

K.  Stell WAQ  von  Cahion.    lieber  doppelte  Brechung  und  davon 
abhangige  Polarisation  des  Lichtes  im  menschlichen  Aage. 

Wien.  Der.  VJir.  82-87t;  Wien.  Denkscbr.  V.  2.  p.1-72;  Fbchxbr 
C.  Bl.  1854.  p.281-2d2t. 

Der  Aufsatz  behandelt  das  Doppelt*  und  Vielfachsehen  ein- 
facher Objecte  mit  einem  Auge,  bespricht  die  bisherigen  Theorieen, 
und  stellt,  da  sich  alle  als  ungenügend  erweisen,  eine  neue 
darüber  auf,  die  sich  besonders  auf  folgenden  Versuch  gründet: 

Die  Bilder  wurden  durch  ein  parallel  der  optischen  Axe  ge- 
schliffenes Turmalinplättchen  beobachtet,  und  Hr.  Stellwag  fand, 
dafs  je  nach  der  Drehung  der  Platte  das  eine  oder  andere  der 
Bilder  verschwand.    Seine  Theorie  ist  demnach  folgende: 

Der  Glaskörper  erhält  vermöge  eines  bei  der  Accommoda- 
tionslhätigkeit  auf  den  Bulbus  ausgeübten  Drucks  das  Vermögen 
das  Licht  doppelt  zu  brechen,  daher  die  beiden  Bilder  aus  ver- 
schieden polarisirtem  Lichte  bestehen;  beim  Vielfachsehen  mufs 
der  Glaskörper  als  aus  einer  Reihe  von  Ergänzungstheilen  beste- 
hend zu  betrachten  sein,  welche  sämmtUch  um  die  optische  Axe 
regelmäfsig  gelagert  sind,  welche  unabhängig  von  einander,  dodi 
in  gewissen  gesetzmäfsigen  Beziehungen  zu  einander  das  Ver- 
mögen der  Doppelbrechung  erlangt  haben,  welche  eine  mit  der 
Axe  des  Auges  parallelgehende  optische  Axe  besitzen,  und  deren 
Hauptschnitt  verlängert  mit  der  Augenaxe  in  eine  Ebene  fällt 

Es  scheint  indessen,  als  ob  dieses  Doppeltsehen  eher  mit 
den  'Erscheinungen  in  Zusammenhang  zu  bringen  ist,  welche  oben 
unter  der  Rubrik  des  ungleichen  Verhaltens  der  Augen  in  verti^ 
caler  und  horizontaler  Richtung  sind  zusammengestellt  worden. 

Wenn  zu  diesen  partielle  Trübungen  in  den  vordem  Augen- 
medien oder  ähnliche  Verhältnisse  hinzutreten,  so  tritt  auch  Di- 
plopie ein;  unter  gegebenen  Umständen  können  sogar  mehrere 
Bilder  entstehen.  Ueberhaupt  möchte  die  ganze  Erscheinung  mit 
dem  ScHBiNBR^schen  Versuche  sehr  nahe  verwandt  sein. 

FscaNBR,  dem  wir  eine  eingehendere  Recension  der  Arbeit 
des  Hrn.  Stellwao  verdanken^  hat  unter  anderm  gefunden,  daCs 
Verschwinden  des  einen  der  beiden  Bilder  immer  eintritt ,  wenn 
der  eine  Theil  des  Auges  verdeckt  wird,  dafs  zufallige  Bewe- 
gungen bei  der  Drehung  des  Nicolas  oder  der  Turmalinpialte 


STBLLWA6.      DvBOBCf.  319 

IntensiläUveranderungen  hervorbringen,  dafs  sogar  dieselben  ein- 
treten, wenn  man  eine  (doch  wohl  nicht  polarisirende)  dureh- 
bohrte  Korkplatte  vor  dem  Auge  dreht.  Hu. 


J.  DtJBosCQ.    Nouveaux  slöröoscopes.   Cosmos  1. 97-1 04t,  703-705f.- 

Das  Eigenthümliche  der  ersten  Art  von  neuen  Stereoskopen 
des  Hrn.  Duboscq  besieht  darin,  dafs  der  optische  Apparat  mit 
den  beiden  zu  combinirenden  Bildern  nicht  fest  verbunden  ist. 
Nach  Brewster's  Angabe  wird  eine  Linse  diametral  lerschnit- 
ten,  die  rechte  Hälfte  in  die  linke  Seite  eines  Opernguckerstativs 
gesetzt  und  die  linke  Linsenhälfte  in  die  rechte  Seite,  und  durch 
diesen  Apparat  die^twa  an  der  Wand  hängende  Doppelzeich- 
nung betrachtet.  Für  diejenigen,  welche  im  stereoskopischen  Se- 
hen geübter  sind,  können  die  Linsenhälften  wie  Brillengläser  ge- 
fafst  werden ;  dann  blieben  aber  aufser  dem  Reliefbilde  zwei  seit- 
liche Bilder  sichtbar.  —  Bei  dieser  neuen  Einrichtung  kann  man 
die  Doppelbilder  in  verschiedener  Entfernung,  also  bei  verschie- 
dener Convergenz  der  Augenaxen  betrachten,  und  dadurch  eine 
innerhalb  gewisser  Gränzen  beliebige  VergrSfserung  oder  Verklei- 
nerung des  entstehenden  Reliefs  erhalten. 

Hr.  Duboscq  hat  ferner  ein  Stereoskop  construirt,  bei  wel- 
chem die  beiden  zu  combinirenden  Bilder  nicht  neben,  sondern 
über  einander  liegen.  Dasselbe  besteht  aus  zwei  Spiegeln,  von 
denen  jeder  um  eine  horizontale  Axe  drehbar  ist  Die  Bilder 
befinden  sich  vor  den  Spiegeln,  und  werden  durch  eine  zwischen 
dem  oberen  und  dem  unteren  Bilde  oder  unterhalb  des  untersten 
Bildes  angebrachte  Oeffnung  betrachtet.  Die  Spiegel  können  leicht 
80  gedreht  werden,  dafs  die  beiden  reflectirlen  Bilder  coincidiren. 

Dieses  Stereoskop  benutzt  Hr.  Duboscq  zur  Construction 
eines  Stereophantaskops  oder  Bioskops.  Hier  treten  an 
die  Stelle  jeder  einzelnen  Zeichnung  des  Phantaskops  zwei  über 
einander  stehende  stereoskopische  Zeichnungen,  welche  durch  die 
beiden  Spiegel  combinirt,  bei  der  Drehung  der  Scheibe  den  Ein- 
druck von  bewegten  und  zugleich  körperlichen  Gegenständen 
hervorbringen. 


320  ^«    Physiologische  Optik. 

Endlich  gründet  Hr.  Duboscq  auf  dasselbe  Princip  ein  Pa- 
noramensteoroskop.  Da  nämlich  die  beiden  Bilder  über 
einander  stehen,  so  hindert  nichts,  dieselben  beliebig  breit  zu 
machen,  und  am  Auge  des  Beobachters  allmälig  vorbei  gleiten 
zu  lassen.  Kr, 


D.  Brewster.  Descriplion  of  several  new  and  simple  ste- 
reoscopes  for  exhibiting,  as  solids,  one  or  more  repre- 
sentations  of  them  on  a  plane.  Pbil.  Mag.  (4)  III.  i6-26t; 
Trans,  of  Scott.  Soc.  of  arts  1849;  Rep.  of  Brit.  Assoc.  1849.  2« 
p.  5;  Arch.  d.  sc.  pbys.  XIX.  200-204;  DinolerJ.  CXXIV.  109-112; 
SiLLiMAN  J.  (2)  XV.  140-142,  288-289. 

Das  Linsenstereoskop  ist  schon  im  Berl.  Ber.  1849. 
p.  213  beschrieben. 

Das  total  reflectirende  Prismenstereoskop  fdllt  zu* 
sammen  mit  dem  Instrument  von  Dove,  beschrieben  im  Berl. 
Ber.  1850,  51.  p.503. 

Das  Refractionsprismenstereoskop.  Der  brechende 
Winkel  eines  nicht  stark  brechenden  Prismas  wird  gebraucht,  um 
ein  Bild  mit  dem  Prisma  gesehen  zur  Deckung  zu  bringen  mit 
einem  andern  frei  gesehenen  Bilde. 

Das  einmal  reflectirende  Stereoskop  besteht  aus 
einem  Spiegel,  der  so  vor  das  eine  Auge  gehalten  wird,  dafs  es 
das  Spiegelbild  erhält  von  dem  Bilde,  welches  unmittelbar  in 
das  Auge  gelangt. 

Das  zweimal  reflectirende  Stereoskop  ist  im  Princip 
mit  dem  ersten  WuEATSTONE'schen  Instrumente  identisch,  in  der 
Anordnung  etwas  verschieden. 

Eine  Art  gleiche  oder  verschiedene  Bilder  zu  ver- 
einigen. Auf  ein  Stück  Glas  wird  ein  Punkt  bezeichnet,  dieser 
wird  fixirt;  befindet  sich  nun  irgend  eine  Figur  auf  der  einen, 
und  eine  andere  gleiche  oder  ungleiche  auf  der  andern  Augen- 
oxe, so  werden  die  beiden  Figuren  mit  einander  vereinigt,  und 
scheinen  sich  in  der  Entfernung  des  Punktes  zu  befinden. 

Endlich  giebt  Hr.  Brbwstbr  eine  Methode  an,  stereoskopiscbe 
Bilder  einfacher  Körper  zu  zeichnen,  wobei  als  Abstand  der  bei- 


Brbwstbs.  321 

den  2i  Zoll,  als  Weite  des  deutlichen  Sehens  8  Zoll  angenom- 
men, im  Uebrigen  nach  den  einfachsten  perspectivischen  Gründe 
Sätzen  verfahren  wird.  ßu. 


D.  Bbewster.  Account  of  a  bioocular  camera,  and  of  a  me- 
thod  of  obtaining  drawings  of  füll  length  and  colossal 
slalues,  and  of  living  bodies,  which  can  be  exhibiled  as 
solids  wilh  the  slereoscope.  Phil.  Mag.  (4)  III.  26.30t;  Trans, 
of  Scott.  Soc.  of  arts  1849;  Rep.  of  Brit.  Assoc.  1849.  2.  p.  5. 

Die  interessanteste  Anwendung  des  Stereoskops  ist  wohl  die, 
lebende  Figuren  oder  Statuep,  richtig  gezeichnet,  zu  combiniren. 

Um  für  kleine  Bilder  photographische  Zeichnungen  zu  er- 
.  halten  braucht  man  eine  dunkle  Kammer  mit  zwei  Linsen,  welche 
mit  einander  die  Bilder  in  ganz  demselben  Zustande  aufnehmen. 
Die  beiden  Linsen  müssen  dieselbe  Oeffnung  und  Brennweite 
haben  und  in  der  Entfernung  beider  Augen  aufgestellt  sein.  Da 
es  aber  schwer  ist,  zwei  ganz  gleich  stark  brechende  achroma- 
tische Linsen  zu  erhalten,  so  schlägt  Hr.  Brewster  vori  eine 
einzige  zu  zerschneiden,  da  Halblinsen  denselben  Dienst  thun« 
Die  Linsen  werden  mit  den  Schnittdurchmessern  parallel  in  einer 
Entfernung  von  2^  Zoll  aufgestellt.  Bilder  mit  diesem  Apparate 
erhalten,  geben  vereint  schöne  Reliefs. 

Für  gröfsere,  weiter  entfernte  Gegenstände  müssen  die  Lin- 
sen in  gleichem  Maafse  aus  einander  treten,  als  der  Körper  sich 
entfernt,  damit  der  Winkel,  unter  welchem  die  Bilder  aufgenom- 
men werden,  sich  gleich  bleibe. 

Hr.  Brewster  erinnert  an  die  Vortheile,  welche  eine  solche 
Art  der  Anwendung  besonders  für  Bildhauer  gewährt.        Bu. 


D.  Bbbwstbr.     Notice  of  a  cbromatic  stereoscope.   PbU.  Hag. 

(4)  in.  31-31 ;  SiLLiMAN  J.  (2)  XV.  289-290i. 

Wenn  man  durch  eine  Linse  von  2^  Zoll  Durchmesser  mit 

beiden  Augen  z.  B.  nach  einem  rothen  Punkte  sieht,  so  erscheint 

dieser  im  Durchschnittspunkte  der  beiden  Augenaxen.    Dasselbe 

gilt  für  einen  neben  dem  rothen  liegenden  blauen  Punkt    Aber 

Fortsehr.  d.  Phys.  Vin.  "  21 


322  ^-     Physiologische  Optik. 

wegen  der  verschiedenen  Brechbarkeit  der  beiden  Farben  wer- 
den die  beiden  Punkte  in  ungleicher  Entfernung  sich  zu  befinden 
scheinen.  Nach  diesem  Princip,  sagt  Hr.  Brbwster,  habe  er  ein 
neues  Stereoskop  construirt.  Kr. 


D.  Brbwstbr.     Sur  la  vision  binoculaire  et  le  st^r^oscope. 
Cosmos  L  422-425t>  450-453t;  North  british  review  1852  May. 

In  Bezug  auf  physiologische  Optik  bringt  der  im  Cosmos 
enthaltene  Auszug  dieses  im  Original  40  Seiten  langen  Aufsatzes 
nichts  Neues.  Kr. 


E.  Wilde,     üeber    die  Anwendung  der  Camera    lucida    zu 
einem  Stereoskope.     Pogg.  Ann.  LXXXV.  63-67t. 

Den  von  Dove  und  Brewster  angegebenen  Prismenstereo- 
skopen fügt  Hr.  Wilde  die  Camera  lucida  als  Stereoskop  bei. 
Dieselbe  mufs  natürlich  so  aufgestellt  werden,  dafs  das  zweimal 
reflectirte  Bild  der  einen  Projection  mit  dem  direct  gesehenen 
der  andern  zusammenfällt.  Uu. 


C.  Whbatstonb.  Contributions  to  ihe  physiology  of  vision. 
Part  II.  On  some  remarkable  and  hilherto  unobserved 
phenomena  of  binocular  vision.    piiii.Mag.  (4)  III.  149-I52t, 

504-523t;  Inst.  1852.  p.  179-180+;  Arcb.  d.  sc.  pliys.  XIX.  196-200*; 
Phil.  Trans.  1852.  p.  1-17+;  Athen.  1852.  p.  117-117*;  Silliman  J. 
(2)  XV.  142-143;  Fechner  C.  BL  1853.  p.  366-367+;  Proc.  ofRoy. 
Soc.  VI.  138-141. 

Um  zu  untersuchen,  in  wie  weit  die  Gröfse  des  Retinabildes 
und  die  Convergenz  der  Augenaxen^  welche  sich  beide  zugleich 
verändern  mit  der  Entfernung  eines  Gegenstandes,  unser  Urtheil 
über  die  Gröfse  eines  Körpers  bedingen,  brachte  Hr.  Whbatstonb 
an  seinem  bekannten  Spiegelstereoskope  die  beiden  folgenden  Ver- 
Snderungen  an: 

Die  parallelen  Wände,  an  welchen  die  Bilder  aufgestellt  werden, 
sind  auf  Schlitten  verschiebbar,  die  beiden  Arme  des  Stereoskops 


Brbwstbr.  Wilob.   Whbatstone.  323 

aber  drehbar  um  einen  festen  Mitielpunkl  zwischen  den  beiden 
Spiegeln.  Je  näher  bei  feststehenden  Spiegeln  die  Bilder  (fensel« 
ben  gebracht  werden ,  desto  gröfser  werden  bei  unveränderter 
Axenconvergenz  die  beiden  Retinabilder,  und  umgekehrt.  Wer- 
den aber  die  Arme  um  den  festen  Mittelpunkt  gedreht,  während 
die  beiden  parallelen  Wände  feststehen,  so  wird  dadurch  der 
Winkel  der  Augenaxen  geändert,  während  die  Retinabilder  gleich 
grofs  bleiben. 

Hr.  Wheatstone  fand  mit  diesem  veränderten  Stereoskope 
folgende  Sätze  : 

Bei  gleichbleibender  Axendonvergenz  und  veränderlichem 
Retinabilde  ändert  sich  die  Gröfse  des  wahrgenommenen  Bildes 
so,  dafs  es  mit  der  Abnahme  des  Retinabildes  kleiner,  mit  der 
Zunahme  aber  gröfser  wird. 

Bei  gleichbleibendem  Retinabilde  und  veränderlicher  Axen- 
convergenz  ändert  sich  die  Gröfse  des  wahrgenommenen  Bildes 
so,  dafs  es  mit  abnehmendem  Convergenzwinkel  gröfser,  mit 
zunehmendem  aber  kleiner  wird. 

Beim  gewöhnlichen  Sehen  arbeiten  sich  die  beiden  Verän- 
derungen entgegen,  daher  wir  die  gleichen  Gegenstände  in  ver- 
schiedenen Entfernungen  für  gleich  grofs  halten. 

Hr.  Wheatstone  beschreibt  in  derselben  Abhandlung  ein 
Instrument,  welches  erPseudoskop  nennt,  und  welches  in  sei- 
ner Einrichtung  ganz  mit  einem  DovE^schen  Stereoskop  (siehe 
BerL  Ber.  1850,  51.  p.  504  No.  4)  zusammenfällt;  es  besteht 
nämlich  aus  zwei  rechtwinklig  gleichschenkligen  Prismen.  Herr 
Wheatstone  betrachtet  aber  durch  sein  Instrument  nicht  Zeich- 
nungen, sondern  Körper,  deren  Relief  dadurch  umgekehrt  wird, 
in  dem  das  Vertiefte  in  Erhabenes,  das  Erhabene  in  Vertieftes 
sich  verwandelt. 

Wenn  die  beiden  Prismen  so  gestellt  sind,  dafs  von  einem  ge- 
wissen Punkte  a  des  Körpers  die  zweimal  gebrochenen  und  einmal 
reflectirten  Strahlen  genau  in  ihrer  ursprünglichen  Richtung  aus 
den  Prismen  in  die  Augen  treten,  so  wird  dieser  Punktra  durch  die 
Prismen  ganz  wie  mit  blofsen  Augen  gesehen.  Alsdann  werden 
aber  die  Strahlen,  die  von  einem  weiter  als  a  entfernten  Punkte 
b  des  Körpers  herkommen,   von  den  Prismen  so  abgelenkt,   als 

21  ♦ 


324  ^^*    Physiologische  Optik. 

ob  sie  von  einem  näher  als  a  gelegenen  Punkte  ausgingen,  und 
umgeKehrt.  • 

Das  pseudoskopisclie  Sehen  erfordert  jedoch  einige  Uebung; 
am  leichtesten  gelingt  es  bei  einfachen  geometrischen  Körpern. 

Hr.  Wheatstonb  führt  sodann  noch  einige  andere  Arten  an, 
wie  man  pseudoskopische  Erscheinungen  wahrnehmen  kann,  analog 
den  verschiedenen  Conslructionen  des  Stereoskopes.  Btu 


H.  Mbyer.     üeber   die  Schälzung   der  Gröfse  und   der  Ent- 
fernung   der   Gesichtsobjecte    aus    der    Convergenz    der 

Augenaxen.      Pogg.  Ann.  LXXXV.  198-207t;   Arch.  d.  sc.  phys. 
XX.  137-138*;  Cosmos  I.  47-47. 

Der  Gegenstand,  welchen  Hr.  Meybr  in  diesem  Aufsalze  be- 
handelt, ist  demjenigen  gleich,  welchen  Wheatstonb  in  dem  so 
eben  angeführten  Aufsalze  gleichzeitig  behandelt  hat,  nämlich 
Veränderung  der  Axenconvergenz  ohne  Verändemng  der  Retina- 
bilder. Hr.  Meyer  brachte  an  dem  WnEATSTONE^schen  Instru- 
mente folgende  Veränderung  an: 

Die  parallelen  Wände,  an  denen  die  Bilder  aufgestellt  wer- 
den, sind  grofs,  und  mit  Scalen  versehen ;  die  von  dem  Nullpunkt 
nach  den  Augen  reflectirten  Strahlen  sind  nach  der  Reflexion 
parallel. 

Wenn  man  längs  diesen  Scalen  stereoskopische  oder  con- 
gruente  Figuren  verschiebt,  so  bemerkt  man  eine  auffallende 
Verkleinerung  und  Vergröfserung  des  combinirten  Bildes;  und 
zwar  sind  diese  Veränderungen  gröfser,  als  wenn  sie  blofs  durch 
die  ganz  kleinen  Veränderungen  der  Retinabilder  hervorgebracht 
wurden.  Sie  entstehen  also  durch  Veränderung  in  der  Conver- 
genz der  Sehaxen.  Wir  können  natürlich  den  Grad  der  Täu- 
schung nicht  in  Zahlen  ausdrücken;  der  Versuch  dient  aber, 
den  Einflufs  nachzuweisen,  welchen  das  Bewufstsein  von  der 
Convergenz  unserer  Augenaxen  (d.  h.  von  der  Thätigkeit  der 
musculi  recti  interni  oculi)  auf  die  Schätzung  der  Entfernung 
und  der  Gröfse  der  Gesichtsobjecte  äufsert.  Bu. 


MSTER.     DU  BoiS-RsTMOirO.     SOHRÖDfB.  3^5 

H.  Meveb.     Zur  Lehre  von  der  Synergie  der  Augenmuskeln, 

PoGG.  Ann.  LXXXV.  207-209f. 

Hr.  Meyer  stellte  mit  seinem  veränderten  Stereoskope  Ver- 
suche an,  aus  denen  hervorginge  dafs  der  Grad  der  möglichen 
Divergenz  bei  verschiedenen  Stellungen  der  Augenaxen,  somit 
der  Grad  des  möglichen  Zusammenwirkens  beider  muscuii  recti 
externi  in  verschiedenen  Axenstellungen,  als  nicht  verschieden 
anzusehen  ist.  Bu. 


E.  doBois-Rbymond.     Ueber  eine  orthopädische  Heilmethode 

des  Schielens.       Müller  Arcli.  J852.  p.  54l-542t. 

Häufige  stereoskopische  Sehübungen  hält  Hr.  du  Bois  für  ein 
anwendbares  orthopädisches  Mittel  gegen  Schielen. 

Diese  Sehübungen  haben  vor  dem  Fixiren  der  Gegenstände 
mit  gewöhnlichen  Augen  den  ungemeinen  Vorlheil,  dafs  in  dem 
Uebergang  des  Doppelbildes  in  eine  körperliche  Erscheinung  ein 
Merkmal  gegeben  ist  für  die  richtige  Beherrschung  der  Augen- 
axen.  Mit  Hülfe  dieses  Merkmales  wird  nicht  allein  ein  Kran- 
ker, der  sich  selbst  controliren  kann  und  will,  in  den  Stand  ge- 
setzt, sich  erfolgreich  zu  üben,  sondern  dasselbe  Merkmal  bietet 
auch  denen,  welche  die  Uebungen  Unmündiger  zu  leiten  haben, 
ein  Mittel  zur  Controle  ihrer  Zöglinge  dar. 

Als  Schwierigkeit  wird  der  Anwendung  entgegenstehen,  dafs 
der  Schielende  das  stereoskopische  Sehen  erst  erlernen  mufs. 

Bu. 


E  ScHRöDKB.     Ueber  eine  optische  Inversion  mit  freiem  Auge. 

PoGG.  Ann.  LXXXVII.  306-312t. 

Die  Erscheinung,  deren  Erklärung  Hr.  Schröder  versucht, 
ist  folgende: 

Wenn  man  die  Matrize  eines  Kopfes  oder  einer  menschli- 
chen Figur  in  Gyps  etc.  in  gehöriger  Entfernung  betrachtet,  und 
sich  in  ihren  Anblick  einige  Zeit  versenkt,  so  geht  die  Matrize 


326  ^*    Physiologische  Optik. 

in  eine  Patrize  über.  Es  gelingt  diefs  leichter  bei  schiefer  Be- 
leuchtung und  bei  einseitig  auffallendem  Lichte  als  bei  allgemei- 
ner Tageshelle.  Die  Matrize  mufs  von  Anfang  in  einer  solchen 
Entfernung  vom  Auge  aufserhalb  der  deutlichsten  Sehweite  be- 
findlich sein,  dafs  das  Auge  zvi^ar  wohl  die  Schatten-  und  Licht- 
verhältnisse erkennt,  aber  doch  nicht  die  Umrisse  aller  einzelnen 
Theile  mit  voller  Schärfe  auffaCst.  So  lange  eine  Matrize  in 
solcher  Nähe  vor  dem  Auge  ist,  in  welcher  alle  ihre  Theile  vom 
Auge  genau  erkannt  werden,  erscheint  sie  als  Matrize,  wie  lange 
sie  auch  betrachtet  werden  mag. 

Daher  müssen  gröfsere  Formen,  welche  stärkere  Vertiefun- 
gen enthalten,  weiter  vom  Auge  entfernt  werden,  wenn  sie  er- 
haben erscheinen  sollen,  als  kleinere;  und  da  man  mit  beiden 
Augen  die  Entfernungen  und  das  Relief  schärfer  wahrnimmt  als 
mit  einem  Auge,  so  mufs  eine  Matrize  weiter  entfernt  werden, 
wenn  sie  beim  Gebrauch  beider  Augen  erhaben  erscheinen  soll, 
als  bei  Betrachtung  derselben  mit  einem  Auge. 

Als  Erklärung  giebt  Hr.  Schröder  folgendes  an: 

Die  Wahrnehmung  der  wirklichen  Contouren  der  Theile 
des  Objects  erzeugt  die  Vorstellung  der  Matrize;  die  Wahrneh- 
mung der  Vertheilung  von  Licht  und  Schatten  sucht  viel  mäch- 
tiger, als  ein  Gemälde  es  kann,  die  Vorstellung  der  plastischen 
Form  des  abgebildeten  Gegenstandes,  die  der  Patrize  zu  erwek- 
ken.  Der  Geist  giebt  sich  lebhafter  den  Eindrücken  seiner  Vor- 
stellungen als  den  Eindrücken  der  Sinne  hin,  und  so  entsteht  die 
Vorstellung  der  Patrize. 

Eine  hohle  Form,  wenn  sie  mit  freiem  Auge  erhaben  gese- 
hen wird,  erscheint  stets  in  einer  verklärten  Beleuchtung.  Man 
stellt  sich  bei  der  eigenthümlichen  Gestaltung  der  Licht-  und 
Schattenverhältnisse  durch  die  Umstülpung  vor,  das  Licht,  das 
den  Körper  beleuchtet,  komme  aus  seinem  Innern;  daher  eine 
Art  von  Phosphorescenz  desselben.  Bu. 


Zamtkdxbcbi.    Barwitka'  327 

Zantbdbschi.     Sulla  fisiologia  della  visione.     Atti  del  Ist.  Venet. 

(2)  m.  218-22lt. 
Zwei  Salze  Stellt  Hr.  Zantedeschi  als  Hauptsätze  auf,  worauf 
sich  die  binocularen  Erscheinungen  zurückfiihren  lassen. 

1)  Die  Wahrnehmung  eines  Körpers  oder  seiner  Dinaensio- 
nen  entspringt  nothwendig  aus  der  gleichzeitigen  Einwirkung 
zweier  verschiedener  Projectionen  desselben  Körpers. 

2)  Wenn  gleichzeitig  verschiedene  Farben  identische  Nelz- 
hautpunkle  treffen,  so  vereinigen  sie  sich  nicht. 

Hr.  Zantedeschi  führt  auch  Beobachtungen  an,  welche  mit 
der  Umslülpung  des  Reliefs  von  andern  Beobachtern  stimnaen. 
Doch  möchte  der  erste  Salz  in  dieser  Form,  wenn  nicht  unrich- 
tig, doch  ungenau  sein.  Es  ist  nichts  leichter,  als  Projectionen 
eines  und  desselben  Körpers  zu  zeichnen,  welche  sich  niemals 
zu  einem  Relief  combiniren  lassen,  während  umgekehrt  der  Satz 
seine  Richligkeil  hat,  dafs  niemals  aus  der  gleichzeitigen  Einwir- 
kung zweier  gleichen  Projectionen  ein  Relief  entspringt. 

Was  den  zweiten  Salz  anbelangt,  so  möchte  er  wohl  eher 
80  zu  fassen  sein:  Es  giebt  Fälle,  in  welchen  keine  Combinalion 
einlrilt,  wenn  verschiedene  Lichtstrahlen  identische  Punkte  treffen. 

Bu. 


D.  Brewsieb.     Explanalion   of  an   optical  iUusion.    PWl.  Mag. 

(4)  HI.  55-57t;  Fbohkp  Tagsber.  üb.  Phys.  o.  Chem.  I.  245-247. 
Die  Hrn.  Brewster  milgelheilte  Erscheinung  ist  folgende: 
Wenn  eine  Silhouelle,  deren  Züge  etwas  vortreten,  und  die 
von  der  Rechten  zur  Linken  schaut,  gegen  ein  Fenster  gesteUt 
und  von  einem  kurzsichtigen  Auge  durch  eine  etwa  ^  Linie 
weite  Spalte  (die  siclr  in  einiger  Entfernung  von  dem  Fens  er 
befindet,  während  der  Beobachter  in  der  gleichen  von  der  Spalte 
ist),  betrachtet  wird,  so  wird  diese  Silhouette  von  der  Linken 
aur  Rechten  schauend  gesehen. 

Der  höchst  verwickeilen  Erklärungsweise  des  ersten  Beob- 
achters (der  nicht  genannt  wird)  stellt  Hr.  Brewster  eine  ein- 
^rl  Uegen,  indem  er  zeigt,  dafe  die  von  dem  Spallenrande 


328  ^^*     Physiologische  Optik. 

und  der  Silhouette  entstehenden  Zerstreuungskreisc  Proeininenzen 
hervorbringen,  welche  einem  umgekehrten  Bilde  der  Silhouette 
ähnlich  sein  können.  Bu* 


A,  Beer,      lieber    den    optischen    Versuch    des    Hro.  Lcbri. 
Po66.  Ann.  LXXXVU,  115-120t. 

Hr.  Beer  beschreibt  einen  Versuch,  der  sich  dem  vonLiBRi 
(im  Supplem.  zu  Herschel's  Optik  von  Quetelet  No.  28  und 
in  MoiGNo's  Repertoire  d'opt.  mod.  IL  618)  an  die  Seile  stellt. 

Auf  ein  weifses  Papier  zeichne  man  eine  schwarze  Linie 
von  der  Dicke  eines  Seidenfadens,  lieber  diese  Linie  halte  man 
in  der  Entfernung  von  einigen  Zollen  einen  schwarzen  Seiden- 
faden so,  dafs  dieser  die  Linie  deckt.  Betrachtet  man  alsdann 
Strich  und  Faden  mit  einem  Auge,  indem  man  dieses  so  accom- 
modirt,  dafs  es  einen  zwischen  Faden  und  Strich  gelegenen  Punkt 
am  deutlichsten  sehen  würde,  so  erbUckt  man  den  linearen  Raum, 
in  dem  sich  Strich  und  Faden  decken,  durch  eine  weifse  Mittel- 
linie der  Länge  nach  in  zwei  schwarze  Theile  getheilt.  Neigt 
man  den  Faden  um  W^eniges  gegen  den  senkrechten  Strich,  so 
vereinigen  sich  einerseits  der  obere  Theil  des  Striches  und  der 
untere  Theil  des  Fadens,  andererseits  der  obere  Theil  des  Fadens 
und  der  untere  des  Striches,  und  zwar  vermittelst  eines  kleinen 
schwarzen  Bogens.  Zwischen  den  beiden  Verbindungsbogen 
aber,  gerade  an  der  Stelle,  wo  sich  Faden  und  Strich  decken, 
zeigt  sich  eine  weilse  Lücke  in  der  Richtung  der  Linie,  welche 
den  spitzen  Winkel  des  Striches  und  des  Fadens  haibirt  Läfst 
man  eben  diesen  Winkel  wachsen,  so  wird  die  weifse  Lücke 
schmaler,  indem  gleichzeitig  die  Bogen  sich  immer  mehr  einer- 
seits der  Richtung  des  Fadens,  andererseits  der  des  Striches 
anschlieCsen.  Stehen  endlich  Faden  und  Strich  auf  einander 
senkrecht,  so  bietet  ihr  Anblick  nichts  Bemerkenswerthes 
mehr  dar. 

Ersetzt  man  den  schwarzen  Strich  durch  einen  eben  so  dic- 
ken schwarzen  Punkt,  und  verfährt  übrigens  wie  oben  angegeben, 
so  erblickt  man  auf  dem  Faden  das  Bild  des  Punktes,  hervor- 


Beer.   Dovb.  3^9 

gehoben  durch  gröfsere  Schwänze;  durch  seine  Mitte  aber  geht 
in  der  Richtung  des  Fadens  ein  heller  Strich. 

Auch  diese  Erscheinung,  welche  Hr.  Beer  objectiv  darge- 
stellt hat,  mufs  auf  Zerstreuungskreise,  und  zwar  hier  auf  gegen- 
seitige Unterbrechung  derselben  zurückgeführt  werden.       Bu. 


DovE.  lieber  den  Einflufs  der  Helligkeit  einer  weifseo  Be- 
leuchtung auf  die  relative  Intensität  verschiedener  Farben. 
P06G.  Ann.  LXXXV.  397-408+;  Inst.  1852.  p.  193-193t;  Berl.  Mo- 
natsber.  1852.  p.69-78t;  Pliü.  Mag.  (4)  IV.  246-249;  Arch.  d.  sc. 
phjB.  XXI.  215-219t;  Faoriep  Tagsber.  üb.  Pliys.  u.  Chem.  I. 
233-239;  Cosmos  I.  208-21J. 

Hr.  Dov£  hat  auf  verschiedene  Weise  bestätigt  gefunden, 
dafs  blaue  Strahlen  des  Abends  länger  hell  bleiben,  oder  langsa* 
mer  an  Intensität  abnehmen  als  rothe,  welche  die  ersteren  in 
der  Tageshelle  an  Stärke  bei  weitem  übertreffen;  er  glaubt  mit 
Bezug  auf  akustische  Analogieen  annehmen  zu  dürfen,  dafs  das 
Blau  wegen  seiner  gröfseren  Schwingungszahl  länger  auf  das 
Auge  wirke  als  das  Roth,  gleich  wie  man  hohe  Töne  weit  über 
tiefe  hört. 

Auf  diese  Weise,  sagt  Hr.  Dove,  erkläre  ich  mir  die  wun- 
derbare Erscheinung,  über  welche  sich  merkwürdigerweise  noch 
niemand  gewundert  hat,  dafs  bei  schwachem  Sternenlicht  sich 
das  Blau  des  Himmels  noch  deutlich  geltend  macht. 

Hr.  Dove  meint,  es  würde  vielleicht  der  dunkle  Raum  jen- 
seits des  Roth  durch  Concentration  des  Lichtes  sichtbar  werden. 

Obgleich  in  der  Dämmerung  blaues  Licht  überwiegt,  so 
kann  die  Wahrnehmung  des  Blau,  wenn  kein  Roth  mehr  sicht- 
bar ist|  doch  nicht  auf  dieses  objective  Fehlen  zurückgeführt 
werden,  da  sich  die  Versuche  auch  an  Tagen  anstellen  lassen, 
wo  der  Himmel  so  gleichförmig  bedeckt  ist,  dafs  mit  den  em- 
pfindlichsten Apparaten  keine  Polarisation  des  Himmelslichtes 
nachgewiesen  werden  kann,  ja  sogar  in  verfinsterten  Zimmern. 

Nach  Sebbeck  nimmt  die  zweite  Klasse  der  mit  mangeln- 
dem Farbensinn  behafteten  Individuen  bei  hellem  Licht  ungefähr 
die  Erscheinungen  wahr,  welche  ein  farbengesundes  Auge  in  der 


330  23.    Fhjnolo&Khe  Optik. 

Dämmerung  wahrnimmt  Die  Netxhaai  des  gesmiden  Auges  nähert 
sich  also  bei  schwacher  Beleuchtung  dem  Zustande  des  Kranken. 

Hr.  DovE  meint,  vielleicht  nehme  ein  krankhaftes  Auge,  das 
zwei  Farben  mit  einander  verwechselt,  die  Miltelfarbe  wahr, 
welche  man  erhält,  wenn  man  stereoskopisch  die  beiden  ver« 
wechselten  combinirL 

Zu  den  frühem  über  Lradiation  angestellten  Versuchen  fugt 
er  noch  folgende  bei: 

Durch  ein  violettes  Glas  erscheint  in  der  Weite  des  deutli- 
chen Sehens  eine  Flamme  violett,  innerhalb  derselben  eine  blaue 
Flamme  in  einer  rothen,  jenseits  derselben  eine  rothe  in  einer 
blauen.  Viel  schärfer  und  entschiedener  aber  sieht  man  diese 
Erscheinungen,  besonders  die  erstem,  wenn  man  durch  das  Glas 
nach  einer  von  einer  hellen  Flamme  beleuchteten  Diffractions- 
schneide  blickt.  Aufserhalb  der  Weite  des  deutlichen  Sehens 
erscheint  ein  Mikrometer  von  schwarzen  Linien  auf  weifsem 
Grund  wie  ein  grauer,  eines  von  weitsen  Linien  auf  schwarzem 
Grund  wie  ein  heller  Fleck.  Betrachtet  man  das  letztere,  d.  h« 
eine  Reihe  paralleler  weifser  Linien  auf  schwarzem  Grund,  durch 
ein  blaues  Glas,  und  geht  mit  dem  Auge  so  weit  zurück,  bis  das 
Gitter  als  Fleck  erscheint,  so  wird  es  lioch  deutlich  durch  ein 
rothes  Glas  wahrgenommen.  Die  Sehweite  für  rothes  Licht  ist 
also  erheblich  weiter  als  für  blaues.  Dafs  die  für  weibes  Licht 
ebenfalls  gröfser  ist  als  die  für  blaues,  ist  eben  so  deutlich  zu 
sehen. 

Man  kann  leicht  farbigen  Glanz  erhalten  durch  Combination 
einer  schwarzen  und  einer  weifsen  Fläche,  welche  man  durch 
ein  ge(ärbtes  Glas  ansieht.  Betrachtet  man  die  Fläche  durch 
ein  rothes  Glas  so  entsteht  Kupferglanz. 

Hr.  DovB  schliefst  hier  eine  Erklärung  der  sogenannten 
flatternden  Herzen  an.  Da  wir  die  verschiedenfarbigen  Flächen 
in  verschiedene  Entfernungen  setzen,  so  scheinen  sich  dieselben, 
wenn  sie  mit  einander  bewegt  werden,  mit  verschiedener  Win- 
kelgeschwindigkeit zu  bewegen,  die  eine  also  sich  über  der  an- 
dern zu  verschieben. 

Ein  folgender  Versuch  zeigt,  dafs  nur  beim  binocularen  Se- 
hen das  Bild  im  Hohlspiegel  vor  demselben  erscheint. 


Dreister.    Hiffbblet.  33  f 

Man  nähert  einen  an  einem  Stift  befestigten  Ring  dem  HoM- 
Spiegel  so,  bis  beide  durch  einander  hindurchgehen,  und  das  ver« 
gröfserte  Bild  des  Ringes  zwischen  dem  Auge  und  dem  wirkli- 
chen Ringe  steht.  Schliefst  man  nun  das  linke  Auge,  so  tritt 
das  Bild  des  Ringes  augenblicklich  hinter  denselben  zurück,  der 
abgekürzte  Hohlkegel,  welcher  dem  Auge  seine  Grundfläche  zu- 
kehrte, wendet  ihm  nun  plötzlich  seine  Schnittfläche  zu.  Nähert 
man  bei  dem  Sehen  mit  einem  Auge  die  Hand  plötzlich  dem 
Spiegel,  so  glaubt  nian  allerdings  auch  monocular  die  Hand  sich 
nähern  zu  sehen.  Das  ist  aber  nur  eine  bei.  schneller  Bewegung 
eintretende  Täuschung,  da  man  sich  nicht  vorstellen  kann,  dafs 
die  an  der  Stelle  bleibende  Hand  gröfser  wird.  Bu. 


D.  Brbwstbr.     Examination  of  Dove's  theory  of  luslre.    Athen. 
1852.  p.  104l-104lf ;  CosmosJ.  577-578 ;  Silliman  J.  (2  )XV.  125-125. 

Die  Ansicht  Hrn.  Brewstbr's  ist  die: 

Da  wir  von  den  Erscheinungen  sehr  dünner  Metallplatten 
vvissen,.  daüs  verschieden  gefärbte  Lichtarten  durch  Lagen  ver- 
schiedener Art  und  Dicke  durchgelassen  werden,  und  da  in  Folge 
der  verschiedeneiv^  Brechbarkeit  der  Strahlen  eine  einzige  Linse 
nicht  alle  in  derselben  Entfernung  vereinigen  kann,  so  entsteht 
durch  die  Anstrengung,  welche  erforderlich  ist,  um  das  Auge 
für  diese  verschiedenen  Farben  zu  accommodiren,  Metallglanz« 

Bu. 


J.  HippESLEY.     Phenomena  of  light.    Athen.  1852.  p.  1069-I070t. 

Hr.  HippBSLBY  greift  eine  Beobachtung  von  Andraud  an; 
dieser  hat  vor  einiger  Zeit  behauptet,  die  Entdeckung  gemacht 
zu  haben,  wie  man  die  Lufttheilchen  mittelst  eines  kleinen  Kar- 
tenloches sehen  kann.  Hr.  üippesley  zeigt,  dafs  unter  diesen 
Umständen  nichts  sichtbar  wird  als  kleine  Theilchen  auf  und  in 
dem  Auge,  und  dafs  von  Lufttheilchen  keine  Rede  ist. 

Bu, 


332  ^-    Physiologische  Optik. 

R.  W.  H.  Hardy.    Phenomena  of  light.    Athen.  1852.  p.  1306-I306t. 
J.  HippESLEY.     Pheoomena  of  light.     Athen.  1852.  p.  1368-1368i. 

Beide  Herren  streiten  um  die  Priorität  der  Beobachtung, 
dafs  ein  kleines  helles  Kartenloch  innerhalb  der  deutlichen  Seh* 
weite  eine  sternförmig  gezeichnete  Gestalt  darbiete,  ein  Streit, 
der  durchaus  müfsig  ist,  da  diese  Figur  schon  lange  vorher  be« 
kannt  war.  .  ßu. 


W.  Haidinger.     Die  LöwB'scbeo  Ringe,  eine  Beuguogserschei- 
nung.      Wien.  Der.  IX.  240-249t;  Pogg.  Ann.  LXXXVIIJ.  451-461+. 

Mit  den  Polarisationserscheinungen  im  menschlichen  Auge, 
über  welche  wir  im  Berl.  Ber.  1850,  51.  p.  493  gesprochen,  bringt 
Hr.  Haidinobr  in  die  nächste  Verwandtschaft  die  LöwE'schen 
Ringe.    Die  Erscheinung  selbst  ist  folgende: 

Wenn  man  durch  ganz  klare  seladongrüne  Auflösungen  von 
Chromchlorid  in  Wasser  gegen  einen  hellen  Grund  hinblickt,  so 
stellen  sich  dem  Auge  genau  in  der  Sehrichtung  auf  dem  grü- 
nen Felde  violette  Ringe  dar,  und  das  zwar  stets  von  scheinbar 
gleicher  Gröfse,  mit  der  Iris  des  Auges  vergleichbar,  welche  die 
Pupille  umgiebt.  Bei  andern  Lösungen  zeigen  sich  ähnliche 
Ringe.  Man  bemerkt  nach  Löwe  die  Ringe  deutlicher,  wenn 
man  das  gleichfarbige  durchsichtige  Feld  erst  in  einiger  Entfer- 
nung betrachtet,  und  es  dann  nach  und  nach  dem  Auge  näher 
bringt. 

Diese  Ringe  beobachtete  Hr.  Haidinger  in  dem  Blau  des 
Spectrums,  auf  mattgeschliffenes  Glas  aufgefangen,  wobei  an  ein 
dichromatisches  Mittel  nicht  zu  denken  war. 

Die  Projection  des  Ringes  auf  einer  durch  das  blaue  Mittel 
betrachteten  Fenstertafel  ergab  bei  der  Messung  eine  Winkel- 
gröfse  von  4^5(K  übereinstimmend  mit  der  Gröfse  der  Polarisa- 
tionsbüschel. 

„Aus  der  vollständigen  Uebereinstimmung  der  Ringe  im 
polarisirten  und  im  gewöhnlichen  Lichte  und  aus  den  ganz  glei- 
chen Farbentönen,  welche  sie  in  beiden  zeigen,  scheint  hervor- 
zugehen, dafs  auch  eine  ganz  gleiche  Grundursache  bei  der  Her- 


Hardt.  Hiyfbrslbt.  HAiDiNeER.  Següik.  333 

vorbringung  der  Erscheinung  beider  im  Auge  thäiig  ist;  dafs  die 
Beugung  des  Lichtes  die  Farbe  der  Polarisattonsbüschel  erklärt, 
glaube  ich  durch  die  Erscheinung  des  Schachbrettes,  durch  die 
Arbeiten  von  Stokes  und  durch  die  schwarzen  Büschel  im  Blau 
hinlänglich  fest  begründet.  Es  blieben  allerdings  noch  mancherlei 
Versuche  und  Beobachtungen  zu  machen  übrig,  um  die  Verbin- 
dung mit  den  Ringen  vollständig  herzustellen  und  jedes  Einzelne 
genügend  nachzuweisen;  dennoch  glaube  ich  nicht  anstehen  zu 
sollen,  die  oben  erwähnten  Beobachtungen  bekannt  zu  machen 
und  auf  sie  die  Ansicht  zu  gründen »  dafs  auch  die  LöwE*schen 
Ringe  durch  die  Beugung  des  Lichtes  bedingt  sind.*' 

An  diefs  schliefst  Hr.  HAmiNOER  eine  Beobachtung,  welche 
wir  bei  Dove  in  diesem  Berichte  erwähnt  haben,  nämlich  die  der 
Lichtflamme  durch  ein  violettes  Glas.  Bh. 


J.  M.  Sbgoin.  Trois  ra^moires  sur  les  couleurs  accidentelles. 
I.  Siehe  Berl.  Ber.  J850,  51.  p.  496.  IL  C.  R.  XXXIV.  767-768t; 
Cosmos  I.  335-336.  III.  C.  R.  XXXV.  476-476f.  I.  II.  IIL  Ann. 
d.  chiin.  (3)  XLI.  413-431. 

Die  Resultate  der  zweiten  Abhandlung  sind  folgende: 

1)  Wenn  man  einen  farbigen  Gegenstand  auf  dunklem  oder 
hellem  Grunde  betrachtet,  so  sieht  man  auf  seiner  Oberfläche  ein 
complementäres  Nachbild  und  rings  herum  einen  Schein  (aureole) 
von  der  Farbe  des  Gegenstandes.  Das  Nachbild  und  dieser 
Schein  können  auf  eine  weifse  Fläche  projicirt  werden,  und  blei-* 
ben  im  geschlossenen  Auge. 

2)  Wenn  man  einen  weifsen  oder  schwarzen  Gegenstand  auf 
farbigem  Grunde  betrachtet,  so  entsteht  auf  seiner  Oberfläche  ein 
Nachbild  von  der  Farbe  des  Grundes,  während  sich  der  Gegen- 
stand in  ein  complementäres  Nachbild  hüllt. 

Als  Ergänzung  der  zweiten  Abhandlung  führt  Hr.  Sbguin  in 
der  dritten  folgende  Erscheinung  an  : 

Man  beobachte  einen  farbigen  Gegenstand  auf  farbigem 
Grunde,  z.  B.  ein  orangenes  Rechteck  auf  rothem  Grunde.  Bei 
der  Betrachtung  bringt  das  Rechteck  sein  blaues  Nachbild  und 
der   rothe   Grund   sein   grünes  hervor.     Das   rothe   Licht   des 


334  23.    Physiologische  Optik. 

Grundes  dehnt  sich  aus  über  das  Rechteck.  Auf  der  Oberfläche 
desselbea  also  mischt  sich  Blau  und  Roth  zu  Violett  Werden  daher 
die  Augen  nach  einer  weifsen  Fläche  gewandt  oder  geschlosseOj 
80  sieht  man  ein  violettes  Rechteck  auf  grünem  Grunde.       Bu. 


'» 


W.  R.  Grove.  Od  a  mode  of  riviviog  dormant  impressions 
on  the  retina.  phil.  Mag.  (4)  IIL  435-436t ;  Inst.  1852.  p.251-252t; 
Arch.  d.  sc.  phys.  XX.  227-228t;  Cosmos  I.  237-238. 

Wenn  man  einen  hellen  Gegenstand  eine  Zeit  lang  betrach- 
tety  und  sich  nun  gegen  einen  dunklen  Raum  wendet,  so  erhält 
man  ein  Nachbild^  welches  allmalig  erlischt.  Ist  es  ganz  er- 
loschen, und  man  bewegt  vor  dem  Auge  hin  und  her  einen  hellen 
Gegenstand,  so  tritt  es  wieder  hervor«  Selbst  wenn  der  Gegen- 
stand nicht  hell  genug  war,  um  ein  Nachbild  zu  erzeugen,  so 
tritt  es  auf  diese  Weise  auf. 

Ebenso  findet  das  Umgekehrte  statt,  wenn  man  vom  weiOsen 
Gegenstande  weg  einen  weifsen  betrachtet,  und  nach  dem  Erlö- 
schen des  Nachbildes  einen  dunkeln  Gegenstand  vor  dem  Auge 
hin  und  her  bewegt. 

Die  Erklärung  findet  Hr.  Grövb  mit  Recht  in  der  verschie- 
denen Wirkung  des  Lichtes  auf  die  Stellen,  welche  afficirt  und 
nicht  afficirt  worden  sind.  Bu» 


A.  Beer.     Üeber  das  überzählige  Rolh  im  Farbenbogen  der 
totalen  Reflexion.      Pooe.  Ann.  LXXXVIf.  113-115f;  CosmosII. 

95-96. 

Läüst  man  auf  eine  der  Katheten  eines  gleichschenkligen  recht- 
winkligen Prismas  weiüses  Licht  fallen  und  an  der  Hypotenuse 
reflectiren,  so  gewahrt  man  in  dem  durch  die  zweite  Kathete 
heraustretenden  Lichte  einen  farbigen  Bogen,  der  die  Gränze 
zwichen  dem  partial  und  total  reflectirten  Lichte  bildet.  Derselbe 
erscheint  der  Theorie  gemäfs  an  seiner  Concavität  violett,  dann 
blau,  dann  grün.  Der  rothe  Saum,  welcher  folgt,  läCst  sich  nicht 
auf  die  Refractionsgesetze  zurückführen,  und  wird  von  J.  W.  Her- 
scHEL  als  Contrastwirkung  erklärt. 


Ghotb.  Bbbii.  Unoeh«  Bhiwstih.  335 

Als  Analogen  des  Versuches  und  Stütze  der  Erklärung  führt 
Hr.  Bebr  folgende  Erscheinung  an: 

Betrachtet  man  durch  ein  Prisma  eine  helle  weifse  Fläche 
von  etwa  quadratischer  Form  auf  dunklem  Grunde^  so  erscheinen 
zwei  ihrer  Seiten,  wenn  sie  der  brechenden  Kante  parallel  sind^ 
als  farbige  Bogen;  der  eine  zeigt  von  der  concaven  nach  der 
convexen  Seite  hin  Violett,  Blau,  Grün.  Neben  diesen  sieht  man 
noch  jenseits  des  Grün  an  der  Gränze  des  Weifs  immer  und 
eben  so  deutlich  wie  im  Farbenbogen  der  totalen  Reflexion 
einen  rothen  Saum  und  bei  starker  Beleuchtung  diesseits  des 
Violett  einen  schwachen  gelben  Saum»  der  sich  ins  Dunkle 
verliert.  Bu, 


F.  W.  Ukgbr.  lieber  die  Theorie  der  Farbenharmonie. 
Po66.  Ann.  LXXXVII.  121-J28t;  Cosmos  IL  156-159;  C.  H.  XL. 
239-239. 

Hr.  Unoer  prüft  die  verschiedenen  Ansichten  über  Farben- 
harmonie, und  sucht  dieselbe,  wie  die  Harmonie  der  Töne,  in  der 
Einfachheit  der  Verhältnisse,  welche  zwischen  den  Schwingungs- 
zahlen der  verschiedenen  Farben  existiren.  Nach  diesem  Grund- 
satze stimmt  er  sich  eine  Farbenscala,  welche  im  Verhältnifs  der 
ganzen  und  halben  Töne  einer  Tonleiter  gleicht.  Die  ganzen 
Töne  derselben  sind:  Roth,  Orange,  Gelb,  Grün,  Blau,  Violelt, 
Purpur.  Die  Zwischenstufen  bilden  die  halben  Töne;  nach  dieser 
Farbenscala  wurden  Bilder  (gleichsam  musikalisch)  colorirt,  und 
viele  bedeutende  Gemälde  deutscher  Gallerieen  geprüft.      ßu. 


D.  Brewstbr.  On  Ihe  development  and  extinction  of  regu- 
lär doubly  refracting  structures  in  the  cristalline  lenses 
of  animals  afler  death.     phii.  Mag.  (4)  III.  192-I98i. 

Hr.  Brewster  zeigt  durch  eine  Reihe  von  Beobachtungen 
an  Krystalllinsen  von  Thieren,  Beobachtungen,  welche  durch 
Zeichnungen  erklärt  werden,  dafs  nach  dem  To^e  sich  die  pola- 
risirende  Structur  der  Linse  ändert  und  endlich  verschwindet. 


336  23.    Physiologisclie  Optik, 

D,  Beewstbr.     Account  of  a  case  of  vision  without  retina. 

Athen.  1852.  p.980-980f ;  Inst.  1852.  p.323-323t;  CosmosL  516-517; 
Rep.  of  Brit.  Assoc.  1852.  2.  p.  3-3. 

Ein  Mann  fiel  auf  der  Jagd  vom  Pferde,  und  verlor  in  Folge 
des  Sturzes  das  Gesicht  ganz  am  einen  und  beinahe  ganz  am . 
andern  Auge.  Locale  Verletzung  war  kaum  zu  bemerken,  und 
daher  kam  die  Erblindung  von  einer  Zerrüttung  des  Gehirns  in 
der  Nähe  des  Ursprung  des  Sehnerven.  Dem  einen  Auge  blieb 
noch  das  Vermögen,  jemand  in  grofser  Entfernung  (über 
400  Yards)  zu  erkennen,  aber  in  der  Nähe  erkannte  der  Mann 
seine  nächsten  Bekannten  nicht;  er  sah  nur  Theile  ihres  Ge- 
sichts, und  er  konnte  nicht  durch  Hin-  und  Herbewegen  des  Auges 
die  einzelnen  Züge  zu  einem  Bilde  sammeln.  Bu. 


J.  B.  ScuNETZLER.     Ofaservalions  sur  rimpossibilil^  de  distinguer 
certaines  couleurs  dans  uu  cas  de  paralysie  partielle  de 

la   r6tine.      Arch.  d.  sc.  phys.  XXI.  251 -252t. 

In  Folge  einer  Iheilweisen  Lähmung  kann  ein  von  Herrn 
ScHNBTZLER  bcobachtetes  Individuum  die  rothe  Farbe  nicht  unter- 
scheiden.   Das  Grün  des  Spectrums  nennt  er  roth. 

Ob  der  Kranke  dasselbe  nicht  schon  vorher  gethan  hat,  d.  h. 
grün  und  roth  verwechselt,  mithin  vielleicht  grün  immer  rolh 
genannt  hat,  ist  nicht  angegeben.  Bu. 


F.  BoRCKHAUDT.     BeobachtuDgen   an   einem  Daltonisten.     ßer. 

üb.  d.  Verh.  d.  naturf.  Ges.  in  Basel  X.  90-93f. 

Referent  hatte  vor  einigen  Jahren  Gelegenheit,  ein  Indivi- 
duum genauer  zu  beobachten,  welches  einen  ausgezeichneten 
Mangel  an  Farbensinn  hatte.     Das  Ergebnils  war  folgendes: 

Der  Daltonist  nahm  einen  guten  Theil  des  Roth  im  Spec- 
trum nicht  wahr.  Die  Gränze  des  Spectrums  war  für  ihn  da, 
wo  für  das  gewöhnHche  Auge  das  Roth  am  intensivsten  isl. 
Selbst  w*enn   die  Strahlen   des  Spectrums   unmittelbar  auf  ein 


BaXWSTSA.    SCHinTZI.KA.    BOACKBAADT,    P&ATlAü.  337 

Auge  fielen,  erkannte  er  sie  nicht;  ebenso  nicht,  wenn  aus  dem 
Spectrum  mittelst  blauer  Glaser  der  mittlere  Theil  ausgelöscht 
wurde.  Dunkelroth  mit  Pigmenten  dargestellt  erklärte  er  für 
schwärzer  als  jede,  andere  schwarze  Farbe. 

Die  gelben  Strahlen  machten  auf  sein  Auge  denselben  inten- 
siven Eindruck  wie  dem  gewöhnlichen  Auge,  viellwcht  einen 
noch  stärkern,  da  Nuancen  irgend  welcher  Farbe  auf  demselben 
nicht  erkannt  wurden,  während  er  leichte  Nuancen  von  Gelb  auf 
jeder  andern  wahrnahm.  Stärkere  Nuancen  auf  Gelb  trübten  die 
Farbe  eher,  als  dafs  sie  dieselbe  veränderten. 

Wird  in  allen  Farben,  welche  Roth  enthalten,  dieses  durch 
Schwarz  ersetz!,  so  werden  die  entsprechenden  Farben  mit  denen, 
welche  Roth  enthalten,  verwechselt.  Werden  die  beiden  ver- 
wechselten Farben  gemischt,  so  wird  auch  die  JMischung  mit 
jedem  Beständtheile  verwechselt 

Auf  diese  Weise  gelang  es  Referenten,  nicht  nur  alle  vor- 
gekemmenen  Verwechslungen  zu  erklären,  sondern  selbst  ganze 
Farbenreihen  uHabhängig  vom  Daltonisten  darzustellen,  welche 
derselbe  verwechseln  mufste,  und  zwar  immer  mit  Erfolg. 

Die  akustische  Analogie  des  Mangels  an  Farbensinn  dürfte 
zu  suchen  sein  in  der  Taubheit  für  tiefe  Töne  und  in  der  grofsen 
Verschiedenheit  der  verschiedenen  Gehörorgane  in  der  Wahr- 
nehmung leiser  Töne  neben  starken.  ßu. 


J.  Plateau.     Sur  le  4)assage   de  Lucräce  ou  Ton  a  vu  une 
description  du  fantascope.     Arch.  d.  sc  phy».  XX.  300-302t; 

Cosmos  I.  Ö07-309. 

Durch  eine  Bemerkung  Sinstbden^s,  dafs  bei  Lucrez  sich 
eine  Stelle  finde,  in  welcher  man  das  Phantaskop  könnte  be- 
schrieben sehen,  sieht  sich  Hr.  Plateau  zu  einer  Erörterung  jener 
Stelle  veranlafst,  aus  welcher  hervorgeht,  dafs  Lucrez  an  nichts 
weniger  als  an  die  Beschreibung  eines  Instrumentes  der  Art  ge- 
dacht hat,  sondern  von  der  Entstehung  der  Traumbilder  spricht. 

Bu. 


Fortschr.  d.  Phyi .  VUI.  22 


339  ^«    Physiologische  Optik. 

S.  Stampfml  Methode  den  Durchmesser  der  Pupille  sowohl 
bei  Tag  als  bei  Nacht  am  eignen  Auge  zu  messen. 
Wien.  Der.  VIII.  511-513i;  Geunert  Arch.  XXI.  235-237t. 

Ein  entfernter  Lichtpunkt  erscheint  durch  eine  geeignete 
Convexlinse  gesehen  (dem  kurzsichtigen  Auge  auch  ohne  Linse) 
als  lichter  Kreis,  dessen  scheinbarer  Durchmesser  von  dem  Durch* 
messer  der  Pupille  abhängt.  Wird  nun  eine  Spalte  aus  Karten* 
papier,  der^n  Weite  sich  verändern  läfst,  so  vor  das  Auge  ge- 
halten,  da£B  beide  Ränder  der  Spalte  den  Lichlcylinder  berühren, 
80  giebt  ihr  Abstand  den  Durchmesser  des  Cylinders  an.  Da 
aber  der  Durchmesser  d  des  Lichtbüschels  vor  dem  Eintritt  in 
die  Cornea  gemessen  wird,  die  Linse  aber  dem  Auge  nicht  immer 
ganz  nahe  gebracht  werden  kann,  so  mufs  man  eine  kleine  Correc- 
tion  anbringen;  ist  F  die  Brennweite  der  Linse,  g  ihr  Abstand 
vom  Auge,  so  ist  der  wahre  Durchmesser  der  Pupille 

=  0.9.rf.(l-|.); 

da  die  Genauigkeit  des  Versuches  an  sich  nicht  sehr  grofs  sein 
kann,  so  ist  es  erlaubt  die  Formel  nicht  durch  Berücksichtigung 
aller  störenden  Einflüsse  zu  compliciren.  Bu. 


A.  KöLLiKBH.     Zur  Anatomie   und    Physiologie    der    Retina. 

Verh.  d.  Würzb.  Ges.  III.  316-336*;  Fechner  C.  B1.  1853.  p.  124-126t. 

H.  Mollbr.     Bemerkungen  über  den  Bau  uod  die  Functionen 

der  Retina     Verh.  d.  Würzb.  Ges.  HI.  336-340;  Fbchner  C.  BL 
1853.  124-126t. 

Die  Retina  besteht  aus  mehreren  Schichten:  1)  Der  Stäb- 
chenschicht; 2)  der  Kernchenschicht;  3)  der  Nervenzeilenschicht; 
4)  der  Nervenfasernschicht,  und  5)  der  Begränzungsmembran. 

„Durch  die  neuesten  Untersuchungen  der  Herren  Müller 
und  KöLLiKER  über  den  feineren  Bau  der  Netzhaut  wird  auf  die 
Function  der  Netzhautschichten  ein  neues  Licht  geworfen.  Aufser 
den  Fasern  der  vierten  Schicht,  welche  in  der  Richtung  der  Nelz- 
hautflSche,  von  der  Eintrittstelle  des  Sehnerven  aus  radiatim, 
verlaufen,  giebt  es  ein  zweites  System  von  Fasern,  welche  die 
Netzhaut  senkrecht  durchsetzen.    Diese  Fasern  sind  Fortsetzungen 


SvAMPnA.   KÖI.I.IKIR.   H«  HftcjLxa.  33g 

der  Stäbchen,  welche  bekanntlich  wie  PaUisaden  neben  einander 
und  senkrecht  auf  der  Netzhaut  stehen.  Sie  verbinden,  indem 
sie  die  Netzhaut  in  ihrer  ganzen  Dicke  durchsetzen,  die  Stäbchen 
tnit  den  Kernen  der  zweiten  Schicht  und  wiederum  diese  Kerne 
mit  der  vierten  Schicht,  also  mit  den  Fasern,  die  bisher  die  einzig 
bekannten  waren.  Die  Verbindung  der  neuen  Fasern  mit  den 
Kernen  ist  eine  vollkommen  innige,  nämlich  die  Kerne  sind  An- 
schwellungen der  Fasern  selbst;  ob  aber  die  Verbindung  mit  den 
alten  Fasern  der  Netzhaut  eine  eben  so  innige  sei,  ist  vorläufig 
noch  zweifelhaft.  Ermitteln  liefs  sich  nur  diefs,  dafs  die  von  den 
Stäbchen  ausgehenden  feinen  Fasern  beim  Eintritt  in  die  vierte 
Schicht  entweder ^direct  sich  in  ein  Bündel  feiner  Fäden  spalten, 
oder  kleine  dreieckige  Körperchen  bilden,  von  welchen  ebenfalls 
Fäden  entstehen,  die  in  der  Richtung  der  Netzhautfläche  weiter 
streichen«  Dem  Verhalten  der  Stäbchen  ist  das  der  sogenannten 
Zapfen  ganz  analog,  indem  auch  sie  feine  Fasern  von  dem  eben 
erörterten  Baue  aussenden. 

Die  bisher  allgemein  gültige  Annahme,  dafs  die  Opticusfasem 
die  Lichtempfindung  bedingen,  erscheint  aus  folgenden  Gründen 
unhaltbar:  1)  Es  empfindet  die  Stelle  der  Netzhaut,  wo  die  Fa- 
sern ausschliefslich  Uegen,  d.  h.  die  Eintrittsstelle  des  Sehnerven, 
gar  nicht;  2)  es  fehlt  an  dem  Theile  der  Netzhaut,  welcher  die 
schärfste  Lichtempfindung  besitzt,  am  gelben  Flecke,  eine  zusam- 
menhangende Lage  von  Opticusfasem  gänzlich;  3)  diese  Fasern 
bilden  in  der  Nähe  des  gelben  Fleckes  eine  so  dicke  Lage,  dab 
jeder  Lichteindruck  gleichzeitig  eine  Menge  von  Fasern  treffen 
und  jede  isolirte  Empfindung  verhindern  würde.  ** 

Es  bleibt,  wenn  alles  erwogen  wird,  nur  die  Stabschicht 
übrig  für  die  Lichtempfindung,  und  zwar  spricht  dafür:  1)  Die 
Aehnlichkeit  der  Stäbchen  und  der  von  ihnen  ausgehenden  feinen 
Fäden  mit  Hirnfasern;  2)  dafs  im  gelben  Flecke  nur  Stäbchen, 
und  zwar  ihre  Modification,  welche  man  Zapfen  nennt,  yorlAom- 
men;  3)  dafs  die  Entfernung  der  pallisadenartig  neben  einander 
gestellten  Stäbchen  genau  so  grofs  ist,  als  die  Distanz  zweier 
Netzhautbilder  sein  mufs,  um  den  Eindruck  der  Duplicität  zu 
machen.  Bu. 

22* 


340   ^*  Physiologische  Optik.   Bimei  a.  YaliiBr.  Budgc.  Broohuast« 

BoDOB  et  Yallbr.  Trotöieme  partie  des  recherches  sur  la 
popille.      C.  R.  XXXIV.  164-167t. 

Die  constante  Wirkung  der  Galvanisirung  ist  Contraction 
der  Pupille;  die  Wirkung  der  Aetherisation  gewöhnlich  Erweite- 
rung derselben.  Bei  einem  frisch  getodteten  Thiere  bringt  Gal- 
vanisirung Erweiterung  der  Pupille  hervor;  so  wie  die  Muskel- 
reizbarkeit abnimmt,  zeigt  sich  die  Wirkung  des  Galvanismus 
nur  an  den  erregtesten  Theilen  der  Iris. 

Es  lassen  sich  vier  Zustände  der  Irisqiuskeln  annehmen: 
1)  der  der  Contraction;  2)  der  der  ünbeweglichkeit;  3)  der  der 
Dilatation,  und  4)  der  der  partiellen  Dilatation. 

Diese  Zustände  werden  an  verschiedenen  Thieren  Jietrachtet. 
Bu. 

J.  BoDGB.     De  rinfluence  directe  de  la  lumiere  sur  les  mou- 

vements   de  Firis.       C.R.  XXXV.  564-565t;  Cosmos  I.  651-651; 
Arch.  d.  sc.  phyg.  XXII.  284-284*. 

Düren  Versuche  an  Fröschen  mit  durchschnittenem  Nervus 
opticus  hat  Hr.  Budob  gefunden,  dafs  das  Licht  nur  dann  auf  die 
Iris  wirkt,  wenn  der  Sympathicus  oberhalb  des  Halsganglions 
durchschnitten  war.   Dann  aber  wirkt  das  Licht  direct.        Bu. 


B.  E.  Brodhcjrst.     On  the  motions  of  the  Iris.    phil.  Mag.  (4) 
IIL  390-392t;  Inat.  1852.  p.  209-209t;  Proc.  of  Roy.  Soc.  VI.  154-156. 

Der  Verfasser  betrachtet  zuerst  die  Iris  in  Verbindung  mit 
dem  organischen  Nervensystem,  sodann  die  Beziehungen  der  ver- 
schiedenen Nerven  der  Augenhöhle  zur  Iris,  und  endlich  verfolgt 
er  die  Membran  in  niederen  Thierklassen.  Er  zieht  aus  seinen 
Beobachtungen  den  Schlufs,  dafs  XDontraction  der  active  Zustand, 
Dilatation  der  mangelnder  Innervation  ist,  dafs  Retina,  Central- 
organ  des  Gehirns  und  Ganglion  ophthalmicum  in  gesundem  Zu- 
stande sein  müssen,  damit  Irisbewegungen  stattfinden  können, 
dafs  Contraction  vom  Einflufs  der  organischen  Nerven  herrühre, 
Dilatation  aber  eine  Reflexbewegung  sei.  £fi. 


24.     Chemische  Wirkung  des  Lichtes.    Slatse.  344 


24«    Chemische  Wirkung  des  Lichtes« 


Untersuchungen  über  die  Veränderungen  der  Materie 
durch  die  chemischen  Strahlen  des  Lichtes  (I). 

J.  W.  Slater.  Result  of  some  experimeDts  on  the  chemical 
aclion  of  light.  Phn.  Mag.  (4)  V.  67-69t;  Chem.  Gaz.  J852. 
p.  325-327;  Chem.  C.  BL  1833.  p.  27-28;  Arch.  d.  sc.  phys.  XXIL 
262-265t;  lost.  1853.  p.  135- 136t;  Eromamn  J.  LYIL  239-242t; 
Arch.  d.  Pharm.  (2)  LXXIV.  38-39. 

Die  von  Hrn.  Slater  mitgetheilten  Versuche  wurden  von 
ihm  zur  Prüfung  des  von  Grotthuss  aufgestellten  Gesetzes  unter* 
nommen,  dafs  farbige  Substanzen  durch  die  complementär  ge-i 
färbten  Lichtstrahlen  am  stärksten  chemisch  afficirt  werden.  Um 
bestimmte  Farben  aus  dem  Sonnenlichte  abzusondern  wendet 
Hr.  Slatbr  nicht  die  Spectralanalyse  an,  sondern  Lösungen  ver- 
schieden gefärbter  Körper,  nämlich: 

für  Gelb  •  .  .    doppeltchromsaures  Kali; 

-  Grün.  .  .    Chloride  von  Kupfer  und  Eisen; 

-  Blau  .  .  •    schwefeis.  Kupferoxydammoniak; 

-  Roth.  .  .    schwefeis.  Rosentinctur; 

-  Weiüs  .  .    Wasser  mit  wenig  Salpetersäure. 

Die  Gefäfse  mit  diesen  Lösungen  hatten  den  Tag  über  freie 
Sonne;  die  zu  untersuchenden  Körper  wurden  in  Probegläsem 
eingeschlossen  in  die  Lösungen  eingetaucht. 

Bei  einer  concentrirten  Lösung  von  übermangansaurem  Kali 
war  z.  B.  die  Reihenfolge  der  Entfärbung  im  Blau,  Roth,  Weifs, 
Grün,  Gelb.  Die  Proberöhren  in  den  beiden  ersteren  waren 
schon  am  dritten  Tage  fast  farblos,  und  enthielten  am  siebenten 
Tage  kein  Mangan  mehr  in  Lösung.  Die  im  Weifs  und  Grün 
waren  bis  zum  22.  Tage  noch  nicht  ganz  zersetzt,  und  die  im 
Gelb  enthielt  nach  acht  Wochen  noch  viel  Uebermangansäure. 

Den  Einflufs  des  freien  Luftzutritts  bei  der  Insolation  zeigte 
folgender  Versuch.  Eine  versiegelte  und  eine  offene  Proberöhre 
mit  übermangansaurem  KaU  wurde  in  die  blaue  Lösung  gesenkt. 


343  24.    Chemische  Wirkung  des  Lichtes. 

Nach  acht  Stunden  war  die  Lösung  in  der  versiegelten  Röhre 
tatfarbty  während  die  offene  noch  tiefroth  gefärbt  war.  Aehnliches 
zeigte  sich  bei  Quecksilberoxyd,  welches  in  verschlossener  Röhre 
dem  blauen  Lichte  ausgesetzt,  sich  in  vier  Tagen  stark  schwärzte, 
in  offener  Röhre  aber  unverändert  blieb.  Für  einige  andere 
Substanzen  war  die  Reihenfolge  der-  Wirkung  in  den  verschiede- 
nen Farben  von  der  stärksten  beginnend: 

1)  Quecksilberjodid :  blau,  roth,  weifs,  grün,  gelb; 

2)  Jodstärke:  blau,  roth,  weifs,  gelb,  grün; 

.  3)  Quecksilberchlorid:  blau,  roth,  weifs,  grün; 

4)  Chlorophyll  in  Alkohol:  blau,  roth,  weifs,  grün,  gelb; 

5)  Eisenscbwefelcyanid  in  Alkohol :  weifs,  blau,  gelb,  grün,  roth. 
Bei  einer  Untersuchung  über  den  Einfluls  der  Concentration 

der  au  zersetzenden  Flüssigkeit  zeigte  sich,  dafs  die  stärkste 
Wirkung  bei  einer  mittleren  Verdünnung  einer  gesättigten  Queck- 
silberchloridiösung  erfolgte. 

Die  von  Hunt  gemachte  Beobachtung,  dafs  eine  Mischung 
der  Lösungen  von  zweifach  rhromsaurem  Kali  und  schwefele 
saurem  Kupferoxyd  im  Sonnenscheine  eine  grünlich -gelbe  Fäl- 
lung giebt,  vervollständigt  Hr.  Slater  dahin,  dafs  dies  in  allen 
Strahlen,  in  offenen  und  verschlossenen  Gefafsen,  in  letzteren 
etwas  früher,  aufserdem  schneller  und  vollständiger  in  verdünn- 
ten Lösungen  stattfindet. 

Lösungen  der  beiden  Salze,  jede  für  sich  dem  Sonnenlichte' 
ausgesetzt  und  dann  im  dunkeln  vermischt,  liefern  den  nämlichen 
Niederschlag;  aber  im  Dunkeln  bereitet  und  vermischt  erhält  man 
keinen  bemerkbaren  Niederschlag;  ein  neues  interessantes  Bei- 
spiel, dafs  die  Insolation  einen  Körper  zu  Verbindungen  disponirt» 
die  sonst  nur  unter  der  Einwirkung  des  Lichtes  (oder  der  Wärme) 
erfolgen.  '  Ka. 


R.  Hunt.     Od  the  chemical  action  of  solar  radiations.    Eep. 

of  Brit.  Assoc.  1852.  1.  p.  262-272;  Cosmos  I.  599-60(>{-. 

Aus  dem  im  Cosmos  mitgetheilten  Auszuge  lä&t  sich  wem'g 
m^hr  als  der  Gegenstand  der  Untersuchungen  des  Hrn.  Hunt 
ersehaiL     Den  wichtigsten  Theil   der   Arbeit  UMet   wohl  die 


HüMT.      SCHEÖTTKB.  ,  343 

Untersuchung  über  die  verschiedenen  Farben  des  Spedrums  auf 
chemische  Präparate,  namentlich  auf  die  in  den  verschiedenen 
Zweigen  der  Photographie  angewendeten,  und  über  den  BinfluTs 
farbiger  absorbirender  Medien,  die  zwischen  der  Lichtquelle  und 
dem  Präparate  eingeschaltet  wurden.  „Die  Resultate  dieser  Un* 
tersuchungen  sind  in  einer  immensen  Reihe  chemischer  Spectra 
dargestellt,  welche  durch  die  Strahlen  erhalten  wurden,  die  far- 
bige Gläser  und  Flüssigkeiten  oder  auch  farblose  Lösungen  durch- 
strahlt hatten'*,  schreibt  der  Herausgeber  des  Cosmos,  und  mufs 
man  eine  Veröflfentlichung  der  einzebien  Vecsuche  wünschen. 

Eine  unmittelbar  der  Praxis  geltende  Notiz  ist  die,  dals  gelbe 
Gläser  keineswegs  die  chemische  Wirkung  abschneiden,  wenig- 
stens wenn  das  chemische  Präparat  das  jodirte  CoUodium  ist 
Spectralanalysen  zeigten  Hrn.  Hunt  auf  der  Collodiumschicht 
hinter  dem  gelben  Glase  noch  eine  chemische  Wirkung  vom  Grün 
bis  jenseits  des  Violett.  Es  ist  nicht  gesagt,  ob  nicht  auch  das 
Äuge  durch  das  gelbe  Glas  einen  Eindruck  der  Farben  von  Grün 
bis  Violett  erhielt,  wie  Referent  glauben  möchte,  da  ihm  noch 
kein  einfarbiges  gelbes  Glas  unter  den  käuflichen  vorgekommen 
ist  Jedenfalls  wird  die  chemische  Wirkung  des  Lichtes  durch 
das  gelbe  Glas  sehr  geschwächt,  und  Photographen  werden  nur 
für  den  Fall,  dafs  sie  sehr  empfindliche  CoUodiumpräparate  an- 
wenden, Nachtheil  von  der  gelben  Beleuchtung  zu  besorgen  haben. 


Phosphorescenzerregung  (IV). 

A.ScHRöTTER.    üeber  die  Ursache  des  Leuchtens.  gewisser 
Körper  beim  Erwärmen.     Wien.  Ber.  IX.  4l4-419t;  Erdmann 
J.  LVIII.  150-155t;  Chem.  C.Bl.  1853.  p.  378-381;  Arch.  d.  Pharm. 
(2)  LXXV.  317-320. 
Die   im  vorigen   Jahresberichte*)   erwähnte   Ansicht  Mar- 
chand's,  dafs  die  Phosphorescenz  des  Phosphors  von  einer  Ver- 
dunstung abhänge,  wi)rd  in  obiger  Abhandlung  des  Hrn.  Schröttbr 
vnderlegt,  indem  vielmehr  nachgewiesen  wird,  dafs  die  Anwe- 

>)  Berl.  Ber.  1850,  51.  p.  526^ 


344  2^*    ChemMche  Wirkung  des  Lichtes. 

senheit  des  Sauerstofis,  wenn  auch  in  sehr  geringer  Menge,  stets 
iür  die  Phosphorescenz  errorderlich^  diese  also  als  ein  schwacher 
Verbrennungsprocefs  zu  betrachten  sei,  dafs  dagegen  bei  völligem 
Ausschlüsse  des  Sauerstoffs  selbst  starke  Erwärmung  keine  Phos- 
phorescenz hervorrufe. 

Das  Gleiche  gedenkt  Hr.  Schrötter  für  den  Schwefel,  das 
Selen,  das  Arsen  zu  beweisen,  und  soll  die  betreffende  Abhand- 
lung in  den  Denkschriften  der  Wiener  Akademie  erscheinen. 

Ka. 


Einflufs  des  Lichtes  auf  Pflanzen  (V). 

J.  H.  Gladstonb.  Report  od  the  influence  of  Ihe  solar  radia- 
tions  on  the  vilal  powers  of  plants  growing  under  diffie- 
renl  atmospheric  conditions.     Athen.  1852.  p.98it» 

Es  werden  nur  einzelne  Beispiele  mitgetheilt,  aus  denen  sich 
aUgemeinere  Schlösse  nicht  ableiten  lassen.  Die  Versuche  schei- 
nen so  angestellt  zu  werden,  dafs  die  Pflanzen  unter  Glasglocken 
(gefärbt,  farblos,  abgeschlossene  Luft)  oder  hinter  Gläsern  (ge- 
färbt, farblos,  freie  Luft)  längere  j^eit  hindurch  beobachtet  wer- 
den. Die  zu  den  Versuchen  gewählten  Pflanzen  waren  Hyacin- 
then,  Weizen,  Malven,  Viola  tricolor  (pansy)  und  Poa  annua.  Im 
Allgemeinen  fand  das  stärkste  Wachsthum  nächst  im  weilsen,  im 
blauen  Lichte  statt,  die  im  blauen  Lichte  erwachsenen  Pflanzen 
waren  aber  schwächlich,  während  die  im  gelben  Lichte  erwach- 
senen derb  und  gesund  blieben.  In  unveränderter  Luft  erhält 
die  Pflanze  sich  länger  wie  in  der  freien  Luft.  Ka. 


Anfertigung  der  Lichtbilder  (VIII). 

Da  dieses  Capitel  jetzt  zu  einem  selbstständigen  Zweige  der 
Technik  herangewachsen  ist,  für  dessen  ferneres  Wachsthum  die 
Hülfe  der  Wissenschaft  nicht  mehr  in  gleichem  Maalse  wie  frü- 
her erfordert  wird,  so  ist  es  wohl  an  der  Zeit  die  vollständigen 
Berichte  über  praktische  Details  hier  einzustellen  und  die  Mit- 
theilungen theils  auf  einzelne  sich  erst  entwickelnde  Thdie  der 


Gladstovk*  Briwstxr.  P&aut.  Tauiot.  W11.LAT.        345 

Photographie  (wie  z.  B.  die  Heliochromie),  theils  auf  eine  allge- 
meine Uebersicht  über  die  gemachten  Fortschritte  zu  beschrän- 
ken. Dies  wird  um  ^so  mehr  ohne  Nachtheil  geschehen  können, 
als  für  die  praktische  Photographie  besondere  Zeitschriften  be- 
stehen, welche  sich  eine  vollständige  Aufzeichnung  aller  in  ihr 
Gebiet  schlagender  Untersuchungen  zur  Pflicht  machen.  Vor- 
zugsweise sind  zu  nennen  das  in  Paris  erscheinende  Journal 
,yLa  luipi^re"',  und  ein  demselben  nachgebildetes,  übrigens  durch- 
aus selbstständiges  deutsches  ,,  Photographisches  JourhaP  von 
W.  HoRN  m  Prag,  seit  1854.  Aufserdem  enthält  das  Londoner 
Art  Journal  viele  photographische  Notizen,  wie  auch  von  dem 
„Cosmos*'  besonders  dieses  Gebiet  berücksichtigt  wird. 

1.    Zur  Photographie  überhaupt. 

D.  Brbwstbr.     On  the  form  of  images  produced  by  lenses 
and  mirrors  of  different  sizes.     Athen.  1852.  p.978-979t;lo3t. 

1852.  p.313-314t;   Silliman  J.  (2)  XV.   121 -122h    Cosmo«  I. 
146-148,  492-493;  Rep.  of  Brit.  Assoc.  1852.  2.  p.  3-6. 

Pladt.     Chassis   multiple    pour   la    Photographie.     Cosmos  L 
653-654. 

F.  Talbot.    La  chambre  noire  du  voyageur.     Cosmos  II.  52-54t. 

WiLLAT.   Zusammenlegbare  Camera  obscura   Dinolbr  J.  cxxy. 

'     180-18lf ;  Pract.  mech.  J.  1852.  March.  p.285. 

In  den  vorstehenden  Titeln  sind  die  wichtigsten  Vorschläge 
angeführt  9  welche  zur  Vervollkommnung  des  photographischen 
Apparates  überhaupt,  gemacht  wurden. 

Hr.  Brewstbr  verwirft  Linsen  oder  Spiegel  grofser  Oeffnung 
für  photographische  Zwecke,  weil  die  Bilder  von  solchen  noth- 
wendig  etwas  Häfsliches  und  Unnatürliches  haben  müüsten,  in- 
dem Strahlen  von  Theilen  des  Objectes  sich  zum  Bilde  vereinig- 
ten, die  wir  mit  dem  Auge  nicht  gleichzeitig  sehen  können.  Man 
müsse  dahin  streben,  nur  Linsen  von  der  Oeffnung  der  Pupille 
zu  benutzen,  also  vorzüglich  Werth  auf  die  Herstellung  sehr 
empfindlicher  Präparate  legen.  So  viel  thunlich,  haben  die  Pho- 
tographen diesen  Vorschlag  schon  früher  ausgeführt,  indem  sie 
die  Linsen  durch  Diaphragmen  abblendeten. 


346  ^-    Chemische  Wirkang  des  Lichttt. 

Der  von  Hrn.  Brbwstbr  gerögte  Fehler  photographischer 
Bilder  liegt  indessen  schwerlich  in  der  zu  grofsen  Oeffnang  der 
Linsen,  welche  nur  bei  sehr  nahen  Objecten  einen  bemerkbar 
falschen  Eindruck  der  Bildperspective  veranlassen  würde,  son- 
dern vielmehr  in  dem  mangelhaften  Apianalismus,  weshalb  eben 
die  angeführte  Benutzung  von  Diaphragmen  unter  Umständen 
von  Werth  sein  kann. 

Die  Vorschläge  der  Hrn.  Plaut  und  Talbot  beziehen  sich 
auf  zweckmafsige  Einrichtung  der  Camera  obscura,  um  auf  Ex- 
cursionen  das  Präpariren  der  Platten,  das  Einsetzen  derselben 
u.  s.  w.  leicht  vornehmen  zu  können,  ohne  eines  besonderen  Ar- 
beitsraumes zu  bedürfen.  Hr.  Willat  construirt  eine  bequem 
zu  handhabende  und  zu  verpackende  Camera  obscura. 

2.    Zur  Photographie  auf  Metallplatten. 

NiipCB  DB  Saint- Victor.     Second  memoire  sur  rhöliochromie. 

CR.  XXXIV.  2i5-2J8t;  Inst.  1852.  p.42-43t;  Dinolir  J.  CXXIV. 

67-70t;  Arch.  d.  sc.  phys.  XIX.  225-227t;  Likbio  Add.  LXXXIV. 

177-179;  Bull.  d.  l.Soc.  d'enc.  1852.  p.  795-797;  Froriip  Tagsber. 

üb.  Phys.  u.  Chem.  I.  285-288. 
—  —     Troisiöme  memoire  sur  rhöliochromie.     CR. XXXV. 

694-697t;  Inst.  1852.  p.359-359t;  Cosmos  I.  683-689;  Arch.  d.  sc. 

phys.  XXI.  219-223t;  Bull.  d.LSoc.  d'enc.  1852.  p.  797-799;  Diko- 

MR  J.  CXXVI.  295-299t;  Polyt.  C  Bl.  1853.  p. 54-57;  Faoribp 

Tagsber.  üb.  Phys.  u.  Chem.  L  357-359;   Lisbio  Aud.  LXXXIV. 

179-180t;  Athen.  1852.  p.l273-1273t;  Sillima» J.  (2)  XV.  272-273t. 

Bbcqoskbl.     Observations  sur  la  communication  de  M.  NiIpcb 

DB  SaiST-ViCTOR.      C  R.  XXXV.  697-698t, 

).  Gakpbbll.     Note  sur  rh^liocbromie.    GosmosU.  41-44, 89-91; 
Djnslxk  J.  CXXVII.  143-I45t. 

Die  von  Edm.  Becquerel  gemachte  Entdeckung,  dals  auf 
Silberplatten,  die  mit  Chlor  in  bestimmter  Weise  präparirt  wur* 
den,  die  Farben  des  wirksamen  Lichtes  erscheinen,  hat  Hr.  Niepce 
für  die  praktische  Anwendung  zu  vervollkommnen  gesucht  Ue- 
ber  die  Anfange  seiner  Untersuchungen  ward  schon  im  vorigen 
Jahre  berichtet  ^) ;  das  nunmehr  von  ihm  beschriebene  Verfahren, 

')  Berl.  Ber.  1850,  51.  p.  530*,  537*. 


NiAfcidi^Saimt- Victor.  Dio^übeil.   Cakpbkll.         347 

so  wie  ein  ähnliches  von  Hrn.  Campbell  unabhängig  von  ihm 
gefundenesi  läfst  noch  sehr  viel  zu  wünschen  übrig ,  wenn  auch 
die  gewonnenen  Resultate  merkwürdig  genug  sind. 

Eine  Hauptschwierigkeit  besteht  darin,  dafs  zur  möglichst 
vollkommenen  Erzeugung  jeder  Farbe  ein  abgeändertes  Verfah- 
ren verlangt  wu'd  z,  B.  Gelb  durch  die  geringste  Menge  von 
Chlor,  Roth  durch  die  gröfste  Menge  von  Chlor  entsteht. 

Mit  einer  Lösung  von  1  Theil  Eisenchlorid  und  4  Theilen 
Kupfervitriol  in  300  Th.  Wasser  erhält  man  alle  Farben  mit 
weifsem  Grunde,  sie  sind  aber  wenig  lebhaft  Ebenso  erzeugen 
sich  alle  Farben,  und  zwar  lebhafter  wie  im  vorigen  Falle,  wenn 
man  eine  Mischung  von  100  Th*  Chlormagnesium  mit  60  Th. 
Kupfervitriol  anwendet. 

Nachdem  Hr.  Niepcb  gefunden,  dafs  die  ReproSuction  aller 
Farben  von  gefärbten  Kupferstichen  erfolgte,  die  er  auf  die  prä- 
parirte  Platte  legte  und  dem  Lichte  aussetzte,  so  versuchte  er 
gefärbte  Bilder  in  der  Camera  obscura  herzustellen.  Dies  gelang 
für  einige  Farben,  namentlich  für  hellere  sehr  wohl;  bei  einer 
Puppe  z.  B.  bildeten  sich  einzelne  Kleiderstofle  sehr  deutlich  in 
ihren  Farben,  Gold  und  Silber  mit  ihrem  Metallglanz,  ab.  Im- 
mer aber  fehlte  noch  die  gleichzeitige  vollkommene  Ausbildung 
aller  Farben;  auch  scheint  eine  sehr  lange  Zeit  der  Lichtwirkung 
erforderlich  zu  sein. 

Hr.  Niepcb  glaubt  indessen  durch  folgenden  Versuch  den 
richtigen  Weg  gefunden  zu. haben.  Eine  Silberplatte  wird  in 
das  Chlorbad  getaucht,  nach  dem  Herausnehmen  aber  nur  g^ 
trocknet,  nicht  bis  zur  Farbenänderung  erhitzt.  Auf  diesa:  Platte 
wird  das  Bild  erzeugt,  welches  zuerst  keine  Farben  zei^,  die 
aber  mitunter  hervortraten,  als  die  Platte  nunmehr  mit  einem 
in  Ammoniak  getränkten  Baumwollenbällchen  gelinde  abgerieben 
wurde.  Es  handelt  sich  also  nach  Hm.  Niipcn's  Ansicht  daruaa 
eine  Substanz  zu  finden,  die  in  ähnlicher  Wdse  die  unsichtbar 
entwickelten  Farben  hervortreten  läist,  wie  die  Quecksilberdämpfe 
im  DAOVERRB*schen  Procefs  das  unsichtbar  entwickelte  Büd« 

Endlich  mufs  auch  noch  ein  Verfahren  entdeckt  werden, 
die  farbigen  Bilder  zu  fixiren. 

Hr.  Campbsll  scheint  in  einigen  Punkten  schon  weiter  fort« 


348  24.     Chemistbe  Wirkung  des  Lichtes. 

geschritten  zu  sein;  er  verfahrt  folgendermafsen.  Man  bereitet 
eine  Auflösung  von  Kupferchlorid  und  Eisenchlorid »  indem  man 
1  Th.  von  jedem  dieser  Salze  in  3  bis  4  Th.  Wasser  lösL 
Die  Silberplatte  befestigt  man  am  -f  Pol  einer  Säule,  an  deren 
—  Pol  ein  Platinblech  angebracht  ist.  Platte  und  Blech  taucht 
man  dann  in  das  Bad,  bis  die  Platte  eine  Lila -Farbe  angenom- 
men hat.  Die  herausgezogene  Platte  wird  dann  vollkommen  in 
Regenwasser  oder  destillirtem  Wasser  gewaschen  und  mit  der 
grölsten  Sorgfalt  über  einer  Weingeistlampe  getrocknet.  Ihre 
Temperatur  darf  dabei  nicht  über  100®  C.  steigen,  und  muCs  sie 
eine  kirschrothe  Nuance  annehmen. 

Vor  der  Einbringung  in  die  Camera  obacura  wird  nun  die 
•  Platte  in  eine  schwache  Auflösung  von  Fluornatrium  (oder  auch 
von  chromsaurem  Chromchlorid)  getaucht  (und  wieder  getrock- 
net?), wodurch  die  Lichtwirkung  beschleunigt  wird,  und  die  ent- 
stehenden Farben  sich  wenigstens  im  gewöhnlichen  diffusen  Licht 
nicht  mehr  verändern. 

J.  Nattbrer  jun.  Verfahren  Lichtbilder  auf  jodirten  mit  Chlor- 
schwefel behandelten  Silberplatten  ohne  Quecksilber  dar* 
zustellen.  Dinglkr  J.  CXXV.  25-27t;  Böttger  poljt,  NotizbL 
1852.  No.  3. 

Hr.  Natterbr  beschreibt  eine  neue  Art  der  Photographie 
auf  Metallplatten,  die  manche  Vorzüge  vor  dem  gewöhnlichen 
Verfahren  besitzen  würde,  wenn  sie  von  einigen  ihr  noch  anhaf- 
tenden Mängeln  befreit  werden  kann.  Eine  auf  gewöhnliche 
Weise  jodirte  Silberplatte  wird  in  einem  6  bis  8  Zoll  hohen  Ge- 
iaCse  den  Dämpfen  von  Chlorschwefel  (oder  auch  Bromschwefel) 
ausgesetzt,  bis  sich  die  dunkelgelbe  Farbe  ins  Röthliche  ver* 
ändert  hat.  Die  Platte  wird  dann  in  die  Camera  gebracht;  nach 
etwa  lOSecunden  ist  das  Bild  eines  h ellb ei euchteten  Gegen- 
standes auf  der  Platte  noch  nicht  sichtbar;  dasselbe  entwickelt 
sich  aber  im  Dunkeln  von  selbst,  oder  auch  indem  man  die  Platte 
erwärmt  oder  in  schwaches  Tageslicht  bringt«  Bei  längerer  Ex- 
position in  der  Camera  tritt  das  Bild  schon  dort  hervor.  Man 
hat  also  den  Vortheil  für  sehr  verschiedene  Zeiten  der  Exposi- 
tion immer  brauchbare  Bilder  zu  erhalten.    Das  Bild  wird  im 


Nattirvh.    Literatur.  349 

Dunkeln  durch  Abwaschen  mit  einer  Lösung  von  unterschweflig- 
saurein  Natron  oder  Cyankalium  fixirt,  wodurch  es  indessen  an 
Kraft  verliert.  * 

Die  Hauptmängel  des  Verfahrens  scheinen  erstens  die  geringe 
Empfindlichkeit  des  Präparates^  zweitens  die  unvortheilhafte  Fixi- 
rungsarl,  zu  sein. 

3.    Zur  Photographie  auf  Collodium  (Eiweifs^  Guttapercha^ 

Papier). 

R.  J.  B1N6HAM.    Notice  sur  Femploi  du  coUodion  dans  la  pho-  . 

tographie.  C.  R.  XXXIV.  725 -729t;  Cosmös  I.  56-57;  Bull.  d. 
1.  Soc.  d'enc.  1852.  p.  551-552;  Diholier  J.  CXXV.  28-31+;  Erd- 
mahn J.  LVI.  485-488t;  Likbio  Ana.  LXXXIV.  173-176+. 

Darstellung  der  Lichtbilder  auf  mit  Collodium  überzogenen 
Platten.  Dimoler  J.  CXXIV.  64-67t;  Technologiste  1852.  Fevr. 
p.  249. 

J.  Stuart.     Note  on  a  method  of  procuring  very  rapid  pho- 

tOgraphs.      Proc.  of  Edinb.  Soc.  III.  116-117t. 

Mathis.     PröparatioD    de    collodion   pour    la   Photographie. 

Cosmos  II.  6-7;  Dimglier  J.  CXXVII.  65-65t;  Polyt.  C.  Bl.  1854. 
p.  124-124. 
W.  H.  F.  Talbot.     Improvements  in  photography.     Repert.  of 
pat.  in?.  (2)  XIX.  41-48. 

R.  Hont.     Üse  of  a  Solution  of  bichloride  of  mercury  by  the  - 

collodion  prOCeSS.      Athen.  1852.  p.23-23t. 

Fry,  Archer.     Application    of   a    mixture    of   gutta    percha 

and   collodium.      Athen.  1852.  p.87-87t. 

'  R.  Hont.     Emploi  du  collodium  et   de  la  gutta  percha  dans 

la  Photographie.      Cosmos  I.  25-30t. 

R.  Ellis.    The  protonitrate    of  iron  in  photography.     Athen. 

1852.  p.  55 -56t. 
—    —     Preparation   of  the    protonitrate    of   iron      Athen. 

1852.  p.  175 -176t. 

Protosulphate  of  iron  in  photography.  Athen.  1852.  p.23o^230t. 
J.  B.  HoCKiN.     lodide  of  ammonium  in  the  collodium  process. 

Athen.  1852.  p.  875-876t. 
A.  DK  Bb^bISSON.      Colbdion  iodur^.      Cosmos  1.  52 -56t. 


850  ^*    Chemische  Wirkang  des  Lichtes. 

Plünier.     Sensibilitö  du  collodion.     Cosmo»  L  52-52f,  217-217+. 
Proc6d6  pour  fixer  ies  öpreuves.    Cosmos  I.  I2i-I22f. 

B.  DB  MoNFORT.  Traosport  de  la  couche  impression^e  de 
collodion  sur  papier  ou  de  Töpreuve  negative  sur  coUo- 

dion.      Cosmos  I.  197-197t. 
Plaut.     Procedö  de  d6collage  du  collodion.    Cosmos  1. 197-198. 

E.  W.  Dallas.  Microscopic  photographs.  Athen.  1852.  p.580-58ltw 
*  SiLLiMAN  J.  (2)  XIV.  288-288t;  Cosmos  I.  104-105. 

RocHAs.     Note  sur  Ies  moyens  de  multipiier  Ies  6preuves 

.   pbotographiques   sur  mötal  par  leur  transport   sur.  des 

glaces  albuminöes.     C.  R.  XXXIV,  250-25lt ;  DweLBa  J.  CXXIV. 

76 -76t.  . 

A.  Martin.  Methode  pour  t)btenir  des  öpreuves  positives 
directes  sur  glace.  c.  R.  XXXV.  29-3ot;  Inst.  1852.  p.  2i5-2i5t; 
Monit.  industr.  1852.  No.l674;  Cosmos  I.  169-170,  247-248;  BuU. 
i.  1.  Sog.  d'enc.  1852.  p.  614-614;  Diitsler  J.  CXXV.  119-121t; 
LiKBis  Ann.  LXXXIV.  176- 176t;  Chem.  C.  Bl.  1852.  p.  713-714; 
Erdmank  J.  LVII.  249-250t;  Arch.  d.  Phann.  (2)  LXXIll.  71-71; 
SiLLiMAN  J.  (2)  XV.  H9-119t;  Mech.  Mag.  LVJI.  489-490. 

B.  DE  MoNFORT,  fils.  Transformation  de  P^preuve  negative  en 
6preuve  positive.     Cosmos  l.  425-426. 

Lb  Gray.     Räclamation  de  priorit^.    Cosmos  I.  148-I49t- 

Photographie  et  ses  patentes.     Cosmos  i.  149-I52t. 

fi.  DE  Molard.    Pröparation  des  piaques  albumin^es.  -  Cosmot 

l.  170-172t. 

F.  A.  S.  Marshall.  Coating  of  glass  with  iodide  of  silver. 
Athen.  1852.  p. 55-55t. 

Blanquart-^vrard.      Photographie   sur    albumine.     Cosmos  I. 

277 -279t.  

J.  Stewart.  Photographic  landscapes  on  paper.  Athen. 
1852.  p.l363-1364t;  Mech. Mag.  LVIII.  10-12;  DinslerJ.  CXXVU. 
138-I42t;  Polyt.  C.  Bl.  1853.  p.  492-496;  Cosmos  II.  85-87. 

Baldus.  Procädö  de  Photographie  sur  papier.  Cosmos  I- 
193- 197t. 


Literatur.    BivaHAii*  354 

BooR  et  Mantb.    £preaves  photograpbiques  obtenaes  sar  uoe 
mati^re  qui,   dans  le  commerce,   porte  le  nom  dlvoire 

factice.      C.  R.  XXXIV.  63-64+,-  Inst  1852.  p,36-36t;  BuU.  d.  1. 

Soc,  d'enc.  J852.  p.  650-550;  Liebig  Ann.  LXXXIV.  176-177+. 
Martin.     ApplicatioD  de  la  Photographie  ä  la  gravure.     Cos- 

mos  L  653-653. 
Lbmercibr,  Lbrbbocrs  et  Barrbswil.    Note  relative  au  traos- 

port  sur  pierre  des  images  photograpbiques.     Cosmos  L 

397-401,  IL  617-619;  C.  R.  XXXVL  878-879+;  last.  1853.  p.l64-164+. 
Chem.  Gaz.  1853.  p.  275-275;  Dingleä  J.  CXXVHL  369-371 +;  Polyt. 
C.  Bl.  1853.  p.  888-888;  Libbig  Ann.  LXXXVIIL  219-219;  Arch. 
d.  Pharm.  (2)  LXXIX.  294-294. 

Der  bedeutendste  Fortschritt,  den  die  Photographie  gemacht 
hat,  wurde  schon  im  vorigen  Berichte  ^)  angedeutet:  die  Be- 
nutzung des  CoUodium's  als  Medium  zur  Aufnahme  der  licht- 
empfindlichen Präparate.  Die  Erfindung  gebührt  Hrn.  Binghaji 
(1850);  sie  war  vorbereitet  durch  di^  Erfindung  des  Hm.  Nibpcb, 
das  Eiweifs  statt  des  Papiers  anzuwenden.  Es  ist  wohl  mög- 
iich;  dafs  Hr.  le  Gray  unabhängig  von  Hrn.  Bingham  auf  die- 
selbe Erfindung  gerieth,  wie  wenigstens  aus  den  Notizen  im 
Cosmos  hervorzugehen  scheint.  Auf  den  Gedanken  Gutta  percha 
zum  CoUodium  zu  setzen,  um  diesem  mehr  Masse  zu  ertheilen, 
kam  Hr.  Fry  zuerst;  Hr.  Archer  endlich  hat  sich  in  England 
das  Verdienst  erworLen,  den  CoUodiumprocefs  gleich  Anfangs 
empfohlen  und  verbreitet  zu  haben. 

Das  zuerst  von  Hrn.  Binoham  vorgeschriebene  Verfahren  ist 
zwar  seitdem  in  einigen  Puncten  verändert  worden;  man  hat 
eine  Menge  von  Vorschriften  gegeben,  um  die  verschiedenen  im 
Processe  angewendeten  Flüssigkeiten  zusammenzusetzen. 

Im  Wesentlichen  wird  aber  das  BiNGUAM'sche  Verfahren 
noch  jetzt  angewendet,  und  mag  es  daher  für  diese  Blätter  ge- 
nügen, wenn  Referent  sich  auf  die  Mittheilung  desselben  und  ei- 
nige Zusätze  beschränkt,  bezüglich  der  meisten  kleinen  Aenderun« 
gen  aber  auf  die  Literatur  verweist. 

1.  Bereitung  des  Collodium.  Vollkommen  säurefreie 
SchieCsbaumwoUe  wird  in  eben  so  vollständig  säurefreiem  Schwe- 

•)  Berl.  Ber.  1850^  51,  p.343t. 


352  ^^*    ^lieiDi^che  Wirkung  des  Lichtes. 

feläther  gelösti  und  so  viel  Aether  hinzugesetzt,  bis  die  Flässig- 
keit  auf  eine  reine  Glasplatte  gegossen  sich  leicht  auf  derselben 
verbreitet,  aber  doch  beim  A^btrocknen  noch  ein  zusammenhän- 
gendes Häutchen  zurückläfst 

Einige  Photographen  setzen  etwas  Alkohol  zum  Aether. 

Referent  empfiehlt  deneUi  welche  das  Collodium  selbst  zu- 
bereiten, die  mit  Aether  angefeuchtete  Schiefsbaumwolle  sowohl 
wie  den  zur  Lösung  bestimmten  Aether  mit  etwas  kohlensaurem 
Baryt  zu  schütteln  und  sich  absetzen  zu  lassen,  da  in  der  That 
die  Entfernung  jeder  Spur  von  Säure  einen  groDsen  EinfluOs  auf 
die  Empfindlichkeit  des  Präparats  hat. 

2.  Bereitung  des  Jodsalzes  für  das  CqUodium. 
53  Gran  Jodammonium  und  2  Gran  Fluorkalium  werden  mit  4 
bis  5  Tropfen  Wasser  angefeuchtet  (nicht  vollständig  gelöst)  und 
dann  mit  so  viel  von  dem  Collodium  umgeschüttelt,  als  in  ein 
6  Unzen -Fläschchen  geht.  Nachdem  die  Flüssigkeit  eine  Zeit- 
lang ruhig  gestanden  hat,  muDs  sie  blafsgelb  sein. 

Ein  anderes  Verfahren  ist :  In  ein  6  Unzen-Fläschchen  bringt 
man  12  Gran  Jodkalium  und  7  bis  8  Gran  Jodsilber,  setzt  wie- 
der einige  Tropfen  Wasser  hinzu,  und  füllt  das  Fläschchen  mit 
Collodium,  schüttelt  dasselbe  und  läfst  die  Mischung  zwei  bis 
drei  Tage  stehen,  bis  sie  vollkommen  durchsichtig  ist;  sie  soll 
fast  farblos  sein. 

3.  Reinigung  der  Glasplatte.  Die  Glastafel  wird  auf 
einem  mit  Gun^mi  (oder  Gutta  percha)  bezogenen  Holzklötze  be- 
festigt, der  als  Handhabe  dient,  und  dann  auf  der  freien  Seite 
erst  mit  einigen  Tropfen  Ammoniak  und  Tripel,  dann  mit  Al- 
kohol und  Tripel,  mittelst  eines  Baumwollenbäuschchens  gerei- 
nigt. Die  Platte  mufs  sich  beim  Behauchen  gleichmäfsig  be- 
nässen. 

4.  Auftragen  des  Collodiums.  Indem  man  die  Platte 
an  ihrer  Handhabe  hält,  giefst  man  das  Collodium  an  einer  Kante 
langsam  auf,  und  verbreitet  dasselbe  durch  vorsichtiges  Neigen 
der  Platte  auf  der  ganzen  Fläche.  Ist  dies  geschehen,  so  giebt 
man  der  Platte  schnell  eine  stärkere  Neigung,  und  läfst  alles 
überschüssige  Collodium  über  eine  Ecke  ablaufen.  Die  Fläche 
erscheint  dann  mit  sehr  zarten  Furchen  in  der  Richtung  des  Ab- 


DiMGRAM. 

fliefsens  bedeckt,  welche  jedoch  verschwinden,  sobald  man  die 
Platte  in  andern  Richtungen  neigt. 

Diese  Operation  erfordert  einige  Uebung,  um  das  CoUodiatÄ 
nicht  zu  schnell  und  gleicbmäfsig  auf  der  Platte  zu  verbreiten 
und  um  die  Furchen  völlig  verschwinden  zu  machen. 

6.  Einbringen  in  das  Silberbad.  Auf  ein  Bad  von 
einer  Lösung  salpetersauren  Silbers  (1  Salz,  12^  Wasser)  wird  die 
pralle  sogleich  nach  beendeter  Operation  4  gebracht,  indem  man 
sie  an  der  Handhabe  hält,  und  mit  der  mit  Collodium  aberzoge- 
nen Seite  auf  der  Oberfläche  des  Bades  ziemlich  lange  (1  bis  2 
Minuten)  hin  und  her  bewegt.  Die  Platte  mufs  sich  ifait  einer 
gleichmäfsigcn  Schicht  (gelb)  überzogen  haben.  Es  ist  vorlheil- 
hafl,  die  Platte  möglichst  frisch  zu  benutzen;  ihre  Empfindlich- 
keit nimmt  mit  dem  Trockenwerden  rasch  ab. 

lieber  die  Zusammensetzung  des  Silberbades  bestehen  sehr 
verschiedene  Vorschriften.  Nach  einigen  ist  es  vortheilhaft  dem 
Silberbade  etwas  Jodkalium  hinzuzufügen,  auch  das  Bad  eoncen- 
trirter  zu  wählen  (1  : 8  bis  1 :  10). 

Das  Silberbad,  im  Dunkeln  gehalten,  kann  sehr  lange  be- 
nutzt werden,  und  scheint  sich  sogar  zu  verbessern.  Phologra- 
phen  ist  zu  empfehlen  etwas  verdünnte  Salpetersäure  und  ver- 
dünnte Ammoniaklösung  zur  Hand  zu  haben,  um  dem  Sflberbade 
von  der  einen  oder  der  andern  einige .  Tropfen  hinzufügen  zu 
können,  wenn  die  Empfindlichkeit  des  Präparates,  wie  dies  häufig 
nan^entlich  im  Sommer  vorkommt,  sich  schnell  ändert.  Nach 
dieser  Operation  folgt 

6.  Exposition  der  Platte  in  der  Camera  auf  die 
gewöhnliche  Weise.  Die  Zeitdauer  der  Exposition  ist  bei  guter 
Präparation  mindestens  so  klein  wie  bei  den  empfindlichsten 
DAOUBRRfi'schen  Platten. 

7.  Die  Entwicklung  des  Bildes  geschieht  nach  Bino- 
HAM,  indem  man  auf  die  Oberfläche  der  Platte  eine  Lösung  von 
2Th.  Pyrogallussäüre,  60  Th.  concentrirle  Essigsäure  und  500  Tb. 
Wasser  giefst;  besser  nach  neuerem  Verfahren,  indem  man  die 
Platte  wieder  an  ihrer  Handhabe  befestigt,  und  wie  früher  beim 
Siiberbade  sie  nur  auf  die  Oberfläche  eines  Bades  legt^  welches 
aus  Eisenvitriollösung  ( 1 : 6  bis  1 : 8)   mit  Hinzufügung  einiger 

Fonscbr.  d.  Phys.  yill.  23 


3JJ4  ^*    CbemiBche  Wirkung  des  Lichtes. 

Troptei  Esngsäure  bereitet  ist.  Auch  dieses  Bad  kaim  iloige 
Zeit  benutzt  werden  ^  nur  hat  man  mitunter  die  Oberfläche  zu 
reioig^Qu 

S.  Die  Fixirung  des  Bildes  erfolgt  durch  Abwaschen 
mit  Wasser  und  Uebergielsen  der  Platte  mit  einer  sehr  conceo- 
tiirten  Lösung  von  unterschwefligsaurem  Natron  (1:6  bis  1 :8). 
9.  Zur  Conservirung  des  so  erhaltenen  negativen  Bildes 
öbemeht  man  dasselbe  mit  einem  farblosen  Firnib,  für  den  selur 
verschiedene  Zusammensetzungen  empfohlen  werden«  Eine  con- 
xenkrirte  Lösung  von  Gummi  arabicum  leistet  übrigens  sehr  gute 
Dienste. 

.  Will  man  das  Negative  Bild,  wie  dies  in  manchen  Fallen 
geschehen  kann»  z*B«  bei  mikroskopischen  Abbildungen,  allein 
aufbewahren»  ohne  eine  positive  Copie  zu  machen»  so  ist  es  an- 
genehm die  überflüssige  Glasplatte  von  dem  CoUödiumhäutchen 
w  trennen»  wozu  die  Herren  Dallas»  Plaut  u.  a.  das  Verfahren 
beschrieben  haben.  

Die  negativen  Bilder  auf  Glas  können»  wie  Hr.  Martin  zeigt» 
leicht  in  positive  verwandelt  werden»  wenn  man  die  Platten, 
i^achdem  sie  das  Eisenvitriolbad  verlassen  haben»  in  eine  Lösung 
von  1000  Th.  Wasser»  25  Th.  Cyankalium  und  4  Th.  salpeter- 
a^uvem  Silber  legt.  

Während  durch  den  Collodiumprocefs  .die  Herstellung  ne- 
gativer Bilder  so  leicht»  sicher  und  mit  solcher  Feinheit  der 
Ausfuhrung  möglich  ist»  dafs  dadurch  der  DAGUSARB'sche  Procefs 
erreicht  oder  übertroffen  wird»  so  ist  für  die  sichere  Uebertra- 
gung  der  negativen  Bilder  als  positive  auf  Papier  viel  weniger 
geschehen.  Unter  den  oben  in  der  Literatur  in  dieser  Bezie«« 
hung  aufgeflihrten  Vorschlägen  ist  der  des  Hm.  Stewart  be- 
merkenswerth»  welcher  die  Papiere  sehr  gleichmafsig  und  in 
grofser  Menge  mit  wenig  Mühe  dadurch  bereitet»  dafs  er  sie 
in  die  Flüssigkeiten  taucht»  und  unter  der  Luftpumpe  die  Luft 
s^  den  Poren  des  Papiers  auszieht»  wodurch  also  eine  voll* 
atandige  Tränkung  der  Masse  bewirkt  wird.  So  zubereitete 
Papiere  Uefera  in  der  That  sehr  gute  Bilder;  doch  hat  das  Fi* 


25.    OptiMbe  Apparate,    BaswiTEft.  355 

xirea  derselben  Schwierigkeit;  auch  ist  das  Verlahren  w^;tii 
des  grofsen  Verbrauchs  von  Silberlösung  kostbar. 

Ejn  gleich  in  den  ersten  Jahren  der  Photographie  verfo^» 
tes  Problem,  die  Lichtzeichnungen  sofort  sum  Umdruck  (Kupfer-», 
Stahl-i  Steindruck)  zuzubereiten,  ist  jetzt  wieder  in  Angriff  g*« 
nommen  worden.  Die  von  den  Herren  Lbmbrcibr,  Lerbboubb 
und  Barrbswil  erzielten  Resultate  scheinen  noch  die  günstig- 
sten zu  sein,  obwohl  das  Verfahren  (welches  sich  auf  die  EbI^ 
deckung  von  Niepce  sen.  von  der  Löslichkeit  gewisser  HarsSy 
nachdem  sie  vom  Lichte  getroffen  wurden,  gründet)  ein  ziem- 
lich unvollkommenes  ist  Den  lithographischen  Stein  unmittel- 
bar zur  Aufnahme  des  Bildes  herzurichten  und  dieses  Bild  durch 
ein  Aetzverfahren  zum  Druck  brauchbar  zu  machen,  ist  noch 
nicht  gelungen.  Ka. 


95.    Optische  Apparate. 


D.  Bbbwstbr.  On  an  aecount  of  a  rock-crystal  lens  and 
decomposed  glass  found  in  Niniveb.  Athen.  1852.  p.  979-979; 
lost.  1852.  p.3ia-3l4t;  Sui^imav  J.  (2)  XV.  122-1231;  Cosmos  I. 
493-493;  Fxcbrbr  C.  fil.  1853.  p.407-407t;  Poeo.  Ana.  Erg.  lY. 
352-352+. 

Hr.  Brbwstbr  hat  eine  in  den  Trümmern  von  Ninive  auf- 
gefundene Quarzlinse  näher  untersucht,  und  der  Versammlung 
britüscher  Naturforscher  zu  Belfast  (1852)  folgende  Mittheilung 
darüber  gemacht:  die  planconvexe  Linse  hat  einen  nicht. voll- 
kommen kreisrunden  Umfang;  der  Durchmesser  betragt  1,4  bis 
1,6  englische  Zoll.  Die  plane  Seite  wird  von  einer  der  Flächen 
der  sechsseitigen  Säule  gebildet.  Die  convexe  Seite  scheint  an 
einem  Schleifrad  geformt  zu  sein,  was  den  Grund  zu  der  un- 
gleichartigen Dicke  der  Linse  gegeben  haben  mag.  Die  Brenn- 
weite der  Linse  beträgt  4J&  Zoll,  ihre  Dicke  0,2  Zoll.    Die  Linse 

23' 


356  ^^'     Optische  Apparate. 

sehlofs  12  Blasenräume  ein»  die  mit  Flüssigkeiten  oder  verdich« 
teten  Gasen  gefüllt  waren.  Die  meisten  waren  aber,  wahrschein* 
lieh  durch  die  rohe  Behandlung  bei  der  Bearbeitung,  geoffneL 
Hr.  Brbwster  gab  Gründe  an,  weshalb  man  die  Linse  nicht  als 
Zierrath,  sondern  als  eine  zu  optischen  Zwecken  bestimmte  an- 
nisehen  habe.  , 

In  derselben  Versammlung  zeigte  Hr.  Brewstbr  Proben 
von  zersetztem  Glase  mit  glänzenden  irisirenden  Farben  vor. 
Dies  Glas  war  ebenfalls  in  Ninive  gefunden.  Fr. 


J.  PoRRo.    Note  sur  un  iostrument  d^sign^  sous  le  nom  de 

polyoptomelre.      C.  R.  XXXV.  433-433t;  Cosmoa  I.  560-562. 

Hr.  PoRRO  hat  der  Pariser  Akademie  ein  neues  von  ihm 
Polyoptometer  genanntes  Instrument  vorlegen  lassen,  dessen  nä- 
here Beschreibung  er  sich  vorbehält. 

Er  glaubt  durch  Versuche,  die  er  mit  Hülfe  dieses  Instru- 
ments angestellt  hat,  zu  dem  Schlufs  berechtigt  zu  sein,  dals 
die  longitudinalen  Streifen  nicht  allein  ihren  Grund  in  fremd- 
artigen Körpern  haben,  die  die  Reinheit  des  Spectrums  trüben. 

Fr. 


L.  Frksnrl.  Sur  la  question  de  priorit^  concernant  Tappli- 
catioB  de  la  r^flexion  totale  aux  appareils  d'^clairage  des 
phares.     c.  R.  XXXV.  346-347t. 

Hr.  Frbsnbl  giebt  eine  Zusammenstellung  einiger  Aende- 
rungen  an  den  Beleuchtungsapparaten  für  Leuchtthürme,  wie  sie 
von  Franzosen  und  Engländern  vorgenommen  worden  sind.  Da 
jedoch  nicht  wesentlich  Neues  darin  enthalten  ist,  möge  hier 
eine  Verweisung  auf  das  Original  genügen.  Fr. 


Poaao.  Fkiamkl.  Sfincbr.  Jobrsov.  J.L.Smith.  357 

C.  A.  SpBfiCEB.   Od  improvemeßts  in  roicroscopic  object  glasses. 

äiLLiMAN  J.  (2)  XIII.  290-292t;  Arcb.  d.  sc.  phy«.  XX.  229^231t. 
Hr.  Spencer  giebt  die  Fortschritle  an,  die  in  der  Mikrosko- 
pie in  den  letzten  Jahrzehnten  namentlich  in  Bezug  auf  Verbes- 
serung des  Objectivs  von  ihm  selbst  gemacht  worden  sind. 

Fr. 


S.  JoBNsoif.    Notice  of  a  new  object  glass  made  by  C  A.  Spencer. 

SiLLiMAN  J.  (2)  XIII.  31-32;  Arch.  d.  sc.  phys.  XX.  231-231. 

Hr.  Johnson  beschreibt  eine  von  Spencer  nach  seiner  neuen 
Formel  verfertigte  Objectivlinse.  Durch  wiederholte  Versuche 
ergab  sich  der  Aperlurwinkel  dieser  Linse  gleich  174|^  Unge* 
achtet  dieses  grofsen  Winkels  können  doch  die  zu  beobachten- 
den Objecto  noch  mit  einem  dünnen  Glase  von  mittlerer  Dicke 
bedeckt  werden.  Hr.  Johnson  hält  dieses  Objectivglas  für  das 
beste  jemals  angefertigte..  Fr. 


J.  L.  SutiB.    The  iAverted  microscope,  a  new  form  of  mi* 
croscope;   with  the  description  of  a  new  eye-piece  mi- 
crometer  and  a  new  form  of  goniometer  for  measuring 
the  angles  of  crystals  under  the  microscope.    Sillimax  J. 
(2)  XIV,  233-241;  Fichmer  C.  BL  1853.  p.  538-539t. 
Der  enge  Raum  zwischen  dem  Objectivglas  und  dem  Tisch* 
chen   des   gewöhnlichen  Mikroskops  gestattet    nicht  bei  chemi- 
schen Untersuchungen  unter  dem  Mikroskop  mit  der  zu  wünschen-' 
den  Leichtigkeit  zu  operiren.    Ein  zweiter  (Jebelstand  liegt  darin, 
dafs  die  sich  entwickelnden  Dämpfe  der  Reagentien  wesentlifshe 
Theile  des  Mikroskops  treffen ,  und  das  Gesichtsfeld  durch  Nie- 
derschlagen auf  das  Objectiv  verdunkeln.    Um  diesen  störenden 
Einflüssen  zu  begegnen  hat  Hr.  Smith  ein  Mikroskop  cons^ruirt, 
bei    welchem  das  Tischchen  sich   über  dem   Objectiv  befinde^ 
über  dem  Tischchen  der  Ring  ^utxx  Anbringen  von  Diaphragmas 
und  dergleichen,  und  darüber  der  BeleuehtungsspiegeL    Die  Ax« 
des  Mikroskops  ist  gebrochen,  und  an  der  Stelle^  wo  beide  Rohr^ 


3A8  ^*    Optische  Apparatt.         ^ 

des  Mikroskops  eiaen  Winkel  bilden,  ein.  vierseiUges  Prisma  so 
jeingeschaltet,  dafs  es  durch  doppelte  totale  Reflexion  den  Licht- 
strahl in  das  Auge  des  Beobachters  fallen  läfst«  Der  im  Original 
durch  eine  genaue  Zeichnung  erläuterten  Beschreibung  dieses 
umgekehrten  Mikroskops  folgt  die  Angabe  einer  Einrichtung, 
welche  gestattet,  das  Ocularmikrometer  in  jedes  Ocular,  das 
man  brauchen  will,  mit  Leirfltigkeit  einzuschieben,  zu  ajustiren 
und  nach  Belieben  wieder  zurückzuziebn;  auch  giebt  Hr.  Smith 
eine  neue  Einrichtung  an  zur  Messung  von  Krystallwinkeln  un- 
ter dem  Mikroskop.  Fr. 


Sbcrbtan.    Memoire  sur  un  perfectionnement  important  de 
'^  Foculalre    quadruple   des   luuettes  achromaliques.     c,  R. 

XXXV.  943-944t;  Cosmos  II.  217-217. 

Das  Ocular  des  Fernrohrs  ist  durch  einen  Mechaniker  in 
Wetzlar  nach  folgenden  Principien  verbessert  worden:  1)  Die 
4  Linsen  des  Oculars  sind  vollkommen  achromatisch,  und  so  zu 
einander  gestellt,  dafs  die  Strahlenkegel  ziemlich -weit  jenseits 
ihres  Brennpunktes  durch  die  folgende  Linse  hindurchgehen. 
2)  Alle  Linsen  müssen  eine  Krümmung  in  dem  Sinne  haben, 
da£i  die  Axen  der  äufsersten  Strahlenkegel  so  normal  wie  m6g- 
fidi  auffallen  (?). 

Hr.  S£CRBTAN  hat  ein  Fernrohr,  dessen  Ocular  diese  Be- 
dingungen erfüllt,  der  Pariser  Akademie  vorgelegt.  Fr. 


Dawss.    Disposition  d*ocolaire  nouvelle.    Cosmos  L  583- 585t. 

Hr.  Dawbs  hat  dem  Fernrohrocular  einen  Metallschieber, 
welcher  verschieden  grofse  Durchbohrungen  enth^t,  hinzugefugt 
Diese  Metallplatte  liegt  normal  zur  Axe  des  Femrohrs  in  dem 
Ocularrohr  genau  im  Brennpunkt  des  Objectivs.  Die  Durch- 
messer der  verschiedenen  Oeffnungen  betragen  0,5  bis  0,75  eng- 
fische Zoll.  Der  Vortheil  dieser  Diaphragmen  soU  darin  be- 
stehen, dafs  sie  in  einem  mehr  oder  weniger  grofsen  Verhältnifs 


Skcaxtam«  Bawks.    CAUYrtthu  CaAie.  ^g:^ 

den  GJans  und  die  Wärme  der  Sonne  mildern,  und  so  die  Beob-' 
«dblung  erleidilem.  Hr.  Dawbs  hat  BeoUchiungen  an  d^r 
Sonnenscheibe  mit  Hülfe  seines  Instrumente  angestelll  und  na- 
mentlich die  Sonnenflecken  genau  beobachtet.  P^. 


A.  Caswell.     Account  of  a  reflecting  telescope  constructed 
by  Mr.  J.  Lyman.     Silliman  J.  (2)  XIII.  J29-I31t» 

Hr.  Lyiian  hat  ein  katopirisches  Teleskop  gebaut,  dessen  Ein- 
richtung den  von  HfiRscHBL  und  Lord  Rosse  construh*ten  ent- 
spricht Die  Brennweite  beträgt  16  Fufs,  die  Oeffnung  im  Lieht 
9^  Zoll.  Eine  Eigenthümlichkeit  des  Instruments  besteht  darin, 
dafs  der  Spiegel  in  seiner  Stellung  durch  ein  System  von  Drei- 
ecken gehalten  wird,  welche  einen  vollkommen  gleichmälsigen^ 
Druck  auf  die  untere  Fläche  des  Spiegels  ausüben;  der  leise 
Druck  ist  dann  wieder  aufgehoben  durch  einen  entgegenwirken- 
den Druck  auf  die  Oberfläche.  Der  Berichterstatter  rühmt  als 
das  Vorzüglichste  an  dem  Teleskop  die  genaue  Form  des  Spie- 
gels, der  fast  gar  keine  sphärische  Aberration  zeige.  In  dem 
Bericht  sind  noch  einige  Beobachtungen  angegeben,  welche  mit 
diesem  Teleskop  angestellt  wurden.  Fn 


Craig.  Gigaotic  telescope.  Athen.  1852.  p.  424-424,  956; 956} 
CosmosL  582-583;  Inst.  1852.  p.324-324t;  Arch.  d.  »c.  phjs*  XXI. 
207-209t;  Mecli,  Mag.  LVJI.  175-.176i,  189-J90t,  344-345t. 

Auf  Veranlassung  des  Hrn.  Craig,  Vicar  von  LeAmin^ton»  ist 
van  Gravatt  ein  neues  Teleskop  in  WandswOrlh  aufgestellt 
worden.  An  einem  Thurm  von  64  Fufs  Höhe  und  löFufs  Durchs 
messer  ist  das  Teleskop  befestigt »  dessen  Hauptrohr  eine  Längft 
von  76  Fufs  hat;  mit  Hinzufügung  des  Oculars  und  eines  Auf« 
a^tzes  am  andern  Ende  um  zu  verhindern ,  dals  der  Nebel  sieh 
nur  das  Objectiv  niederschlägt,  betritt  die  Länge  des  ganzen 
Instrumentes  85  Fufs.  Das  Rohr  selbst  erweitert  sich  in  der 
Mitte»  und  hat  einen  Umfang  von  13  Fufs  in  einer  Entfernung 


;^Q0  25.    Optische  Apparate. 

von  24  Fufs  vom  Objectivglase.  Das  Ende  des  Tdeskops  ist 
durch  ein  Gebälk  unterstützt,  das  auf  zwei  eisernen  Rädern  ruht; 
diese  Räder  laufen  auf  einer  kreisförmigen  Eisenbahn  ^  die  den 
Thurm  umgiebt.  Die  Einstellung  des  Instruments  auf  bestimmte 
Himmelsgegenden  ist  mit  geringem  Kraftaufwand  und  mit  der 
gröüsten  Sicherheit  zu  bewerkstelligen.  Das  achromatische  Ob- 
jectivglas  von  2  Fufs  Durchmesser  besteht  aus  einer  Spiegel- 
glaslinse von  30  Fufs  H  Zoll  positiver  Brennweite  und  einer 
Flintglaslinse  von  49  Fufs  10^  Zoll  negativer  Brennweite.  Der 
Brechungsexponent  des  angewandten  Flintglases  ist  1^308>  der 
des  Spiegelglases  1,5103.  Für  parallele  Strahlen  beträgt  die 
Brennweite  des  so  combinirten  Objectivs  76  Fufs. 

Vermittelst  dieses  Teleskops  hat  der  Beobachter  den  dritten 
Ring  des  Saturn  deuthch  erkennen  können;  auch  mehrere  Dop- 
pelslerne,  z.  B.  im  Sternbild  des  grofsen  Bären,  waren  als  solche 
erkennbar.  Fr. 


y  PoBRo.     Application  de  la  luoette  r6ciproque  avec  micro- 
metre  parallele   et .  du '  m^roscope  panfocal.     c.  R*  XXXV^ 

299-300t;  Cosmos  I.  445-446t. 

Die  Mauern  des  grofsen  VVasserbassins  zu  Gros^^Bois  van 
600"  Länge  sind  bei  der  ungleichen  Menge  des  reservirten  Was- 
sers gewissen  Schwankungen  in  horizontaler  und  verticaler  Rich- 
tung ausgesetzt.  Um  diese  Schwankun