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Full text of "Samlungen historischer Nachrichten über die mongolischen Völkerschaften"

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IIMIN] N 


244206 6 

















—— — 





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Sammlungen en 


biſtoriſcher Nahrichten 


‚uber die 


Mongolifden 





Holterſdaften 


durch 
og ©. Pallas, 


D. A- D. Profeffyr der Naturhiſtorie und ordentl. Mitglied der Ruffiſch Saiferl. 
Akademie d. W. von der fünften Elaffe, der Roͤmiſch Kaiferl. Königl. Schwedi: 
fhen wie auch K. Großbritanifihen Akademien, der Koniyl. Engl. Societaͤt d. W. 
der Schwediſch und Hamburgifiben patriof. Petersburg. freven ofonioın, 
Berliniſchen naturforigenden und Utrechtiſchen Geſellſchaften, u. ſ. m. 


Ritter des Wladimir-Ordens. 


Zweyter Theil. / 





Mit Genehmigung der St. Petersburgiſchen Cenſur. 


St. Petersburg, 
edrudt — der Kayſerl. ‚Alademie der ———— 1801. 


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 Erflärung —- 
ber@&upferplatten 
des zweyten Theil. 





Platten 


“ 


u 1. Borftellung des Schußgeiftes der ‚Erde Churmuftu 
Tanggri, nebit den vier Macaranfa s Ehanen. Die oberfte Fi⸗ 


gur, mit der Kronenformige Müge ift mir unbekannt. 


Sig. 9. Der, Kriegsgoft, Daitſching Tänggri, mit feinen‘ 


acht Gfahrten und andern Atfributen und Opfern, Man fehe 
im erften Theil S. 23. Die oberfte Figur ift das Bild des 
Burchans Otſchirbanni. 


Fig. 3. In der Mitte der Goͤtze Chondſhin boddi ſaddo; 
unter deſſen Fuͤßen Gongor, einer des furchtbaren Burchanen; 
‚daneben ſtehend: Nogan und Zagans dara-eke. Oben drey 
Pafriarchen der $amaiten, in der Mitte Dalai⸗Lama, und ‚zur 
linken Dongtor » Manfufchiri + Chutukta. 


Der Gott des Reichthums und des Raubes Nham⸗ 


Sig. 4. 5 
toͤſraͤr mit feinen acht Gefährten; oben Otſchirbanni. 


Diefe vier Vorftellurigen find nah Abdruͤcken in Thon, die 
in Bilzernen Behaltnifen verferfigt und vergoldet waren, ges 


zeichnet worden, 


Zweyter Theil. 9 Pate 


! 





n Erklaͤrung 


— Dlatte 2... 
Sig. J. Der, Hauptgoͤze der Lamaiten Dhak-Dſimuni, 
mit dem Betklerätipfihen (Baidiraga) auf der linken Hard. 


Sig. 2. Der fogenannte Summul Burchan einen Edel⸗ 
geſtein, in der Rechten, und auf der linken Hand das Gefaß 
(Bumba) mit dem heiligen Weyhwaſſer (Araſchan) baltend, 

Sig. 3. Nordſhummo, die Hande in einer feierliche 
Srellurg und in.der einen ein Waitzenkorn haltend. Beide wer— 
den von Seibesfarben ge!b vorgeftellt und Haben die fangen Haar— 
flechten, welche ihren vermapligen Einfiedlerftand anzeigen. 

: Sig. 4. Iſt die Vorſtelkiing des fogenannfen Bogdo-La⸗ 
ma, in geiftlichen Ornat, mit der ihm eigenthümlichen Muße 
und die Sande in fegerliher Stellung erhebend Unten iſt das 
das Signet eines vom Vogdolama ettheilten Greybriefs befindlid. 


x 


> 


Platte 3 ” 


Fig. 1. Maidari Burchen, wird mit gelber Seibesfarbe 
porgeftellt und ift nur durch die feierlühe Haltung der Hande 
von' dem Bilde des Schigimuni unterfhieden. | 
Sig. 2. Ein weiblicher Goͤtze Okin-Dſana - genannt, 108; 
bon ©. 107 die Rede iſt. | —J 

Fig. 3. Die Vorſtellung eines ehemaligen Tybetaniſchen 
Chubilgans und Erzprieſters Sunkaba oder Sonchaba genannt. 
Die zwey Udbala-VBlumen, welche neben feinen Schultern ein 
Buch und eine Räucherkerze fragen, bezeichnen ihn allemahl. 

Sig. 4. Scheint nicht, wie ich 104 geſagt habe, eine der: 
- anderte Abbildung des -D0g60 » Lama, fondern vielmehr die ei= 
nes in China verehrfen Chutukta zu fegn. 

. Fig. 5. Stellt ein auf Thon, in Geſtalt der Siegelerden 
abgedrucktes Bild des weiblichen Gogen Klogans Darseke vor. 


a. = Plat— 





der KRupferplatten. In 


Platte 4 | 

Sig. 1. Die Burdan Scharra⸗Sambala. 

sig. 2. Ahjuſchaͤ einer der hauptſaͤchlichſten Burchanen der 
Samaiten. Er wird roth von Leibesfarbe vorgeſtellt und haft mit 
beyden Handen das Betflerstöpfihen, fo wie auch die Haarflech— 
ten feinen ehemaligen Einfiedlerjtamd anzeigen. 

‚_$ig. 3. Der Wibliche Burdan_ Zagan⸗Dara-eke, der. 
weiß von Korper, mit Augen auf der Stirn, in den hohlen Haͤn⸗ 
den und auf den Fußſolen, vdorgeftelle zu werben pflege. 

Sig, 4. Der jenem verſchwiſterte weibliche Burchan LTos 
gan = dara⸗eke, deſſen Leibesfarbe gruͤn vorgeſtellt zu werden pflegt. 


Platte 4. 


. Borfteflung , nach einem Gemaͤhlde, des Vornehmſten unter 
den ſchrecklichen Burchanen Jaman-daga, Der-gemeiniglih von 
Farbe blau, mit einer hellblauen Figur vor fh, abgebildet wird. 
©. von ihm Seite 95 und 96, 


Platte 6 


Borftellung aus einem Gemahlde, "eines andern grimmigen 
Burchans, der Bongor vder Zaganz Wache - gallon „genannt 
und weiß von Seibesfarbe abgebildet wird. Die ihn umgebenden 
Ungeheuer find feine Gefährten. Er fteht auf einem überwun: 
denen Ungeheuer , welches Die menſchliche Geſtalt und einen Ele= 
phantenfopf hat. J 


— —— 


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“ 


Platte 7. BEE 
Ebenfalls- einer Ver ſchrecklichen Burchanen, Okin⸗Taͤnggri, 
fammt feiner Begleitung. oder ' verfihiedenen Bermandlungen und 
Wiedergeburten. Die Abbildung ift nach einem Gemälde geflohen: 


i — (* 2 Plat⸗ 


IV E.rklaͤrung 
Platte 8. 

Vorſtellung von vier fuͤrchterlichen Goͤtzen, welche ganz erha⸗ 
ben in Thon geformt waren? 
Sig. 1. Der ſogenannte Chajan⸗ rahwa, wovon &. 97, 
Sig. 2. Jike-Machagallan oder. Tſchaguru, deſſen auf 
eben der Seite Erwoͤhnung geſchieht. 
ig. 3. Der Burdan Dentſchuk, f. die gafle Seite. 
Seine teibesfarbe ift blau und, die Figur, welde er vor fid, 
halt, roth. | | 


Ss 4 Der Borfteher der Hölle - und Fürft der Teufel 
Erlik⸗Chan, wovon auf der 53ſten Seite, nr 


Platte 9. | 
Abbildungen verfchiedener aus Kupfer gegoffener und ſtark 
vergoldeter Goßen: | | 
Sig. 1. Eben der Krlit- Chan oder Hoͤllenfuͤrſt, etwas ver⸗ 
ſchieden vorgeftellt, nah einem fehr Kleinen zierfihen Gußbilde, 

. in Große dieſer Figur, Alle übrige Figuren find verkleinert. 
Sig. 2. Eine abgeänderte Vorftellung des Burhans Maidari. 
Sig. 3. Iſt die gewöhnliche Abbildung des Burchans Man⸗ 
ſuſchari, der einer von den vornehmſten Goͤtzen der Samaiten iſt. 
Sig. 4. Der Burdan Sandus, deſſen zehnarn iges Bild 
der Indianiſchen Borftelling des Brahma fehr nahe kommt. 
Sig 5 _ Eine abgeanderte: Borftellung des Burchans Okin⸗ 
Taͤnggri, Chamu genannf., novon ©. 99. Sie reitet auf dem 
wilden Halbefel Dfchigetri und ift eine Kriegesgattheit. 
Sig. 6. Noch einer der. fürchterlihen Goͤtzen Otſchirbanni 
. welcher Stürme und Ungewitter regieren fol. i 
Sig, 7. Der Burdan Radna ſambawa, © 102. 


Fig. 


. \ 


Fe der Bupferplatten. \ v 


Sig. 8. Gewoͤhnliche Borftellung des Dalai: Lama | in Goͤ— 
ßenbildern und 


‘Sig. 9. Des Chutukta Dſhibſun⸗ damba der Mongolen. 


Fig. 10. Scheint ebenfalls das Bild eines Chutukta zu HN 
wildes, mir aber nicht hat beftimim werden Tonnen. 


Platte 9 B. 


. Werfhiebene geiftliche Zierathen und Gerätpfäaften des famen: 


sig. 1. Die gemöhnlide Kam» Müse (Klairins Walachat,) .  :  —- 
roelche "Die getbenpfen Priefter bey den Mongolen, bey den Kalsı 
mücten aber nur Die Herolde der Goßenhütte fragen, und Deren 
Flügel a einwartö, tie bey b eingeſchlagen werden, wenn ſi ie — 
aufgeſetzt wird. | 
sig. 2, Die Miüge vornehmer Samen und des — 
ſelbſt mit herunter haͤngenden luͤgeln und ohne Kamm. Sie iſt, 
wie die vorige, allezeit gelb von Farbe, aus Laken oder Sam⸗ 
met gemacht. 
Sig. 3. Die Muͤßtze, welche von der Elerifey des Bogdo⸗ſa⸗ 
ma getragen wird, und die rothe aufgefhlagen if. 
Sig. 4. Eine andere, in Geftalt einem Churfuͤrſtenhut aͤhn⸗ 
fie Müge, mit zwey abgerundeten, und zwey fpigigen zerſchliz— 
ten Klappen aufgefchlagen ‚Die von einem beſondern Rang dieſer 
Geiſtlichkeit getragen wird. — 
R "Sig. 5 Eine Stirnbinde mit fünf. aufrede itehenden, aus 
oppelt gefleiftertem Baumtollenzeuge verferfigten Schilden , auf 
welchen Die fünf guͤtigen Burchanen in ihren Farben abgebildet 
find, und die bey gemiifen Seelmeffen und Eeremonien, nebft eis 
ner den Scheitel bededenden fegelformigen Müße von den Pries 
ftern getragen wird. Diefer Zierath wird aud Bolt: Malas 
chai genannt, 


Sig. 6 und 7. Sind aus Mehlteig gebildefe und mif Vut⸗ a 
ter beliebte Aufjaze Durnma) die auf Tellerchen den — u. 


— 






VI Erklaͤrung F — 
nen vorgeſetzt werden und Deren noch mancherley andere Figuren 
üblich find. Siehe 159. . 
Sig. g. Stellt die priefterliche Glocke, und . ; 
Sig. g. den priefterlichen- Scepter (Örfehir) vor, 


Sig. ı0. Die Peine Handtrommel Damara, wovon ©. 165, 


Sig. 11. Iſt der Scepfer womit ſowohl Dalai = fama, ald 
die ernten. den Segen ertheilen. 
“Sig. 12. Die Spiegelſcheibe (Tooli) über welcher das 
Weyhwaſſer vor den Gotzen ausgegoſſen wird. | 
. Sig. 13. Die. Platte mit den fünf Huͤgeln (Manrah) auf 
welche man vor den Burchanen das Getraide ſchuͤttet. 
Sig. 14. Eine beſondere Art DEN, die einen Hirn; 
ſchaͤdel vorſtellen ſoll. 
Fig. 15. Eine andere dergleichen, mit einem —— 


Fuß, worin Honig vor den Goͤtzen geſtellt zu werden pflegt. 


Siehe von beiden S. 162. 


S Sig. 16. Ein bey Scelmeffen uͤblicher Auffaß aus Mehlteig. ' 


0 Sig, 17. Das Bild, welches. bey folchen Seelmeſſen ver⸗ 
brannt wird. 


Sig. 18. Schalmen oder Biſchkuͤrr eines -der Inſtrumen⸗ 
te der Lamaiſchen Kirchenmuſik. 


4 Sig. 19. Ein anderes Gangdung ae eine Art Zinken. 
” ., Sig. 90. Schneckenhorn (Dung) dergleichen feltner, gemei- 


niglich aber das eigentlich fogenannte Senn der Indianer, 


beym Goßendienjt gebraucht wird. 


Sig. 21. Handpauke oder fogenannfe Bengergs, mit dem’ 


dazu gehörigen Schlegel. 


er Sig. 99, Das Flärhhen (Dſhabro) torinn die geweyh⸗ 
gen u Weyhwaſſer bey ſich —* 


m‘ 1 s 
| Sig. 





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der Aupferplatten. vo 


Sig. 33. Ein Altar mit den bey vornehmen Seelmeffen zus : | 
weilen gebräuchlichen ‚Freuzfürmigen aus Meblteig gebildeten Alz 
far = Yuffaßen. a) Sind Gegen Die in ihren Kapfeln (Ordu— 
Charaſch) aufgeftellt find; br ift eim Schranfihen in welchem vies 





le Eleine-Gogenabdrude "bey einander befindfich. find; und c) file 


. ein fogenanntes Burchanin⸗-Grron oder Paradies vor. 


= 


Platte oo... 


Landſchaftliche Borftellung des Hauptfempels der Gelcngin- 
flifhen Mongolen am Tſchikoifluß, nebft den ſechs Nebenfapellen, 
Die. außerlihe Bildung foll.eine Nachahmung der Tybetifihen 
Tempel fign. Auf dem Borgrund zerftreute Filzhuͤtten, in wel: 
‘hen die Beiftlihen wohnen, und die bey feftlihen Gelegenheiten 
viel zahlreicher find, | F | 


‚Innere -Borftellung des mittleren Haupttempels, nebft der 
eben zum Goͤtzendienſt verfammleten hohen und niedern Geiſt— 
lichkeit. Zwiſchen den Thronfigen der. zwey vornehmſten Geiftlis 
chen zeigt ſich in der Bertieffung das Bild des Schigimuni, als 
des Hauptgoͤtzen und vor demſelben der Opfertiſch oder Altar, mit 
den darauf gewoͤhnlichen Zierothen Naiman-Takil und Dolon⸗ 
erdeni) in einer Reihe am hintern Rande, ferner mit den ges 
wöhnlichen Waſſer- und Opferſchaͤlchen, Teigfiguren, Lampen und 
KRaucherferzen.. It der Mitte des Raums die Drey Geiftliche, - 
welche durch Auögießung, des Waſſers über einenr Spiegel. vor dem 
Burchan, Daffelbe zu Araſchan meichen und nachmals ın das auf 
dem Altar. ſtehende Kannchen (Bumbde) ausgießen: Im Border: 
grund find Die zwey Kirchenhuter ( Bhepkü) mit ihren Herold 
ſtäͤben, und ein anbefender gemeiner Mongol vargeſtellt. 


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Plat— 


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vo. 2: Erklaͤrung a a u SE 
. Platte m. | 


Sandfchaftlihe Borftellung eines mongolifhen Tempels am 
Guſinoe⸗Oſero im Selenginsfifchen, nebft Der dabey befindlis 
chen, umzaunten Wohnung Des dazu beftellten Sama und einigen 

Berzaͤunungen in weichen die Geittlichkeit ihre Filzhuͤtten aufzus 
fhlagen pflegt. Im Bordgrunde find vie geringere Geiftlich 
keit mit ihren mufifalifchen Inftrumenten, und das bey den Geift: 
lichen fi aufpaltende Weibsoolk in zwey Reifen georönef, um 
die Abfahrt des Befuchers feierlih zu geleiten. Man fehe den 
Iten Theil meiner Sibiriſchrn Reiſe S. 330 und Diefen 2ten 
Tpeil der Sammlungen &. 149. a 


Paten 


Borftellung einer: Fleinern, beweglichen Kalmddifchen Goßens 
; huͤtte, im Durchſchnitt, mit der darin zum Dienſt verfammleten 
Geiſtlichkeit, denen unter einem Baldachin aufgeitellten Goßen- 
bilder und hängenden Goßengemäplden, und dem vorftehenden 
Dpferfifh mit Schalen, Lampen, Teigpyramiden und Raucherfers 
zen, auch einigen Abfaßen, ‚worauf geiſtliche Shriften, und der— 
gleichen mehr, liegen. Das mit Pfauenfevern gezierfe Araſchan⸗ 
Kaͤnnchen (Bumba) fieht vor dem abminiftrirenden Priefter ; die 
ondern find mit ihren Priefterglofen, und Die geringeren eds 
fülls und Schüler mit Sandpaufen, Klangtellern, Pofaunen und 
Schalmeien verfehen. | F F 


P l a t t e 14. — 

Eine große Kalmüͤckiſche Goͤtzenhuͤtte im Durchſchnitt mit 
' Hangenden feidenen Streifen (Rip: ChadsE), hinter melden ver 
- ©ogenaltar und ein Schranfihen mit mehreren Fleinen Gögenbils 
dern, auch nebenher hangende Schilderenen von Gosen befindlich 
find. Die Geiftlichkeie iſt mit ihrer Mufif in der Hütte verſamm⸗ 
Iet und einige gemeine Kalmüden beten vor dem. Goͤtzenaltar an- 


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der Kupferplatren. X 
Platte 15. 


—WMbbbildung der Figuren, welche auf denen Altarzieraten der 
$amaifen vorgeſtellt zu werden pflegen, ala: 1 bis 8 Die ſoge— 
nannten Naiman-Takil; 9 bis 15 die Dolon⸗Erdeni und 16 
bis 90 die Tabun-Ruͤſſil over fünf Sinne. Siehe: in diefem 
Theil ©. 158 und 159. : 
| "BB latte 16. 

Borſtellung eines Kalmudifhen Bethauſes vder Kapelle, in 

der Steppe (Zaza) wovon oben (8.334) gebandelt worden. Die 


" gegenmarfige ift nach einer, ztoifchen der Sarpa und Wolga, an 


einem Waſſerarm Gologoi angelegfen, gezeichnet. — Auf dem 
Borgrund figen zwey Kalmuͤckiſche Mönhe (S. 135 u. folg.) Die 
zweyerley Gebetrader, jeder nad) feiner Ark in, Bewegung feßen; 
einige gemeine Kalmüden befen an, und einer ift im Begriff ein 
kleines Opfergefhenf, durch die Defnung in die Kapelle zu brins . 
gen. Zu beiden Seiten find mebrere Belflaggen und im -Dinter- 
grunde ift ein Haufe Filzhuͤtten, die fi) hier eingefunden Bas 
den, um einen Bettag zu begehen, 


| Platte . | 
Ein Kalmuͤckiſches Lager, bey welchem, zur Feier de Sulz 


la⸗oder Sampenfeftes ein Paar Ultare mif Lampen und Kerzen 


errichtet worden find, um welche die Elerifen mit dem Bilde des 
Sondaba voran, eine feierliche Proceffion halt, da indeffen die 
faien theils anbeten, fheils mit anzuͤnden der Lichter und Lampen 
gefhaftige find, und ein frommer. Mind im Binfergrunde fein 
Gebetrad in fteter Bewegung erhalt. Die Lanze deutet die Wohs 

rung des Fürften an. Zu ne 


en "Platte m. | | 
teichenproceffion eines vornehmen Lama der. verbrannt mer: 


den fol.“ Bey der Hütte in’melber der Ofen errichtet ift, gebe 


voran der neue Lama, ſein Nachfolger, und fprengt Weyhwaſſer 
vor fi her. Hinter ihm folgt einer der vornehmiten Geiftlichen, 
der einen Bogen in feinem Behaͤltniß (Orduü⸗Charaſch) tragt; 

Zweyter Theil, (rk) er 


1 


X Erklaͤrung der Rupferplarten. 

ferner Die ganze geiftlihe Muſik, hinter melcher die Leiche auf ei— 
ner Bahre fiend, mit einem gelben Gewand bedeckt, und mit der 
fünffpißigen Krone (Golt-Malachai) auf vem Haupf, gefragen- 
wird; worauf endlich alles Volk, unter Anführung zweyer Kirchen⸗ 
huͤter mit Staben den Beſchluß macht. Im Hintergrunde die Sand: 
hohen an der Sarpa mit verfihiedenen Filzhuͤtten, Hcerden, u. ſ. w. 


| PD latte 19. 
Durchſchnitt der Hütte, worin die Berbrennung eines abge— 
fehiedenen Lama vor fih geht. Man fieht bier den angezuͤndeten 
Dien, worin Die Leiche eingefchloffen tft, und in melden der neue 
fama,. dem ein Geiftlicher einen Schirm vor das Geficht Halt, 
mif einem Soffel zerlafne Butler einzufihütten fortfaͤhrt, da ins 
deifen Durch das Schirloh Holz. nachgelegt wird. Die übrige an— 
mefende Geiſtlichkeit ſchreyt unter mancherley Contorfionen und: 
Dandebervegungen die vorgefchrichnen tangntiſchen Gebete, ber. 
Reben. dem: Lama ſtehn zmey: Opfertifche mit gefüllten Schaͤlchen 
und gegenüber ein andrer,, auf welchem, außer ſolchen Schalen, ein. 
Paar aus. Mehlteig geformte Thierfigureh (Ghai) befindlich find, 
| Platte 20: 
| Stellt einige gebrannte Scaafsfchulterblätter vor, um die: 
S. 350 beſchriebr eWahrſagerey der afiatifchen. Nomaiden zu erlaͤutern. 
Platte ar. — 
Eine Zuſammenſtellung aller bey den mongoliſchen Voͤlkerm 
zu ihren heiligen Schriften üblichen Charaktet, mit ihrem Außs 
Drud, und zwar 1) das Fndignifche oder Enaͤtkaͤk, 9) die Tans 
gutiihe Quadratſchrift oder Sob, 3) Die gemeine Tangufifche: 
Schrift, Akſchur oder Scheer genannt, nebit 4) einer Ausar⸗ 
tung davon Die als Eurrantiihrift gebraucht mird;.. 5)- das: Monz 
golifihe fogenannfe Gallik, wodurch die heiligen. Indianiſchen Cha=: 
racter ausgedruͤckt werden koͤnnen. 
— | | Platte: 2ai AR | 
„. Probe: einer uralten, Tangufifihen. Quadratſchrift, deren Ere 
Harung; ih, nicht habe erhalten koͤnnen. = 


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Samlungen 
—— uͤber den 
Goͤtzendienſt, die Geiſtlichkeit, Tempel und aber⸗ 
glaͤubiſche Gebraͤuche 


der 


mongoliſchen Voͤlkerſchaften; 


hauptſaͤchlich die 
aus dem Tybet abſtammende Fabellehre und damit 


verknuͤpfte Hierarchie. | 
Erſter Abſchnitt. 
Abriß der Tybetaniſchen Fabellehre nach den Kent⸗ 


niſſen der mongoliſchen und kalmuͤkkiſchen 
Geiſtlichkeit. 
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Urber den Urfprung und die Ausbreitung des Tybeta: 
nifchen oder Schigemuniſchen Aberalaubeng. 


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ETEe mehr mir Hindoftan Fennen lernen, defto mehr finden wir Alterrhum . 


et Urſach zu glauben, daß die Indianiſche Nation, wenigſtens ded Hindo⸗ 
Z  ibrem Haupeftam, den Bramanen nach, die äftefte und ur- — 
ſpruͤnglichſte, nicht nur von Aſien, a dem sangen a. | 


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u Urfprung und Sortgang 


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Alterthum boden, und früher. als alle andre zu politifher und moralifcher Cul⸗ 


des Hindo— 


ſtaniſchen 
Goͤtzen⸗ 
dienſts. 


tur, Kuͤnſten, Wiſſenſchaften nnd feyerlichen Religionsgebraͤuchen ge⸗ 
kommen fen. Die Höhe und dem Clima nach recht paradieſiſche La— 
ge und DBeichaffenheit des ganzen nordlichen, gebürgigeen Theils von 
Hindoftan macht es wahrſcheinlich, Daß bier der erfte, von der Natur 
angemwiefene Wohnplas des menſchlichen Geſchlechts geweſen ſeyn koͤnn⸗ 
te. „Die vorzuͤgliche Cultur der heutigen Indianer oder Hindu ges 
gen andre aſiatiſche Wölfer, noch unter dem brüdtenden Joch frem⸗ 
der Herrichaft und nad) fo vielen Kriegsverwüftungen, und das hohe 
Alter, ja die Vollkommenheit philoſophiſcher Wiffenshaften und Man⸗ 
nichfaltigfeie der Religions und Weltweißheits Spfteme unter ihnen, 
Deutet ung felbige als die älteften Erfinder derfelben an, und läft ge 
wiß nicht zu den norblicdyeren, noch immer gegen Die Indianer rohen 
Voͤlkern Afiens einen Antheil an diefer Ehre einzuräumen. Aus den - 
neueften Erläuterungen endlich, die uns Hollwell, und am meiften 
Dow, über die Hindoftarüfchen Lehren und Religionsmeinungen mit- 
getheilt Haben (*), kann man nicht anders urtheilen, als daß Megnpter 
und Griechen, vielleicht auch mandye orientalifhe Sectirer in den er» 
ften Altern der Ehriftlihen Religion, die erften Tropfen ihrer Weiß. 
beit oder Thorheit, nebit vielen Religionsgebräuchen aus Hinboftan, als 
aus einer gemeinfchaftlichen Quelle gefchöpft haben mögen. Aus eben diefen 
Schriftſtellern lernt man, mie die erfte Reinigkeit der alten. Gymno⸗ 
fopbiftifchen $ehre, deren Epuren unftreitig noch izt unter den meife- 
ren Braminen übrig find, nad) Art faft aller Religionen und Men- 
fihenweißheit, durch Ausleger und durch die Herſchſucht und liſt in 
Meuerungen ihre Gröffe fuchender Pfaffen zu ungebeuren Fabeln und 
eitlen Menfihenfagungen, bey nach und nad) auffeinienden Secten aus« 
gearter iſt; und die Entftehung der mannichfaltigen Fabellehren , mel- 
che im füdlichen Afien (fo wie in Europa die $egenden der Heiligen) 
Anhänger gemonnen haben und denen man die gemeinfchaftliche Wuͤr⸗ 
hung des boßhafften Eigennuges und des Aberglaubens nur zu deut⸗ 


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C’) F Z. Hohalfs hifkorical Events relsting to the Province of Bengal 
& the Empire of Indoftan, London 1767. gvo. The Hiftory of Hin- 
doſtan, translated from the Perfian by Alexander Dow Efq. 2d Edi- 
tion, London 1970. 2 vol. 4. in der N he Differtation con- 
cerning the Cuftoms, Manners, Language, Religion & Philofophy of 
the Hindoos, 





des Schigemuniſchen Aberglaubens. 5 


A anfieht, wird. aus jenen, obwohl noch ſehr unzulaͤnglichen Nach 
ihren benannter Schriftftellee ganz hegreiflich. | 


Eine geringe Kerinpniß ber im Tobet, gleichſam im, Mittel 
punce von Afien, gegründeten und ‘von dort oft und. nardwaͤrts ver⸗ 
breiceten Mythologie und des damit verfnüpften: Goͤtzendienſtes, zu 
weichen fich feie dem dreyzehnten Jahrhundert nach. und nah fafk 
alle Mongolifhe und Oeroͤtiſche Voͤlkerſchaften befannt haben, ift. bin« 
reihend um einzufehen, daß felbige ihren Urſprung aus Hindoſtan, 
ols eine der ausgearteren Töchter der alten Bramaniſchen Religion 
genommen und unter ihren Anhängern verſchiedener Zungen, deren 
Anzahl no immer durch den Bekehrungsgeiſt der Pfaffen dieſer Geste 
vermehrt wird, den Örundiehren nad) mehr und. mehr werberbe, um 
mie dem Schamauifchen Aberglauben,- den fig verdrängt hat, auf 
allerley Weife vermifche worden ft. Mur die Ceremonie des Bägen« 
dienftes und einige Hauprlehren , fonderlid) die van der Seelenwande-⸗ 
tung, baben ſich ziemlich unverändert und ‚überall die Geiſtächkeit, 


Alterthum 
d. Hindoſta. 
Goͤtzendien. 


Urſprung 


s Tybeta· 
niſchen Aber 
glaub. aus 


Hindoflan. 


bey rohen abergläubiihen Völkern, in den vollen Bejis hierarchi⸗ 


fher Oberberrfchafe erhalten. 


Diefe weitlaͤuftige Babellehre, welche bey hen mongalifchen 
Voͤlkern insgemein nur Burchan⸗Schadſchin (die Bogenherlich« 
keit) genannt zu werden pflegt, leiten ihre Bekenner ſelbſt aus dem 
Meiche Enetkaͤk ber, Enetkaͤk oder Asnaͤtkaͤl ift aber, nach) ihrer 


Berchreibung, eine fonft mächtige Monarchie im füdlichen Aßen. Ian ° 


gutiſche Samen, bie ich unter den Selenginffifhen Mongalen über bie 
Sage dieſes Meiches befragte, fezten es der Mongolen und Tybet 
‚gegen Suͤdweſten, nannten deflen Beherrſcher ben groſſen Dfchagat, 
Dſchalbo, Chan, und : gaben, als ihm unterthänige Provinzen aber 
Heine Reihe Sumbans , Dambans-, Wonach , Lambane , 
Bachans, Inderi, Machuraga und Adſargaſar, an welche ſich 
alle nad) ihrer Meynung der Eneckaͤkſchen Schrift und Sprache bei 
dienen, bie in Tybet als bie heilige Sprache betrachtet und in den 


Gebets⸗ und Befchwörungsformeln unüberfezt benbehalten wird. Die 


fe Schrift und Sprache aber, wovon meiterhin umftändlicher geredet 
werden fall, Kat mit der in Tunkin und Cochinchina üblichen, und 
mit der heiligen Schrift oder dem Schanftrer der Bramanen die 
göfte Aehnlichkeit, und erlaubt = den Urſprung dea damit genau 

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6 0° Urfprung und Sortgang . .. 


Urſprung verfnüpften Aberglaubens feinen gültigen Zweifel. Die Kalmuͤckiſchen 
des Tybera, Pfaffen nennen auch Bangala unter den Enetkaͤkſchen Provinzen, 
nifchen Weſſerſchmidt merke irgendwo an, die mongolifche Benennung von 
Aergl.aud Findoſtan fen Intaͤki, die Tangutifche Dſchagaͤr und die Chinefifche 
Hindofkan. Tafirtänd. - Auch die meiften Erzählungen über den irdifhen Wandel 

des Stiffters und Hauprgögen der Tybetaniſchen ober !amaifhen Re- 
ligion Schigemuni, fegen den Schauplatz feiner MWunderthaten und 
guten Werfe in Reiche, Städte und Gegenden biefes Landes Enerfäf, 
die aber bey unfern geringen Kenntniffen des Innerſten von Aſien 
fhwerlih zu beſtimmen feyn möchten, wenn man nicht eben fo un« 
gluͤklich ſeyn will, als die rußifchen Dollmetſcher, Die das fand Adſar⸗ 
Gaſar, in welchem Schigemuni viele Thaten verrichtet haben fol, 
gemeiniglih durch Arabien überfegen, ohne einen Grund besfalls an« 
geben zu Finnen. — Zu dem allen koͤmmt endlich, um den Indiani⸗ 
fhen Urfprung des S$amaifchen Aberglaubens zu -beftätigen, daß der 
Hauprfiß deffelben noch izt in den eftlid vom Ganges gelegnen Meich- 
en Siam, Pegu und Tonfin ift, meldye nebft dem angränzenden Ty⸗ 
ber, dem gröften Theil von China und felbft Japan, die Goͤttlichkeit 

„ des obgedachten Hauptgoͤtzen dieſer — unter verſchiednen Narnen; 
Sommona⸗Chodom, Schaktſcha⸗ Tuba, Sangelmuni, Dſchak⸗ 
dſchamuni, Schigemun, Schaka und So, anerkennen, und mit 
mehr oder weniger Abänderung ganz ähnliche Mythologien und Reli— 
gionsgebräuche haben. — Wie es .mit dem Fortgang des Schigi- 
munifhen Aberglaubens durch diefe Meiche ergangen, und melches 
von dem andern feine $ehrer empfangen, bin ich meter zu beſtimmen 
noch zu unrerfuchen im Stande. Zu meinem Zwek iſt hinlaͤnglich 
daß in Tnbet das urfprüngliche Aenetkaͤk oder die Indianiſche heilige 
Schrift und Sprache mir dem Gögendienft und allen Religionsuͤbun— 
gen verwebr ift, und daß hieraus allein meinem Bedünfen nach Das 
Vaterland des in Tybet berfchenden Aberglaubens eben fo natürlich 
gefolgere werden fann, als man aus der unter den mongolifdyen 
Völkern beym Goͤtzendienſt allgemein üblichen tangueifhen Eprache 
ganz natürlich und auch richtig faylieffen wird, daß die Mongolen von 
Tybet aus unterrichtete worden find, 


Eingebilbe, Dieſe Ableitung und das hohe Alter in welches die tybetanifche 
.. Fabellehre hinausgeht, macht, nebft vielen andern Gründen die ſich 
— aus ben folgenden Abſchnitten und dem ganzen Weſen uud Gang die- 
Secten auf Ä a " | = fer 
Tpbet. 


— 


des Schigemuniſchen Aberglaubens. 7 


Re Fabellehre ergeben werden, die Muchmaffung einiger Gelehrten, Eingebilde⸗ 
als ob die.Schigemunifchen Secte aus Vermifchung irgend eines al» te Meinun⸗ 


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ten Bramanifchen, oder auch des Schamanifchen Aberglaubens mit 
der chriftlichen Meftorianishen Secte oder dem Manichaͤiſmus entftans 
den fen, fehr unmahrfcheinlih. Ihre Vermuthung gründet ſich am 
meiften auf die Aehnlichfeie einiger geiftlicher Gebräuche und Ceremo⸗ 
nien und dann auf die übelverftandne Lebensgefihichte des Gögen Schi— 
gemuni, in welcher fonderlicdy Die Roͤmiſchkatholiſche Mißionarien, wel— 
che faft in allen Winkeln des Heydenthums Spuren der Chriftlichen 
Keligion haben entdecken wollen, eine entfernte Webereinftimmung 
mie der Menfchwerdung und dem Lebenswandel des SHeilandes. zu 


. finden vermeinten;. worüber denn mand)e Thorbeiten von ihnen aus« 
. gegangen find, die andre rechrfchafne Gelehrte zu verleiten im Stan» 


de waren. Der Auguftiner P. Georgi (welcher jedoch auf dieſes 


 $ob der Rechtſchaffenheit nicht allerdings Anſpruch zu machen feine ) 
bar, in feinen fonft fhäzbaren Alphabeto Tybetano (*) dur einen 


Yangen dicfen Quartanten an diefer Hypotheſe gebaut und fein Gebäu- 
de aus allerley Schutt, der nur irgend paßlih war, fehr mühfam 
und in dem rechten polemifchen Geift und. Styl zuſammengeſtoppelt. 
Mir dergleichen gelehrtem Schwall find. wohl eher die Chinefer und 
Indianer zu einer aͤgyptiſchen Colonie, die Sapländer zu Iſraeliten, 
die Goͤtzen des Heydenthums zu Patriarchen ber Bibel gemacht, und 


noch neulich die Atlanten und mit ihnen, der erſte Sitz aller Wiffen” 


e 


fihaften bis nad) Spigbergen verlegte worden, — Der gute P. Georgi 
hat tibrigens in feinem Enfer geglaubt der Chriſtlichen Religion recht 
fehr zu dienen, wenn er die Aehnlichkeit der Geſchichte des Heilandes 
und der Geheimniffe des chriftlichen Glaubens, ‚fonderlid aber die 
übertriebnen Manichaͤiſchen Irrlehren, mit der $amaifchen oder Tybes 
tanifchen Fabellehre, ihren Scigemuni und deſſen Menfchwerbung 
und Wandel auf Erben, erörterte und durch viele gezwungne Etymo—⸗ 
Iogien und DVergleichungen recht ins Sicht zu: feßen ſuchte: Allein er 
bedachte nicht, daß auf Feine Weile unbezweifele entfchieden a 

re J F ann, 


- 





-(*) Alphabetum Tiibetanum, mifionum apoftolicarum commodo editun, 
praemifla eft disquifitio qua. de vario litterarum ac regionis nomine, 
. gentis origine, maribus, funerftitione ac Manichaeifmo fufe differi- 
tur, - Smdio &.labore, Fr. Augufini Anton Georgü, Ersnitae An- 
gufliniani. Romas 1762. 4. 


Secten auf 


Tpbet. 


.” Urſprung uuð Foregang 

Eingebilde⸗ kann, eb die Manichaiſche Ketzerey der Sthigemuniſchen Sabrllchee 
te Meinun⸗ ober bleſe Jener Stof geliefett, oder ‘ob fie nicht beybe aus eineriey 

gr Diele in · Indien - geſchoͤpft Haben? Da Manes aus Offen her wor ( *) 
al und ble Tybetiſche Fabellehre ſchon durch "ihre Weichinfrigfeie, ſo wie 
erren anf Das Alterkhüm und die Vollkoͤmmenheit 'Igrer "Schriften und der -im 

Toben;  Xuber blühenden Schreib. und Deuckerkunſt, auch auf den Goͤtzendienſt 
fit) beziehenden bildenden Künfte, das Anfehn eines hohen Alters 
vor fi) Hat. Denn daß die Stifter der Schigemuniſchen Seete bie 
Eporhe Ihres Goͤtzen vorfezlich faſt raufenb- “Jahre Aber Ehrifti Geburt 
hinaus geſezt haben 'follten, um ihr Paglar.zu bedecken und ch das 
Anſehn eines Worzugs wor dem Chriſtenthum "zugeben, konnte kaum 
bey einer mitten in der Chriſtenheit ſich hervorthunden Secte wahr⸗ 
ſcheinlich gefunden werden, iſt aber gewiß bey einem ſo ſfekn von und 
äuffer allem Zufammenhang mit der Chriſtenheit ſtehenden Voike eine 
ganz zwekloſe Lift, und von Seiten des P. Brorgi ‘eine, Wie mid 
duͤnkt, fächerliche und chörichee Beſchuldigung. Ja im Grunde ſcheint 
die Sehre des Manes mehr von den Dogmen bes ‚Zorsäfters, eis 
vom Samaifhen Aberglauben zu haben, wenn man einige Aehnlich⸗ 
keit der Fabeln über das Weltſyſtem und die Schoͤpfung anonimt. 


und garauf Eben fo wenig laͤſt ſich andrerfeies mie der geringſten Wahr 
Hindoſtan. ſcheinlichkeit behaupten, daß die ſchon viele YahrbımBerte 'vor Entſtr⸗ 
bung der Chriftlichen Kirche, wegen ihrer Weltweißheit, ‚Ihres Cote 
sesdienftes und Fabellehre berühmte und auf ihre Religion fo eifer⸗ 
füchrige Hindoftener, irgend etwas, auch nur in ben heiligen Gebräuche 
er, vom Apeftel Thomas und feinen Juͤngern erborge haben follten, 
In einem Sande wo feie unbenflichen Zeiten, :ja dem Anfchein nach 
feit der erften Bildung gefitterer menſchlicher Geſellſcheft, bie Geift« 
tichfeie der uralen Lehre mächtiger und vornehmer ‚als der National⸗ 
Adel und noch immer unter mahemedanifchern und: enropäifchern Joch 
fo würffam iſt, mo man feine Profelyten und noch meniger Refor⸗ 
matoren haben will: laͤſt ſich kaum murhmaflen, daß die Lehre eine 
ger Anfömlinge mehr Glüf, als nachmals die Farhelifhen Mißionen 
in China und Japan gehabt, und wohl gar ben alten Glauben der 
ganzen Nation umgefchaffen haben ſollte. Und würde man eine 





ſolche 





‘@) P. Beorgi ſagt je ſelbſt, in feiner Vorrede S. XXVL - primas im 
Z fidei noſtrae —— — Thebedi cuidem tribuit Eufebius. 























des Schigemumiſchen Aberglaubene. 9 
ſolche Wuͤrkung, als ein Wunberwerf aufſtellen und auch gelten laſſen; Eingel ilbe⸗ 
fo duͤnkt mich doch eine fo unvollkomne Bekehrung, die nur einen te Reinun⸗ 
Miſchmaſch von ungeheuren Aberglauben der guten, natürlichen Mo⸗ gen dv. Eins 
ral beygemifcht bat, eines Wunderwerks nicht werth zu ſeyn. Viel — de⸗ 
eher koͤnnten ja wohl einige Ceremonien des aͤuſſerlichen Gottesdienſtes er 
in den erſten Ehriftlichen Kirchen nach den heiligen Gebräuchen eines Gindoftan. 
Volks, deſſen Verehrung der bildlich vorgeſtellten Gottheit ſo feierlich 
und anſtaͤndig, als irgend eine in der Welt iſt, und zu welchem die 
Weiſeſten aus dem Occident, ſchon Jahrhunderte vorher, nach Weiß⸗ 
heit gewallfarthet hatten, gebildet worden ſeyn. — In der That ſcheint 
auch dieſer Gedanke bey den katholiſchen Mißionarien und dem P. 
Georgi ſelbſt rege geworden zu ſeyn und ſie oft veranlaſt zu haben, 
nicht nach ihrer innern Ueberzeugung zu reden, ſondern der Wahrheit 
Gewalt anzuthun, die doch, in Abſicht auf aͤuſſerliche Uebungen, der 


er Religion unbeſchadet, ohne Berfälfchung dargeftellt werden. 
nnfe, 


DT S = 


Um welche Zeit die Schigemunifche Lehre in Tybet eingeführt Chronolo⸗ 
worben, ergiebt fid) aus der vom P. Georgi beygebrachten Chrono» giſche Nach⸗ 
logie dieſes Sandes (*) deren Glaubwürdigkeit ich zu bezweifeln feine richten von 
Urſach finde, obſchon fie mit denjenigen vielleicht durch die Unmiffen- ne 
heit dee mongoliſchen Ueberfeger und Abfchreiber verborbnen Fragmen⸗ Gößenlehre. 
ten, welche ich dahin einfchlagend von den Kalmädifhen und Mon⸗ 
gofifchen Geiftlihen und aus ihren Schriften habe auffamlen Fönnen, 
in den vorigen Jahrhundert nur entferne, hingegen ziemlich) genau In den 
neueren Begebenheiten und Namen übereinftimt. Die im erften Theil 
diefer Samlung ©. ı7. u. 17. angezogne mongolifhe Schrift, wel⸗ 
che von Ausbreitung der Schigemuniſchen Lehre handele, erzählt hier. 
über, nach vorbergegangnen gencalogifchen Machrichten , welche ben 
Hauprgögen und Stifter diefer Lehre Schigemuni felbft betreffen und 
weiter unten angeführte werden follen, folgende Umſtaͤnde: 


Weber taufend Jahr nad) ben vollendeten Geiſteswanderun⸗ 
„gen bes Dſchakdſchamuni- hieß der erfte Tybetſche Chan Kuͤſoͤhn⸗ 


„ ⸗ 





(*) Alphabet Tibetan. p. 296. u. folg. 
Zweyter Theil, 


Ba rſprung und. Fortgang 


Chronolo⸗,Saltu. Sechs und zwanzig Glieder nach biefem ward Totgli- 

giſcheNach · Nonſchal Chan geboren, und fünf Glieder nah ihm Sſarangſan⸗ 

richten von Bambo Chan, Zu diefer Zeit hat der Ehinefifhe Ehan Nogon⸗ 

„Daraͤhgin⸗Abun die Goͤttlichkeit des Dſchakdſchamuni anerkannt. 

Gößenlehter Der Ehan des Sandes Balboo (*), Zagan⸗Daraͤhgin⸗Abun 

„bat damals den Bögen Su⸗Aktſchiba angenommen, und wie je⸗ 

- „ner, bey-fih) Die erften Tempel erbaut. Dieſe ſchickten zwey Geſand⸗ 

| „te, Annada und Tomi-Sfamurs nach dem Sande Enerfäf, die 

„von dort das heilige Buch Sfudur-LTogood& zuruͤck gebracht 

„baben. Das war die Zeit in welcher über Coͤbbet (Tybet) ein 

heller Glanz: aufgieng; durdy Tomi-Sfanmura und Annada iſt bie 

# Beilige Lehre dahin begleitet und das Menfchengefchlecht von biefent 

„Acht erleuchtet worben. Nach dem leßgenannten Chan ift im fünf 

„ren Gliede Triſrong⸗Divſan geboren, unter deſſen Regierung die 

„schre durch Verdollmetſchung in viele Sprache mit Hülfe des Dalsis 

„Lams, Badma⸗Sambawa und Gamla⸗Schila ausgebreiter 

„, und das Heiligthum über Die maffen verherrlicht morben ift. Fünf lieder 

z „ fpäter iſt Ueſſ—ͤn⸗Sandali Cham geboren, der aus Enetfäf bie 

j „duch Dſchina⸗Midra Sama in. andre - Spradyen überfegte und 

„ verbefferte Schrift nad) Tybet gebracht und den Glanz der Götter | 

| „noch; mehr verherrlicht hat. Durch die damaligen Chane der Voͤl— | 
In „ter iſt bis auf den heutigen Tag die Herrlichkeit der Gögenlehre 

3(urchan⸗Nom ) immer twrefliher und blühender worden, „ 





* 


Ganz neulich hat man mir eine andre mongoliſche Schrift 
äberfezt, welche eine Ehronologifche Reihe von Begebenheiten die den. 
Schigemuniſchen Aberglauben vor und nach feiner Pflanzung in Tybet 
betreffen, und fonderlidy die Zeitrechnung der. vornehmften Heiligen 

Samen ımd Verbefferer oder Erhalter diefes Aberglaubens enthält, 
and die hier ganz mitgetheilt werben muß, obngeadhter. ich nicht ‚alle 
darin enthalte Ramen zu erläutern im Stande bil, Da felbige (wie | 
aus emigen Säsen, die darin vorfommen und deren Zeitpunft zuver⸗ | 
kaͤßig genug bekannt ift, erhellet) vor ohbngefähr hundert “jahren aufs 
geſezt iſt: fo muͤſſen bie Zahlen alle um fo viele Jahre vermehrt wer⸗ 


den, 





(*) Se viel ich von Tauguten vernehmen koͤnnen, wird unter dem Na⸗ 
vo men Balboo oder Palpo ein fſuͤdweſtlich au Tpbet graͤnzender Theil 


won Jidien verffanden. 





des Schigemuniſchen Aberglaubens. | 17 


ben, um auf unfre Zeit zu paffen. Und’ wenn die Epoche des irdi⸗ Ehronoles 

fhen Wandels des Echigemuni hier viel fpdter, als in, denjenigen Site Nach⸗ 
Schriften, woraus im erften Theil dieſer Samlungen S. 19 u. ee 
20. Stellen angeführt. find, gefeze wird; fo dient zur Erörterung — 385 
daß Schigemuni ſich mehr als einmal unter menſchlicher Geſtalt auf gemehre 
Erden gezeigt und wieder jen Himmel — hat, und daß hier 
nur von feiner lezten Menſchwerdung die Rede iſt. — Folgendes iſt 

die Schrift, wie ſie mir zugeſtellt worden iſt: 


„Seit der Empfaͤngniß des Burchans Dſchakdſchamuni, 
‚„tweche vom ısten Tage bes lezten Sommermonats im Schorroi⸗ 
„Choin (irdifhen Schaaf-) Jahre (*) angerechnet wird, zählen 
„wir bis auf das SchorroisChoin Jahr da dieſe Schrife verfaft 
„worden, 2649 Sabre. Seit der Zeit feiner darauf erfolgten Chubil« 
„, ganifchen (**) Geburt find alfo 2639 Jahre verfloffen. Im Schors 
„ vroisChußuguna (irdiſchen Mäufe-) Fahre, vor nun 2611 Jahren 
„iſt er in den geiftlihen Stand getreten; und bis zu der Zeit, da 
„er als Sehrer aufgetreten, find es nun 2605 Jahre. Im Tummers 
„Lu deifernen Drachen) Jahr feit welchem nun 2559 Jahr ver⸗ 
„floſſen, hat er ſeinen ſichtbaren Lauf auf Erden geendigt und ſich 
„ göttlich verwandelt. Er hat fortan nicht mehr wie andre Burchanen, 
„fi in einen ſichtbaren Chubilgen ( Wiedergebornen ) niebergelaffen 
„ fondern dieſes hoͤchſte Weſen ift "von: ber Zeit und bleibe bis 
„zum Schluß des unter feinee Obhut ſtehenden Weltalters, unfiches 
„bar, obwohl es aller Ereatur, hier und in aflen irdifchen und him⸗ 
liſchen Reichen, durch feine verbienftlichen Würfungskraft Heil zu 
„bringen fortfaͤhrt, = 

„Darauf ift im Tuͤmmer⸗Metſchin ( eifernen Affen») Jahre 
„vor 2510 Jahren, der Epubligan Batt⸗ mah Sfamsbbahswäh 
„auf Erben erfihienen,, i a 


Re 
I, 


> Se 





(OH) We en diefer md aller folgenden Jahresbenennungen muß ich ein⸗ 
mal für allemal auf den Abſchnitt, wo von der Lamaiſchen Art bie 
Jahre zu zählen gehandelt werden wird, verweilen. Si - 


(+) Bon diefer Are’ der Wiedergeburt, wird weiterhin des Abſchnite 
yon der Seelenwandrung genuͤgliche Erklaͤrung geben. 


m. Urſprung und Fortgang 


Chronolo⸗ „Seit der Zeit, da ber Chubilgan Nahgan⸗Soh , 
giſſheNach⸗, im Schyorrols Chuluguni Sa efbienen, Gab aun 2159 Jafıe 


sichten. von er n. 
der Tubera- 7 77, 
- nifchen „Don einen Schorroi⸗Chonin (irdiſchen Schaaf⸗) Jahr 


Seenleb⸗ „an, da der Chubilgan Tuͤhrbaͤhl Uehgaͤh auf Erden erſchienen, 
„find nun 1659 Jahre., 
| 9 Von dem Baflstikker (feurigen Krh⸗) Jahr an, da 
4 Schuddurga Toͤlgoͤn Chan als Ehubilgen auf Erben 
* = find 1063 Fahre zu rechnen., 
„r Seit dem Tuͤmmer⸗Chullugunah (eifemen Mäufe- ) Jahr 
„in weichem zuerfi das groffe und aflerheiligfte Dſchuh⸗Dſchak⸗ 
m „Kbamuni (**) nach Tybet uͤberbracht worden, find. nun 1039 


” re. 
„Qom Schorroi⸗ Morin (irbiſchen Pferde⸗ Jahre am, 
„da Birtẽ Schuddurga Schirärk Chan als Chubilgan auf Ei 
"dm erfhienen, zähle man 902 Jahre, 
„Vom Gal⸗Nochoi (feurigen Hunde⸗) Jahre, ba Uſſun⸗ 
yDebeskertaͤ Chan als Ehubilgan geboren ward, Li ist das 814te 


7 — 


m Tummer Talk eifernen nen) Jahre ba Ukker 
—— Chan als — — en das: ae Jahr., 


ER 





ch Battma Scham. bah · wab und Nobgan⸗ Sobnab ſind geiflüichen 
grande ewefen. ıhıd werden in den mongoliſchen Tempeln in eb 
alar⸗ Lania aͤhnlicher Keibnung verehret ) wie auch ei⸗ 

"Big — ber weiterbür gentcnuten Chubilgans. 
) Dſhuh oder Die, das im Haupttenpel zu DIA, der Haupeſtadt 


von Tybet, —2— Sog Sie des Gchigennme, full nach dem 
Vorgeben der Haffen, in neekät verfertige, durch ein Wunder⸗ 


werk aus Enetkaͤl nach Ehine, and: von de mit einer, nachmals eis 
nent Tubetichen — — EHinefieben: Braut, nach 
IAbet gelommen — 
—*8 und verehret wird. 

em Diefer Eban ſoll in dev Sorgen — —2* Serrige 
EN: a angerichtet haben. 


2* 


es izt als das PYalladium Dr Religion 











des Schiganmmifchen Aberglaubens, .B 


„Vom llſſun⸗Morin (waͤſſrigen Pferbe- ) Jahr, da das Chrondlo⸗ 
Dſchuh in Tybet durch ein Chubilganiſches — verherrlicht giſcheNach⸗ 
m worden, ift dieſes das 692ſte Jahr.,, — 
dh Seit Modun⸗Lu (dem hoͤlzernen Drachen/) Jahre da nifhe = 
„Komm; ak Bakſchi⸗ Chubilgan erſchienen, find 675- Jahre ver- —* 
4107, 
„Zeit Uſſun⸗ Chullunah ( Wafler-Mäufe- ) Jafı, da Marr⸗ 
bah Rellemüstfchi Ehnbilgan Hesniederfam, find ige 667 Jahre. 
Bars Eirmmers; Lu: (eifernen Drachen⸗) Jahr, da Gaͤttaͤl⸗ 
„sittfäib- Millah Chubilgan erfchienen, zähle man 639 Sahre,,, 
„Vom Uſſun⸗WMorin ˖ (Waffer- Pferdes) Jahr, als ſich 
„äbrentals eis Chubilganiſches Wunder ans Dſchuh geäußert hat, rec» 
„net man 637 SJahr.,, 
„Vom Ball: Takte C feneigen Hahnen Jahr, ba das 
F Safer, KRatteke ntzgten in — erbaũt worden⸗ ſi inds ist 622 
Jahre. 
„Im Schorroi⸗ Wachai irbiſchen Schweine⸗) Jahr ie 
ee Schaͤ⸗vrap Chubilgam erſchienen, vor 620 Jahren. nn. 
„Im Uſſun⸗Ufkaͤr — er. Kuh⸗ ) Sabre; vor 606 Jah⸗ 
„ren ‚ward N dichah in Tybet geſtiſtet 
Im Schorroi⸗ —*6 (ir iſchen Schaaf⸗) ) dJahre vor 
m „nun ag: ‚Sähten, iſt Salodt⸗ (farm Ehnbilgan geboren worden. 
ar uns Bafır-A . Fahr oder vor 
„567 "en, ri en ei —** erſthienen 


34 roi E (iedi Kah⸗ e,, nun ſch 
F vor — ee * — Rn —E 


„Br I69 Jahren, in einem Chess Bars ¶eiſernen 
F BE Fahre iſt Pagg⸗ mühe ruͤbb⸗ baby der groſſe Vatriarch 
„und Chubilgan Gharrmah im Tybet erſchlenen. 
„Vor 559 Jahren, in einem Uſſun⸗Tolai (Waſſer Haſen⸗) 
mIähte, ge udttgan Lamah⸗ Schaug geberen. 


©3 „Bor 


14 Urſprung und Forthang 


Ehronolo⸗ Vor 536 Jahren, in einem Uſſun⸗Jachai (Waſſer 
nn Schweine. } Fahr, erfhien Berih⸗kungh⸗bah Chubilgan,,, 
der Tybeta⸗ „or 517 Jahren, im Tümmer -!YIogoi (eifernen Drachen.) 


niſchen „Jahre ift Arion Daͤhdaͤh⸗Jabdaͤltaͤh Chubilgan hernieder gekom⸗ 


enleh⸗ „„men.,, 


„In einem Uſſun⸗Bars (Waſſer Tyger⸗) Jahre von 
„Jahren, iſt der fama Sſah⸗ ER und Der — 
,, und: Chubilgen Tfchingis Than {*) erfihienen.,, | 
„Seit dem Modon⸗Chonin pe mh ) Safe da 
Pagh⸗ Bah Lama mit Zaͤzaͤn Chan in bie befannten Umfäebe 
. „verfiel, find 446 Jahre verfleffen,,, 
| „Bon Tummers Bars (Eifen- Toger-) Jahr, da be Pas 
4 trlarch KRõobohn IR une erfihienen, find 301 Jahre 
„su zaͤhlen., 
„Seit Tuͤmmer Colai (Eiſen⸗Haſen⸗) Jahr, als Rab⸗ 
F oſchan⸗ Dordſchaͤ Chubilgan erſchien, ſind 330 Jahre, _ 
„Von dem Gall⸗Takka (Zeuer- Hanen-) Jahre, da ber 
„Glaubens Chan Sunkkaba ober — nie erfchienen, 
„find 323 Jahre verftrichen.,, 
„Set Modon⸗Lu Jahr, als Dirrwah⸗ Rinzen Chu⸗ 
» bilgan ‚geboren wurde, hat man 316 Jahr zu zählen. ” 
„Im Modon⸗ Bars vor 306 Jahren, fiel die Erfheinung 
u, des Chubilgans Dullbih⸗Bariktſchi oder Arratbe;Dfhalzan, | 


„sm SchorrotsChonin, vor r ien Idſcham⸗ 

[7 ‚fofbang Zordſcha Ehubilgan ;,, I " J 
„Im UffunsBachai, vor 297 Jahren: Adlitchal⸗ ugaͤh, 
„Nomien⸗Eſen Chubilgan;, 

Am Moͤdon⸗Ukker, vor 2 ahren, Kamtah⸗Tam⸗ 
„bis Eibänbah Ehubit gan, * Zehren, 
| | | nm 





—— — 


/ D 





°) Das Geburthsjahr Tſchingis⸗ Chans dem Abuls in das 
” Jahr na —* San! 1 — 





z 


des Schigemuniſchen Abergisubens, 15 


„sm Schorroi⸗Ukker, vor 271 Jahren war es, ba der Cbhronolo⸗ 
„Burdhan Sunkkaba zur Stifeshürte des Dſchuh feierlich. Opfer giſcheNach⸗ 
„brachte; zu eben der Zeit fehrieb er feine fehr-und Glaubens Bi, Fibten von 
„Ger, und das Tybetſche Klofter Gaͤddun ward damals erbaur.,, ne 


„Im Ball: Merfchin ( Seuer- Affen-} Jahre, nun vor Bögenlc- 
„264 Jahren, wurde das Klofter Braͤh⸗Bung durh Idſcham⸗re. 
nſoſchang Zordſcha erbaut.,, 

„Im Schorroi⸗Gachai vor 261 Jahren, als um bie Zeit 
—* Pr =. — — — — in sn Toͤ⸗ 

s⸗Bajascholon immelreich erhob, iſt Idſcham⸗ joſchan 

roſchaͤ⸗ Sſahra Kloſter — er y 

„Im Tuͤmmer⸗Ukkaͤr (Eiſen⸗Kuh⸗) Jahr warb Nohʒa⸗ 
„Tarnien Klofter, vor 259 Jahren, und, — 
i „Im Gall⸗Mogdbi (Feuer Schlangen-) Jahre, Schang⸗ 
„zens zordſchi⸗ joſſcham⸗ oſchu Klofter, vor 243 Jahren erbaut; 


% “ 
® 


„, desgleichen „, | 
„Im Gall⸗VColoi (Feuer-Bafen J.) vor 233 Jahren, 
„das Kloſter Gaͤdun⸗ruͤb⸗bah⸗rahſchih Lühmipab.,, Ä 
\ „Vor 204 Jahren, im Ball: Merfchin, erfhien der Welt⸗ 
„patriarch Gaͤddu⸗Tſchamtſchuh Chubilgan, und, | 
„Vor 173 ohren im Gall⸗Takkan(Feuer⸗Hahnen J.) 
„der Chubilgan Altin⸗Chan (unter den Mongolen ).,, 
„Bor 171 Jahren im Schorroi⸗Mogoi ( Erden -Schlan- 
„gen Jahr} ward das Klofter Zäzaͤktaͤ⸗Tallain geftifter,,, 
„ Seit Uſſun⸗Toolai, da Sfot snam ; jüfchamsu Chubil⸗ 


„sau (9) erfhien, find 537 Fape verfloffen.„, 
ki . „ Set 





(*) Diefer Sſot nam⸗ jdſcham· ʒu folf unter der Torgotſchen⸗ Horde ald Chu⸗ 

dilgan wieder erfchienen und durch eine von Tybet aus empfangne 

Erklärung ded Dalai: Lama vorher verkimdige worden ſeyn. Er 

iſt, aid em Juͤngling von 16 Fahren, der aber fibon Bellong (ge 
wephter Prieſter) war, und alle Lamen feiner Horde an Gelehrs ü 

ſamkeit und Weißheit ubertraf, mit den Buchtigen Zorgoten davonu 

ge⸗ 





6 Urſprung und Fortgang 


Chronolog. „Seit der irdiſchen Erſcheiuung des Jondan⸗ joſcham⸗ 
Nachr. von ,„dfebub Chubilgan, (zur Zeit da dieſe Schrift verfaſt worden) 
ben Tybet. wuͤrklichen Dalai-Sama, bie im Schorroi-Gachai erfolgte, find es 
SAND: „» 8ı Sahr., Mnd hier endige dieſe Tybetanifche Kirchenrechnung. 


S 8 


Fortgang Unter den Mongolen ſcheint ſich der in Tobet ſchon laͤngſt 
ber Zybet. befeſtigte Schigemuniſche Aberglaube bald nach dem Ableben des grof- 
a fen Tſchingis Chan eingefchlichen zu haben. In der erfien Hälfte 
Pa le des dreyzehnten Jahrhunderts fand Marco Paolo, beffen Zuver- 
| fäßigfeie, in Sachen die er als Augenzeuge erzähle, fi) durch das» 
jenige, was er von der Mongolen Sebensart ſagt, noch izt beſtaͤtigt, 
— drey verſchiedne Religionen, neben dem Schamaniſchen -aften Hey- 
denehum, bey den Mongolen geduldet. Im ssften Bapitel feines 
ersten Buchs giebe er vom Tybetaniſchen Goͤtzendienſt fo deutliche 
Kennzeichen an, daß niche zu zmeifelh iſt, er fen ſchon Damals unter 
den Mongolen, obwohl nicht allgemein, ausgeübt worben und aud) 
bon eben das gemwefen was er jegt ifh Und doch waren damals, 
nah feinem deutlichen Bericht, auch Meftprianifihe Chriften . und 
Mohamedaner unter den Horden der Mongolifhen Herſcher, die er 
. aber. in eben dem Kapitel von den zahlreichern Goͤtzendienern Cpluri- 
mi idololatrae ) deren Gebräuche er erzählt, ausdruͤcklich unterfcheider. 
Eben biefen Unterfchied zwifchen Chriſten, Mohamedanern und Gg- 
Gendienern, welche Kiöfter und Goͤtzentempel hatten, macht er noch 
im 47 und 49ften Capitel und mehr andern Stellen. . Und daß die. 
fe Gögendiener weder damals, noch zuvor, mit den Neflorianern zu 
vereinigen und eine vermifchte Lehre anzunehmen geneigt gemefen, zei- 
gen die Verfolgungen, welche fie nat) bald erlangten Uebergewicht 

gegen andre Religionen „auszuüben berfie waren und die ſchon zur 
Saytons Zeiten unter den Mongelen fir Chriſten übliche Benennung 
Terffay, die noch heut zu Tage bey allen Lamaiſchen Glaubensver- 

wandten Ungläubige oder Ketzer bebeuter, 


Diel 





gezogen. Die beym Georgi S. 325. u. 346. genannten Ramen 
ſtimmten allerdings mir Bäddu » Schomam.» und Jondan Dſcham⸗ 
dſchu, als auf einander gefolgten Dalay- Lamas, uͤberein. 


. 
— — — ——— — 





der Schigemwnifchen Sabellebre. 17 


Viel fpa<er und erft mit Ausgang des fechzehneen Yahrhuns Fortg. der 
derts ift, wie ih S. 26. meines erften Theils ſchon angezeigt habe, Die Tybetani⸗ 
Schigemunifche Lehre unter den Oeroͤt oder Kalmüden allgemein ſchen Goͤ⸗ 
worden. Zuvor waren ſie, wie noch izt der groͤſte Theil der Buraͤ— on 
ten, unter welchen die Lamen der Selenginffiihen Mongolen fleißig — 
am Bekehrungswerk arbeiten, rohe Anhaͤnger der Schamanen oder Zau— 
berer, deren grobe, vielleicht doch von einer uralten Wurzel zugleich mit 
der Zoroaſtriſchen Religion abſtammende Betruͤgereyen und unſinniger 
Aberglaube alle ungeſittete Voͤlker des Nordoſtlichen Aſiens gefeſſelt 
hatte, und noch izt unter den meiſten Sibiriſchen Heyden, mit gerin⸗ 
ger Abaͤnderung, ziemlich gleichſoͤrmig herſcht. — Nach dem Alterthum 
alfo wuͤrde ich von der Schamaniſchen Abgoͤtterey, welche Die mongo⸗ 
liſche Voͤlkerſchaften erſt ſpaͤt gegen den Tybetiſchen Goͤtzendienſt ver⸗ 
tauſcht haben, zuerſt Rechenſchaft geben muͤſſen. Weil ich aber ver⸗ 
ſchiedne Gebraͤuche zu beſchreiben finde, die ſich aus dieſem aͤltern Aber⸗ 
glauben bey den Kalmuͤcken und Mongolen noch erhalten haben, die 
durch Duldung und politiſche Nachſicht der Schigemunifchen Goͤtzen⸗ 
priefter benbehalten und mit einem Anſtrich der neuern Lehre über- 
tünche worden find, folglich ohne vorläufige Kenntniß dieſer leztern 
niche wohl erläutert werben koͤnnen; fo will ich zuerft alles, mas ich 
von der Echigemunifchen meitläuftigen und merfwürdigen Fabellehre, 
den damit verfnüpften Gögendienft unb Ceremonialfnftem zu fagen 
habe, im Zufammenhange folgen Taflen, und. alsden von den 
Überbleibfeln des Schamanifchen Aberglaubens bey den mongolifchen 


Voͤlkerſchaften veden. 














Te Cofinogonie und, Weltſyſtem 
, — ——— 
| 11. 


Eofinsgenie und Beſchaffenheit des fichfharen Welt: 
ſyſtems, nach der Tybetaniſchen Sabellehre, 


Entitebung Um ben bekannten Fabellehren iſt gewiß die Tybetaniſche, La⸗ 

des Welt: maiſche oder Schigemuniſche, naͤchſt einigen unter den heutigen 

gebaͤudes. Hindoſtaniſchen Volkslehren, die ungeheuerſte. Allein fie iſt in fo un- 
zäfig vielen tangutifhen und mongolifhen Schriften zerſtreut und Die 
einzelnen Xheile derfelben find mehrentheils fo unvollftändig, ohne 
Zufammenhang und Ordnung vorgetragen: daß zuförberft die Kent: 
niß und Auffamlung einer Menge diefer Schriften und dann deren 
gefchickte Ueberfegund und VBergleichung erfordert würde, um von Die 
fer Sabellehre vollfomne Einſicht zu erhalten. Alle bier zu Tliefernde 
Nachrichten machen nur den allgemeinften und kleinſten Theil ber 
Thorheiten aus, welche die Lamaiſche Geiftlichfeit als ihre Weißheit 
betrachtet. Und diefen Grundriß habe ich aus vielen überfegten Schrife 
ten und Fragmenten famlen müffen und fo viel möglidy in eine Deuts 
lihe Ordnung uub Zufammenhang zu bringen nicht wenig Mühe ge« 
habt. — In der Eofimogonie, welche id) hier vortragen werde, und 
den dreyen nächft folgenden Abfchnitten, find die meiften Bruchſtuͤcke 
aus dem Erdeni⸗Schaſter, dem Ertuͤnzuͤn⸗Tooli, welche ich bey- 
de unter den Kalmuͤcken — und aus einem mongoliſchen Werk 
gezogen, welches den Titel uͤhrt: Naĩ ſuma bein gab, Schidſchi 
Rapſalun Delebuin Ulamlal. 


Die erſte Entſtehung des Raums und der darinnen auf ver—⸗ 
ſchiednen Himmeln thronenden Luftgeiſter (Tänggrin) wird durd)gan- 
gig Alter, als alle ſichtbare Weltgebäube angenommen, deren Entfte- 
bung durd den Maturfauf nach und nad) bewuͤrkt, oder durch Mit. 
würfung jener $uftgeifter und dann der Gögen oder Burchanen, wel- 
che die Nothwendigkeit des Schickſals dazu flimmre, ins Werf gerichtee 
worden, „jeder Burchan, jedes Gefchleht von Geiftern bat einen 
eignen Würfungsfreiß und beſondern Sitz. Hingegen fann man von 
ben Samen nichts einem höchften, über alles erhabnen und Er 

e⸗ 











J nach der Tybetaniſchen Fabellehre. 19 


Mefen ähnliches erfragen. Eben fo Tagen Baldaͤus (*) und Holl⸗ Entftehung 


fien und urfprünglichen Gottheit ganz meglaffen. 


Schon einmal ift ein fihtbares Weltgebaͤude, welches unter 
bem Schuß des Burchans Diwong⸗Chara fand, hervorgebradht 
worden, durch viele Veränderungen gegangen und wieder in feyn 
voriges Chaos zuruͤck gekehrt. Die gegenwärtige uns fichebare Wele 
wird gleichfalls, nah) vielen Werändrungen, durch Feuer vernichtet 
werden ; da den ein neues Weltſyſtem, unter dem Vorſitz des Gößen 
Maidari entftehn und durch feine Revolutionen gehen foll (**). Alde 
ben wird ber Beherrfiher eines nachfolgenden Weltalters befannt wer: 
den und aller Verändrungen und Zerftörungen ungeachtet, wird das 
Welrgebäude, durch. beftändige Wiederhervorbringung, ewig und ohne 
Ende feyn. | | 


In der erften Wele find fechs Mevolutionen geweſen. Die 
Menfchen jener Welt lebten zuerft 80,000, dann 76, 60, und fo w. 
bis 10,000, ferner taufend, hundert, funfzig und epdlich nur zehn 
Jahre; darnach wieder zunehmend bis auf 80,000 Jahre und der 
ganze Inbegrif ſolcher Veraͤnderungen ber Lebensperiode machte eine 
Revolution aus, deren ſechs geweſen find. Nah Verflieſſung dieſer 
Perioden fieng alles von der Sonnen Hitze an auszutrocknen; es war 
keine See, fein Fluß mehr. Endlich zuͤndete die Sonne alles an: 
Das ganze Weltgebäude, und die fechs unterfien Himmel, mit 'der 
Hölle, verbranten ; es blieb er der fiebente Himmel, mit = 

- 2 is 


. ’ ‚ 
£*) In dem Werk: Nauwkeurige Befchryving van Malabar en Choro- 
mandel, derzelver angrenzende Ryken, en het machtige Eyland Cey- 


lon ; nevens cen omflandige en grondigh doorzochte ontdekking en 
wederleginge van de Afgoderye der ooftindifche Heydenen cet. Am- 


fierdam 1672. fol. * 


{**) Man vergleiche biemie, was Zollwell am Cube des fechften Capt.“ 


tels feiner Nachrichten von den drey Veranderungen der Welt, 
nach Barmanifiber Lehre ſagt; ingleichen die im Naͤdirſſen und 
Bedang gelehrte groffe und Feine Weltzerflörungen beym Dow in 
der angefürten Disfert. p. LAXIL wovon. weiterhin noch zu reden 
Gehegenheit feyn wird. s 


well, daß die neuern Secten in Hinboftan die $ehre von einer hoͤch⸗ ded Welt— 
g 


ebaͤudes. 


20 Eofmogonie und Weltſyſtem 


Entſtehung Geiftern die ihn bermohnen, und dem darüber herfchenden Schulmus 
bes Welt Chan wovon unten ein mehreres, und die Burchanen oder Götter 


eo 


gebaudes. mit ihren glücklichen Sigen übrig. 


Als nun die Zeit gefommen war, da nach dem hunwieber- 
ftehlichen Lauf der Natur ein neues Weltgebäude hervorgebracht wer- 
den follte, entftand aus einer fernen Himmelsgegend ein mächtiger 
Wirbelmind (Dorofi:mandral) welcher einen ungeheuren Raum 
voll Zinfterniß oder verdickter Luft ( Chubi⸗Sajagar) zufammentrieb, 
Die Weite und Tiefe dieſes Chaos, wird_auf 6 Millionen hundert 
und fechzehneaufend (*) Tangutifher Meilen ( Berree) (**) ange 
‘geben. — Um dieſe Zeit erhob fih in den uralten Wohnfigen und 
Keichen der Affarifchen Tänggri eine groffe Zwietracht, welche zu ge« 
waltigen Kriegen unter ihnen Anlaß gab und die endliche Zerruͤttung 
‚des herrlichen Reichs diefer Affaren bewuͤrkte. Aus deffen Trümmern 

bilz 





(*) Um die groſſen Weltalter und andre in der Kofinologie und MYs 
tbofogie von Tybet vorkommende ungeheure Sröffen und Zahlen Furz 
anzugeben, haben die Beifllichen und Echriftgelehrten eine aus 
Euetkaͤt oder Hindoſtan uberfowmene Zahlungsart, nach welcher 
für jede mit gehn force multipliciree groſſe Zabl ein beflimmter 
Namen vorhanden if. 3. E. Hunderttaufend heißet Bum. Zıhu 
Bum it Sayja; zehn Eayja, Dſchuwa; zehn Dſchuwa, Dung« 
ſchubr; zehn Dungſchur, Taͤrbum; zehn Tarbum, geoß Tärbum; 

. sehn große Tarbum, Gdrakgdrik; zehn Gdrakgdrik, ge. Gorak⸗ 
gdrik; zehn gr. ©. iſt Gorab gdrim; zehn Gdrab gdrim iſt groß 
©. 9. zehn groffe Gdrab gdrim macht Damm; zehn Damm iſt groß 
Damm,; zehn gr. Damm, Breit; zehn Greif iſt gr. Gtrik; gehn ar. 
Gt. ift Uellaͤ Alſaktſchi; gehn Me. U. iſt groß Uelli alſaktſchi; bie, 
folgenden je zehnfach multiplicirten und immer erft einzach und dann 
doppelt, mit dem Zuſatz groß ( mongol. Jike) genommene Zahlen 
heiſſen: Illangoi Kurruffen, Bangding, Effelen uddiridocho, Kiſar 
uͤſukuͤ, Suͤrik, Ueſuͤskuͤluͤng, Wangbu, Saitur kuͤrruͤkſen, Uchahn 
utchan, Tſchipkoi tooſun, Sarradik, Kutſchinaͤh kurdaͤh, Medeko, 
Dowo medeko, Maſchi bolchoi, Kutſchinaͤh nidun, Aſſarchoi, Oerroͤ⸗ 
ſchoͤhnko, Bajaschoi, Taͤkſchi, u. endlich Too⸗arbnih. 


(**%) Den Betrag einer Beree ober Berree "babe ich ſchon im erſten 
Theil ©. 125. angegeben. Sch werde mich fortan des Wortd Meile 
Dafür bedienen. " 





nach der Tybetanifchen Sabellehre. Zr‘ 


bildeten ſich fieben neue Haufen (Aimak) und Monarchien von. Af Enrftebung 
farifchen Geiftern in verfchieonen Wohnfigen, des Welt 
gebaͤudes. 

Nach dem Zeitraum, in welchem ſich dieſe groſſe Veraͤnderungen 

zugetragen hatten, erhob ſich abermals ein dem vorhingedachten aͤhnlicher 

Sturmwind, der doch lange nicht den ganzen Raum befaſte. Durch 

dieſen Orkan fliegen im obern Raum zuerſt duͤnne, nach' und nad) 

aber immer groͤſſer wachſende, ſchoͤnfaͤrbige Wolfen auf, die ſich end« 

lih in eine gofdfärbige, hberzförmige Wolfe ( Altar » Dfehirukeru ). 

zufammenzogen und einen riefenmäfligen Regen ausſchuͤtteten, deffen 

Tropfen mit groffen Wagenrädern verglichen werden. Daraus entftand. 

im untern Raum das groffe Weltmeer ( Vleffun zmandral ) Deffen 

Tiefe, eine Million und 600000, ber Durchmefler aber 4,803,800 obge« 

dachter Meilen, und der Umfang 3 Millionen 600,350 Golochon (von 

vier Meilen) betrug (*). Auf deſſen Oberfläche ſamlete fih, wie 

Rohm auf der Milch, ein Schaum deſſen Gröffe 320,000 Meilen 

betrug und welcher fi), nachdem das Meer wieder ruhig. geworden, 

verdickte und zum Grundftof des Weltgebäudes ward, 


Die Grundlage, worauf fih der Nieberfchlag diefes weltſchwan⸗ 
geren Schaums anlegte, war eine ungeheure goldne Schildfröte (Altan⸗ 
Maͤlaͤks) welche,‘ vor Entſtehung des Weltgebäudes, von: dem Geiſt 
des groffen Burchans und Waters der Götter Manſuſchari belebt, 
lange Zeit über der Tiefe geſchwebt hatte (**). Nah) dem Zaghan⸗ 

| C 3 Sſu⸗ 





(*) Im Erdeni Schaſter iſt die Groͤſſe des Meeres nur auf 1,1:0,000 
Berre angeſctzt; andrer Varianten zu geſchweigen, Die leicht von den 
Abſchreibern herkommen koͤnnen. P. Georgi giebt nach Tybetiſchen 
Originalnachrichten den innern Umfang des eiſernen Gebuͤrges in 
ga Kreis dieſes Meer befangen ill, auf 3,395,750 tangıt. Meilen 
an ©. 472. i 


(**) Nach denen bey Baldaͤus, In angef. Werk ©. 48. bed Anhangs, — 
. aus dem Bedang gegehnen Auszügen, bat Pıffng fich unter andern 
einmal in eine Schildkroͤte verwandelt, um die ſinkende Welt oder 
den in das Weltmeer geftellten Berg Mabameru zu unterſtuͤtzen. 
Dieſe Fabel iſt alſo in die Tybetaniſche Coſmogonie auf andere Art ein⸗ 
geflochten. BEER 


22 Eofmogonie und Weltſyſtem 


Entſtehimg Sſuruchai (meiffen Calender) melcher die Grundlage ber Tybeta⸗ 
des Welt niſchen Chronologie und Aſtrologie enthaͤlt, foll ſich dieſe goldne 
gebaͤudes. Schildkroͤte oben auf dem Weltmeer befunden und den ganzen Raum 
der itzigen Unterwelt eingenommen haben. Als die Zeit erſchien, 
da dieſes Weltgebaͤude erſchaffen werden ſollte, nahm der dieſe Schild⸗ 
kroͤte beſeelende Manſuſchari Burchan einen andern Körper an, er- 
bob ſich in den obern Raum und durchſchoß jenes über den Waflern 
ſchwebende Ungeheuer mie einem Pfeil dergeftalt, daß diefer auf einer 
Seite fo fang, als auf der andern herrorragee. Die Edhildfröce 
ſank lebloß in die Tiefe und gab in der Todesangft, um die Elemen⸗ 

ter der Dinge zu vermehren, ihren Unrarh von fich. 


Diefe Zabel welche, mie nachher gezeigt. werben foll, in ber 
Aftrofogie der Samen eine nothwendige Vorausſetzung ift, befinbee 
fi) in feiner der andern Schriften über bie Cofmogenie, die id habe 
zu Rache ziehen fönnen. In dem Ertuͤnzuͤn⸗Tooli wird bfeß ge- 
fage: in dem Echaum ber Meere fey eine goldne Schildkroͤte, dem 
Umfang des Schaumes gleih, und noch etwas gröffer - entftanden, 
aus er Mitte nachher der Berg Suͤmmer⸗Gola hervorgefom- 
men iſt. 


Ä Es entftanden nehmfid neue Wolken, welche durch ihre Re— 
gengüfle das vorige Meer noch beträchtlich vermehrten; Etürme, die ſich 
aus zehn Himmelsgegenden zugleid erhoben, brachten dieſes Meer 
in ‚eine folhe Wallung, daß dadurch auf dem Mittelpunct des gold« 
nen Schildfrötengemötbes ein ungeheurer, fteiler, ſtuffenweiſe ab- 
nebmender Berg (Suͤmmer⸗Oola) aufgemorfen ward, der 80,000 
Berree oder Meilen über der Fläche des Meeres und eben fo viel 
bis auf den Grund beffelden meffen fol. Man fchreibe bemfelben 
vier Seiten (*) von unterſchiednen Farben zu. Die oftlihe fol ein 


fit. 





*) ‚Hiemit kann verglichen werden was P. Georgi im Alphab. Tybet. 
p- 184. u. folg. aus der Tybetiſchen Kabellehre erzähle. Nah Bal⸗ 
dAus (am angef. Drt ©. 138.) hat, nach dem Bedang, bie in eis 
nem Ey befchloßne Welt in der Mitte einen groffen Berg Maha⸗ 
mern oder Werun, hinter welchem fib Sonne und Mond verber: 
gen. Weder bie unvolkommne Rachrichten beym Baldaͤus, noch = 

| mehr 


x \ 


nach der Tpbetanifchen Sabellehre 23 


ſilbernes, die mittägliche ein lafurhafftes (Benduͤrt), bie weſtliche Beſchaffen⸗ 
ein rubinfarbes (Badmaraga ı und die nördliche ein goldnes Anfehn heit des 
haben. Die ungeheuren vier Abfäße bes Berges find zehntaufend Weltge⸗ 
Meilen einer uͤber den andern erhoben. Der unterſte miſſet auf jeder aͤudes. 
ſeiner vier Seiten ſechzehntauſend Meilen, der zweyte achttauſend, 

ber dritte viertauſend, und der vierte zweytauſend Meilen: über mel« 

chen der oben ganz platte Gipfel des Berges hervorragt. 


Sieben guͤldne Gebürge und eben fo viele dazwiſchen befind- 
lihe Meere umgeben diefen vierefigee Sümmer »®ola (*) als 
ihren Miftelpunce und felbige umfchlieft, nebft den Weletheilen, zu 
äufferft ein eifernes Gebürge, wie ein Ring. Diefes eiferne und 
das Äufferfte der güldnen Gebürge erhebt fih nur 625 Meilen 
über das‘ den Suͤmmer-Oola umgebende Weltmeer; den übrigen 
güfdnen Gebürgen wird über die See folgende Höhe zugefchrie- 
ben : dem äufferfien ı250 Meilen, dem zweyten drithalbraufend , 
dem dritten fünftaufend, dem vierten zehntaufend, dem fünften 
zwanzigtaufend , und dem innerften vierzigeaufend Meilen, der | 
Durchſchnitt oder die Dice eines jeden Gebürges foll feiner Höhe 
glei) fen. Der Umfang des äufferften wird auf 556,250 Mei« 
len und der andern ihrer abnehmend," aber in einer geringen und 
ungeſchickten Proportion angegeben, fo daß der Umfang des innerften 
Gebürges auf 320,000 Meilen gefegt if. Dazu kommt noch, daß 
dem äufferften ber Meere, die fi) zwifhen den Gebürgen befinden, 
zwoͤlf hundert, dem zweyten brithalbtaufend, dem dritten fünftaufend, 
dem vierten zehntaufend, dem fünften zwanzigraufend, dem fechiten 

viers 








mehr zufammenhängende Bramanifche Schöpfung beym Bollwell Tafe\ 
fen ſich übrigens mir unſrer Tybetaniſchen Eofmogonte genau vergleichen. 
Am wenigiten die mehr philofophifche Erzählungen uber die Entfles 
bung der Welt beyn Dow. Hingegen wird man die beym P. Ges 
orgi uber letztere und das Weltſyſtem gelieferte Tybetaniſche Erzaͤ⸗ 
lungen, mit den meinigen groͤſtentheils uͤbereinſtimmend finden. 


c*) Der Name Suͤmmer⸗Oola iſt mongoliſch. Vol bedeutet einen 
Berg, Sik die Rache und Mer eine Spur. Andere erfläven Suͤm⸗ 
mer als unten breit, bedeutend. Der Tangutifche Name dieſes Ber⸗ 

ges iſt Xikiel, der Indianiſche Mabmeru. 


4 Coſmogonie und Weltſyſtem 


Beſchaffen⸗ vierzigtauſend, und dem innerſten achzigtauſend Meilen Breite gege⸗ 


heit des 
Weltge⸗ 
baudes 


ben wird: Magſſen die ſich mie dem angegebnen Umfang der Gebuͤr⸗ 
ge auf Feine weife reimen laffen, die aber auch in den mongoliſchen 
Schriften ſichtbarlich aus Unmiffenheit verfäliche find, da fie nicht 


übereinftimmend in allen gleich) angegeben, und in des P. Georgi 


Tybetaniſchen Nachrichten (*) ganz anders befiimmt werden, 


Alle bisher befchriebne Gebürge und Meere umgiebt innerhalb 
des eifernen Gebürges das groſſe Weltmeer, meldyes drey Millionen 
220,000 Meilen Umfang har und Flares, bietres, geruchlofes, unſchaͤd⸗ 
liches, ja vielmehr heilfames Woaffer enthält, 


Die Erben oder Welttheile haben ſich auf diefem Meer in grof 


‚fe Inſuln gefamlet, deren vier gröffere gegen die vier Weltgegenden, 
‚und jeder groffen zur Seite zwey fleinere um ben Suͤmmer-Oola 
‚Siegen und die Sliedmaflen der groffen Schildfröte zur ©rundlage 


haben 





(*) Bom ganzen Weltſyſtem bat P. Beorzi eine mit den Ideen der 
Mongolifchen und Kalmüdifiben Lamen febr wohl überein timmende 
Befchreibung und eine Abbildung, dergleichen ich auch bey den Mongos 
len erhalten babe, geliefert I Alphab. Tyber. p. 134. 47°. Tab. 1.) 
wo faft nur die überall gebrauchte Tangutiſche Benennungen ven 
Unterfihted machen. Ich babe ed daher fir unnoͤthig gehalten die— 
fe vorgebliche Abbildung unfres Weltgebaͤudes hier beyzufunen. Die Maaſ⸗ 
fen, welche dort angegeben worden, find folgende: Der innere Umfang 
bes eifernen Gebürges 3 Millionen 398,759 tangutifche Meilen (Pand); 
defien Die 480 Meilen. Des aͤuſſerſten guͤldnen Gebuͤrges Tim 
fang 1,969,040 Meilen, deflen Höhe über der See 625, bis auf den 
goldnen Grund der See 80,000 M. — Des zweyten der gültnen 
Gehürge Umfang 1,953,600 Meilen; deffen Höhe 1250 IR. Des drit⸗ 
ten g. ©. Umkreiß 1,924,000 M. deflen Höhe und Dicke 2sco M. 
— Des Vierten g. ©. Umkreiß 1,864,coo M. Dicke und Höhe 
5000 M. — Des fünften g. ©. Umkreiß 1,744,000 M. Höhe und 
Die 10,000 M. — Des ſechſten g. ©. Umkreiß 1,504,000 M. 
Die nnd Höhe 20,090 M. — Des fiebenten 9. ©. Umfang 
1,024,000 M. Dicke und Höhe 40,000 M. Das erfle Diger zwi. 
fiben dem Aufferften und zweyten Goldgebürge it nach Beorgi 
80,000 M. tief und 1250 M. breit; dad zweyte hat in ber Breite 
2500 M. bes dritten und ber folgenden Breite iſt uͤbrigens auch, 
wie in meinen mongolifchen Urkunden, angeſetzt. 


— 


⸗ 





nach der Tybetaniſchen Fabellehre. % 
geben, Der übliche Welecheil in weichem wir wohnen, beſtehe aus Beſchaffem 


deigefteinen nnd wird von einem darauf wachſenden Wunderbaum beit des 
Aſambu⸗Bararcha, der noch umſtaͤndlicher ermähnt werden ſoll, Veltge⸗ 
Afambutip oder Sambutip genannt. Er ſoll gegen ben Simmer« baudes. 
Oola breit ſeyn, ſuͤdwaͤrts aber ſpißig zulauſen, oder (mie ſich bie 
Mongolen ausdruͤcken) die Geſtalt eines Schafſchulterblats Haben, 
und jede von bdeffen drey Seiten foll zu fechftaufend Berre ober Mei 
fen lang ſeyn. (In andern mongolifchen Nachrichten wird er ungleich 
gröffee ‚angegeben, und dem Mittelberg gegen Dften geſezt.) Seine 
Earfernung vom eifernen Gebirge, welches das ganze foften ums 
gebe, foll dreytauſend Meilen betragen. 


Der oftlihe Welttheil (Ueluͤmtſchi⸗Bijſetu⸗Tip auf tangu⸗ 
tiſch Schirloi⸗Pakbu) fell voll Gold, von ähnlicher Geſtalt und 
Sröffe feyn, aber nur 350 Meilen vom eiſernen Kreißgebuͤrge abliee 
gen. Deflen Einwohner find‘ wohlgebildete und ſchoͤne Rieſen von 
acht Schuhen, Die dis so Jahr leben. 


Die weſtliche, mit Rubinen angefüllee groffe Infid (Ukkaͤr⸗ 
Edle ktſchi⸗Tip, auf tangutiſch Nup⸗ Belek⸗Zot) I rund und SE 
beträgt im Durchmeffer  drithalbtaufend, im Umfang aber achthalb⸗ 
taufenb Meilen. Ihre Bewohner ermachfen zu einer Geöffe von 
ſechzehn Schuhen, feben fünfhunbert Jahr und haben fein auberes, 
als 2s 5 woher benn auch der Name dieſes Welttheils genoms 
men 





Der nordlich vom Stuumer-Dgfa gelegne, an Silber reiche 
Welttheil heiſt Moo⸗Dootu⸗Tip (tangutiſch Enada⸗Nima) wel⸗ 
des woͤrtlich, sine von ſeufzenden Menſchen bewohnte Welt, bedeu⸗ 
tet. Die Einwohner deſſelben finb faft ſeelenloſe, vegetirende Mefchis 
nen, ohne alle $eidenfhaften, zweyhundert und dreißig Echuhe ober 
Ellenbogen hoc), und von wunderbarer Geſtalt. Sie leben taufenb 
Jahre und flerben nicht eher, als nad) Erreichung: diefes Alters. Bon 
jeibe find fie fehe weiß, tragen auch nichts als weiſſe Kleider, weiche 
fie mit allen Zieraten nad) eignem Wunſch und ohne Mühe:xhaden. -_ 
Ein gewiſſer Baum Balbaras verfiehet fie mit ihren Nochwendigkei⸗ 
ten und eine wildwachfende, im Geſcht ak den Früchten eines Gewaͤch— 
ks Salo aͤhnliche Frucht (oder a ae eine Wurzel ag 

be | Ä 


Sweyter Theil, 








Fa 
06 Coſmogonie nach der Tybetaniſchen Sabellehre. 


Beſchaffen⸗ Semis) dient ihnen zur angenehmen Speiſe. Don allen Kranfhele 


beit des 


Weltge⸗ 
baͤudes. 


ten leben ſie frey; wenn aber die Zeit ihres Hintritts kommt, ſo laͤſt 
ſich ſieben Tage zuvor eine Warnungsſtimme hoͤren, welche na⸗ 
mentlich den Tode verkuͤndigt, da denn die Abgelebten von ihren Verwand⸗ 
ten und Befreundeten traurigen Abſchied nehmen (*). Nach derjenigen 
Mongoliſchen Schrift, welche unſre Erde dem Suͤmmer⸗Oola degen 
Oſten ſezt, iſt die Geſtalt derſelben, fo wie auch des weſtlichen Welt⸗ 
theils, rund, und um deswillen auch die Menſchengeſichter auf bey⸗ 
den rund gebildet. Auf der ſuͤdlichen Welt haben ſie, ſo wie der 
Welttheil ſelbſt ein dreyeckigtes und auf der nordlichen ein viereckigtes 
Antlitz. Nach eben dieſer Schrift, die ſonſt in der Hauptſache mit 
dem Ertuͤnzuͤn Tooli uͤbereinſtimmt, iſt das menſchliche Geſchlecht auf 
unſrer Welt in 360 Voͤlker und 720 Sprachen zertheilt. 


Die acht kleinere Welten haben mie ben groͤſſeren, zu deren 
Seiten fie liegen, einerley Einwohner und Beſchaffenheit. Alle izter⸗ 
zählte Haupttheile unfers Weltſyſtems, die guͤldne Schildfröte, der 
Sümmer -Dola mit den umgebenden Seen und Gebürgen, das grofa 
fe Meer und die darauf geordnete Welten, werden unter dem gemein 
fhaftlichen Mongolifhen Namen Saba⸗ Jertontſchon begriffen. Al 
les. bewegliche, als Sonne, Mond, Sterne, Tänggri und übrige 
Klaffen der lebendigen um und auf unferm Weltſyſtem wohnenden 
Weſen, heiffen — Schime⸗Jertontſchon und find viel ſpaͤ⸗ 
ter in das 4 efchriebne Weltſyſtem verfeze worden, wie aus dem 
folgenden Abſaz erhellen wird. a | | 


u 


In: 





(*),Die und beym Plinius (Hiftor, natur. Lib. VIL cap. 2.) aus grie⸗ 
cchiſchen Schriftftellern aufbebalene, fabelhafte Nachricht von entfern⸗ 
gen Nationen um Indoſtan, follte man fat aud der Tpbetaniſchen 
Befchreibung der Welttheile und der Geifferreiche herleiten Können, 
5 Fabeln ſolchemnach ſchon damals gangbar” geweſen fepn 
muſßten. 





⸗ 


| Bevoͤlkerung unſers Weltgebaͤudes * 
CLCEL SSSSTSSSTTTETEN | 
111 


Bevoͤlkerung und Perioden unſeres Weltſyſtems, Ver. 
aͤnderungen deſſelben und des Menſchengeſchlechts. 


Son ift Schon der unter den Affarifchen Geiftern (Länggri) Kriege der 

der obern Himmel entitandnen Kriege und Trennungen Erwaͤh- binmlie 

nung geſchehen. Nach vollendeter Hervorbringung unferes Weltſyſtems en Gei⸗ 

und noch einiger andrer Geiſterreiche, begab ſichs daß viele von einem * 

hoͤheren Geiſtergeſchlecht, Daͤdaͤ Taͤnggri genannt, nach Erreichung 

ihres Lebens-Ziels nicht erſterben konnten. Sie wurden aus ihren 

alten Sitzen durch die Fügung des Schickſals fluͤchtig und ſchwebten 

fo fange herum, bis fie in den obgedachten neuentftandnen Reichen ber 

affarifchen Tänggri figen blieben und diefe nocd) immer uneinige eis 

che verftärfeen, wodurch zu nod) heftigeren Kriegen Gelegenheit gege- 

ben ward. Unter diefen Unruhen und Sünden verloren die Affaren 

na) und nad) vieles von ihren vorigen angelifhen Vollkommenheiten 

und wurden ſich felbft unähnlich, | 
Nach einer langen’ Reihe von “Fahren eneftand aus Fluͤchtlin- Bevoͤtke⸗ 

gen ber Affarifchen Geiſterwelt das Reich der drey und dreyßig Yung bed 

Taͤnggri, die ſich auf der ungeheuren Echeitefläche des Suͤmmer, Suͤmmer⸗ 

Oola niederlieffen. Durch neue Unruhen aus der Oberwele flüchrig Dole, 

gewordene Geifter ehaten ſich Darauf in bie groffen Reihe der an den | 

vier Stufen des Sümmer-Dola und über bie fieben güldnen Gebürge 

herſchenden Macharanſa⸗Chane zufammen, und fo warb nad) und 

nad) diefe ganze Mirrelfäule des Weltſyſtems bevoͤlkert. Won allen 

dieſen und vielen andern Geiftergefchlechtern wird gleich in einem bes 

ſondern Abfaz gehandelt werden. 


Dis dahin harten die Affaren ſich noch nicht fo ganz verfihlint- und der Er: 
mert und bie von ihnen ausgegangene Colonien behielten nod) de 
"viele von ihren alten Vorzuͤgen. Aber, die Zerruͤttung im obern 
Himmel mwährte force, die Aflaren arteten noch weiter aus und famen 
durch Unſtaͤtigkeit immer weiter art dem obern Sitzen bernieder / — 

2 a 





g0 Bevdlkerung und Perioden 


Schickſale hervorwuchſen, fo regten ſich fleiſchliche Luͤſte, und das Fortzeugungs⸗ 

bes Menſch⸗ geſchaͤfte, welches ein unenthaltſamer Menſch von ohngefaͤhr erfand, 

lichen· Gr. Gekam bald alle damals ‚auf Erdgn lebende zu Nachahmern. Das 

ſchlecht. mais cut fingen die Menfchen an’fih "zu fhamen und ihre Bloͤſſe 
mie weichen Baumrinden :und Blättern zu bededen, 


Die vermehrten Bedürfniffe der Menſchen und Die zugfeid) 
erfolgende Abnahme der Frucht, nöthigten die Leute endlich unter ſich 
die Erudte ‚ordentlich. zu eheilen. Aber ein vorzüglich gefräßiger Menfch 
verzebrte fein Antheil vor der Zeit und ſahe fid) genöthige einen an⸗ 
dern den Vorrath wegzunehmen. Dadurd) mard Unrecht, Raub und 

Gewaltthätigkeit zuerft unter den Menfchen. befannt. . Die Moth lehrte 

u endlich Samen ausftreuen, und um dem gegenfeitigen Unrecht zu 
fteuern, wählten die Voͤlker einige Klügere unter fih zu Oberhäup⸗ 
tern, welche ihnen das fand austheilten, die Auffiche führten und Ord⸗ 
nung hielten. Diefe Häupter mafleten fid) immer mehrere Gewalt an 
und warfen ſich endlic) zu unumfchranfeer Beherrſchern über die Voͤl— 
fer auf, lieffen fid) Ehane nennen und gaben dem Unterſchied zwi— 
ſchen Herren und Knechten, Fürften und Unterthanen den erften Ur⸗ 
ſprung (*),  " — * De 


In diefer Verfaffung leben nun die heutigen Menfchen. Seit 
dem erften gluͤklichen Weltalter find fchon vier Burchanen oder Gößen 
für das Wohk des menfhlichen Geſchlechts auf Erden fichtbar erfchie- 
‚nen und wieder gen Himmel aufgeftiegen, - Zur Zeir nehmlich, da das 
Alter der Menfchen fon” unter achzigtauſend Jahre abgenommen hatte, 
it Ortſchillinge Ebdektſchi Burdan (der gnädige Zerſtoͤrer), nach 
dem Erdeni Echafter Baffundi Burchan oder Garga⸗Suͤnda, nad) 
einer moncolifhen Urfunde Rergeſti (vermurlich Synonymen nur eines 
Bögen) im Reiche Enerkaͤk erfchienen, um den Glauben zu prebigen. Da Das 
y Menſchenalter ſchon unter 40,000 „Jahren war, iftihm re 

E t 


.—m a % 





(*) Nach der im Abſchnitt von den Burchanen mitzurbeilenden Genea⸗ 

dogie des Schigemuni, ward im Anfang nur cin Chan von denen 

noch bis achzigtauſend Jahre lebenden Erdbuͤrgern erwaͤhlt, nemlich 

eben der Ollondu orgodſhikſin⸗Chan, deſſen im erſten Theil S. 17. 
Erwaͤhnung geſchieht. | 





unſets Xeltgebaͤudes. N 


fest (ber goldne Unverweſte) nach der erftern Urſchrift Ganga⸗munih oder Echitfee 
Ganna gummini gefolge. Da ferner die Menſchen nur noch zımen. des men ſch⸗ 
zigtauſend Jahre lehren, ift BerrilsSkikrfchi (der Weltbewaͤhrer) — Ge 


oder nach der angezognen Schrift Gaſchip Burchan herniedergekom⸗ 
men. Endlich da Die -Sterblihen nur noch ohngefaͤhr hundert Jahre 
zu erreichen pflegeen, ift Schigemuni, als Lehrer und Stifter det 


gegenwärtigen $amaifchen Religion, im Sande Enetkaͤk fleifchlicy erfchie- - 


nen, und bat ein und ſechzig Mationen des. Erdbodens durd) . feine 
Jünger geprebige (*). Weil aber: eine jeve Nation die Lehre mie’ am 
dern Organen vernommen und anders ausgelegt bat, fo find faſt 
> — Religionen, als es. Zungen giebt, aus feiner Lehre entſtan⸗ 
den (*). | 2 a Be EN 


Die Lehre md Reglerung diefes Burchans foll: Überhaupt nat 
fünf tauſend Fahre auf Erden Yauren, wovon 'berefts über: die Hälfte 
verfteichen if. Nah Endigung dieſes Zeitraums wird Maidari 
Burchan auf die Weite. kommen; nad ihm wird Manſuſchari, der 
ſchon einmal in einen vorigen Weltalter regierte, wieder erfcheinen, 
So viel ich habe erforfhen Fönnen, glauben die Samen, daß die rau: 
ſend vornehnite Burchanen ihrer. Myrhologie nacheinander auf Erben 
erſcheinen ‚und ihre. Epoche Haben werden. Als "der allerlezte wird 
Chondſchin⸗bodi⸗ ſſaͤbo verfündige, welcher alle Völker zu ' einem 


, 


Glauben verfamien fol. : 
Von 





> 





ee Fe 

gr) Mit dieſem letzten ſcheint die. beym Baldaͤus S. 126. nach tem Be 

dang erzählte Neunte und letzte Erfcheinyug des Biſtnu in der Ge 

a von Budha oder Badbe, der ohne. Wunder zu thun die Welt 

n fleter Rube und Geber regieret, einige Aehnlichkeit zu zeigen. Dies 

fer Goͤtze wird dafelbfE mit vier Armen vorgeftelle, und gefagt daß 

‚ feine Regierung 1. % 1649. fibon 4750 Sabre gedauert haben und 
noch 21680 währen Tolte, — 

(=). Die Mongoliſche Geiſtliche erhalten, ſelbſt in Ihren Schriften die 
Sage, daß ſchon vor einigen Tauſend Jahren aus dem Reiche Enet⸗ 
kaͤt zu einer Zeit 506 Birmen oder Baͤriman nach Weſten ausge⸗ 
zogen find, und im Occident Ihre Wiſſenſchaften, fonderlich ihre 
Aſtronemiſche Kenntniſſe und Mythologie verbreitet haben. 


4 


Künftige 
Begeb. des 
menſchl. Ge⸗ 
ſchlechts. 





we Bevdikerung und Perioden 


Künftige 
Begeb. des 
Btenichi.Se- 


. Ben dem jesigen Zeitpunkt an wird, nah der in verſchlebnen 
mengolifchen Echriften enthalenen Verkündigung, die Gröffe und bas 
Alter der Menſchen und aller irdiſchen Ereaturen dergeftalt abnehmen, 
daß endlich die Pferde niche gröffer wie Hafen und bie Menſchen 


kaum eine Eile hoch feyn werden .(*). Das haͤchſte Alter, zu welchen 


Menfhen gelangen, wird alsden faum zehn Jahr betragen; ein in 
der Nacht gebornes Kind wird am Morgen ſchon beym Feuer herum 
Saufen und fünfjärige werben‘ ſich verehelichen. Alsdenn wird bie 
Erde in fieben Jahren feine Fruͤchte tragen und daraus wird groffe 
Hungersnoth und Kranfheiten unter diefe Zwerge kommen, wodurch 
der gröfte Theil derfelben foll aufgerieben werben, Einem mahlchäce 
gen und tugendhaften Menſchen wird eine Stimme vom Himmd 
verfündigen, daß es fieben Tage fang auf die. Erde allerley toͤdtliches 
Gefhoß regnen ſoll. Diefer Menſch wird, mic benen bie ihn Hören 
und ihm folgen wollen, auf fieben Tage Nahrungsmittel zu fih neße 
men und in Die Hölen und Klüfte der Gebirge flüchten. Alle bie 
in Unglauben verſtockt find wird ber Pfellregen ausrotten und bie 
Erde wird vol Blut und todter Körper ſeyn. Da foll ein mädhtis 
ger Plazregen die Erde wafchen und alle $eichname firömend in dag 
Weltmeer fortführen; ein zweyter, wohlriechender Regen wird das Sand 
reinigen und noch ein andrer fruchtbar machen. Endlich foll es Kies 
ber, allerley Zieraten, Edelgefteine und Speiſen vom Himmel regnen, 
wodurch ſich die Menfchen aus ihren Klüften wieder hervorlocken laſ⸗ 
fen. Alles wird voll Frohlocken ſeyn, die Menſchen werben unterein 
anber liebreich leben, wieder tugenbhaft zu feyn anfangen und wieder 
zu dem zwmanzigtaufendjärigen Alter gelangen. u 


Diefes ift ber Zeitpunct ha, obgedachtermaffen Maidati Yun 
Kan auf Erden. wiebergeboren werden foll, den Echigemuni, als gie 
nen Freund und Gefährten, zum Heil ber menfhlichen Creatur ſchi 
cken will. Er wird in unausſprechlicher Schoͤnheit und Groͤſſe erſchei⸗ 


(*) Eine, aͤbuliche Lehre von der Abnahme aller Naturkraͤfte iſt au 
folgenden Verſen beym Lucretz int 22. Buch. 1949. —— 
Jemque adeo fracia eſt aetas, effaetaque Tellup  " 
Vix animalia parva ereat, quae cuncta creavit 


Barca, deditue ferarum iventia corpora parts. 





N 


unfees Weltgebaͤudes. 3 


wen und die Menfchen werden über ihn erſtaunen und nach ber Ur⸗ Künftige 


fach) feiner Groͤſſe und Schönheit fragen. Wenn nun Maidari Chu⸗ Begeb. des 


bilgan fie belehrt, daß er durch Heberwindung der $endenfchaften, gu, menſchli⸗ 


te Werke, Enthaltung von allen Arten des Todtſchlags und andre 
Tugenden, zu folcher Vollkommenheit gelangt ift; fo werden ſich alle 
Sterblihe von Grund aus befehren und durch Ausübung aller Tugen- 
den, zu der alten Gluͤkſeeligkeit und Gröffe des achzigtauſendjaͤhri⸗ 
‚ gen Alters wieder gelangen. 


Die Welt wird fo in eine unendliche Reyhe von Jahrhunder. Epochen 


ten fort, durch abwechſelnde Perioden und Epocyen ber Zerftdrung und der ſichtba⸗ 


MWiederherftellung verändert werden und diefe Epochen werden in den *en 


mongoliſchen Schriften unter dem Namen Galap (*), einiger mafı 
fen denen "Jugam der Indianer aͤhnlich beftimt und eingetheilt (**). 
Ueberbaupt werden ſiebenmahl acht groffe Epochen fenn, weiche ſich 
mit einer $äuterung der Welt durchs Feuer befchlieffen ſollen. Nach 
fieben feurigen Epochen wird je eine feyn, bie mit einer Waſſerfluth 
ausgeht, und über alle diefe fehs und funfzig Perioden, wird der 
Belhluß der Testen mit einem Orkan ( Rismansdral) ſeyn. 
Jeder Galap wird ı Million und 600,000 Jahre dauren, , ” 
ine 





(*) Balap fol von Gall Feuer und ap nun, berzuleiten ſeyn und iſt 
um depwillen die allgemeine Benennung, wei bie meilten Weltzer⸗ 
flörungen durchs euer geftbehn follen. 


(9) Nach Dow ift die Lehre von denen Jugs im Bedang folgende: 
Ein Fahr von 360 Tagen if denen Dewtas ober bimlifihen Geis 
fern ein Tag. Zwoͤlftauſend folcher Planetenjahre machen die Re 
— der vier Jug aus. s Sittob⸗jug oder Alter 
der Wahrheit enthielt 4000 Planetenjahre; Treta⸗jug oder bie 
Periode von dreyen beſtand aus 30.05 Duaparsjug oder das Als 
ger von Zweyen, war von 2000, und Ballesjug, dad Alter ber 
Befleckung ift nur von 1000 ſolchen Fahren. Hiezu kommen noch 
amey Perioden, jebe von saufend Planetenjahren, zwilchen der Auf: 


öfimg und Wiederherflellung der Welt; fo daß von einer groflen 


Weltzerſtoͤrung zur andern eine Zeit von 3,720,000 unfrer “Jahre 
entbaften iſt. — Nah dem im nordlichen Indien angenommenen 
Buche Nedirſſen, giebt eben der Verfaffer die Weltepochen alſo . 

eis 


| Zweyter Theil, € 


Welt 


J 


84 Bevdikerung und Perioden 


inter Eine jede diefer groſſen Epochen oder Galap hat vier Ab⸗ 

each. des ſchnitte oder Perioden. Die erfte (Achu⸗galap) wird in zwanzig 

med Peinere Perioden getheilt, nehmlich zuerft die Zeit da das Adızigtaus 

Heu. ſendjaͤhrige Alter der Menfchen bis auf zehn Jahr zuruͤckkomt (das 

erfte Sapſarin⸗choſos); ferner achzehn Perioden, in’ deren jeder 

Das Alter wieder bis achzigtaufend Jahr .fteigen und immer mieder 

auf zehn zuruͤckkommen foll; und endlich das lezte Sapſarin⸗chojos 

in melhem das Alter zulest wieder bis go,o0o Jahr aufſteigt. Die 

zweyte ift dann die Zerftörungs Periode (Ebdereku⸗galap) da fi) 

das Weltgebäube zerrüttee und Peine Seelen mehr in Die Ereaturen« 

“ reiche wiedergeboren werden. — Dann folgt drittens bie wuͤſte Peris 

“ ode (Choofinsgalap‘ und endlih die vierte oder Wiederherftels 
Iungsperiode (Toftochusgalap). | 

Epochen Obgedachte viele Hauptveraͤndrungen des Weltgebaͤudes werden 

der ſicht⸗ der Wuͤrkung gewiſſer himliſcher Geiſter, Diſan genannt, beygemeſſen. 

baren Um dieſe Welt mit Feuͤer zu zerſtoͤren, welches der erſten Claſſe von 

Welt. Dijangeiſtern zuſtehet, werden ſieben Sonnen am Firmament aufe 

gehen, deren Hitze alles ausdorren und entzuͤnden und unſer ganzes 

Weltgebaͤude, den Suͤmmer oola und deſſen Zubehoͤr mit Feuer ver⸗ 

zehren ſollen. Die Hindoſtaniſche Lehre von der Entſtehung und pe= 

riodiſchen Zerſtoͤrung der Welt im Bedang beſtimt zu dieſer allgemei⸗ 


nen Entzuͤndung unſeres Weltſyſtems, einen Cometen (*), ms 
uber. 
Kleinere Zerfldrungen der Welt, da felbige durch euer verzebre 
und nur die Elemente, obne zu vergeben, unter einander gemilchet 
s werden, follen je nach einem Verlauf der Jugs flatt haben und 
nad) aber einer Zeit wird Die Welt wieder in ihren vorigen Zufland 
bergeftellt. Wenn taufend folcher Fleinen oder elementarifchen Zers 
ſtoͤrungen vorgegangen, fo wird Maͤſchperlee ober eine groffe Zers 
flörumg erfolgen, wo die Elemente fogar in urfprüngliche Purman 
oder Monaden ſich auflöfen müflen, in welchem Zuſtand das Chaos 
denn lange verbleibt, bis die Gottheit aus Willkuͤhr und Güte dieſen 
Monaden oder Atomen die Plaſticitaͤt wiedergiebt, um ſich zu einer 
neuen Schoͤpſung zu bilden. Solche Verändinngen der Welt find 

von Anbeginn gewefen und werben in Ewigkeit forfbauren. 


(*) When the four Iugs fhall have revolved — Rudder with the ten 
Spirits of diſſolution fhall roll a comet under the Moon,, that [hall 
involve all chings in fire & reduce the world into afhes; God fhall 
than exift alone, for matter will be totally.annihilated (Nilkt), Dow 

- dißertat. p. XLVÜUL | 





— 





Unfers Weltgebaͤudes Ä 35. 


überhaupt weit,philofephifcher, als die Tubetanifche Zabel, ja im gan⸗ Epochen 
zen befrachtet ein eben fo angenehmer und. finnreiher Schöpfungsro: der fühts 
man, als die von ſeichten Sefern fo ſehr bewunderte Epochen der Na» baren 
tur des Hern Grafen von Buͤffon. Aber vielleicht liegt im Hindo- Weit. 
ftan nody viel edlere alte Weltweißheie und Wiflenfchafe verborgen, 

welche den Stolz unferes vielwiffenden Jahrhunderts demuͤthigen koͤnnte, 

und deren Entdeckung vielleicht Fünftigen Forfchern Ehre machen wird, 





Bunderba- 
ve Gegen. 


36 | Sabelhafte Begenden 
EEE EEE RE EEE IE IE ICE IE 


s IV, 
Beſchreibung einiger fabelbaften Gegenden auf und 
R Es unfere Welt. 3 Ä 


8 )ie Schrift Ertuͤnzuͤn⸗Tooli, welche hier allein zum Leitfaden 

dienen ſoll, giebt von den dreyen, auſſer dem unſrigen gelegnen 
Welttheilen keine umſtaͤndliche Nachricht. Auf dem unfrigen aber 
werden folgende unbekannte und uͤbernatuͤrliche Gegenden angezeigt, 
welche eine entfernte Aehnlichkeit mit dem irdiſchen Paradieſe zu ha⸗ 
ben ſcheinen. | 


‚Sn der Mitte der greffen ſuͤdlichen Inſul, Heift es, befinder 
fi der Ort Otſchirtu⸗ſuri oder die unzerftörbare Feſte, der unverz 
weßliche Kern der Welt, melcher in feinem Weltuntergang vergeben 
fol. Dahin begeben ſich die Götter und Heylige wenn fie auf unfrer 
Welt verweilen wollen. (Denn man muß miflen,: daß den Göttern 
oder Burchanen fid) von einer Welt auf Die andre und nad allen 
Theilen des Weltgebäudes, fo mie in alle Himmel zu erheben die 
Kraft zugefhrieben wird.) — Obgedachter Feſte zur linken liegen 
neun fehr hohe, ſchwarze "Berge, hinter welchen ein hoher weiſſer Berg, 
Deſſe genannt, folge, den dreyzehnhundert unübermindlihe Geifter 
oder Engel bewachen. Auf diefem Berge befinde ſich Gaſchun⸗ 
Garchu, das Bild der Chutukten. Weiter von biefem ‘Berge 
zur linfen (ober weſtwaͤrts) befindee fich ein ungeheurer See Moro⸗ 
ba, welcher funfzig Meilen breie ift und eben folches Wafler, als 
Die obgedachte reine Meere, enthaͤlt. Mitten aus demſelben waͤchſt der 
groffe Wunvderbaum Sambusriga oder Aſambu⸗bararcha, deſſen 
Blätter von befondrer Gröffe und Schönheit find und wovon Die 
Srüchte den-Geiftern (Tänggri) zur Nahrung dienen. Nach einem 
bey den Mongolen erhalmen Auffaz ift ver Baum Afambu - bararcha 
nur in der Gegend Otſchir⸗-orron, recht im Mittelpunct unfrer Erde 
am Ufer eines groffen Stroms Ds ; maloiba anzutreffen. Alle Herbite 
bringt er reife Fruͤcht von treflichem Anfehn und Gefchmaf, fo geß 

& 


* =. 





auf unſrer Erde. 


als ein Wagenrad, die in den Strom fallen und dabey den Laut Wunderbas 
Sambu, der den Namen veranfaft hat, hören laffen. Der Stromre Gegen 
bringt Diefe Früchte in das Weltmeer, wo fie dem. darin wohnenden den auf 
Draden Luschan zur Speife dierien (2). unferer 


Erde 

An der Oftfeite des Sees Moroba, iſt (nad) dem Ertuͤn⸗ 
sunsTooli) ein filberner Berg in Geftale einem -Elefantenrüffel 
ähnlich, auf welchem ein Strom Ganga⸗murin entfpringe, den 
Berg fiebenmahl umftrömt und feinen $auf gegen Oſten nimt. Auf 
einem andern, ar der Eüpfeite gelegnen goldnen Berge, der einem 
Etraußfihnabel gleicht, entfpringe der Schilda⸗murin und nimt, 
nach fiebenmaliger Umftrömung des Berges, feinen $auf gegen Mittag. 

— An dem Weftlihen aus $afurftein (Benduͤri) beftehenden und ee _ 
nem Pferdekopf gleihenden Berge, quille der Baktſchu⸗murin, laͤuft 
eben fo um den Berg und gegen Wellen. — Der nordlihe Berg 
Schell ( eine Materie die ich niche habe erfragen fönnen ) ftefle ei- 
nen Loͤwenrachen vor, und wird von dem daran entfpringenden Aipa⸗ 
ra⸗murin umfloffen, welcher darauf gegen Norden läuft. 


Vorgedachtem See im Norden ift ein Wohlgerüche buftender 

Berg und weiterhin ein groffer goldner Berg anzutreffen, welcher 

vierehalb Meilen hoch und am Fuß fünfzig Meilen im Durchſchnitt, 
auch noch‘ mit vielen andern Fleineren goldnen Bergen umgeben iſt. 

An der Oftfeite diefes Berges ift ein Thal, in welchem ungeheure 

Bäume wachfen, vergleichen auch fieben andre umliegende Thaͤler be 

fharten. Ein See, welcher zweyhundert Meilen im Umfang, filbers 
mweiffes und wie Honig füffes = bat, liegt an der oftlichen Seite 
3 De 





(*) Ueber den Baum Samızu ©. das Alphab. Tibet. ©. 186. 475. 
und 487. wo er auc) neben dem Weltſpſtem, dem Brodbaum einis 
ger maffen ahnlich, jedoch mit Blumen geziert, vorgeſtellt worden 
if. Eden dafelbfi Tann man auch ein mehreres von denen hier be 
fehrießnen und andern Gegenden unfrer Erbe nad Tpbetaniſcher 
Einbildung leſen. Die Tybetaner ſollen die Gegend der beruͤhm⸗ 
ten Weißheitsſchule Benares, deren Bezirk in —— ſelbſt 
Madhian genannt wird, als den obbeſchriebnen Mittelpunct der 
Erbe angeben. Der kluͤgere P. Georgi verbeſſert bie irvenden 
und ſezt Jeruſalem dafuͤr. 


38 Fabelhafte Gegenden unſrer Erde. 


Wunderba⸗- des groſſen Thals. Seine Ufer. find unter andern mit einer Are 
ve Gegen Blumen Udbala bewachſen, melde die ‚Geftalt eines Rades haben 
ben any und nebſt Blaͤttern, die fo di als eine Rindshaut find, aus ber 
Eee Wurrzel auffehieffen. Achttaufend Fleine Seen liegen, um diefen gröf- 
"fern, auf der Miedrigung zerſtreut. Und dirſe ganze wbunderſchoͤne 
Gegend iſt zu gewiſſen Zeiten ‚Die Weide des maͤchtigen Elefanten (*) 
Gaſar⸗Saryktſchin⸗koͤboͤhn (Defdrüsers der Erbe) auf weichem 
der Schuzgeift unfrer Erde Churmuſtu Tänggri zu reiten ‚pflegt, und 
der achttauſend Elefanten, welche deſſen Heerde ausmachen. Erſterer 
wird bewundernswuͤrdig weiß beſchrieben, hat einen ſcharlachrothen 
Kopf mie fechs groffen Fangzaͤhnen, ‚und miſſet -in die tänge drithalb 
und in die Höhe anderthalb Meilen; feine Diele beträgt eine Meile. 
Die vier Wintermonare bringe .er .am ‚golbnen ‘Berge, die vier Frü- 
lingemonate um obgedachte Seen und die Sommerzeit in den ſchat⸗ 
tigten Thaͤlern zu, auffer INES ihn zu ſich auf den Suͤm⸗ 
meroola entbietet, 


— 








E) Voͤrtlich bedeutet dieſer Name den Weltbewahrenden Sehn. = 





Himliſche Lichter und Erſcheinungen 
VE IIND ID DOT DS DENE X 
n V. 


Ueberirdiſche Gegenden und Wohnſitze, Geſtirne und 
Himmelsbegebenheiten nach Tyhbetaniſcher Lehre. 


U dem Suͤmmeroola unb bem ganzen untern Weltſyſtem, beftimt Schieben 
die Tybetaniſche Fabellehre ſieben in ungeheurem Abftand -über- Simmel 

. einander erhobne Himmel und ſonſt noch in dem unermeßlidyen Raum unn andre 
eine groffe Anzahl von Wolkenfigen und Neichen, wo theils verfchiedne Wohnfigen. 
Gefchlechter himliſcher Geifter ihre Wohnungen haben, theils die Bur⸗ 

chanen oder Götter thronen und ihrer wohlthätigen Einfluß umher vers 

breiten. Der fiebente oder oberite Himmel ift allein der Mache ber 

Goͤtter niche unterthan und eigentlid das Reich des Schulmus Char 

oder Fürften der böfen Geifter, welches ſchlimmer, als alle weiter hin 

zu befchreibende, unterirdifche Fegfeuer oder’ Höllenreiche der Samaifchen 

$ehre, angegeben wird. 


Die Sonne und der Mond,“ deren fpäte Entſtehung fehon 
vben ift ermähne morden, haben ohngefähr in der Höhe des britten 
Abfages der Weltfäule Sümmer-oola, bie Sonne in etwas groͤſſerem 
Abftand, ihren Umlauf. Nach den Lamaiſchen Fabeln ift Die Sonne 
Maran) ein Tänggri oder Geift ven aufferordentlihem Glanz mit 
firafendem Antliz, der in einem vierfeifigen Brennglaſe ( 150 Meilen 
im Umfang und im Durchmeſſer so M. 2222 Klafter umd anderthalb 
Danmen groß: ) wohnet, es ganz ausfüllt und durch feine Strafen ° 
erwärmt, fo wie Brenngläfer Hise und Feuer erweden, deren Wuͤr⸗ 
fung die 'mongolifhen Pfaffen der Natur des Glafes, woraus fie ges j 
mache find und nicht ihrer Bildung zuzufcreiben geneige find. Die 
faterne, in welcher der Eonnen Taͤnggri wohnet, liege auf einer runs 
den Ebne (Rürs) in einem angenehmen, mit Galbaras- Bäumen und 
Blumen gezierren Thale, das von einer 2000 Klafter hoben güldnen 
Mauer-umgeben iftz und Diefe gantze Nefidenz wird von fieben Zug⸗ 
Pferden ( Bandit oder Ki⸗morin) welche ein Tänagri als FZubrs 
mann regiert, alle vier und zmanzig Stunden im Kreiß um den 
Kümmer »oola geſuͤhrt. In den kurzen Tagen ſchwebt der Sonnen 

Ä | wagen 





45 i | Himliſche Lichter und Erſcheinung 


Fabelu über wagen niedriger, um ben zweyten breiteren Abſatz des Suͤmmeroola, 
—— und und wird von Stuͤrmen, die alsdenn über dem groſſen Weltmeer her— 


ond. 


ſchen, geſchwinder umgetrieben, daher alsdenn die kuͤrzeſten Tage und 
in unſern irdiſchen Gegenden Froſt und Kälte einfallen. In den lan 
gen Tagen hingegen verweilt die Sonne um deßwillen bey uns länger, 
meil fie höher um die Spige des Suͤmmeroola ihren Lauf bat, me 
fie auch) von Stürmen nicht beunruhige wird. Wenn die Sonne ges 
gen die oftliche, filberne Seite des Sümmeroola ihre Stralen wirft, 
fo bricht der Tag bey uns an; zu Mittag ſteht fie gegen die blaue 


- Eeite ; an ber rubinfarbigen Weftfeite macht fie das Abendroth, und 


gegen die Macht verbirge fie fi vor unfern Augen hinter dem Suͤm⸗ 
meroola und befcheint deſſen mitternächtliche goldne Seite. Wenn in 
unferm füblichen Welttheil Mittag ift, fo briche in weitlichen ver Tag 
an und dem ofllichen fängt die Sonne an unterzugehn. Wenn die 
füdliche Wele Sommer har, fo foll nad) biefer Fabelaftronomie in 
der weſtlichen Frühling, in der norblichen Winter und in der oftlichen 
Herbft fenn; wovon man den Grund aus dem vorigen fihwerlich wird 
folgern fönnen, x j 


Der Mond ( Sarra) ift gleichfalls ein glaͤnzender, aber nicht 
erwaͤrmender Tänggri, der in einem der Sonnenlaterne an Gröffe 
gleichen Glafe, das waͤſſriger Natur ift, wohnet. Diefes zu bewei⸗ 
fen verfihern die Samen, man babe im Tyhbet Gläfer, welche zur Zeit 
bes Vollmondes in den Möondfchein gehängt, Waflereropfen fallen laſſen: 
Die freylich ein jedes Glaß, bey ftarfen Thau, natürlicher Weiſe, 
wie ein jeber dichter und Falter Körper, ſamlet. Sie aber beweifen 
Daraus die mwäflrige Matur des Mondes, als die Urfach des naͤchtli⸗ 
chen Thaues und des Mangels der Wärme am Mondenliche. — Der 
Mond wird uͤbrigens in feinem Reſidenzkreyſe eben fo wie bie Sonne, 
aber auf einen andern Bahn, nur von fünf Pferden, und viel lang« 
famer gezogen. Dabey fol nad) einer Meynung die Bedeckung def 
felden von dem Suͤmmeroola die monarlichen Weränderungen feines 
Lichts Hervorbringen. Dahingegen fagen andre: ber Mond folge ber 
Eonne mit ungleiher Geſchwindigkeit in ihren täglichen Lauf, fey ihe 
dahero bald ganz nahe, und ftelle alsdenn, burd) ihr Licht zuerfl ganz 
und dan gröffentheils verbunfele, ung den Neumond bar; zur Zeit 
bes vollen Lichts fey er von der Some am fernſten. — Man kann 


ſich 








+ 


nach Tpbetanifcher Fabellehre. ar 


fich keinen aſtronomiſchen Traum ungehirnter vorſtellen, als dieſes al⸗Fabeln über 
les iſt. Gleichwohl hat es mit der alten Pythagoriſchen Lehre einige Sonne und 
ensfernte Achnlichfeit. Mond. 


Ueber die Slechen im Monde find die Meynungen verfchie: 
ben. Einige halten felbige für Abfpiegelungen der Welttheile über 
welhen der Mond ſchwebt; andre für die Vorftellung der Geſchoͤpfe 


‚ die fid) im groffen Weltmeer aufhalten. Aber die vorzäglichften Lehr⸗ 


bücher erzählen, daß es Vorbildungen der Gieftalten find, unter wel 
hen der Geiſt Des Bösen Schigemuni während feiner Wanderungen 
und MWiedergeburten durdy alle Ereaturenreiche, erfthienen iſt. Unter 
andern zeichnet mann die Öeftals eines Hafens aus, welche Churmuſtu, der 


Schuzgeiſt des Weltſyſtems und Zürft aller daſſelbe bemohnenden Geifter, 


aus. Bewunderung über eines ber viele guten Werfe diefes Goͤtzen in 
den Mond gefest haben Toll. Schigemuni nehmlich foll einftmale, 


. unter Hafengeftalt, einem von Hunger ganz erfhöpften, in der Wil 


. fteney verirrten. Menfchen freywillig in die Hände gelaufen feyn, um 


ihn mit feinem Fleiſch zu erquicken. nz 


Sonnen und Wondfinfterniffe haben nach den Fabeln ber Erzaͤblung 
Tybetaner ſowohl, als der angraͤnzenden aſiatiſchen Vplker, eine gang ber die 


“andre Urſach, als die iſt, der fie das ordentlichen Zu-und Abnehmen Sonnen md 


des Mondes beymeflen und werben aus folgender Fabel erfläre: Kurz Mondfins 


nach Erfihaffung der beiden groffen Weltlichter ließ ein übelchätiger ſterniſſe. 


Geiſt Aracho ſich gelüften in die Verſamlung derer mie dem Burchan 
Noͤdoͤ⸗Boͤri in tieffter Andacht berenden Götter zu fchleihen, wo 


‚er die vor ihnen ftehende Schälhen mit. heyligem Waffer ausgoß 
‚und felbige mit feinen Harn verunreinigte (*). Eobald die Götter vor 


Andacht den Streich merfen fonnten, machten fie fi) auf, den Boͤſe⸗ 


“wicht ze ſuchen, ber fich indeffen verftefe ‚hatte. - Sie frugen bie 
Sonne, weldye alles fieht, wohin ſich Aracho gewande Habe: diefe 


um ben Ööttern zu dienen, ohne den übelthätigen, mächtigen Geift 


gegen fih aufzubringen, gab nur einen Winf, um den Ort, wo fich 


Arachoͤ 2 


(*) Die Sefchichte von Ausleerung diefes Giftſchaͤlchens, durch Ixora 
oder Moyfafur, wird beym Baldius &. 49. aufeine andere, ziems 
lich verwirte Art aus der Malabarrifchen Fabellehre erzähle. 

Zweyter Tbeil, 3 u 











/ N 
42 Don Htmlifchen Lichtern und Erſcheinungen 


Erzählung Arachòö verborgen hielt, anzudeuten. Die Götter aber konnten ihn 
über die dem ohngeachtet lange nicht finden, erfundigten‘ fi alfo beym Mond, 
— u. der ihnen ohne Hinterhalt ihren Beleydiger entdekte, weichen dann die 
Berufe Götter gefangen nahmen und nad) einer kleinen Züchtigung wie— 
“ber erlieffen. Seit der Zeit fol Aracho, mit Nachſicht der 
Götter, auf die Sonne, die ihn nicht völlig verrathen, nur alle drei 
Jahr, auf den Mond aber, der ihn ohne Umjtände entdeft hatte, alle 
Jahr einen Angrif thun. Wenn diefes gefchieht, fo verſchwin et das 
Eiche. diefer Geifter, die dadurch ihre Morh zu erfennen geben. Dep. 
wegen fuchen die Anhänger diefes Glaubens, ber auch bey den Chine⸗ 
fern, Indianern und Perfern herſcht, zur Zeit der fichebaren Finiternif« 
. fen, mit Laͤrmen, Scieffen, Trommeln, u. f. mw. ‘die Geiſtlichkeit 
bes Tobetaniſchen Gläubens aber durch feierliche Eroreifmen (Jaſſal⸗ 
gan) denen Ieydenden Himmelslichrern zu Hülfe zu kommen und 
ben böfen Arachö zu verfheuchen (*). Und doch verftehen bie Mon. 
golifhe und Kalmüdifhe alenderverftändige oder Aftrofogen eine 
zukuͤnftige Mondfinfterniß genau auszurechnen, wovon der Translateur 
Juaͤhrig ein Zeuge gewefen ift. Ihre Verfahrungsart aber ift mir nicht 

efanne geworden. 


Bon den Die Geſtirne (Oddon) find nad) Samaifher Weißheit lau. 
Geſtiruen ter eine glänzende Tänggri die in waͤſſrigen Gläfern — 
röffe 





(*) Den Urfprung der Babel von dem die Sonnenfinſterniſſe verurſa⸗ 
chenden böfen Geiſt Arachd oder nach der Hindoſtaniſchen Erzählung, 
dem fihwarzen Drachen Rıgu, findet man auf die aſtronomiſche 
Bebentimg Juruͤk geführt in WOalters Dostrina temporum indita, 
die Bayer feiner Hiſtoria regni Graecorum Battriani bat beydrut. 
ten haffen S. 153. 154 Ragu iſt nach diefer Erzaͤlung der aus 
bem Kopf des Riefen, welchen. Viſtnu getödter, entfprungne ſchwar⸗ 

ge Drace, ber die Sonne verfinſtert; Kedu aber der rotbe, Aus 
dem übrigen Körper des Niefen entflandne Drache, welcher den 
Mond ergreift. Beyde find den Planeren beyaefellt und beziehen 
ſich auf den Kopf und Schwanz bes Drachen in unfern aftronomi- 
ſthen Himmel, in deren Machbarichaft Sonne und Mond verfinfterg 
werden Solcherley Fabeln find von den kluͤgeren Indianifchen Aſtro⸗ 

- nomen vermuthlich zur Verhuͤllung ibrer Wiſſenſchaft, die Neubier- 
de des Volkes zu fliflen, oder zuerft als Allegorien ausgebracht 
und dann durch den Aberglauben immer mehr verunflalser und mie 


andern_Mäprchen aufgeſtuzt worden. 








* - 
/ 
‘ ⸗ 
—* ® 
- nach Tybetanifcher Fabellehre. 43 | 
Groͤſſe wohnen, unb wovon der einige Polarftern unbeweglich ift, die Von den \ 


übrigen aber, jeder mit feinem Vorſpann, im $uftraum umher mans Geflirnen. 
dern, und wen fie unfern Augen unfichtbar werden, fih hinter der 
Weltfäule Sümmer»oola verbergen. Ein Stern von den gröffeften " 

fol weniger als eine Meile, nebmlih 3000 Ellenbogen, die mitleren 

1500 und bie Fleinen soo im Durchſchnitt Haben. Nach andern Kal⸗ ⸗ 
mückiſchen Nachrichten ſoll ein Stern von der erſten Groͤſſe auf | 

2 Meilen und taufend Klafter im Umfang und viele tauſend Tra⸗ 

banten um fich haben, fo daß die ganze Zahl des Sternenheeres ſich 

auf 285 Millionen, belaufen fol. Das Sternfehnäuzen iſt dieſem nad). 
nichts anders, als erfterbende Taͤnggri aus den Geftirnen , bie auf | | 
die Unterwelt berabfommen, um andere Körper zu beleben. 





Die Ungewitter in unfree Armofphäte giebt die Samaifche Vom Unge: 5 
‚Sabellehre dem in ben fieben Meeren mwohnenden Drachen ( Lu Pitter, ' 
"oder Luſſun⸗Chan, Dracenfürft genannt) Schuld. Zur Win 
terszeit fol feibiger gleihfam leblos in obgedachten Meeren liegen, 
welche durch ihn geheilige find und daher aud) Zengelgens ‘oder bie 
reinen zugenahmt werden. Hingegen erhebt er ſich im Sommer mit 
den Dünften und $uftgemäffern, und es. merben demnad) diefem Wafs 
fergot die Wolfen, Regen, Thau und Schnee zugeſchrieben; aus 
welchen fie den Regenbogen faft wie wir, von dem Schimmer der Son« | 
ne in den waͤſſrigen Dünften, herleiten. Ein Tänggri (ich glaube Ma⸗ Ho | 
tar genannt) welchen einige Sagen als den Schmidt oder Vulkan 2 
der Geifterwelt auszeichnen, und dei= .ein andrer übelrhätiger Geiſt g | | 
finen Sohn. entführt haben ſoll, reitet alsdann auf diefem Drachen, | 
um feinen Eohn zu fuchen und mirft aus Unmuth feine Donnerfeile 
(Tänggerien Summun ) umher, die denn zufällig auch Menfchen - 
und Thiere tödten, wenn fich feindfeelige Geifter, die es gilt, nahe 
um felbige, oder in ihre Wohnungen verſtecken. Wenn er den Drachen i 
mit feiner Geiffel antreibt, fo macht deſſen Gebrüfle den Donner 
| Ay mais und inden er den Rachen oͤfnet entfteht der 

Blitz (Tänggrien Zakilgaͤn). — Bon einigen wird die Fabel et⸗ 
was anders erzählt. Indeſſen verurfacht diefer Aberglaube, daß die. 
Kalmuͤcken auch bey entftehenden Donnermertern mit Keflein ein Ge 
töfe machen und mann fie im freien Felde vom Gemitter ergriffen wer⸗ 
den, wenigftens mit dem Peitſchenſtiel an den Speigbügel klopfen, 
um die Seifter von ſich zu fcheuchen, | a 

sn 5 2 vL 








* 


Ueber die 
Geiſterwelt. 


44 Von guten und uͤbelthaͤtigen 
—X 


— 


VI. 
Von guten und boͤſen Geiſtern oder Taͤnggri. 


U dem mongolifchen Wort Tänggri, welches auch ben Him- 
mel zu bezeichnen gebraudyt wird, verſteht mann in der Schi⸗ 
gemunifchen Fabellehre mächtige Geifter, die in denen Himmeln und 
allen Theilen und Gegenden des Weltgebäudes ihre angewiefene Woh« 
nungen baben, und zwar niche fo hoch, als die eigentliche Götter oder 
Burchanen gefhäzt, aber noch) faft würffamer als diefe, angenommen 
und, fonderlidy die übelchätigen, fehr gefürchtef werden. — Ihre allges 
meine Benennung ift im Tangutifhen Thlah oder Lah und bie 
Aenerfefihe Daͤwhah. Es find theils bloffe unter ſich mürfende 
Weltbewohner, theils Wächter und immer gefchäftige Werkmeiſter, 
welche, nad) dem Hang, den fie, gutes oder böfes zu ftiften haben, 
an allen glüflihen uud und unglüflihen Begebenheiten, Ordnung 
und Unordnungen, nicht nur auf- unfrer Erde, fondern im ganzen 
unermeßlihen Raum, und allen Theilen bes Weltgebaͤudes Antheil 


nehmen oder davon auch wohl die Haupfurfach find; ja die auch oft 


den guten Werfen der Burchanen Hinderniffe in den Weg legen und 
ſich untereinander felbft ſchaden. Wie benn auch einige in beftändis 
gen Kriegen mit einander verwickelt feyn follen. Ihr Geſchlecht bat 
zum Theil fehon indem Chaos, ehe noch irgend eine Anlage zum Welt 
bäude entftand, ja ehe noch die meiſten Götter oder Burchanen waren 
(als welche zum Theil aus der Zahl wohlthäriger Tanggri, durch verdienfts 
liche Werfe bis zum Sötterftand vervollkomt find) fein Weſen gehabt und 
fie find «ls mitmürfende Kräfte bey der Lamaiſchen Schoͤpfung, Vers 
änderung und Zerftörung derer aufeinander folgenden Welten zu bes 
trachten. — Demohngeachtet werden fie nicht, wie unfre Engel, unfterbs 
lid) angenommen, fond:rn fie leben nur gemiffe, fiir jede Arc beftimte 
lange Zeiten in ihren Iuftigen Körpern, und werben beym erſterben 
entweder ‚in. ähnlıhe Körper mirder geboren, ober megen begangner 
Sünden in’ geringere Claffen, oder gar in bie Crearurreihe und 
Hoͤllen verſezt, um dort zu büffen. Sie vermehren fich durch Diejeni= 

N u ge 


et —— 





Geiftern oder Taͤnggri. 45 


ge geiftige Weife, welche jeder Are eigen iftz die niebtiger wohnende Ueber die 
z. B. durch Umarmen und Kiffen; die höheren durch bloſſes Geiſterwelt. 


Anlaͤcheln, ja einige nur durch holde Blicke die ſie einander zuwerfen. 
Zeugung und Geburt erfolgen bey vielen in einem und demſelben 
Augenblik. Ihr Zuſtand iſt uͤberhaupt weit gluͤckſeeliger und vollkom⸗ 
ner, als der Creaturreiche; die Kraft ſich koͤrperlich in alle Gegen⸗ 
den des Raums und des Weltſyſtems zu verfuͤgen iſt jedoch den meiſten 
nicht ſo, wie den Burchanen oder Göttern, ohne Einſchraͤnkung zus 
geftanden, fondern fie haben zum Theil ihre beſtimte Wohnfige. Doc) 
fönnen viele fi) auch bald unfichtbar, bald in allerley angenommenen 
Geftalten bie und ‚dorthin begeben: jeder Theil des Weltſyſtems, 
jedes Neich und Wolf, ja jeder Menıh hat aus dem Heer dieſer 
Suftgesfter feinen unfichebaren Engel oder Beſchuͤtzer (Eſoaͤn), der 


feinen Elienten wieder bie viele umherwankende uͤbelthaͤtige Geifter ſchuͤzt. 


Auf unfrer Erde follen dergleichen Schuzgeifter ihren Haupefiz in Wäls 
dern und andern unzugänglichen Gegenden haben. Cie follen, wie 
in den höheren Reichen, einander befriegen und übermältigen, da denn 
eben "dergleichen Kriege und Begebenheiten auch zwifchen den irdifchen 
Sandesherren und Voͤlkern erfolgen. Alle Ungemieter, böfe Witterung, 
Drfane, Fluten, Verwuͤſtungen, Erdbeben, vulfanifche Ausbrüche, 


Peftilenz, Viehſterben, und dergleichen mehr werden von übelthätigen. 


Tänggrinen hervorgebracht. Eben biefe boͤſe Geifter aber muͤſſen vor 
gewiſſen, in der. Enerfäffchen Urfprache abgefaften, durch Burchanen 
erfundnen, auch an felbige gerichteten Gebets-und Befchwörungsformeln 


(Tarni) weichen, wenn felbige nur in ihrer rechten Kraft, von heyli⸗ 


gen Menfchen und mit mabrem Glauben ausgeſprochen werden. . Auch 
nehmen ſich die wohlthaͤtigen QTänggri, welche ſchneeweiß und glär« 
zend von Antliz, fo wie die zornigen hingegen als allerley fürdhtere 
lihe Ungeheuer und Mißgeburten befchrieben werden, nebft den guten 
Burchanen, der Creatur an und befhügen felbige wieder den Grim 
der lezteren. 


, 


Ueber die MWohnfige, Gröffe, Alter, Fortpflanzung und, übrl« 


ge Eigenfchaften der Länggri ift die Lamaiſche Fabellehre überaus. 
wm .tläuftig, und, piele Legenden handeln von ihren Begebenheiten. Ich 
will bier nur das mwefentlichfte, was die von mir gebrauchte Ehriften . 


ent; alten, anführen; dicſes aber iſt wahrfcheinlich nur ein Fleiner Theil 
teffen, was ſich davon erzählen lieſſe. 
* 83 Eine 





6 Don guten und Übelchätigen 


Ueber bie Eine der vorzäglichften Wohnſtaͤtten der Geifter ift bie Mic. 
Geiſterwelt. eelfäule des Weltſyſtems oder Sümmer-Dola, mit ihren umliegern- 
den Gebürgen. Auf den vier Abfägen dieſes Berges, und auf ben 
fieben goldnen Gebürgen die ihn umgeben, wohnen Tänggri, welche 
überhaupt Wiacharanfa zugenahme werben. Unter felbigen heiſſen 
die auf dem unterften Abfaz wohnhafte Ongozo⸗Baridran (mit 
Kähnen verfeßene) weil fie bem Meer am naͤchſten wohnen; die auf 
dem zweyten Abſaz werben Erike⸗Barikſan (Freye) und bie auf 
dem dritten Urguͤſdſhi Soktochu (ſtets Trunfne) von ihren un« 
unterbrochnen Luſtbarkeiten aenannt ı*). Auf dem oberften Abfaz hal⸗ 

ten die vier groffen Beherſcher diefer Geifter ober Macharanſa 
ne, an den vier Seiten bes Suͤmmer⸗Oola, ihren zahlreichen Hof; 
an der Dftfeite hat Ortſchillong⸗Tetkukſchi Chan ( gnädiger Vater 
ber Armen), an der Sübfeite —25 Toͤroͤltu Chan (der Ki 
fenwuͤchſige), an ber Weſtſeite Sain⸗Buſſu⸗Viduͤtu Chan (dee 
Bloͤdſichtige) und an der Morbdfeire der mie Weidenlaub gezierte Biß 
man⸗Taͤnggri feinen Sig (**), Diefes find zugleih die Schutzengel 
der vier Haupttheile der Welt, und letzterer foll ehemals oben auf 
7 — Suͤmmer⸗Oola gewohnt haben, ehe ihn Churmuſtu von ba vetr⸗ 

draͤngte. 


Recht oben auf dem Suͤmmer-Oola, deſſen Scheitelflaͤche 
auf allen vier Seiten achzig tauſend Meilen miſſet, wohnen die wohl⸗ 
thaͤtige, nach der Zahl der Theile des Weltſyſtems, deren Schuz 

ihnen anvertraut iſt, zugenahmt Drey und Dreyßig Taͤnggri, uns 
ter 


eo 
\ 
. 


‘(*) Ueber die Laab oder Geiſter die an und über dem Suͤmmeroola 
wohnen, ihre angebliche Gröffe und Alter, vergleiche mann bie in 
einigen Puncten verſchiedne Tybetaniiche Erzählung beym P. Beorgi 


Alphabet. Tybetan. S. 480. 182. und 483. 


(**) Biſman Taͤnggri iſt der mongolifche Name des unter dem Namen 
Krobmfar ald Goͤtzen verehrten Gottes des Reichthums und Viehes, 
welcher unter ben Burchanen oder Gegen vorfommen wird und 
den bie 4te Figur der erften Plate mie feinen Trabanten vorflellt. 

5 N 


s 








Geiſtern oder Ting! 7 

ter welchen Churmuſtu C+*) als oberſter Schuzgeiſt des ganzen Ueber die 

Weltgebäudes, recht im der Mitte feine Reſidenz aufgeſchlagen bar. Geiſterwelt. 

Diefe Stade wird überaus a. beſchrieben: Sie foll auf allen 

vler Seiten drithalb taufend Meilen groß, und fünf taufend Klafter 

body ſeyn. Sie hat 4 groffe und 169 kleine Pforten, und jede Der 

groſſen Pforten soo gewafneree Wächter. Alle ihre Gebäude find aus 

Gold und von ſich feibft, wie die Sufefchlöffer der. Feen, entflanden, 

Der Boden auf den Gaſſen ift fo fanft, daß er ‚unter den Tritten 

nachgiebt, und ſich durch eine Are von Federkraft wieder erhebt. Der 

Palaſt des Churmuſtu hat brichalb hundert Meilen im Umfang. Von 

deſſen vier Eden laufen angenehme, mıt Bäumen befchattere Thäler 

aus, in melden der fihon vorhin erwähnte Elefant, auf welchem 

Ehurmuftu zu reiten pflegt, auch unterweilen weydet. Wenn Chur- 

muftu fich deffelben bedient, fo foll er mit drei und breißig Köpfen 

ericheinen; jeder Kopf hat ſechs Ruͤſſel und auf den Ruͤſſein Seen; 

aus den Seen wachſen rothe Secblumen (*) hervor, deren jede u 

fieben himliſchen, Jungfrauen, welche Klangreller zufammen fchlagen, 

beſezt iſt. Auf dem mittelften Kopf dieſes Wunderrhiers nime Chur« 

muſtu felbft feinen Sitz, auf den uͤbrigen zwey und breißig Köpfen 

reiten feine vornehmfte Höflinge (Churmuſtu IRäcktfhiner), und 

"alles Gefolge bedient ſich der achzigeaufend Elefanten Die mie jenem 

Wenden, 
| ’ Weitet 





(P) Die auf der erſten Platte dieſes Theils Fig. 1. mitgetheilte Abbil⸗ 
bung des Churmuſtu⸗-Taͤnggri oder groffen: Schuzgeiſtes der gan⸗ 
zen Unterwelt, und derer vier Macharanſa⸗Chane, iſt nach ‚einer 
einen, in Modellerde abgedrukten mongolifchen Vorſtellung gezeich- 

nef. . 

49) Badma iſt, wie bey den Indianern, eine beyfige in ber Fabellehre 
von Tybet jehe oft vorkommende Blume, worunter nach allen Abbil⸗ 
dungen die roſenrothe Seeblume (Nymphaca Nelumbo) verflanden, 
zu merden ſcheint; oft fieht man auch Nofen dafür abgebildet. P. Ge⸗ 
orgi fehreibt durch fein ganzes Buch Pema, da doch der Tangutis 
ſche Character die vorstehende Leſeart erfordert, welche auch der Gebrauch 
beitätiget. Die barten Same: oder Näffe diefer- Seeblume, - weich . 
eßbar find, haben die Kalmuͤcken gern zu den Roſenkraͤnzen mit welchen 
fie beten, und mann famier felbige, zum Verkanf an bie Ralmülten, 
a Aſtrachan, wo diefe Biume in einigen Wolgamuͤndungen 
ws ® % 


48 Don guten und übelchärigen 


Ueber bie Weiter abwärts von obigen Thälern find vier angenehme Ge⸗ 
Geiſterwelt. genden, wo abgefchiedne unfchuldige Seelen ber Ruhe genieffen. Zwi⸗ 
fchen Aufgang und Mitternacht wäahft ein Baum, deſſen Wurzeln 
funfzig Meilen tief gehn und der auf hundert Meilen hoch feine Zwei- 
ge ausbreitet. Jedes Blatt bat funfzig Meilen in Umfang; den 
. Duft der Bluͤthen kann mann hundert und funfzig Meilen weit rei« 
chen, und in feinem Schatten ift mann mie im Finftern. Suͤdweſt⸗ 
märts von ber Burg des Churmuſtu liege ein weites Feld, wo die 
Tänggri ihre Zufammenfünfte halten. . 


Ä Die Macharanſa, die Drey und dreyßige, ferner Tuͤgus⸗Bais⸗ 
chulangin Tänggri,. Chubilgakſani⸗Edlektſchi T., Buſſudien⸗ 
Chubilgakſani⸗Edlektſchi T. und noch ein Geſchlecht, werden un⸗ 
ter einem gemeinſchaftlichen Claßiſchen Namen, Surgan  Ruüfeljin ⸗ 
Zänggri, begriffen. — Eine andre Elaffe machen die dren Reiche der 
Andar-Dijen (*) (Dijani⸗Gurban⸗ orron), nehmlich Eſſuͤruͤni⸗Suͤhl, 
Eſſuͤruni⸗Emmenedu, und Jike⸗Eſſuͤruͤni aus. — Eine dritte 
Claſſe find die drey Reiche (*) Berrelien;Tänggri: Utzuͤken⸗ ges 
reltu, Remfchesugeisgereltu, und Todorchoi⸗ gereltu. — Eine 
‚vierte Claffe heift Sujani Tänggri und befteht auch aus drey Rei⸗ 
hen UetzuͤkenBujantu, Remfche sugeisdujantu, und Todorchoi⸗ 
Buſantu. — Eine fünfte Elaffe begreift unter ſich Ile⸗ ugei⸗ buſan⸗ 
aͤze⸗rerekſen nemlich: Jike⸗Ueretu; — Jike⸗Buſſu; —Maſchi⸗Ueſuͤkt⸗ 
ſchi; — Ulu⸗Emginektſchi; und Schilgadak⸗Ueſſuͤkdektſchi Taͤng⸗ 





gri vieler andren zu geſchweigen. 


Achzigtauſend Meilen uͤber den drey und dreyßig Taͤnggrien 
wohnt eine andre Abtheilung von Geiſtern Gaſar⸗Eſe⸗Barildak 
(die nicht auf Erden wohnende) genannt; und höher nody diejenige, 
‚welhe Baildan⸗Aeze⸗Chajazakſan heiflen, und bis zu welchen ‚von 
benen Drey und drepßigen eben fo weit, als zu denen Machatanfa 
und von diefen zu unfrer Erbe if. Wegen ber groffen Entfernung 





haben biefe höher wohnende Geiftergefchlechter Feine Kriege. $ 
: j in⸗ 
E) Dijan bedeutet wohlchätig. 
Ct*) Die Glaͤnzenden. " 
I» 
l 
— ——— — 





Geiſtern ober Taͤnggri. 49 
Hingegen werden die Macharanſa⸗Toaͤnggri von einer Art ueber bie 

Geifter, Affuri genannt, befrieget. Diefe werden in LTonzlig& Geiſterwelt. 
(Geſezloſe) und Nomtaͤ (Gefezunterehänige) eingetheilt; fie wohnen 
ganz unten um den Fuß des Sümmer-Dola, mo = die Klüfte 
und Hölen zu Wohnungen dienen. Eie haben vier Fürften über fi: 
der erſte, etisRachusChan, wohne in einer Burg Ufchereleu, 
von welcher viertaufend Meilen find bis zur Stadt Eriken, allwo 
der zweyte, Ruͤſuͤnden⸗Eriketu⸗Chan feinen Sig hat. Der drirte 
beift Maſchi⸗Daruktſchi⸗Chan und feine Stadt Batu; ber vierte 
Tak⸗Sangri⸗Chan herſcht in der Stadt Altatu, bie auf der groß 
fen goldnen. Schilbfröte gegruͤndet iſt. Der Abftand aller diefer Städte 
untereinander, .ift Dem erftangegebnen gleich. Bey einer jeden Stadt liegt 
ein Thal mit afferley Bäumen, unter welchen ein heiliger Baum Dſchi⸗ 
ra⸗bara und das wunderehätige Gewaͤchs Dſchindamani zu Haufe 
it, dem fih niemand, als der Chan bes Orts felbft nähern barfı 
In diefen Thälern menden die Elefanten, auf welchen die Affuren 
reiten, die auch fonft, wie die Macharanfageifter, an allen Dingen . 
Ueberfluß haben,  - 


Sn dem Ertuͤnzuͤm⸗tooli ift Die Gröffe und das Alter, fü 
wohl der vorermähnten, als vieler andern Geiftergefchlechrer angegeben, 
Die unter Erketi⸗Rachu gehörige Affuren leben fünftaufend Jahre, 
deren jeder Tag fünfpundere menſchlichen Jahren gleich if. Die 
"Unterehanen des zweyten und brirten Chans leben fehstaufenb Jahre, 
und ihre Tage find fehshundere Menfchenjahren gleih. Die von . 
Tak⸗Sangri⸗Chan bringen ihr Alter auf fiebentaufend Jahre und 
ſiebenhundert Menfchenjahre find ihnen ein Tag, 


Die Wacharanſa⸗Taͤnggri rechnen funfzig Menſchenjahre 
auf einen Tag und leben, nach ihrer Rechnung," fuͤnfhundert Jahre; 
ihre Groͤſſe ift insgemein von 125 Klaftern. in Geſchlecht, naments 
Th Tugus⸗Bijas⸗ chulaneu erwaͤchſt zu einer Gröffe von fünfe 
Hundert Klaftern, Wenn erftere auf die Wele kommen, fo gleichen 
-fie an Gröffe fünfjärigen Kindern; die höheren werden immer etwas 
gröffer geboren, 


Alte höher wohnende Geifter bringen auch ihre Tage und 


Jahre viel weiter und erreichen -eine groͤſſere Statur. Ubuſudien⸗ 
Zweyter Theil, G | Chu⸗ 


24 


so. Don guten und übelchätigen 


. Meber die Chubilgakſani⸗Edlektſchi (*) Tänggei Leben fechzehntaufenb fahre, 
Geiſterwelt. von weichen jeder Tag ſechzehnhundert Menfchenjahren gleich ift. Ihre 
Groͤſſe it von 750 Klaftern und doc) find fie bey ihrer Geburt nur wie 
zehnjährige Knaben. — Das Gefchleht- Duͤrſſutu⸗ Eſſuͤruͤni⸗Suͤlin 
durchlebt ein ganzes groffes Weltalter ( Charin: Sapfarinsgalap); 
ve Gröffe erftrefe fi) anderthalb Meilen und fie werden mit allen 
ren Kleidern und Zierathen geboren. Die Tänggri genannt Eſuͤruͤni⸗ 
Emoͤnuͤdi, werden vierzig Heinere Weltperioden burchleben, ein Geſchlecht 
derfelben gar fechs und funfzig folder Perioden. — Uetſchuͤken⸗gereltu T. 
en zwey groffe Welcalter und erreichen eine Gröffe von 16250 

laftern. 


Diejenige Geifter, welche noch höher als Ieztgenannse wohnen, 
find, bis an das Geſchlecht Delgerengui⸗-Bujantu, immer Die .eine | 
Art doppelt fo groß, als bie naͤchſt Darunter befindliche und leben audy 
doppelt fo lange. — Ile⸗Ugei find hundere und fünf und zwanzig 

» Meilen hoch, und über felbigen verdoppelt fid) wieder die Groͤſſe auf 
jeder Stufe. Aginifts, Täanggri find fechzehntaufende Meilen groß; 
Dürffusugei T. find fo gut als unſterblich, da ihr After drey Pe— 
rioden hat, deren erfte zwanzig, die andre vierzig und die dritte ach⸗ 
zigtaufend groffen Weltaltern gleich. koͤmt. Es, full aber auch kein 
einiges Geiftergefihleche diefe überleben, . 


Unzälige Seifterarten ſchweben noch aufferdem im weiten Raum 
auf Welfen herum. In ber Sonne fowohl, als im Monde und 
allen übrigen Geftirnen iſt deren, wie fihon angezeigt worden, ein 
unzälbares Heer. Der Morbftern foll unter diefen dem vornehmften 
$ehrer (Bakſchi) zum Sig dimen. — Dastfchin«Tänggri oder 
der Kriegsgeift mit feinen Begleitern, wird, weil er als Goͤtze ver⸗ 
ehrt wird, in der Folge noch vorkommen, 


Der uͤbelthaͤtigen Geiſter, die um und auf unfrer. Erbe haus⸗ 
halten, giebt es unter 369 Fuͤrſten verfchiebne Claſſen und eine ſehr 
groſſe 





4?) Der Name bezeichnet Geiſter die keinen Vorrath einfamlen, oder 
En nicht& forgen, fündern alles uach eignen Wuͤnſchen fogfeich bereit 
Elle X 








. Beiftern oder Tänggri. sr 
geoffe Zahl. Hieher gehören die fogenannten Chan⸗ada auf kangu⸗ Ueber bie 
eifh Dſchalboi⸗dyn; die Manguſſen tangut. Srim⸗boi⸗dyn, Geiſtemwelt. 
deren Reich nicht weit von unfrer Erde liegen ſoll und die ſehr übel 
pic find; Die Almus oder Poltergeifter, welche auf der ganzen | 
rde herumſchwaͤrmen, und: allerley Koboltſtreiche treiben, worunter 
das ermürgen der Kinder in ber Geburt für ihr Meifterftüf gehalten 
wird; ferner tie Schulmue, auf tangutifch Sermu, welche mit ihren - 
Chan in dem 'äufferften Raum über alle Himmel ihr Neth haben 
und in allen Welttheilen ihre fehädlihe Macht ausüben follen; bie 
Setkir männlide und meibliche, tangut. Ponde und Mondee; Tot⸗ 
kor ober Cuetker und andre kieine Teufeleyen mehr, womit ſich ber 
. abergläub:fche mongolifhe Pöbel geplagt zu feyn einbildet. Die Tan⸗ 
guten und Mongolen glauben auh an eine Art Geſpenſter ober 
Schrekbilder, Bok, auf tangurifch Dfchoge ge annt; welches Geifter 
ſolcher Menfchen feyn follen,, die fich felbft. auf irgend eine Art ent« 
leibe Haben, oder unter dem lud) der Geiſſli hkeit geftorben find, 
Daher raftlos und one einen neuen Körper erlangen zu fönnen, unter 
‚ den Menfchen berumfpufen und alleriey Schaden und Schrecken an- 
richten; Sie ſcheinen mit denen weiterhin zu ermähnenden wandernden 
Birid überein zu fomnter. — Noch eine andre hieher gehörige Are 
find die Chara: Darana der Mongolen und Chadergan der Kals . 
müden, (auf Tangutiſch Zfchigina) welche wie ein Wind oder in 
allerley Geftalten anfommen und Schaden anridhten oder den Wien- 
fhen quälen; denn auch das Alpdrücen wird diefen zugefchrieben. 
Auffer dem gehören zum Höllenreiche ganze Schaaren von Teufeln, 
die auf der Oberwelt Feine Gefchäfte haben und wovon ich im naͤch⸗ 
ſtenAbſchnitt reden will, ’ | | 


Diele andre Ungeheuer ſchweben auf dem groffen Weltmeer 
und in verfchiebnen Gegenden des Raums herum. Dahin gehöre 
der oben ſchon erwähnte Drachenfuͤrſt Luffun Chan‘, mit feinem 
Geſchlecht (Luſſud) im groſſen Welrmeer, welche Hörner, vier Züfe 
fe und Flügel haben und go taufend Jahre Ichen follen; dann der 
ungeheure Vogel Gareduͤ oder Gardi⸗Schabuhn, von deffen 
vormahls auf Erden ausgeübeen Unheil und nachmaliger Verwand⸗ 
lung 
63 u 





wo von gutem und Gbetchätigen Geiſterm 
Meer die fung in den Elefanten, worauf Biſnaͤ⸗Taͤnggri zu reiten gewohnte 
Geifferwelt-itt ( Sans garduͤ) allerley Fabeln unter den Mongolen und Kal⸗ 
miden herum: gehn: (*). Mehrerer aͤhnlicher Thorheiten nicht ae 
gedenten. | | | 





V. 


Ä 





I Daß die: Babel von: dieſem Vogel Baredır,. Fndianifchen Urſprungs 
ſey, erbeller aus dem: was davoır,. unter dem. Namen Beruda, beym | 
RKRumph ( Amboyn: dboek vol. Vi: p: 210.) erzählt wird. Er 
foll,. nady den Malayifiben Fabeln, auf dem ungeheuren, in dem | 
Tiefen der Weſtſee wuchſenden, and‘ mit: feinen Zweigen über die 
‚Eee: hervorragenden. Baum: Paufengi;. an: dem ihrer. Meynung nach 
Ber. font cheure Maldiviſche See ⸗Coccos wachſen muß, niiten, nur 
zur Nachtzeit fliegen, und in feinen Klauen einen Tyger, Rhinoceros 
ober Elefanten in fein Neſt davon: tragen könuen: Auch beym Bals. 
nn. geſchiehet dieſes Grepfen under: dem Namen: Garroude Erwaͤh⸗ 
8. — 


> 


Gegenden ber Unterweln J 7 


5 


“ "VI. 


Bon den Orten der Verdamniß und den Hölle: 
eo: firafen. 


—X n feiner Materie iſt die Fabellehre der Samen fo ausführlich und Keiche der 
Ss erfinderifch, als in Beſchreibung ber Höllen und mancherley Verdam⸗ 
Strafen, welche dafelbft an verruchten Seelen, für die in einem vork WE- 
gen Leben begangne Sünden, ausgeübt werden, Diefen Zaum des 
Aberglaubens feheinen die Tybetaniſchen und mongolifchen damen au 
ige noch immer mehr aufjuzieren und: ihren Laien empfindlicher zu 
machen. Denn man hat mehrere Schriften, welche, unter der Finn 
kleidung von Geſichten oder Träumen: heiliger Männer und Wieder⸗ 
geborner‘, es immer eine der. andern in lebhafter und fuͤrchterlichen 
Vorſtellung der Höllenplagen: zuvor zu: ehun fcheinen. Aus einigen: 
ſdlchen Schriften und: der im Ertuͤnzuͤn Tooli' enthaltnen Beſchrei⸗ 
der vornehmften: Höllenftärten „ iſt nachitehender Bericht. ent» 

anden- 


Etwan fuͤnfhundert Meiler unter ımfrer Welt Hege Bas Reich Vom 
Ber fogenannten Birid (Biridien Örron) und mitten darunter Erlithem- _ 
eine: groffe,. mit‘ weiffen Mauerm umgebne Stadt, wo beffänbig, auf Platte &- 
groffen. Handpaufen ( Renyergä:) gefchlagen und: Heilige Bücher ge⸗vig — 
leſen werden. Daſelbſt iſt die Burg des Richters aller abgeſchiednen in = 
Seelen ,. und Beberrfchers der: Höllen: Erlik oder LJommear Char 9 
(Fuͤrſt der‘ Höllen knechte oder des: Geſetzes, auf tangutiſch Schoͤhd⸗ 
ſchi⸗Tſchedſal). Dieſer mädjtige: Burchan: ift zugleich Minos und 
Pluto ver Lamaiſchen Unterwelt, und wird als Gdge verehrr‘, 
obwohl nicht als: einer‘ vom: erften. Range. Seine Legende iſt mir: 
nicht vollftändig befannt‘ geworden. Ich weiß nur dieſes, baß er vor⸗ 
mals auf der Oberwelt irgendwo geherſchet, und bey groſſen Verdien⸗ 
ſten, auch: durch groffe Laſter und Wolufffünden beruͤhmt geweſen 
ſeyn ſoll. Endlich ward er durch den: maͤchtigen Kaͤmpfer unter den: 
Burchanen Jaman⸗ daga (S. Platte 5.) ven feinem: Siß ver⸗ 

| G 3 draͤnget 


S 


54 | Gegenden ber Unterwelt 


Vom Er⸗ draͤnget (*), und auf gethane Buſſe von Schigemuni zum Richter 
liſchan. und Beherrſcher der Unterwelt beſtellt. Die abentheuerliche Geſtalt 
| unter welcher er als Goͤtze vorgebilder wird, kann mann auf der gen 
und oten Platte unter zwenerlen Abänderung fehen. Fig. 4. der 
gten Platte ift nad) einem in Thon abgeformten und vergoldeten halb⸗ 
erhoßnen Bilde, meldyes ic, bey den Mongolen erhalten habe, Fig. 1. 
der oten Platte aber nod) einem fauber aus Kupfer gearbeiteten und im 
Feuer vergoldeten Bilde, das ich unter vielen andern Kalmuͤckiſchen 
Bögen in Jaizkoi oder Uralskoi gorodef antraf, gezeichnet und beide 
druͤcken obngefähr die Gröffe ber Orginale aus. In beiden ftehe 
Erlikchan, mit einem Kreiß von Flammen umgeben, auf einem 
wuͤthigen, über einer menfhlihen Figur knienden Büffel, Häle in der 
Rechten feinen mit einem Todtenfopf gezierten Scepter, in der $infen 
aber oft eine Pferdezminge (Zalma) und ſcheint in vollen Zorn, 
jedoch den Liebkoſungen feiner viel Fleineren und beffergebilderen, aber 
mie einem gräßlihen Geſicht neben ibm ſtehender Gefährtin Gehör 
zu geben. In einem mefenrlihen Theil wird er gemeiniglich den 
Priap ber griechifhen Mythologie ähnlich vorgeftell.. Sein Haupt 
Hr gehoͤrnt, mit Slammen umgeben und mit Todtenföpfen geziert, 
deren er auch eine Reihe, als eine Ordenskette, um fid) hängen har. 
Sein Antlig ſcheint zroifchen einer Büffels- oder Ziegenfhnauze und 
einem !ömwengefiht das Mittel zu halten. 








ß Erlik⸗Chan thronet in einem Palaft, ber mit fechzehn eifer- 
nen Mauern umgeben ift, und zu welchem es feinen andern Fingang 
iebt, als die fechs und dreyßig Fegfeuern ähnliche Wohnftärten derer 
irid. Die gueen und böfen Schutzgeiſter der Menfchen find ihm 
unterehan, fo wie auch die Erlige oder Teufel der unterften Hoͤllen, 
wohin die von ihm zu Quaͤlen verdamte Seelen durch gewiffe Jer- 


gatz 





() Mit diefer Lamaiſchen Erzälung koͤmt diejenige Kabel einiger maſſen 
uberein, welche Baldaͤus ©. 6ı. und folgl. von Viſtnus Verwand⸗ 
lung in einen Bramanen und liffiger Entfegung ded Mavaly, der 
die Welt beherſchte und nachmals von ihm zuerft zum Negenten ber 
Dunkeln Tiefe, dann zum Thürhüter des Paradieſes gefezt warb, 
erzählt. Die Malabaren feyern, nach &. 64. im Auguſtmonat, aus 
Beranlaffung dieſer Zabel, dasjnige Freudenfeſt, welches fie 
Obns nennen. 


rer 


und der Derdammiß, 55 


gatfchiner oder Hoͤllenboten abgefuͤhrt werden. Unter dieſer Teufel-Bom Er 
welt füche Erlifchen zwak fo wiel möglich gute Polizey zu —— 
weil er aber, ſo wenig, als irdiſche Koͤnige unter ihrem Volk, alle 
Ausſchweifungen verhuͤten kann, ſo unterlaſſen die ihm unterthaͤnigen 
Unholde auch nicht, bey jeder Gelegenheit auf der Oberwelt, ſonder⸗ 
unter den Menſchen, nach Moͤglichkeit Schaden und Ungluͤk zu 

iften. 

Die Birid (Hungernde), deren Wohnungen Eölik⸗Chans Bon denen 

Reſidenz umgeben, find eine befondre Art von Ungeheuern, in welchen Birid. 
die Dazu verdamte Seelen wiedergeboren werben und ein gemwifles Al« 
ter hindurch büffen müffen. Sie follen nicht allem * ‚ fondeen auch % 
in anbern Gegenden des Welrgebäudes zerfireue feyn. Das Ertuͤn⸗ ⸗ 
zuͤn⸗Tooli giebt von ihnen folgende. Beſchreibung: Sie gleichen | 
flammenden Feuerbränden ; ihr ganzes Geſicht ift harigt und auch 
der Rachen voll davon, fo daß fie an effen und trinken dadurch ver⸗ 
Bindere werden, Wenn fie der unerträglichfle Durft plage, und fie 
zu einem See ober andern Waſſer laufen, um ihn zu ftillen, fo 
ſcheint ihnen erft alles voll Eäbel, Sanzen und Dolce, die fie abban - 
ten; finder fie es entlih, fo ftelle fich ihrer Einbildung alles wie 
Blut und faule Jauche dar: wenn fie gute Speifen zu genieffen ver» 
mennen, fo wird ihr Maul fo Flein wie ein Mabeldhr, der Hals wie 
ein Drath; dagegen haben fie ungeheure Baͤuche, die nie ausgefülle j 
werden fünnen, und dabey Beine wie Schwefelhoͤlzchen. Ihre gemänlihe - 
Nahrung find Feumfunfen, von deren Genuß fie in allen Glieder 
brennen. Sie effen auch Unrarh, und triufen Harn oder andre un« 
veine Jauche; ja einige freffen ihre eigne Blieder ab. hr Alter 
gehe auf fünfhundere Fahre, deren jeglicher Tag einem. unfrer Mo⸗ 

nate gleich if. In ihnen werben hauptſaͤchlich Gotteslaͤſterer, Moͤr⸗ 

der an Eltern ober Lehrern, oder bie fich felbft entleiben, wieder ge= 
boren. Zumeilen laſſen fich erlöfende Burchanen oder Bodiſſadi zu | 2 
ihren Wohnfißen nieder, um ihnen zu prebigen, fie zu tröften, auch / 

wohl einige vor der vollendeten Prüfungszeit zu erlöfen. Alsdenn, 

oder menn bie Zeit ihrer Qual vollbracht ift, werben fie zu ben ges 

ringſchaͤtzigſten Thieren, Inſecten, Schlangen ımb dergleichen wieber- 

geboren. und müffen ſich durch gute Werfe zu beffern Staffeln zw 

erheben fuchen, beren es im Thierreihe mancherley giebt. — Diefes | | | 
Reich. der Bhrid (Biridin⸗GOrron) und bie Hüllen find. erſt nach 
Bevölkerung unfree Erde entſtanden une aus felbiger beſezt a. 





eben die 
Ben 
fen. 


56 | Gegenden der Unterwelt 


2 

Die Hoͤllen (auf mongoliſch Tammu ober Qualen, auf kan⸗ 
gutiſch Naͤ⸗alba) liegen unendlich tiefer als Erlif:Ehans Burg 
und das Reich der Birid. Die erfte und rieffte foll ſich ſechzigtau⸗ 
fend Meilen unter unfrer Erde befinden. Sie ift mie Die übrigen 
vierefige, mit eifernen Mauern umgeben, hat eigne Auffeher (Eſed), 
welche über die zur Ausübung der Qualen beftimte und mit allertey 
ſcheußlichen Geftalten, Ziegen» Ecylangen - $öwen - Einhorn - Köpfen, 
und dergl. auftrerende Teufel, oder NHöllenwärter als Befelshaber 
angeftelle find. Vor den -vier Thoren find ſchon die Zugänge fo viele 
-Höllen. Bor dem einen Thor befinder fih Galin⸗ulan⸗Normain⸗ 
ku, oder die Gruft voll glühender Kohlen; alle, 'die in felbige gera⸗ 
then, Ytehn bis an die Knie in Gluth und brennen, aber fo oft fie 
‚einen Fuß aufheben ift derfelbe augenbliflich geheile und neuer Qual 
fähig. — An einem andern Thor ift Burtan⸗baltſchigin⸗Abar 
-oder ‚der ımflärhige Moraft, eine mie dem fihändlichften Unrath an⸗ 
gefüllte Gruft; wer darüber will, fälle bis an den Hals hinein und 
wird da von giftigem Ungeziefer bis auf die Knochen und das Mark 
zernaget. — Der dritte Wilffommen ift Uſſuͤn⸗Chutugan⸗ſam oder 


- ber mie feharfen Meſſerſchneiden befezte Weg. Allen, die barauf ein⸗ 


hergehn, werden bey jedem Teitt Die Ferſen zerfthnieten und im anf« 
heben immer wieder geheile. Zu beiden Seiten ftehen Bäume ges 
Pflanze, welche ftate ber Blaͤtter lauter Säbel und Meffer haben, 
womit fie diejenige, welche unter ihrem Schatten raften mollen zer- 
hauen, fo daß fie halbtode dahin fallen und ihr>eignes Fleiſch nagen. 
Ein andrer Baum Ui⸗Schaimai iſt voll eiferner Pfriemen, auf 
“welchem eine Stimme den Vorbeygehenden zuruft, daß fie auf dem⸗ 
ſelben Ruhe finden koͤnnen; klettert aber ein unglüflicher Wandrer 
"hinauf, fo richten fich die Zweige und Pfriemen ihm überall entge⸗ 
'gen, fo daß er weber ganz hinauf noch zurüdann, und anfs elendeſte 
'zerriffen wird. Kraͤhen mit eifermen Schnäbeln fliegen auf dieſem 
Mege wie Müden, Tegen fi 'den armen wandernden Srelen auf 
‘die Köpfe und Schultern und baden ibmen die Augen aus, — Ein 


. vierter Vorplatz iſt OBlon⸗ugei⸗Murin das ift der Fluß, wo feme - 


Ruhe der Plagen ft. :Es ift voll fiedenden Waffers, worinn dieje⸗ 
nige, welche darein fallen, wie Erbfen im Keffel auf und nieder fah⸗ 
ren. An beiben Ufern figen Hoͤllenknechte mit Hafen, die niemand 
aus bem Strom faffen; unterweiten aber ziehen fie die Geplagren 
mit ihren Hafen -auf das gluͤhend heiſſe Ufer, fragen ob fie "zu 


trin⸗ 





und der Verdamniß. 57 


erinken verlangen, und brechen ihnen, auf die bejahende Antwort, Ucher die 
den Mund mit gluͤhenden Eiſen auf, um ihnen geſchmolznes Kupfer Hoͤllenſtra⸗ 
einzugieſſen. Die boßhafteſten und verftoften Sünder, welche gegen fen- 

die drey Sacramente (*) des Schigimunifchen Aberglaubens verſioſ— 

fen haben, ſtuͤrzen in diefe Vorböllen, wo Feine vorgefchriebne Zeig 

und Endfchaft der Plage feyn wird, pis fie ſich befepren. 


Folgende acht Höllen nun liegen je zu zweytauſend Meilen 
über und von einander entferne. . 


| Die Hölle Edegereku ift ganz mit Meffern .angefüllt, wo 
die Verdamten immer von dem einen auf das andre geworfen werden, bis 
fie ganz zerfezt und Balb todt auf den Boden fallen. Aber eine Stimme 
erwekt fie wieder mit ganzen Gliedern, zu Erneuerung der Marter, 
deren Dauer alfo beftimt wirb: das febensalter der Macharanſa⸗Taͤng⸗ 
gri (etwas über neun Millionen menfhliher Jahre) ift diefer Hölle 
ein Tag, und nach ſolchen Tagen gerechnet, foll die Marter fünfe 
hundert Jahre dauern. 


In der Hölle Chara; Bimfaru ifts ganz voll Sägen, wo 
die Verdamte unaufhoͤrlich zerfägt und wieder ergänze werben. Das 
Lebens, Alter der 33 Tänggei (+) ift hier nur ein Tag, und mit 
ſoſchen Tagen müflen Taufend Jahre verflieflen, ehe diefe Strafe aufs 
hören wird, $ 

n 


(*) Burban Erdeni (die drey Heyligehlimer) kann nicht fehiflicher, 
als fo überfeze werden. Die Lamen verſtehn darunter: Burchans 
Erdeni, die Heyligkeit der Goͤtzen; Nom⸗Erdeni, die Hepligkeit 
der Schrift oder Lehre, und Chubarag⸗Erdeni, bie Heyligkeit des 
—— Standes. Nach einer andern Erklaͤrung ſoll Gurban⸗ 

rdeni bezeichnen: NRomjin⸗Bein, dad Weſen der Lehre; Chubil⸗ 
gani⸗Bein, das Weſen der Wiedergeburt, und Tegus-Edlektſchi⸗ 
Bein die Vollendung. Auf tangutiſch heiſt dieſes heilige Drey Sand⸗ 
ſchi, Tſche, Gendyng; und fromme Lamaiten oder Geiſtliche pfle⸗ 
gen dieſe drey Worte vor ihrem Morgengebet auszuſprechen. 

cr) Sechzehnhundert Menſchenjahre find dieſem Geſchlecht ein Tag, und 
nach ſolchen Tagen werden ſie 16000 Jahre leben, ſo daß ihre 
Lebensperiode über 3700 Millionen Menſchenjahre anlaͤuft. 

Zweyter Theil. H — 


—8 





ze.“ I 


Ueber die 


58 GSegenden ber Unterwelt 
In der Hölle Churan⸗Ebdeku werden bie Verbamten vor 


llenſtra⸗ Hoͤilenknechten zwifchen eiferne Mühffteine, oder aneinander - paffende 


en. 


Felſen gebracht und zermalmt oder zerſchmettert, aber auch immer 
wieber hergefteilt, und dieſe Strafe wird zwey taufend Jahre bau« 
ern, wovon ein Tag fo lang it, als die ganze Lebenszeit derer Tän- 
gri Baildan⸗aͤze⸗Chajſazakſan. 


Die vierte Helle Arkiran⸗ uilachu hat ein eifernes Gehäufe, 
worinn die Verdamte mit Feuer gebrannt werden, bis viertaufend 
Jahre verftrichen find , deren Tage einer ganzen $ebens-periode der 
Taͤnggri Tuͤguͤs⸗Bijas⸗chulantu gleichen. 

Bon ähnlicher Beſchaffenheit iſt die fünfte Erkeren⸗Uilachu, 
äuffer daß darin dag eiferne Wirthhaus gedoppelt, nehmlich.eins im 
ander. ft und au‘) Doppelt eingeheize wird, wobey die Dauer der 
Magen iur acht esufend Jahre feftgefeze ift, deren jeder Tag, der 
Lebens⸗Zeit eines Chubilgakſani⸗Edlektſchi⸗Taͤnggri gleich ift. - 


- Für die Relionsfpörter und Feinde der Beiftlihen ift, wie billig, 
wohl geforgt; fie genören in die fechfte Hölle Chalunzmafch schalun 
(Heiß über heiß) wo die Sünder in groffen Keſſeln wie Fiſche ge= 
ſotten, darnach heraus genommen und an glühende Bratſpieſſe geftefe 
werden, Die zum Scheitel herausgehn, fo daß aus Mund, Naſe, 
Augen, Ohren und allen Defnungen die Flamme heraus fährt. Fer⸗ 
ner werden fie auf der glühenden Erde mit glühenden Hämmern ge= 
fehmiedet und dann wieder im Siedekeſſel abgelöfht. Diefe Plage 
dauert fechzehntaufend Jahre und jeder Tag wird der Lebenszeit eines 
Buſſudien⸗Chubilgakſani⸗Edlektſchi Tänggri gleich feyn. 


Eine ähnliche Hölle, und für einen höhern Grab der nehm. 


lichen Sünden, ift die fiebente‘ ober groffe Feuer» Hölle, nur mit dem 


Unterfchied, daß die Verdamten auf dreydornige Spieffe geſezt mwer- 
ben, movon zwey Dornen durch die Schultern und ‚einer durch den 
Kopf Heraus koͤmt und die Flamme aus allen Gliebern fähre. Dar- 
nad) merden fie in Eifenblech gewickelt und im Feuer gebraten bis 
bie bloffen Knochen übrig find, welche, fobald fie auf den glühenden 
eifernen Boden geworfen werben, fi) wieder mit Haut befleiden und 


“ aufleben. Und fo verfähre mann in biefer Höhe ein halbes Weltal- 


ter hindurch mic jedem Verurtheilten. * 








and der Verdamniß. z 59 
Die Hölle für alle Arten des: Todtſchlages iſt Zolo⸗ugei Ueber die 
(die Strafe ohne Nachlaß) wo die Verbrecher von allen Seiten mie Hoͤllenſtra⸗ 
groſſem Feuer beftändig gedoͤrrt merken, bis fie davon unter flären fen. 
Wehklagen fo duͤnn als Schmwefelhölschen geworben find. Da legt 
fie die Teufelsbrut denn in elferne Gefäffe voll Gluth und rührt fie 
eine Zeitlang mohl barinnen um, oder führt fie über glühende Eifens 
berge und gieſſet ihnen fiedend Pech oder geſchmolzne Metalle in den 
Hals, welche durch alle natürliche Wege mwieber fortgehn. Die Dauer 
diefer Plagen wird einem ganzen Weltalter gleich) geftelle. | 


Noch find acht Falte Höllen vorhanden, welche von ben izt 
befehriebnen feurigen zwey und breißigeaufenb, und eine von ber andern 
zwenfaufend Meilen eneferne find.- Die erfte liege von ber Hoͤllenſtade 
Edegerefu nur zehntaufend Meilen und wird Zeberüti genannt; Das 
felbft wehen beftändige falte Winde, und bie Haut der Geplagten 
erhebt fich in Blafen, aus welchen Waffer rief. — Noch kaͤlter 
ift: Seberun;Delberetu. — In der dritten Schuͤduͤ⸗Chaptſchi⸗ 
ginachu iſt nichts als Zaͤhnklappen. — In ben beiden Falten Hoͤllen 

Chochoi und Tetekei beben Die Verdamten am ganzen Leibe und 
| fregen laut vor Froſt. — In Udbala⸗metuͤ⸗Chajarchu fehn alle 
vor Kalte blau aus, und der Rand der Lippen zerberfter in fechs Theile 
wie die Blume Ubbala; die in BadmasmerhsChajarchu fehen ganz 
roth und ihr Mund zerberftet, mie die Badma⸗-Blume, in zehn und 
mehr Lappen; ja in der äufferften, Badma⸗metu⸗Ekede⸗Chajar⸗ 
chu Werben wohl hundert Sappen daraus und die Geplagren find noch 
viel röcher, * | 


„Die Dauer diefer Falten Höllen iſt alfo- beftime: Wenn mann, 
für die erſte, achzig Faͤßchen ober Köcher mic ſtrohhalmdicken Raͤucher⸗ 
kerzchen (Kuͤdſchi) ſezt, und alle hundert Jahre eins heraus nimr, 
fo mird, wenn alle Räucherferzen herausgenommen find, das Ende 
der Plage feyn. Für die folgende Hoͤllen muͤſſen je noch zwanzig 
Faͤßchen mie folchen Kerzchen hinzugefeze werben, um die Berechnung 
ihrer Dauer zu machen, welche ſich bey der äufferften etwan auf acht 

. Millionen menfchlicher Jahre belaufen mag, Mi ren 


An einem Traumgefiht eines gewiffen Chutukta Gumfas 
$ama werben noch folgende m. in ber Unterwelt, nr 
2 M⸗ 


Ueber die 


58 Gegenden der Unterwelt 
In der Hoͤlle Churan⸗Ebdeku werden die Verdamten von 


oͤllenſtra⸗ Hoͤilenknechten zwiſchen eiferne Muͤhlſteine, oder aneinander - paffende 


en. 


Felſen gebracht und zermalmt oder zerſchmettert, aber auch immer 
wieder hergeſteilt, und dieſe Strafe wird zwey tauſend Jahre dau⸗ 
ern, wovon ein Tag ſo lang iſt, als die ganze Lebenszeit derer Taͤn⸗ 
gri Baildan⸗aͤze⸗Chajazakſan. 


Die vierte Helle Arkiran⸗uilachu hat ein eiſernes Gehaͤuſe, 
soorinn die Verdamte mit Feuer gebrannt merden, bis viertaufend 
Jahre verftrichen find , deren Tage einer ganzen $ebens-periode ber 
Zänggei Tuͤguͤs⸗Bijas⸗chulantu gleichen, 

Bon ähnlicher Beſchaffenheit ift die fünfte Erkeren⸗Uilachu, 
äufler daß darin das eiferne Wirthhaus gedoppelt, nehmlich..eins im 
ander ff und au) Doppelt eingeheize wird, wobey die Dauer der 
Magen «ur acht tauſend Jahre feftgefezt ift, deren jeder Tag, ber 
rLebens⸗Zeit eines Chubilgakſani⸗Edlektſchi⸗Taͤnggri gleich ift. - 


Für die Relionsſpoͤtter und Feinde der Geiſtlichen iſt, wie billig, 


wohl geforge; fie gehoͤren in die ſechſte Hölle Chalunsmafchschelun 


(Heiß über heiß) wo die Sünder in groffen Keſſeln wie Fiſche ge= 
forten, darnach Heraus genommen und an glühende Bratſpieſſe geftefe 
werden, die zum Scheitel herausgehn, fo daß aus Mund, Nafe, 
Augen, Ohren und allen Defnungen die Flamme heraus fährt. Ser 
ner werden fie auf Der glühenden Erde mit glühenden Haͤmmern ge« 
ſchmiedet und dann wieder im Siedekeſſel abgeloͤſcht. Diefe Plage 
dauert fechzehntaufend Jahre und jeder Tag wird der Lebenszeit eines 
Buſſudien⸗Chubilgakſani⸗Edlektſchi Taͤnggri gleich ſeyn. 


Eine aͤhnliche Hoͤlle, und fuͤr einen boͤhern Grad der nehm⸗ 
lichen Suͤnden, iſt die fiebente' oder groſſe Feuer-Hoͤlle, nur mit dem 
Unterſchied, daß die Verdamten auf dreydornige Spieſſe geſezt wer« 
den, wovon zwey Dornen durch die Schultern und einer durch den 
Kopf heraus koͤmt und die Flamme aus allen Gliedern faͤhrt. Dar⸗ 
nad) werden fie in Eifenblech gewickelt und im Feuer gebraten bis 
bie bloffen Knochen übrig find, welche, fobald fie auf den gluͤhenden 
eifernen Boden geworfen werden, fid) wieder mit Haut befleiden und 
aufleben. Und fo verfähre mann: in Diefer Hölle ein halbes Weltal- 
ter hindurch mie jedem Verurtheilten. * 











und der Verdamniß. | 59 
Die Hölle für alle Arten des Todtſchlages iſt Zolo⸗ugei Ueber die 
. (die Strafe ohne Nachlaß) mo die Verbrecher von allen Seiten mie Hoͤllenſtra⸗ 

groſſem Feuer beftändig gedoͤrrt merken, bis fie bavon unter fläten fen. 
MWehllagen fo dünn als Schmwefelhölschen geworben find. Da legt 
fie die Teufelsbrur denn in eiferne Gefäfle voll Gluth und rührt fie 
eine Zeitlang wohl barinnen um, ober führe fie über glühende Eifens 
berge und gieffee ihnen fiedend Pech ober geſchmolzne Metalle in ben 

Hals, welche durch alle natürliche Wege wieder fortgehn. Die Dauer 

diefer Plagen wird einem ganzen Weltalter gleich geftelle. 


Noch find acht Falte Höllen vorkanden, welche. von ben. izt 
befchriebnen feurigen zwey und dreißigraufenb, und eine von ber andern 
zweytauſend Meilen entferne find.. Die erfte liege von ber Hoͤllenſtadt 
Edegerefu nur zehntaufend Meilen und wird Zeberütu genannt; Da⸗ 
felbft wehen beftänbige falte Winde, und die Haut der Geplagten 
erhebe fich in DBlafen, aus welchen Waſſer rief. — Noch Fälter 
it Zeberuͤn⸗Delbereku. — In der dritten Schuͤduͤ⸗Chaptſchi⸗ 
ginachu ift nichts als Zähnflappen. — In ben beiben falten Höllen 

‚ Chochoi und Tetekei beben bie Verdamten am ganzen $eibe und 
föhreyen laut vor Froſt. — In Udbalae⸗metuͤ⸗Chajarchu fehn alle 
vor Kälte blau aus, und der Rand der Sippen zerberfter in fechs Theile 
wie die Blume Udbala; die in Badma⸗metuͤ⸗Chajarchu fehen ganz 
roch und ihr Mund zerberftet, mie die Badma⸗Blume, in zehn und 
mehr Sappen; ja in der äufferften, Badma⸗metu⸗Ekede⸗Chajar⸗ 

#* chu — wohl hundert Lappen daraus und die Geplagten ſind noch 
viel roͤther. J | ’ 


‚. Die Dauer diefer Falten Hoͤllen ift alfo beftime: Wenn mann, 
für die erfte, achzig Faͤßchen oder Köcher mit ſtrohhalmdicken Räuchers 
kerzchen (Kuͤdſchi) fege, und alle Hundert Jahre eins heraus nimr, 
fo wird, wenn alle Käucherferzen herausgenommen find, bas Ende 
der Plage feyn. Für die folgende Höllen müffen je noch zwanzig 
Faͤßchen mit folchen Kerzchen hinzugefeze werben, um bie Berechnung 
ihrer Dauer zu machen, welche ſich bey der aͤuſſerſten etwan auf acht 
Millionen menfchlicher jahre belaufen mag, | er 


Sn einem Traumgefiht eines gemwiffen Chutufca Gumfa« 


fama werben nod) folgende Straförter in der Unterwelt, und ‚haupt 
9: fü. 


eo Gegenden der Unterwelt und der Verdamniß. 


neder die fächlich fe der Gegend, wehin bie Birid verbannee find, erzäßfe: 
Hoͤllenſtra· Ein Blutmeer, werinn diejenige bis an den Hals ſchwimmen, welche 


feu. 


im Leben Zwietracht und Blutvergieffen unter Freunden und Ver⸗ 
wandten geftiftee haben; — Ein trofnes Feld mit weiffer fefter Erbe, 
wo foldye, die im vorigen Leben der Geiſtlichkeie Speife, Trank und 
Kleider verfage haben, mit den Händen nad; Nahrung und Wafler 
graben, bis fie die Aerme zu den Schultern hinauf abnugen, da 
fie ihnen denn zu neuer Qual wieder wachſen. — Eine Gegend wo 
die Veraͤchter der Geiftlichen Lehren ohne Fuͤſſe herum feicchen. — Ein 
Dre, wo Reiche, die aus ihrem Ueberfluß Almofer auszutheilen ver- 
fiumt Haben, im Ungeheuer, deren Kopf und Leib meilengroß, ber 
Hals aber fo dünn als ein Drath iſt, verwandelt buͤſſen, und ewigen 
Hunger leiden. — In einer ber heiffen Hoͤllen füllen die Teufel den 
geweſenen Religiönsfpöttern - on Unterlaß brennenden Ruß in die 
Hören füllen, Damit fie, ſo gern fie auch wolten, ſich nicht mitein 
ander umterreben. Finnen. Diejmigen, weihe Stolz und Pracht in 
Kleidern geliebt haben, müflen ſich dort von denen teufliihen Heffern 
Ben Rücken mit glühenden Eifen ſtriegeln laſſen, und was dergleichen 
Thorheit mehr ift. ee 


Allerſey wilde Thiere und Hausvieh, Schlangen und Ungezie- 
fer, von ber Saus bis Zu den ungeheuren Waſſerdrachen (Luſſud), 
werben. and), nad) ihrem Verfchulden in: einen» vorigem Leben, an bes 
fondern Orten geftraft werden. Fuͤr diejenige, welche ein: langes Leben 
haben, wird die Zeit. der Zuͤchtigung hoͤchſtens eine kleine Weltperiode 


Galap) ſeyn; und für bie nur kurze Zeit beſtehende, iſt Die Stra⸗ 


fe mehr ober weniger abgekuͤrzt. Die Zuͤchtigung der Hausthiere 

wird darinn beſtehen, daß ſir beſtaͤndig unten Saften: gehn, ſtets ge⸗ 

foren oder geſchlagen werden, ohn Unterlaß wenden: und ſaufen ohne 

ich je zu ſaͤttigen, u. ſ. wo Wilde Thiere werden ſich ner einander 

Er und zerreiffen, und alje eins das andre für vorige Mifferharem 
tigen. 


Um alles dieſes mehr ins Liche zur ſetzen, wollen wir uns‘ auch 
von den Schikſalen abgeſchiedner Menſchenſeelen und: ihren: Wande 
mngen, unterrichten laſſen. | 





GH II, 
VIE. 


Begebenheiten abgeſchiedner Seelen. 6i 
We EZ Yon ala 2 SEE νν 
VIII.— J 


B ebenheiten eſchiedner Seelen, ihre Wanderun⸗ 
= zum Ar: — — Strafe, durch Die Wie 
ergeburf. Ä 





5: das Menſchengeſchlecht aus gefallenen Geiftern der Öberwelt Yon ber 
entſtand, ift ſchon erzähle worden. Dieſes Leben iſt ihnen ei⸗ Seele, 
ne Prüfungs ‚Zeit, wo fie ſich entweder durch gute Handlungen eines 
giäßlichern Zuftandes wereh machen und nad) ihrem Scheiden in höhern- 
Reihen und Welten wieder: geboren werden; aber verfchlimmern und 

ge noch nieörigern Staffeln ber Weſen hevabfinfen, | 


Die Lamaiſche Philoſophie nimt im Mienfihen und ander 
Geſchoͤpfen eine gedoppelte Seele ans die eine, im. ganzen Körper 
vertheilte oder das. Leben (Amin), Höre mit der Organiſation auf; 
bie andre weſentliche und denfende ( Sünnefun) ift unſterblich, und 
niche nur im Körper ſelbſt unſtaͤt, bald in. dieſem, bald in jenem &, 
Theil und Glied des Coͤrpers gegenwärsig, fondern. auch zu: Wandes 
rungen: aus einem: Wefen ins andere beftimt, Im Abfichr des Hin- 
und Herfahrens ber Seele im Körper, wovon die fonderbaren Kegeln 
in dem, als Beylage im Anhang, bengefügten: Jerrien⸗Jaſſal oder 
Vorkehrungsbuch, ausfuͤhrlich nachgeſehn werben koͤnnen, will ich 
hier nur merken, daß wenn das Glied, in welchem ſich die Seele 
Befinder, am ſelbigem Tage verwundet oder abgehauen wird, der 
Menſch nothwendig das Leben verlieren fol, wenn: der Fall auch nur 
den groffen Zehen berräffe (*), | | 
Oben ſchon erwaͤhnter maffen hat jeder Mienfch feinen: guten — 
und boͤſen Schuzgeiſt; davon ſoll der eine deſſen gute, der andre DIE ſthledne 
= 53 | boͤſe Seelen. 





er) Ga dem Bude Erlüin ⸗Chani⸗Sarlik fol ſehr umſtaͤndlich vom 
der Seele und ihren Wanderungen ‚gehandelt ſeyn; ich Imbe: mir 
aber ſelbiges um Weherfegen: 5 verſchaffem koͤnnem u 


Bo 2 





\ 


6%. . VVecgebenheiten nnd Wanderungen 


Bericht boͤſe Sandfungen anzeichnen. Wenn ein Menſch genug gelebt hat, fo 
uber abge. hohlen diefe herumfchmwärmende Geifter von Erlifhan den Befehl des 
ſhiedne Todes ab und bringen die von ihrem Cörper gelöfte Seele vor deſſen 
Seele.  Kicpterftuhl, Nur einige ſeitne Seelen fahren, durch aufferordentliche 
Heyligkeie und die Kraft ihrer Gebete, nach der Gemeinfhaft, welche 
fie ſchon im vorigen $eben mit den Burchanen gehabt haben, unmike: 
telbar nach) ihrer Auflöfung zu den Goͤtterſitzen und ‚gläffeeligen Him⸗ 
melsreihen. Gemeine Seelen müffen entweder in den erften fieben 
Tagen, oder aufs. längfte in fieben Wochen vor dem Richterftuhl des 
Nomien» Chan erfcheinen,. um fi) da durch Anführung ihrer guten 
Werfe zu rechtfertigen. Die. beiden Schusgeifter fhürten alsdenn 
jeder den gefamleten Vorrath von meiflen und ſchwarzen Steinchen, 
womit fie fi) die guten und böfen Thafen gemerfe, vor dem Rid)= 
ter aus. Hat jemand einen fo frommen Wandel geführt, daß die 
Summe ber Verdienſte, ‚die Sünden [weit überwiegt, fo wird die 
Seele mit Ehrenbezeigungen nad) den obern Gegenden, entweder zu 
diefem oder jenen Burchan, oder in ein andres gutes Neih zur Wie» 
bergeburt abgefertige; wobey im erftern Fall ſchwebende Wolfen mie 
golduen Seffeln die Stelle der himliſchen Poft vertreten. Hält das 
Gute dem Boͤſen einigermaffen- die Wage, fo finder fid) oft einer der 
guten Burchanen, die ben Zunamen Bodi⸗Sſado (Erlöfer) führen, 
eo mit ein, der’ als Advocat für die Seele redet. - Um die Sache zwi⸗ 
5 fhen biefem und dem böfen Schusgeift auszumachen, laͤſt Erlikchan, 
um nicht überliftee zu werben, das groffe Buch Bealtan⸗TCooli, 

in welchem bie guten und böfen Thaten aller Sterblichen verzeichnet 

ftehn, auffchlagen, ziehe feinen Zanberfpiegel, morinn ſich eine jede 

Seele in ihrer wahren Geftale ihm zeigt zu Rathe, läft auch felbige 

wohl, auf einer dazu beftimeen Wage aufwiegen und fpricht nach reif— 

licher Ermägung fein Endurtheil. In Folge deffen werden die See— 

len, nad) ihren Verdienſt, entweder zur Wiedergeburt in guten Reiche 
abgelaſſen, oder in böfen Reichen zu einer ober mehreren Wanderun⸗ 

gen, oder endlich gar zur Höllenftrafe verdamt, und alfo den hoͤl⸗ 

liſchen Gerichesbienern oder Jergatſchinern zur Abführung übergeben. 

Weil aber auch die Höllenftrafen nicht ewig find, fo werden tiefe 

Seelen, nachdem fie die vorgefchriebne Zeit gebüffer haben „nach- 

mals im Reich der Thiere oder als Menſchen wiedergeboren werden, 

und koͤnnen fi fe, durch Buſſe, wieder zu einen beflern Zuſtand 

erheben, Die Höflenpein und. andre Strafen koͤnnen auch, ni die 

| Ä Ir Lamen 








” ” % . 








u m abgefchtebner Seelen, 63 


Lamen zu ihrem Vortheil weißlich lehren, durch die guten Werke Gericht 
ihrer Angehoͤrigen, deren Wohlthaten an die Geiſtlichkeit und durch die uͤber abge⸗ 

Krafft gewiſſer Gebete dieſer leztern erleichtert und abgekuͤrzt werten, ſchiedne 
Ja in ber Lamaiſchen Mythologie find ſogar Erzaͤlungen von Burcha- Seelen. J 
nen, welche zur Hoͤlle gefahren find, um einem Theil der verdamten | 
auf gewiſſe Bedingungen , durch die Macht ihrer Hepligkeit und Ges | 
bee, die Zeit der Strafe abzufürzen und fie in ein gutes Neich überzu« 


führen. J | , 


Die Reiche oder Gegenden (Orron), mohin die Seelen Claſſen ber 
vom Gericht des Erlikchan abgelaffen werden, ſind demnach entweder Seelen. ⸗ 
die Paradieſe und gluͤkliche Wohnſitze verſchiedener Burchanen Wande— 

(Ammogoolongtu Orron) ober die ſogenannte ſechs Suͤel⸗ami⸗ rung. 
tan oder die beſeelte Schoͤpfung. 


Daor hoͤchſte Grab der Gluͤkſeeligkeit für abgeſchiedne fromme Von dem 
Seelen iſt, wenn ſelbige in die Himmel eder Wohnungen der guten Paradieſen | 
Burchanen verfeze werden. Dafelbft follen fie als reine Geifter, auf 
rofenfarbnen Seeblumen (Badma) mwiebergeboren werben und einer 
ewigen Ruhe genieffen ; einige aufferordentliche Seefen ausgenommen, 
welche ſowohl aus dieſen, als auch fonderlih aus ben Reichen der 
Taͤnggri, nach einiger Zeit, zum Heyl der Menfchen, als grofle Samen 
oder Fuͤrſten, oder als fehr heyfige Männer: zum zweyten oder öffteren 
mahl menfhliche Körper annehmen, und als die eigentlichen. Chubpl⸗ 
gans auf Erden erfcheinen. | 


Das. vornehmfte der irbifchen Paraviefe ift der Ort Suka⸗ 
wadi, den die famen gegen Welten fegen, und mo bie Seeligen ewig 
den wundervollen Glanz des Dafelbft thronenden Abid oder Amidaby 
Burchans, welcher dem Abendroth verglichen wird, ſchauen follen; denn 
auch bey den groffen Weltzerftörungen mwird diefes Paradies, wie vie⸗ » 
le andere Götterfiße, unverzehre bleiben. Diefer Goͤtze, deſſen gewoͤhn⸗ £ 
fihes Bildnig, mit geringen Abänderungen, dem auf der vierten \ 

“Platte Sig. 2, vorgeftellten ähnlich und von hochrother Farbe gefihil- 
dert zu’ werden pflege, gehört under bie fünf unten vorfommende gä- 
tigſten Gortheiten der $amaifen (Tabun⸗RIſurtu⸗Burchan). Die ; 
vier übrigen (Akſchiba, Berofana, Radna⸗Sambawa, und Am; 
mugi⸗Siddidi) wohnen gegen die übrigen  Weltgegenden im Him⸗ 

mel, 





Von den 
Paradieſen. 


Das Para⸗ 


dies Suka⸗ 
wadi. 


64 Begebenheiten und Wanderungen 


mel, nemlich zwey im Oſten und bie beiden andern in Suͤden und 
Morden, und famlen eben fo einen Hof von befeeligten Geiſtern um 


ſich Her. 


Die Wohnfige einiger diefer Burchanen⸗ ober Goͤtterſtaͤdte, 
( Chotton) werben in Gemälden vierefige, mit vier or.ı Geiftern in 
Menfchengeftalt bewachten Thoren und mit mancherley Zierachen und 
Wolfen umgeben, vorgeftell. Kine aͤuſſere Einfaffung und die in- 
nere Vertheilung der Geiftermohnungen ift zirfelmäßig, im Mittels 
puufs fißs der Hauptgoͤge des Orts, und die Seeligen find um ihn 
ber, sie Fleinere wohlgebildete Gögen, figend, mis den Armen in 
allerley tanzenden ‚Stellungen, abgemahlt. “Dergleihen Vorſtellung 
befige ih von dem Parabiefe des Bögen Beroſana. 


Eine geiftlihe Schrift, über die Beichaffenbeir des Sukawa⸗ 
diſchen Paradiefes, beſchreibt daſſelbe in fehr dichteriſchen Ausdrücken fol 
gendermaflen: „Es ift der Inbegrif aller edelften Koftbarfeiten und 


„das ganze Gebaͤu der Görterftade iſt mit ber gröften Kunft aus 


„Gold und Ebelgefteinen zufammen geſezt. Die Atmofphäre ift mit 
„dem lieblichſten Wohlgeruch erfüllte und ertönt von monnevellen 
„Harmonien. Das fhreiten der Füfle gleicht einem zärtlihen Wohl 
„klang. Rund umber find prächtige filberne Bäume mit güldnen 
„Aeſten gepflanzt, die mit Edelgefteinen .und den herrlichſten Fruͤch⸗ 
„ten geziert find. Auf den Abfägen befinden ſich achterley andre je 
„aus zweyerley Edelgefteinen beftehende Bäume, auf deren Blättern 
„und Denen zwiſchen den Bäumen machfenden Badmablumen, unzaͤ⸗ 
„lige Sitze der Burchanen zubereitet find. Ein golbnes, von jedem 
„süfftgen mit himliſchen Harmonien erthönendes Gewölbe ſchwebt 
„über jeden Baum , und am Fuß derſelben ergieflen fih, mit dem 
„lieblichſten Geräufh, Fräfftige Quellen des heiligen und mwunderehä- 
„tigen Lebens. Waflers ( Arafchan ). Unter den Bewohnern diefes 
„Paradieſes ift Fein Unterſchied bes Rangs oder Geſchlechts; alle find 
„einander gleih, und herrlich von Anfehn, und niemand wird von 
„da jemahls wieder in ein Ungluͤksreich zurüfgeboren werden. Dort 
„werden die Seeligen wie in einem Sreubenmeer unaufhoͤrlich ſchwim⸗ 
„men, unb zu allen Wünfchen gelangen. In der Mitte diefes Pa- 
„rabiefes liegt ein Luſtwald ber edelſten Bäume und in deſſen Mitte 
„ruhet der himliſch fhöne und mie das Abendroch glänzende — 

m da Ds 





x ⸗ 


abgeſchiedner Seelen, 65 


„daby »Burchan auf einem koͤſtlichen Thron, ben ein Pfau und ein Das Para⸗ 
„Loͤwe traͤgt. Der unfterblihe Glanz feiner Glorie ſtrahlt gegen alle dies Suka⸗ 
„zehn Weltgegenden: feine rechte Hand der Gnade iſt weiß, und Mad. 
„und ruhe auf feinem Schoß, in ber linfen haͤlt er bie ſch varze 

u Schale (Baddir) mit heiligem Wafler (Araſchan). Rings um ihn 

„ber fißen die Boddi⸗ſaddoh feine Auserwaͤhlten und beten für 

„das Wohl und die Bekehrung aller Erearur. ,, Ä | 

Die ShelsAmiten, als die eigentlihen Staffeln ber Wie Verfihiebe, 

bergeburt in den verfchiednen Weſen des Weltgebäubes, werden inne Grade 
hs Claſſen getheilt. Die erfte ift das Reich der wohlthaͤtigen Gei⸗ = Bieder, 
ee (Tönggrien;ddrron), unter welchen fonderlidy bie Wiedergebnrt —— 

in den Geſchlechtern der guͤtigen Drey und dreißiger auf der Schei⸗ ar. 6 

teifläcye des Sümmer:Dola,, für fehr geüflich gilt. Daſelbſt follen auch die 

ſchuldl oſen Seelen zarter Kinder mwiedergeboren werben. Das Taͤnggrien⸗ 

Reich har überhaupr, in Ahfiche der Wiedergeburt, drey Claſſen: nem⸗ 

ih Ruͤßuͤltu, wo die Tänggri einen nähern Umgang mit einander 

haben, fi) umarmen, bergen und füflen; Duͤrſſutu, mo fie fid 

nur mit allerhand reizenden Blicken und Mienen erwecken; und ende 

fih Duͤrſſu⸗ Ugei, mo fein Umgang beiderley Geſchlechts gepflegt 

wird. So mie die als Tänggri wiedergeborne Seelen einen hoben 

Grad der Glüffeeligfeie genieffen, find felbige auch einer groffen Ver⸗ 

vollkomnung und Werdienftlichfeie fähig. Aus ihrer Zahl und aus 

einigen ©ötterreichen werden unter dem menfihlidyen Geſchlecht bie 

benligften und vollfommenften Chubilgans wiedergeboren, welche ſich 

ganz dem Dienft des Himmels und der Befehrung der Ereatur aufs 

opfern, ihres vorigen Standes bemuft find, ihn durch Wunderthaten 

und Weißheit beweifen, und wenn fie aus dem zum beften der Cre⸗ 

atur angenommenen Eörper, nad) einer oder mehren Wiedergeburten, 

fcheiden, gemeiniglid unter den Burchanen oder —* einen Platz 

bekommen. Von dieſer Art ſind die heiligſten Lamen der tybetaniſchen 

Cleriſey. Der Dalay .fama und Bogdo Lama allein und ihre Vor⸗ 

Hänger werben als Chubilgans von einer noch hoͤhern Art betrachtet, 

in welchen ſich ein wuͤrklicher Burchan im Fleiſche zeigen foll. 

Das zwerte Reich ber Wiedergeburt ift Affurien orron, wo 2. Als Affur 
die Eeelen als Affuren, die obgedachter maflen etwas von ben Voll. oder Affer. 
fommenbeiten und ber Gſuͤkſeel:gkeit der Tänggri verloren haben, und 
in Nomtä und Nom⸗ugaͤ eingetheile werden, wieder in ben Zir« 
fel der Ereatur- eintreten. j 

Öweyter Theil. % Das 





6 | Begebenheiten und Wanderungen 


Verſchiede⸗ Das dritte, Ruͤmmuͤni⸗Orron ober Menſchenreich, iſt nach 
ne Grade den vier Welttheiien viererley, Seelen können nad) ihren Verdienſten 
ber Wieder und Eigenfchafften aus dem einen in den andern Welttheil wiederge- 
— 3. boren werden. Seelen ber Taͤnggri und Aſſuren werden auch, we⸗ 
als Menſch. gen ihrer Vergehungen, zur Wiedergeburt in menſchlichen Coͤrpern zu-= 
weilen verurtheilt; babingegen Fönnen ſich gefaflene Seele ans dem 
Thierreich wieder zur Würde der Menſchheit, durdy Bufle und 
Beſſerung, erheben. ‚Daher ift bey den mongolifhen Voͤlkerſchäften 
‚zur "Gewohnheit gediehen, bey der Geburt eines Kindes zu fragen: 
aus was vor einem Creaturreich wird Diefes Kind eine Seele. befom- | 
men. — Menſchenſeelen Fönnen auch, durch eine neutrale Werdienft- | 

dichfeit, zum zweyten mahl und öfter in Menfchenförper wieder auf 

die Welt kommen und aus einem Geflecht ins andre wandern; und 

diefes träge fi) oft zu. Ja fie find, bey Diefer Art von Wiederge- 

burt, auch der Belohnung und Strafe fähig. So koͤnnen reiche, 

geſunde, geüflihe Sterbliche zum zweyten mahl arm und elend, 

ſiech und ungluüͤklich ober ale Sflaven geboren werben, um füt Die 

Sünden bes vorigen Lebens zu büffen, Hingegen fönnen Arme, die 

"gorefelig gelebt ‚haben , in einem folgenden $eben. als Reiche, Gluͤkliche 

und Vornehme erfiheinen, Ein Kalmuͤk, der in Armuth lebt, trö- 

ſtet fi) nicht wenig damit, daß er in einem vorigen eben einftmahls 

reich und vornehm gelebt, aber vieleicht an Wohlthaten an die. Geift- 

fichfeie, und ar Allmofen «für die Armen _es babe fehlen laſſen, da- 

für, glaubt er, fey ihm das gegenwärtige Kummerleben als eine Zuͤchti— 

gung zuerkannt; er werde aber, wenn .er hier nach Vermoͤgen mohl- 

thaͤtig iſt und Die Geiftlichfeit ehre, in einer Fünftigen Menſchwerdung 

einmahf wieder reich und glüflich feyn. Und dieſen Begrif prägen 

die Geiftlihen und ihre Legenden fleißig ein, weil er für fie gar 

vortheilhaft if. — Von Fürften und Beherrfchern, hohen richterlichen 

ober weifen Perfonen, lehre dieſer Aberglauben eben fo gefchift, daß 

in ihnen durchgaͤngig ausermählte und fo hoher Belohnung würdige See- 

fer mwiedergeboren werden, die mann mit dem Chrentifel Bokdas 

belegt; woraus auch der, unter den mongofifchen Voͤlkerſchaften für 

den Chineſiſchen Beherrſcher übliche Name Bofdo-Chan zu erflären 

iſt. Fuͤrſtliche Perſonen innen: afer auch wahre, Chubilgane ober aus 

beffern Reichen wiedergeborne ſeyn. Als eime. vorgüglihe Glüfitclig- 

feit wird die Wiedergeburt in dem Reiche Schambals betrachtet. 

Die Samen wollen darunter ein jenfeie bes Meeres gelegnes, —— 








_ ". abgefchiedener Seelen. 5 


Sand ( vielleiche Selan) verſtanden wiſſen, deſſen Beherrſcher fie Verſchiede⸗ 
Schambala⸗Chan nennen. Nach Untergang des alten begluͤkten Enaͤt⸗ ne Grabe 
kekſchen Reiches, von welchem fo viel geiftliche Schrifften rühmen und der Wieden 
die Zeie feiner Zerruͤttung fünfftehalb taufend FJahre hinauffegen , HdUrt: 
ſollen die gröften Kuͤnſte und Wiflenichafften, weiche dafelbft in hoͤchſter 
Vollkommenheit unter denen mweifen Braminen (Belgetſche⸗Bari⸗ 

man) blüheten, nad) Schambala übergegangen ſeyn. Kalmüdifche 

Samen Zwelche: die Vorzuͤge der europäifchen Kenntniſſe etwas fennen 

gelernt haben, fangen izt an zu argwöhnen ‚daß wohl gar Europa, 

wa alle Künfte und Wiffenfehafften izt fo vorzuͤglich getrieben werden, 

diefes Schambala jenfeit des Meeres ſeyn koͤnnte. 


J 


Das vierte Reich der Wiebergeburt iſt das Thierreich (Adoo⸗ 4. Ad 

er Orron) uud begreift unter ſich alle auffer dem Menfchen auf Thier. 

eden, in Flüffen und im Meer lebende Gefchöpfe, bis. auf das ver- 
ächrlichfte Ungeziefer, auch Läufe ıffche ausgenommen. In diefem Reich 
koͤnnen theils Seelen aus befferen Reichen zur Zuͤchtigung geboren 
werden und entweber immer £iefer finfen oder fid) wieder zu beffern 
Claſſen erheben ,. oder auch aus denen Meichen. der: Finſterniß und 
der Verdamniß abgelaffene Seelen wieder eintreten. „ In diefem Rei⸗ 
he ift.denn für den Richter der abgeſchiednen Seelen wieder. ein weis 
tes Feld zur. Belohnung, Werbefferung oder Züchtigung offen. Für 
eine der, beften, Wiedergeburten wird die zum Büffel und dann auch) 
die zum Hunde (am liebften ſchwarze) geachtet. Dahingegen find die 
räuberifchen übelthätigen Thiere und alles Ungeziefer, Froͤſche und bergl. 
für gottloſe Seelen, und. bie allerfhlimfte Staffel in dieſem eich 
fol das Gefchlede der Schlangen ſeyn. Die $amaiten fabuliren 
aber von der Schlange, daß fie vormahls eines ber herrfichften uud 
greflichften himliſchen Gefchöpfe gewefen, aber von Uebermuth, Eigen» 
liebe, Stolz, Zalfchheit und Tuͤcke fo fehr verderbt worden fen, Daß 
fie zur Verbannung auf die Erde in ihren gegenmärtigen Zuſtand 
verurtheile. worden. Daher wird biefe Are Gefchöpfe unter den mons - 
golifhen Voͤlkerſchaften durchganaig gefcheuet, und man glaubt daß 
nichts, als mit gleichen Laſtern beflefte Seelen, Echlangen zu beleben 
verdame. werden, fürchtee .fih auch fehr eins von dieſen Thieren zu 
tödten., in der abergläubifhen Meynung , daß deren Gefchleht, es 
ſey wenn es wolle, einmahl Gegenrache an dem. Thaͤter ausuͤbe. 


J2 Ganz 








eg Begebenheiten und Wanderungen 


Verſchiedne Ganz. anders als die Mahometaniſche Nomaden, welche die Töb- 
Grade ver tung aller Nachkommenſchaft der Schlange, die Eva verfuͤhrte, 
en für ein verdienflliches Werk halten. 


In das Creaturenreich gehören, nach einiger Meynung, auch 
die Bäume, welche nicht nur als lebende, fondern als wuͤrklich be= 
feelte Coͤrper betrachtet werden. Daher hält mann auch Bäume 
umzuhauen, nach dem Samaifchen Aberglauben, für eine Sünde and 
lehrt gemifle Tarni oder Beſchwoͤrungsformein die bey Faͤllung derfelben 
zur DBerminderung ober Aufhebung der Sünde dienen follen. Doch 
habe ich von andern einen wahrfcheinlicheren Grunde diefer Schonung 
erfahren; Weil nehmlih Holz eins der Elemente nach Lamaiſcher 
Lehre, und die Elemente zu zerftdren überhaupt fündlich iſt. 


5. Als Bi⸗ Das fünfte Reich der Wiedergeburt iſt Biridien⸗Orron, 

rid von welchem ſchon oben gehandelt worden ift und welches drey Ab⸗ 
theilungen hat: die eine aͤuſſerliche und erträgliche, bie andre inwen⸗ 
dige , und die britte mo Speife und Trank genoffen wird. 


6. In der Das fechite und verworfenfte Reich der Wiedergeburt endlich 
Höhe. iſt mu oder Tammien⸗orron, das Reich der Qualen und 
Verdamniß, von welchem im vorigen Abſchnitt weitlaͤufftig Meldung 
eſchehen iſt. Nach einer jeden groſſen Welt-Zerftoͤrung und der darauf 
—333 wuͤſten Periode werden alle Seelen aus der Hölle erloͤſet 

und nach verfchiebnen Graben im Ereaturenreich wiedergeboren werden. 


Lieber bie Ben allen Arten ber Seelenwanderung in Erearuren ift zu 
Seelenwan⸗ merken , daß felbige natürlicher Weife nur auf belebte Coͤrper ober 
derung. Organifſationen der Materie, welhe eben erft geboren werden, flart 
finden, die zwar ein feben, aber noch feine Geele haben. Dieſe 
nimt nehmlich nicht im Mutterleibe, fondern gleich nach der Gebure 
von demjenigen $eibe, der ihre von Erliks Boten, warn fie nach fieben 
Tagen aus der Unterwelt entlaffen werben , nad) dem ihr zuerkam⸗ 
ten Range, angewiefen ift, Beſiz. Selbſt die fogenannten Chubil⸗ 
gataͤ, d. i. digjenigen, welche aus himliſchen Reichen, als heilige Menſchen 
auf die Erde zurüf fommen, nehmen bey der Geburt von ihrem 
neuen Körper Beſitz. Die alleinige Ausnahme dieſer Regel machen 
der Toberifche Dalai⸗ Lama, und der Chutukta der Rongolen, A. 





abgeſchiedner Seelen, 69 
als unfichtbate Goͤtter, unter fenerlichen Ceremonien, in dem Coͤrper eines lieber bie 
fhon lebenden und befeelten Nachfolgers Beſitz nehmen follen. Ehen Seelenmarts 
Diefes behaupten die Anhänger des Bogdo⸗Lama auch von biefem ; derung. 
allein bey den Kalmuͤcken will diefes in Zweifel gezogen werben. Im 
Dalai. Lama aber fol fi), nachkdem Glauben aller Samaiten, ber Chu⸗ 
Bilgan eines gewiſſen Lugi⸗Dchiri⸗Burchan, , den mann auf mongoliſch 
Jertontſchon⸗Eriketu Burchan nenne, auf Erden erneuern; unb 
im Chutukta lebe der Chubilgan des erſten Apoftels der Mongolen, 
Maſchi Raͤtaͤrkaͤ garrakſan Arantſchiba. Und fo viel koͤnnte von 
Dee Seelenwandrung nach Lamaiſcher Lehre genug ſeyn. Ich muß aber 
anch einigermaſſen ihre Begriffe von Verdienſten und Suͤnden, Tugend 
und Laſter, kennen lehren. 





70 Geiſtliche Sletenlehre der. Vamen. 
— 
ix ü F er A — | 


Geiſtliche Sittenlehre der Lamen. 

Lamaiithe us dem bisherigen erhellet, daB die Lamalſche Fabellehre, An un« 

Sitten: geheuren Erbichrungen dem’ verberbtey neuern Abergfauben der» 

lehre. ndianiſchen Secten nichts nachgiebt und ſich Dagegen von allen Irr⸗ 
lehren der Chriſtlichen Kirche fo weit, als moͤglich, entfernet. Bey 
dem allen iſt die Moral dieſer aſiatiſchen Heyden ohne Tadel und 
ſo menſchenfreundlich, daß wenn ſie ſelbige durchgaͤngig und fleißig 
beobachteten, feine Nation auf dem Erdboden fie in Tugenden über- 
treffen würde. Sie iſt auch, wie ich fehon erinnert babe, unter den 
vorhin fo wilden und barbarifhen Mongolen und Kalmuͤcken niche 
ohne alle Frucht gemwefen, und in biefer Betrachtung fann mann den 
Samen jenen auf Milderung der Sitten zwar abzmwedenden, aber 
fonft gar zu fehr ihren eignen ehrgeizigen und habſuͤchtigen Meigun« 
gen angemeffenen, groben Aberglanben, womit fie das Wolf verbien- 
den, allenfalls verzenhen: wenn fie nur niche offt das unter ber 
Saft ihrer Fabeln ung Sagungen gefeffelte Volt zum Werkzeug 
ihrer eignen lafterhaften Begierden und Anſchlaͤge machten. 


Die ich Als ein DBenfpiel“ber Amaiſchen Moral mag folgende Be⸗ 
au une ſtimmung der in ihrer Lehre angenommenen zehn Hauptſuͤnden, und 


dann der fechs Haupt verdienfte eines würdigen und hepligen Same 
dienen. 


Die zehn Kaupefünden oder ſchwarze Thaten (Arban⸗Charra⸗ 
Nuͤhl) wie fie im mengoliſchen heiſſen, find nachftehende: 


Ammin ⸗Taſſolcho (Todefehlag) welcher nicht nur bey feines 
gleichen, fondern, nach dem im vorigen Artiful feſtgeſezten Syſtem 
der Seelenwanderung, aud) bis auf das geringfte Ungeziefer, weiches 
hie Menfchen plagt , oder was noch verächrlicher ſcheint, fündlic) Aus 

ö er u 











Geiſtliche Sittenlehee.-der Lamen, ⁊c 


Bulaabſchi⸗abcho ober ſich unrechtmaͤßigen Guts —E Die zehn 


Buraldijas, Hurerey die wieder Willen vollbracht wird; die, Hauptſun⸗ 
ſes find die drey Förperliche- Sünder ( Diiziensnuhl). | 


Chuddalckaͤlleku, Sügenz Olkin ugaͤ, Verlaͤumdungen und 
falſch Zeugriß; Schuͤrruͤn ug& , andre Creaturen zu ſchrecken oder 
gu aͤngſtigen; Zallagaͤ, Leichtfertigkeit und wolluͤſtige viehiſche Reden; 
— dieſes find die vier Zungenſuͤnden ( Rellmiensnubl ). | 


Chortq⸗Saͤtkil, Rachbegierde; Chomgolſocho⸗ſaͤtkil, Ber 
gierde nach des Mächften Gut; Buruſal gänzliche Unmiffenheit uud 
Pen zum Guten, find die drey Gemüchsfünden (Saͤtkil⸗ 


Das Gegentheil diefer zehn ſchweren Sünden macht grabe die zehn 
verdienftvollen guten oder weiſſen Sandlunngen ‘aus, zu welchen nody als 
ein feeligmachenves Verdienft, der Glaube und die Ehrerbierigfeit zu dem 
drey EAcramenten oder Gurban-Erdeni ber Lamen, geſezt wird. 
Eine meitläuftige Auslegung diefer ganzen Moral, als ber Sehre des 
Religignsftifters Schigemuni ſelbſt, foll in dem Buch Bodimer 
enthalten ſeyn, das ich aber aus dem Tangueifhen nicht habe übers 
ſezt erhalten Fönnen und deffen mongoliſche Ueberfegung entweder fehr 
felten , oder von den Pfaffen fehr geheim gehalten wird.  " 


‘x : : 
Zu einer Probe, wie weit fie dieſe Sünden und Verdienſte gerſchiedn 2 
ausdehnen; will ich einige ihrer Ideen dem Todefihlag berreffend Hier gyugen des 
anführen. Eyfrige Lamaiten hüten ſich, fo viel fie fönnen, im treten Todſchlags 
ein Ungeziefer zu verlegen. Kein Kalmuͤk eödter gern eine von den 
täufen womit er gepfage iſt, ſondern fest fie, wenn ihm dergleichen 
zwiſchen die Naͤgel kommen, fäuberfih auf die Erde, damit fie für 
ſich ſelbſt ſchaffen und wenns glüffich gehr, einen andern Wired finden 
fönnen. Tiere zu Loͤdten und zu fihlachten iſt durchgehende eine 
Sünde, weßwegen fid) fein Geiftfiher und auch Erin mohlhabender 
Kalmuͤk damit Befaffen mag; aber das von andern geſchlachtete zu 
genieffen iſt nicht verwehret. inigen Thisren Das Leben zu nehmer, 
iſt aus deſonderem Kberglauben, noch fträflicher.. - So iſt z. B. in 
Veztehrmg. auf die guͤldne Schildkroͤte, welche die ‚Grundlage ’ der 
Welt ausmachen foll, das toͤdten einer Schildkroͤte eine eben ſo — 


_ 





ye- Beiftliche Sittenlehre ber Lamen. 

Verſchiedne groffe Sünde, als das Ermotden fieben geweyheter Prieſter. Deß⸗ 
Arten des wegen kaufen die Kalmuͤcken das Schildkroͤtenfett, welches fig in ber 
Todſch!ags. Ruͤckenſchaie ſamlet, wenn eine Ecudfröte rüflinge auf Kohlen ge⸗ 
lege wird, uub dem fie zur Beförderung bes Haarwuchſes und wieder 
den Erbgrind groffe Kräfte zufchreiben, lieber cheuer von den Rufe 
fen, als daß fie ſelbſt eine der Schildkroͤten bie in den ſtehenden 
Waſſern der Wolg: hen Niedrigung überall gemein find, zu dem 
Ende rödren follten. — Die rothe Ente ( Anas rutila ), als eine in 
der heyligen feuergeiben Farbe geffeideten Vogel zu töbten ift eben 
fo ſtraͤftch und unglüffhmwanger , als den weißlichen Maͤuſefalken (*) 
den Auguroogel der Kalmuͤcken, zu ſchieſſen. Wer einm Kranich 
erlege der foll ihrer Meynung nad unfehlbar mit Blindheit geftraft 
werden. — Aber aud) Elementer durch Die entgegengefezte, wiederfinnig 
r vertilgen , ift eine Sünde dieſer Art, und auch in der Abfiche iſt 

äume zu hauen, weil Holz unter die Elemente der Samen gehört, haupt 
fächlich verfänglih. Die Erde ohne Noth aufzumühlen, oder wenn es ges 
fchehn muß, ohne die vorgefchriebnen VBerföhnungsformeln, ingleichen Feuer 
mie Waffer zu löfchen, find ähnliche Eünden; deßwegen laflen fie lez= 
teres felbft ausgehn ober fuchen es mie Filzdecken auszufchlagen ober 
zu erftiden. So ift auch das Waffer, als ein reines Element, durch 
wafchen ber Geſchirre zu verunreinigen, eine Sünde; und mas der—⸗ | 
gleichen Eubrilitäten mehr find, die einem Jeſuitiſchen Caſuiſten Ehre 
machen koͤnnten (*}). 


Seyſpiele VWVerdienſtlich iſt dagegen, nicht nur einen Menſchen ober groͤſ⸗ Ä 
ger Wer⸗ feres Thier, fonbern auch bie geringften Thiere und LUngeziefer vom 
Tode erretten. Wenn eine Stiege in Gerränf fälle ober mit Speichel 
beworfen wird, helfen fie derfeiben aufs trofne; ſcharren a. y, um | 
alles Gewurm vor Gefahren zu bewahren, den Speichel frafälig zu. 
om⸗ 





(*) Falco cyaneus Zin. fl. p. 126. Henharrier anglorum Zoolog. bri- 
tann. tab. A. 6. Quart. r. p. 164. 


cH Eine Einde Et auch unter andern. gebe Gtisfein tranen, ober 
bie heylige gelbe Farbe zu etwas andern, als Muͤtzen. an zu wenden, 
oder tiefe Düsen aus Me Erbe, oben hey etwa” ımreinem au legen 
Eine Suͤnde it Stiefeln am Gatter der Filzhuͤtte anfzuhangen, 
oder fie zum Kopfe aufs Bettlager zw legen; uud dergl. 





Beiftliche Sittenlebre der Lamen. 73 


Fromme Lamaiten welche Vermoͤgen dazu haben, ſonderlich unter ben Beyſpiele 
Kalmuͤcken, erkaufen nicht ſelten, wie die Indianer, gefangne Voͤgel, guter Wer⸗ 
Fiſche und andre zur Küche beſtimte Thiere von den rußiſchen Stade. ke. 
märften und Fiſchereyen, um fie unter Eeegnungsgebeten wieder in 
Freyheit zu fegen und dadurch ein gutes Werk zu flifteen Mann 
Bat fie wilden Steppenthieren, fonderlich zur Zeit da felbige “junge 
werfen, Speife und Trank hinſetzen, und allerley Scirmanftalten, 
wieder groffe Hige und Winterftürme, in der Abficht binterlaflen ges 
ſehen, um dem Wild dadurch zu dienen, — Ya Hear Jaͤhrig ift 
ein Zeuge gemwefen, daß ein alter Soongarfkher Lama einem fehr an 
ihn gemöhnten und klugen Hunde, der endlich von einem Fremden 
durch den Leib gefchoflen, fterbend noch bis vor die Fuͤſſe feines Herrn 
gelaufen kam, auf eigne Koften, als einer ganz befondern und aus« 
gezeichneten Seele, die gewöhnliche Seelmeſſen bat halten laſſen. 
— Ueberhaupt macht der Glaube an die Seelenwanderung, die Kals 
mücden menfchenfreundfic) und wohlthaͤtig und-ben allem ihrem Aber 
glauben find fie nicht intolerant. Wenn fie ja eine andre Religion 
verabfcheuen, fo ift es Die mahometanifche, Deren Anhänger fie Man⸗ 
ut (Kobolte } nennen, wenn andre Ölaubensverwandte nur Lerffay 
(Ungläubige ) heiffen. Dagegen halten fie die Griechiſche Religion, 
wegen der Bilderanbetung, für erträgliher und ihren Meynungen 
ähnlicher und fagen, ein Kalmüf, der feinen Glauben verläft, und 
rechte von Herzen ein Chriſt wird, werde ein befferes Paradies als 
ein Ruſſe, und ein andrer Glaubensvermandter der den Lamaiſchen 
Glauben ergreift eine höhere Seeligkeit, als andre Lamaiten erlangen. 


Folgendes find nun die fechs groffen Eigenfchaften und Geluͤb⸗ Surgan 
de oder Surgan Barmuͤt eines würdigen und heyligen Lama, wel. Barmüt 
che die Schrift und das Gefeg beſtimmen: “ober. feche 

Gegslgs, gänzlihe Entbindung von allen irdiſchen Gütern Geluͤbde. 
und WBortbeilen; 

Schakdſchabat, Ehrmwürdigkeie oder eigentlich alle Leibes 
und Geelenfräfte der Echrift und dem görtlichen Gefezg zu widmen, _ 
fo daß felbiges ſtets vor den Augen des Gemuͤths fehmebe ; 

Ruülluzungu, Eifer oder eine ſolche Gemürhsfaffung, bie 
fih) duch nichts irre machen laͤſt und mit der man aud) die Auf 
ſerſte Verfolgungen und den Tod, ohne Werläugnung der Pflichten 
ausftehen fönne ; 


Öweyter Theil, K Ki⸗ 














Zn Geiſtliche Sittenlehre der Lamen. 


Sechs Bars Kizaͤhngaͤ, Enthaltſamkeit und Keuſchheit im fedigen Stande; 
mit oder 
beylige Ei⸗ Sımmids, Andaht, ein heiliger und ehrwuͤrdiger Wandel, 


genſchaften. mie Holdfeeligkeit und Miüdehärigfeit gegen jedermann, anhaltendem 
Gebet, heyligen Betrachtungen beym einfchlafen und erwachen, Ber. 
mendung alles Wohllebens und aller Pracht, auffer was die Schrift 
in Geiftlichen Gefchäften verordnet; und endlich 
ß 


Billik, Klugheit und Geſchiklichkeit. — Diefe ſechs verdienſt⸗ 
volle Eigenſchaften ſoll ein Lama und eigentlich ein jeglicher Prieſter 
im volkommenſten Grade zu erreichen ſuchen; durch dieſe ſoll ſchon 
auf Erden eine fo vollkomne, von der Heyligkeit und Kraft der 
Schrift im geiftlihen und förperlichen durchbrungne Creatur bewuͤrkt 
werden, daß bey Abfcheidung der Seele von der förperlichen Huͤtte, 
jene fogleich zu einem der Görterreiche ſich erheben oder menigitens 
in einem Geſchlecht der Tänggri wiebergeboren werden, ber. Körper 
aber die Heyligften Reliquien abgeben fann; den mann zu dem 
Ende, um gleichhfam das Univerfal Daraus zu erhalten, auf eine feier. 
lihe Art durchs Feuer läutere und fo diejenige, mit wunderthaͤtiger 
Kraft begabte, faſt atomifche. heylige Kügelhen ( Schallir⸗rula) 
erhält, deren weiterhin noch Erwähnung gefhehen wird. 


Eben diefe Eigenfhaften find es, durch deren höheren Grab, 
bey unverrüfter Beharrlichkeie, ſich Menfchen nad) und nad) zur Gökte 
lichfeie haben erheben koͤnnen, und wodurch in den WBeltaltern, da 
noch lauter vollfomne Geifter auf Erden wohnten, viel Taufend Burcha⸗ 
nen oder Bögen zum Himmel gegangen find. Won bdiefem bleibe 
alſo noch, zum Beſchluß der ganzen Tybetaniſchen Mythologie, zu 
Dandeln übrig. | 


So 
ER 


+ 


Ri: 
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Veber die, Burchanen. 7 
RI SE 
x | 
Don den od Lamaiſchen 
on denen Mn nn — * Lamaiſchen 


We die Mongoliſche Sprache unter dem Wort Burchan ver⸗ Namen und 
fteht, beiflee im Tangutifden, Sangdſchih und in der heyli⸗ mefcntliche 
gen Sprache Enärfäf, Budda (*). Mann muß fich unter Ddiefen Bedeutung. 
Benennungen, wie fie in der Tpberanifchen Lehre vorkommen, fein 
Urweſen umd feine Emanationen oder Attribute einer alleinigen Gotts 
heit gebenfen. Die Samen, mwenigftens fo gelehrt als mann fie bey 
den Mongolifhen Voͤlkern finder, Fönnen ſich in eine folhe Worftele 
fung nicht finden, und ich Habe nihts einem anfangslofen Urweſen 
ähnliches, als das Chaos der Elemente, und einige ſchon im Chaos 
würfende ©eifter, worüber id) aber nichts deutliches heraus bringen 
konte, bey ihnen erfragen koͤnnen. * | 
Die Burchanen find, nad) der Lehre der Samen, aus ben 
Creaturen⸗Reichen Her, und durch ihre Heyligfeit, auch wohl in viers 
zigfaͤttigen Wanderungen fandhaft bemiefene Vollfommenpeiten und 
gute Werfe, zum Rang göttliher Weſen empor geftiegen und zur. 
ewigen Glüffeeligfeit eingegangen. Die meiften find urjprünglic) aus 
dem Reich Der guten Tänggri und der Afluren her, und wurden, noch 
ehe die niedere Welttheile bevölkert waren, vergöttert, da fid) denn 
ein jeder ein Reich und eignes Gefchäft nach feiner Fähigkeit wählte. 
Seitdem aber find auch Geifter aus denen Reichen unfter Welt, 
Ka oder 





(*) Da das Wort Budda nicht einmahl Tpbetanifch iſt, fo fallen alle 
Gryllen, die P. Beorgi aus der Aehnlichkeit dieſes Wort mit 
bem Budda der Manichaͤer berleitet, in Abſicht der daraus zu 
erweifenden Abſtammung der Tpbetaniſchen Lehren von der Manichaͤ⸗ 
ifchen Kigerey, von felbft weg. Eher möchte fichb etwas für den 
Urfprung diefer Kitzerey aus Indien daraus beweilen laflen- 





726 Ueber die Burchanen. 


Namen und oder bie wenigſtens durch verſchiedne Wiedergeburten und Wande⸗ 
weſentliche rungen auf dieſer Welt gegangen ſind, unter die Burchanen verſezt 
Bedeutung. worden, und dergleichen Vergoͤtterungen tragen ſich auch izt noch zu. 
Folgendes iſt die Ordnung, wornach die Geiſter ſich bis zur Goͤttlich⸗ 
keit vervollkomnen. 

Qualifici⸗ Seelen die aus einem Creaturreiche, durch unſtraͤflich heyli⸗ 
rung eines gen Wandel, Geber, gute Werke und Religionsenfer, ſich den Weg 
Burchans. zur Gtüffeeligfeit des Standes Scharwaht, als dem höchften Range 
unter den Ehubilgans, gebahne haben, find eben daburd) Yu fogenanns 
ten Boddiſaddi (*) erfohren und erreichen in Diefem Stande, durch 
Beharrlichfeit, ihre völlige Reife. Die Claſſe der Boddiſaddi iſt 
alfo die Pflanzfchule der Burchanen; Sie enthält ſchon für ſich nichts 
als fotche groffe und wohlthaͤtige Wefen, welche ſich ganz hergegeben 
haben und noch fortan beftreben, um für alle Claſſen der Greatur 
Erloͤſungswerke zu fliften, in mas vor Reihen und Welten es auch 
ſeyn mag. Mann findet den Wandel und die verdienftlihen Thaten 
foiher Heyligen in vielen groffen Glaubensbuͤchern oder Legenden er. 
zähle: mie fie fih aus dem Stande der gemeinften Creatur, durch 
tugendhafte trefliche Thaten, willige Erduldung aller erfinnlichen Mars 
ter für das Wohl der Greatur, und Nichtverſchonung felbft ihres 
$ebens, erhoben, durch die Kraft ihres Glaubens, Gebets und mäch- 
tiger Formeln (Tarni) die gröften Abencheuer beftanden, ja mie fie 
unterweilen zur Hölle gegangen, um einige jammeteolle Seelen aus 
der Verdamniß zu erlöfen und felbft bis in die gluklichen obern Reiche 
zu verhelfen. Dergleihen Wunder follen, nad) dem Zeugniß der 
$amen, noch heutiges Tages viele gefhehn, und fie berufen ſich def» 
falls auf Die (erdichtete oder geträumte) Ausſagen ſolcher $eute, die 
geftorben und: wieder nach einiger Zeit zu ſich gefommen, oder in ei- 
nem andern Körper, mit dem Bewuſtſeyn deffen, was fie in der Hölle 
| geſehn 
(*) Mann fſieht hieraus mit wie wenigem Grunde das Wort Boooi⸗ 
ſado von Aa Croʒe durch Budda Dominus, und durch P. Georgi 
(S. 37. der Vorrede) gar, feinen Gryllen zu gefallen, Budda-Scycha 
erklärt wird. Als wenn bie Tybetaner auch etwas von Scytbien 
wuͤſten. Boddiſado iff auch ein Beynabme mehrerer Tuybetaniicher 
Gottheiten, die der Erloͤſung der Seeken aus den Reichen der Ver: 
damniß verlichen. Das Wort Boddi⸗Saddo iſt nicht Tangu⸗ 
tiſch; nach Auslegung der Kamen bedentet Boddih einen. vollkom— 
nen Seit, und Saddoh deffen mefentlichen Körper. “Im Tanguti⸗ 

ſchen wird der Name Boſchangdſchub für dieſe Elaffe gebraucht. 











| Ueber die Burchanen. 77 


geſehn, miebergebohren worden find. - Die Anzahl diefer Heyligen Qualifici⸗ 
und Erlöfer oder Boddiſaddo, zu welchen der geiftlide Stand den rung eined 
Weg eröfnet,, fol gegenwärtig ſchon unglaublich groß feyn, und man Burchans. 
wird alfo wohl fehmerlih mit dem P. Beorgi in felbigen eine Nach: 

ahmung des Heylandes der Chriften, oder den Manichäifchen Apoftel 

Budda finden, fo wenig, als unbefangne Forſcher für den Tybeti— 

ſchen Prinzen Mani⸗zhen⸗po, feine Auslegung Manes rex fummus 

und den von ihm belicbten Urfprung der gleic) zu ermähnenden Ges 
betsformel Om⸗ ma⸗ni⸗bad⸗ me⸗chom, aus dem Namen Manes, 

gelten laffen koͤnnen. | 


Es gelingt aber nicht allen Henligen oder Boddifaden, fih - 
- bis zum Burchan zu vervollfomnen. Die mwenigften vollenden den 
erforderlichen ganzen Lauf durch alle Etaffeln der Proben, modurd) 
fie ſich der Gserlichfeie würdig machen müffen. Die aber zu Burcha⸗ 
nen gedeihen, find ‚feines Ruͤkfalls mehr fähig, befaffen fi) mie 
dem Erlöfungsgefchäft nicht mehr, und leben in hoher Gluͤkſeeligkeit 
und heyliger Ruhe, aus welcher fie fih nur nach eigner Willkuͤhr 
zumeilen erheben, um ſich der Welten anzunehmen, 


Bey der groffn Menge und Weitlaͤuftigkeit der Schriften, wel- Von den 
che die Legenden der Heyligen und Goͤtzen enthalten; bey der Undienft. Burdanen 
fertigfeit und Unmiffenheit der Samen unter den mongoliſchen Voͤlkern uͤber haupt. 
und Den wenigen NHülfsmitteln und mündlichen Nachrichten die ich 
mir von ihnen verfchaffen koͤnnen; ja auch megen der ungeheuren. 

Menge von Burchanen, deren Zahl fih auf viele Taufende belaufen 
fol, und der Mannichfaltigfeit der von ihnen erzählten Fabeln, 
wird mann von mir mohl nicht etwas vollftändiges über ihre Gefchichre 
erwarten, Dazu komt noch die Verwirrung und Vervielfältigung ber 
Namen aus verfhiednen Sprachen der Befenner: da ein und eben 
derfelbe Burchan anders auf Enaͤtkek oder indianifh, anders auf 
tangutifeh, und noch anders auf mongoliſch heift, und von biefen, 
mehrentheils ein Attribut oder die Geſtalt des Burchanen ausdrüdens 
den, figürliheni Namen bald der eine bald der andre vorfomt. Ja 
viele Burchanen find auch nur als. Modificationen oder Wiedergeburs 
ten, vielleicht au) als Einanationen von einem und ebendemfelben, zu 
wieberholten mahlen förperlid) erſchienenen Burchan zu betrachten; ja 
die vernünftigere Samen ſuchen auch eben Damit ihr Vielgoͤtterey zu ent- 
ſchuldigen. Mur durch Ueberſetzung 2. Goͤtzenlegenden aus dem mon« 
SR Ä 3 go⸗ 


Bon den 


° 


78 Ueber die Burchanen. 
goliſchen und tangutiſchen, waͤre etwas vollſtaͤndiges hieruͤber zu erhal⸗ 


Burchanen ten, und ich weiß nicht, ob die Frucht jene Mühe nur einiger mafe 
überhaupt. fen lohnen möchte ? der wichtigſte Mugen, der dabey zu erwarten flün« 


de, wäre vielleicht die Vergleichung der baupifächlichften Tybetaniſchen 
Gögen, mit denen Indianiſchen. j 


Ich Fann und will alfo indbeflen nichts als Bruchſtuͤcke bee 


Tybetaniſchen Gögenmntholagie, Beſchreibung und Abbildung der 


- Bon dem 
Hauptgoͤt⸗ 


vornehmſten und einige Nachrichten von ihren Eigenſchaften und Bes 
gebenheiten, bier liefern. Mur über den Hauptgögen dieſer Fabellehre, 
ber lauf derfelben das gegenwärtige Weltalter regiert, und als Stife 
ter und Oberhaupt Diefes ganzen Aberglaubens verehrt‘ wird, muß 
doch etwas umftändficher gehandelt werden. 


Dieſes it Schigemuni oder Tfehiginmuni, mie ihn die 
Mongolen zu nennen gewohnt find, oder nad) der unter den Kals 


zen Schige⸗muͤcken üblichen tangutiſchen Benennung Dſchakdſcha⸗muni (*) 


munt. 


Diefer wird von den Lamaiten als Erifter ihrer Lehre und Yoberfle 
Gotheit angeberet, ohngeachtet fie ihn weder für den aͤlteſten, noch 
für den vornehmften ihrer Gögen ausgeben. Er ift Regierer bes 
gegenwärtigen, in Elend verfunfnen Weltalters und nimt fih des 
Menfchengefhlchts mehr, als alle vorbergegangne weltbeherſcheede 


: 

(*) Den vom 9. Beorzi gewöhnlich gebrauchten und ©. XIL der Vor⸗ 
rede erläuterten Namen Schatba-tupba, oder vielmehr Schaktſcha 
tube, Kennen weder die KRalmückiichen, noch auch die allermeiſten 
mongolifche Pfaffen, nur einigen Tanguten, welche ich unter den 
Mongolen angetroffen babe iſt erbefannt: Diefe aber legen ihn, 
al3 einen Indianiſchen Volksnahmen aus, der von einer Indiani— 


ſchen Exclamationsformel Tubba:Pobwa, berrübren foll; weßwe⸗ 


gen auch Schaktſcha⸗Pobwa chen fo gibrrauchlich ſeyn fol. Es ſcheint 
mir daB Tubpa eine merimirtige Nebntichkeir mie dem vor 
Alters beyden Arabern gebrauchlichen Koaͤnigscitel Tobba zu haben. 
MWenigflend wurde ich nicht, mit 9%. Beorgi den Typhon der 
Aegvpter Darin fichen. Aber er erpmologifirt ja auch von Schafe, 
auf den Babpleniichen Sefach, den Negyptiichen Geſezgeber Safyches, 
ibren Propheten Sacla und den Sacda der Manichaer, ja endlich 
bis auf den Saturn. Hatte er den Geſſuͤr⸗ Chan der Mongolen 
und den Namen Otſchirbani (welchen dieſes Volk be zen 
r 


De — nn — — — — = 


Urver die Burchanen. 79 


Burch aue an. Von feinem Wundergange und Abentheuern durch Von Schis 
alle Claſſen der Wiedergeburt, geben unzaͤlige Schriften, bauptfäcd)- gemuni 
lich die mweitläuftigen Bücher Wlligersünzdalai und Altansgerril Matte 2 
die unglaublichften Erzählungen. Seine lezte Erfcheinung auf Erden, d'% I 
als Stifter der Lamaiſchen Secte, muß menigftens taufend Jahre 
über Chriſti Geburt hinaus gefezt werden; und vorhergehende Wieder- 
geburten, bie er von fich felbft erzähle haben fell, gehören in Die er- 
ften fabelhaften Perioden der gegenwärtigen Well. Won einer fpätern | 
. Wiedererfcheinung deffelben auf Erden habe ich Hingegen nichts erfah« 
ren können, obgleih P. Georgi dergleichen behauptet, Im Anhang 
diefes Theils will ich, als eine Probe. feiner fegende, eine aus dem 
Mongoliſchen überfezte Erzählung, melde ich der Güre des Herrn 
Statsraths Muͤller zu verdanken habe, beyfuͤgen. Hier .aber mag 
die angebliche Genealogie des, Schigemuni, wie fie mir bey den Kals 
mücen aus einer andern meongolifher Schrift. (*) überfeze worden 
iſt, ihren Plaz finden : | 
| „Zu ber Zeit, ba weder Geſez noch Gericht war, da ſich ei · Deſſen Ge— 
„ner des gndern Nahrung und fand bemächrigte, fielen die Menfchen nenlogie, 
„darauf und fagteens Wir wollen einen tüchfigen Mann unter uns 
„zum Richter wählen. Diefe Wahl traf einen Mann, ber gereche 
„war und allgemeines Lob ter Tugenden Harte; ihm wurde er 

Ä „thig 


Dordſthi der Tybetaner giebt und welcher Sceptertraͤger bedeutet), 
gekannt, ſo zweifle ich nicht er wuͤrde den Oſpris darin entdekt 
und nicht auch im Schaka geſucht haben, zumabl da auch beide 
mit einem dritten Auge auf der Stirn, wie Plutarch den Oſyris 
befchreibt , vorgeſtellt werde. Biele feiner ungeheuren Mutbinaffuns 
gen haben bey weitem noch nicht einmahl fo viel Wahricheinlichkeit. 
Wenn der z. U. einen der fürchterlichen Goͤtzen fahe, der etwas non 
. ber Affeugeitaft zeigte; ſucht er darim gleich die erfle Mutter der 
Menſchen Praſrinmo, die nach der der Zybetanern aufgebürbeten 
Tradition eine Aeffin geweſen feyn fol. Die Tygerhaut, womit 
dergleichen Burchanen bekleidet zu werden pflegen, bedeutet, in ſei⸗ 2 
ner hitzigen Einbildungstraft, die Pelzkleider, welche Eva nad . 
dem alle getragen. Wenn mann glei darauf liefet wie er den 
Abraham zum Herkules, den Iſaac zum Gelo, Iſmael aber zu zwey 
Soͤhnen des Herkules, Agathyrſus und Scytha, macht; ſo hat 
mann Mitleyden mit der Gelehrſamkeit des Mannes. — 
¶() Eben diejenige, deren im Erſten Theil dieſer Samlungen S. 17 
und 23. Erwaͤhnung geſchehn ik 





80 Ueber die Burchanen. 


Schigemu⸗, thig das Richteramt vorſchriftlich übergeben, um Recht und Unrecht 
nis Genea⸗ zu entſcheiden und zu beſtrafen. Unter dieſem Gericht fing alles 
‚ Yogie. „Volk auf Erden an fich zu beſſern und der Richter felbft erhiele 
z, allgemeine Verehrung, fo daß er endlih zum Chan erhoben mard. 
„‚ Alle Chane ſtammen von diefem Ollondu⸗Oergoͤdſchikſyn Chan 
der. Deffen Sohn und Nachfolger hieß Ueſuͤß⸗kuͤllengtu⸗Ge⸗ 
„raͤltu⸗Chan; deffen Sohn war Bujantu-Chan; beffen Sohn Dä- 
„, 08: Dujantu Chan; deffen Sohn Taͤtkaͤn⸗Aſſaraktſchi⸗Chutuk⸗ 
„tu Chan (*). Das waren Die fünf Chane des Galwaiſchen Welt 
„alters. Des leztgenannten Sohn mar Namma⸗koko⸗Raoͤmaͤko 
„ Shan, deffen Sohn hieß Ueſuͤskuͤlengtu Chan, deffen Sohn Sains 
„, üfüs »Eilengtu Chan und deſſen Sohn Toͤgoͤſ⸗ uͤſus⸗ kuͤlengtu 
„Chan: das maren bie fünf. Shane des Sarmwaradifhen Welcalters 
„und führen erftere vier folgende Beynahmen: der erfte, derer vier 
„Wettheile Beherſcher und golbner Chan; der zweyte, derer drey 
n DB. 3. und filberner Chan; der dritte, derer zwey IB. B. und 
„tupferner Chan; der vierte endlidy des einen Welttheils Beherfcher 
„und eiferner Chan. — Des Toͤgoͤs, Udfüsfülengu Sohn mar 
„Tabbiktſchi Chan, deffen Sohn war Talbin⸗bariktſchi Chan, 
deſſen Sohn Schaguni Chan, deffen Sohn Ruͤſchi Chan, deffen 
„Sohn Jifes Ruüfcdyi Chan, deffen Sohn Sain⸗Ueſektſchi Chan. 
„Nach diefem Chan hat das Menfchenalter fehon unter 80,000 Jahre 
„, abgenommen, und Garga Sunds Burchan hat fih, um der $eben 
„, willen, jen Himmel erhoben. Nach diefem, da das Alter bis auf 
7, 40,000 Jahre heruntergefommen , hat ber Burchan Ganna⸗Guͤm⸗ 
„meni (nad) einer mongolifchen Abſchrift Bangasmuni) feinen 
„Lauf zum Himmel vollende. Zur Zeit des zwanzigtaufend jährigen 
„Alters endlich, ift Gaſchip Burchan, durch die irdifchen Wande⸗ 
rungen und jen Himmel gegangen. — Bon der Zeit des fehr er⸗ 
„, babnen Chans Altan⸗Urruk ift der Chan Baraſchanſa ein Ab- 
„koͤmling; von deſſen Eohn, dem Sain;Törsles Chan, find folgen- 
„des die vier abſtammende Arßlan Chalchatu Ehane (+: Arion⸗ 
Idaͤtaͤ Chan, Zagan⸗Idaͤtaͤ Chan, Tangſuk⸗Idaͤtaͤ Chan, Er 
„ſchan 





(*) Alle dieſe und die meiſten folgenden Namen find figuͤrlich und ind 
Mongolifche uberfezt. 


Ct) Bey den Mongolen: Arßlun⸗ oʒato/Chane. 





Leber dle Burchanen. Br 


„ſchan⸗JIdaͤtaͤ Chan, dieſe vier. Arion Yoded ober Idegetu (*) Echigemi 
„Shan harte zwey Söhne Schalfyamuni und Annada. Zagan nis Genen 
„Idaͤtaͤ Ch. hatte auch zwey Söhne Naſu⸗toͤgoͤsſ⸗jelagukſchi und logie. 
„Toͤgoͤs⸗Saitu; Tangfuf Ydara Chans Söhne find Naſu⸗VCLöo⸗ 

— —— Uelli⸗Torroͤduktſchi; des Arſchan Idaͤtaͤ C. 

„Soͤhne waren Naanda⸗Daͤwa und Deoadat oder Toat. — Des 
„vergoͤtterten Schaktſchamuni Sohn hieß Racholi; deren geiſtlich 
„gewordne, ſehr hohe Herkunft war alſo diefe ,.. 


In der vorhabenden Schriften hoͤrt hier dieſe Dynaſtie auf, Von Schi⸗ 
allein der Verfaßer merkt an, daß, nach andern Schriftſtellern, dies gemuni. 
erſte Geſchlecht von Chanen noch ferner ſey fortgeſezt worden. — Schi⸗ 
gemunis Vater gab demſelben eine Gemalin; er verließ ſie aber bald, 
gieng in die Wuͤſte und wurde aus Heyligkeit ein Einſiedler. Alles 
mas er hatte, und nach des Vaters Tode feine ganze Königliche Erb- 
fhaft, vermendere er zu Almoſen, und predigte den umliegeriden Staͤd⸗ 
ten. Da ber Fürft der Teufel (Scholmus Chan) feine Heyligkeit = 
fahe, kam er und molte feine Gedult prüfens verlangte alfo von ihm 
die Erlaubniß feinen Kopf abbauen zu dürfen. Schigemuni gewährte 
ihm fein Geſuch, allein er fonte mie aller feiner Macht den Hieb 
nicht vollfuͤhren. Eben fo fruchrloß führte er ihm ins Feuer, ins 
WBaffer und in allerley Marter und Verſuchungen, fonte ihm aber 
weder am $eibe, noch an feiner Henligfeie fhaden. — Und nun gehe 
Schigemunis munbervoller lezter Wandel auf Erden an, moben bie 
beftändige Hinderniffe, die ihm Scholmus Chan, fonderlih bey ber 
Bekehrung derer Völfer, melchen er prebigte, in den Weg zu legm 
fuchte, unendlich abgemechfele find (+), 


Bon den vorherigen Wanderungen des Echigemunifhen Geis 
fies durch die Ereaturreiche find taufenderley Fabeln in den obange« 
führten Werfen erzählt, die zwar afle ungeheuer, unglaublih, aud) 
zum Theil lächerlich, find, aber doch im Grunde bie hoͤchſte Wohl- 
ehätigfeig und beſte Moral lehren. Oben (S, 41.) ift ſchon E Er 

| ſchichte 





(*) Ariun⸗Idaͤtaͤ C. bedeutet woͤrtlich: Reines Gewiſſens Fuͤrſt. 
ct) Mann kann davon die febon erwähnte Probe im Anhang nachleſen. 
Zweyter Theil, $ * 





82 Ueber die Burchanen, 


Won Schi: fhichee feiner Verwandlung in einen Hafen angezeigte worden. Auf 


gemuni. 


eine ähnlidhe Art war Schigemuni einmahl ein Hirfh, und fahe in 
der Wildnig einen vor Hunger ganz erfchöpft liegenden Tiger, ber 
fünf Junge harte; von Mitleiden gerührt gieng er hin und ließ fich 
von ihm willig zerreiffen; und was vergl. mehr iſt. 


Nach Vollendung des groſſen Bekehrungswerks auf Erden, 
hat ſich Schigemuni zu denen Taͤnggri auf dem Suͤmmeroola erhoben, 
ihnen und dem Churmuſtu gepredigt und lezterem, als dem Beſchuͤtzer 
des ganzen Weltgebaͤudes, ſeine Religion ganz beſonders zum Schuz 
und zur Aufſicht empfolen. Daher vermeynen die Lamaiten, daß bey 
allen ihren Feſt⸗ und Bettagen und auch bey verdienſtlichen Werken, 
unſichtbare abgeordnete des Churmuſtu zugegen ſind, welche von der 
Art und dem Ernſt, in welchem jede vorgeſchriebne Handlung ver⸗ 
richtet wird, die genauſte Notiz nehmen, und ihrem Obern daruͤber 
Bericht abſtatten. Aus dieſem Grunde meynen ſie, kein Feſt koͤnne 
zu groß und zu feierlich veranſtaltet werden und durch die geringſte 
Vernachlaͤßigung der Lehre und Gebräuche, werde ber Zorn des Welt 
beberfchers gereize und lauter Ungluͤck veranlaft. 


As Schigimuni auf Erden geboren warb, foll fihon Chur⸗ 
muſtu Tänggri und feine Gefährten , fih in priefterlihem Gewand 
auf bie Erde niedergelaffen, und mit feinem geweyhten Opferwaffer 
(Arofchan) das Kindlein gebader haben ; welches um deßwillen wohl zu 
merden ift, weil eine ber hauptſaͤchlichſten Handlungen des Lamaiſchen 


‚Bägenbienftes, ha das Antlig des Schigemuni in einem vorgehalten Spies 
gel, unter andaͤchtigen Gebeten abgewafchen, und dadurch ein wohl» 


ehäriges Weyhwaſſer (Arafchan) erzeuger wird, ſich auf dieſe erfte 
Badeshandlung bezieher. | 


Seit Vollendung des lezten Wandels auf Erben, ſoll Schieis 
muni feinen Sig witten über unfrer Welt, an dem Orte Otſchirtu, 
wo Maidari, Dimongarra und Tſonchaba mit ihm thronen, genom⸗ 
men haben und das Regiment biefer Epoche bis zu beren Vollendung 
führen, während welcher Zeit die übrigen Burchanen mur als feine 
Mitgehülfen verfahren. Auch er ſamlet vollendete Seelen um fi, 
und fein Reich heiſſet Aginiſtu⸗uüſuͤskuͤlluͤbn⸗ſokooltu Orron. 
In den Tempeln ber Mongolen und Kalmuͤcken wird ihm, als dem 

| rege⸗ 

















Weber die Burchafien. ES 


regierenden Burchan und. Stifter der Religion, gemeiniglih die vor⸗Von Schi⸗ 
nehmfte Stelle angewiefen, und der gewöhnliche Gögendienft beziehe gemuni. 
fid) gröftenrheils auf ihn. Auch iſt das aflgemeine, tägliche Geber 

der Sayen, Sandan genannt, an ihn gerichtet. 


- Er wird, in Farbengemählden, als eine mit untergefchlagnen’Pigste z. 
Füffen figende, bis auf den Gürtel oder das Untergewand entblöfte, 519. I- 
weiblich zarte und andächfige Figur, von narürlicher Fleiſchfarbe, 
oder zumeilen auch gelb, gefchildere. Sein Anzug: befteht in einem 
rothen, geblümten Gewand, mit der rothen beyligen Scherpe, welche 
über die Schultern und um den $eib gefchlagen wird ein fegelförmis 
ger, ſchwarzer oder blauer Lokenaufſaz oder Muͤtze, mit einem gold⸗ 
nen Knopfe, bebeft den Kopf, an welchem die lang ausgedehnte und 
geſchlizte Ohrlappen das Indianiſche Anfehn der Figur vermehren. 

Er fizt- auf einem wie mit Blumenblärtern eingefaften Thron oder 
Dolfter, die rechte Hand unthätig niedergefenfe, und aufder im Schoß 
liegenden linfen ein ſchwarzes oder blaues Allmofentöpfgen (Baddiri) 
haltend. Die Glotie, womit er, wie andre gute Burchanen, umges 
ben ift, wird gemeiniglich blau mit einem gelben Umfang, oder auch 
von andern heyligen Farben abgewechſelt. Seine aus Kupfer gegoßne 
Bilder find, auffer dem Thron, ohne Mebenverzierungen. — 
Die weibliche jungfraͤuliche Bildung dieſes und unzaͤliger andrer 
guter Burchanen will nicht andeuten, daß ſelbige weiblichen Geſchlechts 
geweſen oder izt ſind: ſondern mann hat dieſe, als die ſchoͤnſte Form 
menſchlicher Bildung gewaͤhlt, um die vollkommenſten Weſen wuͤrdig 
darzuſtellen; dieſe Geſtalt ſoll auch, in dem erſten angeliſchen Welt , 
alter, allen Menſchen eigen geweſen ſeyn, und die aͤtheriſchen Coͤrper, 
weiche Geiſter bey ihrer Vergoͤtterung oder Aufgang zu ven Paradie 
fen annehmen, follen eben biefe:. Bildung haben. — Aufferbenr aber 
giebt es aber auch würfliche Goͤttinnen, welche Raginis heiffen, und bes 
fondre Wohnungen in den meitlichen Cegenden des Himmels haben 
follen. Einige diefer weiblihen Burchanen werden gleich angeführe 
werben. | | 
Schigemuni pflege auch zuweilen zwiſchen zwey flehenden, 
im langen, gelben, geiftlichen Geivand gefleiveren Schülern vorge 
geftellt zu werden, deren jeder. er ein Gefäß mir Neitar, (FJonam⸗ 
2 tan 


4 Leber die Burchanen. 


Bon Schi⸗ tan Toͤgoſuͤkſan Idaͤn oder das Getränk von hunderterley Geſchmak 


gemuni. 


N 


Otatſchaͤ 
Burchan. 


Naidari 
Bnrcban. 
Platte 3. 
Sig. ı 


genant) Darzureichen fcheinen, und in der rechten Hand ganzen, mit einem 
eifernen Rıng woran Pleine Ringel Elappern, halten. Dergleichen 
werben, fonderlidy in Tybet, von Geiftlichen und andaͤchtigen Einfieb- 
fern und Pilgern ftatt des Spazierftofs getragen, um durch das Naf- 
feln der Ringe die Heinen Thiere und Ungeziefer zu verſcheuchen, damit 
jene nicht bey jedem Tritt eine Mordthat zu begehen Gefahr Lauffen. 


Schigemuni wird in geiftlihen Schriften ofe mit den Ehren- 
titeln Boktdo⸗Dſchakſchimuni, und Burchan⸗Backſchi (Gott der 
$ehrer) belegt. Mann nennt ihn auch Dfoo oder den alleinigen Bur- 
han. Die Burhanen Meidari und Manſuſchari werden ihm 

emeiniglich, als Gefährte, zugefellee und erfterer wird auch als fein 

erwanbter betrachtet, weil fie beyde als Söhne des Arion⸗Idaͤtaͤ 
Chan wiebergeboren und alfo Brüder geworden. Durh ihn foll er 
auch den Kern feiner $ehre, von den Sünden und guten Werfen, 
Belohnungen und Strafen, welche in dem Buch Bodimer enthal. 
ten find, dem Menfchengefchleche, deſſen er fi) vorzüglich annime, 
ſchriftlich mitgetheile haben, Diefe ehren find nachmahls, durch feine 
Göttliche Nachfolger Nagan⸗ſana und Türgilsugs, und endlich 
durch die vergötterte Samen Aidafchi und Tſonchaba vermehrt und 
in andre Sprachen überfeze worden. 


Otatſchaͤ, der Stifter und Belchüßer der Arzneyfunft, war 
entweder ein Schüler oder eine Modification und Chubilgan des 
Schigemuni und wird aud) Manlaa, mit einem tangutifchen Na⸗ 
men, genannt und in eben der Geftale wie Schigimuni, nur von fei« 
besfarbe roth, mie dunfelblauen Gewand, und ſtatt der Baidiri, 
einen Myrobolan (Arl&) auf der Hand haltend, vorgeftell. Nicht 
nur Wunbärzte, welche. Berrenfüngen, Brüche und andre äufferlicdye 
Schäden an Menfchen und Vieh beilen und gemeiniglih Otatſchä 
genannt werden, ſondern aud) die Weiffager aus dem Schulterblare 
der Thiere (Dalladſchi), rufen dieſen Gögen an. 


Maidari Burchan, auf Tangutiih Marminſaͤ, der mie 
Schigimuni auf Erden verbrüdert und in Stiftung feiner Religion 
unter den Menfchen würffam gemwefen ift, aud nad) ihm die Wele 
vegieren ſoll (f oben S. 31.), wird faft wie er, nur mie vor ſich —8 
| gehob⸗ 





Ueber die Burchanen. 85 2 


gehobnen, zum Geber bewegten Händen, und oft mit nieberhängenben Maidari 
Füffen figend, auch, wenn es ein Gußbild ift, zu beyden Seiten mit Burchan. 
einigem Laub und Blumenwerk begleitet, vorgeſtelt. Mann giebe Matte 9° 
ihm in Gemälden eine gelbe $eibesfarbe und rothes Gewand. Sei— dig. 2 
ne Abbildung auf der dritten Platte ift nad) einem ganz erhoben in 

Thon abgeformeen Bilde in natürlicher Gröffe, die andre aber, auf 

der oten Platte, nad) einem aus Kupfer gegoffenen und vergolde- 

ten, gröfferen Bilde gezeichnet. Sein Wandel ift auch in dem Buch) 

Ulfiger ; uͤn⸗dalai befhrieben. Er wird nebft Schigimuni und 
Divongarra, dem Beherrſcher der vorigen Weltperiode, welcher faft 

wie Edyigimuni, von gelber Farbe, mit aufgehobner rechten Hand 
vorgeftellt wird und auf tangutifh Dſchydſin⸗dſchomban⸗gyne heiſt, 

unter der gemeinſchaftlichen Qualification, Beſchuͤtzer unfter Weit, 
zufammen begriffen; und diefe benlige Drey heiffen auf Tangutiſch 
Diſſum⸗ſandſchi (die drey Herlichen) auf mongoliſch Gurban⸗ 
Zagan⸗Burchan die drey weiſſe Götter). 


Manſuſchari (auf tangutiſch Dſchydſin⸗Dſchombajan) ber Manſuſcha⸗ 
andre Freund und Gefaͤhrte des Schigimuni wird mit vielen Zierathen Fi Burchan. 
um den Kopf, und bald mit zweyen, bald mit vier Armen, in ei» Patte 9. 
ner zarten, weiblichen, f[hönen Geſtalt vorgeftele. Wenn es Farbe ig. 3. 
grmälde find, fo wird der $eib feuergelb und das Gewand blau auge 
gedbrüft. Mit dem redyten Hauptarm halt er ein aufgehobnes Schwerbr, 
mit dem linfen den Stiel einer Blume, auf welcher ein zufammen« 
gebundnes Bud) liege. Diefes beziehe ſich auf die aftrologifehe und. 
mythologiſche Gelehrfamfeit, deren Lehrer er unter ‚menfchliher Geftale 
geweſen feyn foll, wie er denn auch in wiffenfchaftlihen Schriften, 
als Befchüger der Gelehrfamkeit, angerufen wird. Die beiden andern 
Hände, wenn er deren vier hat, find in einer feegnenden Stellung. 
Zuweilen wird er ber Vater der ältern tauſend Burchanen genannt, 
und fiheine mit einer von den urfprünglichen Gottheiten der Indianer 
überein zu fonmen. Er foll einftmahl die groffe geldne Schildfröte, 
vor Entftehung bes darauf gegründeren Weltgebäudes, belebt haben, 
auch full er, in einer Fünftigen Weltveränderung, mieber als beren 
Beherrſcher erfcheinen. — Nach einigen Erzälungen hat er auch, als 
Chubilgan, in demjenigen Beherſcher von China, der bie groffe Maus 
er auffuͤhrte, gelebt, Er fol — erheben und erniedrigen, = 

3 u 


— 


Manſuſcha⸗ 
ri Burchan. 


Ajuſcha 

Burchan. 
Platte 4 
Big. 2. 


Tabun 
Iſurtu 
Burchan. 


56° Heber die Burchanen. 


ſeyn Sitz auf unfere Erbe, Otai Sangl, wird in die öftlihe Gegenden, 
ſuͤdweſtlich von Peking auf fünf hohe fpigige Gebürge gefezt. Seine Legende 
ift aud in dem Werke Ulliger⸗un⸗dalai enthalten. Es fcheine Dis 
vongarrs Burchan, Dee Herfcher ber vorigen Weltepoche, von ihm 
nur eine bloffe Mobification zu feyn. | 


Noch einer der vornehmften und äfteften Burchanen ift Afys 
ſchaͤ, auf Tangufifh Zepamaͤ, der mit einem fehr Indianiſch auge 
fehenden Kopfſchmuk, ſchwarzem über jede Schulter in drey Flechten 
berabhängenden Haar, in zierliher angenehmer Geftale, hell roch von 
feibesfarbe, mit gelb und rorben Gewand geſchildert, und fo mie 
die vorigen dem Schigimuni gemeiniglidd an Die Seite geſezt wird. 
Sin feinen auf dem Schoß zufammen liegenden Händen hält er ein 
zierliches Töpfhen oder Baddir, mit einem Dede. Ich Habe von 
feinen Eigenfhaften nur. wenig erfahren; mann rufe ihn um Verlaͤnge⸗ 
rung bes $ebens an. Seine Gefhichte ift mie der von vier andern 
Burhanen, Dentſchuk, Bunjerit, Sanduoͤ und Mintugba, 
denen mit Ajufhä zugleich ber Gößendienft verrichtet wird, in ben 
Büchern Sandi⸗Dſchikſum und RıkfunsBombo enthalten. 


Unter die Götter vom erſten Range gehören auch die fünf 
wohlehätige oder Tabun Iſurtu Burchanen. Ihre gebräuchliche 
Namen ſind Aktſchiba, Berooſanah, Radna ſambawa, Amidba 
ober Amidaba, uud Ammugi⸗Siddidih. Die Reihe oder Paradies 
fe des erften und zweyten werden in die oftlihe, des dritten in bie 
füdliche, des vierten in die weſtliche, und des fünfte in die norbliche 
Himmelsgegend geſezt. Sie werben alle mit rothem Ober + und gel 
ben Untergewand vorgeftelle und drüden mit ihren Leibern die fünf 
heilige Farben aus. In Geftale und Kopfpuß find fie faft alle dem 
Schigimuni dhnlih, nur die Handlung der Hände mache, naͤchſt der 
Farbe, den - Unterfchled. — Aktſchiba ift meiß, mit vor ſich gegen 
einander gelegten Händen und ausgeftreften Zeigefingern; Beroſanah 


-üt gelb, in eben der Stellung wie Echigimuni, aber ohne Töpfchenz 


Radnaſambawa ift in eben der Sage, von Farbe aber blau; Abis 
da oder Amidba endlich iſt roch, vollfommen in der Stellung des 
Bildes, welches ih von Ajuſchaͤ geliefere habe, von welchem er fi 
aber durch Mangel der Haarflechten und den Kopfpuz, welcher an Ä 

ilde 


f 











Kleber die Burchanen. | 7 


Bilde Schigimunis ähnlicher iſt, unterfiheider; P. Georgi flelle ihn Tabun 
auf feiner 42ften Platte unter dem Namen Hopams (eigentlich Upame) Iſurtu 
vor. Ammugi Siddidih endlich ift grün von Farbe, hält die Burchan. 
techte Hand vor ſich aufgehoben und die linke liege flach im Schooß, Ä 
— Alle bisher erwähnte Burchanen werden, mie die allermeifte Ty« 
betanifche Bögen, mit untergefihlagnen Beinen, auf einem mit Roſen⸗ 

bläeeern und audy wohl mit Wolken umgebnen Polfterfiz gefchildere ; 

ber izt folgende aber pflege mehrentheils ftehend, wie bie Gögen ber 
Indiauer, zu erfcheinen, 


Es ift Chondſchin⸗ boddi⸗ ſaddo auch Nidde⸗ baͤre⸗ uͤſuͤkt⸗ Chondſchin⸗ 
ſchi genannt, eine der wichtigſten Gottheiten, welche in Schriften auch Boddiſad⸗ 
wohl das allwiſſende Auge heiſt, und nebſt den beiden Goͤttinnen do. 
Zagan und Nogansdarasefe auf Dem mit einem See verfehenen Ber- - 
ge Budala in Tybet verehrte wird. Diefer Göge, welcher noch ade 
Gefährten hat, die mit ihm einerley Gefhäft reiben, ift Fürforger 
des mienfchlichen Geſchlechts, wiederſteht den böfen Geiflern, nimt 
ſich der abgeſchiednen Seelen an, läft die zur Seeligkeit beftimte im 
die ihnen zufommende Wohnungen fahren, und erlöfee nach und nady 
die DBüffenden aus ihren Plagen. Er foll auf diefer Welt am allere 
festen erfcheinen und alle Seelen zu fi; verfamlen. Maus farm Die» 
fen Gögen vielleicht, ohne wieb zu wagen, mit dem Brama ber In⸗ 
dianer für einerlen haltenz wie ich denn auch bey ben Kalmüden eine 
wenig veränderte Vorſtellung beffelben mit dem Namen Soffur Bar 
ranmã habe belegen gehöre. Es giebe viele Erzälungen von beffen 
Wiedergeburt in menſchliche Körper; - unter andern bandeln die Büs 
her Mani; Banbume und Schingode von ihm und feinen Mit⸗ 
gebülfen in der Worforge für die Menfchen, welches eigentlich Zagan⸗ 
und Nogan-Darasefe, Tſonchaba, Abida, Nosbfhumme, Bigdfe, . 
und Schirenin find. 


Chondſchin⸗ bodbi sfado (auf Tangutiſch Paps- Sche, Matter 
rendſt, auch Dſchaͤſchik und Dſanraſik) wird flehend, in einem Big 3 
leichten Gewand, zart von Geflalt, mie unzäfigen in einen Kegel 
dreyfach übereinander geordneten Gefichtern und acht Armen vorgebils 
ber: von dieſen find zwey betend vor der Bruſt zufammen gelegt, die 
übrigen aber ausgefirefe und halten zur rechten einen Roſenkranz er 








BE Lieber die Burmanen. 


Chonſchin⸗· ein Rab‘, zur linken aber eine Blume, einen Bogen und Pfeil und 


Bodijado. 


Gebetsfor⸗ 


ein kleines Gefaͤß. Die auf Platte 1. gelieferte Abbildung iſt 
nah einer auf Thon abgedrüften und in einem verlaftem Holz« 
behälmiß enthaltnen Vorftellung, die ich bey. den Selenginffifchen 
Mongolen erhalten, gezeichnet, und enthält zugleich, oben die drey 
Patriarchen Tfonchaba, Dalai-fama und Bogdolama fißend, unten 
die zwey Goͤttinnen Zagan- und Nogan. Dara-efe, nebft dem fuͤrchter⸗ 
lihen Machangallan in der Mitten. Eben fo ift das im erften 
Theil meiner Keife, Platte 10. A. Sig. 4. gezeichnete, ſauber aus 
Kupfer gegoßne und vergoldete Bild, welches izt inder Akademiſchen 
Kunftjamlung, mit vielen andern von mir gefamleten tybetaniſchen 
und mongolifhen Gößgenbildern verwahrt wird. Ich babe aber die 
fen Bögen in mongolifchen Tempeln auch, wie die andern, mit unter» 
gefchlagnen Beinen fißend, weiß von Farbe, mit vier oder auch mit 
vielen Gefichtern, und mit vier oder acht Armen, vorgeftelle geſehn. 
Auf der linfen Schulter pflege ein Gogellenfell zu hängen, das Gc 
wand ift roth und blau, und die Drdengfcherpe grün. Ohngefaͤhr 
fo ift er beym P. Georgi (Alph. Tyb. tab. 4) unter dem Namen 
Cenrefi vorgeftelle, wo er auch mit dem Indianiſchen Brama für 
einerlen gehalten wird. 


An Chondfhin -bodbi-fabo iſt eigentlidh die allgemeine und 


mel Omma unter den $amaiten fo wichtige Gebersformel Em 7 ma - ni; pat s mes 


nipadme⸗ 
om. 


chom oder wie die Kalmuͤcken es ausſprechen Om⸗ma⸗ni⸗bat⸗ 
maͤr⸗chung, gerichtet, welche bey allen ſtillen Andachten auf dem 
Roſenkranz hergebetet, auch fonft bey unzäligen Gelegenheiten gebraucht, 
und auf $einwand, Papier, Holz und Stein zur Andacht gefchrie 
ben wird. So ift felbige unter andern, auf einer Felſenwand am 
Dſchidafluß, der in der rußifhen Mongoley zum Selenga flieft, in⸗ 
gleihen auf einem Felfen am Selenga, etwas oberhalb der rußifchen 
Gränze, welher um deßwillen Beſſchiktu (der Schriftfelfen ) beif- 
fer, in ſehr groffer und ſchoͤner Schrift, auf Enetfäaf und Tangutiſch, 
mit einer fehr dauerhaften ſchwarzen Farbe geflhrieben zu finden. 
Sin der Kalmüdischen Steppe, auf den fteinigren Hügeln Bogdo und 
Tſchaptſchatſchi habe ich es häufig auf glatten Kalffteinen eingefrigele 
gefunden. Auf Geberfahnen, Gebeträdern, und andern geiftlichen 
Epielwerken die in der Folge erwähnt werden follen, wird es oft 

unzaͤ⸗ 


Leber die Burchanen. s 
unzäfige mahl wieberholt gefunden. — Ich will Hier eine Abbildung Gebersfon 
diefer Formel in Enetkaͤl oder Indianiſchen Charactern und in Tan. mel Omma⸗ 


gutifcher Schrift, mit der eigentlichen Ausfprache eines jeden Charaf- 
ters, beyfügen ; | | om. 





In Enetkaͤt: 
A alaaaarl 
Om ma ny bat me chom | ä 
u | Zoenukh: er 


* 
bg8 


Om ma ny bat chom ‚dd 


ER 


me chom chra 





aaa 


Ehen dieſe Formel, Om⸗ma⸗ni⸗pad⸗me⸗chom, welder gemei⸗ 
niglich noch ty oder chra als eine Schluß oder Nachdruksſylbe an« 
gehängt wird, foll fonft auf Indianiſch Pa⸗dſchi⸗gu⸗peng⸗ding⸗ ti, 
auf Sinefifh aber Bmmistommistochospet laufen, und eben bie 
Wunbdergaben in diefen Sprachen befigen, welche die Lamaiten ihrer 
Tangutifhen Formel zuſchreiben. 


Alle vom ‚Tybetanifchen Aberglauben bisher bekannt gemachte 
Nachrichten haben diefe Gebetsformel erflären wollen und feinen 
nicht einmahl einen Begrif von ihrer Bedeutung zum Grunde gelegt 


⸗ 








90 Ueber die Burchanen 


Gebetsfor, zu haben. Bayer nach Meſſerſchmid und ſelbſt Larmanns Gi. 
mel Omma⸗ birifche Briefe S. 27. erklaͤren es durch Herr erbarme dich unſer! 


nipatme⸗ 
chuni. 


bhaben. P. Georgi, der doch eine Tanguti 


(Barrimbr ©. oben ©, 73. ), haben diefe Eylben folgende Kraft: 


vermuthlich aus feiner andern Urfach, als weil die gemeinen rußiichen 
Dollmetfcher es mit ihrem Goſpodi pomilui! für eineriey halten, 
Witſen (Noord en Ooß TCatar. ©. 329) lege es, nach Jeſui⸗ 
tiſchen Berichten, durch: O Manipa mache uns ſeelig! aus und will 
es auch, wieder allen Gebrauch, O Manipe mi chum, geaſch yben 
Abe \Erläurerung er 
hatte, will gleichrohl lieber (Alph. tub. pr 500 WEB Fa)" Manes, 
Thomas, und andere feinen Einbildungen annemeffene Bedeutzmgen 





‚darinnen finden. Mann wird mir affo zu gute halten, wenn 


r 
eine etwas weitlaͤuftige Erklaͤrung dieſer Gebetsſhiben, die im Pe 
nichts, als mie gewiſſen WBunderfräften begabt fern follende Macht: 
‘worte ober Tarni find, einrüde» Ich Aege die, welhe aus dem grof- 
fen Werk Berrelien; 30830 und aus dem Bägän; Tohli gezogen iſt, 
und die ih van Kalmitfiihen Gellongs erhalten habe, zunr nde; 
— mir von drm / fir dr tete unter · ben Selemginſ⸗ 
kiſche Mongheñ unge eilee, ! Hpmt iy it H che 
mig [ner überein, ie Kalmüdifhe Ausleguͤng lautet alſo: 

ag diede⸗ wieder die Todesgefahren und Ruͤkfall im Reich derer 
guten Tänggri; 
mob, mwürfer zu Verhütung der Kriege und Sünden im eich 
der böfen Affarifchen Tuͤnggri, zu deren Erlöfung und Ueber: 
windmg; | | 
nih, Hiffe in allen Beſchwerlichkeiten des menfchlihen Jam⸗ 
merlebens, ven ber Geburt an, bis zum Alter; beym erfran« 
fen und frbn; | 
bad, nuge zur Erlöfung und Bewahrung vor der Noth im Thier⸗ 
reich, und der thierifhen Wiebergebure ; 
maͤ, taugt wieder den Sammer, den verzehrenden Hunger und 
Durft des Reichs ber Birid, zur Erlöfung und Bewah—⸗ 
rung 5 


chung A . befreyee aus dem Jammer ber heiffen und Falten 
en; ws 
In Beziehung auf die ſechs Geluͤbbe oder Vollkommenheiten 


On / 





Ueber die Burchanen. | 9 


Om, gereihet zur Erlangung der Ergebung ober Abfonderung Gebetsfor⸗ 
vom Weltlichen; das allerergebenfte Götliche Wefen ver, mel Omma⸗ 
leyhe feinen Gnadenfeegen ! | I ae 
mah, gereichet zur Erlangung des wahren Eifers. Das ges 
rechteſte görliche Weſen verlenhe feinen Gnadenfeegen 
nih, hilft zur Erreihung ber Ehrwuͤrdigkeit. Das von aller 
— abgeſchiedne goͤtliche Weſen verleyhe ſeinen Gnaden⸗ 
eegen! 
bat, iſt befoͤrderlich zu Erlangung der Reuſchheit; das reinſte 
und mildeſte Goͤttliche Weſen verleyhe ſeinen Gnadenſeegen! 
maͤ, hilft zur Andächtigkeit. Das in Betrachtung verſenkte 
Goͤttliche Wefen verleyhe feinen Gnadenſeegen! 
chung, gereicht zu Erlangung der Weißheit. Das alle Befehle 
und auch die Erfüllung bewuͤrkende Goͤtliche Weſen verley⸗ 
be und vollende feinen Gnadenſeegen! | 


In Beziehung endlich auf die Gottheit felbft bedeutet: 
Om, = Snbegeif derer fünf Belge Billik (Allwiſſenheits⸗ 
aͤfte); 
mah, die uͤber alles ſich erſtreckende Barmherzigkeit; 
nih, das Erloͤſungsmittel der Surgan⸗ Suͤhl⸗Amitan oder 
ſechs Creaturenreiche; 
bat, aller Creatur Wohlfarth; 
maͤ, die Erbſuͤnde und des Teufels (Schulmus Chan) Vernich⸗ 
re tungsmwerf ; 
chung, alle goͤttliche Vollkommenheiten  zufammen. 


Die Erflärung,, welche ich von dem mongoliſchen Lama erhal⸗ 
ten, beſchlieſt mit folgenden Worten: 

„Dieſe ſechs Worte hat Aria Balu Burchan zum Heyl der 
„ſechs Creaturenreiche gelehrt; daher ſie auch, auf Schigimunis Ver⸗ 
„ordnung, unter dem allgemeinen Namen Mani, durchgaͤngig und 
„eyfrig gebetet werden, und der Inbegrif alles Gebets fuͤr Layen 


” find. ⸗ M 2 | Die 


92 Lieber die Burchanen. | 


Zagan und Die beiden Görtinnen Tagansund TToganrDaraset& (meif- 
Nogan-da⸗ſe und grüme Muster), welche Chondſchin⸗ bodiſado aus feinen Augen 
eng 5, ol zur Welt gebracht haben, werben zumeilen mie ihm fiehend (*), 
gi a." gemeiniglich aber figend C}) vorgeſtelle (==). Beide füllen die Dien- 
+ Hatte „(den aus Gefahren rerten, und in Enetfäf und Tybet einmahl als Prin- 
Fig. 3. 4. seßinnen, auch fonft ſchon verſchiedne mahl auf Erden gelebt haben. 


Zagan⸗dara⸗ eke ober Daraga, auch Zagan⸗bodiſado 
genannt, tangutiſch Dulma⸗gardſchan, mandfhburfd Peigoin, 
wird unter einer ſitzenden, weiſſen, ſehr ſchoͤnen und geſchmuͤkten u 
frau vorgeftelle, welche ein drieces Auge auf der Stirn und aud in 
‘ | den flahen Händen und auf den Fußſolen Augen hat: die linfe Hand 
ift aufgehoben und die rechte niederhängend. (Platte 4. Fig 3.)- 
F Auf der Blume, welche fie in der einen Hand haͤlt, iſt oft ein klei— 
nes Kind vorgeftelle, weil von diefer Goͤttin Divongarra Burchan, 
| DBeherrfiher der: vorigen Weltepoche, unter den Menfchen geboren 
worden feyn fol, Die Mongolen belegen. daher die Marienbilder, 
weldye fie in den rußifchen Häufern fehn, nicht anders als mit Dem 
. Namen biefer Göttin, halten das Kindlein für obgedachten Burchan, 
_ und glauben, daß die Ehriften, in diefem Punkt "ihrer Mythologie, 
| mit ihnen eines Glaubens find. Zagan⸗dſchikurtu, deren Bildniß 
id bey den Kalmüden erhalten babe, feine nur eine Verlarvung 
dieſer Goͤttin zu feyn und wird volfommen. fo, nur mit einem Sone 
Rogan da. nenſchirm ſtatt der Blume, geſchildert. 


ra «ehe. Nogan⸗Daraga oder Dara⸗ceke, tangutifh Dulma > 
| I Platte 4 Ngodſchan, wird, mie es ber mongolifihe Name auch anzeigt, 
| 3. # ganz grün und zuweilen ganz nafend, in einer fehr lebhaften Stellung 
und zart von Edrper ausgedruͤkt. Die befleideten Figuren haben, 

wie die vorige, ein rothes Gewand und blaue Scherpe. In ber ei« 

nen Hand bäle diefe Göttin audy eine Blume, oft mit einem Kind- 

fein darauf, meldjes den Gott Schigimuni bebeutet, ber von biefer 

s Mogan»daraga auf unfre Welt geboren feyn fol. Maidari wird 

auh, mann er auf.unfrer Erbe fünftig erfcheine, von dieſer, wieder 

eingefleifhten Göttin geboren werden. — Beide Goͤttinnen nehmen 

ſich der Menfchen an, und ihre Bilder werden bey den Kalmuͤckiſchen 

Yfaffen gemeinigfich auf Thronen, die von vier Loͤwen getragen find, 

aus 








(9°) Eine Goͤtterfrau Dars Tomi beym Baldaͤus S. 48. vor. 


._ 





Er iR auch auf Kalmuͤckiſchen eo haͤufig. 


Ueber die Burchanen. 9 


ausgeſtellt, wenn ihr Dienſt zn verrichten ift. Syn Gemälden wird Nogan-⸗da⸗ 
Nogan-dara-efe zumeilen mit ein und ‚zwanzig Eleinen, weiß, vor, ra—⸗eke. 
ſchwarz, gelb, blau und goldfarben gefdjilderten , fonft aber der Haupt⸗ 
figur ganz gleidyen Bildern ungeben, welches fo viele Veränderungen 
oder Ehubilgans diefer Göttin andeuten foll, 


Auffer obigen werden noch folgende Burchanen, von welchen 
ih wenig zu erzälen weiß, in natürlicher, mehr oder wenig ſchoͤn 
Geſtalt vorgeftelle : | 


Nordſchummo, faft dem Maidari ähnlich, gelb von Farbe, Nordſchum⸗ 
mit grüner Scherpe und rothem Gewand, in der rechten Hand eine * — 
Frucht, in der linken eine Blume haltend. .2. F.3. 


Mintugba, faſt in Geſtalt des Ajuſchaͤ, blau von Farbe, Mintugba 
mit gruͤner Scherpe und rothem Gewand, in der linken Hand eine Burchan. 
prieſterlichen Scepter (Otſchir) empor, die andre unthaͤtig haltend. 


Otſchir⸗darra, blau von Farbe, beide Hände vor ſich ge⸗Otſchirdar⸗ 
kreuzt und darin den prieſterlichen Scepter und das Glöflein haltend. raBurchan. 
Es foll' eine der Vermandlungen des Schigimuni ſeyn. Diefe Bilder 
habe ich nur in mongolifchen Tempeln gefunden, und erftere beide 
find den Kalmüdifchen Geiftlihen, wenigftens unter diefem Namen, 
nicht befannt. 


Summul Burden, wird in einer fehr angenehmen und ge- Summuf 
fhmüften Geftale gefchildere, ift gelblich von Farbe und hält in der®- Platte 2 
rechten Hand einen groffen Rubin, in der andern ein Kännchen 9% * 
(Bumba) mit heiligem Waſſer, deffen weiterhin gebacht werden fol, 
mit einer darauf gefteften goldnen oder farbigten Pfauenfeder. Dies 
fer Göße wird mit hundert Fleinen, ganz änlichen Figuren, in fo viel 
Faͤchern, umgeben vorgeftelle, die feine Ebenbilder und Chubilgans zu 
fenn ſcheinen. Faſt follte ich ihn mir Arja⸗balu Burdan, der im 
Dalai -fama und andern Tybetifchen Paͤbſten leben foll, für einerley Halten. 


Scharra⸗Sambala (tangutifih Dfembalaferbd) wird geib , Serra» 
mit einem zuweilen etwas bärtigen Geſicht, rochem Gewand und Saubala⸗ 
grüner Scherpe abgemahlt, und hält in der rechten Hand einen Ru- ... 4 
bin, auf der linfen aber ein Thierchen, wie eine Ratte oder Spizmang,  " 


Lauf; 


Tauk tſchoͤd 
ſal. 


94 Ueber die Burchanen. 
Tauk⸗tſchoͤdſal iſt ein Goͤte, den ih nur bey den Mongo— 


len im Selenginsfifchen gefehn habe, unter allen Lamaiſchen Bildern 


der einige, weldyer mit einem chinefifhen Bart und in hinefifchen 


. Dentfchuf 
Burchan. 
Platte 8. 


Fig. 3. 


Sanduoͤ 
Burchan. 
Platte 9. 
Fig. 4- 


Kleidern gefchildere wird, woran mann die Bögen der Chinefer über- 
haupt, von denen ſtets unbärtigen Tybetaniſchen leicht unterkheiden 
ann. Er ift braun von Geſicht, mie einem rothen Gewand; in der 
rechten Hand hält er das priefterliche Scepterchen, in der andern 
ein fleines Gefäß. 


Dentſchuk ift eine wunderliche ftchende Vorſtellung, die mann 
am beften aus der Figur erfehen wird. Der Göge felbft ift blau, 
die Figur, weldye er vor ſich träge, .rorh, das Gewand weiß; von 
ben Leichen unter feinen Füffen, die eine roth, die andre ſchwarz. 
Ich babe dieſes Bild in einem mongoliſchen Tempel und auf mon— 
‚golifhen Amuleten gefehn, aber die Kalmüdifchen Pfaffen erkannten 
es nicht. Ich habe auch die Worftellung einer Goͤtterſtadt oder 
Chotton gefehn, in deren Miete diefer Goͤtze präfidirte. 


Sandus gleicht einer Indianiſchen Gortheit und den figenden 
Vorſtellungen bes Ehondfchin » bodifadbe. Die Figur auf der gten 
Platte ift nad) einem kupfernen, vergoldeten Gögen diefer Art gegeich- 
net. In den mongolifchen Tempeln harte man ihn von blauer $ei- 


besfarbe, das Gewand roth, mit güldnen Sternen, das Geſicht zue 


Gunjerik 
Burchan. 


Schirenin 
Burchan. 





rechten weiß, das andre roth gemahlt. Won feinen zehn Armen haͤlt 
nur einer zur linken das priefterlihe Scepterhen (Otſchir). 


Gunjerik oder Berofanä, ein dem vorhergehenden ſehr aͤhn⸗ 
liches Gögenbild, mit drey Gefihtern, aber ganz weiß, und nur mit 
jwey Armen; um den Hals hänge ein Raͤdchen an einer Schnur, 
und wird von beiden Haͤnden gleichſam unterſtuͤzt. Deſſen Paradies 
oder Goͤtterſtadt habe ich verſchiedentlich abgebildet geſehn. 


Schirenin, ein gelber Burchan mit vier Armen, wovon die 
zwey obern Roſenkraͤnze halten, die untere zur rechten gleichſam zum 
Seegen aufgehoben iſt, die zur linken aber anf dem Schoß das 
Almoſentoͤpfchen (Baidiri) hält. Weide befchrieb ich in dem grofe 
fen mongolifhen Tempel am Tſchikoi, fie feinen aber, nebft den 
| | vorigen 





Leber die Buxrchanen. 85 


vorigen acht Burchanen, keine vom erſten Range zu ſeyn, weil ſie Schirenin 
ſelten und nicht an den vornehmſten Stellen in Tempeln vorkommen, Burchan. 
die Pfaffen auch wenig davon zu erzälen wiſſen. 


Maͤchtiger und unter die fleifigft verehrte Gägen, menigftens Naiman 
vom zwenten ange, gehörig find die fogenannte Lisıman s Dok; Doffhot. 
ſchot *) oder ade ſchrekliche Burchanen: ft Jamandaga, Chajah⸗ 
rahwa, fMachgah⸗-gallan, f Ghongorr, Ockin⸗Taͤnggri, f Tſchoͤtſchi⸗ 
tſchalba, Nham⸗ toͤhſſarieh und Tſchoͤitſching. Unter dieſen werden 
die mit einem Kreuz bezeichnete (t , nebſt denen eben fo ſchreklich 
abgebildeten Goͤtzen Baudſchigba, Sambagarbu, Otfchirbanni und dem 
obgebachten Tauktſchedſal, Die Befchüger der Wele, der Religion und des 
Glaubens genannt und eyfrig angerufen ; niemals aber merden ihre 
Bider über dir Mitte des Altars aufgeftelle.. “ch muß von jedem 
diefer Gegen insbefondre reden. 


Jamandaga (**), auf mongoliſch fonft auch noch Erlegien Jamanda⸗ 
Abulgaasfihi (der Ringer des Erlik Chan) ingleichen Jike⸗golung⸗ an. 
Ulduͤktſchi (der groſſe Bezwinger) genannt, heiſt auf tangutiſch Platte 5. 
Idom⸗ dordſhi⸗ dſhiſek oder Dibitöfpid, Man kann ſich nichts 
fuͤrchterlicher, als ſeine Abbildung, gedenken. Anſtatt der Glorie iſt 
er mit Feuerſlammen umgeben; ſeine Leibfarbe iſt dunkelblau, und 
die Figur, welche er als eine Gattinn vor ſich hat, iſt hellblau. Er 
hat zu unterſt einen Ziegen oder Ochſenkopf, der zu beiden Seiten 
mie drey grimmigen Menſchengeſichtern, von rother, heil uud dunkel⸗ 
blauer, gelber und weiſſer Farbe, begleitet iſt. Ueber dem Ziegenkopf 
ragt ein rother Menſchenkopf hervor, der, wie jene, drey Augen und einen 
Kranz von Menſchenſchaͤdeln hat. Zu oberſt beſchlieſt ein ur ei 

rau⸗ 





(*) Hiemit ſcheinen in der malabariſchen Mytbologie beym Baldaͤus 
S. 56. die acht Waͤchter überein zu kommen, weiche Viſtnu nach 
MWiederberitellung der Welt, die im Waſſer untergenangen war, 
un.diefeibe ſezte. Es find bey ihm: Indra, König der himlifchen Gei⸗ 
fer; Vanni, Gott des Feuers ; Pidurpati und KTieurdi, beide Könige 
der boͤſen Geiſter; Varunna, Gott ded Waſſers; Maril, Gott der 
Winde; Cubera, Gott der Reichthuͤmer; Ixananam, eine Emana⸗ 
tion von Ixora. 


(**) Der Name bedeuter in mongolifchen wörtlich, Ziegengeſicht. 








06 Ueber die Burchanen. 


Tamandas 
ga Bar⸗ 
chan. 


Baudfchig: 
ba Bur⸗ 
dan. 


Srauenzimmerfopf, der das Sinnbild der Goͤttlichkeit und guten Ei⸗ 


genfchaften oder der Kopf des Manfufchari, von welchem Samandar 


ga eine Verwandlung feyn fol, fo wie das Furchtbare der Figur, Vor⸗ 
bildung der Mache und Thaten diefes Gögen if. Auf jeder Seite 
bat er zehn Arme, welche allerley Waffen, Siegeszeichen, Marter⸗ 
werkzeuge, Echlingen, Schleudern und zerrißne Glieder von Menfchen 
ſchwingen. Mit zwenen hält er vor fi) einen Schädel, dem er mit 
einem befondern fdhneidenden Inſtrument die Haut abzufchaben feheint. 
Unter feinen vervielfältigren und mit Krallen bewafneten Fuͤſſen legen 
alleriey Ungeheuer und Menfchen von gelber, blauer und weiſſer Zara 
be zertreten. Sein Gewand ift eine Elefantenhaut und fein Gürtel 
eine mit Menfchenföpfen behaͤngte Schlange. Vor ihm ftehn brep 
ppramidalifhe Auffäge (Duruma), die auf Schäbeln ( Ghawula) 
ftehn : der eine ftelle gleichfam das abgefchälte Fleifh eines Menſchen⸗ 
fopfs, mit Nafe, Augen‘, Ohren und Zunge vor; der andre feheine 
aus Gehirn zu beftehn, der mittelfte ift eine zierlihe Blutrothe 
Pyramide. Dergleihen aus Mehlteig kuͤnſtlich verfertigte Aufſaͤhe 
werden diefem Burchan dargebracht, wenn fein befondrer Dienft 
verrichtee wird; und ähnliche, von beftimter Geftalt, find auch für die 
übrigen grimmigen Burchane auf dem Goͤtzentiſch üblich, 


Sn diefen fürchterlihen Gögen fell Schigimuni feinen Gefaͤhr⸗ 
een Manfufchari verwandelt haben, um den auf biefer Welt im vos 
rigen Weltaleer viel Unhen! anrichtenden Wieberfacher der guten Goͤt⸗ 
ter , Tſchoͤtſchitſchalba zu bezwingen; oder vielmehr, Jamandaga if 
eine Emanation von Manfufchari. Durch feinen fürchterlichen Feuer⸗ 
glanz, Gröfle und Macht ward fein Gegner fo in Furcht« geſezt, 
das er fid) zum Gefangnen ergab, fi) vor Schigimuni mie Buffe demuͤ⸗ 
thigte und von ihm zum Erlif «Chan oder Richter der abgefchiedrien Seelen 
beftelle ward. — Noch andre Thaten und Werwandlungen werden 
von Jamandaga und den andern fürchterfihen Goͤtzen, welche bie 
Pr befihügen, in den Büchern Dſchitrim und Dſchogrim 
erzähle. 


Baudſchigba bekoͤmt genau eben die Geftalt, wie Jamanda⸗ 
ga, nur ganz ſchwarz, mit einem blauen Stierfopf, einem rorhen 
und gelben Menfehenfopf darüber, und Gefichtern von andern Karben. 
Er if nebft jenem, die Erüge und der Schug bes Meichs der Burchanen, 

| Cha⸗ 


l 





| 


| — — — 


Ueber die Burchanen. 97 


Chaſah⸗ rahwa, auch Chaſan⸗girba ober Chojin⸗ raba, Chajahra⸗ 

— auf Enetkaͤk genannt, heiſt auf Tangutiſch Tandrik und iſt der wa B. 

zweyte unter deuen Naiman Dokſchot und der Schuzgott der Pfer⸗ Platte 8. 

de, die man ihm aud) werben laͤſt. Sein Bild ift roch, von graͤß⸗Fis. 1 

licher Geftale, mie Hirnfchädeln gekrönt und mit Menfchenföpfen am 

feibgürtel und Schlangen ſtatt der Ordensketten geziert. Er bat 

aber nicht mehr als einen Kopf und zwey Arme: in der rechten 

Hand ſchwingt er eine Arc von Keule, und in ber linken eine Schleu⸗ 

ber oder Schlinge (Zalma) die ihm zum fangen feiner Feinde die⸗ 

nen foll (*). Zumeilen wird er auf Menfchen berumtretend gefchilverr. 

Sein Gewand IR ein Tngerfell und feine Glorie Feuerflammen. In 

dem flraubigren Haar ſieht man einen Fleinen Pferdefopf abgebilder, 

weil er einmahl Pferdegeftalt angenommen haben foll, weßmwegen ihn 

die Mongolen auch Yorinscholss (Pferberachen) und die Kalmuͤk⸗ 

ten Morin⸗chooltai (den Pferdehälfigen) nennen. | 


Machchah⸗gallan mit dem Vorwort Jike (der groffe) Jike⸗Mach⸗ 
ift unter den Naiman Doffehot der dritte. Obiger Name ft Eneteabgallan _ 
kaͤliſch, auf Tangutiſch heift er Tſchaguru (der fechshändige) auch Burchan. 
Bombe und auf mongolifh Jike⸗Charra (der fehr ſchwarze) . oder age 8 
Surganzgar, welches fo viel als der erſte Tangutifche Name bes 99 2* 
deutet. Er wird ſtehend, ganz blau ober ſchwarz von Farbe, mit 
flommendem, breyäugigten, sgräßlichen Haupt, vielen Gehängen von 
Todtenköpfen und fehs, auch zumweilen nur vier Armen gefchildere. 

Er erite auf Elefanten, ober auch auf ein menſchliches Ungeheuer 
mie Elefansenfopfe. Sein Gewand beſteht zumeilen aus einer abge« 
| | . jognen 





(*) Zalma, in der grimmigen Burchanen Hande, ift ein- langes Range ' 
feil, dergleichen ſich viele Kalmuͤcken zum Einfangen milder Pferde 
ſehr geſchikt zu bedienen wiſſen. Ein uber zwanzig Arſchinen langes - 
Seil wird aus der Hand alfo einen laufenden Pferde über den Hals 
geichleudert , daß es fich darin fangen muß, wenn es fonft auf 
Feine der gemöhnlichen Arten gefchehn kann. Dieſes Schlingen⸗ 
werfen (Balmas Drfänd) wird demnach auch den grimmigen Bur⸗ 
chanen zugefchrieben, und die Schlinge in ihren — abgebildet, 
als ob fie ihre Wiederſacher und die, auf welche fie zornig find, das 
‚mit zu fangen ſtets bexeit ſtuͤnden. | 


Zweyter Then, N 





98 " Ueber die Burchanen. 


Ilke Ma⸗ zognen Menfchenhaur und grünen Scherpe, ober einer Efefantenhaut. 
bagMan In zideyen Armen dor linken Seite halt er drenzafigee Waffen; in 
Burchan. zweyen der rechten Seite ein Hakmeſſer und umgeßrjten Becher; 
Die zwey übrigen Hände hält er vor der Bruſt, und zwar mit der 
linken eine Mufchel und in ber rechten das mwunderthätige Gewaͤchs 
Dſchinda⸗mani, welches in ber See mwachfen fol. Man folte diefen 
Burdyan, nach foldyen Attributen, für den Waffergort halten, allein 
ihm wird, nebft dem folgenden, der Siß in der ſuͤdoſtlichen Welt. 
egend, miften in einer gräßlichen, waldigten Einoͤde Serigun⸗ 
ſchitſchirlik angemiefen. In aftrologifihen Schriften koͤmt zuwei⸗ 
. Ien die Figur eines Creuzes vor, welche das Zeichen des Machahgal⸗ 
Ian ſeyn foll, fo wie aud) andre Burchanen das ihrige haben, Haͤtte 
P. Georgi diefen Umftand gewuſt, er wuͤrde gewiß fruchtbar an 
‚Holgerungen gemefen fenn und niche nörhig gehabt Haben die wöllige 
Abmefenheit der Ereuzesfigur unter ben Tyobetaniſchen Goͤtzerwerzie⸗ 
zungen mit vieler Mühe (©. 203.) zu erflären. 





Zagan · Mas Der naͤchſt folgende unter denen Naiman⸗-Dokſchot iſt Ghon⸗ 

chabgallan. gorr, auch Machah⸗ gallan mie dem Vorwort Zaghan (der weiſſe), 

Platte 6. auf mongoliſch Zagan⸗Ittoͤgaͤl (der weiſſe Glaube) genannt. Er wird 
dem vorhergehenden ganz aͤhnlich, auf eine Menſchengeſtalt (*) mit 
Elefantenkopf tretend , aber‘ ganz weiß, und mit andern Attri⸗ 
Tuten in den Händen, abgebiſdet. Die abenrheuerlide Gmemen, 
welche ihn auf der tm Rupfer vorgeſtellten und nad) einem auf 
Sende gemahlten Bilde entworfnen Zeichnung begleiten, ſind vermuth⸗ 
ih Gehüffen und dienftbare Geiſter, über welche ich Peine Erklärung 
‘su geben vermag. | 


Dkkin Ting: - Es folge in der Ordnung Okkin⸗-Taͤnggri (der Jungfraͤu⸗ 
gri. liche Taͤnggri). Die Vorſtellung die mann von dieſem weiblichen 
Platte 7. Goͤtzen macht, iſt gewiß nichts weniger als jungfräulih. Sie fizt 
‘auf einem Ziegenbof mit zufammengedrehten Hörnern, ift von Farbe 
dunkelgruͤn oder ſchwarz, mit einem rothen Gewand und von Flam- 

men umgeben. Die rechte Hand :päle em Schwerb erhoben, - = 
linke 





(8) Dieſe Figur bat glehnlichkeit mit Quenawadi, einem Sohn vos 
Ixora oder Mopſur beym Baldaͤus ©. 20. 


“„“n: 
⁊ 





ö Vieber die Burchanen. 9 


linfe eine Schlinge. Von den Begleitern fize einer zu Pferde, auf Okin⸗Taͤug⸗ 
einem Schäden, und ift roth; zwey andre reiten auf Chimären, und gr. » 
von biefen hat einer fehs Arme, der andre leitee ein Paar kleine 
Kobolee am Strik, die ein dritter, mit DBafilisfen und Schlangen 
umgebner, vor ſich her treibt. Alle vier find dem Hauptgoͤtzen aͤhnlich 
befleidee, und mit Flammen umgeben. Noch ein Paar Poltergeifter 

find neben den Ziegenbof geftelle, und zu oberft ift ein andächriges 
kamenbilpniß, dergleichen auf Gemälden, ſowohl als gute Goͤtzen, ben 
grimmigen gemeiniglidy über ben Kopf geſezt zu werden pflegen; fo 

wie hingegen bey guten Bögen oft einer oder mehrere von den fchref« 
lichen Bögen ‚unten bengefüge find, — Der Aufenthalt dexOfin Täng« 

gri foll in dem die Welten umgebenden Meer, Moli⸗dengi feyn. 


Chammo oder Lchamu fol mit Okin⸗Taͤnggri im Grun⸗ Chammo. 
de eikerley ſeyn, und vielleiche war die eben befihriebne Abbildung Platte 9, 
diefes Burchans nicht urſpruͤnglich Tybetaniſch, wie.es mir auch das Fig. 5. 
Alter des Originals wornach Platte 7. gezeichnet iſt, und das unge⸗ 
woͤnliche Coſtum der Malerey an ſelbigem vermuthen laͤſt. Eine kup⸗ 
ferne ſehr ſauber gegoſſene und verguldete Figur, welche den Bögen 
Chamu eigentlich vorſtellen ſoll, iſt auf der gten „Platte, Sig. 5. 
zu ſehen, welcher die Kalmuͤckiſchen Pfaffen auch den Namen Daat⸗ 
ſchin⸗ Okin⸗Taͤnggri gaben. Eben fo, auf. einem wilden Halbeſel 
oder Dſchiggetei reitend, wurde mir dieſer Edge im mengolifchen Tem- 
pel am Tſchikoi gezeigt, wo mann ihn blau. von Farbe gefchildere 
hatte. Es waren nur zwey Begleiter Dabey, wovon der eine Don⸗ 
jong genannt, das Thier führe, der andre Tſchuͤſteruͤn, nachfolge. 
Beide hatten eine hellblaue Farbe befommen, jener mit einem blut⸗ 
braunen, diefer mie einem weiffen Kopfe.; 


choͤcſchi⸗tſchalba oder Schalfcht ifE nichts anders, als TIſcboͤtſchi⸗ 
die erſte Modification des nachmaligen Erlit- Chan. im gedachten tihalda od. 
Mongoliſchen Tempel ſahe ich ihn nach Arc des Machagaflan, ganz Erlilchan. 
blau, auf Menſchen tretend, gemahlet. Er hatte zwey blaue, mit 
Hirnſchaͤdeln bekraͤnzte Koͤpfe uͤbereinander; am untern zeigte ſich zur 
rechten ein weiſſes, zur linken ein ei Geſicht. Von feinen vier 
Armen terug einer zur rechten ein Schwerd, und einer. zur linfen ein 
Panier empor; mit denen andern hielt er vor fich einen Otſchir, einen 

Na | mit 


800 Ueber die Burchanen. 


Iſchotſchi⸗ mit Blur bedekten Hirnſchaͤdel, und einen Roſenkranz von Beinen Tod⸗ 
tſchalba od. tenkoͤpfchen. Vier fuͤrchterliche Gnomen, blau, roth und gelb, ber 
Erlikchan. gleiteten ihn, | 


Platte 8. Was diefer Goͤtze, als Erlikchan, vor Mache und Verrichtung 
Big. 4- u. habe, ift ſchon in einen vorigen Abſchnitt erzähle worden, we auch 
Zlatte 9. deſſen Borftellung, als Hoͤllenrichter (Platte 8. Sig. 4. und Platte 
u, 9. Sig. 1.) angeführe Hit. Ich habe . noch mit ‚einigen anbern 
Abänterungen gefehn, doch waren die Bilder in den Hauptflüden ei» 
nerlen. In Gemälden ift er von Farbe bunfelblau, mit Feuerflam⸗ 
men umgeben. Der Stier unter feinen Füffen, und feine, neben ihm. 

ftehende Gattin Samundoͤ, befommen eine hellblaue Farbe. 


Roomster Nomtoͤſſarieh uber Nomſar, nach mongoliſchen Rachrichten 
Platte 1. eben das Weſen, deſſen unter dem Ramen Biſman Taͤnggri gedacht 
89-4 morben, wird zwar unter die acht zornige Burchane gerechnet, iſt es 
‚aber der Bildung nach nicht. Er fol auch nur, anſtatt eines andern 
Burchans Batu⸗Ekaͤ, auch Morin⸗Eſſe, Busbri md Jakſan⸗ 
nojon genannt, deu man wegen feiner gar zu groſſen Scheußlichkeit 
ausgeſchloſſen, amter die Naiman-Dokſchot aufgenommen - ſeyn. Er 
wirt mit gelber: $eibesfarbe, blauem Gewand und. grüner Scherpe: 
geſchildert; Die auf der erſten Platte mirgerheilte Abbildung aber ifl 
nad) einem im Thon abgedrukten, vergoldesen Bilde gemacht. Dies 
fee Burchan ſizt auf einem Lmen, träge in der rechten Hand eine 
Art von. Panier, auf der linfen aber eine Karte. Um ihn find acht 
(zuweilen auch nur vier) Gefährten, alle gehamifcht und zu. Pferde; 
zwey Davon werden, mit ihren Pferden, blau, viere gelb oder golds 
farbig, und zwey weiß vorgeftellt, deren einer von. Geſicht ſchwarz 
fl. Ueber dem Kopf des Burchans ift, in der angezognen Abbildung, 
das Dſchindamani und einige Opferfegel oder Duruma, aufgeftellt. 
Er fol. eigentlich .der Gott des Hornviehes, welches ihm auch gemeis 
bet wird, und des Reichthums feyn, und feinen Sig an ber goltmen 
Seite des Suͤmmeroola (oder nach antern am nordfidyen Theil des 
Himmels, in einer Refidenz Dſchanlu Dſchanſchi genannt) Haben. 
Alle feine Gefährten tragen Ratten auf der finfen Hand, und die 
Mongolen erzählen ganz ernfihafi, daß diefen Thieren nichts als Edel- 
gefteine abgehn follen. Bor feinem Bildniß pflege auch ein Garten 
mir. einem See, worinnen Schwäne, als ihm geweyhte Voͤgel, ſchwim⸗ 

men, 








Leber Sie Burchanen. | z07 


men, und mit daneben ſtehenden Tifchen oder Alrären, die mic Frucht: Nomtoͤſſera 
aufſaͤtzen beſchwert find, vorgeftelle zw werden. Man fezt ihn, mit 
vier andern “Burchanen, weiche Das Gluͤk des Menſchen im Zeitlichen 
befördern follen, an die Eingänge ber mongofifehen Tempel und auf 
die mit aflerfen Zeichen und Tarni befchriebne Papiere, welche zu 
Amuleten dienen, 


Tſchoͤitſching Burchan auch Daͤrluͤk genanne ift unter der Tſchboͤit⸗ 
eigentlichen Naiman Dokſchot der . Er wird auch Nomien⸗ ſching 
Sakooſun oder Erhalter der Lehre „genannte. Ich babe feine Ab- Burcbam 
bildung nie gefehn und weiß auch fonft nichts von ihm zu fagen, als 
daß Die $aien glauben er fey im Tybet, beym Dalai⸗CLama, als ein 
“eingefleifhter, aus einem Körper in den ander gehenber Burchan ans 
‚zutreffen. > 


| Nicht unter die eigenrfihen Naiman Doffchot — ‚ aber Otſchirban⸗ 
eben fo fehreflidh und mächtig iſt Otſchirbanni, auch Baſirbanni ni-Platte ge 
und auf tangutifh Schanssbordfchi ( Scepterhalter ) (*) genannt. Vig . Ä 
Er wird blau, mit einem Priefterfcepeer ( Örfchir ) in. der vechtem, 

auch zumeilen der Priefterglode in der linfen Hand, in einem Kreiß 

von Flammen gebildet. Sein Sig foll in Welten, auf einem mit ewi- 

gen Eiß befeftigten und mit rothen Sandelbämen (lan: Sander 

modo ), weldye auch im heiffen Sommer Neif erzeugen follen, uns 

gebnen einfiedferifhen Gebürge ſeyn. Er ift auf diefer Wele einer der 
gewaltigften Burchanen. Ungewitter, Stürme und Wolfen vühren 

von ihm her und in allerley vermeinten Bezauberungen und Wuͤr⸗ 

tungen böfer Geifter wird Er vorzuͤglich angerufen, und ſonderlich die 

an ihn gerichtesen. Tarnisformel fleißig und von mehren Perſonen 
wiederhohlt. 


Von ben übrigen, oben als Beſchuͤzer der Welt und der Re⸗RKadna ſam⸗ 
ligion genannten fuͤrchterlichen Burchanen, Sambagarbu und Tauk⸗ dawa Bur⸗ 
tſchedſal, weiß ich weiter nichts Ay fagen , als daß erſterer in Der 

V 3 | ze Hölle 





(*) Aus der Rechtſchreibung diefes Namens, welche die Ausſprache 
genan ausdruͤkt, kann mann ſich von ber Irene, mit welcer P. 
Georsi, der diefen Burchan Cihana - Torceb fehreibt, Die Tybetanis 
ſche Namen augicht, einen Begrifmachen. Tſchoͤitſching ſchreibt eben 
Ber ſelbe Cio⸗Kion. 


⁊* 


⸗ 


2 Lieber die Burchanen. 


Radna⸗ Hölle (Ukegerun⸗Zengeldukuin⸗GOrron) regieren fol, der andre 

fambawa: aber faft wie YJamandaga in ben Mongolifhen Tempeln gefhildere 

Burchan. wird. — Noch habe ich von einem Bögen Radna⸗ſambawa, für 

Platte 9: den einige Pfaffen die auf der gten Platte befindliche fiebente Sig, 

08T erflärten, gehört, ba er theils wodithätige fbeils fürdterliche 
Handlungen ausübe Er wird auch Lurup oder Lu -buchkfän 
genannt. 


Daitſching⸗ Hieher gehoͤrt auch noch der Kriegsgott der Lamaiten Dait⸗ 
Taͤnggri.“ ſching⸗Toaͤnggri, auf Tangutiſch Aradlha, der in völliger Ruͤſtung, 
Platte 1. mit acht oder mehrern ebenfalls geharniſchten Trabantn, nebſt allen 
dig. > schon im erften Theil dieſer Samlung S. 223. erwähnten Sinn⸗ 
bildern , und mit Tropheen und allerley Beute unter ihm, aus der 
zweyten Sigur der erften Platte zu erfehen if. Mann führe ihn 
in Eleinen Gögenfurteralen und auflerdem auf Fahnen oder Flaggen 
ſonderlich Denen, die bey Kriegszügen gebrauchte werben. Er foll auf 
Erden Kriege und andre groffe Veränderungen regieren. Vielleicht ift 
er aber im Grunde von oben erwähnten Okin⸗Taͤnggri nur eine 
Berlarvung. 
Churmuſtu Auch Churmuſtu⸗Taͤnggri, der auf dem Suͤmmeroola, in 
Taͤnggri. der Mitte des Weltgebäudes wohnende Schuzengel deffelben, wirb in 
Platte 1. Goͤtzenbildern vorgeftelle gefunden und als Burchan verehrt. Ein 
Dig. 1 ſolches, in einem fafirten Behaͤleniß auf Thon abgebruftes, vergol- 
detes Bild deffelben, nebft denen vier Macharanſa⸗Chanen, ift 
. auf der erften Platte Sig. 1. fo, mie ich es bey den Selenginsfifchen 
Mongslen erhalten habe , abgebilder. Ein Spiegel und eine Opfer⸗ 
pyramide find unter ihm, und das Bild eines mir unbefannten ver 
görterten Patriarchen über ihm vorgeftellt. 


beprie . Unter die Zahl der gemönfihen Lamaiſchen Bögenbilder gehoͤ⸗ 
erlide ren die Worftellungen ihrer theils noch auf Erden lebenden Patriarchen, 
Goͤtzenbil⸗ in welchen der Geift gewifter Burchanen, zum-Beften der Religion 
ber. feinen Siz haben ſoll; ober folcher groflen Samen, in welchen vors 
mahls Burchanen zu eben bem Zwek auf Erden erfchienen find. Mann, 

giebe diefen, in voller priefterlicher Tracht gefleideren Bildern in den 
Zempeln fogar naͤchſt dem Hauptgoͤtzen Schigimuni bie oberften Stellen 

und bilder fie auf andern Goͤtzengemaͤlden fehr offt, als eine Beglei⸗ 

j gung 





— — — — — — * = 


"Ueber die Burchanen. 10 


tung zu oberſt, fo mie Die zornigen Bößen zu umterft, mit ab. — Der Hoheprie⸗ 
vornehmfte unser dieſen priefterlihen Goͤtzen ift Tſonchaba ( bie ferliche 
Kalmüden fagen Sunkaba) oder Sauwanchaba⸗ Sein Bild ift Goͤtzenbil⸗ 
gemeiniglic) auf jeder Seite mit einer Roſe begleitee, und auf ber ae 
einen eine Kerze oder auch ein Schwerdt, auf der andern ein Bud), eo 3. 
unter Dem Bud) auf der "Blume zumeilen ein fleines Bild des Mai- 35 3. 
dari Burchan, unter dem Schwerd aber Manſuſhari, vorgeftellt. 
Er iſt in Tangut, nach der im Alphabeto Tybetano bekantgemachten 
Chronologie im Jahr 1202. nach Chr. Geb. — nach einer aus dem 
mogoliſchen uͤberſezten und (S. 14) vorhin eingeruͤkten Schrifft aber 
über hundert Jahr ſpaͤter, geboren und har ſich um die Einführung. 
und Ausbreitung der Schigeinunifchen Lehre, die damahls durch Krieg 
und Factionen in Abnahme gerathen war, fehr verdiene gemacht. Macha⸗ 
gallan Burchan foll ihn als Vater gezeugt haben Ind er ſteht im Range 
über dem Dalai-fama, den er zur rechten, und dem Bogdo⸗Lama den 
er zur linfen zu haben pflegt. Diefe werben auch Fleiner und gegen ihn 
gleichſam fi) neigend gemahlt. Die Himmelfarth des Tfonchaba wird 
durd) das Feſt Sulaain füra, welches eins der groffen Jahresfefte iſt, 
gefeiert. Die afademifhe Kunftfamlung befizt groffe gegoßne und 
vergoldete Bilder von ihm. | | 


Die gewoͤnliche Vorſtellung des Dalai⸗Lama und alfo auch Dalai La⸗ 
ben prieſterlichen Ornat dieſes Patriarchen, kann mann aus der Zten na. Platte 
Figur der 9 Platte, Die nad) einem gegeßnen und vergoldecen Bil-9 Gig. 8. 
de gezeichnet iſt, erſehen. Arja⸗Balu oder Luga⸗ſchiri Burchan | 
foll eigentlich im Dalai⸗Lama eingefleifcht und ſchon zuvor durch viele 
Wanderungen im Ereaturreich gegangen ſeyn. Das Bud) Dalsilaman 
toodſchi erzähle die Wundergefchichre dieſer Wanderungen, Unter 
andern ift Geſſuͤrchan (der Bachus und Herkules der Mongolen ) 
felbft eine vormalige Verwandlung diefes Goͤtzon geweſen und der goͤt⸗ 
fihe Geift, der auf dem Chutuktu der Mongolen ruht, und jenem 
durch alle Wanderungen, als ein getreuer Sancho Panfa gefolgt iſt, 
fol damahls als das fahle Pferd (Bilijn⸗Koͤrre⸗Morin) des Gef 
für:-gedient haben , in andern Berwandlungen e% batd Diener oder 
Schildknap, bald Gehülfe geweſen feyn. | 

... Eine Berfiellung dieſes Chutuktu oder Rutuchta If, aus Kutuchta 
der neunten Sigur der gten Platte abzunehmen; er fteht aber nur Platte 9. 
im zweyten Range ber Patriarchen, wie ber folgende Abſchnitt jeigen Sig. 9- 

. wird. 


— 





Boydo.ba- 
intſchang. 


Von der 


Vorſtellung was vo 


104 | Ueber die Burmanen. 
wird, Dahingegen wird Bogdo⸗Lama oder Bogdo⸗ baintſchang, 


wie er bey den Kalmuͤcken genannt zu werden pflegt, dem Dalai⸗Lama gleich 
geſchaͤzt, und bald wie Fig. 4. der aten Platte, bald wie Fig. 4. 


der zten Plette, mit gelb und rorhem Gewand und einer befondern 


"gelben, roch eingefaften Muͤtze, geſchildert. 


Noch einige andre, in priefterlihem Ornat vorgeftellee Gögen, 
welche henlige tybetaniſche Lamen geweſen find , wurden mir im mon 
golifhen Tempel am Tſchikoi unter denen Namen, Dfchendfcherems 
butfche und Bandſchin⸗tſchedſe⸗djaͤnzong gezeigt ; von welchen 
aber die Kalmüden nichts wiffen. Ich koͤnnte noch verfchiedne andre 
Goͤtzen nennen, von welchen mir aber nichts, als ber bloſſe Nah⸗ 
men, zu Ohren gefommen ift und die nicht fo allgemein, felbft unter dem 
geiftlihen Haufen, befant find. Auch ihre Bilder kommen felten vor, 
fo häufig dagegen die vorigen in Tenpeln und bey Geiftlichen ange. 
troffen werden. Sie find alfo würflih, gegen jene, nur unwichtig, 
shngeachtet das nicht der faufendfte Theil der ganzen Mpriade von 
Bögen iſt, welche die tybetaniſche Mythologie annimt. 


Ein einiges Gögenbild , beffen Nahmen ich niche habe ge: 
wiß erfahren koͤnnen, ift wegen feiner befondern Stellung und bau⸗ 
chigten Geftalt, die man fonft unter ben gütigen Burchanen nicht 
ſieht, auf ber dritten Platte. Sie 2. zur Ausfüllung des Raums, 


"nach einem gegoßnen und vergoldeten "Bilde der Afabemifchen Kunft: 


ſamlung, abgebildet worden. Ein Kalmüdifher Geiftliher vormennte 
e8 zufennen und nannte es Okin⸗dſana (die Jungfrau Dfang) aubre 
aber mwolten nichts von diefem Namen wiffen. Ein änlihes Bild, 
befien Namen mir aber nicht befannt geworben, ift bie zehnte Sir 
gur auf der gten Platte, f 


Cs muß hier fchließlih noch gefage werden, wie unb aus 


derBurcbas r Materien die Goͤtzenbilder zubereitet zu feyn pflegen, 


nen. 


Die Gemaͤlde (Kuͤrruͤk) pflegen bey den Mongolen und Kal⸗ 


mucken vollkommen einerley Einrichtung zu haben. Sie find auf 


duͤnnen Taffent geſchildert, der mit einer oder weniger dicken 
Leimfarbe grundirt if. Gemeiniglich ſind die mriſſe abgedrukt, wo⸗ 
zu bie geiſtlichen Kuͤnſtler ( Urrun⸗Gelluͤn) gewiſſe Formen (Bars) = 

| ar⸗ 

















Ueber die Burchanen. 195 


hartem Holz haben, die. alle erforderldje Umriſſe, wie unfre Holz- Von der 
ſchnittformen, genau ausdrücken, und nur mit den vorgefchriebnen Vorſtellung 
Farben ausgefullt- und Darnad) mit Fleinen Bierarhen ausgemahlt wer. der Burs 
den dürfen. ch habe ſolche Holzfchnirte von unglaubliher Sauber. Vanen. 


keit geſehn, weiche unſre beite Holzſchneider nicht tadeln würden. Sie 
druͤcken aber Feine Schattirung aus und überhaupt wiflen die tangu- 
eifchen und Mongoliſchen Kuͤnſtler, mie die Chineſiſchen, von feiner 
Schattirung ; dennoch nehmen ſich ihre Gemälde gut aus, weil fie 
:die Farben: geſchikt abwechſeln, in den Umriſſen viel Stärfe haben 
und den Grund immer mit der Farbe der Hauptfigur Eontraitiren laſſen. 
— Das Gemälde felbft wird in einen Rand von Baumwollenzeug, welcher 
‚mit Seidenftoffen von allerley Farben oder mit Chineſiſcher Sol 
maͤnka (*) überfteider ift, eingeſpannt, und Diefer Rand oben um 
‘einen Splint, unten aber um eine Rolle, wie.bey uns an aufgehäng- 
ten fand» Eharten gemöhntich iſt, genäht, damit mann das Gemaͤlde 
‚bequem auflyängen, und beym hin und herwandern zuſammanrollen und per⸗ 
‚wahren fönne. Die Rolle wird an ben hervorſtechenden Enden mit Silber 
oder Zinn beſchlagen, an den obern Splint aber werden, ‚zur Zierhe. 
bes Gemäldes , dünne Fetzen von Seidenflor , der bey den Chinejern 
:ausdrüflich zum .geiftlihen Gebrauch mit ben Fünf beikgen Farben 
(+) geſchacht zu haben ift, angehängt. und aud) zur Verwahrung des 
‚Bemäldes ein Vorhang von dünnen Seibenzeuge darüber angebefter. 
— Auf folchen Gemälden werben dem vorzüglichfien Bögen, wenn er feine 


ihm eigue Gefährten hat, einige andre Gößen eben und unten 
beygeſellt. Dazu waͤhlt mann am öfterfien das Bild des Schigi⸗ 


muni und bie Gohepriefterlichen Bılber. Auch denen zornigen Goͤtzen⸗ 
‚gemälben wird allezeit zu oberfi eins dieſer guͤtigen Bilder vorge⸗ 
fest. Bey gütigen Bögen aber. ift faft immer zu unterfi ein Paar 
der zornigen Bilder beygefuͤgt, um fie ehrmürbiger ‚gu machen, Ein 
— | | jeber 


— 





cr) Mit Metallenen Blumen durchwuͤrktes, palbſeidnes Zeug, auf einer 
| Kette von Neſſelgarn. | | 
ch Die Heiligen Farben find weil, gelb, roth, grün and lan. Schwaerz 
bringt mann nur bey Yen fuͤrchterlichen Bögen an. - 


i tZweyter Theil, | O 


' 
“ v 





106 Leber die Burchanen. 


Bon der jeder Goͤtze hat in den Gemälden feine ſeſtgeſezte Geſtalt, Attribute, 
Vorſtellung und Farbe. Ja es wird auch eine gewiſſe Proportion der Groffe 
der Bur⸗ beobachtet, mo mehrere auf einen Gemälde, oder in einem Tempel 


chanen. 


vorzuſtellen find. Der Grund der Figuren wird, auſſer bey den grim⸗ 
migen ®ößen, die in Feuerflammen ſtehn, allzeit als ein mie Graf 
und Blumen geziertes Feld oder ‘Berg, und die obere Hälfte als ein 
Himmel mit Wolfen ausgefülk, 


Unter den Kalmuͤckiſchen Geiftlichen find ige nur wenige, die 
in diefer Malerey geſchikt find; die Mongolen find mit dergleichen 
Künfttern noch wohl verfehn. Beide Mationen haben die Künfte,, 
mit der Religion, aus Tybet uͤberkommen, ja es giebe auch bey den 


‚Mongolen noch ürfprünglic) aus den Tangutentande gebürtige Geiftliche, 


felbft unter denen, melde Rußland unterthänig find. In Tybet 
ift gebräuchlich die gefchilderten Gögenbilder in ordentlichen, gezier- 
ten Ramen , unter Glaß, wie ben Roͤmiſchkatholiſchen bie Heiligen, zu 
verwahren; wovon in ber Afadbemifhen Kunftfamlung Proben zu 
feben find. - 


Alle Gößenbilder, melde nicht Gemälde, fonbetn erhoben 
vorgeftelle find , werden überhaupt Schüttehn und bie Behältniffe, wo⸗ 
ein mann fie verwahrt, Ordu⸗Charſchi genannt. Bey den Kalnri- 
en findee mann bergleihen aus Kupfer gegoffene Goͤtzen ziemlidy 
häufig , die gemeiniglidh eine Spanne hoch , aber audy bis.auf.anbert- 
halb Zoll herunter , und zuweilen bis faft eine Elle groß zu fern 
pfleuen. ie meiften find von fo guten Proportionen und fe feines 
Guß, daß ſich auch Europäifhe Künftler der Modelle dazu nicht 
fhämen dürften. Sie pflegen flark im Feuer vergoldet zu ſeyn, "und 
werden deßwegen auf den rußifihen Graͤnzhandelsplaͤzen am Ural, 
Mi und Irtiſch ziemlich heuer den Kirgifen abgefauffe, welche feis 
Zerftdrung der Songarifchen Mache fid) durch den Raub eine ziem- 
tiche Menge folher Kalmuͤkiſcher Heiligthuͤmer eigen gemacht haben, — 
Diefe gegoffene Goͤtzen, unter welchen auch filberne von oft fehr fei— 
net Arbeit vorfommen , find am meiften durch die im Tybet geführ- 
ten Kriege und nähere Gemeinfchaft mir den Tanguten, unter die Kalmuͤcken 
gekommen und werden , fo viel ich habe erforfchen koͤnnen, auch nicht 
einmal im Tybet felbft, ſondern von einer ſuͤdweſtlich von ba 
wohnenden, fpisige Müsen tragenden und ſchwaͤrzlichen Nation, = 

I | En | 





Ueber die Burchanen: 107° 


bey den Mongolifchen Völkern Naͤngi genane wird, und in allerley Bon der 
Silberarbeit ſehr gefchift feyn fol, alſo vermuthli in einer nord. Vorftelung 
lichen Provinz von Indien, verfertig. Die Figuren der neunten! Bur⸗ 
Platte dieſes Werks, find nad) dergleichen Gußbildern gezeichnee FR 
und gar nicht verfchönert, aber meift alle fehr verkleinert. Bey den Mon- 
golen fiehe mann biefelben überaus felten, woran bie gröffere Ent 
fernung und Mangel ber. Gelegenheit fich felbige zu verfhaffen, Ur 
fach ſeyn muß. Ä | 

Dahingegen haben die Mongolen viele aus Thonerde, theils 
in garagem , theils in halben Relief geformte Gögen, die mit ihren 
Farben übgrlaft, oder in blauen Grunde fehr fauber vergoldet zu ſeyn 
pflegers. Man hat breierley Arten folcher “Bilder : entweder find es or« 
dentliche Puppen , welche auf einem Fuß flehn und in einem faubern 
überlaften Holzfutteral (Ordu-Charaſch) vermahre werden. (Platte 
2, Sig. 1. 3. PL. 3. Sig. 1, und PL. 8. Sig. 2.3.4.) oder es find 
Fleine. Halberhobne Bilder, die in Hölzernen, roth überlaften, mit einem 
Schieber. verfehenen Kapfeln eingefaft, und auch darin gleich abgedrüft 
find (Dlatte.ı, Sig. ı bi84.) 5 oder es find endlich Fleine runde Ab- 
drücke, welche wie unfre Siegelerden ausfehen (Platte 3. Sig, 5.) und 
Diefe find auch bey den Kalmuͤcken gebräuchlich und pflegen auf Reiſen 
und in Befahren, mit andern Heiligehümern’ und Amuleten, auf der 
Bruft getragen zu werben, mozu.mann feine kupferne oder’ filberne 
Kapfeln (Platte so Sig. 10.) hat. — Sie. werden auch in Tempeln 
ober Gögenhürten mittelft befondrer Spindchen,, die wie ein Müng« 
Cabinet ausgeſchnitne Hslungen "haben (Platte 14.) ingleihen in 
befondern hölzernen gder gegoßnen Pyramiden (Platte 10, Sig, n.) 
aufgeftellt. ne 5 | 


Es muß noch angemerft werden, doß nad) dem Lamaiſchen 
Glauben alle Gösenvorftellungen, die nicht von Geiftlihen diefer 
Eefte bereitet find, wenn fie auch nod) fo genau nach der Verfchrift 
verfertiger "wären, nicht als heilig gelten und angebetet werben fönnen, 
Die Urſach ift, Daß bey der Verfertigung ſolcher Goͤtzen, ja füge -. 
bey Grabung und Zubereitung des Thons und der Farben, gemifle 
Indianiſche Gebets⸗ oder Beſchwoͤrnngsſormeln (Tarni) andädtig 
ausgeſprochen werden muͤſſen, ohne welche das Werk der Haͤnde des 
Kuͤnſtlers keine Goͤttlichkeit erhalten kann, ſondern ein gemeines tod« 
tes Bild bleibt, welches keine ar verdient, — Die aus Kupfer 

er 2 ge⸗ 


I 


Bon der 


18 ueber die Buichandt, 
gegoſſene Goͤtzen pflegen einen hohlen Fuß zu haben, der Mit riner 


Vorstellung eingepaßten und mit dem Stempel deg priefterfichen Ecepters (Otſchir) 


der Bur⸗ 
ien. 


tbaı 


bezeichneten Platte verichloffen wird ,,.umd im bdiefen Kaum werden 
allerlen folche tangutiſch gefchriebne Machtmorte, Weyhrauch, Stuͤkchen 
von Raͤucherkerzen, fleine Eylinder von Aſche oder andern Uberbleib⸗ 
fein verbranter Heyligen, die in etwas befchriebnen Birfenbaft oder 
Papier eingewicele find , ja aud) fogar Perien und Evelgefteine ( Er⸗ 
deni ) mit eingefdyloffen , fo daß dieſer Kaum offt ‚mit vdergleidyen 
Zeug ganz ausgefüllt ift. In einer gegoßnen Figur des. oben erwähnten 
Sunchaba fand ich unter vielen tangutiſch geichriebnen Papierchen 
einen Eleinen in Form eines Obeliſks gefchnienen , vierfeitigen hölzernen 
Kegel mit tangutifher Schrift. — Wenn diefe Heiligfhümer noch un 
beruͤhrt und der Deckel wohl verfchloffen iſt, fo kaufen die Kalmü- 
en dergleichen Gögen überaus theuer; hingegen handeln. fie auf dies 
jenigen, an welchen der Deckel ausgebrochen iff, gar nicht, weil fel- 
bige für. entheilige und der götlihen Eigenſchaft beraubt gehalten wer- 
den, — Unverfehrten und von Glaubensverwandten verferrigten Bögen 
und Gemälden, ermweilt ein jeder Monggol und Kalmuͤk, wenn fie 
gleich in fremden Händen find, fiine Anbetung und Ehrfurcht dadurch, 
daß er fih mit dem Fuß oder unterften Rand derfelben andaͤchtig 
die Stirn berührt, fie auch nicht gern mit bloffen Händen angreift ; 
and gegen Gögen , welche fie felbft oder Leute ihres Glaubens befigen, 
gebrauchen fie diefe Vorficht und jene Ehrerbierung im hoͤchſten Grade. 
Deßwegen werden aud) die Gögenfiguren (Schüten) ftets in reinen 
feidnen Segen von einer heiligen Farbe eingewifele verwahrt, ver 
mittelſt weldyer mann fie mit den Haͤnden, die doch vorher wohl ge. 


wachen feyn muͤſſen, behandeln und halten Fann. 


er . ’ P 























* 
2 
+ 


224595: 


BZweyter Abſchnitt. 


Von ver. Tybetaniſchen Hierarchie, und den 
verſchtednen Sal, = Lamaiſchen Geiſt⸗ 
Be \ X , On 2 (d 


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S J .. R B . ’ 





—— J | 1. 
- Don 


den ‚beiden Patriarchen der Lamaiten, Dalaie 
Lama und Bogdo:Lama. 9 


(Sriseman, wie bie römifch»farhofifche Geiſtlichkeit In den chriſt⸗ Hierarchie 
| lichen Reihen, durch welche fie zerſtreut ift, eine beſondre, der Lama⸗ 
von der meltfihhen Regierung mehr oder weniger unabhängige, geiſt⸗ iten. 


liche Monarchie vorſtellt, fo macht auch die Lamaiſche Eleriſey, unter 

allen Voͤlkern welche fie, Nord» und oſtwerts von Tybet, zu ihrem Aberglau⸗ 

ben verfehrt har, einen gemeinfchaftlichen Körper aus, deſſen allgemein er⸗ 

fantes, "vornehmftes Oberhaupt der im Tybet refidirende Dalai⸗Lama iſt. 

Diefe Geiftlichkeir hat, unter dem Defmantel priefterlicher Pflichten und: 

durch geheime Triebfebern, eben den zu. die weltliche Regierung 24 
| 3 au 


⸗ 





⸗ 


Io Don ber Iybetanifchen _ 


Hieraredier auch durch das Schredten der Hoͤllenſtrafen und .bie vorgeblihe Mach! 
ber Lamai⸗ vermöge gewifler Blendwerke denen Würfungen böfer Geifter zu 


sen, 


Vom Das 
lai⸗Lama. 
Platte 9. 


Sig. 8- 


wiederftehn, ferner durch die angemafte Anordnung aller im Menfch- 
lichen geben vorfommenden SHauptbegebenbeiten und Gefchäfte, eben 
die unmiederftehliche Herrfchaft über den abergläubifdyen gemeitien Hau⸗ 
fen, welche fonft jene Geiftlichfeie Kanfern und Königen fürdhterlidy 
machte. Ja aud alle Wiffenfchaften und felbft die vorzuͤglichſten 
Kuͤnſte find, wie in den ned) unaufgeklaͤrten Zeiten vou Eukopa, in 
den Händen dieſer verſchmizten afiatifhen- Gößenpriefter, 


Dalai⸗Lama, den nicht allein Tybet, fondern auch alle Mon- 
goliſche Voͤlkerſchaften, als ihr geiftiihes Oberhaupt betrachten, ftelle 
nie nur einen Verweſer der hoͤchſten Gottheit feinen Religion, des 
Schigimuni, auf Erden vor,. umd wird nicht bloß algein durch höhern 
Geift erleuchterer Menfch angefehn, fondern man nimt und betet ihn 
an, als eine würflic) unter den Menſchen wohnende Gottheit, die nach 
Erbiaffung eines von ihre bemohnten Coͤrpers, gleich wieder non einem 
andern, ben fo heyligen Gefäß, auf eine übernatürliche Art Beſitß 
nimt; Wir Haben ſchon bemerkt, daß dieſe Wandeiung :eine Aus« 
nahme von der gemönlichen Ordnung der. Seelenmanderung ift, da der 
Geift gleich nach der Geburt von einem noch unbefeelten Cörper Be⸗ 
ſiz nimt, weicher Orbnung ſich auch alle, aus noch nicht vollendeten 


Elaffen zu Menfchen mwiebergeborne Heylige oder Chubilgataͤ Fügen’ 


müffen. Es war aud) allerdings rathſamer den Geift des Oberpatri« 
archen in ſchon ermachfene und alfo des Unterrichts ber ibn auswaͤh⸗ 
lenden betruͤgeriſchen Pfaffen fähige Juͤnglinge fahren zu laflen, als 
wenn man gewagt hätte anzunehmen, daß er auf Kinder falten 'müffe, 
bey deren Auferziehung und Fähigkeiten viel ‘zu fürchten und zu- ver⸗ 
tieren war. — Wie lange e8 aber mit diefem heyligen "Betrug noch 
bauer möchte, IAft fih um fo weniger beſtimmen, ‚da, nach einem, 
Geruͤcht, der vorige, Dalai⸗Lama verfündige Haben foll, dab er- fi 
nur noch einmahl im Tybet koͤrperlich zeigen wolle. Co daß viel. 
leicht nad) dem Abfterben des gegenwärtigen, noch fehr jungen Dalai 
$ama, dos Blendwerk entweder auf eine andre Art, oder an einem 
andern Dre fortgefeze werden mird. Es kann kenn, Daß. bie: Chines 
fer an dieſer erwarteten Veränderung Aurbril habens um diefen Pa= 
trierchen, burch weichen die noch immer gefährliche mongolifche- Stäm- 


we ſo leicht im Zaum zu „halten. find, ihrem Sande näper zu bringen; 
. Dr A 8 








Hiexarchie und Geiſtlichkeit. x 


Es koͤnte aberaudy eine Liſt der Tybetaniſchen Pfaffen darunter ver- Bom Da— 
borgen feyn, die ıhr Oberhaupt vielleicht im füdlichften, noch nicht lai⸗Lama. 
“unter chineſiſcher Herrſchaft ftebenden Tybet -erfcheinen zu laffen und | 

fi) alfo von einem fremden Joch zu befreyen Luft haben könnten, 


Der bisherige Siz des umter ber Perfon des Dalsiskama 
‚eingefleifchten Aria⸗Balu Burchan, von deffen erſter Erfcheinung im 
Tybet mir die Legende nicht recht befanne geworben, ift in der Tybe⸗ 
tanischen Landſchaft Bod (f), melde, zuſamt der Eleinen DBucharey 
und dem .lÜberrefi der Choſchoten und Soongarifchen Kalmüden, 
unter. Chinefifche Botmaͤßigkeit gekommen ift; in ber Nachbarſchaft 
der geoffen Stade Dfeffe oder Lhaſſa, und zwar abmwechfelnd in 
zweyen weitläuftigen,, aus Bruchfteinen erbauten und mit vielen Tem 
peln verfehenen Kilöftern Seragomba und Brepun⸗gomba, ober 
und unterhalb der Stadt, aud) wohl zwifchen beiden in dem hart an 
der Stadt, auf einem Berge, der einen, Fleinen See hat, gelegnen 
Kloſter Buddals (*); bey welchen allen fich eine Menge von Pfaf— 
fen um ihn aufbäle, aber feine Weibsperfon übernachten darf. ur 
ber Mitte vorgedachter Stade Dſaſſa liege der unter den Lamaiten 
‚berühmte Tempel, wo bas oberwähnte Bildniß des Hauprgögen dieſes 
Glaubens Dſchu oder Dſoo⸗Schigimuni (S. 12.) verwahrt und 
angebetet wird.  . 5 

. Dee Name Dalai⸗Lama, melcher bey ben Mongolen und 
Kalmücken fo henlig ift, daß fie ihn bey “aller Gelegenheit wie die 
Ehriften den Ramen des Heylands ausrufen, ift zum Theil mongolifdy 


7 





«4> Bod iſt der eigentliche Landesname, in ber Sprache der Tangu— 
"ten; und alle zu dieſem Volk gehören, nennen fich felbfE Wood. ba. 
Tybet oder Tuͤbbaͤt iſt der Mongoliide Name ded Landes, und 
Tangar Werden Die Einwohner deſſelben auf mongoliſch genannt. 
Bod⸗-gadd heiſt, die Tpbetanjſche Sprache, und Bod-⸗gad⸗du 
in Tybetaniſcher Sprache. Was die Mongolen Enetkaͤk nennen, 
heiſt auf Tangutiſch Bofchiger. 


a 

‚ .4*) Be-Dala bedeutet wörtlich: Berg» See, Aber , der etumologifftens 
de P. Beorgi zerlegt dieſes Wort anderd und erklaͤrt, mit Hulfe 
der arabijihen Sprache, Bud⸗ allah durch Budda Deus, den er geru 
uͤberall heraus klagbhet. 





Er 


a - Don der Tybetaniſchen. 


Bom Da; und bebeufee eigentlich den fehr groffen Lama (*). Die Bebenrang 

lat Lama. des timgutifhen Worts Lahma, kann durch Mutter der Seelen 

vertenefche werden; Lab nehmlich oder Loch, (welches mit «einer 

Afpiration- faft wie lab ausgefprochen wird) bezeichnet. die Taͤnggri 

oder Geifter, und Ma Heift im Tangutifhen Mutter. Lama ift 

Name womit bey den Mongolen alle, bis auf die geringfte, 

geweyhete Geiftlichfele, bey den Kalmuͤcken aber nur bie allerpächften 

im Range beehree werden, ımd wird -fo ausgelegt, daß Geiftliche 

safle lebende Creaturen und Seelen fo lieben, erhalten, verforgen, und 

Durch ihr Geber und Lehre gluüklich zu-machen fuchen follen, wie eine 

Mutter ihre Kinder. — Auf Tangutiſch wird Dalai-fama eigens. 

Hih Lama⸗Erembutſchee genannt die Mongolen belegen ihn zu 

weiten mit dem Titel Chammuk⸗ Miladubtfrbi ; Dallai : Lama 
Allwiſſender unter der Creatur, unermeßliche Seelenmutter ), 


Das Anfehn des Dalai⸗Lama ift ben den Kalmuͤcken und 

„Mongolen fo groß, daß alle Bürften vom erften Range und Chane 

‘unter ihnen, beym Antritt der Regierung, eine Geſandſchaft mit reichen 
Geſchenken, auch -zumeilen der - Afche des werftorimen Fuͤrſten, an 

Y abfertigen müffen, um die Beftäcigung ihrer Winbe, mir feinen 

Degen, zu erlangen (**) amd dieſem heydniſchen Pabſt gleichſam zu 

huldigen. Die Kalmuͤckiſche Chane unter Rußiſchem Schutz thaten es heim⸗ 

ich, ohngeachtet der weiten und gefaͤrlichen Reiſe, welche ihre Geſand⸗ 

*— nah Tybet Hatten. Zuwellen hat man ihnen vergoͤnnt über 
ibirten und Kjachta, durch die Mongoley, Abgeordnete nach Tnbie 

fenden; und allerdings ſcheinen ˖ dieſe ODeſandſchaften einigen er 
ernten Einfluß auf die nachmalige Entweichung der Wolgiſchen 
Horde gehabt zu n. Auch die Selenginskiſchen Mongolen unter⸗ 
laſſen nicht, des Verbots ohngeachtet, heimliche Collecten zu machen 
und unterweilen geiſtliche Abgeordnete, mit Kameellaſten von Silber 
and andern Koſtbarkeiten, die fie nur erlangen Förnen, an den Dalai- 
Sama abzuſchicken. Zur Zeit der Songariſchen Mache wurden aud) 
"4 - "Ir. vom 


3 


P- D 





\ . CH Dallai Tengaͤs 3.8. hedentet dad groffe Weltmeer, Dallai nor, den 
F gröffen See. Urberhaupt tft Dalai ein füperlativum von Groͤfſe; 
enn für groß ſchlechrweg Tagen die Mongolen Fite. 


—* S. im erſten Theil dieſer Sammlung · &: 40. vw A 





3 
Hierarchie und Geißlichkeit. up 

vom Dalal⸗ Lama Patente der. Ehanifchen und Chuntalſchen⸗Wuͤrde Vom Das. 

ertheile, und. nicht felten ein auffägiger, der Geifklichfeie nicht genung lai-fama. 

ergebner Fuͤrſt, mit Hülfe ihrer; Raͤnke, durch Erhebung einss. Soh⸗ 

nes ober Nebenfürften zum nehmlühen Rang, um Wolf und $eben: 

gebracht. — Allein die klugen Ehinefer werden, ſeitdem ſie in biefen: 


Gegenden Meifter find, jene geiftlihe Macht wohl einzufchränfen, 
und deren Einfluß zu ihrem Vortheil zu gebrauchen wiſſen. — 


Noch kein Schriftſteller hat, fo viel mir bekaunt iſt, won. einen Vom Bog⸗ 
zweyten Tybotaniſchen Patriarchen Bogdo⸗Lama (1) ausdruͤklich geredet, do Lama. 
deſſen ich ſchon oben, unter den Prießerlichen Goͤtzenbildern, Erwaͤhnung Platte 9. u. 
gethan habe, und den man vom Dalaisfama wohl underſcheiden 10. Fig. 4. 
muß. Er ift aber ben allem Völkern, die ſich zum Schigimuniſchen 
Aberglauben bekennen, wohl befannt und wird noch öfter Bogdo⸗ baints 
ſchangg und Bogdo⸗Gegenn (*) genannt. — Er fol ſuͤdlich von Lhaſſa 
ein Ende Kloſter Rakbib-Lhmpa in der Nachbarfchaft einer Stabt 
Dfengstfchfs bewohnen, und ſich mie dieſem Theilnon ar 7 





($) Bagdo bebeuset bier. herrlich, monarchiſch, erhaben, und Taft ſich 
mit einem Wort nicht ausdöneten. In des 9. Georgi Alphab. Ty- 

.; betsno S.: 1417 und 323; wird deffelben, unter der tangutiſchen Bes 
nennung Santfehings Rimbore „ Erwabnung gethan.— 


er) Ich vermuthe, "bAR aus der Aehnlichkeit dieſes Wortd (Begenn, 
welches eine Staffel der Goͤttlichkeit bedeutet und auch dem Mon⸗ 
golifchen Kutuchtu als ein Ehrentitul. zugetheilet wird, gi dem 
Namen Jobann,. der Urfprung ‚der alte Kabel von Prefte (Biovans 
ne ober Priefter Johannes, zu erklären feyn, moͤchte. Won, Diefem 
Aſitatiſchen Pabſt, der im Kindbeitdalter der.. wieberaufblüheuden 
Europäifthen Litteratur fo beruhmt gewefen ift, bat Witſen (Noord⸗ 
"und Goſt Tatarrye te Ausg. ı Theil S.' 329. umd. fülg-) tiıe 

. "Meuge Fabein und Meprungen gefansiet. Durch den: dichen Nebel 
übelwerfkandnien und auf:allexley Weiſe verunſtalteter Grzaͤlung leuch⸗ 
tet unſtreitig einer der Ipbetaniſchen Patriarchen hervor. Nun 
war gu der Zeit, els dieſe Sagen In Euvopa zuerſt verbreitet wur⸗ 
den.(twogu, nach: Wirken, noch wor Maroo Polo, um dad Jahr. 1745. eine 
Geſand ſchaft Ingenbafter “ Momteniamer ,. wie die meifken find," Anlaß ge- 
oebar hat) noch kein Daldi:Lama In. Uyber: entflanden : alfo kann 
nm von Botgdo⸗Gegeun bie Rebe geweikn ſepn, aus deffen Namen 


er : leicht 
Sweyter Theil, PpP ..", 





7 von der Tybetaniſchen 


Bom Bog. Chineſiſcher Herſchaft befinden. Er RL aͤlter als Dalai⸗Lama ſeyn, 
do·kama. hat aber ize gegen ihn von. ſeinem Anſehn, wenigſtens bey den Kal 
müden, gar. ſehr verloren. Tybet iſt imbeflen, wegen. diefer zwey Pas 
triarchen in zwey Secten gecheilt, die bey ‚den Mongoliſchen EStaͤm⸗ 
men unter Den “Benennungen Scharra⸗ Malachai (Gelbmügen ) 

und UlansSallarä (Rothquaͤſte) befanne find (). Die Gebmügen 
machen eigentlich die Secte bes Bogdo⸗Lama, und bie Rerchquäfte, 

zu welchen alle Mongolifhe Stämme gehören, die Secte bes Dalai. 

Lama aus. Erſtere war vormahls die «allein herſchende im Tybet; 

allein da Bogdo⸗Lama mit feinen Geiftlichen auch bas weibliche 
Geſchlecht in den Geiftlichen Stand aufnehmen wollte, fo entſtand 

über dieſee Neuerung ein. blutiger Zwieſpalt, tmelcher Damit erbigte, 

daß die Pfaffen im nordlichen Tybet, wo die Lehre noch) neu war, 

einen neuen Chubilgan, nemlich den Dallai⸗Lama zum Gegenpab ſt 
aufſtellten, und deſſen Goͤttlichkeit nicht nur durch ihr N 
— — ae Es 





leicht Priefter Johann bat gemacht werden können. SHintendrein 
8 man daraus und aus aͤhnlichen uͤbertriebnen Nachrichten gefolgert, 
bet und daB ganze innere Alten ſey voll —— Chriften, 
deren es, ‚zur Zeit der Mongoliſchen Monarchie, allerdings. auch wel= _ 
che bis an die Mougoley bin geben mochte. Als nun Igende, vers 
. aünftigere Reiſende Diefe Chriſten, mit wen wermeyntlichen Pabſt 
a. nicht mehr fanden und der vorige Traum fuͤr Mönche 
baut, war, als en man deſſen Nichti pe darzuthun ſich haͤtte 
emähen folfen, laute mann Tieber, Tſchingischau und befz 
ere hätten Le geifffiche Weich ud das aliatifde Chris 
nm vermichtee and ‘dem Lamaiſchen Satin Ram geſchaft 
a * dieſer eben anch damals mit dem rohen Schamaniſchen 
Hehdenthum der Mongpſen, — wie die weltliche Beherrſcher vom 
Eypbet mit deren Wagen zu tämpfen hatten. 


« a diefer erſt kuͤrzlich erbaltnen,. verbefferten Nachricht En 
was ih van Benennung diefer beiden Secten im erſten Theil —* 
Samlung S. 37. feſtgeſezt hatte, zu verbeſſern. Sagan- machalara 
oder Weißmuͤtzen, find eigentlich die Indianiſche Voͤlkerſchaften, 
deren Bramanen einen weiſſen Bund tragen. Es giebt auflerdem 
noch in Tybet eine. uralte Secte Indianiſcher (Enetkaͤkſcher) Tar⸗ 
aitſchi oder Exorciſten, die unter dem Namen AlabnMachalatà 
" ober. Rothmuͤtzen Hey den Mongoliſchen Voͤlkern bekannt find. P. 
Georgi. nenne. fie Urchieniten. Mir bat mann ihren Stifte — 
dbat genannt, und er fol ein re und ———— 
Schigemuni gewefen ſeyn 














⸗ 


Sierarchie und Geiſtlichkeit. Su 


behaupteten, ſondern denfelben auch nach und nach im A über Vom Bog⸗ 
den Bogdo⸗Lama zu erheben im Stande geweſen ſind. — Indeſſen do⸗Lama. 
iſt die Zwietracht ſchon laͤngſt in ſofern beygelegt, daß beide Patri⸗ 
archen unterweilen wechſelsweiſe zu einander wallfarthen und einer 
vom .andern:den Seegen empfangen ſollen. Und ⸗bgleich ben: ber 
mongolifchen Cleriſey Dalai-fama höher geachtet ift, ſo geſtehn doch 
die gelehrteſten Pfaffen, daß Bogdo⸗Lama eigentlich ihr arſpruͤng⸗ 
licher amd vomehmſtet Patriarch fep. Ja auch die wolgifchen: Kalmuͤcken 
fhiften noch vor nicht gar vielen jahren Pilgrimme. :mit Geßhentes 
an den Bogbo-fama ab, von welcher Erpedition ich noch bey einem 
Derbeten einen: Ablaßdrief vder Paß Diefes Pabftes, in der Schrift F 
Akſchur geſchrieben, mit deſſen in rother Farbe: untergebrukrem — 
Signet (Tamga *); welches ich auch unter deſſen Figur auf ber 
zweyten Plarte Geyfügen laſſen, angetroffen habe. 

| Reliquien 


⸗ — 

Von dieſen beiden Paͤbſten nım, und auch nur Bon’ ihnen der Tybe, 
aflein, aber nicht von denen Rutuchten, wird nicht nür der Unrach tanifchen 
aufgehoben und wie ein Heyligthum zu Amuleten und Armen an ';wor. Patriarch 
nehme ‘und reiche Layen ausgerheife, fondern ‘auch ihr Harn wird im" 
Tybet anbächtig eingenommen, und kann wegen ber flarfen Nachfrage; 
und weil biefe heylige Maͤnner uͤberhaupt fehr diaͤtetiſch leben ſollen, 
nur zu wenigen Tropfen an bie Glaͤubigen ausgecheilt werden. Dies 
fer Aberglauben, den man hat beziveifeln wollen, ift fo zuverläßig. 
gewiß, daß ihn‘ bie Geiſtlichen: bey den Mongolen und Kalmuͤcken 
gar nicht läugnen; ja’ ich. habe felbft eimen riöktulus von erfterer Ma⸗ 
terie, in Seyde eingenäht geſehn, den die Derbetifche Fuͤrſtin Abu 
welche während meines Aufenthalts in. Zarlzyn ſtarb, als‘ ein koͤſtli⸗ 
dies Amulet getragen harte, und der mie andern Amuleten, von iree 
in der Steppe über der Erde verlaßnen Leiche abgenommen worden 
war. 

92 _ Bei⸗ 


⸗ 





⸗ 


(*) Die Mongoliſchen ſowohl, als tatariſchen Voͤlker Aſſens pflegen ihre 
Briefe und Handichrifeen nicht mit Unterfehrift des Namens, fon 
dern durch das mit Farbe darunter abgedrukte Zeichen ihres Gigs 
nets oder Petſchierrings (Tamga) zu befräftigen, obne welches 
felbft die Namensunterfihrife nicht für gültig gehalten wird, Von 
ber Schriftart Akſchur wird an feinem Drt gehandelt werben. 








186 Von der Tybetaniſchen 


Seegen Belbe Lamen ertheilen auch feinem andern, Ms etwan Cha⸗ 
dev Tybe⸗ nen und Fuͤrſten des Landes, mit bloßer Hand den Seegen; ſondern 
tauiſchen Mer Bedienen. ſich dazu einer Art von Seepter, .(Schaazeng ) der 
—— aus weheriehendem rothen Holz, mit einer Mefe am. Ende, gefſchmigt 
" ee feiönes. Band mit drey übereinander. befeftigten 
si drey Farben gemiſchten Qudften (Badong) befeflige. iſt, 

wernit der Kopf des Anbresenden. berähre wird. Man koͤnnte das 
Jnſtrumẽnt / deffen Geſtalt auf der fünehwten Platte. zu erſehn if, 


wien Sregensi⸗Condurtor nenn; . 21 8 1 
13! ed re, er DEE EEE, AO A, 
Weiffagung DM Glaubensbchenm der Lamaiten boll eine Propktjenung 


vom Bog: enthalten feyn, zufolge welcher, nad) einem Zrieraum von noch etwan fünf 
do⸗Lama. er und funfyig Jahrern, Bogdo⸗Lama aus dem: füllichen Ty⸗ 
et fi) erheben, und in das iber dem Weltmerr belegne, paradififche 

‚ Schambala.reich übergehn wird, um da als Monard) und oberfter 

Lama zu herſchen. Zu ber. Zeit wird Dakal- Jana Norden und 

+ Weiten, mit. den Woaͤlkern feines Abergla ‚ groffe Heerzuͤge unter- 

: nehmen, um alle maahomesanifhe unb andre Völker, bis an Europa, 

unter ſich zu bringen. und zu bekehren. Wenn das erfüllte und er 

in Beſiz der oberſten Herrſchaft dieſer Reiche beftätige iſt, wird Bog- 
do⸗Lama ans feinem Schambalaseich berüberfommen, ben Dalais 

fama mit einer Armee von neunmahl 1oo,aca Keutern befiegen, und 

alleiniger Monarch) und Priefker aller Völker. werden. — Hätte der 

gut. Cathoeliſche P. Georgi biefe Weiſſagung gefaunt, fo würde er in 

des Tybetaniſchen Ansichrifis noch weit, ängftlicher geweſen 

egn, als ee (Alph. Tybet, p. 543. und folg.) bloß aus ber nach 

u. auegelegten Offenbarung. Johannio (Cap. 20, 9, 7.) ſich 

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Sierarchie und Geiſtlichkeit. Gr —X 
EEE ENTE REN — 
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Don denen Kutuchten, ımd übrigen hoͤ Ei 5 
Der Lamaiſchen Geil Ar 


Spas dem Dalai-fama ift unter der Tybetaniſchen Beifklichfeie Yon den 
“IV fein höherer Rang, als die Sieben Rutuchten, auf Zangu, Kutuchten. 
tiſch Guſſee, melde bis auf einen, der fid) als Parriardy vom zwey⸗ 

ten Range unter den Mongolen befindet; ebenfalls im Tybet, theils 

beym Dalai⸗Lama, theils in’ verfchiednen unter’ ihm ftehenden Kloͤſtern 
aufhalten. Man unterfcheidee felbige durch folgende Beynahmen: 


Demu Rutuchtu, j u 

— Gegen-⸗-Rutuchtu, wie er bey ben Mongolen gewöhnlich 

“ beift, oder nach der Tangutifhen Benennung Dfcheds 
ſyn⸗Tomba⸗Guſſee; 

Tonkur⸗Kutuchtu, | | 
Tonkur⸗Manſuſchire⸗Kutuchtu, 
Uanſchun⸗VNgabaã⸗KRutuchtu, 
Dſhomjang —* ⸗Rutuchtu, | 
Süömtfdyang-3ordfchi- Rumudhen. - 


Man kenne in Europa nur den zwenten biefer Hochwuͤrdi⸗ Kutuchtu 
gen; ben das ift die eigentfiche Bebeutung des Ehrentitels Ruturh⸗ der Mongo⸗ 
en oder wie es bie Kalmuͤcken ausfprehen Chutuktu. Diefer iſt, Ten. 
durch: feinen Aufenthalt unter den Mongolen am meiſten, ſowohl von 
Sibirien her, als über China, bey ung befannt geworden. Die. Polis 
tie der Tybetaniſchen Geiftlichfeie konnte zur völligen Beketzrung und 
Bemeifterung der Mongolifchen Horde fein befieres Mittel wählen, 
als die Beſtellung eines geiftlihen Starhalters biefer Art, dem man, 
nach dem Benfpiel- des Dalai-kama, einen goͤttlichen, aus einem 
Coͤrper in einen ander. übergehenden Geiſt zeſchreiben/ und bieferk 
Geiſt gemeiniglich auf Kinder aus hohen’ fuͤrſtlichen Kamilten: treffen 
laſſen konte. Um den Zwek ſichrer 85 errelchen, muſte denen: Mürnz 

3 golen 








BB Don der Tybetaniſchen 


Vom Rus golen zugleich glaubhaft gemacht werben, dieſer Geiſt koͤnne ſich zwar 
tuchtu der in dem neuen Coͤrper, wovon er Beſiz nimt, nicht ſowohl als. Dalai⸗ 
Mongolen. ama, aus eigner Kraft bekannt machen; allein die Allwiffenheit des 
Dalai⸗Lama felbft, Fönne deffen neuen Aufenthalt unfehlbar anzeigen. — So 
mar um das Jahr 1727. die Stelle des mongolifhen Kutuchtu, feit dem 
Tode desjenigen, welchen ber Soongarſche Buſchtuchan verfolge 
harte, und der ein Bruder eines der. Hauptfürften unter den Mongo« 
len geweſen war, eine lange Zeit unbefezt geblieben, weil ſich der ab⸗ 
geſchiedne Geiſt niche von felbft in einem neuen Cörper zu erkennen 
geben molte, ober vielmehr, weil die liſtigen Pfaffen vermuthlich Con 
. eurrenten zu ſchonen ober andre geheime Urfachen zur Verzögerung 
gefunden harten. Endlid ward Dalai-fama zu Rathe gezogen und 
erflärte den noch fehr jungen Sohn bes mongolifchen Fürften Darchanz 
Tſchin⸗Uang, eines Schmwiegerfohns des Chinefifhen Beherrſchers 
- von beffen zmeyter Gemahlin, als das Gefäß der bis bahin zmweifel- 
baft gebliebnen Wiedergeburt, da den aud) diefer ohne weiteres Beben- 

fen feyerlih inftalliree ward. 


a Die Mongolen glauben demnady noch immer zuverfichelich , 

daß der Geift ihres erften Apoftels, des Chubilgans Maſchi⸗KRaͤt⸗ 

terkaͤ⸗ garrakſan⸗Arantſchiba auf ihren Kutuchten ruhe Und ob- 

gleich im Tybet felbft. der Rang. eines Kutuchtu nicht fo viel 

Hepligfeit mit fih bringt, daß felbige auch auf ben koͤrperlichen Ab⸗ 

gang der Perfon ausgebehne würde, fo halten fie doch von ihren Ku- 

tuchta den Unrath, Harn, abgefchnitne Haare, ja fogar Stüffein 

feiner burchgefchwizten Hemden für Heyligthuͤmer und fräftige Amulere. 

Der volle Ehrentitel; den fie ihrem Kutuchtu beylegen, ift Dſchibaſuͤn⸗ 

tomba, Rutufrus Begenn, Die Kalmüdifchen Pfaffen geben bie 

Heeyligkeit diefes Kutuchtu ebenfalls zu; doch wird deffen Bildniß eben 

Deſſen nicht unter denjenigen geſehn, welche ſie gewoͤnlich zur Verehrung 

Soͤbenbild aufſtellen. Unter den Kupfernen Goͤtzen, welche die Kirgiſen an der 

Vſatte 16. rußiſchen Graͤnze verhandeln, komt es dennoch öfters vor, und nach 
Big. 9. einem folchen ift die Sigur auf ber oten Platte gezeichnet. | 


Mad) Verdrängung dee Mongolen aus den Gegenden Hinter 
dem Sajanifihen Gebürge,: war ber gewoͤnliche Lagerplaz (Oergoͤ) 
des. Kutuchtu bauptfählich um den Bad) Chara⸗naryn der in den 
Orchon falle, und von ba gegen bas hohe, die Bäche des Eoleoga 
. Ca 


“ 














Hietarchie und Geiſtlichteit. 119 


Begränzenbe Gebuͤrge Chan⸗Oola, welches durch den Chutukta ſelbſt Vom Ku⸗ 
alfo benannt und dergeſtalt geweyhet war, daß die Mongolen darauf tuchtu der 
zu jagen und Holz aus deſſen heiligen Zirbel.oder Gedernwaldungen Mongolen, 
zu bauen fich nicht unterfangen , aud) Diefe Sünde denen fonft daruͤ⸗ 

der reifenden rußifhen Caravanen, nur im hoͤchſten Mothfall zu bes 

geben erlaubten. Gegenwärtig ift die beftändige Reſidenz dieſer bey 
liggeachteten Berfon in dem am Tolafluß mit einigen Tempeln und Woh« 
nungen angelegten Hauptquartier der mongolifchen Fuͤrſten ynd über 

fie gefezten Chineſiſchen Befehlshaber. Der Kutuchtu beſizt aud) ei. 

nen zahlreichen Troß oder Ulus von fogenannten Schäbinäre, eben 

fo, wie es bey den Wolgiſchen Kalmuͤcken (*) für den oberften fama 

MWlich war. | 


Naͤchſt den Kuruchten folgen in ber Rangordnung, untersder Zordſchaͤ, 

Tybet aniſchen ſowohl, als bey allen Mongolifhen und Kalmuͤckiſchen Rabdſcham⸗ 

Horden zeritreut lebenden Lamaiſchen Beiftlichkeit, zuerft die Würde a und - 

-eines Zordſechaͤh Lamas Lauf Tangutiſch Tſchoͤjdſchaͤh); dan bie ei- Yame. 

nes Rab⸗bjdſchamba oder Arandfchynba-Lama; ferner bie eines 
Babzu oder Chabdſchu⸗Lama. Diefen drey Claſſen wird bey den 
Kalmücken allein der Titel Lama, womit die Mongolen au) niedrige 
Geiſtliche belegen, zugeelgnee Alle drey Claſſen können, wie alle bey 
fremden Horden als oberfte Samen beſtellte und gemeiniglich unter 
Een diefen Tlaſſen gehörige Geiſtliche, nicht anders, als vom Dalais 
fama ſelbſt oder von Kutuchten geweyhet und beftätiget werden. Die 
Babzu find haupffählich nur in denen Tybbetſchen Kloͤſtern anzu⸗ 
treffen, und müffen fih, als Priefter, zu diefer Magiftralmürde 
durd) Auslegung vorgelegter Lehrbücher qualificiren, um mit diefem 
Titel in Öffentlicher Verſamlung der Geiſtlichkeit durch die Höheren 
kamen beehrt zu werden. Zum Zordſchaͤ (welches fo viel als LTom 
ober Gaubensgeſez bedeutet) wird ein noch höherer Grad von Geift- 
fiher Gelehrfamkeit, Auslegungskunft und Heyligkeit erfordert, ‚und 
Priefter diefee Wuͤrde werden hauptfächlich  abgefondereen Gemeinen 
und Horden vorgefezt. — Die Aaböfchamba endlich müffen in den 
Tübberfhen Epnodalverfamlungen, durch eine über den ganzen Uns 
fang der Blaubenslehre angeftellte Streisübung diefen Titul erfechten; 
v4 wobey 





¶ ) S. den erſten Theil dieſer Samlung S. asc. 


ne Don der Tybetanifchen 
Zordſchaͤ, wobey nothwendig ein Kutuchta den DVorfig führen und diefen Nang, 
Rabdſchim⸗der in Tybetſchen Klöftern die vornehmfte Sehritelle und Abeswürde 
und  sufammen begreift, zu ertheilen. Diefe Raböfchumbas müffen fich 
me Durch befondre Dffenbarungen oder heylige Träume, die etwa Die 
Niederlaffung eines höhern Geiftes auf fie bedeuten Finnen und wor⸗ 
über vom Dalai-fama felbft und denen erleuchteten Kutuchten der 
Ausſpruch gefchieher, des Kutuchtentitels würdig zu machen ſuchen. 


Aufferdem wird der Titel Dajandſchi (Eremit). aud) noch 
als ein beträcheliher Grad der Heyligkeie betrachte, und Priefter 
laffen fi) dazu vom Dalai⸗Lama oder den Kutuchten, mit dem Ges 
luͤbde beftändigen Gortfeligkeit und Heyligkeit und Enthaltung von 
allen Fleiſchſpeiſen, befonders weyhen. Ä 


Heerſte· ra. Ben der groffen Horde ber Wolgifhen Kalmuͤcken war alle= 
men in den mahl ein folcher von Dalai-!ama beftätigrer Lama aus einer dieſor 
i hoͤhern Claſſen, als geiftliches Oberhaupt vorhanden. Es hatten aber 

fiben Sur: quch die kleinern Uluſſen der Mebenfürften zumeilen Lamas von eben 
den. dem Range, oder wenigftens murde dem älteften und vornehmſten 
riefter diefer Ehrentitul, obwohl uneigenrlich , beygelegt. Ben der 

Torgotſchen Ehanifhen Ulus hate der oberfte Lama einige Taufend 

Familien zu Unterthanen, welhe unter diem Namen Schäbinäre, 

an feiner Würde Hafteren, und von denen Chanen, nad) und nad) 

dem Dalai⸗Lama und Tſchoͤitſching Burchan gemenher worden 

waren. Dergfeihen geiftliches Eigenthum ift,, fo wie die gange Cle— 

rifey, dem Fuͤrſten feine Abgaben ſchuldig. Bey Sebzeiten empfängt 

der Lama von jhnen, fo wie aud) von ber ihm untergebnen Geiftlich- 

keit, eine jaͤrliche freymillige Gabe; bey deſſen Abfterben aber müflen 

die Schäbindr den zehnten von allem ihrem Vermoͤgen erlegen, 

welcher, nebſt dem binterloßnen Vermögen des Lama, bey der feier- 

ihen Verbrennung feines Leichnams, bis auf einen Fleinen, feinen 
Verwandten. heimfallenden Antheil, unter feine Cleriſey ausgerheile 


r . 


wird. | 
Zur Zeit der Entweihung ber Torgoten hieß ber vornehmfte 


Soma .der Horde Loofſang⸗Jaltſchan (*), aus fürftlihem Stam, 
| dem 


(*) ©. im erften Theil ©. 88. a ——— a 3 








Hierarchte und Geiſtlichkeit. m 


‚? 


Die nachgebliebne Derbeten hatten, als ich: unter ihnen an 


Nacht, brainenden Lampen beſezten Goͤtzentiſchen, den Play gut rechten; 
fies "Giges,, pper dem Eingang. der Huͤtte zur Tinfen,- ‘Da hinge⸗ 
gen gexingere Geiſgliche die oberſte Stelle dem Gögeneifh einräumen 
unb ſich zur, vechten Des Eingangs, ihre Schuͤler ‚ader, Aufmärter 
aber zur Jinfen, lagern. — Diefer Vorzug Lines oberften Lama ift es 
nicht olfein, aus pelchem deffen Praͤtenſion zur ‚Börtfihteit- erhellet. 
Ale vorn ng "up, geringe Layen ‚Fdnnen in feiner, Wohnung: nicht 
rg: 8 in der. Anetenden € tellung ‚nicberfallend exſcheinen und 
find. ſehr "gtürndh ‚wenn fie fich gebuͤft, mit juſammen gelegten Haͤn⸗ 
dweyter Theil, N den 


—— 


— 


2 
. “ 


na Pan der Kamaiſchee 


za den Ihm nähe und ſeinen Seegen durch Auflegeng feines: ofen 
tin 2 ei — Binnen Auch die ihm untergebne Geiſtlichkeit 
nomadiſi. erfcheint, haupsfächlich en Faſttagen, frühmorgens bey ferner Huͤtte, 


renden 


den. 


und Diejenigen, welche den Dienſt ver ben Goͤtzen zu verrichten Haben, 
besen da zuerſt auflen var dem Fingang, mit TMieberwerfung aufs 
Aarlig, in ar, mieberhalen Diefe Anbetung beynn Eintrite in bie Huͤtte 
und empfangen, durch Auflegung feine rechten: Hand ‚mit Dem Ro⸗ 
fenfranz ; den Seegen, che fie ſich in bie Gögenhütsen begeben. -— Da⸗ 
hingegen. gehen: zu andern Zeiten tie Geiſtlichen, ohne biefe Ceremo- 
ie, ben Ihm ‚aus und ein, ſetzen ſich ouf denen in der Huͤtte rund 
umher — — web da: wird, fo gut als bey Laycn, mit 
gefäuerter Milch herum getrunken, womit immer ein groffes Foß in 
der Mitte der Hürte angefülle fieht. Es darf aber feine Pferdes 
milch darunter eyn, weiche, fe wie alles anbre ſtarke Geurinf und 
der Tabak, nicht ur hem bame ; fonbern. allen geweybeten Prieſter 
ze gaieſſen Sünde iſt, und. Tabaksrauch darf auch nie In die Mihe 
Ber. Bögen. kommen. eg: Er Ze 


Moch aug verſchiednen andern Umſtaͤnden erhellet, wie. fehr 
He oberften Lamas ſich ein gewiſſes Anſehn der Goͤttlichkeit, wozu 
e nach ihrem Glauben die naͤchſte Anwartſchaft haben, auch im 
orperlichen, zu geben ſuchen. So hat man bey Gelegenheit ber 
Maffermenhe , wovon unten an feinem Ort mehr gefagt werden joll, 
als bey welcher’ ſich der. dberfte Lama groffentheils . enrfleiben muß, 
Bemerfe, daß gleich wie fie die Gröffe der Ohrlappen durch zerren 
befördern ſuchen, alſo auch ihre Bruͤſte, vermuthlich aus eben. ver 
eranfaffung, ungewoͤnlich groß und hängend find. Da alle gute 
Goͤtzen in weibticher Geftale, mit langen, indianiſchen Obrlappen ab» 
gebildet zu werden pflegen; fo wird mann leicht begreifen, warum 
Biejenigen, weiche zur oberften Samenmürde gelangen, das Wachsihum, 
dieſer Theile zu beförbern fuchen. Um eben dieſer Aehnlichkeit wil⸗ 
len pflege. auch ein ſolcher Lama den Bart aufs fleißigfte. glate zu 
halten und keinen Stuzbart zu leiden, den doch gemehne Geiſtliche 
je groͤſſer je lieber —*— und noch wohl dazu unterweilen das Haar 
unternr Halſe wachen laſſen. — Noch ein andres Merkmahl der 
Heyligkeit die ſolchen Hohenprieſtern beygemeſſen wird, if’ die Dre 
Fels mit dee fine Aufwaͤrter deſſen Speichel zuſchharten, und = 
oo — If LE Be 


x 





Suerarchie und Geiſtlichteit. 23 


Bas Age verunbert wivde ſeine übrige natuͤrliche Ausmänfe, bie. er Oberſtada⸗ 
anter einem Heinen Mebengezele hincerlaͤſt, vergraben. Ä on 
: ; N 2. — nomadiſi⸗ 


7.90 feiner Bedienung hat der: oberſte Lama mehrere junge nn me 
Griftliche um ſirh. An gewoͤnlichen Bettagen geht er nie aus fenter 
Wohnung und abminiſtrirt nur an groffen Feften und bey fürftlichen 
Seetmeſſen. Seine Hausandacht verrichtet er zu vorgefchriebnen Zeiten, 
wor dem in feiner Huͤtte befindfichen Goͤtzen Altar, mit wiederhol⸗ 


tem Mederwerfen auf einem Teppich. 


Drie gewohnliche Kleldung eines Kalmuͤckſſchen Ober⸗Lama Kleidung 
iſt derjenigen volkonzmen gleich, in welcher auf der neunten Platte eines Lama. 
‚das Bild des Kutuchtu ( Fig. 9.) vorgeſtellt iſt, und welche uͤber⸗ 
haupt ‚won allen höher: Ktaffen der Geiſtlichkeit gebraucht wird. ‘Bey 
‚ gelindem Besser fize ex ſtets mie entbloͤſten Armen, welche, fo wie der 
Kopf und Bart, febr glatt gehalten und fleißig gefchoren werden. Der 
ganze "Anzug eines Lama beftehe aus folgenden Stücden , welche zum 
Ihe auch bey Einweyhung eines ordentlichen Priefters ( Bellong ) 
‚dem — ee und = — — alle 
gewenhete Prieſter, ben .groffen. Feyerlichkeiten, allezeit erſcheinen 
‚follsen, Das unterſte Gewand iſt — sttiajak —* nach 

Art eines Beckerſchurzes, ber bis an bie Waden reiht, gemacht, in 
viele Balten gelege, oben mit einem breiten Gurt einnefaft, und allen 
Geiftlichen Perſenen, bis auf die Schüler, ſtatt der Beinkleider zu 
tragen vorgefchrieben ifl. Vornehme Geiftliche, sragen biefes Unter 
kleid aus weiſſen Taffent , gemeine aber aus Leinwand oder Baum⸗ 
„wollenzeuge... Zur Bekleidung Des Mberleibes wird auf die bioffe 
Haut An purpitrroches, banmwollnes oder —* Hemd ohne Aermef 
(Schuͤdi⸗Chubzuſun amgejugen ; welches auf der Bruft offen iſt 

und nur dis an die Hüften teitht. Darüber wird eine Art von Kol 
ler ( Bangak oder een 45‘J angerhan, welches vorn auf der Bruſt 
weit offen-ift‘, Peine Ermel, fondern gleichſam Schlitze für die Arme 
ud Auer dieſen Schlitzeit ſchmate ' eirgefafte: Adifelktappen“ von pur⸗ 
purtother Farbe hat. Diefes Koller pflege aus gelben, ſchoͤn gebluͤm⸗ 

ten Eenbenftoffen gemacht und im Rücken ganz gelb, _auch mit zweyen 

von den Echultern ſchraͤg herablaufenden, gelben Streifen verfehn 

zu ſeyn. Um bie Mitte des Leibes wird ein othes Erf Zeug ( Schams 

J 2 teidan) 


u. 


124 _ Von der’ Lamaiſchen — 


geaidung ei teidan) gewickelt. Endlich wird noch um-dis- Huͤften sin weites ‚ie 
ned Lama. auf die Fuͤſſe fallendes, purpurrothes Tuch oder Gewand, aus Baum⸗ 
= wolle oder Seyde, Santſchip oder Jike-Majak genannt, gefchlagen 
x und mie einer breitgefalteten rotben Leibbinde (Garik) befeftige. 
Weber diefe Kleidung. nimt ber Lama nod) .einen meiten ſeidenen Mau- 
tel um, im Sommer, ohne Aermel, im Winter aber mit Pelzfurter 
‚und Aermeln verfehn,, die er alsdenn anzieht. Wenn er ‚ausreitef , 
welches ſelten anders als beym . verändern des Jagers geſchieht, fo 
trägt er einen gelben, lafirten chinefifehfen Sommerhut. Bey gewoͤn⸗ 

lichen Feierlichkeiten aber erfcheine er in einer fpigigen gelben Muͤtze 
( Deltasmalscdgsi ), mit berunser hängenden Infuln, ‚derjenigen 
gleidy”, roomit Dalai-fama abgebilder wird , aber mit einem wollenen 
Kam, wie die bey der mongolifihyen Geiſtlichkeit übliche -b ieben 
werden wird. Hingegen ift bey ber Inſtallirung eines neuen Lama, 
und mern berfelbe bey der feyerlichen Werbrenntung des Leichnams 
feines Borfahren den -Dienft verrichter, bey den Kalmuͤcken die ſoge⸗ 
nannte Ooli⸗Malachai (Bergmuͤtze) üblich, und dieſe iſt, faſt wie 
eine Yncas-Krone, ein ‚geiblafrter- Kranz mit "fünf a ige 
Blatterz. Episen,; woran zu beiden Seiten furze, Hinten aber ein Tanges 
u. 1% Band herabhängt ( Siehe Platte 17. u. 18.). Eine andre aus Tuch 

gemachte Art von Ohli⸗malachai, wie ehr kurz gefpizrer- Helm, 
glatte ja, mit einem rothen Auffhlag‘, (Platte 12 Sig. 1.) if‘ En gememe 
Sig.ı.n, 2. Priefter bey gröffern Feſten Ablicy und die ſogenannte Naitin⸗Ma⸗ 
lachai (Sig. 2.) ebenfalls 'gelb miie roth aufgefihlagnen Klappen , 
"habe ich ben einem - Zordfehi; einer kleinen Kälmuͤckiſchen Ulus zu Feier⸗ 

Uchkxiten beſtimt gefunden. 

Pe ES u le RE OD 

Cbambo ka⸗Bey dem Selengi iſchen Mongolen fand ich die die oberſte 
ee — Stelle ber Geiſtlichkeit aa einen Chambo (*Y und Bandidi⸗ 
— on Lara, oder Vicarius beſezt, welcher noch nicht unter die hoͤchſten 
Würde gehörte und · von Dalai⸗ Lama nicht beſtaͤtige war. Doch 
‚Haste .ey in feiner Jugend eine Wallfarth nad) Tybet gethan. „Er 
gieng nur, in gewoͤnlicher Prieſtextracht, erfchien auch benm er 


— 





¶*) Chambo iſt ein Epreutitul den ein jeder Gellong oder Prieſter feis 
‚nem Drdinatet ſchuldig iſt. Bandidi fol wörtlich dinen Bine 
auleigen Ze | 





Sierarchie und Getſuichkeit mʒ 
bienſt nicht mit Enchlöften "Mrinen”. — unterſchied fine, wie gleich Chambola⸗ 
gefagt werben- wird, durch feine Maͤtze von den gemelnen Döen made Go 
Es war ein - frichender Greiß, der, wieder die Ordensregeln , den leng . Mom 
Brantwein wie Waffer trank und, auch feiner Cleriſey dazu Difpen, 8 
ſation erteilte. Gleichwohl war er in Vertilgung des Schamani. 
or Heidenthums une Ausbreitung feines eignen ‚Aberglaubens ſehr 
eyfrig. — a 


Diefes d — die hoͤchſten geiſtlichen Würden n 
nen — — tomme nun bie gemeine Cleriſey. — m vr 








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Bon der Lamaiſchen Cleriſey. di > 
mit pri) , uuD. 

If wuͤrklich geweyhate Pweßen behorumem. den Namtin EGilaug 


oder Geiluͤng, und in vermehrter Zahl nennen fie ſich, fons 





a. derlich bey den Kalmüden, Labaner. Sie find eheils nach ihrer 
ongs. Herkunft und Vermoͤgen theils nach ihrer geiſtlichen Gelehrſamkeit 


und Heyligkeit, theils nach dem Alter ihrer Prieſterjahre in verſchiednem 
Rang und Anſehn. Die aͤlteſten und gelehrteſten bey einer Ulus werden 
insgemein mit den Ehrennamen Bakſchi (Lehrer) auf tangutiſch 
Bombo (der ſonſt auch im gemeinen Umgang, einem jeden alten 
und vornehmenen Prifter als ein Compliment vergönnet wird) vor⸗ 
züglid) und mit Zuſtimmung bes Fürften, auf Verordnung des ober. 
ften Lama, belegt. Ein folder Bakſchi⸗Gellong hat, naͤchſt dem 
oberften Jama ‚and andern Geiſtlichen von ivgend einer der im vorigen 
Abſchnitt erwähnten Würden, den erften Rang, Hält eine geiftliche 
Schule und’ auch befondere -geiftliche Verſamlungen in dem ihm an⸗ 
gewiefenen Kirchenfprengef und iſt nicht nur vorzüglich verehrt, ſon⸗ 
bern genieft aud) , durch Dir Opfergaben Ver layen, beträchtliche Vor⸗ 
eheile. Naͤchſt diefem werden unter benen vopnehmften Gellongs Die 
fogenannre Ghepkuͤ oder noch mutigslifher Ausſprache Ghezkuͤ ges 
hit, die eine Art von geiſtlichen Marſchaͤllen und Aufſehern bey 
groffen Kircyenverfamlungen vworfichen, unb ben dergleichen Gelegen- 
beiten einen befondern Ornat tragen. — Moch eine andre Priefterbes 
dienung ift bey den Kalmuͤcken ber fogenannte Burchatſchi oder 
Gögenhüter, weichem in der Hütte, wo die Goͤtzen auffer dem Dienft 
verwahrt werden, feine Wuhnung und die Hut der Heyligthuͤmer 
anvertraut ift. — Endlich fo hat mann unter ben Gellongs, nad) 
den befondern MWiffenfchaften worinnen ſich diefer oder jener. verzüg« 
lich geübt bar, die Dſuruchaitſchi ober Calendergelehrte (auf tar. 
gutiſch Sarydſchaken), die Emtſchi oder Aerzte (auf tangutiich 
WMembs) und andre Mebentitel mehr. | * 
I e ——— ie 


Srarchie und Geifmichreit. ny 


Die Bellen ongs/ deren mann bey den Kalmuͤcken wenigſtens Von er. 
af fang Familien einen zählen kann, Jeben durch die ganze Horde wephten 
zerſtrent, um denen Layen zu geifttichen. Verrichtungen, die im ge Priefterm . 
meinen Leben fäſt täglich vorkommen , bepüffliih zu feyn. Eine An. dber F 
zhhf derfetben, ſonderlich (auſſer einigeh vornehmften) die ärmften, ougs 
Hatten ſich um den Fuͤtſten und beym oberſten Lama ihrer Mus auf, 
um da von den Opfergaben zu zehren und ſich bey vorfallenden Ver— 
richtungen gebrauchen zu laſſen. Andre, hauptſaͤchiich die vorgedachte 
Bakſchi, Und die mit zahlreichen" Heerden geſeegnete, leben entfernt 
umd halten in verſchiebnen Degenden des Umfangs, den die Ulus 
zn ihren Laͤgern - einnimt gewiſſe Honm tverſantlungspfãtze zu tele 

—* ch’ die zetſtreut woßhen Geiſtliche an Bet⸗ und Feſttagen 
änſin Dieſe Abthkilungen der Geiſtlichkeit oder Kirchenſprengeh, 
beren in ver Torgotſchen Horde fonft zwoͤlf waren, in den noch“ an 
der Wolge übrigen Uluſſen aber menigere und unter ben Derbeten 
fehle Yangbar find, ‘werben Rürs‘ genannt und eine feitlihe DBer- 
fmilung bet ganzen Cletifey eines ſolchen Kirhjenfprengels, bey den 
Soͤtz eu huͤtten an eg angewieſenen Sämirietplägen ‚ Betomt den 
Namen Ehurrull, groͤfte diefer Berfemunet *(Tite -Churs 
rul) iſt beym Hoflagerꝰ des Fuͤrſten ſelbſt und beſteht, "ben auſſer⸗ 
ordentlichen Gelegenheiten, dergleichen nderlich rüef che RN 
mb, aus ber ganzen Gierifen ber Ulus. | 


Ä Gellon werben don venr obeiften Gane bee une ſcbſt, 
and zwar mit beſonbern Feierlichkeiten, auf beſtimten Feſten gernene 
ber. uf Haben‘, nach diefer Ptieſterwehhe, keine weiret zu enpfan⸗ 
gen, nm zu hähern Graben und geiftlühen Ehrenſtellen zu gelangen. 
Soldye Priefter, welche die dritte Wen 4 ernpfangen. Baben ». gote er⸗ 
ſte und zihehte als Mandſchi und ˖ Gaͤdſuͤll, wie wir den 
werden ), miffen fi genauer ‚an ihre Prberisregeln Gin 
ihrem Wanb el exenplariſcher zu ſeyn oder doch —— ale 
diejenige, welche: noch" in’ Diaconat oder Noditi därfen 
fi durch nichts verunreinigen, fein ———— ir Stutenmilch, 
von feinem verrekten oder unreinen ober ee geachteten Thier ge 
tieffen , ſich auch des Bramweins uRb: lg enthalten. a 

ii die ihnen  unferfagte und unreine Thiere ge sn, alle —— 
chfraͤßige Thlete, fiſchfraͤßige Taucher Enten, und ne 
Pr er feuergelben heiligen Barbe auch bie rothe Ente; a 
Us 





Von ge⸗ 
weybeten 
Prieſtern. 
odet 


Gellongs. 


—AAä Von der Lamaiſchen 


ſcheuen ſich Gellongs vicht bey andern Religionsverwandten bereitete 
Spefen, auch aus fremden Heſchirren zu eſſen, weil, fie wiſſen dag. bie. 
Chriften fid) ebenfalls foldyer-Thiere enthalten. Nur fpülen fie fi) nach 
Dem effen, auch wenn fig ben meitlichen, Kalmuͤcken ‚find ,, den Mund. mie 
etwas Waffer aus ,. welches, ——— Goßenältägen in ofnen Schaͤlchen 
geftanden ‚bat, und wopon fie auf Reiſen ſtets ein kupfernes Flaͤſch⸗ 
chen voll, am Guͤrtel hangend mitnehmen.Sie genifſſſen, auch ohne 
Bedenken Wein, Bier, und Meth, und wiele find auch in der Stille 
feine Nerächter yon Brantwein, wozu, kraͤnkliche auch Difpenfation von 
3a Obern erhalten innen, —, Der. ehelofe Fran und das Geluͤbde ber; 

eutſchheit jſt ine der Hauprpflicheen Ber. ganzen Geiftlichkeit pon.der Sek. 
ge Adij⸗Lamd, und bie geringerm,dürfen ſich Darin, I wie auch Durch. 

runkenheit nicht leicht vergehen ran fe nicht ihrer geiftlichen Vorzechte 
Yerluftig gehen wollen, zu geivenhete Prieſter, welche, durch Reichthuim 
und Raug mehr Anſehn haben / ttöjten ſich in Ihrem ehplofen Etande durch 
junge Haushaͤlterinnen. ( Nirma), die. jedoch, ‚bey den Kalmuͤcken 
nicht ganz obne Scandal, gelitten find. Dahiugegen ift ben den Sets 
lenginſkiſchen Mongolen, die, geiſtliche Zucht ſchon ſo in Abnahnie, daß 
faſt ein jeder. Pfaff in, feiner eignen oder einer Nebenhütte seine junge 
Weibsperför aus feiner Verwandſchaft, unter; bem Schein ber Wirth⸗ 
fdafftsbeforgung bey ſich hat. Sie wählen dazu, nicht die unanfehnlichften, 
ſowohl Dirnen, als verehelihte junge, Weiber, welche denn ein rothes, 
wollenes Band : als ein a. Ordenszeichen, über 
ter ragen „ıfich..unzeiner Speiſen ench aruflen und chenza 
— —— „ii Dame der,. bey Den Mongolen auch für bie aller- 
erfte ‚Sic den geilen Schuͤler ( Ubaſchiniſt die männlichen: Be⸗ 
nenn 


ng) gebtaucht,.mich. Indeſſen fehle es den Kalmackiſchen Pfaffen 


an anbern Gelegenheiten nicht, fich das Joch der Enthaltſamkeit er⸗ 


ägficher zu maphen , weil in. ollen Huͤtten der -Sayeg „ wo, fie, rauf 


erägfichen zu” ‚em 
Reiſen mehn. geiftliche ——— ſie wohin rufen, zum uͤbernachten 


einfehten,, jedesmaßl Has. tagen den Wirtha dem -geiflicpen. Gaſt 
gehöfe Aunb fie. Sean von. re ts wegen PA zu bemfgiben ſchlafen 
2 OE  R  E, e B NE 


Fa Ze nn } | d — 
ed — — ur 0. } i 5— — — nt . a: 
> . Ein, Gellong kann alle -geiſtliche Gefhäffte ohne. Cinfchränfung 
bertichten, ‘dem Volk den Etegen ertheilen, Schüler , (Mandſchi) 
amiefänen und wenhen , unp..pied, ſüt aite Teremgnien.-.bep , Epevirs 
bindungen, seichen beit attungen ‚»Erorgifatignen, und, ‚andern im gu 
ER | 





Hierarchie und Geiſtlichkeit. 29 


nen Leben vorfallenden geiftlihen Werrichtungen,, immer wenigſtens Bon gewei⸗ 
drenfach gegen einen Goͤdſuͤll belohnt. Beym Gögendien führen heten Price 
alle Gellongs den geiftlihen Ecepter (Otſchir) und bie Priefter. ftevn ob. 
glocke (Choncho) wovon weiterhin mehr zu fagen fern wird, eben Gellongs. 
fo wie die hoͤhern Prälasen. Ihre gemönliche Kleidung unterſcheidet 

fi) bey den mongoliſchen Völkern, von ber Kleidung «eines Jayen, 
zuförderfi durch Den faſt nach dem Schnitt ber weiblichen gemachten 
Ueberrof ; darnad) durch das, ſchon bey ber Kleidung der heben 

Lamas beſchriebne, um bie Huͤfften befeftigte braune Tantfchip, un« 

ter welchem fie flatt.der Beinkleider nur einen Schurz tragen; und 

endlih durch ein Koller ohne Aermel. Sie allein dürfen Müg- 

en mit groſſen Fuchsbraͤmen (Lnsgösober Chalbung + malas 

Kai), niemals aber den rothen Quaſt darauf tragen, der doch 
vomehmern Gaͤdſuͤlls und Mandfchifen noch wohl vergoͤnnt wird. 

Einen Stuzbart laffen die meiften, feltmer aber mehr wachen, unb 

der ganze Haarkopf muß immer vollfommen glatt gehalten werder. 

Es find auch, nad) ber Drbensregel, monatlich drey gewiſſe Tage, 

nehmlich der fechfte, fechzehnte und fechs und zwanzigfie vom Neu⸗ 

mond an, hanptfächlich zum feheeren des Haupts und Barts feſtge⸗ 

fegt, woran maun fich aber fo genau nicht bindet. Selbft die hohen 

Samas laffen ſich das Haar und den Bart Öfter8 abnehmen, nur 

muß nach dem Kalender dazu ein glüfficher Tag fem und die Cere⸗ 

monie nad) Untergang der Sonne, auffer ‘der. Hütte wo die Goͤßen 

find, gefchehen und mit Wafchung des Mundes, der Hände und 
Fuͤſſe, auch Anbetung vor den Gögen bejchloflen werden. 


Der feierliche Ornat ‚eines Gellongs ift gröftentheils der ob⸗ 
befchriebne Kleidung eines Lama ganz aͤhnlich, nur von ſchlechtern 
Stoffen gemacht. Sie pflegen .benfelben fonderlich bey den Kalmuͤcken, 
nur zu groffen, feierlichen Handlungen, vorzüglich bey Verrichtung der 
Seelmeffen anguthun; an gemeinen Bettagen .erfcheinen fie nur mit 
der ein Maar Klafter langen rothen Scherpe (Orkimdſchi, tangutifd) 
San) und die mongoliihen Pfaffen mie ihren fpigigen Muͤtzen. 
Aber bey Seelmeffen muß ein Gellong durchaus alle Stüde des 
Denats, und nad) -ber ‚eigentlichen Worfcheift das Koller (Rangak) 
auf dem bloffen Leibe an haben, follte auch alsdann mit ‚bloffen Ara 
men adminiftriren, welches doch gewoͤnlich nicht geſchieht. Ein Haupt⸗ 
ſtuͤk iſt bey dieſer Verrichtung — , uͤber ein Klafter weites 


Zweyter Theil und 





30 | Von der Lamaiſchen 


Bor gewei⸗ und anderthalb Ellen hohes, an den Seiten ſchraͤges Obergewand, 
besen Pri- wie ein Mantel, von. gelben Taffene, (*) mit. aufgefezten, am obern 


Rande loßhängenden rothen ader ebenfalls gelben Quadraten geſchacht, 
und flatt bes Kragens mit einen groſſen, vierefigten Lappen verfehn. 
Zu diefen Meßgewand, meldyes die Priefter bey Verrichtung der Seel⸗ 
meffen über die Achſeln flechten,, gehöre denn auch ein Teppich von. 
braunem Baummollenzeuge , der mit einer Einfaffung und. Querleifte. 
genäht ift, und ohne welchen auch Fein Geiftliher auf das Lager 
eines Laien fi) fchlafen legen darf. Alle diefe Stüde des geiftlichen 
Drnats führt auch ein Gellong auf Reifen. allezeit bey ſich. 


Die Gellongs find niche nur bey alfen gemeinen Kalmuͤcken 
in groffen Ehren, fondern fönnen auch bey ihren Fürften ohne 
Beugung, ja ohne alles Zeichen ber Unterthaͤnigkeit erfcheinen. Die 
Miüse jemahls, aufler beym Gößendienft und in ihrer eignen Woh- 
nung abzunehmen, ift ihnen ohnehin durch die Ordensregel unterſagt. 
Sie find faft alle wohlhabend, weil fie fih, durd die Gaben ber 
Kien, , benen fih bie Geiftlichfeie in allen Nauptbegebenpeiten bes 
$ebens , in Kranfheiten und Unglüfsfällen, vermirtelft des eingeführten 
Aberglaubens , unentbehrlich gemacht hat, bald bereichern fönnen: 
Es find die gröften Blurigel Des gemeinen Haufeng und zugleich die 
gröften Müßiggängerr, welche, auffer ihren geiftlihen- Uebungen, 
nichts thun, als eſſen, trinken, fchlafen und fremde Weiber mißbrauchen: 
Sie haben Feine Familienforgen , nehmen zu ihrer Aufwartung fo 
viel Schüler als fie brauchen, zahlen feinen Tribut an bie Fuͤrſten, 
machen dem abergläubifcyen Volk weiß, was fie wollen, und bedienen. 
fid) eines jeden Unfalls und einer jeden Krankheit, um es zu plün- 
dern © denn der erfte Rath wird immer von Pfaffen verlange, und 
ihre erfte Hükfe beftehe in Erorcifationen, wofür fie Gefchenfe erhal 
ten und überdies nod) gemeiniglidy irgend ein Stuͤk bes Eigenthums 
auf welches fie Die Schuld des Unglüfs zu fihieben mwiffen, und wel⸗ 
&es in. foldyen Fällen allemahl bem $eviren verfallen. ift, für ſich, mie- 

| gutenr. 





. (*) Die Mongolen. neımen es Dagum. und pflegen: e8 gelb; mit einem. 
biauen Kragen zu machen; Bey den Kalmuͤcken Babe ich es Nham— 
65 rl mit. der Tangutiſchen Uberſetzung Tſchoͤge benennen ge— 

rt. * Se 


‘ 
N 


Hierarchie und Geiftlichkeit. yy 


gutem Willen des Eigners, megfhnappen. Wenn ein Reicher oder Bon gewek 
Fuͤrſt ſelbſt dieſe Iendige Helfer nörhig zu haben glaubt, fo müffen beten Pris 
ihnen gange Heerden ausgerheilt werden; und bey Armen verfahren ſtern od. 
die geringern Pfaffen mit eben fo wenig Barmberzigfei. In lang» Gellougs. 
wierigen Kraukheiten wird der Leydende oft feines meiften Vermoͤgens, 
durch diefe Wölfe in Schaafkleidern, beraubt und muß fid) immer 
von einer geiftlichen Procedur auf die andre vertröften laffen. Stirbe 
er endlich, fo fehle es, nad) ihrem complicirten Aberglauben, nie 
mahls an Ausreden, womit fie bey den Anverwandten des Berftorbs 
nen nicht mur durchkommen, fondern aud) von dieſen noch) Dazu Gefchenfe 
jiehen, um zur Abmwendung ferneren Uebels von der Familie gehörige 
Anftalten zu treffen, oder wenn fie den Zuftand ber Abgeſchiednen 
‚Seele recht gefaͤhrlich vorgeftellet Haben, an ben Seelmeſſen verdie- 
nen, | 


U 


| Ihre getreue Gehülfen find die im Range folgenden Diacons Diakonen 

oder Gaͤdſuͤll. Auch diefe werden vom oberften Lama geweyht und Ob. Gaͤdſuͤll 
halten ſich theils bey denen Gellongs auf, theils leben fie einzeln in 

denen Chottons zerftreut, um bey armen Kalmuͤcken geiftlihe Huͤlfe 

zu leiften, Die entweder zu meit von denen Gellongs wohnen, oder 

felbige nicht nad) ihrer Würde zu bezahlen im Stande find. Zu 

folhen Verweſern werden hauptſaͤchlich alte Gädfülls gebraucht, welche 

ſchon in allen priefterlihen Gefchäften völlig unrerrichtee find, aber 

weder Gönner, noch Mittel genug haben, um bey ihrem Oberhaupt 
die Prieftermenhe zu erlangen. oder zu beftreiten; ‘Daher viele zeit 

lebens in dieſer Claſſe der Geiſtlichkeit ftehen bleiben müffen. 

x I 


Die Gaͤdſuͤll find zu allen Pflichten des Priefterftanbes ge 
haften, und koͤnnen denfelben nicht mehr verlaffen, um fid) zu ver 
ehelichen. In den geiftlichen Verfamlungen beten und recitiren- fie mit, 
nehmen die naͤchſten Sige nad) den Prieftern ein, und find zur Bla⸗ 
fung und Anſtimmung der daby gebraͤuchlichen muſikaliſchen Inſtru. 
mente beſtimt. Den prieſterlichen Scepter und das Gloͤkchen 
dürfen fie nicht führen, duͤrfen keinen Seegen ertheilen, auch auſſer 
den Maſab und Orkimdſchi (und bey den Mongolen der ſpitzigen 
Müge ) nichts von geiftlihen Ornat anlegen. Aus ihren Mitteln 
werden bey den Mongolen zu jedem Tempel zwey, die eine gute 
Baßſtimme haben, zu Worfängern gUndſad) erwaͤhlt, und = 

| 2 aben 


N 


Dietonen 


m Von der Lamaiſchen. 
haben den Vorzug vor den übrigen und laſſen ſich bey gewiffen lita⸗ 


,Gadfüll.meien ſtehend hören. Gemeiniglich wird bey den Mongolen aud) die 


Ausgieffung des heiligen Waflers vor den Gögen durch Gaͤdſuͤlle 
verrichtet, die den Titel Tſchawrutſchi führen. Aber bey den Kal 
müden ift beides ein Gefchäfe der Gellengs und jede geiftlihe Vers 
famlung (Eherub) hat nur einen Btmdfad, 


Die Gaͤdſuͤlls ſowohl, als Gellengs, ja bey Mongolen auch 
die Schuͤler oder Nandſchi, weiche noch bey ihren Eltern wohnen, 
haben im ihrer Wohnhütte Göpenbilder ben ſich, melden fie gemeini- 
glich, nebft einem kleinen Goͤtzenaltar, ben. vornehmften Pla; , ber 
Thür gegen über, einräumen ; und diefe Gögen werden an Bet⸗ und 
Beſttaͤgen auf dem baden verwahrten Kaͤſtchen mit geiſtlichen Schrife 
sen, worüber ein, möglichft faubrer Teppich gelegt ift, ausgeſezt 
and mit Lampen, Raͤuchwerk und Opferfchälchen verehrt. 


Ein Gäpfäll muß fo gut, ats bie Priefter, von denen im 
gerneinen Leben vorfallenden geiſtlichen Geſchaͤften unterrichtet ſeyn, 
auch die dabey vorfallende Tangutiſche Gebete und Indianiſche Exor⸗ 
riſmen fertig im Gedaͤchtniß führen. Er muß auch, wenn er für 
ich abgefondert lebt, die nöchigften Bücher haben, in welchen Das, mas 
ben Krankheiten, Geburten, Todesfaͤllen u. f. w. zu veranfalten iſt, 
gelehrt iſt. — Wer aus der Schüler oder Novicien- Elaffe zum Gaͤd⸗ 
MU befördert wird, nimt einen andern Namen an, ben er bey der 
Prieſterweyfe wieder verändern nmıf. Gemeiniglich geſchieht die 
Einweyhung einer Anzahl Mandſchi zu Gaͤdfuͤlls, und einiger Gaͤd⸗ 
fülls zu Gellongs, durdy den oberften Sama zu gleicher Zeit. Weil 
aber dabey Leine Zufchauer geduldet werden, fo konte ich won ben 
Untand.n dieſer Einweyhung auch wenig in Erfahrung bringen, 
Miemand , als zwey dem Lama Handreichung leiſtende, oder mit ihm 
adwiniſtritende Priefter, Darf daber zugegen fenn. Die Einmersung ges 


- hier in einer groffen, vor der Wohnung des Lama aufgekhlagnen 


Verſamlungshuͤtte, vor welcher ein Ghepkuͤ auf die Wache geitelle 
wird. Die zu weyhende Eanbidaten figen auffer dieſer Goͤtzenhuͤtte in 
beiondern Abtheilungen, und erwarten von fern His fie bineingefor 
dert werben, da fie denn eben fo Partheyweife durch den Ghe 
eingeführt werden, und nach Verfliffung einiger Spınden wieder here 
anstomnien. Sie merben nadiber vom Kama unter freyen Himmel nut⸗ 
ein⸗ 














DJ 


Sterarchle und Geiſtlichkeit. 23 


einander geſpeiſet. In der Wohnung des Lama iſt am Tage einer Diakonen 
ſolchen Weyhung ein groſſes Bildniß des Goͤtzen Schigimuni und ein od. Gaͤdſuͤß 


Schraͤnkchen mit acht aͤhnlichen Bildern des nehmlichen Goͤtzen, von 
verſchiednen Farben, ingleichen Doppelte Gotzentiſche mit Auffaͤtzen, 
bemerkt worden. Mann ſahe auch daß, nad) der Zahl der ordinir- 
ten Gellongs, zehn rothe Ziege t.ine, in Deren jedem auf einer Seite 
ein Vierek eingehauen war, vor die Wohnung des fama hinaus ges 
worfen werden. — Der Lama foll dem zu weyhenden Gädfüll felbft 
das priefterliche Kofler ( Aangae ) auf den bloſſen Leib anlegen , 
umd eim ſolcher neugeweyhter Gellong muß dieſes Stuͤk des geiftlichen 
Ornats, naͤchſt dem dazu gehörigen Unterkleid und Leibſcherſe, we⸗ 
nigſteriss ein ganzes Jahr nach der Einweyhung, beſtaͤndig tragen, 


Alle im Noviciat ſtehende geiftliche Lehrliuge oder Schuͤler Von den 
werden ben der Lamaiſchen Geiſtlichkeit Nandſchi( Tangutiſch Bandi) Schuͤlern 
genannit. Ein jeder gemeiner Kalmuͤk kann einen feiner Söhne dazu od. Mand⸗ 
hergeben und Vornehme, ſelbſt Fuͤrſten, laſſen ihre Kinder offt in Kbiu-bderen 
die geiſtliche Schuͤlerzahl aufnehmen, oder mwenigftens bey den Geis . 


ſtlichen eine Zeit lang im leſen, fchreiben und im Glauben unterrich» 
ten, da fie denn, ohne vorhergegangne Einweyhung nur Schäbt 
Schuͤler genannt werden. Die Jahre, in welchen Eftern ihre Kine 
der dem geiftlihen Stande widmen ſollen, find nicht vorgefchrieben, 
Es hänge gänzlich vom Willen der Eitern ab, ob fie einen Knaben 
fhon im vierten oder erit im funfzehnten Fahr Dazu hergeben wol⸗ 
len. Wann: ein Vater einem Gellong anzeigt , baß fein Son wil 
fig fen die Weyhe (Sackil) anzunehmen, fo macht ihm der Geiſt⸗ 
lihe, nad) Anleitung feiner Schriften einen dazu dienlichen giüflichen 
Tag befanne, an welchem ſich der Schüler einfinden fol. Die El» 
tera beforgen indeffen einen Majak oder Schurz, welchen ber fünf 
tige Mandſchi ſtatt der Beinkleider zu tragen verbunden ift, uns 
einem Orkimdſchi oder rothe Scherfe zum Goͤtzendienft. Wenn ber 
Tag der Einweyhung komt, fo kleidet fih der Schüler felbft, vor 
der Hütte des Gellongs, darin ein. Zu Haufe wird ihm fon der 
Haarſchopf, weicher die Weltlichen vom geiſtlichen Stande unterſchei⸗ 
det, bis auf einige wenige Haare abgefchoren, und fo’ wirb er vom 
feinen Ettern oder andern Verwandten zum Gellong hinbegleitet. 
Diefer nimt alsdenn die anf: ſolche Gelegenheiten verordnete Gebete 
und Vorfchriften, nebſt dem da Ornat zur Hand, weichen 

3 er 


nklei⸗ 
dung. 


2 


1344 Den der Lamaiſchen 


Mandſchi er vor ſich auf ben Schoß legt. Sonderlich giebt er das groſſe, gelb 
od. Schuler und roth geſchachte ſeidne Meßgewand dem Schüler, der vor ihm 


u. deren 
Einklei. 
dung. 


hinknien muß, anzufaſſen; beginnt die erforderlichen tangutiſchen Ge— 
beter uͤber ihn zu verleſen und laͤſt, waͤhrend dieſer Gebete, den 
Schuͤler mit der Hand am Rande bes Tuches hin immer weiter 
fortgreifen und bey jeder Querhand Ntwiffe tangutifhe Worte, Die 
er ihm vorſagt, ausfprehen, bis er den ganzen Umfang des Tuchs 
berühre bat. Alsdenn ſteht der Priefter auf und reiffee dem fnienden 
Schüler Die noch übrige wenige Scheitelhare, unter fortgeſezten Ge- 
beten, auf einmahl vom Kopf, ertheilt ihm mit dem Rofenfranz einen 
beiondern Seegen; verändert deſſen vorher gehabten in einen neuen 
geiftlihen Namen, und fehife ihn alfo wieder nad) Haus. Dafelbft 
muß der neugefegnete Juͤnger, nach Vorſchriſt der Orbensgefeze, drey 


- Tage lang die gewoͤnlichen Falten bey bloffen Mildyfpeifen beobadıten ; 


einige die einen groffen Trieb zur Frömmigkeit fühlen, falten fogar 
fieben Tage. Mach Vollendung der Kaften muß ſich ein angehender 
Mandſchi eben fo viel Tage nacheinander, als er gefaftet hat, alle 
Abend beym Schlafengehn, Hände und Fuͤſſe binden laffen; und 
zwar werden die Hände mit dem neuem Orkimſchi über die Bruſt, 
die Füfle aber mie dem Leibgurt dichte aneinander gebunden. In 
diefer Stellung müflen fie die ganze Nacht verbleiben, um, nad) -Ter 
Mennung der Lamen, den Körper zu . einer. ehrbaren Stellung aud) im 
Schlaf zu gewöhnen, das Schakſchabat (©. 73.) und die Heyligen Vor⸗ 
ftellungen, meldye ein Geiftlicher fi) eigen machen muß, zu befördern 
und zu verhindern, daß nidye die Kraft des nur empfangnen Seegens, 
durch Befledung, wieder von dem geweyhten Schüler weichen möge. 


Mit obgebachter Initiation (Sakkil⸗abcho) hat eine andre 
Ceremonie, welche bey weltlichen Kindern in einem gemiffen Alter vor- 
genommen wird und Sakooſſen d. i. Gottesbefehle, genannt wird, kei— 
ne Verwandſchaſt und fol unten, am gehörigen Dre berührt werben. 

Ein geweyhter Miandfchi muß fortan ſtets den obgedachren 
Schurz ober Majaf, ohne Beinfleider tragen, wemit man aud) bie 
fleinen Schuͤler, ohne alle andre Kleidung, balbnafend herum lau- 
fen fieht; er muß den Kopf glat gefchoren- halten und von feinem 
unteinen Thiere oder. verreftem Aaß mehr: genießen. Dergleichen 
Schuͤler werben unter ber geiftlichen Anffiche niche nur im ac 

| liſchen 





Hierarchie und Geiftlichkeit. 135 


fiichen fefen und fihreiben unterrichter, fondern muͤſſen auch vorzige Mandſchi 
lich die tangutiſche Schrift und die geiftlihe Character verftehen, od.Schülen: 
and die beym Gögendienft gemönfichfte tangurifche Gebete auswendig 

kernen, welche mann fie an den ‘Bettagsverfamlungen, wo fie das 

Ehor formiren helfen, mie bemwundernsmwürdiger Fertigkeit berfchreyen 

bört. — Einige der Yelteften werben zu Fleinen Verrichtungen im 

Tempel oder den Gögenhürten, dergleichen die Aufzieruug des Goͤtzen⸗ 

eifches, Handreichung der Priefter, u. fe m. iſt, verordnet und ber 

fommen den Namen Takildſchi, den mann mit Opfer oder Altar⸗ 

diener -überfegen koͤnte. 


Bey den Kalmuͤcken kam ein Mandſchi den geiftlichenlbardi bey 
Stanb verlaffen und ſich verehelichen. Aber unter den Mongolen dei Don 
find Mandfchifen ſchon an das immerwährende Gelübde, ich wilf nicht Bolen. 
ſagen der Keuſchheit, aber doch der Eheloſigkeit gebunden. Dahin⸗ 
gegen giebt es bey dieſen einen. fruͤhern Grad des Noviciats für 
Schüler, da fie ben Titel Ubaſchi führen, ben die Kalmü« 
den in einem andern Verſtande, für Das Moviciat der Moͤnche ges 
brauchen. Die Ubaſchi der Mongolen werben in der Schrift unter- 
sichtee und koͤnnen nachmals von ihren Eltern nad) Willführ zuruͤk 
genommen werben. Unter beiden Völkern gefihieht es zumeilen, daß 
ſchriftkundige Männer , welche Witwer werben, oder freymillig fid) 
von ihren Frauen trennen , fi) wieder zu: Mandfchifen wenhen laſſen 
und durch alle Grade der Geiftlichfeit gehn. Der Enthufiafmus fol= 
her Leute wird von der Clerifey gemeiniglih, auch nad) dem Hintritt 
derfelben , durch einen Anftrih von Heyligkeit, zum Beyſpiel aufge» 


t. 


Auſſer dieſem niedern Claſſen der eigentlichen Lamaiſchen Geiſt⸗ Minde ır 
Üichfeit, welche unter dem Namen Chubarag zuſammen begriffen Nonnen. 
werden, giebt es bey den Mongolen und Kalmuͤcken, ſo wie auch im 
Tybet, noch eine Arc Layenbruͤder und Nongen Es find abgelebte 
oder ſonſt der Welt uͤberdruͤßige, dee Schrift aber unkundige Keute, 
welche entweder in. den Witwenſtand gerathen ſind, ober Angehörige 
und Kinder verkaflen. und ſich der Einfamfeit widmen, um. den Reſt 
ihres Lebens in. Gebet und: Andache zugubringen, Zu dem Ende wer: 

‚den fie. von ben. Pfaffen ordentlich eingeſeegnet, erhalten von; ihnen. 
Bögen, eine Gebeiflagge worauf das unzaͤlige mahl wieberhohlre — 
gebet 


136 Don ber Lamaifchen 


WMvoͤnche m. gebet OGmmanipatmechom gefchrieben ſteht, und eine mic eben folhen 

Nonnen. Gebetworten befd;riebne, auch Damit angefülfte Papierrollen enthaltende 

Platte 25. Buͤchſe Rurndu ) welche um eine Achſe beweglich ift und durch ein 

Syn Gewichte, das an einer Schnur geſchwungen wird, fih im Wirbel 
dreben fäft (Platte 25. Sig. 1.). Mit diefem fieht mann fie den gröften 
Theil ihrer Tage andaͤchtig zubringen und unter Schwingung ihrer Büchfe 
obige Gebersworte auf einem Roſenkranz unzaͤlige mahl für ſich her⸗ 
beten. An DBettagen ſtecken fie auch ihre Gebetsflagge vor ber Hütte 
auf, die von weiffem oder blauen Baummollenzeuge zu feyn pflegt, 
und wegen eben der baraf wiederholten Gebetsformel, nur Mani ges 
nannt wird. Die Bewegung diefer Flagge im Winde und der Ges 
berbüchfe durch n Hand ft, nad) dem Glauben dieſer Leute, als 
eine eben fo vielfältige Wiederholung ihres heyligſten Gebets, vor 
den Augen ihrer Bögen guͤltig. 


Diejenige Weiber oder Winwen, welche ſich auf dieſe Arc dem 

Geber werben, aber das Haupthaar noch nicht abfcheren, fondern 
nur ein rothes Band um den Gürtel und auf jeder Seite eine ges 
doppelte Haarflechte tragen, heiffen Muſſunza, und find niche ver⸗ 
pflicheee den Eheftand, in demfie leben, zu verlaffen ; vielmehr koͤnnen 
fi) Witwen und Mädgen in diefem Stande verehelidhen, ohne ihr 
Geluͤbde zu brechen. Sie müflen fih nur fir Verunreinigung in 
Speiſen, für allem Blurnergieffen und Tobfihlagsfünden hüten, die 
Kaften beobachten und im Geber fleißig ſeyn. Eben Diefes gilt von 
der Art Miänchen , welche noch den Haarfchopf tragen urb ‚bey den 
Kalmuͤcken unter dem Nemen Ubuſchi gefunden werben. — Beide aber 
müffen den Eheftand verlaffen, wenn fie ‚Die Tonfur ‚annehmen. Der: 
gleichen mir Eahtgefhornem Kopf und einem rothen Bande über bie 
linfe Schulter einhergehende Nonnen heiffen Tfchebagantfi, und bie 
Mönde werden Suͤſſukra ‘oder auch, von der öfftern Wiederholung 
des vorgedachten Gebers, Ommantſchi genannt. Bey den Mongor 
fen pflege dr Name Tſchebagandſi ſowohl Mönche als Nonnen zu 
bezeichnen. — Diefe Seztere Art von Mönchen und Monnen träge auf 
ben Mügen , wie die Geiftlichleie, den rothen Quaſt niche und ſteht 
bey beiden Voͤlkern in einem groſſen — der Heyligkeit. Einige 
unter ihnen kaſteyen ſich mit einer ſteten Enthaltung von aller Fleiſch⸗ 
ſpeiſe und leben bloß von Milch und wilden Wurzeln, führen auch 
wohl ein Einſiedlerleben, gehen zu Fuß, und erhalten ſich überhaupe 
kuͤmmerlich und bloß von Almoſen. 
ann 


Hierarchie und Beifdichfeit. 137 


| Mann hat mir von den Kalmüdifchen Nonnen verfihern Mönche u. 
wollen, daß Diejenigen , welche fid) diefem Stande jung widmen ‚Nonnen. 
bis zum dreyßigſten Jahr feufch zu leben verpflichter feyen, alsdann 
aber ſollen fie heimlich und nur gewiffe Nächte, bey einem Manne 
fchlafen müßen, den fie niemand befannt machen dürfen; empfangen 
fie, fo fohken die‘ alſo ‚erzeugte Kinder fir beylig und Gott geweyhet 
— werden. Ich mag aber fuͤr dieſe Erzaͤlung nicht Buͤrge 
eyn. 


Obgedachte Gebethuͤchſen oder Räder (Kurudu) mie man Von dba ' 
ſie eigentlich nennet, werden auch ſonſt von frommen und ſchrift⸗ Gebetraͤ⸗ 
kundigen Leuten aus Andacht verfertigt und gebraucht; und alte ey—⸗ dern. 
frige und zu Geſchaͤften nicht mehr aufgelegte Prieſter verrichten da⸗ 
mit in Zwiſchenſtunden ihre Andacht, oder bedienen ſich ihrer um 
ihr Gchet gleichſam jeden Augenblik zu vervielfaͤltigen. Sie werden 
alsdenn in Geſtalt einer mie großen Mani gezierten Trommel gemacht, 
welche fich auf zwey eiferuen Spindeln in einem kleinen Geſtell her⸗ giatte 16. 
umdrehe. Die untere Spindel iſt rechtwinklicht gebogen, und eine gi, 1.2.4. 
an diefen Henfel ober Kurbel befeftigtee Schnur dient die Trommel gigtteis.a 
in beftändiger Bewegung zu erhalten. Durch folhe Trommeln , wel 
de oft faft hundert Ellen lange Papierrollen enthalten, die von eis 
nen Ende zum andern mit allerley tangutifchen Geberern und vielem 
Nisniıbefihrieben find, vermennen biefe gute Leute die Summe ihrer 
Anbachtswerdienfte bey jedem Echwung ber Maſchiene in eben bem 
Maaf zu vermehren, a Ä 





Zweyter The, — © iv, 


La} 





8 Von der Lamaiſchen 


w. — 
Etwas von denen ſogenannten Chabilgaue 


um Beſchluß dieſes Abſchnitts von der $Samaifchen- Geiftlichfeie 
fann noch etwas von den fogenammen Chubiigane ober wie- 
dergebornen Heyligen, gefage werben, 


| Was mann eigentlich unter einem wahren Chubilgan verftehe, 
HE ſchon in der Artikem von der Seelenwanderung und den Bur« 
chanen (S. 65. u. 76.) erläutert worden. Es ſind aber nur felme Er⸗ 
ſcheinungen, daß ſich ein ſolcher Chubilgan von Gebure oder Kind⸗ 


heit an durch beſondre Zeichen, fruͤhe Gaben, und andre auſſerordent 


He Umſtaͤnde zu erkennen giebt, Die Geiſtlichen unterlaſſen niche 
ſolche Gelegenheiten zu nüsen und Khaben, an welchen ſich derglei⸗ 
hen Kennzeichen aͤuffern, zum geiſtlichen Stande und zu ber Rolle, 
die ſte ſelbige ſpielen laſſen wollen, fleißigft zu erziehen; vor allen 
Dingen aber deſtaͤrken fie in ſolchen · Faͤllen den Möbel in dem Glauben, 
daß Beylige Seelen in follden Knaben voisdergeboren worden, und 
ten ſelbige vor aller verunreinigenden: Speiſe verwahren‘ Un 
dergleichen geiftlihe DBetrügerenen in ihrem rechten Lichte zu zeigen, 
will ic ein Paar Fälle, die mir davon befannt geworden find, hier 
anführen, | | 


Mor dent Jahr 1748. hielt fich unser ben Mongolen, die fih China 
unterworfen haben, füdlich vom Kuruluun, ein gewiſſer Aufon Chubilgan 
auf, der einen groffer Anhang gehabt haben foll, biser endlich auf eine 
gute Weife nach Pefünrverfeze worden. Zwey von feinen gemwefenen Juͤn⸗ 
gern, ein mongofifher Gellong Tſchobduk und ein Gedfüll Nowan Lops 
fon, waren um das “Jahr 1756. wegen der damahls unter den Mongolen 
obmwaltenden Unruhen, vor den fogenannten Tſchimtſchagirſkiſchen 
durch die Songariſchen Fuͤrſten in Bewegung gebrachten Aufruͤhrern, die 
auch mir dem Namen Chara⸗Zirik (ſchwarzer Trup) belegt wurden, nad) 


dem rußiſchen Dauurien gefluͤchtet und fuͤhrten mit ſich einen — — 
a- 





te, biersichle und Geiſtlichbeit. 239 


Raben Trbinmie‘, Deffen Mutter Bonzok, Witwe eines gewefenen Bon Chu: 
Tuſſulaktſchi Adjutanten) Munku, ſich ebewfalls beraube und bilgaus. 
ftuͤchtig unter den Cherinzifhen Buraͤten herum treiben muſte. Sie 
gaben dieſen Knaben bier ebenfalls für einen Chubilgan aus, und 
machten damit fo viel Auffethzen, daß ſich endlich die Obrigkeit dar⸗ 

um bekuͤmmerte und dieſer junge Chubilgan im Jahr 1758. vor die 
Selenginffifche Graͤnzkanzleh gefordert mard, Mann fand an ihm 

einen Knaben von ungemein lebhaftem Verſtande, der eine, wie bie 
Lamen vorgaben, natürliche Gabe hatte, aus ben Haͤnden zu weiſſa⸗ 

gen, bie man au in Selenginff nicht . Bewunderung geprüft 
haben fol. Er mar mit einem rothen Streif oder Muttermahl ſchraͤg 

über den Leib geboren, twelchen die Pfaffen, als eine angeborne geiſt⸗ 

fihe Scerfe (Orkimdſchi) auslegen und daburh ihr Wunder 

noch vermehrten. Weil fie aber vermerfen mochten, daß unter ber 
dortigen Obrigkeit der Ort niche ſey, diefem vorgeblichen Chubilgan 

feine Rolle ausfpielen zu laffen, fo gab mann nach einigen jahren 

vor, daß der Knabe dur) Werunreinigung feines Leibes alle Wun- 
bergaben verloren habe, und er lebte, als ich in der dDafigen Gegend 

‘war, in der Stille, als ein gemeiher Geiftliher und Mißionar un« 

ter. den Chorinziſchen Buraͤten. 


Der zuvor fihon erwähnte Songarifhe Lama Delek⸗dſcham⸗ 
30 (©. 121.) gab fid) au Für einen Ehubilgen aus und erzählte, 
in dem uͤber ihn angeftelleen Verhoͤr, die Umſtaͤnde feiner Wiederges 
bure Folgendermaffen. Ein gewiffer Rabdſchamba⸗Chutukta, mit 
Namen Schaburungs Lama, ben fih Ajufa Chan vom Dalai- 
Lama für feine Horde ausbitten laflen, fey auf dem Wege vom Ty« 
bet nach der Wolgifchen Horde geftorben, und nur fein Gefolge fey bey den 
Torgoten argefommen um dieſen Werluft befannt zu machen. Um 
eben die Zeit, da die Flucht des Sandſchip eines Sohn des Yjufa 
erfolgte, ward Delek⸗Dſchamzo in der Gegend Dajanzoola im 
Jahr 1701. als Sohn eines Fleinen Choſchotiſchen Fürften Lawang- 
Norbo geboren, und die Soongarifche Geiftlichfeit erklärte ihn EN 
den Chubilgan des vorgedachten Rabdſchamba Chutukta, . worüber 
auch der Soongariſche Chuntaidſchi, vermurhlih aus politifhen Ab- 
fihten, durch eine Gefandfchaft beym Dalai: Lama Anzeige that oder ' 
die Beftärigung einholte und es den Wolgiſchen Torgoten, durd) 
Entlafung einiger der mit WER angefommenen Stüchtlinge, 
2. e⸗ 


! 





Bon Chr: 
bilgans. 


140 Von der Lamaiſchen Hierarchie und Beiftlichkele, 


bekannt machte — Kaum war dieſer Delek⸗Dſchamzo, der auch zur 
Würde eines Chutufta gelangt war, mit ben flüchtigen Söngaren an 
ber Wolga eingetroffen, fo bieng fid) der gröfte Theil der Torgotiche Horde 
an ihn, als dem ihnen vom Dalai Lama vormals beftimsen Chubilgan , 
der Chan Dondukdaſchi übergab ihm die Samaifhe Ulus (Schaͤbinaͤr) 
und alles wäre ihm nad) Wunfch gegangen, wenn nidyt diefer Chan bald 
darauf geftorben und dadurch, Dem zuvor als oberfter Lama bey der 
Torgosfhen Horde geſtandnen Rabdſchamba Looſang Gelegenheit 
gegeben worden waͤre, ſeinen Nebenbuhler durch allerley Beſchuldigungen 
teufliſcher Kuͤnſte, Beymeſſung des Chaniſchen Todes, der damahls 
eingefallenen Duͤrre und Ungewitter, u. ſ. w. in Verdacht zu bringen 
und, mit Huͤlfe des jungen Vicechans Ubuſchi, deſſen Abfuͤhrung 
aus der Horde nach Moſkau im Herbſt 1761. zu bewuͤrken, mo die 
fer Delekdeſchamzo bald darauf: ſtarb. ’ | 


Unter denen an der Wolga nachgebließnen Torgoten und Der⸗ 
beten war zu meiner Zeit nody Fein würflicher Chudilgan anerfannt, 
ob mann gleich einen ungen Geiftlichen von greflen Gaben im 
Verdacht einer ſolchen Wiedergeburt zu haben fihien. — Ganz neu⸗ 
lid) aber melder mir Herr Jaͤhrig, er babe ohnweit Jenataefka, 
bey einem geringen Kalmüden, einen Knaben von acht Jahren ge=- 
fehn , der von Mutterleide an nicht Das geringfte von Fleiſch⸗ſpeiſen 


hatkte zu fi nehmen wollen. Seine Koft fey Tſchigan, Mitch: und 


Meelſpeiſe, Butter und Thee, welche er auch nicht einnwhl aus fol= 
chen Gefäflen genieſſet, worin Fleiſchſpeiſe zubereitet worden , deren 
Geruch er nie verfehlt und Lieber bungert, ats fol ein Geſchirr an 
feinen Mund ſetzen mil. Diefe ungewoͤnliche Abneigung gegen alles 
getoͤdtete Fleiſch ſchien den Kalmuͤcken ein Binreichender Grund, ums 
diefen Knaben .als ein heiligen Chubilgan hochzuſchaͤtzen und beſon⸗ 
drer Aufmerkſamkeit zu wuͤrdigen. 


Dritter 





Dritter Abſchnitt. 


Bon den Tempeln und Gößenhütten der Mon⸗ 
golen und Kalmuͤcken, ihren Bergierungen, 
Heiligthuͤmern, gewönlichen Gottesdienſt, 
Feſten u. ſ. w. 





L 
Von den mongolifchen Zempeln. 


— Goͤtzen nun, nach der Vorſchrift der Lehrbuͤcher bes Lamai⸗ engel 

fhen Aberglaubens , ſeyerlich aufzuftellen und zu verehren, fehe Fempel 
bauen die Tanguten und feie den lezten Jahrhunderten auch die 
Mongolen, nad) dem Beyfpiel der Heiden von Chima und Indien 
und fo wie das römifhe, griechifhe und aͤgyptiſche Altertum or⸗ 
bentliche Tempel, ( Datzan , mit u? bey ihrer Verfaflung nur moͤg⸗ 





142 Vom Lamaiſchen Bönendienft. 


Mongoli- lien Pracht und Aufwand; die mwolgifhen Kalmücden aber halten, 
ſcheTempel ˖ wegen ihrer unftäten Lebensart, ihren Goͤtzendienſt noch izt, fo wie 
fonft auch die Mongolen thaten, in beweglichen heiligen Filzhuͤtten, 
(Burchanin-Orgoͤ) welche ver Stiffeshürte, bey denen in der Wüfte, 
noch nomadifdy lebenden Iſraeliten verglihen werden koͤnten. Von 
beiden will ich befonders reden und die Tempel der Mongolen zus 
‚erft befcjreiben , mit deren inneren Befchaffenheit nachher die Gögen- 
hüten der Kalmuͤcken leicht verglichen werden fönnen, Die Mon 
golen, welche unter China ſtehn, haben vorlaͤngſt an verſchiednen 
Drten ihres Sandes beftändige und zum Theil von Stein erbaute 
Tempel gehabt, deren einige fich vielleicht von den erften Zeiten: 
2 Bekehrung zum Tyhbetiſchen Aberglauben hberfihreiben mögen. 
enigftens ift fein Zweifel, daß unter den Chanen, welche bie 
Mongoley und zugleih China monarchiſch beherſcht haben, in ben 
oſtlichen mongolifhen Wülteneien hin und wieder Gebäude vor den 
Lamaiſchen Goͤtzendienſt aufgeführte worden ſind. Allein nah Zerruͤt⸗ 
tung des von Tſchingis Chan geftifteten Reichs ſcheinen diefe Anftalten 
wieder eingegangen und bie Marion, fonderlic bey ihren Haͤndeln 
mie den Soongaren, zu ihrer vorigen unftäter Lebensart zuruͤkgekom⸗ 
men zu feyn., fo daß ihr geiftliches Oberhaupt, der Chutukta, noch 
bis vor etwan fünfzehn Fahren mit dem Than feiner Horde in Filz 
gezelren herumzuziehen pflegte. — Es waren. zwar dem ohngeadhtet einige 
fteinerne Tempel und Kapellen in der Gegend des Tolafluffes vor- 
handen, und der Ehurufta enrfernte fid nie weit aus der heiligen 
Gegend diefes Fluſſes und des durch ihn geweyhten Gebuͤrges Chan⸗ 
oola, diefe Tempel aber dienten nur zu Begehung der feftlichen Ce- 
remonien ; bie endlich die Chinefifhye Regierung, um die Unbeftän- 
digfeit der mongolifihen Dberhäupter und die daraus entftehende 
Gefahr zu mindern, es enblid) auf eine gütlihe Arc dahin eingeleiter 
bat, daß fi) der Chutukta in einer am Tola etwan soo Werfte 
von Eelenginff von Holzwerf erbauten, mit ordentlichen Wohnungen 
und Tempeln verfehenen Stadt niedergelaffen bat, in welcher auch 
der Ehinefifhe Stathalter mie feinem Gefolge wohnt, und bey wel- 
cher fi) die mongolifhen Furften, obwohl nur in Filzgezelten, auf 
halten. Und feie der Zeit ift das Hoflager des Churufta nicht mehr, 
“wie fonft bey wandernden Horden gewoͤnlich iſt, Oergoͤ, fontern 
Kuͤro (die Stadt) genannt wordenn. | 


Auf 


Vom Lamaiſchen Goͤtzendienſt. 447 


Auſſer dieſem Hauptſiz des Goͤtzendienſtes bey den Mongolen Mongoli⸗ 
find auch noch in der. oſtlichen Gegend der Mongoley, am Naun- ſcheTempel. 
fluffe und denen durch den Locho zum Scharamurin flieffenden Tul- 
gail und Naringol, ordentliche Tempel und. an lezteren Bad) auch 
ein merfwürbiger Thurn von Ziegeln, mit vielen ögenfiguren und 
eifernen Glocken, Chonchotu genant, am Fluſſe Locho felbft aber, 
unterhalb dem Bad) Elbingol, ein mit vielen Tempeln aus Ziegeln 
erbautes Kloſter ( Ried) nicht dreißig Werfte von der halbmüften: 
Stade Taimingtſchin und etwan vierzig von’ einer am Locho vorhand« 
nen allten Erbfeftung (*) vorhanden und ’in lezterem foll ein nicht 
* minder als der Chutukta verehrter Chubilgan fonft gemohne bar _ 

n. 

Allein von den meiſten dieſer entfernten Gegenden habe ich 
nur unvolfomne Nachrichten; ich will mich alſo zu ben Tempeln “ 
( Datzan) derer innerhalb den Gränzen des rußifchen Reichs wohnen⸗ 
ben Mongolen wenden , welche ich aus dem Augenfchein Fenne, 


Der vornehmfte und geöfte diefer Tempel ift ohngefähr ach. Tempel am 
zig rußiſche Werfte ſuͤdoſtlich von Selenginſk, und gegen vierzig LAichitoi. 
MWerfte von ber Gränzfeftung Kjachta, am rechren Ufer des Tſchi⸗ 
foifluffes , auf einer angenehmen, mit Fichtenheide uud Hügeln ums ; 
gebnen Sandfläche Chilgontui gelegen. Deſſen gegenwärtige Anlage 
gefhahe auf die im Jahr 1758. von dem damaligen Sibiriſchen 
Stathalter Soimonof, durch den im Sefenginffifchen commandiren⸗ 
den Brigadier Jakobi ertheilte Erlaubniß, um welche das Jahr Ä Ä 
vorber von dem oberfien Lama ber dortigen Geiſtlichkeit geziemende Ä | 
Anſuchung gefcheher war. Schen lange zuvor war an eben dem e 
Dre ein Fleines hölzernes Bethaus erbaut geweſen, welches damals 
zu ‚verfallen anfing und mie ben ißigen Gebäuden gar nicht "— 
9 en 





(*) Von der verwuͤſteten Stadt Taimingzin oder Burchan⸗Chottou, beus 

daſttkhſt noch ſtehenden Goͤtzenthurm und andern Ueberbleibſeln zwi⸗ 
ſchen dem Fl. Naun und Schara⸗ murin, HE brand Ides 5. 74. 
u. folg. in 12. Eap- weitlaͤuftig. Auch hat Witſen von dem Jeke⸗ 
Burch an· Eboston (groſſen Goͤtteyſtadt) viele Nachrichten geſamlet 
Kate Ausgabe S. 98. bis 200.) 


144 | Vom Lamaifchen Hoͤtzendienſt. 


Tempel am chen werden kann, zu deren Auffuͤhrung alle Mongoliſche Stämme , 


Tſchikoi. 


Matte zo. 


hauptſaͤchlich aber der Sungolfche, die Koften hergegeben Haben, aus 
weichem leztern der oberfte Lama felbft ift, 


Diefe Tempel find zwar nur von Hofz, durch rußiſche Zimmerleuse 
aufgeführt , aber Die Anlage und der Entwurf ſind von dem Cham- 
bo⸗Lama, als Oberhaupt der mongolifchen Geiſtlichkeit im Selenginf- 
kiſchen, felbft gemacht, weldyer darin die Bauart und Auszierung 
der Tybetiſchen Tempel, wohin er in feiner jugend gewallfarther, 
fo viel möglich nachgeahmt haben will. — Auffer dem groffen Tem: 
pet; find noch ſechs fleinere Tempel under angelegt, Die zu meiner 
Zeit zwar ausgebaut , aber von innen noch) nicht verziert waren ; in« 
gleichen ift ein Wohnhaus für den Chambo⸗Lama, ein paar rußiſche 
MWohnhäufer und an der nordlichen, weſtlichen und oftlihen Seite 
der Tempel eine Anzal wohl umzäunter und gedielter Pläge befind- 
lich, auf welchen die Geililichen, wenn fie fih bey den Tempeln 
einfinden , ihre Filzhuͤtten anffchlagen. — Der Chambo-Sama felbft 
pflege in dem Geböfte feines Haufes in groffen Filzgezelten zu woh⸗ 
nen, welche auf einem etwas über der Erde erhöhten Bretterboden 
aufgefeze find, und nur im Winter bedient ee ſich der Stuben. 


Der vornehmfte Goͤtzentempel, welcher in der Mitee ſteht, 
war im Jahr 1772. ſchon völlig ausgeziere und zum Dienft geweyht. 
Er ift mit Paliffaden umgeben und von einer betraͤchtlichen Geöffe. 
Der Plan beffelben ift ein von Morden jen Suͤden verlängerees Vier 
ef, welches an allen vier Seiten fleine Chöre oder Nebenfammern, 
und alfo die freuzförmige Geftale der gothiſchen Kirchen bat. . Das 
fübliche diefer Choͤre bilder einen ofnen Vorſaal, zu welchem mann 
durch eine breite, bedefte Treppe hinauf geht; das nordliche enthält 
dem Kingang gegen über Das Allerheiligfie, und die Seitenfam- 
mern follen mit Defen verfehn werben. "Der ganze Tempel ift mit 
einer geraumen fihmebenden Gallerie ins Zwoͤlfek umgeben. Die auf- 
fere Bildung des Dachs und der Zinnen, ſowohl an dem Haupt- als 
ben Mebentempein, wird man am beten aus dem mitgetheilten Pro« 
fpect erſehn. Leztere haben den Eingang ebenfals jen Süden, aber 
auffer dem Vorſaal nur ein Chor, der Thür gegenüber und feine 
Geitenfammern. Auch haben fie niche, mie ber Haupttempel, 
Aber dem Mittelgebäube in ber Kupol eine Fleine Kapelle, in We 

es 





Dom Lamaifchen Goͤczendienſt. 14 


befonders Goͤtzendienſt gehalten werben kann, und zu beren Gallerie Tempel aus 
mann aus dem Vorſal durch eine Treppe hinauf fleige. Der Haupt: Tſchikoi. 
tempel hat auch noch an ber Oftfeite eine Mebenehür, für die Goͤ 

diener, welche vor dem Dienſt alle Aufſaͤze des Gögentifches in Ord⸗ 

nung ftellen. Das $iche empfangen alle Gebäude durch Fenſter, bie 

an der Oſt⸗ und Weſtſeite angebracht find, | 


In den ofnen Vorſal am Eingang bes vornehmften Tempels find, 
zur Andacht für die Sanen , auf den Wänden vier ftehende und befleidete 
Gößenbilder , welche gleihfam die himliſchen Küfter oder Thuͤrwaͤchter 
vorftellen , geſchildert. Ihre Namen find auf Tangutiſch Fulkur fun, 
Pirfchibu , Tfchemidfan , LTomtöfferä. Der erfte ift mit einem 
blauen Körper vorgeftelle, und hat in der rechten Hand ein Schwerdt, 
in der andern ein Schnefenhorn ; der zweyte ift ganz roth und träge 
in beiden Händen eine mwindende Schlange ; der dritte iſt von gel= 
ber Farbe und träge in der rechten den panierförmigen Küfterftab , 
in der linfen aber eine Ratte, und ber lezte endlich ift braun und 
fpiele auf einer Laute. Diefes find Die an den vier Seiten bes Suͤm⸗ 
meroola wohnende und des Menfchen zeitliche Gtüffeeligkeit befördernde 
Macharanſa⸗Chane (S. oben S. 46.) daher fie auch nebft dem Bur⸗ 
Han Macha⸗Borti⸗Schori auf die Amulete gefezt zu werben pflegen. 


» Der innere Raum bes Tempels hat ſechs Reihen hoͤlzerner 
Saͤulen, und deren fechs in jeder, welde das Dad) tragen. — In den 
kleinern Tempeln find diefe Tragfäulen nicht in den Fußboden einges . 
faffen , fonbern fo ausgehauen , daß fie nur an den vier Eden auf 
den Boden ftüßen. — Laͤngſt jeder Reihe von Säulen ift nach der Platte 10. 
länge bes Tempels ein etwas erhöhter Abfaz, der mic einem Filz 
bepofftere ift und der geringen Geiftlichfeie zum figen diene. Am 
oberften Ende der mitlern Reihen find einige abfazweife erhöhte Sitze 
mit Polſtern, für die höhern Grade ber Geiſtlichkeit. Die oberften 
tamen figen auf Thronen, welche zu beiden Seiten, des Allerheilig- 
ftien an der nordlihen Wand angebracht und nach den Graben 
des Manges erhöht find. Zunachft am heiligen Chor find die Thro⸗ 
ne des: ChambosLama und des Zordfcht (*); jener, als ber 
| . erha⸗ 


(*) Dieſe Grade des Geiſtlichen Rangs find oben ©. 119. 124. erklaͤrt worden. 
T 


zweyter Cheil. 





6 Vom Lamaiſchen Goͤtzendienſt. 


Tempel am erhabenſte, zur rechten des Chors und mit fünf Polftern, lezterer 


Tſchikoi. 


Platte 11. 


nur mit drey Polſtern erhoͤht. Beide ſind oben mit einer Art von 
Baldachin geziert und in der Lehne mit Chineſiſchen Stoffen beflei- 
der, Meben diefen find zu jeder Seite drey Sige mit Polftern, für 
die fechs oberften Samen, welche dem Gottesdienſt in den Meben«- 
tempeln vorzufigen ernannt find, und bie Ehrentitel Gomo⸗ 
Lama, AroböfbelinsZama, Nemailong⸗Lama, — 
Lama, Nietong⸗Lama und Lfenchoro- Lama erhalten. In der 
vornehmften Reihe der Geiſtlichkeit haben mit erhabneren Polſter⸗ 
feffeln den Vorſiz zur rechten ber die Würde eines Tſchonſonba bes 
Pleidende , und zur linken der Da⸗Lama bes Tempels. Noch find 
zu beiden Seiten gegen die Thuͤr änlihe Seſſel für Die beiden 
Bheztis oder: Küfter des Tempels, | 


Das Chor oder Allerheiligfte iſt durch vier Säulftügen und 
dazwiſchen aufgehängee Schmweife und Binden, die aus Atlas ber 
fünf heiligen Farben zufammengefezt find ( RipsChadak) abges 
ſondert und zwiſchen dieſen ſteht, recht im Eingang, mit einem 
Darüber ſchwebenden, runden, ſeidnen Baldachin, bee Burchanen = 
Tiſch ( Schirk ) oder Altar, von welchen allen unten ein mehreres 
gefagt werden ſoll. 


Syn diefem Chor, worin auffer wenn der Gögenbienft zuhalten ift, 
alle muſikaliſche Inſtrumente der Pfaffen , ingleichen die in Kifklein ge⸗ 
pafte geiftliche Bücher verwahrt werden , find die vornehmften GögenbH- 
der der Samaifchen Mythologie in Riefengröffe, an ben drey Wänden, mie 
$eimfarbe geſchildert. Den mittelften Pla; an der nordlichen Wand 
bat das Bildnig des Bögen Schigimuni, und ihm zur Seiten find 
etwas Fleiner zwey prieiterlidhe Worftellungen , deren die zur rechten 
Lamain⸗dſchodbo, die zur finfen aber Sondyaba genant wurde. 
An den Seitenmänden bes Chors find, unter einer Mänge £leiner 
Bögen, die Bilder von Ajuſchaͤ und Otatſchaͤ groͤſſer vorgeſtellt. 


Auffer diefen Goͤtzen, find die Wände des Tenmels ſelbft 
rund umher mit lauter gröffer als Leben gefchilderten Goͤtzenbildern 
bedeft , welche in folgender Ordnung nebeneinander folgen : zur rech- 
ten des Chors oder an der Oſtſeite, Maidari, Manſuſchari 
Dentſchuk, Bunjerit, Sandus, Nogan⸗dara, Nordſchum⸗ 

mo⸗ 





Dom Lamaiſchen Goͤtzendienſt. 147 


mo, Erlikchan, Chammo, Bigdſaͤ oder Chairidraba, Ta⸗Tempel am 

uk⸗ tſchoͤdſchal, weſtwaͤrts Narmindſad, Chondſchin bodiſado, Tſchitoi. 

Mintugba, Ba⸗ udſchigba, Jamandaga, Zagan⸗ dara, 

Schirenin, Machangallan, Gongor Schalſchi, Namtoͤſeraͤ. 

Ueber der Thuͤr endlich iſt noch ein weiſſer, mit Schwerd, Lanze 

und Köcher auf einem weiſſen Pferde vorgeſtellter Burchan Tſamba⸗ 

garbu befindlih. — Unzäfige kleine Gögenfiguren, deren Namen ich 

niche ale habe aufzeichnen koͤnnen, nehmen die Wände einer mitten 

u den groffen Raum des Tempels angebrachten Austiefung ber Pattern 
ecke ein. | 


In ber obern Kapelle, die fih unter dem mirlern Dach be 
finder und eine befondre Gallerie bat, find verfchiebne der vorigen 
Sögen, u B. Baudſchigba, Namtoͤſeraͤ, Jamandaga und Ma⸗ 
chagallan wiederhohlt. Den oberſten Plaz und einen kleinen, mit 
Waſſerſchaͤlchen und einer Lampe beſezten Tiſch hat man dem Goͤtzen 
Otſchirdara gegeben. Die naͤchſten ſind zu beiden Seiten vier 
hoheprieſterliche Bilder: Erembutſche oder Dalai⸗Lama, Band⸗ 
ſchin, Dſchibſundamba und Tſonchaba; ferner ein dem Schigi⸗ 
muni faſt aͤnlicher Goͤtze Dſchamejing⸗dſide und endlich Dſchen⸗ 
dſcherembutſche⸗Lama. Alle dieſe find, wie im untern Tem⸗ 
pel, auf die Waͤnde geſchildert. Fuͤr die Geiſtlichen, welche den Dienſt 
verrichten, ſind auf der Erde zwey niedrige Baͤnke oder Abſaͤze mit 
Filz gepoiſtert und ſonſt hat dieſe Kapelle nichts merkwuͤrdiges. 


Die hoͤhere Geiſtlichkeit verſamlet ſich bey dieſen Tempeln 
nur zur Zeit der Bet⸗ und Feſttage und in den Zwiſchenzeiten find 
nur einige gemeine Pfaffen hier zur Auffiche beſtellt. Die Zahl der 
Beiftlichen, welche hieher gehören, beläuft fi) auf mehr als 300, deren 

allein von Songolſchen Stam 287 gezält werden. 


Zwey hölzerne Tempel, welche nach diefem den nädften Rang Tempels 
verdienen, find an dem nur dreißig Werſte meftlih vom Selengafluß amKuͤluͤng⸗ 
und der, Stadt Selenginff gelegnen Bufinoisofero (Gaͤnſe See) "- 
erbaut, welchen die Mongolen Rültın und megen der "beftändigen 
Wohnungen die fich verichiednen vornehme Pfaffen da gemählt haben, 
nur Gelluͤng⸗ Nor (den Priefterfee) nennen. 


Ta Der 





148 Vom Lamaiſchen Goͤtzendienſt. 
Tempel Der am obern oder ſuͤdlicheu Ende dieſes Sees, nahe bey 
| 


amKülüng- dem neuen Canal, welchen fid) der Temnikfluß durch -diefen See ge« 
nor. macht bat, gelegne Tempel ift auf Koften ber beiden Mongoliſchen 
Stämme melde Chatſchagan und Podgorodnoi genannt werden, 


erbaut, und ein reicher und in groffem Anfehn ftehender !ama des 
leztern dieſer Stämme, der aus fürftfichen Geblüe ift und deßwegen 
Volin oder Noſon⸗ordſchi, namenelih aber Lopſon⸗ Dfbamba 
genannt wird, führe dabey den Borfiz und hat auch nicht weit vom 
Tempel ein ziemlich artiges bölzernes Wohnhaus. — Die Bauart 
ex bes Tempels ift im Geſchmak des groffen, am Tſchikoi 'gelegnen, 
aber die Gröffe Föme nur ohngefähr denen dafelbft befindlichen klei⸗ 
nern Tempeln gleich und mag etwan 5 Faden ins Gevierte betragen. 
— Einen Unterfhied in der dufern Auszierung, der am meiften in die Au- 
gen faͤlt, machen viele auf der Galerie oder dem ProceBionsgange, womit 
der Tempel gleich über den Grundfäulen umgeben ift, nad) Tybetiſcher Arc, 
ausgeftelte Gebetraͤdlein ( Kurudu), welches theils um eine Achfe beweg⸗ 
liche und mit einer Papierrolle, voll tangutiſch gefchriebner Gebete ausges 
füllee Büchfen, mie Loͤffelfoͤrmigen Windfchaufeln find, theils aus zwey ova⸗ 
Ten, einander kreuzenden, leichten und breiten Ringen beftehn, die mit Ge- 
- betsworten bemahle find und vom Winde um ihre Achfe bewegt werden. 
i — Die innere Beſchaffenheit ift der am vorigen Tempel befchriebnen 
ganz aͤnlich und bie untern Wände find mit den vornehmften Goͤtzen 
geziert, unter welchen Schigimuni wieder den oberften Play bar. 
Die meiften Gößengemälde aber find bier auf Zeugern gemalt und 
mit Einfoffungen und Rollen aufgehaͤngt. — Oben iſt unter dem 
Dach noch eine Kapelle, wo gemeiniglich nur das Bild des Goͤtzen 
Okintaͤnggri, an Fefttagen aber auch andre Goͤtzen aufgehängt find, 
‚und befondrer Goͤtzendienſt verrichtet wird. In diefer Kapelle war 
von der wetlichen zur oftlihen Wand eine Schnur gezogen , an mel- 
her viele Fetzen (Chadak) von Seidenzeug und Kitaifa verſchiedner 
Farben hingen, welche. als eine Art von Opfer vor den Gößen auf« 
gehänge werden. — Rund um den groͤſſern Tempel find vier fehr fleine 
| Kapellen aufgezimmere, welche nur bey feitlihen Gelegenheiten geziere 
werben. . Die Geiſtlichkeit, welche fih zu dieſen Tempeln hält, be= 
ſteht aus mehr als achzig Köpfen. 


Platte 12. - Der zweite Tempel Liege nahe am nordlichen Ende des obge⸗ 
dachten Kuͤluͤn⸗ nor, in einem angenehmen Thal, ben dem 
TE 


’ Vom Lamaiſchen Goͤtzendienſt. 140 


Chongor⸗bulyk und am Fuß eines fanften Gebuͤrges Chongor⸗ Tempel 
ule. Er iſt von einem Tangutiſchen Lama, nahmens Looſang, aus am Kuͤluͤu⸗ 
den Beytraͤgen ſechs Mongoliſcher und Buraͤtiſcher Geſchlechter er. Nor. 
richtet worden, und eben dieſer Lama hat auch hier den Vorſiz. Platte 12. 
Der Tempel felbft iſt zwar flein, aber von zierliher Bauart, und 

es ift daneben noch ein Wohnhauß für den Lama erbaut, weiches 

eine Galerie, und inmwendig ein zur Goͤzenkapelle geweyhtes Putzzim⸗ 

mer mit einen Vorfal hat. — Es ift, nebft dem Tempel, auf dem 
bengefügten Profpect: ( Platte 12.) fo deutlich vorgeftele, daß ich 

mich bey dem äuferlichen Bau nicht aufhalten darf. — Die Galle 

rie umber ift geraum , und bas obere Dad) ruht, wie ein ofner Pavillon, 

auf Säulen, und dient nur um ber Cleriſey an Bettagen von oben 

mit einer Paufe oder mit dem Schnedenhorn das Zeichen zur Ver⸗ 
fomlung zu geben. — Der innere Raum des Tempels hat fünf bie 

fechs Faden ins Gevierte und ift durch Säulen in drey Gänge ab» 
geteilt. Der mitlere Gang führt zum Thron des oberften Lama bey 
diefem Tempel, der alfo bier gleichfam den Plaz des vornehmffen 
Bögen einnimt , die beiden Hauptgögen find gegen die Seitengaͤnge 

an der nordliche Wand gefchildere, und mit ihren Altären nur durch’ 
vorhängenbe feidne Feßen und Schweife von dem gemeinen Raum 
abgeſondert. Es maren hier Schigimuni und Tſonchaba zu 
Vorfigern gewaͤhlt, und auſſerdem find noch die Bilder des Mai⸗ 
dari, Manſuſchari, Wachagallan und Jamandaga an ben 
Wänden vorgeftelle, verfchiedne audre Gemälde aber bloß aufgehängt. 

— Die Siße der Pfaffen und Sänger find wie gemönlich vertheilt 

und in der Reihe zur linfen des Lamaiſchen Throns iſt ein erhoͤhter 

Siz für den die Stelle des Zordfchi beym Tempel‘ vertretenden 
Dfaffen angebracht, auch find für bie -mürflichen Priefter befondre 
Polfter gelegt. 


In der Haus-Capelle des Lama iſt der Gögen » Altar vor⸗ 
zoͤglich ſchoͤn geziere und zu beiden Seiten des darüber aufgehängten 
Goͤß aͤldes, welches wiederum den Schigimuni vorſtelle, ſchwe⸗ 
ben von ber Decke herunter groſſe, aus Atlas verſchiedner Farben ab» 
gewechſelte und mit Quaͤſten gezierte Streifen. (Rip-chadak) herun⸗ 
tr. Bey feſtlichen Gelegenheiten werden auch bier von einigen Prie. 

flern Gebete verliefen und der Segen ertheilt, und der Lama hat da⸗ 
— 3 ſelbſt 


8 








ns | | Vom Lamaiſchen Goͤtzendienſt. 


Temyel ſelbſt, dem Goͤßen gegen über, fein Ruheber und geht ſelbſt nicht im 
am Kuͤluͤn⸗ den Tempel, wenn nicht Die bey groͤſſern Feſten gewoͤnliche Feierlich⸗ 
nor. keiten es erforbern. 


Tempel im Ein vierter Mongoliſcher Tempel iſt am rechten Ufer des 

Zbal Bul⸗ Selenga fluſſes, etwan fünf und zwanzig Werſte oberhalb Selen⸗ 

mul ginſk und nur fimfzehn Werfte von der fleinen Zollfeftung Petropau⸗ 
lofffajs in einem einfamen,, mit fichtenreihen Bergen umgebnen 
That Bultumur, an Quellen, feie zwölf Jahren erbaut, wozu die 
drey Tabungutifhen Stämme bie Koften bergegeben haben, deren 
oberfter fama, der Schirer- Gelün Lopfonsdafchi, hier den Vorſig 
führe. Die Anlage ift volkommen wie bey ben Tempeln am Tſchikei; 
nue iſt, auffer dem vornehmſten Datzan, noch ein Fleines Bethauß an 
der Sübdfeite zu bauen angefangen worden, und an der Sübdoftlichen 
Ede des Tempels fteht ein abgefondertes, auf einen Hauptpalſ, wie 
ein Taubenhauß gegründeres offenes Gehäufe, worin ein fehr grofles 
Betrad feinen Paz bat, welches aus einer cylindriſchen Trommel 
mie vier Windfchaufeln beftehe, und vom Winde oder auch vom an⸗ 
daͤchtigen Leuten in Bewegung gebrache wird. Die innere Verzierung 
des Tempels hat nichts befondres; Tſonchaba ift barin als der _ 
Haupt:göge gefchildere, und in einer fleinen Kapelle unter dem Dach 
find nur einige aufgehängte Bilder oder Papierrollen, — Einige ſchlech⸗ 
te Stuben und Zelepläge für die Samen find in ber Mähe des 
Tempels aufgeführt, es wohne aber niemand barin, wenn nicht geift- 
liche Uebungen die Gegenwart der hieher gehörigen Cleriſey erfordern, 
die nicht fehe zahlreich if. Einige gemeine Pfaffen aber. find auch 
bier als Wächter beftelle, ; 


Tempel am Noch ift ein geraumer höfgerner Goͤtzentempel auf einem Hügel - 
Oſchida. am Bad) Gigetai der in den Dſchidda fält, auf Koften eines reichen 
Mongoien vom Sartolfhen Stam errichtet, weldyer wenig von den 

vorigen unterfchieden if. Maidari ift darin der Hauptgöge, unb 

neben ihm find die Bilder von Manla und Tſonchaba; die übri- 

gen find Suburge, Klogantarags, Chondfhinbodifade, Abida, 
amandaga, Dalsisfama, Schagitſchi⸗tuba, Gongor, 
tfchirbani, Otſchirdara, u. ſ. w. Der Tempel ift mie einer - 

hölzernen Wand umgeben, welche bem vorigen noch fehle, 


Ende 


Dom Lamaiſchen Gotzendienſt. 151 


Endlich fo find noch zwey Fleine Tempel, bey melchen fich Tempel am 
ein Mongolifcher Lama meebin aufhält, auf der rechten Seite Suchara. 
des zum Ehilof fallenden Baches Suchara , über fiebenzig Werfte 2% 
norboftlich von Selenginff vorhanden, deren einer ſchon vor achzehn 

Jahren erbaut ift und faſt wie ein rußifhes Wohnhaus ausſieht. 

Den andern , welcher erft feit drey jahren angefangen mworben und 

im Gefchmaf ber vorhin befchriebnen Tempel angelegt wars habe 

ih im Jahr 1772. noch nicht ausgebaut - und ohne alle Verzierung 

gefehn. Zu diefen Tempeln haͤlt ſich bie noch wenig zalreiche Geift- 

lichfeie, welche unter den neubefehrten Chorinzifhen Buräten wohnt, 

und .diefe Heiden nady und nad) von dem Echamanifchen rohen Aber: 

glben, ˖zu der mwenigftens feierlichen und eine gute Moral Iehrenden 
Iamaifchen Abgoͤtterey zu bringen fücht, 








r 1. 


Beſchreibung · der Kalmuͤckiſchen Goͤtzenhuͤtten. 


Goͤtzenhuͤt⸗ Es ich die Feyerlichkeiten des Lamaiſchen Goͤtzendienſts beſchreibe, 
Kal⸗ welche in der Hauptſache bey den Mongolen und Kalmuͤcken 
en. 


einerley ſind, muß ich noch von der Einrichtung der KRalmüdifehen 
Goͤtzenhuͤtten Rechenfcyaft geben. Die Songaren hatten zwar, vor 
ihrer Zerftreuung , in verfchiebnen Gegenden ihres Waterlandes Tem- 
pel und Kiöfteer ( Ried ) die fogar von Ziegeln gebaut waren, für 
ihre Geiftlichfeit, und unter andern war von dem Chofchorifchen 
Fuͤrſten Ablai ein foldhes Klofter, mit einem anfehnlihen Gögen- 
tempel , in dee obern Gegend des Irtiſch angelegt worden, beffen 
merkwuͤrdige, nur fiebenzig Werfte von der Feſtung Uſtkamenogorſk, 
noch unter dem Namen Ablain«Kied vorhandne Uberbleibfel id im 
zweiten Theil meiner Reiſe umſtaͤndlich befchrieben habe. — Auffer- 
bem war ein Bofchtuchen » Ried am Noorfaiffen, ein Otſchirtu 
Zaͤzaͤn⸗ Chan Ried am li, und noch mehrere von den Soongati- 
ſchen Ehontaifchen in der Gegend diefes Fluſſes angelegte, ziemlich volf. 
reiche Klofterftädcchen. Allein die Wolgifhen Kalmüden find diefem 
Beyſpiel nie gefolge und haben, auffer einigen in ihren Steppen zer⸗ 
fireue aus Laim erbauten Betfapellen ( 334), von welchen ih an 
feinen Orte reden werbe, ihren Gögen niemals ordentliche Tempel errichter, 
fondern fie allzeit in gewoͤnlichen, aber anfehnfichen und mit möglich“ 
fter Pracht aufgezierten Filzhuͤtten mit ſich herum geführt, 


Die eigentlich fogenante Goͤtzenhuͤtte ( Schürähn-Burchanins 
oergoͤ) pflege nicht von aufferordentlicher Gröffe, aber doch geraum 
und mit den fauberften weiſſen Filzen gebeft zu feyn. Dafelbit wer⸗ 
Den die Goͤtzenbilder und geiftlihen Bücher, aufler dem Gö. 
tendienſt, in Kiftchen fauber eingepaft und mit Teppichen bebefe., 
verwahrt, auch vor denfelben auf einem Pleinen, mit Schaͤlchen befezten 
Goͤtzentiſch fters eine brennende Lanternen⸗lampe unterhalten, s ze 

er 





Vom Lamaiſchen Gögendienft, | 153 


vieler Hütte hat auch zur rechten bes Eingangs ber Gögenhüter Grtzenbuͤt⸗ 
(Burchatfcht) fein Sager und Wohnung, An Ber» und Fefltagen ten der Kals 
werden barin von verfamleten Prieftern ftille Berftunden ohne Muſck muden. 
gehalten, weil man nie alle Burchanen aus derfelben in die greffe 
Verfamlungshürte nime, fondern immer noch Heiligehümer genug 

daſelbſt zurüf bleiben. Eben folche Gebeter werden auch in einem 

andern, gemeiniglic) bey jeder Verſamlungs-Huͤtte aufgefchlagnen, weiſ— 

fen Filzgezelt, wo der Bhepku ober Küfter und Herold, ingleichen die 
Takildſchi oder Goͤtzenwaͤrter wohnen, angeftelle. 


Die geoffen Verſamlungshuͤtten (Churulin⸗-GOergoͤ) find 
eigentlich als bie Tempel der Kalmüden zu betrachten, welche fie fo 
groß und praͤchtig, als möglich, zu machen ſuchen. Beym Hoflager 
‘des Derbetifchen Lama werden beren drey aufgefthlagen, Die eine 
jegliche ihre - Burchanin⸗oͤrgoͤ, nebft allem dabey gemänlichen Zube. 
. hör und Bedienungen, neben fi) haben und gemeiniglich in einer 
mäßigen Entfernung von der Wohnung. bes fama, rund umber, an 
der Suͤdſeite aufgefchlagen werden. Eine folhe Verſamlungshuͤtte 
pflege mehr als fünf Klaffter im Durchfhniet zu haben und bis an 
die Spize bes Dachs faft eben fo Hoch zu feyn; eine Groͤſſe, wovon 
mann kann glauben Fönce, daß fie durch. ein Gerippe von dünnen 
Meidenftäben, unter einer folhen Laſt von Filtzen, befeflige werben‘ 
Fönne. In einem foldyen groflen Gezelt von ade Gattern fönnen 
faft hundert Pfaffen u. Schüler in ordentlichen Reihen, ohne bie 
Mirtelftraße zu befegen, Plaz nehmen ; find aber an aufferordenrlichen 
Sefttagen die Verfamlungen noch) ftärfer, fo figen die Schüler auffen 
vor dem Eingang der Gögenhütte, unter aufgefpannten Segeltuͤchern. 
Die Filze werben zu diefen Hütten weiß gewaͤhlt, und das Gerüft 
auf das fauberfte gearbeitet und mit rother Farbe angeftrichen. Feuer 
wird nie darin angezünder ; daher ift das Rauchloch mit einer Kap⸗ 
pe von mweiffen Filz bedekt, und um die Hütte gegen alle Gewalt 
der Stuͤrme defto ftetiger zu machen, find vom Rauchkranz ftarfe 
platte Haarſeile herabgelaffen, die an einem im Mittelpunfe einge 
ſchlagnen dicken Pflof feftgebunden werden. Ä 


' Dem Eingang gegen über iſt, wie mann in den vorgeftelten Platte 13; 
Durchſchnitten folder , feyerlich aufgefehmüfter Hütten ſehen kann, bieu. ‚14 
Sögenbühne befmdlih. Es ift ein langes Tifchgen, welches faft manns⸗ 

- Ömepter Theil u. =: : hoch 


154 vom Lamaiſchen Goͤczendienſt 


Gsoͤtzenhuͤt- hoch, auf untergeſezten Kiſten erhoͤht ſteht und mit gelben Decken bes 
ten der Kal hangen wird. Zu beiden Seiten haͤngen gemeiniglich vom Dach der 
— Hütte zierliche feidne Schweife (Kip⸗chadak) herunter, und über der 
a 13. Miere der Bühne, wo der Hauprgöze ſteht, iſt ein kleines feibnes 
+ Baldahin von zierlicher Arbeit an den Dachflangen befeſtigt. Auf 
diefer Bühne (an welcher vorn ein Pleiner Epiegel, theils als Dar⸗ 
fiellung der Burchaniſchen Vollkommenheit, cheils als Gewiffensprüs 
fung, aufgebänge zu feyn pflege ) ftehen die Gögen, auffer ben Zeiten 
da Gebete angeftelle werden, in ihren Futtralen oder 
Capſeln (Ordu-Charſchi), bey feierlichen Hand« 
lungen aber werben fie heraus genommen und über 
zierlichen, verguideren Fußgeſtellen, auf Eleinen ſeid⸗ 
nen Polftern der heiligſten Farben ausgeftele, auch 
wohl mie einigen faubern feinen Tüchlein, worin 
fie fonft eingefchlagen find, wie mie Mänteln bes 
hänge, G.meiniglih nehmen Schigintmi, Eon. 
haba und Manfufchari die vornehmften Plaͤtze 
ein; einige Fleinere gegoffene Goͤtzen werben ihnen 
IF zur Seite geftelle, und weil der Raum auf der 
Bühne niche groß iſt, fo pflegt zu Vermehrung der 
Zahl ein aufgefeztes, lafirtes Spinddyen auf eines 
Tafel viele runde aus Ton abgedrüfte und über 
güfdere Goͤtzenbilder zu enthalten, und ift mit 
Thürchen verfehen , die nach Belieben eröfnet und 
geſchloſſen werden fännen , und deren innere Seite 
mie einen heiligen Indianiſchen Character Chakt⸗ 
ſchemalawarajan genannt, den ich hiernaͤchſt 
I] vorftefle (*), geziert iſt. — Zu beiden Seiten der 
Buͤhne werden noch viele Gemälde oder Rollen 
IF mie Gigenbildern, welche zum Dienft erforderlich 
| find oder fonft fleißig angeberee werden rmüffen, 
fönderlid) Die oberwähnsen fuͤrchterlichen Gätter, 
|} aufgehängt. 








(*) Es if merkiuirbig, daß in dieſam und manchen andern Judiaui⸗ 
ſchen Charactern, weiden als Uuwiete gewiſſe Wuntderkräffte zu⸗ 
geſchrieben werden, bie einzelnen Buchſtaben oder Sylben von = 


Vom Lamsifchen Goͤtʒendienſt. 155 
Bor der Goͤtzenbuͤhne ſtehen die Altäre ober Opfertiſchgen Bögenbät-' 
Schkä ) mit ihrem Zubehör, von melchen gleich umſtaͤndlicher wird ten der Kal 
gerebet werden, und zu beiden Seiten werden die Werkzeuge der Mücken. 
geiftlichen Muſik aufgeſteilt. 


Wenn die Kalmuͤcken um die Zeit des Bettages ruhig ſtehn, 
ſo werden die Verſamlungs⸗ und Goͤtzenhuͤtten mit allem Zubehör aufe 
geſezt und gezieret. Allein wenn fie zur Herbſt oder Fruͤlingszeit im 
jiehn begriffen find, fo muß zwar an den Bettagen Salte gemacht 
werden, allein man: pakt die Soͤtzen und übrigen Heiligthuͤmer nicht 
auseinander, fest auch, ſonderlich ” troknem Wetter, Leine u 

u) he 





beruncer geordnet und aneinander — werden, da doch ſonſt 
die Indianiſche Schrift oder Aenetkaͤk eigentlich von der linken zur 
rechten, fo wie auch das Tangutiſche, geichrieben werben muß. 
Es verbiente wohl ausgemacht zu werden, ob diefe Anordnung der 
Buchfladeı mis von den Meugolen und. Shinefern auf. jene Spra⸗ 
chen angemande worden, oder ob man urſpruͤngſich auch in In⸗ 
dien ynd Ipbet fo: zu: ſchreiben jemahls, oben ir gewiſſen Fallen 
gewohnd geweſen · Ich Babe auf Amuleten obangefuͤhrten Character in 
viererley˖ Schriftarten, nebmfidt nr. Aenetkaͤl oder ua. 2. Sans 
gutifcher Eapiraifchrift Sob, 3: Tangutifchenleihter Schrift Schere 
oder Akſchun und 4. Mangeliid, — fü wie er zu Amuleten, mit 
Wiederholung in jeber Schrift „ nach Buſtrophedon⸗art geicbrieben 
zu zerden pflegt, folgen: 


I. r. gl 


X N Ze 
I 


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"pfereauem wräug wUäug 


156 Vom Lamaiſchen Goͤtzendienſt. 


Gztzenhuͤt/ liche Verſamlungshuͤtten auf, ſondern ſtuͤzt nur eine Anzal Dachſtan⸗ 

ten der Ralsgen auf der Erbe zuſammen, und behaͤngt fie mit alten zerrißnen 

muͤcken. Filzen, um bas geiftliche Geräch darunter zu verwahren; die Bet 
ftunden aber werden in den Pleinern weiſſen Hütten der Geiſtlichkeit, 
ohne viele Umftände, bey einer brennenden Lampe gehalten, 


Bey den Zügen werben die Kiffen mie den Bögen (Schuͤ⸗ 
tan), Büchern (YTom) und heiligen Geräth auf zweyraͤdrigen, 
weiß bedekten Karren geführt, welche von angefpanten weiſſen Kame⸗ 
len gezogen werden müflen, und im $ager allzeit bey der Goͤtzenhuͤtte 
ftehn. Auch werden die Heiligen Hürten am liebften auf weiſſe Ka« 
mele gepakt. Alles auf und abpaden aber gefchieht durch die Geift« 
lichen Knaben oder Mandfpifen, und gemeine Gaͤdſuͤlls. 




















Dom Lamaiſchen Gbtzendienſt 


In. 


Beſchreibung der Goͤtzentiſche, ihrer Gefhirre, ver 
ſchiednen Auffäze, Nebenverzierungen und der 
Ä geiftlichen Mufif: - = 


Bu | 


Sr Goͤtzentiſch (Schiraͤ) if, wie beym Chinefifchen und Synbia, Beſchrei⸗ 
niſchen, alfo auch beym Lamaiſchen Gögendienft ein Hauptſtuͤk bung de 
der Verehrung, und vertritt bey dieſen Heiden, welche vernänftig Goͤtzenti⸗ 
genug glauben, daß Schlachtopfer und alle Ertoͤdtung lebendiger 
Greaturen den Göttern nichts weniger als gefällig ſeyn Pönnen, bie 

Stelle der blutigen Altaͤre, die bey den weſtlichen Heiden auch oft 

von Menſchenblut nicht unbefleft geblieben find und die Grauſamkeit 

der Goͤtzenprieſter genaͤhrt und gerechtfereige haben, 


In den Tempeln ber Mongofen ift die Gröffe dieſer Tiſche 
der Abſicht am gemaͤſſeſten, und auch die Aufzierung am vollſtaͤndig⸗ 
ftien, dahingegen es in den Kalmuͤckiſchen Goͤtzenhuͤtten an Raum und 
Bequemlichkeit dazu fehlt. Beide Völker pflegen nur an Bet⸗ und. 
Feſttagen den Goͤtzentiſch mit allem, was fie zierlihes, den Goͤtzen 
gefälliges und von seferfpeifen aus Dem Pflanzenreiche vorzügliches ins 
fleine zufammenbringen fönnen,. zu verſehen; auffer den feyerlichen 
Zeiten aber werden doch mwenigftens immer einige mit Wafler und 
Gerraide oder Früchten gefüllte Schalen, auch daben gern eine bren⸗ 
nende Lampe unterhalten und alles Geraͤthe darauf gelaffen. — Bey 
den Mongolen zeige ſich diefer Tiſch, wenn er feftlic) aufgefehmüfe 
, fo wie ihn der innere Profpeet des Tempels am Tſchikoi (Blatte 18.) Platte 18: 
vorſtellt. Am hinterften Rande deffelben ſtehn vor den Bögen, di 
in einer Reihe fünfzehn auf Fleinen Sußgeftellen befefligre, zierliche 
und verguͤldete Scheiben mit gewiſſen, den Göttern, wie man glaubt, 
überaus gefälligen Hieroglyphen, welhe in Mongolifhen Tempeln 
nie fehlen, bey den Kalmuͤcken aber felten aufgefteft merden. 
Acht derſelben, welche ſich auch durchs Fußgeſtell unterſcheiden, 
ae | u 3 u wei» 


g. 10 1. 


ES 


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v 


148; vem Lamaiſchen Esaenbienfi, | 


Beſchr. desmerden Naiman Tabil (die acht Opfer), die fieben anbern aber 
Högents Dolon⸗Erdeni (die 7 Kleinode oder Heiligehümer) genant. Auf 
fibet. der zıften Platte find bie auf diefen Scheiben übliche Vorftellungen 
Rs er abgebilder und werden nad) der Ordnung folgendermaflen benannt ; 
SUB nd zwar zuerft die acht Takil: 1.) Salflın, die Fiſche; 2.) Dun- 
gar, das; Opferhorn, eine Art Schneden die über Indien und Chi⸗ 
na. fommen und beym $amaifchen Gögenbienft unter andern mit ges 
blafen zu merden pflegen; 3.) Oelſaͤtutſun, ein befonbrer Zug; 
4.) Badma, die Rofe; 5.) Schükür, der Sennenfhirm; 6.) Bum⸗ 
bo, das gleich zu erwähnende Kaͤnnchen mit heiligem Wafler; 7.) Hs 
gakſuͤni Dſchimmik, ein Panier, welches aus übereinander geſezten 
Kappen von den heiligen Farben beftehe, und oben auf bie heiligen 
Fahnen goſteks wird; 8.) Rurudu, ober Rürdh das Rad; — Fer⸗ 
ner die fieben Erdeni: 9.) SanstPrdeni tangut. Lanbu, ein weifr 
for Elefant; 10.) Worin; Mrdeni, tangut, Damtſchuk, ein’ grünes 
Pferd, welches gemeiniglich dem Gigen Maidari zugefelle wird; Fr.) Fir⸗ 
gr tangut. Mabbun, da Felbherr, welcher blau 
Geſicht, getzarniſcht, auch wohl mit einer gelben Lamenmuͤtze 
abgebildet wird; 12) Chattun⸗Erdeni, tangut. Dſomo, eine zier⸗ 
liche weiſſe Jungfrau; 13.) Tuͤſchimel⸗Erdeni, tangut. Lonbo, 
der Wgefanbte; 14.) Dſchindemani⸗Erdeni, tangut. Norbo, eine vor⸗ 
geblich in der Tiefe des Weltmeers wachſende Frucht, womit die Burcha⸗ 
nen Berge verfegen und taufend andre Wunder hun ſollen; und: noch⸗ 
mals ı5.) Rurudu, bas heilige Rob (*). Fräge mann die Samen: 
nad). dem Einn diefer Altaraufäge, fo antworten fie: der Ausbund: 
her edelſten Weſen, die unfer Weltſyſtem je hervorgebrache, werde 





(*) Diefe Atarfinuren der Schigimunianer fiheinen ibren Urfpung auf 
der beym Baldaͤug ©. So. u. 51, erzählten und abgebildeten In⸗ 
dianiſchen Fabel zu haben, da das feiner Schaͤtze wegen überm 

‚ ig gemerdne Meer, auf Befehl der oberften. Gottheit‘, welche. 
Dort faſt wie Manſuſchari, mit vier Armen und einem Sihmwerbe. 
abgebildet iſt, gezwungen wird vierzehnerley von feinen Schaͤtzen ˖ 
ausquwerfen, die mit unfern- Opferaufſaͤhen zum Theil voͤllig uͤber⸗ 
ein fommen.. Die Vorfiellungen in der Indianiſchen Babel find :: 

) Dad Geld, Arıfemy ; 2). das Edelgeſtein, Conſenkmany, wel⸗ 

es im dunfeln leurbter; 3.) der Baum, Pautfadig ; 4). Das. Tüpfs:- 
den, Silperen, mie dem Waller Sora; 5) der Alt Dannewans 
terz 


—ñi — 





Vom Lomaifchen Binendienfl, 9 
dadurch, als das wuͤrdigſte Opfer det Gottheit, in Bilbern —— Behr. ed 
n 
ſches. 


weil in unſerm verdorbenen Weltalter dieſe Dinge ſelbſt nicht meht 
zu erhalten find, 


» Diefen werben von einigen noch fünf geſchmuͤkte ſttzende Platte 16. 
Jungfrauen, weiche bie heiligen Farben ausbräden , bengefügt :ög i6. 28 
eine blaue, die ein Schneckenhorn mie Raͤuchwerk haͤltz eine weiſſe | 
mit einem Spiegel; eine grüne, die einen ſeidnen Schweif (Zip } = 
trägt ; eine gelbe, die auf der Laute fpiele und eine rothe, welche 
eine Schüffel mie Früchten empor hält. Diefe Figuren. find eigen 
lich finbildlihe Vorſtellimgen der fünf Sinnen (Tabun Rom) 
und drüden, die blaue Figur das Riechen ( Chabur& Unar ), die 
grüne das Gefuͤhl (Bijani Ruͤrulgaͤ) bie gelbe das Gehoͤr ch 
kaͤna Doon) und endlich die rothe den Geſchmak ( Röllänt Amtan > 
aus. ’ 


Naͤchſt diefen Zierachen iff fters eine Menge meßingner, auch 
wohl metalner ober filberner Schaͤlchen (Zoͤgaͤzaͤ, tangutifch Dynsere ) 
ar den Gögentifchen in abmechfelnderr Reihen , oder auch in Geſtalt 
gewiffer Indianiſcher Buchſtaben georbner. Im feibigen wird Dar, 
gekochter Thee, allerlen Getraide, oft mit beygemiſchten Erbe 
fen und Bonen, einiged Nußwerk, getrofnete Früchte, Gewürz, ge⸗ 
ſchnitten Brodt oder andres Bakwerk, auch wohl Käfe und fogat 
trofnes Fleiſch, den Burchanen vorgefezt ; und nie dürfen alle Schalen 
ledig ftehn ; beym Goͤtzendienſt aber müffer früäbmorgens alle vor⸗ 
rer Schaͤlchen, deren Anzahl ungerade zu ſeyn pflege, duch dei 

akildſchi angefült und in Ordnung geftelle werben. 


“ 


Naͤchſtdem werden alsdenn auf Fleinen Schuͤſſelchen, oderPlatte 15 

bey den Kalmuͤcken auch in äntihen Schäden befondere, aus fris 8 M-13- 
ſchem Meelteig geformte und mie Butterbroken beflebte Kegel (2 
; in⸗ 





ter; 6) Indemandeman; 7) Die weiſſe Kuhb des Uberffuffes,, ge⸗ 

nannt Camdoga; 3) Das Waſſer des ewigen Leberd Amarith; 

9) Der Elefant mit ſieben Ruſſeſn, ierarnneſtyn; 10) Die 

ſchoͤue Tanzerim Remba; 11) Das fiebenhipfige Wert, Spmog⸗ 
nora; 12) der Bogen, Dennof; 13) das Schnekenhorn Ebianfz 
24) das Gift Sab ei 


[1 — — udn en 





60 Vom Lamaiſchen Goͤtzendienſt. 
Beſchr. des lin⸗ duruma) und Thuͤrnchen, oder auch, wenn bie zornigen Goͤhen 
Goͤtzenti⸗ beſonders verehrt werden ſollen, verſchiedne jedem beſonders eigne Arten 
Koes . Yon Pyramiden (Duruma) mit Golbblärhen ober Forhen überzo⸗ 
En 1, gen, in verſchiedner Anzahl, am haͤufigſten (zu 8 bis funfzehn, die ſoge⸗ 
Sa. 2.5, nanten Dalin )- aufgetragen. An denen zärlihen groffen pften find 
Platte 5, bey den Kalmüden ftumpfe. Pyramiden von Schaumzucker ni ger 
a.b.c. fünfter Zahl, gebraͤuchlich. ee 


Le 


Serner werden bey den Mongolen fieben hohe Lampen, vom 
ungleicher Öröffe, angezündet ; die Kalmuͤcken aber Iaflen es ben einer 
bewenden , und ftellen ſolche, wegen des Zugmwindes in ihren Goͤtzen⸗ 
huͤtten, in eine Lanterne. Statt des Tochts in dieſen Lampen, Die 
"gemeiniglich mit Butter gefüllt werden , dient ein Eplitter von Se— 
wenbaum oder Steinwacholderholz ( Arza) der mit Baumwolle ums 
wikelt if. Und überhaupt wird der Geruch der Wacholderhoͤlzer 

. für fehr Präfftig, den böfen Geiftern wiederwaͤrtig und den Goͤttern 
gefällig gehalten. 


. Die Mongolen ſtecken eine Menge dünner Raͤucherkerzen 
(Rudfhi) vor ihren Bösen in Meinen Kegeln auf, weit fie, felbige 
Durch den finefifhen Handel fehr wohlfeil haben können. Die Chi 
nefer verferrigen felbige in der Dicke einer Dünnen Bleyfeder und et- 
wan einen Fuß lang, wie mann fagt aus den zerfauten zarten 
Pflanzentheilen , die entweder im Kubwanft gefunden, oder durch 
Waſchung des Kühmifts erhalten werden. Diefe Kergen find gelbbraun 
pon Farbe und mie es ſcheint Plattenweife in Formen gedrüft, Die 
Afhe, melde von felbigen auf dem Goͤtzentiſch nachbleibt, 
wird forafältig in einen Trog zufammengefegt, welcher vor den 

| Gögentifh auf einer. niedrigen Bank fteht. — Die wolgiſchen Kal« 
muuͤcken haften die Chineſiſchen und fenderlidy die Tibetiſchen Raͤu— 
cherferzen fehr hoch, gehn aber damit hoͤchſt fparfam ‚um, weil fie 

bey ihnen felten zu befommen find , und fie mit der Nachahmung 
derfelben nicht recht fertig merden fünnen. Die Tiberifhen Ruͤd⸗ 

ſhi find ned) dünner als die Ehinefifchen , rotb oder gelb von Far⸗ 

be, welche ihnen mit Safran ı Burgum) eder Korhhelz (Sans - 
Don) gegeben wird. In der Kalmüfifchen Goͤtzenhuͤtte ift ein 
befonders $euchterchen gebräuchlich, auf welchem ein Stuͤtk einer 
einigen Kerze. vor ben Göttern als eine Seltenheit brennt. — 
u; Zr . | . tinger 


2 





= 


Vom̃ Lamaiſchen Gstzendienſt. 161 
ringer Geiſtliche, welche dergleichen nicht aben, raͤuchern ihren Goͤ⸗-Beſchr. des 


gen mit Weyhrauch (Gugul oder Ruͤku) den fie auf einen bren⸗ Sögentis 
nenden Kuhfladen flreuen und dazu einen Pleinen Dreyfuß haben, ſches 


. Ein unumgänglich nothwendiges Altargefäß iſt das Kaͤnnchen 

Bumba, worin das ng Wafler (Araſchan) zubereitee und 
nachmals, durch Ausgieflung vor den Burchanen, dergeſtalt geweyhet 
wird, Daß die Samen demfelben fat mehr wunderthätige Kräffte, 
als die. römifhe Kirche ihrem Weyhwaſſer, zufcreiben. Dies 
.fes Känndyen wird bey den Kalmüden mit einigen barauf gefteften 
PDfauenfedern gefchmüft und mit einem feinnem Fetzen, ber. zugleich Matte uw. 
zum Abmwifchen bey der Ausgieffung des Waflers dient, ummunden *- Fig. 2. 
bingeftelle. Die Ingredienzen bes heiligen Waflers find bey den u. 3. 38.4 
Kalmuͤcken bloß der Saffran (Gurgum), ein durchgaͤngig Den 
Goͤttern ſehr annehmlich geſchaͤztes Material, und Zucker. Einige 
nehmen auch etwas Gewuͤrz darunter, wenn ſie es haben koͤnnen. 
Bey den Mongolen werden ſechſerley heilige Medicamente bey Zube⸗ 
reitung des Raſchan vermiſcht; nehmlich Dſadi oder Moſchatennuß, 
Biſchi oder Gewuͤrzneglein, Sugmel eine Art Amomum welche 
‚den Cardamomen faſt aͤnlich ſieht, Ghagula eine Art citronhaft 
ſchmekender Cardamomen in laͤnglichten gefurchten Huͤlſen, die faſt von 
der Groͤſſe einer kleinen Pflaume ſind, Gurgum oder Safran, und 
Dſhugan ein recht ſeifenartiger, miſchweiſſer Mergelthon, welcher 
in der Mongoley und haͤufiger in China aus Felskluͤfften hervor⸗ 
kommen ſoll. Dieſe Beftandtheile muͤſſen während bes feyerlichen 
Gebets, deſſen unten Meldung geſchehen ſoll, auf den Altar geſtellt, 
darnach zerſtoſſen und wenn Raſchan bereitet wird, mit warmen Wafe 
fer vermifche und in obgedachtes Kännchen gefüllte werben. 


- 


Eben fo wenig darf auf dem Goͤtzentiſch der Spiegel obder-Platte 15 
die polirte metallene runde Scheibe (Tooli geril) fehlen, über Gig. 12. , 
welhe-der Raſchan ausgegoffen wird, Ein feionee Schweif, wel 
her an ber einen Seite im Mittelpunfe derfeiben befeflige iſt, dient 
um felbige bequem halten zu koͤnnen. Zum auffangen des heiligen 
Waffers gebrauchen die Mongolen ein grofles, fefleiförmiges, fupfernes 
Becken (Sabia), die Kalmuͤcken aber eine mäßige Schale ( Derebs), 
weiche auf einem untern Abſaz der Goͤtzentiſche ihren Plaz zu haben 


Zweyter Theil, V pflegt. 


„cz Pom Lamaiſchen Biuendienfl. 


Weiche. des pflegt. Noch gehöre gu hem Altargeraͤth eine blecherne Scheibe 
Soͤtentiſch⸗ Manhra) mit fünf Hügeln, wovon der mirlere am hoͤchſten Hera 
eb. vorrage, welche bey Ausſchuͤttung bee Getraides vor ben Goͤtzen 
9 dienet. | | 

Fig. 14. Noch eine befondre Schale ift die fogenante Ghawula, wel⸗ 
ehe einen Hirnſchaͤdel vorſtellen ſoll, aber dem Geſaß eines Menſchen 
änlicher ſieht, und beſonders denen acht zornigen Burchanen gewey⸗ 
het iſt, bey deren beſondern Anbetung fie gefüllt und empor gehalten 
werden fol, 


Ben den Ralmüden ift noch eine Schale ( Takilin —* 
üblich, welche auf einen fangen eiſernen Stiel befeftige und darmit 
yor dem Altar in die Erde geftefe wird. Mann ehe biefelbe niche 
yur in den Goͤtzenhuͤtten, fondern auch in den Wohnungen der Pfaf⸗ 
fen, und es pflegt von allem Getraͤnk, das genoſſen wird, zuerſt 
etwas In ſelbige, als eine Libation, ausgegoffen zu werden. Mann 
ſieht fie daher ſtets mit einer unappetitlihen Bermifthung von Thee, 

gi faurer Milch und dergl. angefülle. — Auch nur bey den Kalınüden 

3 15. - pflege ein Schälhen vol Honig, mit einem befondern blechernen Fuß, 

auf dem Gögentifih zu ſtehn, und auf dem untern Abfaz liegt noch eine 
vierekigte Pritſche (Dſhogba) melde zur Züdrigung der Chor. 
Enaben, die ſich zu ſpaͤt zum Gebet einfinden oder ungebärbig dabeg 
bezeigen möchten, dienen foll. 


a Die neben den Goͤtzentiſchen aufgehängte feidne Schweife 
nen Arcen (Chadak ) verdienen. eine beſondre Erwaͤhnung, weil fie als etwas 
Cpadat. theils ſehr heiliges und den Göttern hoͤchſt gefälliges, theils mit ge⸗ 
heimer Krafft begabtes angefehn werden und gleichſam ein Ebenbild 

des Regenbogens vorzuftellen beftimt feinen. Es giebt aber nad) 

dem mir von einem mongolifchen. fuma -hierüber mitgetheilten Auffaz 

folgende verfchiedne Arten von Chadak, die dem Lamaiſchen Ceremonielk 

gemäß find (2). — Die erfie Art wird mongoliſch, Nimun dilik ge⸗ 

nannt; 











(*) Gmelin hat im aten Theil der Sibir Reife S. ı1. dieſe vor dem, 
mongolifcben Gögen aufgehängte Chadafs, ald Schamanuiſche Zie⸗ 
rathen befchrieben, da fie doch eigentlich zum Schigimuniſchen Ge 
gendienft gehören. | 





vom Lamaifchen Goͤtzendienſt. 163 


nannt; es ift ein Eruf Seidenzeug von einer heiligen Farbe, wel. Verſchied 
ches zwey Klaffter lang und anderthalb Ellen en genommen, an rg 
beiden Enden mit Quäften geziere und mit den heiligen Worten einer Chadak. 
gewiſſenSchrift Schat bemahlt wird. Diefer Cabal ft nur an 

den Thronen der gröften Samen gebraͤuchlich, und fol ein unver: 
gleichlicher Wächter gegen alle weltliche Anfechtungen unb Unruhen 

ſeyn, dagegen die volkommenſte zeitliche Gluͤkſeeligkeit beſcheeren. 


Der mitlere oder zweyte Chadak heiſſet Sonam dilik, und 
muß die Laͤnge von etwas mehr als anderthalb Klaffter, gegen fünf 
viertel einer Elle Breite haben, Auf dem Seidenſtof, woraus Der 
ſelbe befteht , werden die obgebarhten fiehen Erdeni abgebildet, und. 
fo ift er geſchikt um bey fürftfihen Thronen gebraucht zu werden: 
Eeine Tugenden find eine giüflihe nnd glorreihe Regierung, Ste 
gen auf ein zufünftiges geben und den Unterchanen Heil und Ueber⸗ 
fluß zu verſchaffen. 


Der dritte vornehme Chadak befime den Hamm Dafchk 
dilik: diefer wird ein bis anderthalb Klafter fang, aus Geidenzeug 
verfertige, mit Quäften verfehen und verfchiedne , der Abfihe gemäfle 
Vorftellungen darauf gefchildert. Er dient unter Vornehmen zu ges 
genfeitigen Geſchenken, und wird als ein Opfer vor den Bögen auf« 
gehängt , um fid) und feiner Familie oder MWiehheerden das vorma« 
lige Gluͤk und Gedeien wieder zu erbitten, wenn fih das Schikſal 
wiederwaͤrtig ju erklären ſcheint. | 


Sambai Chadak it ein Stuͤk Seidenzeug gelber Farbe, 
euf anderthalb Ellen fang, welches ben Bögen als ein Opfer dar 
brache werden, und auch zu kleinen Gefchenfen bienen kann. 


KRip⸗Chadak find eigentlih die aus fimffärbigen Seiben« Platte ır. 
page zufammengefezte Art, in welchen weiß‘, toth gelb, grün und u 14 

lau abmechfeln muß. Ihre Gröffe iſt verfchieben „ die Sänge aber 
alzeit vielmaf gröfler als die Breite, und am Ende werben fie mie 
Quaͤſten oder Franzen geziert. Auch kleine Seidenfetzen, welche bie 
-fünf heiligen Fatben an fid) haben , gehören unter biefe Claſſe und. 
Werben eheils mit darein gewickelten Amuleten von den Geiftlichen 
en Saien ausgerheilt, um anf ber ge getragen zu werben, z. 
2% Ile 


7 | Vom Lamaiſchen Goͤtzendienſt. 


Berfebiebne koͤnnen fie, als Geſchenke, aus glaͤubigem Herzen zu ben Burchanen 

Arten von und Samen gebracht werben. Bey todten Cörpern werden foldye 
Segen, an einen guten Pfeil befeitige, von Verwandten ober Freunden 
aufgefteft. Die groffe Art wird in den Gögentempeln für die ber- 
lichſte Zierde gehalten und zu beiden Seiten - ber vornehmften Bur— 
chanen aufgehängt. 


Sangſa⸗Chadak bezeichnet ſolche Fegen, welche von den Geifle _ 
lichen, unter Verleſung geroiffer Gebete, mie darauf gemachten Abdruͤk 
fen von Goͤtzen ober heiligen Sprüchen, zuſammengewickelt und alfp 
als Gluͤks, Amulete zu tragen gegeben werden. Der Name fomt 
von Sungjschu (wickeln), und auh Sambaischadak gilt vor ei» 
nen Sangp⸗Chadak wenn er aufgewickelt wird. Man kann feidne 
und balbfeidne Zeuger dazu nehmen, ja die gemeinfte Materie zu 
ſolchen Amuleten ift das Papier. — Die allerkleinften Chadaks ſind 
eine Spanne groß und werden Jama genannt, 


2 | Mann bebiene fich auch einer Art von Chadak aus. fhmar- 
zem Seidenzeug, welche eine halbe bis ganze Arfchin groß find und 
allen weltlichen Feinden, boͤſen Geiſtern und Gedanken, die den Men⸗ 
fihen anfechten, mwiederftehen folien. Alle izt befchriebne Arten vor 
Chadak muͤſſen von den Pfaffen durch gemwiffe Gebete geweyhet wer⸗ 
den und erhalten erſt dadurch ihre geheiligte Eigenſchaften und: Kräfe 
se. Alf iſt leiche zu fehen, Daß es damit auf einen feinen Gewinſt 

. der Geiftlichfeit abgezielet ift, und daß die höhern Arten erſonnen 
find, um fteinen geiftlichen Gefchenfen diefer Art, fo wie erwan ges 
weyheten Windeln, ein geoffes Gewicht zu geben. Indeſſen find ale 
Diefe Ehadafs bey den Mongolen vielfältiger im Gebrauch, als bey 


Geiſtliche Es bleiben mir noch, ehe ich zur Beſchreibung des Goͤtzendienſtes 
u. ſelbſt übergehn kann, die Werkzeuge der geiftlihen Mufif abzuhandeln 
übrig. — Das vornehmſte Werkzeug, Beflen ſich nicht nur die geweyhten 
Priefler-in- HYrieſter, fondern auch alle obere Claſſen der Geiftlichfeit, bis zum Dalai⸗ 
| un fama‘, bey feyerlichen Gebeten bedienen , ja mit welchem and) fogar die 
2: 8. B. Görter der Samen abgebildet werden, ift die zievliche Priefterglode (Chons 
; cho tangut. Dripo , welche nicht oßne den Priefterfceprer (Ucſchir, 
tangut. Dordfbi, auf Enesfätifh Sagalmai) kann geführe wer- 


/ 


Dom Lamaiſchen Goͤtzendienſt. 165 


ben. Dieſer iſt hauptſaͤchlich das Ehrenzeichen der hohen Geiſtlichkeit Geiſtliche. 

und derer aus dieſem Stande ſich herſchreibenden Götter und bezeich- Muſik. 

net die Heiligkeit, Unverlezlichkeit und Oberherſchaft. Die gemeinen Hrieſterim 

beſtehen gleichſam aus zwey vierbuͤglichten Kronen, welche durch einen ſiguien. 

kurzen Heft oder Knopf gegeneinander verbunden ſind; vornehmere 

ſind viel zierlicher ausgearbeitet und in den Kronen mit acht Buͤgeln * 

verſehen, wie die Abbildung zeigt. Bey gewiſſen Gebeten, wo die 

Glocke zu gebrauchen iſt, nimt der Geiſtliche dieſen Scepter zwiſchen 

die zwey mittelſten Finger und den Daumen ber rechten Hand. Alle platte 9 

Ghebfüls, die noch niche zu Gellongs geweyht find, dürfen beides die Fig & 

Glocke und den Scepter nicht führen. jene wirb aus filberreichem 

Metal fehr zierlich gegoſſen, und hauptſaͤchlich muͤſſen darauf die 

- Epiben, Ommanibadmechom, in Sndianifchen Charactern zu ſehen ſeyn. 

Der angelörhere Stiel zeige gemeiniglicd), aufler einem Goͤtzenkopf, 

weicher den Otſchirbani vorbilden foll, zu oberff eine Krone mit vier 

oder acht Bügeln, die benen am Scepter befindlichen volkommen 

änlidy gemacht wird. Sie wird in der linfen Hand geführs und 

auffer dem Dienft in einem faubern Futtral aufgehoben. 
Bey den Mongolen pflege ber Da⸗Kama des Tempels, Haudtrome 

wo der Dienft verrichtet wird, zugleich mit der Klode eine Fleine 

Handtrommel ( Damar ober Damara) zu gebrauchen. (*) Sie glatte 15 

befteht gleichſam aus zwey gegeneinander vereinigten hohlen Kegeln ig. za 

- von leichtem Holz , deren weite Deinungen mit Trommelfellen. befpanne 

find. Um die Mitte iſt zur Handhabe ein feibner Segen und an ent— 

gegengefegten Seiten platte Bleygewichte an furzen Schnuren feſt, 

welche bey Echmenfung der Trommel immer eins won beiden Trome 

melfellen fihfagen und entgegengefezt würfen. Diefe Klappertrommel 

nimt ber Lama mit dem Scepter in die rechte Hand und bewege fie 

fo langfam oder gefhmwind als die Glocke. Bey den Kalmuͤcken 

iſt felbige gar nicht befant; aber alte nachſtende Inſtrumente find 

unter beiden Bölfern im Gebrauch, auch volfommen von einerlcy 

Geſtalt und Zufanmenfügung. | 


V3 | - Dur& 





c*) Ein ganz aͤhnliches Inſtrument, deſſen fich in Arabien: die Betler 
becdienen, bat Herr Niebur im Iten Theil feiner Arab. Reiſe S 
381. Platte 26, Sig. 8. abgebildet. | . 


U ER 


166 Vom Lamsifchen Bößendienft. 


Geifkliche Burs (tangutiſch Sadunn) ift eine Art Trommeten oder 
Duff. Dofaunen von Kupfer dünn und zierlich gearbeitet, mit meßingenen 


ee Reifen, über zwey Ellen fang, mit einem meiten Windfang. Sie 
— 1I. heſtehen ans drey Stuͤcken, welche wie ein Fernrohr in einander geſcho⸗ 


ig. 17. u den werden, da fie denn weniger als drey Spannen fang und zum 

Iatte 17. packen bequemer ſind. hr Laue ift dem Ton der Poſaunen nicht 
unänfich- md fie werden einförmig geblafen. Die Kalmuͤcken hängen 
fie mit Ringe auf ein kleines Geſtell etwas über ber Erde, 


Schalmeien Biſchkuͤrr oder Schipſchurr (tang. Dſhali) find Schal⸗ 

Platte 15. meien an welchen das Mitteiſtick aus einem harten Holz oder riner 

Big. 18. Knochenroͤhre, das Mundftüf und der Windfang aber von Kupfer 
blech find. Ihre Sänge if von ohngefaͤhr drey Epannen und fie 
freien wie tnfre Echalmeien. 

Sinfen. Gangdung iff eine Art von Hörmerm oder Zinfen die mann 

Fig. 29. den den Morgulen wenig finder: fie find von ſchwarzem Horn und 
Meßing verfereige und haben einen ziemlich brüffenden Ton, 


Schneken⸗ Dung oder Dantz⸗buraͤh find Seeſchnecken und zwar ge⸗ 
hoͤrner. meiniglich das im Oſtindiſchen Meere wohnende, und auch dort bey 
Big. 20. ben Heiden zum Goͤtzendienſt gemenfte Opferhorn, doch habe ich bey 
E den Mongofen audy eine andre ſeltnere Arc gefehn, Die auf der ısten 
Platte vorgeſtellt iſt. Die Epige des Schnefenmirbels ift abgefeilt 

and diene zum Mundftäf 5; an den Schwanz ver Schnecke wird zum 

Zierarh ein Pfeiner vielfärbiger Chadak befeftig. Wenn auf diefen 
Schnecken gebiafen wird, fo lautet es ehngefaͤhr, als wenn die 

\ Hirten den Kubfuß blaſen. Mann braucht die brüllende Muſik 
ſowohl mit ben vorigen mer dem Gögendienft, als au ım zu 

ben Verſamlungen damit bas Zeichen zu geben. (7) Auffer dem Dienſt 

werden fie, als etwas NHeiliges, mit auf den Goͤtzentiſch gelegt. Mann 

Hat deren, fo wie der Pofaunen und Zinfen nie mehr als zwey bey 

jeder Verſamlung; Echalmeien aber werben einige Paar ausgerheift. 


Pauken. —ã— oder KRengergoͤ Ctangut. Iger) ſind Pauken 
Fig. 2ı. oder platte Trommeln, die eine Elle im Durchſchnitt und faſt 2 
€s 





(*) Buccina jam prifcos cogebat ad arma Quirites, 








Dom Lamaiſchen Goͤtzendienſt 103 


Geſtalt eines groſſen Schwelzerkaͤſes haben. An beiden platten Geiſtliche 
Seiten iſt ein Trommelfell, und der hölzerne Keſſel ſelbſt iſt Mufik. 
mit Leder uͤberzogen. Beym Goͤtzendienſt werden fie entweder auf Patte 15. 
einem zierlich gefchnizten Stiel, den mann abnehmen kann, geſtuͤzt, Sig. 21. 
oder aufgehängt und von unten vermittelt einer Schnur gehalten. w 
Der Schläge (Dockur tang. Igatin iſt unten am Handgrif mit 
einem geſchnizten Drachenfopf geziert, aus deffem Rachen der ge 

kruͤmte Schaft, deffen Ende zum paufen gepolftere ift, wie eine 

Zunge hervorkoͤmt. Die Samen vergleichen ihre Paufen dem Wafferun 
geheuer Lou⸗chan, und deren Sauce, dem Danner oder dee Stim— 
me bes, leztern; den Schlägel aber vem Draden Matar, welcher 
zn Ungeheuer verfolge und zum brüllen zwingt, ( Siebe oben 

» 43 ) 


Diejenigen Klangteller , welche wir unter der fogenanten Sa» Bröffere 
niefchareumufiß zu fehn gewohnt find, werden auch beym Goͤtzendienſt Klangtels 
der Samen gebrauchte und machen naͤchſt ben Paufen das meifte Ge— u 
toͤſe. Die gemönlichfte Art dieſer Klangteller, weldye durchgängig 
ſehr fauber und von winem treflich sönenden Metall find, wird Jong 
tangut. Budſchang genannt und hat die Geftalt eines Beckens mit 
einem breiten flachen Rand. ine andre Art, Zilning iſt Eleiner, vergleichen 
und hat nur eine geringe Aushoͤlung in der Mitte. Endlich giebg Kleinere. 
8 auch ganz Fleine (Dengdfchs), die befonders von Gellongs ges 
führe werden, wie denn überhaupt die Klangteller beym Goͤtzendienſt 
nur für ehrbare Gedjülls, auch Gellongs zu gebraushen find, da 
alle übrige Inſirumente auch für die geringere Geiftlichfeit gehören, 


Noch eine Art von Pfanne aus Merall, welhe aufgehängt 
und mis einem, ledernen, vol Sand gefüllten oder hoͤlzernen läge 
gelaͤutet wird, iſt zwar nicht beym Gögendienft ſelbſt, aber doch um zu 

offen Verſamlungen das Zeichen zu geben üblich und wird baber 
burullsRengergs oder auch Karanga genannt. Ein Mandſchi 
dirteie mir diefer Pfanne die Stelle des Giökners, indem er felbige, bey 
den Mongolen auf die öberfte Galerie des Tempel, bey den Kal 
mücen aber an die Zugſtangen des Karren, worauf die heilige Ge- 
räthſchaft geführe wird, aufhaͤngt, und erſtlich anhaltend, zulezt aber 
Paufen « oder gleichſam Minutenweiſe darauf laͤutet. 
22202 
V. 





Feier der 
Mazaks od. 
Bettage. 


168 Vom Lamaiſchen Goͤtzendienſt. 
— 
| in 


Don dem gewöhnlichen Gößendienft und Seegenser⸗ 
theilung der Lamen, an gemeinen Bettagen. 


Ss )e Goͤtzendienſt ber Schigemunianer wird hauptſaͤchlich an ges 
willen, in jedem Monde feftgefezten Bets und Faſttagen feyer- 


lich verrichtet. Diefe Faſttage (Matzak oder Patzak bey den Kal 


muͤcken, Juſſuni⸗churral bey den Mongolen, auf Tangutiſch Gu⸗Tor) 
richten fi) , mie die Zeitrechnung ber Samen überhaupt, nad) dem 
Mondeslaufe Allein die zur Feyer beftimte Tage find bey ben Kal⸗ 
müden und Mongolen nihe völlig einerley,. Jene nehmlich haben dem 
achten, funfzehnten umd breißigften eines jeden Mondes zum Magaf 
angefeze , und bringen auch den Vormittag des erften Tages im Neu⸗ 
monde mit beten zu. Bey den Mongolen aber find, vermuthlidy we⸗ 
gen der Reife, welche die Geiftlichen zu den Tempeln aus ihren offt 
fehr abgelegnen Laͤgern thun müffen, alle drey Mazaks zufammen ge: 
nommen und werden am dreyzehnten, vierzehnten und funfzehnten 
Tage nad) Antritt des Mondes begangen. Im Tyobet ſoll urfprünglich 
der neunte, neunzehnte und neun und zwanzigſte eines jeden Monden 


- dazu beftime feyn. ’ 


Die an folhen Fafttägen gemänliche Uebungen fommen zwar 
in der Hauptfache bey beiden Wölfern überein; es zeigen ſich aber 
Doch fo viele Verfchiedenheiten darinn, felbft bey einem Volk, dag 
mann ohne Kentniß der Tangutifhen Sprache, in weldier alle Ge⸗ 
bere verrichtet werden, die Regeln und Abfichten diefer Weränderunz 


gen in der Bettagsfeier nicht einzufehn vermag. Der Hauprgegen- 


ftand der Gebere (*) ift zwar allemahl die Anrufung und WVereh- 
rung des Hauptgögen diefes Aberglaubens, Schigimuni; allein ge. 
wiffe 





— — 


(*) Die Mongoliſch⸗Kalmuͤckiſche Geiſtlichkeit hat kein Wort, welches 


Gebet ausdruͤkt, ſondern nenne den Goͤtzendienſt nur das Aefen 
der Buͤcher. 








-_ 


Dom Lamaiſchen Goͤtzendienſt. 169 


wiffe Diazaftage feheinen auch daneben zu Anrufung der andern vor Zeier ber 

. züglichften Burchanen beftime zu ſeyn. Bey den Kalmücden babe Mazald. 
ih) die Regeln, nad) weldyen fie bierin verfahren, nicht erforfchen' 
koͤnnen. Die Mongolifhen Samen aber balten zur Anberung aller 
guͤtigen Gögen jeden Tag, vom erften bis zum vierzehnten eines jeg- 
lihen Mondes, den funfjehnten aber befunders zur Verehrung der 
grimmigen Götter und Berfechter der Religion, gebeilige. 


Naͤchſt Schigemuni laͤſt mann fi) überhaupt die Verehrung 
diefer leztern vorzüglich angelegen ſeyn; man kann auch die an felbige 
gerichtete Gebete ſogleich an der Heftigfeit, womit fie recitirt werden, 
und an ber laͤrmenden Mufif welche daben erthönt, unterfcheiden. 
Diefe Gebete zu verrichten find auch wohl eigne Werfamlungen verords, 
net ;.denn die Geijtlichfeit Eomt ba, wo ihre Ehurrul» oder Verſam⸗ 
lungspfäße find, in verfchiebnen Abrheilungen und gemeiniglih zu 
dreyen verfchiednen mahlen zufammen, und jeder Verſamlung find 
befondre Gebete und Verrichtungen angewieſen. Bey den Kalmuͤcken 
verfamlet ſich die höhere Geiſtlichkeit befonders, und verrichter, fo wie 
auch der oberfte Lama in feiner Wohnung, die Gebete zwar laut, aber 
mit einer anftändigen und andaͤchtigen Mäßigung, ohne andre Muflf, 

„als ihre „Priefterglöfchen. Syn den groffen Churrullhuͤtten hingegen 
ift, auſſer einigen Vorſitzern aus der geweyheten Geiftlichfeit, haupt: 
fählih eine Menge von Gädfüls und Manfbifen verfamler, welche 
einen Theil ihrer Gebete mir allen Mufifalifhen Werfzeugen recht 
raufchyend machen, um die grimmigen Görter Durch laute Bitten 
und Sobeserhebungen zur Woplthärigfeit zu reizen unb ihren Zorn 
von den Menfchen abzuwenden, wozu diefe feierlichen Churrul- Ver: 
ſamlungen das einige Mittel feyn ſollen. — Wenn nach: dem Cafen- 
der der Bettag grade auf einen unglüflihen Tag ( Böhein » eder ) 
einfält, fo muß bie Feierlichfeie noch gröffer veranftaltee und Die Ver⸗ 
famlung vier bis fünfmal abgelöft und vom Aufgang bis zum Unter 
gang der Sonne fortgefeze werben. a 


- Meberhaupt follen., nach ber Verordnung, diefe Tage mit die 
nem genauen faften beobachtet und nichts als Milhfpeifen und Thee 
an denfelben genoffen werden; Bey den Kalmuͤcken pflege die Geift« 
fichfeie fich nicht fo genau an diefe Regel ‚zu binden, fondern um 
ihre Kräfte zum Geber zu unterhalten, ehe mehr als weniger Spei⸗ 

Zweyter Cheil, W — ſen 


Feier der 
Maʒaks. 


170 | Dom Lamaiſchen Goͤtzendienſt. 


ſen zu ſich zu nehmen. Die Moͤnche hingegen unter beiden Voͤlkern 
beobachten die Vorſchrift mit der aͤuſerſten Strenge; Schriftkundige 
bringen ſolche Tage mit Leſung geiſtlicher Buͤcher zu und finden ſich 
gemeiniglich bey jeder, oder wenigſtens bey der Abendverſamlung ein, 
um vor den Goͤttern anzubeten. Dieſe Anbetung geſchieht alſo, daß 
fie mit andaͤchtig niedergeſchlagnen Augen, einen Roſenkranz (Aer⸗ 
kin) in der Hand tragen, dreymahl um den Tempel oder die Ver⸗ 
famfungshürte nah) dem Sonnenlauf herum gehn, vor der Thüe 
oder im Eingang bdeffelben ihre Müse auf die Erde legen, und zu 
mehrern mahlen, je nahdem es ihre Andacht eingiebt, ſich mit den 
Antliz, auf Knie und Hände niederfallend , zur Erde neigen. By 
jeder Anbetung legen fie die Hände, bevor fie niederfallen, vor der 
Stien zufammen und ftehen dabey zerknirſcht und gebeugtz die zum 
geiftlihen oder Moͤnchsorden gehörige nehmen das rothe Band, 
welches fie um den Gürtel tragen, ab und in die linfe Hand. Die 
Mongolen pflegen , fo oft fie fi) niederwerfen, die Erde dreymal 
mit der Stirn zu berühren; bey den Kalmüden aber geſchieht es 
nur einmal (*). Nach dem Anbeten macht fid) ein jeder an den Thür 
pfoften des Tempels oder der Huͤtte und berührt felbigen, die Hände 
vor fi) zuſammenlegend, mit dem gebüften Kopf. Andaͤchtige blei« 
ben eine Zeitlang, oder während der ganzen WBerfamlung vor dem 
Tempel ftehn und beten eine Coralle nad) der andern von ihren Ro— 
fenfranz; (**), mit dem oben ſchon erwähnten algemeinen Gebet 
(Om ma ni bat me chom ti) ab. Und hierin pflege Die ganze 
Andacht der Laien beiderley Geſchlechts zu beftehen. Wer - aber 
Bögen in feiner Hütte har, der fhmüft an Bettagen ihre Bühne 
aufs befte, füllt die vor fie geftellee Schäldhen, ftellt eine Butterlam⸗ 
pe für fie auf und verrichtee zu Haufe fo „viel Gebete, als er nur 
’ aus. 





(*) Tellurem genibus perrepere (upplex ‚ Et miferum fancto tundere pofle 
caput. Tibuil. eirg. Lib. 1. 3. en 


(**) An den gebräuchlichen Rofenkrängen der Lamaiten, die aus Holz," 

| Früchten, oder andrer Materis-gemacht find, werden neunmahl zwoͤlf 
oder hundert und acht Corallen, nach der Zahl der angeblichen vor— 
nehmſten Burchanen, gezahlt. Sie haben gern eine groife aus Berns 
ftein oder aud andern ediern Materien gemachte Kugel unter diefer 
Zahl, vermuthlich um ben vberſten Gögen anzuzeigen — 


Dom Lamaiſchen Bösendienft. m 


auswendig kann oder zum :lefen hat. Der faute Dienft wird allein Zeler ‚ver 
durd) die verfamlere Gerftlichfeit verricheer, und bey den Kalmucken Hıazdt. 
halten die in entfernten kaͤgern wohnende Geiltlihen, mit einigen 

© hülern, den Goͤtzendienſt in ihren Huͤtten, vor: den Hausgoͤtzen wel 

che fie haben .und die Nachbarſchaft verfamler fid) ben ihnen zur 
Andacht. Nah dem Yiazafgien  Ticyogo ber Kalmüden oder 
Unterricht für diejenige welche die Faſttage balten mollen, foll ein 

jever Saye ‚ben Tagesanbrudy aufftehn, das. Bildniß des Goͤtzen Edi» 
gimuni aufhaͤngen, eine Lampe und einige Opferſchaͤlchen vor ſelbigem 
aufſtellen, ſich darauf die Fuͤſſe entkleiden und barfuß vor dem Bis 

de drenmahl niederfallen. Was folget, will ih in den eignen übers 

ſezten Worten dierer Schrift herſetzen: 2 


„In befnungevoller Gemuͤthsſtellung, in ber Höhe von 
„dieſer Welt grof.m Jammer erkoͤſt zu werden, wendet euch zu dem 
„‚ Drenmalkenligen (Gurban Erdeni Damit euer Glaube geſtaͤrkt 
„werde, euch in dieſem Bildniß die Gottheit ſelbſt vorzuſtellen. Seyd 
„br demnach willig den Faſttag zu halten, fo:follt ihr folgender maſ⸗ 
„, fen beten: = ei 

„Alles Urrermelfender, neice dich herzut Ich der der Mas 
z men Rimzen-Rolmo führe (*), befenne von Diefer Stunde an, 
„bis ans Ende meines Lebens, zu den Foͤſſen der erhabnen Zus 
„Sbaven, den feiten "Glauben an ihre Goͤttlichkeit! me 

„Ich befenne feften. Glauben an alle unumfiößliche ‚und ˖vor⸗ 
„trefliche Claubenslehren LTom)!,, 

AIch bekenne ſeſten Glauben an die ‚gefumge Verſamlung 
„der Geiſtlichkeit CChubarat ,! : 

„Alles Untermeifenter ! bu welleſt mir beyſſehn, daß ich die 
„Faſten (Matzak von dieſer Stunde an immerdar, fo lange tie 
Sonne ‚über mid) ‚aufgeht, heylig zu begehn vermoͤge! 

„Nach drenmoliger Wiederholung dieſer Bitte ſiclle „Dir zu⸗ 
„verſichtlich vor, daß du würdig worden ſeyſt Die Magzakpflichten 
„gehörig zu erfüllen und fahre alſo fort: 

| ® 2 „Du 


(*) 88 if verortner im Geber dirfen Kamen flatt ſeines eignen zu 
gebrauchen. 








Feier der 
Mazaf. 


22 Vom Lamaiſchen Goͤtzendienſt. 
„Du, Burchan! haſt verheiſſen, Kraft und Moͤglichkeit 


„dazu zu verleyhen!, 
„Auch dieſes wiederhole dreymahl, und darauf falle dreymahl 


„vor dem Burchan auf dein Antliz nieder; bete mit einem verlan⸗ 


„dem Thron des mäd;tigen Dalai⸗Lama fey Ehre und Anberung ! 


„genden Gemüth , die fämtiichen Pflichten eines Frommen zu erfüllen : 


‚, Alles unterweifender neige dich herzu! O Urquell, der alle 
„, geiftlihe Kriege überwunden, der ſo fange als noch Jahre und 
„ Alter fenn werden, alle Toͤdtung Der Gefchöpfe und Weſen verbo- 
„ten, und die Erhaltung aller Creatur zu feinem Zwek gemadhe 
„bat! O Vollender t,, 


„ Auch) ich, der mic Rinzen Rolmo nenne, e- daß ich 
„von diefer Etunde an, auf alle Morgen da die Sonne aufgeht 
„die Ertödtung lebendiger Weſen gänzlich unterlaffen und bey dieſem 
7 Selübbe flets verharren will. Ich will mih aud ver allen Din 
„gen befleißigen die ehren des Urquells unfers Glaubens, zu Errei⸗ 
„ ung meiner Pflichten in allen Begebenheiten des $ebene, aufs 


.n Pünktlichfte "befolgen zu lernen! , 


- „Mad) dem Gebet des Urquells, ber alle geiftliche Kriege 
„ überwunden, ift zu: meyden : fremdes Gut zu nehmien, unkeuſcher 
„» Wandel, fügen reden, Trunfenheit, Geſchrey und Ungeflüm, Mu— 
„ſik und Geſänge; dagegen anbefehlen : bie fleißige, Uebung des Ro- 
„ſenkranzes und Gebers, Räuchwerf zu raͤuchern, den Altar aufzu-= 
„ſchmuͤcken, die Sagerftätte erhaben und fauber zu. halten, Alles uns 
„reinen fich zu entſagen; D! Volkommenheit!, 


„Ich Rinzen Rolmo, gelobe von diefer Stunde an auf 
„alle Tage, da die Eonne aufgeht, dieſe vorgefhriebye Anmeifun- 
„gen fleißig zu beobachten und zu üben!,, 


„Durch diefen Seegen gelange alles, was lebet, zur Erfent« 
„niß des guten, und überwinde alles Ungeftüm dieſes Weltmeers, 
„bey Geburt,‘ allee Krankheit und Tobeegefahr. Alles was lebet 
„ gelange aus dieſem Elendsmeer endlich zur Eeeligkeic! 


„Dem, der alfe Ereatur unterrichtet und durch feinen Se⸗ 
„sen alles was lebt zur endlichen Errettung vorbereitet; dem vor⸗ 
„treflihen, würdigen Wettlehrer und Werbifferer bes Glaubens, ud 


„Sees 





Vom Lamaiſchen Bögendienft 
. „Eeegne jeden, der dies mit Zuverſicht betet, und laß ſon⸗ Feier der 
„derlich auch mir, der. deine drepfaltige ( *) Burchaniſche Perfon Maja. 
„über alle andre Burchanen verehrt, deinen fräfftigen göttlichen 
„Seegen und den Geegen der ganzen geiftlihen Verſamlung in 
„ aller Betrachtung mwiederfahren ! ,, 
„Sarwa Mang⸗gah⸗lan! allem was lebet, Friede!, 


Um bdie gewoͤnliche Ceremonien ber Bettagsfeier bey groſſen 
Churrulverſamlungen kennen zu lehren, will ich mit Fleiß ein Paar 
mongoliſche und einen Kalmuͤckiſchen Bettag, von welchen ich oͤffters 
ein Augenzeuge geweſen bin ‚-befchreiben , und die volſtaͤndigſten der⸗ 
jenigen , welchen ich beyzuwohnen Gelegenheit gehabt habe, zum Mur = 
fier waͤhlen. 


Im Aprilmonat 1772. fahe ich Die Beier bes zweien Bettags, wel⸗ Bettagsfei⸗ 
cher auf den fünften des Monats nad) unſerm Calender einfiel , in demer im Ten 
groffen Tempel der Eelenginffifhen Mongolen, am Tfehifoi, mit an. pel am 
Die vornehmfte Geiftlichfeie hatte ſich nicht zum Dienft eingefunden , und Tſchiloi. 
der Ehambolama mar gar nicht zugegen „ weil dergleichen Eleine Feiertaͤge 
unter feiner Würde find. — Morgens , etivan gegen eilf Uhr, ward burdy 
einen iloͤſchi ( Kirchenwärter oder Opferdiener ) von ber oberfter 
Gallerie Des Tempels das erſte Zeichen mit dem Karanga oder Klangbek⸗ 
fen gegeben , welches er faft eine Viertelfiunde lang ſchlug und endlich mit 
fieben Paufenfchlägen beſchloß. Während diefes Gelaͤuts begaben ſich alle 
anmefende Seiftliche in ihre eigne Filzhuͤtten um ihre befondre Gebete vor 
denen Hausgoͤtzen zu verrichten , vor felbigen eine Lampe anzuſtecken und 
die Schälhen (doͤgozaͤ) mit alleriey Früchten und Speiſen zu füls 
len. — Eben diefer Takildſchi trug darauf, mit feinem Gehülfen und 
einigen Mandſchiken, den für die Gögen beftimten Auffaz von Bak⸗ 
werf, Schaͤlchen, &ampen u. ſ. w. aus der Hütte, mo alfes zubes 
reitet worden war, in den Tempel, feste alles auf dem Gögentifch | 
in diejenige Ordnung, welche mann auf ber ıgten Platte vorgeftelle Parks. 18. 

| | Wz3 J ſieht, 


(*) Hier wird unter der dreyfachen Heyligkeit zuerſt die on 

dei Schigimuni, dan feine innere Weißheit und drittens feine 
Offeubarungslehren an die Menfiben, verflanden. Die Schluß—⸗ 
formel dieſes Gebets iſt Indianiſch und wird vielen Gebeten und 
Schrifften angehaͤngt. 





l 


v2 - Dom Ramaifchen Bisgyrdienft. 


Bertagsfei- fiehe, zuͤndete die Lampen an ber ftetsbrennenden und flefte eine 

er im Tem gute Anzahl Käucherkerzen auf. — Zu gieiher Zeit wurden die 

pel am Haufen im Tempel ſowehl, als in der obern Capelle, über "den ge» 

Tſchiloi. hoͤrigen Sitzen, an die. Säulen aufgehaͤngt und Dre Schalmeien und 
Trommeten aus dem innern Chor für tie obere Kapelle ausgege- 
ben. — In einem ofnen verzaͤunten Plaz (*), welcher ‚an der 
oſtlichen Seite des Tempels befindi:ch iſt und zur Küche Pient, wur⸗ 
de um diefe Zeit aud) Anſtalt gemacht, den Saruran oder Thee für 
die Geiſtlichkeit, melche ‚den Dienſt verrichtet, zu kochen. 


Um nr, Uhr warb wiederum em Zeichen gegeben und -afle 

Geiftlichfeit .begab fid) in den Tempel. Dre gemeinen Pfaffen und 
Diafons hatten das herunterhängende Ende ıhrer rothen Echerpe (Or⸗ 
kimdſchi) über die rechte Echulter zurüfgefchlagen und ihre gelbe 
Ehormüzen -in der ‘Hand; dit anmeferden bähern ‘Samen haften übers 

Dies noch gelbe feidne Maͤntel umgehaͤngt, Die gemeiren &horfchüler 

aber giengen mit gemeinen Mügen und hatten Geiſtliche -Scherpen 

von verſchiedentlich braunen und dunfelrorhen Karben. — Die obge⸗ 
dachten, Hey den Mongolen üblichen Chormuͤtzen beſtehen aus 3 
Epannen langen , fieif gefürtereen fihrägen Erücen von gelben Tuch 

fatte 15. welche am obern Rande bis auf Die Wirte (a. b. ) zufanmengenäht, 
8. 5. am fchmalen :Ende aber von einander .abgefondert, und am- obern 
‚Saum nody überdieß mit einem Kam von dicken, aus gelber Wolle 
gemachten Franzen geziert-find. Die fehmalen $appen werten, wenn 

die Muͤtze aufzuſetzen iſt, einwaͤrts geſchlagen, da denn -faft die 

5 Geſtalt einer Grenadiermuͤtze, mit einem hinten berunter taufenten 
Platte 11. Kam berausföomt (S. Dlatte mn.) — le Geiſtlichen verrich⸗ 
teten gleich: bey der Anfunfe im Tempel, unter wicderholtem Mieder« 
werfen, ihre Anberung , worauf ſich die’ Priefter auf ihren - Chrerpläs 
zen, die gemeine ‚Eierifen aber nach der Reihe auf die gepolſterten 
Abſaͤze, mit untergefehlagnen Fuͤſſen, die Gefichrer gegen einander 
gekehrt, ‚nieberlieffen, — Alsdenn verrichteten auch die beiden Ghezkuͤ, 
‚neben ihren Eigen am Eingang ſiehend, mit ſiebenmaligem nieder- 

| wer⸗ 





cr) Ein ſolcher ofner Naz iſt auch bey dem von mir im zweyten Theil 
meiner Reifen befch: 1buen Temvel zu Ablain *ied (S. 551. ) ange⸗ 
fübre worten, der für nichts anders, ald die Geiflliche Küche muß 
gehallen werden, 


- " 


N 


Vom · Lamaiſchen Bönendienfk * 


werfen ihre Andacht und legten darauf ihren Ornat an. Dieſer Bettagsſen 
beiteht aus einem. rothen . Mantel (Dſhjabder), mit einer groffen, er im Tem⸗ 
vierefigten, vergüldeten Bukel (Dſhaͤndſchi) aufder rechten Schulter, bel am 
nebſt einen langer von felbiger bis auf die Erde herunter hängenden, : kei. 
ſeidnen Schweif der heiligen. Farben, ingleichen aus einem Stab Platte * 
(Dſyokbar der einem Lauferſtab fait aͤnlich und mit einem: aͤnlichen 
Schweif gezere if. Die Muse iſt der vorbin befchriebnen. gleich. 
Mit diefen yafignien ftehn fie zu beiden Seiten der Thür, innerhalb 
des Tempels, mit dein Antliz gegen. die Goͤtzen gekehrt, und. fehen 
dahin Daß. alles , jonderlid bey den Ehorfchülern, ordentlich und. ehr⸗ 
bar zugeht, Fündigen auch die vorzunehmenden. Gebete und Cere⸗ 
‚monien mit lauter Stimme an. 


Nachdem ein jeder feinen Plaz eingenommen hatte, famen 
die Takildſhi, weiche ſich im: innern Ehor aufhalten müffen, heraus 
und theilten die Schnedenhörner, Schalmeien, Klangtefler und Trom⸗ 
meten unter die vordre Meihe der Geiftlichfeit aus, and’ fogleich nahm 
der Dienft feinen Anfang. Die erften Gebete deffelben werden mono⸗ 
tonifh) und etwas tactmaͤßig, mit groffer: Andadyt bergemurmele, 
nah) und nach wird das Chor der Cleriſey immer lauter und hefftie 
ger im Geber und bricht endlidy in monotonifche Recitative aus, 
weiche mit der ganzen, bald gedämpfter, bald laͤrmenden Muſik begleis 
tet und wieder mit ftilfern Geberen unterbrochen wurden: Während fol \ 
her lauten Chöre nahmen die Samen und Priefter ihre Scepter und Gloͤk⸗ 

hen und der Dalama oder Vorfiger feine Handtrommel zur Hand und 
mwafelten damit aus allen Kräften. Ben den festen Zwiſchengebeten aber 

werben vielerien Bewegungen mit ben Händen gemacht, welche gleichfam 
Einfadungss und Freudensgebärden an die Götter vorftellen und zu. 

gleich die Hände weyhen follen: 


Endlich ſtanden die beiden Vorſaͤnger (Undſad) und drey 
ältere unter denen Gedfüls auf, und nahmen aus dem innern Chor 
das heilige Kaͤnnchen (Bumba) die Scheibe ( Toolisgeril ) und 
Das meßingene Becken ( Sabia.) entgegen. Erfteres hatte während. 
der vorhergegangenen Gebete, mit dem oben befihriebnen gemürsfen 
Waſſer (S. 161.) gefüllt, auf dem. Gößentifche ‚geftanden. — Mit 
diefen heiligen Gefaͤſſen treten Die. drey Gedfüls mitten in. ben Tem 
pel, vor die Burchanen hin, in diefer. Orduung,. daß ‚derjenige welcher 
die Scheibe haͤlt in die Mitten, der mit dem Kaͤnnchen ihm a 
| rech= 


- 





i 
x 


) 
6 Vom Lamaifchen Goͤtzendienſt. 


Bettagsfei rechten, und der das Becken trägt zur linken zu ſtehen komt; bie.” 
er im Lem: Morfänger ftellen fi) auf die Flügel. Als denn wird ein befondrer 


bel am Gefang wie eine Sitanep, auf Tangutifh Tuiſſul, auf mongoliſch 
ER Okſachu Artigachu ( Abmwafchung und Remigung ) genannt, ange- 


ſtimt, mährend deffen bey gemwiffen lauten und Chormachenden Stros 
phen «deren Zmifchenreeitarive hauptfächlich von den Worfängern 
angeftimt werden ) der mitlere Gedfüll die Scheibe feierlich gegen 
den Hauptgögen empor hält, damit ſich deffen Bildniß darin fpiegele ; 
zugleich hält der zur finfen das Becken unter, und der dritte gieft 
mit vielen Anftand und Ehrerbietigfeit etwas von dem Waſſer . des 
Kaͤnnchens über die Scheibe aus, nimt das Kännchen darnach in die 
linfe Hand , und berührt mit einem bunten feidnen Tuch ( Ripdyas 
dak ).die Scheibe erft fünfmapl (mehmlic oben, in det Mitte; 
unten , jur rechten und linfen) und wiſcht fie endlich im Kreiß damit 
ab. — Diefe Ceremonie wird gemeiniglid) fiebenmal, bey ygemiflen 
Gelegenheiten aber nod) viel öffter wiederhohlt und das über dem 
Ebenbild des Gößen bergeftalt ausgegoffene Gewuͤrzwaſſer, welches 
eben hiedurch geheilige und zu rechtem Araſchan ( allerreinftem Heils 
wafler ) gewenher wird, aus dem Becken mieder in das Kaͤnnchen 
zurüfgegoflen , das Becken ausgetrofnet, und alles nach dem Chor 
und Gögentifh zurüf gebradie. Don dieſem beiligen Raſchan wur⸗ 
de darauf allen anmefenden Geiftlichen und zulezt einigen zum anbe⸗ 
ten gegenwärtigen frommen $ayen, welche einiges Geld dafür op⸗ 
fercen, etwas in bie hole Hand gegoflen und ein jeder fihlurfte 
feinen Antheil andaͤchtig auf, falbte fid) auch mit der naften Band 
Haupt, Gefiht und Bruſt. | 


Darnach empfingen die abminiftrirenden Gebfüls (Tſcha⸗ 
wrutfchi ) ein mit Rocken angefülltes *Beden und das runde, fünfe 
hügflichte Tellerchen Mandra ober Manla und ftelleen. ſich mie- 
den Vorſaͤngern in die vorige Ordnung. ‘Der mitlere hielt das Tel- 
lerchen, der zur finfen das Becken, und ber zur rechten befchüttere, 
während einer dem vorigen änlichen Litaney Chutuk⸗oroſchi Gul⸗ 
cu (Quell der Gnaben ) genannt, mit dem Rocken das Tellerchen 
bergeftalt, daß er ftets Die fünf Erhabenheiten deſſelben in Ace 
nahm. — Auch diefes überfchürten wurde fiebenmal wiederhohlt, dag 
mit Getraide aufgehäufte Telferchen waͤhrend ber ganzen Sitaney 
empor gehalten, und bey den Zmwifchengefängen immer etwas Moden 

ir gegen 











Vom Lamaiſchen Goͤtze ndienſt. | +77 


egen bie Goͤtzen, als etwas edles und gefälliges in die $uffe geſtreut (*. Bettagsfel 
D um Beſchluß murden auch dieſe -Gefäffe ins Chor zurüfgebrache er im Tem⸗ 
und die Worfänger begaben ſich, nachdem fie, fo wie die drey pri am 
Gedſulls, mit wiederholtem Niederfallen ihre Anbetung verrichtet Tſchikon· 
hatten, wieder nach ihren Sißen. 


Ich miß hier über dieſe zweyfache Ceremonie ber Lamen, 
weiche eine der wichtigſten bey der gewoͤhnlichen Verehrung ihrer 
Bögen iſt, etwas weitlaͤufftiger reden, um den rechten Sinn dere 
ſelben und die Bedentung der dabey üblichen Litaney deutlich zu 
machen, worüber mir von einem gelehrten Lama eine ſchrifftliche 
Erläuterung mitgeteilt worden fl. — Mann will nehmlich, fagen 
fie, zum Zeichen einer beſondern Verehrung, Das in bee Scheibe 
fi) fpiegefnde Bildniß der Gottheit mit einem wohlriechenden und 
heilſamen Waſſer gleihfam abwaſchen, und mit dem geweyheten Rip 
abtrofnen. Nichte als ob das Antliz diefer Gotheit unrein märe 
und die geringfte Unfauberfeit daran hafften koͤnte; benn bie Gotheit 
it flets rein und ohne Fehl: fondern zum Zeichen einer befonbern 
Andache, Ergebenheie und Verehrung, zugleih aber um das fol« 
chergeſtalt über ‚dem götlihen Antliz ausgegoffene Wafler zu einem 
Weyhwaſſer zu machen, welches denen, die es mit reinem Herzen 
genieſſen, nice nur die koͤrperlichen Schwahheisen heilen, fondern 
auch ihr inneres. von Sünden reinigen fol. — Auf die rn 
vaß ein gemalhltes Bildniß niche die Gottheit felbft feyn und alfo 
auch nicht das Waſſer heiligen koͤnne, erwiedern fie: daß die wuͤrk⸗ 
liche Gegenwart der Gottheit niche nur in dem verehrten Bilde, 
welches die Gottheit mit ihren Figenfchafften figuͤrlich vorftelle, fons 
dern auch in einem jedem rein oder Thonflumpen,, der nichts 
einem Gotte änliches und feine Farbe hat, bloß durch den innern 
Gedanken und die Herzensüberzeugung unzmweifelhafft bewuͤrkt werde, 
und vor den Augen des Glaubens unläugbar ſey. Folglich fen auch 
der Einfluß bes goͤttlichen Bildes auf den Spiegef und das darüben 
ausgegoßne Waſſer, zu deſſen Heiligung wuͤrkſam genug’; und ber- 

ndzwek der ganzen Verehrung vg bes Opfers, welches mann um 
" tee 


Ä R 2 E * 
‚(*) Das Ausſtreuen von Getraide vor dem Autliz deſſen den mann 
ehren will, findet fich auch unter den alten hochzeiclichen Bebräuchen 

ver Rußlſchen Zaren. ee 


Zweyter Theil 


Bettagsfei- 
er. im Tem 
pel am 
Tſchikoi. 


⸗ 


178 | Vom Lamaifchen Goͤtzendienſt. 


ter dem zubereiteten Gewuͤrzwaſſer und Rocken darzubringen die 
gute Abſicht hat, ſey endlich, den Seegen der Goͤtter zu erbitten; 
wie aus dem Inhalt der Litaneyen ſelbſt, welchen ich bier, wegen 
ihrer Feierlichkeit, aus einer Davon aus.dem tangutifhen ins mon» 
golifche beforgten ſummariſchen Überfegung mittheilen will: 


„Du Unveränderliher und wahrhaffter Urquell alle Ge 
„ſchoͤpfe, du Ueberwinder aller Gottloſigkeit und Sünden, Schigis 
„muni Maidari , ernfte, aber erbarmende,, reinfte Gortheit er⸗ 
„ſcheine an diefem, Ort, erfcheine Gefeegneter ! zum Heil ber gan« 
„zen Sreatur und ertheile dieſen verfamleten Bodiſadonari (- Geift« 
„lichkeit ı.deinen Segen, welche dein Antlizs in dem heiligen Gefchirr, 
„als in einem Meere wohlriechender Gewaͤſſer, ab zu mwafchen, und 
„ alles durdy deinen Glanz zu heiligen. verfamlee find, 

„Aus Eifer für deine Verehrung srofnen wir bein von 
„dem Wuſt gereinigees, im Spiegel fichtbares, heiliges Antliz 
z, mit fünffärbigen Rip. | ne 
„Aus Liebe und Ergebenheit gegen dich ftellen wir, in drey 
„ sierlichen' Schalen , gleihfam afs in dreyen Meeren reines Waſſer, 
„und in einer vierten, als ein Vorbild anmurfiger und wohlriechen⸗ 
„ver Bfimen, Roten vor dir auf! Zu einem die: angenehmen Ge 
„ruch zünden wir diefe Rauchkerzen vor. Dir an, und leuchten dieſe 
„Lampen, deren Schein den Sonnenſtralen äntidy ft. 

„ Dir zu einem Opfer gieffen wir ſechs von allen Unreinig- 
„keiten gefduberte und aflerreinfte Arzneien, mit Wafler vereinigt vor 
„dir aus; nim Diefes fiebenfältige, in reinem und feftem Glauben an 
— dargebrachte Opfer, mit deinen Himliſchen Genoſſen gnaͤdig⸗ 
„id an! 

. , Aus wmterchänigem, danfbaren Herzen bringen wir, mit als 
„en die deine Heiligung ize empfangen haben, im Roden das Eben« 


„bild wadyfender Blumen vor Die dar, und bezeichnen mit deſſen 


„ fuͤnffach aufgefchürteren Haufen, die Mitte der Welt und- ihre vier 

ar Theile, — Erleuchte mie deinem , wie die Sonne und der, Mond 
„leuchtenden Antliz, alle Creatur! reinige fie von aflen Sünden! 
„entferne fie nicht von beiner Gluͤkſeeligkeit! laß ihr ein langes Le⸗ 
„ ben ohne Krankheit und Kummer genieffen T Stärke die zu langenz 
„eben und: Geſundheit beſtimten in, deiner Lehre, Taß ihre gute Ab⸗ 
„ fihten, Gedanken. und Wünfche gelingen, . zerftäre alle übelchätige 


4 „ Sei- 








Vom Lamaiſchen Goͤtzendienſti. 179 


„Geiſter und wende ſuͤndige Gedanken von ms ab, geuß durch die Bettagẽfei⸗ 
„Kraft des dargebrachten Opfers deine Gnade und Segen über ung er im Tem: 
„ aus, und bewahre uns vor einem unzeitigen und ımgfüflicyen Tode, Pl am 
— Diefe legten Bitten werden fußfällig von den Darbringern des Titel. 


Opfers ausgefprochen. 


Nach Bolbringung dieſer Feierlichkeit wurden von jungen 
Schülern, durch die Nebenthür des Tempels, groffe Kannen mit Sa⸗ 
turan herein getragen, und auf lauten Befehl des oberften Ghezkuͤ, 
einem jeden Geiftlichen nad) der Reihe in’ feine eigne mitgebrachte 
Schale eingefchenft. Alles ſchwieg nun, und bie Küfter felbft fezren 
fich auf ihre Sige mit dem Antliz gegen die Gößen nieder. — Beym 
Genuß der erftien Schale Thee' wird ein kurzes tangurifches Gebet 
ausgefprochen. — Nachdem jeder nad) belieben fih in Thee gefättige 
batte, gieng das beten und muficiren wieder auf die vorige Weile 
an und wurde nad) einer Weile nochmals durch Herumreichung des 
Thees unterbrochen. Endlich ftanden bie Vorſaͤnger auf ihre Sitze 
empor,' und, ſtimten, mit dem Geſicht gegen. Süden gekehrt, im: tiefe 
ſten Buß und mit bebender „Stimme eine lange Sitaney an, in wel⸗ 
he: zuweilen die Verfamlung einſtimte. Die Worfänger pflegen. über« 
haupt hey. ſolchen Litaneien Die Haud vor den Mund und ben Daun 
mer, unters! Kinn zu legen, um die Stimme recht. zu daͤmpfen. 
—.: Als auch! dieſes zu Ende war, : und ſich die Vorſaͤnger wieder 
geſezt shasten, ‚lief. ein: Takildſchi mit. einer Gießkanne vor allen 
Reihen der fisenden Geiftlichfeit flüchtig bin und her und goß 
einem jeden etwas Waſſer auf. die aus geftreften Hände ; der ober, 
ſte Ghezkuͤ gebot. die Verſamlung zu .endigen und ein jeber fezte 
figend feine Müge auf. Alsdenn ward noch ein kurzes, mie aller 
Muſik begleiteres Ebor geſungen, worauf endlich alle Geiftlihe nad 
der- Reihe , wie fie faffen,, nehmlich Bie unterften Charſchuͤler zuerft 
und zulezt die ‚Samen: ; mit ben Müsen auf dem Kopf , Paarweife 
zum, Tempel hinaus, mit einer Art von Proceßion- auf der. Galerie 
. bes: Tempels einmal herum und fo ein:jeder. nad) feiner Hütte zogen, 
nachdem ..der Dienft mehr. als. anderehalb. Stunden gedauert hatte, . 


Während diefes ganzen Vorgangs wurden auch in ber obern 
Eapelfe. voh. einem Lama umb einer Fleinm Anzal geringer Geiftli- 
hen’ eine Menge Gebete ‚ unter dem anhaltenden Laͤrm ber Paufen, 
Irommeten und Schalmeien , — Sin beiden Verſamlungen 
| 2 ge⸗ 


de WWVom Lamaiſchen Hoͤtzendienſt. 


Bettagefel geſchahe aber keine Auetheilung des Seegens an das Bell , weil 
ex im Tem: vermuthlich Fein dazu vorbereiteter Lama zugegen ‚war ; und alſo 
pel am durfte auch Fein. Weibsvolf in den Tempel kommen , fondern die 
Tſchitoi. Anweſenden muſten auf dem Vorplaz des Tempels ihre Anbetung 
verrichten. Der ganze übrige Tag warb in ber Stille zugebracht 
auffer daß gegen Abend noch eine Berftunde gehalten werben muſte. 


Won einer noch feierlichern und in einigen Umſtaͤnden ver- 
ſchiednen Ausübung Des izt befchriebnen Gögendienfts war ich den 
sten Julius, bey dem Tangutifcyen Sama, weicher den Tempel ang 
norblihen Ende bes, Kuͤluͤn⸗Nor im Selenginffifchen unter fid) hat, 
ein Zeuge. . Die Gelegenheit dazu gab ein zu errichtenbes Goͤtter⸗ 
mahl (Obo), movon unten geredet werden wird. Die ganze -Lieris 
fey bes Tempels war dazu verſammelt, allein der oberfte Jama” ver⸗ 
richtete feinen Dienft, fondern ein Gelling in ber Würde eines Zors 
dſhi muſte ſtatt feiner vikariren. NE, 


3gruͤhmorgens ward Das Zeihen zur Verſamlung -urie -zwey 
Schnefenpernern gegeben. Die Cleriſey fand fich mit der‘ oben. :be> 
fehriebnen. Anbetung ein und fing das Feſt mit einer. kurzen Betſtun⸗ 
be an. Der 'erfte Abſchnitt bes Gebets wurde mit tackmäßigem 
Haͤndeklatſchen begleitet. Nach einigen andern kurzen. Gebeten folgte _ 
eins, bey welchem bie vornehmſte Geiftlihen: ihre Hände. in:' aflere 
fen wunberfihen und immer abgewechfelte Stellungen brachten! und 
auf verſchiedne Are bewegten. . Bald murden bie. ausgehreiteceh : Fire 
ger mie :eingefchlagnew Daunten , wie ein Rad eine Hand: um Die 
andre ‚bewege und darnach mit den Daumen übers Kreuz geſchnipft. 
Bald wurden die zugemachen , ober bie Klocke nebſt dem. Scepter 
haltenden Hände, eine um bie andre, abwärts geſchwenkt und gefreut ; 
balb wurden felbige mit:bem Rüden gegen einander. unb durchkreuz⸗ 
‚ten ‘Fingern empor , ober gleichſam einkabend "voraus geſtrekt, und 
auch alle diejenigen Stellumgen der Hände, in welchen atıf den :Kupe 
fern dieſes Werks bie gütigen und hoßenpriefterlichen Goͤtzenbilder er⸗ 
feinen , nachgeahmt. Alles dieſes follen den Göttern angenehme unb 
gleichſam einlabende Bewegungen ſeyn, wobey bie acht Finger fire 
bildlich die Stelle der Naiman⸗Takil ( S 158.) vertreten, Dar- 
auf murbe von der Klerifey Thee getrunken, und bie Lalen, mel 
che zuvor — hatten, traten Mann vor Mann, ſo wie auch 
endlich die Weiber und Kinder, zum Tempel ein und gebuͤkt, mis 

= vor 


Am Kuͤluͤn⸗ 
nor. 


— 








Dom Lamaiſchen Soͤtzendienſt. 181 


vor ſich zuſammengelegten Händen, vor ben Zordſchi, welcher Ihnen Bettagsfei⸗ 
durch Auflegurig eines eingewifelten Buchs , das vor ihm lag, miter im Tem 
feiner rechten Hand auf ihr Haupt, den gemönlichen Seegen ertheilte. pe am - 
— Nach diefem Seegen wurde das Geber, welches mie Ausſtreuung Kuͤluͤnnor. 
des Rockens vergeſelſchaftet iſt, verrichtet und zu dem Ende allen 

obern Geiſtlichen hoͤlzerne Schuͤſſeln mit Rocken vorgeſezt, den uͤbri⸗ 

gen aber nur davon ausgetheilt. Und dami nahm dieſe erſte Wer 

ſamlung ein Ende. 


Faſt zu eben ber Zeit wurde in ber Fleinen Hauskapelle 
des fama von lauter Prieflern eine in allen Stuͤcken aͤnliche Ber- 
ftunde gehalten , wobey mann bie obgedachten Bewegungen der Häns 
de fleißig und fertig durchgieng, nad). diefer Heiligung der Hände 
ben Rorfen ebenfals vor den Burchanen ausftreuce, und mit Aus. 
theilung des Seegens an die herzutretenden Laien, mozu der ferg« 
nende Priefter , feinem Range gemäß, diegmal feine Glode brauchte, 
beſchloß. Die Vornehmiten fanden fih bier ein, und der Lama 
blieb während des ganzen Dienftes auf feinen Lager unthaͤtig. 


Weil der ganze Tag mit geiſtlichen Webungen zu gebrache 
werden folte,, fo famleten ficy gleich nah Endigung Liefer Betſtun— 
den viele fhriftfundige Jaien auf dem Hofe des Lama in ein Ne 
bengebäude unb laſen mit groflem Eifer die ihnen ausgerheilten 
—— „ bis endlich das Mittagseſſen einen jeden in feine Huͤtte 
rief. N F 


Gleich Nachmittag wurd zur groſſen Verſamlung mit einer 
Pauke vom Tempel das Zeichen gegeben. Die ganze Cleriſey begab 
fich, unter Anfuͤhrung des Zordſchi dahin und nahm, nad) dreymali« 
ger Anbetung an der Thür des Tempels, ihre Sitze ein. Der Zors 
dſchi harte einen feierlichen. gelben Mantel umgehängt, an. welchem 
blaue geftikte Infuln, zwifchen felbigen auf den Schufeern eine grof= 
fe vergofdete Buckel, und von felbiger herabhaͤngende feine Schlep⸗ 
pen mie groffen Quaͤſten merkwürdig waren. Es wurden izt, zu 
einem feierlichen Gebet und Opferung des Weyhwaſſers, alle mufi- 
folifche.- Inſtrumente ausgerheiln — Die Ausgieffung des heiligen 
Waffers. geſchahe mit. folgenden Umſtaͤnde. Der Küfter bob Die 
ſeidnen hängenden Schweife vor — Hauptgoͤtzen in die Hoͤhe, De 
.... Er: Ze - on 


3 Vom Lamaiſchen Goͤtzendienſt. 


Bettagsfel. ren Altar unter andern auch mit ben ſchoͤnſten wilden SBermen; 


pel am 


| 
Kuͤl 


uͤnnor. 


er im Tem⸗ welche die anmuthigen Gebuͤrge der dortigen Gegend hervorbringen, 


gefehmüfe war. Alle Moͤnche und die angeſehenſten und Schrfit⸗ 
Fundigften Laien aus der Gemeinde traten herein und fnieten Paar» 
weife in die Seitengänge, welche zu den beiden Goͤtzenaltaͤren führen, 
nieder ; in ben mittelften Gang des Tempels aber , gegen den Ihron 
des Oberpriefters, welcher unbeſezt war, ftellcen fidy vier junge Gedfülls, 
welche ind Dreief, wie ein Zipfeltuch gefaltne, groſſe und ſchoͤn ges 
ftifte Tücher von gelben Seidenzeug über Die Schultern gelegt hatten. Die⸗ 
fe ſowohl, als die figenden Priefter, machten während bes fogleich 
angeftimten Gebets alle vorermähnte Uebungen mit den Händen durch. 
Einer von den vieren vertrat die Stelle des Vorfängers. Nah Wey⸗ 
bung der Hände brachten die Takildſchi das Heilige Gefchirr zur 
Weyhung des Raſchan und übergaben es dreien der abminiftrirenden 
Gedfülls , der Vorſaͤnger aber erhiele den Rip womit ber Epiegel 
Toolisgeril abgemifche werben muß. Und nun wurde unter einem 


langen harmoniſchen Gebet , meldyes ungleiche Paufen harte, das 


heilige Waffer ein und zwanzig mahl über Den Spiegel ausgegoffen, 
doch fo, daß es denfelben faum beruͤhrte. Der Worfänger aber 
tauchte jedesmal die Spitze des feibnen Fetzen, ben er hielt, ins Be⸗ 
den ein , und benezte den Spiegel bamit an fünf Stellen, ehe er 
daruͤber wiſchte. Alles — in der beſten Ordnung und mit 
ungemeinem Anſtand und Ehrfurcht. Der Raſchan ward endlich in 
das Kaͤnnchen (Bumba) zuruͤkgegoſſen, und die adminiſtrirende 
Juͤnglinge oder Tſchawrutſchi nahmen ihre ſeidne Scapulaͤre auf 
die Haͤnde, hielten ſie ausgebreitet gegen die Burchanen, und einer 
biefe in dem ſeinigen das heilige Gefäß fo iange empor, bis ein 
andres Gebet recitiret worden , worauf er es dem Takildſchi übergab, 
welcher es auf den Altar des Schigimuni hinftellee. Gleich darauf 
murde eine Echafe voll Rocken und die Scheibe Mandra zu den Ad— 
miniftritenden gebradje , auch Rocken an alle Geiſtliche und felbft an 
die Fnienden Mönche ausgerheilt , deffen Ausſchuͤttung und Zerftreus 
ung vor ben Goͤtzen, fo wie oben gefagt, worden ,ift geſchahe, aber 
zu ſechs und dreißig malen wiederhohlt warb. Be 
Nah Volbringung beider Ceremonien ſtanden die knienden 
Moͤnche auf und giengen zuerſt, darnach aber Die ganze Gemeinde, 
welche indeſſen im Wörraum "des Tempels mit unafhoͤrlichem —— 
“ allen 


Dom Lamaiſchen Bösendienft, 183 


fallen gebetet hatte, zum Segen, ber allen, bis auf die Kinder Bettagsfei— 
bdurch ben Zorbfpi ertheilt warb. Der. Raſchan ward: zugleich am er im Tem 
alle Geiftlichen, und endlich auch an Laien ausgetheilt, welche vortel am 

die wenigen Tropfen, ‚Die mann ihnen davon zuflieffen ließ, GeldKuͤluͤnnor. 
. opferten,,. Das durd) den Ghezkuͤ gefamlee wurde. | 


Die langen Gefänge erforderten eine Erquifung, welche in 
hohen Theefannen herbey gebrache wurde. Mad) dem Genuß des 
Thees zerfireuten fi) alle Geiftliche. auf einige Augenblicke nach ihren 
Hütten; ber Zordfhi allein blieb auf fenem Plaz, und erwartete \ 
die Zuruͤckunft der Cleriſey, mit welcher. alsdenn die Gebete, ohne 
andre merkwürdige Handlungen, bis gegen den Untergang der Sonne 
fortgefeze werben muften, um bie Götter zu ber auf ben folgenden 
Tag vorzunehmenden Errichtung des obgedachten Gssen- wahrzei⸗ 
chens günflig zu machen. — 


Bevor ich eben dieſe Bettagsfeier ben den Kalmuͤcken be⸗Von Auf. 
ſchreibe, wird. es nicht undienlich ſeyn über die Seegensertheilung legung der 
oder Auflegung der Hände noch etwas auszuſchweifen. Niemand Hande. 
als ein geweyhter Gellong und die hoͤhern Lamen hat ſelbigen zu er⸗ 
theilen die Mache. Mor der Prieſterweyhe ſoll Fein. Geiftiichen 
die Kraft der Eeegensertheilung eigen werden und. auch für 
würffiche Priefter ift es, nad) der Meynung ber Lamen, etwas groffes, 
biefe Kraft fi von den Göttern zu erbitten und derſelben wuͤr⸗ 
dig zu werden — Um Tage da ein Priefter durch Auflegung 
der. Hände das Volk feegnen foll , muß derfelbe fih noch vor Auf 
gang der Sonnen. von feinem Lager aufmaher , mit niemand ein 
Wort reden und fid) ganz nüchtern , in tiefer Andacht und Beifigen 
Stillſchweigen figend , das Bild des Goͤtzen Schigimuni im Geiſt 
veche lebhaft vorftellen , zır welchem ‚er folgender Sprud ein. und 
zwanzig mahl zu beten hat: „Den groffer , böchften Gore „ feine. 

„ gefchriebne Lehre und bie Samen bete sh unwuͤrdiger an , vertraue 
„in fie mit feſtem Glauben und opfere ihnen, um die Ecegens- 
„Kraft zu erlangen ; den Befieger aller Gotiofigfeit , der groffen 
„Gott Schigimuni bete ah an, glaube an: tim, und opfere, um 
„die Kraft, feine Creatur feegnen zu Finnen, für mic) zu erbitten. „ 
Nach dieſem gehoͤrig wiederhohlten Geber muß ein folher Priefter 
noch hundert und acht mahl nachfolgenbe Indiſche Tarni⸗ a 
| 2 


84 | Vom Lamaiſchen Goͤtzendienſt. 


Viflegung Gedaͤchtniß wiederholen: Tadata Omuni muni maga muni Schi⸗ 


der Haͤnde. 


getſchi muni ſſſocha! — Und dadurch erhält er die Kraft mul 
ürdigfeie an felbigem Tage allen, die es verlangen, bie Haͤnde 
aufzulegen, wobey er in fich feibft forschen muß: „Errette durch 
„dieſen Seegen von alten Sünben, Krankheiten und Bekuͤmmerniß 
„und befdyere langes Leben., 






Den aoften Junius 1772. da ich zum festen mal ben deu 
Tempeln am Tſchikor war, hatte der Chambo⸗Lama, auf mein 
Erſuchen, eine auflerordeneliche Berfantung der Geiſtlichkeit verſamlet, 
um mich einer feierlichen Ereheilung des Seegens beywohnen zu laf- 
fen. Zuerft verfamiere ſich die Cleriſey unb nahm ihre Pläge nach 
der Ordnung ein. Ale vorhandne Muſikal⸗Inſtrumente wurden aus⸗ 
getheilt und mit einftimminen Gebetern ter Anfung gemacht. Nach 
viertelftündigem beten ward vor den alten Chambo⸗Lama, welcher 
fih) nun in den Tempel erheben folte,. am Eingang ein gelber Tep⸗ 
pich ausgebreitet. Gleich bey feinem Eintritt erfähallte eine lärmende 
Mufif Der ganzen Elerifey, ohne Gebese darımter zu mifchen, und 
dauerte his der Greiß feinen Thron. beftiegen hatte. Er warf fich 
auf dem Teppich dreymal nieder unb berüßtte jedesmal bie Erde 
dreymal mit der Stirn, darnad) fezte er feine gelbe Müge, die an 
den Seiten mit berunterbängenden Binden und ohne Kam mar, 
auf, nahm über feine gelbe Kleidung und rorhe Scherpe. einen gelben 
Mantel um und ließ ſich alfo auf feinem Throne nieder. Seine zweh 
$ieblings » gellings welches Juͤnglinge aus feiner Verwandſchaft waren, 
fnieten vor den Thron bin. Darauf warb eine Are von Aymme 
ober Loblitd auf den Chambo Lama angeſtimt, weiches ebenfals watt 
Muſik begleitet und ab ewechſelt war. Die erfte Strophe deſſelben 
war mit tactmäßigem Händeflarfchen und die lezte mie bem Kfingefn 
der Priefterglofen begleitet. Und nun trat einer der Worfänger auf, 
hinter welchen fi alle anmwefende Mönche und Nonnen, ingleichen 
alle Laien beiderley Geſchlechts, Paarweiſe anfchtoffen und mie ihm 
in andächtiger Stellung, mit zufammengelesten Händen niederkaieten. 
Der andre Vorfänger hob ftehend eine Sitaney an, welcher Abfchnirt« 
weife. von der fnienden Gimeinde beygeſtimt wurde. Nach beren 


Endigung warb alles ſtill, und der alte Lama ſprach mis rächelnder, 


kaum vernehmliher Stimme einen fangen tangueifhen Seegen her, 
welchem die übrige Seiſtlichkeit, nebf den knienden Laien durch ein 
Daar 





Dom Lamaiſchen Goͤtzendienſt. 18 


Paar hergeſungne Sylben, bie eine Art von Amen vorftellen , und Auflegung 
wobey jeder die Hände andaͤchtig erhob, zu verfchiebnen malen be= der Hände. 


fräftigtee Sobald der Segen geendige war, ftanden die Laien auf 
und die junge Geiftliche, welche vor dem Thron bes Lama Enieten, 
führten einen nad) dem andern zum. Ihron, wo alles vom Cham⸗ 
bolama mit Auflegung der rechten Hand und des darin gehaltnen 
Roſenkranzes geſegnet ward. Zum Beſchluß ftanden die $amen 
und Pripfter auf und waren Mann vor Mann zum Thron, um den 
Geegen zu empfangen , welchen ber Chambo⸗Lama diefen alfo ertheilte, 
daß er ihren bloffen Scheitel mie feiner Stirn berühree. Ein jeder 
gieng dann wieder auf feinen Siz, ein Takildſhi goß allen etwas 
Waſſer über die Haͤnde, worauf die Müsen aufgeſezt murben und 
alles in Preceßion um die Galerie des Tempels gieng, von mo ber 
Ehambolama , welcher mie ben oberften Samen in dee Proceßion zu. 
lese gieng, nach feiner Wohnung zurüf geleitet ward. " " 


Zulezt mag nun die Befchreibung eines Kalmüfifhen Mas Bettagsfei— 


jafs, wie er. beym Hoflager des Lama gefeiert wird, folgen. — Ich er 


habe fihon geſagt, daß man dem Meumondstage , welcher nad) dem 
Samaifchen Ealender jeden Monat anfänge und ber vornehmfte Ma⸗ 
zak iſt, ſchon Tages zuvor mit Gebeten entgegen gebt, um zugleich 
den alten Monat zu befchlieffen. Es merden bey dieſer Veſper 
hauptſaͤchlich die lärmenden Anrufungen an die jornigen Götter vor« 
genommen und mit der gröften Hefftigfeie betrieben, um biefe Soͤtter 
auf den inftehenden Monat gütig und geneigt zu machen. Diefes 
ift, Hauptfächlich erforderlich , wenn die Bettagsfeier aufneinen ungluͤk⸗ 
lichen Tag (Goͤhtſchineder) fälle Alle Verſamlungshuͤtten Taf 
fen alsdenn „bis zum völligen: Untergang der Abendröthe ihre volle 
Muſik ‚Hören und mann kann ſich den auf mehrerere Werfte erfchal« 
lenden Laͤrm vorftellen, den in jeder DVerfamlungshütte acht bis 
zehn. Pauken, verfchiedne Paare Klangreller , einige - Pofaunen und 
bie übrigen Inſtrumente, mit ben lauten Stimmen fo vieler. enfriger 
Männer brgleiter, zuſammen erregen. In der Mähe der. ı Hütte. iſt 
ee wuͤrklich ‚betäubend. Unter biefen Gebeten wird mit Thee: und 
Speifen in den Verſamlungshuͤtte ſelbſt "von der Geiftlichfeir ein Liebes⸗ 
mahl .gebalten., vor welchem ıbie Hände durch die oben befchriebnew 
heiligen Bewegungen unterm’ Geber. geweyhet, au von einen ber 
Pfaffen während dieſes Gebets aus ber vor ihm fiebenden geboppel- 

Zweyter Theil, D ten 


bep den 
Kalmuͤcken. 


\ 


186 | Dom Lamaiſchen Goͤtzendienſt. 


Bettagsfei⸗ ten Schale (Ghawula) verſchiedne mahle etwas Waſſer gegen die 

er bey den zornigen Burchanen, denen dieſe Schale geweyht iſt und deren 

Kalmuͤcken Bildniſſe vorzuͤglich mit aufgehängt find, in bie Luft geſpruͤzt wird. 
Schon heute kommen viele Laien zum Anbeten und geben fleißig um 
die DWerfamfungshütte, ihre Roſenkraͤnze abzubeten und ſich zum 
Faſttage zu bereiten. 


Am Softtage felbft wird frähmorgens eine ſtille Betſtunde 
gehalten, nad) welcher Die abminiftrirenden Pfaffen vor der Hirte 
des oberften Lama anbeten und ben Gegen von ihm durd) Auflegung 
ber Hand und des Roſenkranzes erhalten. Gemeiniglid) werden die 
Churruls Sabnen oder Ri⸗Morin, worauf aud) wohl das Pferd bes 
Maidari vorgeftelle zu fern pflege, aufgeftefe. Der Lama felbft fome 
ben gewoͤnlichen Bertagen nicht aus feiner Hürte und befaft fi) mie 
nichts als ftillen Gebeten und feiner gemönlichen Hausandadht. — Ohne 
gefähr um neun Uhr pflege der groffe Gdgendienft in ber vornehm- 
ften Churrulverſamlung, auf das mit dem Schnefenhorn gegebne Zei- 
chen, mit Ausgieflung bes Arſchan gehalten zu werben, da. in den 
“andern nur bey Furzen Gebeten Thee gerrunfen wird... — Ben einer 
sroffen Verſamlung fegen ſich an Pfaffen, Diafonen und Schülern 
aft über funfzig Köpfe und.dräber in eine Churuluͤn⸗orgor beyfam- 
men; was in den mittelften beiden. Reihen. nicht Pla; finder, das 
pakt fich in den Seitenraum, die Rücken gegen einanber gefehre zufammen. 
Bor dem aufgeziereen Goͤtzenaltar, deflen Echälchen mit-allerien Früchten 
und Efmaren oder mit Safranmafler gefülle ſeyn müflen, wird mit 

. etwas Weyhrauch auf Kolen geraͤuchert. Das Weyhwaſſerkaͤnnchen 
(Bumba) wird nebft der Scheibe (Tooli) in einem . Schüffelhen 
vor den. abminiftrirenden GeiſtlichenTſchawrutſchi)Rauf die - nie 
brige-Banf, welche deſſen Glocke und Priefterfeepter träge, hingeſtellt, 
und die Ausgieffung und Wendung bes Waffers geſchieht auch durch 
benfelben: allein und zwar ſitzend. Die erforderlichen Gebeter wurden 
ohne Mufif, ‘aber taktmaͤßig abgehandelt, unb nur von bem Klin“ 
gen ber. geiftlichen Glocken uffterbrechen.. Nach Enbigung desjenigen 
Gebers, wobey die Hände durdı: bie gemönlidyen "heiligen Gebaͤrden 
geweyht werben, nimt der Tſchawrutſchi, weicher nicht ober am 
ſizt und fein Gloͤkchen nicht gebraucht, vinen ver ihm liegenden Yufch: 
von Pfaufedern und fteft ihn auf die Defnung des Arſchan-Kaͤnn⸗ 
Gens. Zugleich flehe ein Mandſhi auf, zänder eine Raͤucherkerze 

= z = 9 Seile 


tn ne muenchen ME Dh —— _ 





Dom Lamaiſchen Goͤtzendienſt. 187 


welche auf dem Goͤtzentiſch ſteht, an der heiligen Lampe und fängt Bettagsfeis 
dom unterfien Schüler an einem jeden Geiftlicher: ehrerbietig unter ex bey den 
die Nafe zu räuchern, worauf er auch die Gößengemälde und Bil, Kalmuͤcken. 
ber nach der Reihe mit dem heiligen Geruch bege ift, und dabey aud) 
die Mebengögen auf den Schildereien nicht vergift. Während ber 
ganzen Verrichtung muß er fid) die Mafe mit der einen Hand zu. 
druͤcken, um felbft nichts von den Rauch zu genieflen. — Indeſſen 
une mann das oben mitgerheilte Gebet von Ausgieffung oder Op⸗ 
rung Des gewürzten Safranwaſſers angefangen , unter. welchen ber 
Tſchawrutſchi die Scheibe Tooli mit der einen Hand gegen bie, 
Bögen ſchraͤg empor hält , und aus dem Kaͤnnchen, welches er in 
die linfe Hand nimt, das heilige Wafler funfzehnmahl über den 
Spiegel in das untergefezte Schüffelhen gieft, je nad) zweymaligem. 
Buß aber den Spiegel mie einen weiflen ſeidnen Rip abırofner. 
Wenn das Wafler aus dem Känncden fließt, fo Elingeln die Prie- 
fier aus allen Kräfften und die Verſamlung wiederhohlt das Geber 
mit verdoppelter Andacht. Endlich nimt der Tſchawrutſchi den 
Pfauenſchweif wieder ab, und gieft den fertigen Raſchan aus dem 
Schüffeihen (Dereb&) in das Kaͤnnchen (Bumba) vorfichtig 
jurüß, worauf er es von neuem mit feinen Federn ziert und das 
feidne Tuch , womit er den Spiegel abtrofnete, um die VDefnung 
fhlägt, — Weiter wird demfelben ein feidnes Tuch gebracht, morin 
alleriey Nußwerf , mit Rocken und Erbfen vermifht und der fuͤnf⸗ 
hügligte Teller Mandra (* , eingeknüpfe ift; auf diefen lege er 
einen Kranz von Korallen und befchütter ihn mit der Frucht, waͤh⸗ 
rend des fich darauf beziehenden er (**), Auf diefen Teller wer: - 
2 den 


nn 


(*) Die Kalmuͤcken baben gern auf den vier Nebenhügeln diefer Schei⸗ 
be Edelgefteine von verfchiednen Zarben, um die Welttheile vorzu: 
fteflen; fir den ſuͤdlichen Welteheil wird ein gelber, fir den oͤſt⸗ 
Jichen ein meifler, für den meftlichen ein rother und für den nord⸗ 
lichen ein blauer Stein eingefezt. Der mitlere Hügel oter Suͤm⸗ 
meroola befomt eben die verſchiednen Zarben. Die Sruchte, weis 

che man über das aufgefchuttete Korn legt, follen Sonne, Mond ‚ 

und Geſtirne vorbilden. - ' 





(**2) Ich verfpare diefed_meitfäuftigere Gebet ( Arſchanaͤ⸗ Nom) zum 
Anhang, um dieſe Erzaͤlung nicht nach mehr zu verlaͤngern, und 
‚dadurch nochmals zu unterbrechen. | 





188 Vom Lamsifchen Goͤtzendienſt. 


Bettagsfei- den von ben reichen Laien allerfen Feine Silbermünzen, ja auch 

er bey den wohl Corallen, Perlen und Edelgeſteine geopfert und unter Die Frucht 

Kalmuͤcken. verſtekt. — Nach Endigung der Ceremonie nimt ein Takildſhi das 
Gefäß mit geweyhten? Raſchan, und fängt von dem Tſchawrutſchi 
an, zuerft aller Geiſtlichkeit, Darnac) aber aud) den Laien, ja ſelbſt 
$euten von andrer Marion, die auf den Teller Geld geopfert haben, etwas 
davon in die hohle Hand zu gieffen. Gebrechliche pflegen den Finger 
einzutauchen und fich die Augen, Ohren oder mas ihnen fonft wehe 
thut, Damit zn falben ; das übrige wird aufgefchlurfe und die Hand 
auf dem Kopf, Hals und Bruft abgewiſcht. 


Auf die Austheilung diefer heiligen Effenz folgt ein mie 
Haͤndeklatſchen begleicetes Geber. Darnach ftehe die Geiſtlichkeit von 
ihren Sitzen auf und ftelle ſich, die Aelteften voran, mit dem Antliz 
gegen bie Burchanen, vor welchen fich alles, während eines ftehend 
angeftimten Gebets um Scegen und Gebeien, mit Wiederholung eis 
niger furzen tangutiſchen Worte fechs und dreißig mahl hintereinander zue 
Erde wirfft; weiter feze ſich jeder an der Stelle, wo er fteht, auf feine 
Haken und fälle noc) ſechesmal betend nieder, worauf ſich endlich nady 
der Rangordnung alle der Gögenbühne nahen, die Ede berfelben 
mie der Stirn berühren und mit diefem Segen auseinander gehn, 


Wahrend des groffen Dienfts wird auch in einer nahe bey 
ber Wohnung des Lama befindlichen Fleinern Werfamlungshürte, ine 
gleichen in den Hütten, wo bie Burchanen und Buͤcher in Wermahs 
eung find, Betſtunden gehalten. Ya den ganzen Vormittag mwirb 
in einer oder ber andern Hütte von verfamleren Geiſtlichen gebetee 
und Raſchan ausgetheilt; auch zu der Mittagsverfamlung mit dem 
Karanga das Zeichen gegeben. — Nachmittags pflege alles ftil zu 
ſeyn, wenn nicht ein ungfüfliher Tag noch wiederhohlte Verſam⸗ 
lungen erforderlih macht. Endlich wird mie dem Horn, etwan eine 
Stimde vor Untergang ber Sonne „ das Abendgebet angefün= 
digt. Soll das Lager den näcften Tag aufbrechen, fo paft mann 
fhon Nachmittags die Goͤtzen und das Goͤttergeraͤth zufammen und 

haͤlt das lezte Geber bloß bey einer brennenden Lampe. Die Muſik 
wird überhaupt an eigentlichen Faſttagen bey den Kalmüden wenig 
gehört, aufler daß etwan bey gewiflen Gebeten auf einer Paufe ter 
Takt gefihlagen wird, Doch find auch hierin zumeilen Ausnahmen, 
ann 


Vom Lamsifchen Goͤtzendienſt. 189 


Mann wird aus dieſen, vielleicht zu genauen Beſchreibungen Bettagsfei⸗ 
beurtheilen koͤnnen, wie bey einerley Hauptuͤbungen, die Bettagsfeier er bey den 
der Mongolen ſo wohl, als Kalmuͤcken abgeaͤndert zu werden pflegt Kalmuͤcken. 
und worin ſelbige bey dem einen und andern Volke unterſchieden iſt. 

Die weſentlichſten Ceremonien ſind dabey volkommen ſo, wie im 
Bramaniſchen Goͤtzendienſt, der doch ganz andre Goͤtter erkennet. 


Auſſer obgedachten monatlichen Faſt- und Bettagen halten 
die Mongoliſchen Lamen, nach dem Beyſpiel der Tybetaner, im Jahr 
noch vier groſſe Faſten, welche ihren Jahrsfeſten entweder voran- 
gehn oder ſelbige begleiten. Im erſten Fruͤlingsmond oder Fe: 
bruar werden ı7 bis ı8 Tage, im erften Sommermond oder May 
jwanzig Tage, im lezten Sommermond oder Julius 25 Tage, ber 
November oder mitlere Wintermonat ganz, und noch zwey Tage im 
December , von der Klerifey und auch von frommen fayen, mit 
Faſten und Beten zugebracht. 





93 | V. 


Das Feſt 
Zagann⸗ 
Sſara. 


u prung 
deſſelben. 


190 | Sefttage und Seyerlichkeiten 
ee Fe Er age Era a 


NV: 


Don den gro | 


ſſen Jahrfeſten, und andern Feyerlich: 
eifen der Schigemunianer. | 


N‘ )e Mongolen ſowohl, als Kalmuͤcken fenern, wie die Tybetaner, 
jaͤhrlich drey Hauptfeſte, welche, nebſt einigen andern Lama⸗ 
iſchen Feyerlichkeiten, eine umſtaͤndliche Beſchreibung verdienen 


Das erſte und vornehmſte iſt der ſogenannte Jagann⸗Sſara 
(weiſſe ober gluͤkliche Mond) auf Tangutiſch Tſchipaͤ⸗Zetſchik (Neu⸗ 
jahr), mit welchem fie ihr Frühjahr feſtlich anfangen; und dieſer 
fäle auf den Hornungsfchein, oder ihren erften Srülingsinonat (Cha⸗ 
buruͤn Turun Sfara). Die Veranlaffung dieſes Feſts wird aus- 
der Legende des Hauptgögen Schigemuni folgender maffen erzählt: 


„ Sechs ‚groffe Ketzerey-Lehrer (* Terſſain⸗Surgan⸗Bak⸗ 
„ſchi) hatten im Sande Enerfäf angefangen das Volk zu ihren Irrleh— 
„ren zu verführen, als Schigemuni fih aus den himlifchen Woh- 
„nungen der Tügus. Bijas-Chulantu Tängri, in Geſtalt eines Ele— 
„fanten mic ſechs Fangzähnen und weiſſen Fuͤſſen niederließ, gleich 
„darauf die menſchliche Geſtalt annahm und zu lehren anfing. Ue- 
„, ber drichalbhundere taufend Geiſtliche von verfchiednen Claſſen ver 
„ſamleten fih zu ihm, die er auf ein müftes von der Sonne ausge 
„dorrtes Gebürge führte, um ihnen da zu predigen. Auf feinen Be- 


„ fehl 





(*) Terry bebeutet bey den Mongolifchen Völkern alle Keger und Un— 
gläubige, melche nicht der Schigemuniſchen Lehre zugethan find. 
Die Anhanger diefer Lehre balten dieſe Qualificirung für einen 

aͤuſſerſt verachtlichen Schimpfnahmen und Terffay, wie auch, Birid, 
find tie aͤrgſten Schimpfwoͤrter, deren fich zornige Mongolen und 
Kalmuͤcken bedienen; Eine etwas hoͤflichere Benennung für Unglaͤu⸗ 
bige iſt Dadatu. 











f der Schigemunianer. 191 


„fehl quollen aus ‘allen Kiüften bes Berges Wafferbähe hervor, Urſprung 
„, teänften das Wolf und bildeten neue Stroͤme. Der Ruf von die- des Zagan 
„tem Wunderwerf führte dem neuen Lehrer immer mehr Anhänger feſtes. 
„zu und obgedachte ſechs Seftirer begaben fid) endlih auch dahin, 

„um es dem Schigimuni "in einer Öffentlichen Streitübung abzugemin- 
„men. SBerfängliche Vorbereitungen murden nicht erfparer ; unter 

„, andern richteten fie für Schigeruni aus lauter Religionsſchriften, 

„die mit einem Teppich bedeft wurden, einen Sitz zu, und glaub- 

„ten ihn dadurch, weil auf Neligionsbüchern zu fißen oder zu tre⸗ 

„ten eine groffe Sünde ift, zu fangen. Schigemuni, ber allwiflend 

„ihre Sift wohl merkte, verwandelte in dem Augenblif, da er fich 
„niederließ, alle diefe Schriften in unbefchriebnes Papier, , Ich 
übergebe andre in der ſchon S. 79. angeführten, diefem Theil ange- 
bängten Legende nachzulefende Wunder, wodurch Schigemuni feine - 
Gegner übermand, Diefes foll am fünften Tage des Testen Winter» 
mondes gefchehen fenn. Am erſten Tage bes erften Fruͤlingemondes 

fol Schigemuni wieder zu dem feiner Lehre günftigen Wolf zurüfges. 

fehre und von aller Cleriſey bewillkomt worden feyn, auch die 'erften 

achte Tage diefes Mondes mit den acht Chanen die feine Lehre ange 
nemmen. hatten, in Felt umd Froͤlichkeit zugebracht, am adıten Tage 

aber. für die Unbekehrten des Reihe Ootah ſechs groſſe Lehrer, 
die zu ihm gefommen waren, eingewenhet und die folgenben Tage 

bis zum ısten in Gebet und gottesdienftlihen Uebungen mit ihnen 
sugebrache haben. Bon ber Zeit an find, im Aenerfäf, diefe Tage jähr- 

lich aufs feftlichfte begangen - worden und der Quell vieler guten _ 
Werke geweſen, und von da hat ſich dieſes Feft weiter auf alle An- 
hänger des Echigemuni -forrgepflanzt, zum Andenken des Sieges den 
Echigemuni damahls erhalten und die Menfchen von ben Irrlehrern - 
befreyet bat. z 


| Bey den Wolgifthen Kalmuͤcken ift mir die Begehung diefes 
Feſtes mit folgenden Umftänden befanne geworden. An den fedhe 
legten Tagen des legten Wirtermondes geht der vorbereitende Göß- 
endienft .an. Die vornehmfte Geifitichkeie verſamlet fich "täglich „ 
und zwar ben erfien Tag zweymahl, den zweyten dreymahl, den 
dritten, vierten und fünften viermahl, und den ſechſten und lezten 
Tag im Monde fünfmahl. Die fünfte Werfamlung währe bis 
nah Mitternacht oder zum Eintrie in den neuen, Ba 
— ie 


# 





Urfbrung 
des Zagan 
Sſara. 


192 Feſttage und Feierlichkeiten 


Die Goͤtzenhuͤtte iſt bey dieſen Betſtunden nicht ſonberlich auf- 
geziert, und es wird hauptſaͤchlich der Dienſt und die Gebete an 
die acht grimmigen Goͤtter (Naiman⸗ dokfchor ), vorzüglich 
Jaman-daga, fo wie auf den funfzehnten Tag eines, jeden andern 
Mondes , abgehandelt ; deren Bildniffe find auch bey diefen Gelegen- 
heiten aufgehängt. Bey diefen Gebeten ift die geiftliche Muſik ale: 
mahl ganz vollftändig und die Gebete felbft werden mit ungewoͤnli⸗ 
her Hefftigfeie und hautſchauerndem Laͤrm verrichte.. Die Haupt⸗ 
abſicht ift, die grimmigen Burchanen, als Rächer und Beſchuͤtzer 
der Religion, zum Eintrit ins neue Jahr gnädig und geneigt zu 
erhalten. Die Altäre werden auf das vollftändigfte beſezt, und fon 
derfich die Teigppramiden oder Doroma, ben zornigen Bögen zum 
Dpfer , nicht vergeflen. Die vornehmſten Lamen und Baffchi- gel 
longs haben, bey diefen Betſtunden, auf erhabnen Gigen, auſſer 


den Priefterrephen den Vorſitz, bringen aber, auffer in wenigen 


Fällen, da fie mit Der Verfanilung einftimmen , die meifte Zeit in 
ftiller Andacht zu. Der Gunſa oder Vorfänger ift, nebſt noch zwey 
andern abminiftrirenden Gellongs , in gelben Unterfleidern, mit fehr 
breiten rothen Scherfen, angethan und alle drey haben lange Tiſchchen, 
mit Klangtellern, Gebetglocden, ihren geiftlihen Sceptern und Opfer 
fehälchen vor ſich. Der Gunfa fänge ein jedes Gebet mit: tiefer 
Bafftimme an und hält die übrigen Sänger , nebft der lärmenden 
Muſik in Ordnung. Auffer dem höre mann, unter den jungen Sän- 
gern, eine feine Diffantftimme bey diefen Gelegenheiten agiren, Die 
Berfamlungen dauern faft den ganzen Tag fore und. werden unter: 
weilen nur auf einige Minuten unterbrochen, da denn in groffen 
hölzernen Troͤgen Fleinzerfchnieten Fleiſch, mit etwas Grüße gekocht, 
hereingebracht und vertheilt wird, um ben Gefang mit neuen Kräf- 
ten fortfegen zu koͤnnen. _ 


Nach Endigung des Gebers, welches den Wintermond be. 
ſchlieſſet, begiebt fi) jedermann zur Ruhe. Die Kalmüdifchen Wei. 
ber baden in felbiger Nacht, aus Med, Milch und Butter, bie 
Meichen auch wohl mit Zuder oder Honig, kleine Kuchen, Boorf 
ſuk genanne, die mie dem Daumen hohl und auffen herum’ rung 
licht, ſaſt in Echnedengeftalt, rund oder laͤnglich gebildet, und in 
zerlagnem Schafsfett ober Butter: geforten werben, 


F Fruͤh⸗ 








: der Schigemiinianer | 193 


Srüßmorgens am Tage des Früfingsneumondes ſieht mann 


alles Volk, aufs befte geputzt, herumgehn, um- fid) einander mit 


dem gewöhnlichen Menduͤ! zu begrüuffen und Glüf zu wuͤnſchen, 
bey weicher Gelegenheit ein jeder von gedachten Kuchen etwas in 
einem faubern Tuch eingebunden ben ſich führe, um andre damit, 


Feyer des 
Zagan. 


wie mann mit Oſtereyern pflege, zu beſchenken. Ale die ſich an 


dieſem Tage begegnen, umfaflen einander über ben Achfeln (gegen 
Vornehmere über den Hüfften) und einer giebt dem andern etwas von 


ben ben ſich habenden Leckereyen. Wo eg nur beitritten werden kann, 


wird Vieh gefhlachtet und Brantwein im Weberfluß angefchaft. 


In fleinen abgelegnen Aimaks, mo nur ein einzeler Gellong, 
mie einigen Gäbfüll und Mandfhi wohne, ziert der Geiſtliche feine 
Hütte mit allen Goͤtzen und Altargeräch ‚*das er im Vermögen hat, 
auf; ſtelſſt auch einen Meujahrsfuchen oder ri von beſon⸗ 
drer Geſtalt und Gröffe, vor den Goͤtzen auf. ie Gaͤdſuͤll nnd 
Mandſchi verfammeln fi) dann zu ihm und nehmen, nach Abftats 
tung des Glüfmunfches , ihren Plaz zur finfen bes Eingangs, dem 
Priefterfiz gegen über, ein. Die Laͤger verfammeln fid) dann auf, 
einer nad) dem andern gehe in die Hütte, betet zuerit vor den Goͤ⸗ 
gen an, und berühre darauf mit feinem Kopf das Knie des ſitzen⸗ 
den Pfaffen,, der ihm beide Hände mit dem Roſenkranz und darnad) 
noch ein Bud) zum feegnen auflege. Darnach nime der Jane ſein 
Tuͤchlein aus dem Gürtel, fchenfe dem Pfaffen etwas Rofinen , eine 


In gemei⸗ 
nen Chot⸗ 
tons. 


Feige, Pflaume, Dattel, oder Stuͤkchen Zucker und empfaͤngt von 


ihm etwas aͤhnliches, auf dem Altar ſchon geweyhetes, zum Gegen⸗ 
geſchenk. Darnach beſchenkt er eben ſo die geringern Geiſtlichen und 
endlich alle Anweſende, bey dem gewoͤnlichen Gruß und der ſonſt 
nicht gewoͤnlichen Umarmung. Einen Bekanten, den ein Kalmuͤk 
während des Feſts nicht ſieht, begruͤſt er auf dieſe Art wenn er ihr 
auch erſt vieſe Wochen nachher im neuen Jahr antrifft. 


Bey fuͤrſtlichen Hoflaͤgern nehmen die Gluͤkwuͤnſche ebenfalls 
fruͤhmorgens ihren Anfang. Die Edlen ſtatten ſelbige zuerſt beym 
Fuͤrſten und der · Fuͤrſtin ab. Darnach begiebt ſich alles, den Fuͤrſten 
nicht ausgenommen, zum oberſten Lama, den Seegen zu empfangen, 
und dann in die Goͤtzenhuͤtte, um da die Anbetung zu verrichten. 
Dabin. erhebt ſich endlich auch. der Lama, mit feiner Geiſtlichkeit, 

Zweyter Thei 3° - und 


Bey fürfklie 
chen Hoflaͤ⸗ 
gern. 








— 


194 | Sefttage und Seyerlichkeicen. 


ever des und die vornehmſten Pfaffen naͤchtt dem Lama ſtatten erſt als⸗ 
— denn bey Hofe ihren GElakwunſch ab und beſuchen ſich untereinander. 


fuͤrſtli 
Hoflaͤgern. 


Mitlerweile laͤſt der Fuͤrſt fuͤr alle anweſende und aus der 
Horde zuſammen gekomne Geiſtliche und Edle und für alles Volk 
das ſich einfinden will, ein Gaſtmahl bereiten, zu welchem Ende 
vorher eine Natural⸗abgabe von den Unterthanen gehoben worden. 
Für die Fuͤrſtliche Perſonen, den Lama und die vornehmſte Geiſtliche 
werden erhoͤhte Sitze zubereitet, und fuͤr die Vornehmern beyderley 
Geſchlechts uͤberhaupt innerhalb Filzhuͤtten, fuͤr die Gemeinen aber 
im freyen angerichtet und das Volk durch einen Herold mittelſt 
Öffentlichen Ausrufs eingeladen. Der Lama wird in einer ordentli⸗ 
chen Proceßion abgehohlt und unter Vortritt einiger mie Pauken 
und Klangtellern muficiremben Geiftlihen in vollem Ornat (*) 
nah dem Speiſezelt gefuͤhrt. Dahin erheben fih auch bie 
fuͤrſtlichen Perfonen und von den übrigen Gaͤſten nime ein jeder, 
fo gut er kann, Plaz, jedoch fo, dag die Geiftlihen mie dem fama 
und den allervornehmften beym Fuͤrſten, Die geringere Edle aber 
hefonders und auch die Weibsleute in befondern Zelten gefpeift werben. 
Mächft dem Lama, dem fürftlihen Sig gegen über, werben bie 
Zagan⸗duruma und ein Altartiſchchen aufgeſezt. Diefe Duruma 
oder Churma ſind zuerſt fuͤnf groſſe, von Meelteig verfertigte Pyra⸗ 
midal⸗aufſaͤtze, die mit einer rothen Farbe uͤberſtrichen und mit vie⸗ 
len weiſſen Sternchen und dergleichen Figuren aus Butter geziert 
find. Vor dieſe fünf groſſe Teigſiguren, werden noch ein und zwan⸗ 
zig anders geſtaltete und kleinere hingeſtellt. Auf den Altar pflegen, 
nebft zwey Lampen, auch 21 Schälchen zu ftehn. “ 


Zum Anfang der Mahlzeit wird Wein, Branncwein, Merk 
und was nur fonft von ftarfen Getränfen zu haben ift, in groflen 
Eymern herbey gebracht und zu verſchiednen mahlen herum get 





(*) Die Müge, welche der obere Lama bey dieſer Gelegenheit trägt, 

iſt die auf der 15ten Platte Sig. 2. abgebildete Nairin⸗-malachai. 

An dem, den gelben Deckel derfelben umgebenden rothen Rand, 

follen die vier ganzen Rundungen die vier Fahrszeiten, und nchß 
den vier gefpaltnen Theilen die zwölf Monate, vorbilden., 








der Schigemunianer. 195 


ben; und niemand darf ſich meigern das ihm gereichte auszufrinfen. Feyer dee 
Darnach wird, durch zehn bis zwölf in einer Reyhe hintereinander Zagan bey 


gehende Träger, allerley Gebafnes aus Meel, Butter und Honig 
aufgefeze und unter die Gaͤſte vertheilt. Auf das Gebafne folgt 
gemeiniglich Neiß mit NRofinen und Butter, dann Suppe mit ge 
fehnienem Fleiſch; welches alles in groffen hölzernen Trögen, an wel- 
chen zwey Mann zu tragen haben, vorgefeze wird. Indeſſen wird 
noch immer herum getrunken und wenn erft die Gafte fich zu wei⸗ 
gern anfangen, werden von dem vorhandnen Srauenzimmer Sänge« 
rinnen angeftelle, die unter gewiſſen Gefängen Gerränf darreichen, 
welches, nach Kalmüdifher Sitte niemand ohne groffe Unhöflichfeie 
euszutrinfen ſich mweigern darf. Diefes Mittels bebiene ſich gemei— 
niglich die Fürftin, um der vornehmften Geiſtlichkeit wacker zuzutrinken. 


fuͤrſtlichen 
Hoflagern. 


Bey ben übrigen Gaͤſten pflege das noͤthigen fo erforderlich nicht zw 


feyn. Mann fann fich leicht vorftellen, zu was für Ausfchweifungen 
eine fo bezechte, laͤrmende Gefellfihaft von Kalmüden kommen muͤſ— 
ſe. Indeſſen find Thuͤrhuͤter und Aufſeher beftelle, welche allen 


rbnungen feuern und wo Streie entſteht, die Partheyen ſogleich 


aus der Gefellfhaft fortfchleppen müffen. — Wenn das gröfte Ge 
tümmel endlich, durch Berauſchung und Entfernung ber. Unruhigften, 
vorbey ift, und die Vornehmften und Sitlichften allein übrig find, 
ſucht mann die $uftbarfeie, durch Gefänge und Poffenreiffer noch bis 
in die fpäte Nahe fortzufegen. Ä 


Mit lauter SFeftlichfeit und Gaſtirungen werben auch noch 
die folgenden Tage, bis zum fiebenten bes neuangetrernen Mondes, 
zugebracht. Die Geiftlichfeit giebe dem Hofe, die jungen Fuͤrſten 
und Fürftinnen der Jugend beiderley Gefchlehts, und die Familien 
eine der andern den Zagan, ober aͤhnliche Gaftmälr. Am achten 
Tage aber wird: Matzak ober DBer- und Faſttag gehalten unb 
die geiftlihe Zagan-ubungen, bie fomohl an die acht zornigen, 
als auch an die gürigen Gottheiten gerichtee find’, dauern mie 
groffen Verfamlungen (Churrul) der Geiftlichfeie, mozu fi die 
Pfaffen häufig aus den entfernteren Aimaks einfinden, acht Tage 
lang, bis zum funfzehnten fort. In diefer Zeit wird für. bie durch 
Kegeren verunglüfte Seelen gebetet, und bie Geiftlichen erfcheinen 
bey diefen feyerlichen Zufammenkünften, auch bey den Kalmuͤcken, mit 

32 gel⸗ 


16 Sefttage und Seyerlichheiten 


Feper des gelben , fpißigen, aus Tuch gemachten, und im Nacken mit einer 
Zagaun bey Fleinen Schleppe -niederhängender Mügen (Bandidi⸗Malachai); 
u So mie aud) der Bepkü oder Küfter jebesmahl in feinem ganzen 


efigern. Senat an ber Thuͤr der DVerfamlungsbürte ſtehn muß. Um dieſe 


Zeit geſchehen auch, wie bey dem im Sommer einfaltenden Urrüßfeft, 
alle vorhabende Priefterwenhen -(*) ımd Die meilten Einſeegnungen 
der Gadfüll und Mandſchi. Gemeiniglich muß, auf Verordnung 
des Lama und Fürften, ſonderlich wenn man aufferordentliche Urſach 
zu baben glaube fih um den Beyſtand der Götter durch gute, Wer- 
fe zu bewerben, diefe ganze Zeit von Schriftgelehrten mit Leſung von 
Religionsbädyern und $egenden in mongolifher Sprache und von Un: 
gelehrten mit fleißigem Mani⸗beten, zugebrahe werden, Mann 
fordert fogar, daß cin jeder die Zahl der von ihm. gebetetn Mani 
nach dem Rofenfranz zählen und bey der lezten Ehurrul- VBerfamlung, 
am achten Tage, anzeigen foll, um alsdenn, nah Maßgabe feiner 
guren Werfe, den Seegen vom oberften Lama zu empfangen. — An 
dieſem achten Tage werden Boten im ganzen $ager ausgeſchikt, mel. 
he ein Verzeihniß aller von den Unterthanen gebeteten Mani auf- 
fhreiben und das Volk zum Seegen entbieten. Jedermann findet 
ſich alsdenn mit Opfergeld ein, welches in groffen Becken gefamlet 
und dem Lama vorgefeze wird. Diefer beter in der lezten Verſam⸗ 
lung, grofleneheils .altein, gewiffe beſondre, fonft nicht gewoͤnliche 
Gebete für das Wohl des Zürften, der Obern und: des ganzen Volks, 
“in welche die andre Geiftliche nur felten mit einftinnmen, ferner 
fündige er laut die Hauptfunme der unter dem Volk gebeteten Mas 
ni an und lege feinen beſoudern Seegen auf die angezeichneren.. End» 
ich hält er auf mongolifch eine obrede an die Götter, in welcher 
er auch den Eyfer der Anmefenden darlegt, und ruft fie zuleze alle 
miteinander um ihren Seegen an. Darauf maht noch ein befon- 
dres Gebet der fänıtlichen GBeiftlichfeie den Befhluß des Feſts, das 
‚gefanslete Opfergeld wird unter die Cleriſey ausgetheilt, das Wolf 
verrichtet nochmahls feine Anberung und jedermann. geht heim; da 
denn ber Uberreſt diefes Weilfen Monats weirer nichts mehr vor 
den. übrigen voraus has und alle Berrichtungen, wie zuvor, erfaubf 
Bad; anſtatt bag während der erften fünfzehn Tage und der — 
— Her 





*) ©. oben ©. 132. 





der Schigenmmmianer. 197. 


füyer Fein Kalmuͤk von Ber Stefle ziehen und feinen Standplatz ver» Feyer des 
ändern darf, wie es auch bey allen groffen. Zeften und an ben Mat» Zagan. 
zak ober Bettagen Pflicht iſt. | 


In der Chanifchen Horde wurde die Zugannfener mie auſ⸗-Unter der 
ferordentlicher Pracht begangen: wie mir Perfonen, die davon, vor Lbautſchen 
Entweichung der Wolgifchen Torgoten, Zeugen gerdefen find, erzähle DOYde- 
haben. Am Neujahrstage waren die Pfaffer vor Tagesanbrudy ſchon 
verſamlet und erwarteten, ‚unter Gebet und Muftf, die Anfunft des 
Ehans. Diefer erhob ſich zuerft in. die Goͤtzenhuͤtte (Burchanin⸗ 
G©ergö), welche an dem Tage überaus prächtig mit Goldftof aus- 
ftaffire, und in der Mitte auf einer befondern, pyramidalifchen Buͤh⸗ 
ne mit Ausftellung aller Gögenbilder verherrlichet war. Daſelbſt, 
betete der Chan zuerit an, fam dann in die Berfamlungshütte ( Chus 
rulnsderg5), wo ber Oberſte fama und die vornehmfle Geiftli- 
en beyfammen faflen, verrichtete auch bier feine Anbetung, empfing 
vom Lama den Seegen, theilte feine kleinen Gefchenfe und Gruͤſſe 
aus und nahm daranf Die ganze Cleriſey unser Mufif, in Procegion 
nad) feinen . Wohnungen mit, wo denn die Vornehmſten der Horde, 
aller Adel, auth alle in der Horde anmefende Rußiſche Kriegsbes - 
Diente und Kaufleure / sheils in beſondern Filzhuͤtten, theils unser 
freyem Himmel gefpeift wurden und fick niederfaufen muften. Die 
Menge des Getraͤnks, Die bey ſolchen Gelegenheiten verbraucht, und 
zum Theil aus Aſtrachan zugeführt wurde, ſoll unbefchreiblich gewe⸗ 
fen feyn und bie Fraß⸗Collecte zu dieſem Feſt wurde aus ber gan⸗ 
zen Chaniſchen Horde beygerrieben. 


Ber. den Selenginſkiſchen Mongolen wird das Zagannfeſt 
faft ganz auf die bisher befchriebne Art gefeyert; zu Fleinen Gefchen« 
fen find weiffe Chadaks oder Feßen von Sendenflor ſehr üblich. 
Ich habe aber weder bey dieſen Mongolen, noch auch bey den 
Wolgiſchen Kalmüden die geringfte Spur von derjenigen Geremonie 
angetroffen, welche um diefe Feftzeit am Hoflager der Songarifchen 
Beherrfcher durch den Oberfriegs -Commiffar Unkowſky bemerfe und in 
des verdienftvollen Herren Statsraths Muͤller Samlungen rußifcher Ge⸗ 
ſchichte 1. Band ©. 143. u. f. ) befchrieden iſt, wo fie nachgefefen werden 
kann. Eine. merfmürdige Abbildung dieſes feyerlichen Schaufpiels befin- 
bet fich in der Bibliorhef ber reg Alademie ber Wiſſenſchaften 

3: and 


ver des 
agan in 
der Chani- 


ſchen Horde. 


Das Fell 
Urruͤß ⸗ 
Sſara 


198 | Sefttage ımd Seyerlichteiten 


und nrann findet in des P. Georgi Alphabeto Tybetano (S. 461.) etwas 
ähnliches, bey der Tybetaniſchen Meujahrsfeyer, welche dort auf eben die⸗ 
fes Feſt einfälle, übliches erzaͤhlt, wo die mit verichiednen Thiermaf 
fen (glei) den Aegyptiſchen Prieftern bey gemiffen Gelegenheiten ) 
auftretende Schaufpieler, den Zobiaf und Lauf der Zeiten ſymboliſch 
vorftellen (?). | 
3 8 

Das zweite groffe Jahrfeſt der Saimaiten iſt Urruͤß ober 
das Eommerfeft,, auf Tangutifh Ngabizenga, welches eigentlich 
den Gedächtnißtag der Empfängniß ihres Hauptgögen Schigemumt 
zur Veranlaſſung bat, uud mit allen nur erfinnlichen Luſtbarkeiten 
gefeyert wird, weßwegen es ben gefelligen Kalmuͤcken, bey bem um 
fefbige Zeit herſchenden Uberfluß an beraufchender Stutenmilch, fehr 
willfommen iſt. Es ift merkwuͤrdig, daß die Kalmüden biefes Feſt 
vom achten bis zum funfzehnten Tag des erſten Sommermondes 


(alſo obngefähe zu Ausgang April und Anfang des Maps nad) un⸗ 


ferm Calender), bie Mongolen aber erft im zweyten Sommermond 
(folglih im Junius) und nur fünf Tage lang, begehn. Die Urs 
fach) davon ſcheint zn ſeyn, weil dies Feſt, fehon vor ber Bekehrung 
der mengolifchen Wölfer zum Lamaiſchen Glauben, als ein Feſt des 
Veberfluffes und der Aufibarfeie üblich gewefen und aud von Tſchin⸗ 
gis Chan aufs neue feyerlich angeorbner, nachmahls aber mie dem 
Feſt der Empfängniß des Schigemuni von denen Samen vereinigt 
worden ift, und daher vielleiche nicht bey beyden Hauptſtaͤmmen 
gleichförmig auf eine Zeit falle und gleiche Weranlaffung hat. Ich 
will es nad) der Kalmuͤckiſchen Geyer, der ich zum Xheil felbft bey 
gewohnt habe, befchreiben. " 


Am fiebenten Tage nach dem erſten Sommerneumond, 


welcher vor dem fonft gewöhnlichen Matzak oder Bettag, hergeht, 
wird 


(*) Wenn ähuliche Eeremonien bey ſehr entfernten Voͤlkern nicht oft 


ganz verfchiedne Veranlaflungen haben könnten, fo ware diefe Tybetani⸗ 

fche Feyerlichkeit, mit dem Maskentanz der Aleuten oder Bewohner der 

ne Iufeln zwiſchen Kamtſchatka und America, zu verglei⸗ 
en. 


RER 





der Schigemunianer. 199 


wirb am Abend, auch wenn biefes Feſt eintritt, wie vor gemeinen Feyer des 
Beteägen,, mit Trommeten und Schalmeyen, durch Verſamlungeu Uerrüß 
gemeiner Geiftlichen in ben Gögenhürten laute Andacht gehalten, Siare. 
und am folgenden eigentlihen Bettage nimt das Feſt mit vollen 
Churrullverſamlungen feinen Anfang. Die Gößenhürten werden da. 

bey aufs: beite ausgeziert, und weil ſich alsdenn beym Soflager und 
oberiten Lama eine Menge geiftliher Gäfte aus der ganzen Horde 
einfindet, fo werden noch aufferordentliche Verfamlungspütten aufgeſchla⸗ 

gen; auch) jamlee mann aus der ganzen Horde , zu Labung der zahlreichen 
Geiſtlichkeit, einen reichlihen Zehene an gefäuerter Milch, Thee, 
Fleiſch, Butter, Käfe und andern tebensmitteln. 


Bey den Verfamlungen bes eigentlichen Feſtes, welches bis 
um »sten Tage nah dem Neumond gerechner wird, liefl die Geift 
Sichfeie Schriften von ungewöhnlicher Gröffe ab, in welchen Bäufige 
Enetkaͤlſche Character vorfommen. Das fonderbarffe dabey iſt, dag 
wicht alle zugleich einerley herbeten; fondern der Vornehmſte fiefer ein 
D:art der Schrift, und giebt es darauf dem naͤchſt ihm figenden , 
der es auch laut herlieſt, wann jener indeffen das zweyte ‘Blatt vor 
fih hat, u. f. w. Mann kann leichte denfen, daß bey dem harten 
und ftoffenden Klang der Tangutifihen Spache, die Disharmonie einer 
ſolchen Verfamlung , wo ein jeder etwas anderes aus voller Kehle 
berlieft, den jüdifhen Synagogen nichts nachgeben müfle, wenn 
gleich die Art zu lefen etwas gefezrer und männlicher ifl. . 


Nach Endigung der täglichen Berfamlung, welche, mit we 
nigen Erholungspaufen , bis gegen Abend fortdauert, ftellen fich die 
Layen zum Goͤtzendienſt ein und verrichten ihre Andacht mit ſtetem 
herumgehn um die Goͤtzenhuͤtten und lautem erbeten des Om⸗ 
manip m, bis gegen Mitternacht. Mann nennt aus dieſer 
Urſach die Verſamlungen des Urruͤßfeſts insgemein Manien⸗Cbur⸗ 
rull; ſonſt aber auch Nutuguͤn⸗Churrull ober bie allgemeine 
Volks verſamlung. 


Wenn dann Abends alle Andachten zu Ende find, fo verſamlen 
ſich die geiftlichen Schüler um die Burchan Dergd, figen da im Kreife 
bin unter freyen Himmel, um fih von ber daft des Tages mit 
berauſchenden Tichigan oder ſaurer Pferdemilch, woven ganze Br 





200 Feſttage und Feyerlichkeiten 


eyer des fer herbeygebracht werden, zu erholen. Auch die Gaͤdſuͤlls laſſen ſich vor 


KM ⸗ 
Eſara. 


den Schuͤlern fleißig volle Schalen von dieſem Getraͤnk, nach gewoͤnli⸗ 
cher Weiſe, unter Vorſingung leichtfertiger Trink und Liebeslieder (*), 
zubringen. Einige dieſer Nächte werden auch wohl mit Uebungen 
im Ringen zugebracht, wobey gemeiniglich der Fuͤrſt ſich einfindet 
und die von ihm gewählten Ringer mis Den Ringern des. Lama ſich 
verſuchen laͤſt. 


Nach geendigter ſiebentaͤgiger Feyer wird gemeiniglich zur 
Einweyhung neuer Gellongs, Gaͤdſuͤlls und Schuͤler Anſtalt gemacht. 
Bey derjenigen Gelegenheit, nach welcher dieſes Feſt beſchrieben wurde, 
hatten ſich zehn als Prieſter zu weyhende Gaͤdſuͤll, drey und vierzig Mand⸗ 


fh, und fünf Schwarze oder Layen, die als Schuͤler aufgenommen ſeyn 


wolten, eingefunden und qualificirt. Am Tage der Prieftermenbe 
wird endlich Abends, zum Beſchluß, bey der Abendverfamlung der 
Geiftlichen , ein groflee Opferbecken vor die Gögenhürte binaus ge⸗ 
ftelle, in weiches die Layen, nad) vorbergegangner Anbetung und 
empfangnem Seegen , einiges Geld mwillführlich opfern. 


kuſtbarkei⸗ Die Luſtbarkeiten, welche ſich auf das Urruͤßfeſt beziehen, 
ten des uer ˖ nehmen bey den Kalmuͤcken erſt mit den erſten Tagen des ſolgenden 


ruͤß⸗Sſara. 


tes Jauchzen und Ausſtreuung einiger Haͤnde voll Getraide (+) bie 


Mondes, alfo in dem Monde da die Mongolen das Feſt felbft zu 
feyern pflegen, ihren Anfang. Zwey Tage vorher wird, durch oͤffent⸗ 
lichen Ausruf, in der Horde der Tribut zu Beſtreitung diefer Spiele 
eingeforbdert. Die Feverlichfeiren nehmen denn, am zweiten Tage 
des mistelften Sommermondes, folgender maflen ihren Anfang. 


| Gleich mie Tages-anbrud; wird ous der Wohnung des Für- 
fen ein Herold abgefertige , welcher mitten im Lager, durch ein lau- 


Luſt⸗ 





(*) a diefer Arc find im erſten Theil S. 253. u. 154. mit: 
getheilet. ee | 

(7) Das Ausſtreuen bed Setraides bey diefer Gelegenheit fo wie beym 
gemönlichen Goͤtzendienſt, iſt eine der Veranlaffungen der Kornhal⸗ 
men; welche man in den dortigen Steppen bin und wieder kinzeln, 
auch wohl. ſtaudend antrift, und Die von einigen- für wildes Ge 

’ traide haben erklärt werden wollen. 





Suftborfeiten anfinbigt. Wer der fürflichen WBehmung wirb das Telibarke 

groffe Feſtgezelt und neh drey Füjhürten, für die Ringer und die Richter ter Te} Were 

des Kampfes aufgefihlagen umub bis zu Witag alle Anftekten zur IE SM. 
| Bern it ber Zurüftung fertig iſt, fo erhebt Eqh 

maun mul , ‘ ; 

der Sama, von femer Kirddenmujif und ganzen Cierifey feperlich bes» 
gleitet, nady dem aufgepuzten firftlichen Saſtzelt. Die Ringer vers 
fonden fi veraumimt, die won Der fürftichen Parchey in die eine, 
und Die won ber Parchey bes Lama ober der Clerifey in eine andre 
| aber, wepı einige der vornehumflen 


Die bis auf die Veinfleiver entblöfte , jedoch in ihre Rieder 
vorläufig noch verhuͤllte Ringer werden nm Paarweiſe auf den 


Kegeln auf den Boden ausgefirefe Hat, fpringen diefe Secundanten 
zu , begieffen den Gieger mit Waſſer und tragen ihn auf den Adh« 
fein , famt der Müse des Beſiegten, in Triumph davon, worauf 
Boten von beiden Parrhenen an die Richter geſchikt werden, um 
deren Ausfrruch zu erhalten. Oft wird fange darüber geftriren, 
wer zum Eieger erklärt werden foll; weil es fich zuträge, daß einer, 
der fehon im Fallen den Boden berührt bat, ſich geſchikt aufraft 
und den Eiegenden noch vollkomner zur e bringe; welches denn 
freylich nicht in allen rer gilt, ſonderlich wenn der zuerft gefaflene 
vollfommen auf den Ruͤcken zu liegen gefommen iſt. Nach erlange 
tem richterlihen Ausſpruch, ſchikt die Parchey des Siegers die 
Müge bes Beſiegten an ihr Oberhaupt und macht den Sieg durch 
ein drenfaches Freudengeſchrey befannt. Die Beſiegten müflen, zur 
Belonung , ven Eiegern ihre Kleider, und nach Endigung der Luſt⸗ 
Barfeicen ein Gaftmal geben, bey weichem jedermann von ihren Be⸗ 
kannten willfommen ift (*). Biß- 


(*} Mann fehe übrigend was von dieſer Art Ralmüdi 
' en fon im Men Che &. 1ap. gefage warten I 7 7 
Sweyter Theil, Ya 








202 | Heſttage und Feyerlichkeiten 


Luſtbarkei⸗ Während des Ringens wird in der Statshaͤtte vom Fuͤrſten 

sen bes ler, ofne Mahlzeit gehalten und wenn alle zehn ober mehrere Paare, 

ruß- Sfara.fo viel als Ringer vorhanden find, ſich miteinander gemeſſen haben, 

fo wird der aus der Horde zuͤſammen gebrachte Milchbrantwein dem 

anweſenden Volt Preiß gegeben. Die beym Fürften verſamlete geift- 

- und weltliche Gefelifchaft zedyt nicht weniger fleißig und wird mit 
_ Sefängen und Poffenveifferenen unterhalten. j 


Ä Der zweite Tag iſt zum Wahl der Pferde befline, welche 
a zum Weettrennen Geloffen werden. Diefe müffen nad) der Reyhe 
an einem in der Hoͤhe ausgeſpannten Seyl bergeftalt angebunden 
werden, daß fie fein Graß erreidyen förmen und folchergeftalt bis zum 
folgenden Tage falten, um defto flüchtiger zu feyn. Am naͤchſtfol⸗ 
genden Morgen wird die Rennbahn auf etwan zehn Werſte beſtimt 
‚ und durch drey in der Mirte und an beiden Enten aufgepflanzte 
ei groffe Fahnen bezeichnet. Beym Anfang der Bahn wird ein Zelt für 
die vornehmeren Säfte aufgefchlagen und hinlänglid Getränk für die 
MWertreuter in Bereitſchaſt gehalten, Eine Menge Zufihauer zu 
| Dferde finden fid) bey folchen Gelegenheiten ein. Wann der Wette 
⸗ lauf angehn fell, fo werden Die ausgeſtekten Fahnen, jede durch einen 
| Mann zu Pferde, empor gehalten und .beym lezten Ziel zu beiden 
Seiten, in Diftanzen, Beobachter ausgeftelle, um die Gleichheie im 
Sauf und den Sieger zu beftimmeu. Darauf fprengen, auf ein ge 
gebnes Zeichen, die Wersläufer fort und eıne Menge Volks folge 
ihnen.. Wer zuerft das Ziel zuruͤklegt, läft zum Zeichen jeine Müge 
fallen, und wenn mehr als einer obngefähr zugleich zum Ziel ge 
langen, wird öfters dem der Sieg zuerfannt, welcher am frübften 
diefes Zeichen giebt. Die ausgeftellte Zeugen müffen mit dem Sie 
ger vor den gewählten Richtern erfcheinem, welche denn bie vom 
Fürften ausgefezte Preife nad) Verdienſt Suerfennen. Uebrigens wird 
aud) dieſer Tag mit Zechen und allen erfinnlichen $uftbarfeicen , fe 
wohl beym Hoflager , als in allen übrigen Abtheilungen der Herde, 
zugebracht, und damit das ganze Feſt, bis auf die Gaſtirungen, welche 

- bie Beſiegte noch den Siegern ſchuldig find , befchloffen. 


BB 3 3 & 
Beſchrei⸗ 


| Die feyerlichen Waſſerweyhe (Uſſun⸗arſchanaͤ) ber La⸗ 
— maiſchen Geiſtlichkeit, * Rachſommer, bald nach dem Urruͤß⸗ 
= = J ur .. de 


* 

















der Schigemunisner. 205 
fefte, an einem niche zuverläßig zu beftimmenden age, vor fich Beſthrei⸗ \ 
gu gehn. Im Jahr 1775. wurde bdiefes Zeit der Waflermenhe, in bung der 
Denfeyn des Tranflateurs Jaͤhrig, am ıgten September bey der Waflerwei 
Tuͤmmenſchen Uluß, an der untern Wolga , . gefeyert: wovon mir he. 
derſelbe die Umſtaͤnde einberichtet hat. — 


Das wichtigſte war, daß der Lama oder Oberprieſter der 
Uluß zuerſt feinen beſten Aſtronomen oder Calenderverſtaͤndigen 
(Suruchaitſchi) ernſtlich befragen ließ, ob das fogenannte, alle 
Gewaͤſſer beiligende Geſtirn ( Uffunarfchahdif-Oddon > würflich 
ſchon am Himmel erſchienen fer. Die Unwiſſenheit der dortigen 
famen iſt Schuld, daß mann feine binlänglicye Erläuterung, wegen ‘ 
biefes Geſtirns, hat erhalten innen. Sie wuſtett nichts mehr zw 
fügen, als daß der Geiſt (Taͤnggri) diefes Sterns, vor undenflis 
hen Zeiten , unter den lebenden Geſchoͤpfen umfäglich viel Heyl ges 
ftifftee , auch ſelbſt verordnet, die Zeit ſelner Erfheinung am Hime 
mel jährlich zu feyern, damit das menſchliche Geſchlecht noch gegene 
märtig , an denen durch feinen Echein und Einfluß geheyligten Ge« 
wäflern ‚ einen Theil des Seegens erfahren möge, ben er demfelben 
fonft zuflieffen faffen. Der Stern felbft fell, nach Ausfage diefer 
Kalmüdifchen Aftrologen , jährlich um diefelbe Zeit, Plein und hell» 
glänzend am Firmament erfiheinen, und zwar im Morgen feinen 
Stand haben, aber niche fange‘ fichrbar bleiben. Die Geiftlichen 
abır fagen ſelbſt, daß heut zu Tage unter ihnen niemand mehr dene 
felben eigenrlid) anzuzeigen im Stande fen, und daß mann die Feyer 
nur nach dem Beyſpiel der Alten, zur gefezten Seit beybebalte‘, 
wie es in Echrifften verordnet if. Das Wafler aber wird nur höch- | \ 
fteus fieben Tage, nad) der angeblichen Erfeheinungszeit des Sterns, 


für heylig gehalten. . 


Nach einer andern Nachricht fol das Wafler von dem Tage 
an, ba die Sonne in das Zeichen der Jungfrau tritt, ohne, andre 
Einweyhung, fieben Tage nacheinander heylig fenn, und die darin, 
- baden von allen Gebrechen der Eeele und des Eörpers heilen, Eine 
$egende , die mir aber nicht vollftändig befannt iſt, erzähle, daß der 
munderthätige,, qute Geiſt, welcher die Gemäfler heilige und Sa⸗ 
chan⸗Arſchi genannt wird, einftmahls zwey übelchätige Geifter , mit 
den Gewaͤſſern, worin fie wohnten verfchlungen und das in feinem 

Aa2 J leibe 


Beſchrei⸗ 
bung der 
Waſſerwey 
he 


x 


204 $efttage und Seyerlichkeiten 


$eibe geheyligte Wafler wieder: ausgefpien haben foll (*), welches, 
mit Wunderfräften begabt, von den Menfchen aufgefangen worden, 
Seitdem hat mann das Andenfen diefer Wohlthat jährlich durch bie, 
von der hohen Geifklichfeit vorzunehmende Einweyhung der Gewaͤſſer 
zu feyern angefangen. 


Sobald mann der Zeit: gewiß iſt, wenn bie Waſſerweyhe 
vorgenommen werden muß, wird felbige unverzüglich dem Wolf 
‚befannt gemacht. Das Hofsund Gößenlager, nebft dem gröften 
Theil des Volks, nähert ſich ſchon zum voraus, fo viel möglidy, 
demjenigen Theil der Wolga oder eines jeden andern nahmhaften Flufe 
fes, wo diefe Ceremonie vorgehn fol. An dem dazu beftimten Ta⸗ 
ge wird beym Heflager, zur Bewirthung ber Geifllichkeie, eine 
groffe Menge Thee, viel Gebaknes und Naſchwerk zubereitet. Nach 
Verleſung geriffer Gebeter begiebt fi) der oberfte Sama, nebſt aller 
anmefenden Geiftlichkeit, an das Flußufer bin und wird dafelbft aufs 
befte bewirthet. Mach geendigter Refection, wobey maun fi über 
ben Seegen der vorzunehmenden Handlung zu unterhalten pflegt, 
entfleiden ſich alte Geiftlihe bis auf das Unterfleid ( jat ) und 
gehen in Proceßion, unter Wortretung bes !ama , in den Fluß, wa 
fie den ganzen. Körper baden. Der. Lama läft fi) von zweyen Prie 
fern, die ihn in den Fluß führen müffen, figenb waſchen, betet zu 
dreyen malen im Wafler an, fchöpft dann za drenen malen aus 
dem Fluß und ſpuͤlt einen Theil des eingenommen Waffers mieder 
aus dem Munde, hält fich auch überhaupt ziemlich fange im Wafler 
auf. Unterdeſſen ſieht mann viel Wolf, von nahe und fern, Fuß 





(*) Die Fabeln, nach welchen die Indianer den Ganges für geheiliget 

alten, ſcheinen eine entfernte Verwandfchart mit derjenigen zu 

aben, welche die Lamen von DBeranlaffung ihrer Waſſerweyhe er⸗ 

zahlen. Auch bev den Malabaren iſt, nad den Mißionsberichten, 

e eine Waſſerweybe ublich. Baldaͤus ( ein oft angef. Wat &. 55. 

£6.) bat eine ſich hierauf bezichende allegorifche Erzählung von 

dem beyligen Agapia, der auf Viſnus Begehren die an der Suͤd⸗ 

ſeite höher ſtehende Welt, durch Auflegung feines Gebetbuchs, gra⸗ 

de machte; dann das Meer, welches feiner kleinen Figur ſpottete, 

auf eine wunderthaͤtige Art auszechte und, auf Bitte andrer Gott⸗ 
heiten, wiebes durch den Harn von fich gab. u. ſ. w. 


der Schigemuntaner. 205. 


Fuß eylen, um unterhalb des Orts, wo Se. Heyligfeit badet, da⸗ Befihreis 
raus zu fehöpfen, von dem Waſſer zu trinfen, fid damit zu baden, bung der 
zu wafchen und ſonderlich Kranfe und Schwäaͤchliche damit zu ver. Waſſerwey⸗ 
forgen. Diefes gefchieht auch nody die folgenden Tage. Mach geen- be. 

digter Eeremonie, begiebe fid) die Geiftlichfeie wieder in ihre Kleider 

und nad) Haufe. nr 


u =: @ 


Das vierte, ober mern man die Waflermenhe niche rechnen Feyer dee 
will, Das dritte groffe Jahresfeſt der Lamaiſchen Geiftlichkeir ift das Sullafeſts. 
Kerzenfeſt (Sſulla⸗Sſara), auh Sſullabaridak (das Anzünden 
der Kerzen) genannt. Es fälle im erften Wintermonat, mit welchem 
die Kalmuͤcken das alte Jahr befchlieffen, und zwar auf deffen zsften 
Tag, alfo ohngefähr zu Ausgang bed Movembers ein, und fann eis 
gentlich als Yps Neujahrsfeft angefehn werben, indem allemahl von 
dem barauf folgenden =. das Kalmuͤckiſche — angerech⸗ 
net wird, auch jeder Kalmuͤk feine Gedurtsjahre zu zählen pflegt, 

Es bezieht ſich auf die vorgebliche Himmelfarch, (andre fagen auch 
noch auf die Geburt) des Erneuerers des Schigemunifchen Glaubens, 
Sonchaba⸗Burchan (©. oben ©. 103. ). In einer Kalmuͤciſche 

Schrift, von der UÜrfach und: Feyer des Sulla und Zaganfefts, wir 

geſagt: „Am 2sften Tage des Sulla⸗ſſara ſey Sunfabai ober 
Sonchaba⸗Burchan auf dem fteinernen Altar vor feinem, Thron er. 
„ſchienen, habe fi) jen Himmel erhoben und dem Tybetanifchen Volk, 
„daß ihn mit Fakeln begrüfte, groffe Freude und Wonne verfündige, „, 


Schon zwey Tage vor dem eigentlichen Feſt ift bey den Hof⸗ 
laͤgern die Geiftlicykeie in Churrul verſamlet, und hält von Mittags 
en DBerftunden, die nur durch eine Mahlzeit und den Genuß ihres 
gewänfichen Thees unterbrochen werden. Auch wird, zur Ermunte 
rung des Volks, auf dem Biſchkuͤrr in der Goͤtzenhuͤtte faſt beſtaͤn 
Dig geblafen. Der Vormittag wird mie Schmiüdung der Tempel 
oder Goͤtzenhuͤtten, und in der ganzen Horde, bey: allen Chottons | 
die einen Geiftfichen haben, mit Zubereitungen zur Den —5 — | 
aktären zugebracht. Die Geiftlichen befchäftigen fich felbft groſſe Scha⸗Platte 17; 
len oder Lampen ( Sulla) aus Thonerde zu formen, weiche mie 
einem dreyfachen, um | gewickelten Tocht verfehem und — 
a3 ett 


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Beſchrei⸗ 


bung der 


Be. 


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204 Sefttage ımd Seperlichkeiten 


Leibe geheyligte Wafler wieder ausgefpien haben fol (*), welches, 
mit Wunderfräften begabt, von den Menfchen aufgefangen worden, 


Vaſſerwey Seitdem hat mann das Andenfen diefer Wohlthat jaͤhrlich durch die, 


von der hohen Geiftlichfeit vorzunehmende Einweyhung der Gemwäfler 
zu feyern angefangen. Ä 


| Sobald mann ber Zeit: gewiß iſt, wenn die Waflermenhe 
vorgenommen werden muß, wird felbige unverzüglich dem Wolf 


‚befannt gemacht. Das Hofsund Goͤtzenlager, nebft dem gröften 


Iheil des Volks, nähert ſich ſchon zum voraus, fo viel möglidy, 
demjenigen heil der Wolga oder eines jeden andern nahmhaften Flufe 
fes, wo biefe Ceremonie vorgehn fol. An dem dazu beftimten Ta⸗ 
ge wird beym Serlager, zur Bewirthung ber Geiftlichkeie, eine 
groffe Menge Thee, viel Gebaknes und Naſchwerk zubereitet. Nach 
Verleſung gereiffer Gebeter begiebt ſich der oberfte Sama, nebſt aller 
anmefenden Geiftlichfeit, an das Flußufer hin und wird dafelbft aufs 
befte bewirthet. Mach geendigter Refection ,. wobey maun fi über 
den Seegen der vorzunehmenden Handlung zu unterhalten pflegt, 
entfleiden ſich alte Geiftlihe Dis auf das Unterfleid ( jat ) und 
gehen in Proceßion, unter Wortretung bes Jama , in den Fluß, wa 


fie den ganzen. Körper baden. Der Lama läft fih von zweyen Pries 


ſtern, die ihn in den Fluß führen müffen, fisend waſchen, betet zu 
dreyen malen im Wafler an, ſchoͤpft dann za drenen malen aus 
dem Fluß und fpüle einen Theil des eingenommen Waffers wieder 
aus dem Munde, hält ſich auch überhaupt ziemlich lange im Waſſer 
auf. LUnserdeffen fieht mann viel Wolf, von nahe und fern, du 


f 


(*) Die Fabeln, nach welchen die Indianer den Ganges für geheiliget 
" ten, ſcheinen eine entfernte Verwandſchaft mit derjenigen zu 
aben, welche die Lamen von Beranlaffung ihrer Waſſerwephe er⸗ 

zaͤhlen. Auch bey den Malabaren iff, nach den Mißionsberichten, 


» eine Waſſerweyhe üblich. Baldaͤus ( ein oft angef. Wat &. ss. 


22 bat eine ſich bierauf beziebende allegorifihe Erzählung von 
em beyligen Agaßia, der aufYifinus Begehren die an der Suͤd⸗ 
fette hoͤber ſtehende Welt, durch Auflegung feines Gebetbuchs, gra⸗ 
be machte 5; dann dad Meer, welches feiner Fleinen Figur fhottete, 
auf eine wunderthaͤtige Art auszechee und, auf Bitte andrer Gott⸗ 
heiten, wieder durch den Harn von ſich gab. u. ſ. w. 








der Schigemuntaner. 208. 


Juß eylen, um unterhalb des Ders, wo Se. Heyligkeit badet, da⸗ Veſchrei⸗ 
aus zu fhöpfen, von dem Waſſer zu trinfen, fih damit zu baden, hung der 


zu mafchen und fonberlih Kranfe und Schwädhlihe damit zu ver. Waſſerwey⸗ 


forgen. Diefes geſchieht auch noch die folgenden Tage. Nach geen. 9% 
digeer Ceremonie, begiebe fid) die Geiftlichfeie wieder in ihre Kleider 
und nach Haufe a 


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Das vierte, oder mern man die Waſſerweyhe niche rechnen Beyer dee 
will, Das dritte groffe Jahresfeſt der Lamaiſchen Geiftlichkeir ift das Sullafeſts. 
Kerzenfeft (Sſulla⸗Sſara), auch Sſullabaridak (das Anzünden 
der Kerzen) genannt. Es fälle im eriten Wintermonat, mit welchem 
die Kalmuͤcken das alte Jahr befchlieffen, und zwar auf deffen asften 
Tag, alfo ohngefähr zu Ausgang bed Movembers ein, und fann eis 
gentlih als das Neujahrsfeft angefehn werden, indem allemahl von 
dem darauf folgenden Tage das Kalmüdifhe Neujahr angeredjs 
net wird, auch jeder Kalmuf feine Geburtsjapre zu zählen pflegt. 

Es beziehe ſich auf die vorgebliche Himmelfarth, (andre fagen auch) 
noch auf die Geburt) des Erneuerers des Schigemunifchen Glaubens, 
Sonchaba⸗ Burchan (©. oben ©. 103. ). In einer Kalmuͤckiſche 

Schrift, von der Urfach und: Feher bes Sulla und Zaganfefts, wir 

gefage: „Am 2sften Tage des Sulla-fjara ſey Sunfabai oder 
„ Sondyaba» Burchan auf dem fteinernen Altar vor feinem, Thron er⸗ 
„ſchienen, habe fi) jen Himmel ee und dem Tybetaniſchen Volk, 
„daß ihn mit Fafeln begrüfte, groffe Freude und Wonne verfündigt, „, 


Schon zwey Tage vor dem eigentlichen Feſt ift bey den Hof⸗ 
lägern die Geiftlichfeie in Churrul virfamfer ‚, und haͤlt von Mittags 
en Berftunden, die nur durch eine Mahlzeit und den Genuß ihres 
gewoͤnlichen Thees unterbrochen werden. Auch wird, zur Ermuntes 
sung des Volks, auf dem Biſchkuͤrr in der Goͤtzenhuͤtte faft beſtaͤn 
dig geblafen. Der Vormittag wird mie Schmüdung der Tempel 
oder Goͤtzenhuͤtten, und in ber ganzen Horde, bey: allen Chottons 
die einen Geiftfichen haben, mit Zubereitungen zur Den —5 — 
altaͤren zugebracht. Die Geiſtlichen beſchaͤftigen ſich ſelbſt groſſe Scha⸗Platte 17: 
len oder Lampen ( Sulla) aus Thonerde zu formen, welche mie 
einem drepfachen, um ae" — Tocht verfehem und Fi 

a3 et 





Keyer des 


Sullafeſts. 


Platte 17. 
a. a. a. 


206 Feſttage und Feyerlichkeiten 


Fett oder Butter angefuͤllt, auf dem Altar geſtellt werden. In den 
Gemeinden, mo ein jeder Kalmuͤk feine Lampe und fo viel Lichterchen 
als er Jahre ale iſt, zu dem gemeinſchaftlichen Altar beyträgt, were 
den diefe Lampen gemeiniglich von Meelteig geformt, damit die Geift« 
lihen Schüler felbige, nach geendigeer Illumination, gaar braten 
und verzehren Finnen. Zu Werfertigung der Lichter (Poli) werden 
alle Weiber aufgeboten. Mann famlet und fihneidet dazu trofne 
weiffe Graßhalmen ron ber auf den Steppen häufigen Stipa capillata 
( Zagan: Bebeffün ), alle von einer Gröffe, etwan fünf bis fechs Zoll 
lang, umwickelt felbige faft von unten auf mir Baunmelle, wovon oben 
ein Fleiner Quaſt gelaffen, und alles mie Butter oder Fett eingetränft 
wird. Diefer Lichter wird aus allen Familien eine faft unzäplbare 
Menge zufammen gebracht, um den Altar bamit zu befegen.. 


Der Altar CSullsin: Dändär) wird bald auf Pfälen, mie die 
szte Platte vorftelle, oben mit eineın Roſtwerk, worüber Erde und Sand 
gefchürter ift, bald bloß aus Erde, welche fhichtweife mit dazwiſchen 
gelegtem Graſe oder Raſen abwechſelt, errichtet. Die Höhe iſt ge= 
meiniglidy über vier Fuß ımd die Groͤſſe richter fi) nah der Menge 
Der Dazu beyrragenden Nachbarn. Für den Fuͤrſten wird ein wenig⸗ 
ſtens vier Eflen langer und zmey Ellen breiter Dändär, und ein et⸗ 
was Pfeinerer für den oberften Lama, aud) mohl noch ein dritter für dem 
benm Hoflager befindlichen Baffchi oder Eenior der Geiftlichkeit angelegt. 
Diefe Altäre müffen die geiſtliche Schuͤler, gegen den Abend des 
eigentlichen Sulla. Tages, mit einer Anzahl vorermähnter Lampen in 
ordentlichen Reyhen befezen und die Zwiſchenraͤume dicht mit Soli oder 
Kerzchen, Die mann mit der unbewickelten untern Epige in den Sand 
ftefe, ausfüllen. Der Rand wird mit dergleichen je dreyfach zuſam⸗ 
men gefteften Kerzen eingefaft. | 


Am Tage ba die Erleuchtung vorgehen foll, werden bie hey⸗ 
figen Fahnen (Fie-Morin), mie auch ben aflen andern hohen: 
Selten, vor der Götzenhütte aufgefteft. Es find €*) etwan 3 Ellen 
tiefe und halb fo breite, an hohen Stangen befeftigte Flaggen (Platz 
te 17, b.) von weifler Leinwand, mit einer gelben Einfaffung und 
E | | drey 





(*) ©. im Erſten Theil S. 228. Platte 1. 











* 


2der Schigemunimer. | 207 


drey rochen, am Rande: feſtgenaͤhten, wallenden Streifen. Unter dem Feyer des 
vergoldeten Kropf der Stange find. vier übereinander geſezte Kap-Suͤllafeſts. 
spen*; von blauer, weiller, rother und zu oberſt gelber Farbe, zum: 
Zierath befeftige.. Auf einer- diefer Fahnen ift der. Goͤtze Ajuſchaͤ, "Platte 16. 
:aber. mit Pfeil und- Bogen, und unter denselben vier Bären und Fis . 7. 
‚ein Loͤwe, guf der andern aber Schigemuni, mit feinen gewoͤhnlichen 
Attributen, geſchildert. Auſſerdem iſt das ganze. Feld. der ahnen 

‚mit Tangutiſcher Schrift ausgefuͤllt. — Der Goͤtzendienſt wird ſel— 

bigen Nachmittag. viel fenerlicher gehalten; auf: der. Goͤtzenbuͤhne wer⸗ 

«den die. Bilder des Stifters, und der. vornehmften. Erhatter des 
Schigemuniſchen Aoerglaubens, ſonderlich Sonchaba Burdan, und 

»die vornehmſten Religions buͤcher, wovon .ein: groffer Theil. dieſen 
"Gondaba zum Verfaffer bat ,. zu beiden Seiten der Goͤtzenbuͤhne, auf 
-befondern. Bühnen oder in Schränfchen geordnet, mie Seydenzeug 

-fauber umwickelt, ausgeftellt, auch. viele andre, auf Rollen gefchildere- 

te Gögenbilder: aufgehbänge, Der: Mtar ver den Gösen iſt mit vie⸗ 

Im Schuͤlchen, alleriey. Zrüchten und fünf Zuderpyramiden (Dorme) 

von verfchiedner Gräffe- befezt. und fünf Lampen brennen auf einem 
niedriger: ftehenden: Tifchchen,. worauf auch zwey Weißbrodte zu liegen 
kommen. Noch pflege auf. einer mit einem langen Stiel in die Er-- 

de gefteften groffen Schale- (Daͤtſchin⸗Zoͤgozaͤ ein abgefengter-, 
gehörnter Schaffopf‘,. ohne Unterfinnbaden,. auf deſſen Stirn ein: 
pierefigtes Stuͤkchen Haut ausgefchnitten ift, mie der. Schnauze ges: 

gen bie Goͤtzen gerichtet, die. Zahl. der Opfer" zu vermehren. 


. Wenn die Erleuchtung den Altäre und Proceßion am- Abend‘ 
vor fih gehn fol, wird bey jedem Altar, in einer Grube Holzfeuer 
angelegt und die vornehmften Kalmuͤcken finden ſich dabey mit lan 
gen Stoͤcken, die an Enve flarf mir Baumwolle umwickelt und in 
Fett getränfe find, ein,. um zur beflimter Zeit die: Altäre anzuzun⸗ 
den, | Ä Dr 


Die Preceßion felt der Bakſchi und Gepkuͤ der anwe⸗pPlatte sp, 
fenden Geiftlichfeie, bey angehender Dämmerung „ nach geendigtem: 
Gögendienft innerhalb den Hütten ,„ auf: freyem Selde. vor ber | 
Burchanenhuͤtte, in Diejenige Ordnung welche die. ste Platz 
te vorſtellt. Das Gemälde des Sonchaba, melches die Proseßion 
anfuͤhrt, wird ganz zulezt, von einem der aͤlteſten Pfaffen, = a 


208 GSeſttage und Seyerlichkeiten! 


eyer des Stange haͤngend, aus der Burchanen Hütte hervorgebracht. Die 
— eiſtliche Muſik⸗ nimt in eben dem Augenblik ihren Anfang und Die 
—8 ruft von dee Morgenſeite gegen ben groſſen Altar des 
Fürften an, Wenn fie fi) demfeiben nähere, fo wird mie de Mu⸗ 
fif inne gehalten, und der Träger des Üögengemäldes, nebſt bem 
Bakſchi und Gepfü die ihn begleiten, trit einen Schrit vorwärts, 
und giebt damit das Zeichen zum Anzünden der Altäre, wobey das 
Gebränge, weil jeder mit feiner $unte gern der erfte ſeyn will, faſt 
bafsbredyend if. — Sobald ber Altar völlig angezünder iſt, Fänge 
die volle Mufit wieber an, und bald Darauf fälle die ganze Proccfe 
fion mit einem tangutifchen Geber ein, welches eine gute Viertelftunde 
mit vieler Heftigkeit fortdauert. Das anmefende Wolk unters 
haͤlt indeffen das Feuer und wirft nad) und nad) alle Luntenſtoͤke mie 
hinein. Wenn endlid) der Altar verlöfchen will , fo geht die Proc 
fien, nad) geendigtem Gebet, dreymahl um felbigen herum und Das 
vorgetragne Goͤtzenbild wird, nebft den muſikaliſchen Inſtrumenten, 
wieder in die Burchanenhuͤtte zurüf gebracht, Die Priefter kommen 
alsdenn wieder heraus und leiſten, mit breymaligem Nieder⸗ 
fallen, vor dem Dändär ihre Anbetung s_ erft nad ihnen vers 
richtet ber Fuͤrſt, die Fuͤrſtin, die Wornehmften des Wolfs und zu⸗ 
lezt die ganze Menge, auf eben bie Are ihre Andacht und fangen 
unter anbaltendem lautem Ommanipatmechom⸗beten, fogleih an 
‘in Proceßion um den Dändär fo lange herum zu wandern, als nod) 
ein Lichtchen auf den Sampen zu ſehen if. Miet deren Erlöfchung 
geht ein neues Getümmel an, indem ein jeber von den gebrauchten 
‘Sampen , die für gehenlige gehalten werben, eine zu Lünftigen Hause 
andachten gu erobern fuhr. 


Der oberfte Lama, welcher mie dem fürftlihen Altar ſich 
nicht befaſſet, koͤmt erft, wern die Muſik ben felbigem gtendigt iſt, 
aus feiner Wohnung , von zweyen Prieftern unter den Armen geführe , 
in gemönlichem Ornat heraus, zuͤndet mit Beyhäffe einiger Priefter , 
“ feinen "Altar Telbft an, und verrichtet dann vor dem fürftlichen, auch 
‚ferner in der Goͤtzenhuͤtte, feine Anbetung. Wenn er wieder nach 
Haufe gekehrt iſt, fängt aud das Wolf bey feinem Altar an anzus 
beten und bis zu defien Erſbſchung in Procefion zu gehn. Endlich 
wird auch der Altar des Bakſchl angezünder und das Volk Fähre 
im Freyen mis Jauchzen und Zreubenskegeugungen, die — 

ei 








Geiftfichkeie aber in ber Berfamlungshütte mit Tangutiſchen Gebeten Feyer des 
die ganze Nacht fort. In die Goͤtzenhuͤtte kam niemand weiter , Sullafefid: 
aud) durfte fih niemand aus dem Volk zur Anbetung in felbige 

hinein begeben, und bie gemeine Geiftlichfeie brachte in Nebenhürten 

die Nacht theils mis beten, theils mie freſſen zu. 


= In der nächrlihen Hauptverſamlung, nach ber Sullafeyer , 
pflegt allemahl der Gepkuͤ weicher der Verſamlung im verfloßnen 
Jahre gedient hat, durch einen zuvor ſchon neuerwaͤhlten, unter 
feyerlichen Gebeten abgeloͤſt zu werden. Uebrigens erfolgen auf den 
feſtlichen Abend weiter keine Luſtbarkeiten, die heyligen Fahnen wer⸗ 
den am Morgen wieder eingenommen, bie Goͤtzenhuͤtte verſchloſſen, 
und wenn am Mittag noch eine geiftliche Verſamlung gehalten wor⸗ 
den, bat das Meujahrsfeft damie ein Ende, - ur 


Die Kalmuͤcken prognoftieiren Gutes ober Boͤſes aus der 
Art, wie der Altar brennt, und in einer aftrologikhen Schrift 
( Bellgien Bitſchik) die ich aus dem mongolifhen zum Theil über 
fegen laffen ‚. finde ich fechs gute und. eben. fo viel böfe Bedeutungen 
der Sulla- Flamme. Mad) derfelben ift die glüflichfte Vorbedeutung 
wenn die Flamme des ganzen Altar weiß und ‚rund, ber Sonne u 
aͤhnlich Teuchtet ; und auf langes Leben und allerley gute Eigenichaft 
deutet eine dabey in einigen Theilen angenehm ausgebildete Flamme. 
Wenn fie aber dunkel und rauchend erkheint , e zeige fie große 
Sünden an; ift fie ſprudelnd, fo find Teufelsfünfte baby im 
Spiel; brennt fie fehleche und heine Hin und wieber zu verloͤſchen, 
fo fiehen allerley üble Begebenheiten bevor ; ſieht mann fie hin und 
ber flartern,, fo iſt Krieg und Fehde zu erwarten; iſt der Schein 
dunfel und die Flamme gedrungen, da wird Krankheit verkuͤndigt, 
und Perarmung wenn fie bie und ſchwerlodernd. exſcheint. 


er 8 J— 
8 8 82:8. —— 

Inmerhalb zwey bis drey Tagen nach den Sullafeſt fucht Ukahl⸗Oer⸗ 
ein jeder Kalmuͤk in feiner Wohnung , durch einige Geiftliche ( Faft wie gena ober 
bey der griechifchen Kirche nach einigen Feſten uͤblich ift ),.-eine. Art Yon swey⸗ 

Hausweyhe verrichten zu laſſen, welche MlchisDerage (die Ba⸗ 
beifandlung ) genannt wird, und in ber. zupar ſchon heſchriebnen 
Zweyter Theil, Bb — Zu⸗ 


ur⸗i er⸗ Zubereitung des Arſchan ober Weyhwaſſers, durch Ausgiefſung uͤber 


genaͤ oder 
az 


Einwep⸗ 
hung der 
Lamaiſchen 

a. 


Platte 15. 
Fig. 21. 


21 
- 


ou = 


verfertigen, "iheils werden: fle amcer den ' erforderlichen Geberen und 


a1s Feſttage und Feyerlichkriten 


einen vor den Goͤtzen empor gehaltnen Spiegel, beſteht. Ein oder 
mehrere "Beiftliche Eommen zu dem Ende, mit ihren Gobfülls, in die 
aufgefchmüfte Wohnung bes Layen, und bringen einen Bögen und 
das übrige geiftliche Geräch mie fih. Das in -Suntfärbiger Sende 
eingehuͤllte Gögenbild wird, mit fenerlihen Schwenfungen, auf eine 
zubereitete Bühne geftelle, vor welcher eine brennende Janme und ein 
angezündetes Raͤucherkerzchen auf einem Abfag ſteht. Der udmis- 
nifteirende Geiftliche feze fi bem Goͤtzen entgegen und bie übrigen 
in eine halben Kreiß neben ihn. Bor ſich legt er, auf ein mit ſeyd⸗ 
nen Tücher uͤberdektes Tiſchchen, die Scheibe (Manrah), den Epic 
gel (Tooli) und das Kannchen ( Yumba) mit dem zu weyhenden, 
gezuckerten Saffranwaſſer. Auf die Scheibe wird, nebſt dem ſchon 
von andern geopferten Geld, fo viel Waitzen und Bohnen aufgeſchuͤt. 
tet, ale nur darauf liegen fönnen. Die Teremonie der Arfchanberei» 
tung gehe dann, unter tangutifchen Gebeten, auf bie ſchon vorhin 
—— vor ſich Zum Beſchluß giebt der Geiſtliche allen 
zur Familie gehörigen den: Seegen, und einem jedem etwas Arſchan, 
zum Genuß und den Repf damit zu ſalben, in die hohle Hand. 


— u; 8: © S 


N..Auſſer den’ Bisher Befchrighnen , jaͤhrlichen und allgemeinen Fer 
a , will ich in Diefem‘ Abſchnitt noch zwey felener verformmenden Feyer⸗ 

ithfeiten beſchreihen: nehmitid ' die. Chreriffung‘ gewiſſer Thorkegel, 
‚welche bie Samen Isa” nennen, "und bie bey den Mongolen übliche 
Errichtung geweyheter Erb-oder Ereinhanfen (Obo) auf Gebuͤrgen. 


BZaza necmendie Kalmuͤchen aind Momädlen eine Alẽe zierlicher, 
aus Thonerde, vermittehſt einer fupfirnen hohten Förnr;* gebilbeter 
Kegel, die ein bis zwey Zoll im Durchmeſſer, von der auf der ısten 
Plate Sig. 21. Apgedrukten⸗Figur ſind. Dergleichen Kegel, unter 
gewiſſen Eeremonien , durch Geiftlichen verfertigen zu laſſen, wird 
‚Für: eiti Fehr verdienſtliches Werk- gehalten und fie -merben eigentlich , 
als fü viel geweyhere Wahrzeichen guter Gedanken ( Serkilin Schuͤ⸗ 
Km} ober, nady'aribern, als ſymboliſche Vorſtellungen der Gettheiten 
betrachtet. Dergleichen Zaza laͤft man nun zu verſchiednen Endzwecken 


- 





ere⸗ 


⸗ 


⸗ 


der Schigemunianer. Pu 


FEeremonlen Ines Woſſer geworfen , und follen fo zum.. Kenl. der. im Einen - 
Waſſer wohnenden. Seelen gereichen ; theils werben fie in Gruben, burg ber 
welche mann bedekt und verfharre, ohne weiteres Wahrzeihen zum Zaza. 
Heyl der im Erdhoden — Gewuͤrme, Käfer, Schlangen, u. 
9): hinterlaſſen. Theilg endlich) hauet mann ordentliche Gehaͤu⸗ 
Far —B oder Kapellen (Suͤmmoͤ⸗Suburchan) für 
felßige über der Erde, und dieſe follen eigentlich das Wohl der 
Ne Creatur befördern ,. find alfo die wichtigſten, aber auch 
Die f 5 — weil zur Errichtung ſolcher Kapeflen. mehr Cleriſey 
und meitläuftigere, mehrere Tage dauernde Gebete und Ceremonien 
ordert werden. Stiftungen dieſer Yre find ein Feſt für ganze 
“ Uluffen, und allen vorbeyreifenden bleiben fie eine Aufforderung zum ..s : 
ebet, wie die. Kreuze und Kapellen in Ehriftlihen Laͤndern; dahin⸗ 
gen bey erfteren nur derjenige, welcher die Koften zu dem vermeynts 
ichen guten Werf hergiebt, mit feinen Angehörigen anbetet und wei⸗ 
ege keine Andacht an folchen Stellen verrichtet wird, Da eier 
Wenn Zaza gemacht werden foll, fo nimt ber: Saye, der zus 
Buffe oder aus Andacht dies Gefchäft veranftalter , fo viel Gellongs 
Dazu, als er. bezahlen kann, denen eine hinlängliche Zahl Gaͤdſuͤlls, 
Manfhifen und ſchwarze oder gemeine Kalmücen zu Gehülfen dienen 
müffen. Bey den erft erwähnten Arten fann ein einiger Bellong , 
* mit ven nöchigen Gchülfen, das Werk verrichten. An einem reinen 
und beliebigen Ort der Steppe werden erjt Gebete an dem. Dellekins' 
Eſen oder Schusgeift des Platzes, verlefen, un feine Erlaubniß zu 
der vorhabenden Handlung zu erbitten. Dann wird, unter vorges 
fhriebnen Tarnisworten, die bierbey eine jede Werrichtung begleiten 
müffen,, auf Die Erde ein groffer Kreng gezeichnet, und nad) den vier. 
Weitgegenden eingetheilt. Zerner wird In dem füdlichen, unfre Erde 
Vorftellenden Viertheil, nach Werlefung andrer, an den Schuzgeiſt der 
Erde ( Baffsrin fen, aud) Zagan⸗Ebugen oder, dag meiffe Alte 
Männchen genannt ) gerichterer, um Verleyhung der nöthigen Erde 
birtender Gebete, eine runde Grube bis auf den Thon oder Laim, 
unter anhaltenden Tarniformeln, ausgegraben. Aus biefem Thon 
machen die Geiſtlichen Gehuͤlfen Kugeln, welche die Gelongs felbft 
in die Kegelformen drücken und die alfo gebildete Kegel auf einen 
einen Plaz Hinftellen. Wenn bie vorgefchriebne, fehr beträchtliche 
Bahl von Kegeln fertig iſt, werben fie an dem Ort ihrer. Beſtim⸗ 
ba mung 


| 


> *2 





\ 

rs Feſttage "und Feierlichkeiten 
Biss. mung, unter anbern Tarniformeln, abgelege. Iſt bleſes die Geube 
* ber ſelbſt, woraus die Erbe genommen worden, fo wird einiges Gele 
a⸗ und andre kleine Opfer, auch wohl geiſtliche Schriften dazu gethan 
und alles mit der aufgegrabnen e wieder verſchuͤttet, a dee 
Boden forgfältig eingeebnet, damit nicht Ungläubige ben Ort finden 

und des Geldes wegen entheyligen mögen, 


Suburgan Zu Anlegung einer ordentlicher Kapelle ( Suͤmmoͤ⸗Suber⸗ 
oder Step⸗ —J auf ber Steppe muß die Erlaubniß des Oberſten Lama und 
* «des Fuͤrſten nachgeſucht und eine betraͤchtliche Zahl Geiſtlicher, fie 
en⸗ milde Gaben, dazu eingelaben werben. Der Stifter muß mwähren® 
Blatie 17. des. ganzen: Baues die anwefende Glerifep unterhalten, weil alles nur 
nach ihren: Vorſchriften und unter vorgefdjriebnen: Gebeten zu ver⸗ 
richten if. Der Thon für. das Gebäude kann nicht anders, ale 
mit: Geber, gegraben,. das. Waſſer zu deffen Befeuchtung nicht anders, 
als mit Gebet, gefhhöpft werben, u. ſ. w. Sn. die gemachte Grube 
wird, den. Schusgeift der Erbe zu befänftigen, auf einen: feinem 
Abſaz ein: Exhälchen, mie einen aus Meelteig gemachten Kegel 
‚und andern Feiner Opfern, aufgeſtellt, au; eine Geberflagge dabey 
Mingepflange« Mann wählt, zu: Anlegung der Kapellen, fo viel möge 
ch abgelegne und von den Wegen , auf melden Ruffen zu reife 
nflegen:, enrfernte Gegenden der Steppe. Um bie Sandſteppe Naryn, 
zwifchen ber Wolga und dem Uralfluß, waren bergleihen an ver 
ſchiednen Orten: von: der groffen Torgorfiheir Horde angeleg; Eine 
davon iſt im Dritten Theil meiner Reife &, 531. kürzlich beſchrie 
Ben: worden. Eine andre, ganz verfallene, ift von dem Salzſee Bog⸗ 
in norboftwärts. am Rande diefer Sandwauͤſte gelegen (*). Diejenige, 
welche ich auf der Siebenzehnten Platte abbilde,. war erft neuer⸗ 
lich, auf den Grund einer alten verfallenen, vormahls von einent 
Lama angelegten: Kapelle, auf. dee WeRtlihen Seite der Wolga, 
xwiſchen der: Sarpa und bem Gemäfler Gologoi, aufgebaut und noch 
mit allen ihrem Verzierungen verſehen. Gemeiniglich find die Kale 
muͤckiſchen Steppenfapellen von dieſer Bauart, entweder von unge⸗ 
brannten Ziegen, oder auch nur (wie die hier abgebildete war y 
aus: einem: mit. Leim dik bewerfnem Flechtwerk, aufgeführt. und. zu 


... “ anne of um ‘ 


©, im angel. driuen Theil. meiner: Rei: 6.678. 





a 





mehreren Dauerhaftigfeie noch mit einen Parapee von Erbe und Suburgem 
Flechtwerk umgeben. In felbiges werben Stäbe mit weiſſen, blauen, od- Ralmuk 
gelben und rothen Geberflaggen: aufgeſtekt, und am Gebäude ſelbſt Kapelen. 


find hölzerne Bermülen ( Ehur⸗WMani) mit löffelförmigen, Tangutiſch 
beſchriebnen Flügeln alfo befeftige, WB fie vom Winde bewegt wer⸗ 
den Finnen. Das Fenfterchen, als die einige Defnung in dem Ge 
bäude, ift allemahl gegen Süden gefehre und mit: einens hölzernen 
Lhürchen verfhfoffen. 


Wen folhe Kapellen eingemenbe werben, fo fielen die Pfaf⸗ 
fen ihre Sägen barinnen. auf. Machher wird zur Andacht irgend 
ein auf. Leinwand ſchlecht gemahlter Göge, etwan Scigemuni, ober 
Dalai. Sana, oder (mie in der hier abgebildeten Kapelle) Bogdo⸗ 
Lama, mie einigen daneben hängenden Chadaks, dafelbit hinterlaſſen. 
Diefes ift, wie die Pfaffen fagen, Buͤ⸗Schuͤtaͤn (die perfönliche 
Gottheit); wozu in. diefe Kapellen noch alleriey geiftlihe Schriften 
€ Sarligin;Schütän oder wörtlihe Gottheiten) und dann viele 
Hundert der. oben befchriebnen Thonkegel oder Gedanken » Gortheiten 

Sestilin,Schütän) getfan werden, welche in die innerhalb bee 

dliche Grube untereinunder geworferr liegen und da verweſen. Sol⸗ 
de in Kapellen verrottende alte Schriften follen dafür, wie bie Pfafe 
fen fagen, an andern Orten deſto ſchoͤner wieder entſtehen. 


Fach förmfiher Einweyhung werden folhe Kapellen nie 
weiter mir feyerlichene' Gögendienft befuche ; aber ein jeber in felbiger 
Gegend vorbepreifender oder im ber Naͤhe gelagerten Kalmuͤk haͤlt 
es: für eine fihmere Sünde , wenn er nicht bey der Zaza (mie ſolche 
Kapellen von ihnen insgenrein genannt zu werben pflegen.) feine Andacht, 
mie dreymaligem Niederfallen ımd dreymahl im Kreyß um die Kapelle 

rumgehend, verrichtet und als ein Opfer irgend: etwas von ſeinem 


17° 


% 


igenthuns hinterlaͤſt, wenn es auch nur ein Fetzen son feinen Kleb - 


dern ii. Mann finder Daher. innerhalb der Kapellen, auffer vielen 
Kleidertunpsg, auch wohl Amulete (Bu), Hoͤlzchen mie Pferbehar 
umwickelt, Pfeile, Kupfergelb ,„ u. bergl. Kaſaken pflegen 


ſelbige Daher zu durchſuchen und die genpferte Kupfermünzen. aus .' 


dem: Schutt zwi retten, welches: ben Kalmuͤcken ein groffes Aergerniß 
wu die Urſach iſt, warum Rn Kapdien in: ben: einſamſte 


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D I:E ur; Derieiner de cace wochen, daß ein erwachſner Menſch nicht leicht 
Fr keness Friecen Farm, | 


er > Die Mergolen verwahren die Thoͤnernen Kegel oder ſoge⸗ 
—— 2:3 m. hrentheils in kleinen, aus Holz, wie ein Nache. 
9“ vie, cf nie Pillen gezimmerten, und an der Suͤdſeite mie 


e:m Ferie tericl onen Kapellen, die fie Zundya ober auch Su 


bzrz2 nee, und Die ich in Der Eelenginfkifchen Gegend Hin und 
me erceriöen babe Die rtönernen Kegel find bald in einem 

a ef t:neräer befefiigte Bretter gelegt, und ein oder 
zer Ticere Öokcchilder nebft alerley alten Schriften, helfen bie 
LP 22 des Orts vermebren. Eine geringere Anlage dieſer Art 
EXC e:8 einem bicilen ‚ mit thönernen Kegeln gefüllten Kaften, 
Er zweien Bedeckunq allrien Erraudiwerf zufammen gem 
et. IS ar ven Mongelifhen Samen erhaltnen fchrifelichen 
ini, (eo Die Raja eigentlich aug neunerlen edlen Mineralien, 
» € &:®, Eike, rerkhicdnien Edelgeſteinen ‚ Perlen u. dergl. 
mins za Beil aber felten eine Dinfängliche Menge ſolcher 
Taeun cofssrebm feon würde ‚ fo hat mann den "Thon an die 

22 et, der aber doch, bey gewiſſen Geberen, mit irgend einer 
firmen Portion von obgedachtet edfen Dingen vermifche werden muß, 
Tat eben dicſer Nachricht werden zu einer vollftändigen Buncha wenig⸗ 
Kers Hondert Tauſend Regel erfordert. Die Zahl aber, bey der 
mn fiebden bleiben will, iſt übrigens willführlich und richtet 
nch dem Wermäögen bes Stifters, der ſich dadurch von Eünden 
beſteden und kuͤntiger Belchnungen fähig machen wi, 


— Eine nehe Verwandſchaft mie dicken Kapellen haben die fe 
— a Der I (Tangurchb LK) dem Wefen und der Ab 
se french, Eee werden Mauprfihläd un aehirgigten Gegenden dem 

Eat dir Very, Erde med under, oberwaͤhntem ** 


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8V rod e Ka Ne AN anch Nie von Erde oder Stebie 


Stuten Ne WVer Ocite gleich grwenhet And, 
Ns nd an Amalie uf Opfer binserlaffen zu ern 
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"der Schigemunianer. | 235 


Ebugenn (auch Daͤllekin fen, auf Tangutifh Bargann genannt)‘, Mongoli⸗ 
al8 eine Art von Tempel oder Opfer geweyhet. Die wolgifchen Kals ſche Obe- 
muͤcken, welche eine frene Gegend bewohnen und dieſen Gebürggeijk nen. 
nie nahe zu haben glauben , errichten auch dergleichen Obonen fels 
fen, wenigftens fieht man fie in ihren Steppen nirgend. Sie fönnen 
nur von vornehmen Geiftlihen und Fuͤrſten geftiftee werden, und 
find, wie mann aus der im Alphabeto Tybetano (p. 508. tab. 3. A.) 
ertheilen Nachricht und Abbildung fiehr, auch im Tybet uͤblich. Vermuth⸗ 

lich aber ift die Weranlaffung dazu aus einem ältern Aberglauben (vielleicht 

aus der Religion des äfteften auf den Gebürgen — Men- 
ſchenſtamms) in den Echigemunifchen übergegangen. Denn aud) bie 
Tungufen und andre Schamanifhe Heyden haben, fonberlih auf 
Hauptgebürgen, melde die Gewaͤſſer cheilen, ihre Obonen, bey 
welchen niemand vorüber reifee, ohne einen vorher aufgenommenn 
Stein ober Zweig, unter furgen Gebetsivorten, darauf zu werfen; 
damit , mie fte fagen., diefe heylige Gebürge niche abnehmen , fün« 
dern vielmehr wachfen mögen (*). Die noch heydniſche Buraͤten er. 
richten bergleichen Obonen auch in den Gegenden, wo fie im Some 
mer herum ziehen, zum Velten ihrer Heerden, gleihfam als Goͤcter⸗ 
hüten, um den Göttern Gelegenheit zu verfchaffen,, fich in ber Naͤhe 
ihrer Anbeter aufzuhalten und felbige zu beſchirmen. 


"Bey den Mongolen werden die Obonen aus zweyerley Urſa⸗ 
chen errichree: zu Kriegszeiten, um Gluͤk wieder die Feinde und 
Schug fürs fand zu erbitten ; dann, in bewohnten: Gegenden, um 
den Echuzgeift der Erde und Berge zu befänftigen, wenn Kranfhels 
ten unter dem Volf, Viehfeuchen, und andre Unfälle ihm zugefchries 
ben werden. Es wird für eine geheimnißvolle und ſchwere Sache 
gehalten ben rechten Ort zur Anlegung eines Obons zu. wählen, und 
nur wenige damen follen in diefer Conjecturalwiſſenſchaft recht geübe 
ſeyn. Vielleicht ſucht mann bierinn die Entſchuldigung, wenn. bag 
Mittel den vorgefezten Zwek verfehlt. Ueberhaupt fälle bey chnen 
die Wahl nicht ſowohl auf -befonders ‚wichtige oder Hohe, als viel 
mehr der Sage und Geftale nad) fonderbare Gebürge. So fand ich 
z. €. einen folchen Dbo auf einem fihmalen , felfigten nn 


0%) 6. im Dritten Theil meiner Xeiſe ©. 4. 2 





214 Feſttage und Feyerlichkeiten 


Buburgen Gegenden ber duͤrren Steppe ſuchen muß, und warum fie bie Oef 
od Kalın. nung derfelben fo enge machen, daß ein erwachfner Menſch nicht leiche 
Zaza hinein kriechen kann. | | 
Mongolis Die Mongolen verwahren die Thönernen Kegel oder ſoge⸗ 
ſche Suburs nannten Zaza mehrentheils in kleinen, aus Holz, wie ein Nacht 
08. haͤußchen, auf vier Pfälen gezimmerten, und an der Suͤdſeite mit 
einem Fenfter verfehenen Kapellen, die fie Zunche oder uh Sus 
burga nennen , und bie id) in der ESelenginffifhen Gegend bin und 
wieber angetroffen habe. Die tkönernen Kegel find bald in einen 
Kaften , bald auf innenher befeftigee Brerter gelegt, und ein oder 
mehrere thönerne Gögenbilder nebft allerley alten Echriften, helfen bie 
Heyligfeit des Orts vermehren, Eine geringere Anlage diefer Arf 
befteht aus einem bloſſen, mit thönernen Kegeln gefüllten Kaften, 
über welchen zur Bedeckung allerley Strauchwerk zufammen gemorfen 
wird. Nah einer von Mongolifhen Samen erhaltnen fehriftlichen 
Nachricht, follten die Zaza eigentlid; aus neunerley edlen Mineralien, 
.. & Gold, Eilber,, verſchiednen Edelgefteinen, Perlen u. vergl. 
derfertige werden. Weil aber felten eine binlänglihe Menge ſolcher 
Materien aufzutreiben fenn würde, fo hat mann den Thon an bie 
Stelle gefezt , der aber doc), bey gemiffen Geberen, mit irgend einer 
kleinen Portion von obgedadjtet edlen Dingen vermifchte werden muß, 
Nach eben diefer Nachricht werden zu einer vollftändigen Buncha wenig⸗ 
ftens Hunderte Taufend Regel erfordert. Die Zahl aber, bey ber 
mann ftehen bleiben will, ift übrigens willführlih und richter fich 
nach dem Vermögen des Stifters, der ſich daburh von Sünden 

befreyen und Fünjtiger Belohnungen fähig machen will. 


Monaoli- Eine nahe Verwandſchaft mie diefen Kapellen haben die ſo— 
(ie Dbonen genannten Obo (*) (Tangutiſch Ladſaͤ) dem Werfen und der Ab- 
ſicht nah. Sie werden hauptſaͤchlich in aebürgigten Gegenden dem 
Schuzgeiſt der Berge, Erde und Gewaͤſſer, oberwähntem en 

us 





(*) Obo bezeichnet bey den Mongolen auch die von Erde oder Stehie 
aufgeichürtete Sränzmäler, die von ihrer Seite gleich aewenbet ud, 
en Me angebetes und Kleinigkeiten al Opfer hinterlaſſen zu wer⸗ 








> 


der Schigemunisner. 215 


Ebugenn (auch Daͤllekin fen, auf Tangutiſch Bargann genannt), Mongelk 
als eine Urt von Tempel oder Opfer geweyhet. Die wolgifchen Kal⸗ ſche Obo⸗ 
müden , welche eine frene Gegend bervohnen und dieſen Gebürggeijk nen. 
nie nahe zu haben glauben, errichten auch dergleichen Obonen fels 
ten, menigftens ſieht man fie in ihren Steppen nirgend. Sie fönnen 
nur don vornehmen Geiftlihen und Fürften geftiftee werden, unb 
find, wie mann aus der im Alphabeto Tybetano (p. 508. tab. 3. A.) 
ertheifen Nachricht und Abbildung fiehr, auch im Tybee üblıd). ne 

lich aber iſt die Weranlaffung dazu aus einem älteren Aberglauben (vielleicht 

aus der Religion des älteften auf den Gebürgen — Men. 
fhenftamms ) in den Echigemunifchen übergegangen. Denn aud) bie 
Tungufen und andre Schamaniſche Henden haben, fonderlih auf 
Hauptgebürgen, melde die Gewaͤſſer heilen, ihre Obonen, bey 
welchen nienrand vorüber reife, ohne einen vorher aufgenommenn 
Stein ober Zweig, unter furzen Gebetsivorten , darauf zu werfen; 
damit, mie fie fagen., diefe heylige Gebürge niche abnehmen , ſon⸗ 
dern viefmehr wachfen mögen (*). Die noch heydniſche Buraͤten er. 
richten bergleihen Obonen auch in den Gegenden, wo fie im Som. 
mer herum ziehen, zum Velten ihrer Heerden, gleihfam als Götter. 
huͤtten, um den Göttern Gelegenheit zu verfchaffen,, ſich in ber Naͤhe 
ihree Anbeter aufzuhalten und felbige zu befchirmen, 


"Bey den Mongolen werden bie Obonen aus zweyerſey Urſa⸗ 
chen errichtet: zu Kriegszeiten, um Gluͤk wieder die Feinde und 
Schutz fürs Sand zu erbitten ; dann, in bemohnten: Gegenden, um 
den Echuzgeift ber Erde und Berge zu befänftigen, wenn Kranfhel- 
ten unter dem Wolf, Wiehfeuhen, und andre Unfälle ihm zugefchries 
den werden, Es wird für eine geheimnißvolle und ſchwere Sache. 
gehalten den rechten Ort zur Anlegung eines Dbons zu, wählen, und 
nur wenige Lamen follen in diefer Conjecturalwiſſenſchaft recht geübe _ 
fern. Vielleicht fucht mann bierinn die Entſchuldigung, wenn. dag 
Mittel den vorgefezten Zwek verfehlt. Ueberhaupt fälle bey thnen 
die Wahl nicht ſowohl auf beſonders wichtige oder Hohe, als. viel 
mehr der Sage und Geftale nad) fonderbare Gebürge. So fand ich 
> E. einen folchen Obo auf einem ſchmalen, felfigten Worgebirge 

— ur u, u Se zwie 


> 
5 4 X — — G 
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1%) S. im dritten Theil meiner Xeiſe ©. 45. 


| 
L 3 


216 Faſttage und Feyerlichteiten 


Mongoli⸗ zwiſchen den Fluͤſſen Chilok und Uda (*); und an dem ebmweit 

fe Obe⸗ Selenginſk gelegnen See Guſinoi oder Kuͤluͤn⸗Noor ſahe ih ſelbſt 

nem. dergleichen in den erſten Tagen des Inlius 1772. auf einer kleinen 
— des naheliegenden Gebuͤrges errichten (4); wozu vielleicht 
bie Ueberfhhwemmungen des Temuniffluffes, durch ben gegen dieſen 
See verurfachten Einbruch, und die Furcht vor ferneren Unglüfse 
fällen dieſer Art, Deranlaffung waren, Es war in diefer Abfiche 
zu bem am norblichen Ende des Sees angelegten Tempel (S. oben 
&. 148.) ein aufferordentliher Churrull oder Verſamlung der 
Geiſtlichkeit beruffen , welche den ganzen Tag mit den gemwönlidyen 
Gebeten und Ceremonien bes Goͤtzendienſtes, fomohl im Haupttempel, 
als oben in der Kapelle, unter lauter Muſik, zubrachten, wie es oben 
(©. 180. u. folg.) ſchon umftänblich Hbefchrieben worben iſt. De 
oberfte Lama bes Tempels hielt in feiner Wohnung, mie einigen ber 
äfteften Pfaffen , befondern Goͤtzendienſt, ertbeilte auch, fo wie im 
Tempel der Das Lama oder ven Vorſitz führende Gellong, allen Volk 
feinen Seegen. Die gemeinen Mongolen, die der Schrift fundig waren, 
befchäftigten fid) in ber Zwifchenzeit der drey Berftunden, in einem Hinter: 
gebäubeder Wohnung bes Lama, mit gemeinfchaftlichen Leſen einer auf die 
Gelegenheit paflenden , tangutiſchen Schrift. Der ganze Tog wurde 
als ein Faſt. und Bettag zugebracht. Am folgenden. Tage, wurde 
auf der von der Geiftlichfeie ermählten Höhe, Holz und Steine zu 
Errühtung: des- Obo zuſammen geführt, deſſen Einweyhung durch | 
eine muftfalifche Preregion der Cleriſey vollendet, und das Feſt durch 
ein Pferderennen und andre Freubensbezeugungen und Echmaufe 1 
reyen, beſchloſſen. 


Bey einem ſolchen Obo wird an ber Suͤdſeite, zwiſchen 
zwey Pfaͤlen, eine ſtarke Schnur ausgeſpannt, auf welcher mann 
eine Anzahl wohlgereinigter Schafsoſchulterblaͤtter anreyhet, und auf 
ſebige, auſſer einigen Gebetsformeln, den Tag und die Gelegenheit, 
am welchen ber Obo errichtet werden, und die Namen ber Geiftli 
hen , welche dazu: behülflich geweſen find, verzeichnee. Der Tag, 

an 








-S-im-Deisten Theil meiner. Reife S. 256. 
«t) Ebendaſ. S. 281. und oben S. 180. 


(bir Schigemunlaner; =" 


on welcher ein Obo errichtee wird, bleibe für die Uluß, welche da⸗ Mongoll 
tan Antheil nimt, auf Fünftige Zeiten ein Feſt, an welchem jährlidy ſche Obee 
ben dem Obo Gebete gehalten und frifhe Echulterblärter , mit Wer, nen. 
zeihnung der anwefenden Namen und anderer Umſtaͤnde hinterlaſſen 

werden. V | 





dweyter Theil U— Vierter 


— — — — — et 





— 


= = BYE — a, —— > 


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1 


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Vierter Abſchnitt. 


- Bon, der Lamaiſchen Zeitrehnung, damit ver- 
knuͤpften Aſtrologie und allen darauf ge- 


gründeten Ceremonien. und -abergläubt- 
| | hen Gebraͤuchen. 


4 





| 1 i 
Von der ben den mongoliſchen Voͤlkern eingefuͤhrten 
| Lamaiſchen Zeitrechnung. 


ic, “SG hie Mongolen und Kalmuͤcken twuften , dor ihrer Bekehrung 
—— D zum tybetaniſchen Aberglauben, von Zeitrechnung und Zeitein= 
der mongol.theilung nichts mehr, als etwan noch izt die heydniſchen Buraͤten. 
Voͤlker. Sie benannten die Monate nad) auffallenden Naturbegebenheiten (*) 
und 





(*) Dieſe alte Benennungen giebt Witſen (Noord en Ooſt Totarye 
Edit. II. S. 69. und 697.) an; womit man bie noch uͤbliche Buraͤ⸗ 
sifchen in Georgi Reifen ©. 298. u. folg. vergleichen Fan. - 





Lamaiſche Chronologie. | 21 


und richteten ſich bey deren Eintheilung nach dem Lauf bes Mondes, Lamaiſche 
Schon feit undenklihen Zeiten waren fie an eine zmölfjärige Periode Chronolge 
gewöhnt, deren Jahre fie nach zwölf Thieren, in der noch izt uͤbli⸗ 81% 
chen, feſtgeſezten Ordnung, benannten, Gegenmärtig bedienen fie 

fid) völlig der, vermurhlih mit dem Schigemunifhen Aberglauben , 

aus Indien nad) Tybet, Sina und Japan gebrachten Zeiteintheilung 

und fechzigjärigen Periode. Allein von der noch überdies bey den 
Tanguten üblichen gröffern Periode- von 252 jahren :(*) babe ich 

ben den mongolifchen - und Kalmücdifchen Kalender » Verjtändigen 
(Suruchaitſchi) Feine Epur gefunden. | | 


Die Geremoniell-Gehräuhe der Echigemunianer erfordern 
eine genaue Zeitbeftimmung und find mit ihrem Chronologiſchen Sy⸗ 
ftem- fo ſehr verkettet, daß deſſen Aufrechterhaltung ein Hauptaugen⸗ 
merf der Seiftlichfeie feyn muß. Daher haben einige unter ihnen 
Fein ander Gefihäfe, als bloß die Beobachtung und Erhaltung des 
Galenders (Dſuruchai oder Surchai) und find, als fehr wichtige 
Gelehrte, in allgemeinem Anfehn , meil nad) dem Volksglauben das 
zeieliche und ewige Heyl der Menfchen von ihrer Litta oder Aftros 
nomie abhänge, Ihre ganze Weißheit laͤſt fih fünlih in zwey Zagan und 
Haupttheile abfondern,, die fie auch felbft mit den Benennungen "das Chara⸗ 
gan⸗Surchai und Charra-Surchai (meiffer und ſchwarzer Calen⸗Surchai. 
der ) unterfcheiden. — Der Zagan Surchai begreift eigentlich Die 
aftrenomifchen Grundregeln ihrer Zeiteintheilung in fih; im Charra 
Surchai aber wird das Spftem der Aftrofogie und alle fid) Darauf 
beziehende Vorfchiften gelehrt, nad) welchen gluͤkliche und unglüffiche 
Tage, geiftliche und abergläubifche Worfehrungen bey Geburthen, 
Verheyrathung, Krankheiten, Sterbefällen, und bey allen wichtigen 
Borfällen des $ebens beſtimt, ja auch zufünftige Dinge, durch ges 
wiffe Combinationstafeln, erforſcht werden follen, j 


Der Tag wird bey den Mongolen und Kalmuͤcken in zwölf Zak giugnei, 
oder Stunden, und in eben fo viele.die Nacht eingetheilt. Fedesyung dei 
Zak theilen-die Surchaitfehi in fechzig Muͤhze, wie die Chinefer , Tages. 
- Sndianer , und auch wir Europder die Stunden, > 
Cc2 Ihre 





(*) Bon ſelbiger kaun des P. Beorgi Alphabetum Tybetan. p. 464. bis 
469. nachgeleſen werden, u — | 


Eintbei⸗ 


Ne : 


220 | Lamaiſche Chronologie 
Ihre Monate rechnen fie genau nach dem Lauf des Mondes 


. Inng der und fangen felbige mit dem neuen Sicht, folglidy anders als die Mo- 


Sonate, 


8 


gendergeſtalt: 


hamedaner, an. Zwölf Monden werden auf ein gemeines Jahr 
gerechnet, und mit den zwoͤlf, auch in der tatariſchen Zeitrechnung 
uͤblichen Thiernahmen belegt, die ich hier, auf mongoliſch und tan⸗ 
gutiſch, in der gewoͤhnlichen Ordnung herſetzen will. 


Mongoliſch: 5 Tangutiſch: 
a” Schuwa oder Wſchiwyloh (*) — Maus. 


Ukiyr — Lan oder Glanggiloh — Ochs. 
Dars — Die oder Shagglop — Tnger. 
Toolai — Wi oder Jolwyloh — Steppenhaſe 
Lu — Buruk oder Wruggiloh — Drache. 
Nogoi — Burul oder Swrul'loh — Schlange. 


oder Rta'loh — Pferd. 
Choin — Luk oder Luggiloh — Schaaf. 
Metſchin — Bruͤ oder Sbrylgilohd — Affe, 
Takia — Shaa oder Wſchyloh — Hahn. 
oh — Tſchi oder Kſchyiloh — Hund. 
Gachai — pak oder Paggiloh — Sowein. 


Mit dieſen Thiernahmen werden nicht nur die Monate, ſon⸗ 
dern auch Dodekaden von Tagen und, wie weiterhin erhellen wird, 
auch Dodekaden von Jahren, nach der Reyhe bezeichnet. Auſſer 
dieſer Zählung gezwoͤlfter Tage haben die Mongolen auch bie Ein- 
theilung der Monden in Wochen von fieben Tagen, und benennen 
biefe, wie die Indianer, nad) den fieben Planeten ( Barrak ), fols 


Mongolifchs Tangutiſch: Enetkaͤk: | 
Naran — Nima — Adejſa — Sonne. 
Sſar — Daua — Son — Mond. 


Ulan⸗niduͤn Ankirak od. 
Roth⸗ auge — Witwar u — Mars. 
Ulemt⸗ 





- (*) Der zweyten Tangutiſchen Benennung iſt dad Wort: ange⸗ 
haͤngt 3. E. Wſchiwyloh, Maͤuſejahr u. ſ. ſ. ———— 


— 


⸗ 


und Aſftrologie. aa⸗ 


Ulemtſchin — Chlakba — Bot — Merkur. Einthei⸗ 
Gaddaſun — Purbu — Bargasbadi — Jupiter. lung der, 
Baſſang — Selmenn — Sukeree — Venus. Monate, 
Baͤmbaͤ — Zuufe — Oſſainzarr — Saturn, 


Die Monate werden, auſſer obigen Thiernahmen, auch noch Benennun⸗ 
nach den vier Jahreszeiten benannt. Demnach heiſt der erſte Win⸗gen der 
termonat woͤrtlich Oeboͤllien⸗ terſoͤn⸗Sſaraà auf welchen bey den Monden. 
Oeloͤten der Name Uckyr aus dem Thierkreiß angewendet wird; der 
mitlere, Oeboͤllien⸗ vundu⸗Sſara; der dritte oder- lezte, Oebél⸗ — 
lien⸗ſuel/Sſara. Die Frülings:monden werden Chaburrien⸗terſjoͤn 
(erfter ), dundu (mitlerer ) .und füel-Sfara (der legte); die 
Sommermonate Suͤhni⸗terſjoͤn, dundu und füel-Sfara; die 
Herbftmonden YIamurriensterjön , dundu und ſuͤel⸗Sſara bee 
nannte, Der lezte Wintermonat fängt allemahl mit dem Tage Bars 
und der nächfte mit Metſchin an; und dieſe beyde Thiernahmen 
wechfeln für die erften Tage aller folgenden Monat ab oder find, 
wid fich der Samaifche Kalender ausbrüft, Regenten ihrer Monate, 

Die Thiernahmen werden bey den Oeloͤten nad) der Reyhe von 
Uckyr an genommen, bergeflat, daß Chullugunah auf den lezten 
Herbfimonat fälle. . Hingegen rechnen bie Mongolen den. Monat, 
da die Sonne in den Steinbof trit und den die Kalmüden Bars nens 
nen , für Chulluguna und zählen nach ber Reyhe fort, fo daß 
alle ihre Monate andre Benennungen, als bey den Dehlöt bekommen. 


£ 1 


Ä Noch werden die Monate, in welchen die im vorigen Abe 
Ahniete befchriebne drey vorzüglichite Feſte einfallen, nach felbigen - 
benannt, Die-Kalmüden nennen alfo ihren Uckyr mond, und bie 
Mongolen ihren Gachai⸗mond, aud) nad) dem Lampenfeſt Sulles 
Sfara ; der erſte Frülingsnionat (mongol, Bars, Kalm, Lu) 
wird auch Zagan⸗Dſara, nad) dem Feſte diefes Namens, und der 
erfte Sommermonat , nach dem Urrüßfeft, Uerruͤß⸗Sſara genannt, 


Wegen. bes: Sahressanfangs find weder die Mongolen mis Anfang des. 
den Kalmuͤcken, noch auch die verfhyiebnen. Ealender mit einander Jahres 
einftimmig. Folgendes ift, fo viel ich Hierüber mie Zuverlaͤßigkeit J 
babe erfahren koͤnnen. Die Kalmuͤcken zaͤhlen ihren Jahres⸗ anfang 
und auch ihre Lebensjahre, bloß > beſondrer Ehrfurcht gegen den 

— 803 in 


8 


Po Lamaiſche Chronologi 


Anfang des in der Gegend des Koko⸗Noor aus Oehloͤtiſchem Geſchlecht vorgeb⸗ 


Jahres. 


lich entſproßnen Sonchaba⸗-Burchan, allemahl von ihrem Uckyr⸗ 
mond an, als in welchem das dieſem Heyligen zugedachte Sulla 
oder Lampenfeſt, am vier und zwanzigſten Tage in der Nacht, zu feyern 
feſtgeſezt iſt. Fuͤr die Aſtrologie wird dieſes Neujahr nicht angenommen, 
ſondern der auf den Sulla⸗Sara folgende vierte Neumond oder Lu 
für den Jahresregenten geſchaͤt. Dieſer Lu⸗monat iſt ben den 
Mongolen Bars und wird von dieſen in aſtrologiſchen Geſchaͤften ſo⸗ 
wohl, als im gemeinen Leben fuͤr den Neujahrsmond geachtet, ſo 
wie er auch erſter Fruͤligsmond iſt und ihre Lebensjahre zu zaͤhlen 
dient. 


Nach dem alten Aenaͤtkaͤiſchen aftronomifchen Kalender war 
ollemahi der Neumond, in welchem die-Sonne in das Zeichen bes 
Steinboks (Matter ) triet, der Anfang oder Regent des Jahres 
und zugleich des Winters , und befömt eben nach dem Mongolifchen 
alten Kalender den Namen Bars. m aftrologifchen Kalender oder 
Charra⸗Surchai wird eben diefer Neumond Chullugung genannt 


“und alfo beym Cyclo der mit den Elementen verglichnen zwölf Jarre, 


Rom 
Schaltmo— 
nat und 
Schalt⸗ 
tagen. 


wovon gleich ein mehreres geſagt werden wird, allemahl Chullugunà 
voran geſezt. — Nach einem neuern in Aenetkek und Tybet verbeſſer⸗ 
ten Kalender iſt nachmahls der Anfang der Jahre auf das Fruͤlings⸗ 


Aequinox verlegte, ‚und der Meumond, ba die Sonne in den Wid 


der tritt, alfo nah der Mongolifhen Benennungsart Mogoi, 
für den SJahressregenten erkläre worden. 


Der Anfang des Jahres mag fallen, auf welhen Tag bes 
Monats es fen, fo gehe doc die Tageszahl deflelbigen Mondes 
ihren gewöhnlichen Gang fort. Um aber den $auf der Sonne und 
des Mondes in Gleichung zu bringen, wird, nach dem mongolifcher 
Ealender, jebes dritte Jahr (2) ein voller Mond von dreyßig Ta⸗ 
gen, zwifchen den vier- und fünf und dreyßigſten Mond der drey⸗ 
järigen Periode eingefchalter,, fo daß jede folhe Periode fieben und 
dreyßig Monden bekoͤmt. In einem ſolchen Schaltmonat me 

Ä nd 





(*) Nach Bayer (im Muſeo Sinico ) ſchalten die Chinefer abwechſelnd, 
einmahl ‘im dritten und einmahl im zweyten Jahr, den drepzehn⸗ 
sen Mond ein. 





. 


und Aſtrologie. 222 


naͤchſt vorhetgehenden Mondes Benennung und Tagesnahmen Vom 
wiederhohlt, und die Matzaks oder Faſttage und Gohzäͤ oder un⸗Behaltmo⸗ 
gluͤklichen Tage vollkommen eben fo beobachtet. Weil aber durch nat und 
dieſe Einſchaltung eines vollen Mondes wieder auf der andern Seite Schaltta⸗ 
zu Unordnungen Anlaß gegeben wird, fo wiſſen ſich die Kalmuͤcki⸗ gen. 

ſchen Succhsitfchi nicht anders zu helfen, als daß fie, ohne eine 

fefte Regel dazu angeben zu Pönnen, bey einigen Monden Tage zus 

feßen,, bey andern abnehmen ; und nad) ihrer Anzeige wird jedes« 

mahl dem Volk befannt gemacht, weicher Monat einen Schalttag 


Melluͤkſen) befommen , und meldyer einen Tag verlieren "fol, der 


Taſſurchai genannt wird. Bey den entwichnen Chaniſchen Torgo« 
ten fol n die gelehrteren Aftrologen bierinn nad) gemwiffen Vorſchrif⸗ 
ten gehandelt haben, die aber denen noch izt an der Wolga wohnen“ 
den Kalmuͤcken fehlen, deren Kalenderverjtändige ſich alfo begnügen, 
wenn fie nur alle drey Jahre ihre Mondenrechnung mit dem Sonnen. 
lauf einiger maffen in UÜbereinftimmung bringen koͤnnen. Ich weiß 
aus einem DBenfpiel, daß einmahl in einem Monat zugleicd) zwey 
Taſſurchai ( auszulaffende Tage) und ein Ulluͤkſen ( Schaltrag ) 
angezeigte worden, und habe den Grund dieſes fcheinbaren Wieder⸗ 
ſpruchs nicht erfahren koͤnnen. 


J Die Zahlung. und aſtrologiſche Beſtimmung der Jahre ge Jahrrech⸗ 
ſchieht bey allen mongoliſchen Voͤlkern nad) einem zuſammengeſezten ung dev 
Enclus. Mann zähle nehmlich erftlih die Jahre in Dodecaden, und Famaiten. 
befege fie mit den obangefuͤhrten zwölf Thiernahmen, welche die 
Monate und Tage zu bezeichnen dienen. Den gezwölften, mit diefen 
Thiernahmen belegten Jahren werden ferner die fünf Elemente der 
Tangutifhen und Mongolifchen Weltweifen oder Tabun:YMachas 
mat (fünf Körperliche Beſtandtheile) nehmlich Ball (Feuer), 
Schorroͤ (Erde), -Tümmer (Eifen), Uſſun (Waſſer) und 
Modon (Holz) alſo zugezählet, daß je zmen Jahre nad) einander 
einerley Elementen-nabmen befommen ,; deren das eine für männlid) 
(Arrä ), das andre für weiblih (Aemmä) geachter wird, Weil 
nun die verdoppelten Elementennahmen nur bis auf zehn reichen, fo 
befome die nächfte und_alle folgende Dodecaden von Jahren, immer 
andre Elementen.nahmen , bis die Elementen.nahmen fehsmahl dops 
pele durchgezähfe find, da fi) die Mamen wieder eben fo, wie in 
der erften Dodecade fügen; und auf biefe Arc entſteht die Periode 

von. 


* 


m Kamalfche Chronolonie 
Rahrrech. von fechzig Jahren (Dſhiran⸗Dſhill) auch Dfbiran 
nung F (ſechzig Farben) genannt, oder die Tybetaniſch⸗ mongoliſche Olym⸗ 
piade, nach welcher die Jahre in ihren Geſchichtsbuͤchern benannt, 
und von den Aſtrologen beurtheilt werden. Zum Benfpiel und u 


mehrerer Deutlichfeie will id bier von eince ſolchen ſechgiglariger 
Periode die Mongoliſchen Benennungen herſetzen: 


1754 1764. 
Herd” “ edbon⸗ Aerraͤ⸗ — Aerraͤ⸗ Mobon⸗ 


. Ebulluguns. en 
1745, 1765. 
Aemmaͤ⸗Modon⸗ Yes Moden Aemmaͤ. Modon⸗ 
Ukker. Gachai. Taktka! 
1746. 1756. 1766, 
Aerraͤ⸗ Gall. Kerrä. Gall⸗ Aerrd: Galle 
Dass. (hulluguna. Nochoi. 
| 1747. : 1757. 1767. 
Aemmä ⸗ Gall⸗ Aemmaͤ Gall⸗ Aemmaͤ « Halle 
Coolaͤ. Ukker. Gachai. 
1748. 1758. 1768. 
Aerraͤ⸗Schorro⸗ Aerraͤ⸗Schorro- Aerraͤ⸗Schorro⸗ 
Lu. Bars. Chulluguna. 
1749. 1759. 17600. 
Aemmaͤ⸗Schorro- Aemmaͤ⸗Schorro. Aemme⸗Schorro. 
— Toolai. Urker. 
1760. 1770. 
Aerr Timer. Kerl. — Arraͤ⸗Tuͤmmer⸗ 
— Lu. Bars. 
1701. 1771. 
— Aemmä-Tümmers Aemmaͤ⸗Tuͤmmer⸗ 
Choin. Mogoi. Coolai. 
1752. 1762. 1772. 
Aerraͤ⸗ Uſſun⸗ Aerraͤ⸗Uſſun⸗ Kerr uſſun⸗ 
— — un 
Kmme, Ufun Kmmi. Ufune Ami. Ufune 
Takka. Choin. Mogoi. 


—* 











\ 


1774 ' 
Aerraͤ⸗Modon⸗ 
Morin. 


75. 
Aemmaͤ⸗Modon—⸗ 
Choin. 
1776. 
Aerraͤ⸗Gall⸗ 
Metſchin. 
1777. 
Aemmaͤ⸗Gall⸗ 
Takka. 


I 


778. l 23 
Aerraͤ⸗Schorro⸗ 


Nochoi. 
1776. N 


Aemind - Schorro⸗ 
i G 


1780. 
Aerraͤ⸗Tuͤmmer⸗ 
Chulluguna. 
, mr. 
Aemmaͤ⸗ Tümmer: 
Ukker. 

1782. 
Aerra » Uffuns 
Dars, 

1783. 
Aemmaͤ⸗Uſſun⸗ 
Toolai. 


u Aemmaͤ ⸗ Gall⸗ | 


und Aſtrologie. 


BR.r /. 5 
Merrd 7 Modon. 
CLu. 
MB. 
Aemmaͤ⸗Modon⸗ 
. Wogoi. 
1786 Dh, "ers 


Aerrã »Galls 


Njorin. 
1787. 


Choin. 
1788. 
Aerraͤ⸗Schorro⸗ 
Metſchin. 
1789. 
Aemmaͤ⸗Schorro⸗ 
CTakka. 
1700. 
Aerraͤ⸗ Tummer- 
Nochoi. 

1701. 
Aemmaͤ⸗ Tümmer- 
Gachai. 

11792. 
Aerraͤ ⸗ Uſſun⸗ 
Chulluguna. 


1793. 
Aemmaͤ Uſſun⸗ 
Ukker. 


v⸗ 


925 
1794 
Aerraͤ⸗Modon⸗ 
Bars. 


Jahrrech⸗ 
unng der 
Yamaiten. 
. 70° 
Aemmä N Modon. 

Toolai. 

r1796» 
Aerraͤ⸗Gall⸗ 
Lu. 


1797. 


Aemunaͤ Gall⸗ 


WMogoi. 


1798. 
Aerraͤ⸗Schorro⸗ 


Morin. 
1799. 
Aemmaͤ⸗Schorro⸗ 
Choin. 
1900. 
Aerraͤ⸗Tuͤmmer⸗ 
Wierfchin. 
I80I. 
Aemmaͤ⸗ Tuͤmmer⸗ 


80» . 
Aerrä - Uffuns 
Nochoi. 


1803. 
Aemmaͤ⸗ Uſſun⸗ 
Gachai. u.f. von vorn. 


Eine folhe fechjigjährige Periode nimt allemahl mit dem Regierung 
Jahrs⸗Regenten Chullugunah den. Anfang. Ein jedes Jahr einer der Zeiten. 
Dodecabe hat zum Schuzpatron einen der zwölf Jahrsregenten, die 


als Tänggri oder Geifter mit ſolchen Thierföpfen, wie ihre 


Namen 


ausdrücken, vorgeftelle werden. Alle zwölf Jahr alfo tritt der nehm⸗ 
liche Jahrsregent, allein, fo fange eine ſech en Deriode dau⸗ 
ert, immer mit einem andern Element ober 


Öwepter Theil, 


DR... 


achmüt vereinbart, 


wieder 


1] ⸗ 
— —R 


226 Lamaiſche Chronologie 


Regierung wiederum an. — Auf eben die Weiſe regieren dieſe Thiernahmen, 

der Zeiten. mit denen fünf Elementen vereinbaret, die ſechzig Monate einer fuͤnf⸗ 

järigen Periode. Die dreyßig Tage eines ‚Monats, welche, mie 

ſchon erwähnt ‚worden, abmechfelnb von Darf und Metſchin, de» 

ren jtder fechs Tage unter fi hat, regiert werden, machen in zwölf 

Monaten ebenfalls fechzig Zeiten, über melche bie fünf Elemente nad) 

der bey den jahren feſtgeſezten Ordnung ihren Einfluß’ äuffern follen. 

Ehen die Bewandniß hat es mit ben zweymahl zwölf Stunden des 
\ Tages, welche in einem Monat ober dreyßig Tagen , fechzig zmölfs 
flündige Zeiten, auf eben-die Art von den ı Thieren und Elementen 

regiert, darſtellen. Ja auch die Stunden und deren fechzig Zak (*) ober 

Minuten, und fogar die Sefunden der Minuten, werden nach aſtro⸗ 

logifchen Regeln den Elementen und Thierköpfigeen Regenten . untere 

geben; | ur . 

Unterein⸗ Zu eine bequemen Unterabtheilung der Sechzigjaͤrigen Periode und 
theilung der Verbindung einer Periode mit der andern, auch daneben zu aſtrologiſchen 
ng Berechnungen dienet, daß erftlich jedem Element, womit die jahre be- 
giobe, nannt find, zwoͤlf aufeinander folgende — zugerechnet und das naͤchſt⸗ 
folgende dreyzehnte Jahr das Kind (Koͤboͤn) deſſelben Elements genannt 

wird. So ift z. B. in der oben verzeichneten Periode, Ball ( 1756. ) ber 

Sohn (**) von Modon (1744.) ; der Sohn von Gall, Schorroi (1798.)5 

a der Sohn von Schorrei, Tümmer ( 1760.) ; der Sohn von Tümmer, 
Uſſun (1762. ); der Sohn von Uffun, Modon (1764. ) Ferner 

wird von einem jeden Element das fünf und zwanzigſte Jahr bie 

Beute (Olſo) genannt. So ift'von Mobon ( 1744.) die Beute 
Schorroi ( 1768.) mit feinen zwölf Jahren; von Schorroi die 
Beute, Uſſun; von Ufun die Beure,. Ball; von Gall die Beu⸗ 

= te, Thmmer ; von Zümmer bie Beute, Modon. Kerner wird 
. Das 


\ 





(*) In einem Indinnöfihen. Kalender, Kurdu⸗JFakgun; Sudur, wovon 
ich einen Theil and bem -Mongolifchen babe überfegen laſſen, wird 
der Tag nebft der Nacht in ſechzig Mubze, und ein Mubze in 
24 Minuten, getheilt ;. welche Abweichung ich oben bey der Lamai⸗ 

hen Zeiteinteilung anzuführen vergeffen habe. 

 (**) Auf mongolifch ‚wird dies alſo ausgedrukt: Modoni Rdbdn Ball; 
Gallin K. Schorrot; Schorroin K. Tümmer; Töommerien 
3. Ufun; Uſſuni K. Modon. —— 





und Aſtrologie. 227 


das fieben und dreißigſte Jahr immer der Feind (Daiſſun) eines unterein⸗ j 
Elements genannt. So ift der Feind von Modon (1744.), Tümzs theilungder 
mer (1780. ); der Feind von Tuͤnmer, Ball; der Feind von Ball, S:bsigid- 
Ufun ; der Feind von Uſſun, Schorroi; der Feind von Schurro, se Des 
Modon. Endlich wird das neun und vierzigfte Fahr die Murter une 
(Aecke), nehmlid in Beziehung auf die zwölf Jahre darnach neu 
angehende Prriode, genannt: Uſſun ( 1792. ) ift demnah die Murrer 
von Modon (1804); von Uffun ift die Mutter Cuͤmmer, von 
Zümmer , Schorroi , von Schorroi, Ball, von Gall, Modon. 
Diefe Benennungen werden folgendermaſſin figürlic erfläre: WIoogn - 
(Holz) it der Vater von Ball-machmür ( Feuer element ), weil 
mann mit Holz, Feuer hervorbringen kann. Schorroi ( Erde) iſt 
der Sohn von Ball, meil das Feuer, Afche hervorbringe ; Tummer 
(en) der Sohn von Schorroi, weil es aus ber Erde entſteht; 
fun ( Waffer ) der Sohn von Tuͤmmer, weil Eifen, Feuchtigkeiten 
famtet; Modon (Holz) der Sohn von Ufun, meil das Waffer 
die Gewaͤchſe näher. ‚Weiter ift Erde Die Beute (Olſo) von Holz, 
weil lezteres fih zu Erde auflöft; Wafler die Beute von Erde, 
weil es davon eingefauge wird; Feuer die Beute von Waſſer, weil 
es Davon erlöfcht ; Eifen die Beute von Feuer, weil es darinn era 
weicht und verzehrt wird; und. Holz wiederum die Beute von Eifen, 
weil die Bäume mit dem Beil gefällt werben... Aus eben dieſen 
oder ähnlichen Urſachen ift Eifen der Feind (Daiffun) von Holz; 
Feuer der Feind von Eifen, Erde von Wafler, und Holz von Erbe, 
Auch ift aus dem vorigen Örund klar, warum Waſſer die Mutter 
yon Holz, Eiſen die Muster von Waſſer, Erde die Mutter von 
Erde, und Holz die Mutter. von Feuer genannt wird. 


Auffer dieſem Miteel und einer für. längere. Zeirrechnungen 
gebräuchlichen, verboppelten Periode von hundert und zmanzig Jahren, 
haben Die Mongolifhen und Kallmüdifhen Gefihichtichreiber, zu 
Zählung verfloffener Zeiten, in Ermanglung einer fortlaufenden Jah⸗ 
reszabl , Fein andres Huͤlfsmittel, ale die Regicrungsſolge ihrer 
Fäͤrſten und die Epochen ihrer gröften Regenten, woran fie fi) 
mit mögfichfter Genauigkeit zu halten ſuchen. , 


STEEHIRT |. 
en | 


D»da ; II. 


228 £ Samaifche Aſtrologie. | 
0000000000000000008 


IE 


I 


Etwas von de, Lomaifgen Aſtrologie 


uͤberhaupt. 


8 Yie Erfindung der Lamaiſchen Aſtrologie wird dem Stifter die 
| fer Goͤtzenkehre Schigemuni, fo nie Die urfprünglice In⸗ 
dianiſche Aſtronomie und Cgalendereinrichtung dem Goötzen Manſu⸗ 
ſchari, zugeſchrieben. Leztere wird daher auch Gada Kduh⸗Sur. 
chat die vorzeitige Kalender-Weißheit )„ jene gber3 otogaduh⸗ 
Surchai (die neizeitige ) genannt. 


Akeologe ° Die Grundlage ber ganzen ſehr mweirfäufrigen‘ und verwickelten 
febe Schild- Aflrofogie der Samen beruhen: hauptſaͤchtich auf dem Syſtem beten, 
Erste oder Aber der groſſen, das "Welrgebäude tragenden, goldnen ESthildkroͤte 
Grunde  ®) :perrheilten Yahrs:und Monatsregenten, Clemente, Planeten, 
Epitem. Zodiafalgeftirne und andrer Einflüffe: Dieſes deutlich zu machen, wird 
die Geftale: einer- queruͤber mit dem Pfeil des Manfufchari durch⸗ 
fboffenen, auf Dem Ruͤcken liegenden Sthiſdkroͤte abgeblldet. Oſten 

€ Orgochoisdh ) "wovon man zur zählen Anfänge, wird auf ben 
gefiederterr Theil des Pfeits zum rechter der - Ehildräte geſezt, mo 

- von dem vier groffen Welttheilen Uluümtſchi⸗Biſjetu⸗Tip zu liegen 
komt. Auf den: Kopf der Schildkroͤte wird Süden ( Barsomdı) 

und unfer Welteheil Sumbutip; auf das Eifen des. Pfeile. Welten 
(Schinggekoisdn.) und der Welttheil Ucker⸗Edlektſchi⸗tip; end— 

lich anf den Schwanz der Schildkroͤte Norden Soon du) und Die 

Welt Moo⸗dootu⸗Tip geftelle. — Die fünf Machmuͤt, wel-e in Ta 

bellen mie Tasgucifhen Buchſtaben und den. fünf Hauprfarben auf 
gebräfe zur werden pflegen, verfkeile mann alfü, daß im Ofen, 

a auf das Holz des: Pfeils, Modun Machmut, (Holz- eleme pi \ 


7 4 





2» 


8 
word EG ı.n 


n 
Suͤden, 


ie Fabel won. dieſer Schildkroͤte iſt oben ©. 21. ſchon augefuͤhrt 
un. ee m 








— — — —— —— —— çüñ—— —t — 


m 


Camaiſche Aſtrologie. — 


Giben — auf den Kopf der Schildkroͤte Ball (Feuer), In Weſten Aſtrologle⸗ 


( Erbe } wird ſowohl auf den Mittelpunkt (Dundu⸗du) der Schild⸗ 
kroͤte, wo ber Suͤmmer⸗oola zu ſtehn komt, als auch auf die vier 
Pfoten vertheilt und dieſe machen zugleich die vier Zwiſchenwinde 


der vier Weltgegenden, nehmlich die rechte Vorderpfote Orgochois⸗ 


Baroon⸗du ( Süboft ), die linke Baroon⸗Schinggekoi⸗du (Suͤd⸗ 


weſt), die linke Hinterpfote Schinggekoi⸗Soon⸗du (Nordweſt); 


die rechte Soon-orgochoi⸗du (Nordoſt }. Durch \die vier Haupt. 
und vier Zwiſchen⸗winde enrftehen Die ache Gegenden ( ( Naiman⸗Suͤg) 
auf welche ache Mobificationen (YIeiman-Soori-Rüllil) verlege 
— Dieſe find, ihren Benennungen "ab Vertheilung nach, 
olgende: ” 


Tangutiſch Mongoliſch J 
für » » Moden ⸗⸗Holz komt auf Ofen zu ſtehn. 
—7 oſt 


„ 
' Spoon. » Rieoder Sellin ut - -- 5 
| ⸗ all — Feuer P 


| 0m Weſten » 
Rän ⸗ Oktorgoi 7 Himmel s s Nordweſt 0 


Bin » 3 Bol =» Nordoſt. 


Ferner werden die neun Maͤnggaͤ, das iſt Farben oder Tem⸗ 
peramente, ebenfalls auf die acht Suͤgg und ben Mittelpunkt der 
Schildkroͤte verrheil.. Sie werben in drey Claſſen unterfchieden 
nehmlich · Aimini⸗Moaͤnggaͤ ( des Lebens), Biſjani⸗ M. ( bes: Köre 
pers) und Erkaͤtaͤni⸗ Nj. (der Sinnen). Sie werden in aſtrolo⸗ 
giſchen Tabellen unter illuminirten Ziffern vorgeſtellt, 1. weiß, 2. 
ſchwarz, 3. blau, 4. gruͤn, 5. gelb, 6. weiß, 7. reth, 8. wiederum 
weiß und 9 roth. 


Naͤchſt dieſem bekommen die ſieben Planeten (Dollon Gar⸗ 
ta’ deren Benennung oben ſchon mitgetheilt -ift, beſtimte Plaͤtze, 


und, zwar fo, daß. einer zwmey Suͤg oder Gegenden zu regieren befömt. - 
Sie ſtehen, in. Abfiche ihrer Negierung „mit den Geſtirnen — 


- 


auf die Spitze des Pfeils Tuͤmmer ( Eifen), und in Morden, auf ſches Sy 
den Schwanz der Schitdfröte, Uſſun ( Wafler) komt. Schorroi ſtem. 


* 





230 Lamaiſche Aſtrologie. 


—— des Zodiaks in Beziehung, welche ebenfalls auf die acht Suͤg vor ' 
\ k Sy sheilt werden. Es find diefer Oddon eigentlich acht und zwanzig (*)- 
Wa zwey aber werden, mad) einer mir unbefannten Regel, unter einer 
Nummer gezählt, und alle fo vertheilt, Daß auf jede der vier Haupt⸗ 
gegenden beren vier, auf jede Zwifchengegend aber, als ED. SW. 
MO. und NW. drey zu ſtehn kommen. Die mongolifhe und zum 
Theil auch tangutifche Benennungen dieſer 27 Zodiafgeftiene find ın 
der Ordnung, wie fie der Kalmuͤckiſche Kalender angieht und mit 
Benfügung der ihnen zugefchriebnen Temperamente oder elementari⸗ 
ſchen Eigenfchaften folgende : 


2. Mötfchin, Gal. 18. Dallabtſchi, Uffun. 

3. Uerguͤldſchi, Schotte, 19. Uridu Uſſun, Uſſun. 
4. Terregin, Kie. 20, Choittu Uſſun, Schorroi. 
5. —2 21. Dſchibſchin, — 


6. Urdu IJlagukſen, Kie. zı. Rabdſchin, Schorroi. 
7. — Saguen , Rie. 22. Urdu Dfehiddhr, Schorroi. 


8. Gagak, Üſſun.“ 23. Choittu Dſchuͤdduͤr, Uſſun. 
10. zu Sht8, Sa. 2. — — Uſſun. uß 
11. Charzaga, Kie. 26. Oktorgoin Ongozo, (1) Uſſun. 
22. Gallien Daͤllaͤ, Kie. o. Schiddam, PR re 
13. Ebaprur, Kie. 1. Barni „Gal. 


14. Szarrai, Kie. 
ss. Szagga, Bal. | 
16. Barrien Churgun, Schorroi, 
7. Goor, Schorroi. * 
€ 





(*) Die Indianiſche Aſtronomie eheilt au.ler den zwölf Zeichen des Zo⸗ 
diatd, die fie mit und gemem bar, ıclbigen durch 27 Geftirne in 
noch kleinere Theile ©. Le Gentil extrait d’un Memoire fur. PInde 
Journ. des Sgav. 177°. Abut p 72. x4. u. folg. Die Ehinefer aber 
theilen Die zwoͤlf Zeichen des Thierkrepſes in vier u. zwanzig halbe 

und jede Halfte in funfgehn Grabe. 

(+) Diefe Benenuung will fo viel fagen, als Himmelsſchif; davon ſon 
eine der Arche Noah fait aͤhnliche, ans Indien ſtammende Erzaͤ⸗ 
lung bey den Mongolen vorbanten fepn, die ich noch nicht babe 
erhalten koͤnnen. Alle Benennungen der Oddon haben eine figäive 
liche Bedeutung. * | 











Zamaifche Aſtrologie. 231 


| Die fieben Planeten werben in Abfihe ihrer elementarifchen Planeten; 
Eigenſchaften folgendermaffen unterfehieden : | 


| eigenfihaft 
| en. 
1. Naran, Saf. 5. Gaddaſun, Kie. 
2. Sarra, Uſſun. 6. Baſſang, Schorroi. 


3. Uan Llidün, Gal. 7. Bambi, Schorroi. 
4. Ulemtſchi, Uffun. j 


Der erfte, dritte und fünfte werden als: männlihe (Erraͤ Bar: 
rak), der zweyte und fechfte als weibliche ( Emmaͤ Garrak) und 
der ſiebende als Feines Geſchlechts ( Maning Garrak) geachtet, 
und eben dieſer ſoll in Geſchaͤften ber Männer. am zuträglichften ſeyn. 


Endlich ſo werden die Kegenten der Tage, Monate und ah Zeichen des 
re und die $rodlf in unſrer Aſtronomie ‚gebräuchliche. ZIdiafat- Zei- Tpierkrepe 
then (Arban⸗Choſor⸗ Gaͤrr) auf das Syſtem den Schildkroͤte alfo ie 
verlegt, daß berem auf jede Hauptgegend zwey, und- einer auf jede 
Zwiſchengegend komt. Folgendes ift die Ordnung, in welcher fie, 
in Verbindung miteinander, geftelle find: | 


| Regenten. Gaͤrr oder Häufer. 
Auf der. Oſtſeite: 1. Bars ⸗⸗⸗NMummun (Pfeil) 
2. Toolai. ⸗Mattar (ein Ungeheuer ) 
— Suͤdoſtl. Gegend: 3. Lu. + s Bumba (die Gießkanne) 
— Suͤdſeite: 4. Mogei s Saggaſun (Fiſche) 
| 5 Worin = Choin ( Widder }: 
— Siüdwefll, Gegend: 6. Choin s = UWlker (Stier) 
— Weltfeite : 7: Metſchin s Ehinrzeak — 
8 Telfs = Gargare: ( Frofh) 
— Nordiweftl. Gegend: y. LTochot 5 Arffalan (Gwe) 
— Mordfeite z 10. Bachal ⸗Otkin ( Jungfrau} 
£ .. 1. Chullugunas Tfdyingnur (Wage) 
— Morboftfeiter 12. Übler 5. Rillins& ( Sünde) 


Auf gewiffen, unfern ewigen Kalendern "ähnlichen, überein. Kalenders - 
ander beweglihen Scheiben (Rachallin Summun)) welche die Scheiben. 
Samen von verfihiedner, mehr oder meniger zuſammengeſezter Art 
bereiten, pflegen die zmölf Jahrsregenten, die acht und jwanzig Ge⸗ 
ſtirne, und die zwölf Zeichen des Thierkreifes in Verhaͤltniß Bee 


—— 


23% 


Lamaiſche Aſtrologie. 


Kalender und bey ‚feztern die Witterung angefuͤhrt zu ſeyn, welche beym Ein⸗ 
Scheiben tritt der Sonne in die auf einander folgende Zeichen gemeiniglich 
herſchet: Auf einer folhen Echeibe, die ich felbft befige, werden bie 
Hauptwitterungen und Kigenfchaften eines jeden Zeichens alfo aus: 


gebruft : 


Aſtrologi⸗ 


1 

Chonin, ſolche Wärme, daß die Schafe zu keichen anfangen; 

Ucker, zunehmende Hitze; — 

Churuzal, die allerdruͤckendeſte Hitze; 

Gargara, Maͤßigung der Sommerhitze, da die Waſſerkroͤten 

ihren Laut hören laſſen; Ä ER 

Arfalan, der Mongt, da bie Swen trächeig gehn; . 

Okin, die Zeit da die Jungfern am meiften nach Männern 
Meigung haben; De * 

Tſchingnur ‚ da alles zur Keife gelangt ; 


Killinzaͤ, der Monat da viel Vieh zur Winternahrung ges 


ſchlachtet und alfo viel Sünde begangen wird ; 


Nummun, ſolche Kälte, da ber mitlere aus Horn gemachte 
Theil des Bogens zerberfit; en 
Matter, es friere bis in dem Vaud) des Ungeheiiers , melches 

unter diefem Namen verftanben wird; 


Bumba, faͤngt das Waffer im Kännchen wieder an loß zu 
hauen. Zu 


Saggaſun, die Fifhe fangen wieder an im Sonnenſchein 


zu ſpielen. 


Die Anwendung des bisher angefuͤrten, auf die praftifche 


five Frag⸗ Aſtrologie gefchieht theils nach den ſogenannten  Vorkehrungs - Bis 
mente. chern und Schriften Die von Begraͤbniß und andern Ceremonien han⸗ 
deln, und wovon der Anhang eine beträchtliche Probe liefert ; theils 
durch Tabellen, welche entweber zu Ähnlichen Anweifungen , nad 
Maßgabe ber Zeiten und Zälle, oder auch zu Weifagung und Er 
rathung fünftiger oder verborgner Dinge dienen follen. Ih kann 
mich niche fchmeicheln eine gründliche Kenntniß von der praftifchen 


i Aſtro⸗ 








Lamaiſche Aſtrologie. 333 
Aſtrologle der Samen erlange zu haben, noch weniger darf ich von Aſtrologie 
ihrer Weiſſagungsart einen. deutlichen Begrif zu geben verfprechen. ſche Frage 
Dennoch Farm ich dieſe Materie nicht unberähre laſſen, und will aljo, mente. 


aufler dem was in den folgenden Abfchnirten und im Anhang ſich 
darauf bezieht, hier einige Beyſpiele geben. . 


So werben den “Jahren einer. jeden Sechzigjaͤrigen Periode in 
ihrer Folge, Auffer den gewönlichen zwoͤlf Jahrsregenten, fünf Elements⸗ 
eigenfchaften,, Machmuͤt und acht Mopdificationen ( Rülkil), gewiffe 
Schuzgoͤtter bengelegt, die während felbiger über die Weltgeſchoͤpfe 
die Obermacht Haben , und alsdenn befonders verehrt, auch hauptſaͤch⸗ 
fih von den in ſolchen jahren Gebohrnen gefürchtet merden muͤſſen. 
Alle Jahre die den Mahmen Chulluguns befommen, haben den. 
Bögen Manſuſchari zum ae die Jahre Ucker beberfche 
Zagan⸗Schikurtu; die Jahre Barß, der Burdan Ajuſchaͤ; die _ 
Toolsisahre, Maidari; die Lu⸗jahre, Dibongarra; die 
Mogoi⸗jahre, Chondſhinbodi⸗ſado; die Wiorinzjahre, Schi⸗ 
gemuni; die Choninsjahre, Otſchirbanni; die Metſchin⸗jahre, 
Abida; die Tacka⸗jahre, Otſchir⸗dara; die Nochoi⸗Jahre, 
Dara⸗ecke; die Gachai⸗jahre, Sonchaba. Nach der jedem Jahr 
zugeſchriebnen Farbe oder Temperament (Maͤnggaͤ) werden ferner 
viele Verhaltungsregeln recht caſuiſtiſch beſtimt. Mann hat ſich, zum 
Beyſpiel, um die Regierung der neun Maͤnggaͤ zu befümmern, um zu 
wiffen , weiche Farbe von Pferden und Vieh einem unter folcher 
Influenz gebornen Menfchen heylig fey. Einem im erften weiffen 
(3agan ) Zeichen gebornen Menſchen follen, wenn er gluͤklich feyn 
will, Die weiſſen Pferde heylig ſeyn, daß iſt, er foll dieſe Farbe in 
feinen Pferdeheerden am meiften zu : vermehren fuchen, von ſelbiger 
in geiftlichen Angelegenheiten feine Opfer geben, und keins berfelben 
durch reuten ober wmißhandeln beleydigen; dem im ſchwarzen ( Chars 
ra⸗Moaͤnggaͤ) gebornen, follen gleichergeftalt die Rappen; einem 
unter dem blauen (KRoͤkoͤ⸗ M.) gebornen,, die dunfelbraunen ; unter 
dem grünen ( Nogon M.) gebornen die Fahlgrauen; unter dem 
gelben ( Scharra IN.) gebernen, die gelbfahlen; unter dem zwey⸗ 
ten weiſſen Zeichen gebornen, die Fuchs färbigen ; einem unterm ro⸗ 
then ( Ulan⸗M.) gebornen , die Schäfigten ;. unterm dritten weiffen 
Zeichen gebornen die ganz gelben Pferde, und unterm zweyten rothen 
Zeichen gebohrnen, die Blauſchimmel heylig feyn, i j 
dweyter Cheil, ‚€: ar Gewiſſe 


230 Lamaiſche Aſtrologie. 


Gewiſſe Tabellen, welche alle obige Attribute ber Jahre 
einer ſechzigjaͤrigen Periode darſtellen, dienen den Geiſtlichen um die 
gluͤkliche Zeit und die Umſtaͤnde bey Verheyrathungen zu beſtimmen, 
oder falls das verſprochne Paar unguͤnſtige oder wiedrige Aſpecten 
zuſammen bringt, deren boͤſe Wuͤrkung, nad) gewiſſen Vorſchriften, 
durch geiſtliche Mittel aufzuheben. Nach ſelbigen wird bey Verſtorb⸗ 
nen die Art der Beſtattung und die dabey, zu Verhuͤtung alles Ungluͤks 
fuͤr die Nachgebliebnen, noͤthige Vorkehrungen beſtimt. Nach andern 

ierauf ſich beziehenden weitlaͤuftigen Tabellen, wobey der Einfluß der 

odiakgeſtirne und der Planeten zu obigen combinirt wird, berechnen 
ſie, auf eine mir ſehr unverſtaͤndliche Art, ob ein Kranker geneſen, 
eine Reiſe oder Kriegszug glüflich ausfallen, etwas Verlohrnes wieder zu 
finden ſeyn werde und dergl. mehr. Der jedesmalige Sitz der Seele im 
Koͤrper, und die deßfalls noͤthige Vorſicht, wird aus eben ſolchen Ta- 
bellen gelchre; nad melden die Geiftlichen überbaupe in allen 
Perioden und Kreigniffen des menfchlichen, Lebens Rath zu geben 
ſich anmaffen. Die Monate, Tage und Stunden werben dabey, 
nach aͤhnlichen Regeln, mit eben fo zufammengefezten Qualificationen 
belege und nach folhen erwogen. Auch wird in ihren Calendern 
bey jedem Monat Anzeige gethan, welche Tage beſonders glüflicdy 
und zu biefen ober jenem Geſchaͤft dienlich find ; und gemiffe fir 
beftändig unglüflidy gehaltne Tage, oder Goͤhtze, deren in jedem 
Monat zwey zu ſeyn pflegen, werden eben fo fergfältig, zur War- 
nung angezeigt und zu allen Geſchaͤften, auffer für Seute die an 
foldyen Unglüfstagen geboren und aljo über deren Einfluß Meifter 
find , für ungünftig geachrer. 


Ich will aber hievon abbrechen und mid zu ben Religions 
gebräuchen der Lamaiten wenden, auf welche bie Aftrologie Bezie⸗ 
bung bat und ‚vorzüglich angewande wird. 


2 u 2 e 
RR 9 
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IM. 





— 


SHochjeitliche Gebraͤuche der Lamaiten. 235 


u MR 


Einfeegnung der Ehe und hochzeitliche Gebräuche 
| der Lamaiten. 


N; Freyereyen der Mongolen und - Kalmüden find, mie bey 
vielen andern Völfern, faft durchgängig mit vorläufiger 
Vertraulichfeit der jungen Leute verfnüpfe Die Eltern erlauben 
ihren noch ſehr jungen Töchtern, die heimlichen Beſuche ihrer Lieb⸗ 
haber als eine wohlhergebrachte Gewohnheit, und die Mädchen find 
bey diefen Völkern auch gegen Fremde gar nicht araufam und halten 
die Vervielfältigung ihrer Liebeshaͤndel beynabe für Ehre und Empfelung. 
Sehr felten aber geſchieht es doch, daß Mädchen während ihrer 
Probezeit gefehmängere werden ; und weil. nur auf dieſen Fall 
unter ihnen Schande haftet, fo befrenen fie ſich, wenn er zumeilen 
fid) ereignet, durch gewaltſame, groͤſtentheils Aufferliche, zum Theil 
. tehe gefährlihe Mittel, von der Frucht. Befonders giebt es 
alte Weiber unter den Kalmüden, dje durch lange fortgefeztes Rei⸗ 
ben des Unterleibes, dur) Auflegung Hfühender, in eine alte 
Schuhſole eingewideleer Kohlen auf die Gegend ber Bärmutter, 
und durch andre , hautſchaudernde Manipulationen, welche die Mäds 
den mit der. gröften Gedult ertragen follen, dieſen Zwek zu errei⸗ 


chen fuchen, 


Wenn ein Juͤngling, oft nad) langem herumſchwaͤrmen, end⸗ 
lich in Ehe treten will, und feine ‘Braut entweder felbft gewählt hat, 
oder ſich ſelbige durch Freunde oder Eltern hat vorfchlagen laffen, To 
wird , wenn feine Eltern ihn nicht ſchon (mie zumeilen gefchiehe ) in der 
Kindprie mit einem Mädchen von obngefär gleichem Alter aus der Fami⸗ 


Freyereven 
der Mongo⸗ 


lie eines vertrauten Freundes verlobt haben zufoͤrderſt ein Freywerber an 


die Eltern des Maͤdchens abgeſchikt, um ſich zu erkundigen ob ihnen die 
vorgeſchlagne Parthey anſtaͤndig iſt. Sind dieſe abgeneigt, ſo entſchul⸗ 
digen ſie ſich, entweder mit dem Alter des Maͤdchens, oder mit 
ihrem dermaligen Unvermoͤgen fie auszuſtatten, und dergl. m. Ueber. 

Ee2 haupt 


liſchen Voͤl⸗ 
| 





Frevereyen 
der Mongo⸗ 
liſchen Voͤl⸗ 
ker⸗ 


Verlobung 


* Zochzeitllche Gebräuche 


u. darf auch zwiſchen Familien, die wäher als im vierter oder 
ünften Gliebe verwandt find, feine Ehe geftiftee werben. Wollen 
fih die Brauteltern einlaffen, fo verkangen fie mit Des Juͤnglings 
Eltern, ſich zw unterreden. Diefe richten alsdenn nad) Vermoͤgen 
ein Gaftmahl zu, auf welches die Verwandte und Eltern bes Mäd- 
chens geladen und nah dem Schmauß 'mit Pferden oder andern 
Vieh, nachdem es die Umftände erlauben, befhenft werben. Beyde 
Partheyen vergleichen fi) darauf wegen ber Heyrathslaſten, fon- 
Berlich der .von dea Bräutigams Eltern an die Eltern der Braut zu 


zahlenden Gabe, weiche die Ausfkattung erleichtern hiſft, und wegen ' 


deſſen, mas noch. überdies ber ‘Vater des Braͤutigams Dem neuver 

maͤhlten Paar zum Beſtand geben will. Die Ausftattung: des Maͤd⸗ 

chens bleibt, bis auf das allgemeine, nehmlich eine Hütte und: Hause 

geräth., welches der Braut, ohne bie äufferfte Armuth, niche fehlen: 

darf, Dem guten. Willen: ber Brauteltern anheim geſtellt. ' 
3 . ; 1 — 


Wenn man: eins geworden, fo ſchikt nach einigen Tagen: 
der Juͤngling ein Paar oder mehrere gefchlacheete Schafe (auch 
wohl Pferde und‘ Ochſen), mie einem nad) Vermoͤgen gefamleten 
Vorrath Milchbrantwein und einigen Gefchenfen zu ben Braut-Els 
teen, woben allemahl für’das Maͤdchen, als Unterpfanb ber Vers 
Iobung, eine Schaffeule mir dert ganzen Fuß (Schagai) befindlich 
ſeyn muß. Nehmen' die Eltern des Mädchens: dieſe Dinge an, fo 
ift Die Verlobung, richtig und feiner von beiden jungen Leuten Fann 
mehr eine andre. Verbindung eingehn. Diefe Verlobung nun, welche 
bey. der Braut mit Zuziehung beiderfeitiger Eltern. und Verwand⸗ 
fhaft in Schmaufen und $uftbarfeit fenerlih begangen wird ; heiſt, 
wegen. der dabey unentbehrlichen. Schaffeule, Schagsitu.  - 


! Nummehr erfundige mann fi bey dem Geiſtlichen Aftrologen: 
ofr Die jungen $eute,. nad) ihren Horoſcopen,, füreinander paffen ? 
weiche Zeit. zu: ihrer Zufammengebung am guͤnſtigſten, und was et⸗ 
warn, zun Abwendung mwieberwärtiger Umffände, für Berfügungen 


a8 weten, für Gaben an: bie Geiftlichen zu geben und: für Gebete - 
"zu Balten find... Jeder achte Tag vom erften des: Mondes an ge=- 


rechner \ alſo ter 8, 16,'24,,.) iſt zu folchen Gefchäften durchgaͤn⸗ 
gig ungluͤklich. Nach den Geburtsjahren des jungen Paares kann es ſich 
zutragen, daß ſſch deren: elementariſche und andre a 

5 nur⸗ 


— 





Ber Romsiten 237 


thnurſtraks Cr jentgegen find, und feine Ehe, ohne viele Gegenan⸗ Verlobung: 
falten, gluͤcker kann. Oder die Vollziehung der Hochzeie muß. audy 

nach Borfchrife ver Bücher auf gewiffe Jahre und Zeiten verfchoben mer« 

den, die felbige zuweilen fehr verzögern. Wenn dergleichen Hinderniſſe 

num nicht, hdurch Gefchenfe- an die Geiftliche und: dafür erhaltnen 

Kath und Hüffe, gehoben werden: Pönnen ; fo-bleibe oft das junge 

Paar noch "meßrere "Monate, jd Aber ein Jahr lang: getrennet. Im 

ſelbiger Jeit aber Batf: der Braͤutigam bie Braut befuchen, auch 

wohl mit Vorbewuſt der Eltern: bey ihe uͤbernachten. | 


Indbeſſen nehmen bie‘ Braureltern Bie verabredere Gabe vom 
der Eltern des Braͤutigums in Empfang und bringen. die Filzhuͤtte, 
wofuͤr der Wereh vom Bräurigam gezahle wird, das Hausgeraͤth, 
Kleider dr Braut, “und übrige Kleimgkeiten der Morgengabe in: 
Ordnung. Eine folhe Gabe beträge bey gemeinen Leuten, nachdent 
fie arm oder reicher fd, auffer den Koſten der Filzhuͤtte, immer 
gegen hundert, bis 200 Nübel! am Werth; bey Reichen. und Bor“ + 
nehmern aber belaufen ſich die Koffen ungleich höher. ' ne 


Wenn endlich der vom Pfaffen anberamre Hochzelttag erſcheint, Hochzeit 
fo Bringen die Brauteltern in einigen Fällen die Filzhuͤtte des jungen Ehe. Und Eins‘ 
paars, nad), dem Aimak des Bräutigams.. Bald darauf folge die Braut ſeegnung. 
zu Pferde, von allen ihren Verwandten und Geſpielinnen begleitet; 
und zwey neben ihr reitende halten einen fendnen oder baumwollenen 
Schleyer über: ifren Kopf, womit fie fo: lange bebefe auf dem Pferde 
figen bleibe, bis das für fie beftimre Zelt aufgeſchlagen und das; 
Hauegeräth in. Ordnung: geftellt. iſt. Gewoͤnlicher begiebe: ſich der 
Bräurfiganr, mit feinen. Freunden: nad). dent Aimaf’ der Braut , 
wo am: Hochzeittage die. Filzhuͤtte des neuem: Paares, etwas auffer 

Eez3 — dem - 


“ ’ « 2 . A 

(*) RE zum Bepſpiel der Diem im Eruerelemene und die Fran im 
Waſſerelement geboren, fo wird eine folche Heyrath für durchaus! 
ungluklich gehalten, weil Waffer der Feind des Feners iſt. Ertraͤg⸗ 
licher iſt, wenn. ed Mannes Geburtsiahr im Waſſerelement und 
der Frauen ihres im Feuerelement geflanden, weil‘ fich dieſes auf. 
— des Maunes uͤber bie au. deutenleſt; und was dergl. 

örheiten mehr ſind. a 


4 


zeit 
ee 
feegnung, 


8 | Hochzeitliche Sebraͤuche 


ben Bezirk der andern, feyerlich aufgeſchlagen und geziert wird. Zum 
Hochzeitsfeſt iſt zuvor nach Vermögen Vieh geſchlachtet, Gebaknes be⸗ 
ſorgt und Getraͤnk angeſchaft; und die Mahlzeit wird in der Braut 
Huͤtte, von ihren Eltern beſorgt und angerichtet, indeſſen der Braͤu⸗ 
tigam mit feinen Freunden und den Geiſtlichen, bis die Ceremonie 
der Hochzeit angeht, in andern Kürten herum ſchmauſet. Alsdenn geht 
ein Gellong, oder bey Armen, die es nicht bezahlen Fönnen, ein gerin⸗ 
gerer Geiftlicher in die neue Hütte, räuchert fie aus und fänge an 
Die verorbneten Gebete zu deren Einwerhung (Jaſſalgan “Taf 
foln&) darin zu leſen. Wann die Stunde und günftige Zeit 
ber Trauung gefommen ift, muß der. Bräutigam, welcher ſich 
bis dahin unter feinen Sreunben beluftiget, mie der Braut, vor ber 
gegen Oſten gerichteten Thür ber Filzhuͤtte, wo ein Feuer angezuͤn⸗ 
det ift, mit dem Geſicht gleichfalls gegen Oſten gefehre, auf einen 
zierlich ausgenäbten Filz (Schierder) niederfnien. Bende haben 
ihre Müsen auf dem Kopf und die Braut fFniet dem Bräutigam 
zur finfen. Der Geiftlihe fräge darauf beyde, ob fie freywillig und 
ohne Zwang in bie Ehe treten, ermahnt den Bräutigam. zur Ver. 
träglichfeit und die Braut zum Gehorfam, laͤſt dann eine Schuͤſſel 
mit Fleiſchbruͤhe und etwas Fleiſch von eben dem Schafsfchulterblate 
vor fie hinfegen, deſſen Knochen mit bem Fuß mann ihnen alfo in bie 
rechte Hand zu haften giebt, daß es der Bräufigam am dünnen 
Theil zu unterft, die Braut aber etwas höher gegen das dickere 
fleifchigte Theil Häle und ber fleiſchigte Theil in die Höhe ſteht. 
Weil fih- die Braut dabey gemeiniglich ſchamhaft bezeige und den 
Knochen nicht anfaffen will, fo Fniet jemand hinter ihr, der ihre 
Hand am den Knochen zufammendrüfe. Während abermaliger Ein, 
feegnungsgebere ſchikt endlich per Gellong zwey SJünglinge , Die 
nach: den Geburtsjahren bes Brautpaars, von gemiffen vorgefchriebnen 
Jahren dazu gewählt find, zum Brautpaar hinaus, welche die Braut 
und den Bräutigam dreymahl mit dem Kopf zur Erde nieberdrüden, 
und ihnen dabey laut zurufen (*) Narran dub mürgsmsh ! 


(verehre die Sonne!), Schaggein Lfebtmmegän dub muͤrgoͤmoͤh! 


(verehre die Schaggai Keule!), Scharra 


offun dub — 
moͤh! 


.0 1 





(*) Nach andern wird bie Sonne, das Seuer, und die Erde zur Ver. 
ebrung empfolen h 


— min Ju NEE 





der Lomsiten. 239 


moͤh! (verehre bie Butter!). Die indeffen hinter dem Paar lau⸗ Hochzeit 
rende Freunde und Freundinnen derſelben nehmen darauf, die Yüng- und Ein⸗ 
finge. des Braͤutigams, die Jungfern ber Braut Muͤtze vom Kopf, ſeegnung. 
und werfen fie zu dem Gellong in die Filzhürte hinein, woben dem⸗ 

jenigen, deſſent Müge zuerft hinein koͤmt, Gluͤk angedeutet werden 

ſoll. Jede Parchey ſtuͤrmt gleich hintendrein in die Huͤtte, meil ein jeder 

gern der erfte-fenn will, ſich einer Muͤtze zu bemaͤchtigen und ſich 

dadurch als einen eyfrigen Freund zu beweiſen. Gemeiniglich giebt 

der, dem. es gelingtder Braut Muͤtze zu erhaſchen, hintennach der 
Hochzeitsgeſellſchaft' noch einen Schmauß. Auſſen werden die Muͤtzen 

den jungen Leuten umgewechſelt wieder aufgeſezt und ſo fuͤhrt man 

fle in die Huͤtte, am ben. lezten Seegen des Gellongs zu empfangen; 

da ſetzt mann fle.-nebeneinander, um aus einer Schüffel von dem Fleiſch 

der bey der vorhergehenden ; Ceremenie: geßrauchten Schafsfeule zu 

effen und. dadurch ' ihre‘ Fünftige- Gemeinſchaft "in allen anzuzeigen, 

Die Gäfte welche fi) aus der: ganzen Machbarfchaft zum Churum 

ober Baſtmahl eingefünden ‚Heben, laſſen es indeffen an Schmaufen 

auch nicht ermangeln. Ä = 


Wenn dieſe Ceremonie völlig. vorbey iſt, fo fallen von Sei⸗ 
een der Brauteltern, ehe ſichs die Braut verfieht, eine Anzahl junger: 
Weiber über fie her, um fie aus dem Mittel der Jungfern, welche 
bis dahin um fie geblieben find, zu entreiffen. Diefe laflen 'es an 
Gegenwehr nicht ermangeln und es entſteht ein Fauſtkrieg, der doch 
allemabl zum Vortheil der Weiber endigen muß, und während beffen 
die Braut fih mit heulen und meinen ungebärbig 'ftellen muß. 
Wenn endlic, die Jungfern das Schlachtfeld zu räumen gezwungen 
worden, machen die jungen Weiber ber Braut, die fi) noch immer 
untroͤſtlich ſtellt, unter allerley Zureden , die Jungfernſtechten loß, 
formiren ihr Haar in die gewoͤnlichen zwey groſſen Weiberflechten 
und ziehen ihr das nach Weiberart gemachte Kleid an, Gemeinig- 
lich wird gleich darauf noch eine andre Ceremonie mit ber “Braut 
vorgenommen, da zwey ftarfe Männer ein frifch gefchlachreres Schafs. 
fell angefpant an Kopf und Schwanz fefthalten, und andre indeffen 
die Braut reurend darauf feßen, die fih Damit in die Höhe heben 
laffen muß. Damit iff die Braut gleihfam in den MWeiberorden 

„aufgenommen, Sn einigen Fällen muß die Braut noch an bem 
Ruͤhrſtok des Milchſchlauches, und dem Haushunde an den Halsy 
| | einige 





40 Sochseikliche Gebräuche 


einige bunte. Seidenfaͤden fnüpfen: — Wenn es dunn gegen die 
Macht geht, To wird die Filzhutte Des jungen Paars abgebrochen, 
einige hundert Schritt von dem vorigen Plag mit allem Zubehör 
wieder aufgeſchlagen, und alstenn Der Bräutigam zuerſt und nad 
ihm die aufs neue aus allen Kräften heulende und mieberftrebende 
Braut, unter Zureden ihrer Mutter und Verwandte, und Beyhbrin⸗ 
gung ſtarker Gerränfe, hahin geführt: we denn bie Begleiter, nach⸗ 
dem fi) der Bräutigam ihrer verſichert, Die Härte verſchlieſſen und 


‚das Paar allein laffen. Die Gaͤſte fahren inbeffem,. fo lange noch 


Getraͤnk vorhanden ift, mit duftbarfeiten, Singen und / Tanzen fort. 


Nach der Hochzeit pflege das junge Paar einige Tage in 
Der Nachbarſchaft der Beauteltern zu verbleiben, uns die Menvere 
helichte nach und nad) am die Trennung von dem. Ihrigen gu ge 
woͤhnen. Sie barf in pran Tagen nicht aus der Härte gehn, und 


weder izt, noch auch in dem erſten halben Jahr nachher, ſich in ” 


ährer Eltern Härte fehen laſſen, melde fie jedoch fleißig zu befuchen 
und zu teöften niche unterlaffen, auch wohl wenn fie. endlich nad) 
Des Braͤutigams Henmarh zieht, Tie geleiten und einige Tage bey 
ihr gubringen, da es denn bey. Wohlhabenden ober Boruehmen, 


nochmals an Luſtbarkeiten nicht ermangela darf, 


Zumeilen geſchieht es, daß bie Brapt-.Eirern den Termin 
der Hochzeit unter allerley Vorwand fo lange, als fie nur koͤnnen, 
hinaus feßen,; um deſto öfter bie Fleinen Gaftirungen ( Schagaitu ) 
und Geſchenke, die der Bräutigam. und deſſen Eltern, nad ber 
Sitte, bey jedesmaligen Beſuch geben muͤſſen, zu nugen. Wenn 
Diefes dem Bräutigam endlid zu lange we, fo kann ‚er, mit 
Genehmigung ber Gerftlichen und feiner Eiern, eine Porthey junger 
Burſche zu fi nehmen, und die Braut, aus ihrer Eltern Anger 
entweder heimlich ober, mit. Gewalt entführen, ohne ‚daß ihm nach⸗ 


geſezt, oder er deßfalls zur Rede geſtellt werben Fönnte, 


Die Kalmuͤcken und —— gemeiniglich nur bey 
einer Frau. Auch Reiche und Vorhehme pflegen nur denn eine 
zweyte gu nehmen, wenn die erſte unfruchtbar iſt. Sektner noch ſind 
die Beyſpiele unter Vornehmen, da ein Mann nach und nach drey 


Weiber nimt, auch geſchieht dieſes aux durch Rachfſicht der rn 


\ 





der Lamuiten. | on 


ficken und ift. eigentlich rieder die Ordnung. Bon erllarten Hochzeit 
Concubinen, neben den Epemweibern , wiſſen Diefe Bolfer auch und Einfege 
nichts. Nur pflegen Fuͤrſten und Bornehme ihren noch unver: Hug. 
ebelichten Sohnen, als ein Mittel wider Die Onanie und andre 
unnatürliche Ausfchroeifungen, junge hübfhe Madchen, aus. der 

Zahl ihrer Unterthanen beyzugefellen, zur Uebung mie fie fagen, 

am Liebeswerk, und damit fie flarker und nachmals in der. Ehe. 
fruchtbarer erden, | Ä 


Nah einer alten Sitte muß fih, bey ven Kalmaden, eine 
junge Frau ſtets vor ihrem Schwiegervafer verbergen und ſchaͤe 
men. Man it zwar darinn fogar Iirenge nicht; es wird jedoch 
immer für unanjtandig gehalten, wenn eine junge Frau mif 
ihrem Schwiegervafer reden, oder in deſſen Gegenwart fißen 
Er Mani fang time, fagen die Kalmüden, (es ift fo unfte 

itte. | | 


Eheſcheidungen geben bey ihnen, obmohl fie erlaubt find, Ebeſchei⸗ 
dennoh nicht baufıg vor, und Eiferſucht gebt dazu noch viel ding. 
feltner die Beranlaffung, meil vie meiften Kalmüden davon 
nichts füplen. Bey erfolgenden Schridungen, wenn Die Frau in 
der Ehe einen Knaben geboren Hat, ſollte er auch nachher geitors 
ben feyn, iſt der Mann nichf verbunden dad geringiie von Der 
Mitgift zurück zu geben, fondern entlaft die Berjtoßene hochſtens 
mit einem Pferde und. ihren gewoͤhnlichen Kleidern. Hat fie aber 
nur Tochter geboren, fo fann fie, bey der Trennung vom Wann, 
alles zuruͤckfordern; Die Tochter aber bleiben dem Vater. — Ei— 
ne Wittwe kann, wenn fie feinen Sohn hat, von den nächſten 
Anverwandten des Mannes, der aber die Toͤchter zu ſich nehmen 
muß, aus der Erbfchajt getrieben werden, und muß zu ipren 
Eitern zurüdfehren. Hat fie aber einen Sohn, fo kann ihr 
niemand etwas nehmen. Jedennoch wird, auch im erften Fall, 
gufarfigen Weibern , von gufen Bermwandfen des Mannes oft als 
les gelaffen, wenn fie Wittwen bleiben wollen, 


v 





on sc W. 


Po Sirmekung ber Rinde 


IV. | 
Don Einſegnung der Kinder bey den Schi: 
gemunianern, Ä | 


Kalmuͤkiſche En neugebornes Kind wird zuerſt in Waſſer abgewaſchen, und 
Taufe. am andern oder dritten Tage durch eine Art von Taufe einge— 
tuenpe: Bu dem Ende ruft man einen Geiſtlichen, Der, uber 

einem Gefag voll Milch vermifchten Waſſers, bey den Mongolen, 

oder gefalgnen Waſſers, bey den Kalmucken, Die vorgefchriebnen 

Gebete liefet, darnach das Kind in dieſem Wenhebade dreymapl 
untertaucht, und ihm endlich, nah eignem Gutduͤnken, aud 

wohl nach Anleitung aftrologifher Borfipriften, den Namen 

giebt, den es Zeitlebens führen fol. Die Zeit und Stunde der 

"Geburt wird fo genau, als moglich in der Familie —— 

weil ſelbige in vielen Ereigniſſen, zu den geiſtlichen Gaukeleyen, 

denen ſich Das arme Layenvolk unterwerfen muß, nothwendig be: 

fannt ſeyn müffen. Eine Mahlzeit für den Geiftlichen und die 
Freunde der Familie, bleibt bey ſolchen Taufgelegenheiten nicht 

aus, befonders wenn Das neugeborne Kind männlichen Seſchlechts iſt. 


Gewoͤhnliche Die gewoͤhnlichſten Maͤnnernamen, welche den Kindern bey: 
Namen. gelegt werden, ſind, ben den Kalmuͤcken: Looſang, Arroſcha, 
omba, Tuͤbtaͤn, Buͤtkaͤ, Dawah, Ningmer, Roſchamba, 
Adſchamdſchu, Fotba, Chultan, Samtan, Sardaͤi, Malfen, 
Goldan, Donduk, Zaͤbeck, Dordſcha, Schuker, Tamtaͤ, 
Scharrap, Ablaͤi, Zendenn, Baldan, Arabdſchur, Duͤbd⸗ 

ſchuͤr, Gabung, Sundu, Ubaſcha, Dordſchi, Araptan. Bey 

den Mongolen: Galſſan, Dordſchi, Namſal, Doſchi, Eren⸗ 

zenn, Batu, Gonbo, Munkoͤ, Ajufchi, Abjda, Sandſchal, 
Galdan, Dolai, Dſondok, Dunduk, Damba, Sandſchi, Zeb⸗ 

den, Sundui, Banſar, Darma u. fe w. Die Kalmüden ver: 

laugen itzt auch wohl von den Rufen wirkaͤrliche Namen; 5 

Ä er 











/ 


und Amulete. 243 


her ißt unter ihnen ſolche Ramen, mie Brigadier, Rapitan, Gewoͤhnliche 
Wanka, Griſchka (Diminutive von Iwan und Gregor) Bab⸗ Namen. 
bei (ftatt Pawel) und dergleichen mehr, gefunden werden. — 

Biele unter ihren gewoͤhnlichen, find auh nur Beynamen; fo 

bedeutet z. E. der Name Schereng, einen Pißbett; Baarang, 

einen der fih unrein gemacht hat, und dergleichen. z 


Sobald die Kinder fo weit heran gewachſen, daß fie laufen Sirmelung 
und für fi walten können, toird eine Art von Sirmelung oder der Kinder, 
Einfegnung mif ifnen vorgenommen, die auch Erwachſene zurveis 
len an ſich wiederholen laffen. * Die Mütter füpren fie alödenn 
zum nadhiten Pfaffen, welcher über fie Gebete jur ihr glückliches 
und langes Leben verliefet, etwas vom Kopfſhaar abfihneidet, 
und dem Kinde bey Diefer Gelegenheit: die fogenannte Sakooſ⸗ 
fun um den “Hals haͤngt, melde fie zeiflebens zu tragen vers 
pflichtet ſind. 


Sakooſſun auf Kalmuͤckiſch und auf mongoliſch Satuͤſſuͤ, 
bedeutet eigentlich ein Amulet oder Verwahrungsmittel, einen 
Schutzgott, oder, wie es einige Samen auslegen wollen, Gottes⸗ 
beichle; und die ganze Eeremonie wird mit dem Wort Sokilab⸗ 
cho (Ertheilung ver Sakooſſun) ausgedrudt. Sie -beftehen nah 
dem eigentlihen $ama - Aberglauben, aus gewiſſen indianifchen 
oder fangufifchen Formeln, Die, nebft verfdiednen, auf Papier 
oder Seide gezeichneten ‘oder abgedrudten Figuren und Gebetsr, 
formeln, in ein Packen zufammen "gepreft und auch wohl im, 
gelbe ſeidne Fetzen oder Sangſa⸗Chadak eingewickelt, dem Kin⸗ 
de oder Erwachſenen an einer Schnur um den Hals gehaͤngt 
werden, und in dieſem $eben gegen allerlen Unglucstalle bewaß⸗ 
ven, Gluͤck beſcheren und auch auf das Fünftige Leben zutraͤglich 
feyn follen. I | 


Diefe Amulete, von melden man in allen Theilen der, Amulete. 
Melt, bey abergläubifchen heydniſchen Nationen Spuren findet, 
die auch in der yefiffefen a und bey Mahomelanern 
ihres gleichen haben, find bey den Kalmüden und Mo golen von 
mancherley Art. Anders werden fie für Geiftliche, anders für 
519 | für ts 


>). Firmelung der Binder 


. fürftliche Perfonen, anders für Gemeine eingerichtet. Diefe Has 
ben miederum theils von den Pfaffen, theils von ihren Zaube: 
rern ertheilfe Amulete; und von beiden Arten hat man auch mel: 
e in befendern Fällen, für das Vieh. Nach der Samaifchen 
sehre hat jedes Weſen, ja auch Geiſter und Goͤtter, fein cignes 
Schuzamulet, welches nicht entweyhet werden Darf, wenn nicht 
ein Ungluͤck Daraus entjtchen fol 


4 


Es giebf aber der Amulefs, fonderlich fur Erwachſene, von 
verſchiedenen Kraften, auch ſolche die gegen gr ge: 
gen allerfey Krankpeiten und Widerwaͤrtigkeiten ſchuͤhen follen 
und die fih auch Erwachfene, in allerley Fallen, von den Samen 

ertheilen laffen, und Dafür, wie man leicht denfen kann, Durch 

Geſchenke erfenntlih find. Wander Mongol tragt, fonderlich 
wenn 'er über Feld muß, ein ganzes. Pack vo. allerley derglei⸗ 
chen Formeln und Zuuberfiguren, in Leder eingenahet over in 
Beinen ledernen Taſchen, auf der Bruſt und aud wohl Fupferne 
Kapſetn, mit kleinen Gogenbildern dabey. Schriftgelehrte tragen 
auf Reifen auch ziemlich. große Gebetbuͤcher, in Baumwollenzeug 
gewickelt, und zwiſchen zwey Bretlein gebunden, auf der VPruſt 
herum, und hängen nöch allerley Schnurrpfeifferehen, als: Be: 
zoaraͤhnliche Corallen, Stuͤckchen E.ferbein, Bernſtein, rothe Ko: 
rallen und dergleichen mehr daran. Vey einem fand ich auch ein 
ſeidnes Beutelchen, worinn unter vielen gelben, grünen und ro: 
then feidnen Lumpen, ein Papierchen, mit ein Paar Heinen Sfaͤ⸗ 
nen von roffem Sandelholz enthalten war. Bey den Wongolen 
und befehrfen Buraten habe ich bey Weibern und Kindern ges 
meiniglid nur ein, mittelſt eines Schnurs, um dem Hals han 
gendes, diereckiges, mit Meffing oder Kupferbleh befchlagnes 
Holzfäflein gefunden, worauf nichts, als der Indianiſche heilige 
Charakter Om eingeſchnitzt oder gezeichnet war, und welches die 


‚ Seele vpr Berumeinigung,, und den Körper wider Krankheit be 


fhirmen fol. Vornehme laffen e& auch mohl mu Gold wer 
Silberblech befihlagen "Wann. Diefe Umulefs zuweilen ihre Kraft. 
verließren, fo. laſſen die Eigenthümer felbige. aufs neue durch 

Gebete einweyhen, oder behm Gogendisnft, durch einen. "= 








und Amulete. 945 


den Schüler, vor alfen verfammfeten Pfaffen vorbentragen, die Amulete. 
daſſelbe Durch ihr anblafen gleichfam aufs neue heiligen 


Unter diefe Amukete geberen auch die fogenannfen Bu, oder au „Ober De 
figuͤrliche Character, melche gegen gewiſſe Gefapren, Krankheiten mirunde, 
und Zufalle, oder Diefes und jenes Gluͤck zu befördern, oder Ser Tarniformels: 
gen zu befiLeren, auf gelber Seide, Baummollenzeug over Papier 
gezeichnet und mit tangutiſchen und mongoliſchen Formeln beglet= | 
tet, auegetheilt und getragen merden. uf der ©. 154 dieſes 
Theile ift deren in der Note ſchon einige Ermahnımg gefchehn, 
ed würde aber eine unnüße Vertheuerung D-.efed Buchs feyn, 
wenn man dieſe fehr maunnichfaltige, oft beveufungslofe,, wie 
Schnürfel und gebrochne Stäbe. geitaltete Figuren abbilden und 
erklären mollte, | | 


Koh andre fangutifhe und indianifhe Silberformeln oder 
Tarni, werden auf: dünnes chinefiihes Papier gefchrieben, und: 
wider allerley Uebel oder zu BVeferderung des Gluͤcks zu effer 
empfohlen. ZumBenfpiel: Taschay a: s hab, la aa ta: 
von oben Berimfer mit tangutiſchen Silberbuchſtaben gefchrieben, 
dient bey ſtarkem Durchfau zu eſſen. — Darra chab sa: gbur 
maru, einer Frau zu effen, wenn der Mann nicht zu Haufe 
ft. — Om-ba⸗la⸗ mih⸗- dab ga » da » nah; im Alter und 
Schwachheit' zu eſſen. — Schah ſcha la⸗la⸗la, bo; gobr 
ma, ga⸗woh⸗mah, nub, in fünf Zeilen geſchrieben; bey 
Herzbefihwerden zu eſſen. — Om-aa⸗ Bub, unter einander ges 
fhrieben, mieder Zahnſchmerzen zu effen. — Ach: ſchah, jchat⸗ 
gab, mah⸗ Bab, lab, ſchah⸗ ttah; in fünf Reihen, einem 
Kaufmann beym Emplang vor Waaren zu effen. — Sſahr 
dab, ſchoh Gab, mah⸗ßah, ah⸗nah, ſchah⸗baa, in fünf 
Reihen , dient, wenn man reich werden will, zu effen. — Dba—⸗ 
bba, a⸗ koh⸗bba, ſcharra⸗ cab: Elch, ah⸗ uga⸗ bab, ab 
eft beym Haarverſchneiden zuverfihluden. — Ichah⸗ah ttah⸗ 
ah, jede Silbe in vier Reihen viermahl wiederhohlt, ſoll in hi⸗ 
tzigen Krankheiten dienen. — Rah⸗ah⸗ttah⸗ah, jede Silbe 
viermahl in einer Zeile wiederholt und alles in vier Zeilen ges 
ardnet, wird bey. Weiberbehexung eingegeben. — Bah⸗ babe. 

> 


a 


\ 


216 Von Amuleren und Tarniformeln. 


Ba, oder Beſah⸗ bab, 98 sah. ab» jchah, ah⸗ttah⸗ jchah, ab, ah⸗ah, 


ſchwoͤrungs⸗ 


Amulete und heiten, — Na 


Tarniformeln 


in vier Zeilen, dient verſchluckt gegen Mund- und Zungenkrank— 

Bi nab- (ab, jedes ſechsmahl, in dreyen Zeilen, foll 
gegen alle feuflifche Anfebtungen dienen. — Dah⸗ nah: ſchah⸗ 
ddah, bah⸗ bah, poh⸗ poh, ift gegen teber= und tungenfrants 
heiten zu effen. — Oom⸗ mah⸗ ni⸗ ni, Bab- jchab, bah⸗ah, 
ab, in vier Reiben, ift gegen boͤſe Traume gut. — = dabs 
ſchoͤh aah rah⸗ bad, in einer Zeile, und ßah⸗chah, bah⸗ ab, ab 
in drey Zeilen darunter, dient gegen alle Vergiftung und Le— 
bensnachſtellung; einmahl genoſſen hilft es auf ein tauſendmahl. — 
Oong⸗ dah⸗ruh⸗rah⸗ ruh⸗ dſchah⸗jah⸗muh⸗ ki⸗ßa⸗ chaa; 

chuh⸗chuh⸗ | bach: 

ift eine ftarfe Planeten = Formel, melche einmal geleren und ge: 
geffen, fo viel gilt, als Milfionenmahl. Bab : gob : gob : lab: 
gih, jchah⸗ da : ſchah- da : jchab, ttuh= cha - Ba = nah = bah, 
ſjah⸗jah⸗ ah⸗ adihuh ab, lab: Ich, in fuͤnf Zeilen geſchrieben, 
dient ben ungeifigen Geburten. — Sarra gdruh⸗ mab, jchar: 
ra⸗ktruh, gegen Unfruchtbarkeit der Weiber. — Marra und 
ah, jede Silbe fünfmapl nach einander , in zwey Zeilen gefchrie: 
ben, mird Leuten Die etwas verrudt find eingegeben. — Ichah 
viermahl, aah ebenfalls v.ermapl, aab : jchab : ah -bbah und 
ob:0b+rab, in vier Zeilen, foll gegen volige Tollpeit gut 
ſeyn. — Göfchah :aah - jchob Hab, tab-ab: ab- bab, ab: 


tharra- tharra⸗ ab, choh⸗choh⸗ ab: ngeb, ah⸗ah Bab- 


Zauber: 
Amulete. 


ngab, ab: ab: ah⸗ngah, bey Hungerbnoth zu eſſen; und mas 
dergleichen Thorheiten mehr find. 


x . * 
% 

Außer obigen Amuleten, Die von den Samen felbft verliehen 
werden, giebt e8 noch andere, die theils Die Zuuberer oder Scha⸗ 
manen austheilen, fheils «in jeded aberglaubifches altes Weib 
fih felbit nach ihrer Einbildung waͤhlt und erfhaft. Alte Haus: 
mutter, die weder Schrift, noch den Lamaiſchen Aberglauben ins 
ne haben, machen fih einen folchen Schußgoft felbft, und zwar 
aus verſchiedenen Sumpereyen, welche fie Unggän (buratigh Ong- 

| gen) 





Schutzgoͤtze oder Onggon. | 947 


gon) nennen, und als ein Weberbleibfel des alten Schamanens Zauber 
Aberglaubens, nebft mehreren andern Gebraͤuchen beybehulten, Amulete. 
wie zuleßt, im. Ahfchnitt von den noch vorhandenen Schamanen: | 
Gebrauchen umftändlicher gefagt werden fol. Diefen Schußgoft, 
den fie, nah Willfüpr, entweder durch Die Lamen, oder durch 
Zauberer einfegnen laffen, halten fie fehr heilig und rufen ihn 
in allen Nothen für fih an. | 


Ein aͤhnliches Sakooſa ift der Künftler ihr Uſchchah. 
Jeder Kalmuͤckiſcher Künftler macht fi eine folche figurlidde Miß: 
geburt nach eigner Einbildungsfraft, bald ald eine. vierfüßige, 
auf zwey Beinen ftehende poetifche Ereatur, welche am Kopf bes 
mahlt, auh mohl mit Haaren beflebt, und mit Lappen bekleidet 
wird, bald anders, 


Die Zauberer (Boͤh) und die Zauberinnen (Uddugun). 
machen fi ebenfalls ihr Unggaͤn felbft, und unterſcheiden fich 
dabey befonders durch ihre wilde Einbildungsiraftl. Wenn fie 
zaubern, fo wird zu allererft diefer Unggän angerufen, bis fie 
in rechte Entzufung .geratben. 


$eute, welche fih einen ſolchen Schußgott angefchaft haben, 
halten. ihn, fo viel moͤglich, heilig und in Ehren, und hüfen 
fih auf alle Weife, ihn nicht zu beleidigen. Weil fie aber glau: 
ben , daß derfelbe ohne ihre Schuld, dur Nebenumftande ers 
zurnf werden, Fänn, fo ſchreiben fie alles ihnen begegnende Un⸗ 
glüf, der Erzürnung des Schußgorts (Sakooſun dokfchergend) 
zu und fuchen” denfelben durch gehorige Mittel zu befriedigen. 
Wenn Dazu-fein Zauberer in der Nahe ift, fo fhut ein jedes 
Hausmuͤtterchen, im Notbfall, mas fie nur fann. Da mird ein 
Schaaf geſchlachtet, von demfelben werden verſchiedene Theile, ald 

Brandopfer verbrannt; andre Theile merden in der Hüfte dem 
Shußgott auf einer Schuͤſſel aufgehoben - und dabey allerley An⸗ 
rufungen und Gtoßgebete gebraucht: Ach! du mein Sctußgott 
erbarme dich! unfre Sunden find groß; wir mwiffen dag mir uns 
in Unflath befudelf haben! Berzeihe it wieder, nachdem mir 
von Dir gezuchfigef find, und nimm uns Rundfopfige wieder any 
| ' u. ſ. w. 








248 Schunysue oder Onggom. 


u. ſ. w. Sonſt ift au noch das allgemeine Haus - Reinigumges 
mittel, Das Brandopfer, da um die Feueritele vier Fettlampen 
aufgeftellt, und ins euer viel reines Schaaffett geworfen wird. 
« .  ® 

Noh ein Hierzu ermähnter Aberglaube iſt bey neugebornen 
Kindern ublih, deren Mütter ein oder mehrere mahl zuver eine 
unzeifige Niederkunft gehabt haben. Golden Kinderh pflegen 
die Kalmuden, durch einen Geiltlichen, unter Ausſprechnng ge: 
wiſſer Tarni, ein Loch dur ‚jedes Ohrläpchen und eins durch 
den Knorpel der Nafe, über den Nafenlopchen, ftechen zu laffen, 
welche Loͤcher man durch feidne Faden eine Zeitlang offen erhalt 
und dadurch den Tod des Kindes und Fünftige Unfale Der Woge 
nerin, zu verhüten glaubt, 5 : 


V. 











Von den bey den mongolifchen Dölkerfchaften üblichen 
Begrabnißarten und vielfältigen darauf Bezug 
habenden aberglaubifchen Vorfehrungen. 


Soxeertih iſt eine Nation in der Welt, die durch Aberglau⸗ 
ben und Veligionsgebraͤuche, fo vollig zum Sklavengehorſam ger 
‚gen ihre Pfaffen gewoͤhnt, und fo vellfommen, ın allen Perio- 
den des Lebens und bis in den Tod von deren Willführ „abhan- 
ig ift, als die Mongolifche, Der Lamaiſchen Goͤtzenlehre ergebne. 
les, wos Catholiſche Pfaffen, io den finftern Zeiten des Abers 
glaubens‘, ‚uber die unwiſſende Menge geübt. haben, Fommt da⸗ 
mit in feine ‚Bergleihung Bon der Geburt an fann ein in 
Aberglauben erzogener Kalmuͤck oder Mongol in feiner außeror⸗ 
Denflichen Begebenheit Des Sebens ohne den Rath und die geift- 
liche Hülfe der Pfaffen fi) beruhigen; und noch im Tode müffen 
die Pfaffen um Unterricht gebeten werden, mie und mit mas für 
Gaukeleyen Die Leiche 'beftattet und von den naͤchſten Verwandten 
Diefes ‚oder jenes drohende Ungluͤck abgewendet tperden ſolle. 


IH kann von dieſem allen und von dem ſpeciellen Verfaß⸗ 
ren Feine beſſere Erlauferung "geben, als wenn ich die zwey 
Daupfbücher der Samaifchen Daffen, nah welchen fie fih in. ih⸗ 
zen Borfohriften bey VBegrabniffen richten, ganz hier einrüdez 
porber aber will ih von den Seichenceremonien und verſchiedenen 
Arten Der Beſtattung eine allgemeine Ueberſicht geben. 


‚Wenn aller angewandten geiſtlichen Schnurpfeiffereyen. uns 
geachtet, ein Kalmid oder Mongol Dem Tode nahe ift, fo wird 
ein Geiftlicher zu ihm berufen, der über ihn beten muß, Der 
Augenblick, da der Kranfe den ur aufgiebt, muß dem 7 

9 en 


— 


Beſtattung 
der Todten. 


X 


250 Ceremonien 


chen, der die Leichenbeſtattung anordnen ſoll, genau angezeigt mer- 
den; weil nach Diefem und der Geburfszeit Das ganze Verfahren 
mit der Leiche eingerichtet werden foll, welches in unzahlbaren 
Combinafionen mannigfaltig ift, und nad den Borfihriften der 
ee Bucher genau eingerichtet wird, Damit Die abgeſchiedne 

eele geherig befreyet und beruhiget, zugleich aber alles Unglüd 
von den nachgebliebnen Angehörigen abgetvendet werde. Alle Die- 
fe und andre Abergläubifche Feremonien zwecken immer darauf 
ab das Laienvolk fo viel moglich vom geiſtlichen Stand abhängig 
und demfelben untermwürfig zu machen. — Indeſſen laffen ſich 
die Beftattungsarten, der Hauptſache nad — auf folgende, 
in den Nebenumſtaͤnden mannichfaltig abgeaͤnderte Verfahrungs— 
arten zuruͤck bringen. 


Die gemeinfte Beſtattung iſt, dag man die Leiche in der of: 
nen Öteppe, über der Erde binlegt, und fo dem wilden Thieren 
und Hunden und den Bogeln des Himmels zur Nahrung hinter⸗ 
lait. Nach den geiftlichen Büchern wird es von dem Pfaften bes 
ſtimmt nad welchem Strich des Compaſſes die Leiche zu liegen 
fommt; .ob fie befleidet oder nadend, unter fregem Himmel oder 
unter einer ſchlechten Filzhuͤtte Liegen foll; mas für Dinge und - 
Dpferfiguren bey ihr hingelegt, mas für Gebete. und Zauberfigu- 
ren, und mie, ſolche dabey anzubringen find. Um zu miffen 
wie, nach den Geburts monaten die Leiche mit dem Kopf zu lie 
gen kommen müjfe, macht man eine Art von Compaß und ſtellt 
auf Norden den Monat Cholgonoh (Mau) nebft dem nadıft 
folgenden Monaf, auf Nordoft den Driffen Monat, und fo wei— 
ter, immer auf die vollen Winde zwey, und auf die Halbwinde 
einen Monat. , Sn welchem Strich fih der Geburtsmonat befina 
det, dahinwaͤrts muß die Leiche mit dem Kopf zu liegen kom— 


men. Laͤßt aber der oder Die Berftorbene ein Kind, das in eben 


dem Monat’ zur Welt gekommen ift, fo muß der ‚Kopf efivas 
ſeitwaͤrts Don Dem rechten Strich gelegt werden. Wenn nad 
Dorfchrift des Buchs Alton Sab& einen Berftorbnen ‘gegen diefe 
Oder jene Dimmelögegend zu legen befohlen ift, fo muß foldes 
don Der Sage des Kopfs- verftanden iverden, nicht ald ob der 
Körper gegen diefe Gegend aus der Filzpütre gefragen erden 

a "mufz 





bey Begräbntfen. 951 


muͤſſe. Dein mo ein Menfch geftorben ; auf dem Plage bleibe Beſtattung 
er gemeiniglich liegen, die Filzhuͤtte wird über ibm abgebrochen der Todten, 

und der ganze Chotton zieht noch felbigen Abend von der Stel: 
Ie etwas weg. Auch muß der Geiftliche Da, wo Das Zelf des 
Berftorbnen wieder aufgefihlagen wird, ein Gebet verlefen, ftreut 
dabey Waizen in die $uft, fprenge mit Weyhwaſſer und berligs 
daſſelbe auf dirſe Art wieer. J | 


Che man aber die -Seichen ſich felbft uͤberlaͤſt, werden um 
die Huͤtte verfihiedne von Mehlteig oder Thon ‘geformte, verfchie- 
dentlih gefärbte Thierfiguren oder Karikaturen (Ghai) dur 
die Mandſchi oder Pfaffenfchäfer ausgeftellt; ter Pfaff ( Bel 
long) zieht feine‘ Stiefeln und Strümpfe aus, nimmt- das große. 
Meßgewand über fih, ſeßt fih auf einer buntgewürkten Filzdecke 
Binter die Hütte, verliefet. einige Tarni oder Beſchwoͤrungsfor⸗ 
meln, und gebiefet der abgeſchiedenen Selle, die er namentlich 
auf mongolifh tuft, an Die ihr angeftiefene Stelle ju fahren- 

und nicht mieder. zu kommen. Bey- gemeinen Fallen gefhieht: 
dies ohne Brandopfer. — Be 

Nur in dem Fall, wenn die Kalmucken nahe bey ruſſiſchen 
Wohnungen ſtehn, ſehen fie, fih wigder En genoͤthigt der. 
Todken mwegzufüdren und weiter in die müffe Steppe zu Tegen, 
welches unter Wuffiht eines Mandſchi oder bey vornehmeren,' 
eines andern eiftlichen geſchieht. Iſt der Ort, mo die Seiche 
hingelegt wird, nicht, weit genug engelegen ‚und alfo zu, befoygen, 
Daß vorbeygehende_ Ruſſen vie-'atıfgeltetten Geberfläggen wegneh— 
men ‚oder ümreifen möchten, fo werden felbige zuͤweilen weit 
vom Leichnam weg in die Wuͤſte geſekz. — 


Ueber Seichen-der Beiftlichen, -oprnepmer: Saiffans ‚oder Per⸗ 
fenen aus’. firfflichen . Familien wird ein. Filzgezelt, oder ein 
Ifberzufahimehgeftißte Staͤbe quögebreifeter Filz (Dfholon,). oder. 
wenigftens eine ſchlechte Hütte von Strauch aufgefchlagen, , Ges 
meine bleiben faft immer unbedeckt und ohne Kleider liegen. 


# j Ä 92 | Die 


2. : 


959 . Eeremonien 


Beſtattung Die "andern Beſtattungsarten fiud,. enfiweder die Leiche im 
der Todten. Waſſer, oder unter Steinen, oder unter die Erde, oder im Ges 
bufch und Holz beyzufeßen , oder endlich. zu.verbrennen.: Sn ge: 
meinen Fallen, wenn die Schrift befieplt den Leichnam zu ver- 
brennen, pflegt nur etwas Gras oder Strauch darüber angezün- 
det zu werden. Allein wenn diefe Vorſchrift auf Seichen geiftli= 
cher oder fürftliher Perfonen zufrift, fo ift immer ein Verdacht 
der Heiligkeit Dabey, und alsdenn wird das wuͤrkliche Berbren- 
nen, mit den dabey erforderlichen Eeremonien, wie weiterhin 
gefagt werden foll, vorgenommen. — . Soll eine Leiche, nach der 
Porfehrift unfer Stein begraben werden, fo ift es binlanglich, 
daß einige Steinchen darauf gelegt werden, Iſt befohlen fie un- 
ter die Erde zu begraben, fo find einige Schaufeln oder Hande- 
voll Erde, die man darauf wirft, binlanglid, Soll fie unfer 
Dol; bengefeßt werden, fo tverden einige Holzfpane oder Reifig 
darauf gelegt. Anſtatt die $eichen, wenn es Die Vorſchrift ver— 
langt, ins Waſſer zu werfen, mird gemeiniglih beym Waſſer 
“eine Grube gegraben, oder die Leiche nur in eine Bertiefung ge= 
‚ legt, und mit Waffer ubergoffen. Dergleihen Milverungen und 
Abweichungen von der Borfchrift hat die Noth gelehrt, da in 
den Wuftenegen, melde diefe Nomaden bewohnen, oft weit und 
i breif fein Stein, fein Holz und 'nur hoͤchſt beynoͤthiges Waffer 
zu finden ift, auch die Mühe und Kojten dadurch fehr erleichtert 
erden, ze : . 


Begy kleinen Knaben, unter acht Jahren, und bey Maͤdchen 
unter iehn Jahren wird die oberwaͤhnke Loͤſung der Seele, durch 
den Pfaffen insgemein ganz weggelaſſen, und einige Gebete zur 
Reinigung und Segnung der nachgebliebnen Familie, und für 
das verftorbene Kind ein Sershl fegen verlefen. Ganz Fleine Kin 
der werden auh mohl in Fleinen Wiegen von Korbwerk oder 
Baumrinden auf den Strom gefeßt und demfelben überlaffen, da 
fie denn mehrentpeils bald umwerfen und. die Körbchen leer ans 
Ufer treiden,: Ä | Ä 


I 5 Die 





l 


| bey Begraͤbniſſen. 953 


Die Begräbnißarten der. Mongolen. find von den Kalmuͤckiſchen Beſtattung 
wenig unferfhieden. Bey beiden gruͤndet fi die Geiſtlich⸗ der Todten. 
keit in Anordnung der Beyſetzung Der Berftorbenen auf einerley 
Buͤcher. Die Beftattung gefchieht bey den Mongolen ebenfalls 

entweder im freien Felde, mit oder phne Kleider, 'oder im Ges 

holz, oder unter einem Steinhaufen, oder unfer Die Erde. Ans 

ftaft aber die Leichname bey er Bedingungen ins Waffer 

zu werfen, wird nur in der Nachbarſchaft eines Gewaͤſſers eine 

Grube 'gegraben, ver Leichnam darein gelegt und mit Waſſer 
übergoffen- Das Berbrerinen ift ben den Mongolen gersöhnlis 

cher, als bey den Kalmüden, denen es! an an feble, Die 
Brandftelle mit den Gebeinen wird unbededt: gelaffen, und nur 

einige- weiße oder blaue Gebetfahnen,, auch mohl Fleirre Schau: 
felformige Schindeln, mit geſchriebnen tangutiſchen Gebetsfor— 

meln, rund umher in die Erde geſteckt. Bes. einigen Verdacht 

der Heiligkeit bver bey Bornehmen wird auch wohl ein helzer- 

nes nder “fteinernes Montment auf der Stelle errichtet: und die 
eingefammitte Aſche und’ Gebeine darinn aufgehoben. Weiche lafs 

fen auch fuͤt Türe verſtorbene Anverwandten, nad Vermögen 

mehrere oderimenigete-Seelmelfen' beten, melche hoͤchſtens 47: Tas 

ge dauern, . Wenm eine Seiche im Felde frey Pingelegt wird, fo 

wird es für Die: obgefchiedne Seele als N zutraglih gehalten, 

wenn fie ein ſchwarzer Hund zuerft anıri GE | 


Da ichdie beiden wichtigſten Schrifter, auf melde fih die 
famaitifchen Pfaffen, bev allen Umftanden der $eichenbeftaftunger 
und wegen aller zur Abmendung' mehreren Ungluds nah ihrem 
Aberglauben’.erfordenlichen Eeremonien beziehen, habe überfeßen 
laffen ; ſo wird es nicht ganz überflüßig ſeyn, dieſes obwohl teif- 
laͤuftige Gewebe von Tpotheiten, als einen ausführlichen Beweis 
des ſchaͤndlichſten Pfaffenbetrugs, hier ganz einzuruͤcken. 


Daos erfte,; welches wie — und Mongoliſche Pfaffen 
vorzuͤglich zu Mathe ziehen, und weiches ſich auf die oben (S. 
299) erwaͤhnte acht Modificationen (Kuͤllil) der Jahre bezieht, 
fuͤhrt den Titel: Fe Fra u | 


Al: 


259 Ceremonien 

Belattung Die "andern Beſtattungsarten ſiud, entweder Die Leiche im 
der Todten. Waſſer, oder unter Steinen, oder unter die Erde, oder im Ge 
bufch und Holz beyzufeßen , oder endlich zu verbrennen. In ge: 
meinen Fallen, wenn die Schrift befieplt den Leichnam zu ver: 
brennen , pflegt nur efmas Gras oder Strauch Darüber angezün: 
def zu werden. Allein wenn dieſe Vorſchrift auf Leichen geiſtli⸗ 
cher oder fürftlicher Perfonen zutrift, fo ift immer ein Verdacht 
der Heiligkeit dabey, und alsdenn wird das wuͤrkliche Berbren- 
nen, mit den dabey erforderlichen Ceremonien, mie weiterhin 
gefagt werden foll, vorgenommen. — . Soll eine Leiche, nach der 
Vorſchrift unter Stein begraben werden, fo ift es hinlaͤnglich, 
daß einige Steinchen darauf gelege werden. Iſt befohlen fie u 
ter die Erde zu begraben, fo find einige Schaufeln oder Hunde: 
voll Erde, Die man darauf wirft, binlanglic., Soll fie unter 
Holz beygefeßt werden, fo werden einige Holzſpaͤne oder Reifig 
Darauf gelegt. . Anſtatt die Leichen, wenn es Die Vorfchrift ver: 
langt, ins Waffer zu werfen, mird gemeiniglich beym Waſſer 
“eine Grube gegraben, oder die Leiche nur in eine Berkiefung ge: 
legt, und mit Waffer übergoffen. Dergleihen Milderungen und 
Abweichungen von der Borfchrift hat vie Notp gelehrt, da in 
den Wuͤſteneyen, melde diefe Nomaden hewohnen, oft weit und 
j breit fein Stein, fein Holz und nur hoͤchſt beynoͤthiges Waffer 
zu Bm ift, auch die Muͤhe und Koſten dadurch fehr erleichtert 

werden. | | 





‚ 4 


Bey Heinen Knaben, unfer acht Jahren, und bed Maoden 
unter zehn Jahren wird Die oberwaͤhntke Loͤſung der Gele, Durd 
den Pfaffen insgemein ganz Meggelaffen, und einige Gebete zur = 
Reinigung und Segnung der nachgebliebnen Familie, und fur 
das verftorbene Kind ein Jeroͤhl fegen verlefen, Ganz Fleine Kunz 
der werden auch mohl in Fleinen Wiegen von Ka 7 

Baumrirden auf den Strom gefeßt und Demfelbe 
fie denn mehrentheils balo ummerfen und Die 
Ufer treiben; — 4— 











— 





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. 
“-._. 





I 


| bey Begroͤbniſſen. 953 


Die Begräbnifarten der Mongolen- find von den Kalmüdifchen WBeflafrem: 
wenig unterſchieden. Bey beiden gründet ſich Die Geiftlich det Teen 
teit in Anordnung der Veyſetzung Der Berftorbenen auf einerley 
Buͤcher. Die Beltatfung gefchieht bey den Mongolen ebenfalls 
enfiveder im freien Felde, 'mit oder phne Kleider, 'oder im Ger 
holz, oder unter einem Steinhaufen, oder ımfer die Erde. ne 
ftatf aber die Seithname bey germiffen Bedingungen ins Waffer 
ii tverfen, wird nur in der Nachbarſchaft eines Gewaͤſſers eine 

rube 'gegraben, ver Leichnam darein gelegt und mit Batlrr 
uͤbergoſſen. Das Berbrerinen ift ben dem Mongslen gemahnt: 
cher, als bey den. Kalmücden, denen es: an Brenndolz fehle Ir: 
Brandftelle sit den Gebeinen wird unbededt: gelaffen, und » 
einige- weiße oder blaue Gebetfahnen, auch wohl Fleine Se 
felformige Schindeln, mit geſchriebnen tangufifhen Behr 
meln, rund umher in die Erde geftedt. Bey einigen Ar 
der Heiligkeit : ber bey Bornehmen wird auch mohl ein * 
nes oder 'fleinernes Monument auf der Stelle errichtete 
tingefammitte Afche und Gebeine darinn alıfgehoben. Wei 
fen auch fuͤt ihre verſtorbene Anverwandten, nam - 
mehrere oder wenigere Seelmeſſen beten, melde hair 
ge dauern, Wer eine Leiche im Felde frey pinarir ” 
wird es für Die! abgefchiedrie Seele als af zurr ool · 
wenn fie ein ſchwarzer Hund zuerſt anıri 


Da .ich die beiden michtigften Schriften, e 
lamaitiſchen Pfaffen, bey allen Umſtaͤnden Tr - ” 


des ſchaͤndlichſten 


* . 6a * 
..J u, Fr Pf) . oe 





0 
oder 


.. 


„ Theil werden. 


959 Ceremonien 


Beſtattung Die "andern Beſtattungsarten ſiud, entweder die Leiche im 
der Todten. Waſſer, oder unter Steinen, oder unter die Erde, oder im Ge 
bufch und Holz beyzufeßen , oder endlich: zu.verbrennen.. In ge— 
meinen Fällen, wenn die Schrift befiehlt den Leichnam zu ver: 
brennen , pflegt nur etwas Gras oder Straub daruber angeyün: 
def zu werden. Allein mern dieſe Borfchrift auf Leichen geiftli- 
cher oder fürftlicher Perfonen zutrift, fo ift immer ein Verdacht 
der Heiligkeit dabey, und alsdenn wird das murkliche Berbren: 
nen, mit den dabey erforderlichen Eeremonien, mie weiterhin 
gefagt werden foll, vorgenommen. — . Soll eine $eiche , nach der 
Vorſchrift unfer Stein begraben . werden, fo ift es binlanglid, 
daß einige Steinchen darauf gelegt werden. Iſt befoplen fie un: 
ter die Erde zu begraben, fo find einige. Schaufeln oder Haͤnde⸗ 
voll Erde, die man darauf wirft, binlanglid,. ‚ Soll fie unter 
Dol; beygefegt werden, fo merden einige Holzfpane oder Reifig 
darauf gelegt. Anſtatt die feichen, wenn es Die VBorfchrift ver: 
langt, ins Waffer zu merfen, mird gemeiniglih beym Waſſer 
eine Grube gegraben, oder die Leiche nur in eine Bertiefung ges 
legt, und mie Waffer ubergoffen. Dergleihen Milderungen und 
Abmweihungen von der Borfchrift Hat Die Noth gelehrt, da in 
den Wuͤſteneyen, welche diefe Nomaden bewohnen, oft weit und 
” breit fein Stein, fein Holz und 'nur Hochft beynoͤthiges Waſſer 
zu finden ift, auh die Mühe und Koften Dadurch fehr erleichtert 

werden. 


.Beh kleinen Knaben, unter acht Jaßren, und bey Moͤdchen 
unker See wird die oberwaͤhnke Loͤſung der Seele; durd 
den Pfaffen insgemein ganz tveggelaffen, und einige Gebete zur 
Reinigung und Gegnung der nachgebliebnen Yamilie, und für 
das verftorbene Kind ein Sershl fegen verlefen. Ganz Fleine Kin: 
der merden : auch mohl in feinen Wiegen von Korbwerk oder 
Baumririden auf den Strom geſetzt und demfelben überlaffen, da 
fie denn mehrentpeils bald ummerfen und die Koͤrbchen Teer ans 
Ufer treiben, | Ä 


ı | . Die 


I 


| bey Begraͤbniſſen. 958 


Die Begrabnißarfen ver Mongolen- find von der Kalmuͤckiſchen Beſtattung 
wenig unterfohieden. Bey beiden gründe ſich die Geiſtlich⸗ der Todten. 
keit in Unordnung der Beyſetzung der Berftorbenen auf einerley 
Buͤcher. Die Veſtattung gefchieht bey den Mongolen ebenfalls 
enftveder im freien Felde, mit oder phne Kleider, 'oder im Ges. 

holz, oder unter einem Steinhaufen, oder unter die Erde. An⸗ 

ſtatt aber Die !eichname bey en Bedingungen ins Waffer 

zu tverfen, wird nur in der Nachbarſchaft-eines Gewaͤſſers eine 

Grube 'gegraben, der Leichnam darein gelegt und mit Waffer 
uͤbergoſſen. Das Berbreiinen ift bey dem Mongolen gewoͤhnli⸗ 

cher, als bey den- Kalmüden, denen es’ an Brenndolz fehlt. Die 
Brandftelle rnit den Gebeinen wird unbedeckt gelaffen, und nur 

einige weiße over blaue Gebetfahnen, auch wohl kleine Schau: 
felformige &chindeln, mit geſchriebnen tangutiſchen Gebetsfor- 

mein, rund umber in die Erde geftedt. Bey. einigen Verdacht 

der Heiligkeit bver bey Vornehmen wird auch mohl ein hoͤlzer⸗ 

nes oder “fteinernes Monument auf der Stelle errichtet: und Die 
eingefammfete Aſche und Gebeine darinn aufgehoben. Neiche lafz 

fen auch fit ihre verfiorbene Anverwandten, nad Vermögen 
mehrere oder: wenigere Seelmeſſen beten, welche höchftens 47: Tas 

ge dauern. Wen eine Leiche im Felde frey hingelegt wird, fo 

wird es für Die: abgefchiedne Seele als fehr zuträglich gehalten, 

wen fie ein ſchwarzer Hund zuerft anjrift, 


Da. ich: die beiden michfigften Schriften, auf welche fich die 
famaitifchen Pfaffen, bey allen Umftanden der Leichenbeſtattungen 
und wegen aller zur Abwendung mehreren Ungluͤcks nad ihrem 
Aberglauben‘.erfordemlichen Ceremonien beziehen, habe überfeßen 
laffen ; fo wird es nicht ganz uberflüßig ſeyn, dieſes obwohl weit⸗ 
laͤuftige Gewebe von Thorheiten, als einen ausfuͤhrlichen Beweis 
des ſchaͤndlichſten Pfaffenbetrugs, bier ganz einzuruͤcken. 


Das erfte; welches die Tangutiſche und Mongoliſche Pfaffen 
vorzuͤglich zu Rathe ziehen, und weiches ſich auf die oben (S. 
229) ermahnte acht Modificationen (Kuͤllil) der Jahre bezieht, 
füpre den Till: 000. | | 


Al: 


⸗66 eremoiuen | 
Yltan-Saba 
der | 
das goldne Gefäß, und lautet folgendermaßen: 


Des Menſchen', der in einem Feuerjahre (Gal) geboren üſt 
ia Seele nimmt Erlik ‚(einer derer 360 Diener, des Richters der Un: 
terwelt Erlikchan) und fahre damit in einen gelben «Bund oder 

ein fuchsfarbig Pferd veffelben Hauſes, oder nordwaͤrts in einen 

ſchwarzen Hund oder Ferken, oder. feßt fih auf ein ſchwarzes 

& Schmeinefell, oder einen zerbrochenen Spiegel, oder irgend etwas 
metalliſches, Das zerbrochen iſt; nach fieben Nächten aber komme 

er wieder und haffet. auf der altereri Tochter derfelben Familie. 


Dies.Ungfüf des Berftorbenen rührt von irgend einem Zanf her, 


den er in einer Wittwen Hauſe, im Herbſt, wenn das Gras 
bleich wird, gehabt, und dadurch feinen Schußgeift abwendig ges 

macht Hat: Weil nun Gefahr iſt, daß Erlik noch jemand von 

der Familie, es ſey Vater, Mutter, Frau oder Sohn zu ſich 
hohle, ſo muß uͤher den Todten das Gebet Fagon ⸗ Schikurtu 
ver leſen und dem Schutzgeiſt ein -Örandopfer. gebracht, der Leich— 

nam aber mit etwas rothem bedeckt, und mittelſt eines fuchſsfar— 

bigen Pferdes von der Stelle gebracht werden, ſo wird der Hrn 
lik die Seele verlaffen und ben dem Oheim oder Bruder Des 
Berfiosbenen in. Speiſe fahren, Die in einem rothen Gefäß bee 


. 


Die. Seele eines im Erdjahre (Schiroi) gebornen nimmt 
Erlik und fahre. Damit -in eine Huͤtte mit gelben Dach oder: 
Schornſtein, oder in der nordoſtlichen Gegend in ein Ferken oder 
gelben Hund, oder fest ſich in ein buntes Gewirk von verfäiede- 
nen Farben, oder in einen Reft von Speife;. um 8 Tage fomme 
er wieder und haftet auf einem Fräuenummer das in einem Af— 
fenjahre geboren iſt. Dies geſchieht deswegen, weil: der’ Borftore‘ 
bene irgendtvo in ‚einer Tchlechten ‚oder zerbrochnen Wohnung, von’ 
einem garftigen und unfruchtbaren Weibe Speife- empfangen hat. 
Erlik wird fih an feinem Tode nicht genügen, fondern noch ent- 
j we⸗ 





bey Begraͤbniſſen. . 955 


wieder einen Oheim, die Großmutter, den Vater, oder die Mutter Altan⸗Saba. 
abfordern ; wert richt Vorkehrungen dagegen gemacht werden. Oder 

der Derftorberre hat in der Gegend feiner Wohnung Steine unis 

gewalze, Gras gefchnitten, Baume umgehayen, und dergleichen. 

Erlik verfangt in folchem Fall’ zum Opfer Bley, gelbe Seiden— 

fen (Rip), ein Kleidungsftud, ein Schaaf oder. Ziege oder ein 

gutes Pferd (M. Damit er aber afsdenn niht in eine mannlie , 

he Perfon, oder in einen Iangharigen Büffel ( Chainuk) fahre, | 
fo muffen das Buch Cudur in fünf-Theilen gelefen, vier Geift: % 
lien Speife aus der Nachlaffenfchaft des Berftorbnen gegeben, 

und aus Teig Die Figur eines Weibes, die ein Schaaf führtn 
verfertigt, mit allerley bunten Lappen behaͤngt, und auf den 
Leichnam geworfen werden, um alles Ungluͤck von den Lebendigen 
abzuwenden. | 


Die Seele eines im Eifenjahr (Tuͤmmuͤr) gebornen nimmf 
Erlik und fahre damit meftirärts in eine Wohnung deren Thür 
gegen Oſten fiept, oder die blauer Thären und vor der Thür _ 
Holz Tiegen hat, mo ein .bunfer Hund und Mann und Grau - 
blau gktleidet find. Dafelbft hafter Die Seele auf einem beſchaͤ— 
digten eifernen Keffel, oder einer fupfernen, durchlöcherten Plat— 
fe; nad drey Tagen führt fie Erlik drey Klaftern davon weg, 
und wenn fünf Tage mehr verftreichen, fo fahrt er in das Bieh 
des Berftorbnen. Die Urfach veffen fann die ſeyn, daß der 
Berftörbene in der Wohnung eines Fremdlings ein Gemehr an: 
gerührt Hat, da ihn denn Erlik von Hinten überfallen. ' Sein 
Panzer, oder eine ſchwarze Kleidung, oder ein ſchwarzes Aaß 
fann Daran Schuld fennz; oder er hat feinen Kindern verzeihen 
ſollen, und a e8 nicht getban. Um alles Unglüd abzumenden 
muß dem Abida Burchan ein feyerliches Opfer gebracht werden. 


Wenn ein Berftorbener im tuftjahre (Okrorgoi) geboren 
ift, fo nimmt Erlik deifen Seele und fahrt damit Weſtwaͤrts oder 
Nordwaͤrts in eine Wohnung, wo ein gelbes Dach oder Hund, 

| F oder 


sr 





{*) Es verſteht fich dag dieſe Opfergaben dem Pfaffen zu Theil werden. 


256 Ceremonien 


tan, Saba. oder ein lahmer Mann, oder eine Wittwe befindlich iſt, oder me 


Mann und Frau felbfünfte — daſelbſt haftet er auf einer 
linfen Hinterkeule eines gef achtefen hiers und fomme dann 
nach fieben und zwanzig Tagen zu einem Freunde des Berftorbe: 
nen. Diefes Unglüd rüpre von einem im Frühling von Wolfen 
oder Hunden getcdfefen Aaß, oder von einem umgebrachten 
Weibsbild her , oder der Todfe- follte vor dem Hinfrift. von ſei⸗ 
nem Vater Wbfchied nehmen und hat es nicht gefhan: oder er 
hat auf einem lahmen fuchsfarbnen Pferde rejtend ginen Hund 
am Strick gefuͤhrt. Erlik fuhf in foldem Fall noch irgend ei: 
‚nen der Verwandten des Berftorbenen zu holen, welches zu ver— 
hüfen ein Brandopfer erforderlich ift; zugleich muß das Bermögen 
Des Berftorbenen dem opfernden $ahmen geben und Der Leichnam 


blau gekleidet werden. 


Eines im Wafferjapr (Uſſu) gebornen Menſchenſeele nimme 
Erlik und führt‘ fe gegen Norden’ oder. Dften zu dem 
Sohn, Der Tochter oder dem Oheim von Der Frauen ti: 
te, und feßt fie in irgend ein hohes Gefchirr ‚oder auf ein 
buntes geflochtenes Haarfeil an. Died Ungluͤck rührf davon, 
Daß der Berftorbene von einem befeffenen Weibe Speife over 
Tranf empfangen, und dadurd fein Leben verlohren hat; Erlik 
ſucht in foldem Fall noch jemand ton der Verwandſchaft zu he 
Jen. Diefes abzumenden muß das Gebet Rulgen » Sudur und 
fo viel andre Gebete, als möglich, über dem Todten verlefen 
and andre nöthige Vorkehrungen: gemacht werden. 


Eines im Bergjahre (Oola) gebernen Menſchenſeele, halt 
Erlik anfangs in deſſen Wohnung auf; darnach entführt er fie 


—oſtwaͤrts in ein Haus mit ſchwarzen Thüren, mo er fie auf Die 


haften laͤßt; ferner führe er damit in eine Wohnung wo ſechs 
oder fieben Perfonen besfammen find, wo er-fie auf. einen der: 
felben, und nad acht Naͤchten auf die miflere Tochter, oder ein 
gutes Stuͤck Bieb einer weißen Wohnung abſetzt. Die Urſach 
iſt, daß der Verſtorberie aus den Händen eines boͤſen Menſchen 
Speiſe genoſſen, da denn Erlik von der Suͤdſeite gekommen ſei— 
"ne Seele zu hohlen, Damit aber nicht zufrieden, ſucht er noch 

di 





bey DBegräbniffen. ze 257. 


& 
Die Mukter vder dem Oheim des Verſtorbnen zu ſchaden. Zu Altan-Saba. 
Vermeidurg deſſen muß das Vuͤchlein Bilike Barimat verleſen 
und etwas von der Nachlaiſenſchaft den zwey Bandi oder Prafs 
fenfhälern geben, Der Leichnam aber mit rothen oder blauen 
Feßen bedeckt und etwas mineraliſches dazugelegt werden, 


Eines im Holzjahre Modo) gebornen Menſchen Seele 
nimmt Erlk, Fibre fie weſtwaris und ſest fie auf ein Kind oder \ 
einem Knecht des Hauſes, oder auf eine Wohnung mit gelben Dad 
a‘, Die Urradje Des Todes it, daß der Verſtorbene einmapl. 
von einem Thier gegeffen Das der Wolf :gerd.ırgk, vder aus der 
Bund eines analuflühen Menfhen Speife empfangen hat. Er⸗ 
lik iſt Damit noch nıcht Zufrieden, ſondern ſucht Die Seele ferner 
moh zu quaͤlen. Zur Abmendung muͤſſen geweyhte Seidenfeßen 
( Chadak) S. oben S. 169) an en ausgehanygf und das 
Gebet Zagan-Dſſhikurtu geleſen merden, ein Bof muß den 
Leichnam mit Füßen treten. Hat der Berftorbene von der She: 
fter nicht Abſchied genommen, fo muß ‚geitreiftes Seidenzeug und 
ein Kügelchen "von irgend «einem Metail darauf gelegt, der Leich— 

am aber «eınem Bandi übergeben und das Bichlein Igilee dar- 
uber gelefen werden, tonft feßt fih Erlik auf den Bater oder den 
Bruder, oder auf ein ſchwangres Weib. 


Eines im Windjahr (Rie,) gebornen Seele nimmt Erlif 
gegen Weiten der Norden mir fih fort und feßt fie auf einen 
(hıwarzen Bund; nah Eilf Nahen kommt er wieder und ſucht 
einem dm Tiger ‘oder Afferrjohr -gebornen Menfchen & hadeit zu 
thun. Der alfo Berftorbene "Hat irgendwo einmalmif einem Zuubes 
rer Streir.gehäbt. “Um alles Ungluͤck abzüwenden müß dus Bush 
zZagan Schikurtu niguzs dunli firdur Händerfimahl, Dann Das 
Buh Saſa delek .belit barimar:abgeleten werden. Sollte der ° 
Tod davon -gefovınmen ſehn, datz der Berftorbene einmahl Sachen 
von einem Saufling in :Brmahrung »geiipinmen, ſo muß li 
durch etwas Hornvieh, efras von Eiſen, Hold vder Siber, und. 
etwas Seidenzeug befanftigt werden ,.fonft ahrt er in den Sohn 
oder Die Tochter ‚einer ſchwangern Frau, vder in sin Tchicigtes 
Pferd. — V 4 v5 — 

Hp Won 


—* 


355 _ Cremonien 

Atan Carr... Von Oefnung und Schließung der Himmelsthuͤrem 
Wer in der. Maͤufeſtunde (olgona) J flirht., dem iſt 
Erlik von der Abendfeite gefommen, und: fen "Shiefat rührt: 
von einen weißen Pferde oder. weißen Hornvieh⸗. Nah acht 
Raͤchten- fahre: feine Seele in:eine Schlange, welches durch geheris 
ge Gebete abgewendet werden muß, fo findet. er. gegen Die More 
genfeite-einen Berwandten. Der Seihnam muß mit weiß. biedk: 
werden Leute Die im Maus: Drachen: oder Affenjabre geboren: 
find, dürfen denſelben nicht: anruͤhren, font wird emem ein Un— 
gluͤck wieder fahren, ever er mird- zugleich des Todes fterben. Die: 
Seele eines Weibes faprt weſtwaͤtts und haftet auf einem Weis 
be over. einem. Vieß. Ä 


Wer ihr Ochfenjahr (Ukker) ſtirbt, zu dem ift Erlik von’ 
Nordweſt gefommen und fein Schickſal rührt: von Viehverkauß 
her. 7 die Seele. tin mittelſten Sommermonat- von ihm. ges: 
nommen, fo ba.t ſich Erlik mıt ihr in gelben. Sachen auf, und 
wird nach fleben.: Nacken feinem Sohn. oder. Tochter’ ſchaden. 
Deswegen müffen Gebete. verlafen werden... Wer im Haßa : Die 
fen oder Schlangenjähr geboren iſt, darf den Leichnam nicht ans 
rähren. Wahre: die. Seele gegen Oſten, ſo ſetzt fie fih auf einen: 
großfopfigen, großnafigten:: Knaben md wenn in der Mohnung; 
freben., vier- oder. zwey Menfchen „ oder ein Stuͤck Vieh mit. einem: 
Horn befindlich ift, fa muß eins davon. umfommen,. wenn. nick 
Borfehrungen gefhehn. ine weibliche. Seele faͤhrt nach Werten: 

oder Oſten und. feßet.fih auf.ein. Maachen mit gelben Antlitz. 


Stirbt jemand in der Figerflunde (Bars) fo haͤlt fich die 

Seele zwen Tage in der Wohnung auf; Erlik kommt zu:ihr 

von Öflen,. wegen einer geftreiffen Sache, jahre: mit ihr nad" 

; Weſten ımd :-feßk.fie auf ſchwarzes Vieh oder ein ſchwarzes Weib: 
ab. Seufe die.im Tiger:= Pferde= und: Hundejahr geboren: find, 
duͤrſen den Seichnam nicht beruͤhren. Weiter führt Erlik die 
Seele nach Mitternacht oder gegen Aufgang und hat ſih in zwey 
Wohnungen bey ginem Zimmermann, oder:einem im Ochſenjahr 
gebornen auf. ine weibliche Seele fahrt gegen Yufgang ober. 

- a Mit: 


Sn 








Vey Leichenbeſtattungen. . 359 


Mitternacht und feßt fih auf ein Stuͤck Vieh, Hernach ‚aber auf Mtan Gabe, 
ein im Affenjapr gebornes Weibsbild. ‘ 
So jemand in der Bafenftunde (Toolai) ftürbe, Da iſt Er⸗ 
lik, wegen eiwas weißem :oder dunkelfäͤrbigem von Der Abendſei— 
#e pergekommen, und hat Die Seele -abgetordert. Hierauf wird 
im leßfen Sommermonat, gegen Mitternacht, in einer Wohn ng 
wo fünf Menfchen beyſammen find, den Brüdern :oder einem Fleis 
nen Sohn Ungluf mwiederfahren. Seufe Die im Schweine⸗ Schaaf - 
oder Dafenjahre geboren find, dürfen den Leichnam nicht anrııp- 
sen. Line manlihe Seele wird gegen Mittag fahren und fi 
da in zwey ver vier Hauforn und auf-einem Knaben, Der ein 
Mutte mahl hat, anſeßen. Weibliche Seelen begeben ſich Mor⸗ 
genwärts und feßen ſich auf einen ſchwazhaften Mann mit gel⸗ 
bem Antlig, der acht Monat drauf, an einem Hahnen- oder Das 
“ fentage durch Kra:ıfpeit fterben muß, 
i Wenn jemand in Der Dradenftunde (Bu) ſtirbt, fo ift Er⸗ 
” ME non Nordweſt zu ihm gekommen und Hat fine Seele, megen 
% eines gelben over dunkelfarbigen Dinges im detzten Herbſtmongat 
‚ obgejorder: Dan muß Den Seichnam mit rorh bedecken. Leute 
* de im Dunde = .oder Dchfeitjabre geboren find, dirten den Kor⸗ 
” per nicht anruͤhren. ine maͤnnliche Seele begiebt fih nach Drey 
T Näachken Nordweftiwarts und haftet, nachdem fie zwey ‚oder fieben 
N Sage umher ſchwaͤrmet auf einem an fern ‚Knaben, Der 
Em möglich der Sohn eines Metallarbeiters ft. Weibliche 
© Seelen ſchwaͤrmen ziven ‘oder ficben Tage in Welten umher und 
!" fesen fih dann in einer nahe bey einem Brunnen gelegenen Wohs 
mung, aufein ‚guaßfcpfigtes und rothbadigees Weib oder Madchen, 
&o jemand- in der Schlangenftunde (Mogei) flirbt, fo 
Awird Die Seele, wenn fie von männlichen Gefhlecht geweſen, 
taten Tage um die Wohnung fihmeben; Erlik kommt im letzten 
—— von Mitternacht her. Dem Sterbehauſe werd es 
Küb T.ergeben, wenn nicht das Vuͤchlein Naiman Gegen S:d0s 
id „verlefen wird. Dadurch aber wird Die Seele gegen Süden 
auf ennem. gefben Gewaänd oder zinem braunen Pferde haften. 
zin Der teib muß mit ſchwarz oder weiß bedede werden. Leitte die 
Rn, Bahnen = Ochfen= oder Schlangenjapre-- geboien Find -Durfen 
u . Db-.2 DER 


. 


4 


/ 


1 u Ceremonien 


Altan Saba. den fodten Körper nicht anruͤhren. Nachher begiebt ſich die See 
| le gegen Mittag oder Mitternacht und ſeßt ſich auf einen hochkoͤ⸗ 
pfigen Kuaben, Weiberſeelen fahren gegen Auf= oder Nicders 
gang, in die Wohnung eines im Schweinejahre gebernen Mannes, 


“ Se rbk jemand in der Pferdeftunde (Morin), fo fihmeht die 
Seele adıt Rage um die Wohnung, und führe Taın gegen Mit: 
ternahf in eine Wohnung, mo Gras, Heu oder Holz befindlich 
ift, wo fie auf einem großen, magern, blühenden, viel. und ge 
ſchwindredenden Manne haften wird. ine meibliche Seele wird 
gegen Aufgang fahren, Drey oder vier Tage umper ſchwaͤrmen. 
und fih Dann auf ein Stuck Vieh, ferner auf einen Kraben und 
endiich auf ein rofhhaarigis Weib feßen. Erlik kommt von 
Mitternacht her und hohlt die Seche im mitflern Herbſtmonat. 
Zur Abmendung muß das Büchlein Fagan⸗Nom geleſen wer 
den, Nach ad: oder neun Tagen ve:birgt fih die Seele bey ci=. 
nem im Hahnenjahr gebornen, gen Mitternacht. Es ift guf dere 
gleichen Sciche zu befleiden; allein im Tiger = Pferde... oder. Dur: 
dejahr geborne dürfen ſelbige nicht beruͤhren. 


In der Schaafftunde (Chonin) Sterbende ſucht Erlik im 
lezten Sommermonat heim, und koͤmmt aus Mitternacht her, 
ſeßt fie auf bunte oder geſtreifte Sachen, nach drey Naͤchten aber 
auf einen grauer Hund oder Pferd. Der Koͤrper muß mit waiß 
oder roth bedeckt werden. Wer im Ochfenjahr geboren iſt, darf 
ihn nicht berühren. Die Seele ſchwaͤrmt gegen Mitternacht vier 
oder Icht Tage umher, und feßt_fih in eine Wohnung, mo ein 
Weib schnellen Todes geftorben „ oder. wo. ein. Mann. iſt, der: 
Spiel und Singen liebt. 


In der Affenſtunde (Metſchin) geſtorbene Mannerfee'e: 
ſckwaͤrmt drey Tage um die vorige Wohnung, dann begiebt ſie 
ſich Abend- oder Mittagwaͤrts und ſetzt ſich bey- einem: besartigen. 
Menſchen Eine weibliche Seele geht mittagwaͤrts, mo unter 
ſieben Wohnungen eine neulich aufgeſtellte fih befindet, und ver— 
laßt fie dieſe, -fo ‚haftet fie auf einem Maͤdchen. Erlik fommt: 
von Mitternacht ‚ber, und geiftlihe Dinge find an dem Fall ſchuld ; 

Deße: 





x 


| bey ·Leichenbeſtattungen: Be 


deßwegen: mülfen auch, durchaus Gelftlihe Buͤcher verleſen wer⸗ Altan⸗GSabar 
dn. Wer im: Tiger-Phferde- oder. Hundejahr. geboren. iſt, be⸗ 
ruͤhre Den. Leichnam ja nicht. | 


Wenn jemand in der: Haßnenftunde (Takia) ftirbt und es: 
iſt eine Manneperſon, fo: gebt die Seele, um zwey Tage; gegen: 
Abend., und’ feßs ſich auf einen Pfeinfopfigen ,. fchwazhaften. Mens 

ſchen, der. ein Mahl: auf dem: Auge hat. Kine weibliche hinge— 
gen wendet fih gegen Morgen oder Miktag; und baftek: auf Mens 
(hen die. im Haſen- oder KGahnenjahr geboren find: Erlik fomme: 
aus. Mitternacht: ber, und. fodert:- die: Seele im. legten Sommer: 
monat. ;b.,. und. verbirg£ fich in. einer. Woßnung‘,. mo’ fünf Ein: 
wohner find.. Dem; alteften Sohn des Berftorbenen , oder. einem: 
ſchwangern Weibe- wird Unglück mwiederfahren,. Wer im. Hafens 
jahr geboren: iſt, rühre: den Leichnam nicht. an... a 


Wann: jemank in derr Hundeſtunde (Nochoi) ftirbf, und» 
ee iſt eve mannliche: Seele;. fo. terbleibe fie zwanzig Tage in: 
der: Wohnung: und: fahrt. dann: gegen: Abend; oder. Morgen, mo 
zwey oder. fieben?: Wohnungen find,. auf einen langen barigfen. 
Menfchen,. der. einen Fleinen Kopf und. Ohren, und großen: Mund‘ 
= hat. ımd der: viel: Worfe- made; ine weibliche Seele- fahrt ge- 
2 gen Mittag oder, Abend und feßt fih, too: zwey oder fieben Wohs- 
nungen find;.aufrein Kind.‘ Erlik kommt von: Mittag. ber und» 
. bat: die: Seele. im lebten Sommermonat abgeforverf;: ein Mann: 
.: der. einen: Hund fuͤhrt ift daran. ſchuld. Den. Kındern wird Un— 
gluͤcke wiederfahren. Die. Seele: verftect. fih in Lederwerk und: 
- Bann. bey: einem. Menfchen der im: Tiger = Pferde- oder «Hundes 
jahr geboren: ift: Es‘ müffen. Gebete: verlefen. werden, und $eufe: 
die im Dradenjapr. geboren find,. duͤrfen den. feichnam. nicht: arıs- 
ctuͤhren⸗ | 


. Wenn ein Menfih‘ in der Schweine ſunde (Bächat) firbt,  - 
ſoo verweilt; Erlik mit der Seele: einen Monat und drey- Tag: in: 
„ der: vorigen Wohnung, alsdann wendet er. fih gegen Mitternachtt 
Noder gegen Aufgang, nnd ſetzt ſih in der Wohnung eines: Man⸗— 
‚n Beßz Der ein: ſchwaͤrzlich Geſicht, viel. Eige. finn ,, langes. Baar, 
J | und⸗ 


vie 


969 | Teremonien 


Altan⸗Saba. und im Geſicht oder auf dem Rüden ein Muttermahl hat; wre 


wann ſolcher Menſchen zwey oder drey find, fo wählt er den im 
Schweinejahr gebornen. Eine meibl je Seele wendet ſich ‚gegen 
Mittag, Morgen oder Mitternaht und fegt fih, wo neun oder 
vier Daufer find, auf ein Mädchen oder Weib. Zur Abwendung 


muͤſſen Gebete verleſen werden. In abgedachter Stunde iſt Er— 


HF von Mitternacht her, bey Verfolgung eines roth gekleideten, 
gekommen, und Die Urſach des Todes iſt Zan? geweſen. Die 
Seele ſordert er im leßzten Wintermonat ab, und führt fie in 
die Wohnung eines rothgefleideten "Mannes, Der viel Schaafe 
haf. Der Leichnam muß mit roth oder blau bedeckt werde: und 
sver im Schlangeyahr geboren it, hure.fih ihn zu berüfren, 


Anzeige nach welcher Seite und an was für Orten die 
Leichen zu beftatten. 


Einem im Tiger = oder Schlangenjahr gebornen thut man 
am beiten gegen Diten zu legen; gegen Morden its mittelmafig, 
gegen Mittag am ſchlechteſten. Legt man ihn gegen Welten, fo 
werden alle Leute obgedachter Jahre Bintereinander weg fterben. 
Den Seihnam in Waffer zu beitatten iſt fehr guf, ins Holz mit⸗ 
telmaͤßig, am ſchlehteſten in Feuer. Legt man ſolche Dodie im 
die Erde oder unter Steine, fo find dem Tode alle Thore eroͤfnet. 

Menfchen ner Schlangen > und Pferdejahre ifts fehr guf gem 
gen Mittag zu legen; gegen Diten miftelm.igig; in die Zwiſchen 
gegenden muß er nicht zu liegen kommen. Solcher Jahre Bere 
ftorbene iſts gut in Holz zu beftatien, mittelmäßig in euer, ara 
ſchlechteſten in die Erde. Aber ins Waſſer iſt die Beſtattung ſchädlich. 

Verſtorbene von Hahnen- und Affenjahren iſts gut gegen 


.Weften zu legen, auf. die Zwiſchenwinde iſts mittelmäßig, am 


Thlechteften ‚gegen Norden. Gegen Diten ud Mittag müffen fie 
ja nicht zu liegen fommen. Leichen Diefer Art fann man ſehr 
wohl unter Die Erde 'beitatfen; unter Steinen dit es fihlechter, 
und iu Hol; und Feuer fchablich. = a 

geufe von Maus: uad, Schwein jahren fird- ſehr gut gegen 
Norden zu legen; miftelmaßig At Die tage gegen Werten, und 
Die gegen Diten die fihlechterte. Kommt eine folche reihe auf die 
Zwiſchenwinde zu liegen, fp wird allen vom Erlik Befahr be 

£ : ARME 


» 








bey Leichenbeſtattungen: 263 
vorſfͤßn. Dieſer Jahre Leute find gut unter Steinen, nicht fo Altan-Saba. 
gut. in Waſſer, und am ſchlechteften in Holz zu beſtatten. Legt 
man fie ins. Feuer, fo iſt Erlik dem Sohn gefaͤhtlich. 

Menfchen aus: den Bier Jahren, Dis, Schaaf, Hund. cder: 
Drache, werden ſehr wohl auf die Zwiſchenwinde gelegf;. gegen Suͤ— 
den iſt es ſchlechter, gegen Weſten am ſchlechteſten. Aller dieſer Jah⸗ 
ve Geborne kann man ſehr wohl in Feuer beſtatten; in die Erde gilti - 
fhlehter, am.fchlechteften unter Steinen; in Dolz und. Waffen 
waͤre es fehr fchlimm und gefährlich 


ie die Leichen nach. dem: Element ihrer. Geburt: 
| Ä zu. beftatten.. 

Wer vom Feuer = Element ift, muß’ in Holz; wer vom Eli 
fin Element, in: dies Erde; wer vom Erd: Element, in Feuerzi 
wer vom Holz. Element, in Waffer, und mer. vom. Waffer = Ele=- 
ment, unter Seine beftattet- werden.. 


In welcher. Stunde man die Beſtattung zu ver: 
| richten habe. 

Ber in der Figerftunde ffirbt, muß in ver Affenſtunde bes- 
flaftet tverden;.wer in der Hafenftunde ‚.ftirbt deffen Beſtattung 
gehorte in Die: Hahnenſtunde; wer in der Drachenſtunde ſtirbt, 
wird in . der Hrmdeſtunde, — wer in Der Pferdeſtunde ftirbf,. 
in der. Maͤuſeſtunde; — mer. in der Schaafſtunde ſcheidet, in der- 
Ochſenſtunde, — wer in Ver Affenftunde ven Geift aufgiebt, in- 
der Tigerſtunde, — mer’in der Haßnenftunde flirbf, in der Ha⸗ 
fenftunde,. — wer in der Hundeftunde Die. Zeitlichkeit verlaͤßt, 
in der Dradenftunde, — Die ‘in der Schiveineftunde Abgefihiedes: 
nen, in der Schlangenftunde, — die in der Ma ıfeitunde Beritors: 
benen, in der Prerdeftunde, und’ endlich die ine der Ohfenftunde- 
satfeelfe in der. Schaafftumde. beſtättet werden. 


Pelche: Jahre fuͤr Ceute, die in gewiſſen "Fähren gebo⸗ 
| ren worden, - gefährlich find, . 
Per im Mäufe= und Ochſenjahr geboren wird, Dem fir" 


die Juhre Hufe; Pferd: und Dahn gefaͤprlich. Meilen Geburtss- 


64 | Teremonien 


tan Saba.jahr Tiger oder Dafe gewefen, ‚dem find Die Zapre Schlange, 
— ur und -Schmein ‚gefaprlih; ‘wer im Draden oder Schiangens- 
jebr auf die Welt kommt, dem fihaden Die SZapre Schaaf, Hurd 
o9er Ochhs; wer im Pferde: oder Schaaljadpre ans dicht kommt, 


‚dem find die Jahre, Maus, Dahn und Hafe gerahrlih; wer das 
Mfen = «oder Hahnenjahr zum ‚Geburtsjahr bat, dem find Dee 


Zapre Tiger, Schwein und Schlange gerahrlih ; mer endlich im 
„Bunde » oder Shmwernjahr auf die Welt komme, dem ſchaden wie 
Zahre Drache, Ochs und Schaaf. 


ö Mer nach den Geburtsjahren, diefe vder jene Teiche 
beruͤhren koͤnne? 


Die Leiche seines im Diger-Haſen- oder Drachenjahre Be— 
bornen, ‚darf fein andrer beruͤhren, als im Schlangenjahr ‚gebore 
ne. Sreift ſolche jemand .an, Der im Ochſenjahr geboren it, fo 
wird er Iterben. — Die $eiche eines im Prerde » Sıhlangen oder 
Schaafjahr Berftorbnen,, dürfen nur im Dracenjapr ‚geborne be- 
rühren und dies ift fogar guͤnſtig; Dergreifen fih aber Leute dar: 
‚an, ‚die in einem Mauſe- oder Sckweinejahr geboren find, To 
ftirbe noch ‚ein Menfh. Den Körper .eines in Bahıı = Affen = Dder 
„Dundejahr ;geboren, dürfen .nur Leute aus Scaafsjapren behan⸗ 
deln; wuͤhrt ihn’ ein irgend in «einem andern Jaler geborner an, 
fo merden darnach noch Drey oder vier Menfchen ſterben. Men= 
fhen die im Maus :SHmein = oder Ochfenjahr ‚geboren find, darf 
nah dem Tode Tein andrer, ‚als der in einem Bundej pr gebo— 
wen ift, berühren. Legt irgend .ein ‚andrer Hand an, fp müffen 

moch ein ;oder zwey "Menfihen fterben. 


An welchen Tagen man ‘die Teichen verbrennen, und un 
‚ welchen Tagen und Stunden man die Aſche famm: 
len ‚mufie. — | 


Wird ein Leichnam an einem Mä:rfefage verbrannt, To ſamm⸗ 
let man die Ueberbfeibfel an einem Scaaftage, in der Affen 
ſtunde, u. ſ. w. ſo wie än der folgenden Tabelle beſtimmt aft: 


Ders 





bey Leichenbeftsttungen. . 965 


Verbrennungetag. Sammlungstag. Stunde. Wlan Saba. 


Maus, — Schaaf, Affe. 
Ochs, Schlange, Ä Pferd, 
Tiger, Pferd, Drache. 
“Hofe, Schaaf, Sechlange. 
Drache, Affe, Pferd, 
Schlange, Schwein, Schlange. 
Pferd, Hahn, Drache. 
Schaaf, - Bahn, Hahn. 
Affe, Maus, Hund, 
Bapı, Tiger, Schlange. 
Hund, . Dferd, Affe. 
Schwein, Drache, Drache. 


Anmerkung bey Leichen. 


Wenn ein Menſch mit ofnem Munde ſtirbt, ſo muß man 
denſelben nicht zudruͤcken, ſondern folgende Figur des geiſtlichen 
Scepters Sagalmay⸗Otſchirr auf Papier zeichnen, | 





AM . 
und fo auf dem ofnen Mund legen, fo ift es für die nachbleis 


benden guf. In widrigen Rall wird alle Zahr das Ungluͤck 
wieder auf jemand aus der Verwandſchaft fommen. 


Stirbt jemand mit ungefchloßnen Augen, fo müffen felbige 
mit einem ſchwarzen Seidenfegen (Rip) bededt werden. Sind 
die Yugen noch unfen verdreht, das ift fehr guf, . 


Stirbt jemand mif ofnen, umgefehrten hohlen Händen, als 


ob er winkte, das ift ein böfer Fall, denn er minft gleihfam 


die nachbleibenden ihm zu folgen. Auf eine folche Feiche muß ' 


sin fcharjes Eifen gefeßt werden, Sind aber die: Hande einer 


SU : Lei⸗ 








266 | Ceremonien 


x 


Altan Saba. Leiche gefchloffen,, das iſt für die Erben , bis ins dritte Glied, 


e 


gluͤcklich. Auch iſt es gut wenn jemand mit mohlgefchloßnen. Aus 
gen ſtirbt. | 


£ * J 
Ko... 


Das zweyte, Die abergläubifche Poffen bey geichenbeftattun 
gen lehrende Werfen, für deffen Berfaffer der Burdan Wan 
fufchiri ausgegeben wird, führt im Mongolifchen den Titel 

Jerrien-Gaſſool, 
und es werden darinnen folgende Vorkehrungen anbefohlen: 


Jerrien⸗Gaſ⸗ Die Vorkehrungen, nach Maaßgabe der ſieben (k) Garrak 
fol. (Planeten) find dieſe. Wer unter Regierung des Narran⸗Gar⸗ 
rak (der Senne) ſtirbt', für den muß, nach Weften zu, ein mit 
N ‚weißer Seide umwundner Pfeil ausgefteft werden. Iſt er im 
Pferdejahr geboren, fo muß man für ihn auch noch ein Feuer 
anzunden, und ein fuchsfarbiges Pferd in eine eiferne Fußzwin— 
ge fpannen. . 


Für einen unfer Sarain⸗Garrak (dem Mond) Berftorbe: 
hen witd ein, Pfeil mit blauer Seide nad) Norden auögeitedt. 
Iſt es ein Maͤuſe- oder Schweinejahr geborner,, fo muß Waſſer 
in die Luft gefprengt und ein Dunfelbrauner Ochs gefeffelt werden. 


Wer unter Ulan⸗Niduͤn garral (Mars) flirbe, dem muß 
ein mit Seide ummundner Pfeil nah Welten ausgeſteckt werden. 
Für folde in Maufe, Draden oder Bärenjahr geborne muß 


noch ein euer angemacht und ein ſchwarzer Bock mit Striden 
gefeffelt werden. 


Stirbt jemand unter Uellimtſchi⸗ garral (Merkur) fo muß 
ö ein blau ummidelter Pfeil gegen Diten geftedft werden. Für die 
| | im 





9 S. oben Seite 220. i u 





bey Leichenbeftattungen. | 267 


im Haſenjahr gebornen wird Waſſer in: die Luſt gegoſfen, auch Jerrien Gal⸗ 
ol. 


ein rofber Ochs und ſchwarzer Ziegenbof mie Stricken gefeffelt, 


So ein Todesfall unter Gaduſſun⸗-Garrak (Jupifer) vor= 
kommt, fo muß ein mit grüner Seide bewickelter Pfeil zwiſchen 
Süden "und Weiten auögeitedt tverden. . Fur die im Hahnen⸗— 
Kuh- und Schlangenjahr gebornen, muß mit Holz geworfen und 
.felbiges, nebit Kohlen in die Erde vergraben werden. 


Wer unfer Baſſang-Garrak ( Denus) flirbf, dem.muß - 
ein weiß umitvidelter Pfeil nah Suͤden ausgeftedt ud an der. 
Seite ein Beil gelege werden. Fuͤr die im Tiger, Pferde» und 
Hundejabr. gebornen find noch gegen Norden zu Kifehzahne zu 
‚legen. | R 

Unter Bambaͤ⸗Garrak (Saturn) wird der Pfeil mit gel- 
ber Seide ummidelt, nah Norden ausgeftedt und Zweige von 
Daumen werden auögeworfen. Einer in gelben Kfeidern muß 
gelbe Erde gegen Norden zu in die Luft werfen, und etwas von 
einem Ejel, vom Felobau , von einer: zwenjahrigen Kuh, nebft 
etwas Holz gegen Norden hinlegen. | | 


In Rücdfiht der 28 Oddon oder Himmelszeichen muß nach⸗ 
folgendes beobachtet werden. Trift Metſchingall⸗Oddon auf _ 
den Sterbefall, ſo muß auf ein ſchaufelfoͤrmig geſchniztes Hoͤlz⸗ 
chen oder Schulderblaͤttchen ein Affenkopf gezeichnet und’ fech6 
Menſchenbildniſſe gemacht und umber geftellt werden. d Wegen 
LUerguͤltſchiſchorroi· Oddon wird auf das Holzlein ein Hundefopf 
gezeichnet. In Teregien: Rie, iſt eingMenfchenkopf auf das 
Holzhen zu zeichnen; in Gar-Uſſun ein Kuhfopf; in Urdu— 
Ilagukſen Rie ein. Schroeinsfopf; in Ehoitu » lagukfen ie 
einer gelben Schlange Kopf; in „Jibs : Süfd ; Galk eines’ gelben 
Wurms Kopf; in Vezüksn - SuEk - Gall eines Füllen. Kopf; 
in Charzago-Kie eines großen gelben. Wurms Kopf; in Galli⸗ 
en ;Delletd ein Pferdefopf, und vier Menfchenfigurer find von 
Thon oder Mehlteig (Ghai) zu bilden und ausjuftellen. In 
Chabtur:Rie muß cin N in Sarrai⸗ Rie ein .. 

— ———0— Top 


! 


YAltan Saba. 


Jerrien⸗Gaſ ⸗ 
ſool. 


7 Ceremonien 


Leiche geſchloſſen, das iſt für die Erben, bis ins dritte Glied, 


gluͤcklich. Auch iſt es gut wenn jemand mit wohlgeſchloßnen. Au⸗ 
gen ſtirbt. 


* * 
Ko: 


Das zweyte, Die abergläubifche Poffen bey Leichenbeſtattun⸗ 
en. Iehrende Werkchen, für deſſen Berfaifer der Burdan Man⸗ 
fıfehiri ausgegeben wird, führt im Mongolifchen den Titel 
Jerrien-Gaſſool, 


und es werden darinnen folgende Vorkehrungen anbefohlen: 


Die Vorkehrungen, nach Maaßgabe der ſieben (k) Garrak 
(Planeten) ſind dieſe. Wer unter Regierung des Narran⸗Gar⸗ 
rak (der Sonne) ſtirbt', fuͤr den muß, nach Weſten zu, ein mit 
weißer Seide umwundner Pfeil ausgeſteckt werden. Iſt er im 
Pferdejahr geboren, ſo muß man fuͤr ihn auch noch ein Feuer 
anzuͤnden, und ein fuchsfarbiges Pferd in eine eiſerne Fußzwin⸗ 
ge fpannen. | = 


Für einen unfer Sarains Barrel (dem Mond) Berftorbe: 
hen witd ein Pfeil mit blauer Seide nad) Norden ausgeftedt. 
Iſt es ein Maufe - oder Schweinejahr geborner, fo muß Waſſer 
in die Luft gefprengt und ein Dunfelbrauner Ochs gefeffelt werden. 


Wer unter Ulan⸗Niduͤn garral (Mars) flirbe, dem muß 
ein mit Seide ummundner Pfeil nah Weften ausgeſteckt werden. 
Für folde in Maufe, Draden oder Baͤrenjahr geborne muß 


noch ein euer angemacht und ein fchtwarzer Bock mit Striden 
gefeffelf werden. 


Stirbt jemand unter Vellimefchyi + garral (Merkur) fo muß 
ein blau ummidelter Pfeil gegen Diten geftedft werden. Für Die 


im 





(9) S, oben Seite 320. | — 


By 














bey Leichenbeftattungen. 267° 


- im Bafenjahr gebornen wird Waffer in die Luſt gegäffen, auch Jertien Gal⸗ 
ſool. 


ein rother Ochs und ſchwarzer Ziegenbof mit Stricken gefeſſelt. 


&o. ein Todesfall unfer Gaduſſun⸗Garrak Jupiter) vor⸗ | 


kommt, fo muß ein mie grüner Seide bewickelter Pfeil zroifchen 
Süden "und Weſten ausgeſteckt werden. Fur die im Hahnen— 
Kuh- und Schlangenjahr gebornen, muß mit Holz geworſen und 
‚felbiges, nebſt Kohlen ın die Erde vergraben werden. 


Mer unfer Baffıng : Barrat ( Venus) flrbf, dem muß 


ein weiß umwickelter Pfeil nach Suͤden ausgeſteckt und an der 
Seite ein Beil gelegt werden. Fuͤr die im Tiger, Pferde- und 
Hundejahr gebornen find noch gegen Norden zu Fiſchzähne zu 
legen. | 


Unter Bambaͤ⸗Garrak (Saturn) wird der Pfeil mit gel- 
ber Seide ummidelt, nah Norden ausgeftedt und Zweige von 
Baumen werden ausgeworfen. Einer in gelben . Kleidern muß 
gelbe Erde gegen Norden zu in Die Luft werfen, und etwas von 


einem Eſel, vom Felobau , von einer: zweyjaͤhrigen Kuh, nebft 


etwas Holz gegen Norden hinlegen. 


In Rüdfiht der 93 Oddon oder Himmelszeihen muß nach⸗ 
folgendes beobachfet werden, Trift Metſchingall⸗Oddon auf 
den Sterbefall, ſo muß auf ein fhaufelformig gefchniztes Holz: 
chen oder Schulderblatthen ein Affenfopf gezeichnet und’ fechs 
Menfchenbiloniffe gemacht und umber geftellt werden. “ Wegen 
Vergültfhifchorroei:&ddon wird auf das Hölzlein ein Hundefopf 
gezeichnet. In Teregien- Rie, iſt eind Menſchenkopf auf das 
Hoͤlzchen zu zeichnen; in Bar: Affen ein Kubfopf; in Urdu— 
Ilagukſen Rie ein, Schweinsfopf; in Choitu s TJlaguffen Rie 
einer gelben Schlange Kopf; in TJih& ⸗Suͤkaͤ⸗SGall eines’ gelben 
Wurms Kopf; in Uezuükoͤn-Suͤkaͤ-Gall eines Füllen: Kopf; 
‚in — eines großen. gelben. Wurms Kopf; in Galli⸗ 

en-Dellekaͤ ein Pferdekopf, und vier Menfchenfigurer find von 
Thon oder Meblreig (Ghai) zu bilden und auszuftellen. In 


Chabtur⸗Kie muß ein Tigerkopf, in Sarrais Rie ein Schweins⸗ 
Ra De De: 


‚Topf 


\ 


| Jerrien. Gaſ⸗ 
ſool. 


N 


voder Schasftagen verftorbene aber find eines Arztes (Emtſchi) 


> 


968 Ceremönien 


kopf gezeichnet, und überdies noch ein mit Waſſer angefüllter Napf 
aus efee werden. In Urdu-Uſſun⸗Addon muß ein Punds⸗ 
* in Bbür - Schorrof ein Barenkopf, in Dalla-Uſſun ein 
Pfauenkopf, in Berrien - Churguns Schorroi ein Dracenfopf, 
in Choit und Yffun- Schorrei cin. Schlangenfopf, in Dſchib⸗ 
fin - Schorroi ein Ochfenfopf, in Ordu⸗-VTſchuͤdduͤr⸗Schorroi 
ein arg in Choittu⸗-Tſchudduͤr-Uſſun ein gelber Bo: 
3 opf, in Urdu-RKkam-Gal, ein Eſelskopf, in Choitu-Rkam⸗ 

ſſun ein Schweinskopf, in Parri-Gal-Oddon, ein Ochſen⸗ 
kopf gezeichnet werden. | N 


Die Borfihtsmaagregeln wegen der zmolf Jahresregenten (*) 
find folgende: Gür den der an einem Wauſetage ſtirbt muß cf: 
was Wolle eingewickelt und einem Hunde an den Hals gebunden, 
auch eine an einer Schlinge gefeffelte Maus abgebildet werden. 
Für die an Ukker- oder Ruhtagen Berftorbene, muß ein Ges 
faß mit gelber Erde angefüllt und efivas Baar von einem Och⸗ 
fen fingelegt werden; in das Gefaͤß mit Erde werden kleine 
Pfeile eingeſteckt. Fuͤr die melde an Wars: oder Tigertagen 
fterben, muß ein roth beiwidelter Eleiner Pfeil in die WBeltge: 
gend des Vigers d. i. nah Oſten, ausgefteht werden. Für Die 
an Toolai = oder Haſentagen geftorbene ift guf, wenn derjenige, 
welcher die Handlung verrichtet, feine Kleider auf einem Efel 


wegtragen laß. Für die an Lu» oder Dradyentagen verſchie⸗ 


dene muß ein mif einem Lukopf. geziertes Menfchenbildnif auf eis 
nem Staͤbchen ausgehangt werden; den folgenden Tag wird dies 
Bild an einem Pfeil gehängt, und ein Gefaß mit etwas Getrei— 
de ausgeftell. Für die, melde an Mogoi- oder Schlangen: 
tagen fterben, muß ein mannliches Bildniß gezeichnet, felbiges 
auf die Müße eines jungen Weibes geftellt, und unter diefe eine 
geiftlihe Schrift zum Polfter gelegt werden. Für die an Mo⸗ 


. zinn = oder Pferderagen‘entfeelte, muß Erde aus einem Fluß ge 


nommen und unfer das Lager gelegt merden; für die an Choin⸗ 


Klei⸗ 


[er 


(*) S. oben Seite 220, 





— — 





bey Leichenbeftattungen. 69 

Kleider unfer den Toten zu legen, und dieſe Borkehrung ift-fehr Jerrien Gaſ⸗ 
nothwendig. Für die an Metſchin- oder Affentagen geflorbene, fol. ' 
muß man ın einem Müßenfutter etwas Hundekoth legen und fel= 

biges gegen Welten ausftellen. Für die am Takka⸗- oder Hah—⸗ 

nentage entfeelte muß eine Hahnsfigur, mit den SKopfen aller 

zwoͤlf Jahresregenten umgeben, gezeichnet und felbiges nah Suͤ⸗ 

den hingelegt werden; nad Bollendung der geiftlichen Handlung 

bey der Seiche, nimmf man dieſe Figur und legt fie gegen die 

eigne Gegend des Takka d. i. Welten, Für die am chot 

oder Dundefage geftorbene ,, muß man einem Bunde eine Hand 

vol Mepl geben, nachdem ihm zuvor Mund und Zunge rein ges 

macht morden, worauf man ihn nach beliebiger Weltgegend Taue 

fen laͤßt. Fuͤr folhe die an Bochai oder Schmeinetagen ſchei⸗ 

den, muß etwas von einem Weibe, an einem Wege ın Die Erz - 
de gegraben und darüber eine Muͤtze und Kleid gelegt werden. 


Die Vorkehrungen in bofen , unglüdlihen Monaten: Made - 
aus Mepl einen fihwarzen Mond, denfelben lege da, mo fih ein 
Meg . An Tagen, da bofe Geifter ſchwaͤrmen, muß für 
einen Berftorbenen Fleiſch, Butter ung Mehl in einen Sad ges 
legt und felbiger in der Wohnung, den ganzen Tag an einem ru⸗ 
higen Ort unangerührt gelaffen werden; dadurdy ſaͤttigen fih die 
bofen Geiſter. An gemopnlichen üblichen Tagen muß man.efwas - 
fchones, das weiß und roth ausſieht, auslegen. Wegen gefaprli- 
her Nachte ift Sonne und Mond zu zeichnen und gen Norden. 
Binzulegen. — Wenn Monat und Tag zugleih ſchwarz und ge: 
fahrlih find, fo muͤſſen neunerley Holzer gefihnitten, felbige mit 
ſchwarzen Pferdehaaren umwickelt, etwas Kauf von einer ſchwar⸗ 
zen Ziege, Haare von einem ſchwarzen Hunde, verſchiedene !ap- 

- dien von ſchwarzem Tuch, alles zuſammen oben an einen Spies 
gebunden und dem Moride gegenüber aufgeftellt werden, 


Die indianifche Tarni (Beſchwoͤrungsworte) auf die ver ſchie⸗ 
denen Elemente (Machmuͤt *), welche bey Leichen An 
——— ind 





(*) ©. oben Seite 293. 





970 | a Geremonien u 


Jerrien Gaſ⸗ find folgende: Gm mani yali mid da jaßo gnah iſt die Mit- 

fool. el» oder Herzformel des’ Regenten der Schildkroͤte, (namlich, des 

zufälligen Jahresregenten). Om mamem duͤuͤr j& Bob gnah, 

iſt die Formel für Modon-Machmuͤr (Holzelement); — Om 

mama ram ram jä Bob gnah für Gall⸗machmuͤt ( Geuercle: 

ment); Om mama Rie rab Rie rah jaͤ Bob gnab, für Tums 

‘mer ( Eifenelenenet ); Om mab mab Eam kam jöb ßoh gab, 

für Uſſun, (Wafferelement);— Om mah mah fuͤh ßuͤh rang 

rang jaͤh ßoh gnab, für Schorroi (Erdelement); — Om age: 

nib niganih adſchala mannarah lah mawah wrah lah jaͤ ßo 

gnah iſt eine Formel die ſich auf alle bezieht und fuͤr alle To⸗ 

desfaͤlle und Beſtattungen ſehr dienlich, auch noch'bey vielen an— 

dern Gelegenheiten zu gebrauchen if. Dafür laßt uns den ie: 
Schi ailaduktſchi Burdan werepren! 


| Es ift noͤthig die übrigen Todtengebrauche anzuführen. — 
er im Ball: Rüllil (*) ſtirbt oder auf deffen Todesfall diefer 
Küllil Beziehung hat, für den muß ein Pferdefopf herbey ge: 
fhaft und auf eine Pferderippe eines Menfchen Bildnif gezeich— 
net werden; auch muß man gegen Worten zu auf einen ſchwar⸗ 
zen Stein Om Om fohreiben. Ferner hat man auf zwey Stüd 
eig von Erbfenmehl zwey Elſtern zum zeichnen, Davon ein 
Stüf einem Hunde gegeben, dad andere eingemwidelt einem 
Bunde herum zu fehleppen überlaffen wird. Auf den Knochen 
des Pferdefopfs fehreibe man: Om lang lang garru nanfüt, 
Om Ei jaktſchah dot. Diefes gilt auf. Todesfälle der zwoͤlf 
Jahre und Otſchirbani beſtaͤrkt die Wuͤrkung dieſer Tarnifor⸗ 
mel. Hiernächſt muͤſſen auf der Nordſeite Hunderttauſend Mani 
gebetet werden, alsdann wird die Seele in Suͤden wieder geboren. 


Auf weſſen Tod ſich Schorroi⸗-Ruͤllil bezieht, für den muß 

ein Kaͤnnchen (Bumba), mit Ddreyerleg Früchten angefüllt ge: 
nommen und davon über und unfer die feiche gethan werden. In 
Weſten lege einen blaulicden Stein, auf melden die Tarni Schi- 
ni 





(*) Von den Kuͤllil. Siche oben Seite 229, 


D 














\ 


1 ; N 
bey Leithenbeftatrungen. - 971 


ni mutur geſchrieben iſt. In eine andere Bumba 'thue Erbfen YFarienGch - 
und ftelfe fie gegen Norden. - Auf ein Bret von findenholz zeide ſool. 
ne den Suͤmmer-Oola (*) und die vier Tip, Diefes flede im 
die Erde, neben dem Todten. Für ein altes Weib, fo im Schaaf: 
jahr geboren, fehreibe man auf einen Zettel: Uißun dub om 
bahſar roddun Bub rab om lah lab Bari duͤk, ſtecke dieſen in 
eine hölzerne Rchre und dazu noch etwas von einem Schaafhorn. 
Iſt nun vollends ſolch ein Weib unfer dem Einfluß ver füdlichen 
Gegend, fo werden, wenn obiges befolgt wird, alle Schwierig: 
Leiten gehoben. Zuletzt muß auch ein Schaaf und ein Efel auf 
irgend eine Art abgebildet, felbige zu verfchiedenen Malen rings 
um den Todten herum geführt, und dabey zmey Gebete gelefen. 
werden. — Nun find noh wegen der ‚befen Geifter, melde noch 
allerhand Handel machen fünnen, die gewöhnlichen Borfehrungen 
Dinzu zu thun. Bu dem Ende kann man nur Dreyerley große 
Goͤtterbildniſſe aufrichten laffen, fo wird die Seele unverweilt 
wieder einen Menfchenkorper, wenn aber die vorgefchriebene Re: 
geln nicht pünktlich bejolgt worden, einen &chaafforper beleben. 
Die Seelenforge fir die welche unter dem Einfluß des Timmmer: 
machmut find, beſteht in folgenden: jormire ein Herz, lege folz 
ches auf des verftorbenen Herz und fihreibe auf einen rofhen 
Stein die Formel des Kien - Murtur (**), hierauf thue Die geifts 
liche Verrichtungen, wozu ein recht beiliger und fugendhaffer 
Geiſtlicher zu mahlen iſt; ferner Taffe durch einen der Bieh ges\ 
ſchlachtet hat, über des Todten-Kopf Feuer anfıhlagen ;' veranitalte 
dann die Borfehrungen, Die wegen Der Zahl Der !ebensiahre 
vorgefchrieben find, und verrichte felbige gegen Oſten zu; auf den 
Ruͤckenknochen einer Ziege fihreibe: Rafan don rib, Bob chab, 
om drih dda ſchiduk, dieſe Tarni bewidele mit den Frühlings» 
haaren eines. rothen Hundes und von außen mit gelber Seide; 
. formire von dem Teig einen Efel und feße ihn vor den Todten 
hin; laß die Schrift Lama Sanggidi befen und viele Zaza (t) 





(*) ©. diefen Theis Seite 22 — 

(**) Darüber fehlt eine Erklaͤrung; vermuthlich wird eine beſtimmte Taxe 
niformel gemeint feyn. ur | Ä 

(F) Kleine figurirte Pyramiden aus Thon. 


“ ’ r*® 


970 | Z Geremonien = 


Jerrien Gaſ⸗ find folgende: Om mafi gali mid da jaßo gnah ift die Mit- 
foot. «el: oder Herzformel des Regenten der Schildkroͤte, (namlich, des 
zufälligen Zahresregenten). Om mamem düür j& Bob gnah, 
Aft die Formel fuͤr Modon-Machmuͤr (Holzelement); — Om 
mama ram ram j& Bob gnah für Gall⸗machmuͤt (Feuerele⸗ 
ment); Om mama Rie rab Rie rab fd Bob gnah, für Tums 
mer ( Eifenelenent ); dm mab mab Fam kam jöb ßoh gnah, 
für Uffun, (Wafferelement);— Om mah mah Hub ßuͤh rang 
rang jaͤh Bob gnab, für Schorroi (Erdelement);— Om age: 
nib niganib adfchala mannarah lah mawah wrah lah jaͤ ßo 
gnah it eine Formel die ſich auf alle bezieht und für alle Tu 
Desfalle und Beſtattungen fehr dienfih, auch noch bey vielen an: 
"dern Gelegenheiten zu gebraucen if. Dafür laßt ung den Ma— 
ſchi ailaduktſchi Burdan verehren! 


Es iſt noͤthig die übrigen Todtengebraͤuche anzuführen. — 
er im Ball: Rüllil (*x) ſtirbt oder auf deffen Todesfall dieſer 
Küllil Beziehung hat, für den muß ein Pferdefopf herbey ge 
Schaft und auf eine Pferderippe eines Menſchen Bildnif gezeich 
niet werden; -auıb muß man gegen Norden zu auf einen fehmar: 
zen Stein dm Om fohreiben. Ferner hat man auf zwey Stüd 

eig von Erbfenmehl zwey Elſtern zum zeichnen, Davon ein 

Stuͤck einem Hunde gegeben, Dad andere eingewidelt einem 
Bunde herum zu fehleppen überlaffen wird. Auf den Knochen 

des Pferdefopfs fehreibe man: Om lang lang garru nanßüt, 
Om kaͤ jaktſchah dot. Diefes gilt auf: Todesfälle der zwoͤlf 
Zahre und Otſchirbani beftarft die Würkung diefer Tarnifor: 
mel. Biernachft müflen auf der Nordfeite Bundertfaufend YYfani 
gebefet werden, alsdann wird die Seele in Suͤden wieder geboren. 


Auf weſſen Tod fih Schorroi= Rüllil_beziept, für den muß 

ein Kaͤnnchen (Bumba), mit dreyerley Fruͤchten angefült ge . 
nommen und davon über und unfer die Leiche gethan werden. In 
Welten lege einen blaulichen Stein, auf welchen die Tarıi She 
ni 








(*) Don den Kuͤllll. Siche oben Seite 229, 





* « 


J ze . 
bey Zetchenbeftateungen. - 971 


ni mutur geſchrieben iſt. In eine andere Bumba thue Erbfen JerrienGap 
und ſtelle ſie gegen Norden. Auf ein Bret von Lindenholz zeich⸗ ſool. 
ne den Suͤmmer-Oola (*) und die vier Tip, dieſes ſtecke in | 
die Erde, neben dem Todten. Für ein altes Werk, fo im Schaaf- 
jahr geboren, fehreibe man auf einen Zettel: Uißun dub om 
bahſar roddun Bub rab om lah lab Bari duͤk, ftede Diefen in 
eine hoͤlzerne Rehre und dazu noch etwas von einem Schaafhorn. 
ft nun ‚vollends folh ein Weib unter dem Einfluß der ſuͤdlichen 
Gegend, fo werden, wenn obiges. befolgt wird, alle Schwierig⸗ 
keiten gehoben. Zulegt muß auch ein Schaaf und ein Efel auf 
irgend eine Art abgebildet, felbige zu verfchiedenen Malen rings 
um den Todfen herum geführt, und dabey zmey Gebete gelefen. 
werden. — Nun find noch wegen der ‚bofen Geifter, welche noch 
allerhand Handel machen fonnen, die gewöhnlichen Borfehrungen 
Binzu zu thun. Zu dem Ende fann man nur Dreverley große 
Goͤtterbildniſſe aufricheen Taffen, fo wird Die Seele unverweilt 
wieder einen Menfchenkorper, wenn aber die vorgefchriebene Re: 
geln nicht pünftlich beyolgt worden, einen &chaafförper beleben, 
Die Seelenforge für die welche unter dem Einfluß des Tuͤmmer—⸗ 
machmut find, beitebf in folgenden: formire ein Herz, lege folz 
‚bes auf des verftorbenen. Herz und ſchreibe auf einen rofhen 
Stein die Formel des Kien - Murtur (**), hierauf thue die geifts 
liche Berrichtungen, wozu ein recht heiliger und tugendhafter 
Beijtficher zu mablen üt; ferner laffe Durch einen der Vieh ge- 
ſchlachtet hat, über des Todten-Kopf Feuer anfıhlagen ;' veranitalte 
dann die Borfehrungen, Die wegen der Zahl der tebensiahre 
vorgefchrieben find, und verrichfe felbige gegen DOften zu; aufden 
Rücenfnoden einer Siege fehreibe: Raſan don rib, Bob chab, 
om drih dda ſchiduk, dieſe Tarni bewickele mit den Frühlingös 
haaren eines. rotben Hundes ımd von außen mit gelber Seide; 
‚formire von dem Teig einen Efel und feße ihn vor den Todten 
bin; laß die Schrift YTama Sanggidi befen und viele Zaza (t) 





(*) ©. diefen Theii Seite 22. 

(**) Darüber fehlt eine Erklaͤrung; vermuthlich wird eine beſtimmte Taxe 
niformel gemeint feyn. 

(+) Kleine figurite Pyramiden aus Thou. 


“ 


garien Gaſ 
oↄnge⸗ 


2720 Ceremonien 


formiren. Suche ſd viele Geiſtliche zuſammen zu bringen, als 
zu dem Geber an die fuͤrchterlichen Burchanen (Naiman-Dok⸗ 
ſchot) noͤthig find. Hierauf findet die Seele von felbft wieder 
einen neuen Korper, | Ä | 


\ 


Für Diejenigen, die unfer dem Einfluß des Oktorgoi-Ruͤl⸗ 
lil) fterben, iſt folgendes zu beobachten: zuforderft muß Die Gal⸗ 
Te (Delloi) eines Bieptodters (*) herbengefchaft werden. Auf ein 
Brettchen fehreibe die Tarni des Sinni Murur; auf einen Stie⸗ 
fel zeichne einen Hundskopf, diefen wickele in eine Ochſenhaut ein 
und vergrab darnach den Leichnam gegen Norden. Oben darauf 
lege das obere Nafengebein eines Schaaffopfs. Wenn Oktorgoi 
Diefes genau erfuͤllt fiehf, fo wird das nachfolgende Dadurch er: 
leichter. Bey einem alten, im Nochoi⸗ oder Hundejahr gebor: 
nen Mann ift auch. dieſes zu beobachten; ſchreibe die Tarni: (Bar: 
ma duͤbaͤ die Bob chab, dieſe wickie gehörig in etwas ein; 
außer dierer, fehreibe noch auf ein andres Papier: Jakſar dok. 
Hierauf wird die" Todesmacht der zroolf Jahre gebrochen. Ber: . 
ner muß der Dienftverrichtende Priefter , ‚vermiftelft einer Bum⸗ 
ba nach der Vorſchrift verfahren, die Schriften Naiman-Gaͤ⸗ 
gen, YIeiman : Miinggan - Schülüttu, Emaͤgaͤni ſchuddur 
langgar ſchakba und Altan = Berell beten, ver keuſchen Taͤng⸗ 
gri ihre Tail (}) Heiligen und Arſchan ausfprengen (**). Gleis 
chergeſtalt müffen die Schwierigkeiten megen der Tarni Sſarwa 
rub& gehoben und die BVeranitaltungen getroffen werden, Die me: 
gen der fieben Planeten (Garrak) nöthig find. Mache dann von 
Meplteig einen Hund und ein Pferd, mit Diefen gehe, famt den 
Stieteln des Berftorbenen, um den todten Korper herum. Nach 
Bollfüprung diefer Dinge, deren Wuͤrkung durch Vermittelung 
des Burdans Uelli⸗ tſchi Fraftig wird, findet die Seele vn 

te 





(*) Da dieſes eine faſt unmögliche Sache ift, weil man zu dem Endzweck 
einen Be Menſchen tödten müßte, fo find zur Vermeidung dieſer 
Schwierigkeit wieder ganz andere Mittel vorgefchrieben, die gleiche 
Kraft haben und den Pfaffen einträglich find. Ä 

(t) ©. oben Seite 158. 

(**) Seite 176. 


/ 





bey Leichenbeftattungen. | 973 


reiten Ort und mird in einem männlichen Menſchenkoͤrper wie⸗ Jerrien Gaſ⸗ 
der geboren, - Für diejenigen, fo unter. Uſſun-Kuͤllil gehören, ſool. 
ift folgendes wahrzunehmen: Nehmt eine Bumba, fuͤllet felbige 
mit Getreide, umwickelt fie mit fchoner Seide und vergrabef-Ddie- 
fes fammt dem Todten. Oben darüber gießet Waſſer aus, In - 
etwas - von einem der viel Fifche gefodtet hat, wickle dieſe auf 
Vogelhaut geſchriebne Tarni: Mah mah, rakdun, don ddrah 
ßo chah; Ram bob ddrah buͤ dok. Ben Perſonen maͤnnli⸗ 
chen Geſchlechts verdeckt auch noch den Mund mit einem Brett⸗ 
chen. Auf dieſe Weiſe wird die Todtesgewalt der zwoͤlf Jahre 
gebrochen (*) und vernichtet. Zeichne und ſchreibe auf einen Ochs 
fen = und Schaaffopf ein ARürtdbs (Betraͤdchen) und vergrabe 
diefes, nebft dem Tell und Knochen eines Togers gegen Norden. 
Um den Hals eines von Meplteig gebildeten Schweins binde et⸗ 
was Gras mif einem Strif und gebe damif rings um den Tod» 
ten herum. Laß die Schrift Naiman Aſool beten. Wenn Dies 
ſes alles gefchieht, fo wird gewiß eine folche Seele, durch Bers 
mittlung des Burchans Aburaktſchi, einem männlichen Menſchen⸗ 
torper beleben. Ä | 

Die Vorkehrungen bey Denenjenigen die unfer Oola - Kuͤl⸗ 
Kl geboren find Diefer auf ein che :felbein von einem Ochfen 
fhreibe diefe Tarni: Om chab, nakbah chab dahra ßaga mah 
tab Ba don don ßoh chah. Diefes wird z viſchen Norden und 
Diten ausgelegt und hat die Wurkung, daß Die Todesmacht der 
zwoͤlf Jahre auf einmahl vernichtet wird. Ferner muß ein Dels 
[$ von einem Viehtoͤdter und eins von einem Ochſen herbey ges 
fhaft werden, dazu lege man einen Knohen und zwar ſuͤdwaͤrts. 
Auf einen blauen Stein fehreibe die Tarni des Suͤnt Mutur. 
Auf ein grünes Baumblatt zeichne die Figur des Suͤni Wurur 
und lege e8 auf den Todten; darnach befeitige es oben in ein 
aufgefpaltnes Staͤbchen von Sandelholz, und. ftede dieſes zwiſchen 
Dften -und Süden in die Erde. Laß ferner Die von dem gr 

| au 





(9 IH Habe Feine deutliche Auslegung diefer Phraſe erhalten Können. 
Zweyter Theil. | st ee 





274 | Erremonin 


Jerrien, Goſ auf Den Geburgen Herrfchenden Weltregierer (Zagan⸗Ebugen) 


Fr 
% 


fool. 


angeordnete Schrift beten; Icfe einen Ohfenfopf aus, over laf, 
um nice megen eines Kopf einen "ganzen Ohſen zu ſchlachten, 
die Geiſtlichen Borkehrungen anwenden, die hievon uberpeben; 
gieb auch die Auslefung für die Erforderniß des Bofar : Afäni 
düngl&, namlich Schaaffett; darauf eine Rıppe von einem tod⸗ 
ten. Dhfen der einen weißen Rüden gehabt hat; mit diefen gehe 
dreymapl um den Todfen herum, Wnen das gefchehen, ſo wird, 
vermittelit Zuthuung der Burchanen Otſchirr Bam und Tokko⸗ 
luktſchi Otſchir, Die Seele in einem jehr vornehmen Menfchen: 
Eörper twieder geboren. ur die, fo von dem MWobun=- (Holz) 
Element abhängen, muß in Holz, vermittelft eines Meffers, Die 
Tarni, Om dah rah gab, ga ßoh chab; om ſſarwa rak chuͤhk 
85, ßoh chab, eingegraben werden, Diefes umiidelt man mit 
Hafenhaar, legt es nah in ein Vehältniß und vergrabt es gegen 
Oſten. Oben drüber wird die Tarnifermel des Dain Mutur 
gelegt, auf die Leiche aber der Kopf eines todfen Vogels und übers 
dem noch .ein Lafen= oder Maulefelber, Endlich fo find auf 
Die Schriften Moduni Tſchimek arban chojor tuͤmmuͤrtaͤ und 
Naiman Bägen uffun, zu beten. Fuͤr das koſtbare ermahnte 
Holzwerk Fanı Yuslofung gefhehn. Auf einen abgebildeten Efel 
wird ein Bogen und Pfeil Dreymahl ring: um den Leichnam ges 


führt; fo nord, Durch Bermittelung des Chondſchin bodi fade, i 


die Seele wieder einen menſchlichen Korper bewohnen. 


Die auf Rie-KRuͤllil ſich beziehende Borkehrungen beftchen 
in folgendem: man verfchafft fih den Kopf von einem Chainuk (*), 
und ein Horn von einer Art milder Ziegen; auf ein Fufteral 
von Birkenrinde fihreibt man folgende Tarni: Duͤrruͤh Bab mah 
jaͤ ßoh chah; duͤrruͤ duͤrruͤ chah, dab j& Bob chah, in dieſe 
Rinde legt man etwas von einem recht wilden und fo!en Weide 
und bemwidelt diefes mie Baar oder Welle von Thieren. Sodann 

wird 





(*) Der große langharige Tybetaniſche Büffel mit dem Pferdeſchweif. Cs 
serficht ih, daß, mo dergleichen nicht zu haben fit, der Pfaff Dafür 
r die Auslöfung erhaͤlt. 








bey Beichenbeftattungen a8’ 
I 


mird alles in die. Haut vom Chainuk zufammen genommen und errien.Gof, 
zwiſchen Often und Süden zum Bergraben fortgefragen. Man fon: 
formirt 3036, laft das Buch Charrangoi Sfuddur Banferikza, 
ingleihen da8 Gebet an Dijani chan und Naiman minggon 

ſchuͤliktu beten, und auf einen gezeichneten Chaimuk, auch nur 

abgebildet die Kleider Des Berflorbenen dreymahl um die Leiche 
herumtragen, fo wird deſſen Seele, durch Bermittlung des Ot⸗ 

fbirbani wieder einen menſchlichen Korper bewohnen. ” 


* = 
2 * 


Noch ift anzumerfen, daß wenn ein zweyjaͤhriges Machen 
oder ein drenjahriger, Knabe fterben, verfchiedene ungemehnliche 
Gefaprlichkeiten ſich außern, Die ſehr ſchwer zu heben ſind, faſt 
fo ſchwer als den Umſturz der härteſten und groͤßten Felſenge⸗ 
buͤrge zu bewuͤrken. Dan hat aber auch hierin gewiſſe außeror⸗ 
dentliche Vorkehrungen, Die, wenn fie recht genau befolgt werden, 
unfehlbar wuͤrken. Diefes befraftigt Manſuſchari —** 
ihm ſey die Ehre der Anbetung! 


N 


% * 


Leichen, welche dem Geſeß nach auf die Gebürge zu bringen 
ſind, muͤſſen, wenn ſolches, wegen der Entfernung uͤnd andrer 

Schwierigkeiten nicht moͤglich iſt, von jemand auf dem Vuͤcken 
eine Strecke hin und zuruͤck getragen werden. Darnach muß man 
die Tarni Modon-Machmurt leſen laſſen. Sn einem Erlick⸗ 
jahr iſt es nicht einmahl noͤthig den Koͤrper alfo herum zu tra⸗ 
gen. — Im Fall ein nach der Vorſchrift zu verbrennender Koͤr⸗ 
per unmöglich verbrannt werden kann, ruͤhre man denſelben mes 
nigftens mif einem Weuerbrande an; SE auch verfchiedene eis 
ferne Dreyfuͤße herbey, feße oben auf diefelben große Becken mit 
Waſſer, fülle auch eine Schmeinsblafe mit Waffer an, oder wenn 
dergleichen nicht bey der Hund ift, irgend ein andres Gefaͤß, 
blafe ein Feuer an und löfche es auch oleich wieder aus. Date 

Zu ‚„8t93 — nad 


2 r j 


976 | Eeremonien 


Jerrien Gaſ. nach muß der Tarni des Modun machmuͤt geſprochen und Ere 


ſool. 


de in Die Luft geworfen werden. — Fuͤr Diejenigen, welche eis 
entlih ins Waſſer gelegt werden follten, macht man dieſe Bor: 
ehrung: man nimmt fünferlen fa. bigfe Erdarten, vermiſcht fel- 
bige, fpricht daben Die Tarnı des Schorroi Wachmür, wirſt 
gelbe Erde in die Luft und ſpricht zuleßt noch die Tarni Der vier 


WMachmuͤt. Daß dieſes alles vor großer Wichtigkeit fey, bezeugt 


der Verfaſſer Die es, Manſuſchari Burchan 


Unter welchem Ruͤllil einer gehoͤrt, deſſelben Kuͤllils Bilde 
niß ſoll auf Papier gezeichnet und an den todten Körper irgends 
mo angebundeı werden, ed fey an den Hunden oder Fußen. Ball 
Kuͤllil bekommt zum Wapen ein Perd, Schorri ein Schaaf, 
Tommür eine Zege, Oktorgoi einen. Hund, Uſſun einen Ehais 
nuf und Schwein, Bo:a eine Kuh, Modun einen. Efel,. Rie 
einen Draden, Bey, Anbindung: diefer Biloniffe muß man ein 
Hieſchhorn haben und mie demjelben "um: den. Tooten herum gehn. 
Wenn man ein ſolches Horn nicht befommen kann, fo darf es 
nur auf Papier gezeichnet werden, welches eben die Wuͤrkung hat. 


Diejenigen, melde unter Ball: Rüllil. gehören. wirf ja nicht 
uns Waſſer; die unter Tümmer : Rüllil‘ gehörige, wirf auf 
nicht ind. Waffer. Die unter Uſſun gehören, die -vergrabet.. Die 
unter Wodun geboren , Dürfen nicht verbrannt werden. Die uns 
fer die vier Zwiſchenkuͤllil geborige bringet niche auf. hobe Berge, 


_  Diejnigen, welde im Morin, Mogoi, Metſchin, Takka, 
Ehulguns, Jachai, Bars und Toolais Jahren -geboren find 
und in den übrigen. vier Erlik Jahren fterbeir, Dürfen ni ht vers 


‚ graben werden. Wer im Lu: Jahr geboren und im Nochoi⸗ 


Jahr geftorben iſt, Darf. auch nicht begraben. werden. Wer Uk— 
fer oder Choin zum Geburisjahr hat und unter Oola-KRullil 
ſtirbt, darf auch, nichf u.:ter Die Erde vergraben werden. Mer 
im LTochoi= Jahr geboren iſt und im Rie-BRuͤllil ſtirbt, varfi 
auf feine Gebürge und Hohen gebracht werden. 


Wer 





bey Leichenbeftsttungen:. 977 


Wer unter Negen-Zagan Menggs .*) ftirbe, für den muß 
00 


en auch Zagan (weiße) Dorma gema ht werden. Wer unter 
Chojor⸗Charra⸗ Menggaͤ ſirbt, frr den müfen auf einem. 
Hımdefop: Dorma abgebildet. werden... Wer u ter Gurgan As 
85 Moͤnggaͤ ſtirbt, für den müffen,. nach derjenigen Wiltgegend, 
mo er hingehoͤrt, zweif Handevoll Warfer in Die. Luft. gefprenge 
erden. Wer. unter Doͤrben LTogen:!Niengge: flirbt, für den 
muͤſſen drey Uſſnu Balmg ausgerteut,. auch: ı oh etwas Kiefern« 
Bol; in die gehirige Weitgegend. hingelegt werden. er. unfer 
Tabun- feharre:. menggaͤ⸗ſſtirbt, für. den: fo.l. ma auf ein Huͤ—— 
nercn ziven Augen und ein Maul: zeichnen,. felbiges: mit Z.egene- 
haut ummideln und in Die gehörige Welkgegend: legen: Wer uns . 
ter Surgan- Zagam- Menggaͤ jtirbt,. für. den: muß auf Fuchs⸗ 
fell ein Schlangenbildniß' gezeichnet, und aut einen Stab, na 
der gehcrigen — ausgehange: werden. Wer unter Do⸗ 
Ion Ulan- Menggs ftirbe, fuͤr den: wird eine hölzerne Schale 
mit. Waffer nach. der gehorigen Weltgegend: ausgeitellt,, auf noch⸗ 





das Chonggorz Zeichen. Mh 
Todten gelegi — "Wer: unt r KYaiman: Zagan Menggaͤ firbf,. 


für Den müffen Bon kehrungen mit einer: unmöglich‘ aufzusreibens 
ben’ Menge Todtengebeine geſchehen. Wer unter. TJeffun- Ulem 
Nirbe, für den: muß: mit einem: Schermeifer. eine: gewiſſe Gere: 
monie gemacht und nachdem: noch, ein: Brandopfer ( Baltaicho )ı 
wranſtaltet werden. | | 

Deltimmung der Zeit‘ und‘ Stunde, wanm obige: Vorfchriften 
angewandt werden muͤſſen: 


er ımfer Bars und Toolai’ flirbf, deſſen Seelenlöfung . 


auf, Papier gezeichnett und auf dere 


muß in Der. Zeit, a: Metſchin regiert‘, ‘vorgenommen: werden. 


Wer unter: Toolai ſtirbt mu unter Tokck. beſtattet werden. 
Ber unter. Lu ſtirbt, iſt unter. Nochoi zu: beftatten.. Wer uns 
| | ter 





(N Ueber die aſtrologiſchen Wienng& oder Temperamente: if oben ©. 229 
- bie Erklaͤrung gegeben: worden. Dorma und Baling find ans Meihl⸗⸗ 
teig gejormte: Pyramiden. oder. Kegel, wir. oben: S. 159: gefagt- iſt. 

\ A u ö - 


\ 


978 | | Ceremonien 


Jerrien⸗Goſ tr Morin ſtirbt muß unter Chulluguna, "mer ımfer Choin 
fool, flirbe, unter Ukker, wer unter Metſchin ſtirbt, unter Wars 
wer unfer Tokkaͤ ſtirbt, unter Toolai, wer unfer Nochoi Itirbe, 
unter Lu, wer unter Bachs ſtirbt unter Mogoi, und wer uns 
ter Chulluguna tirbt, unter Worin, und wer unter Ukker ſtirbt, 

anter Choin beflaftet werden. 


Wer in Mogoi und Morin-Jahren geberen ift, darf nicht 
ind Waſſer — werden: denn einen ſolchen ins Waſſer zu 
legen, iſt eine eben ‘jo verzroeifelte That, als ob man ein euer 
durch Waſſer vertilgt. Es bat auch außerdem noch bofe Folgen 
für die Bertsandten des Torten. Baue aub fein Obdach von 
Steinen über einen folden; aber eine hölzerne Huürte (*) uber 
den Todten zu bauen, ift überaus gut. Die unfer Lu, Nochoi, 
liter und Choin geboren find, dürfen ‚kein Obdach . von. Hol; 
befommen ; geſchieht e6 aber Doch, fo befommen bie bofen Geißler 
Gewalt uber den Tedten. Wenn man aber einen folhen- Todsen 
in einen ordentlichen Kaften oder Sarg einfihlieft, das ift fehr 
guf. Wenn $eufe, in diefen Zaren geboren, ins Waffer gelegt 
werden, fo ‚werden ihre Verwandten an ihren Biehheerden un: 
gluͤcklich ſeya. Dieſelben Körper ins Feuer zu legen und zu ders 
brennen ift au fehr gut. Die in Matſchin und Takkajah⸗ 
ven geboren find, Dürfen nicht verbrannf werden, .gefchiebt es 
aber doch, fo wird sin ſolcher K.rper das Werkzeug der bofen 
Geiſter werden. Hingegen ift es ip: guf, wenn man fie in Die 
Erde vergrabt. Sie ins Waffer zu bringen iſt vollends ein Gaupt⸗ 
fehler. Die in Gachchai und Chulluguna-Jahre geboren find, 
werden auch ganz dem Mifbrauch der hoflifchen Geifter ausgefeßt, 
wenn fie in die Erde vergraben werden; auch Tonnen fih die üblen 
Folgen über Die machgebliebenen Verwandten erfireden. Werden 
fie verbrannt, fo treffen die Folgen den Sohn oder naͤchſten Ber: 
wandten des Entfeelten. Ins Waffer zu bringen’ift nur mittel: 

| maßig 


{*) Bey Aſtrachan, mo Zimmerlente und Hol; zu haben find, iſt am der 
Solaͤnka zu meiner Zeit ein Geiftliher, der für fehr Heilig gehalten 
. wurde, in ‚einem hölzernen Geruͤſt beygeſetzt worden 


* 











ö & 


| bey Leichenbeſtattungen. | 979 | 


maͤßig gut; in einen Sarg aber zu legen hat nicht die geringſten Jerrien Gaſ 
ſool. 


miederwarfigen Felgen. Dieſe Todfen- frey und bloß: auf. der. 
Steppe liegen zu laffen, Bat die alierübelften: Folgen. Die in 
Aurs- und Toolai⸗Jahren gebornen folten: beſtaͤndig in Waifer 
beygefe:t treden, weil dieſes ſehr gut iſt. Solche Korper unter 
ein hölzernes Dbdaı zu ſtellen it nur mittelmaͤßig gut; fie in. 
Feuer zu. verbrennen ift das allergroßfe. Berfehen, Das begangen 
werden Tann. ä J er 


Was die Betatfung: von leuten befonderer Wuͤrdigkeit ana 
betrift, fo ift das bey Schriftgelehrten und Heiligen das vors 
nehmite und edeltte, wenn ihre Leichname Ins Waller zu bringen: 
fi... Sie in ein holzernes Gebaude zu legen üt nur mittelmafz- 
fig. gut, und-fie in die Erde zu verſcharren vollends- das ſchlech⸗ 
teſte. Ben Ehanen und großen Herren ift das Beabrennen das 
Vornehmſte, ſteinerne Begrabnißgebaure: miftelmafig, die Beltate 
tung, im. Waffer aber: das geringite. Ben geringen Leuten iſt 
das vornehmite,. wenn. felbige unter eine helzerne Bedeckung fomz- . 
men, ins euer mitfelmafig, ins Waſſer aber das ſchlechteſte. 
Wenn alle diefe Borfchriflen nicht geborig. beobachtet werden, fo 
iſt ein folcher todter K:rper. freglich der Geſahr und Vodesmacht 
ausgefeßt; man hat aber zum Glück auch noch Wege ımd Mittel. 
dieres durch Vorkehrungen abznmenden, je nachdem man auf die: 
eine oder andere Weiſe, aus Diefer oder: jener Urfuche, mit. einee 
feiche verführ:.. | 


‚ Ener, die Geberdin zu beurtheiſen, mit welchen jemand 
ſeinen Geiſt aufgiebt: fo iſt es nicht gut, wenn einer mit aufges 
fperrtem Munde flürbt. Dagegen. muß. der Priefterliche. Scepter 
(Orfchire) auf. ein: Papier gezeichnef. und in den Münd geftedt‘ 
werden; auch ift es rathſam, in diefem Fall,. der Todten bey der‘ 
Beftattung. mit allem, fo. mie er. geſtorben iſt, zu laſſen. Ge— 
ſchiehet diefes nicht, fo hat Die. Seele, auf ihrer: Reife und Ges 
leitung. bis. in einen andern Korper, viele Widerwaͤrtigkeiten 
. auszuftehen. Mit ftarren offen ſtehenden Augen zu flerben iſt 
eine VBırfpoffung ter lebenden Men.den. Dan fuche Daher Die: 
Yugaliedir. mit: Sehnen fauber zusuheften, oder lege lieber fein- 

. 7 ges 


De 4 


80 eccremonien 


FJerrlen Gaſ, gerupfte ſchwarze Seide darauf. Mit Verdrehung der Arme nach 
ſool. 


außen zu ſterben, iſt um deßwillen nicht gut, weil es gleichſam 
einen Vint für die nachbleibenden Verwandten, zuͤr Nachfolge 
iſt. Dagegen find Vorſichtsmaßregeln ſehr noͤthig. Mit g falte- 
nen Banden zu flerben .ift gin angenehmes Zeichen, welches auf 
die Familie, bis ins dritte Glied, gutes verſpricht. Auch iſt ein 
gutes Zeichen mit gefchloßnen Augen zu fterben, 


Om ma nib pat m& chung; xhahrih! Sarwa 
Mong ga lang. 


* 238 
:3k 

Einer der ertwürget ‘worden, "muß nice in Die Erde Tom: 
men. er an Gefhmulft (*) (Momo) geftorben, darf nick 
verbrannt werden. — Mer bey Regenguffen und Hagelwetter 
erfchlagen worden, wie auch wer in Feuer umkommt, darf nicht 
ins Waffer gebracht werden, Wer an anſteckenden Kranfheiten 
umfommt, oder wer im Elend mit ‚feiner Familie ausftirbt, darf 
auf fein Gcburge gebradht werden. — Ohne Urſach verbrennek 
fein Holz im Feuer, werfet ‚auch fein "Feuer ind Waffer; vırs 


:grabt feine Erde unter das MWafferz bringt auch Fein Holz auf 


Gebuͤrge und in Waloer. 


- 


:mit rechtem Eifer betrieben werden, kann die Seele doch noch in 


"2% u 
® & % 
9 


Wer in einen Ehuffugunajapr ſtirbt, deſſen Tod rüber ‘von 


"den Teufeln her, Die aus Often herkommen. Da ift vermittelft 


einer meißen Kuh und eines weißen Pferdes, Die Gelegenpeik va: 
zu entftanden. Ein folcher wird, wenn er der Schickung über- 
laffen bleibt, nach zehn Tagen in einen Schlangenforper wieder 
geboren. So aber Diefermegen die nöfhigen geiftlichen Uebungen 


Kor: 





¶) ©. im Iften Theil S. 161. t 


\- 





bey Leichenbeftattungen. | Bl 


Norden in einem menfchlichen ‚Körper wieder geboren werden. Jerrien af; 


Ein folcher Leichnam muß gleich mit etwas weißem bedeckt werden. 


- Wer unter Ukker ftirbt, deffen Tod Haben Die Geifter „die. 
von Oſten oder Welten bergefommen, verurfaht und an Die Sees : 


le im mitteljten Sommermonat die Anforderung gethan. Nach 
deffen Tode begegnef, nad drey Tagen, den Zungfern der Fas 
milie Unglüd. | 


Wer unter Bars ftirbt, an den Haben fih die Teufel aus 
Norden hergemadt und die Gelegenheit zur Todesvollzichung aus 
etwas fchwarzhunten genommen. — Mer unfer Toolai ftirbe 
hat ed den Teufeln aus Süden zuzufchreiben, welche die Urfach 
von etwas weißem hbergenommen huben. Der Unfpruh an die 
Seele iſt Thon im mittlern Sommermonat geſchehn. — Wer 
unter Lu ftirbt, zu dem find die Teufel aus Süden gefommen 
und Haben zur Urfah etwas gelbfeidnes g nommen. Der Uns 


ſpruch an die Seele ift in einem der Herbſtmonate gefhehn. — — 


Wer unfer Mogoi flirbt, an deſſen @eele ift die Anforderung 
im Jegten Herbſtmonat geſchehn, morauf fie auch bald abgehopl£ 
worden. — Wer unter Worin ftirbf, zu dem find die oftlicyem 
Teufel gefommen, und haben im mitfelften Herbitmonat Unfordes 
rung an die Seele gemacht. — Wer unter Chonin ſtirbt, zu 
dem find die oftlichen Teufel gefommen und haben die Forderung 
an die Seele fehon im legten Sommermonat gefhan. — Wer 
unfer Metſchin flirbt, zu dem find abermapls die Teufel aus 
Oſten gefommen, und haben die Bollziehung des Todes von eis 
ner geiltlichen Bumba (Weyhwaſſerkanne) genommen. — Wer 
unfer Nochoi ftirbt, zu dem find die Teufel aus Weſten gekam⸗ 
men; diefe haben die Seele im legten Sommermonat abgefordert 
und die Urfach von einem Bunde, den ein andrer Menfch bey ſich 
geführt, hergenommen. Gegen diefen Bufall müffen ja Die grofs 
fen Gebete zu den Naiman Dokſchot (*) verlefen ‚werden. — 


ec 





(*) S. oben Seite 5 
Zweyter Theil, —91 


ſool. 


983 Ceremonien 


en &atı Wer unter Gachchai flirbt, zu dem find die Teufel aus Oſten 
— , in Begleitung eines roth gekleideten Menſchen. 
Die Todesurfach haben fie aus einem heftigen. Zank zweyer Men⸗ 
fhen genommen und die Anſorderung an. die Seele im letzten 
Wintermmat_ gemacht. = 
x R — 


q 


Ich will dieſem Geflehte von Aberglauben , opne Ordnung: 
die einzelnen befondern Bemerkungen und Nachrichten folgen lafs 
fen, die ich unter den Salmüden und Mongolen zu machen Ge 
legenheit hatte. 


- Aberglauben- Wenn ein Kalmuͤck vom Donner erfhlager morden; fo wird 
der mongoli- zuforderft verfucht, eb man ihn, Durch Untertauchen oder Begiefen 
(den Böller mit kaltem Waſſer, nicht wieder aufwecken Fonne, welches zuwei⸗ 

len gelingen foll. Bleibt er £odt,. fo wird ein Dendär (Altar), 
auf vier Gabeln, von Reiſig gemacht und der. Leichnam, nachdem. 
man ihn gewaſchen und mit Wachoider oder Rüudfchi (Raucher: 
zen) mohlgerauderf, nadend in meiße Seinetoa:id oder weißen 
Filz eingewidelt und geſchnürt, darauf gelegt, wo er drey Tage 
und drey Macke, von verſteckten bemwaffneten. teuten bewacht mer: 
den muß. Denn fie bilden ſich nah ıbrem Wberglauben ein, vaß: 
innerhalb diefer Zeit Utunaſtu Tangri Die Seele abzuholen in 
Geſtalt eines Kameels, ohne Kopf,. oder andern Thiers, over mie. 
ein Schatten kommt, und menn in dem Yugenblid. ver Geiſt 
durch fchießen oder fohrenen verſcheucht wird, fo ſoll Die Leiche wie⸗ 
der lebendig werden; melches- vielleicht,. ben langen, durch ven 
Druf des Wetterttrahls verurfahten Ohnmachten, irgend einmaßl. 
gelungen ſehn mag, wenn etwan ein Wolf oder sont ein Thier 
von ohngefahr nahe gefommen und Der in-Ohnmarht gelegene: 
Kcıper,. Durch Das erregte. Larmen ermedt worden iſt. Aber man 
Bann leicht denken, Daß mehrentheils dieſe Borfi:öt fehr unnüß 
‚ft. — Die Verwandten eines alfo vom Bliß gerübrten huͤten 
NH, viele Slieder hirdurch, auf Kinder und Kindezfinder, eine 
ſſͤße oder gefauerfe. Milch aus ihrer Düfte wegzugeben und. nod 
2 ur meer: 





- 


; E bey Leichenbeſtattungen. 985 


weniger den Kopf eines ‚geichlachteten Thieres an Fremde kommen yYperglauben: 
Der unverzehrt- aus der Hutte fragen zu laſſen. “ der mongoli⸗ 
| (hen Bil ⸗ 

Wird jemanden ein oder mehrere Stuͤcke Vieh vom Blißtz ge- 

toͤdtet, ſo darſ der Eigenthuͤmer nicyt Hand daran legen. Es iſt 

aber ein gewiſſer Stamm gemeiner Kalmuͤcken, unter der Ulus 

Erketenn, der Merkuts Nachkommenſchaft beift. und von- den 

Tengeri- das Recht berommen haben foll, ſolche Bhiere zu zerle 

“ Iegen und eßbar zu machen. Befindet fih ein ſolcher Merkut in“ 

der Nähe, Den, wie fie fagen, die Bangri rufen (Tängri Dir - 

daatſchiy fo thut fih eine Parthey zufammen die ‚mit Sanzen, in . 

vollem Gallop und unter fleten Schreyen auf das gefallne Stüd 

Bieh loßjagen und alles Fleiſch herunferfchneiden, welches denn 

werzehrf werden fanı. Iſt aber Fein Merkut in der Nabe, fo 

:bleivbet das Bieh unberührt liegen. — Dieſe Merkut baben 

noch überdies das Recht denjenigen, dem das erfchlagne Vieh ge⸗ 

‚Horte, wenn er fih nicht mif der Flucht rettet o>er bezahlt, nach 

Willen zu .peitfih:n, zu mißhandeln, ihm Pferde, Kleider und 

1038 er um ud an fih hat abzunehmen und ihn fo lange bey 

fih, auch gebunden, zu ha fen, bis er von den Bermwandfen aus— 

‚gelöfet wird, welches: vormapls Durch .anfepnlihe Gaben, z. B. 

Durch :ein weißes Kameel, gefchehen mußte, it aber allenfall& 

Dur ein Paar Eymer Branfwein’ und ein Schaaf zum Schmau: 

fe erbaltfen wird. Uebrigens giebt die Seiftlichkeit vor, daß bey 

Denjenigen, die der Bliß erfhlagt, gleich durch den Schlag die 

Seele meggenommen werde. Sind die Zeihen im Calender noch 

Dazu fehr bofe und wiederlich, fo follen die Dollon over Seel: 

meſſen zuweilen .erft nach fieben Worhen veranſtaltet merden, 


‚Ein andrer mif jenem efmas verwandter Aberglauben iſt - 
Das mas die Kalmuͤcken Chaddergan nennen. Es foll fich zutra— 
gen, und mein Meberfeger Jaͤhrig will einmapl "felbft, Fauf einer 
Reife nah denen über Aftrahan, jenſeit der Wolga gelegenen 
©ipsbergen Arſagar, die Erfahrung davon gehabt haben, daß 
Diefem vder jenem, in seinem Chorron. zur Nachtzeit die Zeltfil- 
‚ze. Stridleinen oder Gurten der Hüfte, oder allerley Kleider, * 
wie mit Mefferfchnitten — oder zerſchnitten worden, ohee 


— 


- per enffeelt iſt, wird die Filzhuͤtte worin der Todte unangerüprt 
ne I DM 


Bi. - Abergläubifche Ceremonien .- 


Aberglauben ne Daß man die Urfach Davon weiß. Einige Zeit nachher follen 
der mongeli, fich folde Stifte fogar an gefalenem Vieh zeigen und Darauf 
ſchen Wölfer. das Vieh dieſes Eigenthuͤmers, mitten unter andern gefund blei— 


benden Heerden, haufig wegfallen. Ya endlich follen auch Men: 
ſchen von der Familie, der Diefer Zufall begegnet, fterben. «Sn 
folhen Fallen, die ich nicht verbürgen will, werden auf eine hel⸗ 
le Nacht viele Geiftlihe, mit der ganzen geiftlichen Muſik, in 
der Gurte des Eigentpümers verfammlet, und alle Bekannte, die 
nur zufammen gebracht iverden fonnen, legen fi rund um den 
Chotton und die zufammen getriebene Heerden, an verfihiedenen 
Drten, unter Filzen und Matten veritedt, mit Schießgewehr auf 
die Lauer. Da ſoll aus der $uft eine Gnomengeſtalt, oder irgend 
ein mißgeftalkes Thier, z. BD. ein Kameel ohne Kopf, und. dergl. 
fih langfam auf die Heerde niederlaſſen, auf welder fogleich mit 
aller Macht gefchoffen und loßgefturmt, auch von der Geiftlichkeit 
mit Beſchwoͤrungen, bey voller Muſik eingeſtimmt werden ioll. 
Die Kalmüden glauben feft der ubelfhatige Geiſt, deffen Eridei: 
nung fie ſich unfer einer eingebildeten Geftalt vorftellen, entferne 
fih darauf fogleih und fomme nicht. wieder. | 


Wer von Ebaddergan, nach ihrer Einbilvung ſtirbt, fo 
wie auch die an Kinderblattern und andern anſteckenden Krank: 
heiten geftorbene, follen, wo möglich, und. zwar ohne Seelmeffe, 
verbrannt werden. Für Diejenigen aber, welche ungludlicher oder 
mprderifcher Weife ums Leben fommen, werden felbige, wenn «6 
nur beftriften werden fann, viel feyerlicher, aus Mitleiden, vers 
anftaltet. Ein ordinirter Pfaff oder Gellong ‚- erhalt für eine 
ſolche feyerlihe Seelmeffe (Dollon ) gemeiniglich ein gefatteltes 
Pferd zum Gefchenf; wer Das nicht zu geben vermogend ift, muß 
genügen durch einen Gedſuͤll oder Mandſchi die Seele. löfen zu 
loffen. Man kann aud, falls es die Bermogens -Umitande nidt 
gleih erlauben, nad einem halben und ganzen Jahr die Geiſtli⸗ 
hen Borfeprungen für den Todten anftellen laffen, 


Dofoon oder Bey mohlhabenden Kalmuͤcken wird die Seelmeffe (Doloon) 


mit folgenden Umftanden veranftaltet: Gleich nachdem der Kor: 


k⸗ 








r 


‘ 


Aberglaͤubiſche Teremonien. 285 


fiegen bleibt, forgfaltig vermacht und ein oder mehrere Gellongs Diloon oder 
oder Geiſtliche ba dmoͤglichſt herbeygerufen, für melde man aus Seelmeſſe. 
der Bermundfihaft des Verſtorbenen fogleich fo viel Vieh, als ein 
jever beſtehen kann, zuſammenbringt. Wann ver Gellong 
kommt, legt derſelbe ſeine gewoͤhnliche Kleider ab und. den feyer— 
lichen Dınaf’an (*), und ſetzt ſich damit, ein Stuͤck hinter ver 
Filzhuͤtte, auf ein ihm zurecht gemachtes Polſter, worüber er ſei⸗ 
nen Teppich (Nohamtu Debäskär) (S. 130) "ausbreiten laͤßt; 
die übrigen geringern Geiſtlichen fegen ſich etwas hinter ihm in 
einer Reihe mit entbloͤſtem Haupt. Dieſe bereiten einen kleinen 
Altar aus Strauchwerk und Erde, und laſſen Mehl, Butter und 
eiren. langſtieligen Leffel herbeybringen. Das Mehl wird mit der 
Butter zu einem harten Teig geknetet und im Loͤffel, neben das 
auf dem Altar angezuͤndete Feuer hingeſtellt. Einer dieſer Geiſt⸗ 
lihen zeichnet auf ein weißes Papier mit Tuſche oder Dinfe eis 
ne Menfchenfigur , melche den Berttorbnen vorftellen fol. Diefes 
Bildniß wird (mie auf der Platte 9 B. bey Fig. 17) in ein’ gefpal- 
tenes Stäbchen eingeflemmt, ‘und dem Gellong übergeben, der es 
vor fih in die Erde ſteckt, um ihm mahrend des Gebets den 
Spiegel vorzuhalten und deſſen Sünden darin abzumajchen, — 
Es werden auch fieben Berflaggen (Mani) zubereitet, und tBen 
der Todesfall an einem bofen Tag oder unter bofen Zeichen ges J 
ſchehen iſt, verſchiedne Carikaturſiguren (Gai) von Meplteig, 
als Pferde, Hunde, Schlangen, Schweine, Menſchen, u. ſ. w. ge⸗ 
bildet, zuweilen blau, roth oder bunt angefaͤrbt, und um die 
Huͤtte des Todten herum geſtellt; die Betſahnen aber werden um. 
den Altar aufgeſteckt. ö 


' 


Wenn alle Diefe Vorbereitungen gemacht find, fo’ fangt der 
Gellong an zu beten, zu lefen und in einer. frauriygen Melodie 
abwechſelnd zu fingen. Die SGeelmeffe felbft, lautet nach der mir 
davon gemachten Ueberfeßung, mit Benbehalfung, der. Indiani⸗ 
(hen Beſchwoͤrungsſformeln, folgender. maßen:. 


7Om 





C) Siehe in dieſem Theil oben G. 129. 


⸗ * 
\ x ia 


— 


286 Abergläubifche Tevemonten 


Doloon ober. „Om chirrih Kanghdrih wangdrih, odah nah nab 


Seelmeſſe. 


chumg pat! 
Om ßo bbah wah! 10 
„Hiedurch werde die Vergaͤnglichkeit aufgehoben Alles gelange 


‚ zum- Bived feiner Bellimmung!”“ 


„Bm ach chung! 
„9 Dreyeinheit, laß dich dernemen!” 


„Om chirrih Rangdrib whirrih doah nah nah hung 
par! Om ßoh bob wah!“ 


„biedurch werde die Eitelkeit dieſes Lebens auſgehoben l⸗ F 


Aus der Eitelkeit floſſen ja alle jeherige Begebenpeiten. Sie 


kamen in ihrem ee wie Tropfen aus fhonen Wolfen 
herab träufeln! Der Sinne fünf "Nodilicafionen, im Hören, Se— 
hen, Rieden, Schmeden und Füpler, glichen in ihrer Vollkom⸗ 
menheit dem. ſchoͤnen, bimmliſchen Firmament! 


„Om ſſarwah bich bhorrah Sſurrah Sſurrah — 
ddah nah ahwar dub nah chooh!“ 
„Bhaſar Barrnah Ramm!“ 
Derdeinugkett, laß dich vernehmen!“ 


„Om arrahim aah chung, rhub beh varrſchah 


aah chung!“ 
— uns durch die ſechs Tarni der Berfeifungen insgefamtt" 
DOm chirrih Rangdrih ſſo boh woh ſſot dooh chomg!“ 
— Auch 


v 





(9) Burban Erdeni, S, oben Gele 172 + 173. 


Aberglaͤubiſche Ceremonien. 487 


„Auch die Ablegung dieſes Lebens war eine Eitelkeit! du, legteſt Dolloon oder: 
dieſen Koͤrper ab ‚toie ic), it die Glocke und den Scepter hinlege!“ Seelmeſſe. 


„Om bhaſar doh ſſoh b oh rih wah rah · ahrachang ſchah dab. 
barrih dih ſe doſchah, chung ſſoh hab!" 


„Giemit ſey dem Otſchir Sadoh /WMochaha Sadoh, Otſchir⸗ 
tögönefchilleri, ‚und Samdih + Barrabh. die Ehre der An: 
betung! Ce .. — 


Br re . 
„Dein mohlanftandiger Wandel Hienieven war ein’ auserlefener 
Schmuf! Wo ift. aber nun Bein. Befiche dahin! Demnach wer—⸗ 
de itzt dein Bildnig zu den Burcanen erheben (HM! Schicke did: 
wohl an, um den hochften Grad der Vollkommenheit zu erreichen;“ 


„Om bhaſar ſſaddab ruh ddah barah⸗ ddih!“ J 


„Aus dieſer ſichtbareu Welt in jenes Leben hinuͤbergegangener, 
vollendeter, der du N. N. heiſſeſt, ſehne dich nicht wieder in die— 
ſes Reich des Geſtehts zuruͤck, welches du verlaſſen haſt; ſondern 
erreiche unverweilt und neuverklaͤrt deine Stafel zur Burchani— 

ſchen Vollkommenheit!“ 


„Ahr wie iſt Deine Gegenwart und Stimme bey’ uns — 
ſchwunden? mo iſt ein. ſo angenehmes Gehoͤr geblieben? Sci: 
fe dich in Ddiefer Entfremdung wohl an! Om bhaſar ſſatt! 
Aus diefem Tauten Weltleben in jenes hinuber gegangener! ver 
du N. N. Heißeft, laß Dich aus dem Weiche des Gehoͤrs ver ais 
lervollfommenften Stimmen und ©etone nicht wieder in Diefe 

Weit zuruͤck gelüften! fondern gelange auf deinem: Wege unvers 
weilt und neu. verflart immer naͤher zur Burganifſchen Vollkom⸗ 
menheit!“ | - | 


„A! wie iſt deine Zeit unter und verſchwunden ? in deinem: 
Geruch fo liebliger, unerſaͤtlicher! Schicke dich in deiner Ente .. 
| frems: 


Ds 





(*) Fat‘ wird obgebachtes Bild vor dem Burchan hinter die vor ſelhigen: 
brennende Lampe (Sulla) gelleckt. — 


\ 
.., 


— 


ass Avergtaubiſche Ceremonlen. 
Doloon oder fremdung wohl an! Om bhaſar ſſatt? Aus dieſem ſichtbaren 


Secimeſſe. Weltleben dahin gegangener, entledigter! der du N. N. heißeſt. 
Aus dem Reiche des allerlieblichſten und vollkommenſten Wohige⸗ 
ruchs, laß dich nicht wieder hieher zuruͤck gelüften; ſondern er: 
reiche auf deinem Wege unverweiit und neu verklaͤrt deinen Grad 
zur Burchaniſchen Bollkommenheit!“ 


„Ach wo iſt Deine Zeit unter uns geblieben? Die Zeit dei— 
nes perfonliden, uns fo gewuͤthlichen Geſchmacks ıft bey uns 
dapin! — ESchicke dich in Diefer Entfremdung mohl an! Bm 
bhaſar Mare! Aus diefem  Weiileben in jenes übergegangener, 
vollendeter! der du N. N. heißeſt! Laß Dich aus dem Reich des 
allervollfommenften, anrepmlichften Geſchmacks nicht roieder zu 
und zuruͤck gelüften; fondern erreihe auf Deinem Wege unvermeılt 
und neuverklärt, deinen Grad zur Burchaniſchen Vollkommenheit!“ 


„ab! wo iff deine Zeit unter uns -_ weich zaͤrtliche, 
.. durch ſanftes Gefuͤhl uns fo werthe Sanſtmuͤthigkeit! Schicke 
dich zu dieſer deiner Entfremdung wohl an! Om bhaſar fait! 
| Aus dieſem Leben in jenes hinüber getretener, vollendeter! der du 
N. N. heißeſt. Laß dich aus dem Reich des fanfteften Gefühls 
nicht wieder zu uns zurüd gelüften, ſondern erreiche durch Diefen 
Weg unvertoeilt und neu verflärt, Die neue Stafel der Burcha⸗ 

niſchen Bollfommenpe:t!” 


„In diefe Weltabrheilung beftimmter Sohn, vernimm! dei⸗ 
nem gegenmarfigen Schickſal unveranderlich unterworfener, aber 
uns noch werther Verwandter! laß uns alles berichfigen, indem 
wir Dir genießbare Speiſe und Getranf bereiten (*). — 
bhafar ſſatt! — Aus Ddiefem Leben in jenes uͤbergetretener, vols 
lendeter, der du N. N. beißeft! laß dich aus dem Reiche Des 
vollfommenften Genuffes nicht- wieder hieher zurücgelüften, wo 

4 a der 


⸗ 








(*) Bey dieſer Gtele der Litaney wird Dat aufs Papier geieichnete Bild, 
niß öfters mir dem Weyhwaſſer (Araſchan) beſprengt, und Hirſe, 
Haber oder Weitzenkoͤrner gegen daſſelbe geworfen. . 





f 


für | Verſtorbene. 389 


X 

ver fünf Sinnen Befriedigung nur unvollfommen zu firden ift, Doloon oder 
fondern wandle unverweilf und neu verklart deine Bahn zur Scelmefle. 
Burdanifihen Bolltommenpeit forf. Ziele dahinanf, wo die Fül- 
le der fünf Sinne unverganglich bleibt, mo ulle Güter ohne Ens 
de find, mo glle Waller den nie verfiegenden. Stromen gleichen. 
Nimm reinen Weg ftrads hin, wie ein erhabner Berg ver nie 
feitivarts wandelt, Gleich der unwandelbarſten Sonne und dem 
Mond, alſo vollführe Deinen Sauf in unwandelbarem Glanze. 
Durch deine verdienitlichen Werke an Opfergaben in Speite, wird 
Bein Anſehn allda mwillfommen feon unter denen hunderffultigen 
Koſtgenuͤſſen. Daher wird dır auch die Samidiboft ( eine himm⸗ 
"Iuche Nahrung) auf immer werden! deine Dpfergaben in Ge⸗ 
t:a.ıf, getwähren dir ewige Erquidung! deine Opfergaben in 
barınheizigen Werfen, merden dir zur Widergeburt in Reichen 
pienen, allıvo weder Kranfheif, noch andre Gebrechen und Mans 
el tat haben. Bon allen himmliſchen Gutern, welche, nie gleich 
denen irdiſchen vergehen, noch Beranderungen leiden, wolleſt du 
dein Antheil dort genießen, in den Glanz der erlauchten Drey⸗ 
_ einbeit. Durch diefen freflihen Schritt zur Reinigung von allen 
Suͤnden, erreiche deinen Grad zur Chutuktiſchen Bollfommenpeit.‘ 


„Om radnah, machah radnab, ſambih web, radnah ghirrih 
wih, radueh mah lah bih ſſuͤtt, dih chaah, ſchuͤda 
jah, ſarrwah bah baamguh!“ 


„DU Hiengeft nicht an den meltlichen koͤſtlichen Gütern und haft 
Dih-von dem Meltgemebe abgeiondert und verwandeli! Daper 
wirſt du zur Widergeburtin das Sukuwadiſche Reich (S) gelangen! ‘ 


‚Om badmab badmah badmab, ſambih mah chah, Sukawadi 
ger gab ſadſchah dhah füchah!“ Ä 
{re du vorzuͤglicher Sopn! höre dur vollendeter Sohn! die fünf 
—— —— —— die fuͤnf Feuer derſelben hiemit 
an⸗ 
— — — — — — —— 


(*) S. oben Seite 64. | 
Zweyter Theil, Rm 


— 


990 Seelmeſſen 


HOolvon oder angezündet werden (}). der vier Elemente, werden fer= 


Seelmeſſe. ner Die Teuer der vier O 


n » Länggri, und wegen der ſechs 
Widergeburtsreiche, die Feuer der ſechs kin s Tänggri angelegt. 
Fur dich felbft wird andlih hiemit dein Feuer angezündet!" 


” (Bey Ddiefen Worten wird Bas Papierbifonif an bender 
Seiten angezundet, der Pfaff laͤßt die Aſche davon in tie bople 
Hand fallen, vermengt fie daranf mit dem Bucterteig tm Loͤffel 
und ſchuͤttet alsdenn die ganze Maſſe ins Feuer. Wenn nun. 
dieſe Fettmaſſe anfaͤngt zu daͤmpfen und zu brennen, fo fall die 
Seele franend , von zwey Erliks geführt, in dieſes Feuer geſchrit⸗ 
ten kommen, um da gelaͤutert und des Leibes ledig zu werden, 
worauf ſich Dean ihr Schickſal zur Widergeburt entſcheidet. )ı 
Dpne dieſe Ceremonie nun. glauben die Lamaiten feſt, daß Die: 
abgeſchiedne Seele Gefahr lauft ven Hoͤllenknechten (Birid) zur 
eivigen Plage übergeben zu merden; es wäre Dann, Daß fie fur 
gludlih mare, Durch Die Kraft und das Gebet eines barmberzi= 
gen Burchans, Der einen Beſuch in der Kölle ablegt, erloft zu: 
werden. Die Entfiheidung der Frage, ob: Die Geele aus dem 
Feuer in ein gutes Wivergeburtsreich kommt, fann allein durch. 
die Gellons entfchieden werden, und ift, je nachdem fie mit. Ge— 
ſchenken überhaujt worden find, mehr oder weniger günftig. Denn 
je mehr Pferde und Vieh fpendirt und mehr den Gellons die: 
Bäuche mit Speiſe und Trank gefüllt werden, deſto eher follen: 
den Teufeln, Die der Seele nachſtellen, die Baͤuche auffpringen.. 


Wäßrend meines Aufenthalts unter den Kalmuͤcken murden: 
zwey wichtige Seelmeſſen für verftorbene fürftliche Perfonen in: 
Der ‚Horde. gehalten „ von melden ich die Umftände. genau aufge: 
zeichnet habe; die. erfte für eine Derbetifhe Fürftin, —— 
ku, Großmutter des Zebek⸗Ubaſchi, und die zweyte für eben: 

die⸗ 





(+) Hiebey wird auf der: vor dem: Altar ſtehenden Pfanne fünffältige Glut 
angelegt, und bey den beyden nachſolgenden Perioden noch vierfältige 
sehefältge für die Reihe der Widergeburt, wovon. oben: G.. 65; 








fuͤr Verſtorbene. —* 
Dieſen Derbetiſchen Erb⸗ Fuͤrſten Zebek-Ubaſchi, der abweſend Leichen Er 
in Petersburg verſtarb, da denn eine ſolche Seelmeſſe Tſchanga menien. 
genannt wird. Bon beiden. will ich etwas weitlaͤuftiger feynz | 
beide wurden durch den Oberften Lama felbft verrichtet. 


Für eine fürffliche-Seiche ift fieben Wochen oder 49 Tage lang 
in der Horde Churul oder Berfammlung der ganzen Geiftlichkeit beym 
Hoflager. Um vie Pfaffen für ihre Mupmaltung zu befohnen wird 
von allen Unterthanen der Zehnte an Vieh eingefordert, fo daß 
Reiche von allen ihren Heerden Das zehnte Stuͤck, Arme aber, 
die weniger, ald zehn Stuf Vieh haben, eine proporfionirfe 
Bermögensftener an Gelde entrichten muüffen. Dadurch kommt fo 
viel zufammen, daß mandem Pfaffen zehn und mehr Stud 
Pferde, außer andern Vieh, zufallen, und auch die Gaͤdſuͤll und 
Mandſchi ihren gufen Antheil befommen, Da denn bey einem 
folhen Hoflager guter Pferdemarkt ift. Waͤhrend dieſer ſieben 
Wochen iſt ein ſcharfes Verbot auf das Biehſchlachten und auf die 
Jagd gelegt, ja ein jeder Kalmuͤk, der des Berſtorbnen Unter- 
than war, ſcheut ſich alsdenn eine Fliege, oder Laus oder andres 
Ungeziefer zu toͤdten, um nicht etwa der Seele zu ſchaden. Nur 
von verrecdten Thieren oder vorrathig gefrodnetem Fleifch ift 
alsdenn zu effen erlaubf. Auch darauf fein fhlachtbares Bieh, 
und alfo nichts als Pferde und Kameele, bis nah Berflieffung 
diefer ſieben Wochen an Ruffifhe Kaufleute überlaffen werden. -- 
Es iſt gleihfam eine Frift, die man def Tieren giebt, Damit 
auch fie den Berftorbenen fegnen, und Die Suͤnde des Schlachtens | 
nicht auf die abgefihieone Seele Tomme, Dieſes gebt fo meit, 
daß reihe Kalmıiden zu felbiger Zeit den ruſſiſchen $ifchern 
ganze Nege voll Fifchen für Geld abfaufen und wieder frey ins 
Waſſer laffen. Ya ich habe fie in Zarizyn die zu Markt gebrach⸗ 
te, in Neßen gefangene, Rebhuͤner auffaufen, und. in der Stadt 
gleich fliegen laffen gefehn. Diefe Thiere, fagen fie, danken ih⸗ 
rem Bifreyer und bethen für fie und ihre verttorbene Fuͤrſtin zu 
den Burchanen. — Wahrend diefer fieben Wochen ift die Seele 
. des Berftorbenen, nah dem Kalmückiſchen Überglauben, noch nicht 
gerichtet und an den Ort der Büßung oder Belohnung gefom= 
men, obgleich fie, gleich nad der Ze vor dem Richter . 

m 3 


o 


299 Seelmeſſen 


beichen⸗Cere HE = WOeri : Chan erſcheinen muß. Gemeine Kalmuͤcken beobach—⸗ 


monien. 


ter, in ıbrer Verwandſchaft, eben dieſes Gefeß und huͤten ſich 
gar ſehr, nach Abſterben eines ver ihrigen, in den erſten ſieben 
„Wochen, irgend etwas, Das Leben hat, anzufajien odet zu todten. 


Die obgedachte Fuͤrſtin war, nach Sage der Kalmuͤcken, un— 
ser fehr ung ücklichen Zeichen geitorben und muſte desmegen ‚oder 
vielmehr weil eine, reihe Nachlaſſenſchaft die Elerijey ihrer Hor— 
de luͤſtern machte, viele Ceremonien uber fih ergeben laſſen. 
Sie gabeir allerley Urſachen an, warum ihr Leichnam nicht, wie 
es ſonſt fuͤrſtlichen Leichen zukommt, verbrannt werden Tone, und 
ließen ſie in ihrer Huͤtte unbekleidet, mit allen ihren Amuleten 
auf der Bruſt, auf Filzpolſtern, mit dem Ruͤcken gegen Die Thuͤr 
gekehrt, liegen. Hinfer iprem Rüden lag ein Pfade - und ein 
Dundefppf. Ein Peil war beym Eingang der Yutfe und ein 


andrer außen, mit der. Spige in Die Erde geſteckt, an deren je⸗ 


dem mit blauer Seide ein zufammengelegtes Papier befeſtigt 
mar, worauf man Die Figur einer auf dem Ruͤcken liegenden, 
moftifhen Schildkrote gezetihnet hat, die einen mie Befhwerungse 
formeln, theils in indianifchen, theils in tangutiſchen Eharac- 
tern beſchrieb en. Kreis und in der Mitte, innerhalb eines achf- 
flrapfigen Blumenfterns, eine an Armen und Fuͤßen gefeſſelte, 
bauchigte Menfchenfigur mit einem Maͤuſekopf (*), ‚auf fih hate 


te. Die Figuren beider Papıere, Die von ungleiter Greße wa— 


ven, zeigfen fih ganz gleichformig, allein die Character waren 
auf beiden verichieden.. Unter dem Filzlager fand man eine Men 
e fhaufelformiger Helzchen, deren jedes mit einem Tangutiſchen 
ort bezeihnet mar, ingleihen eine aus Teig gebildete Men- 
fhenfigur, auf deren Bauch ein Papierhen mit tangutiſchen Wor: 
ten _befeftige war, und endlich nody ein Papierihen mit Feuer⸗ 
Reinbroden. Nach der Erzaplung. eines Augenzeigen, waren die 
fir bentauigen Seelmeſſen ur die Verſtorbene durch den Oberften 
Lma felbit in. der Götzenhuͤtte, in’ Gegenwart einer zahlreichen 
ı j Get. 





(*) Die Fauͤrſtin mar in einem Maͤuſejahr geboren und: dieſe Figur ſollte 
vermuthlich den Schuzengel dieſes Jahres vorjichen. | 








für Verſtorbene. 998 


Geiſtlichen Berfammlung abgehalten worden. Bor den Gogen Leichen Cere— 
Er man, außer Den gew.putihen Aufſatzen, und gemeinen monien. 
eig Poramiden (Duruma), drey gefhrißfe kreuzfoͤrmige oder 
dregipißige Figuren (mie Platte 9 B. Fig. 15 vorjtelle) Die mit 
Butter beklebt waren, und Eldep Daruma genannt wurden zumÖpfer 
gebracht. Es waren au hſiebenn Betflaggen (Puntſchik an einer Schnur 
zwiſchen zwey Stäben, vor dem Sorenuf h aufgehingt, Die nach: 
her binausgetragen, und über das haufig verfammelte Bolf ges 
ſchweukt, zyleßt aber von der Gögenpütte aufgeitellt worden. 


: Sobald die Nachricht von dem im St. Petersburg erfolgfen Seelmeſſe 
Tode des jungen Dörbefifchen Fuͤrſten Zebek-Ubaſcha, in deſſen für Abweſen⸗ 
Hoıde (im April 1774.) befannt wurde, ward Die Trauer Darius De. 
ber fo allgemein, daß man dad Daufenmeife ſich verfammlende 

Bolf und Geiftlihe heulen und weinen, zum Theil auch vor 

Zorn. wüthen fahe, um jo mehr da diefe Nachricht fo fpat anges 
fommen, daß die zur Berrichtung der Seelmeſſen feitgefeßten, fie- 

benmapl fieben oder 49 Tage nah dem Hintriff, bis auf einen 

Tag fihen verfloffen waren, daher noch in derfelben Nacht cine 

fol.de Seelmeſſe (Dſchanga) veranftaltet ward. — Demnach mar 

es nicht mrglich die ganze Geiltlichfeit zufammen zu laden, fo. 

dern Der oberite Sama verrichtete die Handlung in Geſellſchaft von 

etwan funfzehn antvejenden Geiftliten, welche ſich dazu in dem 

engen Raum der Filzhuͤtte des Lama verfammelren. Eben ders 

gleichen ward noch zum zweytenmahl am folgenden Tage wieder—⸗ 

bopit, wobey die Umijtande folgende waren : 


-- Zuforderft wurden verfchtedne Figuren, und Darunter ein Platte 9 B. | 


Kigel und ein großer Wörfel von Meelteig verferfigt und auf Fig. ı6, 
einen filbernen Zeller, nebit tem auf Papıer gezeichneten Bilde 
eines Menſchen, in. die Wohnung des Yama gebracht. Ferner 
murde aus einem dicken baummollenen Tacht, mit Fett und wohlrie⸗ 
chenden Yarzen eine Kerze, eine gure Spanne lang verfertigt. und 
gleichfalls -auf einem Teiler hingelegt. Der Goͤtzenaltar blieb, 
wie allegeit in der’ Hütte des Lama, auf ter Seite; Der Lama 
ab r ſaß anf feinen gewohnlichen Polfterebron, unter dem Bal⸗ 
dahın, der Thür gegenüber, Es wurde uber dem m. ” 
ill ‚ 


\ 


Seelmeſſe. 


204 — Ceremonien 
Bildniß, welches dem Bösen Jamandaga, mitten in feinem 


Himmelreich (Chotton), voritellt, aufgehängt: Zur rechten des 
fama murden noch einige Polſter für Den vornehmſten Gellong 


| Pingelegt, vor welchem der Teller mit den —— vor dem 


ama aber ein Tiſchchen mit dem Weyhwaſſerkaͤnnchen deſſen 
Obertheil mit einer Pfauenfeder geziert war, einem Noaͤpfichen 
voll Waizenkerner, der geiſtlichen Glocke und dem Scepter Hirte 
geſtellt wurde. Die Pfaffen ſetzten ſich in der Hüfte rund umper 
auf Polftern, 


Nah diefen Zubereitungen legte der Lama den großen geift- 
lichen Ornat an, fo daß er mit ganz enfblöften Armen adm ni⸗ 
firiree, und nun gab er Durch fein Gloͤckchen den übrigen Geiſt⸗ 
lihen das Signal zum Goßendienft. Ein jeder der legten hatte 
—— Haͤuſchen Korn, ſeine prieſterliche Glocke und Scepter 
vor 


Nun giengen kangutiſche Gebete an, die wohl eine halbe 
Stunde dauerten, und Durch Yustheilung ven Kalmückiſchen Thee 
unterbrochen murden. Die Gebete maren haupftachlih an Die 
grimmigen Burchane (Naiman Dokfchor ) gerichtet, die oft na= 
menflih angerufen und dabey alle erfinnlihe Stellungen und 
Berdrehungen der Bande, wingerfchnellen, Händeflatfhen, und 
dergleihen, verrichtet twurden. Unterweilen wurden bey gewiſſen 
Tarniformeln Waizenkerner in die $uft gensorfen. — Wahrend 
eines fantfen Gebets, melches der Sama allein verrichkefe, wurde 
der Teller mit den obgedachten Teigfiguren einem Gellong über= 
reicht, der ihn vor der ganzen Berfammlung- mitten in der Hüfs 
te dreymahl herumſchwenkte und Dann 'mwieder auf das Tiſchchen 
vor dem Lama ftellte, und Diefes dreymahl wiederholte. Der La⸗ 
ma fprengfe unterteilen mit Wenhrwaffer vor fih hin und uber 
diefen Teller, ſchwenkte inzwiſchen feinen @cepfer über denfel: 
ben und berüßrfe ihn damit. fegnend. Ben einem folgenden Ge⸗ 
bef rourde wieder Waißen in Die Luft geworfen, da dann der fa: 
ma zuleßt ein Waitzenkorn auf Den Scheitel feines Kopfs legte, 
und Darauf alle Das Mittagsmapl Bielten, | - 


Na 5 


für Verſtorbene. u - 255 
Rah Berfließung einer Stunde, ſeit dieſes erſten vorberei⸗ Seelmeſſe. 


tenden Dienſtes, ward vor Dem: Lama een beſondres Polſter hinge— 
lege, und vor dem Altar ein Loͤffel voll gluͤhender Kohlen, aufl 
den Altar aber die oben. erwahnfe Kerze und eine Schanle Wafe 
fer geftell. Der tama kleidete fich in ein noch prächtigeres Ger 
mand, dag um Die Armlocher mis breiten Gelofloffitreifen einge» 
fait war; um den Leib wand er einen breifen blauen und daruͤ— 
ber einen gelben Gürtel, fo dag der -erite fichtbar blieb. Auf 
das Politer vor dem Lama ward num dev Würfel von Mehlteig 
gelegt ‚und Das in einem. Staͤbchen eingeflemte Bildniß des Bere 
ftorbnen: Darein geftedt und .darüber ein blaues ſeidnes Tuch, mie 
ein Baldachin auögebreite. in Goͤtzuͤl feste ſich hinter dieſes 
Bild mit dem Geſicht gegen den Lama gekehrt, die übrigen Pfafe 
fen nahmen ihre vorige Siße ein. Nun giengen die Gebete am 
Die geimmigen Gosen, fait: mit eben den «Bundebemegungen, wie 
zuvor, auf neue an, und murden mit dev großten Andacht, 
Hejtigfeit und Ernft ſortgeſetzt. Der Lama hatte die ſchwerſten 
Tarnijormeln. herzufagen , welches. mit. ſolcher Geſchwindigkeit ge: 
feheben mußte, daß ihm ver Othem oft audblieb. Während der: 
felben fprengte er untermeilen mie den "Pfauenfedern aus denk 
Weyhwaſſer Kaͤnnchen über das Bild, welches auh aus dem 
Waſſerſchaͤlchen, das vor ihm fland, mit den Fingern tmieder- 
Bohlt wurde. Auch den &cepfer und Die priefterlihe Glocke 
feptenfte der Lama zumeilen zu dreyen, mahlen. üben das Bild 
und Bielt bey einigen Gebeten feine Hande ganz entzuͤckt gegen: 


daffelbe ausgeſtreckt. Ferner ftreufe er, waͤhrend eines ſanften Gebets 


Waitzenkerner über das Bild her; und nun ward es vondem Stoͤckchen 
durch den Lama felbft abgenommen und nachdem er esnochmals beſprengt 
Dem. gegenüber fißenden Goͤtzull in. die Hände gegeben, Der da⸗ 
mit, wahrend eines neuen Gebets, vor dem Goßen= Altar traf 
und fih Dreymahl aufs Antliß niederwarf, welches mahrend des 
Gebets mehremaple tiederhöhlt ward, Dann mard das Bild 


gem fama wieder überreicht, Der. es aufı-Die vorige Art wieder im 
Ben Teigwuͤrfel ſteckte. 


Der fama legte nun das rothe, über den Schuldern haͤngen⸗ 
we Tuch ab und kleidete ſich in. ein großes gelbes ein, grins 
neben 


. 


— 


\ 296 | | Ceremonien 


F Seckneſſe. neben ihm lag, ließ neue Kehlen bringen und friſches Raud 
wer darauf thun. Darauf hielt er ein ihm zugerichtetes, vier⸗ 
edigtes Tuch, meldes von vier Farben (rorp, blau, grän und 
gelb) war, Tem Bildnig vor, legte es weg und wiſchte, woͤh⸗ 
rend Des Gebets, dreymahl mit den Prauenfederbuich über 
das Bildnıf, gleihfam um es zu reinigen. Zwiſchen unter 
wurde noch Wenpmuller gefprengt und Waißen gefireut, mo: 
© ben ſchwere Tarni auszu:precen waren. Dann folgte eine 
mo: golifche Anrede des Lama an das Bildniß, wobey ver 
Name des Fuͤrſten oft angerufen und die Gluͤckſeligkeit des fünf 
| tigen Lebens und der Paradife gepriefen murden. Endlich fieng 
z der fama, nad einer Fleinen Paufe an, zu Drerenmaßlen fürd® 
serlih zu ſchluchzen, faß Tann einige Minuten gleihfam verzwei⸗ 
feind ftill, worauf das Gebet, mit Handeflatfhen und Finger: 
fihnellen, wieder allgemein ward. Die gemerhfe Kerze ward nur 
angezünder und Dem Lama, nebft dem Vildniß überreicht, meldes 
er uͤber dem kleinen Koplenheerd, unter Gebefen und Beſchwoͤ— 
rungsworten endlich verbrannte und mit einem Gebet bejchloß, 


Um folgenden Tage’ ward bie Nachlaffenfchaft des Fuͤrſten 
an Kleidern und Mobilien, ingleichen deſſen Filzhuͤtte, Die biöher 
noch immer in der Korde mit aufgeftellt wurde, an die, nicdrige 
Geiſtlichkeit vertheilet und das Hoflager brach aus der Gegend, 
wo die Geremonie gefitehen mar, auf. Ä 


‚Bornehme und reide Verwandten laſſen nad) SJahresfrift das 
Gedächtnißſeſt des Verſtorbnen fo o1t nechn.als Dir Gebete 
(Goͤrroͤl) wieterfiohlen, als es ihnen gefallt, ja wohl fo large 
fie leben. Von firftlichen Perfonen mird, ben ſolchen Gelege: 
Heiten, die ganze Geiftlichfert geipeift und beſchenkt, der Ucber: 
rat aber dem Volk Preif gegeben, 

| % Pr — 
Verbrennung: Vornehme, beſonders Heilige Lamen und die groͤßten Erb- 
eines Lana. furften, werden allein ben den Kalmuͤcken und Mongolen feierlich 
derbranne und deren Aſche, mit großen Koften, durch bifondre 
Ab⸗ 


[4 











bey Verbrennimg eines Lama. - 997 


Wbgeorbnete, zur Ganonifation nah Tybet geſchickt, Da Denn der. Verbren⸗ 
dorfige Hierarch, wenn die Zeichen der Heiligkeit hinreichend ges ur eines 


achtet werden, dem neuen Gotzen einen Rangnamen (nom de 


planche) giebt und ſein Goͤtzenbild für den dortigen Trmpel und 


für die giaubige Nachkommenſchaft, mit beſondern Aktributen ges 
goffen wird. ne 


Die Eeremonie der Berbrennung des Kalmidifhen Abagai⸗ 
Lama, welche kurz vor meiner zweyten Ankunft an der Wolga 
im Jahr 1772 ohnweit Sarepta war veranftaltet worden, habe 
ich, als eine befondre Befchreibung, dem dritten Theil meiner 
‚neuen. nordifchen Beytraͤge S. 375 einverleibt und mit einer 
Wildlichen Borftellung begleifet, die aber durch den Kupierftecher, 
wie leider vielen ‚meiner Schriften miederfahren, fehr verunftals 
tet worden iſt. — Ich will, um diefe Sammlungen nicht uns 
vollſtaͤndig zu machen, dieſe Beſchreibung hier wertlich abdrucken 


laſſen, und einen veſſern Kupferſtich der Vorſtellung dieſer Cere⸗ 


wonie liefern, 


Sobald das Abſterben, bieſes, in feinem neunzigſten Jahre, 


an.einer langwierigen Krankheit leidenden Lama erfolgt mar, ver⸗ 
Jammelten :fih unverzüglich alle Anweſende Labaner oder Weyhe⸗ 
Prieſter und rathſchlagten, wie mit Der Leiche zu verfahren ſey? — 
Sogleich wurde dieſer merkwuͤrdige Todesfall dem noch anweſen⸗ 
den Erbfüriten der Derbetſchen Horde, Zebek Ubuicha und deſ⸗ 
ſen Vormündern bekannt gemacht und von der verſammelten 
BGeiſtlichkeit gebeten, daß ſogleich der im Range aͤlteſte Geiſtliche 
Beordert werden moͤchte, ſtceh nach dem Lager des Abagais Lama 
‚zu begeben und die Vorſchriften an feiner Leiche zu erfüllen. 
Diefes fraf den Samtan = ame, der den Sunamen Dajandfchi 
rC Einfiedler) deswegen führt, meil er zuvor in der Songarey in 
einem Klofler ‚oder Einfiedeleyg (Ried) gewohnt hatte. Diefer 
»£raf ‚gleih am Tage nach dem Sterbefall fruͤhmorgens, als be: 


ſtimmter Nachfolger in’ der Würde .des Ober: fama, mif einem 


großen Gefolge vornehmer ‚Beiftligen, bey Sarepta ein. 


Aweyter Theil, Mn Wal 


ama. 


998 = -  Ceremonie 


Verbreitung: Wieil ben einer filchen Gelegenheit für. einen jeden Siiſtſi⸗ 
nd. Lama. chen, aus der reihen Nachlaſſenſchaft des verſtorbenen fama eine 
De: fe daven zu trage iſt, fo entitehk ein großer Zilaut, fo dag 

in einem Tage über firbenzig Gellongs, ohne Den. Schwarm von 

Gotzuͤll md Mandſchi, beyiammen waren. Für die vornehmex 

re Geiſtliche winden in genugfamer Zahl, theils gefattelte, cheils 

. ungexaftelte Pferde herbeygeführt, melde nady dem Rang an fie 
verfheile wurden. An Scaafen und. andern. Schlachtvieh zum: 

verſpeiſen, war. auch kin Mangel, 


Nunmehr berief der adminiftrirende Dajandfchi - Lama: 
die Geiſtlichkeit zufammen, um die Leichenceremonien zu reguliren. 
Zu dem Ende wurden Die dahin einſchlagende Schriften berbey⸗ 
gebracht und alle beym- Hintritt des. Sama vermaltende‘ Umſtaͤn⸗ 
de, mit der Zeit, nad den Vorſchriften det Bücher verglichen. 
Der Schluß. viel dahin aus, daß der. Verſtorbene verbrannt: wer⸗ 
den muͤſſe. ur ge 


Die Bramdftattte war, von dem neuen $amar, auf dem for 
genannten Moo⸗Chammur, einem fandigen Borfprung des 
hohen Landes bey’ Sarepia,, beftimmt,: von melden die: Hütte des 
Berttorbenen nur einige hundert" Schritte enfferne lag, bey der 
imterdeifen ſtarke Wacht: gehalten und niemand: nahe. zugeluffen 
wurde, Der: Grund: zum: Ealeinir= Ofen worin Die Leiche ver⸗ 
brannt: werden follte, wurde vom Lama ſelbſt abgemeffen und abe 
efteft, und die. Goͤtzülls und Gellongs machten ſich fogleich ſehr 
—* daruͤber her, felbige auszugraben.. Niemand, ala Beiftliche: 
Burften dabey Hand anlegen. | 


Wahrend des: Ausgrabens begab fich Der Lama, nebſt den: 
vornehmften Geiſtlichen, wieder in die Wohnung des BDerftorbes 
nen, mo-fie in einem Kreis fafen und aus Büchern fehr ine 
bruͤnſtig betten. Unter dem Gebet ward der. Todte von feinen 
geroch-lichen Kleidern entkleidet, ihm fein gelber: Lamaiſcher Or⸗ 
nat (Jamsn - Chubzuſun) angelegt, und die: gelblafirte, fünffpi= 
Bige Krone ( Boli: Malachai) (d. i. Bergmuͤße) aufgefeßt., wie 

- Br der: adminiſtrirende. Lama auf\der. Vorſtellung (Platte 19) nr 


7 


\ — 2 ; . j . 
bey Derbrennung 'eims Lama. 999- 


hat. , Sein Polfterfiß wder Thron, auf meldem er mit unkerge- Verbreñuug 
ſchlagenen Beinen, gefaltnen «Kanden und andaͤchtiger freundlichertind Lama. 
Nine eingefhlummert war, wurde erhopf und fein ohnehin wei⸗ ER 
tes, gelbes Gewand wurde umher ausgebreitet, und fo lieg man 

ihn ſtehn. Der Eingang ver Wohnung murde mit einen befon= 

dern Borhang werdeckt und ‚zu jeder Seite der Thür einige Wach: 

ter hingeſtellt, melde verhindern mußten, Daß beym aus- und. 
eingehn der Beiftlichen,, Das gemeine Bolt nicht Hinein blicken 


e 


‚mochte 


Unterdeffen wurde ‚dbmechfelnd mit Beten forkgefahren und 
zutveilen, nad) -einem gemwiffen Zeichen, :den aufen. verfammelten 
toufen -erlaubf einzeln, mit entbloͤſtem Haupt, hinein zu freten, 
um dem Token, Dur Niederfallen und Berührung feines gel» 
ben Gewands mit der Stirn, Die Leßte Verehrung gu erzeigenz 
weil jedoch Die Menge des verfammelten Volks zu guoß war, 
gieng endlich der neue fama hinaus und ſegnete alle, die er ers — 
reichen konnte, mit Auflegung des Roſenkranzes (Erken) aufs 
Haupt, und da das Gedränge zu groß ward, Jegnete er die übri— 
ge Menge durch Schwenkung des Roſenkranzes, und gieng tie 
der hinein, um mit Mefen Seufzen und Stoͤhnen zu beten. Die⸗ 
jenigen vom Volk, melde den Gegen nicht erhalten hatfen, ver: 
wichteten indeffen ihre Andacht mit rund gehen um die Huͤtte Des 
Lamen, und abzählen: ihres Rofenfranges, ‘unter beftändigem Seuf- 
zen und Herſagung der Gebetsfylben Om ma ni part me chung! 
mit abwechſelnden Niederfallen aufs Anrli vor der Thuͤr der Hütte, 


Nah einer Weile wurden aus der Sterbewohnung :ein paar 
tsunderliche aus Meplteig gebildete Figuren (Ghai), auf gr 
zernen Tellern Heraus und nach der Brandftatte ‚gefragen. ie 
ſtanden auf zwey Beinen, hatten zwey Arme, ſahen ‚aber übrie 
gens mehr Teufeln, als Menſchen ähnlich. 


Waͤhrend der forfgefeßten ‚Gebete in der Buͤtte des Todten 
ſaß die hbrige Geiſtlichkeit, in verfchiednen Abtheilungen, hie und 
dort beyſammen vol Beſtuͤrzung und gleichſam in ernſthaften 
Betrachtungen verſenkt. Kine von = neuen Lama beftehte Des 

} 12 pu⸗ 


8X 





300 © Ceremonie ee 

Verb eñung yatatioı: machte indeſſen das Teftament über. die Nachlaſſenſchaft 

eines tama. des Verſtorhnen, an Bieh und andrer Habe, welches alles, ‚nach. 
„dem Rang an Die Geiſtlichen vertheilt und über die Vertheirung 
ein. Pro cfol au:gefertege wurde. Auf Beſehl des Fuͤrſten wurs 
ten roh uberdem aus. der Horde, an baarem Gelde, fehöhunderf. 
Rubel zur Beitattu:g des Todten und Vertheilung unter De 
Geiſtlichkeit, augebracht. | = 


Die vier Seifen der ausgegrabrien Grundlage zum Ofen, 

. in welchem die Verbrennung vor fiih gehen follte, waren nach 
den vier Hauptwinden gerichtef, jede Seite anderthalb Arſchihen 
breif und auch ziemlich eine Arfihine tief. Auf der Nerd: Ends. 
und Oſtierte murden in Der Mitte lange Zug = und Heizloͤcher 
nach der Tiefe zu gegraben, gegen den Ofen mif-einer gemclbe. 
ten Bedeckung, damıt das Holz nicht ganz bis in den Dienraum 
weichen und deſſen Afche ſich mit Der Afıhe des Todten vermi ſchen 
moge. Darnach ward der Grund mit Zegelſteinen, Die von Pas 
fe: zu Pferde herbey gebracht wurden, auögemauert und zwar, 
ſtatt des wWortels, mit Thon. Auf einer gewiſſen Gehe ward. 
en eiferner Rot eingelegt, auf den ſich ein Bello. g zur Probe 
nieverhodte. Endlich ward aus Stangen ımd alten: Silzen eine: 
hohe Puͤtte user dem Dfen zu Stande gebracht. a 


“ 


Nah Beſchauung diefer Wnftalten, gieng. nım die ganze 
anweſende Elerifey in Prosefion und unter Anfuͤhrung des neuen 

- same nach der Wohnung des Verſterbenen. Daſelbſt kleideten 
fh die adminiſtrinenden funfzehn Geiſtliche in ihrem Amtsornat. 
Er beſtand aus dem Bitſchan-Moſok'(*), dem Schuübi Chub⸗ 
zuſun, dem Jike Majak und Orkimdſchi, welches breit ausein⸗ 

. ander gefalten wurde Weiter. legte der Ober-Lama allein .ein. 
rothes Hemd mit kurzen Aermeln (Jamoͤhn Chubsufun) wels 

. des mit einem breiten, gelben Gurt befeitigt mird, an, und zu⸗ 
fegt überhingen ſich alle mit dem Tſchoͤgi-Chubzuſun, einen 








(*) Suche von alich. diefen Kleidungsſtuͤken oben S. 223 und folglich 
dieſes Zen Theile, ö — 


! N 


bey Verbrennung eines Lama, - 301 


großen viereckigten Tuch von gelber Setde,- das gemeiniglich mit Verbreñntg 
lauter vier Zoll großen rothen Qugpdratiappen geſchacht iſt, wel⸗ eines Lama. 


ches von den Achſeln bis auf den Boden reicht und mit och 
Eden auf der Brut zufammen genommen wird. Alle blieben 
mit entblöftem Kopf und. Armen und jeder. hatte feinen Rojen- 
franz um die linke Hand gewickelt. z 


Nah der- Ankleivung wurde ein in feiner Kapfel (Ordu⸗ 
Charaſch) verborgner Burdan (Ruͤruͤk⸗Schuͤtaͤhn) hervorgefra= 
gen und dem nach dem Lama folgendin Bakſchi .(rebrgeitiluchen) 
übergeben, welcher mit einem ganz rothen Tſchogi-Chubzuſun 
behängt was, und dieſes Heiligthum in Die Procefion dicht hin— 
ser dem Sama hertrug‘ Dem tama wurde ein fauber gearbeite⸗ 
tes mie einer Pfauferer geziertes Wenhmafferfanndhen (Bumba), 


tes 


mit geweyhten Warfer (Araſchan) und ein Qualt, um damit 


zu fprengen in Die Hande gegeben, womit er voranfraf.: Acht 
eingefleidete Geitiliche ftellten fih an vie Wahre des Todten und 


die übrigen fünf adminiftrirende Geiftliche Hatten ein jeder eine 


Glocke zum Schellen in ver Sand, 
Die Wehnung des Berftorbenen wurde von hinten in bes 


mımdernörwürdiger Geſchwindigkeit niedergeriſſen und der Todte, 


nachdem Das vorher um feine Achſeln haͤngende, große Gewand 
ganz tiber ihn gedeckt und die foͤnffpitzige Krone über den ver⸗ 
dedten Kopf gefeßt worden, aufg hoben und überaus geſchwind 
auf Die dazu verferfigte Bahre fißend geſekt, worauf denn Diefe 


Bahre, von den acht Gellongs getragen, in Proceffton nad Den. 
Berbrennungsplaß gebracht twurde, Dergeftalt, daß zuerft ver Lar- 


ma, dann der Bakſchi, ferner ein: Chor geiftlicher Muſik, mit 


Dandpaufen und Trommel, ‘dann Die Leiche und zuletzt Die fünf 
dienftHabenden Gellorrgs mit Glocken, und die ubrige Elerifey- 


und Layen folgten. Der voran gehende neue Lama fprengfe dabey 


mit fernem Weyhwaſſer ven Weg voran, wie auf der achtzehn⸗ 


ten Platte die ganze Proceffion vorgeftellt it. — Das von allen 
Seiten zudringende Bolt wurde, don einigen Dazu beitellten Prie= 
fisen mit Snütteln, abgehalten. 


Ks 


9 


Platte 18] 


J 


Verbreũung 
eines Lama. 


300 Xeremonĩe 


As die Proceffion beym Ofen angelangt war, Trelkten Fi 
die Priefier mie Mufif in einen halben Kreis vox Die Defnung 
der Hüfte und Pie Leiche ward unter voller Muſik auf Das ges 
ſchwindeſte in die Huͤtte gebracht, vellig entkleidet und alſo auf 
dem Roſt des Ofens gepegf, feine Krone und Gewand aber, mif 
aller Mufif, nah der Wohnung des neuen fama gebracht In⸗ 
Deffen gieng ganz geheim Die @inmauerung Der Seiche vor fich, 
Zwey in der Mitte anögebogne «iferne Sfangen wurden um Den 


Gals angelegf und mit eingemauerf, um Die Leice aufrecht zu 


erhalten. Ueber den Kopf mard_ der Ofen fchrag zu gemolht. 
Auf der Weſtſeite des Dfens, mo fein Feuerloch war, behielt der 
Dfen unter dem Gemulbe eine Defnung, Durch melde nachher das 
Fett und andre verbrennliche Materien in Den Dfen gegoffen 
wurden. Zum Schluß des Gewolbes mußte ein großer eiferner 
Keifel ohne Boden dienen. Das Brennholz wurde genau nad 
der fange der Feuerloͤcher gefchnitten, und eine Menge Bufter 
Weyhrauch, Barz und dergleichen mehr Herbengefhaft, melde zu 
zerlaffen und zu ‚vermifchen, neben dem Ofen ein Kıflel aufs 
Feuer gefeßt ward. Wurf beiden Seiten des Ofens waren klei⸗ 
ne Altaͤre, wie gewohnlich mit Dpferfchaldhen beſeßt, aufgerichtet 
— auf der rechten Seite ein hoher Polſterſiß für Deu Lama zu⸗ 
ereitet. | 


Nachdem man mit allen dieſen Zubereitungen ferfig mar, fe 
Segte der neue Sama noch das gelbe Gewand des Berftorbenen 
über fih, feßte auch deſſen Krone ‚auf, und nahm feinen Sitz auf 


der Weſtſeite ein. Die übrigen Gellongs hatten ihren Drnat ab= 


und Die gewoͤhnlichen Kleider wieder angelegt und feßten fih ſo 
ringd umher. Ein jeder hatte in der linfen Sand feine Glocke 
und Scrifter auf dem Schooß fiegen, fo mie auch der Sana, 
welcher anzeigte, dag Die Sampchen auf den Altaren umd Das Feuer 


in allen drey Zuglochern Des Dfens angezündet werden folle. Die . 


vbgedachten Figuren aus ‚Teig befanden fih auf einem der Al: 
taıchen. Als das Feuer nun Abends um 7 Uhr angezündet ward, 
fo nahm diefe feierliche „Dandlung unter Klang und Gefang ihe 
zen Anfang. Gebet und Muſik murden unfermeilen durch Zeiſt⸗ 
diche Unterredungen des Lama mit dem Backſchi unterbrocden, 

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Bey De.brennung enes Lama; 305 


man. cud Ä habenden Prieſtern, nie⸗-Verbreñu 
mand von außen in Die Hütte ſchauen zu laſſen. In. den “Bei; eines Kam. 


loͤchern wurde nun fehr ſtark Hol; zugeſchuͤrt, und: zuafe: 

der neue: Lama, vermittelſt eınes .. A 
von Dem zubereifeten Fett, durch Die obere Defnung befländäg. 
zu, medurd Das Feuer. um den Todten dergeftait vermehrt‘ wur: 
de, daß eine anhaltende. Flammenfäule aus dem. Oſen aufloder- 
e, und Die Hitze in Der Hütte unerträglich ward, Uinfermeilen 
warf der gamg auch mie Harz beftrichne Holzrinde und weiße fei- 
dene Wenhetücher (Chadak) oben in ven Dfen, und da er die: 
größte: Hiße auszuſtehen hatte fo ſuchſe ihn ein Gehuͤlfe durch 


i 
eanon Arhivm hau Nam (b 


Dos Gcher, welches man während des Verbrennens der: Lei⸗ 


be auf Targutifch verrichtefe, wurde je langer je heftiger und- 
ar mit. dem. Schellen der Prieſter-Glocken, Händeklatſchen, Fin⸗ 
gerfchnellen, Wuseinanderfpreigen ımd in monderleg Stellungen, 
Zufammenfügen der Hände md Finger, allerley Berdrefungen: 


der Augen und. Gefichtszüge, wechſelsweiſe begleitet, 


Die Unterhaltung des Beftigen Feuers ſahe man: über: drey 
Stunden forfvauern,. und nad deſſen Endigung ließ man den: 
Dfen mehrere Stunden abfüplen.. Der Zug des Feuers.mar fo hof« 
tig, daß ſowohl deswegen, als wegen der ben gemifihten wohlriechenden: 
Marerıen,.gar kein übler Gerud, von Verbrennung des- Leichnams 


zu ſpuͤren geweſen war. | i 


Nach. Abkühlumg des Sfens ward derfelbe gegen Morgen ab- 
gebrochen und der verfohlte Körper, der wie eine ganz. zuſam⸗ 
men gefrochne Mumie zufanımen halt, herausgerommen: Diefer 
ausgebrannte Reſt mird nım groftentheils-,. als eine. Keliquie-, an 


die. Geiſtlichkeit ſowohl, als auch an Gluubige- Sagen Die fh her⸗ 


zu draͤngen, in Eleinen Broden vertheilt. Der Pübel gebtaugt 
die Kohle des. verbrannten Sama- (Lamain- Dfehindor)- ald eine 
fehr. Heilige Arzney innerlid und ſo wird nah und nach der-gan- 
ze Lama von feiner eigen Gemeinde verzehrt. — Der todte 
Koͤrper giebt- bey. die ſer Art der. Berbrennung faft gar keine vn 

| weil 





— — _. [ka —— —— — 


204 Ceremonie 
ng weil, durch Das beſtaͤndige Uebergießen mit Fett, Die Haut, Veiſch 
gr und — dergeſtalt zuſammen backen, daß die ganze Maife eis 
ner ſproͤden Kohle ahnlich und “Teiche ‚zu zerbrechen iſt. Was ſich 
jedoch von Aſche findet, wird, ‚nebft Der Aſche aus den Heizlodern, 
forgfäftig- zufammen gefjarret und verwohrt. Aug: von nn 
Dfen wurde nicht ein Steinden zuruͤck gelaffen, fandern Die Stel⸗ 
ſe dem Erdboden wieder ganz gleich gemacht und die Steine auf 
einem Wagen mit über die Wolga genommen, als die Horde 
bald darauf Dapin zog. | | 
| . Wuf. allen -vier Eden der Stelle, mo Der Ofen — 
— et rt the 111314250 tee Re" ie einem vieredigfen Loch 
| | ‘ Quögefihniffen -waren. Nah einigen Wochen ward endlich zwi⸗ 
ſcchen Diefen Fahnen dasjenige fteinerne Kapelldden aufgemauerf, 
welches im erſten Theil dieſer Sammlungen auf dem Border: 
grund der erften Plarte abgebilvet if. Allerley Gößentilder, 
Gebete und andere Schriften, Stücke von alten ‚Kleidern des 
Berftorbenen, und dergleichen. wurden darin beugefeßt, die_aber 
bald durch Erbrehung der Mauer von Kofafen entiwendrt wur: 
den; und ich habe an einem äfnlichen Monument eines Fürften 
( Platte 6 des ıften Theils) oben eine Gebettiommel ‚mit Wind: 
flügeln aufgefegt geſehn. | 


Im Jahr 1778 wurde nachmals neh ver oberfte La⸗ 
ma der forgofifhen Ulus, namens Mollom-Backſchi auf 
eben dieſe Weiſe mit Fett verbrannt. Bey Diefem fol { 
fih das den Kalmuͤcken hoͤchſt richtige Pharomen geäußert 
haben, daß unter deſſen Knochen, nad dem Berbrennen, viche 
von denjenigen Kornden, die Schalir⸗Urulaͤ genannt und als 
große »Deiligehümer und Reliquien aufgehoben terden, ‚gefunden, 
auf den Schulterblattern aber durch Den Brand eine der rothen 
‚ Waſſerlilie (Badma) aͤhnliche Figur fihtbar geweſen; fo wie 
man auch in den Naͤthen des Hirnfchädels die ſechs Character, 
Om ma ni pad me chung, gelefen haben, und ihn, Deswegen 
Er für einen Burdanifhen Ehubilgan ausgeben wollte. Weil aber 
- ißt die Erlaubniß Deputirte nah Tyhbet zu ſchicken ſchwer — 
⸗ a⸗ 





* 


“bey Verbrennung eines Lama. 905 


‚Malten feyn würde, To hat man «8 Dabey- beivenden Taffen. — Reliqulen 
hemapls war die wfche des in St. Petersburg im Jahr 1736 Heliger La⸗ 
‚ verbrannten Schofur: Lama, wovon gleichfalls im Iten Bande Mm 
der neuen nordiſchen Beytraͤge bie Rede ift, ferner die des 
Kalmüdifchen Chans Donduk Daſchi, der’fbenfalls verbrannt wur⸗ 
de, Durch feverliche Depatationen nad Tybet geſchickt worden, 
wobey Die Koſten der Geſandſchaft ſich auf 40000 Rubel belau⸗ 
fen Haben ſollen. ‘Ans einem Schreiben des verſtorbenen wurdi⸗ 
‚gen Etatsraths Müller ift mir bekannt, daß eben zu der Zeit, 
da er feine für die Sibiriſche Geſchichte fo fruchtbare Reife that, 
. diejenige ‘Gefandfchaft von Kalmüuden duch Sibirien nach Tybet 
gieng, welche die Afche des Schokur⸗Lama überbringen, und 
wegen ‘der 'bemerften "Zeichen der hohen „Heiligkeit antragen Toll- 
te, wo deffen ‘Seele wiedergeboren ſey. "Diele von Weibern be= 
zeugfe Wunderthaten wurden von ihm angegeben, "und Die Ge⸗ 
ea ‚folfen ‚fein ‚aus "Gold gegoßnes Vildniß Zuruͤck gebracht 
Haben, | 


Bon dem üben erwähnten Schallir⸗Urula werden bey den 
Ralmüdifchen Pfaffen viel Weſens gemacht. Sie follen nur bey , 
der Berbrennung überaus heiliger Lamen, aus den Zahnen ents 
ftehen. Es find dunkelbraune :oder ‘weiße, ‘wie Gerſten und Sins 
fen ‚geftältete, auch wohl «ecfigte, -glärzende Körper, und fo hart, 
daß fie :zwiſchen zweyen «Steinen nicht zerſchmettert werden fon= 
nen. .Bauptfachlich Tollen ie aus den Bahnen, Theils aber auch 
‚aus den iübrigen (Gebeinen entſtehn, aus welchen Tie heraus ge= 
fucht werden. VBey reinigen Leichen, werden deren mehr, bey an⸗ 
dern weniger «gefunden rund die Heiligkeit des Verſtorbenen dar⸗ 
nad :beftimmt. Die Anzapl fol von 50 bis 1000 veranderlich 
ſeyn. „Die Kalmücken :und Mongolen fhaßen Ah ſehr gluͤcklich 
ein ſolches "Korn bey ihren Amuleten in Saffran eingemwidele, 
oder :in ‚der Hohle ‚eines Burdars oder "einem filbernen Büchschen 
verwahrt, zu beſißzen. Sie ‚glauben, daß ein Kranker, deſſen 
TDodesſtuͤſde noch nicht feſt beftimmt iſt, durch win ſolches Kügel- 
chen unverzüglich geneſen muͤſſe; iſt aber ja der Tod undermeid- 
li, ‚fo begleitet .ein ſolches eingerommenes Schalir, welches un 
vergaͤnglich geglaubt wird, eine Seele gewiß an einen guten Ort. 

Sroryıer Theil "Do Res 


— 





. 


306 Ceremonie bey. Verbrennung eines. Lama: 


Reliquien Man macht auch, mit Veymiſchung, der. Aſche und Kople ſol⸗ 


heiligen La, cher heiligen Lamen, aus verſchiedenen Maferien rothe, gelbe und 


— men. ſchwarze Kuñgelchen, die ebenfallz, als Amulete oder auch einge— 


nommen, vor Suͤnden, boͤſen Wiedergeburten und Kranfheifen 
bevapren ſollen, und Besisegen von den Pfaffen auögrtheilf wer— 


den. Die rothen, melche Dem fogenannfen Zucderfand der Eonz . 


fectbader apnlich und ganz zinnoberroth find, werden Mani.- 

Urul& genannt, und find nicht in fo hohem Werd. Man hat: 

a:ch Maris Urula von gelber Farbe. Dig andern werden Sand 
ſchip⸗Urulaͤ und Aragon: Urulaͤ genannt. 


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Avberglaͤubiſche Miſceltanen. 307 


| VI. | 


Don mancherley andern Aberglaͤubiſchen Gebraͤuchen 
Meynungen und Ceremonien bey den mongo⸗ 
| liſchen Voͤlkern. — 


Alewinge iſt Das arme Laienvolf der Kälmucken und Mongolen, 
durch den geiſtlichen Zwang, der bey Hochzeiten und Begrabnifs 
fen ihrer wartet von den Pfaffen ſchon abpangig genug. Allein 
dieſe haben noch viel .mehr Aberglauben, den fie zum Teil aus- 
dem vorhin unfer dieſen Bolfern £ingemurzelten und noch .haften= 
den Schamaniſchen Gaufeleyen "hergeleitet und nach ihrer Art aufe 
geſtutzt Haben, eingeführt und dadurch das arme Volk dergeftalt 
Zefeſſelt; daß fie -in allen ungewöhnlichen Auftritten des ‚gemeinen 
Lebens zu Pfaffen ibre Zuflucht nehmen und Pfaffen opfern .müf: 
fen.” So maßen fig vie Pfaffen z. E. an, die gluͤcklichen und uns 
gluͤcklichen Tage und Zeiten im gemeinen Leben und bey allen 
Bale endeiten, die Borfehrungen gegen alle Unglüdsfalfe und 
SrantBerten zu bejtimmen, Das Wetter nah Wunſch zu. beftime 
men, kuͤnftige Begebenheiten. zu weiſſagen, den Bogelflug und 
andre Zufalfe auszulegen, das Vieh, Baume und dergleichen ein— 
zumeiben., Verfchießhe Opfer zur Befanffigung der Banjgri.zu 
veranftalten und auch als Xerzte, allerley Krankheiten zu heilen,’ 


Wegen Beftinmung der gludlichen nd ungluͤcklichen Zeiten Beffinmung 

enfhält, Das oben megen .der -Begrabniffe angezogene Buch er: n rg 
ion = zolgerides: re 2 hen und ums 

xien = Baffool folgendes; | = — ege 

„Die gluͤcklichen Tage, für Ziegen, Kameele und Rindvieh, Tage und 
im Lu-Monat fitd dom neunten bis atrf den funfzehnten; der Zeiten. 
ſechszehnte ift ein glüdlicher Tag Fir alles Vich, der neunzehnte 
ft gluͤcklich um Speiſerorrath anzuſchaffen. Der gifte ift beſon⸗ 
ders fuͤr Pferde ein a Der vierte Tag iſt gut — | 

Zr a 2 | S 


— 








308 Aberglaͤubiſche Miſcellanen 


Beqimmun fe, der fiebzehnte fuͤr Pferde. — Im Schlangenmond (Mogot) 
gluct ichẽt u. iſt der ſiebente ein beſonders quter Tag für Ziegen und Der zehri= 
ung d.licher te für Schaafe; den ei.ften aber, kauft und nehmt ja fein Pferd- 
Tas an; der Drenzehnfe Tag iſt ein Glüdstag für Die Menfchen, ver 
vierzehnte jur alles Vieh, ver fiebzehnte für alle Speife und: 
Nahrung, Der achtzehnte beſonders nur für Die Feldfruͤchte; am 
garten aber handelt ja nicht mit Pferden. — ° Im Prerdemand 
(Worin) fol den 5ten Tag ja niht mit Pferden gehandelt wer— 
. den, deſto beffer aber ift diefer Lug für Ziegen ;. der Sra Tag iſt 
ein Gludötag jur die Schaafe; am. 18ten und 15fen handle man 
ja nicht mit Speiſe und NWaprungsmiftelnz den; 16ten ift. der. 
glüklihe Tag für die Feldfruͤchte. Der erfte ift der Glücstag, 
für die Menſchen, ver zwelfte jür alles Vieh, der. YOfte für. die 
Pferde. — Gm Chen: Sera. (Schaafmonat) ift. der. fünfte guf 
für Schaafe, der achte für das Menfchengefchlecht., der. neunte für. 
alles Bich, der zmulfte für Nahrung und Speiſe; den adıfen, 
fauft Feine Pferde, ven. 19ten und Loſten gebt fein Pferd meg;,' 
den Zoſten gebt ja fein Kameel weg, — Im Affenmond (Miete: 
ſchin) ift der dritte ein Gluͤckstag für die Schaafe, der fechsite: 
ein Unglüdstag altem Bich, der zehnte ein guter Tag für. Nah⸗ 
rung und &peife, der. eilfte für die Feldfrüchte; den Lhten huns: 
delt ja niche mit Pferden; den 97ften. handelt. nicht. mit. Waa— 
rm — Am (Tartka) Hahnenmond iſt der erfle Tag glüdlich 
für die Menſchen, der newife für, die Schaafe, der vierte: und- 
fünfte für alles Vieh; der. achfe für Nuhrungsn iftelz-den. Ilten. 
gebt ja Fein Pferd: weg; den Yliten gebe: ja: keine Waaren und- 
Tebensmittel weg, den @often keine Kuh/ den Arten fin Schaaf. — 
Im Hundemond (Nochoi) ift der erfte Tag: gluklih für die 
Menſchen, ber zweyte für alles Bich;- der fünfte: für alle Nah 
rungsmittel ; den 19ten und 33ten gieb ja fein Pferd weg. Der 
gaıte iſt abermals alüdlih für die Nahrungsmittel; der Aite- 
für Ziegen, der Alte und Qufte für alle Menfchen,. ver 88ſte für 
alles Dich. — Am Maͤuſemend (Chulluguna) iff der erſte gut 
für alle Naprungsmittel , der: zweyte für die Feldfruͤchte, der. 
achte. beio Ders für Die, Pierde, Der achtzehnte für Waaren;,. der 
neungeh fe. ift befonders guf fuͤr die Kameele; der 2oſte ift glüde 
lich für die Schaafe, der göfte für die Menſchen, der gofte für 





Aberglaͤubiſche Wifellinem ' 30 


alſes Vieh— — Im Kuhmond (Ucker) iſt der fünfte und ſechs⸗ Beſlimmung 


fr gluͤcklich für Pferde, der I6fe für Ziegen, Der 19te für. ‚die alüdlicher u. 


&haafe,. der: Zgıle. für. die Menfihen,. der. 33fte für. alles Vieh, ungluͤcklicher 


der 27/te für. alle Feldfruͤchte, der. göfte: für alle Burzhanen.. — 


Im Tigermond (Bars) iſt der ziwente und vierfe nicht er 


für die melde mit Pferden handeln; ver gofte ift gluͤcklich für 
Menſchen, und die guren- Gaben Diefes Tages bringen tauſend⸗ 
faͤltige Fruͤchte. Der. gıfte ift guk für. alles Vieh, der Aſte für 
die. Feldfruͤchte, der 29ſte für Die Pferde, der 19fe für alles Pieh, 
der 99fte für ale Nahrungsmittel, der gYZfte für alle. Feldfuͤch⸗ 


€ 


fe, der SOfte. abermals. für die: Pferde” | 


Ferner lehrt dleſe abergläubifche Vorſchrift Über die: unglücd: 
lichen Monate: folgendes: | 


„Im jedem: Jahr befinden führ zmeg: ſchwarze oder: ungluͤckli⸗ 
Ge Monate: Im Chulluguna- Jahren: it der mittelfte Fruͤh— 
lings- und‘ mittellte Herbftmonat: ſchwarze; im. Ukkirjahr ift es 
der Leite Frühlings = und legte: Herbitmonat, im Barsſahr, der 
erſte Sommer > und’ erfte Wintermonatr,. im. Toolaijahr, der mit: 


telfte. Eommer.= und. mittelfte Wintermonat, im Lujahr der leßs- - 
te Sommer.= und legte: Wintermmof;, im: Mogoijahr der erſte 


Srühlingd.= und erfte: Hirbftmonat, im: Morinjſahr der. mittelite 
Fruͤhlings- und miffelfte Herbitmonaf, im Choninjahr der [eßte 


Früblings s und letzter Herbitmmmat, im: Metſchinfahr der erfte 


Sommer; und erftie Winfermonaf, im. Takkajahr der: mittelfte 
Sommer = und: mittelte Winfermonat, im Gachaijahr der erfte 
Frühlings:= und erſte Herbitmonal In jedem Ddiejer. finftern: 
Monate find die: Tage vöın: erften: bis. auf den zehnten allemapl: 
ſchwarz, und. ungluͤcklich.“ 
„Außer den: itzt beſtimmten finſtern und ungünftigen Tagen" 
find“ noch aus andern Urſachen entſtehende finftre Tage und Zei⸗ 
fen zu: bemerken... In den drey: Fruͤhlingsmonaten iſt in jedem 
der: fiebente‘ Tag fehr. ungünftig, eben ſo in den .Sommermona= 


Seiten. 


fen; in den: drey Kerbitmonafen..ift: jeder neunte Tag ſchwarz 


unde unguͤnſtig, in. den. drey Wintermonaten: der zehnte: . m 
- ⁊ em 


8 











308 Aberglaͤubiſche Miſcellanen 


Beqlimmung fe, der ſiebzehnte fuͤr Pferde. — Im Schlangenmond (Mogoi) 
iu ichẽt u. iſt der ſiebente ein beſonders quter Tag für Ziegen und der zehri= 
ungidliher te für Schaafe; den ei.ften aber kauft und nehmt ja fein Pferd 
age. an; der Dren ehnte Tag it ein Glüdstag für Die Menfchen, ver 
pierghnte ſuͤr alles Bieh, ver fiebzehnte für alle Speife und: 
Nahrung, Der achtzehnte beſonders nur für die Feldfruͤchte; am 
görten aber handelt ja nicht mie Pferden. — ° Im Prerdemad 
(Worin) fou den 5ten Tag ja ni ht mit Pferden gehandelt. wer- 
‚ den, deito beffer aber ift diefer Tag für Ziegen ;. der Bra Tag ıfl 
ein Gluͤckstag gür die Schaafe; am. 18ten und 158ten handle man 
ja nicht mit Speife und Nahrungsmitteln; den; 16ten ift: Der. 
gluͤckliche Tag fuͤr die Feldſruͤchte. Der erite ift der Glüdsfag, 
für die Menſchen, ver zwelſte ſuͤr alles Vieh, der. Yfte für. Die 
Dferte. — Gm Chon-Sara (Schaafmonat) ift. der. fünfte guf 
für Schaafe, der achte für das Menfchengefchlecht., der. neunfe. für. 
alles Bich, der zwoelfte für Nahrung und Speife; den achten. 
kauft Feine Pferde, Den. 19ten und often: gebt fein Pferd meg;. 
den Zoſten gebt ja fein Kameel weg, — Hm: Affenmond (Yiets: 
fin). ift der driffe ein Gluͤckstag für die Schaafe, der- fechsite: 
ein Ungluͤckſstag altem Bich, der zehnte ein guter Tog für. Nah⸗ 
rung und Epeife, der. eilfte für Die Feldfruͤchte; den Lhten han⸗— 
delt ja niche mit Pferden; den gY7ften: handelt nicht. mit. Waa— 
rum — Im (Take) Hahnenmond ift der erfte Tag gluͤcklich 
für die Menſchen, der newife für, die Schaafe, der vierte: und- 
fünfte für alkes Vieh; der. achfe für Nuhrungsn ittelz den. Ilfen. 
gebt ja kein Pferd: weg; den Yliten gebt: jg feine Waaren und 
Tebensmittel weg, den Qhften keine Kuh/ den Arten kein Schaaf. — 
Im Hundemond (Nochoi) ift der erfte Tag: gludlich für Vie . 
Menſchen, der zivente für alles Bich - der fünfte für alle Nah⸗ 
rungsmittel ; den 19ten und 12ten gieb ja kein Pferd weg. Der 
gaıte iſt abermals glüdlih für die Nahrungsmittelz der Alte: 
für Siegen, der Alte und Quite für alle Menſchen, der. 98ite für 
alles Vieh. — Im Mäufenend (Chulluguna) ift der erſte gut 
für alle Naprungsmittel , der. zweyte für die Feldfrüchte,, der 
achte. beio ders für die. Pierde; der achtzehnte für Waaren,. der 
neungeb: fe. ift befonders guf für Die Kameele; der Yufte ift glüde 
lid jüs die Schaafe, der 25ſte für die Menfchen, der Jofte = 
= 15 


= 








Abergläubifche Wifdlem — 
«les. Bieb· — Im Rupmond (Ucker) ik der ſunlte und fc he⸗ Beftinmung 
ſe güflıh für Pferde, Se löte fur Biegen, Der Sir gl die heben u. 
Ehaafe, der Zytte für Die Merten, Der Ile Kir alles Birp, uaglu rucher 
der ZTıie für ae Jeloſro gte, der Säle Kir ale Dur tiamer. Zelten, 
Im Tigermond (Dre) in Der este und pieite au gut 
fir de wele mE Flerver pa dela;, der Hlte ul geufu Lie 
Meniben, ud Die guren Gaben dieſes Tages bringen tauænd- 
fefıge Frũfte Der 24ſte iti gu ur alles Birch, der June tur 
Dr BelDiräfte, Der Ane für Die Pferde, der AYte ir ullız Bı.H, 
der 22ñe für alle Mahrungsmittel, der 2316 für alle gung: 
tr, Der Buſte ubermals für. Die ſerde.⸗ 


Werner lehrt dieſe aberglaubifge Borſchrift Gber Die unglüg: 
Inden Donate ſolge: Deb: 


„sn jedem Bahr befiiden fi zweo ſchwarze oder ungluͤckli⸗ 
ibe Monat: 3m Chulluguns - Zubten iſt ver mittelſte Sp: 
Imgs=- und mitielfie Herbfimonat ſawarze; im Uctirjahr ui a6 
de: Iete Brnp.ings- und. letzte Derbiimongt, ım Darsahr, ber 
tt Sommers ud erfic Winter monat, im Tool.ajahr, Ler mut: 
ulfte Zommer- und mittellie Wintermeonaf, im Rupibr wer lei 
: ZUmmer= uimd letzte Wintermme.st, um Nogoijuhr vr ecne 
Ftühlings- und erfie Derotinenat, un NMorinjahre Der mittelſie 
minlings- und mittelfie Berbrimongt, im Chonnahr ver lesle 
Teihlngbs umd letzte Herbſime iat im MNe chimahr Der erlie 
Sommer- ud erſte MWerterniiut, im Wschr ieı mitielſie 
ZCMMET - und mitselie Wırrermpnut, ım Gachauah: Der erne 
Srerlengs- und erie Derb’tmonat In jeven Tage nnſtein ' 
Monate ſind Die Tayc som erfien bit aut ie. „chnie, 
mbar; und ungliefiin.- 


„Außer der ißt beſſemmten firfkeır uni unganfuee: —— 
ſind noch aus andeirr. Urſache enttieh ne nf Dar und Ser 
ie ac vemerken. & ver err Trabi gewee 1 en 
dr ſiebente Tuz ieb: IT TR vr Tepe — | 
9; 6 Den Tier berpimenaien Hr jener ur Ds TOR De 
Ui unganfiı,, u be bien Minsermaugie. ze | 


= => 





. 306 Cerergonie bey. Derbrennung eines. Lama: 


- Refignien. Man macht auch, mit Veymiſchung der. Aſche und Kople folz- 
deiligus La, cher heiligen Lamen, aus verfibiedenen Materien rorhe, gelbe und 
wm ſchwarze Kügelchen, die ebenfalls, als Amulete oder auch einges 
nommen, vor Suͤnden, bofen - Wiedergeburfen una Kranfheiten 
bevapren follen,. und adesiegen don ven Piaffen ausgrtheilf wer— 
den. Die rothen, welche dem fogenannten Zucerfand der Eonz . 
fectbacer, aͤhnlich und ganz zinnoberrot find, merden Mani.- 
Urul& genannt, und find. nicht in fo hohem Werth. Man hat: 
ach Mari Urula von gelber Farbe. Dig andern werden Sands. 
febip : Urul& und Araphan= Uruld. genannt. z 


% 4 


r \ 





| Aberglaͤwiſche Miſceltanen. = ER ’ 
— 


Don mancherley andern Aberglaͤubiſchen Gebraͤuchen, 
Meynungen und Ceremonien bey den mongo⸗ 
liſchen Voͤlkern. = 


5) PRO ift das arme Laienvolk der Kälmuͤcken und Mongolen, 
durch den geiftfichen Zwung, der bey Hochzeiten und Begrabnife 
fen ihrer wartet von den Pfaffen ſchon abhangig genug. Allein 
dieſe "haben noch viel.mehr Aberglauben, den fie zum Teil aue- 
dem vorhin unfer dieſen Bolfern cingewurzelten und noch haften— 
den Schamaniſchen Gaukeleyen "hergeleitet und nad ihrer Art auf 
geſtutzt haben, eingeführt und dadınd Das arme Volk dergeftalt 
Zefeſfelt; daß fie in allen ungeropnlichen Auftritten des gemeinen 
tebens zu Pfaffen ihre Zuflucht nehmen und Pfaffen opfern muͤſ— 
fen.” So maßen fig die Pfaffen z. E. an, die gluͤcklichen und un= 
glücktihen Tage und Zeiten. im gemeinen Leben und bey allen 
Bile enheiten, die Borfehrungen gegen .alle Unglüdsfalfe und 
KrantBerten zu beitimmen, Das Wetter nah Wunfh zu beftim- 
men, Tünffige Begebenheiten zu weiſſagen, den Bogelflug und 
andre Zufalfe auszulegen, das Bieb, Baume und dergleichen ein= 
zumeiben., Derfchietäne Dpfer zur Befanffigung Der Tan zjgri.zu 
veranftalten ‚und auch ald Aerzte, allerley Krankheiten zu, heilen, 


Wegen Beltinmung der glüdlihen und ungluͤcklichen Zeiten Beffiammung 
enthaͤlt, das oben megen der Begrabniffe angezogene Buch “er: der güdli. 
rien » Daffool folgerides: u 9.5 den und un 
| a Ä gluͤcklichen 

„Die gluͤcklichen Tage, für Ziegen, Kameele und Rindvieh, Tage und 
im Lu-NMonat find vom neunten bis auf den funfzehnten; der Zeiten. 
ſechszehnte iſt ein gluͤcklicher Tag Fir alles Bich, der neunzehnte 
Iſt gluͤcklich um Speiſevorrath anzuſchaffen. Der Alſte iſt befon- 
ders fuͤr Pferde ein a Der vierte Tag ift gut —— | 

: 29 | 


= 











Belimmun; 
gluf:ig;cr u, 


ung: d.:licher 
Tage 


308 Aberglaͤubiſche Miſcellanen 


fe, der ſiebzehnte fuͤr Pferde. — Im Schlangenmond (Mogoiß 
iſt der ſiebente ein beſonders guter Tag für Ziegen und Der zehn— 
te für Schaafe; den eitften aber kauft und nehmt ja fein Pferd 
an; der Drenzehnte Tag iſt ein Glüdstag für die Menfchen,. ver 
vierzehnte jur alles Dieb, ver fiebzehnte für alle Speife und 
Nupıung, Der achtzehnte beſonders nur für die Feldfruͤchte; am 
görten aber handelt ja nice mit Pferden. — — Im Prerdemond 
(Worin) fol den 5ten Tag ja nicht mit Pferden gehandelt. wer— 


‚ den, deito beffer aber ift dieſer Zug. fir Ziegen ;. der Se Tag ıft 


ein Gluͤckstag yür die Schaafe; am I8fen und 15fen handle man 
ja nicht mit Speife und Waprungsmiftiinz den; 16ten iſt der. 
glüklihe Tag fiir die Feldfruͤchte. Der ertte ift der Gluͤcksſstag, 
fir die Menſchen, ver zwelſte pur alles Vieh, der. Yafte für. die 
Pferde. — Gm Eben: Sara. (Schaafmonat) ift. der. fünfte gut 
für Schaafe, der achte für das Menfchengefchlecht., der. neunfe. für. 
alles Bich, der zwelfte für Nahrung und Speiſe; den achfen. 
kauft feine Pferde, den. 19ten und often gebt fein Pferd meg;. 
den Zoſten gebt ja kein Kameel weg, — Im Affenmond (Yiets: 
ſchin) ift der driffe: ein Glüdstag, für Die Schaafe, der fechsite: 
ein Ungluͤckstag alem Vieh, der zehnte ein guter Tog für Nah⸗ 
rung und Speiſe, der. eilfte für. die. Feldfrüchte; den Lhten han⸗— 
delt ja niche mit Pferden; den 97ften: handele nicht. mit. Waa=- 
ren. — Im (Tarka) Hafnenmand- ift der erſte Tag gluͤcklich 


für die Menfchen,. der neunte für, die Schaafe,. der vierte: und- 


fünfte für alles Vieh; der. achfe für. Nahrungsn ittel den Ilten. 
gebe ja kein Pferd: weg; den Yliten gebe jg: feine Waaren und- 
'tebensmittel weg, den Loſten keine Kuh, den ten fin Schaaf. — 
Im Hundemond (Vochoi) ift der erfte Tag: glüdlih für die 
Menſchen, der zweyte für alles Vieh, der fünfte: für alle Nah⸗ 
rungsmittel ; den 19ten und 13ten gieb ja fein Pferd meg.. Der 
gaıte iſt abermals glüdlih für die Nahrungsmittel; der Alte 
für Siegen, der 23ſte und Qufte für alle Menſchen, der. gBite für 
alles Died. — Im Maͤuſemond (Chulluguna) ift der erſſe gut 
für alle Nafrungsmittel , der. zweyte für die Feldfruͤchte, der. 
achte. beio ders für Die. Pſerde; der achfzehnte für Waaren,. der 


neunzehte ift befonders guf für die Kameele; der Yofte ift glüde 


li für die Schaafe, der 25ſte für die Menſchen, der gJofte A 
u | | | es 


Los 


Abergläubifche Mifeellinem 309 


alles Bi — Im Kuhmond (Ucker) ift der fünfte und, ſechs⸗ Beflimmung 
fr gluͤcklich für Pferde, der 16fe für Ziegen, der 19te für ‚die alüdliher u. 
Shaafe, der. Qıte. fir. die Menfchen, der. 23ſte für. alles Vieh, unglücklichen 
der 27ſte für. ale Feldfruͤchte, der. göfte: für alle Burshanen.. — zeiten. 
Im Tigermond (Bars) iſt der zweyte und vierfe nicht: glücklich 

für die melde mit Pferden handeln; ver Loſte ift glukli für ' 
Menfihen, und Die guten Gaben diefes Tages bringen tauſend⸗ 

faͤltige Früchte, Der. gıfte iſt gut für. alles Vieh, der Aſte für 

die. Feldfruͤchte, der gYıte für Die Pferde, der 19fe für alles Vieh, 

der. 9Afte für ale Nahrungsmittek, der gIfte für alle. Feldfruͤch⸗ 


€ 


te, der SOjte. abermalö. für. die: Pferde” 


Ferner lehrt dieſe aberglaͤubiſche: Vorſchrift über die unglüd: 
lichen Monate. folgendes: | 


„Sr jedem: Jahr befinden ſich zwey ſchwarze oder: ungläffi-- 

de Deonate:: Im. Chulluguna⸗ Jahren: it der mitkelfte Fruͤh— 

lings- und‘ miftelite Herbitmonat: ſchwarze; im. Ukkirjahr ift es 

der leste. Fruͤhlings- und legte: Herbitmonat, ım Barsjahr, der 

erfte Sommer > und’ arfte Wintermonati,. im. Toolaijahr, der mit- 

telfte. Eommer.= und. mittelfte Winfermonat, im Lujſahr ver letz⸗ 

fe. Sommer = und legte: Wintermmnat;, im Mogoijahr der ertte 

Ftühllngs- und: erite: Serbftmonat , im Morinjſahr der. mittelite . 

Frühlings und mittelfte Herbitmonat, im Choninſahr der Ießte 

Früßlings s und legte: Herbſtmonat, im: Metſchinjahr der erfte : 

Sommer: und. erite Wintermonat, im. Takkajahr der: miftelfte _ 

Sommer = und: mittelſte Wintermonat, im Gachaijahr der erfte \ 

Frühlings; und erite. Herbitmona In jedem Diejer. finftern: 

Monate find die: Tage vom: erften bis. auf den zehnten alemahl 

ſchwarz, und. ungluͤcklich.“ 
„Außer den: itzt beſtimmten finfferm und ungünftigen Tagen’ 

find noch aus andern Urfachen entjtehende finftre Tage und Zeis 

fen zu: bemerken... In den drey: Srühlingsmonafen ıff in’ jedem 

der: fiebente‘ Tag ſehr ungünffig, eben fo- in den .Sommermona= 

fenz; in den: drey Herbſtmonaten iſt jeder neunte Tag ſchwarz 

md unguͤnſtig, in. den. Drey Wintermonaten der zehnte: - 

en 


Ay) 


Beſtimmung 


— / 


‚go Aberglaͤubiſche Mifesllanen. 
ven drey Frühfingsmonaten ſind ferner Die Zeit, Tage und Stun- 


‚gläfliher n. den, in welchen Metſchin, Takka und Nochoi regieren fehr un— 


i unglucklicher 
Zeiten. 


guͤnñig und ſinſter. In den drey Sommer monaten ſind in jedem 
dıe Tage, an welchen Toolai, Zu und Mogoi regieren, finſter. 
In den Drey Herbſtmonaten find es die Tage an melchen Eu, 
Nochoi und Ukker regieren; in den drey Winfernonaten Dieje- 


nigen, an welchen Mogoi, Takka und Ukker regieren. — Ger- 


ner find die Zeiten Challuguna, Toolai, Worin und Takka, 
wenn fie zuſammentreffen, einander zuwider und unguͤnſtig; ITE- 
ter, Lu, Choin ud Nochoi find ed ebenfalld wenn fie auf ein- 
ander treffen; eben fo Bars, Mogoi, Wietfchin und Chagai. 
Hingegen ſind Chulluguna, Lu ind Metſchin oder Ukker, Mo⸗ 
gri und- Takka, imgleichen WMorin Nochoi und Bars, und 
endlich Toolai, Choin und Gachai einander günftig.”  - 


— | | I „Eine im Maͤuſejahre (Chulluguna) geborne Zungfer muß 


oz Sitze ber 
’ Secle. 


im Kuh-(Uikker) und Schaaf⸗ (Choin) Monat verheirathet 
werden. Eine im Kup (Miller) Jahre geborne, muß im Mau- 


Te: und Pferde-(Morin) Monat ausgefteuert. werden; eine im 


Hahnen-(Takka) Jahre geborne, im Affen-(Metſchin) und 
Tiger: (Bars) Monat: eine im Hunde = (YTochei ) Jahre ge- 
borne, im Schweine-(Gachai) und Schlangen-(Mogoi) Mo: 
naf; eine im Schweinejahr geborne, im Hunde- und Draden- 
(Lu) Monat; eine im Tigerjahr geborne, im Hafen - (Toolai ) 
und Hhnenmonaf; eine im Affenjahr geborne, im Bahnen = oder 
Hafenmonatz eine im Haſenjahr geborne, im Tig'r = oder Affen- 
monat; eine im Drachenjahr geborne, im Schlangen » oder Schweiz 
nemonaf; eine im Schlangenjahr giborne, im Drachen- oder Zune 
demonat; eine im Pferdejahr geborne, im Schaaf = oder Kuhmoe 
nafz; eine im Schaafjabr geborne endlih,. im Pferde- oder Miu: 
femonat.” | 


Ueber den veratderliden Sig der Seele lehrt dieſe Schrift 
folgende Thorheiten: 

‚Am erften Tage eines jeden Monats befindet ſich die Seele 
m großen Beben der Güße; bey den Pferden in Hufborn, Am 
zwey⸗ 


t 


Aberglönbifche Mifcellanen. 311 


ꝓweyten Tage fiße fie ben Menſchen und Vieh im untern Fußge— 
len. dert. drirten bey: Meufihen in den Waden, beyin Vieh im 
zwepten .Sufßgelenf, den nierten.bey Menfchen. und Bieh im Kite: 
gelenf,.den fünften in der Kniekehle, den fechsften und ſieben— 


ten in den Schenfeln, den schten”im Hintern, (bey Bi h im 
Ruͤckgrad); Den neunten in der Seite; (bey Vieh in dir vordern. 
Sußjohle,) den zchnren in den Fußſohlen der Menſchen, und beym 


Vieh ım ven PVorderfüßen, Den eilften, ben Menfchen im Eilen- 
bogen , (bey Bieh im Vorderknie,) den zwölften, bey Menſchen 
in ten flachen Händen, behm Bieb im- dien Fleiſch Der Borders 
füge; den Örepzehnten bey Menfchen im Halſe, bey Vieh in Den 
Schenfelbeinen ; den vierzehnten, bey Menſchen in den Mandeln 
unfer der Kinnlade, beym Bich im Ruͤckgrad; den fimfzehnten iſt 
Die Seele fowohl bev Menſchen als Vieh im ganzen Korper vers 


theilt. Den ſechszehnten befinder fie fih bey. Menfhen und Vieh 


in der Nafe ımd im Rüffel, den fiehenzehnten im. Haffe, Den 
achrzebnten bey Menſchen in Den flachen Haͤnden, bey Vieh im 
Schulterblatt; den neunzehnten fißt fie bey Menſchen in den Vor— 
derarmen, bey Vieh im Lalfe, den zwanzigſten bey Menfipen 
und Vieh wiederum in. der Nafınjpiße; den ein und zwanzigſten 
in der Seite, bey Thieren.in den Zahnen, den zwey und. zwars 
zigſten bey Menfchen. in den Nieien, bey Thieren oben im Gaus 
men, den drey und zwanzigſten im Hinterg und bey Thieren 


Sitz der‘ 
Seele. ° 


in der Zunge, Den vier. und zwanzigſten bey Menfihen in ven 


dicken Beinen ,. bey: Chieren in den Augen, den fünf und- zwan⸗ 


zigſten bey Menfhen in der Sniefehle, bey: Tieren zwifchen. den 
Schulteen, den fechs und zwanzigſton bey Menfihen in den 


Knien, bey Thieren in der Kniekehle, den fieben und zwanzig⸗ 


Ben bey Menſchen in: den Waden, bey Thieren in den Dicken 
Deinen,. den. acht und. zwanzigſten bey Menſchen in der Kies 
ſcheibe, bey Vieh im Hodenfad, den drepßigften ift fie endlich 
wieder ſowohl bey: Menſchen als Vieh im ganzen Korper vertheilt.“ 


Ferner: „Zur Zeit da. Ehullugung regiert‘, befindet fich Die 
Seele in Den. Augen; zur Zeit. Ukker im Gehirn; zur Zeit Barg 
im Hexzen; zur Zeit Toolai, im Unterleibe; zur Zeit Lu, in 
Ber. Au; zur. Zejt; Mogoi, im Balfez.zur Zeit Morin, = Den 
Din | 


chul⸗⸗ 


* = 
\ 


Vorbeden. 


rung nad) 
Voͤgeln. 


— \ 


39 :Abergfäubifche Miſcellanen. 


Schultern; zur Zeit Choin, in den Nibbenz zur Zeit Metſchin, 
in der Leber; zur Zeit Takka in der Br.ift; zur Zeit LTochoi, 
im Unterleibe; zur Zeit Bachai endlid ‚in der Gurgel. 


Ueber ungewöhnliche Begebenpeiteri und Beichen ‚enthalt dieſe 
namliche Schrift ‚folgende Regeln, Die den Dfaffenitand ven $aien 
zum Theil nothwendig machen: — 

„So ein Vogel, was er Aauch für einer ſey, ſich in ein Baus 
oder Hütte begiebt, das iſt ein boͤſes Zeichen. Bey einer ſolchen 
Familie wird Leid und Truͤbſal entſteha. Die Gegenmittel um 


dieſes abzuwenden, find: Daß eine Räucherkerze angezuͤndet, dar⸗ 


auf ein Pfeil mit blauer Farbe gefärbt und auch ein Steinchen 


“und zweoy irdene Schalchen, in viefer Wohnung , in Die Erde wver⸗ 


‚graben werden.“ Ä 


„Wenn der Bolai-Schabihn (die Kleine Dr » oder Berg: 
eule, (Scops) feine Stimme hören laͤßt und fih auf eine Woh⸗ 
nurg feßt, muß man das Fell von einem Tiger und von einem 
weißen Pferde, wie auch von .einer ſchwarzen Kub zur“ Hand neh⸗ 
men, von ‚jedem etwas Haare ausraufen, felbige in $appdhen von 
Golodftoff einwickeln, dabey ſehr Erartige Tarni deſen und darnach 
das Eingewickelte gegen denjenigen Welttheil, wo ſich der Vogel 

at hoͤren Hoffen, ‚und 3war fünf große Schritte weit won der 
ohnung hinaus fellen” - - Ä 


„Wenn :ein Bund mit ‘den Worderfuͤßen an ‘vie Wohnung 


hinan fteigt, ‘muß zur Abwendung des Unglüds etwas von Den 


Fell einer Fuͤchſin, und etwas von einem Wolf, ;in drey Kaden 
weißer Seide eingebunden, und :eine Schaale mit Waller na 
der Seite ausgeſtellt werden, wo der Hund aufgeftiegen iſt, und 
zwar auf drey große, ‚oder ſechs gewoͤhnliche Schritte weit wn 


der Wohnung.“ 


„Wenn ein Bund geht und knirſcht, To nehmt ihn bey "bei 


den Ohren und fcüttelt ihm derb den Kopf, Wenn ein Hund 


fid in einem Haufe auf den Rüden legt oder über einen Men: 
fhen wegſteigt, einen Menſchen let, oder fih gar an ihm reiht, 
oder auch nur an ber Wohnung, fo find- diefe& alles em Dre 

| : | ende 








— 


Abergiätsbtfähe Miſcellanen. 313 


hende Zeichen. Gegen folhe Borfulle nimm etwas von dem Fell Borbeben 

einer Kuchfin, etwas Haar von einem Wolf, und von einem Tiefung nach 

ger, wickele Drey feidene Faden darum, thue inein Schaichen Waſſer Thieren. 

etwas von einer blaͤulichen Ziege, nimm aus dem Schwanz eines 

ganz ſchwarzen Adlers eine Feder und einen mit roth bewſckelten 

Pfeil: dieſes alles feße gegen die Weltgesend, to ſich Das un— 

glucfliche Zeichen geaußert hat; beobachtet ein fr allemahl genau; 

von welcher Seite der Wohnung fich ein folder Zufall ereignet, 

und feßt eure Domni (dagegen dienliche Mittel) auch gegen Dies 

fe Seite hinaus” © “ 
„Wenn ein Rindvieh auf ein Schaaf fleigf, fo nimm drey 

Stuͤck Eifenfihlade, drey Stuͤckchen Kupfer, neun ſchwarze Stein- 

den, neun Seidenfaͤden, neun Stuͤckchen Papier und ein Beil, 

tote auch etwas Haar von Dem Rindvieh welches fchuldig iſt, und, 

dieſes alles ftelle nach ver Weltgegend aus, mo der Eigenfhmer 

des Rindes hingehörf, und zwar hundert große Schritte weit 

vom Haufe weg.” J— 


Wenn ein Kameel im geh die Vorderfuͤße mit den Hinter⸗ 
füßen verfiz£, ſo nimm neun Seidenfaden, neunerleyg Speiſewaa⸗ 
ren, neun Stuͤckchen Schlade, neun Räucerferzen die angezüns 
det tverden, ferner etwas rohes Fleifh und etmas gelbr& Pap:er, 
mache darnach von Mehlfeig ein Kameel und neun gelbrorpe Küs 
he, mit dDiefen gebe einmahl im Kreis herum und ftelle alles zu= 
fommen zwanzig Klaffer weit hinaus‘, laß auch endlich noch fleifs 
fig Schiften beten. | | Ä | —J— 


„Bann die an ver Wand der Wohnung aufgehärigfe Pfei⸗ 
le ohne fiihfbare Urfache fi) etwas bem.gen, in derfelben Gegend 
zerfijneide einen Bogen Papier in hundert Studchen, made aus ı 
teım eine Kugel, vergrabe Diefe im Haufe auf derfelben Stelle, 
und ziehe darauf mit deiner Wohnung an einen andern Ort.“ 


„Welchem Bieh die Horner zuſammen wachſen, die muͤſſen 
mit einem Gabel abgekürzt werden. Gür denjenigen, welcher es 
Öweyter Theil. Pyp N zuerft 


— 


4 —— REN 


31a .  Abergläubifche Wiifcellanen. 


VBorbedeu⸗ zuerft beobachtet, Daß ſchon beyde Hornſpitzen aneinander ſtoßen, 


tung nach 


Thieren. 


iſt es ein uͤbles Zeichen und er muß Die Dagegen vorg-Tihriebene . 


Schriften beten laffen. Bon dem Fleifh eines ſolchen Viehes 
muß der Eigentümer auch nicht eſſen“ 


„Wenn eine Stufe unter ihrem Geſchlecht, ohne ein Fullen 


zu haben, auf einmafl anfangt zu wiehern, fo ift dieſes für den 
Herrn ein bofes Zeihen. Wenn ein Pferd auf der Weide, auf 
einmal aufhort Gras zu freffen und nicht frinfen will, fondern 
zu roßen und aus dem Halſe zu fihleimen beginnt; fo mache da= 
gegen von Meblteig eine Kuh und ftelle fie hinaus an ihren Ort.“ 


„Wenn eine Kuh auf einen Ochſen ſteigt, dieſes iſt ein ubles 
Zeichen für die andern Kühe diefer Heerde. Wegen der Kup 
felbit laß ein gutes Werk thun (beten). Wenn eine = an ei: 
ne Wohnung ſich baumt, das bedeutet den Leuten Trübfal und 
Noth. — Wenn ein Schwein dicht an ein Haus kommt und in 
etwas von Hol; oder gar ind Gras beiff,- fo Deufet Diefes ven 
Chanen und Furften unfereinander Streit und Handel an. Wenn 
ein Bieh "mit gefihloßnen Augen, oder blind geboren wird, das 
iſt ſehr gut. Wenn ein Bieh vielfügig geboren wird, das iſt 
für das Viehgeſchlecht ein bofes Zeichen. Wenn auch ſogleich fein 
Unglüf erfolgt, fo hat Doch der Herr eincs felden Viehes ſtets 
Urfach auf feiner Huf zu feyn. Welche von weißen Schaaten 
bunffopfig werden, bedeuten dem Befißer ein Ungläd; folche Schaa⸗ 


.fe gieb an die Prieſter!“ 


„ „Wenn eine Speife wahrend des Kochens ungewöhnlich kni⸗ 
ſtert, plaßzt und brudelt, Diefes bedeufef dem Hauswirth Seegen, 
Gluͤck und Heilung von Krankheiten. Wenn ein ausgeloͤſchtes 
Feuer in der Nacht von ſelbſt wieder anglimme, und wie ein 
tichtlein anfangt zu brennen, Dies bedeutet dem Wirth allerley 


ſchlechte Umftande und Krankheiten.“ 


„Wenn ein Kind mit zugetvachfenen Augen, Ohlen oder 
Mund auf die Welt kommt, Dies beveufet deffen BEN 
. z j a⸗ 


[7 Auum mE 


"Minen a 5 


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, — 


Abvergloaͤubiſche Miſcellanen. = 315 


Vater baldigen Tod, wenigſtens frift derfelbe einen der nachften Vorbedeu. 
Verwandten. Diefem Uebel vorzufommen ift fein Vieh zu bepal-tung nad 
ten, fondern. alles an Die Geiftlichfeit zu geben. — . Welchen Lhieren. at 
Menfchen vie Haut der Stirn, dicht uber der Nafe, zwiſchen den 
Augen herunferhangt, fo daß felbige oben, uber der Nafe,-reiche 
lich in Falten liegt; Dies deutet einen glüdlichen Menſchen an, 
der groß und angefehen werden, über viel Menfchen regieren und 
alle feine Wuͤnſche erfüllt fhen wird. — Ein ſchmaler laͤnglich— 
ter Kopf ift nicht gluͤcklich — Wenn der Nabelftrang eines Kin: 
des bey der Geburt Fleine Riffe zu haben feheint, feibiges Kind 
wird ein großer Held werden, dem fein Menfch durch fedliche 
Znftrumente und Waffen das Leben zu nehmen im Stande if. — — 
. Kommt aber ein Kind mit fchadhaften Geburtötheilen zur Welt, 
dem muß aus den zwey Stirnadern und zwey Kopfadern etwas 
Blut abgelaffen werten. Iſt das nicht binlanglich, (0 laffe man 
von beiden Senden und oben am Din.ern noch efwas Blut.“, 


„Welches Vieh mit zwey Kopfen geboren mird, Dagegen 
muß man im neunerleg Seidenzeug etwas von Wolfs- Hunds- 
und Wiefelhaaren einwickeln und dieſes neun Ellenbogen fief ın . 
die Erde vergraben: — Welches Dich mit zwey Körpern -und 
einem Kopf geboren wird, das giebt cine fehr gufe Worbedeutung,. 
Wenn einem Pferde aus dem linken Naſenloch Blut fließt, dies 
ift für Die übrigen Pferde der Heerde ein bofes Zeichen; fo «8 
aber .auf der rechten Seite blutet, bedeutet es dem Eigenthbümer 
Ungluͤck. Dagegen muͤſſen drey Sorten rothe Erde, drey Scha⸗ 
len mit Waſſer und einige Haare vom Schweif und der Maͤhne = 
in Die Erde vergraben werden. — Wenn ein Vieh ftumm ge 
boren wird, dies ift für das übrige Vieh der Heerde nicht gut. — 
Dagegen muͤßt ihr neun hundert Haar von einem Wolf, neun e 
von einem Lamm und 9 Stüf Schladen, nebit felbigen Stud Vieh 
abgeben. — Wenn ein Mufterfhaaf bey Yu:gang der Sonne 
ohne zu freffen, fill ſteht, in die Eonne fiebt und biöft, fo iſt 
das ein ubles Zeichen für deſſen Herrn; Dieies gieb an Die red) 
een zeute (die Geiftlihen ab) und behalte es nicht. Erein Stier- 
dergleichen -£hut, iſt es ebenfalls ein  gefahrliches Zeichen; dem | 

i 9p3 Au: Des _ 


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fung na 
Thieren. 


516 Aberglaͤubiſche Miſcellanen. 


Vorbedeu⸗ Befiger ſteht ein Diebftal oder Gefahr von Wolfen bevor. — 
ch Wenn fih ein Bieh an einer Wohnung in die Kohe baumt, da⸗ 


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gegen muß man ma.htige Tarni lefen lajfen und das Bieh fe:bft 
gebe man ab. Wann ein Hund heult, fo nimm rorhe Erde, ei= 
nen Napf mit Waffır und etwas Harn des’ Dundes, gehe damit 
dreymahl ums Haus herum, und ftelle es dann an feinen Dit in 


‚Die Ferne, Wann ein neugebornes Stuͤck . am Nabeljirang 


Riffe und Einfchnifte zeigt, fo bedeutet es dem Eigenthuͤmer Glüd. 
Wenn ein Vieh, im gehen oft mit den Fuͤßen ‚aneinander ſchlaͤgt, 
das bedeufet feinem Herren und Dem, der es zuerft bemerkt Un- 
heil; ein ſolches Vieh richte mit einem holzernen Schwerd und 
‚gieb es an die rechten $eute ab. Wenn ein Kameelhengft der Ka— 
meelin Stimme bey dem ungen, nachahmt, das it fir Das 
weibliche Gefchlecht der Famelie nicht gut. Dagegen muffen fies 
ben tauſend Wolfe abgebildet und ſammt etwas Haar von Der 
Nafe dieſes Kameels in Die Erde vergraben werden, Wenn eine 
Kameelin, die fein Zunges hat, doch mit dem gewwohnlichen Laut 
lockt, fo ift das für. den Herren fehleht: ein foiches Kameel gieb 
an deine Töhtermänner ab. Wenn fih die Kameelin auf das 
Kameel legt, das iſt für beide ein übles Zeichen, denn fie werden 
in einer Zeit von Drey Jahren ſterben: um es zu verhuten, nehme 
fieben Schalen Waſſer, in diefe thut Haare die ihr dem Kameel 
von den Augenliedern ausrupft, vergrabt dieſe unter des Kameels 
Fuͤße; nehme ferner von des Kameels langer‘ Halsıvolle , ſpimet 
einen Faden daraus, welcher drey Klafftern fang, -mit Diefem.um-, 
wickelt ſolche Kameele und zuleßt gebt fie (an den Geiſtlichen) 
ab; ſtellt auch gegen Die vier Weltgegenden vier Napfe Waffer 
aus, das ift fehr Heilfam. — Wenn ein Bund fpeiet und dabey 
Sauft, fo hat das Feine geführfiche Bedeutung, fondern verſpricht 
deffen Herren vielmehr Vortheil und Gewinſt. So aber ein Bun» 
im laufen fchluchzet, Das bedeutet feinem Herrn nichts guts. Bon 
einem folden Hunde nimm, um ein Uebel zu verhüfen, zwey Sofe 
fel Bluts aus deſſen Naſenadern, rauffe ihm etwas Barthaar 
aus, thue fie darein, und ftelle dies an feinen Dre (namlich 
Die Weltgegend, gegen welche des Hund Tief) hinaus — 

— | phlegt 


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Aberglaͤubiſche Miſcellanen. am 


pflegts auch noch ſehr gut zu ſeyn, wenn man die Schrift Dokba Vorbedeu— 

muͤni ſuͤrkaͤ befen laft.“ — tung nach 

= Chierea. 
„Wenn eine maͤnnliche Perſon im Schlaf mit den Zähnen 

fnirfiht, fo iſt es ein Zeichen daß deffen Feinde nicht gewinnen 

werden. Wann eine Weibsperjon im Schlaf mit den Bäßnen 

Enirfcht,, das bedeutef einer männlihen aus der Familie den "od: 

Diefem vorzubeugen mußt ibr neun Klafter fihone bunfe Haar⸗ 

firide, und ein graues Schaaf. abgeben. — Wenn Der eritgebors 

ne Sohn. im Schlaf mit den Zahnen knirſcht, fo iſts fir die uͤbri⸗— 

gen Kinder gut. Wenn die Tochter im Schlaf Fnirfht, das 

bedeutet entweder dem Vater oder der Mutter den Tod. Dages 

gen müßt ihr fie Den folgenden Morgen vornehmen und dreymal 

auf den Mund fihlagen, darnach ein Stuͤck Kupfer dreymahl in 

den Mund nehmen und dreymahl dazwiſchen ausfpeien laifen, 

ferner eilf Naͤpfe Waffer hinter der Wohnung ausfprengeit. — 

Wann eine ımfrudtbare NBeibsperfon fihlafend ‚mit den Zahnen 

knirſcht, Das hat eben feine Bedeutung; Da muß man ihr nur 

Nagel von-den Füßen abſchneiden und hinter der Wohnung in 

Vie Erde vergraben. — Ueberhaupf aber it bey folchen Zahn 

knirſchen gut, wenn man die Schrift Banſarakzai beten laͤßt.“ 


„Wenn Walladen Stuten befpringen, fo bilde man aus 
ſchwarzem Filz eine Menfcenfigur, „nehme dazu einen gefärbfem 
Pfeil und dinde beides mit feidnen Baden zufammen; ferner muß 
etwas Speife in eine Schaale mit Waffer gelegt, und hundert 
große Schritte wert von der Wohnung ‘Hinaus geftellt werden. 
Wenn ein junges, einjahriges Kameel ftirbt, fo muß aus Mehl: 
teig eine bunte Kuh gebildet und gefärbt, mit neunerley Seidene 
faden umwickelt, nem Schalen mit Waffer gefüllt, Kerzen anges 
ſteckt, zehn Stuͤckchen Papier gefchnitten und Diefes alles hundert 
- Schritte nah Süden hinaus geftelle werden Alle folche üble Bor: 
falle find genau nach der Vorſchrift zu behandeln,“ | 


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Bann 


Vorbedeun⸗ 
tung von 
Thieren. 


318 — | Abergläubifche Mifcellanen. 


„Wann es gleih im Fruͤhjahr in Suͤden Donner, das iſt 
allem Vieh ein gufes Zeihen, Wenn es grade von Aufgang her 
donnerf, Das bedeutet vem Getraide Waſſersgefahr. Wenn eö 
aus Norden donnert, das-ift für alles, was da lebet, ein gufes 
Zeihen. Wenn eö zroifhen Norden und Welten donnerf, Das be 
deutet im Fruͤjahr viel Koth und naffes Wetter, und überdies 
werden in der ganzen Welt viele neue und fenderbare Nadıride 
ten zu hoͤren ſeyn. Wenn es aus Welten fehr früh Donnert, 
ſo wird ein fehr frocner Frühling erfolgen. Wenn es zroifchen 
Süden und Welten früh donnert, das bedeufet ven Menfchen al: 
lerley unreine Krankheiten. Wenn es zmwifchen Often und Süden 
fruͤh donnert, fo werden Heuſchrecken das Gras verwüften.” 


„Ben Erfcheinung von Schlangen ift folgende ‚Schrift nad 
zuſehn: Wann Kriegsleufe im Felde vor fih im Wege Schlan—⸗ 
gen begegnen, welche fich fihlangeln und in die ‚Höhe heben (*), 
und fie anzifchen, Dies ift ein ſehr gefahrliches Zeichen; zieht als: 


denn lieber nicht zum Streit aus, fondern kehrt in aller Geſchwin— 


digkeit nah Haus. — Wem eine Schlange aber nur begegnet 
und von der rechten Seite ihren Gang fortgeht, = ftehn zu 
bleiben, fo it das ein gufes Zeichen, ihr werdet im Kriege Glüd 
haben; und fo auch die Beute nicht groß ift, fo twerdet ihr doch 
wahlbehalten wieder fommen, — Zu welchem abet eine Schlan⸗ 
e kommt und ihn gar ſticht, der wird Des Todes fterben. — 
Melher Menfd bon ohngefähr zwey Schlangen fih einander be 
gegnen ſieht, der kann fih nur’ gefaft maden, daß er bey Fürs 
ften und Herren feine große Gnade, fondern Widermwaftigkeit fin: 
den wird. Haltet euch daher, wenn euch fo etmas begegnef, nicht 


- ange dabgp auf, geht fehnell vorüber; wer durch Beſchauung füh 


dabey verteilt, hat für feine Perfon noch Unglüd zu erwarten. — 
Wenn eine Schlange zu einer Wohnung fommt, fih an deren 
rechter Seite kruͤnmt und windet, etwan gar verwickelt und fo 


bins 





(*) Diefes pflegt hauptfächlich die große gelbe Steppenſchlange (Sbeldoi 
Pufit) gern zu thun. | = 5 





Abergläubifche Miſcellaneen. 319 


hinlegk: Dies bedeutet den Juͤnglingen und Jungfern dieſer Fa: Vorbcden 
milie ein Ungluͤck, welches fih in Monatsfr'ft ereignen wird. — fung von 
Wenn vor der Wohnung eine Schlange in Die Ange auögeftrede Thieren 
liegt und ihre Farbe veränderf, feurig ausſieht: dies bedeutet 

dein Wirth der Wohnung ein Uebel. Wer aber dem ungeachfet 

nur gufe Werke thut und geiftliche Uebw.gen veranftalter, kann 
dadurd von dem drohenden Uebel befreye werden, nur muß er 

dabey doch aufmerffam und auf gufer Hut ſeyn. — Wird in 

der Wohnung eine Schlange ausgeſtreckt gefunden, fo bedeutet Died 

der Erſtgeburt felbiger Familte, wenn es namlich‘ eine Jungfer 

it, ein Ungluͤckkt. In foldem Fall fann man nicht aufmerfiam 

und vorfichtig genug feyn, und muß ja rechf viel gute geittliche 
Werfe thun. — Wenn fih eine Schlange in 'einer Wohnung in 
allerley Hausgerath verfriecht, Dies bedeutet dem Hauswirth ein 
Unglüd; .betrift e8 nicht ihn felbit, fo wird es doch gewiß fein 

Vieh betreffen, —— Wenn fih eine ſchwarze Schlange in eine 
Wohnung fihleicht, beveufet fie an Haabe und Gütern Unglüd. — 

Wenn eine gelbfarbige Schlange fih einer ar naberf, alß _ 
wollte fie hinein Friechen, auf einmahl aber umfehrt und im Ums 

kehren die Wohnung mit dem Schwanz berührt, fo wird ein 
großes Unglüf dadurch vorbedeutet. Ihr dürft aber Dagegen nur 
fleißig gute Werke veranftalten, fo wird das Unglüd abgewendet.“ 


Ich will bier noch, ehe ich von den mancherley Unglüf abs DMorbeden _ 
wendenden geiftlichen Borfehrungen handle, einige andre den aber: un nach 
glaubifhen Mongolen und Kalmüden fehr wichtige Borbedeutun: Voͤgeln. 
gen anführen, Die in dem Jerrien⸗-Gaſſool nicht erwaͤhnt wor- 
den. find. — Der eigentliche Augurvogel der Kalmücken, auf den 
fie feor achten, iſt der weißlihe Maufefaif (*), den fir dagan⸗ 

Chuldu nennen, und der in den Steppen fehr gemein iſt. Wenn 
derfelbe einen mandernden Kalmüden zur rechten fliegt, fo halt 
er ihn für ein Gluͤckszeichen und dankt ihm mit NEUERER 
| iegt = 





nn. + 
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(*) L’oife au St. Martin Buffon. orn. vol. I. p. 298. D’aubenton. icon. 
n. 459. Henharries Zoo). britann. tab. A 6. 


x a) 


..» 


390 Aberglaͤubiſche Miſcellanen. 


Vorbedeu Fliegt er aber links, fo wendet er die Augen ab und befuͤrchtet 
fung nad ein Unglüf. Sie fagen ner rechte Flügel: Diefes Vogels werde 
Vögeln. von einem Burckan oder guten Geift, der linke aber von einem 

$uftfeufel regiert ınd fein Kalmuͤk unterſteht ſich dieſen Bogıl zu 
ſchießen, welches fie auch, aus einem: andern Aberglauben, in Ab⸗ 
fiht des Rranichs vermeiden, von deffen Erlegung fie allerley 
üble "Folgen und. Blindheit befürchten. | 


Der Flug des Adlers, der Raben und andrer Prgel, hat 
bey den Kalmüden keine Bedeurung. Dagegen iſt ihnen Die meif- 
fe Eule (Zagan Schabhun) fehr merkwurdig und wird für einen 
Gluͤcksvogel gehalten. Wer felbige zu ſchießen Gelegenheit bat, 
der ſoll, ohne jemand ein Wort zu fagen, bingehn, und ihn an 
einer langen Stange auf den eriten hohen Grabhügel in freier 
Steppe autfteden, fo wird ihm auf drey Jahre Glud in der Biep: 
zucht und: Reichthum befihert. | | 


Der ungluͤcklichſte Vogel ift, nad ihrer Meinung der Fla⸗ 
mingo, den fie Ulan-Galu (rotfe Gans) nennen, Deilen Ans 
biuf "und noch mehr die Stimme, Die er einem Maglichen Men— 
fhengefchren fait ahnlich zumeilen erheben fol, ift ihnen fihred- 

lich, weswegen fie fih fonft auch nicht gern am "Jembafluß, wo 
diefe Boͤgel haufig find, lagerten. 


« Die Taube haften fie. für einen feit uralten Zeiten geheilig- 
ten Bogel, weil fie in vorigen Weltaltern den Indianifchen Weiz 
fen, die weit in Die See hinaus gefahren, um Schaße aufzufus 
den, zum Wegmeifer nach dem Sande gedient haben foll, indem 
man fie namlich von Seit zu Zeit auöfliegen laffen. Niemand 
wird ſich demnach an Dderfelben vergreifen. | 


. Donnerwetter im Winter oder bey ungewoͤhnlichen Jahres⸗ 
zeiten, wird fuͤr ein boͤſes Zeichen gehalten, für Fuͤrſten und Lan⸗ 
desregenken, unter welchen es große Zwietracht andeuten ſoll. Das 
gemeine Volk ruft: Nuͤhl! dabey aus, und andaͤchtige Leute wen⸗ 
den 


> 








Abergläubifche Miſcellanen. 31 


den gleich geiftliche Gaukeleyen und Borbitten anl, um das ges Vorbeden⸗ 
droßte Unglüd wieder abzumenden. unge 
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In allen diefen Fällen und bey allen nur erbenflichen un. Vorkehrun— 
angenehmen Begebenheiten find die armen Laien dem Eigennuß Dr Ger 
der Praffen Preiß gegeben, meil immer Diefe oder jene Vorkeh⸗ ——— — 
tung oder Sebete für noͤthig gehalten werden. Bey verſchiednen j 
Kranfpeiten, da der Patient, ohne ſcheinbare Hofnung zur Gene: 
fung in Schmerzen und drohenden Zufallen liegt, machen die Pfafe . a 
fen den armen Kalmüden weiß, dag die Seele, durch Anfechtung 
des Teufels, in einen fteten Kampf und Unordnung gerathen ıft, 
wegegen man zu allerley Tarni, Guͤrrim und andern Gebeten 
Zufludt nehmen muß. ine gewoͤhnliche geiltliche Operation ift 
in ſolchen Fallen das Aufruffen der Seele ( Sünnüffun dodohl⸗ 
nd) ,-moben eine ordentliche hölzerne Wage verfertigt, und in Die 
“eine Schale die Müße des Patienten, in die andre aber fo viel 
robes Fleiſch gelegt wird, als ohngefähr zum Gleichgewicht noͤ⸗ 
thig fteint. Der Lama oder ein andrer anfehnlicher Geiftlicher 
verrichtet dabey gewiſſe Gebete, waͤhrend welcher man wohl acht 
giebt, auf welche Seite ſich die Wage neigt. Bekoͤmmt die Maͤ⸗ 
Be Das Uebergewicht, fo ſchlieſt man auf die Widergeneſung des 
Kranken, und umgekehrt, 

* * 
* 

Verſchiedene Arten von Opferungen an die Geifter und Arten der 
Burchanen, werden auch, theils um allerley Unglück abzumenden, Opfert. 
theils um Gluͤck zu verfhaffen, ton den lamaifchen Pfaffen ver: 
anftaltet und angeratben, die ihren Urfprung aus der vorigen 
Schamanifch = heidnifhen Religion der mongolifhen Volker per: 
zuhaben ſcheinen. Cine Art von Sundopfer, zum Benfpiel, ift 
bey den Kalmuͤcken ſehr geroohnlich, wodurch reiche und vorneh⸗ 
me, theils ſich Gluͤck zu beſcheren, theils Unglück oder Krankhei⸗ 

Zweyter Theil, Qq— ten 


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32 Aberglaͤubiſche Miſcellanen. 


Arten der ten abzuwenden vermeinen. Es wird namlich dieſem oder jenem 


Opfer. 


Viehweyhe 


guten oder kofen Burchan, irgend ein oder mehrere Thiere, nad 
Vorſchrift der Bucher Die Davon handeln und der Geiſtlichkeit die 
dieſe Bucher zu Rathe zieht, geweihet. Ein folches Tpier wird 
mit fünffarbiger Seide gezierf, gewiſſe Gebete darüber verlefen 
und felbiges alfo weit in Die Steppe frey gelaffen, und nie wie: 
ber von dem Eigenfhümer beruhrt, es mag ſich zu feiner oder ei; 
ner andern Heerde gefellen. Nie wird es gemelft und man nimmt 
auch die Zungen, welche davon fallen, nicht auf, beipnders wenn 


‚ed einem der grimmigen Burchanen geweyhet iſt. Dingegen giebt 


man ihm ſtets Die vorzuͤglichſte Weyde und fucht ed vor allen an- 
dern zu pflegen. So werden Pferde, Kühe, Ziegenboͤcke, Mutter⸗ 


ſchaafe, ja auch Tauben und Fiſche- gewehhet, und jedem Burdan 


wird eine eigne Farbe beftimmt, zum Benfpiel dem Goͤtzen Ma⸗ 


chagallan, ſchwarze Thiere, dem Luffun - Chan, graublaue, u. 
‘fe Berner nach den verſchiednen Yahresregenten, wenn das 
Biep, denen vier Macharanſa-Taͤnggri gemenpet wird, z. €. in 
. ben Jahren Bars und Metſchin, afıhblaue Pferde und Schaa⸗ 


fe, mit afıhfarbigen Köpfen, u. ſ. w. Bon foldden Thieren, wel- 
he gufen Burchanen ımd Geiftern gewenher find, koͤnnen Die 
Jungen und die Milch benugt werden; das Thier felbft aber darf 
fein Saie oder ſchwarzer Menſch belaften, ſchlachten over verkau— 
fen; nur allenfalls große geiſtliche Berfammlungen (Churul) ba- 
ben Das Recht ſich etwas davon zuzueignen. | 


Pferde die ein Zürft dem Kriegsengel (Daaitſching Taͤng⸗ 
gri) weyhen laͤßt, werden nie gerikten, außer wenn er felbft, over 
ein andrer Heerfuprer, zum Krieg ausziehf; weswegen man ims 
mer die beiten und fihnellften Pferde dazu ausſucht. Daaiefching 
Tänggri iſt nicht allein der Kriegsgott der mengofifchen Völker, 
fondern wird auch fir den Beſchuͤtzer alles Biehes gehalten, und 
da er ein machtiger $uftgeift ift, der den Menſchen, ſonderlich 
an ihren Heerden, großen. Schaden hun kann, fo ſucht man fei: 
nen Zorn Durch Diefe, aus dem alten Heydenthum abſtammende, 


‚ son den famen aber, nach ihrer Art abgednderfen, und aufgeftuß- 
sen Viehweyhe (Mall-Setterlaͤnaͤ) zu befanftigen, und: deſſe 


n 
Sa⸗ 





Aberglaͤubiſche miſcellanen. | 393 


Segen für die Heerden dadurch zu erwerben. Der Dollmetſcher Vieh Weyhe 


Jaͤhrig war im Zahr 1775 bey einer folhen Viehweyhe gegen- 
wartig und befhreibf fie folgendermaßen: ‚Der Bürft (denn nur 
Fürften: und Bornehme find, bey Der großen Menge und Hab: 
füchtigkeit der Pfaffen, im Stande eine folde Solennität zu ver: 
anftalten) hatte zu Diefer Weyhe ein Kameel, einen Stier, ſechs 
Pierde,. einen Ziegenbof und ein Schaaf beſtimmt. Ein jedes 
wurde durch einen befondern Knecht am Strick herbeygeführt, umd 
an einem langen, zwiſchen zwey Pfaler ausgefpannten Seil, nach 
der Reihe bejeftige. Bor den Thieren ward ein Altar von Erde, 
eine Elle hoch, aufgemorfen, ‚und einem jeden Weyhethier ein 
kurzes feidnes Bandcyen, mit einem darauf gedrudten Tarni, am 
Halſe befeftigt. — 


Indeſſen hatte man vor ber fuͤrſtlichen Huͤtte, wo dieſes vor, 
gieng, eine Hutte zum Goͤtzendienſt aufgeſchlagen, von welcher 
man die zwey Churuͤllfahnen, und die zwey Kriegspaniere des 
Fuͤrſten, das eine mit dreyeckigter Flagge aufpflanzte. In die— 


fer Goͤtzenhuͤtte ward uber dem Altar das Vildniß des Daait- 


bin Tänggri aufgehängt. Neben dem Altar wurden Drey aus: 
gefuchte große Schießgewehre geitellt und vor demfelben legte man 
zwey fojtliche, mit Gold und Silber gezierte Neßpanzer, nebft 
Helmen, Armfchienen, Kocer und Bogen, Pferdezeug und allem, 
mas zu einer voͤlligen Ruftung gehert, in Ordnung. Den zmey 
edelften Weyhepferden murde das koſtbarſte Rritzeug aufgelegt, 
womit fie in der Reihe der übrigen Thiere-angebunden blieben, 
Immittelſt waren für die Geiſtlichkeit zwey Schaafe geſchlachæ— 
tet und zur Opferung allerleyg Nahrungsmiffel, als faure Milch,‘ 
Pferde: Kuh» und. Schuafs = Tichigan, dicke faure Mil, füße 
Milch, Brantmwein, aus eingefochfer Schaufsmilch und Felt ge: 
kochte Kafe (Aeſſaͤgaͤ), imgleihen Schuurmyk, Torroffun: Tofs 
fun (*) und dergleichen aus der Horde zufammengefragen und ın 


beſon⸗ 





(9) Man fihe den aften Theil ©. 335 u. folg. | ». 
849 





594 | Aberslänbifhe Milcellanen. 


Vieh, Weyhe befondern Gefäßen, im Berfammlungszelt ver den Pfaffen auf: 
geftellt. | 

Nach diefen Borbereitungen und nahdem die Polfter für die 

Geiftlichfeit in Ordnung gelegt tworden, ward der Über : Lama, 

under voller geiftlicher Muſik, welche fih an deſſen Weg portirte, 

= eingehoplt und vom Bakſchi und den yornehmften Bellongs zur 

Gogenpütte begleitet, wo er fih auf feinem Eprenplag, neben dem 

Altar, und die übrigen Priefter nad Der Reihe, niederließen. 

Ein Priefter brachte einen kleinen Stab, an deſſen Ende ein hode 

rothes Tuͤchlein (Chadok) gebunden war, gab es Dem tama, der 

es zwiſchen fih und dem Altar in die Erde ſteckte. Sogleich 

nahm der Goͤtzendienſt unter vollem Trompeten, mit heftigen tan 

ufifhen Gebeten feinen Anfang. Diefe Gebete waren ſowohl an 

ih, als auch in der Melodie und den dabey zu verrichtenden gin⸗ 

gergebarden , von gemeinen felttaglichen Gebeten ſehr verfchieden, 

weshalb die ungeubteren Geiftlichen oft nicht mi einjtimmen fonnten. 


Während der Gebete ward durch gemeine Geiftliche auf dem 
unter freyem Himmel befindlichen Altar ein Feuer angefchürt, in 
welches, nach Unleitung der Gebete, nah und nach von allen auf 
gefragnen Öpferfpeifen und Getranf etwas ausgefchirtet werden 
mußte. Der fama nahm zu wiederholten maplen das Stoeckchen 
mit dem rothen Feßen zur Hand, und fehnellte es, mit den Fin 
gern beider Hande, unter allerley entzicten Minen und Geberden, 
Pin und Her. Untermeilen wurde mit den Gebeten inne gehals 
ten und wahrend der Paufen das Fleiſch Der gefchlachtefen Schaa⸗ 
fe durch die Geiftlihen, mit vielem Getraͤnk, verzehrt, auch von 
allem an den Fuͤrſten geſchickt, wobey der fama ihn zur Andacht 
ermaßnen ließ. Wahrend des Opfermapls wurde von allen 
Beiften, womit fih die Geiſtliche Verſammlung erquicte, unters 
teilen etwas in eine Schale zufammen gethan und in das Yltars 
feuer gefchütte._ Nah Endigung des Opfermapls und mehrerer 
langweiliger Gebete, ward endlich das Wenpevich, jedes durch 
feinen mit entbleſtem Haupt herzufrefenden Waͤrter oder Fuͤhrer 

losgebunden, Dregmapl um den Opferaltar perumgefüprt und 
zum 


Abergläubifche Miſcellanen 395 


zum Beſchluß aus der Geiftlichen Berſammlung ein Gefaͤß mit Dich Veyhe | 


Weyhwaſſer ( Arafchan) herbey gebracht, wovon einem jeden Tpier 


etivas über Den Scheitel gegeffen und dieſe geweyhte Thiere alöe- 


denn nach der Weihe, unter dreymaliger Abfeurung alles vorban« 
denen , Feuergewehrs und oft wiederholten Jauchzen und Muͤtzen⸗ 
fhwenten des Bolfs, in die Steppe frey gelaffen murden, 


Einzelne Thiere werden fonft auch wohl durch mohlhabende 
gemeine Leute, als Geluͤbde oder zur Befeltigung ihres zeitlichen 
Wopiftandes zur Einweyhung hergegeben. Dergleihen Geluͤbde 
gefchehen dem Goͤtzen Nhomſara oder Bismann Tärlggri, dem 


Gegen der Pferde Tangdri over WMorini = Chajangirba, dem 


Bogen der Schaafe Chonine : Burchen u. f. 10.  Derjenige, 
welcher ſolch Bieh meypet, muß fih aus dem “Jerrien: Baffool 
zuerft Anmeifung von den Pfaffen erbitten, von melder Farbe 
das zu mahlende Vieh feyn muffe, um den Schuggoft, Der fein 
Geburtsjapr regiert, nicht zu mißfallen. | Ä 
Eine apnliche, zu Kriegszeiten, üblihe Einweyhung der 
Schweine, welche den in Muͤllers Sammlungen ruffifcher Ges 
ſchichte befchriebnen Songarifchen Kriegsgebet fatt gleicht, hat mir 
ein Augenzeuge befchrieben. Der Derbefifhe Fuͤrſt Zoͤbeck Uba⸗ 


ſcha lag gegen die Kubanifchen Tafaren zu Felde, Für deſſen 


Wohl Fauften Die Kalmüden, wahrend feiner Abweſenheit, fleif: 
fig Serkel, deren Opferanwendung folgende war: ine Anzapl 
Geiſtliche begab fih an. einen waldigten Ort der Niedrigung, 
zundefe auf einem abgeflußten Baumftof ein Raͤucher feuer an und 
feste fih in einen Kreis, um geroiffe fangufifche Gebete herzuler 
fen. Das Schwein wurde am ganzen $eibe mit Seide von den 
heiligen Farben behängt und von einem der untern Geiſtlichkeit 
fo lange neben dem Rauchaltar , mit dem Kopf gegen Die befen- 
de Geiſtlichkeit gehalten, bis glle Eeremonien vorbey waren, wor⸗ 
auf man es mie aller Seide in die Wildniß laufen ließ, 


Es werden auch von der Kalmückiſchen Geiſtlichkeit oft an- 
ſehnliche Gehoͤlze den Goͤtzen feierlich geweyhet, mo nachher Fein 
Kalmüͤck Holz zu füllen wagt, In der Niedrigung an der re 

a 





326 Aberglaͤubiſche Miſcellanen. 


Vich, Weyhe ba waren zwey ſolche geweybete Golzungen (Saͤttertaͤ⸗ modon) 
in deren einer der letzte Vicechan Der Torgoten Ubuſchi, das Licht 
‚der Welt erblickt hatte, und in der Soongarey und Mongoley 
giebt 25 garize geweyhete Gebürge, wo geweyhete Wiehheerven in 
der Wildnig gehn. Etwas der Waldweyhe aͤhnliches iſt auch in 
einigen Gegenden von Rußland üblih (*) und es mare für die 
Erhaltung Hochflammiger Waldungen zu münfcen, daß dieſes 
Mittel allgemeiner gemacht wuͤrde. 


x 
*— * 


—— Die Opfer ſind, außer obiger Einweyhung lebendiger Thie⸗ 
PIE re, von dreyerley Art; | 


1) rechte Opfer, da Thiere gefchlachfet werden (Taicho ) ober 
Brandop.er (Gal: Taicho); 

9) Aufſaͤtze, mehrentheils von Teig gemacht  (Takil) und Fi⸗ 
guren. verfahiedener Art (Bei); 

3) Sibationen oder Darbringungen von allerley "geniefbaren 
(Dödfebi! entweder ben Geiſtlichen, in die dazu beftimmfe 
Schale (Daidſchi Zoͤgoͤzaͤ) oder bey Laien, bie ſolche nicht 


Haben, ins euer. 


Es ift auch eine Art von Suͤhnopfer, dad man denen Erd 
geiſtern (Gaſſarien Aeſet) des Nachts eine Fettlampe (Sulle) 
ins Frege weit hinaus ſtellt So ift es auch z. E. auf Feldzuͤ— 
gen die Gewohnheit der Kalmuͤcken', einen der erften erfihlagnen 
Feinde, den Kriegögeift zum Opfer, auf dem höchften Hügel der 
Gegend an einer Sanze aufzurichten, nachdem fie ihm zuvor das 
Der; marm aus dem Leibe geriifen und von dem Blut geboftet 
Haben, Man erfenne hierin Deuflih einen Ueberreft ihrer vor: 
mahligen Barbarey, da vielleiht Menfchenopfer und Menfihenfref: 

ſerey. 





{*) St. Peteesburgifche Beconomifche Abhandlungen und St.' Peters 
burgifches Journal, 1778. ©. 145. | 





Aberglaͤubiſche Mifcellanen.,. _ 397 


ferey imter ihnen Ablih war. Unter den alten Scythiſchen Voͤl⸗ 
fern wird einer ahnlihen Gewohnheit von den Griehifihen Ge- 
fhichtfihreibern erwahnt, und die Lanze war vor Zeiten auf ein 
Sinnbild des Kriegögoftes, | 


Was nım eigentlich die Brandopfer (Galtaicho)  betrift, 
melche aus den Zeifen Tfhingis Chans heritammen follen , fe 
werden felbige entweder von fuͤrſtlichen Perfonen, für die Mopl- 
fahre der ganzen Ulus und der fürftlihen Heerven, etwan jühr- 
fih einmahl gehalten, und heißen dann Jandſchip. Ein Hoher 
fama Admimftriret alddenn und zwar im fürttlihen Zelt. Das 
Opferthier pflege nur ein Lamm oder Schaaf zır ſeyn, nus müffen 
fo vielerleyg Früchte und Specereyen, als nur zu befommen find, 
dabey verbrannt und an vie verſammlete Seiftlichfeit großer Aufe 
wand gemacht werden. Bey gemeiner Kalmuden wird, zur Ab— 
wendung alles Ungluds, um Gefundheit und Wohlfahrt zu erflce 
ben, das Ball: — —— veranſtaltet. Man ſchlach⸗ 
tet ein Mutterſchaaf Dicht vor der Thür der Hütte, nach der ge— 
woͤhnlichen Weife (*), wobey nichts vom Blut verlohren geht. Der 
Schlachter pflege in Diefen Fallen ein Gefaͤß mit Tſchigan neben 
fih 1tehn zu haben, von welchem er dem Shaaf ein Paarmahl 
in den - aufgemachten Mund gießt. Rachdem es gefchlachtet ut, 
wird ed in die Hüfte gebracht und da auf ein weiches Unterlager 
gelegt, worauf die Haut Dergeftalt abgelojt wird, daß em Strei— 


fen Sell von der Mitte des Bauchs über die Bruft herauf, ein 


Paar Querfinger breit, am Fleiſch fißen bleibt. Die Bruft wird 
durch Zerfihneidung der Rippen geefnet, um den Bruſtknochen 
Nnicht zur befchadigen, und das Blut, fo wie auch das Fett, beſon— 
ders geſammlet. Die Zerlegung des Thiers gefchieht durch Abloͤ— 
fung der Schulterblätter und Schenkel, Trennung der Mppenſtuͤ— 


den vom Vuͤckgrad, Abbrechung des Kopfes von den Halswirbeln 


fo daß die Zunge am Walfe gelaffen wir Bom Kopf und Bei— 
nen werden Die Daare im Feuer abgefengt, dieſe Theile gebra= 
sen 





9 ESiche im zfln Theil ©. za 


38 i Aberglöubifche Miſcellanen. 


Salacht⸗ ten und verſpeiſt. Die Rippenſtuͤcke, der Ruüdgrad und der Hals 


opixr. 


nebft der Zunge werden gekocht, und alle Gaͤſte der Naͤchbarſchaft 
damit gefpeifet. Dem obenan fißenden Geiftlichen und feinem 
Gaͤdſuͤll wird beſonders der Hals, nebft der Zunge vorgelegt, 
wovon er auch den Bornehmften der Anmefenden etwas mittheilt, 
Und nun geht Die eigentliche Opferanitalt an. 


‚Das vorhin gedachter maßen unverleßte Bruftbein wird nun 
von der daran figenden Haut befreit und diefe Haut der fange 
nach in fihmalen Streifen vergeftalf zerfchlißt , Da Die daran bes 
findlichen zwey  Euferzißen zwar von einander getrennt merden, 
aber doch an diefem Streifen Haut fißen bleiben. Diefer Strei- 
ſen mwird dann um das don allem Fleiſch gereinigke Bruftbein ge 
ſchlungen. Auf einem erhabnen Altar wird nur ein Goͤtzenbild 
und vor Demfelben zwey Sampen aufgeltellt, auch ein Meines Stud 
Sılbergeld zum Opfer hingelegt. Um den Feuerplaz der Hüfte 
wird Aus &hon ein aus drey Theilen beftehender Ring gemacht 
und in die Swifchenraume diefer Theile, drey ebenfalls aus Thon 
gebildete, vierecfigke hohe Lampen geftellt, die man mit Fett und 
einem Tocht verſieht und anſteckt. Mitten auf dem Feuerplaß 
wird aus langen Stuͤckchen Holz ein Feiner Scheiterhaufen gemacht, 
worauf man Das obgedachtermafen bereitefe Bruftbein, nebft dem 
Gerippe des Kopfes und der Kinnlade und Ten von Haut gereis 
nigten Beinen in Ordnung legt. Darauf ſchickt ſich die ganze ver: 
ſammlete Gefelfhaft zur Andacht und Die Eeremonie nimmt ih⸗ 
ren Anfang , melde im Grunde mit der beym Jandſchip gewoͤhn⸗ 
lich einerlen ift, außer daß, ſtatt einer Berfammiung, nur ein 
Geiſtlicher das Gebet verrichtet, welches auch in diefem Fall fehr 
abgekürzt ift. | 


Benm Unfang des Gebets wird der Scheiterbaufen angeftedt, 
aus einem Gefäß mit gefchmolznen Schaaffett fleißig etwas mit 
dem soffel ind euer gegoffen, auch das Felt des gefchlachteten 
Opferfhieres nah und. nad) zur Unterhaltung Des Feuers einge 
tragen, bey welchem Die umher figende Berfammiung nicht wenig 
fhrwigen muß. Der Geiftlihe und fein Gehuͤlf fprengen indeffen 


un. 


Le 


— 





Abergläubifche Miſcellanen. 399 


unfermeilen auch aus ihren Flaͤſchchen etwas Wenhtwaffer (Ara- 
(han) ins Feyer. So oft das Wort, Ehureui! (ericheine! im 
Gebet vorfommt, wird von allen Anweſenden mit eingeftimmt, 
wobey eın jeder die auf dem Schoos liegende rechfe Hand etwas 
ſchwenkt, wie wenn man einen Wunſch durch die Hand ausdruͤ— 
den will, Der. Wirth hat das ganze rechte Schulterblatt auf ei- 
nem Tuch vor fih, weiches ben ji nem Wort auch hin und her 
geſchwenkt, und dann für die Mahlzeit des folgenden Tages bey- 
gelegt wird. Zumeilen hat er auch noch eine Schuͤſſel mit gekoch— 
tem Fleiſch und dem Herzen bey fih in welches er bey den Wor⸗ 
ten Churui beißet und etwas davon iſſet. Indeſſen ginpen die 
auf dem Scheiterhaufen liegende Opfergebeine vollig aus, und 
wenn Dad Gebet zu Ende it, geht Die Verſammlung auseinans 
der. Das bey dem Jandſchip fomohi, als beym Galtaicho 
übliche mongolifche Gebet verdienen beide, wegen ihres merfiwürs 
digen Inhalts Hier mifgetheilt zu erden, Ä 


Gebet bey dem fürftlichen Brandopfer oder Jandſchip. 


Om-a⸗chung! Chan! du von den Taͤnggri freywillig er: 
hobner Boffarien - Hefän (*)! Du Ruͤrduü-Ortſchiluktſchi Chan! 


und du Diefer Erden Gott Okkin Taͤnggri! von euch beiden iſt 
ja alles Gefchopf hergeleitee! — Nun du! mein euer, von Dir, 


als Mutter, rollen wir uns igf ein dauerhaites Gluͤck erflehn. 
Du, von den nicdern fieben und fiebenzig Brandopferplaßen aufs 
gebendes Opferfeuer, Du Murter! Du aus der Mitte aufgehende 
Sonne und Mond, du mein Feuer; Churui, Churui, Churui, 
verleyhe! Du erhabner, prächtiger Sümmer oola, aus dem un: 
befchreiblichen großen Weltmeer bervorblipender! Churui, Ch. Ch. 
verlenpe! Ach verleiht uns, ihr alle, Geſundheit md Gluͤck! — 
D du, der ſchon zur Zeit, da Altan:Chan wie ein Zweiglein here 

vor 





(*) Wirth oder Schutzgeiſt der Erde. 
Zweyter Theil, Re 


- 


Schlacht⸗ 
opfer. 


> 


330 Aberglaͤubiſche Miſtellanen. 


Sdlacht, por kam, da das edle Sandanholz keimte, ‘da Arſalan⸗Chan 


Opler. 


noch ein Säugling war, da Altan-Chans Kinder geboren wur 
den, Damabls fiton auflodernodes Feuer! Du Mutter verleibe 
ung. ein feſtes, dauerhaftes Gluͤck! — Schon zur Zeit. da Chang: 


gai⸗Chan erſt auffam., da das Chailaͤſſunholz erſt ſproſſete, va 


Chun = Bardi. nach, in. ſeinem Ey war; ach du. ſchon' damals arf⸗ 
gebe:ıd 5 Feuer, du Mutter! beſchere ein Dauerhaffes Gluͤck! Chu— 
rui, Ch. Ch, verleihe! In Boͤkoͤn Chans SRinderjnhren, da no h 
das erſte Holz Feinafe, Die erſten. Vogel in. ihren. Eyern waren, 
als. BoͤkoTCTaicho noch, zart war, augegangenes Feuer, ach, 
verleihe! ein dauerhaſtes Gluf! Churui, Eh. Ch, Zur. Zeit da 
Burgaru . Chan. exit aufwuchs, da das Weidenholz, noh in Fleis 
nern: Sproſſen ſtand, Da Die erıten Pferde nochh als. Fullen er— 
erfhienen,. da. Tſchingis Chan nody ein Kind war, ach du. ſchon 
damals aufgegangenes Feuer! du. Mutter, ein beitandiges und 
dauerhaftes Gluͤck wolleft. du. uns verleipen!. Zur. Zeit. da Chars 
gans Chan erft. aufkam, da. das. Charganaholz (Acacien) noch 


-aus der Erde fproßfe, mie der erite Charzaga-Vogel (MPabicht) 


noch im. Ey: war, ald Chan: Aefän noch ein.Kind- var, du ſchon 
Damals aufgehendes Feuer! Churui, Ch. Ch. verleipe! — Zu 
der. Zeit. da. Tobchon-Chan nah Kind war, da das erfte To: 
goraiholz fproßte,: da der. Monarch: Togoitk noch ein Kind mar, 


fton zu jener Zeit aufgegangenes Feuer, verleihe! Du. zur. Zeit 


Da. Aetäni-Chans: Vater Das erſte Feuer: anfhlug, und. deffen 
Mutter Daffelbe aufblies, durch den. Stapl, als Bater, und: ven. 
Feuerftein,. als Mutter,. entftandnes,. ſeitdem aber, wie Gras, 
unzahlig vermehrtes Feuer!. Churui, Ch. Ch. verleipel. Dein 
blaugrauer, Himmel aniteigender Rauch,. und. deine Glut auf der 
eigenthümlichen: Stelle: (Aettaͤgaͤn) find: Verneife. deiner Gegen= 
warf... Deinen rothen. Schein: erfennt: alles,. was lebet. Deiue 


auöftrapleude Hitze ermedt: bey: allen Weſen, die. fie empfinden, 


ein Daı foolles,. ehrerbietiges Unbeten.. — Go wie wir im guten 
Monde: und. an: einem: gufen: Tage. dich‘ ehrerbietig, behandeln, 
| von. 


Me ee ee es zes se ee 


(9, E. ꝛten Theils S. 52. 


| Abergläubifche Miſcellanen. 331- 


Yon dem breiten Strom der meifen Wolga Waffer über dich 
fprengen, Brantwein aus dieſer Schale in dich frıpfeln, das Opfer- 
feet mit der flahen Hand über dich ausbreiten, eines gelbfopft- 
gen Schaafes Kopf, fammt der rechten Rippenfeite in: Dir verbrene 
nen (fo wolleft auch du, o Feuer! indem diefe Opfer. in Deiner 


Glut fohmelzen, auf uns die Fülle deiner Güte ergießen, um 


welche wir biften und anbefen, Du toolleft unfer den Schlafve- 
den, den Segen der Fruchtbarkeit im Beyſchlaf erwecken! Du 
wolleſt den Seegen der Biehheerden reichlich mehren! um meldes 
wir bitten und anbefen.— Berleibe Knaben von ftarfem Wude! 
Jungfern von Schonpeif! Junge Weiber mit zierlichen Haaren ! 
unge Manner mit flinfen Fußſohlen! Verleihe den Hausfrauen 
fparfame, wirthſchaftliche und gluͤckliche Maͤgde! Allen dieſen See⸗ 
gen laß in Fuͤlle uber uns kommen! Berleihe deinen Seegen den 
Biehheerden, daß die Stuten handbreite Eufer fragen und Die 


Schlacht⸗ 
opfer. 


Roſſe aufs praͤchtigſte bluͤhen moͤgen. Verbreitet alle euren See⸗ 


gen und eure Wohlthaten uͤber uns Nomien-Chan⸗Schakt—⸗ 


ſchamunih ‚und alle Burchanen! Churui, Ch. Eh. Du großer 


Stammvater der Geſchlechter und Voͤlker, Zakerwadung Chan! 


verleihe deinen Seegen und Gluͤck Churui, Ch. Ch. Erdaͤni⸗ 


Chan (Bißman taͤngri) ertheile uns deinen Seegen und Gluͤck; 
Churui, Ch. Ch. Maͤnkko Taͤngri ertheile uns deinen vaͤter— 
lichen Seegen und Gluͤck! Churui, Ch Ch. Du Feuerplas, wor⸗ 
auf das muͤtterliche Feuer brennt, ſey geſegnet! Churrui, Ch. Ch. 
Laß unſre Kinder, wie Sonne und Mond, in Gluͤck und Seegen 
leüchten! Churui, Ch. Ch. Du wolleſt uns, tie den praͤchtigen 


und vollfommenen Suͤmmer-Gola mit uͤberſchwenglicher Fülle 


begluͤcken; Churrui, Ch. Ch. Du wolleſt uns, wie die unbeweg⸗ 
lichen Gebuͤrge und ſeſte Felſen, in Gluͤck und Seegen erhalten; 
Churrui, Ch. Ch. Ach! laß allen deinen Seegen auf uns ruhen, 
ruhen, ruben! Bügs, Guͤgaͤ, Guͤgaͤl Es foll gefhepen! Es 
ſoll gefcheben! Es foll gefchehen! Du Geuerftatte deine Ahnen 
und Nachkommen, ja dein ganzer Stamm foll mächtig und groß 
werden. — Zu Ehren der heiligen Drevfaltigfeit (Burban Zr: 
‚deni)! Om fain Ammogoolang Boltmgai!. Friede fen aus der 
‚Höhe! — Chan Aefäni! Du von denen Tanggri abflammender 

| Rr 2 Chan 


Schlacht— 
opfer. 


539 Aberglaͤubiſche Wifeellanen. 


Chau:Aefäni! Dein Feuer und Heerd verbreife Seegen und Fuf- 
le, allem was da Icbet! — Du Abfomling der Tanggri und 
durch ihre Kraft entitandner Monarch Tfehingis! dein Feuer und 
Heerd verleihe allem, mas da lebt, Fuͤlle, Gluͤck und Seegen! -— 
Du am muütterlichen Feuerftein! und mit väterlichem Feuerſtahl! 
durch den erften Erdbewohner angefchlagnes und durch deſſen Gat⸗ 
fin angeblafened Feuer, auf Deinem Heerd, verleife allem mas 

lebet volle Fülle und Seegen. — Nun merdek fruchtbar und grü= 
net, wie die Bläfter an den Baͤumen; werdet faıt an den Heer⸗ 
den eures Biehes! nehme zu an der Menge weißer Schaafe, wie 
die Geftiene am Girmament! Erbauet prahtige Wohnungen, 
die den erhabnen Bergen gleichen! Erreicht ein hohes und dauer: 
haftes Alter! Erzeuget Söpne zu Fürften über große Bolfer ! 
tebef herrlich und in Freuden auf alle Zeit! Alles was euh am 
Tiebften ift, muͤſſe gedeihen! Endlich, fo wie das vom Urvafer 
angefhlagne und von Der Urmuffer angeblafene euer, deſſen 
Varer hartes Eifen und deffen Mutter fefter Feuerſtein ift, wie 
das mit der flachen Hand ausgebreitefe Fett, welches fih ausbreiz 
tet und zerfliegk, bier in diefer Berfammlung behandelt worden 


. find: fo müffe auch über euch ſtete Freude, Wohlfeyn und Gee 


an ausgebreitet merden und der $ebensquell immer zunehmen! 
rhalte uns diefen Segen! Erhalte uns. diefen Segen!’ Erpalte ıc. 


Kurzes Gebet bey einem gemeinen Brandopfer (GGal⸗Taich o). 
Auf Aenotkaͤkiſch (Indianiſch) ſprechet: Guͤjaͤ, Guͤſaͤ, Guͤjaͤ! 
Auf Tangutiſch: Anna dokdu eddos Chan! 

Auf Mongoliſch: Churrui, Churrui, Churrui! 


O Nommien Chan! Schaktſchamuni Burchan! gewaͤhre 
GOluͤck und Seegen! Churrui, Ch. Ch. Du durch den Ehan der 
Tängri erfchafner Opferheerd, Du mein Feuerplatz! gieb mir Dei= 
nen Bergen und Glüd. Ehurrui, Ch. Ch. Du Monarch und 
Abkoͤmling von denen Tangri Tfehingis, deines Heerdfeuers Glück 
and Geegen! Churrui, Eb. Ch. Du eigentlich durd; den Moͤnk⸗ 
koͤ Taͤngri Hervorgebrachte und von der Mutter bereitete Feuere 

Zu; nz flüfe 


e 


Abergläubifhe Mifeellanm. ° 333 


| 

ftatte, ach! deinen Sergen und Gluͤck! Churrui, Ch. Ch. Du Schlacht⸗ 
Taͤnggri Chan Churmuſtu, nebft den -9 andern Taͤnggri, gebt Pier. 
euren Seegen und Gluck! Churrut, Ch Ch. Du Fürft der Menfchs 
heit, Zakerwading Chan, befcyere deinen Eeegen und Glüf! 
Churrui, Ch. Ch. Du Arban Sügien Burchen (Gott der 
acht MWeltgegenden) Otſchirdahri, und alle übrige Bodiſado, 
gebt euren Seegen und Gluͤck! Churrui, Ch. Ch Du Cost 
aller Erdeni (Deiligthümer) Bißmann Taͤngri verleihe deinen 
Seegen und Gluͤck! Churrui, Ch. Ch. Du Baker ımd Grofivas 
ter des Moͤnkoͤ Tängri, gieb deinen Seegen und Glüd! Chur: 
ri, Ch. Ch. Du Feuer der fieben und fiebenzig Opferheerde, 
das wie Sonne, Mond und Sterne, feheinf, gieb und deinen See— 
gen und Gluͤck! Churni, Ch. Ch. Du Fluß Banga gieb uns 
deinen nie abnebmenden, nie verfiegenden Seegen! Churrui, Ch. 
Ch. Ibhr fieben Alten (Planeten ) mit eurem unzahlbaren Ster- 
nenheer, gebt eureu Seegen nnd Glud! Churrui Ch. Ch. Ad 
Cpan! gieb gleih dem Summer Oola beitehendes Glük! gieb 

gleich unbeweglichen Felfen beftehendes Gluͤck! Churrui, Ch. Ch. 
Alle unfre Mängel wolle Gluͤck und Seegen erganzen !- Churrui, 
Ch. Ch. .Unfer Armuth muͤſſe Glüf und Seegen bereichern! 
Churrui, Ch. Ch. Alle Unvolllommenpeiten und Gebredhen, und ' 
des Todes Heimſuchungen, wende durch Deinen Seegen ab! Chur: 
rui, Ch. Eh. Allen vier Bichforfen gieb durch deinen Seegen 
das Gedeihen! Ehurrui, Ch. Ch. Den Kameelen teichliche und 
lange Wolle! Churrui, Ch. Ch. Den Rindern die genden! Chur⸗ 
si, Ch. Ch. Den Roffen fchonen Kamm! Churrui, Eh. Eh. 
Den Stuten große Euter! Churrui, Ch. Ch. allem Bieh ftarfen 
hohen Wuchs! Churrui, Ch. Eh. den jungen !ammern Anhang- 
lichkeit an ihre Mütter, damit fie ſich nicht verirren! Churrui, 
€h. Eh. den jungen Füllen daß fie fih nicht verlaufen! Churrui, 
Ch. Ch. (und was dergleiden mehr if) 


* y * 


Eine andere Art Opferungen an die Uſſuun-Chaat (Waf- Opfer an die 


ſergoͤtter) werden auf folgende Weife veranftaltet: Wan ftellt Fi 
| s o⸗ 


\ 


333.. Alberglanbiſche Miſcellanen. 


Opfer an die Dolon⸗Erdeni (*) und eine Bumba auf ein Altaͤrchen. Da- 

Waſſergoͤtter zu legt man Haare von den fünf Sorten Vieh, Kameelen, Pier: 

den, Rindern, Schaafen und Ziegen; ‚ferner fuͤnſerley kraͤſtige 

Arzneyen, fuͤnferley kuͤnſtlich gemachte Blumen und allırtey Fruͤch 

te. Hierauf muß derjenige, welcher dies Opfer veranſtaltet, feine 

$ebensjahre Salmen laffen. Diefes Salmen (Salma Eateba- 

nd) gefhieht alfo, daß man einen Weidenaft, Der jo vıel Zwei— 

ge haben muß, als der opfernde Zahre zahlt, an jedem Zweig 

mit Geidenfüden. bewidelt und darauf den ganzen Aſtam Rande 

des Waſſers aufftefl. Ferner muß ein drey Kiaffer langes Baar: 

feil um "einen Stab gewidelt werden. Der genau Die !a..ge des 

Dpfernden hat; auf einem Zettul wırd das Altar, auf einem 

andern Der Name des ‚Geburtsjahres gefchrieben und das alles 

am Waffer ausgeſteckt. Hiebey ıft wohl zu bemerfen, daß man 

| in den drey Frühlingsmonafen diefe Salma an einem foldyen ©e: 

\ woaͤſſer ausſteckt, melches feinen Urfprung oder Zufluß von Oſten 

| her hat, ım den Sommermonaten an ſolchen welche von Norden 

‚herfommen; in den drey Herbſtmonaten an Waſſern die von Often 

herziehn; in den drey Wintermonaten an folchen die vor Süden 

.berfließen; daben Takt man gegen den Himmel Rawihermerf auf: 

fteigen und die Schrift Naiman Gaͤgaͤn beien. Der Opfernde 

aber foll an einem ſolchen Tage feine Speife geniefen, und alles 

Died, mas dabey an die Geiftlichen zu geben ift, muß die fünf 

Barben haben, und von den fünf Sorten feyn. - Wer aus 

Unvermogen fo viel Bich nicht aufbringen kann, der kann mif 
= einem guten Kleide abfommen, | 


| * n 
Betkapellen 

‚ der Zaza. uUnter die Arten von Opfern geheͤren endlich die ſchon oben 

ertvahnten Berhaufer der Kalmuͤcken (Zaza) in abgelegenen Ge⸗ 

genden der &teppe, die Der fmapler oder Obo der Mongolen, 

der Indra oder Ingdraͤ der Tobefaner, und Boſe eben 2 

en, 


— —— ————————— = N ä ; 
4°) Siehe in;diefem Theil S. 158 und 161. 











Aberglaubiſche Miſcellanen. 335 


ben, und endlich die Dpferfiguren , aus Meblteig ( Duruma) und Dee 


die Sündopferiguren, ebenfals aus Mehlteig (Gbai). 


Zaͤza find Fleine, aus Geflechte und Thon oder aus Ziegeln 
in der wuͤſten Steppe errichtete Kapellen, die nur eine kleine Fen— 
ſterefaung haben, durch welche die Anbetenden ein kleines Opfer 
an‘ Geld oder andern Kleinigkeiten, hineinlegen kennen. Ein fol- 
des Bethauschen, welches ih an dem zwiſchen Der Sarpa und 
. Wolge, im einem grasreichen Grunde befindlichen Waſſerarm 


oder Zazaͤ. 


⸗ 


Gologoi beſi —— habe, iſt auf der ſiebenzehnte Platte abgebil⸗- Platie 17. 


det. Es war kurzlich durch Die Torgotiſhe Kalmuͤcken erneuert 
worden und no.) in feiner ganzen Vollkommenheit. Die Oefnung 
folcher Kapellen ift allezeit an der Suͤdſeite. Sie mar hier. mie 
einem belzernen Fallthuͤrchen verſchloſſen, innerhalb melder en 
Bild des Bogdolama aufgehange war. Bor demfelben lag ein 
Haufen von viel Thonppramıden oder fogenannte Zazaͤ, die man 
noch frucht anfeinander gelegt hatte und die mit Vuͤcherblaͤttern, 
umpen von Kleidern, Helzchen und dergleichen: vermengt waren. 


„" 


Dben Darauf war allerley Kupfergeld geopfert, welches mein ans - . 


dachtiger kalmuͤckiſcher Wegweiſer tief in den innern Raum pins 


ein warf. Ein jeder in der Geg nd einer ſolchen Kapelle vorbev⸗ 


reitender Kalmuͤck unterlaßt nicht, nachdem er angebstet hat, eine 
Kleinigkeit darein zu opiern, file” es auch nur eın Fegen von 
feiner Kieidung oder ein Holzchen fern. Zu gewiffen Zeiten, wenn 
die Ulufen in die Nahbarfiha:t folder Beihaufer kommen, wird 
auch ein ordentliches Feſt mie feierlichen Gebeten Dafelbit gehal⸗ 
ten, Da denn Die andahfıgen unza-lige dm ma nih pat me chom, 
unter off wiederhoplten Niederfallen, daben befen, und die Mö,t- 
de ıdre Bettrommeln ganze Tage lang in Bervegung feßen. Die 
ben fol.hen Kapellen aurgeitefte mit tangutiſchen Gebeten bevrud: 
te Flaggen, und die Darauf befeftigfen Betmuͤlen, die der Wind 
bewegt, N:d auf der Abbildung zu fehn. Mehrere Kapellen die⸗ 
fer Art, Die aber zum Theil verfa en waren, fird mir zu beiden 
Seiten der Wolga vorgefommen, und eö find dergleiden auch am 
Irtiſch, in der Soongariſchen Steppe zu u wie denn = 
0: 


336 Abergläubifche Mifellinen. 


Betkapelen fogenannte Kalbaſſunskaſa Boſchna ein Gebaude dieſer Art ge⸗ 


2 


oder Zazaͤ. 


Obonen. 


weſen zu ſeyn ſcheint. 


Die Obo oder Andachtshügel find ſowohl bey den Mongos 
fen, als Kalmücken gebrauchlich und werden ebenfalls mit großer 
— errichtet und efters von Anbetenden beſucht, auch 

eine Jahresfeſte dabey gehalten. Man ſucht zu deren Errich— 
tung beſonders merk vuͤrdige Weideplage, Gebürge oder Scheide⸗ 
hoͤhen aus, und errichtet, unter feierlichen Gebeten, entweder aus 
Sand, Erde, Steinen oder Holz einen Haufen auf, um melden 
entweder Betiahnlein, an Schnüren aufgehängte $appen mıf ge: 
dructen Gebeten, Betmuͤhlen, oder, tie es fonderlich ben ven 
Mongolen gebläuchlich iſt, Schaaffhulterblatfer mit Darauf gefchrie: 
benen tangufifchen Gebeten, aufgehaͤngt werden. In oder auf 
folden Haufen oder Denkmaͤhlern, Die fonderlih dem Schußgeift 
der Erde geweyht find, werden auh oft Behaltniffe mit geittli- 
den Schriſten Binterlaffen und jeder Borbeyreifende geht dahin 
zum Anbeten und pinterläft zum Opfer etwas von feiner lei: 
dung, oder Haare von der Maͤhne feines Pferdes oder irgend ein 
andres Opfer. Diefe Obonen fcheinen, wie mehrere andere Ce— 
remonien ber Lamaiten, aus den alten Schamanifchen Heiden: 
thum berzuftammen; wenigſtens richten alle andre heidnifhe Bol: 


fer des nordoftlichen Afiens auf Scheidegebürgen über welche We- 


Indra oder 


“ge gehn, Steinhaufen auf, zu melden ein jeder Borbepreifender 


einen am Fuß des Oebürges mitgenommenen Stein oder ein Stüd 
Holz zutraͤgt, damit, wie fle fagen, Das Gebürge in feiner .Ho- 
he nicht ab» fondern zunehme. Auch bey mineralifchen Quellen 
und Badern pflegen die Lamaiten ihre Schulterblatter mit Gebe: 
ten aufzuhangen (*) und die Straͤucher ſieht man da mit Fegen 
von Kleidern und Pelzen, Pferdehaaren und dergleichen bebangt. 


Indra oder Ingörä, woruͤber Georgi Alpbabetum T ybeta- 


Doüergögen. yum nachzufehen, ift nicht allein im Tybet übluh, fondern auch 
| | bey 





(*) S., den Zten Theil meiner Reife. ©. 181. 448 u. a. 





EEG nn mn e .„ nannten nn — 


Werth Vilferlfonet. —* 
bey der · Mongolen; in eintmschn fo: gebaͤrgigten tanbe, als ein 
he u der Gefahr von Ungemittern,. bekannt. Ks 
wird namlid, in ber Jahrszeit, wann die Donnerwetter am ges 
Aprlichſten find, auf Haben Stehen ein von bolz gemachtes Kreuz 
mit Kraufern ummidelt, um. eine. Menſchengeſtalt  perausjpbrin 
gen j a. mit ausgeftzedten Armen den Gewittern Drapf. 

r P. Georgi Hat Darin eine Spur Des manichäifhen Chriſten- 
thums entdelfen wollen; allein es. ift. ſchwerlich zu begreifen. wie 
das Kreuz hur, als ein Abruendungsmittel wider Gewitter, fi 
erhalten Daben follte, und wie Diefer Judra ſich bis in das off 
fichfte Wien zu den Tungufen, ie dem uralten Schamanifchen 
Aberglauben treu find, in eben dieſem Sinn ausgebreitet haben 


Dres 


folfte. Dieſe namlich rigen ebenfalls theils greße, theils Kleine . 


Kreuze auf (*), ummideln felbige mit Biosigen von ſtrauchenden 
—* vder Zederſichten, und nennen die größeren, mebr- als 
Klafterhohen, an welchen fie einen Schwan, Ente, Taucher ober 
Meroe mit ausgeftredten Flügeln befefligen, — Doi, die kleinern 
aber, welchen man Die Bildung von Kopf. und Armen zu geben 
ſucht, — Boje. Demnach fcheidt der Indra der Tybetaner viel⸗ 
mehr eih Ueberreft aus: dem salten, fonft uber das ganze Gebürs 
gigte und nordliche Ufien anwgebreiteten Schamanikben. Aberglaus 
en zu ſeyn. Das Wort Ingdea fol übrigens im Inöimmifchen 
Donner bedeuten. - ; a ern 


Mas die’ fogenannien Balin und Duruma eder Dpfer-Yak 
füge für die Burchanen befrift, fo iſt deren ſchen vorbin · Erwaͤß⸗ 
nung geſchehn (*) und nichts weiter davon’ zu ſagen. — Allein 
uͤber die En die auch ben den Begrabiiß : Gere: 
monien vorfonnmen, am meiften aber in allerich Bufalen des ge⸗ 
meinen Ebens, fonderlih wide Krankheiten, als eine Axt > 

ee en ; op 


v⸗ 


8 





(*) €. Beorgi Reiſen im ruſſiſchen Reich, ©, 282. 285 
(**) S. in diefem Thal S 159. 


Zweyter oh - 0. Wi 


ner Fleck zeigte ſich darauf; num müßte ſagleich die Schu 


Von Ben opfer, do. den Pfafſen verfertigt. werden, if noch aAmas unfinde 
Opal, licher zu reden. * IM .- ; 


er ] . } 


Ein kranker Katmuͤck, ver füh nicht, mehr. zu, helfen weiß, 
laͤft einen Gellong zu ſich kommen, der ur Buch vor: 
fagt, mas die Urſach feiner Krankheit ſey; namlich ex habe die 
«fes oder jenes geitoplen oder gekauft,“ oder, ein lahmer, blinder 
der gebrechli cher Mann oder Weib, zu Zuß oder zu Pferde, fey 
don - diefer oder jener Himmelsgegend Ju ihm gekommen, habe 
ihm dies. oder jenes gebracht und Die Krankheit angehext, oder er 


- Habe fich durch dies oder jenes. fchuldig gemacht. Dagegen muß 


nun ein Ghai, namlih diefe oder jene Figur eines Weibes oder 
Mannes, flehend:oder fißend, zu Pferde oder auf einem Kameel, 
‚ser irgend ein Thler wer Ungeheuer, aus Mehlteig , geformt 
und nad der Dimmelsgegend, woher das Unglud gekommen hin: 


Aus :gefragen, oDer,ins Feuer. oder” Waller. geworfen werden. 


Als ich in Zarizyn ubertwinterte, erfranfte das Weib eines armen 
Kalmüden, den ich oft als Wegtoeifer" und: zu Werfchidungen ge: 


brauchte und der ſeine Hüfte. daher auf meinem Hofe aufgeſchla⸗ 


gen hatte. Man fuchte, dur ein gebranntes Schaafsſchulter⸗ 
blat (*) dle Urſach der Kranfpeit zu. erforfchen. aa 

d au 
ein rothes, kuchnes Kopfkiffen gefchoben werden, welches. die kran⸗ 
fe Frau von einem verftorbien Weibe an einem unglüdlicen 


Tage gekauft hatte. Es follte alſo Der Zauber durch einen Ghai 


gepoben, und die ungluͤckliche Urſach der Kranfpeit_ den, Geiftli⸗ 
chen überantwortet werden. Ein Gedſuͤll fand ſich mit zwed 


Mandſchi des Abends ein, um dieſe Ceremonie zu verrichten. 


Sie machten in der Huͤtte, wo die Kranke auf ihrem. Lager lag, 
aus Mehlteig die Figur, eines nur, in Unterkleidern figenden 


Weibsbildes, mit Daarzöpfen, hangenden Armen, und vor fif 
ausgeſtreckten Beinen, efiwa eine gute Spanne groß; dieſen Bbal 


festen fie auf ein Stück Filz, an vie MWeftfeite des Feuers, mit 
u he 3..* F —— dem 
— 





) Von dieſer Weiſſagercy wicd gleich. ein. mehreres eat. werden. 





| "Mbergläubifche Miſcellanen. 839 
dem Seſicht gegen die: Kranke, neben welcher das verbramnte 
Küffen auf der Erde lag. Die Griftlichen feßten ſich gegendber, 
ftellten eine Schale Waffer neben den hai, und fiengen ihre 
tangutiſche Gebeter, mit vielen Tarni vermifcht, ‚gleichftimmig an. 
Bey verſchiedenen Abfügen des Gebets forderte der Gedſuͤll nad 
einander folgende fünferley Dinge: zuerft drey Eleine Kohlen, fer⸗ 


 ner-driy VBoͤuſchchen ſchwarzer, und drey weißer Wolle, dann dtey 


Stuͤckchen grobes Salz und drey Stuͤckchen Fleiſch. Von dem 
Waffer in der Schale, welches bey dieſer Weyhung nicht Aras 
ſchan, fondern: Tſchuͤh genannt wird, mard nun efrmds- über den 
GShai gefprengt, und zuleßzt nahm der. Gedſuͤll einen Mund voll 
Davon und. fprüßte e8 über den Ghai aus; das übrige ward der 
Kranken hengebracht, der man dreymahl davon in Die linke Hand 
op, welches fie einfchlurfte und das erfte gegen den Bat: im 
dreymahlen ausfpudte, das zweyte ‚aber verſchluckte und Mir:den 
naſſen Hand 'über Das Geficht fuhr, mit dem dritten endlich dem 
bey ihr Tiegenden Knaben das Geſicht wuſch. Den Reſt des 
Waffers frank ver Wirth und ein noch antbefender: Fremder aus) 
Dann aber nahm der eine Mandſchi den Ghai mit: vem’ Fitg 
und’ der obgedachten fünferleg Bingen und: trug ihn. weit aus 
der Gurte hinaus, morauf Die Geiftlichen das Polſter nahzmen, 
und jeder eine Meine Erkenntlichkeit an Geld erhielten. 


Bey einer andern Gelegenheit gab ein Geiftlicher dem Kran 
ten, nad u | des Belgien⸗Bitſchik (Zeichenſchrift), als 


die Urfach der Kranfpeit etwas Schneidendes an und empfapl dem 
Kranken fih wohl zu befinnen-, -ob-erwengemand andrer Reli 
— etwas ſpißiges oder ſchneidendes entwendet habe. Der Tod: 


ranke geſtand vor kurzem von einem Ruſſen ein Meffer geſtohlen 


zu haben, welches auch gleich aufgeſucht ward. — Es mußte 
alfo eine ſißende maͤnnliche Ghaifigur aus Meßlteig gebildet und 
auf eine weiche Unterlage gefeßt werden, hinter welde man das 
geſtohlne Meffer, und alles fpißige und fcharfe, was in der Huͤt⸗ 
te vorhanden war, zufammen legte. Nach Berrichtung aller vors 


Bin. erwäßnten Eeremonien, ward der Ghai, mit der Unters 


©f2 | lage 


— 








⸗ 


lage und dem Meſſer, auch einigen andern Gchueidegeugen ins 
Flußwaſſer gefragen, | 


| Hißige Fieber mit Raferep, ober auch unermartete Manien 


nennen die Kalmuͤcken Chan-ada, und weil fir die alſo behafte⸗ 


ten für beſeſſen halten, fo glauben fie. ſelbige mit bloßen Veſchwoͤ⸗⸗ 
zungen, Gebeten und Amuleten zu genefen. In folden Ballen 
wird bloß ein unfermlicher Menfchenkopf var. eig gemacht, its 
gend ein- Fetzen von der Kleidung ‚De&. Kranfen daruber "gehängt 
und er alfo vor den Kranken Bingelieit, Den man mit Schlaͤgen 
aufrecht und mie unbedeckten Geſicht zu ſizen zwingt. Die Lane 

uti ſchen Gebete dquorn bey einer, ſolchen Gelegenheit eine gute 
Stunde und werden mit oft wiederhalten Tarniformeln.;- © 
Om par om Baſirbani chom pat ſſoocha; oder ‚Ling thet Bad⸗ 
mon daͤhri, Baſirbu daja Choingreba chullu chullu chum pat 


ſſecha, us. w. beſhloſſen. Das waͤhrend des, Gebets gewehbte 


Waſſer wird: den Kranken zu trinken gegeben; darnach nimmt 
der Geiſtliche die Ghaifigur, fteßt damit den Kranken zur wieder⸗ 
Kelten mahlen auf Die Bra und an den Kapf, zwingt ihn dret⸗ 
map Dagegen auszufpegen, und Loge Diefe Figut alsdenn. in. Die 
Siephe hinaus fragen. — 


Urberbleibſel dan Schamaniſchen Aberglaubens sa 
| | ONE | 
Von den Gaukeleyen des Schamaniſchen Aberglau- 

bens, Zaubereyen und: Weiſſagerey unter den 
mongoliſchen Voͤlkern. 


\ 


5*8 = 
SS habe (den im Anfang. dieſes Theils (S. 17.) erwaͤhnt, Schamam⸗ 
daß. der Buratiſche Stamm der großen mongolifhen. Nation, ſcher Aber⸗ 
nah heu& zu Tage, mie Die meilten heißnifchen. Volker. des nord- , glaube. 
lien Afiens, Dem. uralten Schamanifchen Aberglauben: zugethan: 

ſeyn. Bon: dieſem über. das ganze nordoſtliche Afien: und. bis nad 

Amerifa, ausgebreiteten. Aberg'auben und: deſſen. Ceremonien Bier 
meitfauffig zu ſeyn, waͤre ganz überflüßg, da umſtaͤndliche Nade: 

richten danon: in des: altern Gmelins Sibiriſcher Reife und: in. 
Georgis Beſchreibung aller Nationen. des: Ruff-fohen Reichs O. 

375, bis 396. vorkommen. Ich will alfo: Bier. nun von Demjeni- . 
gen zeden, mas bey: denem zum ramaiſchen Glauben: fü: beken⸗ 

nenden: Mongolen und Kalınudan-aus jenem: altern: Aberglauben,, 

— ag | ‚nor. Tſchingischan. alle: anhiengen, übrig, geblies: 

Io, : te 2. - Be > en Br 


} en ’ 

. Sie Haben noch ißt Heimliche Zauberer beyderley Gefchlechts: 
unfer:-fih, welche ohngeachtet fie von den Lamen verfolgt und ver⸗ 
flucht. werden, unter. dem. aberglaubischen: Poͤbel dennoch ihr Spiel 
forttreiben.. Die weiblichen werden Udu gun, und: Die ma.nli- 
en Boͤh genannt, oft menn. alle Gebete und Gaufeleyen der- 
Famen nichtd felgen: wollen‘, nehmen: die gemeinen: Kalmuͤcken noch 
ihre Zuflucht zu: Diefen. Arme ziehn. fie auch ort den: Lamen, die 
fie nicht zu bezahlen vermegen, vor, weil. Die Zauberer felbft 
mehrentheilt aus der: armen. Elaffe find; und: ihre: Hülre wohlſeil 
geben;, Sig verzichten, nach alter Weiſe, ae 

— o). 





— 


BR 7° Weberbiebfl dee‘ 


2chaman˖ 


er Aber: 
glaube. 


icho), welche Die Samen um dem Volk zu willfabren, von. ißnen 
angenommen haben, fo widerſprechend auch das Tedten eines Bie 
hes dem Lamaiſchen Blauben von ber ©eelenwanderung ift; fe 
verrichten Die Beihweyhe, welche gleichfalls, wegen Des Volks, 
ous der Schamaniſchen in die Samtaifce Religion übergegangen 
iſt. Sie theilen auch gewiſſe Hausgögen, die der Viehzucht gün: 
flig fepn fallen, aus: und alle dieſe Gaukeleyen find gewiß in der 
Schamanifihen Wbgisterey alter, als ım Lamaiſchen Xberglauben. 


Edlahte Ich fahe ein Schlachtopfer durd ein — 


 2fer nach 
Urt der 
f yamanen. 


Mädchen verrichten, die unter den Derbetifhen Rafmüden als cs 
ne Edamanin (Udugun) befanht war. Die Beranlaffumg dozu 
war eine Kranfpeit der Wirthin und die ſchlechten Glücdsumftan- 
de des Wirths, dem Die Jurte gehörte. Man hatte dazu einen 
gluͤcklichen Tag u, dergleichen alle zwölf Tage diejenigen 
find, melde den Namen der Maus führen. Das Opferſchaaf 
wurde im der Huͤtte, vor den ya ver Schamanin, durch einen 
Gehuͤlfen, vollig auf die vorhin befchriebne Art geſchlachtet, Das 
Bruftbein eben fo mit der Hauf ausgeloͤſet, das Fett und Blut 
befonders gefammelt, und der Unterfirmbaden, mit Zunge, Schlund, 
tuftropre, Lunge und Herz beſonders audgelöfet und nebft der fe 
ber, ganz ungewafchen, zuerft in den Keifel gethan. Das Schaaf 
wird überquer in zwey Bilfteii- zerhauen, — in zwey 
Blätter geſpalten, an: der Pintern aber das Zinetr zwiſchen den 
Keulen, mit dem Fettſchwanz, als das befte tederbiffen ausge: 
fondert, und ganz gekocht, dahingegen das übrige Fleiſch von dem 
Knochen gefchnitfen in den Keffel gerhan, und nur das rechte Schuls 
terblaft ganz und roh gelaffen wird. Die Füße murden mit ven 
unteren: Gelenkknochen zufammen gelaffen. Das Bruftbein ward 
mit der Ubgelöften und in Streifen zerfchnitnen Haut dergeftalt 
umfchlungen, daß ein Triangel herausfam, und behutſam zu 
oberfi in den Keffel gelegt. a Zu — | 


Ueber diefen Unftalten war es Nacht geworden, welches die 
erwunſchte Zeit für die Gaukeleyen der Schamanin war, zu tel: 
Ger ſich Diefe alfo anſchickte. Zuerſt ward ein Vakentnochen 

(Alta- 


Schamaniſchen Aberrgaubens; 34 


(Akripalus, auf Kalmaͤckiſch Schagal) dom Schaaf, an einer Shhlehht⸗ 
sotpfeionen Schnur, melde der. Wirth: halten ‚mußte, über das opfer nach 


Kreuz des Rauchlochs der Muͤtte -gefchlungen. Der Keffel ward 
vom Feuer genommen, und der Thuͤr gegenüber. flellte die Zaus 
berin ein geliehenes Goͤßenbad des. Schigimuni auf einem Kalt 
den auf, machte. eine Lampe aus Mephlteig zurecht und ftellte fie 


‚vor den: Getzen. Das gekochte Fleiſch ward ini einer großen Mubs 


de, von zwey Kalmüden, die fi erit an Die Thuͤr flelleen, und 
dann über Das Felıer herantraten, vor Die mit dem Wirth der 


Thuͤr gegenuͤber figende Zauberin gehalten, darnach ward' das 


beſte Fleiſch, vom Kopf.die Ohren, von den Füßen Die abgeſchaͤl⸗ 
ten Huſfſohlen, nebſt etwas von der Haut, und das ganze Ge⸗ 
ſchling alſo in. einen Sad geſtopfſt, daß dag Herz zu oberft lag, 
und Diefer Sad neben Die Bauberin hingeftellt.. Zugleich wurde 


von Dem Felt des. Opfers, welches neben der Tranten Wirthin 


ſtand, etwas über Den Dreyfuß ins Feuer gehängt. Der ;Kopf 


und die Knochen wurden nun, indeifen der Wirth: feinen Milde 


brantwein austheilte, .vom grobften Fleiſch, erſterer aud vom 


‚Gehirn entledigt, und das beſte Fleifh, .nebit Dem Zimmerſtuͤck 


der Zauberin vorgelegt, welche. Raven, nebſt dem Wirth und den 


dornehmeren Anweſenden genoß. . Das übrige, verzehrfen Die ge: 


gemeinen Kalmüden,. und tranfen dazu von der mie Plut vers 


‚mifchten Brühe aus der Mulde teils ‚mit Handen, fpeils mit 
Schalen. Ein Paar Verwandte durften fi Knochen mit Fleiſch 
‚aufheben. — Nachdem das meifte verzehrt und indeffen noch im« 


mer Fett ins Beuer gehängt worden war, wurde nun „um eis 


‚gentlichen: Brandepfer Unftalt gemacht: Das Holz auf den Feuer⸗ 


platz ward in einen viereckigten Scheiterhaufen gelegt, Drey rune 
de. Fettlampen aus Meplteig murden fo ind Dreyed um das Feuer 


geſtellt, daß eine gegen die Thür ſtand. Bon feiner Schaafwol⸗ 


be wurde eine lockere Schnur gedreht, mit welcher das gekochte 
Bruftbein nochmals umſchlungen ward, Und nun ward zuerfi 
das übrige Nierenfete aufs Feuer gethan, ferner der rein gemach— 
be Kopf mit dem. Unterfinnbaden, dauneben dad Bruftbein, dann 


die im Gelenk noch zufammenpangende Beinknochen und über al- 


bes Das Rippenſtuͤck der gekochten Seite, woran. nah Fleiſch ſaß, 


Art der 


nen. 


= Ulberdlewvſl ben 
GSqhlocht zufeht au noch in Brocken z erſchnitnes Welt auf den ie; 
apfer nah Haufen ‚gelegt. Kerner reichte Die Franke Frau noch folgende Opfer 
dr Bar: zuerfi Brantwein, der aus einem Weiher iin die Runde uber 
en. das Feuer ausgefchisttet ward; ferner Milch, dann etwas Zucker 
und Rofinen; endlich zwey große Stuͤcke zuſammen geſchenolzene 
Butter und Fett, und über alles legte der Wirth einen ZBweig 
von Servenbaum (Arza) und ein Stuͤckchen Holz von eben Dem Baum. 


Nun fand die Zauberin auf, ſeßte den Wirth der Thaͤr ges 
genüber, gab ihm in die rechte Hand eine Schaſſel mit Fleiſch 
und Brühe, in Die linfe aber das aufgepobene rohe Schulserblatt 
und Die wofhe in Das Kauchloͤch ‚gefihlumgene Schnur. Sie nahm 
den Sad mit Fleiſch, trat an jede der Drey Sampen. und. ſchwenk⸗ 
te ihn über dem ‚Feuer, als ob fie Ihn den Luͤftgeiſtern zeigen 
wollte, welche fie mit öfteren Churuͤ, Ehurb gleichfam herbeyrief; 
Bann trat fie Tahend vor ven Birth, und hielt ihm das aus 
dem Sad Hervorragende Herz entgegen, wovon er Die Spiße db: 
beißen mußte, Ueß auch Deflen Sohn und Die Wirffin Darein 
deißen. ach einer zweyten und dritten Anrufung mußte jedes 
mahl der Wirth ein Dtuͤck vom Herzen abbeißen, wovon endlich 
faſt nichts übrig blieb. Nun legte die Zauberin den Sad um 
der Wirth die rohe Keule weg, die Wirthin aber gab Das Netß 
vom Opferffier, mit einer darein gewickelten Kupfermünge Dem 
Dpfergepätfen, ver es aufs, Feuer iegte. Die Bauberin aber 
nahm eine Bode in vie Tinfe und eine Peitfche in Die rechte 
"Dand, und fing an vor dem Gegen Hin und Ber zu wanken, 
Uinzufungen herzuſchreien, fih mit Körper, Kopf und Armen role 
raſend zu geberden, fo daß ifr Die Möge einigemahl abfiel und 
wurde bey dieſem WRerrenfpiel von Dem fcalfhaften lachenden 
Opferhelfer unter dem redten Arm gebakten und beffandig mit 
angebrannfem Sewenbaumholz geraͤuchert. Nach einer Fleinen 
Biertel ſtunde Hafte fih Dre Zauberin in einen guten Schweiß ge 
arbeitet und fühlte fich begeiftert genug um zu weißagen. Sie 
verfündigfe nun zuerft dem Wirth fein künftiges Stüd; darnach 
diefen verfchiedene von Den anmefenden Kalmuͤcken, Durch den Oper: 
Helfer ihr Anliegen Ber Bauberin vorfingen, ober fihtien es hi 
| fe 


= — 


Schamsnifchen Aberglaubens. 45 


felbft zu, worauf fie laͤrmend, doch ziemlich: gefiheut antwortete. Schlacht 
Sie tobta dergeſtalt über eine Stunde fort, legte endlich die Peit⸗ bpfer na 
fhe weg und zauberfe nun mit zwey Glocken, meil fie nun wey der 
Geiſter zu, ſehn vorgab, ‚deren einen fie Dai Chattun (Meerfrau) chamanen. 
die andre Okm⸗ Tengery (BMBimmelsjungftau) nannte. Endlich 

beſchloß fie ihre Poſſen, und: darauf ward das im Sad beſfindli⸗ 

he Fleiſchwerk gemeinfchaftlich verzehrt und die Geſellſchaft ſchied 

um Mitternacht auseinander. Die Zauberin erhielt zwey weiße 

Tücher, in Deren jedes neun Münzen gewickelt werden, zum Lohn. 

Einige Kalwuͤckiſche Bauberer ſollen ſich au, bey ipren Gauke⸗ 


legen großer Brummeiſen (Tümmer : Chur) bedienen. 


Die Knochen des Opferthiers müffen, bey ſolchen Gelegen⸗ 
heiten auf dem Feuerplag liegen bleiben, bis fie vollig verbren- 
nen, Das rohe Schulterblatt wird erft am dritten Tage verzehrt. 
Die. ins. Feuer gelegte Kupfermünze fucht die Wirthin den fols. 
gende Morgen — und verwahrt fie als ein Heiligthum. 
Bon’ den Knochen des Opfers werden die Schulterblaͤtter allein 
derwahrt, weil diefe don Opferthitren zum Weiffagen für die ges 
ſchickteſten gehalten werden; © "00. | 


* 
| * * 


Auch eine Art. Vießweybe wird bey den Kalmüden, als ein — —— 
Meberbleibfel: des alten Schamanifchen oder Magiſchen Aberglau⸗ idder. 
bens, von ihren Zauberern verrichtet, welche aber die Lamen als 
eine ſehr verwerfliche und teufliſche Ceremonie zu verſchreien ſu⸗ 

F— und doch zuweilen ſelbſt nach ihrer Weiſe verrichten. Weis 

Kalmuͤcken namlich laſſen unter ihrer Schaafheerde einen Wid⸗ 
der, der weiß mit einem gelben Kopf ſeyn muß, weyhen. Dies 
fer wird Tengery⸗Tokcho (der Himmels⸗ oder Geiſter widder) 
genannt; er wird nie gefchoren, nie verkauft, wenn er aber ver⸗ 
altert und. der Eigenthoͤmer will. einen :nsuen weyhen lalfen,: fo 
muß der Alfe zu einem Opfer dienen,. welches, gemeiniglich im 
Serbfl, wenn Die Schaafe fett find, mit der. Nachbarſchaft vers 
zweyter Chell. Te zehrt 


v 


346 7 Ucberbieibpi de⸗ 


Seweyheer zehtt wird. Dabey wird der Widder, unker Aunrufungen deb 


Widder. 


Zauberers gegen Aufgang, und fleißigem Milchſpruͤßen zur Fuͤtte⸗ 
rung der Lvuftgeifter, on einem gluͤcklichen Tage geſchlachtet, das 
Fleiſch verzehrt, das ‚Oerippe aber, nebft einem Theil vom Fett, 
auf einem über vier Piahlen, anderthalb Ellen hoch errichteten 
Rafenaltar verbrannt, und Das Fell mit Kopf. und Fäfen, nad 
WBuratifcher Urt aufgehangt. Diefe Opfer und andte Schamani⸗ 
he Gaukeleyen ſcheinen bey der Kalmäden zu Opisens Zeiten 
‚noch fehr ‚allgemein geweſen zu feyn, weil Derfelbe aur- felcher 
Dpfer., und mit feinem Wort des feierlichen Lamaiſchen Sotter⸗ 
dienfis gedacht Bat, | Ä 


% | —— 
A 


Schamanl ⸗·EOlles Eiſerns der Samen ungeachtek, haͤngen die aber⸗ (debi- 
ſche Gögen ſchen Mongolen und Kalmuͤcken, als ob fie an einem &berglaubek 


bey 
kamaiten. 


nicht genug hätten, auch noch immer an gewiflen, Schamaniſches 
PHausgotzen, Die fie, ſonderlich das Weibsvolk zu ihrem und ih⸗ 
rer Heerden Gluͤck für unentbehrlich halten. Dergleichen iſt, be} 


‚ den Kalmüden der ſegenannte Ongtzoi, der ſowohl von Zaubes 


rern, als, um dieſen den Berdienit zu ſchmaͤlern, auch von 
Geiſtlichen ertheilt wird. Derfelbe ift eine Wrt von fappengehäns 
ar, weldes wider Koliken, und andre Zufaͤlle dienlich und zum 
ausliden Gluͤck befcrderlich ſeyn fell, und in der. ‚Hütte, zur lin: 
en des Lagers aufgehängt zu feyn pflegt, wo man zwey ans Teig . 
gemachte, brennende Lampen und ein; Schälden Weiler vor Deine 
felben zum Opfer aufftellt. Es find eigentlid vier rothe, baum⸗ 
wollene fappen,_ tooven Der unterfte der laͤngſte iſt, die übrigen 
aber Seufenweiſe abfallen und alſo den: Schatten einer bekleide⸗ 
ten menfchliden Figur vorſtellen. Ueber dem oberfientpangen vier 
Wander. von eben dar Linge, und überdem eine Menge: tveiße 
und zeiher Flockſeide, aan Der: fange Resngrüften appen ‚heruntve. 


— E 





Ein ganz äpnlider Böpe ift.derfogenamrte Amm int?) Fihemanj- 
der Buraten und Mongolen auch dererjenigen Die I zum $asıl JORKH 
maiſchen Wberglauben befennen. Er mird als Schutz gott der 19 
Schaafe und des übrigen Wiches verzehrt und beſteht eigentlich kanuiten, 
qus zwey aneinander haͤngenden Figuren, deren Die eine des Goͤ⸗ | 
gen Gattinnn vorftellen fol, Die beiden Figuren find nichts als 
zwey platte, Tanglicdhte, oben in zwed runde Scheiben ausgeſchnit⸗ 
tene Volfter, am Leibe Jerum mit langwolligtem Schaafspelz bea 
bramt, an melden Augen, Rafe, Sißen der Bruͤſte und Bader 
durch .eingenapte lederne Knöpfe vorgeftellt find. Die männliche: 
Figur hat gemeiniglid am Gürtel. eine Pferdezmwinge, womit 
Den meidenden Pferden ein Hinterruß und die Borderfuͤße gefef: 
fele werden, Die meibliche aber, die zumeilen von ähnlichen klei⸗ 
neren Riguren ihrer Kinder begleitet ift, allerley-Fieine-Sierathen 
und ein Naͤhezeug an ſich hangen. Ban fteltt Diefe Figuren, 
- welche ſehr ſchmierig auszufthen pflegen, an ben. vornthnuten Dre 
Der Jurte und wohl gar gleich neben den Schigimmufchen - Go⸗ 
Senfifh, wenn dergleichen vorhanden iſt. Das Wolk erhalt dieſe 
Bögen ſowohl von den Schamanen, als von den Samen, welche 
dieſem Wberglauben, .neben ihrer Lehre, aus- eigennüßigen Abſich⸗ 
ten Durch die Finger fehn, und ſolche Gößen von iprer Fabrik 
auch den.enigen Buraͤten, die noch dem Schamaniſchen ‚Aberglaus 
ben anpängen ‚ufommen laffen. Indeſſen ſoll dieſer: Goͤtze: bey 
den Gineſiſchen Mongolen nicht gebraͤuchlich ſeyn, und auch im 
Selenginſkiſchen * die Staͤmme, welche ächter mongoliſcher 
. Dertunft find, ſelbigen nur ſelten. | 
x we 3 


"Andre “Bausgößen ſind bey den ſchamaniſchen Burdten die 
‚fogenannten Onggon, von welchen, ſo wie von den übrigen Ce⸗ 
remonien, · Hyfern and Brundfagen des .rahen Blgmenifgen 

| j Aber⸗ 





[2 f) 





(9) Bey den Kalmäcen iſt Immegildſchin der Name des Pfafenhinlein 
i ſtraucht Eratimu )e i 


en — :. 213 


348 Aberglaͤubiſche Gebräuche. 
Shamani. Aberglaubens meitlauftig in andern Schriften (*) gehandelt wor⸗ 
ſche Bögen den it, fo daß es überflüßig mare Diefe Sammlungen mit ver 
bey Wiederpolung der darüber gedachten Nachrichten zu vergreßern. 
Eamuiten. Ich wiu aber hier noch verfjichner andrer Thorheiten des Aber: 
glaubens bey den mongolifgen WVolkern Erwähnung fhun, die 
noch nit fo bekannt find. Ä 


* * 
* 


Wetterma . Unter bie von der Samaifchen Geiftlichfeit gebilfigeen und 
her der ausgeuͤbten Sauberegen gehoͤrt zuforderft das Wette 
Kalmödın. (Sadda⸗-Barinaͤ). Nicht nur geringe Geiſtliche, fondern auf 
Schrifttundige unter den gemeinen ober ſchwarzen KalmückAı ge- 
ben fih damit ab. ie rüpmen fih nicht nur das Wetter auf 
einige Tage ‚vorher beftimmen, fordern auch, bey obwaltender 
Dürre, über eine ganze Gegend Regen bringen zu fönnen, am 
Be Dimmel eine Wolle zu fhaffen, bey großer Diße eine 
ühle- $uft, bey. ftilem Wetter, Wind und bey Tlarer $uft Nebel 
erregen zu koͤnnen. Sie wollen auch im Stande feyn auffteigene 
de Wolfen zu verfreiben, wenn fie durch aͤhnliche menfchliche Zuus 
beregen entftanden find; welches fie daran erkennen wollen, menn 
folche Wolken zuerft, als ganz Fleines Gemwolf, am Horizont auf— 
fteigen. — ‚Die Wetterzaubereg beruher auf gewiffen Formeln 
der geheimnigoollen Sprade (Tarni) welche mit gläubigem Ser: 
zen und tiefer Andacht von den Wettermacher (Saadutſchi) ge: 
Br gewiſſe Soßen hergemurmelt werden. Um Regen zu verſchaf⸗ 
en muß die Andacht zum Benfpiel an den. Bogen. Otſchirbani 
gerichtet werden, und die Formel ift: 


Um chum ſungni nagaraſa gangpuͤt ßoocha! 
Da⸗ 





= 7 

() Beorgi Xeiſe 1. B. S. 313 n.folg. Eben deſſelben Beſchreibung 
aller Nationen des ruſſiſchen Reiche Zzte Ausgabe S. 375. u. folg 
Pallas Xeiſen III. Band. Si: 59. 77. 181. 357. 401. 1. . Ws 





Aberglaͤubiſche Gebräuche, nn j 349 


er der 
. Kalmäden.. 


Damit Wolfen aufiteigen, Hilft folgendes an Manſuſchiri Bur⸗ BWettema 


dan geriihtetes Gebet: Zu 
Um ſſarwa gharma karem laalik ßoocha! 


Nebel erweckt eine an den Burchan Naganſana gerichtete Formel: 
Um zartſchu ningwo riih rewok! 


Kuͤhle Luſt giebt der Vurchan Radnaſambowa, auf folgende Be⸗ 
ichweͤrungsworte: 


" Um naga joͤh jagi ſſſocha! 


uUm Regenwolken zu vertreiben wendet man ſich an die obgenanns | 
2 vier VBurchanen und Chondſchin boddi ſſado, mit der 
rmel: 


Um ſaͤdda nagara iſchiltſchil polpol ßoocha! 


Auch um Sturmwind zu verurſachen wird zum Goͤtßen Chondſchin 
hoddiſſado gebetet und zwar mit folgender Formul: 


— Um ghom ghom dam dam part pat puͤngh puͤngh ſſpocha! 


Solche Tarni werden Friend gebetet, und z. E. um Regen 
zu machen, in eine Scale voll Waller, nad geendigtem Gebet, 
gewiſſe Steinen gethan, Die man mit dem Wafler, nach der 
‚‚Dimmelsgegend, woher der. Regen fommen foll, ausfihäfte. Um 
- Sturm zu erregen wird nur Staub oder Band nach den Beſchwoͤ⸗ 
tungen ausgefchüttel. Sie erzählen auch viel von einem Steins 
‚den (Saadan Tſcholon), welches zumeilen auf der Erde oder 
auch in. Thiermagen gefunden mird und fih im Waſſer bes 
#andig im Wirbel bervegen .foll, fo dag das Wafler in der Scha⸗ 
te gleichſam in eine fochende Bewegung geratb. Werden dabey 
‚Die gehörigen Tarni ausgefprochen, fo erfolgt ehnfehlbar Plagregen. 


. oo. j (Mer 


Z—— —— | 





3” Abvatzldicbiſche Gebroͤuche. 

arena Wer dẽe Tunſt Des Wettermachens ausüben will, Ber ang wie 
Ga der Die Kaimüden fagen, feſten Glauben an der Mat ab 
Rem. Geten, welche dieſer Tarni Erfinder find, faſſen, ugd im diefem 
Stlauben einmahl in feinem Lben Die zu gebraugende Formuln, 
jede Cinhunderttaufendmapl pinter einander andadjtig hergeſagt 
haben. WIN er nachmals Gebrauch davon machen, fo muß er 
die erfoderte Formul, es fig, nach den Umſtaͤnden, ftehend, fißend 
oder knieend, vol Andacht und feften Glauben, fünfhundertmapl 
rfagen, und wuͤrkt Diefe Portion nicht, noch füntpundertmoßf, 
‚welches denn nie fehlfchlagen fol. Ya die Kalmüden verficern, 
daß auch Auffen, denen die Kunft recht gelernt werden und die ſie 
mit rechtem Glauben ausüben, dieſelbe Kraft, Wetter zu maden, 
brfigen. Es find aber zwey Ausnahmen zu bemerken: erſtlich fe 
darf Die Kunft nicht im Winter ausgeübt wirden, weil fie Ge⸗ 
wachen und Thieren fehadlih werben konnte und alfo fündlid 
ift; ziwenfens, fo ift es auch im Sommer Bunde gar zu oft Re 
- gen und Ungemwitter zu zaubern, weil vieles Gewuͤrm und Unge⸗ 
ziefer dadurch umlommt. | 
Se ME 

Beifagundd Unter den verſchiednen Arten ber rey, weldee bey 
Künfe der den aberglaͤubiſchen Volkern des mongoliſchen Stamms gebräude 
—ã— und wie es ſcheint uralt, auch deßfalls bey faſt allen vors 
mahls oder noch itzt dem Schamaniſchen Aberglauben zugethanen 
Bolkern Aſiens im Schwange find, iſt beſonders die Gewohnheit 
aus gebrannten Schulterblaͤktern und denen darin durchs . Feuer 
entſtehenden Riſſen kuͤnftige Dinge auf den folgenden Tag oder 
ine Turze Zeit vorher zu prophezenen, wegen iprer foftematifchen 
Kegeln, und wirklich oft zu treffenden Nusilbung merkwürdig. 
Dieſes Weißagen aus Schulterblattern,. welches die Kalkan 
Delle » Tüllite und die darin erfahrenen Dalladſchi a 
Z ſcein 
antenne he ' : © : - 


C) Dab M Aufn fr an Mer im mefgen gan mu Di Mn 








⸗ 


Aberglaͤubiſche Bebräuche 381 


fein? "auch unter den Celtiſchen Boͤlkerſchaften befannt ee 
j feyn, wie denn etwas aͤpnliches unter dem noch rohen Poͤbel Künfle der 
n Irland im Gebrauch ift Me —ã 


Dieeſe, auch unter den Mongolen und Buraͤten fehr gewoͤhn⸗ 
liche Art künftige Begebenheiten vorher zu ſagen, wird gemeinig⸗ 
lich von Laien, Die weder ſonſt Zauberer, noch zur Geiiſtlichkeit 
gehoͤrig, aber aus langer Hebung und. Erfahrung Darin geübt find, 
verrichtet. Es ift aber auch eine mongolifhe Schrift, Dalla ber . 
tifelt, vorhanden, in welcher Die. Regeln angegeben find, nad wel⸗ 
«ben die verfchiedne grade, : fhrage und. Querfpalten, welche ein 
Schulterblatt im Feuer befümmt, auszulegen find; und bey. den 
tomaten ift auch ein befonders Gebet an den Gott der Aerzte 
ODtatſchi vorgefihrieben, welches wahrend der Beit, da das Schul⸗ 
teeblatt auf der Kohlenglut liegt, hergemurmelt wird, — Die 
beften Schulterknochen zum prophezeien. find die von Schaafen 
Yon der Saiga, von Wehen und Rennthieren. Ein Maſenſchul— 
Kecbfast: fol nur auf einen Tag zum weißagen faugen, und das 
Bon wilden Schweinen iſt nur auf der Schweinejagd, zur Vor⸗ 
herfagung des Gluds der Jagd, zu gebrauchen. Ein jedes Schuls 
terblatt muß, nachdem es mit dem Fleifch gefoche ift, nicht mit 
von Zähnen abgenagt, fondern mit einem Reſſer fauber und rein 
gefchabt werben. Wenn die Kalmüden für eine abweſende Pers 
fon ‚in Schulterbiatt brennen mollen, fo wird es dem er... 





m erfahrnen Jauruntſchi nennen, IR im erfien Theil meiner 

©. 393 erwähnt worden. Wahrſcheinlich war es diefe Schul 

tät ı Bahrfagerey , wovon Jenkinfon  (beym Witſen Ate Ausg. 

©. 490:) Vey einer tatariſhen Caravane Zeuge war und bie eintrafs 

aber von ihm .unzichtig eridhlt wird, — | - 

@) ©. Voyagenr Prangais Tom. 19. Wenn es wahr if, daß ein Dffie 

cier vom Regiment Lally, der im nordiichen Yadien geweſen, «ine 
N | ſchen und Eiriſchen Sprache benerkt 


der Zangufi 
‚ babe 1, wäre die Hertuuft dieſes md audrer in Irland noch, 
—* Werglanben lciht un ern aren 


° 
= 


352 Aberglaͤubiſche Bebichurche. j 


Beisagunge ſchi zugleich mit irgend einem Kleidungsſtuͤck oder Gausgeraͤth ber 
Kinfe nr Perfon, als Ghai * Borbild derfelben, gebracht. Das Ani 
fihen Ber terblaft wird auf gut ausgebrannfe Kohlen gelegt,: bis es, nad 

- "der Erfahrung des Dalladſchi pinlanglih Die Riſſe befommen 
hat, aus.deren Lage, Proportion und Berbindung er die Bufunft, 
den Ausgang diefer oder jener Sade, Gluͤck und Unglüd, Leben 
oder Tod verfündigf. Sonderbar genug iſt es, Daß dieſe Art zu 


Yfiens in großem Credit ſteht. 
Ohngeachtet der Mannichfalkigfeit der Aiffe, die ſich fheils 


durch die Lage des Knochens, theils durch Die verfchiedene Verthei⸗ 


Iung der Glut und den Luftzug bald fo, bald anders erzeugen, 

find Doch getviffe Haupflinien beſtimmt, welchenſ ſie ſich nähern, und 

die bey den mongolifchen Bölfern jede ihre eigne Bedeutung und Ber 

nennung haben. Ich Habe die Hauptlinien, welche ſich in den verfcies 

denen Fallen bald in diefer, bald in jener Zahl und Berbindung 

Platte no. erzeugen, alle beyfammen auf einem Schulterblatt vorzuftellen 
Sig. LU. 3. nicht für überflüßig gehalten und will hier deren Venennungen 
und Bedeutung mittheilen, tie ich fie von erfahrnen Weißagern 

habe erfragen koͤnnen: ee | 
a) Amin Chalga (der Weg des Lebens) ift der Lebenszug oder 


die finie der Gefchifte, mit den “Nınderniffen und Umftän 


. 


den die dabey vorfommen kennen. 
b) Deufet befonder8 auf Hinderniffe und Ungluͤck wenn dieſt 
Spalte vorhanden ift, die Booduk heißet: 

6) Deutet auf den Tod 'elries Fürften; ch eines Saiſſan oder 
Edlen, e) eines gemeinen Mannes und f) eines &flaven, die 
erfte Spalte wird Ach = gall, die zweyte Dundu » gafl, die 
dritte Adyk⸗ gall und die vierte ſchlechtweg Ball genannt. 

'an der Rippe des Schulterblattes bedeutet: 

8). Mängnd bair geſchwindes Giuͤck; I 
n) Späferes Gluͤck; Fi: —— 
i) Maͤngnaͤ aſchida, das allerſpaͤteſte, über ——— Städ. 
U non) Ehe: 


weißagen fepr oft zufrift, und Daper bey den rohen Voͤlkern 











md Weißagerey. 353 F 


X) Thudurga (Schwanzriemen am Sattel) bedeute. Hinder, Weifadunge ° 


niffe umd Derzug. ee j 


1) Tenggnaͤ— Daiſſum, iſt' die Streit wid Zagdlinie, und wenn hhen Woͤller. 
„Die Riffe „von beidenSeiten der Rippe zuſammen flogen-oder 
mehr oder weniger von einander entfernt bleiben, daß = 
Partheyen entweder zufammenfloßen werden oder nicht, 
Die Jagd werde gut oder ſchlecht ſeyn. 


:m) Ein am Balfe des Schulterknochens erzeugter Riß Zalma 
(Schlinge) zeigt entweder den Tod eines Kranken an, ‚oder 
"dag man verlohrnes Bieh "bald wieder bekommen werde. 


2) Die Gelenkhoͤlung am Knochen wird Chaiſſan (der Keſſel) 
Zenannt und bedeutet Fhrfle :Sder Das Gegentheil, je nachdem 
ſich darin Zeichen‘ finden laſſen. 


Auf der «untern Beite des Schulterblattes, wo ſich weniger 
Riſſe zu erzeugen pflegen, bedeutet: 


.00) Die Eintwärkung böfer, übelthätiger- Dale Tſchetkuͤrin 
Chalga). 


PpP) Beyſtand guter Beifter (Tenggrien Ehilge) und 
endlı 


9) Saͤnggi, Machrichten und zwar! wenn es ein "einfacher er 
ft, fpat; iſt es aber win Kreuzriß, Baldige, 2 s * Yan an. | 


| duf dem andern Schulterblatt find dieſe Riff mif indes 
rungen, wie fie fih für einen Kranfen zeigten, 0 
3) IM auch hier Amini⸗ Chalga; 


9) Terrien-fam: Chalga oder Ollon⸗cholga, Sacehen die 
zum beben führen. 


Zweyter Theil. Yu) 3) Dat⸗ 


PP un m u ur Zen 
. 
P 


Ce Weißagerey: 
Weißagunge 3). Dallain⸗ Daiffun, Anfechtungszeigen; 


Kuͤuſte der 
mongolis, 4), naie; zuvor. Aſchida,, Dauer. des: Gluͤcks und‘ Lebens;: 


ſchen Voͤlker. 
| 5). Serkirin.©bo,, Zeichen. bojer: Geifter. die. nad; dem. Seben: 
ftepn.. BAR - 
6). Sind. diefen. Teufeln: entgegen: gefeßte. Ziichen eder · Boodok 


7). Gal⸗ Bajar; deutet auf. baldige: Geneſung; eines: Kranken. 


8), Iſt Hier. Chudurga: und Vorbedeutung; noch fortdauernder 
Schmerzen, die. doch nicht: toͤdtlich ‚werden.. 


9% Sind die obgedachten. Tengrien: alligaͤ, oder. Kiffe. der. gu- 
ten Geilter.. | 


® 5 „r 
x: 


Einer andre Art zu meißägen geſchieht, nach: der Vorſchrift 
eines; Buchleins.. Belgen: Bitſchik vermittelt neun: gleich Langer: 
aden, an deren einem.eine Koralle. am Ende gefnüpft. iſt. Die: 
fe. nimmt ver, We.fägende; unter. Berlefung: gewiffer. Beſchwoͤrun⸗ 
gen, indie linke: Hand;,, zwiſchen den Daumen; und Zeigefinger 
und: fchlingk: fie, ohne darauf. zu fehn,. mit. der andern. Hand: 
dur einander, windet: alles zujammen. einmahl: umd den Zeige: 
finger. und zieht aufe gerathewohl einen: Faden nad dem: andern: 
zprfhen:den Fingern hervor... Se. nahdem:nun der Faden mit. 
Koralle zuerfi,, oder. noch zwey, drey oder. mehr Faͤden Die Reihe 
trift, darnach fallt, nach. der. ſchriftlichen Auslegung, die Ent- 
ſheidung, aus. 


*: »- 
F &. 


Viel! 





— 


Weißagerey. | 355 


Biel verworrener und kuͤnſtlicher iſt das Weißagen nach ger Weißagunge 
wiſſen aſtrologiſchen Tafeln, zu melden ein helzerner Wuͤrfel, Künite der 
den an jeder Seife ein befondser, Indianiſcher Silben» Charafter — 
eingeſchnitzt iſt, die Anweiſung ‚giebt, und deren Erklaͤrung für ſchen Voller. 
dieſe Samırlımgen zu weitlaͤuſftig ſeyn wuͤrde. Das Berfahren 
dabey Hat mit der Punctirkunſt etwas aͤhnliches, erfordert aber 
fepr viel Umitande, Eombinafionen und Berechnungen. Es ‚giebt 

.» mehrere Arten von Tabellen zu dieſer Weifagerey, deren jebe 
ein verfchieones Verfahren erfordert. Diefe Art, aus dem roofe 
zu meißagen, fchreibt fih aus Tybet her, und wird von den mon⸗ 
golifchen und Kangutijchen Pfaffen Sohi genannt, 


_ 


Yuo Fuͤnf⸗ 


fe Reber »bie Litteratun- · | 
Fuͤnfter Abſchnitt. 


Urber die heutige Litteratur und wiſſem— 
ſchaftliche Kenntniſſe der mongoli— 
ſchen. Bol fer... 2 


Ni zu Dſchingis Chans Zeiten waren alle mongoliſche Staͤm⸗ 
me in der tiefſten Unwiſſenheit und. Barbarey, haften unter ſich- 
weder Schrift noch wiſſenſchaftliche Kenntniſſe und übten keiue an⸗ 
dre Künſte und Handwerke aus, als die zum Bau ihrer Muͤtten⸗ 
geruͤſte, zum verfertigen der. Filze, zum gerben der elle, zum: 
ſchmieden kleiner eiſener Werkzeuge und Waffen dienten. Erf: 


durch ihre Kriege wurden ſie mit dem benachbarten China und. 


Dybet dekannt, und erhielten daher, zugleich mic der, lamaiſchen 
Abortteren,. melde. Dſchingis Ehane-Nachfelger in der mongoli— 
(hen Monarchie ſofort beguͤnſtigten, eine Schrift und einige aſtro⸗ 
logiſche, mediciniſche und. hiſtoriſche Kenntniſſe. 


Die Latftehung. der Litteratur-Kenntniſfe unter den Mongo— 
DH die im Norden von China wohnen, . und. dafelbe vormapls; 

hHeherrſcht haben, (denn die. weftlichern, fo. wie Jauch die Kalmuk 
ten, find viel fpater zun Schrift und ‚zum Lamaiſchen Glauben: 
gelangf,) wird in’ einem mongolifhen Werk, unter dem Titel: 


Bruͤllba Sſaagdſha⸗ Bandida jän gargakfen Monggol Lieffük*y- 


sder des Chubilgan Sſaa-goſhah⸗ andda neu eifundene mon- 
goliſche Littaratur folgendermaßen erzaplt:; | 
| 


„Or 


— —— 





(hing Nairab./tub. verfaßt worden. 


(* Nah: dem Titel. If :Miefeß "Wer unter dem. vietten Sander. Date. 





L) i 
und Kenntn ſſe der Mongolen‘. BT 
20985 : Tfchingis - Chan (tie er von den Samen genannt 
„wird,) bafte fhon an den Sſah⸗Goſhah⸗Lamma, Dibibfuns 
»Sfotnem.: Sih- mön.(*) eine Gejandfchaft abgeferfigt, mit 
„wenn Befehl: Kier in meiner Monarchie beruffe ich dich zum: 
„san. und. Seeljorger. Ich werde ſelbſt Bejihuger des Glaubens 
„seyn und wir wollen Regierung” und Religion mit einander vers 
„ginigen.. Alle Elerijey ın Tydet ˖ ward damals: auch von Abgas 
„ben Ifrey erflart und obgenannfer Lama verfpradh demnach zur 
„QAusbreiting der Cultur unser den rohen mongofifchen Bolfern 
„alles beyzutragen; obwohl zur felbrgen Zeit die Samaifıhe Go: 
„genlebre in der Morigoley noh nicht allgemein ward, Die nach— 
„der Mengkoͤ-Chan ferner zu beguͤnſtigen ſuchte, ünfer deſſen 
„Regierung ‚der Tybetiſche Dfhalbaın » tama Burma Dühfamke: 
„ſchimba befonders.am Bekehrungswerke arbeitete, - Allein nicht 
„ur damals, fondern auch unfer Ehubd4&: Zezen- Ehan tft noch 
„Feine Religionsfhrift im Mongoliſchen, zum Borfchein gekommen; . 
und obgedachfer Sama- ftarb Daruber weg, Es trug fid aber 
„unter Diefer Regierung zu, daß der ſechste und fiebende jüngere: 
„Bruder: Chubila-Zezen-Chans Don dah und Bundan mit 
„einem Heer alle ſineſſſche $andfchaften an der: Granze des Landes 
‚ „SchiliE eroberten und- ihren Siß in Lien- dfon anfichlugen: - 
„Sie hörten vafelbjt viel Ruhmens von einem Sſagdſcha⸗Ban⸗ 
„dida oder Gon⸗ga⸗Tſchalzen, der auch auf der Seife von 
Indien mehrere Ungläubige befehrt haben folle, und im "Tüs 
„bet Nachtolger des von Tſchingis-Chanvormahls berufenen 
„sama ſey. Diefen befihloffen die Brüder zu fih 'zu-holen, und 
„Dondah.gieng zu dem Ende felbft mit einem Heer nach Tybet. 
„Diefer Einladung war nicht zu twiederftreben und unfer Same. 
„nahm .fie mit. fheinbarer. Greude. und. als Erfüllung einer Vor⸗ 
Ä — „Pers: 


\ 





— —— 


\ 

(* Son ein Inbiauiſcher oder Acnetkaͤkſcher Chubilgan (tangutiſch Bruͤll⸗ 
bs) oder Chutukta (tanzutiſch Paggba oder Bub) geweſen ſeyn. Das 
dem. Tſchingis beygelegte Ehrenwort Bogdo bedeutet: den allerfuͤntreflich⸗ 
fin... und... hochcrhabuen Veherrſcher und iſt⸗eben das ,. was im Tanguti- 
(den Djhibſun fagen.mwill.. —— 


— 


a Uueber die Litteratur 


Es erzaͤhlt aber bige Schrifteferner: Chubilaͤ⸗Zaͤzen oder 
Sſchadſhin⸗Chan habe nachmals einen gewiſſen Pagba-Lams 


aus Tuͤbet zu ſich eingeladen, deffen.Ruf Damals in -jenem tanz 


„oe fehr groß war. Die Mufter des Ehans habe fich von diefem 
„tama zum ‚egbefanifchen Glauben einweyhen ;laffen, und auf ihr 
„Bureden «habe auch endlich der Eha ı denſelben angenommen und 
„den Paggba-Lama zum :vornehmften Geiſtlichen im Reid er: 
„nannf. Dieſer habe ‚nun auf Zureden des Chans, .melcher gern 
„net mongoliſchen Nation iden Vorzug, ‚eine eigne Schrift wie 
„andre Voͤlker zu «haben, ‚verfchaffen wollte, die ſogenannte viers 
„ectigee mongolifcye ‚Schrift zu erfinden und fahigen jungen Leu⸗ 


„ten zu lehren angefangen. — . .Erft zur Zeit des folgenden 
„Weltregenten Deifdtk = Chan .ergieng von dieſem der Beſehl an 
| J— | den 

# Fin 4 





. 


(?) Die nordliche Gegend konnte auf die Mongoley und die Falkenmuͤte 
und Schmeinsfüpfigten Stiefeln auf die Dauriſchen Gehürgmongsies 
füglid) gedeutet werden. 





ımd Kenntniſſe der Mongolen. 359 
„den Sa⸗gdſha Godjſhoͤh goſhi Odſir, daß derſelbe die Lehre 
„von den Burchanen und ihre Glaubensbuüͤcher ins Mongeolif he 
‚„überfeßen und dazu’ jene: vietedigre: Sihrift, Die man Damals 
„Shoordfit nannte, anwenden. folle.. Der: tama bemühte fih aber 
„umfonft: mit diefer: Schrift Das. anbefohlne. zu leiſten, weil das: 
„mals die tangurifche Schrift: Die man Bigue(*):nasnte;- in vel- 
„ligem Gebrauch war. In diefer: Beriegenheik: ſachte er obige: 
„durch ˖ Sſagoſha⸗ Bandide: erfundene: mongolifche: Schrift, durch 
„Erfindung, der. noch fehlenden. Buchſtaben alfo’zu'vernoilfommen, - 
„daß' fie: zum: Ueberſetzen der: Tangutifhen Werke dienen: konnte, 
„unter: welchen: er. mit’demigroßen Buch Bangſha? Raktſcha ven’ 
„Anfang: machte... Alleinzer mußte auch— itzt noch: verſchiedne Aus⸗ 
„druͤcke mit: Oiguriſchen⸗ ( Tobetifchen Charactern andeuben.“ 


dern nächftfolgenden: Chaiſun⸗ Kuͤllik⸗ Chan: der Mongoa 
„len war felbft: ſchriſtgelehrt, und. bemuͤhte ſich nun in Gemein⸗ 
„ſchaft mit: gedachten Gdoſhoͤhe goſhih⸗ Otſir die Schriſt! zu ver⸗ 
„beſſern; und ‚die: Lamaiſche Religion unter‘ den Mongolen auszus- 
„breiten ; usvelihem Ende noch mehrere-Sehrbücher-uberießt-murden.’’ 


Mir' find” überhaupt? unter den‘ möngofifchen Bokferfchaften, Schtiftarten 
fünferleg vormals oder. itzt noch ubfiche Schri ftarten⸗ befannti ges die unter den 
morden,. Dies erſte iſt: das fogenannfe Aenerkaͤr oder: Indianiſche, "ya \oen 
welches mit dem  Dewanageram’ und. dem - Balabandifchen‘ (* Tore 
die’ meiſte Achnlichkeit, hat- und: bloß" zum Schreiben der: fogenannz Hatte Sr. 
tin Tarni ‚over. Gebets- und Befhrvorungsformeln gebraucht wird, Num. x. 
um :felbige in ihrer. ganzen! Kraft und Bolllommenbeit aüusyyOrus 
den. Diefe Schrift wird, fonderlich zu' Amuleten auf’ mander: 
leg: Art figurirt; ich ftelle- aber- nur. Die: gemohnliche: Bildung we u 

| funfz : 





(*) Bigur- fol -dazumahl die: Benennung; der Tyhbetaner! geweſen ſeyn. 

{2*) (Sculsens) : Orientalifch = und occidentalifcher Sprachmeiſter, 
welcher nicht allein hundert: Alphabetd, nebft ihrer‘ Ausſprache — fon, 
dern auch das‘ Gebet des Herrn in 200/Sprachen und- Diundarten ı 
mitthilt. Zeipzig. 1748; 800. ©. I25.- 


d * 


ggg — — — — —— r 


368 Zr tleber bie. Licteratur 


Schriftarten funfzig einzelnen und Silbenbuchſtaben, welche fie enthaͤlt⸗, var 
‚die unter den deren Ausſprache und Unterſchied oft eine große Auſtrengung der 
mongoüfhen Sprachorgane er fordert. 


Voͤlkern 
uͤblich. 
Platte 21. 
Mum. 2. 


Dre Tangutiſche Ouadratſchrift, welche gleich unter dem 
Aenetkek vorgeſtellt iſt, wird im Tybet zu wichtigen Hand- und 
Druckſchriften allgemein gebraucht. Bey der Mongolen und Kal- 
muͤcken ſind alle langutiſche Gebete, die wan beum Goͤtzendienſt 
herſagt, und viele andre geifttiche Schriſten in dieſer Schrift und 
Sprache geſchrieben, Die auch deßfalls cin ‚jeder Geiſtlicher Schi: 


der herzuſchreien lernen muß. Bey den Mongolen, Die auch noch 


0 
x 
- 
+ 
u 


geborne Tanguten unter ihrer Geiſtlichkeit haben, verſtehen eini⸗ 
‚ge aud "die Sprache :mehr oder weniger; allein unter ven Kal: 
muͤckiſchen Geiſilichen babe ich ſaſt keinen gefunten, der ſich ruͤh— 
men durfte ein Blatt fangufifch überfeßen zu fonnenz dieſe Geift- 
lichkeit verrichtet die fangutifchen Gebrter mit eben der Unmiffen 
heit, wie ein Katholiſcher Laie feine; luteinifche Gebete Webrigens 


uf die Nachricht Larmanns Sibirifehen Briefen, daß das Tan⸗ 


gutifche nicht allein von der linken rehts, fondern auch von oben 
‚herunter gefchrieben wird, eigentlich von dem Gallik deffen gleid 
erwoaͤhnt werden fol, verſtanden werden, welches wie “auch das 
rechte tangutiſche, in mongoliſchen Schriften oft nebenher ange: 


| bracht wird. Daraus aber folgt nicht, daß die tangutiſche Schrift, 


wie der P. Georgi ed damit fo gern, als mit der Lamaiſchen 
$ehre, in feinem Alphabeto Tybetane , machen möhfe, von den 
Soriſchen Neftorianern herzuleiten ſey. Vielmehr oͤhnliches hat 
fie mit -den Indianiſchen Alphabeten, die ebenfalls Laute uw 
Silben ausdruden, und .alfo won Eprifchen der ganzen Natur 
nad verſchieden ſiad. Und warum ſollten ˖wohl Die Tanguten aus 
der Ferne her Schriſt und Glauben entlehnt haben, da ſie beides, 
und fo viel aberglaäͤubiſche Fabeln, als fie nur mochten, bey ihren 
ſüdlichen Nachbarn, mit welchem fie natürlicher Weiſe frühe Ge⸗ 
meinghaft ‚haften, aus der erſten Hand haben Fonnfen. Uebri⸗ 
gend haben Die fangufifhen Buchſtaben bey den Mongolen ver: 


sfihiedene eigne, von ihrer Figur hergenommene Benennungen, 


die zur. Erleichterung für ‚die -Augend gebraucht werden. So wird, 
zum 





t 


Kalmüden ift fie gar nicht befannt. Im Tobee aber ftheint fie 2 





(*) ©. oben ©. 154 U. 154, | r 
Zweyter Theil, Bo 


[4 
“ 


369 - Weber die Litteratur 


— 


Schriftarten lichen Mongolen noch ublih, melde die Kalmüden Chudmu 
die unter den nennen und weil ſie ohne Punkte und ſonſt undeutlicher iſt, 
re ſchwer leſen fonnen, da bey meniger beftimmten Schriftzei: 


Voͤlker 
uͤblich. 
Platte 21. 
Rum, 5. 


chen hin und wieder mandhes errathen werden muß. BDiefes Wong: 
gol nun wird durchgangig von oben nach unfen gefihrieben und 
gelefen, und die Burhitaben jede Wortes hangen in einer Linie 
zufammen, welches wirklich eine Wehnlichkeit mit einem Kerbpol; 
giebt. Baier war der Meynung, daß Diefe Schrift aus der Sy— 
rifchen entftanden ſey. Wenn. man aber bevenft, daß das India: 
nifche zumeilen und das Maraftifche Durchgangig in ſenkrechten 
finien zufammenhangend gefchrieben wird, Daß die Chineſer und 
Zapanefer von undenflihen Zeiten her ihre Character eben fo 
ordnen, und daß Die Aehnlichfeit der Syriſchen, mit der mongo⸗ 
liſchen Schrift vielleicht mehr von einem gemeinſchaftlichen Ur: 
fprung, aus Dem Wltperfifchen oder Parthiſchen, vielleicht auch 
irgend einem noch altern Wphabet, herrühren fann, fo laßt fid 
aus einer ſolchen Wehnlichkeit nicht fliegen, daß diefe Schrift 
durch Syriſche Neftorianer in die Mongoley eingeführt worden 
ſey. Man könnte eben fo viel Wehnlichkeir zwiſchen den Hebrai- 
fhen und Tangutifhen oder Enetfok finden; man fonnte fagen, 
Mofes habe feine Weisheit, wie Pyrbagerss, aus Indien, wo 
noch igt Die Sandfchaft um Benares, Madian genannt mwird, ge- 
holt, und mas dergleihen mehr ift. 

Wie dem immer fey, fo ift Die mongolifhe Schrift ſowohl 
für geiftliche, aus dem Tangutiſchen überfegte, als für gemeine 
und BHiftorifche Auffaße Durchgangig in Gebrauch und zmar bey 
den Kalmüden, durch einen gewiſſen Arandsſhimba Chutuktu, 
verbeifert und deutlicher. Diefe Schrift wird auch den Kindern 
ver $aien, Die eine Zeitlang bey den Geiftlichen in die Schule 
gehn, gelehret. Weil aber in geiftlihen Schriften viele Tangus 
tiſche und Indianiſche Formuln und Namen vorfommen, die mit 
den gewöhnlichen, für Die mongolifche Sprache hinreichenden Laut⸗ 
und Sylbencharactern nicht Fraftvoll genug und nad aller Subti⸗ 
litat der Ausſprache gefihrieben werden konnen, fo hat man zu 
dem Ende noh Eharaster erfunden, welche Die Eigenheiten jener 
Sprachen auszudräden Dienen und die insgemein Gallik genannt 

: mer 


— 











und Benntniſſe der Mongolen, 363 ° 


(erden. Das izt in Epina im gemeinen feben ſehr gerwößnfiche © riftarten 
Mandfchurifhe wird mit einer dem Mongolifgen dem Anfgein die a | 
nach apnlichen, in fenfrechten .tinien zufammenhängenden Schriſt Be 

ausgedruͤckt; allein die Züge derfelben find tut bie —— vol Wwi 


lig unlesbar. 


Die Mongolen fheilen ihr Alphabet in Die zuerft dur 
Sagdſha⸗ Bangida erfundnen 44 Grundbuchſtaben oder Iſa— 
guhr, und die neuern, durch Bogdo⸗ GSdſhoͤgdſhi⸗Giſirr hin⸗ 
Jugefuͤgte 56 Vuchſtaben ein. Jene ſi fi nd mit ihren Eparackern 
folgende: 


A.» Las T ba. D cha R ru 
3. St bä u de 2,2 


chi. 
[s 


D 
A Die 
‘a A T 
mä 1ä rä ſsã di A 
J li. F > föi. NS di L 
LA 
wo U - 
i A a, 


u. 


08, 
=> 


BE 


zi. 


7 


369 - | Weber die Litteratur 


1. 


Schriftarten lihen Mongolen noch ublih, melde die Kalmüden Chudmu 
bie unter den nennen und weil ſie ohne Punkte und ſonſt undeutlicher iſt, 


mongoliichen 


Voͤlkern 
uͤblich. 
Platte 21. 
Num. 5. 


ſchwer leſen koͤnnen, da bey weniger beſtimmten Schriftzei⸗ 
hen hin und wieder manches errathen werden muß. Diefes Mong⸗ 
gol nun wird durchgangig von oben nach unfen geſchrieben und 
gelefen, und die Burhftaben jedes Wortes bangen in einer finie 
zufammen, welches wirklich eine Aehnlichkeit mit einem Kerbhol; 
giebt. Baier war der Meynung, daß Diefe Schrift aus der Sy: 
rifchen entftanden ſey. Wenn. man aber bedenkt, daß das India: 
nifhe zumeilen und das Marattiſche dDurdigangig in ſenkrechten 
finien zuſammenhaͤn gend gefchrieben wird, daß die Chineſer und 
Japaneſer von undenklichen Zeiten her ihre Character eben fo 
ordnen, und daß Die Aehnlichkeit der Syriſchen, mit der mongos 
liſchen Schrift vielleiht mehr von einem gemeinfchaftlicden Ur: 
fprung, aus Dem Wltperfifchen oder Parthiſchen, vielleicht aud 
irgend einem noch altern Alphabet, herrühren fann, fo laft fid 
aus einer ſolchen Wehnlichkeit nit fliegen, daß diefe Schriſt 
durch Sprifhe Neftorianer in die Mongoley eingeführt morden 
ſey. Man könnte eben fo viel Aehnlichkeit zwiſchen den ‚Hebrai- 
fhen und Tangutiſchen oder Enetkok finden; man fünnte fagen, 
Mofes habe feine Weisheit, wie Pyrbagoras, aus Indien, too 
noch ißf Die Landſchaft um Benares, Madian genannt wird, ge: 
Holt, und mas dergleichen mehr ift. | 
Wie dem immer fey, fo ift die mongolifhe Schrift ſowohl 
für geiftlihe, aus dem Tangutiſchen überfeßte, als für gemeine 
und hiſtoriſche Wuffaße Durcdgangig in Gebrauch und zwar bey 
den Kalmuden, Durch einen gewiſſen Arandsfbimbe Chutuktu, 
verbeifert und deutlicher. Diefe Schritt wird auch den Kindern 
der Saien, die eine Zeitlang bey den Geiftlihen in die Schule 
gehn, gelehret. Weil aber in geiftlihen Schriften viele Targus 
tiſche und Indianiſche Formuln und Namen vorfommen, die mit 
den gewöhnlichen, für Die mongolifche Sprache binreichenden Laut⸗ 
und Splbencharactern nicht Eraftvoll genug und nad) aller Subti⸗ 
litaͤt der Ausſprache gefihrieben werden konnen, fo hut man zu 
dem Ende noh Eharaster erfunden, welche die Eigenheiten jener 
Sprah:n auszudräden dienen und die insgemein Gallik genannt 
Ze wer⸗ 


— 























und Kenntniſſe der Mongolen. 363 


werden. Das itzt in Ehina im gemeinen $eben fehr gewoͤhnliche Ech riſtarten 
Mandſchuriſche wird mit einer dem Mongoliſchen dem Anſchein die unter den 
nach aͤhnlichen, in ſenkrechten Linien zufammenhangenden Schriit ke 
ausgedrüdt; allein die Züge derfelben find für die Mongolen dols Tony, 
fig unlesbar. a 

Die Mongolen fheilen ihr Alphabet in vie zuerft dur 
Sagdſha⸗Bangida erfundnen 44 Grundbuchſtaben oder Iſa⸗ 
guhr, und die neuern, durch Bogdo-Gdofhoͤgdſhi⸗Giſirr hin⸗ 
zugefügfe 56 Buchſtaben ein. Jene find mir ihren Charactern 
folgende: | | | 


A. ‚na ‚9 ba | cha ® &a « : 
ä, Li ww: — 2 
ni. A bi. 


—8 

* ? 

ma. 8 la ra XCT 
* " ä AL i 
mi. li. rn. A Si. 
AU 

N 

Au 


⸗ 











364 | Weber die Lirterauur 


" Ghriftarten Die neuern Buchftaben oder Sylbencharacter werden in Tſchan⸗ 
bie unterden ga oder Teich und friſch auszufprechende, mit Dem Selbitlauter a. 
tie tormirfe und in Ruͤnda (ſchwer auszufprechende) gerheilt. eve 
al, :diefer Elaffe enthalt 14, Abanderungen, deren jede hinwiederum 
auf 'die Selbftlauter o. und u. umd die Dippfongen v und ü. ab: 
geändert werden und alfo 56 Beranderungen darftellen, wie in 
nachftepender Tabelle zu erfehen iſt: Ä | 


— Aus gä Aug na Ausg nä 
entſteht ä ö entfteht dö | entfich 4 no entſteht 'dnö 

unddü md dü ) mtd'mu und' 'gnü 
Yus_4 ba Aus, bi Aus ze cha Aus > kä 
entſt. d bo entf, Pbö entſt. echo entſt. »O kö 
und & bu und 2 bü” und 3 "chu | | und "D kü 


— 





entf. 2 go entſt. Dgö | entfl. mo entſt. A mö 
| und} gu und Ogü ud f mu und g mü 
Aus F Ia Aus /lä | Aus ra 0 Aug rä 
entſt. lo entf. \YIö | entf. ro entſt. 4 rö 


und $ Is und ra lü und d ru und 9 rij 


Aue ſſsa Dis Aus 4 A: ? dä 


entſt Iso entft. > (55 entſt. 4 do entſt. Avdo 


und [su | ZT ſsii und du und 4 dü 








und Renntniffe der Mongolen. 365 


Aus . Aus \ Aus; A 3% Aus g ja Sörifteten 
bie unter den 

entſteht 2 to entſt 2 entf. AL jo entft, 4 jo han 
und tu = tül md A ja, und, 4 jü Se 


———— es — Ten — — — —— — — — — 
Must za Au zä | Aug A Aus ſaͤ 
entſteht "zo entfi. y zö Rz entſt. 4 IL 
| zu unt d zu] um HL ſu und 4 fir 
fe i. Ur _ Hiemie find der Elaffe 14 Tſchanga 


i=0 
Buchftaben , er .d. die gefchwind; gelaͤung, friſch auszufpres 
RR forwopf, als die ä = Claſſe mit — 14 ——— 
Ä 


v 
Bucflaber, ( Mit Nachdruck ſchwer — jeder der 
2 und ä durchgaͤngig mit zwo neuen verwandelt und vermehrt 
worden; und dadurch in ollem eine Anzahl von 56 Burhftaben, 
tvelche ſammt Yen erfter 44 Iſaguhr, Grundbuchltaben des Sa 
Gjdſcha Bandida zufamms 100 ER ausmach ben; 
wir in nennen.“ 


Zur voͤlligen Beh dieſes Splöen- Alphabets fehl⸗ 
ken noch verſchiedene, zum Ausdruck aller Worte der Sprache uͤn⸗ 
entbehrliche Character, die denn auch bald darauf, durch eben 
den — zu Stande — wurden. Zum Beyſpiel: 


Es x : ; 
Da betam oben linker Seite ein Dr netzeitt ai g sand 


+ 


wur 


366 | Ueber die Litteratur 
Sqriftarten wurde Pa genannt. Ä_ ßa kriegte oben rechter Seits step 


Die unter den 


a. 
bie. Struͤchlein, als ; und wurde zu Scha verwandelt. Der 
Buchſtab Ja, welcher nicht nur Ja, ſondern auch ein wei⸗ 


ches fa bedeutere, blieb ein Ja allein, und ſa wurde alſo 


ſa erfunden und beſtimme. Dieſe dritte Buchſteben. Vermehrung 


an ? pa 0“ und . twuıde fodann die Zte und leße 


. te Elaffe der Iſaguhr (Grund) Buchſtaben genannt und einge⸗ 
führt. Us z. €. 


FT M̃e⸗, m Dr: Pl a” yon 
I” = ze zw z sihn, J 
Ze 

ı% U fi, ri 4* ſo, ſu, d ß8, q fü. 


Endiich denen beiden 4 } ng L hanget oben über 
i * 


med 


m Gemein Hann sn Ei GEEEREE Em —————— a 





und Kenntniſſe der Mongolen. 367 


noch ein fimples Strichlein an, und unfen verbindet die ar 1. — | 
die unter den 
Unterlage noch damit; fo entftehf daraus der fehlende Buchſtabe mongolifeen 
R , | — [fer 
Jaͤhr. Alſo erwacht auch aus diefer fernern Dermehrung die. ab 


Zapf der Buchftaben bis auf 193 Hin an; zu melden die legten 
zween, (die ſchon unter die Elaffe der untern folgenden ſagen: 


ng | 
Debester Vefück gehoren,) fi 4 u. 4 Je mit gerechnet - 


worden, | F 

- Die Debeskerr oder Endigungs = Buchftaben find ein nicht we⸗ — 
niger weſentlicher Theil des mongoliſchen Alphabets, und machen 

die dritte Claffe deſſelben aus, wenn man die felbftftandigen Bo: 

calen (Aegaͤſchik als a, &, i, 0, u, $, und u in Die erfte, und 

die Conſonanten (Gaͤgooluktſchi) zum Exempel na, ba, 

cha, ga, ma, u. ſ. w. in die zweyte Elaffe fest. Diefer Debes: 

tere Buchftaben find dreyerley Arten, namlıd: Tichange - Des 

besterr, die laufen oder lebhaften: 


% 3 ıp i ac %am 9 al, ga geh. | 


We 3” & o-u und m ang. eilf an die Zahl 


welche alle wegen ihrer Zufammenfeßung, als Doppelbuchſtaben 
anzunehmen find. Verner, die eilf Rundu = Debeskerr, Nach⸗ 
druds - Endigungen, als: 


44 gi» 4 ü, Kam, ih Hir, PA 
3 äd, Pi— Eu und 48 2 


. Ende 





368 Veber die Lirterarur 
Schriftarten Endlich die accentuirten Endbuchſtaben Debosker⸗ — 


die unter den welche theils laute, theils ſchwere oder mit Diphtongen ver geſell⸗ 
ride (haftete find, Folgendes find Die Lebhaften:, 


—* anà abà, | — Valuà, 
Zar, a atä, 4 ala, au-a, 


N, 
Aa und 1 ı : 
— — 
Die oder a a od 4-2, .g äb-a, 
€ N) N. 
* am-à, a-à, ara gäch, 
— J— 4 us) — 
— eg 
Ku e Ä TR 


Zu‘ allen dieſen kommen — vler beſonden Debecrerr Orkiza: 


an-u, an-ĩ, än-u. und / än-l, 
5 AL — A 


wel⸗ 








and Renntniffe der Mongolen. , 369 


welches in affem 48 Endbuchftaben ausmacht, ohne die fogenanns Shriftatten 
ten Saarmak oder Aerſu⸗ Buchſtaben, welche ſaͤmmtlich aus die unter deu 


der Elaffe des i. gebildet merden und an Der Zapl vierzehn find, er As 
die man in männliche, nach einem vorhergebenden fauten Bora: npyg, 


fen folgende, und weibliche die auf einem Diphtong folgen eins 
theilt, als: | Bye 


abafchik, und 4 "gäfchik. 


Die Morgolen fehreiben, fo wie Die Tangufen, und India⸗ 
ner auf einzelne, vor 6 ZoT bis anderthalb Fuß fange und Hode 
ſtens fünf Zoll breite, einzelne Blaͤtter von dirkem chineſiſchen, 
oder europaiſchen Papier, dergeſtalt daß wo auf einer Seite Die’ 
ſenkrechten; dem kurzen Diameter parallellen Zeilen aufheren, auf 
der andern Seite, wenn Das Platt umgeſchlagen wird, Die Zei⸗ 
len an felbigem Rande anfangen. Am Anfange und Beſchluß eis’ 
nes Buts bleibf eine Seite rein, aufer Daß etwan zumeilen ‚der 
Titel des Buchs auf der erften Seite ſteht. Alle Blatter eined 
Buchs werden .gemeiniglid in em Stuͤck Baumwollenzeug von 
dunfler Farbe eingewickelt und mit Schnüren ummunden aufbewahrt. 
Sie bedienen fih, ‚zum fihreiben,, aus Indiſchem Rohr gemacdh: 
ter Federn, Die fait wie die unfrigen zugrfihnißt und gefpalfen 
find; nicht des Pinfels, mie die Ehinefer. Statt des Dintenfaf 
ſes dient ihnen ein großer mif Dinfe getranfter Pinfel, ven fie 
in der Finfen Hand halten, Ihre Dinte ift die Chineſiſche Tür 
ſche; weil felbige aber bey den Kalmuͤcken felten iſt, fo bedienen 
fib Diefe theils einer aus Rus gemachfen, theils einer braunen 
Materie, die man zwifchen den Musfeln verrefter Pferde finden 
foll, ud die Morin- Dekke genannı wird. — In dem alfen 
Kalmückiſchen Tempel am Irtiſch, Den ich unfer dem Nahen 
Ablsin = Ricd im zweyten Theil meiner Swiriſchen Reiſe be> 
fhrieben habe, and man auch Tangittiſche Gebete aur mehr als 
ſechs 301 breiten, blau und ſchwarz gefarbein Blaͤttern, mit 

Zweyter Theil. Bm gold⸗ 


Ir :ı Bu Kleber bie Litteratur 


Schriftarten goldnen und filbernen Vuchſtaben geſchrieben. Es fanden ſih on 
ie unter denauch alte Schriften, die auf der weißen Birkenrinde, ſtatt Ba: | 
mongoliſchen piers, geſchrieben waren. Vey Dpfermapfern ſieht man off Ger 
ee“ Voͤlkern ‚betformeln. auf Bölzerne Taflein, ober auf Schulterknochen van. 
uͤblich. Thieren geſchrieben oder auch auf Steinen entweder eingefrigelt 

aber mit. ſchwarzer Dinte gefchrieben.. Ä 


Weil die Schreibematerialiem bey dieſen Steppenvoͤlkern fe 
ten und theuer find, fo. bedient man fih in. den Schulen, zur 
Hebung: der Jugend ſchwarzer, weißbeſtreuter hölzernen Schreib: 
fofeln oder Bugillares die. Sſambarah oder Sſamdra genannt 
werden und morauf. man mit — Griffeln ſchreibt. Eben 
dergleichen erwaͤhnt auch den Pr. Georgi (im. Alphabet. Tybe- 
tano. S. 564). bey den Tybetanern; felbige haben aber. mol zu: 
der Gemohnpeit ,. auf Schulterblaͤttern zu ſchreiben, ſo⸗ wenig 
Gelegenheit gegeben, als- unfer Papier, zu: den Steinſchrijten. 
⸗ | Dieſe Schreibfafeln beſtehn, bey den Mongolen, aus zwety duͤnnen 

Fichtenbretlein, die in Form. eines: Buchs mit Leder an einem 
Bande zufammengeleimf, inwendig. geglaftet:, mit. Fett: und Ruß 
ſchwarz gegründef und daruber mit zarter, feiner $oderafhe uͤber⸗ 
freut find, ſo daß die mit. Dem: Griffel darauf, gezogne ünien 
ſchwarz zum. Borfein kommen. | 


j An China: und Eybet werden feßr viele geiſtliche Schriften, 
beſonders in. Tangutiſcher Quadratſchrift, mit: hölzernen Platten 
oder Formen, (Bars) die fie fehr. fauber: ausfchnigen,. auf Pas: 
pier gedrudt. Bey den: Kalmüden Habe ich. feine: Künftler. geſun⸗ 
’ 2 den, die Schrift zu ſchneiden im: Stande wären, und bey den: 

| Mongolen find fie. nur. ſelten; defto: gemeiner. ift dieſe Kunft in: 
Tybet und China, und: alle hinefifhe Schriften. find: mit: ſolchen 
Holzplatten, die ein. ganzes. Blatt auf einmapl: abfeßen,. gedrudt.. 
Die Mongolen nennen: felbige: Bars und. 'tch habe deren mehrere 
bey ihnen erhalten: Beſonders find; die Tarni und‘ Amulete, Die: 
den Laien u a werden, gemeiniglich: mit folchen. Plafıen- 
8 uckt, wie ẽ. das: Ommani pat me chum auf der 154ften 
dieſes s und die Character auf; der. 155ſten. Dinge 


—— 


| / Be 
| r x 
ı_ MR ga L L 





und Kenntniſſe der Mongolen. art. 


gen habe ich von der angebliden Druderes mit beweglichen bet⸗ Schriftarten 
tern, des Schwediſchen Stücdjunfers "Johann Renat, Der eine die unter den 


Zeitlang unter den Sorngaren lebte (*), feine Spur bey den M 


Kalmuͤcken gefunden, und felbige mag wohl eben: fo, wie deſſen 
Feldmarſchallamt, an die Ufer der Garonne Bingeheren. 


Die Bahlen der Bongolen, find den Indianifchen ähnlich, 
nad melden auch die kürfifch- tatariſchen und unfre gemeine Sif- 
fern gebildet find. Sie züplen aber ‚gleidy den Indianern, mie 
‚ Deeimalzaplen ins unendliche und haben zu jeder Progreffion eis 
ne befondre Benennung, die befonders in der Welt- und Goͤtzen⸗ 
lehre zur Berechnung der ungeheuren Kangufifden und indifchen 
Weltperioden und Beiten unentbehrlich find. Bekanntermaßen iſt 
bey ER Arban 10. Soonift 10 mahl 100der 100. Minggan 10 
mahl 100 oder 1000. Tümmen ift 10 mahl 1000; und diejes find 
ganz gewoͤhnliche Zahlen. Ferner ift: Bum zehnmaphl 10,000 nder 
100,009; Saja ift zehnmal hundert taufend oder 1000,000 und 
fo multipliciren ſich ferner je durch. zehn, in die vorhergehende 
Zahl, folgende: | 

Dſhuva zehn Millionen, Duͤngſchuͤrr⸗ Tarbum; Jike-Tar⸗ 
bum; GSdrargoͤrik, Jike⸗Goragdrik; Gdrabgdrim, Jikaͤ⸗ 
Gdrabgorim; Börabgdrim: Dam, Tile :Börsbgdrim ; Dam; 
Dom, Jike-Dam; Breit, Jike-Gtrik; —— Jikaͤ⸗ 
uͤlli⸗alſaktſchi; Illangoi-⸗ kuͤrruͤkſaͤn, 3 

Dangding, Jike⸗Bangding; Etrellen-Udiridochoͤ; Jike-Etel⸗ 
len Udirdocho; Rifar- full, Jike⸗Kiſar⸗ uͤſuͤtruͤ; Suͤrik, Jike⸗ 
ſuͤrik; Ueſuͤskuͤlling⸗gaͤrraͤl, Jike⸗ uͤſuͤskuͤllung⸗ gaͤrraͤl; Wang⸗ 
bo, DJike-Wangbo; Saitür « Rürrüffän, * ⸗ſaitur⸗ Kuͤr⸗ 
rikſen; Lchan:Ucchai , Jike⸗Uran⸗ utchai; Tſchipkoi- tohſun. 
—* — tohſun; Sarradik, Jike ſarradik; Kuͤtſchinaͤ⸗Kuͤr⸗ 
Dt, Jite⸗ 





(*) ©. Schloͤzers Anmerkungen in Zarmanns Sibiriſchen Briefen. 
Wong A 


L 


— | 
N 2 


tſchinoͤ⸗ kuͤrdi; Dowo⸗Medeku, nu | 
Nas 


ongolifchen . 
Dölfern 
uͤblich. 


ö— — —ñ —— — — —— EEE. Bun nun en en — — — * u y 
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J Pan! ” N 
f s ” « . ı er I 
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* 


—8 


368 Ueber die Litteratur 


Schriftarten Endlich die accentuirten Endbuchſtaben Debooker⸗ Orkiza, 
Die unter ben welche theils Laute, theils ſchwere oder mit Diphtongen vergeſell 


ul (haftet find. Wolgendes find die Lebhaften: 


ablich. — abà, 2 ami, 2, J/al, 
u a CE 


4 ara, | alsı, atäa, aia, au-a, 
Aa und 4 ang-a | 


Die Kuͤnduͤh oder nachdruͤcklichen: ad u-ä, d 4b, 


N. 


g„am-i,. ya pe 2a, 


Bu alfen diefen kommen noch vier befondee Debeckerr Orkiza: 


an-u, an-i, : än-uumd 4 umni— 


wel⸗ 


‚und Benntniffe der Morgen 369 


welches in allem 48 Endbuchftaben ausmacht, ohne die fogenanns Schriftarten 
tn Saarmak oder Aerſu⸗ Buchſtaben, welche ſaͤmmtlich aus die unter dem 
ver Elaffe des i. gebildet werden und an Der Zahl vierzehn find, ee 
die man in männliche, nach einem vorhergehenden lauten Bora: ab. 
fen folgende, und weibliche die auf einem Dipbtong folgen uns 
theilt, ale: | J— ee 


abafchik, und 4 "gäfchik. 


Die Mongolen fehreiben, fo mie tie Tangufen, und Indiae 
wer auf einzelne, voı 6 30T bis anderthalb Fuß fange und Hode 
ftens fünf ‚Boll breite, einzelne Blätter von dirkem chinefiihen, 
oder europaifhen Papier, dergeſtalt daß wo auf einer Seite die 
ſenkrechten; dem kurzen Diameter parallellen Zeilen aufbcren, auf 
der andern Seite, wenn Das Blatt umgefchfagen wird, Die Zeis 
len an felbigem Rande anfangen. Am Anfange und Befchluß eis’ 
nes Bus bleibe eine Seite rein, aufer Daß etwan zuweilen ‚der 
Titel des Buchs auf der erftien Seite ſteht. Alle Blatter eines 
Buchs werden gemeiniglich in em Stuͤck Baummollenzeug von 
dunfler Farbe eingewickelt und mit Schnüren ummunden aufbewahrt. 
Sie bedienen ſich, zum fihreiben,, aus Indiſchem Rohr gemach- 
ter Federn, Die fait wie Die unfrigen zugeſchnitzt und gefpalfen 
find; niche des Pinſels, wie die Ehinefer. Statkt des Dintenfaf 
feö dient ihnen ein großer mit Dinfe gefranfter Pinfel, ven fie 
in der linken Hand halten, Ihre Dinte ift die Chineſiſche Tur 
fhe; meil felbige aber bey den Kalmuͤcken felten sit, fo bevtenen 
fib dieſe theild einer aus Rus gemachten, kheils einer braunen 
Materie, die man zwiſchen den Musfeln verrefter Pferde finden 
foll, ud die Morin-Dekke genannt wird. — In dem alten 
Kalmäckiſchen Tempel am Irtiſth, Den ich unfer den Namen 
Alain = Ricd im zweyten Theil meiner Switiſchen Reiſe be: 
fchrieben habe, {and man auch Tangutiſche Gebete auf mehr als 
ſechs Zo1 breiten, blau und ſchwarz gefarbein Blaͤttern, mit 

ab m 


Zweyter Theil gold⸗ 


I. we Leber die Litreratun 


Schriftarten goldnen und filbernen Wuchflaben geſchrieben. 5. fanden: fih da 
wie unter denauch alte Schriften, die auf der weißen Birkenrinde, ſtatt Pa: 
mongolifchen piers , gefihrieben waren. Bey Opfermaßfern ſieht man oft Ges 
DBölfern ‚betformeln. auf hoͤlzerne Taͤflein, oder auf Schulterknochen van. 


. 


Thieren gefchrieben oder auch auf Steinen entweder eingekritzelt 
der mit. fohrvarzer Dinte gefchrieben.. Ä 


Beil die Schreibematerialiem bey: dieſen Steppenvolfern fek- 
fen und theuer find, fo. bedient man fih in. den Schulen, zur 
Uebung: der Jugend ſchwarzer, meißbeftreuter. holzerner. Schreib⸗ 
tafeln ober Bugillares die Sfamberab oder Sſamdra genannt 
werden und morauf. man mit —5 Griffeln ſchreibt. Eben 
dergleichen erwaͤhnt auch den Pr. Georgi (im Alphabeto Tybe- 
tano. ©. 564) bey den Tybetanern; felbige haben aber. wohl zu: 
der Gemohnpeit ,. auf; Schulterblattern: zu ſchreiben, ſo⸗wenig 
Gelegenheit gegeben, als unfer Papier, zu: den Steinfrijten. 
Dieſe Schreibfafeln beſtehn, bey den Mongolen, aus zwey duͤnnen 
Fichtenbreflein, die in Form eins: Buchs mit Jeder an einem 
Bande zufammengeleimt, inwendig geglättet, mit. Fett: und Rus: 
fhmwarz. gegründet und Darüber mit zarfer, feiner Loderaſche über: 
ftreuf. find, fo daß die mit. tem: Griffel darauf, gezogne Linien 
ſchwarz zum Vorſchein kommen. — 


In China und Tybet werden feßr viele geiſtliche Schriflen, 


-  befonders. in. Tangutifcher Quadraffhrift, mit: hölzernen Platten: 


oder Formen, (Bars) die fie. fehr. Tauber: ausfchnigen,. auf Pas: 
pier gedrudt. Bey ven: Kalmuͤcken habe: ich. feine: Künftler. gefun⸗ 
den, die Schrift zu: ſchneiden im: Stande waren, und hey den: 
Mongolen find fie. nur. ſelten; defto: gemeiner. ift diefe: Kunft in 
Tybet und China, und: alle chineſiſche Schriften. find: mit ſolchen 
Holzplatten, die ein. ganzes. Blatt auf einmahl' abfeßen,. gedrudt.. 
Die Mongolen nennen: felbige: Bars. und ich Habe. Deren mehrere 
bey ihnen erhalten: Beſonders find: Die Tarni und: Amulete, Die: 
Ben Laien ausgerbeitt: werden, gemeiniglich mi. folchen. Platıen. 
Bruni, wie — das: Ommani pat mie chum auf der 154ſten 
ite dieſes Theils und. die Character auf, der. 155ſten. Dinge 

2 gen: 








und Benntnife der Wiongolen art. 


gen habe ih von der angebliden Druderes mit beweglichen bet⸗ Schriftarten 
tern, des Schwediſchen Stücdjunfers "Johann Renat, Der eine die unter den 


Seitlang unter den Sorngaren lebte (*), eine Spur bey den m 


 Kalmüden gefunden, und felbige mag wohl eben: fo, wie deſſen 
Feldmarſchallamt, an die Ufer der Garonne hin gehoͤren. 


Die Bahlen der Brongolen, find den Indianifchen aͤhnlich, 
nah melden auch die fürfifch= tatarifchen und unfre gemeine Zif⸗ 
fern gebildet find. Sie zaplen aber ‚gleich den Indianern, mit 
‚ Dreimalzaplen ins unendliche und haben zu jeder Progreffion eis 
ne befondre Benennung, die befonders in der Well - und Goͤtzen⸗ 
Ichre zur Berechnung Der ungeheuren tangufifhen und inbifchen 
Weltperioden und Zeiten unentbehrlich find. Bekanntermaßen iſt 
bey ipnen: Arban 10. Soonift Lomapl 1ooder 100. Minggan 10 
map 100 oder 1000. Tümmen ift 10 map! 1000; und diefes find 
ganz gewoͤhnliche Zahlen. Ferner ift; Bum zehnmahl 10,000 oder 
100,009; Saja iſt zehnmal hundert tauſend oder 1000,000 und 


fo. multiplieiren fih ferner je durch zehn, in die vorhergehende - 


Zahl, folgende: 


Dſhuva zehn Millionen, Duͤngſchuͤrr⸗ Tarbum; Jite⸗Tar⸗ | 


bum; GSdrakgoͤrik, File - Böragörit; Gdrabgdrim, Jikaͤ⸗ 
Gdrabgorim; Börsbgdrim- Dam, TJile:- Börsbgdrim s Dam; 
Dam, "Jile:Dam; Breit, Jike-⸗Gtru; Vellt: Alfakfebi, Jikaͤ⸗ 


uͤlli⸗ alſaktſchi; Illangoi⸗kuͤrruͤkſaͤn, — ———— 


Bangding, Jike⸗ Bangdin ; Bkellen - Udiridoch Jite :Ztel- 
len Wdiridochs; Kiſar uͤſuͤku, Jike-Kiſar⸗ uͤſuͤruͤ; Sürik, Jike⸗ 
ſuͤrik; Ueſuͤskuͤlling⸗gaͤrraͤl, Jike⸗ uͤſuͤskuͤlluͤng⸗ gärräl; Wang⸗ 
bo, Jike-Wangbo; Saituͤr⸗ KRuͤrruͤkſaͤn, * ⸗ſaitur⸗Kuͤr⸗ 
rikſen; Uchan-Ucchai, Jike-Ukan-utchai; Tſchipkoi-tohſun, 
Tite -tfchipkoi.robfun; Sarradik, Jikeſarradik; Kuͤtſchinaͤ⸗KRuͤr⸗ 


db, Jike, kuͤtſchinoͤ⸗ kuͤrdi; Dowo⸗Medeku, Ite-Dowo.mebekn; | 
Vas 





(*) S. Schlözers Anmerkungen in Caxmanns Sibiriſchen Briefen. 
Bug —— 


ongoliſchen 
Volker 


lkern 
uͤblich. 


797° | "Ueber die Litterarue 


Echriftarten Maſchi⸗Bolchoi, Tite maſchi⸗ Bolchoi; Kuͤtſchaͤnaͤ/ nidun⸗ 
Die unter den Ede Ruͤtſchaͤnaͤ⸗ nidun; Aſſorchoi, Jikaͤ⸗SVAſſarchoi; Oerroͤh⸗ 
ee ſchoͤhnto, Jiker Der roͤſhohnto; Bajaschoi, Jire: Baſaschoi⸗ 

hal zatidir I Jike⸗ N und endlich zebnmahi Sie: sa — 


| —. — 
Als. eine. Srobe,.. wie die Mongolen, durd — Partie 
keln ihre Worte dekliniren? will ich hier die Feine des 


Wortes Gaͤrr, das Haus, beyfuͤgen. 


| | Singuler. | 
Gr, das Haus, Bär, du Baus 
Gärrien, des Haufe. Bärräfs, von dem Haufe, 
—— dem Hauſe. FGaͤrraͤr, durch, mit 
Gaͤrraͤren, dem Baufe. 


Gin, ii biefem: Haufe. Bärtäggen, faınfdem Haufe. 


Gaͤrlaͤr zuſamt dem Hauſe. 


fu ralis. | Ä 
Srrmin, die Pr Gaͤrrmuͤtoͤſſa von den Haͤuſern 
Gaͤrrmuͤdien, derer Hauſer. Saͤrrmurd —9— mit den - 
Gaͤrmuͤtdu, bey den Haͤuſern. Gaͤrrmuͤt⸗ taͤgaͤn, ſamt den 


Brrmdãgi denen d uſern. Söuſtrn. 
Erz ipr. Höfer, EHEN 

— en ee | Bi 5 Zen A 

Eu > ß F oo. . 


Die Languten u und. mengofifgen Vilker ebeiten ni ganze: 
Weißpeit in "fünf Wiſſenſchaſten ein: 


Urrun Uchaan, Verſtand in Kunſtwerken. 


Aemmien Uchaan, Berftgnd in, Arzneykräften. 
—— Uchaun, —— in der RR 


Aemb: 





| und Kenntniſſe Ber. Mongolen. Sys, 


Kemdſchien⸗ Uchaan, , Werftand im Uetpeifen > . Güeiftarten 
Vlommien-Whaan, Berftand in Neligionslefrem. :  mongolihen 
Ber Bollkommenheiten eines Manned yapfen fit neun? ee | 1117 
lern, kunſtreich zu fung: 
Baatur, fapferz | | 
Zaͤzaͤn, pn er 
Balh aͤtſchi / urtheilsvoll; BR cr 
Chaburaf, guten Shüge; N 
Morosöfhir.Spurausfiüderg.. , .: .- 
1.22) 1 1 Pe 
ee AUßtſchi, Schwimmer; — 
Chyulluchaitſeht/? ein feiner Dieb zu fun © 


Unter ‚den. Kuͤnſten iſt das Leichnen „Mahlen, Modelliren, 
Schnitzen ud Forme iſchneiden hauptſächlich auf die Geiſtlichkeit 
‚ eingeföhrgnft, die auch: die Lehren und Fabeln des Lamaiſchen Aber⸗ 
glaubens vörziglich im Beſitz hat. Jene Kuͤnſte find ihnen zur. 
Fabricirung ihrer Goͤtzen felbit,. der Altarauffiße, der Amulete, 
der !ogenamnten Ghai die mit Den Votis des alten. Heident hums 
eine Aehnlichkeit haben, md dergleichen unentbehrlich. Das Gieſ— 
fen Der Setzenfiguren: in Metal wird num im, Tybet durch" bes 
fonore Künftler ausgeuͤbt. Ich wiſl hieber nicht das. Damasfint-_ - 
ren ei ſerner Waffen und .Zigratheit, welches Die noch ganz ropen- 
und fihriftlofen Buräten, als‘ eine uralte Kunft ausüben; nod. 
auch Die Architectur ihrer bei glichen Hüften und U: mpel, wozu 
fie iwenigftens die. Farm, nach ven tybetaniſchen Tempeln arige= 
ben, das Schmieden, der Waffen, und‘, Berfertigung der Pfeile. 
und Des Reifzeuges rechnren. | 

Ihre Aerzte (Aemtſchi) And ‚ebenfalls durchgehende Pfaffen, 
die: einige. .Kennmmi fe von inkindifchen Kräutern und Wurzeln. has 
ben, am weiſten aber Durch; tybetaniſche und chineſiſche Bimplis.  - 

.. 2 cien, 


a": Uber die Kitterame.” 


Exhriftarten cien, die alle verſchiedener Tiere, einige Mineraften und Stei- 
Die unter den ne, und endlich auch durch Gebete, Beſchwoͤrungen und Amulete, 
AUT Kranfpeiten zu heilen fuchen und uͤber haupt ſehr unwiſſend 
Gb, ſind, Sie Haben rinige Schriften über den Puls, über den Sig 
der Seele bald in diefem, bald in jenem Theil des Körpers, al 

des voll Des grobfien Unſinns. e 


Won ifrer Tonkunſt laͤßt fih nicht viel rüpmen. pr Ge 
ſchmack in Der Muſik iſt Plagend swb unharmonifih und eben die: 
e serdorbenen Geſchmack Haben die Mongolen den Krymiſchen 

afaren mitgetheilt, deren elendes Geſchrey, durch die Nogaifchen 
Geſaͤnge noch weit übertroffen wird, da doch die Kafanifihen und 
Baſchkiriſchen, mie auch die Sibiriſchen unvermifchten Tataren 
ganz erfrägliche Melodien haben, 'meiche ſehr nach den Gefangen 
der Schottiſchen Hochlanderarten, Die Mongolen haben doch eine 
Art, nah Tangufifcher Weife ihre Muſik mit Buchftaben auszus 
drüden, Die in jeder Meibe, ‚Durch oben und unfen gefihruyingene, 
punftirte oder ‘ganze Linien, ſo wie man fid auf meteordlogiſchen 
Tafeln macht, das Steigen und Fallen der Tone anzeigen. Ge⸗ 
nreiniglich wird dazu Die Tangutiſche Euransfhrift (Akſchur) 
gebraucht. 


Bon der Theologie der Mongolen iſt fo weitlaͤuftig gehan⸗ 
delt worden, daß mir nichts mehr davon zu ſagen uͤbrig bleibt. 
Ihre aſtronomiſche Kenntniſſe und Aſtrologie find damit fo genau 
verwebt, daß ſie ſelbige gar nicht als eine beſondre Wiſſenſchaft 

betrachten. Indeſſen beweiſen alle hier gelieferte Fragmente, daß 
der beſſere Theil der mongoliſchen Voͤlkerſchaften, beſonders ihre 
Cleriſey und Schriftgelehrte, eben fo wenig unter bie uncultivir⸗ 
te Nationen gehoͤren, als Europa zur Zeit des Moͤnchthums. 
Sie haben auch, wie aus dem vorigen pinlaͤnglich bekannt iſt, 
ſeit der Erfindung und Einführung der Schrift bey Ihnen, Hin 
laͤngliche hiſtoriſche Nachrichten, über ihre Fuͤrſten und Voͤlter⸗ 
ſtaͤmme, und die fonft bey ihnen mündlich überlieferte, und nach— 
mals fhriftlih verfaßfe Tradifionen, geben uber ipre alfefte Ge: 
ſchichte einigen Aufſchluß. Außerdem haben fie eine Menge SE 

eu: 











md: Kenntniſſe der Mongolem. 15 


Beurer Helden und: Wundergeſchichten, befonders über ißren Def: Schriftartem 


fürchen und Legenden über die Wanderungen und: Wunderthaten 
‚iprer Soßen, fowohl auf, diefer, als auf andern Welten und in" 
allen Creaturclaſſen. 


Zum Beſchluß will ich noch anführen unfer was für Namen 
einige entfernt: und benahbarfe Voͤlker, Fluͤſſe und: Stadfe, be— 
fanderdö unter den Kalmuͤcken befannt find: Toͤbbet, nennen fie 
die Tobetaner, die ſich felbft Bod oder Potjit nennen;. Rittat, 
die Epinefer; Manggot, die Tataren, welchen Namen aber, der. 
einen Kobolt bedeutet, die Burafen und Mongolen den Rüuffen 
beylegen; Orroß werden leßtere hingegen von den Kalmuͤcken, 
‚und Ssahan:: Caian ( der weiße Beherrfcher) der Ruffifche Kay⸗ 
fer von allen. Mongolen genannt. Turuk nennen: fie die Turkey, 
Charram die Krym, Arcab Arabien, Ermaͤli Armenien, Guͤrd⸗ 
ſhi Georgien, Schafa Perfin, Tſchiezer Teutſchland, Schibs 
bet Schweden, Purruß Preußen, ſich felbit endlich Oeloͤt oder 
Chalmik ‚ ‚und die Mongolen Mong= gol welches die Tanguten: 
— ausſprechen. Wenn. Die Rede. von. dem Reichen aller Dies 
fer Wolfer iſt, ſo wird nur immer am Ende die Sylbe Tu angehaͤngt. 
Ganz Indien jenſeit des Ganges begreifen fie unterdem Namen Aenet⸗ 
BEE der (hen vielfältig erwähnt worden ift. — Die Kalmücden 
nennen ferner:. Die Wolga chil, Den Don Täng,, den er 
Sai, die Kuma Rümb,. den Kuban Chubun;, die Samara Ga- 
mar, den Irtiſch Ertſchiß, Aſtrachan Aidarchen, Jenataefka: 
Schimaͤ Balgaſun (Die neue Stadt), Tfehernojarfh Jang Chal⸗ 
la, Zarizyn Ach-Chuſch, Dubofka Dowoki, Kampfchenfa: 
Scharra Chamis, Saratof Scharrato, Simbirſt Sinbir, Sa⸗ 
marſk Samarchalla, Kaſan Chaſſan, Moſkwa Meſchkoo, Pe⸗ 
tersburg· Piter, Conſtant inopel Iſtambul, Peking Betſchin, Kite - 
lar Chaslar, Tobolsk Toboltora, Rußland Orroß, das dieſſei⸗ 
tige Indien Monton, die Bucharey Chotton, (die. Staͤdte) und 
die regulairen. Ruſſiſchen Truppen Maskali. | 

ÿII 


— 4 
— — — — 


 -.-- 
Anhang— 
verſchiedener Zuſatze und Ergänzungen. 


6 





GE 


Ittaͤgaͤl oder taͤgliches Gebet und Glaubensbekaͤnntniß ber, 
| Schaktſchamunianer. 


(Aus dem Tangutiſchen zu ©. ı71.) 


T, bin nun auch eine Mutter geworden (*), in. Beziehung auf 

Den ganzen himmlifchen Inbegriff. Der Burdan, melcer alle 

z Weltgefchopfe, Die zehn Weltgegenden (**) und Die drey grofen 
j : ö Der 


[\ 





a STE te a 


(*) Den Hier gebrauchten Ausbruck (Mutter) wird man verfichen, mens 
man erwägt, daß, nach Den Lamaiſchen Ideen von der Geelenwande: 
rung‘, die Ereaturen, fer unzähligen Aahrbunderten, ſchon in die acı 
naueſte und mannigfaltigſte Verwandſchaft mit einander gerathen find, 
fo daß jede Seele der: andern, weil der Grad jener Verwandichaft 
richt. genan zu beſtimmen if, auf aflın Fall mütterlihe und Findliche 
Liebe ſchuldig zu ſeyn glanben, und ſolche auch moͤglichſt auszuuͤben ſu⸗ 
chen mu. Da nun der ageiſtliche Stand beſonders zu guten Werken 

— und zur Fuͤrſorge ſuͤr Das Wohl der Seclen verpflichtet, fo muß der 
e jenige der fih den geifllihen Studien witmer, fi als eine Mutter. 
1 aller Eechen brtrachten, welches auch der eigentliche Sinn des Wortes 


Rama if. — — FR ‚ - 
{*°) um den Begriff der Allmacht auszudruͤcken, kebienen fi Die Lamen 
bes Praͤdicats: Beberrfcher Der schn Welrgeaenden, und erklären 
dieſe burch Die vier großen und vier kleineren Welttheile, welche um 
den Sihimer : Cola lienen, und dann durch den großen, alles umfaf 
ſenden Ober » und Unterraum. 





Tägliches Beber und Blaubenebetämmiß ı, 377 


Perioden (*) beherrſchet (Schaktſchamuni) iſt, nach ſeinem gan⸗ 
zen Wuͤrken, Verordnungen, Gedanken und Weisheit, das Wer 
fen des ganzen Weltalls geworden. Dieſem ‚allervollfommenften 
Grundweien und Urheber der 84000 Nomien ⸗Zokzoͤ (**), dem 
auser waͤhlteſten Deren Der Prieſterſchaft; deſſen huͤlfreichen Gefeßs 
vor ſchriften (Nom) und Lehren, und ven erhabenſten Lama, 
welchem ich untexgeben bin, — dieſen allen ſey die Ehre der als 
Seroolifommeniten Glaubwuͤrdigkeit. ö | 
Dem Lama fey die Ehre der Glaubwuͤrdigkeit! 
. Dem Burchan fey Die Ehre der Glaubwuͤrdigkeit! 
Der Bleubenslehre fey die Ehre der GHaubtoürdigkeif! =... 


Der Prieſterſchaft fey Die Epre ver Glaubwuͤrdigkeit! 


Denen Iddem-Manralien⸗Burchanen und ihren himmli⸗ 
then Öefrärten (***) ſey Die Ehre der Glaubwürdigkeit! 
Der hocherhabnen Glaubenslehre derer Nomien⸗Taͤtkaͤr⸗ 


ſchi 





N vr Am — Bere — 
{*) Unter denen großen Perioden werden bie beide vor Zukunft des Schak⸗ 
ſchamuni verflofiene, umd